Rohrbach: M31 – Rundwanderweg Teichwiesen

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

M31 Rundwanderweg Teichwiese7,26 km76 HM

1:50 h

 

Zusatztour zum Öden Kloster Baumgarten???

Eigentlich hatten wir ja eine gemütliche Wanderung geplant. Wir starteten unsere Tour am Badeteich von Rohrbach bei Mattersburg, gingen zur Wegkreuzung vor und marschierten, links abbiegend, der asphaltierten, ebenen Nebenstraße entlang. Immer wieder waren Schilder mit der kleinen Waldohreule zu sehen; über einen QR-Code konnte man Informationen abrufen.

Getreidefelder so weit das Auge reichte schimmerten goldig. Auf einem Hang war das Gras gemäht worden – unzählige Krähen hatten sich dort versammelt. Eine äußerst muntere Schar: aufgeregtes Krächzen und Schnarren, An- und Abflüge, herrliche Schwungfedern, breit gefächerte Schwanzfedern – schwarze Körper, graue Körper. Saatkrähen, Nebelkrähen und Rabenkrähen hatten sich hier in geselliger Runde zusammengefunden – samt Teenager-Nachwuchs. Und wie mir bei der Wanderung schien, kommunizierten alle miteinander.

Es gibt Menschen, die mögen Krähen (so wie ich), und es gibt welche, die ihnen äußerst kritisch gegenüberstehen. Zwei Dinge stehen jedenfalls außer Frage: Krähen sind äußerst liebevolle Eltern, die ihren Jungen alles geduldig von der Pike auf lehren müssen. Junge Krähen kennen zum Beispiel keine Feinde – ihre Eltern müssen ihnen erst „erklären“, vor welchen Bösewichten sie sich in Acht zu nehmen haben. Krähen sind äußerst gescheit; die Forschung hatte sogar einmal mit einer Krähendame zu tun, die sich selbst in ihrem eigenen Spiegelbild erkannte. Eine enorme Leistung – außer Menschenaffen schafft das kaum ein anderes Tier.

Doch zurück zu unserer Wanderung. Wir bogen links zu den Aussichtsplätzen „Teichwiese“ und „Wiesenberg“ ab, wobei wir zuerst den Aussichtsplatz über dem Teich mit seinem üppigen Schilfgürtel ansteuerten. Eine Hecke wuchs zwischen den Feldern – Vögel und Libellen tummelten sich darin. Zarte Libellen in Blau hockten auf den grünen Blättern und ließen sich von der Sonne bescheinen. Die Schmetterlinge hatten weniger Muße – sie waren äußerst geschäftig unterwegs und dachten nicht daran, kurz stillzuhalten und als Fotomotiv zu posieren. Schwarz-weiße Schmetterlinge, von denen Gregi behauptete, dass es sich um „Damenschachbrett“ handle, gefielen mir besonders. Doch auch die Distelfalter waren recht adrett anzusehen … und erst der zarte, hellblaue Flattergeselle mit seinen schwarzen Punkten.

Von oben konnten wir hervorragend das Geschehen in dem unter uns liegenden Feuchtgebiet beobachten. Riesige Rohrweihen segelten um den Teich, während zwei Graureiherdamen in Nachbarschaft im dichten Schilf brüteten. Enten schwammen auf der kleinen freien Wasserfläche, und die Frösche gaben ein ohrenbetäubendes Konzert.

Im Mittelalter wurde dieses Gewässer als Fischteich genutzt – heute brüten in diesem wertvollen Gebiet unzählige Vögel (sehr viele von ihnen tragen im Namen das Wort „Rohr“): Rohrammer, Rohrweihe, Rohrschwirl, Drossel-, Teich- und Sumpfrohrsänger zum Beispiel. Doch auch Reiher lieben dieses Gebiet als Heim für ihre Jungen: Nacht-, Silber-, Purpur- und Graureiher fühlen sich im Schilf sehr wohl – ebenso die Zwergdommel. Schön wäre es, sie zu entdecken – doch die Gute kann sich im Schilf beinahe unsichtbar machen. Die Teichwiesen sind nicht nur ein wertvolles Habitat für Vögel – auch für Amphibien ist dieses Gebiet ein erstklassiges Zuhause.

Der nächste Aussichtspunkt war der Wiesenberg. Von hier aus hatten wir einen Traumblick auf die Burg Forchtenstein, auf Mattersburg und auf den Kogelberg mit seinen hell leuchtenden Abbrüchen. Hörten wir von dort nicht die zarten Stimmchen von Bienenfressern? Wunschdenken oder Realität – wer weiß das schon. Unter uns fuhr ein Traktor über das Feld; direkt neben dem landwirtschaftlichen Gerät marschierten Störche auf der Suche nach aufgeschreckten Tieren zum Fressen.

Die Aussichtswarte heißt Wiesenberg, und die Trockenwiese hinter der Warte kann sich sehen lassen: welche Kräuter hier wachsen, wie viele Schmetterlinge sich hier tummeln und wie viele verschiedene Heuschrecken es gibt.

Wir wanderten wieder hinunter auf den Asphaltweg und marschierten zu dem wunderbaren Teich. Auf dem Weg dorthin passierten wir erneut die goldenen Getreidefelder mit Mohn- und Kamilleblüten. Gregi entdeckte sogar eine Schlange – Äskulapnattern und Schlingnattern würden hier vorkommen. Über unseren Köpfen segelten die Rohrweihen – ein seltsames Gefühl.

Nun ging der Weg bergauf, und die Wiese war violett – so viel Salbei! Drei Arten von Salbei würden hier auf sehr engem Raum wachsen. Wir waren nun an einem Punkt der Wanderung angelangt, an dem wir uns entscheiden mussten: zurück laut Wanderweg oder hinauf zum Kogelberg.

Der Kogelberg war zu verheißungsvoll, um ihn nicht zu besteigen. Der Naturpark in diesem Gebiet heißt Rosalia-Kogelberg. Rosalia ist das Gebirge, das wir vorhin vom Wiesenberg aus gesehen hatten – mit der Burg Forchtenstein am Hang. Der Kogelberg ist ein Korallenriff, ein Überbleibsel aus dem Sarmat-Meer, das vor zwei Millionen Jahren verlandete. Vielleicht hatten wir die Möglichkeit, Bienenfresser zu sehen?

Wir schnauften den Berg hinauf – die Aussicht wurde immer aufregender. Dann kam der Wald, und dann kamen (für das Burgenland ganz untypisch) Wandermarkierungen mit der Aufschrift „Baumgarten“. Gab es da nicht das Öde Kloster, überlegte ich – und wurde dabei leichtsinnig. Naiv wie ich war, nahm ich an, dass dieses ehemalige Paulinerkloster gar nicht weit entfernt sein konnte. Der Waldweg war einladend, allzu steil war es nun auch nicht mehr, der Flaumeichen-Buschwald bot wunderbaren Schatten – also marschierten wir los, ohne Wanderkarte, schließlich gab es ja die Bergfex-App – falls alle Stricke reißen würden.

Wir waren schon eine ganze Weile durch den, zugegebenermaßen idyllischen, Wald marschiert. Der Weg stieg nicht mehr an, sondern ging schon seit geraumer Zeit bergab, und ich wurde unrund. Ich wollte das Kloster sehen – wenn das überhaupt der richtige Weg war. „Ödes Kloster“ war ja schließlich nicht auf den Wegschildern zu sehen, sondern nur „Baumgarten“. Apropos Schilder – diese vermisste ich seit geraumer Zeit ebenfalls. Erleichtert sahen wir, dass uns eine Wanderin entgegenkam. Wir erkundigten uns bei ihr. Die Frau war sehr nett und meinte, sie würde auch zum Öden Kloster gehen und wir könnten uns ihr anschließen.

Wir bogen links in einen Waldweg ab (Wegweiser gab es sogar, jedoch hinter den Ästen eines Strauchs), marschierten weiter durch den Wald, und die nette Frau war erstaunlich fit – wir konnten kaum mithalten. Also blieben wir zurück, und die Wanderin ging ihres Weges, zeigte uns jedoch von weitem, wie wir weiterzugehen hatten. Der Weg verlief nun entlang eines Feldes, dann steil bergab – und da stand es endlich vor uns: das Öde Kloster Baumgarten.

Ein intensiver Lindenblütenduft lag in der Luft – prächtige Linden gab es hier viele. Doch die allerprächtigste stand direkt vor der Kirche: eine Winterlinde, die schon über 250 Jahre alt ist.

Der Baum ist so riesig, dass man kaum erkennt, wie breit das Gebäude eigentlich ist. Da ist die gotische Kirche, dann eine Kapelle, die ebenfalls nicht gerade klein ist, und dazwischen ein Verbindungstrakt, in dem früher die Eremiten lebten.

Gestiftet wurde das Kloster von Ulrich von Grafenegg. Der Bayer war Söldnerführer und stand teils in Diensten von Kaiser Ferdinand III. sowie von dessen Widersacher König Matthias Corvinus. Der Paulinerorden betrieb das Kloster, das 1475 gegründet wurde. Doch schon 1493 war das Ordensleben vorbei – ein Brand zerstörte das Gemäuer, und die Mönche zogen in andere Klöster.

Dann war es um das zerstörte Gebäude lange ruhig – 250 Jahre tat sich nichts –, bis 1743 der 21-jährige Buchdruckergeselle Arsenius Braidenaicher die Bewilligung erhielt, als Einsiedler im Öden Kloster Baumgarten zu leben. Wer alte Ruinen kennt, weiß, dass sich die Natur alles zurückholt. Der Mönch musste vermutlich Rodungsarbeiten übernehmen, das Dach erneuern, die Kirche restaurieren und die Mönchszellen errichten. Geld und Handwerker waren notwendig. Braidenaicher beschaffte Mittel und heuerte Novizen an, die praktische Fähigkeiten für die Sanierung mitbrachten. So wurde das Kloster wiederbelebt. 1762 war es bereits funktionstüchtig, blieb es aber nur etwa 20 Jahre, bis es unter Kaiser Joseph II. aufgehoben wurde. Einsiedler leisteten keinen Dienst an Kranken und unterrichteten nicht – daher die Auflösung.

Wir betraten die Kirche durch die kleine Seitenpforte und sahen vor uns die steile Treppe zu den Mönchszellen hinauf. Komfort suchte man in dieser Einsiedelei vergeblich: kleine Räume mit einem Fenster und ohne Heizung – selbst im sonnenverwöhnten Burgenland alles andere als angenehm.

Links gab es eine Tür zur Kirche, rechts eine zur Kapelle, in der sich heute eine Lourdesgrotte befindet. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich im Freien unter der alten Linde wesentlich wohler fühlte als in der Kirche oder der Kapelle. Die Leistung von Braidenaicher und seinen Mitbrüdern ist beachtlich – doch die Natur ist nach wie vor der beste Baumeister. Ich stand unter der riesigen Linde und verstand, warum alte Völker Bäume für heilig hielten.

„Retour kennen wir den Weg schon“, sagte ich voller Leichtsinn, als wir den Rückweg antraten. Wir hatten schon viel Wandererfahrung – eigentlich sollten wir uns den Weg merken können. Doch irgendwie schafften wir es in diesem riesigen Waldgebiet, uns zu verlaufen. Wie schon erwähnt: Die Burgenländer halten eine gute Wegmarkierung offenbar für verzichtbar – auch in einem Gebiet, in dem der Handyempfang so schlecht ist, dass man die Bergfex-App nicht nutzen kann.

Als wir an einer Waldwegkreuzung standen und mir nichts mehr bekannt vorkam, entschieden wir uns, den Weg zu nehmen, der am ehesten in die richtige Richtung zu führen schien. Habe ich schon erwähnt, dass unser Orientierungssinn auch nicht besonders ausgeprägt ist? Wir marschierten etwa eine halbe Stunde eine Forststraße bergab – nur um festzustellen, dass wir ziemlich weit vom Ziel entfernt waren. Also wieder bergauf – wir waren schon fix und fertig. Doch was kann ein Mensch alles leisten, wenn er nicht im Wald übernachten will?

Schließlich folgten wir den gelben Schildern hinauf zum Kogelberg – das war unsere Rettung. Dadurch, dass wir uns verlaufen hatten, entdeckten wir ein besonderes Naturjuwel: den Rohrenbacher Kogel. Dankbar, wieder am Waldrand zu sein – noch dazu in der richtigen Richtung – ließ ich mich großmütig stimmen, und Gregi durfte noch einige Zeit ein Knabenkraut fotografieren. Ein Traum von einer blühenden Wiese.

Recht beschwingt marschierten wir den Hügel hinunter. Zwischendurch trafen wir wieder auf die noch immer hyperaktiven Krähen. „Die sieben Raben“ heißt ein Märchen – siebenhundert Krähen träfe es wohl eher. Je näher wir Rohrbach kamen, desto mehr Menschen begegneten uns, die einen Abendspaziergang auf den Kogel machten. Bald entdeckten wir das Bad – ein Glück auch. Nach 37.539 Schritten taten meine Zehen schon etwas weh.

Die Rohrenbacher Teichwiesen sowie der Rohrenbacher Kogel und der Wiesenberg sind mit bestem Gewissen zu empfehlen. Das Öde Kloster ist ebenfalls äußerst sehenswert – ich würde jedoch diese beiden Highlights nicht mehr in einer einzigen Wanderung kombinieren … und wenn doch, dann zumindest mit Wanderkarte.

Burgenland ist so schön und besonders – die Landschaften haben es verdient, in „Langsamkeit“ entdeckt zu werden. Gut, es gibt einige Weitwanderwege wie den Bernstein Trail oder den alpannonia-Weitwanderweg … doch Wanderungen zwischen neun und vierzehn Kilometern – vorzugsweise als Rundweg – wären für uns Normalsterbliche auch ganz angenehm. Besonders, wenn sie ausreichend beschildert wären. Vielleicht erlebe ich es noch, dass dieses einzigartige Bundesland beginnt, seine wunderbaren Naturschauplätze und interessanten kulturellen und historischen Stätten besser durch Wanderwege zu erschließen. Träumen darf man ja noch, oder?

 

Hohenbrugg: Maria Theresianischer Grenzweg – Mauserbergrunde

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 10 km 2:30 h
    

Kurz nach Fehring verlässt die Raab die Steiermark und fließt ins Burgenland. In früheren Zeiten verließ die Raab hier das Herzogtum Steiermark und floss in das Königreich Ungarn. Und weil es hier eine Grenze gab, wollte man diese auch markieren – mit massiven Grenzsteinen. Daher kann man entlang der Grenze immer wieder Steine sehen, die die Inschrift R.M.H. aufweisen: Regina Maria Hungariae – Ihre Majestät Maria Theresia hatte ihre Grenzen abstecken lassen.

Zu dieser historischen Grenze und ihren besonderen Grenzsteinen wollten wir an einem warmen Junitag wandern. Wir parkten beim Gemeindeamt in Hohenbrugg und gingen zuerst nach links bis zu einem Materl. Dort bogen wir rechts ab, um auf den „Mauser“ zu steigen.

Bald gingen wir auf einem Feldweg neben einer Hecke bergauf. Wir konnten einen Falken und etliche Stare beobachten. Am Gegenhang sahen wir das Renaissanceschloss Hohenbrugg.

Hohenbrugg war der äußerste östliche Vorposten des Herzogtums Steiermark im Raabtal. In Hohenbrugg baute man daher Ende des 12. Jahrhunderts auf einem Höhenrücken eine Wehranlage.

Es war alles andere als eine sichere Gegend. 1532 kamen die Türken und zerstörten die Festung. Daraufhin errichtete man ein Renaissanceschloss. 1594 war der Bau fertiggestellt: ein dreigeschossiger Wohntrakt und eine zweigeschossige Torburg. Beide Gebäudeteile standen sich gegenüber – ohne Verbindungsmauer. Wenn man knapp neben der Grenze ein Schloss baut, das nicht rundum verteidigt werden kann, ist das etwas blauäugig. Das wussten die Schlossbesitzer (Familie Mindorf) spätestens 1605, als die Hajduken sowohl das Schloss als auch das Dorf plünderten.

Damit man bei einem eventuellen neuen Angriff besser geschützt wäre, baute man nun Verbindungsmauern zwischen den bestehenden Trakten und an jeder Ecke des neu entstandenen Vierkanters einen Turm.

1683 kamen wieder die Türken ins Land – das Schloss war nun besser gerüstet. Sogar ein Truppenkontingent von 30 Personen wurde zum Schutz ins Schloss verlegt. Es gab Zeiten, in denen der vermeintliche Freund beinahe mehr Schaden anrichtete als der gefürchtete Feind. Diese Lektion mussten die Schlossherren nun lernen. Die Soldaten, die eigentlich schützen sollten, verwüsteten das Schloss erneut.

Wir wanderten weiter bergauf. An den Vortagen hatte es geregnet, das Gras war noch klatschnass und der Boden stark aufgeweicht. Wir erreichten ein Haus (hier waren die Wegweiser etwas verwirrend) und gingen über den Asphaltweg nach oben. Danach war die Wegführung wieder klarer.

Schließlich erreichten wir das Aussichtsbankerl auf dem Mauser. Es stand auf einer traumhaft schönen Wiese mit viel Wiesensalbei – die Aussicht, die wir hier genossen, war noch traumhafter: Burg Kapfenstein, das Raabtal mit Fehring, Schloss Bertholdstein, die Riegersburg mit dem Schöckel im Hintergrund, der Rabenwald … wow.

Wir folgten dem Weg und kamen wieder auf eine Gemeindestraße. An Pferden vorbei, weitere Häuser – wir hörten die Glocken von Unterlamm … plötzlich waren wir in einer Sackgasse mit einem Gedenkkreuz gelandet. Nun wussten wir nicht mehr weiter. Also Bergfex-App: Wir waren zu weit gewandert.

Ein kurzes Stück zurück, dann entdeckten wir bei einem mächtigen Lindenbaum hinter einem Busch versteckt die gelbe Wandertafel. Nun waren wir wieder auf dem richtigen Pfad, und dieser führte uns durch einen Wald.

Wir entdeckten wunderbare Blumen – Fingerhut – und einen jungen Specht. Er konnte schon fliegen und war ganz aufgeregt. Mama war im Anflug – mit Futter. Es ist schon toll, was man im Wald alles beobachten kann, wenn man die Umgebung aufmerksam studiert. Eine Jungspechtfütterung sieht man nicht alle Tage. Nach dieser Stärkung fühlte sich der junge Piepmatz fit genug, um selbst ein bisschen „Baumstammhämmern“ zu probieren.

Wir gingen weiter durch den Wald und sahen verkohlte Äste. Hatte es hier einen Waldbrand gegeben? Die Wochen vor unserer Wanderung waren sehr trocken gewesen – möglich wäre es. Allerdings müsste dieser relativ rasch gelöscht worden sein, denn das Gebiet mit den verbrannten Ästen war eher klein.

Nun hatten wir den legendären Grenzstein erreicht. Es gibt noch einige Grenzsteine aus der Zeit Maria Theresias, und ich hatte schon einige gesehen. Es ist schon beachtlich, wenn man bedenkt, dass diese Grenzmarken nun schon über 240 Jahre an genau den Stellen stehen, an denen sie einst aufgestellt wurden.

Nun folgten wir dem Weg bergab, dem Rainbach entlang. An einem Baum sahen wir ein Schild mit einem Pfeil der Feuerwehr. Ich nehme an, dass oben bei den verkohlten Ästen eine Feuerwehrübung stattfand. Eine gute Idee, wenn man bedenkt, wie oft es in letzter Zeit zu Waldbränden gekommen ist.

Neben dem Rainbach ist das Reich des Schachtelhalms. Und hier fühlte sich ein ganz besonderer Schmetterling wohl: ein Schillerfalter. Gutmütig wie er war, ließ er sich von links und rechts, von vorne und hinten fotografieren. Dunkelbraun und hübsch war er – und wenn die Sonnenstrahlen im richtigen Winkel auf seine Flügel fielen, dann schillerte er in einem markanten Blau. Wahnsinn, was die Natur für wunderbare Wesen hervorgebracht hat.

Bei der Bundesstraße mussten wir rechts abbiegen und einige hundert Meter auf Asphalt gehen, bis wir links den Weg in die Äcker nehmen konnten. Wir überquerten die Bahngleise und gingen dann wieder links. Zwischen den Äckern gab es Gräben, die voller Wasser waren. Fleißige Biber hatten dort Staudämme gebaut.

Beim Altarm der Raab gab es schöne Weiden – Weidenpollen segelten durch die Luft. Es ist die einzige Zeit im Leben eines Baumes, in der er mobil ist. Ein Pollen muss schon großes Glück haben, um auf einen geeigneten Platz zu landen, der ihm ermöglicht, Wurzeln zu schlagen und groß zu werden.

Die Altarme der Raab waren einst ausgetrocknet – die Regulierung des Flusses samt tieferem Flussbett war der Grund dafür. Doch die Gemeinden Schiefer, Hohenbrugg-Weinberg und St. Martin an der Raab hatten dann eine sehr gute Idee: „Mein Quadratmeter Raabtal“. Die Altarme wurden wieder reaktiviert, und das Gebiet wurde wieder belebt. Pflanzen und Tiere haben nun wieder die Chance, dort zu leben. 18 Hektar umfasst das Projektgebiet. Biber, Reiher und Co. freuen sich.

Wir überquerten die Raab und kamen schließlich zu einer Tschartake. Das ist ein Holzhäuschen auf vier Pfählen, das man über eine Leiter erreicht. In Burgau hatten wir schon ein solches ehemaliges Wehrbauwerk gesehen. Die Besatzung sollte die Umgebung alarmieren, wenn sich Feinde näherten. Von Radkersburg bis Friedberg gab es viele dieser Holzbauten – dazu kamen noch die Kreutfeuer-Stationen.

Ich stand neben der Tschartake, viele Radfahrer kamen an uns vorbei. Was hätten die geplagten Wachen auf der Tschartake wohl gedacht, hätten sie einen Blick in die Zukunft auf dieses sonntägliche sportliche Treiben werfen können? Sie hätten es wohl niemals für möglich gehalten.

Wir marschierten nun der Raab entlang bis zur nächsten Brücke, dann in Richtung Bahnhof und zurück zum Gemeindeamt. Wären wir ganz motivierte Wanderer gewesen, wären wir noch die Runde in Richtung Weinberg gegangen.

 

Mannersdorfer Wüste

Wanderung

Ausgangspunkt

Distanz

HM

Dauer

Mannersdorf am Leithageb. Bushaltestelle

Mannersdorfer Rundwanderweg

16 km

320 HM

4:15 h

Parkplatz Arbesmühle

Kloster St. Anna & Ruine Scharfeneck zu Mannersdorf

5,27 km

131 HM

1:30 h

Am Westhang des Leithagebirges gibt es eine „Wüste“ – die Mannersdorfer Wüste. Wer sich jetzt ein wasserarmes Gebiet mit viel Sand vorstellt, irrt. Die Mannersdorfer Wüste ist seit 1986 ein Naturpark – ein wunderbarer Naturpark mit einer riesigen Burgruine und einem aufgelassenen Kloster. Und wegen dieses Klosters hat das Gebiet auch seinen Namen: „Wüste“. Hier wohnten einst Menschen, die sich völlig zurückzogen und bescheiden in einer „öden, verlassenen“ Gegend als Einsiedler lebten.

Wir parkten unser Auto beim Wanderparkplatz Arbachmühle und starteten unsere Wanderung auf dem Waldweg bergan. Bald schon sahen wir neben uns eine lange, mächtige Mauer. Diese Mauer ist 4,5 km lang und sorgte einst dafür, dass die Brüder im ehemaligen Karmeliterkloster wirklich abgeschieden waren. Wir kamen bei der Waldkapelle vorbei, dann sahen wir schon die ersten Ruinen. Wir hatten die äußere Pforte erreicht. Hier gab es einst ein Pförtnerhäuschen, ein Tor und die Leopoldskapelle.

Wären wir hier im 17. Jahrhundert unterwegs gewesen, wäre mein Spaziergang bereits zu Ende gewesen. Frauen hatten im Kloster der unbeschuhten Karmeliter keinen Zutritt – obwohl es eine Frau war, die dieses Kloster 1644 gründete: Eleonora von Mantua, die zweite Frau von Kaiser Ferdinand II. Eleonora und Ferdinand hatten nicht aus Liebe geheiratet – die junge Frau und der bereits recht betagte Habsburger gingen eine Zweckehe ein. So war die junge Frau nun mit einem wesentlich älteren und, wie es heißt, recht wenig interessanten Mann verheiratet, der sich angeblich nur für Religion und vielleicht auch noch für die Jagd interessierte. Ferdinand war streng katholisch und verlangte dies auch von seinen Untergebenen. In seiner Herrschaft kam es zum Aufstand der böhmischen Stände, was schließlich zum Dreißigjährigen Krieg führte.

Doch auch Eleonora, die selbst eine Klosterschule besucht hatte, schien der Religion sehr zugetan gewesen zu sein. Sie gründete ein Karmeliterkloster in Graz und in Wien und eben auch jenes in Mannersdorf. Doch welcher Orden war es, den die Kaiserwitwe so unterstützte?

Gegründet wurde dieser Orden zur Zeit der Kreuzzüge. Damals zogen sich Kreuzfahrer im Heiligen Land auf den Berg Karmel zurück, um dort als Einsiedler zu leben. 1238 kamen die ersten Karmeliter nach Europa.

Das Kloster, das in Mannersdorf gegründet worden war, bestand aus der Klosterkirche St. Anna, 18 freistehenden Zellen, weiteren sieben Einsiedeleien im Wald für jene Klosterbrüder, die sich noch weiter zurückziehen wollten. Auch gab es innerhalb der Klostermauern Äcker, Gärten, Obstbäume, Steinbrüche und Kalköfen sowie einen Meierhof.

Wir wanderten nicht sehr lange auf der Forststraße, als ich einen Weg entdeckte, der im Wald zu einem Bach führte. Wir folgten diesem und anschließend dem idyllischen Wanderpfad entlang des Baches. Weniger idyllisch waren die vielen Mücken, die sich freudig auf uns stürzten.

Wie froh waren wir, den Wald hinter uns gelassen zu haben und auf eine Lichtung zu kommen. Vor uns lag eine Weide mit schwarzen, urigen Rindern. Bei jedem Rind hielten sich in unmittelbarer Nähe zwei Vögelchen auf, die immer wieder aufflatterten und im Fell der Wiederkäuer nach Insekten suchten.

Hinter der Weide stand sie nun – die Klosterkirche mit den dazugehörigen Gebäuden. Sie sah schön aus, irgendwie ein wenig irisch. Wären wir hier in den 1930er-Jahren unterwegs gewesen, hätten wir vor uns keine Kirche mit Dach und Turm gesehen, sondern ebenfalls nur Ruinen. Doch zum Glück gibt es engagierte Personen, die dieses Ensemble wieder aufgebaut haben.

Die Allee, die zur Kirche führt, ist uralt und einfach herrlich. Weniger alt als die mächtigen Bäume ist der Kinderspielplatz vor dem Kloster. Es war ein heißer Tag, und die Kinder genossen besonders die Spielstation, an der man Wasser durch verschiedene Holzrinnen leiten kann. Auch der Irrgarten ist sehr schön und erfreut sowohl Erwachsene als auch Kinder.

Gab es rund um den gesamten Klosterbesitz eine 4,5 km lange Mauer, so gibt es nun um das Kloster selbst nochmals eine Wehrmauer. Und das mit gutem Grund: 1644 wurde das Kloster gegründet, zehn Jahre später eingeweiht. 1683 wurde es von den Türken zerstört – der kaiserliche Hof ermöglichte einen Wiederaufbau. 22 Jahre später wurde es von den Ungarn zerstört. Die Klostergemeinschaft baute es wieder auf; 1763 gab es dann Schäden durch ein Erdbeben.

All das haben die unbeschuhten Karmeliter überlebt und immer wieder neu begonnen. Die Blütezeit des Klosters lag angeblich unter Kaiserin Maria Theresia. Ihr Sohn sorgte dann dafür, dass das Kloster aufgelöst wurde.

Wir besahen uns den hübschen Klostergarten und setzten uns anschließend in den gemütlichen Gastgarten, wo wir uns eine Erfrischung gönnten.

Dann ging es weiter – an einem Bauernhof mit glücklichen Hühnern vorbei und wieder hinein in den Wald. Links und rechts des Weges konnte man Mauerreste ehemaliger Mönchszellen entdecken. Unsere Entdeckungslust war jedoch etwas eingeschränkt, da wir damit beschäftigt waren, die lästigen Blutsauger abzuwehren. Ich habe schon öfter von Wanderungen berichtet, bei denen uns die Mücken das Leben schwer gemacht haben – doch die Plagegeister in der Mannersdorfer Wüste stellten ihre steirischen Kollegen locker in den Schatten. Scharenweise fielen riesige Mücken über uns her. Wir wagten kaum, stehen zu bleiben oder Fotos zu machen. Auf solche günstigen Gelegenheiten warteten diese gierigen Viecher nur.

Wir rannten förmlich neben der Klostermauer den Berg hinauf, wo wir am Kamm schließlich die gigantische Ruine Scharfeneck entdeckten.

Ruine Scharfeneck war eine ungarische Burg. Ihr Zweck war es, die Bevölkerung vor den Babenbergern und später gegen die Habsburger zu schützen. Ein immer noch recht tiefer Graben ist zu sehen, dahinter enorm hohe und dicke Mauern. Grünzeug wuchert über den alten Steinen – es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Mauern unter seiner Last zusammenbrechen. Das Betreten der Ruine ist verboten, da sie einsturzgefährdet ist.

Schon um die erste Jahrtausendwende soll hier begonnen worden sein, eine Burg zu errichten – zunächst als Holzturm mit Palisadenzaun. Wir marschierten recht lange außen um die Festung herum. Aus dem bescheidenen Holzturm ist eine gigantische Verteidigungsanlage geworden.

Apropos Verteidigung – wild um uns schlagend traten wir den Rückzug an.

Empfehlenswert ist die Wanderung „Mannersdorfer Rundwanderweg“ über den Kalkofen Baxa, über das „öde“ Kloster und die Ruine Scharfeneck sowie über den Steinbruch. Diese Wanderung haben wir 2021 gemacht und waren sehr davon angetan.

 

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Lutzmannsburg „Durchs sonnige Weingebirge“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 11 km75 HM2:45 h
    

Ich habe mich schon ein- oder zweimal darüber beschwert, dass im wunderschönen Burgenland die Wanderwege kaum bis gar nicht richtig beschildert sind. Die Burgenländer haben sich halt mehr auf die Radfahrer spezialisiert – oder auch auf Kinderwägen (die haben ja auch Räder), so der Fall in Lutzmannsburg. Dort gibt es hübsche Wanderschilder mit Kinderwagenrouten – und auf dieser Wanderung folgten wir zumindest eine Zeit lang dieser Wegführung.

Die Thermenhotels in Lutzmannsburg haben sich auf unseren Nachwuchs spezialisiert – besonders auf Kleinkinder. Als Kindertherme hat die Freizeiteinrichtung samt ihrer Hotels europaweit einen ganz hervorragenden Ruf. Lutzmannsburg wirbt auch damit, besonders viele Sonnentage zu haben. Und an einem „sonnigen“ Junitag machten wir uns auf den Weg, die Umgebung von Lutzmannsburg zu erkunden.

Gleich hinter den Hotels ist Österreich zu Ende. Die Asphaltstraße ist mit riesigen Betonsteinen abgesperrt – ein Durchgang für Fußgänger; auf der ungarischen Seite gibt es einen Parkplatz, vermutlich für viele Angestellte, die in den Hotels beschäftigt sind. Daneben sieht man noch ein „Mahnmal“ – Grenzzaun und Wachturm. Auf der österreichischen Seite gibt es auch viele fast turmartige Anlagen – ein Kletterpark für jugendliche Adrenalinjunkies.

Wir folgten eine Weile dem Grenzbach, dann überquerten wir ihn und kamen zu einem Golfplatz. Am Tag davor waren wir bei den Teichwiesen von Rohrbach – ein wunderbares Gebiet mit enormer Artenvielfalt. Neben dem Golfplatz in Lutzmannsburg sah es eher langweilig aus. Doch das sollte sich im Laufe der Wanderung zum Glück noch ändern.

Bei der Kreuzung bogen wir links ab in Richtung Kläranlage. Wir überquerten nun die Rabnitz, und schon kam mir ein äußerst interessanter und seltener Vogel vor die Linse: eine Goldammer – richtig hingebungsvoll sang sie, und ihre Augen leuchteten regelrecht vor Begeisterung. Ein wahrer Künstler.

Gleich hinter der Kläranlage mussten wir rechts abbiegen. Der Weg führte den Wald hinauf, und schon sahen wir die ersten Rebstöcke: Rebstöcke, Blumen, Kirschbäume, Nussbäume, eine Hecke mit großer Artenvielfalt – und einen nicht sonderlich schüchternen Feldhasen. Das Langohr querte einige Male den asphaltierten Güterweg, ehe es sich trollte. Die Weingärten waren von keinem Zaun abgetrennt; zwischen den Rebenreihen durften Blumen und Gras wachsen. Es war einfach herrlich. Und wieder gab es eine Goldammer, die sich des Lebens freute und voller Inbrunst sang.

Wir waren auf einem wunderbaren Hochplateau gelandet – sehr viel Blaufränkischer Wein wächst hier, und wie mir scheint, auf sehr natürliche Weise. Vom Plateau aus sahen wir ins benachbarte Ungarn, die Wassertürme glänzten. Ein weiterer Feldhase begleitete uns eine Weile – ja, er hoppelte zwischen den Weinreihen in ausreichendem Abstand neben bzw. hinter mir her. Zwischendurch putzte er sein reizendes Gesichtchen – ob er sich für das Foto hübsch machen wollte?

Die Kinderwagenwanderwege 2 und 3 zweigen irgendwann rechts ab; wir blieben auf unserer Straße und folgten ab nun dem Radweg. Die Aussicht wurde immer spektakulärer. Ein burgenländischer Gebirgszug war zu sehen – dahinter, ganz blass, der Schneeberg.

Über den Kreuzweg erreichten wir den Ort Strebersdorf. Unscheinbar wirkt das Dorf heute – doch wir sollten uns nicht täuschen lassen: Hier befanden sich in der Römerzeit vier Militärlager. Und durch Strebersdorf führte die legendäre Bernsteinstraße. Die Bernsteinstraße war eine Verbindung zwischen dem Norden (Ostsee) und dem Römischen Reich. Ursprünglich gab es etliche Routen, doch die Römer waren sehr kluge Leute. Reisen musste schneller gehen, also baute man vom Carnuntum an der Donau bis nach Italien eine Straße, auf der zwei Wagen aneinander vorbeifahren konnten. Zwischen Strebersdorf und Großmutschen gibt es noch eine Römerstraßentrasse. Die Basis war zirka 6,4 bis 7 Meter breit. Auf dem Lehmboden kam Schotter, dann Sand und dann Kies – die Fahrbahnbreite betrug etwa 4 Meter. Schnurgerade zog sich diese Römerstraße durch die Gegend, und westlich von Strebersdorf überquerte die Trasse den Raidingbach, den Stooberbach und die Rabnitz. Die Römerstraße bei Großmutschen wurde vom Archäologen Alphons Barb 1930 entdeckt – und heute noch kann man eine kurze Strecke auf dieser antiken Straße gehen (nicht bei unserer Wanderung).

Von Strebersdorf ging es neben der Rabnitz entlang, die durch den Zusammenfluss mit den vorhin erwähnten Bächen inzwischen ein recht stattliches Gewässer geworden ist, zurück nach Lutzmannsburg. Wieder war eine Brücke zu queren, und wir marschierten neben einer Pferdekoppel in Richtung der römisch-katholischen Kirche, die samt Friedhof auf einer Anhöhe gebaut worden war.

Die Kirche befindet sich im Bereich einer ehemaligen Komitatsburg (erbaut im 9. oder 10. Jahrhundert), und diese Wallburg wurde auf den Fundamenten eines größeren römischen Baus errichtet. Und vor den Römern gab es hier noch die Kelten. Wir standen vor der Kirche und genossen diesen besonderen Ort. Kein Wunder, dass dieser Fleck Erde so kontinuierlich von Menschen genutzt wurde. Heute befindet sich neben der Kirche ein Parkfriedhof. „Ruhe in Frieden“ – der Parkfriedhof strahlt tatsächlich so etwas wie Frieden aus.

Wenn die Rabnitz Hochwasser hat, kann dieser Fluss recht gefährlich werden. Das erfuhren die Lutzmannsburger im Jahr 1813. Nachdem es 1814 erneut zu schweren Überschwemmungen gekommen war, hatte es den Lutzmannsburgern gereicht, und sie haben den ältesten Markt des Burgenlands (bereits 1156 urkundlich erwähnt) einfach 200 Meter weiter weg vom Fluss neu aufgebaut. Hübsch war das „neue“ Lutzmannsburg geworden: ein Anger in der Mitte samt evangelischer Kirche und einem etwas obszönen Pranger sowie links und rechts geschlossene Häuserzeilen. Haus und großes Tor – nächstes Haus mit dem nächsten großen Tor – eine lange Kette von Bauernhäusern. Diese unterscheiden sich enorm: Die Fassaden haben verschiedene Farben und Dekore, die Tore sind ebenfalls äußerst unterschiedlich. Die Einteilung der Höfe ist jedoch ähnlich. Hinter den Fassaden zum Hauptplatz befand sich im Normalfall der Wohnbereich, dahinter der Stall und ganz hinten die Tenne. Fuhr man aufs Feld, musste man nicht über den Hauptplatz fahren. Ich betrachtete den lang gezogenen Anger in der Mitte des Hauptplatzes und stellte mir vor, wie hier einst Hühner und Gänse herumgelaufen sind, dazwischen spielende Dorfkinder, gemütliche Bänke vor den Häuserfassaden, damit man mit den Nachbarn zusammensitzen konnte. Doch genug der kitschigen Idylle: Der Pranger zeigt uns jedenfalls, dass nicht immer alles „Friede, Freude, Eierkuchen“ war.

Im Ort gibt es reichlich Gastronomie – die Therme ist ja nicht weit entfernt: Kuchen, Pizza, Pasta, einen bäuerlichen Selbstvermarkter, Winzer – hier kommt jeder auf seine Rechnung.

Von Lutzmannsburg aus ist es nur noch ein Katzensprung zurück zu den Thermen. Wir waren die ganze Strecke zu Fuß gegangen. Da wir ausschließlich auf asphaltierten Wegen unterwegs waren, hätten wir uns auch ein Tretrad für mehrere Personen mieten können. Allerdings – ob wir dann auch die Goldammer sowie den Hasen entdeckt hätten? Wer weiß.

 

Bad Loipersdorf „Stock & Stein“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 10,6 km198 HM3 h
    

Der „Wein-Erlebnis-Weg“ in Bad Loipersdorf ist noch recht jung (die Wein-Rast-Platzln gibt es seit 2020) und ist mit dem Österreichischen Wandergütesiegel ausgezeichnet. Eigentlich sind es ja drei Wein-Erlebnis-Wege: ein großer Rundwanderweg mit 17,1 km sowie zwei kleinere Rundwanderwege mit 10,6 km und 9,0 km.

Nachdem ich nicht unbedingt gerne auf Nebenstraßen wandere, hatten wir uns entschieden, den „Stock & Stein“-Wanderweg zu begehen. Das war eine sehr gute Wahl – die Wegführung bietet nicht nur wunderbare Blicke in die Landschaft, sondern führt auch zu sehr interessanten Orten.

Den Start des Wanderweges kann man nicht übersehen. Beim Eingangsbereich der Therme gibt es ein hübsches „Reben-Tor“ zum Wein-Wanderweg.

Die Geschichte der Therme Loipersdorf ist originell. Im Juni 1972 hat man den Versuch gestartet, in der Gegend von Loipersdorf Erdöl oder Erdgas zu entdecken. Hie und da geht beim Arbeiten etwas schief – so auch am 10. Juli, als es einen Bohrunfall gab und man dadurch erst auf das Vorkommen von Thermalwasser gestoßen ist.

1975 wurde eine „Thermalquelle Loipersdorf GesmbH & Co KG“ gegründet, 1977 wurden am Lautenberg weitere Bohrungen durchgeführt und – Bingo – in 1100 bis 1200 Metern Tiefe gab es viel, viel Wasser. Heilwasser wohlgemerkt: Über 60 Grad Celsius war es warm.

1981 wurde die Therme dann eröffnet, 1983 gab es einen Brand in der Therme, und 1985 wurde sie wieder eröffnet. Schon auf den ersten Metern der Wanderung kommt man beim Eingang der Betriebsfeuerwehr vorbei. Wenn man vom Brand im Jahr 1983 weiß, dann versteht man auch, warum diese Betriebsfeuerwehr absolut wichtig ist.

Die Straße führte uns rechts den Lautenberg hinauf. Eine alte Weinpresse, der Thermenheurige Kropf & Das Kropf (hier wollten wir nach der Wanderung einkehren) … und oben am Hügel eine überdimensional große Weinflasche mit dazugehörigem Weinglas.

Die Holzweinflasche ist ganze 13 Meter hoch – in ihr befindet sich eine Wendeltreppe. Diese stiegen wir hinauf, um den Aussichtsturm (ein 8 Meter hohes Edelstahl-Weinglas) zu erreichen. Vom Wechselland bis ins angrenzende Burgenland konnte man sehen. Ebenso entdeckte ich das Schloss Kapfenstein. Und der Blick hinunter zur Therme, die sich in der Senke wie ein überdimensionales Nest ausnimmt, ist auch recht interessant.

Als Nächstes kamen wir dann zu der besagten Quelle am Lautenberg. 7000 mg gelöste mineralische Inhaltsstoffe sollen in einem Liter des hier geförderten Wassers enthalten sein. Ich stand etwas ehrfürchtig vor dem Quellenhaus – hier wurde das Wasser gefördert, das diese ganze Region belebt hat. Aus einer abgeschiedenen Gegend mit nur beschränkten Möglichkeiten zur Erwerbstätigkeit ist dank dieses Wassers eine attraktive Region geworden. Dem Vulkanismus sei Dank.

Die nächste Wegstrecke verlief durch einen Wald, wo wir seltsame Hügel entdeckten. Die „Leberkögeln“ waren römische Hügelgräber aus dem 1. und 2. Jahrhundert nach Christus. Und nein – die Römer waren nicht hier, um mit dem Loipersdorfer Heilwasser Leberkrankheiten zu heilen. Denn mit dem Organ haben die Leberkögeln nichts zu tun. Österreichische und deutsche Flurnamen, die die Silben Lew, Leh oder Loh enthalten, weisen oft auf Hügelgräber hin.

Nach dem Wald kam eine besonders schöne Wanderetappe entlang des Hügelkamms, neben Weinbergen, hin zu einem tollen Aussichtsplatzerl mit einer Hängeliege. Hier ließ es sich gut verweilen.

Ein Feldweg führte bergab, an einer Hecke mit großer Biodiversität vorbei, dann ging es hinunter zum Wald, und im Wald führten Stufen ins Tal. Wir waren in einem ehemaligen Bergwerk angekommen – Gebäudereste gab es hier noch, ebenso einige Bilder aus der Zeit, als hier noch Basalt für den Straßenbau abgebaut wurde. Heute wird hier der Naturschutz großgeschrieben, hier sollte die Hundszahnlilie wachsen.

An einem Fischteich vorbei kamen wir auf eine Asphaltstraße. An einem heißen Sommertag auf einer asphaltierten Nebenstraße zu gehen, gehört ganz ehrlich nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Doch bald durften wir den nächsten Hügel erklimmen, diesmal auf einem Wiesenweg – hinauf zu einem Weinbaubetrieb.

Wieder ging es Nebenstraßen entlang, hinunter zum Ort Stein. Beim Fußballplatz ging es dann nach links, wieder der Straße entlang … langsam wurde ich, nun ja, nicht mehr allzu gut gelaunt. Bis wir über eine Brücke kamen und wenigstens im Schatten von Bäumen weitergehen durften. Noch dazu hörten wir jetzt ganz hübsche Vogelstimmen – seltene Vogelstimmen: Bienenfresser. Wie schnell sich meine Laune doch besserte. Bäume und Vogelgesang – mehr brauchte es nicht.

Ein Wiesenpfad, rechts abbiegen, dann wieder einen Hang hinauf. Der Wanderweg war richtig schön ausgemäht, eine tolle Wiese mit vielen Blumen und verschiedenen Gräsern, Schmetterlinge und Käfer fühlten sich hier wohl. Gregi auch – auf dem Bauch liegend versuchte er sein Fotografenglück bei einem grün schillernden Käfer. Auf der Kuppe des Hügels gab es sogar ein Gipfelkreuz – die Aussicht war wieder einmal erstklassig.

Wir kamen an einem aufgelassenen Hotel vorbei, was mich dann schon irgendwie traurig stimmte. Es war ein recht hübscher Bau, neben dem Eingang gab es einst ein Wasserbecken, aus dem nun Gras wucherte, eine Terrasse, die schon fast von Büschen und Rosendornen überwachsen war. Allzu lange war es sicherlich noch nicht her, dass hier erholungssuchende Urlauber eingecheckt hatten. Im Großen und Ganzen machte das Gebäude noch einen recht soliden Eindruck.

Ein Stück weiter kamen wir auf die Bundesstraße, durften sie jedoch bald wieder verlassen. Nun ging es wieder einen Hügel hinab, an noch bewirtschafteten und recht hübsch dekorierten Gästehäusern vorbei. Das muss ich jetzt einmal erwähnen: Die Häuser und Gärten in der Gegend sind alle sehr liebevoll und sorgfältig hergerichtet – mit viel einfallsreicher Dekoration.

Ein schmaler Steig führte uns wieder den Hügel hinauf, und nun waren wir wieder oberhalb der Therme – diesmal auf der anderen Seite. Krafthügel nennt sich diese Kuppe, Dolmen waren hier aufgestellt worden. Dolmen als Kunstobjekte haben meiner Meinung nach keine Aura – ich verstehe nicht, warum man immer wieder versucht, diese an sich sehr mystischen Steinmonumente nachzuahmen.

Nun waren wir bei sommerlichen 29 Grad Celsius über 10 Kilometer gewandert – und hatten uns die Einkehr im Thermenheurigen Kropf redlich verdient. Wir saßen im herrlichen Gastgarten und blickten auf das „Thermen-Nest“ hinunter. Ich hatte mir eine Gemüselasagne bestellt und war damit äußerst zufrieden. So – genau so sollte ein erstklassiger Wandertag enden.

 

Kirchbergvitalweg Ortsrunde (plus Abstecher zu den Hügelgräbern im Urlaswald)

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 7,67 km160 HM2 h
    

Kirchberg an der Raab ist nicht weit von Gleisdorf entfernt. Fährt man mit dem Auto von Gleisdorf in Richtung Feldbach, ist man zunächst im Tal unterwegs. Die Bundesstraße führt jedoch bei Kirchberg den Hügel hinauf (man sieht im Vorbeifahren eventuell einige Teiche, das Schloss und die hübsche Kapelle beim Friedhof). Danach fährt man den Hügel wieder hinab und ist erneut in der Ebene.

Beim Vorbeifahren ahnt man nichts von den archäologisch und historisch interessanten Plätzen rund um Kirchberg. Aber auch die Natur hat dank der 22 Teiche, die eine Gesamtfläche von 50 Hektar ausmachen (einige davon sind schon 300 Jahre alt), einiges zu bieten.

Wir starteten unsere Wanderung bei der Schule in Kirchberg. Hier gibt es eine traumhafte Kastanienallee – darunter befinden sich Parkplätze im Schatten, was in der warmen Jahreszeit sehr angenehm ist. Hinter der Schule gibt es ein riesiges Hackschnitzellager. Daran mussten wir vorbei, und schon sahen wir ein Schild zum Eislaufplatz.

Der Eislaufplatz muss im Winter ganz toll sein – im Mai war am Holzgelände ein Schild befestigt: „vorübergehend gesperrt“. No-na-no! Frösche gaben ein herrliches Konzert, ein Blesshuhn versteckte sich hinter den Wasserpflanzen.

Die Kirchberger Teiche sind für Vögel aller Art ein Paradies. Blesshühner, Haubentaucher, Meisen, Graureiher, Silberreiher, Nachtreiher, Bussarde, Regenpfeifer … mögen es hier möglichst ungestört und gut gedeihen.

Durch den Wald ging es bergauf, dann eben zwischen Häusern und Bäumen in den Langwald hinein. Leider habe ich erst im Nachhinein gelesen, dass es in diesem tollen Wald auch Hügelgräber geben soll. Hätte ich das früher gewusst, hätte ich dem Waldboden mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

Im Wald mussten wir links abbiegen, wir kamen zur Kirchberger Straße. Bei einer Häusergruppe mussten wir diese überqueren, und nun ging es eine Weile entlang einer asphaltierten Nebenstraße. Doch bevor es mir zu langweilig wurde, durften wir wieder rechts abbiegen, und wir kamen durch den Wald zum Harrachberg.

Am Harrachberg soll es gleich mehrere unterirdische Gänge geben. Das wusste ich bei unserer Wanderung ebenfalls noch nicht. Der Hohlweg, der in Richtung Hof führt, ist ein Gedicht – und wie immer, wenn ich auf einem solchen Hohlweg unterwegs bin, male ich mir aus, wie alt dieser schon sein könnte. Übrigens soll es in Hof auch einen unterirdischen Sandsteingang geben.

In Hof gab es dann den nächsten Anstieg, danach ging es am Grat des Hügels entlang. Uralte Obstbäume gibt es hier, und wo uralte Obstbäume gedeihen, halten sich auch die Piepmätze gerne auf. Der Kirchberg-Vitalweg ist auch ein toller Winterwanderweg. In der kalten Jahreszeit konnten wir auf dieser Runde Schwanzmeisen und Spechte beobachten.

Wieder im Wald kommt man zur Wanderwegkreuzung „Eicherlkreuz“. Hier mussten wir uns entscheiden: die Bergrunde ansteuern oder die Runde zurück nach Kirchberg. Dunkle Wolken waren bereits aufgezogen, ab Mittag war Regen prognostiziert, und es war halb zwei (also hatten wir bis dahin schon großes Glück gehabt, dass es noch nicht zu regnen begonnen hatte). Also ging es zurück zum Ort.

Über eine Brücke, zwischen Feldern, ging es entlang – mit einem wunderbaren Blick auf den Kirchberg. Doch ganz so schnell kamen wir dann doch nicht wieder zum Ort zurück, denn wir wollten unser Wetterglück noch etwas herausfordern. Wir wollten uns noch den Urlaswald mit seinen Hügelgräbern ansehen. Also bogen wir vor einer Holzlagerstätte rechts ab, kamen beim Bauhof vorbei, mussten dort die Bundesstraße queren und gleich darauf links in den Wald abbiegen.

Wieder ein toller Hohlweg – links und rechts neben uns gab es riesige Hügel. Ich hatte gelesen, dass dieser Hohlweg auf eine Altstraße hindeuten könnte. Entlang der Raab verlief einst ein Römerweg … am Fuße des Saazkogels bei Paldau gab es ein römisches Vicus – eine Handels- und Handwerkssiedlung, angeblich die größte in der Oststeiermark. Möglich, dass hier auf dieser Route schon die Römer unterwegs waren. Auch in Kirchberg hatte man eine römische Siedlung und einen römischen Gutshof entdeckt.

Doch nicht nur das: Auch Hügelgräber wurden gefunden – Gräber aus der Hallstattzeit und aus der Römerzeit. Im Jahr 2005 fanden hier archäologische Grabungen statt. Und im Urlaswald soll es ebenfalls wieder unterirdische Gänge geben. Hügelgräber und unterirdische Gänge – was für ein mystischer Ort. Und wie es sich für solch einen besonderen Ort gehört, gibt es hier auch eine unheimliche Sage: Ein dunkler Mann soll hier herumwandeln und Leute verfolgen. Und so plötzlich er auftaucht, so plötzlich ist er auch wieder verschwunden – wahrscheinlich in einem dieser unterirdischen Gänge, nehme ich an.

Von den gigantischen Gräbern unserer Vorfahren gelangten wir schließlich zu den viel bescheideneren Gräbern der Gegenwart. Der Kirchberger Friedhof grenzt an den Urlaswald – hier gibt es keine großen Hügel, dafür hübsche, bunte Blumen und eine wirklich nette Friedhofskapelle.

Eine Weile gingen wir nun entlang der Bundesstraße, bis wir eine gelbe Wanderwegmarkierung sahen. Wir folgten einer schmalen Straße hinauf zum Ort. Rechts der Straße stand das Schloss Kirchberg. 2026 hatte man offenbar den Garten des Schlosses bearbeitet – wie es für mich aussah, auch mit größerem Gerät.

Als Graf Siegbert Heister zu Beginn des 18. Jahrhunderts das Schloss und die dazugehörigen Gärten bauen ließ, nahm er auch Grabungsarbeiten vor. Denn am Hang gab es so hässliche Hügel – die passten so gar nicht zum Gartenkonzept. Also wurden sie eingeebnet, und dabei machte man einen ganz besonderen Fund: einen hallstattzeitlichen Kultwagen. Von diesem Kultwagen wissen wir heute, weil Pfarrer Anton Meixner 1879 davon berichtete. Das Kultobjekt ist leider im Laufe der Jahrhunderte verschwunden.

Das Barockschloss musste einst recht stattlich gewesen sein, mit Türmen, Höfen, Gärten, Freitreppen und allem Drum und Dran. Graf Siegbert Heister konnte sich das auch leisten. 60.000 Gulden kostete der Erwerb der Herrschaft – der Bau des Schlosses war sicherlich auch kein Schnäppchen.

Heister war ein sehr fähiger Feldmarschall und kämpfte immer wieder gegen die Türken und äußerst erfolgreich gegen die Kuruzzen. Doch die Verdienste im Militärdienst waren auch keine Geschenke. Er selbst wurde einmal sehr schwer verwundet, und als er 1717 an der Seite von Prinz Eugen siegreich in der Schlacht bei Belgrad gegen die Türken kämpfte, verlor er seinen Sohn. Von diesem Schicksalsschlag erholte er sich nicht mehr; ein Jahr später starb er selbst.

Später kam der Besitz an die Familie Liechtenstein. Diese ließ das Schloss später verkleinern. Die Seitenflügel, die Freitreppen zum Mittelpavillon, die vier Türme, der Ehrenhof, die Basteien und die Gärten wurden entfernt.

Hoch über dem Schloss steht die Kirche zum Heiligen Florian. Sie wurde auf römischen Fundamenten erbaut. Rund um die Kirche gab es früher eine Taboranlage. So eine alte Kirche muss auch immer wieder renoviert werden – und 1977 war es wieder einmal so weit. Maurer arbeiteten in der Sakristei der Kirche, als plötzlich ein Teil der alten Steinmauer zusammenbrach.

Ich möchte nicht wissen, wie sich die Maurer gefühlt haben, als sie hinter der eingebrochenen Mauer eine große Menge Knochen und Schädel gefunden haben. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dieses vergessene Ossarium einigen der guten Leute schlaflose Nächte oder Albträume bereitet hat.

Der Kirchturm der Kirche ist auch interessant – die Turmuhr zeigt XIII statt XII. Dazu gibt es auch eine noch nicht ganz so alte Sage: In den 1970er Jahren wurde die Kirche renoviert, und da arbeiteten die Maler und auch die Maurer zeitgleich. Die Maler waren hochnäsig und verspotteten die Maurerlehrlinge, welche sich daraufhin einen Scherz ausdachten. In der Nacht, bevor das Gerüst abmontiert wurde, kletterten die Maurer nochmals hoch und malten neben der römischen Zwölf noch einen Strich. Als nun das Gerüst weg war und die Ortsbewohner den Kirchturm sahen, riefen sie empört: „Jetzt schlägt es aber 13!“ Die Maurer grinsten sich eins, während sich die Maler bei den Stammtischen Spötteleien anhören durften.

Kirchberg an der Raab ist ein ganz besonderer Ort. Mit den großen Wasserflächen ist er für Vögel ein tolles Habitat. In den Hügelgräbern und unterirdischen Gängen fühlen sich offensichtlich Geister wohl. Das Barockschloss ist (obwohl nur mehr ein Bruchteil des einstigen Gebäudes erhalten ist) mit seinen Stuckaturen ein richtiger Hingucker. Ein wiederentdecktes Beinhaus und eine sehr kreative Turmuhr gehören ebenfalls dazu.

Und wenn uns der Regen das nächste Mal mehr Zeit lässt, werden wir auch noch die Bergrunde des Vitalwanderweges erkunden.

 

 

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Burg Güssing

Burg Güssing

Heute möchte ich eigentlich eher ein Ausflugsziel als eine Wanderung vorstellen: die Burg Güssing im Süden des Burgenlandes. Eigentlich ist das Burgenland eher flach bis wellig. Doch in Güssing ragt ein sehr markanter Basaltkegel aus der Ebene heraus. Basalt ist ein Vulkangestein, und diesen Burghügel – der einst inmitten eines sumpfigen Gebiets aufragte – zog natürlich unsere Vorfahren magisch an.

Schon in der Hallstattzeit war der Hügel besiedelt, die Römer schätzten ihn ebenfalls. 1150 errichtete man auf ihm eine erste Burg. Nicht so großartig, wie man sie heute kennt, darf man sich diese vorstellen – eigentlich war sie aus Holz. Kurzfristig fanden dann die Benediktiner, dass dieser Vulkankegel ein optimaler Ort für ein Kloster wäre … doch dieser verteidigungstechnisch so günstige Ort erweckte auch die Begierde des ungarischen Königs.

König Béla III. baute nun eine Burg aus Stein – 1198 wurde die Festung als „Novum Castrum“ erwähnt. Die Benediktiner hatten das Nachsehen, 1180 wurde ihr Kloster aufgehoben.

Die Güssinger Grafen waren sehr selbstbewusst, betätigten sich angeblich als Raubritter und legten sich mit dem Habsburger Herzog Albrecht I. an. Als „Güssinger Fehde“ gingen diese Feindseligkeiten in die Geschichtsbücher ein. Die Grafen hätten das besser nicht tun sollen – Herzog Albrecht ging als Gewinner aus diesem Zwist hervor.

Danach gab es etliche Besitzerwechsel, bis König Ludwig II. die Burg 1524 an die Familie Batthyány gab, die sie heute noch besitzt. Franz Batthyány war ein Freund und Obermundschenk des Königs. Der Obermundschenk ist jemand, der dafür zuständig ist, dass der Fürst oder König guten Wein und keine vergifteten Getränke bekommt. Also muss König Ludwig II. Franz Batthyány wirklich sehr vertraut haben.

Franz Batthyány hatte keine Kinder, die ihn beerben konnten, also bekam sein Neffe den Besitz. Balthasar III. (1543–1590) war wohl einer der bedeutendsten Vertreter der Familie Batthyány. Er war überzeugter Calvinist und holte besondere Leute an seinen Hof. So kam der Forscher Carolus Clusius durch ihn nach Güssing (siehe Clusius-Wanderweg), aber auch der Drucker Johann Manlius.

Apropos Buchdruck: Balthasar (der Calvinist) hatte eine bedeutende Büchersammlung, die später den Grundstock für die Bibliothek des katholischen Güssinger Franziskanerklosters bildete.

Die Batthyánys blieben nicht immer Calvinisten. Adam I. war bekennender Katholik – und die Gegenreformation zu fördern, tat damals (so nehme ich an) der Karriere sehr gut.

Die Religion wechselte bei den Batthyánys, aber so, wie ich es sehe, waren alle militärisch sehr engagiert. Einige von ihnen kämpften gegen die Türken – was natürlich gefährlich war. Hatte man jedoch das Glück, einen bedeutenden muslimischen Kämpfer als Kriegsgefangenen zu nehmen, konnte man ein hohes Lösegeld fordern … oder noch besser: seltene Pflanzen aus dem Garten des Sultans.

Unter den Batthyánys wurde Güssing zu einer Festung ausgebaut, die niemals eingenommen werden konnte – jedenfalls nicht von den Feinden. Allerdings schaffte es die Dachsteuer, das imposante Gebäude fast zu zerstören.

Dass das Gebäude heute noch besucht werden kann und so viele Teile der Burg erhalten sind, verdanken wir wohl Philipp Batthyány-Strattmann. Er gründete eine Stiftung, damit Burg, Kloster und Familiengruft (die größte Gruft in Österreich – abgesehen von der Kaisergruft in der Kapuzinergruft) erhalten bleiben.

Doch bevor es die Dachsteuer gab, musste es auf dem Burggelände recht emsig zugegangen sein. 1648 gab es auf der Festung 6 Schreiber, 63 Herrschaftsdiener, 20 Reitknechte, 16 Pferdeknechte, 11 Kutscher, 8 Köche, 24 Speisenträger und 25 Diener der Speiseträger. Auf der Burg mussten täglich etwa 364 Personen verköstigt werden. Die Batthyánys mussten also einen sehr guten wirtschaftlichen Hintergrund gehabt haben, um sich diesen Aufwand leisten zu können. Auch der Ausbau der Festung muss immens viel gekostet haben.

Damit wir uns ein Bild vom Gebäude machen konnten, beschlossen wir am Muttertag 2026, die Burg zu besuchen. Der Güssinger Hauptplatz ist immer sehr belebt – es gibt Cafés, die leckeres Eis anbieten. Über eine Treppe, an Ferienwohnungen vorbei, durch einen engen Schlurf und dann eine schattige Stiege hinauf … und schon hatten wir das erste Tor erreicht.

Der Burgaufstieg war sehr steil, mehrere Tore folgten. Ich betrachtete die Gemäuer und überlegte mir, wie unendlich viele Ziegel hier wohl verbaut worden sein müssen. Auf den Mauern wuchsen Bäumchen und Büsche; je höher wir kamen, desto steiler wurde der Weg.

Das Areal auf dem Plateau ist wahrlich groß. Links gibt es nun endlich wieder ein tolles Restaurant (der Pelikan) mit einer noch tolleren Aussichtsterrasse. Naiv wie wir waren, zog es uns automatisch dorthin – in der Hoffnung, einen Tisch für vier Personen zu ergattern (naiv deshalb, weil wir annahmen, dass wir an einem Muttertag ohne Reservierung eine Chance hätten).

Es kam, wie es kommen musste: Mit knurrenden Mägen zogen wir wieder ab. Unsere Laune war trotz dieser Niederlage recht gut – wir wollten schließlich die alte Burg erkunden. Also gingen wir die extrem steile und hohe Treppe hinauf zur Hochburg.

Der Innenhof dieses alten Gebäudes war eng und – wie es sich für eine Burg gehört – alles andere als symmetrisch. Wir waren durch das Tor in der Schildmauer in den Hof gelangt; an der Innenseite der Mauer gibt es herrliche Arkaden. Kurz zuvor muss es in Güssing einen heftigen Sturm gegeben haben, denn Teile des Daches über dem Arkadengang waren beschädigt.

Wir betraten das Burgmuseum und konnten es kaum erwarten, den Bergfried zu besteigen. Von außen wirkt der alte Turm etwas windschief. Er erscheint dunkel und massiv – irgendwie erinnert er mich an den Film „Die Hexe und der Zauberer“. Ob wir in diesem Turm vielleicht Merlin begegnen könnten? Eine Holztreppe führt hinauf, über 140 Stufen mussten wir steigen.

Was mir an der Burg Güssing so gut gefällt, ist ihre Urtümlichkeit. Es gibt nichts, was „tot restauriert“ worden wäre. Die alten Räume im Turm wurden nicht neu ausgemalt. Altrosa ist eine Etage, leider haben Besucher sich in den Wänden mit ihren Initialen verewigt. Eine grüne Bordüre verläuft knapp unter der Decke – das Holz der Decke war wohl einst weiß gestrichen.

Der Dachstuhl des Turms ist beeindruckend und leider auch etwas wurmstichig. Irgendwie fühlte ich mich dort sehr wohl – es roch nach Dachboden, nach einem Raum, in dem sich der Staub für Jahrhunderte ausruhen kann. Ein Bereich, der sein Aussehen über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte bewahren konnte – eine Art Zeitkapsel. Würde man in diesem Raum aus einem Koma erwachen, wüsste man wohl kaum, in welchem Jahrzehnt man sich befindet. Die Zimmerleute, die diesen Turm geschaffen haben, waren absolute Fachleute.

Über eine Luke gelangten wir auf die Aussichtsplattform und wurden dort wieder in die Gegenwart katapultiert.

Die Batthyánys sammelten auch Kunstwerke. Es gab zum einen Bilder, die einige männliche Familienmitglieder zeigten, wobei mir auffiel, dass sie mit sehr kurzen und kräftigen Beinen dargestellt wurden. Es gibt aber auch sehr interessante Porträts von eher unbekannten und unbedeutenden Personen – kunstvoll dargestellt, wenn auch alles andere als vorteilhaft. Ich nehme an, dass diese Werke von Pieter Brueghel dem Jüngeren stammen. Fantastisch.

Das Schachbrett mit seinen aufwendig gearbeiteten, skurrilen Figuren ist eines der Highlights der Ausstellung. Der lederne Wassersack ist zwar unscheinbar, war aber für das Leben auf der Burg sehr wichtig. Er ist groß – und es muss schwer gewesen sein, ihn aus dem 120 Meter tiefen Brunnen zu holen. Natürlich waren auch Waffen ausgestellt – fragt mich bitte nicht, welche. 2026 gab es auch eine neuere Ausstellung – kunstvoll gestaltete Fotos der Burg. Ein Träumchen.

Über eine Wendeltreppe im Freien ging es in das nächste Stockwerk. Der erste Raum, den wir betraten, enthielt ausgestopfte Tiere. Verständlich, dass ich mich dort nicht lange aufhielt. Das Tafelgeschirr weckte ebenfalls nicht besonders mein Interesse – jedoch die Ausstellung „Städte, Märkte und Schlösser der Steiermark“ von Joseph Franz Xaver Kaiser schon eher.

Auch Musikinstrumente konnten wir betrachten – sie standen eng beieinander. Schade, dass diese Instrumente nicht besser gewürdigt wurden. Linda entdeckte in der Vitrine ein altes Buch von Arthur Conan Doyle und war begeistert. Über den Saal verließen wir das Burgmuseum und stiegen wieder in den Hof hinab – und noch weiter in die unterirdischen Räume.

Ein Grabdenkmal war zu sehen sowie eine große Anzahl an Waffel- und Hostieneisen. Dann kam auch schon die Küche, und wir hatten wirklich großen Hunger. Wir waren mindestens eineinhalb Stunden in der Burg gewesen; es ging auf halb zwei zu … vielleicht sollten wir es noch einmal beim „Pelikan“ versuchen?

Juhuu – ein Tisch auf der Terrasse. Ein einzigartiges Plätzchen … mit Blick auf die Hochburg (und ja, der Bergfried sieht tatsächlich ein bisschen schief aus – entweder er ist es, oder die neuen Verankerungen des Windschutzglases auf der Terrasse). Man kann auch den Blick über die Gegend schweifen lassen und dabei den Schöckl entdecken. („Das kann doch nicht der Schöckl sein, den man da sieht. Wir sind ja im Burgenland. Und wie ich nur auf die Idee komme, die Gegend mit der Toskana zu vergleichen …“). Meine Angehörigen sind wahrlich sehr kritisch und sie hinterfragen generell alles.

Das Essen im „Pelikan“ ist gut und auch erschwinglich.

Nachdem wir auch noch von oben einen Blick auf die Teichlandschaft geworfen hatten, beschlossen wir, diesen Bereich von Güssing ebenfalls zu besuchen – also marschierten wir den Burgberg hinab und vor zu den Teichen.

Wir gingen den Pfad zwischen den Wasserflächen entlang (Vorsicht: die Schwäne benutzen diesen Streifen nicht nur als Ruhezone, sondern auch als Toilette). Reiher, Blesshuhn, Schwäne, Störche, Rohrsänger, Rohrschwirl, Zwergdommel, Haubentaucher … eine wirklich repräsentative Schar.

Der Vulkankegel mit seiner imposanten Burg (die absolut uneinnehmbar war) und die künstlich angelegten, riesigen Teichflächen mit all ihren Bewohnern – Güssing ist es wert, besucht zu werden.

 

Freistadt, Thurytal und St. Peter

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 12 km150 HM3:45 h
    

Ich möchte von einer außergewöhnlich tollen Wanderung erzählen … Ich habe in mehreren Wanderführern von dieser Tour gelesen. Die Autoren dieser Bücher wissen wohl auch, wo es besonders schön ist.

Die Wanderung beginnt beim Hauptplatz oder beim Wanderstein beim großen Parkplatz beim Scheiblingturm, habe ich gelesen. Wir marschierten zuerst einmal durch die Stadt, wo es einen Street-Food-Markt am Hauptplatz gab. Dann verließen wir die Stadt über das Böhmertor, bogen nach rechts in Richtung Fluss ab, wo wir die Feldaist querten und sofort links bei einem wunderschönen Haus mit drei alten Spalierbirnbäumen dem Fluss bergauf folgten.

Eine Schülergruppe kam uns entgegen, wir kamen an einem Tennisplatz vorbei, schließlich gab es einen Feldweg, und vor uns spannte sich über dem Tal die gigantisch große Autobahnbrücke. Hätten die Freistädter Bewohner vor hunderten von Jahren dieses Bauwerk gesehen, hätten sie es bestimmt als Werk des Teufels bezeichnet. Denn im Thurytal, wohin wir nun wanderten, hatte der Teufel laut Sage sein Unwesen getrieben. Doch dazu später.

Wir mussten jetzt auch eine Brücke queren – nicht die gigantische Autobahnbrücke, die sich über das ganze Tal spannt, sondern eine ganz normale, bescheiden kleine Brücke über die Feldaist … ganz normal? Nein, doch nicht: Unter der Brücke nistet eine Wasseramsel! Wie schön.

Wir querten die Kreuzung und hielten auf den Wanderparkplatz vor dem Thurytal zu. Jogger kamen uns entgegen, sehr viele Hundebesitzer … Das Tal mit seinen merkwürdigen Namen ist sehr beliebt und belebt. Namensgebend für dieses Tal war die Familie Thury, die hier drei Hammerwerke betrieb. Sensen wurden hergestellt, bäuerliches Handwerkszeug, Nägel, Tür- und Fensterbeschläge – halt Dinge, die man so benötigte.

Das zweite Hammerwerk wurde liebevoll restauriert. Idyllisch liegt es heute im Tal, daneben der Fluss mit seinem typisch klaren, braunen Moorwasser, der künstliche Wasserlauf zum Betreiben des Wasserrades, eine grüne Wiese und Erlen. Was für eine Idylle!

Wir folgten, so wie einige Hundebesitzer, dem steinreichen Fluss weiter. Vom dritten Hammerwerk gab es nur noch eine Ruine … plötzlich standen wir vor ihm, dem Teufel. Und nun zur Sage:

Der Höllenfürst hatte sein Reich unter den Granitplatten des heutigen Freistadt. Als die Stadtgründer die Häuser bauten, ärgerte das den Teufel ungeheuerlich – diese Siedler wollte er unbedingt vertreiben. Also sammelte er in seiner Hölle viele große Granitbrocken – damit wollte er die Stadt zerstören. Doch Belzebub war nicht sonderlich klug. Er wollte die schweren Felsen mit einem Sack oder einem anderen Stoff transportieren … und in diesem Fall wissen wir alle, was jetzt kommen musste: Der Stoff zerriss und die Steine fielen allesamt verstreut in die Feldaist.

Gut, dachte sich Satan, dann werde ich die Steine halt wieder aufsammeln … doch dazu kam es nicht mehr, weil nun die Kirchenglocken in Freistadt zu bimmeln begannen und er schleunigst abhauen musste. Mich wundert nur, dass er mit seinem Angriff wartete, bis die Freistädter eine Kirche gebaut hatten. Hätte er vorher eingegriffen, hätten ihn keine Glocken von seinem Vorhaben abhalten können … doch wie schon erwähnt, klug war der Kerl offensichtlich nicht.

Weiters gibt es noch Sagen vom Teufel und von Riesen im Feldaisttal – wieder geht es darin irgendwie um Steine. So viel Idylle und doch so viele Teufelssagen in diesem Fleckchen Erde.

Der Wanderweg führte uns bergauf … und irgendwie haben wir leider kurzfristig die richtige Route verloren. Eine Wanderwegkreuzung zeigt nach dem Weiler „Vierzehn“ auf die linke Seite, eine Markierung mit einem Mühlrad nach unten. Dieser Markierung folgen; es muss die Feldaist gequert werden, und dann würde man zur Neumühle kommen.

Von der Neumühle aus machten wir uns auf den Weg nach dem Ort „Vierzehn“. Dort entdeckten wir ganz muntere Vögelchen auf einer Stromleitung – drei Stare mit wunderbaren Gesangseinlagen.

Hier mussten wir die Bundesstraße queren, kurz darauf wurde die Wanderung etwas abenteuerlich. Die Autobahnbaustelle war uns im Weg. Wir überlegten kurz, dann entdeckten wir die „Umleitung“, die zwischen zwei Sichtschutzzäunen den Hügel hinauf und auf der anderen Seite der Baustelle wieder steil hinunter führte. Und hier, neben der Autobahnbaustelle, gab es sehr, sehr viele geschützte Feldsandlaufkäfer.

Danach ging es angenehm einem Waldweg entlang, immer wieder erhaschten wir Blicke auf Freistadt. Kurz ging es nochmals bergauf, am Waldrand neben einer großen Wiese ging es dann auf den nächsten Höhepunkt der Wanderung zu: die Kirche St. Peter.

Eine Hügelkuppe mit zwei sakralen Gebäuden, einige riesige Bäume, umgeben von einer Friedhofsmauer. Bevor man dieses Ensemble erreicht, passiert man noch einen herrlichen alten Bauernhof mit wirklich glücklichen Hühnern.

St. Peter war laut Ausgrabungen ursprünglich eine romanische Saalkirche und älter als die Stadt Freistadt. Heute sieht man ein wunderbares gotisches Gebäude mit einem Zwiebelturm – das zweite Kirchenhaus daneben war einst ein Beinhaus. An der Friedhofsmauer vorbei geht es den Kreuzweg bergab. Die Stationen sind interessant, aber meines Erachtens verdienen die herrlich alten Bäume neben den Stationen mehr Aufmerksamkeit.

Wir betraten nun die Altstadt über das Linzertor, auf dem der Name Freystadt noch mit „y“ geschrieben wurde. 1220 wurde die Stadt gegründet, und zwar vom Babenberger Herzog Leopold VI. Dieser Herzog war mit Theodora, der Enkelin des byzantinischen Kaisers, verheiratet. Und er war der Vater von Margarethe, die in Hainburg Ottokar II. Přemysl geheiratet hatte.

Freistadt lag auf einem alten Handelsweg, der von der Donau über den Nordwald nach Böhmen führte. Eisen wurde transportiert – aber auch Salz (der Salzhof in Freistadt ist das älteste Gebäude der Stadt). Die Grenze zu Böhmen musste geschützt werden, daher erhielten die Siedler Grund und Boden und konnten ihr Haus als freies Eigen besitzen. Daher auch der Name der Stadt. Lustig ist, dass er die Grenze zu Böhmen so gesichert hat. Lange nach seinem Tod heiratete seine Tochter Margarethe den böhmischen König Ottokar II. Přemysl.

Ich liebe es, die Altstadt zu umrunden und die tolle Stadtbefestigung mit den Wehrtürmen, dem Wehrgraben und den Wehrmauern zu besichtigen. Wie schön, dass wir im 21. Jahrhundert leben. Die Wehrtürme sind traumhafte Fotomotive, im Graben gibt es Kinderspielplätze, Rastbänke und wunderbare Parkanlagen, auf den Wehrmauern blühen herrliche lila Blumen. Auch die Stadt selbst – mit den engen Gassen, den Erkern und den vielen geschichtsträchtigen Gebäuden – ist beeindruckend. Für Freistadt sollte man sich genügend Zeit nehmen. Kaffee- und Gasthäuser laden ein sowie ein Brauhaus.

Einst sollte das Freistädter Bier nicht allzu gut gewesen sein – daher importierte man Gerstensaft aus Budweis. Die Ratsherren setzten sich zusammen und überlegten: Bei uns brauen die Häuser alle selbst Bier – mit keinem allzu guten Ergebnis. Arbeiten wir zusammen, vereinen wir unser Wissen und gründen eine Brau-Commune. Diese Idee war extrem gut … heute ist das Freistädter Bier sehr beliebt. Die Brau-Commune gibt es noch immer (als einzige in Europa noch mit dieser Rechtsform). Daran sieht man, wie gut und nachhaltig es ist, zusammenzuhalten. Nehmen wir uns ein Beispiel an den Freistädtern – ihre Idee von 1777 ist heute noch ein Erfolgsunternehmen.

 

Fernitz-Hausmannstätten-Rundweg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 8 km103 HM3 h
    

Fernitz liegt 10 km südlich von Graz und ist eigentlich kein typisches Wandergebiet. Schade eigentlich. Wir waren Anfang April 2026 in Fernitz und wollten in Richtung Hausmannstätten gehen. Auf diese Route sind wir durch das Buch „Gehmütliche Steiermark“ von Anni und Alois Pötz sowie Johann Dormann gekommen.

Wir parkten in der Sportplatzstraße und sahen zwischen der Christbaumkultur und den Einfamilienhäusern bereits den Pfad, der uns zuerst an einem Marterl vorbei durch die Felder führte. Die erste Asphaltstraße musste überquert werden. Danach gelangten wir zur Etschbachstraße. Am Vortag waren wir in Winzendorf bei Pöllau unterwegs gewesen und hatten dort auf der Wanderstrecke Sitzgelegenheiten zum Ausruhen vermisst. Fernitz schaut besser auf seine Ausflügler. Auf diesem Platz stand wieder ein rotes Bankerl – bereits das zweite auf der kurzen Strecke bis hierher.

Hier mussten wir links abbiegen und der Straße in Richtung Buchkogel folgen. Es wurde immer idyllischer. Rechts neben uns plätscherte ein mäanderndes Bächlein, links erhob sich ein steiler Hang mit vielen blühenden Büschen. Wir waren mit Fotografieren und Schauen dermaßen beschäftigt, dass wir zunächst an der Abzweigung vorbeigingen, die wir hätten nehmen sollen.

Als wir unseren Irrtum bemerkten, kehrten wir um und folgten der Tafel, welche die Laufstrecke nach Hausmannstätten markierte. Schön war der Wald, mit einer tollen Artenvielfalt und ganz vielen munteren Vögelchen. Ein weiterer Wegweiser zeigte auf einen richtig steilen Weg nach oben, also bogen wir links ab und schnauften den Berg hinauf. Der Waldweg teilte sich, doch kein Wegweiser war zu sehen. Hätte Kolumbus meinen Orientierungssinn gehabt, hätte er Budapest entdeckt. Ich marschierte nach links und lag natürlich wieder einmal falsch. Wobei – ein großer Fehler war es dann auch wieder nicht, denn hier konnten wir herrlich blühende Kirschbäume fotografieren.

Endlich erreichten wir den Gipfel des Buchkogels. Dort stehen eine originelle Bank und ein noch originelleres Gipfelkreuz. Übrigens zum Namen Buchkogel: Etwas weiter südlich von Fernitz liegt Wildon, und dort gibt es ebenfalls einen Buchkogel. Dieser Buchkogel wurde schon sehr früh besiedelt – genauso wie der Fernitzer Buchkogel. Bereits in der Kupferzeit waren Menschen auf dem Fernitzer Buchkogel beheimatet.

Heute gibt es auf diesem Höhenrücken einen Wald. Durch die Zweige der Bäume konnten wir auf dicht besiedeltes Gebiet blicken: die Landeshauptstadt Graz, Seiersberg, den Flughafen Thalerhof, Fernitz und vieles mehr. Ich konnte auch das Schloss St. Martin sowie die Kirche St. Johann und Paul entdecken – und diese Kirche steht schon wieder auf einem Buchkogel. Ich frage mich schön langsam, ob hier in dieser Gegend alle Erhebungen Buchkogel heißen.

Der Schöckl bildete einen tollen Hintergrund. Dunkel wirkte er mit seinen Wäldern. Ganz im Gegensatz dazu leuchtete die Gebirgskette im Westen weiß zu uns herüber.

Nun ging es bergab, und wir erreichten eine Wanderwegkreuzung. Zum Haus der Stille hätten wir gehen können, doch wir wollten nach Hausmannstätten. Also wieder links – und den nächsten Hügel hinauf auf den Ochsenkopf. Dies sollte die größte Steigung der Wanderung werden, und wir waren dementsprechend langsam unterwegs. Das war auch gut so, denn auf diese Weise entdeckten wir einen ganz niedlichen Gesellen. Der Bombylius major, der Große Wollschweber, schwebte knapp über dem sandigen Boden. Sein Körper war ein richtig wolliges Kügelchen. Ich wunderte mich ein wenig, wie die kurzen Flügelchen es schafften, seinen Körper in der Luft zu halten – und das noch dazu nahezu regungslos auf einer Stelle. Dieses faszinierende Tierchen hatte einen langen Rüssel und schwarze Knopfaugen. Einfach süß.

Weiter ging es auf den Ochsenkopf, wo auf dem Gipfel die nächste Kuriosität auf uns wartete. Ein Strauch war mit Weihnachtskugeln geschmückt, der nächste Busch mit Ostereiern. Gut, immerhin war ja Ostermontag.

Kurz nach dem Ochsenkopf erreichten wir eine Siedlung und wanderten gemütlich auf der Gemeindestraße in Richtung Schloss Pfeilerhof. Das Schloss hat seine besten Tage schon hinter sich. In meinem Schlösserbuch war es noch mit intaktem Verputz abgebildet. Als wir davorstanden, wirkte es ein wenig wie ein „Lost Place“ mit ganz viel Charme. Im Garten wuchs ein traumhaft schöner Magnolienbaum, der in voller Blüte stand.

Kurz ging es durch eine Allee bergab. Dort gab es wieder eine tolle Rastbank. Hier mussten wir die Straße verlassen und links dem Wanderweg folgen. Durch einen Wald erreichten wir die ersten Siedlungshäuser von Hausmannstätten. Rechts gingen wir zur Bundesstraße vor und folgten ihr kurz bergab. Bei der nächsten Einfahrt bogen wir links in die Erzherzog-Johann-Straße ein. Ab nun ging es auf dem Radweg entlang des Ferbersbachs weiter. Bei der ersten Brücke wechselten wir auf die andere Uferseite und gelangten in den Generationenpark. Den Kindern von Hausmannstätten wird dort wirklich einiges geboten.

Nach dem Park gab es wieder eine Brücke, doch wir blieben auf unserer Bachseite und folgten dem Radweg weiter. An einem Pferdegestüt vorbei ging es stets dem Bach entlang, von dem Fernitz wahrscheinlich seinen Namen hat. Im frühen 13. Jahrhundert wurde Fernitz in einer Urkunde als „Vorenze“ bezeichnet, was laut Wikipedia so viel wie „Ansiedlung am Föhrenbach“ bedeuten soll.

Im Ferbersbach fühlen sich die Fischlein wohl. Gregi konnte einige Äschen entdecken. Im Gebüsch links und rechts des Baches waren muntere Vögel unterwegs, und auch Enten planschten im Wasser.

Nun erreichten wir wieder Fernitz. An den Sportstätten vorbei ging es zur Kirche. Irgendwo in diesem Gebiet soll es einen römischen Gutshof gegeben haben – sofern ich das richtig verstanden habe. Das Gotteshaus ist groß und beeindruckend und besitzt einen mächtig hohen Turm. Schon im Mittelalter kamen Wallfahrer hierher. Daher wohl auch die prächtige Kirche.

Ob die Kirche heutzutage noch von Wallfahrern besucht wird, kann ich nicht sagen. Allerdings gab es einen wahren Ansturm auf den Eispavillon sowie das Kaffeehaus Purkarthofer.

Der Erzherzog-Johann-Park ist ebenfalls eine Sensation für sich. Im Jahr 1966 überlegte man, was man mit der leicht sumpfigen Wiese im Ort anfangen könnte, und kam schließlich auf die geniale Idee, einen Park anzulegen. Einen herrlichen Park wohlgemerkt, dem Fernitz viele Auszeichnungen – auch internationale – zu verdanken hat. Ich stand in diesem prächtigen Park und drehte mich nach allen Seiten. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass es so viele verschiedene Magnolienarten gibt. Und alle standen an diesem herrlichen Ostermontag in voller Blüte. Wow.

Über den Kirchplatz ging es schließlich wieder zum Auto. Einmal rechts abgebogen, dann marschierten wir über die Brücke, an den Schulen vorbei, und schon waren wir wieder in der Sportplatzstraße.

Diese Wanderung hat mir ausgesprochen gut gefallen. Vielleicht sollten wir in nächster Zeit die Kollegen des Buchkogels besuchen – den von Wildon oder den von Graz-Straßgang. Beide bieten ebenfalls recht tolle Wanderwege.

 

Aufstieg zur Ruine Eppenstein

Mitte März 2026 waren wir in Zeltweg, weil wir die sehenswerte Osterausstellung im Schloss Farrach besuchen wollten. Doch ohne eine kleine Wanderung wollten wir unseren Ausflug dann doch nicht machen … also fuhren wir nach Eppenstein, um die gleichnamige Burgruine zu besichtigen.

Hoch über dem Granitzenbach, 200 Meter über dem Talboden, liegt die spektakuläre Burgruine Eppenstein. Es gibt einen kleinen Parkplatz für Wanderer, und gleich daneben beginnt der steile Aufstieg zur Burg.

Leberblümchen gedeihen gut auf dem Hang. Ein Pfad führte uns rasch bergan. Unter uns, im schmalen Tal, gab es ein sehr großes Sägewerk … auch eine stark frequentierte Bundesstraße befindet sich dort: die Obdacher Bundesstraße, die das steirische Murtal mit dem Kärntner Lavanttal verbindet.

Vielleicht war es dieser günstige Übergang von Kärnten in die Steiermark, der die bayrischen Grafen der Marchwartinger dazu bewog, hier eine Burg zu errichten. Unter „Marchwartinger“ ist dieses Geschlecht heute nicht mehr bekannt … vielmehr erhielten sie nachträglich den Namen „die Eppensteiner“. Und die Eppensteiner waren nicht irgendwer, sondern Herzöge von Kärnten.

Wir schnauften den Ruinensteig hinauf … gemütlicher wäre es wahrscheinlich über den Wanderweg „über vlg. Fallmoar“ gewesen … doch wir waren schon sehr neugierig und wollten so schnell wie möglich zu diesem historischen Bauwerk gelangen.

Wir erreichten wieder den Forstweg und hatten einen wunderbaren Blick auf den schroffen Felsen, dem eine Ringburg aufgesetzt worden war. Viel weiter unterhalb sah man ein Rondell, das wir bald darauf passierten. Kurz ging der Weg bergab, und wir standen vor einem Steig aus Eisengittern, der um den Felsen führte. Daneben befand sich das „eiserne Burgtor“, das einst zusätzlich noch durch eine Zugbrücke gesichert gewesen war.

Ein Spaziergänger kam gerade mit seinem Hund über diesen Eisensteg. Der Hund stieg sehr vorsichtig und war offensichtlich froh, diesen Steg wieder verlassen zu können. Ich betrachtete das Tor und überlegte mir, wie wohl früher hier der Weg ausgesehen haben mochte. Ein Pfad aus Eisengittern war es wohl nicht gewesen … und ansonsten sah ich nur senkrechten, glatten Felsen. Und hoch, sehr hoch über uns die alte Ringburg aus dem 11. Jahrhundert.

Der Eisengittersteig führte uns eine Weile um den Felsen. Auf einmal sah ich das nächste mächtige Tor: das Burghoftor. Über dem Tor waren Wappen angebracht, unter dem Tor befand sich eine aus dem Felsen gehauene Treppe mit Wagenspuren im Gestein. Wäre der tolle Pfad aus Eisengittern nicht gewesen … mir wäre die Treppe wie eine Stiege ins Nichts vorgekommen.

Hinter diesem Tor befand sich einst der innere Burghof mit Wirtschaftsgebäuden und Stallungen. Heute gibt es diese nicht mehr … dafür hat man einen famosen Blick auf Zeltweg und das Murtal. Die Holzlastwagen, die im Tal fahren, wirken wie Matchboxautos. Weißkirchen war wunderbar zu sehen und ganz hinten die doppelten Türme der Aussichtswarte auf dem Tremmelberg.

Wir hielten uns nicht allzu lange im inneren Burghof auf, denn über Stufen und vorbei an der Wehrmauer erreichten wir den Palas. „Das gotische Haus“ ist jünger als die Ringburg ganz oben auf der Spitze des Felsens, doch jung ist es ebenfalls nicht mehr. Hier befanden sich früher die Wohnräume und die Burgkapelle. Auch eine Zisterne gab es hier.

Um zum ältesten Teil der Burg zu gelangen, mussten wir wieder bergauf steigen. Über einen hölzernen Aufgang erreichten wir den ganz alten Teil der Burg. Betrachtet man die Mauern, kann man noch Reste der Holzbalken erkennen. Hoch über dem Tal standen wir dort … hoch erhoben fühlten sich wohl auch so manche Besitzer.

Im Laufe der Jahrhunderte wirkten auf dieser Burg die Eppensteiner, die Traungauer, die Grafen von Sidenitsch, die Gaisruck, die Colloredo, die Trauttmansdorff, die Nádasdy und viele andere. Insgesamt waren es rund 30 verschiedene Adelsgeschlechter, und nicht alle waren harmlose Menschenfreunde.

Die Teuffenbacher, die im 15. Jahrhundert Besitzer der Burg waren, stritten ganz fürchterlich. Die Burg befand sich im Besitz einer Frau … ihr Bruder nahm die Burg ein und ließ seine Schwester in den Turm werfen. Zwei Jahre später nahmen die Ungarn die Burg ein und befreiten die arme Frau wieder. Ich grübelte lange darüber nach, wie man diese Burg überhaupt hatte einnehmen können, wenn man nicht fliegen konnte. Womit ich nicht gerechnet hatte … Verräter auf der Burg.

Im 17. Jahrhundert herrschte dann ein richtiger Tyrann auf der Burg: Burggraf Christian Alban von Saurau. Ein Typ, der sich ganz und gar nicht beherrschen konnte. Er wurde wegen Mordes und Vergewaltigung angeklagt … und auch wegen Zauberei.

Das sind alles sehr düstere und schlimme Ereignisse. Doch über Eppenstein kann man durchaus auch Positives berichten. 1958 wurde ein Burgenverein gegründet. Viele eifrige Helfer fanden sich zusammen, und gemeinsam begannen sie, die Burg wieder zu sanieren. Bäume und Sträucher mussten gerodet werden, man errichtete Stege und Aufstiegshilfen und sicherte die Mauern. Man hielt gut zusammen und vollbrachte wirklich Großartiges. Dank dieser Initiative kann man dieses wunderbare historische Bauwerk heute wieder besichtigen.

Wieder beim „Eisernen Tor“ angekommen, entschlossen wir uns, rechts über den Weg und über die Zufahrt zur Burgruine in den Ort abzusteigen. Im Tal mussten wir leider ein Stück neben der Bundesstraße marschieren, jedoch sieht man von hier aus den Burgberg und das Gebäude besonders schön.

Jetzt rasch zum Schloss Farrach … eine Osterausstellung wartet. Ein weiterer Tipp: Der Wasserturm – ein Kaffeehaus in Zeltweg mit einer ganz besonderen Architektur.