Willensdorfer Schlucht

 Rundweg über Kreuzberg – Aschau

9,41 km

250 HM

2:30 h

Willersdorf – Dreiländereck – retour

10,8 km

 

ca. 4 h

 Lehrpfad bis Valtlmühle – retour 7,8 km  

Die Willersdorfer Schlucht ist laut Burgenland Tourismus ein ganz besonderes Fleckchen Erde – und ich muss den Touristikern recht geben. Wir haben diese Schlucht schon einmal Anfang Juni 2022 besucht. Damals konnten wir wunderbare Apollofalter fotografieren. Ende Juni 2025 (es herrschte eine Hitzewelle) machten wir uns erneut ins Burgenland auf – unser Ziel war wieder die Willersdorfer Schlucht. Von dieser Wanderung möchte ich nun berichten.

Vorweg: Dieses Gebiet erfordert Zeit und Geduld. Wer in Ruhe die Wiesen und Büsche studiert, kann extrem viel entdecken. In diesem abgeschiedenen Tal hat sich eine ungewöhnlich hohe Biodiversität erhalten. Wer jedoch gerne sportlich und rasch wandert, wird vielleicht etwas enttäuscht sein und nur einen Weg neben einem Bach sehen, der noch dazu von Mountainbikern benutzt wird.

Willersdorf gehört inzwischen zu Oberschützen. Es ist ein beschaulicher, kleiner Ort mit einer Besonderheit: einem evangelischen Bethaus. Und genau bei diesem evangelischen Bethaus beginnt der Wanderweg. Man kann sich nicht verlaufen – immer dem Bach entlang, an Häusern vorbei, hinein in den Wald.

Der Schluchtwald und der Bach kühlten wunderbar. Rastbänke standen direkt im Wald, ein Fischteich folgte, dann eine Tafel, die vom Schlosshansl erzählte. Hinter dem Teich, auf der Geländekante über der Schlucht, soll es spärliche Mauerreste der Burg Willersdorf geben. Um ganz ehrlich zu sein: Wir haben nicht danach gesucht. Erstens gab es keine eindeutige Wegbeschreibung, zweitens hatte ich mir die Bilder im Internet angesehen – viele Mauern gibt es dort nicht mehr zu betrachten.

Die Burg, die 1280 von Johann von Güns-Güssing errichtet wurde, war eher ein „Burgerl“. Nach dem Modellbild auf der Tafel eigentlich mehr ein massiver Turm mit einem Palisadenzaun rundherum. Neun Jahre nach der Erbauung wurde dieser Wehrbau im Zuge der Güssinger Fehde bereits wieder zerstört und nicht mehr aufgebaut.

Also marschierten wir zielstrebig dem Bach entlang weiter zum Beginn des Lehrpfades. Liebevoll wurden die acht erlebnispädagogisch aufbereiteten Stationen des Lehrpfades gestaltet.

Die Willersdorfer Schlucht lag früher im Grenzbereich zwischen dem Herzogtum Steiermark (später dem Kaiserreich Österreich) und dem Königreich Ungarn. Wir wären vor einigen hundert Jahren hier im Königreich Ungarn unterwegs gewesen – allerdings wären wir trotzdem sozusagen auf „steirischer Erde“ gegangen. Das klingt jetzt lustig, aber die Geologie hat dafür eine ganz interessante Erklärung.

Vor zirka 20 Millionen Jahren gab es in diesem Gebiet Senkungsbewegungen. Dadurch konnte vom Meer Wasser eindringen, und da dieses Meer Teile der Steiermark bedeckte, brachte es aus der Steiermark viele Schotter, Sande und Lehme mit. Sehr, sehr viel Material wurde abgelagert. Später arbeitete die Erde wieder – diesmal kam es zu einer Hebung, und das Meer war Geschichte. Danach begann die Zeit, in der durch Erosion die Gegend modelliert wurde. Gut, dass das Wasser die Willersdorfer Schlucht mit ihrer großen Artenvielfalt geschaffen hat.

Eigentlich sieht der Willersdorfer Bach ganz harmlos aus. Als wir im Juni 2025 unterwegs waren, führte er kaum Wasser. Doch dieses vermeintlich kleine Bächlein darf nicht unterschätzt werden. Im August 2021 gab es ein Hochwasser, und im Juni 2024 folgte ein weiteres. Zwei richtig hohe Dämme sperren das Tal – an der oberen Kante eines Damms konnten wir noch abgelagerte Äste sehen. Die Wiesen sollen gänzlich voller Schlamm gewesen sein. Die Brücken wurden weggerissen (die meisten waren im Juni 2025 wieder errichtet, zweimal mussten wir den Bach noch über Steine queren). Der Forstweg sah recht neu aus – ich schätze, dass auch dieser vom Wasser weggespült worden war.

Doch trotz der heftigen Überschwemmungen konnte sich dank des Mischwaldes sowie der verschiedenen Talwiesen (Feucht-, Nass- und Magerwiesen) eine enorme Artenvielfalt in dieser Schlucht erhalten. Bei unserer Wanderung sahen wir verschiedenste Schmetterlingsarten (Dukatenfalter, Schachbrett, Bläulinge, Landkärtchen, Apollofalter). Auch unzählige bunte, gepunktete oder gestreifte Käfer labten sich an den Blüten. Und in einer Pfütze neben dem Weg lebten Schwärme munterer Kaulquappen.

Bei einer besonders hübschen Wiese mit einer Rastbank konnten wir uns entscheiden: entweder rechts abbiegen und zum Aussichtsturm wandern (Panoramablick in die Bucklige Welt sowie Richtung Bernstein) oder links im Tal dem Lehrpfad weiter in Richtung Valtlmühle folgen. Da im Tal noch eine besonders schöne Magerwiese auf uns wartete, entschieden wir uns für den Lehrpfad.

Die Valtlmühle ist die einzige der drei Mühlen in diesem Bereich, deren Gebäude noch existiert. Sie wird heute als Wohnhaus genutzt. Auf unserem Wanderweg in Richtung Dreiländereck kamen wir an weiteren ehemaligen Mühlenstandorten vorbei. Von der Patrizlmühle konnte ich 2025 nichts mehr entdecken – 2022 hatte ich an dieser Stelle noch Mauern fotografieren können.

Von der ersten Mühle des Willersbachtals konnte ich 2022 nur mehr die Erinnerungstafel sehen – 2025 war selbst diese Tafel schon teilweise unter Schutt begraben. Auch hier musste das Hochwasser ordentlich gewütet haben. Die Tafel erzählte, dass „die Mühle aufgegeben wurde, nachdem in den Sommermonaten eine Unzahl von Schlangen das Gebäude als Unterschlupf nutzte“.

Diese Tafel mit der Geschichte von den Schlangen war auch der Grund, dass ich auf der nächsten Wegstrecke meine Augen auf den Boden gerichtet hatte. Es dauerte nicht mehr lange, und wir erreichten den Dreiländerstein. Ein hübscher Scheckenfalter flatterte einmal um den Stein und hatte binnen weniger Sekunden den Luftraum des Burgenlandes, der Steiermark und Niederösterreichs gestreift.

Bis 1920 verlief hier die Trennlinie zwischen Österreich und Ungarn. Und so einsam dieses Waldgebiet auch ist – hier gab es einst einen Gendarmerieposten, um Schmuggel zu unterbinden. Bereits im 17. Jahrhundert soll hier der „Vierherrschaftenstein“ gestanden haben. Die Grundherrschaften Bärnegg, Ziegersberg, Krumbach und Bernstein grenzten hier aneinander. Der heutige Stein dürfte 1914 gesetzt worden sein (damals noch mit ungarischer Markierung – diese wurde später mit den burgenländischen Farben übermalt).

2025 machten wir hier kehrt und wanderten denselben Weg zurück. 2021 waren wir weiter hinaufgestiegen nach Schmiedrait und über den Rundweg zurück nach Willersdorf gewandert. Diese Variante bietet schöne Ausblicke, doch an diesem heißen Junitag war uns diese Runde einfach zu anstrengend.

Bärnbacher Klostergeheimnis – Wanderung Heiliger Berg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Bärnbach

7,2 km

155 HM

2:30 h

       

Der Heilige Berg von Bärnbach kann eine sechstausendjährige Siedlungsgeschichte aufweisen, und das will schon etwas heißen. Auf diesen Heiligen Berg wollten wir im Oktober 2025 wandern und erkunden, was die Menschen schon so früh dazu veranlasste, auf diesem Hügel zu leben.

Bärnbach ist eine Stadt – keine alte Stadt wohlgemerkt. 1817 war Bärnbach mit seinen 25 Häusern und 125 Einwohnern noch recht bescheiden. Um 1900 gab es 118 Häuser und 1.123 Einwohner, 1951 waren es dann 461 Häuser mit 3.918 Einwohnern. Diese Zunahme an Bevölkerung bewirkte, dass Bärnbach 1953 zur Marktgemeinde und 1977 zur Stadt erhoben wurde. Mit Stichtag 1.1.2025 gab es 5.894 Einwohner.

Die Stadt, die ihren Aufstieg vor allem dem Braunkohleabbau sowie der Glaserzeugung verdankte, hat eine relativ junge Pfarrkirche: die Kirche St. Barbara – besser bekannt als Hundertwasserkirche. 1948/50 wurde das Gotteshaus gebaut, recht schlicht war es. Bärnbach war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal eine Marktgemeinde.

1987 wurde vor allem die Außenansicht und der Bereich vor der Kirche vom Künstler Friedensreich Hundertwasser gestaltet. Das war ein Jahr vor der Landesausstellung „Glas und Kohle“, welche in Bärnbach stattfand. Der Kohlebergbau ist inzwischen auch schon Geschichte. Bis 2004 wurde Braunkohle abgebaut. Auch die Glasfabrik, welche seit 1805 bestand, hat 2011 die Produktion aufgegeben. Jedoch kann man das Stölzle Glas-Center sowie das Glasmuseum besuchen.

Ich mag die Hundertwasserkirche mit ihrer Sonnenuhr. Sie sieht so aus, als ob sie den Betrachter anlächelt. Auf der Position sechs Uhr ist ein roter Anger aufgemalt, der wie ein hübscher Mund wirkt. Die bunten Dachziegel, die farbenfrohe Keramik, die runden Formen … der Prozessionsweg mit seinen zwölf Toren. Gras und Blumen zieren die Dächer. Vögel lieben es, dort zu sitzen – sicher vor allen Katzen der Welt, die die Keramiksäulen niemals hochklettern können.

Vor der Kirche querten wir die Straße und hielten uns rechts, an einer Arztpraxis vorbei … an einer Zahnarztpraxis vorüber, dann zum Wegweiser zum Heiligen Berg. Nachdem wir den Bach überquert hatten, ging es über einen Hohlweg bergauf. Wie in einem Tunnel fühlten wir uns, so sehr neigte sich das Blätterdach des Waldes über uns. Dann kamen wir zu einem Forstweg, von dort folgten wir den Wegweisern hinauf zum Heiligen Berg mit dem Kloster der Karmeliterinnen.

Bärnbach ist nicht nur eine junge Stadt – auch das Kloster auf dem Heiligen Berg ist jung. 1975 wurde die Anlage „Heilig-Kreuz-Karmel“ errichtet. Ein neues Kloster und ein alter heiliger Berg, der eine Siedlungsgeschichte von 6.000 Jahren aufweist. Beim Bau entdeckte man, dass es an dieser Stelle eine prähistorische Siedlung gegeben haben musste. Es gab künstliche Terrassen, man fand Feuerböcke, Spinnwirtel, Webstuhlgewichte und Keramikgefäße.

Man konnte zwei Phasen prähistorischer Siedlungstätigkeit nachweisen, wobei die erste Siedlung einem Brand zum Opfer gefallen sein musste. Im 9. bis 8. Jahrhundert vor Christus war diese Höhensiedlung stattlich groß. Doch wieso siedelten die Menschen dazumal ausgerechnet auf diesem Berg – der keine Wasserquelle hatte?

Wir waren den Hügel mit seinen extrem steilen Hängen hinaufgestiegen – die Straße hinauf zu bauen musste sicherlich sehr aufwendig gewesen sein. Sehr steil fiel das Gelände auf allen Seiten hin ab. Die Aussicht war einfach grandios. Stubalpe und Gleinalpe, man sah auf die Stadt Voitsberg mit der Burgruine Obervoitsberg, zwischen den Bäumen lugte Schloss Kainach durch, Edelschrott war zu sehen und auch der wichtige Marienwallfahrtsort Maria Lankowitz. Gäbe es auf diesem Hügel keinen Wald – der Rundumblick müsste außergewöhnlich sein. Unsere Vorfahren waren sehr aufmerksame Menschen, die mit der Natur viel besser in Verbindung standen. Sie hatten die Heiligkeit des Ortes erkannt. Die Römer nannten ihn bereits „Mons Sacer“ (Heiliger Berg).

1660 stiftete die Gräfin Eleonore Eusebia von Wagensperg ein Gotteshaus auf dem Heiligen Berg. Gregi und ich gingen zu diesem Kirchlein, das mit einer Mauer umgeben war. Auf der Innenseite dieser gemauerten Umzäunung hing ein Wunschglöckchen – ein junges Wunschglöckchen allerdings. Seit 2005 hängt es hier – das ist schon Handyzeitalter.

Alt ist jedoch das bemalte Tor der Kirche. Die Apostelfürsten Petrus und Paulus sind dargestellt. Der Kirchenraum selbst ist sehr angenehm und beheizt. Der Altar wirkt etwas düster, und wenn mich nicht alles täuscht, konnte man ihn früher umschreiten. Eine hübsche Marienstatue steht rechts vor dem Altar, in ihren Armen Jesus als Fatschenkind (ein Kind, das mit Binden eingewickelt wurde).

Am Gipfel des Heiligen Berges steht eine Kreuzgruppe aus Sandsteinfiguren. Maria, Magdalena und Johannes sind zu sehen, der Gekreuzigte selbst befindet sich nicht mehr bei der Gruppe. Unterhalb des Plateaus (auf der Seite nach Bärnbach) gibt es einen äußerst interessanten Felsen. In seinen Spalten und Minihöhlen wurden viele kleine Schutzengerln platziert. Vielleicht ticken wir doch noch ähnlich wie unsere Vorfahren, die Mehl oder Schmalz in ausgeriebenen Steinschalen opferten.

Wir gingen wieder zurück zum Wanderkreuzungspunkt und von dort in Richtung Köflach. An einem aufgelassenen Bauernhof vorbei und dann rechts steil bergauf. Wir hatten diese Wanderung auch einmal an einem heißen Sommertag unternommen, und dazumal kam uns dieser Anstieg sehr anstrengend vor – darüber konnten wir an diesem kühlen Oktobertag nur mehr schmunzeln.

Der Weg führte beim Köflacher Stadtrand an Häusern vorbei nach unten, dann mussten wir nach rechts abbiegen. Wiesen, Wiesen, Wiesen – so viel Grün auf einmal. Ein herrlicher Blick auf das Schloss Piber, wo die gelehrigen Lipizzaner zu Hause sind. Ob all das Gras und Heu, das hier geerntet wird, den edlen Rössern verfüttert wird?

Die Umgebung sieht großzügig modelliert aus. Geschwungene, runde Hügel – als ob sie vom Künstler Friedensreich Hundertwasser geformt worden wären. Nur der Heilige Berg sticht in dieser runden Welt mit seiner spitzen Form heraus. Nach einer Biegung konnten wir schon die goldene Kuppel der Kirche St. Barbara sehen. Nun dauerte es nicht mehr lange, und wir waren in Bärnbach zurück.

In Bärnbach könnte man einen besonderen Stadtrundgang unternehmen – „Kunst im öffentlichen Raum“. Wir besahen uns noch den Bärenbrunnen am Hauptplatz und den Mosesbrunnen, der vom Künstler Prof. Ernst Fuchs gestaltet wurde.

Dann entdeckten wir etwas, das unsere Aufmerksamkeit mehr als alles andere erregte. Es war schwarz und pink und hieß: die Zuckermühle. Eine Konditorei genau nach unserem Geschmack. Wenn man in Bärnbach ist … unbedingt besuchen!

Bad Kreuzen – Wolfsschlucht

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Bad Kreuzen

4,5 km

175 HM

1:25 h

    

Klammen und Schluchten sind anziehende Orte. Neben einem Bach zu gehen, der über kleine und größere Kaskaden seinen Weg ins Tal sucht, hat eine äußerst positive Wirkung auf uns Menschen. Heute spricht man von negativ geladenen Luftionen, die sich wohltuend auf das Immunsystem auswirken. Doch die gesundheitsfördernde Kraft von Wasserfällen ist schon seit Langem bekannt.

Dass Wasser zur Heilung verwendet werden kann, wusste bereits Sebastian Kneipp (1821–1897), der von Beruf Priester war. Schon mit 25 Jahren litt Kneipp an einer Lungenerkrankung und begann, sich intensiv mit dem Thema Gesundheit auseinanderzusetzen. Auf diesem Weg stieß er auf Wasseranwendungen und stieg zwei- bis dreimal wöchentlich kurz in die kalte Donau. Einen Teil seines Wissens hatte er von Vincenz Prießnitz (1799–1851).

Prießnitz stammte – wie Kneipp – aus ärmlichen Verhältnissen und eignete sich seine Kenntnisse als Naturheiler autodidaktisch an. 1830 errichtete er in Gräfenberg eine Badeanstalt, die offenbar einen ausgezeichneten Ruf genoss. Davon dürfte auch Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Gotha gehört haben – ihm gehörten sowohl die Burg Grein als auch die Burg Kreuzen. Er schickte den Wundarzt Maximilian Keyhl nach Gräfenberg, um bei Prießnitz zu studieren. In der Folge wurde am 10. Mai 1846 in Kreuzen eine Kaltwasserheilanstalt eröffnet.

Doch nicht irgendeine Badeanstalt – sondern die romantischste, die man sich vorstellen konnte. Sie lag in der Wolfsschlucht, wo sich der Prießnitzbach in schönster Manier über Granitfelsen stürzt und dabei unzählige negativ geladene Luftionen freisetzt.

Diese ehemalige natürliche Badeanstalt besuchten wir im September 2025. Wir parkten das Auto in Bad Kreuzen, das auf einer herrlichen Aussichtsterrasse mit Blick auf die Burg Clam und das flache Machland liegt.

Wir marschierten bergab, dem Weg 5a folgend. Im Ort Neuaigen gibt es ein Hinweisschild: „Achtung, KellnerInnen queren die Straße!“ Wir querten sie ebenfalls und wanderten den steilen Waldweg hinunter bis zum Wanderparkplatz. Dort hatten wir den tiefsten Punkt der Wanderung erreicht – ab jetzt ging es wieder hinauf, hinein in die Klamm.

Das „Wiener Wellenbad“ ist die erste Station in dieser besonderen Schlucht: ein natürliches Wasserbecken, das an heißen Sommertagen bis zu knackige 14 Grad Celsius erreicht. Wie gesagt – es handelte sich um eine Kaltwasserkur. Zum Kurbetrieb gehörten auch die Neptunsgrotte, die Damendusche, das Damenbad, ein Badestein, ein Jägersitz (ob man von dort auf die Damenduschen blicken konnte, vermag ich nicht zu sagen), der Herkulesfelsen, die Herzogsquelle und die Anton-Bruckner-Zuflucht.

Über steile Treppen ging es dann die spektakuläre Klamm bergauf. Große Granitfelsen bildeten grüne, moosüberzogene Gesichter, umrahmt von Farnen wie Haaren – zumindest sahen wir das so. Möglich, dass die negativ geladenen Luftionen unsere Fantasie ein wenig beflügelten.

Weiter oben spielten Kinder im Bachbecken, wo einst die Kurgäste ihre Heilbäder und Duschen genossen hatten – wobei genießen bei 12 bis 14 Grad vielleicht relativ ist. Die Kleinen waren jedenfalls völlig vertieft in ihr Spiel, während die Eltern eher damit beschäftigt waren, Kindersocken auszuwringen.

Am Ende der Klamm steht ein hölzerner Aussichtsturm. Er wackelt ein wenig, und man muss zuerst auf Granitfelsen kraxeln, bevor man überhaupt zur Stiege gelangt. Doch oben angekommen sieht man … Bäume. Bäume und nochmals Bäume. Ein Tal voller Wald, Hügel voller Wald – diese Gegend Österreichs ist sehr holzreich.

Folgt man dem Wanderpfad weiter, entdeckt man bald erste Mauern im Wald. Die Burg Kreuzen muss einst stattliche Ausmaße gehabt haben; sie soll die zweitgrößte Burg Oberösterreichs gewesen sein. Man nimmt an, dass sie um 900 als Fluchtburg errichtet wurde – selbst für eine Burg ein ehrwürdiges Alter.

Ursprünglich gehörte das Gebiet den Brüdern Hans und Alber Volkensdorfer: zwei Brüder, zwei Burgen – eine vordere und eine hintere. Später erwarben die geschäftstüchtigen Brüder Siegmund und Heinrich von Prüschenk (die Erbauer des Schlosses Grein) die Anlage. Weitere Besitzer folgten, bis im 18. Jahrhundert ein Brand die vordere Burg zerstörte, die daraufhin abgetragen wurde.

Schließlich gelangte die Burg in den Besitz der Familie Sachsen-Coburg-Gotha – und damit schließt sich der Kreis zur „Herzoglich-Coburg’schen Kaltwasseranstalt Kreuzen“. Man kann sich gut vorstellen, wie die Kurgäste in ihren kessen Badeoutfits in der Wolfsschlucht standen, während eiskaltes Wasser wie aus einer Dusche über sie herabregnete. Idyllisch vielleicht, aber sicher nicht angenehm. Auch der beschwerliche Weg in die Schlucht wurde den Gästen bald zu mühsam.

So errichtete man in Bad Kreuzen ein modernes Curhaus samt Cursalon. Auch dieses Haus blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Heute wird es von den Marienschwestern vom Karmel geführt. Die Wasseranwendungen finden nun nicht mehr tief unten in der Schlucht statt, sondern oben im Ort. Während man unten Prießnitz ehrte, indem man den Bach nach ihm benannte, ehren die Schwestern heute Kneipp mit einem eigenen Garten.

Zurück zur Burg Kreuzen: Seit 2012 werden ihre historischen Räume vom Hotel Schatz.Kammer mitgenutzt. Es gibt eine Burgschenke mit einem wunderbaren Gastgarten und herrlichem Weitblick. Wir saßen dort – hinter uns die sonnenwarme Burgmauer, vor uns das weite Tal. Ich fühlte mich fast wie eine Burgfrau. Nur dass ich zu einem himmlischen Mohnkuchen einen ausgezeichneten Kaffee genoss – ein Luxus, den die früheren Burgbewohner wohl nicht kannten.

Von der Burg aus sahen wir das Schloss Grein und auch die Burg Clam. Zwischen diesen Anlagen bestand immer wieder eine enge historische Verbindung. Burgen gibt es in dieser Gegend viele – ebenso den Burgen- und Schlösserweg, der in Grein beginnt und sich über 215 Kilometer durch das Mühlviertel und Südböhmen zieht. Er führt an 19 Burgen und Schlössern vorbei, darunter auch an Burg Kreuzen.

Unser Weg führte schließlich zurück in den Ort mit seiner spätgotischen Pfarrkirche St. Veit. Besonders sehenswert ist die Wandmalerei aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts, die Szenen aus dem Leben des Heiligen zeigt.

Danach besuchten wir noch den Kneippgarten, der in Reiseführern wärmstens empfohlen wird, und spazierten am Curhaus vorbei. Doch romantischer bleibt die Wolfsschlucht – eindeutig.

Wenn ich mich entscheiden müsste: ein kaltes Bad in der Wolfsschlucht oder eine Kur im eher nüchternen Curhaus? So sehr mich die Geschichte reizt – sanitäre Einrichtungen sind nicht zu verachten. Ich glaube, ich würde mich doch für das Curhaus entscheiden. Die natürlichen Badebecken überlassen wir lieber den spielenden Kindern und ihren Eltern, die dort unfreiwillig Wäsche waschen.

 

Slow Trail Bleistätter Moor

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Steindorf

7,3 km

17 HM

ca. 2 h

       

Startpunkt: Steindorfer Eishalle oder gebührenpflichtiger Wanderparkplatz an der L50 Landesstraße von Steindorf nach Ossiach

Das Bleistätter Moor haben wir im April 2025 entdeckt und waren davon äußerst begeistert. Daher beschlossen wir, im Mai einige Tage in Steindorf am Ostufer des Ossiachersees zu verbringen. Und damit das Naturerlebnis noch toller wird, haben wir uns in ein hübsches Tiny-Häuschen eingemietet. Von der Terrasse aus konnten wir herrlich auf den See blicken. Einfach toll.

Einst war das Bleistätter Moor riesig groß – 600 ha soll es gehabt haben. In den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts nahm man es mit dem Naturschutz wohl nicht so genau. Dafür waren landwirtschaftliche Flächen wichtig, und man hatte inzwischen das technische Wissen, Moore zu entwässern. Also tat man das, und lange Jahre wurde die Fläche intensiv landwirtschaftlich genutzt.

Der Ossiacher See wurde ebenfalls genutzt, und zwar touristisch. Die Urlauber schätzen klares, sauberes Wasser, welches jedoch durch Düngemittel und Chemikalien der Landwirtschaft belastet wurde.

Also hatte man die hervorragende Vision, das Moor wieder zu fluten. Das geschah 2017. Und seither hat sich in diesem Gebiet wirklich sehr viel Positives getan. Am Ostufer des Ossiachersees ist ein wahres Natur- und Vogelparadies entstanden.

Wir wanderten in aller Herrgottsfrühe zum Moor. Es war gerade einmal halb sechs Uhr früh. Voller Vorfreude auf die Frühstimmung im Naturschutzgebiet marschierten wir beim „Steinhaus“ des Architekten Günther Domenig vorbei. Wie ein überdimensionaler „Transformer“ aus Beton, Stahl und Glas hockt das Gebäude am Ufer des Ossiachersees und erweckt garantiert bei jedem Betrachter eine gewisse Neugierde.

Weiter führte uns der Weg am See entlang, von wo aus wir romantische Bootshäuschen aus dunklem Holz entdeckten, die einen ziemlichen Gegensatz zum Steinhaus bildeten. Ein prachtvoller Kastanienbaum stand in schönster Blüte und verbreitete einen intensiven Geruch. Graugänse machten in der Morgensonne Gänseyoga.

Über eine kleine Brücke über ein Gerinne, vorbei an einem Spielplatz mit öffentlichem WC, gelangten wir zum Dammweg, wo ein wunderbar altes Holzhaus mit einem noch wunderbareren Garten steht. Jetzt hatten wir es nicht mehr weit zum Moor.

Gleich am Anfang des Moorwegs steht ein Vogelbeobachtungsturm. Gregi harrte in der Kälte aus und suchte verbissen das Schilf mit seinem Feldstecher nach einem Drosselrohrsänger ab. Hören konnte man ihn laut und deutlich … aber sehen? Viele, viele Schilfstängel gab es. Der Drosselrohrsänger war recht unscheinbar und nicht allzu groß. Und er wusste sich gut zu tarnen, sodass man ihn kaum finden konnte – trotz seines wirklich sehr lauten, sagen wir mal, Gesangs.

Endlich bewegte sich ein Schilfrohr. Hier dürfte er sein … oder aber nur ein Spatz oder eine Blaumeise. Vögel gab es ja viele im Bleistätter Moor. Über hundert Vogelarten, sagt die eine Quelle – eine andere behauptet sogar 200 verschiedene Arten.

Am Vortag war ein Eisvogel wie ein schillernd blauer Blitz über mich hinweggeflogen. Ein Haubentaucher hatte sich elegant im Wasser gedreht und sich von seiner besten Seite gezeigt. Apropos Haubentaucher: Ihr Gefieder ist so dicht und so seidig weich, dass die Modewelt des 19. Jahrhunderts ganz wild darauf war. Für Krägen, Hüte und Muffe musste das weiche Gefieder herhalten, bis eine britische Tierschutzvereinigung gegründet wurde, um die Haubentaucher zu retten. Wie gesagt – bereits im 19. Jahrhundert.

In der Früh war es (obwohl es Mai war) sehr, sehr kalt im Moor, und ich sehnte mich nach meiner Winterjacke. Am Vortag waren wir am späten Nachmittag unterwegs gewesen. Da waren die Temperaturen weitaus angenehmer gewesen. Allerdings waren am Nachmittag auch mehr Leute im Moor unterwegs. Tiere auch.

Das lange Stehen in der Kälte ist nicht so mein Ding, also ging ich ohne Gregi weiter hinein in das Moorgebiet. Gregi stand noch immer mit dem Fernrohr vor den Augen auf dem Turm und musterte verbissen das Schilf.

Ein schmaler Pfad trennte die offene Wasserfläche vom Teil des Moores, wo Büsche wuchsen. Am Vortag waren auf der Wasserfläche ein Haubentaucher, eine Schwanenfamilie mit fünf Küken und Graugänse unterwegs gewesen. Im Moor mit Gebüsch hatte ich am Tag davor ein Teichhuhn entdeckt.

Ich bewunderte das strahlend leuchtende Schilf, gruselte mich ein wenig vor dem Nebel, der die geknickten und gefluteten Baumstämme etwas unheimlich wirken ließ, und erreichte schließlich die Brücke der Tiebel. Die Tiebel ist ein Fluss und der wichtigste Zufluss des Ossiacher Sees. Ihr Ursprung soll auch einen Besuch wert sein, habe ich gelesen. Über 40 Quellen soll die Tiebel haben.

Der nächste Teil des Moores war besser belebt. Hier steht das alte, windschiefe Pumphaus, welches immer mehr ins Moor versinkt. Auf der Spitze des Türmchens hat sich Familie Storch heimisch niedergelassen. Am kalten Morgen saß Mama Adebar auf ihren Küken, um sie zu wärmen. Am Vortag war sie gestanden und hatte den Kleinen Schatten gespendet. Papa Storch war inzwischen im seichten Wasser unterwegs. Euphorisch hatte er sich ein Stöcklein gesichert, womit er stolz vor dem „Nachbarn“, einem x-beinigen Graureiher, herumstolzierte. Dieser schien sich dafür nicht zu interessieren.

Etwas mürrisch saß er da, während seine Herzensdame ebenfalls im Wasser herumstakste. Sie hatte allerdings ihre Aufmerksamkeit ihrem Horst gewidmet, der zirka einen Meter über ihr in die gefluteten Büsche hineingebaut war. Die Reiherküken im Teenageralter mit struppigen Frisuren schienen der Mama kundzutun, was sie bitte als Jause mit nach Hause nehmen sollte.

Ein Kormoran saß mit geöffneten Flügeln auf einer Insel und ließ sich trocknen, ein Kollege von ihm hatte dafür einen abgebrochenen Baumstamm ausgewählt. Die Kormoranfrau war ein Morgenmuffel und schlief noch tief und fest. Dafür war die Graugans-Gang unterwegs. Schön der Reihe nach schwammen mindestens 18 Gänse durch das Wasser.

Am Nachmittag des Vortages waren wir die ganze Runde gegangen. Wir konnten einen Froschkönig mit goldenen Augen beobachten. Er war nicht alleine hier, er hatte eine große Verwandtschaft. Nicht nur Aphrodite ist eine Schaumgeborene – auch die Wasserfrösche können sich dieser Eigenschaft rühmen.

Vom zweiten Vogelbeobachtungsturm ging es am Wasser entlang weiter, an einem Campingplatz vorbei zum Parkplatz mit WC, über die Straße in einen Feldweg, der neben einem Bach entlangging. Dort hatte Gregi die schönsten Fotos von einem Drosselrohrsänger gemacht. Dann mussten wir links abbiegen und kamen an der Baumschule Teuffenbach vorbei, die hübsche Rhododendren und Azaleen züchtet.

Dann kam der Wald, wohin einige Rhododendren offensichtlich ausgebüxt waren und sich – wie in Irland – freudig ausbreiteten und vermehrten. Moorböden mögen sie besonders gerne. Wieder über die Straße und einen Wanderparkplatz ging es dann dem Moor entlang – diesmal waren die Aussichtsplattformen ebenerdig. Rundum hörte man die Vögelchen singen (nicht nur den lautstarken Drosselrohrsänger). Die ersten Häuser von Steindorf waren wieder erreicht.

Es werden im Moor auch Führungen angeboten. Unter www.natourerleben.at kann man Näheres darüber erfahren.

 

Raab-Ursprung Rundweg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

3 km

205 HM

1 h

       

Die Wanderung zum Raab-Ursprung haben wir im Juli unternommen. Die Raab begleitet mich schon ein Leben lang. Bereits in meiner Jugend wollte ich wissen, wo sie entspringt. In der Volksschule lernten wir: „am Osser“. Also war ich als Jugendliche am Osser unterwegs – und hatte den Ursprung nicht gefunden.

Heute bin ich klüger. Will man die Quelle eines Flusses finden, dann geht man am besten flussaufwärts. Und heutzutage gibt es auch diesen hübschen Rundweg zum Raab-Ursprung, der bei der Waldmühle (nördlich von Passail) beginnt.

Dieser Rundweg ist ein Lehrpfad. Die Tafeln sind ganz liebevoll für Kinder gestaltet. In einer Unterhaltung des Hirschen Pozilo (ich schätze, dass dieser Name vom nahe gelegenen Passail kommt, welches in alten Urkunden auch Pozile bezeichnet wurde) mit dem Tropfen Sprungingerl wird Interessantes über die Raab erzählt.

Bei der Jausenstation Waldmühle gibt es einige Parkplätze. An einem alten – teilweise leider schon verfallenen – Haus vorbei geht es gleich einmal steil bergauf. Wir waren bei unserer Wanderung sehr früh aufgebrochen. Der Trampelpfad war gesäumt von großen Pestwurzblättern. Großen Pestwurzblättern, die sehr viel Wasser fassen konnten. Wir waren binnen kürzester Zeit bis zu den Knien klatschnass … noch bevor wir den Waldpfad erreichten.

Links unter uns hüpfte die Raab (als Bächlein) ganz munter über die Steine. Rechts am Waldhang wuchsen unglaublich viele wunderbare Glockenblumen. Diese Blumen sollten uns während der ganzen Wanderung begleiten.

Die Raab wird als mystischer Fluss bezeichnet. Das will und kann ich nicht bewerten. Was ich jedoch sagen kann: Sie ist ein herrlicher Fluss. Hier, als Bächlein, hat sie glasklares Wasser. Einige Kilometer weiter ist dieses Bächlein zum Fluss herangereift und hat mit ihrer Kraft eine der schönsten Klammen Österreichs geformt – die Große Raabklamm.

Doch auch die darauffolgende Kleine Raabklamm darf als Naturjuwel nicht unterschätzt werden. Ab Mitterdorf verlässt die Raab das gebirgige Gelände, und sie fließt nun neben und zwischen fruchtbaren Feldern.

Wir müssen auf unsere Raab sehr gut aufpassen: Was wird ihr entnommen, was wird in sie eingeleitet? 471 Flusskilometer dauert ihre Reise. In Győr in Ungarn fließt sie in die Donau. Dieser Fluss ist Allgemeingut, das wir nicht für unsere eigenen Zwecke ausbeuten dürfen. Wir alle müssen Rücksicht nehmen, damit die Raab durchgehend ein intaktes Gewässer bleibt.

Bedingt durch die Braunerdeböden, welche die Raab durchfließt, ändert das Flusswasser seine Farbe. Besonders schön ist die Raab in der Nähe von Fehring, wo es eine tolle Mühle gibt, wo sich der Biber wieder angesiedelt hat und viele Vögel in und rund um den Fluss leben.

Gleich nach Neumarkt im Südburgenland verlässt die Raab das österreichische Bundesgebiet und hat bis hierhin sage und schreibe 1313 Höhenmeter überwunden. 497 Höhenmeter davon hüpft sie sozusagen gleich am Anfang hinab – zwischen ihrer Quelle und Passail. Ganz munter und flink wirkt sie, während wir den steilen Pfad bergauf keuchen.

Wie ein Kind purzelt und kullert das Wasser den Hang hinunter – Spielkameraden gesellen sich zu ihr. Der Walmtalbach und der Bärntalbach leisten ihr schnell einmal Gesellschaft. Viele Bächlein gibt es in diesem Gebiet. Zur Zeit unserer Wanderung war sogar ein Teil des Wanderpfades eines davon.

Der Raabursprung ist umzäunt, man kann das Areal jedoch betreten. Eine Steinmauer – ein Loch im Berg – eingesäumt mit großen Pestwurzblättern. Und daraus kommt das Wasser – unaufhörlich. Es ist schon eine wunderbare Einrichtung der Natur, wenn aus Quellen immerzu Wasser sprudelt. Wie gut es Mutter Erde doch mit uns meint.

Zwei Inschrifttafeln sind neben der Quelle angebracht: eine österreichische und eine ungarische. Auf der österreichischen kommen mir zu viele Worte wie Jüngling, Manne, Flur, Hain und Held vor. Damit kann ich, um ganz ehrlich zu sein, wenig anfangen. Sehr gefallen hat mir jedoch die Übersetzung der ungarischen Tafel:

„Jeden Tag seit Jahrtausenden werde ich hier im Schatten der Wälder geboren. Keine Glocken melden diese Geburt. Kein Kurier verkündet sie mit Trompeten. Dennoch verbinde ich Völker und bringe Früchte den Steirern und Ungarn. Entstanden aus manchem Gewitter und Donnergrollen führt mein sanfter Weg zu Mutter Donau und vereint ins Schwarze Meer.“

Und nochmals mein Appell: Wir alle müssen sehr respektvoll und achtsam mit diesem wertvollen Fluss umgehen.

Die Raab ist noch keine „20 Meter alt“, und sie betreibt schon ein kleines hölzernes Wasserrad. Wie tüchtig sie doch ist. Wir verweilen noch etwas an diesem Ort und leisten Sprungingerl – dem Wassertropfen und Wächter der Quelle – noch ein bisschen Gesellschaft.

Gleich hinter dem Zaun mussten wir links abbiegen, und ein schmaler Pfad führte uns quer über einen Hang, bevor wir auf einem Forstweg landeten. Nun begann der Teil der Wanderung, bei dem man immer wieder eine richtig tolle Aussicht genießen konnte – sofern man nicht durch die unzähligen Schmetterlinge abgelenkt wurde.

Vor einer Weide ging es dann etwas bergauf. Außerhalb des Zaunes gab es einen kleinen Pfad durch ein blühendes Paradies. Selten habe ich eine derart große Vielzahl verschiedener Pflanzen auf engstem Raum gesehen. Nicht nur Glockenblumen, auch Johanniskraut, Arnika, Schafgarbe, Thymian, violette Kratzdisteln, gelbe Klebkratzdisteln, diverse Doldenblüten und, und, und.

Ein Fest für Schmetterlinge und andere Tierchen, die gerne Nektar naschen. Nach dieser Blütenpracht tauchten wir wieder in den Wald ein. Steil war der Hang, ein Holzgeländer sicherte den Weg – auch über dem Bach, den wir über Steine zu queren hatten.

Wieder auf der Forststraße ging es gemächlich bergab. Wir kamen an einem hübschen Bauernhof vorbei. Kühe weideten weit oben auf einer Almwiese, die Wiese neben unserem Wanderweg hatte eine enorme Biodiversität. So gefallen mir die Almen.

Bald hatten wir den Ausgangspunkt wieder erreicht – die Waldmühle, eine Jausenstation. Eine urige Holztreppe führt in das heimelige, kleine Gastzimmer. Kalte Speisen und Getränke, aber auch Kaffee und Nussschnecken findet man auf der Speisekarte. Gut hat es uns geschmeckt.

 

 

Peggau Märchenweg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Peggau Ort

7,4 km

178 HM

2 h

       

2023 haben wir den Märchenweg in Peggau aus purem Zufall entdeckt. Eigentlich waren wir losgezogen, um die Badlschlucht zu erkunden. Wir stiegen damals beim Wanderparkplatz aus (und wunderten uns, dass wir praktisch alleine dort waren), bis wir dann die Schilder sahen, dass die Badlschlucht gesperrt war (Stand 2025 – sie ist noch immer nicht zugänglich). Also suchten wir kurzfristig über Bergfex eine andere Wanderung in der Umgebung und stießen dabei auf den Märchenweg. Und weil uns der Weg damals so gut gefallen hat, entschlossen wir uns an einem heißen Augusttag, diese Wanderung noch einmal zu machen.

Die Runde startet normalerweise bei der Peggauer Lurgrotte (für Kinder kann man ein Büchlein für die Wanderung erwerben). Die Lurgrotte ist die größte Tropfsteinhöhle in Österreich. Sie hat zwei Zugänge: einen in Semriach und einen in Peggau. Früher konnte man die Höhle von Semriach bis Peggau durchqueren. Dann gab es in den 1970er-Jahren ein Hochwasser – und jetzt kann man eben nicht mehr ganz durch. Bei der Peggauer Lurgrotte gibt es außerdem ein Museum. Dort kann man Funde aus der Umgebung bestaunen: den Schädel eines Höhlenbären, Steinwerkzeuge, ein Schwert aus der Mur etc.

Das Gebiet ist seit der Steinzeit durchgehend besiedelt. Im Kalkgestein gab es viele Höhlen – die Repolusthöhle im Badlgraben, die Große Badlhöhle, das Zigeunerloch, die Drachenhöhle von Mixnitz und auch die Höhlen vom Kugelstein. Die Funde aus diesen Wohn- und Kulthöhlen haben das Archäologiemuseum in Graz Eggenberg sehr bereichert.

Steht man im gewaltig großen Höhlenportal der Peggauer Lurgrotte, kommt einem ein kalter Luftzug aus dem Berg entgegen (drinnen hat es sowohl im Sommer als auch im Winter 10 Grad Celsius). Geht man jedoch links zu der Höhle mit den Museumsstücken, dann kommt es einem dort fast schon richtig heimelig vor. Unter dem mächtigen Höhlenportal gibt es außerdem eine kleinere Höhle, aus der der Lurbach strömt. Vor diesem Wasseraustritt befindet sich ein hübsches, natürliches Wasserbecken.

Die Wanderung führt durch den Ort Peggau. Zwei Kirchen stehen hier nebeneinander: eine uralte, gotische katholische und eine neuere evangelische. Die katholische Kirche wurde im 14. Jahrhundert von Margarethe von Pfannberg gestiftet – als Patronin der Kirche wurde daher die heilige Margarethe eingesetzt. Von ihr gibt es ein Altarbild, außerdem soll es in der Kirche auch ein Bild der heiligen Barbara geben. Es fehlt also nur noch die heilige Katharina, und schon wären die „Heiligen drei Madeln“ vereint.

So viele Frauen in der männerdominierten Kirche – das hat für mich den Anschein, dass sich der alte Glaube an eine Muttergottheit recht lange gehalten hat.

Die Alte Landstraße ist schmal – zwei Autos kommen hier fast nicht aneinander vorbei. Doch damals, als diese Straße noch ein wichtiger Verkehrsweg war, stellte das wohl kein so großes Problem dar. Links erhebt sich die Peggauer Wand. Die steile Kalkfelsenwand mit ihren unzähligen Höhlen bietet vielen Tieren ein großartiges Zuhause. Die spektakulärsten Vertreter sind dabei Fledermäuse, der Uhu oder auch Wanderfalken.

Die Alte Landstraße liegt etwas höher – so war sie wohl gut vor Hochwasser geschützt, glaube ich zumindest. Bänke und eine große Wandertafel zeigen an, wo der Rundweg in den Wald abzweigt. Von hier hat man einen fantastischen Blick auf eine riesige, märchenhafte Wiese, dahinter eine extrem steile Felswand, und darauf thront die Burgruine Peggau.

Im 12. Jahrhundert wurde sie erbaut und im 13. Jahrhundert bereits zerstört (Adelsverschwörung gegen den böhmischen König Ottokar II.). Bald darauf wurde sie wieder aufgebaut und hatte viele verschiedene Besitzer, darunter prominente wie die Grafen von Montfort. Vielleicht war einer von ihnen ein Alchemist, denn in der Burgruine wurde ein besonders hoher, sechseckiger, pyramidenförmiger Rauchfang gefunden, der jünger war als die Mauern um ihn herum. Ein Alchemist soll auch Georg Amelreich von Eibiswald gewesen sein. Er war kein guter Mensch. Die Bauern hatten unter ihm sehr zu leiden. 1641 ließ er einen Viehhirten im Turm einsperren, wo der arme Mann schließlich erfror. Ich nehme an, dass die Peggauer richtig froh waren, als die Burg 1652 vom Stift Vorau gekauft wurde.

Vorau liegt doch recht weit von Peggau entfernt, daher benötigte man einen Verwalter für die Besitzungen. Dieser wohnte zunächst in der Burg. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in Peggau ein neues Amtshaus errichtet, in dem der Verwalter sicherlich weitaus komfortabler wohnen konnte. Die Burg wurde daraufhin dem Verfall überlassen.

Ich nehme an, dass der Verwalter damals recht gerne in das neue Amtshaus umgezogen ist. Doch es gibt Menschen, die Burgen so sehr lieben, dass sie alle Nachteile und Unbequemlichkeiten dieser alten Bauwerke vergessen und dort wohnen wollen. So auch in der Burgruine Peggau, wo heute ein rotes Holzriegelhaus auf dem Ruinenareal steht.

Genug von der Burg – zurück zu unserer tollen Wanderung. Wir schnauften ordentlich über einen felsigen Pfad bergauf. Es roch wieder einmal ganz himmlisch nach Zyklamen, die sich hier extrem wohlzufühlen scheinen. Irgendwann kamen wir zu einer Forststraße – und dort hätten wir eigentlich bergab gehen sollen. Haben wir aber nicht. Wir querten die Forststraße und folgten der rot-weißen Wandermarkierung bergauf in den Wald. Es war keine schlechte Entscheidung, denn so hatten wir die Möglichkeit, die Burgruine von oben zu besichtigen.

Ein wunderbarer Wanderweg mit Bänken und toller Aussicht führte uns bald an einem tiefen Graben mit einem Bach entlang. Da wir jedoch vom Märchenweg weit abgekommen waren und laut Wetter-App nur noch eineinhalb Stunden trockenes Wetter zu erwarten waren, suchte ich nach einer Abkürzung – und fand sie in Form eines unmarkierten Forstweges (rechts abbiegen). Dieser führte uns zu einer Asphaltstraße, der wir zügig nach unten folgten. Dabei erhaschten wir wieder tolle Blicke auf die Burgruine, bis wir plötzlich direkt vor ihr standen. Das Betreten des Geländes ist verboten – verständlich. Wer will schon neugierige Wanderer im eigenen Hausgarten haben?

Der Straße folgten wir noch ein kurzes Stück bergab, dann entdeckten wir eine Wandertafel und bogen rechts in den Wald ein, an einem Stacheldrahtzaun vorbei, und HALLELUJA – wir waren wieder auf dem Märchenweg. Und zwar auf einer ganz besonders schönen Etappe: dort, wo der Mitterbach über eine hohe Felswand in die Tiefe stürzt. Wir standen unterhalb des Wasserfalls und genossen die kühle, feuchte Luft.

Über eine Brücke gelangt man zu einem wunderschönen Picknickplatz mit Bänken. Da ich nun wusste, dass wir bald wieder in der sicheren Zivilisation mit wetterfesten Gasthäusern sein würden, hatte ich auch die Muse, mich hinzusetzen und zu genießen.

Wir marschierten weiter an einem idyllischen Bauernhof und beim Eisschützenverein vorbei und erreichten schließlich trocken und mit großem Eishunger den Ort.

Da wir die Märchenrunde nicht korrekt gegangen sind, haben wir leider das Marienbründl nicht gesehen. Dafür hatten wir sozusagen einen Blick aus der Vogelperspektive auf die Burgruine, was uns ebenfalls sehr gut gefallen hat. Egal, welche Variante man hier wählt – beide sind wirklich interessant und wunderschön.

Mühlental-Rundweg Schmied in der Weiz nach St. Kathrein am Offenegg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Schmied in der Weiz

Karlwirt

10 km

475 HM

3,5 h

       

Ich muss gestehen – ich habe eine Schwäche für Mühlen. Zum Teil liegt das daran, dass mein Lieblingsjugendbuch „Krabat“ von Ottfried Preußler von einer Mühle handelt. Doch auch in Märchen sind Mühlen, Müller (und auch deren Töchter) immer wieder sehr präsent. Nicht nur wegen der Geschichten mag ich diese Gebäude – ich bin auch eine begeisterte Getreidevertilgerin: egal ob Brot, Nudeln oder die veredelte Form (nein, nicht Whisky), sondern Mehlspeisen aller Art.

Also beschlossen wir an einem heißen Sommertag, sehr früh nach Schmied in der Weiz zu fahren, um den Mühlental-Wanderweg zu begehen. Vom Karlwirt aus startet die Wanderung (wir wären gerne dort eingekehrt – leider hatte dieses Gasthaus Betriebsurlaub). Eine Tafel zeigt den Wanderweg, und wir konnten lesen, dass es früher in St. Kathrein 99 Bauern und 101 Mühlen gegeben hatte.

Mühle ist nicht gleich Mühle. Im Weinviertler Freilichtmuseum „Niedersulz“ kann man eine wunderbare, herrschaftlich wirkende, gemauerte Mühle besuchen. Sie wurde früher bewohnt. Die Mühlen im Lambachtal waren aus Holz und wurden (glaube ich) nie bewohnt. So wie die „Lambacher Mühle“, die unterhalb eines Bauernhauses am Bach steht. Der Weg zwischen Bauernhaus und Mühle ist nicht weit. Und auf diesem Weg saßen an dem Julitag drei gelangweilte Katzen und beobachteten uns. (Da fällt mir ein Spruch von Marie Ebner-Eschenbach ein: „Die Katzen halten keinen für eloquent, der nicht miauen kann.“ Wie wahr.)

Bei der Lambacher Mühle steht ein riesiger Feuersalamander aus Hufeisen, der sich mühsam aus dem Bach zu schleppen scheint. Etwas miesepetrig sah er aus – wahrscheinlich, weil er auch nicht miauen kann und sich deshalb nicht mit den Katzen unterhalten kann.

Weiter ging es am Bach entlang, wir querten die Asphaltstraße und kamen zu einer Brücke. Dort standen wir dann eine Zeit lang und betrachteten den Wasserfall. Im kühlen Wald bummelten wir weiter und hörten Zaunkönige, Wintergoldhähnchen und Mönchsgrasmücken zwitschern … dann kam die erste Kuhweide. Junge Tiere … männliche junge Tiere. Ein halbwüchsiger Stier stampfte kurz mit dem Vorderfuß, als wir des Weges kamen, und schon hatte er uns so weit, dass wir den bequemen Wanderweg verließen und einen steilen Hang bergauf kletterten. Weiträumig umrundeten wir die Wiederkäuer und kamen dann heil (und mit sehr schmutzigen Schuhen) bei einer Raststätte vor einem Bauernhaus an.

Der Landwirt, mit dem wir ein nettes Gespräch führten, hatte einen ganz besonderen Rastplatz für müde Wanderer erschaffen. Hier mussten wir einfach verweilen und schauen: plätschernde Brunnen, prachtvolle Blumen, Hufeisenskulpturen … und dann gab es da noch einen Kühlschrank mit erfrischenden Getränken (freiwillige Spende) sowie ein WC.

Auf dem Weiterweg sahen wir dann Kälbern beim Kneippen zu – diese beobachteten ihrerseits meinen Mann Gregi, der in der Wiese lag, um besonders tolle Bilder zu knipsen (wohlbemerkt: Die Wiese war in der Früh noch ganz taunass). Die Grabenflorl-Mühle ist noch intakt, und das Mühlrad drehte sich – etwas später kamen wir zur Winkelbauermühle, die vor einigen Jahren restauriert wurde. Dafür wurden 2.000 ehrenamtliche Stunden geleistet – es hat sich ausgezahlt. Nun steht sie märchenhaft im Wald und wird von einem Drachen bewacht. Ein weiteres Kunstwerk aus Hufeisen vom Künstler Sascha Exenberger. Dieser Drache ist mein absoluter Favorit – mit seinen roten Flügeln und seinen grün leuchtenden Augen.

Steil ging es nun den Wald bergauf, dann erreichten wir eine Forststraße. Da diese auch eine Teilstrecke anderer Wanderrouten war, trafen wir hier auch andere Outdoorfreaks.

Die Erkenntnis des Tages: Dank E-Bikes können Radfahrer selbst dann noch miteinander zanken, wenn der Weg steil bergauf führt. Ihnen geht einfach nicht die Puste aus. Wie doch die Technik unser Leben bereichert!

Vom Ortsteil Zeil hatten wir eine ganz besondere Aussicht – von der Weizklamm über den Schöckel, das Passailer Becken … traumhaft. Die nächste Hufeisenskulptur hätten wir fast versäumt – so sehr waren wir vom Panorama gefesselt. Etwas versteckt oberhalb des Weges war sie, die Schnecke. Genauer gesagt bei der Abzweigung zum „Vogelbeer-Panoramaweg“. (Diese Wanderung ist auch sehr empfehlenswert. Mit 4,63 km und 158 HM ist sie in eineinhalb Stunden gut zu schaffen. Sehr schöne Aussicht.)

Wir blieben auf unserem Mühlental-Rundweg, nun ging es bergab. Neben der Straße wuchsen prächtige, alte Lindenbäume und dann – wie paradiesisch – das Hotel Spreitzhofer mit einer ganz tollen Terrasse und für die Kinder einem noch tolleren Kinderspielplatz. Da konnten wir natürlich nicht vorbei (zum Glück). Meine Kartoffel-Steinpilz-Roulade auf Ratatouille war ein Gedicht!!! Nach einer sehr großen Tasse Cappuccino hatten wir dann wieder Kraft genug, um weiterzugehen.

Wir kamen an den „hängenden Gärten der Sulamith“ vorbei (die würden wir ein andermal besuchen), an der Edelbrennerei Graf (wieder ein Lindenbaum der Extraklasse) und an der Kathreiner Alpakafarm. Von hier hatten wir schon einen tollen Blick auf die Kirche. Kurz ein Stückchen bergab zum „Steirischen Panther aus Hufeisen“.

Die Kirche von St. Kathrein gefällt mir. Sie ist nicht schmal und lang, sondern irgendwie wohlproportioniert und bodenständig. Ein massiver Turm, daneben runde Bauteile, ein gotisches Portal. Innen ist sie hell und freundlich und hat eine sehr angenehme Atmosphäre. Sieht man nach vorne, dann gibt es den Hochaltar, geht man nach rechts, sieht man den ehemaligen Hochaltar. Zweimal wurde die Kirche umgebaut – einmal in der Hochgotik und einmal im Hochbarock. Und dort hat man dann die Kirchachse geändert.

Ein Bild zeigt auch die heilige Katharina – zu ihren Füßen ein kaputtes Rad. „Barbara mit dem Turm, Margareta mit dem Wurm und Katharina mit dem Radl – das sind die drei heiligen Madln.“ Würde man die drei Initialen nehmen: K + M + B – die gleichen wie die Jungs mit ihrem Weihrauch, Gold und Myrrhe. Nur dass diese drei Frauen zu den 14 Nothelfern gehören und im Leben fürchterliche Grauslichkeiten erlebt hatten. (Die Frauenquote bei den Nothelfern: 3 von 14.)

Ein neuer Pilgerort hat sich unterhalb der Kirche entwickelt. Ich hatte ja schon von der Veredelung von Mühlenprodukten gesprochen – und Eveline Wild als Konditor-Weltmeisterin beherrscht diese Kunst besonders gut. Da wir jedoch noch satt und zufrieden waren (und dunkle Wolken über den Bergen aufzogen), zogen wir es vor, über den Kirchsteig zum Ausgangspunkt unserer Wanderung zu gelangen.

An einem Dammhirschgehege vorbei, über eine Kuhweide und dann den Serpentinenpfad den steilen Wald hinunter. Inzwischen hörten wir auch schon Donnergrollen – also beeilte ich mich. Gregi blieb stoisch ruhig und wollte sich partout nicht sputen.

Auf den letzten Metern zum Auto fielen die ersten Regentropfen – ich war heilfroh, rechtzeitig ins Trockene zu kommen. Kaum saßen wir in unserem fahrbaren Untersatz, hörte es zu regnen auf. Gut, die Weizklamm bei einem schlimmen Gewitter zu durchfahren wäre auch keine beruhigende Vorstellung für mich.

Übrigens: Weizklamm. Ich weiß nicht, ob es anderen Personen genauso geht. Aber bei jeder Kurve stelle ich mir immer vor, dass ein Drache uns entgegenfliegen könnte – ein hübscher Drache – aus Hufeisen und mit roten Flügeln und grünen, wunderbaren Augen.

 

 

Von Lockenhaus zur Margarethenwarte

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Lockenhaus Hauptplatz

7 km

160 HM

2 h

 

Die Burg Lockenhaus gehört zu den originellsten und geheimnisvollsten Burgen in Österreich. Diesem historischen Gebäude wollten wir einen Besuch abstatten – doch zuvor wollten wir im Naturpark Geschriebenstein wandern.

Vom Hauptplatz ging es in Richtung der Kirche und dann rechts der Straße „Graben“ bergauf, am Ortschild vorbei und bei der Linkskurve in den Wald. Für burgenländische Verhältnisse ist dieser Wanderweg vorzüglich mit gelben Schildern markiert (man kann auch dem Weg Nr. 09 folgen).

Wir waren ziemlich alleine in diesem Wald, nur auf dem Gegenhang war ein älterer Herr mit einem Dackel unterwegs. Wir genossen die Umgebung, beobachteten Hirschkäfer im Flug und einen Schwarzspecht. Gregi wagte sich sogar ins Unterholz, weil er unbedingt die Baumhöhle entdecken wollte, in der sich junge Spechte lauthals unterhielten bzw. nach Futter schrien.

Ich stieg währenddessen den Forstweg hinauf. Eichen, Hainbuchen, Föhren und Teppiche von Heidelbeeren – eine Pracht. Endlich holte mich Gregi ein – zeitgleich mit ihm kam auch ein Auto (Forstweg mit Schranken).

Der Wagen hielt an und das Fenster wurde heruntergelassen. Ein Jäger begann ein nettes Gespräch, wir erzählten, dass wir zur Margarethenwarte wollten – er erzählte uns von den Wildschweinen, die sich hier sehr wohlfühlten. Als er weiterfuhr, meinte ich zu Gregi: Die Burgenländer sind richtig freundliche Leute und sie sind auch sehr kontaktfreudig.

Gregi, der weniger blauäugig ist als ich, antwortete: „Ich glaube, der ist nur wegen uns hierhergefahren. Mir ist eher vorgekommen, dass er kontrollieren wollte, was wir hier machen.“

„Kontrollieren, was Wanderer auf einem offiziellen Wanderweg machen?“, überlegte ich … und betrachtete Gregi mit seinem Fernglas, das er umgehängt hatte, und seinem schwarzen Stativ, das ihm meterweit aus dem Rucksack ragte.

„Glaubst du, dass der Mann mit dem Hund dein Stativ als Gewehr eingestuft und dich damit als Wilderer angesehen hat?“

Dieser Gedanke erheiterte mich einigermaßen. Wobei mir der Jäger jetzt ein bisschen leid tat. Einen vermeintlichen Wilderer durch den Wald zu verfolgen ist sicherlich nicht allzu angenehm … aber trotzdem: Gregi als Wildschütz – diese Vorstellung ist so skurril, dass ich den Rest des Tages darüber schmunzeln konnte.

Wir überquerten eine Bundesstraße, gingen über einen Parkplatz und erreichten nach kurzer Zeit die Margarethenwarte. Ein erstklassiger Aussichtsturm – schön massiv aus Holz. Auch begehbar für Menschen mit ein klein wenig Höhenangst. Und die Aussicht über ein Meer von Eichenbäumen ist einfach herrlich.

Zurück zum Parkplatz und dann in Richtung Paulusbrunnen. Hier startet auch eine gut betreute Mountainbike-Strecke. Diese Seite des Berges war steil – doch nicht so steil, als dass es ein Hindernis für einen Harvester gewesen wäre. Es waren jedoch genügend Bäume übrig, sodass wir immer im Schatten des Waldes wandern konnten.

Im Tal war eine Brücke zu überqueren, und schon sahen wir sie, die Ritterburg Lockenhaus. Auf einem Hügel stehend, von Teichen im Tal umgeben. Von dieser Seite konnte man die Festung kaum belagern.

Schon früh gab es auf diesem Hügel ein Kastell – angeblich eines der Römer. In der Nähe verlief die Bernsteinstraße, die gesichert werden wollte. Im 13. Jahrhundert wurde dann die Burg erbaut. Astronomisch ausgerichtet sollte das Gebäude sein – auch Tempelritter hätten sich darin aufgehalten.

Die Templer waren ein Ritterorden, der 1118 gegründet wurde. Einige Söhne des Hochadels fanden ihren Weg zu den Templern – mit ihnen auch eine große Menge Kapital. Die Aufgabe dieses geheimnisumwitterten Ordens war die Sicherung der Pilgerrouten ins Heilige Land. Nebenbei kümmerten sie sich um eine Art Geldwesen (Überweisungen gab es ja damals noch nicht – aber man konnte bei ihnen Geld einzahlen und an einem anderen Ort wieder beheben). Doch diese frühen „Banker“ transferierten nicht nur Geld, sondern auch Wissen (vielleicht verdanken wir ihnen die wunderbaren gotischen Bauten).

Ein Symbol der Tempelritter ist das sogenannte Tatzenkreuz. Und eben dieses Tatzenkreuz findet sich in der Mauer des geheimnisvollen und mystischen „Kultraums“ in der Burg Lockenhaus. Dieser unterirdische Raum konnte früher nur durch einen Einstieg über eine Dachluke erreicht werden, ein kleines Wasserbecken befindet sich unter der Luke. Die Wände dieses Raumes wurden aus großen Steinquadern gemauert, welche im Normalfall nur bei sakralen Bauten vorkamen.

Bei der Burgbesichtigung konnten wir bequem durch einen nachträglich errichteten Eingang in den Kultraum gelangen – da standen wir in diesem mystischen Raum mit seiner Dachluke und seinem Wasserbecken. Wozu dieser Raum auch gedient hat (Sternebeobachtung, Initiationsriten, sakrale Feiern etc.), sicher bin ich mir nur, dass es keine mittelalterliche Zisterne war.

In diesem „Kultraum“ steht ein außergewöhnlicher Stein mit einem eingeritzten Symbol. Die Deutungen dieses Ritzbildes sind sehr verwegen: Diverse Leute sahen darin die Bundeslade, eine doppelköpfige Schlange oder einen heiligen Knoten. Gregi und ich haben keinen Hang zur Mystik. Gregi interpretierte das Bild als Brezel (er hatte schon Hunger) – ich sah im Bild eine Eule, die unter Verstopfung leidet.

Riesig ist der Rittersaal der Burg – er macht ein Drittel der Grundfläche aus. Das war wohl auch unter anderem der Grund, warum diese Festung mit den Templern in Verbindung gebracht wurde. In diesem Rittersaal oder in der Konzerthalle darüber kann man wohl wunderbare Feste feiern.

Rustikal dürfte es bei den „Raubritter- und Landsknechtmahlen“ auf der Burg zugehen. Sehenswert ist die Rauchküche, die um 1550 entstanden sein soll.

Die Burg Lockenhaus kann mit zwei Rekorden aufwarten. Zuerst der erfreuliche: In der Burg befindet sich die Wochenstube der größten Wimperfledermaus-Kolonie Europas.

Der zweite Rekord ist sehr traurig. Das Guinness-Buch der Rekorde nennt die „Blutgräfin“ Elisabeth Báthory-Nádasdy (1560–1614) als die größte Serienmörderin aller Zeiten. Diese sadistische Psychopathin hat angeblich über 600 junge Mädchen gequält und getötet. Lockenhaus war einer von mehreren Orten, an denen diese brutale Mörderin ihr Unwesen trieb. Irgendwann konnte man ihr Treiben nicht mehr vertuschen, und sie erhielt „Zimmerarrest“, während ihre Bediensteten zur Todesstrafe verurteilt wurden. Doch der Kaiser hatte offensichtlich den Wunsch, dass dieser edlen Dame „kein Leid zugefügt“ werden dürfe.

So viele Menschen zu töten war im Auge des Kaiserhauses offensichtlich keine große Verfehlung. Ihr Enkel Franz III. Nádasdy allerdings verärgerte einen Habsburger Herrscher dermaßen, dass er als Verräter hingerichtet wurde. Die ungarischen Adeligen befanden, dass Kaiser Leopold I. zu wenig Hilfe bei der Abwehr der Türken leistete. Auch Franz III. Nádasdy war dieser Meinung und trat für die Freiheit des ungarischen Volkes ein – ohne Herrschaft der Habsburger. Dafür wurde er geköpft.

Dazu gibt es auch eine äußerst makabre Geschichte: Franz III. Nádasdy wurde in der Gruft des Augustiner-Eremiten-Klosters in Lockenhaus begraben. Bis 1875 gab es einen eigenen „Gruseltourismus“ zu dieser Gruft. Denn der Mesner holte für Interessierte den abgeschlagenen Kopf des Hingerichteten aus dem Sarg und präsentierte ihn den Schaulustigen.

Ganz so abartig ist der Gruseltourismus der heutigen Tage nicht mehr in Lockenhaus. Gut, es gibt unter anderem auch eine „Blutgräfin“-Führung oder eine „Dracula“-Führung, es gibt ein Gruseldinner („Dracula-Eventtheater“ oder das „Mörderische Abendmahl“) – zum Glück gibt es allerdings auch als Gegenpart dazu die Fledermaus-Führung.

Um ganz ehrlich zu sein, muss ich zugeben, dass ich mich in den Räumen der Burg nicht besonders wohlgefühlt habe und richtig froh war, das Gemäuer wieder zu verlassen. Nur in den Prof.-Paul-Anton-Keller-Gedenkräumen war es einigermaßen angenehm.

Der Dachboden der Burg muss allerdings auch okay sein, ansonsten würden sich hier die Fledermäuse nicht so wohlfühlen. Und die Mauersegler, die rund um den Turm flogen, waren auch recht munter und fröhlich.

Zurück am Hauptplatz Lockenhaus besuchten wir dann einen richtigen Wohlfühlort: das Kaffeehaus „Die Eismacher“ – ganz ohne Gruselfaktor und mit vielen Kalorien. Genauso, wie wir es mögen 😊

 

 

 

Kesselfallklamm-Steintor Rundweg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

2,7 km

180 HM

1,5 h bis 2 h

    

Die Kesselfallklamm ist ein wahres Naturjuwel im Norden von Graz. Eltern mit Kindern lieben dieses gut besuchte Ausflugsziel. In meinen zahlreichen Wanderführern konnte ich diese Tour jedoch beinahe nicht finden. Nur in den „Erlebniswanderungen“ von Hans Hödl wurde ich fündig.

Diese Klamm mit ihren tollen Steiganlagen wird als die kleine Schwester der Bärnschützklamm bezeichnet. Mehr als 50 Brücken und etwa 2.800 Sprossen begeht man auf dieser Wanderung – und diese großartige Anlage muss auch betreut werden.

1904 war die feierliche Eröffnung der Stege, die vom Steirischen Gebirgsverein montiert worden waren. Schon 1873 hatte man einen Fußweg zur Kesselfallklamm angelegt. Doch der Röschitzbach ist eigenwillig. Hin und wieder verschwindet er – was den Stegen nichts ausmacht. Doch hin und wieder schwillt er auch gewaltig an – was für die Holzstege fatal ist. 1975 gab es zum Beispiel ein Hochwasser, bei dem Brücken weggerissen wurden. Und im Juni 2024 ereignete sich wieder ein solch verheerendes Ereignis: Vier Brücken mussten ersetzt, 15 bis 16 Meter Stege sowie 60 Meter Handläufe erneuert werden. Außerdem musste ein Auto von der Feuerwehr aus der Klamm geborgen werden, das durch die massiven Wassermassen in die Tiefe gespült worden war.

Im August 2025, als wir in der Klamm unterwegs waren, zeigte sie sich von ihrer allerbesten Seite. Wir waren bereits um 5 Uhr früh aufgestanden, um beim Wandern der größten Hitze zu entgehen. Beim Sandwirt gibt es Parkplätze. Es bedarf einer gewissen Disziplin, an dem wirklich einladenden Gastgarten neben der herrlichen Linde (Naturdenkmal) vorbeizugehen. Doch man kommt ja schließlich wieder zurück – also auf zur Wanderung.

Eine große Wiese mit Bienenhäuschen und Bänken – links neben uns sollte es einen Bach geben. Sollte – aber kein Wasser. Wir kamen zum Eingang der Klamm, wo man um eine freiwillige Spende gebeten wird. Angesichts der vielen hervorragend gewarteten Stege wird die Spende sicherlich gut verwendet.

Kaum hatten wir die Klamm betreten, gab es auch schon Wasser. Es hüpfte munter über die Steine, kleine Wasserfälle – größere Wasserfälle (der höchste hat eine Fallhöhe von 38 Metern). Riesige Steine liegen im Bachbett, schneeweiß. Blickt man nach oben, sieht man die spektakuläre Steiganlage – wow! Links und rechts neben uns türmten sich hohe, schroffe Felswände auf – helle Kalksteine – mit ganz vielen Höhlen, wie ein Schweizer Käse. Auf eine dieser steilen Felswände führt ein Klettersteig; darunter befindet sich ein seichtes Wasserbecken – richtig toll für Kinder. In dieses Wasserbecken mündet der herrliche Wasserfall. Durch die Klamm zieht ein kühles Lüfterl – wie wohltuend! So lässt sich ein heißer Sommertag richtig genießen. Noch dazu duftete es hier ganz wunderbar nach Zyklamen – der schönste Duft im August.

Pflanzen sind offensichtlich schwindelfrei, dachte ich, während ich eine richtig steile Treppe hinaufstieg und die Mini-Glockenblümchen und Mini-Farne betrachtete. Ich bin normalerweise nicht ganz schwindelfrei, aber diese Steiganlagen sind so toll gemacht, dass ich mich hier sehr sicher fühlte. Ich sah auf das fallende Wasser, das im Laufe von sehr, sehr vielen Jahren zwei kreisrunde Wannen mit spiegelglatten Wänden ausgespült hatte. In einem Felsenspalt hatte sich ein Stein verklemmt; dahinter schoss das Wasser in die Tiefe. Durchatmen und Kraft tanken.

Apropos Kraft tanken: Radiästheten hatten die Klamm untersucht. Acht spezielle Kraftpunkte gibt es in ihr. Einer davon liegt bei der Gedenktafel zur Eröffnung der Klamm 1914. Ich stand also dort (tags zuvor hatte ich über prähistorische Felsritzbilder in schwer zugänglichen alpinen Bereichen gelesen) und überlegte, ob es in dieser Klamm auch solche geben könnte. Prähistorische habe ich keine gesehen. Allerdings entdeckte ich eingeritzte Initialen im Kalkstein – auf Augenhöhe, genau dort, wo ich stand. Vielleicht sind wir gar nicht so viel anders gestrickt als unsere Vor-Vorfahren.

Ein ganz toller Kraftpunkt liegt sozusagen eine Etage höher. Hier kann der Bach einige Meter ruhig fließen, ohne viele Höhenmeter zurücklegen zu müssen. In diesem beschaulichen Bachbett haben Besucher kleine Steintürmchen errichtet. Gut ausbalanciert sind sie, diese kleinen Kunstwerke, und erfreuen uns – zumindest bis zum nächsten Starkregenereignis.

Bei der Kerschbaummühle verließen wir den Röschitzbach, der diese herrliche Klamm gestaltet hat. Nicht weit von ihm hat sein Bruder, der Lurbach, auch ein einzigartiges Naturjuwel geformt – die Lurgrotte. Auch die Lurgrotte litt sehr unter dem Hochwasser im Jahr 1975. Davor konnte man sie durchschreiten – was danach nicht mehr möglich war. Diesen Bruder mit seinem unterirdischen Naturwunder werden wir ein andermal besuchen. Wir folgten dem Wanderweg 740B bergauf, an einem Steinsturz vorbei, hinauf zum Felsentor.

Das Felsentor ist sehr imposant. Ich bin nicht ganz schwindelfrei und bin lieber auf der sicheren Seite unterwegs. Daher bin ich nicht zum Tor hinuntergestiegen, sondern habe es mir aus sicherer Entfernung – vom Wanderweg aus – angesehen. Beim Recherchieren habe ich dann herausgefunden, dass das Felsentor tatsächlich nicht ganz harmlos ist. Im Oktober 2024 stürzte dort ein Wanderer 40 Meter in die Tiefe.

Weiter führte die Wanderung bergauf, an einem riesenhaften Felsenturm vorbei. An der höchsten Stelle der Wanderung gab es zwei Bänke; dahinter wuchsen hübsche Buchen. Auch dort hatten sich einige Leute mit ihren Namen in der Rinde verewigt. Dann kam ein Weg, der breit war und sanft den Hang hinabführte. Eine hübsche, weiße Höhle war hinter Büschen versteckt; Bänke standen davor – ein Ort zum Wohlfühlen.

Irgendwann wurde der Abstieg etwas steiler, aber der Weg ist gut ausgebaut und bestens abgesichert. Kurz bevor wir wieder beim Sandwirt ankamen, begleitete uns erneut ein munteres Bächlein mit einigen kleinen Wasserfällen.

Da wir früh aufgebrochen waren, waren wir auch sehr früh wieder beim Sandwirt zurück. So konnten wir uns einen richtig tollen Tisch aussuchen. Es war ein bisschen vor 11 Uhr, und sehr viele Familien mit Kindern starteten gerade ihre Wanderung – sofern sie die Kinder am einladenden Spielplatz des Gasthauses vorbeibrachten. Die Ruhe und Beschaulichkeit, die wir noch in der Klamm genossen hatten, würde nun einem emsigen Treiben mit hoffentlich Kinderlachen weichen. Auch nicht schlecht.

Wir hatten das Glück, eine richtig gute Schwammerlsuppe mit Heidensterz zu bekommen – frisch gemacht mit ganz, ganz vielen Schwammerln und frisch geschnittener Petersilie. Ein Gedicht. Jetzt verstand ich, warum so viele Wanderer Plätze reservierten. Den Sandwirt können wir unbedingt weiterempfehlen.

Dann fuhren wir wieder auf der engen Straße den Graben hinaus, vorbei an der Firma Parz, die steirische Harmonikas herstellt, und an einem Unternehmen mit vielen Lastwagen. (Wobei ich mich schon fragte, wie die bei dieser engen Straße fahren konnten. Gut, dass Sonntag war und uns solch ein Brummer nicht entgegenkam.)

Mit ihren 2,7 km ist diese Wanderung natürlich keine große Herausforderung – vielleicht ist sie daher in Wanderführern nicht so präsent. Aber diese 2,7 km sind nicht nur einzigartig schön, sondern auch dank ihrer Kraftplätze sehr aufbauend und wohltuend. Eine richtige 5-Sterne-Wanderung – nicht nur für Kinder.

Landskron Burgherrenrunde

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Parkplatz vor Mautstelle Landskron

3,4 km

140 HM

1:20 h

    

Mit ihren 3,4 km ist diese Wanderung nicht allzu lang, und so hat man genug Zeit, den Affenberg oder die Burg mit ihrer Greifvogelwarte zu besuchen. Die Zufahrt zur Burg Landskron ist eine Mautstraße, auf Höhe des Affenbergs gibt es einen Parkplatz. Dort beginnt die Wanderung. Vor dem Schranken der Mautstraße befindet sich auch ein Wanderparkplatz. Dort hatten wir geparkt. Der Aufstieg zur Burg war äußerst steil, und leider wurde gerade ein neuer Forstweg errichtet. Normalerweise sind die Anstiege zu Burgen sehr idyllisch. Bedingt durch die Baustelle verhielt es sich bei dieser Festung (im Jahr 2025) nicht so.

Immer wieder wundere ich mich, was junge Mütter alles zu leisten fähig sind. Gregi und ich schleppten uns mit letzter Kraft den Berg hinauf. Hinter uns kamen eine sportliche Oma und eine junge Mama samt Kind und Kinderwagen den Berg hinauf. Das Kind war schlecht gelaunt und raunzte, und der lehmige, neu angelegte Forstweg war auch nicht gerade kinderwagentauglich. Am Ende des Weges musste sogar noch ein aufgeschütteter Erdhügel überwunden werden. Die junge Frau meisterte dies alles mit Bravour und sah dabei auch noch wie aus dem Ei gepellt aus – nicht verschwitzt, nicht fertig und müde – so wie wir. Nebenbei schaffte sie es auch noch, beruhigend auf das Kind einzureden und mit ihrer Mutter zu plaudern.

Gregi und ich plauderten nicht mehr – allerdings hatten wir gerade noch genug Energie, einige Fotos von der Burg zu schießen, bevor wir uns dem Abenteuer „Affenberg“ stellten.

Zirka 180 Japanmakaken haben ihr Zuhause unterhalb der Festung. Japanmakaken sind Primaten – also äußerst gescheit und sehr lernfähig. Diese Affen haben eine sehr strenge Hierarchie. Das „Sagen“ haben mehr oder weniger die Weibchen – ihre Ränge werden von Müttern auf Töchter weitervererbt. Das ranghöchste Weibchen bestimmt, wer das Alphamännchen in der Gruppe sein darf. Dabei handelt es sich allerdings nicht um das stärkste, sondern meist um das sozialste männliche Tier.

Im Jahr 1996 gab es ein schlimmes Gewitter über Landskron. Ein Blitzschlag legte den Elektrozaun um das Affengelände lahm. Die cleveren Tierchen begannen, die Umgebung zu erkunden, und plötzlich hieß es in Österreich: „Achtung, in Kärnten laufen Affen frei herum.“ Jene Steirer, die schon immer gerne Witze über ihre südlichen Nachbarn machten, meinten daraufhin nur lapidar: „Das haben wir ja schon immer gesagt!“ Doch Spaß beiseite: Der Affenberg auf Burg Landskron ist ein wirklich lohnendes Ausflugsziel. Man muss zwar sehr viele Regeln betreffend Rucksäcke, Taschen, Kinderwägen etc. befolgen – wie gesagt: Die Affen sind clevere Tierchen und verstehen es recht gut, uns Menschen auszutricksen. Sowieso verstehen es diese Primaten, gut zu leben. Sie baden gerne, und sie knöpfen den Guides viele Leckerlis ab. Hin und wieder lassen sie sich dazu überreden, ihre Intelligenz bei komplizierten Aufgabenstellungen unter Beweis zu stellen. Der Affenberg allein ist es schon wert, der Burg Landskron einen Besuch abzustatten.

Nach dem Besuch bei den Affen gingen wir am Fischteich und am Aquädukt vorbei in Richtung Burg. Im Fischteich der Anglergemeinschaft Villach jagte ein Zwergtaucher-Paar ganz eifrig nach Fischen. Wir beobachteten sie mit großer Begeisterung, denn diese recht zierlichen Wasservögel waren unseres Erachtens wahre Extremtaucher. Es war ein richtiges Ratespiel, wo die schwarzen Vögelchen wieder an die Wasseroberfläche auftauchen würden.

Noch einige Höhenmeter mussten wir zurücklegen, um das erste Tor zu erreichen. Die Burgruine Landskron ist weithin sichtbar. Früher war die Renaissancefestung sicherlich besonders beeindruckend. Von den einst sieben Türmen und der doppelten Ringmauer sind nur mehr Ruinenreste übrig. Doch diese werden touristisch gut genutzt. Eine Greifvogelschau wird geboten, ein SB-Bistro im Burghof oder eine exquisite Gastronomie mit Aussichtsterrasse und Hochzeitslocation sorgen für das leibliche Wohl.

Landskron – was für ein hochtrabender Name – wurde am 25. Juli 1351 erstmals urkundlich erwähnt. Das Gebiet gehörte einst den Mönchen von Ossiach. Ein Herzog kaufte ihnen das Land ab und erbaute auf dem Ausläufer der Ossiacher Tauern eine Burg: „die Krone des Landes“.

Die Mönche dürften den Verkauf des Grundstückes dann doch bereut haben, jedenfalls gab es mit den nachfolgenden Besitzern der Burg immer wieder Streit über die Fischereirechte.

1542 kaufte Christoph Khevenhüller die Burg und baute sie zu einer massiven Festung aus. Finanziell dürfte er recht gut gestellt gewesen sein. Dazu kam, dass im Burgberg und in der Umgebung Silber abgebaut werden konnte.

Die Khevenhüller waren Protestanten. Bartholomäus Khevenhüller richtete in der Burg sogar eine Druckerei ein. Evangelische Bibeln wurden dort gedruckt. Der katholischen Kirche gefiel das sicherlich nicht besonders, und so verweigerte man ihm ein Grab auf dem Friedhof der katholischen Pfarrkirche. Er wurde auf der Burg begraben. Wer die Burgkapelle besucht, sollte sich unbedingt den wunderbar gearbeiteten Grabstein des Bartholomäus Khevenhüller ansehen.

Auch wenn man reich war: Hatte man den falschen Glauben, bekam man im Habsburgerreich schnell einmal Schwierigkeiten. Der Sohn von Bartholomäus Khevenhüller hatte als Protestant den falschen Glauben und wurde ausgewiesen. Vielleicht war das dann doch nicht die allerbeste Idee, denn dadurch verpflichtete er sich zum Militärdienst beim schwedischen König Gustav Adolf.

Wir umrundeten die eindrucksvolle Festung, dann gingen wir wieder zurück zum Parkplatz beim Affenberg und starteten nun die eigentliche Wanderung.

Über einen Waldweg ging es bergauf, und wir entdeckten eine Blindschleiche, die friedlich über den Weg kroch. Nur zu gut, dass momentan kein Greifvogel der Vogelwarte unterwegs war – sie wäre eine leichte Beute gewesen. Es lohnte sich, den Weg weiter bergaufzusteigen, denn nun hatten wir einen wunderbaren Blick von oben auf die Burgruine. Farbenprächtig leuchtete die Burgarena zu uns herüber – der optimale Austragungsort für ein Quidditch-Turnier. Doch nicht nur die Burg konnte man von diesem Platz aus sehen, sondern auch die Stadt Villach, den Dobratsch, die Karawanken und die Julischen Alpen.

Links ging es dann zum Jungfernsprung. Im deutschsprachigen Raum mussten in früheren Zeiten recht viele Wüstlinge herumgelaufen sein – so viele Jungfernsprünge, wie es da gibt. Jungfrauen, die sich aus Verzweiflung und auf der Flucht vor Bösewichten in die Tiefe warfen. Der Jungfernsprung von Landskron liegt über dem Ossiacher See, und man hat einen tollen Blick auf die Gerlitzen Alpe. Eine Holzskulptur, die eine nackte Nixe darstellt, steht auf dem Platz. Die Nixe wurde aus dem See verbannt, weil sie aus Liebeskummer die Ufer des Sees mit seinen Fischerhäusern flutete.

Recht nett ging der Pfad oberhalb des Ossiacher Sees weiter, doch schließlich bog er rechts wieder bergab, und wir kamen zu einem überdimensionalen Bilderrahmen. Von hier aus war der Blick auf Landskron wirklich sehr lohnend.

Wir hatten es irgendwie wieder einmal geschafft, nicht der richtigen Route zu folgen. Schließlich kamen wir über einen Graben bei den herrschaftlichen Weingärten an und von dort wieder zum Burgteich mit dem idyllischen Aquädukt. Von dort stiegen wir dann wieder über den Forstweg in Richtung Schranken ab.