Judendorf-Straßengel nach Gösting

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

10,9 km

383 HM

2:23 h

    

Im Buch „Gehen auf alten Wegen in den Süden“ von M. Burger hatte ich von dieser Tour gelesen. Hört sich interessant an, meinten wir, und schon machten wir uns an einem wunderbaren Frühlingsmorgen nach Judendorf-Straßengel auf.

Der Park dieses Ortes ist sehr hübsch und auch sehr belebt. Eltern mit Kindern, Senioren, Kurgäste – alle genießen den Park mit seinem herrlich alten Baumbestand sowie der tollen Aussicht auf den Berg mit seiner wahrhaft interessanten Kirche.

Wir wollten zu diesem Wallfahrtsort mit seinem berühmten Wurzelkreuz. Es ist ein Kreuz mit einem Korpus, der nicht von Hand bearbeitet wurde und rein in dieser Form aus einem Wurzelstock hervorgewachsen sein soll. Ich hatte mir im Internet ein Bild dieses besonderen Kreuzes angesehen – irgendwie faszinierend. Schafe sollen dieses heilige Relikt gefunden haben – sie knieten davor, und so wurden die Hirten darauf aufmerksam. Und weil es so besonders war, wollte man es natürlich nach Wien schaffen … Wer Legenden kennt, weiß, was jetzt kommt: Das Kreuz kehrte schlichtweg nach Straßengel zurück – es wollte nicht nach Wien. Und so entwickelte sich Straßengel zu einem Wallfahrtsort.

Wir machten uns nun auf den Weg dorthin. Wir querten den Hauptplatz und die Straße und steuerten auf einen Bildstock zu, bei dem ein Kreuzweg zur Kirche beginnt. Steil ging es durch den Wald bergauf, sehr steil – als ob wir eine Festung erklimmen würden. Und tatsächlich: Ursprünglich stand an dem Ort, an dem sich heute die gotische Kirche mit ihrem wunderbaren Turm (der sehr stark an den Steffl in Wien erinnert) befindet, ein Wehrturm. Die Aussicht ins Tal ist einfach traumhaft – doch wie traumhaft muss erst die Aussicht sein, welche die sieben menschengroßen Engel und die Muttergottesstatue haben, die in schwindelnder Höhe auf dem Kirchturm angebracht sind. Einige der Engel sind sogenannte „tönerne Engel“ – ihre Instrumente sollen geklungen haben, wenn der Wind durch sie hindurchfuhr.

Die Menschen kamen einst nicht nur zu diesem uralten Wallfahrtsort (er soll älter als Mariazell sein), um das legendäre Wurzelkreuz zu besuchen. Sie pilgerten auch zur „Maria im Ährenkleid“. Dieses Bildnis der Muttergottes sowie das Wurzelkreuz wurden 1976 gestohlen.

Und jetzt wird es wirklich kurios: Wie wir aus der Legende wissen, mag das Wurzelkreuz Maria Straßengel nicht verlassen. Und es kam – im Gegensatz zum menschengemachten Marienbildnis – wieder an seinen Lieblingsort zurück. Durch einen anonymen Anruf wurde mitgeteilt, dass man das Kruzifix auf dem Grazer Zentralfriedhof hinterlegt habe. Und dort fand man es dann auch.

Das Wurzelkreuz ist ein ganz besonderer Gegenstand, die gotische Marienkirche ein ganz besonderer Ort. Die riesigen, bunten Glasfenster, das Taufbecken, die Kopie des Bildes „Maria im Ährenkleid“ (von dem einige Leute behaupteten, es habe ursprünglich Demeter dargestellt) – stundenlang könnte man hier verweilen, staunen und genießen. Doch beinahe wäre diese herausragende Kirche abgerissen worden. Nachdem das Wallfahrerwesen durch Joseph II. sehr eingeschränkt worden war, gab es kaum mehr Einnahmen für die Kirche, die langsam verfiel. Außerdem schätzte man damals offensichtlich den gotischen Baustil nicht – also wollte man dieses Gotteshaus kurzerhand abreißen. Zum Glück wehrten sich die umliegenden Gemeinden.

Wir verließen die Rückfallkuppe, auf der die Kirchenfestung steht, in Richtung Friedhof und folgten dem gelben Wanderwegweiser Richtung Gösting. Es ging bergauf, wir kamen auf eine Forststraße, der Wanderweg hätte wieder in den Wald führen sollen … hätte. Der Durchgang war wegen Forstarbeiten gesperrt. Gregi meinte zwar, dass sonntags wohl kaum jemand im Wald arbeiten würde, doch ich setzte mich zum Glück durch, und so marschierten wir einfach die ungefährliche Forststraße weiter bergan. Eidechsen turnten in den Felsen herum, Schmetterlinge flatterten fröhlich dahin. Der Forstweg wurde zu einem Pfad, der den nächsten Hügel querte. Dann kamen wir zu einem Holzlagerplatz, es gab auch ein Bankerl. Wir bogen auf die Forststraße bergauf ein und folgten nun den gelben Wanderwegweisern Richtung Reinerkogel.

Steil bergauf – richtig steil bergauf – ging es nun. Endlich oben angekommen hätten wir uns entscheiden können: entweder nach Thal bei Graz, nach Gösting oder aber über den Frauenkogel nach Straßengel retour. Wir hatten uns den extrem steilen Berg hinaufgeschunden – eineinhalb Stunden nach Gösting wollten wir nicht mehr gehen, jedoch lockte uns der Frauenkogel. „Frauenkogel“ – ein Kogel gleich hinter der uralten Marienwallfahrtskirche. Der interessierte uns sehr.

Ein sonnenbeschienenes Bankerl lud uns am Frauenkogel zur Rast ein. Es soll ein Kraftplatz sein, lasen wir – und tatsächlich: Hier fühlten wir uns pudelwohl. Ein kleines Stück weiter gibt es weitere Bänke und einen Tisch, die Reste eines alten Aussichtsturms und mächtige, alte Buchen, die im Kreis angeordnet sind. Der Abstieg war sehr, sehr steil, und nun wusste ich auch, warum „Trittsicherheit“ eine Voraussetzung für diese Wanderung ist. Immer wieder – sofern man sich aufzuschauen wagte – konnte man herrliche Blicke ins Tal erhaschen. Irgendwie war ich dann schon froh, wieder auf einer Forststraße gelandet zu sein.

Mit langen Schritten eilten wir dem Tal entgegen. Plötzlich hörten wir hinter uns einen gewaltigen Lärm: eine Forstmaschine, ein Geländewagen mit Anhänger und noch ein Wagen mit Arbeitern. Soweit zu Gregis Theorie zur Sonntagsruhe im Forst. Gut, dass wir die Absperrung nicht überklettert hatten.

Wären wir nach Gösting gegangen, hätten wir den Jungfernsprung besuchen können. In die Burgruine kommt man momentan leider nicht mehr. Vor sehr, sehr vielen Jahren war das noch möglich, und die Aussicht auf Graz war einfach grandios. Ich hoffe, dass dieses alte Festungsgebäude wieder einmal für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird.

Wir kamen wieder beim Friedhof unter der Wallfahrtskirche heraus, querten diesmal jedoch den Parkplatz und marschierten über einen schmalen Pfad in den Ort hinunter – wobei man durchwegs einen tollen Blick auf den „steirischen Steffl“ hat.

Der Sorger am Hauptplatz bietet viele Sitzplätze, und diese sind auch sehr begehrt, was wohl auch ein klein wenig den Kurgästen geschuldet ist. Doch im Gegensatz zu unseren üblichen Wanderungen gab es hier im Norden von Graz auch andere Wanderer, die – so wie wir – mit Rucksäcken einkehrten.

Bei einem Kaffee mit Croissant nahmen wir uns vor, demnächst wieder einmal hierherzukommen. Wenn der Wanderweg wieder freigegeben ist und wir ohne jede Störung nach Gösting gehen könnten. Vielleicht könnten wir sogar mit dem Zug anreisen: Vom Hauptbahnhof in Graz bis Judendorf-Straßengel braucht die Bahn nur wenige Minuten, und von Gösting dann mit der Bim zurück zum Hauptbahnhof – gut machbar wäre das.

Schwanberg – Kraftweg und Rund um den Josefiberg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Kraftweg

3,97 km

117 HM

1 h

Rund um den Josefiberg

3,11 km

93 HM1:15 h

Die Altburg von Bad Schwanberg hat eine wunderbare Geschichte. Da gibt es diesen Bergsporn oberhalb des heimeligen Kurorts mit einer herrlichen Aussicht. Und weil es dort oben so schön ist, wundert es nicht, dass der Bergsporn schon sehr früh besiedelt wurde.

Schon in der Jungsteinzeit haben die Menschen diesen besonderen Ort aufgesucht. Die Kelten waren dort, die Römer natürlich auch – wo waren sie nicht? Im frühen Mittelalter baute man eine Wehranlage aus Holz, im Hochmittelalter eine wehrhafte Steinburg.

Wie diese Wehranlage ausgesehen hat, weiß man heute nicht mehr. Einen hohen Turm dürfte sie gehabt haben, geschützt war sie durch ihre natürliche Lage (drei Seiten haben steile Abfälle) und Ringmauern.

Fünfzehn Jahre hatte der Bau dieser Steinburg gedauert. 1255 war sie mehr oder weniger fertig. 1266 wurde sie bereits vom Böhmenkönig Ottokar II. eingenommen. Im fünfzehnten Jahrhundert verstärkte man die Burg mit zwei Rondellen. Das half leider nichts, denn die kaiserlichen Truppen belagerten die Burg (Grund: Baumkirchner Fehde) und sie musste dem Kaiser übergeben werden.

1500 war die Anlage dermaßen beschädigt, dass man sich entschloss, sie aufzugeben. In eine Burg, die zweimal besiegt worden war, wollte man verständlicherweise nicht mehr viel investieren.

Dafür baute man im 16. Jahrhundert das Renaissanceschloss Schwanberg, und die Burgruine nebenan war ein begehrter Steinbruch. So kam es, dass die Burg gänzlich abgetragen wurde. Ein Wald wuchs über die ehemalige Burgstätte, und die einst stolze Wehranlage wurde im Laufe der Zeit vergessen.

Die feudalen Zeiten auf dem Schloss Schwanberg gingen vorbei. Das herrschaftliche Anwesen wurde zu einer Pflegeanstalt. 2004 wurden im Landespflegeheim Schwanberg Bauarbeiten durchgeführt, und siehe da, man stieß auf Grundmauern in der Erde. Aber nicht irgendwelche mickrigen Mäuerchen waren das – bis zu vier Meter dick waren sie.

Wenn man in der Erde auf massive, dicke Mauern stößt und wenn der Ort daneben „Tanzboden“ genannt wird, dann ist es meistens vielversprechend, der Sache auf den Grund zu gehen. Gesagt – getan.

Zuerst musste natürlich alles gerodet werden, und dann wurde der Burgkogel erforscht. 20 Jahre hat man dafür gebraucht – zu Tage gebracht wurden Funde aus der späten Steinzeit, der Kupferzeit, der Urnenfelderzeit, der Latènezeit, der Römerzeit und aus dem Mittelalter.

Gegraben und gesucht wurde auch in alten Urkunden – und hurra, auch hier wurde man fündig. In einer Urkunde aus dem Jahr 1056 wurde Schwanberg mit dem Ortsnamen Odelisnic erwähnt.

Weil diese Geschichte mit der vergessenen und wiederentdeckten Burgstelle so romantisch ist, beschlossen wir am letzten Augustwochenende 2025, diese Altburg zu besichtigen.

Bad Schwanberg ist ein beschaulicher, hübscher Kurort (Moorbad). Der Hauptplatz ist langgezogen und hat einen wunderbaren Blumenschmuck. Am Ende des Hauptplatzes führt eine überdachte Treppe hoch zur Klosterkirche. Neben dieser Stiege gibt es die Information, und dort kann man sich eine interessante Broschüre über die Altburg Schwanberg besorgen.

Nachdem wir die Klosterkirche besucht hatten, ging es zur Pfarrkirche. Ein Ritter wies uns den Weg in Richtung eines alten Friedhofs – ein schattiger Friedhof neben dem Wald mit windschiefen, alten Grabsteinen. Wir stiegen den Kreuzweg bergauf, an eindrucksvollen Passionsfiguren vorbei, und schließlich erreichten wir das Josefikircherl. Die Aussicht von hier war richtig toll; das Gotteshaus war leider verschlossen. Durch das Fenster am Tor sahen wir jedoch, wie wunderbar farbenfroh die Kirche ausgemalt war.

Über einen Waldweg folgten wir dem Mittelalterlehrpfad zur Altburg. Auch hier gab es Statuen, jedoch keine Heiligen, sondern düstere Ritter aus Holz.

Ich hatte Luftbilder von der Altburg gesehen. Sie waren bei weitem nicht so eindrucksvoll wie das Gelände, das nun vor uns lag. Von unten hochwandernd nahmen wir erst die Dimensionen der Geländeterrassen wahr – etwas, das auf Fotos nicht ganz so eindrucksvoll dargestellt werden kann. Die Angreifer mussten einst eine ordentliche Steigung bewältigen, um die Burg zu erstürmen.

Neben dem Rondell vorbei stiegen wir das Gelände hoch, denn wir wollten auch etwas erstürmen: den Aussichtsturm. Angenehm massiv und stabil wirkte dieser Stahlturm, und die Aussicht war erste Sahne. Schloss Schwanberg – dahinter die Weinebene, das Wolfgangikircherl, Schloss Hollenegg (war das dahinter Graz?), der Buchkogel und der Wildoner Burgberg, weit dahinter ein grauer Schatten – die Riegersburg.

Wir sahen uns die Gegend an und wussten, warum dieser Hügel schon so früh besiedelt war. Gut, durch den Markt Schwanberg führte auch eine Handelsroute über die Koralm nach Kärnten. Im Mittelalter durfte man hier eine Maut erheben. Wahrscheinlich wurde dieser Weg jedoch schon in der Römerzeit genutzt.

Über das Schloss Schwanberg (die Mauern um den Garten sehen sehr verdächtig nach den Steinen der Burg aus) ging es dann bergab zurück zur Josefikirche. Nun war das Kirchentor sogar offen – eine Taufe fand gerade statt, wie schön.

Wir stiegen die Kirchtreppe hinab und bogen dann rechts in den Wanderweg, der uns direkt zur Sulm führte. Da die Wanderung bis dahin noch nicht allzu ausgiebig gewesen war, beschlossen wir, der Schwarzen Sulm weiter zu folgen. Eine gute Entscheidung.

Dunkel ist das Wasser, dunkel die schönen, runden Steine darin. Schwarze Sulm – wie zutreffend. Sie ist ein Naturdenkmal und darf noch frei fließen. Es ist ein Genuss, an ihr entlangzuwandern. Leider stieg der Wanderweg irgendwann bergan, und dann mussten wir uns entscheiden: links abbiegen und bis zur Sulmhütte wandern … oder rechts zurück in Richtung Josefikircherl. Die Sulmhütte würden wir ein andermal besuchen.

Im Ort Schwanberg gibt es hervorragende Gastronomie. Im Steirereck am Hauptplatz hatten wir schon öfter ausgezeichnet gegessen. Doch bei unserer Wanderung war es heiß, und wir hatten nicht so recht Hunger auf ein gekochtes Essen. Eiskaffee – das wäre eher etwas. Also besuchten wir das Kurcafé Schwanberger Stüberl, wo wir es uns auf der gemütlichen Terrasse gutgehen ließen.

 

 

Gamskogelrunde über den Königsgraben

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 10,6 km470 HM3:30 h
    

Start beim Gasthaus Bernthaler im Königsgraben.
Vor etwa 15 Jahren haben wir diese Wanderung schon einmal gemacht. Wir hatten sie in einem Wanderbuch gesehen und marschierten voller Freude los. Irgendwann hatten wir dann keine Ahnung mehr, wie der Weg weitergehen würde – und wir trafen ein deutsches Paar, das ebenfalls mit demselben Wanderbuch unterwegs war. Auch sie hatten keine Vorstellung, wie die Runde weiter verlaufen könnte. Heute gibt es zum Glück Wander-Apps, die immer genau anzeigen, wo man sich auf dem Weg befindet. Sie zeigen netterweise auch, wenn man nicht mehr auf der richtigen Route ist. Mein Tipp schon vorweg: die Tour gegen den Uhrzeigersinn gehen – zuerst in den Königsgraben und dann auf den Gamskogel. Dann ist die Markierung auch immer sehr eindeutig.

Bestens ausgerüstet mit Handy, Wanderkarte, guten Bergschuhen (bei dieser Wanderung sehr wichtig) und natürlich mit unseren Kameras starteten wir im August 2025 wieder einmal zu dieser Wanderung. Die Asphaltstraße führte stetig ansteigend neben dem Königsgrabenbach entlang. Das Bachbett hatte eine Steineinfassung, viele Stufen waren zu sehen – jedoch kein Wasser. Das kam erst viel später. Dort standen wir, sahen auf den Mini-Tümpel im steinernen Bett. Das Nass wollte scheinbar nicht über die Stufe fließen. Irgendwo musste es sich wohl einen Weg in den Untergrund gesucht haben. Bachaufwärts gab es jedenfalls genug Wasser (und keine Steineinfassung mehr).

Wir kamen in den Wald, und nun begann der Königsgraben richtig hübsch zu werden. Das Bächlein hüpfte über Kaskaden und rutschte über riesige Steinplatten. Dass es dem Gewässer so gut gefiel, war daran zu erkennen, dass von allen Seiten des Königsgrabens weitere Wässerchen den Weg in das Event-Bachbett suchten. Links neben dem Wanderweg gab es eine steile Wand, die von Moos überzogen war – klatschnasses Moos, Tropfen und Tropfen suchten den Weg nach unten. Eine richtige rinnende Mauer.

Alles rinnt – diesen Eindruck hatten wir schon damals, als wir das erste Mal im Königsgraben unterwegs waren. Und wenn es sehr, sehr viel regnet, entwickelt sich sogar der Wanderweg zum Bach und schwemmt so viel Schotter weg, dass die hölzernen Querrillen auf dem Weg plötzlich in der Luft hängen und wie Aquädukte die Wegränder verbinden.

Der Natur stört das nicht. Die Brombeeren waren reif, und das freute die Schmetterlinge. Mohrenfalter und Kaisermantel teilten sich die „gedeckte Tafel“. Je tiefer wir in den Königsgraben hinein gingen, desto steiler wurde der Weg. Die ersten Felswände waren zu sehen, die Wasserfälle wurden immer höher, und die Zyklamen dufteten um die Wette. Wunderbarer Enzian verschönerte den Wegrand, die kanadische Goldrute (die bei uns Menschen keinen allzu großen Beliebtheitsgrad hat) wucherte ebenfalls üppig. Den Schmetterlingen und Insekten gefiel das. Wir entdeckten eine kleine Sensation – den klebrigen Salbei. Seine geöffneten Blüten erinnerten mich an eine Schlange mit weit aufgerissenem Maul und herausgestreckter Zunge.

Der Königsgraben hat einen majestätischen Namen – wie er wohl dazu kam? War dieses Gebiet einst königlicher Besitz, oder gehörte der Graben einst einem Bauern namens König?

Als wir den Königsgraben geschafft hatten, standen wir vor einer großen Kuhweide. Es war bereits Mittagszeit, und die Kühe dösten teilweise, andere waren mit Wiederkäuen beschäftigt. Ein Bild des Friedens. Glückliche Kühe gab es hier, mit schönen, langen Hörnern.

Hier mussten wir dem Wegweiser „Gamskogel – Kleinstübing“ folgen. Der nächste Wegabschnitt führt über eine Forststraße. Immer wieder hatte man ein wunderbares Panorama. Waren wir im Königsgraben noch beinahe allein unterwegs gewesen, trafen wir jetzt immer öfter andere Wanderer. Plötzlich mussten wir den Forstweg verlassen und rechts den Hang hinaufgehen. Das war die Stelle, an der wir uns bei der letzten Wanderung verlaufen hatten. Damals erwanderten wir die Runde im Uhrzeigersinn. Von oben kommend waren wir irrtümlicherweise rechts in den Forstweg abgebogen. Auch heute ist die Markierung in diesem Bereich nicht optimal.

Jetzt kam ein besonders schöner Wegabschnitt. Auf dem Höhengrat ging es vorerst noch recht gemütlich entlang. Immer wieder hatten wir wunderbare Aussichten, dann sahen wir die ersten Felsnadeln und waren fasziniert. Nicht lange, denn ab nun wurde der Weg für mich (ich habe leider Höhenangst und bin nicht schwindelfrei) zu einer sehr großen Herausforderung.

Hunde kamen mir schwanzwedelnd und voller Freude entgegen – sie waren schwindelfrei. Gut auf vier Beinen und mit einem etwas niedrigeren Schwerpunkt haben sie in diesem Gelände eindeutig einen Vorteil.

„Wieso können diese tollen Felsen nicht in der Ebene stehen?“, haderte ich bei einem steilen und abschüssigen Wegstück, das zur Bärenhöhle hinunterführte. Unten gab es zum Glück eine Seilsicherung, sonst hätte ich nun auf der Stelle umgedreht. Bären kennen offensichtlich auch keine Höhenangst, sonst hätten sie diese kleine Durchgangshöhle nie aufgesucht. 1949 wurden bei Ausgrabungen in der Bärenhöhle Knochen vom Höhlenbären gefunden. Doch auch sie sind hauptsächlich auf allen vieren unterwegs und haben somit einen niedrigeren Schwerpunkt.

Ich glaube, die Evolution hat einen Fehler gemacht, als sie den Homo sapiens aufrecht gehen ließ. Um diesen groben Fehler wieder gutzumachen, kroch ich einen Teil des Weges (hier ging es neben mir wirklich sehr steil bergab) auf allen vieren.

Ab dem Gipfel des Gamskogels, der im Wald liegt, konnte ich mich wieder entspannen. Ab nun hatte der Wanderweg zwar ein ordentliches Gefälle, was den Knien nicht ganz so gut gefiel, aber es gab keine schlimmen Abgründe. Dafür hatte man eine wunderbare Aussicht auf die Kirche von Straßengel. In Kleinstübing angekommen, mussten wir nur noch der Asphaltstraße zum Gasthaus Bernthaler folgen (das leider wegen Umbaus geschlossen hatte). Bei der letzten Wanderung hatten wir im Garten unter den Sonnenschirmen gegessen, was uns sehr gut gefallen hatte.

Wo also essen? Wir überlegten. Und so sinnierten wir: In Judendorf-Straßengel gibt es eine REHA-Klinik. Und in diesen Kliniken gibt es meistens auch Diätologie. Und wo Patienten in Kliniken eine Diät halten sollen, können in deren Umfeld sicherlich etliche Gasthäuser gut bestehen. (Mörathsche Logik!) Also fuhren wir nach Judendorf-Straßengel – und was soll ich sagen: Wir hatten recht.

 

Hainburg – Burgberg und Keltenweg

Wanderung

Ausgangspunkt

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Schlossberg

Hauptplatz

3 km

150 HM

2 h

Keltenweg

Donaulände

5,75 km

190 HM

2 h

Hainburg ist die östlichste Stadt in Österreich. Sie liegt an der Donau, und zwar an einer recht günstigen Stelle des Flusses. In früheren Zeiten konnte man die Donau bei Hainburg durch Furtübergänge queren. Die Bernsteinstraße nutzte diese Möglichkeit. Wahrscheinlich ist diese Furt auch ein Grund dafür, dass in der Nähe die römische Stadt Carnuntum errichtet wurde. Doch schon vor den Römern war die Gegend besiedelt.

Wir waren nicht in Hainburg, weil sie die östlichste Stadt in Österreich ist, sondern wir besuchten sie, weil sie wunderschön und historisch äußerst interessant ist. An einem ungewöhnlich herrlichen Oktobertag im Jahr 2023 starteten wir eine Wanderung, um einige besondere Plätze der Gegend zu besuchen.

Die Hainburger Kirche ist hübsch – doch noch mehr hat mich der uralte Brunnen mit seinem Steinbecken und den Blumen fasziniert. Für alte Steinbrunnen habe ich nun mal eine Schwäche. In Hainburg kann man jedoch noch viel mehr entdecken – zum Beispiel die gotische Fenstergruppe. Und dann gibt es noch drei Stadttore, eine Stadtmauer und wunderbare alte Häuser.

Das prächtigste aller Stadttore ist das Wienertor. Das Wienertor war eigentlich eine Torburg – 20 Meter hoch und dann noch ein Dach darauf, welches wiederum stattliche 11 Meter Höhe vorzuweisen hat. Es ist so mächtig groß, dass es zu den größten noch erhaltenen Stadttoren Europas zählt. Der untere Teil des Tores besteht aus mächtigen Buckelquadern. Diese stammten aus der ehemaligen römischen Stadt Carnuntum. Unter Ottokar II. wurde dann oben noch ein Mauerwerk aus Bruchsteinen aufgebaut. Klein wirken die Autos, die durch das Tor mit dem Fallgitter fahren, so mächtig ist das Gemäuer. Hoch oben, an der Innenseite der beiden Torvorbauten, befinden sich zwei Ritterstatuen, die auf die durchfahrenden Autos blicken. Klein wirken sie – viel zu klein für das riesige Gebäude – und machtlos sind sie auch gegen den ganzen Verkehr, der sich durch ihr Tor wälzt. Das Tor hat alle Kriege der letzten Jahrhunderte heil überstanden – jedoch nicht den Schwerverkehr. 1976/77 sowie 2004/08 musste es saniert werden.

Am Wienertor schließt die mächtige Stadtmauer mit ihren Zinnen an. Die Mauer führt bergauf zum Schlossberg. Und genau dort wollten wir auch hinwandern – und genau dort waren wir vom nächsten Tor beeindruckt. Auf dem Schlossberg gibt es zwar nur noch Ruinen, allerdings lassen diese erkennen, wie imposant die Burg einmal gewesen sein muss. Riesig ist die Anlage – gewaltig schön ist die Aussicht. Hainburg war nicht irgendeine Burg eines unbedeutenden Adeligen. In Hainburg wohnte einst die Witwe des Königs Heinrich VII.: Margarethe von Österreich, auch Margarethe von Babenberg genannt.

Margarethe war nicht nur die Witwe eines Königs, der sich gegen seinen Vater, Kaiser Friedrich II., erhoben hatte und daraufhin für sieben Jahre in Gefangenschaft ging, wo er auch verstarb. Ihr wurden offensichtlich auch die beiden Söhne weggenommen; sie wurden wahrscheinlich nach Italien gebracht.

Margarethe hatte einen Bruder, der kinderlos starb – und die Besitzungen dieses letzten Babenbergers standen nun zur Verfügung. Sowohl sie als auch ihre Nichte Gertrud hatten Anspruch auf Österreich und die Steiermark (dazumal war das noch getrennt). Der böhmische König Wenzel I. hatte gleich die glorreiche Idee, seinen ältesten Sohn mit Gertrud zu verheiraten – so kämen Österreich und Steiermark in den Besitz der Familie. Gesagt, getan: Gertrud und Vladislav heirateten. Die Männer wurden dazumal nicht alt. Vladislav starb, Gertrud heiratete erneut und wurde binnen drei Jahren wieder Witwe. Nun meinte Wenzel I., dass sein zweiter Sohn Ottokar II. Gertrud heiraten sollte. Dieser sah jedoch die Sterbebilanz von Gertruds Ehemännern und entschied sich, dass es doch klüger wäre, die um 30 Jahre ältere Margarethe zu ehelichen.

Am 11. Februar 1252 heiratete Margarethe den um fast drei Jahrzehnte jüngeren Ottokar in der Burgkapelle von Hainburg. Ottokar war also fast gleich alt wie ihre Söhne. Ich nehme an, dass diese Hochzeit eher einer Adoption gleichzusetzen war – jetzt spekuliere ich einmal. Margarethe muss sich sehr wohl bewusst gewesen sein, dass dies keine Liebesheirat war. Doch in Anbetracht ihrer Lage – ihr Mann war tot, nachdem er von seinem eigenen Vater eingesperrt worden war; ihre Söhne hatte man ihr entzogen; die eigenen Verwandten waren nahezu ausgestorben; mit ihrer Nichte lag sie im Streit wegen Besitzungen – könnte ich mir vorstellen, dass sie in der Hochzeit mit Ottokar eine Verbesserung ihrer eigenen Lage sah.

War die Ehe rein aus materiellen Überlegungen vorteilhaft, gab es doch einen heiklen Punkt: Margarethe war 50 Jahre alt und konnte keine Kinder mehr bekommen. Ottokar hatte einen unehelichen Sohn, den er gerne legitimiert hätte, doch dagegen war der Papst. Wie sollte Ottokar so eine Dynastie gründen?

1261 trennte er sich von Margarethe – diesmal mit Zustimmung des Papstes. Einen leiblichen Sohn zu legitimieren ging nicht, eine Scheidung sehr wohl. Das sagt meines Erachtens viel aus. Zwei Monate nach der Scheidung von Margarethe ehelichte er Kunigunde, die Enkelin des ungarischen Königs.

Wir standen auf dem herrlichen Burgberg und sahen hinüber zu unserem nächsten Wanderziel – dem Braunsberg. Irgendwie sieht er ein bisserl nackert aus, der Braunsberg. Braun war der Berg nicht – hellgrau leuchteten die Felsen zu uns herüber. Also stiegen wir wieder hinunter in die Stadt. Die Wege auf dem Schlossberg sind wirklich sehr schön gepflegt. Dann folgten wir wieder einer Stadtmauer, diesmal kamen wir zum Ungartor. Beim Ungartor gab es ein Kaffee, und den brauchten wir jetzt auch, wollten wir doch den nächsten Berg erklimmen.

Wir stiegen gegen den Uhrzeigersinn auf den Braunsberg. Schon beim Hinaufwandern hatten wir eine prachtvolle Aussicht. Doch unschlagbar war der Panoramablick vom Plateau des Braunsbergs.

Die Stadtmauer von Hainburg ist noch 2,5 km lang. Der Hauptwall, der die keltische Höhensiedlung auf dem Braunsberg umgab, soll 1,5 km lang gewesen sein. Ein hölzerner Wachturm und ein Stück Palisadenzaun wurden rekonstruiert, damit man eine kleine Vorstellung davon bekommt. Wer jedoch auf dem Braunsberg steht, betrachtet nicht allzu lange den Palisadenzaun – dazu ist die Aussicht einfach viel zu grandios. Bratislava im Osten: Weiß leuchtet das Schloss zu uns herüber, noch mehr leuchtet ein hässlicher silberner Büroturm neben dem Schloss. Und da ist noch die Brücke über die Donau. Windräder gibt es im Süden zu sehen. Brücken gibt es nicht häufig an der schönen blauen Donau – doch vom Braunsberg sieht man zwei: die in Bratislava und die von Hainburg. Fast 2 km ist sie lang; im Oktober 1969 begann der Bau, im Jänner 1973 wurde sie eröffnet. Die nächste Brücke, die über die Donau führt, ist erst in Wien.

Apropos Verkehr: Besonders interessant ist die Zugtrasse bei Hainburg. Wie auf Stelzen fährt die Bahn hochwassersicher neben der Donau entlang, kurz droht der Zug, einen mittelalterlichen Turm zu rammen, bekommt dann doch die Kurve und lässt das Bauwerk unbeschädigt. Im Norden gibt es viel Wald zu sehen – allerfeinsten Auwald. Und wenn man ganz genau schaut, sieht man Schloss Hof und Schloss Niederweiden.

Doch es zahlte sich auch aus, den Blick nicht nur nach unten und in die Weite zu richten. Nein, auch ein Blick in den Himmel sollte gewagt werden – besonders, wenn Falken gerade dabei sind, ihren Jungtieren das Jagen nach Grillen beizubringen. Unermüdlich flogen die eleganten Vögel zur Abbruchkante des Berges, wo sie den Auftrieb nutzten, um sich energiesparend hochzuschrauben. Rüttelflug am Himmel, dann Sturzflug auf den kurzen Trockenrasen. Und da die Jungtiere lernen mussten, wurde diese Übung oft und oft wiederholt. Einfach herrlich.

Beim Bergabgehen kommt man bei der Ruine Röthelstein vorbei (Wanderbeschreibung: Hainburg – Panoramaweg zur Ruine Röthelstein) und schließlich zur Donaulände. Die Wanderungen auf den Schlossberg von Hainburg und auf den Braunsberg gehörten zu den schönsten Routen, die wir bis jetzt gehen durften. Unbedingt empfehlenswert.

 

Mida Huber Wanderweg – Landsee

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

4,8 km153 HM1,5 h
    

Die Ruine Landsee im Mittelburgenland gehört zu den größten Burgruinen Mitteleuropas. Sie liegt mitten im Naturpark Landseer Berge. Ein Naturpark mit einer gigantischen Burgruine – klar, dass wir uns das ansehen wollten. Als wir im Juni 2026 Urlaub im Mittelburgenland machten, steuerten wir bereits auf der Hinfahrt die Ruine an.

Ehrfürchtig standen wir vor dem alten Gemäuer. Eine Holzbrücke führte zu einem mächtigen Tor mit einer prächtigen Pechnase. Nichts wie hinüber und hinein in die Ruine! In den äußeren Burggraben wollte ich zwar ebenfalls noch hinabsteigen, aber alles zu seiner Zeit.

Kaum hatten wir den Torturm durchschritten, standen wir vor der ersten Entscheidung: rechts hinauf oder geradeaus weiter? Wir entschieden uns zunächst für den Anstieg. Hoch zwischen zwei tiefen Gräben – dort, wo einst der Wall mit Palisaden befestigt war – marschierten wir dahin. Über eine Treppe gelangten wir in den inneren Burggraben und schließlich in jenen Teil der Burg, in dem sich einst die Wirtschaftsgebäude befanden.

Heute liegt zwischen der Hochburg und den hoch aufragenden äußeren Ringmauern ein Veranstaltungsgelände mit einem außergewöhnlich sauberen WC samt Waschraum – ein Luxus, den die Bewohner der Burg einst sicherlich nicht kannten.

Vor uns lag der Brunnen. 66 Meter soll er tief sein. Welch gewaltige Mühe musste es gewesen sein, ihn in den Fels zu treiben! Und ebenso beschwerlich war es wohl, das Wasser täglich aus dieser Tiefe heraufzuziehen.

Hoch über uns thronte die Hochburg. Es zog uns förmlich zum nächsten Burgtor – nicht zuletzt deshalb, weil wir es plötzlich eilig hatten. Schwarze Wolken zogen auf, und wir wussten nicht, wie viel Zeit uns für die Besichtigung noch blieb.

Die Ruinen hinter dem vierten Burgtor waren einst Wohngebäude aus dem 17. Jahrhundert. Zahlreiche Mauern ragen noch heute in den Himmel. War der Hof vielleicht dreieckig angelegt? Unzählige Räume mussten sich einst in diesem Gebäudekomplex befunden haben. Bauherr war vermutlich Paul Esterházy.

Davor hatte man in der Hochburg gewohnt, die deutlich kleiner war. Dort befand sich auch der alte Bergfried. Im 16. Jahrhundert lebte hier eine durchaus berüchtigte Frau: Gertrud von Weisspriach, die Witwe des Kärntner Landeshauptmannes Ulrich von Weisspriach.

Offenbar kam es in der Geschichte immer wieder vor, dass sich einflussreiche Frauen mit Räubern oder Freibeutern verbündeten. Ein prominentes Beispiel ist die englische Königin Elisabeth I. Unter ihrer Herrschaft erhielten Freibeuter sogenannte Kaperbriefe und durften damit spanische Galeonen angreifen und plündern. Im Gegenzug erhielt die Krone einen beträchtlichen Teil der Beute. Der bekannteste dieser Freibeuter war Francis Drake.

Auch Gertrud von Weisspriach verbündete sich mit einem Räuber. Sein Name war Franz Magusch. Gemeinsam mit seiner Bande und von Gertrud angeworbenen Söldnern terrorisierte er die Umgebung bis ins heutige Sopron. Anders als Elisabeth I. ließ Gertrud jedoch nicht Feinde des Reiches berauben, sondern die eigene Bevölkerung. Schließlich wurde sie deshalb verhaftet und eingesperrt.

Wir stiegen weiter bergauf und durchschritten das fünfte Tor. Nach einem dunklen Durchgang mit einer Rinne im Boden standen wir plötzlich im engen Hof der Hochburg. Besonders beeindruckten uns die Küche mit ihrem gewaltigen Kamin – oder was immer dieses mächtige Bauwerk ursprünglich gewesen sein mag – sowie der Bergfried mit seinen bis zu zehn Meter dicken Mauern und seinen fünf Geschossen.

Zunächst stiegen wir über die hölzernen Treppen empor und erreichten die eiserne Wendeltreppe. Doch inzwischen grollten Blitz und Donner. Auf einer Metalltreppe einen hohen Turm auf einem Berg während eines Gewitters zu besteigen, erschien uns keine besonders gute Idee. Also traten wir rasch den Rückweg an – mit dem festen Vorsatz, wiederzukommen.

Ganz so eilig hatten wir es dann aber doch nicht. Beim Kiosk am Eingang setzten wir uns auf die überdachte Terrasse und genossen einen ausgezeichneten Gemüsestrudel.

Als unser Kurzurlaub im Mittelburgenland zu Ende ging, stand unser Entschluss fest: Wir würden nach Landsee zurückkehren.

Im Naturpark Landseer Berge gibt es mehrere Wanderwege. Einer führt von Kobersdorf über die Ruine und den Pauliberg wieder zurück. Da das Thermometer bereits am Vormittag knapp 30 Grad zeigte, entschieden wir uns gegen diese längere Tour. Stattdessen wählten wir den deutlich kürzeren Mida-Huber-Bankerlwanderweg, der zum Öden Kloster führt.

Mida Huber war eine Schriftstellerin, die von 1880 bis 1974 lebte.

Wir parkten bei der Burgruine und folgten den Wegweisern. Vorbei am kleinen Waldfriedhof ging es durch den Wald bergauf. Auf einer Lichtung entdeckten wir Himbeersträucher, über denen zahllose Schmetterlinge flatterten.

Immer weiter führte der Weg durch den Wald, bis wir plötzlich vor der Florianikapelle standen. Dort fanden wir eine wunderschön gestaltete Sitzgelegenheit und dahinter das wohl vornehmste Gipfelbuch, das ich je gesehen habe.

Von der Florianikapelle ist es nur noch ein kurzes Stück bis zum Öden Kloster – allerdings hat es dieses kurze Stück in sich. Der Anstieg ist ausgesprochen steil.

Der Hügel wurde einst künstlich eingeebnet und terrassiert. Hier standen früher die dem heiligen Michael geweihte Klosterkirche sowie acht freistehende Eremitenklausen. Eine hohe Mauer ist bis heute erhalten geblieben und nicht zu übersehen. Mehrere zum Teil beachtliche Erdwälle können bestiegen werden; unter ihnen dürften sich noch die Reste der einstigen Gebäude befinden. Auch an den Bodenformen lässt sich gut erkennen, wo die Fundamente der Klausen lagen.

Nur 81 Jahre bestand hier ein Kloster des Kamaldulenserordens. Ich muss gestehen, dass ich von diesem Orden zuvor noch nie gehört hatte. Also bemühte ich das Internet und erfuhr, dass der Orden im Jahr 1012 in der Toskana gegründet worden war.

Anschließend wanderten wir wieder bergab durch einen idyllischen Wald und erreichten schließlich eine stark befahrene Straße. Immer wieder donnerten schwer beladene LKW an uns vorbei. Wie froh war ich, dass hier ein sicherer Gehsteig vorhanden war.

Die Lastwagen steuerten den Pauliberg an, wo im Steinbruch Gestein abgebaut wird. Der Pauliberg ist der jüngste Vulkan der oststeirischen Vulkankette.

Durch den Ort Landsee gelangten wir schließlich wieder zur Burgruine. Diesmal steuerten wir sofort den mächtigen Bergfried an und genossen den herrlichen Rundumblick.

Doch nicht nur das Panorama begeisterte uns. Auch ein junger Falke, der sich geduldig fotografieren ließ, ließ unsere Herzen höherschlagen.

Wer die Ruine besucht, sollte unbedingt alle Burggräben durchwandern. Besonders der innere Burggraben beeindruckt durch seine enorme Tiefe. Die unzähligen Ziegel, die hier verbaut wurden, lassen einen voller Ehrfurcht an den gewaltigen Fleiß unserer Vorfahren denken.

Auch der äußere Burggraben ist beeindruckend. Der äußere Befestigungsring misst rund 1.700 Meter Länge. Man ist eine ganze Weile unterwegs, bis man die gewaltige Wehranlage vollständig umrundet hat. Spätestens dann wird klar, dass die Burg ihren angeblich ursprünglichen Namen „Ehre des Landes“ – aus dem sich später „Landsee“ entwickelte – mehr als verdient.

 

Von Schielleiten nach Maria Fieberbründl

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 7 kmkaum2,5 Stunden
    

Die Wanderung von Schielleiten nach Fieberbründl und zurück ist für uns eigentlich eine klassische Winterwanderung, wenn die Tage recht kurz sind und wir in der Kälte nicht allzu lange im Freien unterwegs sein wollen. Doch diese Strecke ist zu allen Jahreszeiten herrlich.

Wenn man vor dem Schloss Neu-Schielleiten steht, sich kurz umdreht und auf den Vockenberg blickt, kann man die Ruinen der Burg beziehungsweise des Schlosses Alt-Schielleiten entdecken. Alt-Schielleiten wurde als Wehrburg in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts auf der „schiefen Leite“ (dem Abhang) des Vockenberges errichtet. Von dieser „schiefen Leite“ dürfte wohl auch der Name stammen.

Errichtet wurde sie von Stubenbergischen Dienstmannen, die sich nach ihrer Burg „von Schielleiten“ nannten. Diese Familie war nicht unbedingt einflussreich und hatte auch nicht viel Zeit, bedeutende Persönlichkeiten hervorzubringen, denn um 1400 erlosch das Geschlecht.

Irgendwann kam die Burg in den Besitz der Familie Rindscheidt, die sie im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts in ein hübsches Renaissance-Schloss verwandelte. Das Gebäude wurde immer weiter ausgebaut, und zu Beginn des 17. Jahrhunderts kamen auch ein prachtvoller Garten samt Lusthaus hinzu. Stattlich sah das Anwesen nun aus, und die Besitzer hätten sich dort eigentlich auch recht wohlfühlen können – hätten und können.

Die Rindscheidts waren protestantischen Glaubens, wie damals sehr viele Adelige in der Steiermark. Im Zuge der Gegenreformation mussten sie die Steiermark verlassen. Also kam die Herrschaft an einen neuen Besitzer – und dieser war mit der hübschen Burg beziehungsweise dem Schloss scheinbar nicht ganz zufrieden.

Bequemer wäre ein Schloss im Tal gewesen, also ließ Graf Max Rudolf von Wurmbrand-Stuppach ein neues Schloss errichten. Einen barocken Prachtbau. Ein Schloss zu bauen war keine Kleinigkeit. Als der Graf starb, war kein Geld mehr für den Bau vorhanden – dafür aber ein ganzer Haufen Schulden. An eine Fertigstellung war nicht mehr zu denken. Wir befinden uns im Jahr 1731. Man überlegte, ob man nicht doch wieder das alte Schloss herrichten sollte – daraus wurde allerdings ebenfalls nichts.

Mehr als 200 Jahre später, im Jahr 1935, kam Neu-Schielleiten in den Besitz der Republik Österreich. Dabei wurde auch der bis dahin fehlende Gebäudetrakt errichtet. Bis 1938 diente das Schloss, das nun sogar über einen Turnsaal verfügte, der Österreichischen Turn- und Sportfront. Unter den Nationalsozialisten wurde Sport ebenfalls stark gefördert – die Soldaten sollten schließlich körperlich sehr fit sein. In Neu-Schielleiten entstand eine Gauschule, eine Ausbildungsstätte für Leibesübungen.

1947 kam Schloss Neu-Schielleiten erneut in österreichischen Staatsbesitz, und hier entstand die erste Bundessportschule Österreichs.

Rund um das Schloss stehen einige Statuen. Diese thronten früher in schwindelerregender Höhe über dem Schloss auf einer Attikamauer. Dicke Bäume wachsen im Park, daneben gibt es diverse Sportstätten. Doch diese ließen wir links liegen und folgten dem Wanderweg. Bald kamen wir zum nächsten Highlight. Auf einem Damm mit uralten, mächtigen Bäumen wanderten wir an einem Fischteich vorbei, wobei uns ein Fischreiher argwöhnisch beobachtete.

Wir bogen rechts ab. Ganz kurz mussten wir auf einer schmalen Asphaltstraße gehen, doch gleich bei einer Kapelle ging es wieder in Richtung Wald. Hier gab es den nächsten Damm und den nächsten Fischteich. Wir folgten dem Forstweg und kamen zu einem Gedenkstein. Im Jahr 1924 wurde in diesem Wald der Gendarm Andreas Haas in pflichtbewusster Ausübung seines Berufes erschossen.

Mitten im Wald stand ein verlassenes Bauernhaus, etwas später folgte ein weiteres Haus – allerdings nicht verlassen, sondern sehr belebt. Glückliche Hühner und ein hübscher weißer Pfau zeigten sich dort. Der Pfau wollte den munter gackernden Hennen in schönstem Imponiergehabe demonstrieren, wer hier der „Hahn im Korb“ war.

Wir kamen an einem Waldrand entlang, querten eine Wiese, die das Habitat unzähliger musikalischer Grillen war, passierten noch ein Bauernhaus, dann noch eines, wieder Wald – und nun kamen uns recht viele Leute entgegen. Eindeutig: Wir waren mehr oder weniger auf der Zielgeraden in Richtung Maria Fieberbründl. Wir hörten bereits Gesang – sonntags gibt es sogar um 15 Uhr noch eine Messe – und dann sahen wir das Schild „Gradieranlage“.

Diese mussten wir uns natürlich ansehen. Ein Holzbau, der an eine Waldkapelle erinnert, mit Wänden aus Schlehdornzweigen und Tannenreisig. Darüber rieselte unaufhörlich solehaltiges Wasser. Das tut den Lungen gut.

Der Weg führte bergauf zum Gasthaus Durlacher. Wir wanderten an ehemaligen Devotionalienhändlern vorbei hinunter zur Kirche. Die Messe war noch voll im Gange. Selbst auf den Bänken vor der Kirche saßen Menschen, die dank der Außenlautsprecher der Messe gut folgen konnten. Ein Tisch für die Agape war bereits vorbereitet, und in der Quellenkapelle brannten unzählige Opferlichter.

Das Wasser von Maria Fieberbründl ist stark rechtsdrehend und soll gegen Halskrankheiten, Kropfleiden und Fieber helfen. Ursprünglich wurde in diesem doch sehr versteckten Winkel der Oststeiermark eine Holzkapelle errichtet. 1879 wurde dann eine größere Wallfahrtskapelle gebaut, und der Ort zog schließlich so viele Pilger an, dass man in den Jahren 1893/94 eine Bethalle anbaute.

1953 übernahm der Kapuzinerorden die Betreuung des Wallfahrtsortes und fügte Kapelle und Bethaus ein Querschiff hinzu. Maria Fieberbründl ist offensichtlich noch immer ein beliebter Wallfahrtsort. Sonntags werden in der Filial- und Wallfahrtskirche Maria im Elend gleich drei Messen gefeiert.

Allerdings glaube ich kaum, dass die Wallfahrtsriten, die im Buch „Kultplätze im Land Steiermark“ von Franz Jantsch aus dem Jahr 1994 beschrieben werden, heute noch aktuell sind:

„Das Hauptfest ist am 8. November. Aus Stinatz im Burgenland kommt eine Prozession zu Fuß. Mädchen tragen Blumenkränze im offenen Haar. Beim dritten Umgang werfen sich die Mädchen bei einem bestimmten Lied auf das Angesicht und bleiben so liegen, bis das Lied zu Ende ist.“

Diese Zeiten sind wohl vorbei. Aus dem Lautsprecher hörte ich stattdessen meines Erachtens sehr sinnvolle Abschiedsworte einer fürsorglichen Frau, die sich – so glaube ich – an betagte Kirchenbesucher richtete. Sinngemäß sagte sie:

„Wer möchte, kann zur Gradieranlage gehen – das ist ein bisschen Bewegung, die uns gut tut. Und vergesst bitte nicht, Wasser zu trinken. Die letzte Stunde haben wir nichts getrunken.“

Auch so kann Wallfahrt aussehen. Betagte Menschen, die gemeinsam eine Messe feiern und singen, und fürsorgliche Personen, die sich um ihre Gesundheit sorgen. Ein aufeinander Achtgeben – das gefällt mir persönlich noch besser als die jungen, blumenbekränzten Mädchen, die sich auf ihr Angesicht werfen.

Retour nach Schielleiten geht es auf derselben Strecke.

 

Ruine Ruttenstein Weg Nr. 95

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 12 km362 HM3 Stunden
    

Die Mühlviertler Alm ist eine Gegend, in der wir immer wieder sehr gerne unterwegs sind. Wir nächtigen im Hotel Fürst in Unterweißenbach, einem Markt, der für Mühlviertler Verhältnisse recht belebt ist. Nicht weit von Unterweißenbach liegt eine wahrhaft große und interessante Burgruine: die ehemalige Burg Ruttenstein. Diese wollten wir auf einer Wandertour erkunden – Startpunkt war Pierbach, ein Ort, der in der Luftlinie ebenfalls nicht weit entfernt liegt. Mit dem Auto fuhren wir jedoch um die Berge herum und legten dabei rund 18 Kilometer zurück.

Zu unserer Wanderung:
In Pierbach gibt es einen ganz tollen Parkplatz für Wanderer, denn der Ort ist auch Startpunkt des beliebten Johanneswegs. Pierbach wurde bereits um das Jahr 1000 gegründet. Die Pfarrkirche zum Heiligen Quirin besitzt romanische, gotische sowie barocke Bauteile.

Wir verließen den Ort, indem wir die Bundesstraße und eine Brücke querten und in Richtung Norden auf das Gasthaus „Beim Trinkl“ zustrebten. Eine sehr große Gruppe bestens gelaunter Wanderer kam uns entgegen und lud uns ein, mit ihnen zum Augenbründl zu gehen. Doch wir hatten anderes vor: Die Ruine der größten Wehrburg im Mühlviertel wartete auf uns.

Zuerst wanderten wir entlang einer schmalen Asphaltstraße der Naarn entlang. Schließlich bog der Weg links ab, und über eine Brücke gelangten wir in den Wald, wo der erste Aufstieg der Wanderung begann. Wir kamen bei einem Bauernhaus heraus; neben uns ein Weidezaun, viele urige Bäume, und noch mehr muntere Vögel waren unterwegs. Buchfinken, Meisen, Spechte, Singdrosseln, Mönchsgrasmücken, Rotkehlchen, Amseln sowie Goldammern waren zu hören und zu sehen.

Schließlich sahen wir vor uns ein Marterl im Steinbloß-Stil. Hier mussten wir wieder rechts abbiegen und dem Asphaltweg ein kurzes Stück folgen, um dann erneut links in den Wald einzutauchen. Der Waldboden war hier wunderbar hellgrün, es gab Teppiche von Heidelbeeren, dazwischen lagen Granitbrocken – einfach schön.

Das weitere Wegstück führte auf Asphalt, aber keine Angst: Die Straßen auf der Mühlviertler Alm sind kaum frequentiert. Dann erreichten wir den Parkplatz zur Ruine Ruttenstein. Ich freute mich, nun gleich das beeindruckende Bauwerk erkunden zu können – und las, dass es noch 45 Minuten bis zur Burg seien. Es waren angenehme 45 Wanderminuten. Ich entdeckte „tanzende“ Eichen, dann eine Birnbaumallee, und schon hatten wir einen wunderbaren Blick auf die hoch über uns aufragende Ruine.

Wir entschlossen uns, zuerst den Wehrbau zu besichtigen und anschließend in der „Ruttensteiner Hütte“ einzukehren.

Für die Burgbesichtigung sollte man unbedingt mindestens eine Stunde einplanen. Wir umrundeten das Bauwerk. Die Ringmauer war sehr massiv, mit sieben Halbschalentürmen, die aus dem Granit zu wachsen schienen. Durch diese Halbschalentürme war es der Burgmannschaft möglich, Angreifer, die die Mauer stürmen wollten, geschützt von der Seite anzugreifen. Die Ringmauer ist 2,3 Meter dick und schützt das Burgareal, das gewaltige 5.000 m² umfasst.

Auf 758 Metern Seehöhe liegt die Burg und damit weit höher als alle Hügel der Umgebung. Die Hochburg wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet, als Bauherren gelten die Grafen von Clam-Velburg. Diese rodeten die Wälder rund um den Fluss Naarn. Im Oberlauf des Flusses errichteten sie dann hoch über dem Tal das „castrum Rotinstaine“. Graf Ulrich von Clam-Velburg nahm unglücklicherweise an einem Kreuzzug teil und kehrte nicht mehr zurück. Daher fiel der Besitz an den Landesfürsten, die Babenberger. Nach den Babenbergern kam die Burg an König Rudolf I. von Habsburg, der sie wiederum an einen verdienten Krieger mit dem ungewöhnlichen Namen Ulrich der Lange von Capellen verpfändete.

Dieser Adelszweig starb jedoch 1406 im Mannesstamm aus. Erbinnen waren die Töchter Dorothea und – mit einem weiteren herrlichen Namen – Willibirg. Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte: Der Testamentvollstrecker Reinbrecht II. von Wallsee eignete sich die Burg schließlich an.

Seit 1823 sind die Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha Besitzer der Ruine. Ich habe ein Burgenbuch aus dem Jahr 1989, in dem ein Foto zu sehen ist, auf dem die Mauern der Ruine noch zwischen dichtem Bewuchs stehen.

Seit etwa 25 Jahren hat die Gemeinde Pierbach die Burgruine gepachtet. Gemeinsam mit dem Burgenverein sichert und pflegt sie dieses bedeutende Bauwerk. Auch die Bäume wurden gerodet, und als erfolgreiche Landschaftspfleger werden heutzutage Burenziegen eingesetzt (die bei unserem Besuch allerdings nicht vor Ort waren).

Die alte romanische Hochburg besteht aus einem Wohnturm, der ursprünglich vier Stockwerke hatte. Heute befindet sich darauf eine Aussichtsplattform. Der Rundumblick ist gigantisch. Ich entdeckte die Kirche von St. Thomas am Blasenstein sowie die Ruine Klingenstein. Bei guter Sicht soll man bis zu den Alpen sehen können – während unseres Besuchs zogen jedoch dunkle Regenwolken über den Himmel.

Bei kaltem Wetter war es im Wohnturm vermutlich auch früher nicht besonders gemütlich; Glutpfannen dienten als „Heizung“. Ich bin jedenfalls froh, im 21. Jahrhundert zu leben.

Zu Füßen des Wohnturms befinden sich eine romanische Burgkapelle und hohe, eingemeißelte Steinstufen. Höher als der Wohnturm war einst der Bergfried, der sechs Stockwerke besaß. Sein Zugang lag in etwa sieben Metern Höhe – eine zusätzliche Hürde für Angreifer, falls sie es bis in die innere Burg geschafft hatten. In den Mauern des Bergfrieds sind noch schmale Treppen zu erkennen. Beeindruckend ist auch der Zwinger mit seinen großen, rötlich gefärbten Granitsteinen. Ich habe bislang noch keine Burgruine gesehen, deren Zwinger so eindrucksvoll ist wie jener auf Ruttenstein.

Ein Buchfink hüpfte die Rampe zur Hochburg hinauf und suchte nach Insekten. Auch ein Falke segelte über dem alten Gemäuer. Vögel scheinen sich hier offensichtlich sehr wohlzufühlen.

Wir schlüpften inzwischen durch eine Glastür, um die großzügig angelegte Vorburg aus dem 15. Jahrhundert zu erkunden. Sie war einst 3.200 m² groß. Hier befanden sich Stallungen für 18 Pferde, Wirtschaftsgebäude sowie Werkstätten. Insgesamt hatten rund 1.500 Menschen Platz in dieser Vorburg.

So großartig die Burg einst gewesen war, so sehr hatten Blitzeinschläge und Brände dem Bauwerk im Laufe der Zeit zugesetzt. Ab etwa 1600 begann sie zu verfallen. Doch auch im Verfall hatte die Burg noch Bedeutung – sie verfügte weiterhin über die hohe Gerichtsbarkeit. Nicht nur in der Oststeiermark gab es Hexenprozesse, auch im Mühlviertel fanden solche statt. 1730 wurde der letzte Hexenprozess in Ruttenstein abgehalten.

Einsetzender Regen erleichterte uns schließlich den Abschied von der Ruine, und wir waren froh, dem unfreundlichen Wetter in der Ruttensteiner Hütte entkommen zu können. Gute Suppe, eine leckere Nachspeise und ein Kaffee – die Ruttensteiner Hütte können wir wärmstens empfehlen.

Als der Regen nachließ, traten wir den Rückweg an, wobei wir einen Teil des Weges erneut zurückgehen mussten. Bald konnten wir jedoch links in den Wald abzweigen und dem Tal der Naarn folgen. Ein weiteres Highlight dieser Wanderung: ein traumhafter Flusslauf, klares Moorwasser, immer wieder massive Granitformationen und ein nettes Gänsesägerpaar – ein wirklich großartiger Wegabschnitt.

Rohrbach: M31 – Rundwanderweg Teichwiesen

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

M31 Rundwanderweg Teichwiese7,26 km76 HM

1:50 h

 

Zusatztour zum Öden Kloster Baumgarten???

Eigentlich hatten wir ja eine gemütliche Wanderung geplant. Wir starteten unsere Tour am Badeteich von Rohrbach bei Mattersburg, gingen zur Wegkreuzung vor und marschierten, links abbiegend, der asphaltierten, ebenen Nebenstraße entlang. Immer wieder waren Schilder mit der kleinen Waldohreule zu sehen; über einen QR-Code konnte man Informationen abrufen.

Getreidefelder so weit das Auge reichte schimmerten goldig. Auf einem Hang war das Gras gemäht worden – unzählige Krähen hatten sich dort versammelt. Eine äußerst muntere Schar: aufgeregtes Krächzen und Schnarren, An- und Abflüge, herrliche Schwungfedern, breit gefächerte Schwanzfedern – schwarze Körper, graue Körper. Saatkrähen, Nebelkrähen und Rabenkrähen hatten sich hier in geselliger Runde zusammengefunden – samt Teenager-Nachwuchs. Und wie mir bei der Wanderung schien, kommunizierten alle miteinander.

Es gibt Menschen, die mögen Krähen (so wie ich), und es gibt welche, die ihnen äußerst kritisch gegenüberstehen. Zwei Dinge stehen jedenfalls außer Frage: Krähen sind äußerst liebevolle Eltern, die ihren Jungen alles geduldig von der Pike auf lehren müssen. Junge Krähen kennen zum Beispiel keine Feinde – ihre Eltern müssen ihnen erst „erklären“, vor welchen Bösewichten sie sich in Acht zu nehmen haben. Krähen sind äußerst gescheit; die Forschung hatte sogar einmal mit einer Krähendame zu tun, die sich selbst in ihrem eigenen Spiegelbild erkannte. Eine enorme Leistung – außer Menschenaffen schafft das kaum ein anderes Tier.

Doch zurück zu unserer Wanderung. Wir bogen links zu den Aussichtsplätzen „Teichwiese“ und „Wiesenberg“ ab, wobei wir zuerst den Aussichtsplatz über dem Teich mit seinem üppigen Schilfgürtel ansteuerten. Eine Hecke wuchs zwischen den Feldern – Vögel und Libellen tummelten sich darin. Zarte Libellen in Blau hockten auf den grünen Blättern und ließen sich von der Sonne bescheinen. Die Schmetterlinge hatten weniger Muße – sie waren äußerst geschäftig unterwegs und dachten nicht daran, kurz stillzuhalten und als Fotomotiv zu posieren. Schwarz-weiße Schmetterlinge, von denen Gregi behauptete, dass es sich um „Damenschachbrett“ handle, gefielen mir besonders. Doch auch die Distelfalter waren recht adrett anzusehen … und erst der zarte, hellblaue Flattergeselle mit seinen schwarzen Punkten.

Von oben konnten wir hervorragend das Geschehen in dem unter uns liegenden Feuchtgebiet beobachten. Riesige Rohrweihen segelten um den Teich, während zwei Graureiherdamen in Nachbarschaft im dichten Schilf brüteten. Enten schwammen auf der kleinen freien Wasserfläche, und die Frösche gaben ein ohrenbetäubendes Konzert.

Im Mittelalter wurde dieses Gewässer als Fischteich genutzt – heute brüten in diesem wertvollen Gebiet unzählige Vögel (sehr viele von ihnen tragen im Namen das Wort „Rohr“): Rohrammer, Rohrweihe, Rohrschwirl, Drossel-, Teich- und Sumpfrohrsänger zum Beispiel. Doch auch Reiher lieben dieses Gebiet als Heim für ihre Jungen: Nacht-, Silber-, Purpur- und Graureiher fühlen sich im Schilf sehr wohl – ebenso die Zwergdommel. Schön wäre es, sie zu entdecken – doch die Gute kann sich im Schilf beinahe unsichtbar machen. Die Teichwiesen sind nicht nur ein wertvolles Habitat für Vögel – auch für Amphibien ist dieses Gebiet ein erstklassiges Zuhause.

Der nächste Aussichtspunkt war der Wiesenberg. Von hier aus hatten wir einen Traumblick auf die Burg Forchtenstein, auf Mattersburg und auf den Kogelberg mit seinen hell leuchtenden Abbrüchen. Hörten wir von dort nicht die zarten Stimmchen von Bienenfressern? Wunschdenken oder Realität – wer weiß das schon. Unter uns fuhr ein Traktor über das Feld; direkt neben dem landwirtschaftlichen Gerät marschierten Störche auf der Suche nach aufgeschreckten Tieren zum Fressen.

Die Aussichtswarte heißt Wiesenberg, und die Trockenwiese hinter der Warte kann sich sehen lassen: welche Kräuter hier wachsen, wie viele Schmetterlinge sich hier tummeln und wie viele verschiedene Heuschrecken es gibt.

Wir wanderten wieder hinunter auf den Asphaltweg und marschierten zu dem wunderbaren Teich. Auf dem Weg dorthin passierten wir erneut die goldenen Getreidefelder mit Mohn- und Kamilleblüten. Gregi entdeckte sogar eine Schlange – Äskulapnattern und Schlingnattern würden hier vorkommen. Über unseren Köpfen segelten die Rohrweihen – ein seltsames Gefühl.

Nun ging der Weg bergauf, und die Wiese war violett – so viel Salbei! Drei Arten von Salbei würden hier auf sehr engem Raum wachsen. Wir waren nun an einem Punkt der Wanderung angelangt, an dem wir uns entscheiden mussten: zurück laut Wanderweg oder hinauf zum Kogelberg.

Der Kogelberg war zu verheißungsvoll, um ihn nicht zu besteigen. Der Naturpark in diesem Gebiet heißt Rosalia-Kogelberg. Rosalia ist das Gebirge, das wir vorhin vom Wiesenberg aus gesehen hatten – mit der Burg Forchtenstein am Hang. Der Kogelberg ist ein Korallenriff, ein Überbleibsel aus dem Sarmat-Meer, das vor zwei Millionen Jahren verlandete. Vielleicht hatten wir die Möglichkeit, Bienenfresser zu sehen?

Wir schnauften den Berg hinauf – die Aussicht wurde immer aufregender. Dann kam der Wald, und dann kamen (für das Burgenland ganz untypisch) Wandermarkierungen mit der Aufschrift „Baumgarten“. Gab es da nicht das Öde Kloster, überlegte ich – und wurde dabei leichtsinnig. Naiv wie ich war, nahm ich an, dass dieses ehemalige Paulinerkloster gar nicht weit entfernt sein konnte. Der Waldweg war einladend, allzu steil war es nun auch nicht mehr, der Flaumeichen-Buschwald bot wunderbaren Schatten – also marschierten wir los, ohne Wanderkarte, schließlich gab es ja die Bergfex-App – falls alle Stricke reißen würden.

Wir waren schon eine ganze Weile durch den, zugegebenermaßen idyllischen, Wald marschiert. Der Weg stieg nicht mehr an, sondern ging schon seit geraumer Zeit bergab, und ich wurde unrund. Ich wollte das Kloster sehen – wenn das überhaupt der richtige Weg war. „Ödes Kloster“ war ja schließlich nicht auf den Wegschildern zu sehen, sondern nur „Baumgarten“. Apropos Schilder – diese vermisste ich seit geraumer Zeit ebenfalls. Erleichtert sahen wir, dass uns eine Wanderin entgegenkam. Wir erkundigten uns bei ihr. Die Frau war sehr nett und meinte, sie würde auch zum Öden Kloster gehen und wir könnten uns ihr anschließen.

Wir bogen links in einen Waldweg ab (Wegweiser gab es sogar, jedoch hinter den Ästen eines Strauchs), marschierten weiter durch den Wald, und die nette Frau war erstaunlich fit – wir konnten kaum mithalten. Also blieben wir zurück, und die Wanderin ging ihres Weges, zeigte uns jedoch von weitem, wie wir weiterzugehen hatten. Der Weg verlief nun entlang eines Feldes, dann steil bergab – und da stand es endlich vor uns: das Öde Kloster Baumgarten.

Ein intensiver Lindenblütenduft lag in der Luft – prächtige Linden gab es hier viele. Doch die allerprächtigste stand direkt vor der Kirche: eine Winterlinde, die schon über 250 Jahre alt ist.

Der Baum ist so riesig, dass man kaum erkennt, wie breit das Gebäude eigentlich ist. Da ist die gotische Kirche, dann eine Kapelle, die ebenfalls nicht gerade klein ist, und dazwischen ein Verbindungstrakt, in dem früher die Eremiten lebten.

Gestiftet wurde das Kloster von Ulrich von Grafenegg. Der Bayer war Söldnerführer und stand teils in Diensten von Kaiser Ferdinand III. sowie von dessen Widersacher König Matthias Corvinus. Der Paulinerorden betrieb das Kloster, das 1475 gegründet wurde. Doch schon 1493 war das Ordensleben vorbei – ein Brand zerstörte das Gemäuer, und die Mönche zogen in andere Klöster.

Dann war es um das zerstörte Gebäude lange ruhig – 250 Jahre tat sich nichts –, bis 1743 der 21-jährige Buchdruckergeselle Arsenius Braidenaicher die Bewilligung erhielt, als Einsiedler im Öden Kloster Baumgarten zu leben. Wer alte Ruinen kennt, weiß, dass sich die Natur alles zurückholt. Der Mönch musste vermutlich Rodungsarbeiten übernehmen, das Dach erneuern, die Kirche restaurieren und die Mönchszellen errichten. Geld und Handwerker waren notwendig. Braidenaicher beschaffte Mittel und heuerte Novizen an, die praktische Fähigkeiten für die Sanierung mitbrachten. So wurde das Kloster wiederbelebt. 1762 war es bereits funktionstüchtig, blieb es aber nur etwa 20 Jahre, bis es unter Kaiser Joseph II. aufgehoben wurde. Einsiedler leisteten keinen Dienst an Kranken und unterrichteten nicht – daher die Auflösung.

Wir betraten die Kirche durch die kleine Seitenpforte und sahen vor uns die steile Treppe zu den Mönchszellen hinauf. Komfort suchte man in dieser Einsiedelei vergeblich: kleine Räume mit einem Fenster und ohne Heizung – selbst im sonnenverwöhnten Burgenland alles andere als angenehm.

Links gab es eine Tür zur Kirche, rechts eine zur Kapelle, in der sich heute eine Lourdesgrotte befindet. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich im Freien unter der alten Linde wesentlich wohler fühlte als in der Kirche oder der Kapelle. Die Leistung von Braidenaicher und seinen Mitbrüdern ist beachtlich – doch die Natur ist nach wie vor der beste Baumeister. Ich stand unter der riesigen Linde und verstand, warum alte Völker Bäume für heilig hielten.

„Retour kennen wir den Weg schon“, sagte ich voller Leichtsinn, als wir den Rückweg antraten. Wir hatten schon viel Wandererfahrung – eigentlich sollten wir uns den Weg merken können. Doch irgendwie schafften wir es in diesem riesigen Waldgebiet, uns zu verlaufen. Wie schon erwähnt: Die Burgenländer halten eine gute Wegmarkierung offenbar für verzichtbar – auch in einem Gebiet, in dem der Handyempfang so schlecht ist, dass man die Bergfex-App nicht nutzen kann.

Als wir an einer Waldwegkreuzung standen und mir nichts mehr bekannt vorkam, entschieden wir uns, den Weg zu nehmen, der am ehesten in die richtige Richtung zu führen schien. Habe ich schon erwähnt, dass unser Orientierungssinn auch nicht besonders ausgeprägt ist? Wir marschierten etwa eine halbe Stunde eine Forststraße bergab – nur um festzustellen, dass wir ziemlich weit vom Ziel entfernt waren. Also wieder bergauf – wir waren schon fix und fertig. Doch was kann ein Mensch alles leisten, wenn er nicht im Wald übernachten will?

Schließlich folgten wir den gelben Schildern hinauf zum Kogelberg – das war unsere Rettung. Dadurch, dass wir uns verlaufen hatten, entdeckten wir ein besonderes Naturjuwel: den Rohrenbacher Kogel. Dankbar, wieder am Waldrand zu sein – noch dazu in der richtigen Richtung – ließ ich mich großmütig stimmen, und Gregi durfte noch einige Zeit ein Knabenkraut fotografieren. Ein Traum von einer blühenden Wiese.

Recht beschwingt marschierten wir den Hügel hinunter. Zwischendurch trafen wir wieder auf die noch immer hyperaktiven Krähen. „Die sieben Raben“ heißt ein Märchen – siebenhundert Krähen träfe es wohl eher. Je näher wir Rohrbach kamen, desto mehr Menschen begegneten uns, die einen Abendspaziergang auf den Kogel machten. Bald entdeckten wir das Bad – ein Glück auch. Nach 37.539 Schritten taten meine Zehen schon etwas weh.

Die Rohrenbacher Teichwiesen sowie der Rohrenbacher Kogel und der Wiesenberg sind mit bestem Gewissen zu empfehlen. Das Öde Kloster ist ebenfalls äußerst sehenswert – ich würde jedoch diese beiden Highlights nicht mehr in einer einzigen Wanderung kombinieren … und wenn doch, dann zumindest mit Wanderkarte.

Burgenland ist so schön und besonders – die Landschaften haben es verdient, in „Langsamkeit“ entdeckt zu werden. Gut, es gibt einige Weitwanderwege wie den Bernstein Trail oder den alpannonia-Weitwanderweg … doch Wanderungen zwischen neun und vierzehn Kilometern – vorzugsweise als Rundweg – wären für uns Normalsterbliche auch ganz angenehm. Besonders, wenn sie ausreichend beschildert wären. Vielleicht erlebe ich es noch, dass dieses einzigartige Bundesland beginnt, seine wunderbaren Naturschauplätze und interessanten kulturellen und historischen Stätten besser durch Wanderwege zu erschließen. Träumen darf man ja noch, oder?

 

Hohenbrugg: Maria Theresianischer Grenzweg – Mauserbergrunde

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 10 km 2:30 h
    

Kurz nach Fehring verlässt die Raab die Steiermark und fließt ins Burgenland. In früheren Zeiten verließ die Raab hier das Herzogtum Steiermark und floss in das Königreich Ungarn. Und weil es hier eine Grenze gab, wollte man diese auch markieren – mit massiven Grenzsteinen. Daher kann man entlang der Grenze immer wieder Steine sehen, die die Inschrift R.M.H. aufweisen: Regina Maria Hungariae – Ihre Majestät Maria Theresia hatte ihre Grenzen abstecken lassen.

Zu dieser historischen Grenze und ihren besonderen Grenzsteinen wollten wir an einem warmen Junitag wandern. Wir parkten beim Gemeindeamt in Hohenbrugg und gingen zuerst nach links bis zu einem Materl. Dort bogen wir rechts ab, um auf den „Mauser“ zu steigen.

Bald gingen wir auf einem Feldweg neben einer Hecke bergauf. Wir konnten einen Falken und etliche Stare beobachten. Am Gegenhang sahen wir das Renaissanceschloss Hohenbrugg.

Hohenbrugg war der äußerste östliche Vorposten des Herzogtums Steiermark im Raabtal. In Hohenbrugg baute man daher Ende des 12. Jahrhunderts auf einem Höhenrücken eine Wehranlage.

Es war alles andere als eine sichere Gegend. 1532 kamen die Türken und zerstörten die Festung. Daraufhin errichtete man ein Renaissanceschloss. 1594 war der Bau fertiggestellt: ein dreigeschossiger Wohntrakt und eine zweigeschossige Torburg. Beide Gebäudeteile standen sich gegenüber – ohne Verbindungsmauer. Wenn man knapp neben der Grenze ein Schloss baut, das nicht rundum verteidigt werden kann, ist das etwas blauäugig. Das wussten die Schlossbesitzer (Familie Mindorf) spätestens 1605, als die Hajduken sowohl das Schloss als auch das Dorf plünderten.

Damit man bei einem eventuellen neuen Angriff besser geschützt wäre, baute man nun Verbindungsmauern zwischen den bestehenden Trakten und an jeder Ecke des neu entstandenen Vierkanters einen Turm.

1683 kamen wieder die Türken ins Land – das Schloss war nun besser gerüstet. Sogar ein Truppenkontingent von 30 Personen wurde zum Schutz ins Schloss verlegt. Es gab Zeiten, in denen der vermeintliche Freund beinahe mehr Schaden anrichtete als der gefürchtete Feind. Diese Lektion mussten die Schlossherren nun lernen. Die Soldaten, die eigentlich schützen sollten, verwüsteten das Schloss erneut.

Wir wanderten weiter bergauf. An den Vortagen hatte es geregnet, das Gras war noch klatschnass und der Boden stark aufgeweicht. Wir erreichten ein Haus (hier waren die Wegweiser etwas verwirrend) und gingen über den Asphaltweg nach oben. Danach war die Wegführung wieder klarer.

Schließlich erreichten wir das Aussichtsbankerl auf dem Mauser. Es stand auf einer traumhaft schönen Wiese mit viel Wiesensalbei – die Aussicht, die wir hier genossen, war noch traumhafter: Burg Kapfenstein, das Raabtal mit Fehring, Schloss Bertholdstein, die Riegersburg mit dem Schöckel im Hintergrund, der Rabenwald … wow.

Wir folgten dem Weg und kamen wieder auf eine Gemeindestraße. An Pferden vorbei, weitere Häuser – wir hörten die Glocken von Unterlamm … plötzlich waren wir in einer Sackgasse mit einem Gedenkkreuz gelandet. Nun wussten wir nicht mehr weiter. Also Bergfex-App: Wir waren zu weit gewandert.

Ein kurzes Stück zurück, dann entdeckten wir bei einem mächtigen Lindenbaum hinter einem Busch versteckt die gelbe Wandertafel. Nun waren wir wieder auf dem richtigen Pfad, und dieser führte uns durch einen Wald.

Wir entdeckten wunderbare Blumen – Fingerhut – und einen jungen Specht. Er konnte schon fliegen und war ganz aufgeregt. Mama war im Anflug – mit Futter. Es ist schon toll, was man im Wald alles beobachten kann, wenn man die Umgebung aufmerksam studiert. Eine Jungspechtfütterung sieht man nicht alle Tage. Nach dieser Stärkung fühlte sich der junge Piepmatz fit genug, um selbst ein bisschen „Baumstammhämmern“ zu probieren.

Wir gingen weiter durch den Wald und sahen verkohlte Äste. Hatte es hier einen Waldbrand gegeben? Die Wochen vor unserer Wanderung waren sehr trocken gewesen – möglich wäre es. Allerdings müsste dieser relativ rasch gelöscht worden sein, denn das Gebiet mit den verbrannten Ästen war eher klein.

Nun hatten wir den legendären Grenzstein erreicht. Es gibt noch einige Grenzsteine aus der Zeit Maria Theresias, und ich hatte schon einige gesehen. Es ist schon beachtlich, wenn man bedenkt, dass diese Grenzmarken nun schon über 240 Jahre an genau den Stellen stehen, an denen sie einst aufgestellt wurden.

Nun folgten wir dem Weg bergab, dem Rainbach entlang. An einem Baum sahen wir ein Schild mit einem Pfeil der Feuerwehr. Ich nehme an, dass oben bei den verkohlten Ästen eine Feuerwehrübung stattfand. Eine gute Idee, wenn man bedenkt, wie oft es in letzter Zeit zu Waldbränden gekommen ist.

Neben dem Rainbach ist das Reich des Schachtelhalms. Und hier fühlte sich ein ganz besonderer Schmetterling wohl: ein Schillerfalter. Gutmütig wie er war, ließ er sich von links und rechts, von vorne und hinten fotografieren. Dunkelbraun und hübsch war er – und wenn die Sonnenstrahlen im richtigen Winkel auf seine Flügel fielen, dann schillerte er in einem markanten Blau. Wahnsinn, was die Natur für wunderbare Wesen hervorgebracht hat.

Bei der Bundesstraße mussten wir rechts abbiegen und einige hundert Meter auf Asphalt gehen, bis wir links den Weg in die Äcker nehmen konnten. Wir überquerten die Bahngleise und gingen dann wieder links. Zwischen den Äckern gab es Gräben, die voller Wasser waren. Fleißige Biber hatten dort Staudämme gebaut.

Beim Altarm der Raab gab es schöne Weiden – Weidenpollen segelten durch die Luft. Es ist die einzige Zeit im Leben eines Baumes, in der er mobil ist. Ein Pollen muss schon großes Glück haben, um auf einen geeigneten Platz zu landen, der ihm ermöglicht, Wurzeln zu schlagen und groß zu werden.

Die Altarme der Raab waren einst ausgetrocknet – die Regulierung des Flusses samt tieferem Flussbett war der Grund dafür. Doch die Gemeinden Schiefer, Hohenbrugg-Weinberg und St. Martin an der Raab hatten dann eine sehr gute Idee: „Mein Quadratmeter Raabtal“. Die Altarme wurden wieder reaktiviert, und das Gebiet wurde wieder belebt. Pflanzen und Tiere haben nun wieder die Chance, dort zu leben. 18 Hektar umfasst das Projektgebiet. Biber, Reiher und Co. freuen sich.

Wir überquerten die Raab und kamen schließlich zu einer Tschartake. Das ist ein Holzhäuschen auf vier Pfählen, das man über eine Leiter erreicht. In Burgau hatten wir schon ein solches ehemaliges Wehrbauwerk gesehen. Die Besatzung sollte die Umgebung alarmieren, wenn sich Feinde näherten. Von Radkersburg bis Friedberg gab es viele dieser Holzbauten – dazu kamen noch die Kreutfeuer-Stationen.

Ich stand neben der Tschartake, viele Radfahrer kamen an uns vorbei. Was hätten die geplagten Wachen auf der Tschartake wohl gedacht, hätten sie einen Blick in die Zukunft auf dieses sonntägliche sportliche Treiben werfen können? Sie hätten es wohl niemals für möglich gehalten.

Wir marschierten nun der Raab entlang bis zur nächsten Brücke, dann in Richtung Bahnhof und zurück zum Gemeindeamt. Wären wir ganz motivierte Wanderer gewesen, wären wir noch die Runde in Richtung Weinberg gegangen.

 

Mannersdorfer Wüste

Wanderung

Ausgangspunkt

Distanz

HM

Dauer

Mannersdorf am Leithageb. Bushaltestelle

Mannersdorfer Rundwanderweg

16 km

320 HM

4:15 h

Parkplatz Arbesmühle

Kloster St. Anna & Ruine Scharfeneck zu Mannersdorf

5,27 km

131 HM

1:30 h

Am Westhang des Leithagebirges gibt es eine „Wüste“ – die Mannersdorfer Wüste. Wer sich jetzt ein wasserarmes Gebiet mit viel Sand vorstellt, irrt. Die Mannersdorfer Wüste ist seit 1986 ein Naturpark – ein wunderbarer Naturpark mit einer riesigen Burgruine und einem aufgelassenen Kloster. Und wegen dieses Klosters hat das Gebiet auch seinen Namen: „Wüste“. Hier wohnten einst Menschen, die sich völlig zurückzogen und bescheiden in einer „öden, verlassenen“ Gegend als Einsiedler lebten.

Wir parkten unser Auto beim Wanderparkplatz Arbachmühle und starteten unsere Wanderung auf dem Waldweg bergan. Bald schon sahen wir neben uns eine lange, mächtige Mauer. Diese Mauer ist 4,5 km lang und sorgte einst dafür, dass die Brüder im ehemaligen Karmeliterkloster wirklich abgeschieden waren. Wir kamen bei der Waldkapelle vorbei, dann sahen wir schon die ersten Ruinen. Wir hatten die äußere Pforte erreicht. Hier gab es einst ein Pförtnerhäuschen, ein Tor und die Leopoldskapelle.

Wären wir hier im 17. Jahrhundert unterwegs gewesen, wäre mein Spaziergang bereits zu Ende gewesen. Frauen hatten im Kloster der unbeschuhten Karmeliter keinen Zutritt – obwohl es eine Frau war, die dieses Kloster 1644 gründete: Eleonora von Mantua, die zweite Frau von Kaiser Ferdinand II. Eleonora und Ferdinand hatten nicht aus Liebe geheiratet – die junge Frau und der bereits recht betagte Habsburger gingen eine Zweckehe ein. So war die junge Frau nun mit einem wesentlich älteren und, wie es heißt, recht wenig interessanten Mann verheiratet, der sich angeblich nur für Religion und vielleicht auch noch für die Jagd interessierte. Ferdinand war streng katholisch und verlangte dies auch von seinen Untergebenen. In seiner Herrschaft kam es zum Aufstand der böhmischen Stände, was schließlich zum Dreißigjährigen Krieg führte.

Doch auch Eleonora, die selbst eine Klosterschule besucht hatte, schien der Religion sehr zugetan gewesen zu sein. Sie gründete ein Karmeliterkloster in Graz und in Wien und eben auch jenes in Mannersdorf. Doch welcher Orden war es, den die Kaiserwitwe so unterstützte?

Gegründet wurde dieser Orden zur Zeit der Kreuzzüge. Damals zogen sich Kreuzfahrer im Heiligen Land auf den Berg Karmel zurück, um dort als Einsiedler zu leben. 1238 kamen die ersten Karmeliter nach Europa.

Das Kloster, das in Mannersdorf gegründet worden war, bestand aus der Klosterkirche St. Anna, 18 freistehenden Zellen, weiteren sieben Einsiedeleien im Wald für jene Klosterbrüder, die sich noch weiter zurückziehen wollten. Auch gab es innerhalb der Klostermauern Äcker, Gärten, Obstbäume, Steinbrüche und Kalköfen sowie einen Meierhof.

Wir wanderten nicht sehr lange auf der Forststraße, als ich einen Weg entdeckte, der im Wald zu einem Bach führte. Wir folgten diesem und anschließend dem idyllischen Wanderpfad entlang des Baches. Weniger idyllisch waren die vielen Mücken, die sich freudig auf uns stürzten.

Wie froh waren wir, den Wald hinter uns gelassen zu haben und auf eine Lichtung zu kommen. Vor uns lag eine Weide mit schwarzen, urigen Rindern. Bei jedem Rind hielten sich in unmittelbarer Nähe zwei Vögelchen auf, die immer wieder aufflatterten und im Fell der Wiederkäuer nach Insekten suchten.

Hinter der Weide stand sie nun – die Klosterkirche mit den dazugehörigen Gebäuden. Sie sah schön aus, irgendwie ein wenig irisch. Wären wir hier in den 1930er-Jahren unterwegs gewesen, hätten wir vor uns keine Kirche mit Dach und Turm gesehen, sondern ebenfalls nur Ruinen. Doch zum Glück gibt es engagierte Personen, die dieses Ensemble wieder aufgebaut haben.

Die Allee, die zur Kirche führt, ist uralt und einfach herrlich. Weniger alt als die mächtigen Bäume ist der Kinderspielplatz vor dem Kloster. Es war ein heißer Tag, und die Kinder genossen besonders die Spielstation, an der man Wasser durch verschiedene Holzrinnen leiten kann. Auch der Irrgarten ist sehr schön und erfreut sowohl Erwachsene als auch Kinder.

Gab es rund um den gesamten Klosterbesitz eine 4,5 km lange Mauer, so gibt es nun um das Kloster selbst nochmals eine Wehrmauer. Und das mit gutem Grund: 1644 wurde das Kloster gegründet, zehn Jahre später eingeweiht. 1683 wurde es von den Türken zerstört – der kaiserliche Hof ermöglichte einen Wiederaufbau. 22 Jahre später wurde es von den Ungarn zerstört. Die Klostergemeinschaft baute es wieder auf; 1763 gab es dann Schäden durch ein Erdbeben.

All das haben die unbeschuhten Karmeliter überlebt und immer wieder neu begonnen. Die Blütezeit des Klosters lag angeblich unter Kaiserin Maria Theresia. Ihr Sohn sorgte dann dafür, dass das Kloster aufgelöst wurde.

Wir besahen uns den hübschen Klostergarten und setzten uns anschließend in den gemütlichen Gastgarten, wo wir uns eine Erfrischung gönnten.

Dann ging es weiter – an einem Bauernhof mit glücklichen Hühnern vorbei und wieder hinein in den Wald. Links und rechts des Weges konnte man Mauerreste ehemaliger Mönchszellen entdecken. Unsere Entdeckungslust war jedoch etwas eingeschränkt, da wir damit beschäftigt waren, die lästigen Blutsauger abzuwehren. Ich habe schon öfter von Wanderungen berichtet, bei denen uns die Mücken das Leben schwer gemacht haben – doch die Plagegeister in der Mannersdorfer Wüste stellten ihre steirischen Kollegen locker in den Schatten. Scharenweise fielen riesige Mücken über uns her. Wir wagten kaum, stehen zu bleiben oder Fotos zu machen. Auf solche günstigen Gelegenheiten warteten diese gierigen Viecher nur.

Wir rannten förmlich neben der Klostermauer den Berg hinauf, wo wir am Kamm schließlich die gigantische Ruine Scharfeneck entdeckten.

Ruine Scharfeneck war eine ungarische Burg. Ihr Zweck war es, die Bevölkerung vor den Babenbergern und später gegen die Habsburger zu schützen. Ein immer noch recht tiefer Graben ist zu sehen, dahinter enorm hohe und dicke Mauern. Grünzeug wuchert über den alten Steinen – es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Mauern unter seiner Last zusammenbrechen. Das Betreten der Ruine ist verboten, da sie einsturzgefährdet ist.

Schon um die erste Jahrtausendwende soll hier begonnen worden sein, eine Burg zu errichten – zunächst als Holzturm mit Palisadenzaun. Wir marschierten recht lange außen um die Festung herum. Aus dem bescheidenen Holzturm ist eine gigantische Verteidigungsanlage geworden.

Apropos Verteidigung – wild um uns schlagend traten wir den Rückzug an.

Empfehlenswert ist die Wanderung „Mannersdorfer Rundwanderweg“ über den Kalkofen Baxa, über das „öde“ Kloster und die Ruine Scharfeneck sowie über den Steinbruch. Diese Wanderung haben wir 2021 gemacht und waren sehr davon angetan.

 

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