Hirschbirnwanderweg Pöllau – Schleife Pöllauberg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

12,1 km 

520 HM

4 h

       

Wir wandern gerne im Pöllauer Tal, weil es dort einfach sehr schön und auch interessant ist. Und obwohl wir schon sehr oft in diesem Gebiet unterwegs waren, entdeckten wir immer wieder Neues und Unerwartetes. Auch diesmal machten wir uns in aller Herrgottsfrüh auf den Weg, um nicht in der größten Hitze wandern zu müssen.

Wir starteten die Wanderung beim „P-&-R“-Parkplatz vor dem großen Kreisverkehr. Zuerst ging es ein kurzes Stück entlang der Straße in Richtung Wildwiese, dann konnten wir schon rechts abbiegen und kamen an der ersten Bildsäule vorbei. Noch beeindruckender als die Bildsäule war eine stattliche Eiche, die als Naturdenkmal ausgezeichnet war. Ein steiler Anstieg wurde durch Stiegen erleichtert, und bald erreichten wir den Kreuzweg, dem wir weiter folgten.

In einer unscheinbaren Mulde steht die Herz-Jesu-Kapelle, die 1669 erbaut wurde. Weitaus interessanter erschien mir jedoch die hohe Stiege neben ihr, die auf den Kalvarienberg führte. Die Kreuzigungsgruppe stammt aus dem Barock, einer Zeit, in der Statuen oft in den wildesten Verrenkungen dargestellt wurden und dadurch etwas schaurig wirken.

Um dem Weg weiter zu folgen, mussten wir wieder zum Kirchlein hinunter, dann über eine Brücke gehen, und schon begann der nächste steile Anstieg. Diesmal war es ein felsiger, breiter Weg, der uns den Hügel hinaufführte.

Auf einer Wiese mit hübschem Ausblick entdeckten wir die zweite barocke Bildsäule: Maria mit Kind und einem ausladenden Reifrock. Dahinter eröffnete sich die Aussicht auf den Rabenwald mit Bergwerk, auf die Teichalm und auch die Wildwiese konnten wir sehen.

Da es schon etwas wärmer wurde, freuten wir uns, wieder in den Wald eintauchen zu dürfen. Der Weg bergauf war durchwegs interessant: Zwischendurch gab es einen Hohlweg, einige Treppen erleichterten den Aufstieg – dieser Wanderweg, der auch von Wallfahrern begangen wird, ist richtig toll.

Apropos Wallfahrten: Pöllauberg dürfte schon weit vor der christlichen Zeit eine heilige Stätte gewesen sein. Wo heute die Annenkapelle steht, gab es bereits im 12. Jahrhundert eine romanische Wallfahrtsstätte mit einer in Stein gefassten Quelle.

Da die Wallfahrer in früheren Zeiten gerne samstags zu dieser Stätte pilgerten, nannte man Pöllauberg den „Samstagsberg“ oder auch „Unser Frauenberg bei Pöllau“.

Im 14. Jahrhundert stiftete Katharina von Stubenberg die schöne hochgotische Kirche. Die Baumeister der Gotik waren wahre Künstler. Dieser damals neue Stil erforderte ganz besondere Kenntnisse der Statik, und die Bautechnik unterschied sich grundlegend von jener älterer romanischer Gebäude. Dazu kam, dass diese Bauherren ihr geomantisches Wissen nutzten – so auch bei der wunderbaren, zweischiffigen gotischen Kirche auf dem Ausläufer des Masenbergs.

Betritt man die Kirche über die steile Treppe, wundert man sich zunächst ein wenig: Eine Säulenreihe behindert die Sicht auf den Altar. Doch der Baumeister platzierte diese Säulen absichtlich genau so, denn sie sollen den Verlauf der Strahlung anzeigen. Ist man im Gotteshaus, sollte man unbedingt auch den Altar umschreiten. Diese Kirche beeindruckt noch heute.

Als in Pöllau das Kloster gegründet und von Vorau aus Augustiner-Chorherren angesiedelt wurden, übernahmen diese auch die Wallfahrtskirche auf dem Pöllauberg. Ich könnte mir vorstellen, dass das Pilgerwesen dem Stift eine gute Einnahmequelle bot.

Unter Kaiser Joseph II. wurden viele Klöster und Stifte aufgelassen. Das traf auch das Stift Pöllau, und so wurde Pöllauberg 1787 eine selbstständige Pfarre.

Wenn man aus dem Waldweg tritt und vor sich diese sandfarbene, hoch aufragende Kirche sieht, überkommt einen ein erhebendes Gefühl. Doch bevor man die Kirche betritt, sollte man dem barocken Bildstein vor der Kirche Aufmerksamkeit schenken. Er soll auf einem besonders stark strahlenden Platz stehen. Der Heilige zeigt einen entsetzten Gesichtsausdruck – warum, weiß ich nicht.

Unsere erhitzten Gesichter dürften glücklich gewirkt haben. Zum einen hatten wir den steilen Anstieg geschafft, zum anderen genossen wir die traumhafte Aussicht auf Riegersburg, Gleichenberger Kogel, Straden und Kapfenstein. Außerdem gibt es auf dem Pöllauberg den tollen Gastgarten des Gasthauses König, wo man exzellente Küche genießen kann.

Gut gestärkt besichtigten wir anschließend die Themengärten wie Schnapsgarten, Blumengarten und Kräutergarten. In Pöllauberg beginnt die Steirische Blumenstraße. Nur ungern trennten wir uns von diesem gepflegten Ort mit seiner einmaligen Aussicht, um über den Wald wieder bergab zu steigen.

Ein Wanderwegweiser ist auf dieser Strecke nicht ganz eindeutig, und zwar bei einem großen Parkplatz. Diesen mussten wir überqueren, und über den Weingarten gelangten wir zum Panoramaweg. Über diesen kamen wir schließlich zum Hotel Retter. Vor dem Hotel führt der markierte Wanderweg bergauf, um dann rechts ins Tal zum Rauschebach abzubiegen. Wer schon etwas müde ist, kann auch die Asphaltstraße hinuntergehen und gelangt so bequem zum letzten Abschnitt des Hirschbirnwanderwegs.

Im Wanderführer wird die Höhendifferenz mit 520 Höhenmetern angegeben, im Internet hingegen nur mit 330. Als wir beim Rauschebach ankamen, um dort gleich wieder den nächsten Hügel zu erklimmen, war ich der Meinung, dass mein Wanderführer mit seinen 520 Höhenmetern wohl eher recht hatte.

Doch auch diese Schleife lohnte sich: Wir waren in einem lieblichen Hügelland mit tollen Streuobstwiesen unterwegs. Ein Falke saß auf einem Kirschbaum, wir kamen an hübschen Einfamilienhäusern vorbei, und der Weg führte an besonders prächtigen Hirschbirnbäumen entlang. Hirsche mögen die Hirschbirne sicher auch, doch ihr Name kommt vom Herbst (oststeirisch „Hiascht“).

Die reifen Birnen sollte man beim Vorbeigehen nicht pflücken und essen – nicht nur, weil sich das nicht gehört, sondern auch, weil es sich geschmacklich nicht lohnt. Roh sind sie wenig aromatisch. Verarbeitet zu Edelbränden, Most, Essig, Kletzen, Saft oder Strudel entfalten sie jedoch ihr wunderbares Aroma.

Im Naturpark Pöllauer Tal soll es 92 verschiedene Apfel- und 32 Birnensorten geben. So gesehen ist es gut verständlich, dass hier großartige Produkte entstehen, wie die außergewöhnlichen Säfte des Obsthofs Retter oder die Essige der Ölmühle Fandler.

Fazit:
Eine rundum gelungene Wanderung mit sehr abwechslungsreicher Wegführung, wunderbaren Ausblicken und bester kulinarischer Versorgung. Die Gastronomie in diesem Teil der Steiermark bemüht sich wirklich – zahlreiche ausgezeichnete Betriebe laden zum Einkehren ein.

 

Laxenburg Park

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

6,9 km

12 HM

1:43 h

  Man kann im Park auch einen ganzen Tag verbringen.    

Diesmal möchte ich den Schlosspark Laxenburg, 17 km südlich von Wien, vorstellen. Der Park ist 250 Hektar groß, und man legt mindestens 7 km zurück, um alle Sehenswürdigkeiten des Geländes zu erkunden.

Wir waren bisher zweimal im größten historischen Landschaftsgarten Österreichs unterwegs – einmal im September und einmal an einem verregneten Oktobertag. Der Tageseintritt in den Park ist human – 2025 kostete das Ticket 4 €. Da Laxenburg mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht erreichbar ist, ist dieses Ausflugsziel gut besucht. Doch das Gelände ist so riesig, dass sich die Menschen verteilen können. Außerdem gibt es mehrere Gastronomiebetriebe im Landschaftsgarten.

1306 kauften die Habsburger das Gelände, um es als Jagdgebiet zu nutzen. Es war nicht weit von Wien entfernt, und im dichten Auwald dürfte es genug Wild zum Erlegen gegeben haben. Die Habsburger waren bekannt dafür, begeisterte Jäger zu sein – geschossen wurde wahrscheinlich auf alles, wie ich gelesen habe, sogar auf Reiher.

Wohnen konnte die herrschaftliche Familie im „Alten Schloss“, das früher durch einen Wassergraben geschützt war. Das ging so lange gut, bis Kaiserin Maria Theresia mit ihren vielen Kindern keinen Platz mehr im Alten Schloss fand. Daher ließ sie den „Blauen Hof“ bauen, der fast alles bot, was man sich unter einer prachtvollen Jagdresidenz erwartete. Es gab einen Theatertrakt und einen Speisezimmertrakt – große Feste und Jagden sollten ausgerichtet werden.

Will man heute in den Park, passiert man den Blauen Hof, in dem es heute eine Gastronomie gibt. Die Gebäude sind niedrig, der Hof wurde in die Breite gebaut, und die Fassaden sind gelb statt blau. Der Name „Blauer Hof“ stammt von der Familie Ploenstein, die um 1600 hier ansässig war.

Sobald man im Park angekommen ist, muss man sich entscheiden, welche Richtung man zuerst einschlägt. Der Park bietet riesige Wiesen, gigantische Bäume, Wald, Wege und Bachläufe. Wir entschieden uns, nach rechts zu gehen, denn dort, hinter mächtigen Bäumen versteckt, entdeckten wir das Alte Schloss.

Im Gegensatz zum Blauen Hof hat das Alte Schloss ein besonderes Flair. Die Mauern sind leicht buckelig, das Gebäude wirkt gedrungen und wehrhaft, die zwei Höfe eher eng – kein repräsentativer Bau, der auf dem Reißbrett geplant wurde. Aber er atmet Geschichte. Das Alte Schloss ist ein Gebäude, das je nach Bedarf ausgebaut und verändert wurde – und das über eine lange Zeit. Ich stand im Hof und konnte mir gut vorstellen, wie sich das Hufeklappern auf dem Kopfsteinpflaster angehört haben könnte. Einen Brunnen gab es in einer Mauernische – hier holten wohl die Küchenmädchen das Wasser. Viel Sonne verirrt sich nicht in diesen beschaulich kleinen Hof, daher sind an den Außenmauern des Schlosses hübsche Sonnenuhren aufgemalt.

Maria Theresia ließ jedoch nicht nur den Blauen Hof errichten, sondern auch den Park im französischen Stil gestalten: einen Waldstern mit dem Dianatempel (es war ja immerhin ein Jagdgebiet), einen Alleestern, den Forstmeisterkanal – und mein absoluter Liebling: das Grüne Lusthaus, in dem die Kaiserin einst wohl gerne Karten spielte.

In einem Buch las ich, dass Schloss Laxenburg samt Park als Refugium für das Haus Habsburg diente. Die armen Herrscher, die immerzu auf die Etikette achten mussten, hätten diesen privaten, intimen Bereich (von 250 Hektar) dringend benötigt. Mein Mitleid mit den armen Herrschern hält sich eher in Grenzen; meine Anteilnahme gilt vielmehr den vielen „Bettgehenden“. Das waren Arbeiter in Wien, die sich keine eigene Wohnung leisten konnten. Sie mieteten sich für einige Stunden ein Bett in einem fremden Heim. Diese Betten wurden im Schichtbetrieb vermietet. Hygienisch war das sicher nicht, und Privatsphäre hatten weder die Arbeiter noch ihre Vermieter – dies war zu Zeiten von Kaiser Franz Joseph II. und seiner Sisi üblich.

Zurück zum Park: Der Sohn von Kaiserin Maria Theresia, Joseph II., hatte einen gänzlich anderen Geschmack als seine Mutter. Ein Landschaftspark nach englischem Stil sollte entstehen. Dazu kam der Concordiatempel.

Was macht ein Kaiser, wenn er sich vom Krieg und den bösen Franzosen ablenken will? Er widmet sich wieder dem Schlosspark Laxenburg, lässt verschiedene Staffagebauten errichten und baut auf einer Insel in einem künstlich angelegten Teich eine „gotische“ Burg.

Wir standen an einem verregneten Oktobertag vor dem Teich und sahen zur Franzensburg. Mit den düsteren Wolken im Hintergrund sah sie aus wie ein Dracula-Schloss in einer Disney-Verfilmung. Die Franzensburg hat es in sich – sie ist ein Recycling-Bauwerk. Das Baumaterial stammte vom Stift Waldhausen, die Kassettendecken vom Schloss Greillenstein und vom Stift Zwettl, die Ledertapeten vom Salzburger Rathaus usw. Österreichs Klöster, Schlösser und Kirchen wurden regelrecht geplündert. Ach, hätten all diese Teile an ihrem ursprünglichen Platz bleiben dürfen!

Nichtsdestotrotz ist es recht angenehm, mit der Fähre zur Burg überzusetzen und dort im lauschigen Gastgarten zu sitzen. Die Burg selbst haben wir innen nicht besichtigt, wir waren auch nicht auf der Aussichtsplattform des Turms, von wo aus man das Areal hervorragend betrachten kann. Es ist auch möglich, mit einem Boot zu fahren. Besonders toll finde ich, dass man im Winter angeblich Schlittschuh laufen kann – das würde mir extrem gut gefallen. In der Adventszeit gibt es im Park eine Lichtershow (höherer Eintritt).

Ich mag den Schlosspark sehr. Der Kanal mit seiner Staustufe (mit den etwas dümmlich dreinblickenden Sphingen), die gotische Brücke mit den Ritterköpfen, die Wasserläufe mit den Alleen, die verschiedenen Tempel und Teiche – auch der Turnierplatz mit den Ritterstatuen – alles hat seinen Reiz. Die älteren Teile wirken gediegen und durchdacht, die Künstler unter Franz II., die die Anlagen bauten, hatten offenbar ein Gespür für Kuriositäten – gewollt oder ungewollt, kann ich nicht sagen. Franz II. wollte die alte Ritterwelt wieder aufleben lassen – mit Rittersäulen, einer Rittergruft … und es kommt mir vor, als würden all diese Bauten von steinernen Löwen bewacht werden. Man kann es natürlich auch übertreiben.

Die alten, ausladenden Bäume, gekoppelt mit den Wasserläufen, bilden ein hervorragendes Habitat für die Tiere. Ein Reh fühlte sich im hohen Gras wohl, Krähen entdeckten die kurz gemähte Wiese für sich, Kleiber liefen auf den dicken Baumstämmen auf und ab, Meisen suchten die Nadelbäume ab, Kormorane bevölkerten den Schlossteich, Schwäne hatten hier ein herrliches Zuhause, und die Enten spezialisierten sich darauf, arglose Spaziergänger aufzulauern.

Auch wenn es im Landschaftsgarten einige kitschige Bauten gibt, ist der Park insgesamt ein absolut wertvolles Stück Erde. Im 21. Jahrhundert ist er einer der wenigen Plätze, an denen sich sehr viele Menschen erholen, Familien ihre Sonntage verbringen, Sportler ihre Runden laufen und Naturgenießer Beobachtungen machen können – und die Tierwelt kann sich trotz allem prächtig entfalten.

Wenn es nach mir geht, werde ich diesen Park noch viele Male besuchen. Die Enten warten bestimmt schon auf mich.

 

 

Rundweg Winzendorfer Teiche – Gasthaus Grüne Au – Stiegenwirt

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

10,4 km

213 HM

3 h

       

Am Ostersonntag 2026 fuhren wir am späten Vormittag nach Winzendorf – besser gesagt zu den Winzendorfer Teichen. Von dort aus starteten wir zu einer herrlichen Wanderung.

Die Winzendorfer Teiche werden sehr gerne von Anglern frequentiert. Diese hatten ihre Zelte an der der Bundesstraße abgewandten Seite der Teiche aufgestellt. Der Wanderweg führte zwischen Teich und Bundesstraße in einer Art Wäldchen entlang. Als wir vom Wanderweg aus in das Wasser sahen, entdeckten wir einen sehr, sehr großen Fisch. Der Kluge – in seiner Bucht, weit weg von den Fischern, war er sicher. Und so sollte es auch bleiben.

Bei der Infotafel querten wir die stark befahrene Bundesstraße. Ein langer Krötenzaun war entlang dieser Straße errichtet worden. Eine sehr gute Initiative, die sicherlich schon vielen Amphibien das Leben gerettet hat.

Über eine schmale Asphaltstraße marschierten wir bergauf und kamen schließlich nach Winzendorf. Durch den Ort ging es bis zum Gasthaus Bohmann, das am Ostersonntag sehr gut besucht war. Dort bogen wir links ab und schließlich rechts in einen Feldweg ein. Wunderbare alte, knorrige Birnbäume gibt es hier. Viele weitere Birnbäume würden wir auf unserer Wanderung noch sehen, immerhin waren wir ja im Pöllauer Tal unterwegs – dem Tal der Hirschbirnen.

Links ging es dann durch den Wald. Ich hörte unaufhörlich lautes Scharren. Gab es hier einen wilden Rehbock oder gar Wildschweine? Der Wanderweg führte praktisch durch einen grünen Tunnel, noch immer dieses Scharren. Sehen konnte ich jedoch kein Tier – bis wir bei einem Bauernhof herauskamen. Eine Katze, zwei Hähne und eine glückliche Hühnerschar … einige prächtige Henderln machten offensichtlich ihren Sonntagsspaziergang im schattigen Wald. So leben wahrlich glückliche Hühner!

Hier mussten wir uns entscheiden: entweder zum Hotel zur Grünen Au oder links weiter dem Wanderweg folgen und die Schleife zurück nach Winzendorf nehmen. Hunger hatten wir noch keinen, und es war ein traumhaft schöner Tag – also wanderten wir weiter. Zuerst in Richtung Winzendorf, jedoch nicht ganz hinein. Bei einer Linkskurve folgten wir einem Feldweg und kamen wieder an wunderbaren, riesigen Hirschbirnbäumen vorbei. Alte Bäume sind ein toller Lebensraum für viele Tiere. Wer alte Obstbäume stehen lässt, fördert auch unsere gefiederten Freunde. Das Pöllauer Tal ist ein absolut wertvoller Lebensraum für alle möglichen Piepmätze.

Das merkten wir besonders in der nächsten Wegpassage durch den Wald. Rabenkrähen und Nebelkrähen hatte ich schon gesehen, eine Waldohreule hatten wir leider aufgeschreckt, alle möglichen Spechte waren unterwegs, ebenso kletterten die Kleiber behände die Stämme hinauf. Doch nicht nur sie: Auch einen Baumläufer bekam ich vor die Linse.

Nach dem Wald gingen wir auf einer schmalen Asphaltstraße in Richtung Söllnerdorf. Von hier hat man einen ganz tollen Blick auf die Filialkirche Sankt Anna am Masenberg.

Dieses kleine gotische Kirchlein wurde 1499 errichtet. Ziemlich einsam steht es dort am Südhang des Masenbergs. Nur wenige Menschen lebten hier, und im Zuge der Kirchenreform Josephs II. wurde die Kirche geschlossen. Für die 256 Personen, die zu diesem Kirchsprengel gehörten, war das ein Unglücksfall. Für die heutigen Freunde der Gotik hingegen war es das Gegenteil. Das Kirchlein wurde nicht barockisiert und durfte seinen wunderbaren Flügelaltar behalten.

Am Gasthaus Stiegenwirt vorbei führt eine sehr steile Straße hinauf zum Sattel. Dort könnte man sich entscheiden: rechts zur St.-Anna-Kirche oder links weiter auf dem Wanderweg 14 mit der weiß-gelben Markierung. Diese Passage ist besonders wunderbar: Auf der Bergkuppe standen unzählige Kirschbäume in Blüte, dahinter der blaue Himmel und einige weiße Wölkchen.

Am Vorabend hatte es hier ein Osterfeuer gegeben, und noch immer stieg Rauch auf. Osterfeuer zu entzünden ist ein sehr alter Brauch – schon 751 wurde in einem Briefwechsel zwischen dem Missionar Bonifatius und Papst Zacharias ein Osterfeuer erwähnt. Funfact: Papst Zacharias hatte eben in diesem Jahr den Verzehr von Hasenfleisch verboten. Allerdings nicht, weil er an den Osterhasen glaubte, sondern vielmehr deshalb, weil Hasen als Symbol der Fruchtbarkeit galten und ihr Verzehr daher als „sitten- und moralgefährdend“ angesehen wurde.

Vor uns lag auf einem Hügel die Pöllaubergkirche. Ebenfalls gotisch, so wie die St.-Anna-Kirche, jedoch deutlich größer. Neben der großen gotischen Wallfahrtskirche steht auf dem Pöllauberg auch eine kleine Annakirche. Der Großmutter Jesu Christi wurden im Pöllauer Tal viele Kirchen gewidmet. Wikipedia entnahm ich, dass Anna lange Zeit die Lieblingsheilige Martin Luthers war – jenes Reformators, auf den sich die evangelisch-lutherische Kirche beruft, die eigentlich nicht unbedingt Heilige verehrt.

Nach dem Sattel bogen wir links in den Graben hinunter. Die Querung des Bachs war etwas abenteuerlich – umgestürzte Bäume erschwerten das Weiterkommen. Ging es gerade noch steil bergab, schleppten wir uns nun den Gegenhang wieder hinauf, wobei wir erneut an herrlichen Birnbäumen vorbeikamen. Bei einer Asphaltstraße wussten wir zunächst nicht weiter, entschieden uns jedoch, der Straße bergab zu folgen. Bald entdeckten wir wieder eine Markierung. Wir wurden über eine Wiese gelotst, wobei der Weg in diesem Abschnitt nicht ganz klar war.

Über die Zufahrt zu einem Einfamilienhaus gelangten wir wieder zur Gemeindestraße – und erneut war großes Rätselraten angesagt. Links gab es eine Markierung, aber auch rechts. Wir entschieden uns für rechts, kamen durch ein kurzes Waldstück und entdeckten die erste Bank auf unserer Wanderung. Endlich! Hin und wieder ist es herrlich, wenn man sich setzen und im Rucksack nach Proviant wühlen kann. Noch herrlicher ist es dann natürlich, diesen zu verzehren.

Erkenntnis des Tages: Wenn man nicht mehr unbedingt sicher ist, ob man noch auf dem richtigen Wanderweg ist, sollte man am besten etwas essen. Zwar erlangt man dadurch keine besseren Ortskenntnisse, doch ein voller Magen hebt enorm die Stimmung.

Voller Zuversicht folgten wir dem Weg, für den wir uns entschieden hatten, und kamen schließlich zu den beiden Kartteichen, die mitten im Wald lagen. Jugendliche waren hier unterwegs, es gab eine Fischerhütte und einen hübschen Weg rund um das stehende Gewässer. Laut Bergfex-App mussten wir den zweiten Teich halb umrunden. Dann kamen wir an eine Wegkreuzung und wussten wieder einmal nicht weiter.

Zielstrebig entschieden wir uns leider für den falschen Weg. Wahrscheinlich hätten wir den rechten Forstweg nehmen sollen. Taten wir aber nicht. Zuerst erschien uns unser Wanderweg noch sehr verheißungsvoll, bis er – wir waren schon eine ganze Weile bergab gegangen – plötzlich in Dornen endete. Unter uns hörten wir bereits die Bundesstraße. Dorthin mussten wir. Wir überwanden Büsche und Dornen und kamen schlussendlich zerkratzt und abgekämpft am Ziel an. Wir sprangen über den Krötenzaun, querten die Straße und gelangten wieder zu unserem Ausgangspunkt.

Lochstein Rundweg Strallegg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Lochsteinwanderweg

5,5 km

190 HM

1:30 h

    

Der Ausgangspunkt der Wanderung liegt außerhalb des Ortszentrums von Strallegg, und zwar an der Straße nach Miesenbach. Links der Straße gibt es ein Schild „Urlaub am Bauernhof – Familie Haubenwaller vulgo Geiregger“. Das Schild fällt auf: Es hat ein richtig hübsches Blumenkästchen, daneben steht noch eine Milchkanne und der erste Lochstein der Wanderung.

Wir waren sehr früh an einem heißen Augusttag unterwegs, um den Lochsteinweg zu begehen. Vom „Urlaub am Bauernhof“-Schild ging es vorerst einmal die Zufahrt durch einen Wald bergauf. Wir hörten das markante Zwitschern von Zilpzalpen, die fröhlich vor sich hinsangen. Es war August – für Graz waren an diesem Tag ganze 35 Grad Celsius prognostiziert. Selbst in den frühen Morgenstunden genossen wir bereits den Schatten.

Kurz vor dem Haus führte ein steiniger Pfad am Waldrand bergan. Polster von Heidekraut wuchsen neben dem Weg, rechts gab es ein abgeerntetes Getreidefeld. Darunter lag eine leere Weide, denn die cleveren Kühe hatten sich in den Wald begeben. Der Landwirt ist klug und ermöglicht es seinen Tieren, unter schattigen Bäumen Abkühlung zu finden.

Wir kamen auf eine ebene, staubige Straße mit grandiosem Panoramablick, die eine Teilstrecke des „Großen Jogl“-Radwegs ist. Bald schon mussten wir links abbiegen, und wieder ging es einen Waldweg bergauf. Wir mussten aufpassen, auf keine Pilze zu treten: Täublinge, Fliegenpilze, Perlpilze und ein wunderbarer Satanspilz mit einem dicken roten Bäuchlein und gelber Kappe.

Bis jetzt waren wir auf dem Zubringerweg zum Lochsteinweg unterwegs gewesen. Nun hatten wir ihn erreicht. In der Steiermark kenne ich zwei Lochstein-Rundwege. Auf einem waren wir gerade unterwegs – der andere Lochsteinweg befindet sich im nahe gelegenen Vorau.

Im Gebiet Vorau, Wenigzell, Miesenbach und Strallegg gibt es sehr, sehr viele Lochsteine. Urtümlich wirken sie – archaisch. Nun ja, sie sind ja auch schon alt. Sie sollen Relikte aus der Megalithkultur sein. Lochsteine sind fast wie Menhire, nur dass sie zusätzlich noch sehr präzise und sorgfältig ausgebohrte Löcher haben. Und irgendwie sollen sie in Verbindung mit den Erdställen stehen, die in dieser Gegend ebenfalls vorkommen. Doch so viel man auch forscht: Ganz genau wird man wohl nicht mehr herausfinden können, wieso man diese Steine aufgestellt hat.

Wir standen vor einem recht großen und schönen Exemplar. War er wirklich ein Kalenderstein? Oder stand er dort als Orientierungshilfe? Ganz in der Nähe soll einst eine Römerstraße vorbeigeführt haben, beim „Toten Mann“ gab es damals eine Wegkreuzung.

Wir querten eine Kuhweide und kamen zum nächsten urigen Stein mit Loch. Ein Baum stand daneben, und auf diesem hatte man eine Marienstatue befestigt. Kurz vor einem Bauernhof, der Fremdenzimmer anbot, stand der nächste Lochstein. Dann ging es auf der Asphaltstraße weiter … wir erreichten einen gigantisch großen Stein: einen Prangerstein mit Eisenhandfesseln. Da wollte wohl die Gerichtsbarkeit ganz sicher gehen, dass niemand mit dem Stein an den Fesseln abhauen konnte. Man hatte sich offenbar den größten Felsen in der Umgebung ausgesucht.

Lochsteine – so sinnierte man auch – könnten Grenzen markiert haben, ebenso die Grenzen von Gerichtsbezirken. Doch wenn dies der Fall war, müssten diese Lochsteine weitaus jüngeren Datums sein.

Volksbräuche ranken sich um Lochsteine, die nahelegen, dass sie einem Totenkult dienten. Getreide oder Mehl wurde in die Löcher gegeben. Man hoffte, dass die Verstorbenen sich daran laben konnten. „Windfüttern“ nannte man das. Die Lochsteine durften auch nicht gerüttelt werden, weil es den armen Seelen sonst weh täte.

Beim Straßenbau und in der Landwirtschaft sah man das nicht ganz so eng. Stand ein derartiges Steinrelikt im Weg, dann kam es weg oder wurde bestenfalls versetzt. Diese Steine erkennt ein Wünschelrutengänger sofort, denn bei einem Lochstein, der auf seinem Originalplatz steht, gibt es immer auffällige Strahlenkreuzungen.

Kurz mussten wir den Weg retour gehen, dann ging es die Weide an einer Hecke entlang bergauf. Hecken sind wunderbar für die Landschaft. Steine, die auf dem Feld störten, liegen darin, urige alte Bäume wachsen dort und herrliche Büsche … und in diesen Büschen und Bäumen tut sich was.

Goldammern und Weidenmeisen konnten wir sehen, einen Eichelhäher hörten wir, ein echter Kolkrabe flog über unsere Köpfe hinweg, wobei er sein tiefes, kehliges Krächzen hören ließ.

Wieder mussten wir links in einen beinahe ebenen Weg abzweigen. Auf beiden Seiten wuchsen Bäume. Es war hier richtig angenehm zu gehen, und schon wieder konnten wir einen imposanten Lochstein entdecken. Nun ging es im Wald leicht bergab, und wir erreichten den Höhepunkt der Wanderung: den Strallegger Bildstein. Unscheinbar liegt der Schieferblock neben dem Wegrand. Der Platz, an dem er sich befindet, ist nicht unbedingt idyllisch oder erkennbar besonders.

Besonders ist allerdings der Stein selbst. Die Petroglyphe ist tief in den Stein eingeritzt, so breit, dass man mit den Fingern die Figuren nachzeichnen kann. Ein Strichmännchen ist klar erkennbar – doch das andere Bild … was ist das bloß?

Ein Andreaskreuz, behaupten die einen, und einen Phallus. Ein gleichschenkeliges Kreuz und ein Phallus oder ein Baum mit zwei starken Wurzeln, die anderen. Jedenfalls ein Fruchtbarkeitssymbol. Eine Pfeilgravur – eine Art Wegweiser. Gab es in der Nähe doch den Römerweg. Jedes Buch, in dem ich über den Bildstein recherchierte, hat seine eigene These. So ganz genau kann man das nicht sagen. Auch kann man nicht genau sagen, ob das abgebildete Menschlein eine Frau oder ein Mann ist.

Beim letzten Besuch des Bildsteins war ich der Ansicht, dass dort eine Frau unter einer Palme in der Sonne liegt. Bei dem aktuellen Besuch kam mir ein anderer Gedanke. Die vordere Kante des Bildsteins ist recht glatt und rechtwinkelig. Was, wenn dieser Stein auf dieser Kante einst aufrecht gestanden hat? Dann würde ich einen umgefallenen Baum sehen und eine Frau, die gestürzt war. Erzählte dieser Stein von einem Unfall?

Lustig ist die Geschichte, wie dieser Stein gefunden wurde. Das war nämlich ganz und gar kein Zufall. In Strallegg erzählte man sich die Geschichte, dass zur Zeit der Pestepidemie an einem Altarstein Messen abgehalten wurden. Der Bauer Franz Marktfelder wollte es genau wissen: Gab es diesen Altarstein (oder Alterstein) wirklich? Also suchte er gründlich … und 1920 wurde er fündig. Ich finde es toll, dass es Leute mit Visionen und Zielen gibt. Dank ihm können wir heute diesen außergewöhnlichen Bildstein besuchen.

Gleich nach dem Bildstein (der sich übrigens nicht mehr an seiner ursprünglichen Stelle befindet) kommt man zur Kühgrantlquelle. Heilwasser soll es sein. Eine Frau war mit ihrem Hund spazieren und meinte, der Hund solle bei der Quelle trinken. Der Hund verschmähte das Heilwasser.

Es ging eine Forststraße bergab, dann links in einen schmalen Pfad in den Wald. Die blauen Heidelbeeren dufteten herrlich. Wir kamen in einen Graben, und dann stand vor uns der höchste Lochstein auf unserer Runde. Eine Treppe führte neben ihm aus dem Graben. Hier soll ein Kraftplatz sein. Gestärkt marschierten wir weiter und entdeckten den nächsten kuriosen Menhir mit einem sehr großen Loch: den Verlobungsstein.

Und jetzt wird es romantisch. In England werden derartige Steine als Rechtssteine bezeichnet. Liebende, die sich durch dieses Steinloch die Hände reichen, schwören sich gegenseitig lebenslange Treue. In England? Nicht nur in England. Auch diese Kultstätte wird offensichtlich noch aufgesucht. Unter dem Menhir liegt ein herzförmiger Stein mit einem aufgemalten Anker. Wer immer sich hier auch verlobt hat – wir wünschen viel Glück.

Viel haben wir auf dieser Wanderung gesehen und erlebt. Sinn macht es, nach dieser Wanderung nach Strallegg zu fahren. Dort gibt es ein Felsbildmuseum (Steinmuseum) sowie eine gute Gastronomie, einen hübschen Ortskern und – wie es sich für ein Blumendorf gehört – einen erstklassigen Blumenschmuck.

 

Willensdorfer Schlucht

 Rundweg über Kreuzberg – Aschau

9,41 km

250 HM

2:30 h

Willersdorf – Dreiländereck – retour

10,8 km

 

ca. 4 h

 Lehrpfad bis Valtlmühle – retour 7,8 km  

Die Willersdorfer Schlucht ist laut Burgenland Tourismus ein ganz besonderes Fleckchen Erde – und ich muss den Touristikern recht geben. Wir haben diese Schlucht schon einmal Anfang Juni 2022 besucht. Damals konnten wir wunderbare Apollofalter fotografieren. Ende Juni 2025 (es herrschte eine Hitzewelle) machten wir uns erneut ins Burgenland auf – unser Ziel war wieder die Willersdorfer Schlucht. Von dieser Wanderung möchte ich nun berichten.

Vorweg: Dieses Gebiet erfordert Zeit und Geduld. Wer in Ruhe die Wiesen und Büsche studiert, kann extrem viel entdecken. In diesem abgeschiedenen Tal hat sich eine ungewöhnlich hohe Biodiversität erhalten. Wer jedoch gerne sportlich und rasch wandert, wird vielleicht etwas enttäuscht sein und nur einen Weg neben einem Bach sehen, der noch dazu von Mountainbikern benutzt wird.

Willersdorf gehört inzwischen zu Oberschützen. Es ist ein beschaulicher, kleiner Ort mit einer Besonderheit: einem evangelischen Bethaus. Und genau bei diesem evangelischen Bethaus beginnt der Wanderweg. Man kann sich nicht verlaufen – immer dem Bach entlang, an Häusern vorbei, hinein in den Wald.

Der Schluchtwald und der Bach kühlten wunderbar. Rastbänke standen direkt im Wald, ein Fischteich folgte, dann eine Tafel, die vom Schlosshansl erzählte. Hinter dem Teich, auf der Geländekante über der Schlucht, soll es spärliche Mauerreste der Burg Willersdorf geben. Um ganz ehrlich zu sein: Wir haben nicht danach gesucht. Erstens gab es keine eindeutige Wegbeschreibung, zweitens hatte ich mir die Bilder im Internet angesehen – viele Mauern gibt es dort nicht mehr zu betrachten.

Die Burg, die 1280 von Johann von Güns-Güssing errichtet wurde, war eher ein „Burgerl“. Nach dem Modellbild auf der Tafel eigentlich mehr ein massiver Turm mit einem Palisadenzaun rundherum. Neun Jahre nach der Erbauung wurde dieser Wehrbau im Zuge der Güssinger Fehde bereits wieder zerstört und nicht mehr aufgebaut.

Also marschierten wir zielstrebig dem Bach entlang weiter zum Beginn des Lehrpfades. Liebevoll wurden die acht erlebnispädagogisch aufbereiteten Stationen des Lehrpfades gestaltet.

Die Willersdorfer Schlucht lag früher im Grenzbereich zwischen dem Herzogtum Steiermark (später dem Kaiserreich Österreich) und dem Königreich Ungarn. Wir wären vor einigen hundert Jahren hier im Königreich Ungarn unterwegs gewesen – allerdings wären wir trotzdem sozusagen auf „steirischer Erde“ gegangen. Das klingt jetzt lustig, aber die Geologie hat dafür eine ganz interessante Erklärung.

Vor zirka 20 Millionen Jahren gab es in diesem Gebiet Senkungsbewegungen. Dadurch konnte vom Meer Wasser eindringen, und da dieses Meer Teile der Steiermark bedeckte, brachte es aus der Steiermark viele Schotter, Sande und Lehme mit. Sehr, sehr viel Material wurde abgelagert. Später arbeitete die Erde wieder – diesmal kam es zu einer Hebung, und das Meer war Geschichte. Danach begann die Zeit, in der durch Erosion die Gegend modelliert wurde. Gut, dass das Wasser die Willersdorfer Schlucht mit ihrer großen Artenvielfalt geschaffen hat.

Eigentlich sieht der Willersdorfer Bach ganz harmlos aus. Als wir im Juni 2025 unterwegs waren, führte er kaum Wasser. Doch dieses vermeintlich kleine Bächlein darf nicht unterschätzt werden. Im August 2021 gab es ein Hochwasser, und im Juni 2024 folgte ein weiteres. Zwei richtig hohe Dämme sperren das Tal – an der oberen Kante eines Damms konnten wir noch abgelagerte Äste sehen. Die Wiesen sollen gänzlich voller Schlamm gewesen sein. Die Brücken wurden weggerissen (die meisten waren im Juni 2025 wieder errichtet, zweimal mussten wir den Bach noch über Steine queren). Der Forstweg sah recht neu aus – ich schätze, dass auch dieser vom Wasser weggespült worden war.

Doch trotz der heftigen Überschwemmungen konnte sich dank des Mischwaldes sowie der verschiedenen Talwiesen (Feucht-, Nass- und Magerwiesen) eine enorme Artenvielfalt in dieser Schlucht erhalten. Bei unserer Wanderung sahen wir verschiedenste Schmetterlingsarten (Dukatenfalter, Schachbrett, Bläulinge, Landkärtchen, Apollofalter). Auch unzählige bunte, gepunktete oder gestreifte Käfer labten sich an den Blüten. Und in einer Pfütze neben dem Weg lebten Schwärme munterer Kaulquappen.

Bei einer besonders hübschen Wiese mit einer Rastbank konnten wir uns entscheiden: entweder rechts abbiegen und zum Aussichtsturm wandern (Panoramablick in die Bucklige Welt sowie Richtung Bernstein) oder links im Tal dem Lehrpfad weiter in Richtung Valtlmühle folgen. Da im Tal noch eine besonders schöne Magerwiese auf uns wartete, entschieden wir uns für den Lehrpfad.

Die Valtlmühle ist die einzige der drei Mühlen in diesem Bereich, deren Gebäude noch existiert. Sie wird heute als Wohnhaus genutzt. Auf unserem Wanderweg in Richtung Dreiländereck kamen wir an weiteren ehemaligen Mühlenstandorten vorbei. Von der Patrizlmühle konnte ich 2025 nichts mehr entdecken – 2022 hatte ich an dieser Stelle noch Mauern fotografieren können.

Von der ersten Mühle des Willersbachtals konnte ich 2022 nur mehr die Erinnerungstafel sehen – 2025 war selbst diese Tafel schon teilweise unter Schutt begraben. Auch hier musste das Hochwasser ordentlich gewütet haben. Die Tafel erzählte, dass „die Mühle aufgegeben wurde, nachdem in den Sommermonaten eine Unzahl von Schlangen das Gebäude als Unterschlupf nutzte“.

Diese Tafel mit der Geschichte von den Schlangen war auch der Grund, dass ich auf der nächsten Wegstrecke meine Augen auf den Boden gerichtet hatte. Es dauerte nicht mehr lange, und wir erreichten den Dreiländerstein. Ein hübscher Scheckenfalter flatterte einmal um den Stein und hatte binnen weniger Sekunden den Luftraum des Burgenlandes, der Steiermark und Niederösterreichs gestreift.

Bis 1920 verlief hier die Trennlinie zwischen Österreich und Ungarn. Und so einsam dieses Waldgebiet auch ist – hier gab es einst einen Gendarmerieposten, um Schmuggel zu unterbinden. Bereits im 17. Jahrhundert soll hier der „Vierherrschaftenstein“ gestanden haben. Die Grundherrschaften Bärnegg, Ziegersberg, Krumbach und Bernstein grenzten hier aneinander. Der heutige Stein dürfte 1914 gesetzt worden sein (damals noch mit ungarischer Markierung – diese wurde später mit den burgenländischen Farben übermalt).

2025 machten wir hier kehrt und wanderten denselben Weg zurück. 2021 waren wir weiter hinaufgestiegen nach Schmiedrait und über den Rundweg zurück nach Willersdorf gewandert. Diese Variante bietet schöne Ausblicke, doch an diesem heißen Junitag war uns diese Runde einfach zu anstrengend.

Bärnbacher Klostergeheimnis – Wanderung Heiliger Berg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Bärnbach

7,2 km

155 HM

2:30 h

       

Der Heilige Berg von Bärnbach kann eine sechstausendjährige Siedlungsgeschichte aufweisen, und das will schon etwas heißen. Auf diesen Heiligen Berg wollten wir im Oktober 2025 wandern und erkunden, was die Menschen schon so früh dazu veranlasste, auf diesem Hügel zu leben.

Bärnbach ist eine Stadt – keine alte Stadt wohlgemerkt. 1817 war Bärnbach mit seinen 25 Häusern und 125 Einwohnern noch recht bescheiden. Um 1900 gab es 118 Häuser und 1.123 Einwohner, 1951 waren es dann 461 Häuser mit 3.918 Einwohnern. Diese Zunahme an Bevölkerung bewirkte, dass Bärnbach 1953 zur Marktgemeinde und 1977 zur Stadt erhoben wurde. Mit Stichtag 1.1.2025 gab es 5.894 Einwohner.

Die Stadt, die ihren Aufstieg vor allem dem Braunkohleabbau sowie der Glaserzeugung verdankte, hat eine relativ junge Pfarrkirche: die Kirche St. Barbara – besser bekannt als Hundertwasserkirche. 1948/50 wurde das Gotteshaus gebaut, recht schlicht war es. Bärnbach war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal eine Marktgemeinde.

1987 wurde vor allem die Außenansicht und der Bereich vor der Kirche vom Künstler Friedensreich Hundertwasser gestaltet. Das war ein Jahr vor der Landesausstellung „Glas und Kohle“, welche in Bärnbach stattfand. Der Kohlebergbau ist inzwischen auch schon Geschichte. Bis 2004 wurde Braunkohle abgebaut. Auch die Glasfabrik, welche seit 1805 bestand, hat 2011 die Produktion aufgegeben. Jedoch kann man das Stölzle Glas-Center sowie das Glasmuseum besuchen.

Ich mag die Hundertwasserkirche mit ihrer Sonnenuhr. Sie sieht so aus, als ob sie den Betrachter anlächelt. Auf der Position sechs Uhr ist ein roter Anger aufgemalt, der wie ein hübscher Mund wirkt. Die bunten Dachziegel, die farbenfrohe Keramik, die runden Formen … der Prozessionsweg mit seinen zwölf Toren. Gras und Blumen zieren die Dächer. Vögel lieben es, dort zu sitzen – sicher vor allen Katzen der Welt, die die Keramiksäulen niemals hochklettern können.

Vor der Kirche querten wir die Straße und hielten uns rechts, an einer Arztpraxis vorbei … an einer Zahnarztpraxis vorüber, dann zum Wegweiser zum Heiligen Berg. Nachdem wir den Bach überquert hatten, ging es über einen Hohlweg bergauf. Wie in einem Tunnel fühlten wir uns, so sehr neigte sich das Blätterdach des Waldes über uns. Dann kamen wir zu einem Forstweg, von dort folgten wir den Wegweisern hinauf zum Heiligen Berg mit dem Kloster der Karmeliterinnen.

Bärnbach ist nicht nur eine junge Stadt – auch das Kloster auf dem Heiligen Berg ist jung. 1975 wurde die Anlage „Heilig-Kreuz-Karmel“ errichtet. Ein neues Kloster und ein alter heiliger Berg, der eine Siedlungsgeschichte von 6.000 Jahren aufweist. Beim Bau entdeckte man, dass es an dieser Stelle eine prähistorische Siedlung gegeben haben musste. Es gab künstliche Terrassen, man fand Feuerböcke, Spinnwirtel, Webstuhlgewichte und Keramikgefäße.

Man konnte zwei Phasen prähistorischer Siedlungstätigkeit nachweisen, wobei die erste Siedlung einem Brand zum Opfer gefallen sein musste. Im 9. bis 8. Jahrhundert vor Christus war diese Höhensiedlung stattlich groß. Doch wieso siedelten die Menschen dazumal ausgerechnet auf diesem Berg – der keine Wasserquelle hatte?

Wir waren den Hügel mit seinen extrem steilen Hängen hinaufgestiegen – die Straße hinauf zu bauen musste sicherlich sehr aufwendig gewesen sein. Sehr steil fiel das Gelände auf allen Seiten hin ab. Die Aussicht war einfach grandios. Stubalpe und Gleinalpe, man sah auf die Stadt Voitsberg mit der Burgruine Obervoitsberg, zwischen den Bäumen lugte Schloss Kainach durch, Edelschrott war zu sehen und auch der wichtige Marienwallfahrtsort Maria Lankowitz. Gäbe es auf diesem Hügel keinen Wald – der Rundumblick müsste außergewöhnlich sein. Unsere Vorfahren waren sehr aufmerksame Menschen, die mit der Natur viel besser in Verbindung standen. Sie hatten die Heiligkeit des Ortes erkannt. Die Römer nannten ihn bereits „Mons Sacer“ (Heiliger Berg).

1660 stiftete die Gräfin Eleonore Eusebia von Wagensperg ein Gotteshaus auf dem Heiligen Berg. Gregi und ich gingen zu diesem Kirchlein, das mit einer Mauer umgeben war. Auf der Innenseite dieser gemauerten Umzäunung hing ein Wunschglöckchen – ein junges Wunschglöckchen allerdings. Seit 2005 hängt es hier – das ist schon Handyzeitalter.

Alt ist jedoch das bemalte Tor der Kirche. Die Apostelfürsten Petrus und Paulus sind dargestellt. Der Kirchenraum selbst ist sehr angenehm und beheizt. Der Altar wirkt etwas düster, und wenn mich nicht alles täuscht, konnte man ihn früher umschreiten. Eine hübsche Marienstatue steht rechts vor dem Altar, in ihren Armen Jesus als Fatschenkind (ein Kind, das mit Binden eingewickelt wurde).

Am Gipfel des Heiligen Berges steht eine Kreuzgruppe aus Sandsteinfiguren. Maria, Magdalena und Johannes sind zu sehen, der Gekreuzigte selbst befindet sich nicht mehr bei der Gruppe. Unterhalb des Plateaus (auf der Seite nach Bärnbach) gibt es einen äußerst interessanten Felsen. In seinen Spalten und Minihöhlen wurden viele kleine Schutzengerln platziert. Vielleicht ticken wir doch noch ähnlich wie unsere Vorfahren, die Mehl oder Schmalz in ausgeriebenen Steinschalen opferten.

Wir gingen wieder zurück zum Wanderkreuzungspunkt und von dort in Richtung Köflach. An einem aufgelassenen Bauernhof vorbei und dann rechts steil bergauf. Wir hatten diese Wanderung auch einmal an einem heißen Sommertag unternommen, und dazumal kam uns dieser Anstieg sehr anstrengend vor – darüber konnten wir an diesem kühlen Oktobertag nur mehr schmunzeln.

Der Weg führte beim Köflacher Stadtrand an Häusern vorbei nach unten, dann mussten wir nach rechts abbiegen. Wiesen, Wiesen, Wiesen – so viel Grün auf einmal. Ein herrlicher Blick auf das Schloss Piber, wo die gelehrigen Lipizzaner zu Hause sind. Ob all das Gras und Heu, das hier geerntet wird, den edlen Rössern verfüttert wird?

Die Umgebung sieht großzügig modelliert aus. Geschwungene, runde Hügel – als ob sie vom Künstler Friedensreich Hundertwasser geformt worden wären. Nur der Heilige Berg sticht in dieser runden Welt mit seiner spitzen Form heraus. Nach einer Biegung konnten wir schon die goldene Kuppel der Kirche St. Barbara sehen. Nun dauerte es nicht mehr lange, und wir waren in Bärnbach zurück.

In Bärnbach könnte man einen besonderen Stadtrundgang unternehmen – „Kunst im öffentlichen Raum“. Wir besahen uns noch den Bärenbrunnen am Hauptplatz und den Mosesbrunnen, der vom Künstler Prof. Ernst Fuchs gestaltet wurde.

Dann entdeckten wir etwas, das unsere Aufmerksamkeit mehr als alles andere erregte. Es war schwarz und pink und hieß: die Zuckermühle. Eine Konditorei genau nach unserem Geschmack. Wenn man in Bärnbach ist … unbedingt besuchen!

Bad Kreuzen – Wolfsschlucht

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Bad Kreuzen

4,5 km

175 HM

1:25 h

    

Klammen und Schluchten sind anziehende Orte. Neben einem Bach zu gehen, der über kleine und größere Kaskaden seinen Weg ins Tal sucht, hat eine äußerst positive Wirkung auf uns Menschen. Heute spricht man von negativ geladenen Luftionen, die sich wohltuend auf das Immunsystem auswirken. Doch die gesundheitsfördernde Kraft von Wasserfällen ist schon seit Langem bekannt.

Dass Wasser zur Heilung verwendet werden kann, wusste bereits Sebastian Kneipp (1821–1897), der von Beruf Priester war. Schon mit 25 Jahren litt Kneipp an einer Lungenerkrankung und begann, sich intensiv mit dem Thema Gesundheit auseinanderzusetzen. Auf diesem Weg stieß er auf Wasseranwendungen und stieg zwei- bis dreimal wöchentlich kurz in die kalte Donau. Einen Teil seines Wissens hatte er von Vincenz Prießnitz (1799–1851).

Prießnitz stammte – wie Kneipp – aus ärmlichen Verhältnissen und eignete sich seine Kenntnisse als Naturheiler autodidaktisch an. 1830 errichtete er in Gräfenberg eine Badeanstalt, die offenbar einen ausgezeichneten Ruf genoss. Davon dürfte auch Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Gotha gehört haben – ihm gehörten sowohl die Burg Grein als auch die Burg Kreuzen. Er schickte den Wundarzt Maximilian Keyhl nach Gräfenberg, um bei Prießnitz zu studieren. In der Folge wurde am 10. Mai 1846 in Kreuzen eine Kaltwasserheilanstalt eröffnet.

Doch nicht irgendeine Badeanstalt – sondern die romantischste, die man sich vorstellen konnte. Sie lag in der Wolfsschlucht, wo sich der Prießnitzbach in schönster Manier über Granitfelsen stürzt und dabei unzählige negativ geladene Luftionen freisetzt.

Diese ehemalige natürliche Badeanstalt besuchten wir im September 2025. Wir parkten das Auto in Bad Kreuzen, das auf einer herrlichen Aussichtsterrasse mit Blick auf die Burg Clam und das flache Machland liegt.

Wir marschierten bergab, dem Weg 5a folgend. Im Ort Neuaigen gibt es ein Hinweisschild: „Achtung, KellnerInnen queren die Straße!“ Wir querten sie ebenfalls und wanderten den steilen Waldweg hinunter bis zum Wanderparkplatz. Dort hatten wir den tiefsten Punkt der Wanderung erreicht – ab jetzt ging es wieder hinauf, hinein in die Klamm.

Das „Wiener Wellenbad“ ist die erste Station in dieser besonderen Schlucht: ein natürliches Wasserbecken, das an heißen Sommertagen bis zu knackige 14 Grad Celsius erreicht. Wie gesagt – es handelte sich um eine Kaltwasserkur. Zum Kurbetrieb gehörten auch die Neptunsgrotte, die Damendusche, das Damenbad, ein Badestein, ein Jägersitz (ob man von dort auf die Damenduschen blicken konnte, vermag ich nicht zu sagen), der Herkulesfelsen, die Herzogsquelle und die Anton-Bruckner-Zuflucht.

Über steile Treppen ging es dann die spektakuläre Klamm bergauf. Große Granitfelsen bildeten grüne, moosüberzogene Gesichter, umrahmt von Farnen wie Haaren – zumindest sahen wir das so. Möglich, dass die negativ geladenen Luftionen unsere Fantasie ein wenig beflügelten.

Weiter oben spielten Kinder im Bachbecken, wo einst die Kurgäste ihre Heilbäder und Duschen genossen hatten – wobei genießen bei 12 bis 14 Grad vielleicht relativ ist. Die Kleinen waren jedenfalls völlig vertieft in ihr Spiel, während die Eltern eher damit beschäftigt waren, Kindersocken auszuwringen.

Am Ende der Klamm steht ein hölzerner Aussichtsturm. Er wackelt ein wenig, und man muss zuerst auf Granitfelsen kraxeln, bevor man überhaupt zur Stiege gelangt. Doch oben angekommen sieht man … Bäume. Bäume und nochmals Bäume. Ein Tal voller Wald, Hügel voller Wald – diese Gegend Österreichs ist sehr holzreich.

Folgt man dem Wanderpfad weiter, entdeckt man bald erste Mauern im Wald. Die Burg Kreuzen muss einst stattliche Ausmaße gehabt haben; sie soll die zweitgrößte Burg Oberösterreichs gewesen sein. Man nimmt an, dass sie um 900 als Fluchtburg errichtet wurde – selbst für eine Burg ein ehrwürdiges Alter.

Ursprünglich gehörte das Gebiet den Brüdern Hans und Alber Volkensdorfer: zwei Brüder, zwei Burgen – eine vordere und eine hintere. Später erwarben die geschäftstüchtigen Brüder Siegmund und Heinrich von Prüschenk (die Erbauer des Schlosses Grein) die Anlage. Weitere Besitzer folgten, bis im 18. Jahrhundert ein Brand die vordere Burg zerstörte, die daraufhin abgetragen wurde.

Schließlich gelangte die Burg in den Besitz der Familie Sachsen-Coburg-Gotha – und damit schließt sich der Kreis zur „Herzoglich-Coburg’schen Kaltwasseranstalt Kreuzen“. Man kann sich gut vorstellen, wie die Kurgäste in ihren kessen Badeoutfits in der Wolfsschlucht standen, während eiskaltes Wasser wie aus einer Dusche über sie herabregnete. Idyllisch vielleicht, aber sicher nicht angenehm. Auch der beschwerliche Weg in die Schlucht wurde den Gästen bald zu mühsam.

So errichtete man in Bad Kreuzen ein modernes Curhaus samt Cursalon. Auch dieses Haus blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Heute wird es von den Marienschwestern vom Karmel geführt. Die Wasseranwendungen finden nun nicht mehr tief unten in der Schlucht statt, sondern oben im Ort. Während man unten Prießnitz ehrte, indem man den Bach nach ihm benannte, ehren die Schwestern heute Kneipp mit einem eigenen Garten.

Zurück zur Burg Kreuzen: Seit 2012 werden ihre historischen Räume vom Hotel Schatz.Kammer mitgenutzt. Es gibt eine Burgschenke mit einem wunderbaren Gastgarten und herrlichem Weitblick. Wir saßen dort – hinter uns die sonnenwarme Burgmauer, vor uns das weite Tal. Ich fühlte mich fast wie eine Burgfrau. Nur dass ich zu einem himmlischen Mohnkuchen einen ausgezeichneten Kaffee genoss – ein Luxus, den die früheren Burgbewohner wohl nicht kannten.

Von der Burg aus sahen wir das Schloss Grein und auch die Burg Clam. Zwischen diesen Anlagen bestand immer wieder eine enge historische Verbindung. Burgen gibt es in dieser Gegend viele – ebenso den Burgen- und Schlösserweg, der in Grein beginnt und sich über 215 Kilometer durch das Mühlviertel und Südböhmen zieht. Er führt an 19 Burgen und Schlössern vorbei, darunter auch an Burg Kreuzen.

Unser Weg führte schließlich zurück in den Ort mit seiner spätgotischen Pfarrkirche St. Veit. Besonders sehenswert ist die Wandmalerei aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts, die Szenen aus dem Leben des Heiligen zeigt.

Danach besuchten wir noch den Kneippgarten, der in Reiseführern wärmstens empfohlen wird, und spazierten am Curhaus vorbei. Doch romantischer bleibt die Wolfsschlucht – eindeutig.

Wenn ich mich entscheiden müsste: ein kaltes Bad in der Wolfsschlucht oder eine Kur im eher nüchternen Curhaus? So sehr mich die Geschichte reizt – sanitäre Einrichtungen sind nicht zu verachten. Ich glaube, ich würde mich doch für das Curhaus entscheiden. Die natürlichen Badebecken überlassen wir lieber den spielenden Kindern und ihren Eltern, die dort unfreiwillig Wäsche waschen.

 

Slow Trail Bleistätter Moor

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Steindorf

7,3 km

17 HM

ca. 2 h

       

Startpunkt: Steindorfer Eishalle oder gebührenpflichtiger Wanderparkplatz an der L50 Landesstraße von Steindorf nach Ossiach

Das Bleistätter Moor haben wir im April 2025 entdeckt und waren davon äußerst begeistert. Daher beschlossen wir, im Mai einige Tage in Steindorf am Ostufer des Ossiachersees zu verbringen. Und damit das Naturerlebnis noch toller wird, haben wir uns in ein hübsches Tiny-Häuschen eingemietet. Von der Terrasse aus konnten wir herrlich auf den See blicken. Einfach toll.

Einst war das Bleistätter Moor riesig groß – 600 ha soll es gehabt haben. In den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts nahm man es mit dem Naturschutz wohl nicht so genau. Dafür waren landwirtschaftliche Flächen wichtig, und man hatte inzwischen das technische Wissen, Moore zu entwässern. Also tat man das, und lange Jahre wurde die Fläche intensiv landwirtschaftlich genutzt.

Der Ossiacher See wurde ebenfalls genutzt, und zwar touristisch. Die Urlauber schätzen klares, sauberes Wasser, welches jedoch durch Düngemittel und Chemikalien der Landwirtschaft belastet wurde.

Also hatte man die hervorragende Vision, das Moor wieder zu fluten. Das geschah 2017. Und seither hat sich in diesem Gebiet wirklich sehr viel Positives getan. Am Ostufer des Ossiachersees ist ein wahres Natur- und Vogelparadies entstanden.

Wir wanderten in aller Herrgottsfrühe zum Moor. Es war gerade einmal halb sechs Uhr früh. Voller Vorfreude auf die Frühstimmung im Naturschutzgebiet marschierten wir beim „Steinhaus“ des Architekten Günther Domenig vorbei. Wie ein überdimensionaler „Transformer“ aus Beton, Stahl und Glas hockt das Gebäude am Ufer des Ossiachersees und erweckt garantiert bei jedem Betrachter eine gewisse Neugierde.

Weiter führte uns der Weg am See entlang, von wo aus wir romantische Bootshäuschen aus dunklem Holz entdeckten, die einen ziemlichen Gegensatz zum Steinhaus bildeten. Ein prachtvoller Kastanienbaum stand in schönster Blüte und verbreitete einen intensiven Geruch. Graugänse machten in der Morgensonne Gänseyoga.

Über eine kleine Brücke über ein Gerinne, vorbei an einem Spielplatz mit öffentlichem WC, gelangten wir zum Dammweg, wo ein wunderbar altes Holzhaus mit einem noch wunderbareren Garten steht. Jetzt hatten wir es nicht mehr weit zum Moor.

Gleich am Anfang des Moorwegs steht ein Vogelbeobachtungsturm. Gregi harrte in der Kälte aus und suchte verbissen das Schilf mit seinem Feldstecher nach einem Drosselrohrsänger ab. Hören konnte man ihn laut und deutlich … aber sehen? Viele, viele Schilfstängel gab es. Der Drosselrohrsänger war recht unscheinbar und nicht allzu groß. Und er wusste sich gut zu tarnen, sodass man ihn kaum finden konnte – trotz seines wirklich sehr lauten, sagen wir mal, Gesangs.

Endlich bewegte sich ein Schilfrohr. Hier dürfte er sein … oder aber nur ein Spatz oder eine Blaumeise. Vögel gab es ja viele im Bleistätter Moor. Über hundert Vogelarten, sagt die eine Quelle – eine andere behauptet sogar 200 verschiedene Arten.

Am Vortag war ein Eisvogel wie ein schillernd blauer Blitz über mich hinweggeflogen. Ein Haubentaucher hatte sich elegant im Wasser gedreht und sich von seiner besten Seite gezeigt. Apropos Haubentaucher: Ihr Gefieder ist so dicht und so seidig weich, dass die Modewelt des 19. Jahrhunderts ganz wild darauf war. Für Krägen, Hüte und Muffe musste das weiche Gefieder herhalten, bis eine britische Tierschutzvereinigung gegründet wurde, um die Haubentaucher zu retten. Wie gesagt – bereits im 19. Jahrhundert.

In der Früh war es (obwohl es Mai war) sehr, sehr kalt im Moor, und ich sehnte mich nach meiner Winterjacke. Am Vortag waren wir am späten Nachmittag unterwegs gewesen. Da waren die Temperaturen weitaus angenehmer gewesen. Allerdings waren am Nachmittag auch mehr Leute im Moor unterwegs. Tiere auch.

Das lange Stehen in der Kälte ist nicht so mein Ding, also ging ich ohne Gregi weiter hinein in das Moorgebiet. Gregi stand noch immer mit dem Fernrohr vor den Augen auf dem Turm und musterte verbissen das Schilf.

Ein schmaler Pfad trennte die offene Wasserfläche vom Teil des Moores, wo Büsche wuchsen. Am Vortag waren auf der Wasserfläche ein Haubentaucher, eine Schwanenfamilie mit fünf Küken und Graugänse unterwegs gewesen. Im Moor mit Gebüsch hatte ich am Tag davor ein Teichhuhn entdeckt.

Ich bewunderte das strahlend leuchtende Schilf, gruselte mich ein wenig vor dem Nebel, der die geknickten und gefluteten Baumstämme etwas unheimlich wirken ließ, und erreichte schließlich die Brücke der Tiebel. Die Tiebel ist ein Fluss und der wichtigste Zufluss des Ossiacher Sees. Ihr Ursprung soll auch einen Besuch wert sein, habe ich gelesen. Über 40 Quellen soll die Tiebel haben.

Der nächste Teil des Moores war besser belebt. Hier steht das alte, windschiefe Pumphaus, welches immer mehr ins Moor versinkt. Auf der Spitze des Türmchens hat sich Familie Storch heimisch niedergelassen. Am kalten Morgen saß Mama Adebar auf ihren Küken, um sie zu wärmen. Am Vortag war sie gestanden und hatte den Kleinen Schatten gespendet. Papa Storch war inzwischen im seichten Wasser unterwegs. Euphorisch hatte er sich ein Stöcklein gesichert, womit er stolz vor dem „Nachbarn“, einem x-beinigen Graureiher, herumstolzierte. Dieser schien sich dafür nicht zu interessieren.

Etwas mürrisch saß er da, während seine Herzensdame ebenfalls im Wasser herumstakste. Sie hatte allerdings ihre Aufmerksamkeit ihrem Horst gewidmet, der zirka einen Meter über ihr in die gefluteten Büsche hineingebaut war. Die Reiherküken im Teenageralter mit struppigen Frisuren schienen der Mama kundzutun, was sie bitte als Jause mit nach Hause nehmen sollte.

Ein Kormoran saß mit geöffneten Flügeln auf einer Insel und ließ sich trocknen, ein Kollege von ihm hatte dafür einen abgebrochenen Baumstamm ausgewählt. Die Kormoranfrau war ein Morgenmuffel und schlief noch tief und fest. Dafür war die Graugans-Gang unterwegs. Schön der Reihe nach schwammen mindestens 18 Gänse durch das Wasser.

Am Nachmittag des Vortages waren wir die ganze Runde gegangen. Wir konnten einen Froschkönig mit goldenen Augen beobachten. Er war nicht alleine hier, er hatte eine große Verwandtschaft. Nicht nur Aphrodite ist eine Schaumgeborene – auch die Wasserfrösche können sich dieser Eigenschaft rühmen.

Vom zweiten Vogelbeobachtungsturm ging es am Wasser entlang weiter, an einem Campingplatz vorbei zum Parkplatz mit WC, über die Straße in einen Feldweg, der neben einem Bach entlangging. Dort hatte Gregi die schönsten Fotos von einem Drosselrohrsänger gemacht. Dann mussten wir links abbiegen und kamen an der Baumschule Teuffenbach vorbei, die hübsche Rhododendren und Azaleen züchtet.

Dann kam der Wald, wohin einige Rhododendren offensichtlich ausgebüxt waren und sich – wie in Irland – freudig ausbreiteten und vermehrten. Moorböden mögen sie besonders gerne. Wieder über die Straße und einen Wanderparkplatz ging es dann dem Moor entlang – diesmal waren die Aussichtsplattformen ebenerdig. Rundum hörte man die Vögelchen singen (nicht nur den lautstarken Drosselrohrsänger). Die ersten Häuser von Steindorf waren wieder erreicht.

Es werden im Moor auch Führungen angeboten. Unter www.natourerleben.at kann man Näheres darüber erfahren.

 

Raab-Ursprung Rundweg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

3 km

205 HM

1 h

       

Die Wanderung zum Raab-Ursprung haben wir im Juli unternommen. Die Raab begleitet mich schon ein Leben lang. Bereits in meiner Jugend wollte ich wissen, wo sie entspringt. In der Volksschule lernten wir: „am Osser“. Also war ich als Jugendliche am Osser unterwegs – und hatte den Ursprung nicht gefunden.

Heute bin ich klüger. Will man die Quelle eines Flusses finden, dann geht man am besten flussaufwärts. Und heutzutage gibt es auch diesen hübschen Rundweg zum Raab-Ursprung, der bei der Waldmühle (nördlich von Passail) beginnt.

Dieser Rundweg ist ein Lehrpfad. Die Tafeln sind ganz liebevoll für Kinder gestaltet. In einer Unterhaltung des Hirschen Pozilo (ich schätze, dass dieser Name vom nahe gelegenen Passail kommt, welches in alten Urkunden auch Pozile bezeichnet wurde) mit dem Tropfen Sprungingerl wird Interessantes über die Raab erzählt.

Bei der Jausenstation Waldmühle gibt es einige Parkplätze. An einem alten – teilweise leider schon verfallenen – Haus vorbei geht es gleich einmal steil bergauf. Wir waren bei unserer Wanderung sehr früh aufgebrochen. Der Trampelpfad war gesäumt von großen Pestwurzblättern. Großen Pestwurzblättern, die sehr viel Wasser fassen konnten. Wir waren binnen kürzester Zeit bis zu den Knien klatschnass … noch bevor wir den Waldpfad erreichten.

Links unter uns hüpfte die Raab (als Bächlein) ganz munter über die Steine. Rechts am Waldhang wuchsen unglaublich viele wunderbare Glockenblumen. Diese Blumen sollten uns während der ganzen Wanderung begleiten.

Die Raab wird als mystischer Fluss bezeichnet. Das will und kann ich nicht bewerten. Was ich jedoch sagen kann: Sie ist ein herrlicher Fluss. Hier, als Bächlein, hat sie glasklares Wasser. Einige Kilometer weiter ist dieses Bächlein zum Fluss herangereift und hat mit ihrer Kraft eine der schönsten Klammen Österreichs geformt – die Große Raabklamm.

Doch auch die darauffolgende Kleine Raabklamm darf als Naturjuwel nicht unterschätzt werden. Ab Mitterdorf verlässt die Raab das gebirgige Gelände, und sie fließt nun neben und zwischen fruchtbaren Feldern.

Wir müssen auf unsere Raab sehr gut aufpassen: Was wird ihr entnommen, was wird in sie eingeleitet? 471 Flusskilometer dauert ihre Reise. In Győr in Ungarn fließt sie in die Donau. Dieser Fluss ist Allgemeingut, das wir nicht für unsere eigenen Zwecke ausbeuten dürfen. Wir alle müssen Rücksicht nehmen, damit die Raab durchgehend ein intaktes Gewässer bleibt.

Bedingt durch die Braunerdeböden, welche die Raab durchfließt, ändert das Flusswasser seine Farbe. Besonders schön ist die Raab in der Nähe von Fehring, wo es eine tolle Mühle gibt, wo sich der Biber wieder angesiedelt hat und viele Vögel in und rund um den Fluss leben.

Gleich nach Neumarkt im Südburgenland verlässt die Raab das österreichische Bundesgebiet und hat bis hierhin sage und schreibe 1313 Höhenmeter überwunden. 497 Höhenmeter davon hüpft sie sozusagen gleich am Anfang hinab – zwischen ihrer Quelle und Passail. Ganz munter und flink wirkt sie, während wir den steilen Pfad bergauf keuchen.

Wie ein Kind purzelt und kullert das Wasser den Hang hinunter – Spielkameraden gesellen sich zu ihr. Der Walmtalbach und der Bärntalbach leisten ihr schnell einmal Gesellschaft. Viele Bächlein gibt es in diesem Gebiet. Zur Zeit unserer Wanderung war sogar ein Teil des Wanderpfades eines davon.

Der Raabursprung ist umzäunt, man kann das Areal jedoch betreten. Eine Steinmauer – ein Loch im Berg – eingesäumt mit großen Pestwurzblättern. Und daraus kommt das Wasser – unaufhörlich. Es ist schon eine wunderbare Einrichtung der Natur, wenn aus Quellen immerzu Wasser sprudelt. Wie gut es Mutter Erde doch mit uns meint.

Zwei Inschrifttafeln sind neben der Quelle angebracht: eine österreichische und eine ungarische. Auf der österreichischen kommen mir zu viele Worte wie Jüngling, Manne, Flur, Hain und Held vor. Damit kann ich, um ganz ehrlich zu sein, wenig anfangen. Sehr gefallen hat mir jedoch die Übersetzung der ungarischen Tafel:

„Jeden Tag seit Jahrtausenden werde ich hier im Schatten der Wälder geboren. Keine Glocken melden diese Geburt. Kein Kurier verkündet sie mit Trompeten. Dennoch verbinde ich Völker und bringe Früchte den Steirern und Ungarn. Entstanden aus manchem Gewitter und Donnergrollen führt mein sanfter Weg zu Mutter Donau und vereint ins Schwarze Meer.“

Und nochmals mein Appell: Wir alle müssen sehr respektvoll und achtsam mit diesem wertvollen Fluss umgehen.

Die Raab ist noch keine „20 Meter alt“, und sie betreibt schon ein kleines hölzernes Wasserrad. Wie tüchtig sie doch ist. Wir verweilen noch etwas an diesem Ort und leisten Sprungingerl – dem Wassertropfen und Wächter der Quelle – noch ein bisschen Gesellschaft.

Gleich hinter dem Zaun mussten wir links abbiegen, und ein schmaler Pfad führte uns quer über einen Hang, bevor wir auf einem Forstweg landeten. Nun begann der Teil der Wanderung, bei dem man immer wieder eine richtig tolle Aussicht genießen konnte – sofern man nicht durch die unzähligen Schmetterlinge abgelenkt wurde.

Vor einer Weide ging es dann etwas bergauf. Außerhalb des Zaunes gab es einen kleinen Pfad durch ein blühendes Paradies. Selten habe ich eine derart große Vielzahl verschiedener Pflanzen auf engstem Raum gesehen. Nicht nur Glockenblumen, auch Johanniskraut, Arnika, Schafgarbe, Thymian, violette Kratzdisteln, gelbe Klebkratzdisteln, diverse Doldenblüten und, und, und.

Ein Fest für Schmetterlinge und andere Tierchen, die gerne Nektar naschen. Nach dieser Blütenpracht tauchten wir wieder in den Wald ein. Steil war der Hang, ein Holzgeländer sicherte den Weg – auch über dem Bach, den wir über Steine zu queren hatten.

Wieder auf der Forststraße ging es gemächlich bergab. Wir kamen an einem hübschen Bauernhof vorbei. Kühe weideten weit oben auf einer Almwiese, die Wiese neben unserem Wanderweg hatte eine enorme Biodiversität. So gefallen mir die Almen.

Bald hatten wir den Ausgangspunkt wieder erreicht – die Waldmühle, eine Jausenstation. Eine urige Holztreppe führt in das heimelige, kleine Gastzimmer. Kalte Speisen und Getränke, aber auch Kaffee und Nussschnecken findet man auf der Speisekarte. Gut hat es uns geschmeckt.

 

 

Peggau Märchenweg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Peggau Ort

7,4 km

178 HM

2 h

       

2023 haben wir den Märchenweg in Peggau aus purem Zufall entdeckt. Eigentlich waren wir losgezogen, um die Badlschlucht zu erkunden. Wir stiegen damals beim Wanderparkplatz aus (und wunderten uns, dass wir praktisch alleine dort waren), bis wir dann die Schilder sahen, dass die Badlschlucht gesperrt war (Stand 2025 – sie ist noch immer nicht zugänglich). Also suchten wir kurzfristig über Bergfex eine andere Wanderung in der Umgebung und stießen dabei auf den Märchenweg. Und weil uns der Weg damals so gut gefallen hat, entschlossen wir uns an einem heißen Augusttag, diese Wanderung noch einmal zu machen.

Die Runde startet normalerweise bei der Semriacher Lurgrotte (für Kinder kann man ein Büchlein für die Wanderung erwerben). Die Lurgrotte ist die größte Tropfsteinhöhle in Österreich. Sie hat zwei Zugänge: einen in Semriach und einen in Peggau. Früher konnte man die Höhle von Semriach bis Peggau durchqueren. Dann gab es in den 1970er-Jahren ein Hochwasser – und jetzt kann man eben nicht mehr ganz durch. Bei der Peggauer Lurgrotte gibt es außerdem ein Museum. Dort kann man Funde aus der Umgebung bestaunen: den Schädel eines Höhlenbären, Steinwerkzeuge, ein Schwert aus der Mur etc.

Das Gebiet ist seit der Steinzeit durchgehend besiedelt. Im Kalkgestein gab es viele Höhlen – die Repolusthöhle im Badlgraben, die Große Badlhöhle, das Zigeunerloch, die Drachenhöhle von Mixnitz und auch die Höhlen vom Kugelstein. Die Funde aus diesen Wohn- und Kulthöhlen haben das Archäologiemuseum in Graz Eggenberg sehr bereichert.

Steht man im gewaltig großen Höhlenportal der Peggauer Lurgrotte, kommt einem ein kalter Luftzug aus dem Berg entgegen (drinnen hat es sowohl im Sommer als auch im Winter 10 Grad Celsius). Geht man jedoch links zu der Höhle mit den Museumsstücken, dann kommt es einem dort fast schon richtig heimelig vor. Unter dem mächtigen Höhlenportal gibt es außerdem eine kleinere Höhle, aus der der Lurbach strömt. Vor diesem Wasseraustritt befindet sich ein hübsches, natürliches Wasserbecken.

Die Wanderung führt durch den Ort Peggau. Zwei Kirchen stehen hier nebeneinander: eine uralte, gotische katholische und eine neuere evangelische. Die katholische Kirche wurde im 14. Jahrhundert von Margarethe von Pfannberg gestiftet – als Patronin der Kirche wurde daher die heilige Margarethe eingesetzt. Von ihr gibt es ein Altarbild, außerdem soll es in der Kirche auch ein Bild der heiligen Barbara geben. Es fehlt also nur noch die heilige Katharina, und schon wären die „Heiligen drei Madeln“ vereint.

So viele Frauen in der männerdominierten Kirche – das hat für mich den Anschein, dass sich der alte Glaube an eine Muttergottheit recht lange gehalten hat.

Die Alte Landstraße ist schmal – zwei Autos kommen hier fast nicht aneinander vorbei. Doch damals, als diese Straße noch ein wichtiger Verkehrsweg war, stellte das wohl kein so großes Problem dar. Links erhebt sich die Peggauer Wand. Die steile Kalkfelsenwand mit ihren unzähligen Höhlen bietet vielen Tieren ein großartiges Zuhause. Die spektakulärsten Vertreter sind dabei Fledermäuse, der Uhu oder auch Wanderfalken.

Die Alte Landstraße liegt etwas höher – so war sie wohl gut vor Hochwasser geschützt, glaube ich zumindest. Bänke und eine große Wandertafel zeigen an, wo der Rundweg in den Wald abzweigt. Von hier hat man einen fantastischen Blick auf eine riesige, märchenhafte Wiese, dahinter eine extrem steile Felswand, und darauf thront die Burgruine Peggau.

Im 12. Jahrhundert wurde sie erbaut und im 13. Jahrhundert bereits zerstört (Adelsverschwörung gegen den böhmischen König Ottokar II.). Bald darauf wurde sie wieder aufgebaut und hatte viele verschiedene Besitzer, darunter prominente wie die Grafen von Montfort. Vielleicht war einer von ihnen ein Alchemist, denn in der Burgruine wurde ein besonders hoher, sechseckiger, pyramidenförmiger Rauchfang gefunden, der jünger war als die Mauern um ihn herum. Ein Alchemist soll auch Georg Amelreich von Eibiswald gewesen sein. Er war kein guter Mensch. Die Bauern hatten unter ihm sehr zu leiden. 1641 ließ er einen Viehhirten im Turm einsperren, wo der arme Mann schließlich erfror. Ich nehme an, dass die Peggauer richtig froh waren, als die Burg 1652 vom Stift Vorau gekauft wurde.

Vorau liegt doch recht weit von Peggau entfernt, daher benötigte man einen Verwalter für die Besitzungen. Dieser wohnte zunächst in der Burg. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in Peggau ein neues Amtshaus errichtet, in dem der Verwalter sicherlich weitaus komfortabler wohnen konnte. Die Burg wurde daraufhin dem Verfall überlassen.

Ich nehme an, dass der Verwalter damals recht gerne in das neue Amtshaus umgezogen ist. Doch es gibt Menschen, die Burgen so sehr lieben, dass sie alle Nachteile und Unbequemlichkeiten dieser alten Bauwerke vergessen und dort wohnen wollen. So auch in der Burgruine Peggau, wo heute ein rotes Holzriegelhaus auf dem Ruinenareal steht.

Genug von der Burg – zurück zu unserer tollen Wanderung. Wir schnauften ordentlich über einen felsigen Pfad bergauf. Es roch wieder einmal ganz himmlisch nach Zyklamen, die sich hier extrem wohlzufühlen scheinen. Irgendwann kamen wir zu einer Forststraße – und dort hätten wir eigentlich bergab gehen sollen. Haben wir aber nicht. Wir querten die Forststraße und folgten der rot-weißen Wandermarkierung bergauf in den Wald. Es war keine schlechte Entscheidung, denn so hatten wir die Möglichkeit, die Burgruine von oben zu besichtigen.

Ein wunderbarer Wanderweg mit Bänken und toller Aussicht führte uns bald an einem tiefen Graben mit einem Bach entlang. Da wir jedoch vom Märchenweg weit abgekommen waren und laut Wetter-App nur noch eineinhalb Stunden trockenes Wetter zu erwarten waren, suchte ich nach einer Abkürzung – und fand sie in Form eines unmarkierten Forstweges (rechts abbiegen). Dieser führte uns zu einer Asphaltstraße, der wir zügig nach unten folgten. Dabei erhaschten wir wieder tolle Blicke auf die Burgruine, bis wir plötzlich direkt vor ihr standen. Das Betreten des Geländes ist verboten – verständlich. Wer will schon neugierige Wanderer im eigenen Hausgarten haben?

Der Straße folgten wir noch ein kurzes Stück bergab, dann entdeckten wir eine Wandertafel und bogen rechts in den Wald ein, an einem Stacheldrahtzaun vorbei, und HALLELUJA – wir waren wieder auf dem Märchenweg. Und zwar auf einer ganz besonders schönen Etappe: dort, wo der Mitterbach über eine hohe Felswand in die Tiefe stürzt. Wir standen unterhalb des Wasserfalls und genossen die kühle, feuchte Luft.

Über eine Brücke gelangt man zu einem wunderschönen Picknickplatz mit Bänken. Da ich nun wusste, dass wir bald wieder in der sicheren Zivilisation mit wetterfesten Gasthäusern sein würden, hatte ich auch die Muse, mich hinzusetzen und zu genießen.

Wir marschierten weiter an einem idyllischen Bauernhof und beim Eisschützenverein vorbei und erreichten schließlich trocken und mit großem Eishunger den Ort.

Da wir die Märchenrunde nicht korrekt gegangen sind, haben wir leider das Marienbründl nicht gesehen. Dafür hatten wir sozusagen einen Blick aus der Vogelperspektive auf die Burgruine, was uns ebenfalls sehr gut gefallen hat. Egal, welche Variante man hier wählt – beide sind wirklich interessant und wunderschön.