„Grenzerfahrungsweg“ – Bildein

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

3,97 km

0 HM

1 h

Start:

Bildein

Kirche  

„In Bildein gibt es Bienenfresser – ich will dorthin“, beharrte Gregi, obwohl ich ihn darauf hinwies, dass die Temperaturen auf über 30 Grad klettern würden und ich daher eher einen Spaziergang im Wald vorziehen würde. „Bienenfresser“, kam nochmals als Argument und: „Ich bin heute um 5.00 Uhr aufgestanden, wir sind ja noch früh dran. Da werden wir nicht die ganz arge Hitze abbekommen.“

Gut, dann halt nach Bildein. Dorthin wollte ich schon länger, um den Grenzerfahrungsweg zu erkunden. Auch das burgenländische Geschichte(n)haus reizte mich. Also fuhren wir an die österreichisch-ungarische Grenze, nach Bildein.

Geparkt haben wir in der Nähe der Kirche. Das Ortszentrum gefiel mir ausgesprochen gut. Die Mariensäule mit den Weinranken, das Gemeindehaus, das Gotteshaus und die Platane, die daneben wuchs. Ein richtig hübsches Ensemble.

Von der Kirche gingen wir den Fußgängerweg in Richtung Friedhof, und dort gab es schon die erste Station: ein Labyrinth aus unzähligen weiß-roten Stangen. Ich muss ehrlich gestehen – ich habe das Zentrum des Labyrinths nicht erreicht. Irgendwie hat es mich wieder zum Ausgang geführt, obwohl ich es fast schon bis zur Mitte geschafft hatte. Einen zweiten Versuch wollte ich nicht wagen, immerhin hatten wir noch eine Wanderung vor uns, und es war schon recht warm. Also keine Zeit vertrödeln, dachte ich, während Gregi noch seelenruhig für lange Zeit im Labyrinth verschwunden blieb. Er fand das Zentrum, und ihm war es offensichtlich egal, dass es immer heißer und heißer wurde.

Als er es endlich auch wieder raus geschafft hatte, folgten wir dem Weg weiter bis zum Trafo, da mussten wir links abbiegen.

Bei der nächsten Station sahen wir einen sowjetischen Panzer, einen Schützengraben und einen originalen Bunker aus dem zweiten Weltkrieg. Es ist empfehlenswert, die Informationstafeln aufmerksam zu lesen. Wie krank war doch das letzte Jahrhundert!

Von der Errichtung des Südostwalls wird berichtet, von den Todesmärschen der jüdischen Zwangsarbeiter, von der Ausbildung von „Arbeitsmaiden“ (die Männer waren ja an der Front, und die Frauen mussten sehen, dass sie die Wirtschaft und Landwirtschaft am Laufen hielten).

Dann kamen die Russen, und die Bevölkerung tat gut daran, so schnell wie möglich zu fliehen. Zwischen Bildein und Eberau gab es sogar einmal einen sowjetischen Militärflughafen.

Der Wanderweg führte uns bis zur Pinka. Unter der Staustufe badeten bereits Jugendliche. Wir haben es heute in Österreich richtig gut.

Vor der Pinka bogen wir rechts ab und folgten dem Fluss. Die Uferböschungen sehen naturbelassen aus – hier ist die Kinderstube von unzähligen Vögelchen. Emsig flatterten Schwalben in der Luft. Ein helles Zwitschern war zu hören. Gregi entdeckte sie zuerst. Fünf Schwalbenküken saßen auf einem Ast und wollten gefüttert werden. Keine leichte Aufgabe für die fürsorglichen Eltern.

Bildein gehört noch zum „Naturpark in der Weinidylle“. Es liegt zwar am Rand des Naturparks, in der Tiefebene. Aber wenn man am Ufer der Pinka entlanggeht, versteht man, dass diese Gegend wirklich schützenswert ist. In der Ferne sieht man Weinberge, Kirchtürme und Pappelalleen.

Und in der Nähe tummelten sich jede Menge Vögel. Zwei Bussarde kreisten in der Luft, ein Graureiher beschwerte sich lauthals, bevor er losflog. Eine blau schillernde Prachtlibelle sonnte sich auf einem Blatt, und auch Schmetterlinge waren unterwegs.

Zwei Kilometer östlich vom Ort Bildein verläuft die Grenze zu Ungarn. Und an dieser Grenze war es auch nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1989 nicht unbedingt harmlos. Ungarn gehörte zum Ostblock mit der Planwirtschaft. Der Westen mit seinen Freiheiten war verlockend… Doch Ungarn unternahm einiges, um seine Bürger daran zu hindern, nach Österreich auszuwandern. Bereits 1948 wurden vom ungarischen Staat auf 356 km Grenze erste technische Abriegelungssysteme eingerichtet. Beobachtungstürme, drei Meter hohe Stacheldrahtzäune und Minenfelder (Tretminen sowie Berührungsminen) sollten eine Flucht aus Ungarn verhindern.

1955 bis 1956 wurde die Grenze dann wieder entmint. 1956 kam es in Ungarn zu einem Aufstand. Große Teile der Bevölkerung erhoben sich gegen die kommunistische Diktatur. Zirka 180.000 Menschen flohen nach Westen.

1957 wurden wieder Tretminen verlegt. Diese blieben dann recht lange, bis man 1965 bis 1970 die Minen wieder räumte. Man hatte neue technische Möglichkeiten entdeckt: ein elektrisches Signalsystem wurde errichtet. Ein Entkommen aus dem kommunistischen Staat war immer noch nicht einfach. Erst 1989 beschloss das ungarische Politbüro, die technischen Grenzsperren abzubauen.

Als Kind bin ich mit meinen Eltern einige Male nach Ungarn gefahren. Am ungarischen Grenzübergang gab es immer ganz viele schwer bewaffnete Grenzbeamte oder Soldaten – so genau weiß ich das nicht. Ein Visum musste ausgefüllt werden, die Autos wurden akribisch durchsucht. Der Anblick von Männern mit Gewehren (auch wenn es meistens hübsche und junge Soldaten waren) war unheimlich. Es ist gut, dass diese schlimmen Zeiten vorbei sind.

Eine Station, der Grenzwächterturm, erinnert noch an den Eisernen Vorhang. Bei unserer Wanderung saß ein junger Gartenrotschwanz auf dem Masten mit den Lautsprechern. Wir wanderten in den Ort zurück und sahen noch die „schwimmende Brücke“. Gregi fotografierte einen sehr fotogenen Wandergelbling (Schmetterling).

Dann besuchten wir die Konditorei „Lendl’s Backstube“ in der Hauptstraße 132. Der Kaffee und die Mehlspeisen waren köstlich – unbedingt einkehren!

Leider hatte das Geschichte(n)haus noch nicht geöffnet (sonntags erst ab 14.00 Uhr).

Der Grenzerfahrungsweg von Bildein ist besonders empfehlenswert.

Doch auch die Natur rund um Bildein hat einiges zu bieten. Gut, Bienenfresser, deretwegen wir nach Bildein gefahren sind, haben wir keine gesehen. Aber trotzdem ist mir dort das tollste Vogelfoto meiner Hobbyfotografinnenlaufbahn geglückt. Und seien wir ehrlich – kleine Schwalben sind ja auch sowas von süß.

 

 

 

„Weg der Kunst“ ab Stainz bei Straden

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Weg der Kunst

9,4 km

250 HM

3:25 h

    

In drei Wanderbüchern habe ich diesen Weg gesehen, er muss also wirklich schön sein. Daher fahren wir im Spätherbst nach Stainz bei Straden, wo die Wanderung beim Haus der Vulkane startet. Auf den Wanderschildern ist eine Gehzeit von 2:20 h angegeben. (Da war wohl jemand mit Siebenmeilenstiefeln unterwegs. Wir benötigen für diese Wanderung 158 Minuten reine Gehzeit. Noch nicht inkludiert ist da die Zeit, die man bei den Erlebnisstationen benötigt – man ist sicherlich über drei Stunden unterwegs.) Ansonsten ist die Beschilderung einwandfrei, ein Verirren ist unmöglich.

Stainz bei Straden ist ein interessantes Dorf. Da steht ein wunderschöner Bildstock. Der hat nicht nur seitlich eine Tür, sondern auch noch einen „ersten Stock“ mit Fenstern. Ob sich dahinter eine Glocke versteckt?

Wir wandern weiter über ein Brückerl auf die Straße und schrecken fünf Enten auf, die in einem mit Wasser gefüllten Straßengraben ein gepflegtes Bad genießen. Sich lauthals beschwerend, flattern sie die steile Böschung hinauf und laufen um die Zaunecke nach Hause, wo sich schon einige ihrer Genossen im Garten sonnen.

Nun erreichen wir den Sulzbach. Gregi bildet sich ein, das zarte Stimmchen eines Eisvogels vernommen zu haben. Ich widme mich inzwischen der ersten Erlebnisstation, den Summsteinen. Gregi betrachtet den Bach kritisch und ist nicht mehr ganz davon überzeugt, dass hier ein Eisvogel lebt. Diese brauchen klares Wasser. War wohl ein anderer Vogel mit hoher Stimmlage. Daher beschließen wir, zur nächsten Station zu gehen. Zum Blaurackenturm.

Diesen schönen Gesellen werden wir im Spätherbst sicherlich weder hören noch sehen – jedenfalls nicht in der Steiermark. Da ist er schon längst auf Reisen gegangen, auf Fernreise sozusagen. Die Blauracke überwintert im südlichen Afrika. Eine Strecke, für die sie angeblich zwei Monate benötigt. Bewundernswerte Tiere! Hoffentlich kommen sie im Frühjahr wieder.

Wir wandern weiter und erreichen eine Raststation. Strahlend gelb schimmert das Laub und bildet einen Teppich. Und mitten darin liegt ein Steinbrocken, eine Vulkanbombe. 15 Tonnen wiegt das gute Stück und kommt aus dem Basaltsteinbruch von Hochstraden. Daneben steht ein altes Holzschild. „Wohl bekomms“, steht darauf und ich überlege, wie mir dieser Riesenstein wohl bekommen sollte. Sarkasmus? Nein, darunter, sehr verschwommen, steht ja noch was: „Wasser ist kostbar.“ Und dann sehe ich erst die Wasserleitung, die aufgrund der Jahreszeit schon außer Betrieb ist.

Die nächste Station ist mehr als idyllisch. „Steinzeitklang“ wird sie bezeichnet und Gregi probiert voller Freude jedes einzelne „Instrument“. Ich lichte die wunderbare Pappelallee ab. Während sich Gregi noch beschwert, dass die Dinger nicht gestimmt sind, schnaufe ich den Berg hinauf und bin nach wie vor von der Allee begeistert – und auch vom Schatten, den sie wirft.

Die Aussicht wird immer besser. Wir sehen den Steinbruch von Hochstraden, den „Drachenrücken“ mit der Aussichtswarte und leider auch sehr, sehr viele Glashäuser. Es ist eben eine landwirtschaftlich genutzte Gegend. Vulkangebiete sind besonders fruchtbar.

Durch einen Wald geht es nun bergab. Wir sehen eine sandige Steilwand und ich entdecke sogar eine Bruthöhle. Leider nur eine einzige. Aber Grund genug zu spekulieren, welcher Vogel hier eventuell Junge aufzieht. Die nächste Zeit vergeht mit Diskussionen, ob das, was ich da fotografiert habe, überhaupt eine Bruthöhle ist, bis Gregi einen seltenen gelben Schmetterling entdeckt und das Thema augenblicklich fallen lässt. Ein wunderschöner Gelbling mit einer Acht auf dem Flügel.

Wir haben nun die Lorettokapelle erreicht und biegen in Richtung Pferdehof Lechner ab. Ein Weingarten – und hurraaa! –, da bewegt sich was. Tatsächlich, ein Schwarzspecht. Ich nütze schnell die Gelegenheit – es wird ein tolles Fotoshooting mit Woody Woodpecker –, während Gregi noch voller Begeisterung eine Libelle fotografiert. (12. November 2023 – November!!! Eine Libelle und ein Schmetterling. Was für ein Tag!)

Weiter geht es zum Klangwald. Ein Grünspecht flattert rasch davon, während die Meisen mich neugierig beobachten. Steil geht es bergauf, bald steigen wir den Hügel wieder hinab. Es wird nicht der letzte Hügel sein. Vor dem nächsten Anstieg wartet auch der nächste Erlebnispunkt auf uns. Eine grimmig dreinblickende begehbare Holzeule. Ich verstehe ihren Verdruss. Kalt ist ihr Standort – und dann sind da noch die Wanderer, die immer wieder ihre Köpfe frech aus ihren Augen stecken. Bitte lächeln – und klick! Schon geht es weiter, den nächsten Hügel hinauf.

Nun haben wir einen wunderbaren Blick auf Straden. Dieser Hügel vulkanischen Ursprungs mit seiner extrem hohen Kirchendichte – vier Stück an der Zahl! Straden und seine Umgebung waren schon in der vorchristlichen Zeit besiedelt. Es muss sich dort wohl ein besonderes Heiligtum befunden haben, wenn die Kirche diesen Ort so vehement überbaut hat.

Es geht wieder bergab, wir erreichen die Straße im Tal. Der Ausgangspunkt der Wanderung ist nicht mehr weit, das Gasthaus LiebEck im Haus der Vulkane auch nicht mehr. Wir sind hungrig, wir sind müde, wir freuen uns darauf. Dann die bittere Erkenntnis: Eine Bergwertung hat der Kunstweg für uns noch geplant. Ein richtiger „Wadlbeißer“, dieser letzte Anstieg, finden jedenfalls wir. Doch dann ist auch dies geschafft. Beinahe beschwingt laufen wir den Hügel wieder hinunter. Bald können wir uns den Magen vollschlagen. Mit den 17.138 Schritten, die ich bei dieser Wanderung gegangen bin, brauche ich auch nicht unbedingt auf Kalorien achten. Und dann das! Wir sind zu früh dran. Das LiebEck öffne sonntags ab 15.00 Uhr, steht auf der Tafel beim Eingang.

Also Plan B. Wir kehren bei der Konditorei Ertl ein. Die hat auch Leckeres für uns. Bei einem Marmeladencroissant lassen wir den wunderbaren Tag Revue passieren.

Geotrail und Wanderwege um Kapfenstein

Distanz

Höhenmeter

Dauer

6 km

200 HM

2:30 h

Diese Wanderung startet beim Gemeindeamt. Wir stiegen aus dem Auto aus und sahen eine Pizzeria. Heute hatten wir also eine Auswahl: Kapfensteinerhof oder Pizza. Zuerst wollten wir wandern. Unser Weg würde uns zu Beginn in Richtung Tischlerei Luttenberger führen, entnahmen wir dem Wanderbuch. Zielstrebig marschierten wir die Bundesstraße bergab. Uns kamen Feuerwehrfrauen und -männer entgegen. Vergnügt trugen sie eine Klappbank mit sich. „Heute ist Fototermin“, erfuhren wir und auch, dass es im Ort so etwa um die 60 Feuerwehrleute gebe. „So beschaulich klein Kapfenstein auch wirken mag, die Einwohner sind nette und engagierte Menschen“, stellten wir fest und gingen weiter bergab, vorbei an einer Wanderstempelstation. Bei der Raiffeisenbank blieben wir stehen. „Ich sehe kein Hinweisschild einer Tischlerei“, meinte ich und studierte nochmals die Wanderkarte. „Wir hätten nicht runtergehen sollen, sondern rauf“, stellte Gregi fest und wir machten kehrt. Einen Wegweiser für die Tischlerei fanden wir aber auch bergauf nicht. Allerdings ein Schild, auf dem „Bestattung“ stand. „Biegen wir hier ein! Laut Karte könnte das eventuell unser Weg sein“, überlegte ich und schon kamen wir am Sportplatz vorbei. „Die Bestattung heißt Luttenberger und sieht irgendwie noch wie eine Tischlerei aus. Wir sind richtig. Glaubst du, erzeugen sie hier Särge?“, wollte ich wissen. Gregi zuckte nur mit den Schultern und beobachtete interessiert die Gegend. „Rechts, die Geländestufe ist interessant. Hier gibt es sicherlich Vögel“, meinte er nur und zückte sein Fernglas. Beim Wegkreuz Kölldorf bogen wir rechts ab und kamen zur oberen Kante der Geländestufe. Begeistert guckten wir in Richtung Hochstraden mit der Aussichtswarte. Neben der Straße gab es eine Plantage mit knorrigen, urigen Holunderbäumen, dann kamen wir zu einer Wanderwegkreuzung. Unser Weg führte am Waldrand die Straße entlang weiter, ein Bauernhaus, dann ein Hohlweg mit Birken auf der linken und rechten Seite. Hier gab es definitiv sehr viele, sehr aktive Vögel. Sie flogen förmlich vor unseren Nasen hin und her und Gregi war nicht mehr zum Weitergehen zu bewegen. Gut, wenn das so war, dann konnte ich wohl auch einige Fotos machen. Ein Kleiber hatte es mir angetan. Ganz energisch klopfte er an der Rinde der Birke herum – und sah ich richtig? Hatte dieses Vögelchen hier etwa gar Sonnenblumenkerne versteckt?

Irgendwann war es selbst meinem emsigen Kleiber zu blöd geworden, er flog einige Bäume weiter und für uns war es nun auch wieder an der Zeit, unseres Weges zu gehen. Wir überquerten die Bundesstraße und hielten auf die Buschenschank Puff zu. Ein hübsches altes Bauernhaus mit grünen Balken und vielen geschnitzten Holzverzierungen. Leider war die Buschenschank geschlossen. Aber wir nahmen uns fest vor, in der warmen Jahreszeit wiederzukommen. Hier, auf den Tischen unter dem riesigen alten Baum, müsste es an einem lauen Sommerabend herrlich sein.

Wir stapften weiter. Ja, stapften. Der Weg war wohl vor Kurzem aufgegraben worden. Unsere Wanderschuhe waren gänzlich mit Lehm eingesaut. Wir erreichten einen Handymast, Gregi kam bereits daher, als ob er Plateauschuhe anhätte. Am Waldrand gab es ein Bankerl, die Gelegenheit, um das Profil unserer Schuhe wieder zu säubern. Eine wunderbare Aussicht genossen wir hier.

Der weitere Weg war äußerst idyllisch, schlängelte sich am Hang entlang – schon sahen wir den Turm der Pfarrkirche zum heiligen Nikolaus aus dem Boden wachsen. Hoch und schmal wirkte er mit seinem spitzen Dach. Der Kirchenvorplatz ist ein besonderer Ort und lädt zum Verweilen und Schauen ein. Gregi schaute auch – aber durch ein Fernrohr. Ein fix montiertes Fernrohr. Die zweite Station des Geotrail Kapfenstein. Die Vergangenheit des Stradner Vulkans sollte man durch diese Installation sehen. Vor zwei Millionen Jahren war es in dieser Gegend nicht so beschaulich und gemütlich gewesen. Mehr als 40 Vulkane sollen im Vulkanland ausgebrochen sein. Der Kapfenberger Vulkan selbst hatte zahlreiche Eruptionen. Das glühend heiße Magma traf auf das Grundwasser, es kam zu Dampfexplosionen. Asche wurde kilometerhoch in die Luft geschleudert, aus ihr bildete sich später das Tuffgestein. Im Gegensatz zum Basalt, der aus der ehemaligen Lavaglut entstand. Und aus ganz, ganz weit unten – um genauer zu sein, aus 60 km Tiefe – stammt ein besonderer Stein. Der Olivin. Ein hübsches, hellgrünes Mineral. Arthur Winkler-Hermaden war Geologe, seine Nachkommen (die Besitzer des Schlosses und des Weingutes) schätzen die Steine wohl auch. Insbesondere den Olivin – sie haben ihren besten Wein danach benannt.

Doch weiter zum Geotrail. Aus elf Stationen besteht dieser besondere Lehrpfad und drei Fernrohre bietet er, die einen Blick in die Vergangenheit gewähren sollen. Wir folgten dem Geotrail weiter, eine alte Treppe hinauf (ein toller Blick auf das Schloss), an einem ehemaligen Steinbruch entlang (Gesteinsschichten – waagrecht und schräg, richtig kurios). Wir sahen in die Wipfel der hoch aufgeschossenen Bäume – fast wie auf einem Baumwipfelpfad. Und wieder ein Kleiber. Gregi war hin und weg. Große Teile des Weges sind mit einem Geländer gesichert. Der Kapfensteiner Kogel ist zwar nur 461 Meter hoch, doch extrem steil. Angreifer hatten es hier sicherlich sehr schwer. Das wusste man auch schon in früheren Zeiten. Man fand Besiedelungsspuren aus der Jungsteinzeit und Keramik von einer urnenfelderzeitlichen Höhensiedlung. Im 12. Jahrhundert hatten die Herren von Kapfenstein auf dem Kogel eine kleine Grenzfestung gebaut. Diese war leider 1238 vom Heer des Ungarnkönigs Béla zerstört worden.

Auf dem Kogel hatte es auch eine Hauptkreidfeuerstelle gegeben. Weit sichtbar musste das Feuer (in der Nacht) oder der Rauch (am Tag) sein. Es warnte die Bevölkerung vor Gefahren. Doch nicht nur als Kreidfeuerstelle diente der Kogel. Kapfenstein war offensichtlich auch ein Beobachtungspunkt gewesen. Daher auch der Name „Kapfenstein“. Das mittelhochdeutsche Wort „kaphen“ bedeutet so viel wie „gaffen“ oder „spähen“. Und das war in dieser gefährlichen „Ecke“, wo immer wieder feindliche Heere einfielen, sehr wichtig gewesen.

Auf der Kuppe des Kogels steht die „Herz-Jesu-Kapelle“ aus dem 18. Jahrhundert. Hübsch ist sie mit den grauen Holzschindeln. Hier hatte es früher eine heidische Kultstätte gegeben. Von der Kultstätte konnte ich nichts mehr entdecken, dafür fand ich das Grab der Gräfin Adolfine von Mariassy, die mit nur 28 Jahren gestorben war. Recht eben ging es in Richtung Schloss, ein interessanter Wegabschnitt lag noch vor uns. Treppen führten einen ehemaligen Steinbruch bergab und wir erreichten wieder die Straße. Dieser folgten wir zurück bis zum Gemeindeamt. Die Wanderung ist mit 6 km nicht unbedingt lang, aber sehr erlebnisreich und interessant.

Rund um Hartberg

Hartberg Stadt - Laternderlweg - Steinerne Stiege - Hartberger Gmoos

Eigentlich wollten wir an diesem ersten Dezemberwochenende auf den Ringkogel marschieren. Kurz davor hatte es geschneit, der Himmel war strahlend blau und wir waren total motiviert. Wir parkten das Auto in der Grazer Straße und marschierten auf das Zentrum der Stadt zu.

Wir kamen nicht weit. Der erste Halt war bereits bei der Kapuziner-Klosterkirche. Zwei überdachte Treppen führten zu ihr hinauf. Wir überlegten kurz, ob wir dieser Kirche, die 1654 außerhalb der Hartberger Stadtmauer errichtet worden war, einen Besuch abstatten sollten, entschieden uns jedoch dagegen. Nein, wir wollten in keinen Innenraum, im Freien war es so wunderbar und Sonnenstunden im Dezember gehörten genutzt.

Also besuchten wir den steinernen Löwen, der einige Schritte entfernt von der Kirche Wache hielt. Archaisch wirkte er, etwas zahnlos und sehr, sehr alt. Und das ist sie auch, diese Skulptur aus der Römerzeit, gefunden 1845 in Löffelbach.

Wir wanderten den terrassenförmig angelegten Park hinauf in Richtung Reckturm, der in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut worden war. Wären wir dazumal hier gegangen, dann hätten wir uns im Graben vor der Stadtmauer befunden. Doch jetzt konnten wir trockenen Fußes den märchenhaften Turm erreichen. Insgeheim hielt ich Ausschau nach Rapunzels Zopf.

Vom Reckturm führt ein hübsches Gässchen in die historisch interessante Innenstadt. Anfang des 12. Jahrhunderts hatte der Traungauer Markgraf Leopold hier die erste Pfalz auf steirischem Boden gegründet. Seine Wahl war nicht von ungefähr auf dieses Gebiet gefallen. Schon die Römer hatten diese Gegend besiedelt (Römervilla Löffelbach, auch war die Stadtpfarrkirche von Hartberg auf einem römischen Wohnkomplex errichtet worden).

Hier, zwischen dem Ringkogel und dem Feuchtgebiet „Hartberger Gmoos“, war eine wichtige Römerstraße, die Strata hungarica (zwischen Flavia Solva und Savaria in Ungarn), verlaufen, und von dieser zweigte in Hartberg die Straße über den Wechsel ab.

Doch zurück zur Pfalz: Diese bestand aus einer Burg, einer Kapelle, einem Meierhof und einer Mühle. Sie diente dem Landesherrn als sichere Unterkunft und wohl auch als Verwaltungszentrum, wenn er zur Ausübung seines Amtes in die Gegend gekommen war.

Wir erreichten die Herrengasse, die bei der Gründung Hartbergs der Bereich des ersten Marktes gewesen war. Wir schlenderten diese bergab und die Michaeligasse entlang. Ich liebe den Blick von der Gasse hinauf zum Karner St. Michael. Dieses „Beinhaus“ ist der wichtigste Sakralbau aus der Romanik in der Oststeiermark. Geht man die Michaeligasse entlang, so kann man noch den wehrhaften Charakter der Stadt erahnen. Wir erreichten den Schölbingerturm, bummelten am Wasserbecken vorbei und folgten der Fußgängerzone in der Wiener Straße rauf zum Hauptplatz. Als wir diesen Ausflug unternahmen, war gerade ein Christkindlmarkt auf dem Hauptplatz. Hartberg hat eine sehr lange Tradition als Marktplatz. 1310 war der Stadt das Recht gewährt worden, einen Jahrmarkt am Pfingstsamstag abzuhalten. Im Jahre 1436 hatte Herzog Friedrich III. der Stadt das Recht erteilt, auch am 17. Juli einen Markt abzuhalten (damit die Feuerschäden in der Stadt wieder behoben werden konnten).

Hartberg lag damals an der Grenze und war für die Verteidigung des Landes sehr wichtig. Damit die Einnahmen zum Ausbau und zur Instandhaltung der Wehranlagen gewährleistet werden konnten, hatte Hartberg einige Sonderrechte. So durfte die Stadt Abgaben einheben, wenn man sie mit Waren betrat. Auch war geregelt, dass im großen Abstand zur Stadt keine Gewerbeausübung erlaubt war, daher hatte es zwischen Hartberg und Graz keine weitere Stadt gegeben.

1165–66: Ungarneinfälle – verstärkte Befestigungsanlagen im Bereich Michaeligasse wurden gebaut.
1252/53: Wieder Ungarneinfälle – danach wurde die Stadt mit einer Mauer umgeben.
Im 15. Jahrhundert hatte der Söldnerführer Andreas Baumkirchner die Stadt eingenommen, danach sein Sohn Wilhelm. 1529 und 1532 zogen Türkenscharen vorbei und verwüsteten die Umgebung. 1605 waren es die Heiducken – sie konnten zum Glück die Stadt nicht erobern. 1704–1722 waren die Kuruzzenkriege und die Hartberger Umgebung wurde dreimal verheert. 1805 und 1809 besetzten dann die Franzosen die Stadt. Man hatte wirklich allen Grund gehabt, auf die Wehrhaftigkeit der Stadt zu achten.

Es ist wunderbar, dass die ehemalige Burg (das jetzige Schloss Hartberg) heutzutage friedlichen Zwecken dient – in der Adventzeit beherbergt sie ebenfalls einen herrlichen Adventmarkt. Wir verließen das Schlossareal durch einen Durchlass in der Stadtmauer, rechts den Steg hinauf, das alte Mauerwerk entlang. Links bemerkten wir dann den Wegweiser „Laternderlweg“. Steil ging es in Kehren bergauf, mit einem prächtigen Blick auf die Altstadt. Die goldige Verzierung der Stadtpfarrkirche (hl. Martin – urkundlich erstmals 1157 genannt) leuchtete in der Sonne. Gregi wischte Schnee von einem Bankerl und meinte: „Jetzt kann es trocknen und vielleicht möchte sich jemand draufsetzen und den herrlichen Blick genießen!“ „Ja, die alten Bauherren haben gewusst, wie man schön baut. Es müssen in den letzten hundert Jahren sehr viele Leute gewesen sein, die sich an diesem Ausblick erfreut haben.“

Wir erreichten einen schmalen asphaltierten Weg, stiegen eine steile Treppe hoch und querten die Straße. Vor uns ein tolles verlassenes Haus. Ein Eins-a-Fotomotiv. Dann ging es weiter bergauf, neben uns gab es angelegte Terrassen, vor uns ein tolles Aussichtsbankerl.

Immer weiter bergauf, eine Weide entlang, freundliche Alpakas begrüßten uns. Und dann kamen die nächsten Wegweiser. „Sollen wir weiter rauf zum Ringkogel oder rechts abbiegen zur Steinernen Stiege?“, erkundigte ich mich bei Gregi. „Bergauf ist Schatten, da runter ist es sonnig“, meinte er und es war entschieden. Eine gute Entscheidung, wie wir später rausfanden. Jetzt sahen wir in Richtung Klaffenau – ein richtiges Wimmelbild. Lange mussten wir suchen, bis wir das Schloss lokalisierten.

Die Steinerne Stiege ist steil und hat glücklicherweise ein Geländer zum Festhalten. Man tritt auf die Wiese hinaus und hat einen ganz neuen und interessanten Blickwinkel auf die Stadt, bei dem der goldig verzierte Kirchturm quasi aus dem Hügel wächst und dahinter die futuristisch wirkenden Gebäude des Ökoparks zu sehen sind.

An einer Baumschule vorbei, dann erreichten wir einen Park. Gregi war fast außer sich. Ein Baumläufer! Der musste beobachtet werden. Ich freute mich indessen schon, dass wir bald wieder den Hauptplatz erreichen würden. Da gab es Kaffeehäuser! Mit einen Koffeinschub schafften wir es dann noch, hinabzugehen zum Hartberger Gmoos. (Vorbei beim Hallenbad, dann gleich rechts abbiegen.) Teiche, alte Bäume und noch mehr Vögel. Herz, was willst du mehr!

 

Laßnitzklamm (Deutschlandsberger Klause) sowie Burg

 

Rundwanderweg – Start: Parkplatz bei der Klause

 

Distanz

5,5 km

Höhenmeter

150 HM

Dauer

1:75 h

Sonntag war es, ein prachtvoller 1. Oktober, und wir waren voller Vorfreude. Die Deutschlandsberger Klause (Laßnitzklause) wollten wir uns ansehen. Wir wussten, dass es eine gemütliche Wanderung werden würde, und wir wussten auch, dass dieses Europaschutzgebiet in puncto Erlebnis, Natur und Schönheit kaum zu überbieten ist.

Rein also in die schmale Fels- und Waldschlucht. Die Laßnitz sah aus wie ein Goldstrom, so wunderbar spiegelte sich das Licht in ihr. Prächtige Pilze lugten unterm Laub hervor, Farne wuchsen zwischen moosigen Wurzeln – eine herrliche Wanderung! Ein breiter bequemer Weg führte sanft bergauf, zwischendurch machten wir immer wieder Abstecher hinunter zum Wasser. War da eine Wasseramsel? Sie war natürlich schneller als wir.

Auch egal. In dieser wildromantischen Umgebung mangelte es nicht an anderen Fotomotiven. Gigantisch hohe Buchen, moosüberzogene Steine und Wurzeln, tolle Felsformationen und ein munterer Fluss mit kleinen Kaskaden. Zugegeben, richtig wanderten wir hier nicht. Gregi war fast nicht dazu zu bewegen, weiterzugehen, so sehr war er mit seiner Kamera beschäftigt.

Ich war bereits über die nächste Brücke marschiert und entdeckte ein richtiges „Logenplatzerl“ am Ufer. Sollte sich Gregi nur Zeit lassen – ich würde hier auf dem gemütlichen Bankerl sitzen und meine Jause genießen. Doch – ich weiß nicht, wie er es macht – irgendwie kriegt er es immer mit, wenn es was zum Futtern gibt. Bald schon saß er fröhlich neben mir und verspeiste ebenso seinen mitgebrachten Kornspitz.

Gestärkt ging es weiter. Auf einem großen Steinmugel hatten sich Personen verewigt: Sebastian Hofer 1814, Walter (den Nachnamen konnte ich nicht mehr ganz entziffern) August 1933 … Was sie dazu veranlasst hat, ihre Namen gerade auf diesen Stein zu meißeln? Bei ihnen weiß ich es nicht, jedoch bei Josef Kyselak (1798 bis 1831) kennt man die Beweggründe, wieso er fast überall, wo er hingekommen war, seinen Namen als eine Art Graffiti hinterlassen hatte. Und er kam wirklich weit herum. Der Hofkammerbeamte Kyselak hatte laut Legende gewettet, dass er binnen drei Jahren in der ganzen Monarchie bekannt werden würde. Und der Schriftzug mit seinem Namen, angebracht an sehr, sehr vielen Plätzen im Kaisertum Österreich, machte ihn sogar so bekannt, dass er zum Kaiser zitiert wurde. Franz I. hätte ihm bei diesem Besuch verboten, je wieder seinen Namen irgendwohin zu schreiben – was der gute Mann auch brav gelobte. Als der „geläuterte“ Untertan und Hofkammerbeamte den Kaiser wieder verlassen hatte, fand der Monarch allerdings Kyselaks Namen und Datum in seinem Schreibtisch eingraviert. Ich liebe diese Geschichte. Und ist sie nicht wahr, ist sie zumindest gut erfunden.

Wir erreichten nun die „Einsiedelei“. Ab hier führte der Weg in einigen Kehren bergan. Etwas außer Puste, dafür voller Vorfreude, erreichten wir die Burg Deutschlandsberg. Ein wunderbares Panorama: die Weinberge und unterhalb die Stadt.

Dieser Ort ist besonders. Das wussten auch die Leute dazumal, in der Jungsteinzeit. Schon im 5. Jahrtausend (andere Quellen sprechen vom 4. Jahrtausend) vor Chr. hatten hier Menschen gewohnt. Und ihnen folgten weitere Personen, die auf diesem Hügel beheimatet waren. Man fand Siedlungsspuren aus der frühen Eisenzeit, aus der Keltenzeit … und dann auch noch aus dem 7. Jh. n. Christus.

Dann wird die Geschichte konkreter. Um 970 erhielt das Erzbistum Salzburg dieses Gebiet und im 11./12. Jahrhundert wurde die erste Burg gebaut. Diese darf man sich allerdings nicht allzu pompös vorstellen – war sie noch eine Turmburg aus Holz und Erde auf einem Trockenmauerfundament.

Im 15. Jh. wurde eine gotische Burganlage errichtet, im 16. Jh. kam ein weiterer Ausbau (und somit konnte sie auch nicht von den Türken unter Sultan Soliman eingenommen werden).

Unermüdlich baute man aus und zu … und dann kam das verhängnisvolle 19. Jahrhundert mit der verheerenden josephinischen Dachsteuer. Teile des Daches wurden abgedeckt, die Burg verfiel zusehends. 1927 wurden Teile des Burggebäudes gesprengt.

Einen großen Dank muss man der Stadtgemeinde Deutschlandsberg aussprechen, die 1932 die Burg kaufte und im Laufe der Jahrzehnte wieder zu einem wunderbaren Gebäude ausbaute. In der Burg befindet sich das Museum Archeo Norico – das Museum für Vor- und Frühgeschichte. Was man da nicht alles herausgeholt hat aus dem weststeirischen Boden! Die ostkeltische Totenmaske aus Goldblech lässt wohl kaum einen Besucher kalt. Gregi begeisterte sich – und da erkennt man eindeutig den Kaufmann – für die keltischen Münzen und ich konnte mich kaum bei den Gemmen (Schmuckstücken) aus Karneol mit den zierlichen Motiven sattsehen. Nicht verpassen sollte man den neu angelegten Rundgang durch die Altburg, vorbei an den Zisternen, durch schmale Lücken, durch dicke Mauerwerke … einfach herrlich! Irgendwann waren wir dann doch bereit, uns von den alten Gemäuern zu trennen.

Vom Burgberg ging es über die Jakobistiege den Weinberg bergab. Besonders lohnend war es, sich hin und wieder umzudrehen, um die Burg „von unten“ (von der Angriffsseite) zu betrachten. Wuchtig wirkten sie, die Wehrmauern. Und das mussten sie wohl auch sein. Allzu exponiert war die Lage der Burg ja nicht – dieser Hügel war wohl kaum ein Hindernis für einen feindlichen Haufen.

Unser Tipp: Kehren Sie nicht gleich zum Parkplatz zurück, sondern besichtigen Sie auch das pittoreske Zentrum von Deutschlandsberg.

Anger – Erlebnisweg Honigbiene

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

3,8 km

76 HM

1:20 h

       

Start: Schwimmbad Anger

Diese Rundwanderung ist leicht und auch kurz und führt in eine märchenhaft anmutende Gegend mit wunderbarer Aussicht. Optimal also für einen kurzen Wintertag, besonders wenn man durch kulinarisch üppige Feiertage etwas träge geworden ist. So wie wir es waren an einem warmen, wunderbaren Stephanitag. Wir parkten also unter der Brücke beim Schwimmbad und steuerten gleich der Infotafel zu (hier gibt es auch tolle Wanderkarten von Anger).

Anger hat eine ausgezeichnete Infrastruktur für Wanderer und man hat langjährige Erfahrung mit Freizeitangeboten. Anger warb schon Ende des 19. Jahrhunderts mit der „Sommerfrische“ – damit gehörte man in der Steiermark zu den Pionieren des Tourismus.

Marktauswärts gibt es ein Biotop, wo sich Enten tummeln, etwas weiter quert man die Schmalspurbahn, dann geht es einen Hang rauf und man kommt zu einer Buschenschank. Bald sieht man die Polstermöbelfabrik ADA und dahinter den Turm der „Vierzehn-Nothelfer-Kirche“. Dieser spätgotische Bau war früher einmal eine Wallfahrtskirche. Einfache Leute waren es, die hierherzogen, um um Hilfe bei diversen Leiden zu beten. Ärzte gab es nicht viele und leisten konnte man sich eine Behandlung auch nicht. Die ganz großen Heiligen wollte man auch nicht immer belästigen, also zog man zu den „Vierzehn Nothelfern“. Die meisten davon waren Märtyrer und hatten so ihre Spezialgebiete. Die Zuordnung ihrer Fachkompetenz scheint uns heute eigenartig. Da gibt es zum Beispiel Dionysius, der mit einem abgeschlagenen Kopf dargestellt wird. Ausgerechnet er sollte gegen Kopfschmerzen helfen.

Doch zurück zur Wanderung: Unaufhörlich nähert man sich dem „Märchenwald“. Und tatsächlich! Mehrere muntere Wildbächlein durchziehen den Wald. Darin liegen riesige, moosbewachsene Steinblöcke, ein Steg, dahinter eine Mühle wie aus dem Bilderbuch. Kleine Fenster, hölzerne Regenrinnen, die Schindeln des Daches sind auch mit Moos überzogen. Ein idealer Spielplatz im Sommer.

Verlässt man den Wald, hat man einen umwerfenden Ausblick auf den Höhenrücken des Zetz. Die Ruine Waxenegg kann man gut sehen, ebenso den Ort Anger. Anger – so nennt man eine kleinere Grasfläche oder einen Grasplatz in einem Dorf. Und so eine Grasfläche gab es in der Flussschlinge, die die Feistritz hier bildete. Danach wurde der Ort benannt, der im 12. Jahrhundert besiedelt wurde. Mitte des 14. Jahrhunderts bekam Anger das Marktrecht.

Der Bienenlehrpfad wäre kein Bienenlehrpfad, wenn es nicht auch einen Bienenstock zu betrachten gäbe. Ein Bienenstock im Wildbau könnte besichtigt werden – wir verzichteten drauf. Wir wollten die Tierchen nicht unnötig stören.

Stattdessen gingen wir in Richtung Fresen weiter und mussten unzählig frischen Pferdeäpfeln ausweichen. Immerhin – es war ja Stephanitag – gab es in Anger sicherlich auch eine Pferdeweihe. Und in Fresen gibt es einen riesigen Reiterhof. Stattliche Pferde (warm eingewickelt in Pferdedecken) standen auf der Weide. Und in Fresen sahen wir weitere nette Tiere. Da waren die dicken Schafe mit ihrer warmen Winterwolle, die friedlich zwischen uralten Bäumen weideten. Eine schöne Weide, die im Sommer genügend Schatten bot. Eine gelassene, riesige rote Katze … und da war noch die Hundebesitzerin, die ihren tierischen Begleiter  „Gassi führte“.

Irgendwie mussten wir bei all dieser Beschaulichkeit einen Wegweiser übersehen haben, denn wir kamen wieder zum Märchenwald zurück. „Auch gut“, beschlossen wir und wanderten noch eine kleine Runde über etliche Stege entlang des Wildbachs und Jungwalds. So, den Märchenwald hatten wir nun genug erkundet. Zurück zum Ort!

Am Nachhauseweg schmiedeten wir Pläne. Es gäbe ja noch so einige interessante Wanderungen in Anger: den Erlebnisweg Rauchstubenhaus – über die Ruine Waxenegg und Florianiwasserfall. Die Schloss-Külml-Runde – über den Töchterlehof zum Schloss (unbedingt einen Abstecher zur St.-Ulrichs-Kapelle machen) und unter dem Viadukt retour. Den Grubbründlweg würde es noch geben, den Genussrundweg und den Schichtweg … gut, den vielleicht doch nicht. Schwierigkeitsgrad: schwer.

Der Waldromantikweg ist allerdings sehr reizvoll und gut zu wandern. So sinnierten wir … und dann gäbe es da ja auch noch die mystischen Unter- und Oberwelten von Anger. Eine geführte „Lost-Places-Tour“ vielleicht? Hört sich ja richtig verlockend an. 

 

ERLebenspfad Unterlamm / Magland

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

ERLebenspfad Unterlamm

3,08 km

77 HM

0:55 h

ERLebenspfad Magland

5,5 km

65 HM1:30 h

Feiertage sind geschenkte Freizeit. Diese kostbare Zeitgeschenke wollen wir mit schönen Erlebnissen füllen. Zu Ostern hatten wir den ERLebenspfad Oberlamm erkundet und waren sehr begeistert. Daher beschlossen wir, den Fronleichnamstag wieder nach Unterlamm zu fahren – zwei ERLebenspfade kannten wir noch nicht. Da am Nachmittag Regen prognostiziert war, fuhren wir schon in der Früh los. Als erstes wollten wir den kürzeren ERLebenspfad Unterlamm ansehen. Das Auto kann man im Zentrum von Unterlamm parken, bei der Wandertafel gibt es auch gratis Wanderkarten zum Mitnehmen.

Die Kirche Unterlamm kann mit einer Besonderheit aufwarten: die Nachbildung der Mariengrotte von Lourdes. Sie wurde im Jahre 2006 auf Initiative des damaligen Pfarrers von Unterlamm, Franz Brei, gebaut. Pfarrer Franz Brei ist ein talentierter und musikalischer Mensch. Bekannt wurde er 2009, als er beim Grand Prix der Volksmusik teilnahm und den respektablen 3. Platz erreichte.

In der Monstranz der Lourdsgrotte soll sich eine Reliquie der Heiligen Bernadette befinden. Doch Unterlamm kann noch mit weiteren Reliquien aufwarten: eine von der Diözese Bamberg und eine von der Diözese Regensburg. Beide befinden sich noch nicht allzu lange in Unterlamm. Ich muss gestehen, dass mich tote Knochen wenig begeistern, und mit dem Reliquienkult kann ich wenig anfangen. Ich schätze mehr die Natur und die Tiere, die man dort entdecken kann.

Daher zog es mich den Hügel hinauf, wo sich bei den früchtetragenden Kirschbäumen das pralle Leben entfaltete. Da fühlte ich mich schon eher wohl, genau wie die Stiglize, Stare, Amseln und Spatzen. Besonders ein Jungstar (Vogel, kein Künstler) hatte es mir angetan. Er saß auf einem Hausdach und versuchte, mit seinen starken, bereits mit wunderbaren Federn ausgestatteten Flügeln wie ein Kücken zu fächeln und nach Futter zu betteln. Etwas weiter entfernt saß ein Elternteil (gleich groß wie er selbst) und blickte ihn ungläubig an.

Der Weg führte weiter bergauf zu den Naturschutzwiesen Vorderberg und zur Aussichtswarte. Die Artenvielfalt auf diesen Wiesen war herrlich. Die Schmetterlinge waren emsig unterwegs, und Gregi war ganz außer sich. „Ein Wiesenvögelchen mit zwei Punken auf dem Unterflügel“, schwärmte er. Ich kam zuerst gar nicht richtig mit. Gut, ich hatte im Gras auch einige Vögelchen fotografiert, die auf einem Halm saßen. Doch was um alles in der Welt meinte er mit Punkten? Okay, ein Schmetterling also, der Wiesenvögelchen genannt wird. Nur das die Wiesenvögelchen eigentlich keine Punkte am Unterflügel hätten – seiner aber schon – erfuhr ich von Gregi.

Von der Aussichtswarte hat man einen tollen Blick auf die Riegersburg, unter der Aussichtswarte stehen bequeme Liegen … ein idealer Platz für ein Picknick. Die nächste Wegstrecke verlief wie durch einen finsteren Tunnel – ein kleiner, schattiger Wald. Danach kamen wieder Hecken und Wiesen mit ganz vielen Schmetterlingen und Vögeln. Schwalben schwirrten wie Pfeile durch die Luft, in einer Geschwindigkeit, dass man sie unmöglich ablichten konnte. Sie sind meines Erachtens die größten Flugkünstler.

Bei unserer letzten Wanderung in dieser Gegend stellte ich fest, dass Unterlamm das Osterhasenland sei. Bei dieser Wanderung wurde meine Annahme bestätigt. Als ich ins Tal hinuntersah, erblickte ich auf einem Feld vier riesige Feldhasen, die miteinander abfangen spielten. Hasen sind schon urige Tiere. Gehen sie nur ein kleines Stückchen, machen sie fast einen Katzenbuckel und strecken die Beinchen hoch auf … bei größerer Geschwindigkeit schnellen die starken Beine nach hinten, während der Körper recht tief am Boden ist (wie ein tiefgelegter Ferrari).

Den Hügel ging es auf einem schmalen Asphaltstreifen hinab, dann kamen wieder herrliche Wiesen. Ein Perlfalter war gutmütig und ließ sich fotografieren. Ein Neuntöterweibchen mit einer Spinne im Schnabel hielt ebenso still. Plötzlich begannen die Glocken zu läuten – es war ein derartiger Lärm, den selbst ein Flughafen kaum übertreffen konnte. Das war der Zeitpunkt, in dem mir die Bewohner von Unterlamm etwas leidtaten.

Als wir wieder ins Dorf kamen, war es bereits Mittag, und wir waren schon etwas hungrig. Zum Glück fanden wir einen ganz tollen, schattigen Gastgarten. Beim Mittagessen konnten wir die Trachtenkapelle, den Pfarrer, die Feuerwehr, den Kameradschaftsbund sowie die Pfarrbevölkerung beobachten, die am Fronleichnamsumzug teilnahmen.

Frisch gestärkt traten wir nun den ERLebnispfad Magland an. Zuerst mussten wir der Straße ein kurzes Stück aus dem Ort hinaus folgen, und dann kam das erste Highlight: ein Fünfsterne-Insektenhotel. Danach kamen wir zur Naturteichanlage. Auf einem Schild las ich mit Verwunderung, dass Erdkröten bis zu zwölf Jahre werden könnten. Gregi fotografierte indessen einen hübschen Wasserfrosch. Eine kecke Mücke hatte es sich hinter den Nasenlöchern des Frosches bequem gemacht. Zwischen den Seerosen entdeckten wir eine Sumpfschildkröte. Rund um die Teiche war ein keltischer Baumkalender angelegt, riesige Spiegelkarpfen drängten sich im Uferbereich in der Hoffnung, gutes Fischfutter zu bekommen.

Die einzige Stelle des Wanderweges, an der die Beschilderung nicht eindeutig war, war am oberen Ende der Teichanlagen. Bitte links die Straße bergauf gehen. Im Wald wurden wir von einem Eichelhäher beobachtet. Mit seinen hellblauen, klugen Augen beäugte er uns kritisch, kam schließlich zum Schluss, dass wir harmlose Zeitgenossen seien, und ließ sich letztendlich sogar fotografieren. Im weiteren Verlauf der Wanderung sahen wir auch einen Gartenrotschwanz und einen „Schwammerlsucher“, dessen Ausbeute nicht allzu üppig war.

Im Ortsteil Magland gab es dann richtig viele Vögelchen. Neben den Schwalben und Spatzen sahen wir einen Truthahn, der unter dem Eskimo-Sonnenschirm einen Balztanz aufführte. Besonders hübsche, wuschelige große Hühner scharrten unter Obstbäumen, sogar eine Gänseweide gab es in Magland.

Beim Zurückgehen marschierten wir wieder durch wunderbare Wiesen. Jetzt muss ich mal ein großes Lob aussprechen: der Wanderweg ist sehr gepflegt, und durch die Wiesen sind schmale Streifen für Wanderer ausgemäht. Eine Tafel wies uns darauf hin, dass der Naturschutzbund in dieser Gegend bei einer Biokartierung eine Orchideenwiese gefunden hatte, wo 24 geschützte Blumenarten wuchsen. Den Standort dieser Wiese würde man (was ich nachvollziehen kann) nicht verraten. Das letzte Wegstück zurück zum Ort führte uns entlang des Baches.

Wir können diese Wanderungen mit besten Gewissen weiterempfehlen. Selten haben wir so eine große Artenvielfalt gesehen. Die herrlichen, belebten Wiesen, die vielen Kirschbäume, die Naturteichanlage … wir hoffen, dass dieses wunderbare Stückchen Natur noch lange erhalten bleibt.

Gleinstättner Runde – Variante 18a

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

12 km

129 HM

3:09 h

       

Start: Schloss Gleinstätten

Mitte April war es sehr heiß (Deutschlandsberg hatte an diesem Tag den Hitzerekord von Österreich mit 31,6 Grad) und wir hatten beschlossen, Gleinstätten einen Besuch abzustatten.

Von Gleinstätten aus gibt es mehrere tolle Wanderrouten. Eine führt zu den Fürstengräbern (diesen archäologischen Wanderweg wollen wir ein andermal gehen). An diesem Aprilsonntag nahmen wir uns die Gleinstättner Runde, Variante 18a, vor. Laut Bergfex und gelben Wegweisern führt die Route vom Schloss zum Literwirt, weiter zum Georgenberg, dann nach Prarath zum Landgasthaus Rath, zurück nach Gleinstätten (so ähnlich waren wir diese Runde auch schon mal im Oktober 2022 gegangen). Diesmal waren wir leider etwas kreativer unterwegs – im Nachhinein kann ich beurteilen, dass wir doch den Wegweisern folgen hätten sollen.

Wer nach Gleinstätten kommt, sollte unbedingt den Park mit seinem wunderbaren alten Baumbestand und den LandArt-Konstellationen besichtigen. Der Spiegel, der wie ein riesengroßer Gullydeckel halb geöffnet ist, hatte es mir angetan … und noch mehr die schrägen Tonvögel, die in einem Riesenbaum „abhingen“.

Das größte Kunstwerk in Gleinstätten befindet sich hinter dem Renaissanceschloss. Ein Wegerl mit rotem Schotter führt am Schloss vorbei zu diesem Traum von einem Aupark. Das Betätigungsfeld von wahrlich kompetenten GärtnerInnen. Die Böschung zwischen dem Schloss und dem ehemaligen Wehrbach (ein kurzer Seitenarm der Sulm) ist sehr steil und richtig kreativ bepflanzt. Stundenlang könnte man hier verweilen und schauen. Der Aupark ist wirklich pittoresk. Das fand auch eine junge Familie, die, hübsch in Trachten gekleidet, mit einem friedlichen Täufling in diesem versteckten Aupark ein Fotoshooting hatte.

Gleinstätten hieß früher einmal Micheldorf. Die Besitzer von Micheldorf waren die Freiherren von Gleinz. Sie durften „ihr Dorf“ ab 1523 Gleinzstätten nennen. So feudal geht es jetzt in dem hübschen Schloss mit seinen vier Zwiebeltürmen nicht mehr zu. Das Gemeindeamt sowie der Kindergarten sind darin untergebracht – hie und da kann man in diesem herrlichen Ambiente auch Konzerte hören.

Doch nun zu unserer Wanderung. Wir hatten ein neues Wanderbuch und darin fanden wir eine Flusswanderung an der Sulm, dieser Empfehlung wollten wir folgen. Wir ignorierten die gelben Wanderschilder und kamen am Naturbadesee mit seinem einladenden Seepavillon vorbei, auch an der Berufsschule, weiter ging es durch die Orte Haslach und Prarath. Am Ortsende von Prarath querten wir einen Bach und kamen schließlich über Gertis Mostschenke an die Sulm. Es war ein sehr heißer Tag, bis jetzt waren wir auf Asphalt unterwegs gewesen – durch Ortsgebiete und an Feldern vorbei. Vielleicht nicht die beste Entscheidung. 2022 folgten wir den Wegweisern und die Wegführung war entschieden toller.

Die Sulm (an dieser Stelle sind die weiße und die schwarze Sulm bereits vereint) entschädigte uns für die Anstrengungen. War der Fluss für sich schon schön, waren wir noch mehr vom Leben am Fluss begeistert. Eine Gebirgsstelze mit fröhlich funkelnden Augen und rundlichem gelbem Bäuchlein war unterwegs. Klar, dass sie so zufrieden aussah, hatte sie doch ein fettes Insekt im Schnabel. Schmetterlinge flatterten und waren leider viel zu schnell und unruhig, als dass man sie fotografieren hätte können. Wir marschierten flussabwärts auf einem Feldweg zum Teil der Sulm entlang, bis wir den Ort Haslach erreichten.

Im Ort Haslach bogen wir rechts ab, die Asphaltstraße den Berg hinauf. Hier gab es einen Wald, was bei dieser Temperatur schon angenehm war. Bei der Kreuzung folgten wir dann dem Hinweisschild „Buschenschank Pölzl Bernhardtkeller“, was sich als sehr gute Wahl herausstellte. Ein sehr gepflegter Gastbetrieb mit einer guten Jause und absolut rekordverdächtiger Aussichtsterrasse. Den großen Speikkogel mit der Goldhaube gab es da zu sehen, die Josefikirche von Schwanberg sowie die Burg Deutschlandsberg. Unter dem Buschenschank war eine Weide mit schwarzen Schafen, hinter dem Buschenschank gab es Kellerstöckel und blühende Apfelbäume. Wunderbar. Gregi war mehr als zufrieden: Erstens hatte er vorhin einen Schwalbenschwanz fotografiert und eine gute Mehlspeise hatte er auch noch bekommen.

Ein kurzes Stückerl (die Auffahrt vom Buschenschank) mussten wir zurückgehen, dann ging es einen steilen Schotterweg bergauf. Gregi fotografierte noch die Erdbeerblüten, während ich schon die Anhöhe erreicht hatte und voller Begeisterung in der Ferne die Kirche von Kitzeck entdeckte.

Unser nächstes Wanderziel war auch eine Kirche. Eine ganz besondere noch dazu. Die Wallfahrtskirche St. Georgen am Lukowitsch ist uralt – romanisch/gotisch – und man muss den Weg zwischen den blühenden Apfelbäumen schon suchen, um von der Straße zu ihr zu gelangen. Bei dieser Wanderung hatte ich die Kirche das zweite Mal gesehen, und wieder war ich begeistert. Steinerne Stufen führen zum Eingang, der Raum zwischen den zwei breiten Säulen und Kirchentür wirkte einladend. Eine einzigartige Kirche (um 1050 gebaut und somit eine der ältesten der Gegend) an einem mit Bedacht gewählten Ort.

Am Georgisonntag sollte es hier eine Pferdesegnung geben. Der heilige Georg gehört zu den vierzehn Nothelfern. Er wird gerne als Ritter mit Lanze auf einem Pferd dargestellt – ein Drache vervollständigt das Bild. Der Legende nach hatte er eine Jungfrau vor einem Drachen gerettet. Der heilige Georg ist schon tot und kann sich nicht mehr über dieses Lügenmärchen beschweren. Er konnte es sich auch nicht aussuchen, wem er als Schutzpatron dienen sollte. Im Mittelalter war seine Verehrung so groß, dass er zum Schutzpatron der Ritter wurde. Später machte er richtig Karriere als Schutzpatron von ganz England.

Gregi musste was Außergewöhnliches entdeckt haben … er lag in der Wiese mit einsatzbereitem Fotoapparat. Welches Insekt er denn fotografieren wolle, erkundigte ich mich. „Kein Insekt – die Kirche“, kam zur Antwort. Die Kirche ist groß und er hätte sie auch ganz kommod im Stehen fotografieren können. Wieso musste er also schon wieder eine Hose mit Grasflecken verunstalten?

Über ein steiles Treppchen kamen wir wieder auf die Gemeindestraße. Dieser folgten wir ganz kurz, dann war die Abzweigung zum „Kremser Keller“. Bierbänke standen unter Obstbäumen, wir gingen an diesem gut besuchten Buschenschank vorbei und zweigten noch im Parkplatzbereich in den Wald ab. Das Wegerl führte bergab, schließlich erreichten wir wieder die Gemeindestraße. Bei der Kreuzung (hölzernes Marterl) folgten wir nicht dem Wanderwegweiser 18, sondern wir bogen rechts in den Wald ab. Der Weg, der uns wieder ins Tal führte, zeigte den Wald von seiner schönsten Seite.

Wieder kamen wir nach Haslach. In mittelalterlichen italienischen Städten drängen sich „Geschlechtertürme“ auf engsten Raum und sorgen noch Jahrhunderte später dafür, dass sich Touristen an ihrem Anblick freuen. Die Silotürme in Haslach sind leider weniger hübsch. Die Kreuzung passierten wir schon mal, nur dass wir diesmal links abbogen, an einem Mostschank vorbei in Richtung Sulm. Die Brücke mussten wir queren, direkt neben dem Fluss gibt es einen bequemen Feldweg. An der Wehr badeten Jugendliche, Mutige sprangen in das aufgestaute Wasser. Kurz ging es noch die Sulm entlang, dann entlang eines Feldrains, schließlich zu einem Seitenarm der Sulm, über eine Brücke und wieder in den Ort Gleinstätten.

Wir waren weit gegangen an diesem heißen Tag, also hatten wir uns noch eine Belohnung verdient. Die Konditorei Kundlatsch mit ihrem wunderbaren Eisangebot kam uns da gerade recht.

„Brodlsulzweg“ – Sankt Anna/Aigen

Distanz

7,8 km

Höhenmeter

180 HM

Dauer

3 h

 

Start:

Sankt Anna 

 

Ortsteil Plesch

Sankt Anna ist ein magisch schöner Ort. Etliche lohnenswerte Wanderungen kann man von Sankt Anna aus starten. An einem prächtigen Maisonntag machten wir uns wieder auf den Weg in den Süden, um die hübsche Weinbaugemeinde zu besuchen.

Den Weinweg der Sinne kannten wir schon. Er ist wunderschön und hatte berechtigterweise bei der Sendung „9 Plätze – 9 Schätze“ im Jahr 2016 einen Stockerlplatz erhalten. Doch wir wollten etwas Neues entdecken. Die Brodlsulz – entschied ich. Diese hatten wir zwar auch schon mal vor über einem Jahrzehnt gesehen (als Geocache-Punkt) – doch der Brodlsulzweg war für uns Neuland. Also fuhren wir in Richtung Sankt Anna – um genau zu sein, zum Ort Plesch. Wir sahen eine große Wiese, die gemäht war, dort standen viele Parkplatzzeichen. „So ein riesiger Wandererparkplatz“, freute ich mich. „Bisschen euphorisch sind die schon, bis jetzt sind wir die einzigen Wanderer“, meinte ich, als unser Auto so allein auf der Wiese stand.

Wir gingen den Weg bergab, dann folgten wir dem Wegweiser „Buschenschank Scharl“. Wir erreichten eine Holunderplantage und einen wunderbaren Aussichtspunkt auf Sankt Anna und auf die Kapelle von Schemming. Ein Falke schwebte hoch über unseren Köpfen, wir folgten dem Weg weiter und erreichten einen recht naturbelassenen Weingarten. Gras wuchs hoch zwischen den Reben, Schmetterlinge waren unterwegs, nur dass sich diese luftigen Gesellen nicht fotografieren lassen wollten. Sie spielten: Alles flattert – niemand sitzt. Wir gaben den Versuch auf, einigermaßen brauchbare Fotos zu bekommen, und stiegen den Hang bergauf, ein hübsches Bankerl (wieder mit herrlicher Aussicht), dann führte uns der Weg direkt entlang der Weinreben zu einer weiteren Holunderplantage.

Der Hollerbusch ist durch und durch positiv. Er steht für Schutz und Segen – vielleicht wurde er auch als heilig angesehen („holy“ heißt ja heilig). Ein Hollerbusch beschützt das Tor zur Anderswelt, er wird von guten Geistern bewohnt. Jeder Hof sollte seinen eigenen Hollerbusch haben – eine Forderung, die Sinn macht, wenn man um die Heilkraft des Holunders weiß. Entzündungshemmend, schmerzlindernd und fiebersenkend ist seine Wirkung, er hat einen positiven Einfluss auf Herz und Kreislauf, verbessert den Sauerstofftransport im Blut und hilft dabei, Stress abzubauen. Sogar im Harry-Potter-Universum wird der Holunder besonders geehrt. Der „Elder-Zauberstab“ (Elder = Holunder) ist der mächtigste Zauberstab – und er gehörte natürlich Albus Dumbledore.

Doch zurück vom Reich der Fantasie zu unserer reellen Naturwanderung, die nicht minder erlebnisreich war. Im Wald wurde Gregi ganz hellhörig. „Hörst du die jungen Spechte betteln?“, erkundigte er sich und beäugte die Bäume in der Umgebung. Tatsächlich, ein dürrer Baumstamm mit mehreren Spechtlöchern, und jetzt hörte ich ihn auch, den Spechtkinderchor. Da ich annahm, dass die Spechtmutter sicherlich nicht zur Bruthöhle fliegen würde, solange wir hier beobachtend stünden, zog ich den maulenden Gregi weiter.

Im Mai durch einen Laubwald zu gehen ist ein reines Vergnügen für Nase, Auge und Ohren. Die Blüten der wild wuchernden Holunderbüsche riechen nach wie vor am besten, die Vögel sind quietschfidel, alles ist in diesem herrlich hellen Grün. Wir erreichten den Waldrand und ich schlug vor, uns auf ein Bankerl zu setzen und zu jausnen. Gregi war natürlich sofort einverstanden, was nicht nur daran lag, dass er immer damit einverstanden ist, wenn es was zu Essen gibt – nein, diesmal hatte er noch einen zweiten Grund (den er mir vorerst wohlweislich verheimlichte). Was ich – im Gegensatz zu ihm – nicht mitbekommen hatte, war, dass hoch über unseren Köpfen Familie Kleiber nistete. Hätte ich das gewusst, wäre ich bestimmt nicht so dreist gewesen, mich direkt darunter auf ein Bankerl zu setzen. Erst als Gregi sein Jausenbrot freiwillig weglegte und nach dem großen Teleobjektiv griff, checkte ich, was sich hier abspielte.

Zur Brodlsulz führt eine Treppe hinab, im Bach blubbert es ein bisschen, daneben, in einem gemauerten Becken, brodelt es so richtig. Die einzige echte Mofette in Österreich. Die Brodlsulz erzählt von der vergangenen vulkanischen Aktivität in dieser Gegend. Gas steigt durch Gesteinsklüfte und Risse an die Oberfläche und bringt das Wasser zum Wallen. In diesen natürlichen Whirlpool zu steigen wäre allerdings sehr leichtsinnig. Der CO2-Gasgehalt ist hier sehr hoch – und forderte/fordert immer wieder Todesopfer. Als wir vor dem sprudelnden Becken standen, entdeckten wir einen toten Laubfrosch. 1904 war hier ein Gendarm ums Leben gekommen. Irgendwie war ich froh, als ich die Treppen bergauf stieg und den Wald mit diesem unheimlichen Ort verlassen konnte.

Kurz ging es eine Asphaltstraße bergan (Achtung, die Wegweiser, die beim Waldrand stehen und nach rechts hinunterzeigen, betreffen eine andere Wanderung). Wir mussten eine kleine Strecke durch den Wald, dann links abbiegen, dann nochmals links – und wir hatten den höchsten Punkt unserer Wanderung erreicht. Ein Hochwasserbehälter mit einem traumhaften Ausblick auf den Königsberg. Weit dahinter (ich nehme an, in Slowenien) eine blaue Silhouette eines Tafelberges. Es ging bergab durch Klapping … an Häusern, Labestationen, Weinhöfen und Buschenschenken vorbei. „Die Landschaft trägt hier Streifen“, meinte ich, als ich die Reihen von Wein, Holunder und sogar von Johannisbeeren auf dem Gegenhang entdeckte. Klapping ist weitaus älter als Sankt Anna. Es wurde bereits 1318 als Chlaeppen erwähnt. Auch Risola wurde 1322 als „Rizzilach“ erwähnt. Sankt Anna selbst ist seit circa 400 Jahren besiedelt.

In der Nähe von Klapping-Mühle sollte es eine starke Quelle gegeben haben, mit warmem heilkräftigem Wasser, welches auch im Winter nicht einfror. Die „Warme Wäsche“ wurde sie genannt. Eine Sage handelt auch von einer Stadt, die einst im Pleschbachtal gestanden haben und im Boden versunken sein sollte. Im Pleschbachtal gibt es nicht viele ebene Stellen – ich sehe eigentlich nur eine relativ kleine. Ob dies die Stelle der versunkenen Stadt sein sollte? Heute ist sie jedenfalls ein Fußballfeld.

Bei der Labestation Anne Grießbacher machten wir eine Pause und plauderten recht angeregt mit der Seniorbäuerin. „Heute wird im Plesch ein Kellerstöckl eröffnet – es gibt dort ein großes Fest“, erklärte sie, als gerade sehr viele Vespas an uns vorbeibrausten.

„Ich glaube, wir parken doch auf keinem Wandererparkplatz“, erklärte ich Gregi, als wir weiter den Hügel nach oben gingen. „Ein Fest zur Eröffnung eines Kellerstöckls – na, mir ist die Wiese ohnehin zu groß für einen Wandererparkplatz vorgekommen.“ Wir kamen wieder zum Waldrand, wo wir den Parasol entdeckt hatten, und kehrten nun den bereits bekannten Weg zurück. Wir hatten einen tollen Blick auf das Geschehen auf dem gegenüberliegenden Hügel – ein Kellerstöckl, viele Sonnenschirme, noch mehr Gäste, und fast alle Fahrzeuge parkten entlang der Zufahrtsstraße.

„Vielleicht ist das hier doch der Wandererparkplatz“, bemerkte ich, als ich sah, dass außer unserem Auto nur noch zwei weitere auf der großen Wiese standen. „Egal“, meinte Gregi und startete unseren fahrbaren Untersatz. „Jetzt haben wir uns das Eis verdient! Ab nach Sankt Anna, zur Eisdiele.“

„Clusius-Wanderweg“ – Güssing

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

14,8 km

59 HM

4 h

Start:

Güssing Schulstraße  

Die Bezirkshauptstadt Güssing ist schon eine ganz besondere Stadt. Ein Vulkankegel mit einer hochinteressanten Burg (diese werden wir ein andermal besuchen), riesige Teiche (RAMSAR-Schutzgebiet mit vielen Wasservögeln), Feuchtwiesen (die eine enorme Artenvielfalt bieten), ein Auswanderermuseum (insgesamt sind circa 62.000 BurgenländerInnen nach Amerika ausgewandert), das Schloss Daskovich, Burgfestspiele und ein hübsches Ortszentrum.

Eigentlich würde man die Wanderung in der Schulstraße beginnen. Gregi wollte aber unbedingt zuerst noch Wasservögel beim Teich beobachten, also wurde die ohnehin schon recht lange Wanderung noch ein klein bisschen verlängert. Wir standen auf dem Teichdamm, der von den Schwänen offensichtlich als Schlafplatz genutzt wird, und ich wunderte mich, wie riesig die Hinterlassenschaften dieser edlen Vögel sind. Vorsichtig tapsten wir zwischen den „Tretminen“ vorwärts, dann beschlossen wir, mit der richtigen Wanderung zu starten. Von der Badstraße ging es zur Hauptstraße, wo sich die Basilika und Klosterkirche Güssing befindet. Davor steht die Statue des 2003 seliggesprochenen Augenarztes Ladislaus Batthyány-Strattmann. Dieser hatte weder in Güssing gelebt noch hier als Armenarzt gewirkt, er war Nordburgenländer (Schloss Kittsee) gewesen. Aber seine sterblichen Überreste befinden sich in Güssing. Die Familiengruft der Batthyánys ist die zweitgrößte Familiengrablege in Österreich – die größte ist die Kapuzinergruft.

Also, ab zur Schulgasse – dem offiziellen Start der Wanderung. An den geparkten Bussen sowie an den Schulgebäuden vorbei marschierten wir zur Bundesstraße. Dort bogen wir links ab und dann gingen wir und gingen und gingen … Asphalt, Einkaufszentren … reizvoll ist was anderes. Meine Laune sank rasant. Wir hatschten an der Montecuccolikaserne vorbei. Raimondo Montecuccoli war einer der bedeutendsten Feldherren in Österreich gewesen. Die Schlacht bei Mogersdorf war durch ihn gewonnen worden – obwohl das Türkenheer doppelt so stark gewesen war.

Irgendwo nach der Kaserne müsste man laut Wegbeschreibung rechts abbiegen – Tankstellen, weitere Geschäfte. Ich wurde nervös und schielte auf die rechte Straßenseite, die keinen Gehsteig mehr hat. „Sollten wir nicht da drüben rein … schau, da sind schon Büsche“, schlug ich Gregi vor. „Du willst wirklich auf den Truppenübungsplatz?“, erkundigte sich Gregi erstaunt. Besser doch nicht. Gelbe Schilder, die vor Lebensgefahr warnten, hielten mich wirkungsvoll davon ab. Was sagte die Tracking-App? Wir müssten noch weiter. Endlich ein Wegweiser nach Ludwigshof. Wir gingen an einem Chinarestaurant vorbei, längs neben den Truppenübungsplatz entlang und schließlich kamen wir nach Ludwigshof und standen vor einer Kreuzung. Wohin jetzt? Im Nachhinein kann ich es sagen – in Richtung Wegweiser „Kinderärztin“. Links neben uns gab es eine Pferdekoppel, der Weg führte uns bergauf und wir erhaschten einen tollen Blick auf die Burg Güssing sowie auf einen Falken, der die Stromleitung als Sitz- und Aussichtsplatz nutzte.

Durch den ganzen Ort schlängelt sich die Asphaltstraße, dann mussten wir eine Landstraße überqueren und wir kamen an einen Waldrand. Wieder die Schilder „Vorsicht Lebensgefahr – Truppenübungsplatz“. Schöne Eichen säumten den Weg, es ging bergab und wir querten eine Brücke. Durch den Wald führte der Weg bequem bergauf, wir kamen an eine Kreuzung (rechts steht ein aufgelassenes Forsthaus). Wie weiter? Burgenland hat wirklich noch nicht allzu viel Erfahrung mit Wanderern und Wegbeschilderungen … oder wir sind einfach nur zu blöd. Wir entschlossen uns, gerade weiter zu gehen – eigentlich waren es die Schmetterlinge, denen wir folgten und die uns die Entscheidung damit abnahmen. Bei der nächsten Wegkreuzung sah ich dann wieder auf die Tracking-App und bemerkte, dass wir total falsch waren. Also zurück zum Forsthaus, wo wir ursprünglich rechts abbiegen hätten sollen. Jetzt begann die Wanderung herrlich zu werden – im Straßengraben gab es Wasser, und sobald wir daherkamen, hörten wir vor uns: platsch, platsch, platsch. Hier gab es noch viele Fröschlein, die eifrig ins Wasser sprangen, um sich vor uns in Sicherheit zu bringen. Schmetterlinge tanzten vor uns. „Zitronenfalter, Aurorafalter, gelbgeaderter Kohlweißling“, benannte Gregor sie nach der Reihe und war nur mehr schwer zum Weitergehen zu bewegen. Eine Libelle konnte er beim Schlüpfen beobachten – einer Vierfleck-Libelle. Ein kleiner Teich lag vor uns, Schilf, Wasserpflanzen und wieder: platsch, platsch, platsch … eine Fröschegroßfamilie.

Hier beginnt der Clusius-Erlebnispfad, der um die Urbersdorfer Stauseen sowie zu einem Wildtierpark führt. Die Urbersdorfer Seen sind sehr beliebt … auf der linken Seite, bei der wir dem Wanderweg folgten, waren die Fischer mit ihren Zelten, auf der rechten Seite (die weitaus idyllischer ist) fischte auch jemand – ein Graureiher. Er stand auf einem Baumstumpf und versuchte, dabei so harmlos wie möglich auszusehen. Ich schätzte, dass er wohl auch ebenso erfolgreich wie seine technisch bestens ausgerüsteten menschlichen Kollegen war.

Bei dieser Wanderung kamen wir leider nicht auf die andere Seeseite. Dort kann man die alten mächtigen „Urbersdorfer Eichen“ bewundern. Diese hatten wir bei einer Winterwanderung gesehen und wir waren von ihnen begeistert. Mein Tipp wäre (besonders wenn man nicht beinahe 15 km wandern möchte), direkt zu den Urbersdorfer Stauseen zu fahren, den Clusius-Lehrpfad zu erkunden und dann über den Urbersdorfer Kirchplatz zur Bundesstraße, diese zu überqueren und weiter über einen Feldweg zum Fluss Strem zu wandern (da gibt es ganz besonders tolle Wiesen mit einer riesigen Artenvielfalt).

Den Lehrpfad schafften wir nicht mehr, doch unsere Wanderung führte uns wie soeben beschrieben zu den großen Feuchtwiesen. Die Lichtnelken zauberten rosa Flächen ins Grün, Schwertlilien hübschten alles noch zusätzlich auf. Clusius hätte mit dieser Wiese eine Freude gehabt. Wer ist überhaupt dieser Clusius, nach dem diese Wanderung benannt wurde? Charles de L’Ecluse hatte von 1526 bis 1609 gelebt und aus Flandern gestammt. Carolus Clusius wurde er in Österreich genannt und er war Hofbotaniker am Hof Maximilians II. Als Maximilian starb und sein Sohn die Herrschaft übernahm, verlor Clusius seinen Job, weil er Protestant war. Was für ein Glück für Balthasar III. Batthyány, der sich für Botanik interessierte. Er holte Clusius nach Güssing und dieser erforschte die pannonischen Pflanzen. Sein Werk „Stirpium Nomenclator Pannonicus“ wurde 1583 in Güssing gedruckt (der Buchdruckmeister war Johannes Manlius. Er war ebenfalls ein Protestant). Dieses Buch war ein Standardwerk über Jahrhunderte.

Balthasar III. Batthyány interessierte sich nicht nur für Pflanzen, er sammelte auch seltene Exemplare. Und er hatte eine ganz besondere Quelle gefunden, um an ganz erlesene Blümchen zu kommen. Batthyány nützte die vornehmen türkischen Kriegsgefangenen als Zahlungsmittel – Kriegsgefangene gegen seltene Pflanzen aus den Gärten des Sultans von Konstantinopel. So waren zum Beispiel wertvolle Tulpen ins Burgenland gekommen (diese waren im 16. Jahrhundert teilweise wertvoller als Gold gewesen).

Als wir den Fluss Strem erreichten, gab es für uns wieder ein Highlight. Ein richtig stattlich-hübscher Storch war gnädig und gestattete uns ein Fotoshooting. Danach ging es am Ufer entlang zurück nach Güssing. Der Tag war heiß, wir hatten schon eine sehr weite Strecke hinter uns (vor allem weil wir zusätzliche Kilometer gemacht hatten, die so bei der Wanderung nicht vorgesehen waren). Die letzte Wegstrecke war ein reines Martyrium. Schade eigentlich, denn wir waren schon mal auf diesem Weg neben der Strem unterwegs gewesen und dazumal hatte es uns hier sehr gut gefallen. Damals hatten wir hier mehrere Braunkehlchen gesehen.

Wie froh war ich, als ich im Café Mokka ein großes eiskaltes Mineralwasser sowie einen guten Hauskaffee bekam. „Erste Hilfe für müde Wanderer“ nenne ich diese Kombination, welche mich auch nach der anstrengendsten Tour wieder fit macht.