„ERLebenspfad Oberlamm“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

9,5 km

164 HM

2:35 h

Start:

Unterlamm Dorf

   

„Unterlamm ist die Heimat des Osterhasen“, behaupte ich. Wie ich auf diese Idee komme? Wir haben es gesehen und erlebt. Am Ostermontag (der Himmel war stark eingetrübt durch den Saharastaub) machten wir eine Wanderung im besagten Ort. Wir parkten vor dem Haus der Jugend und marschierten in Richtung Oberlamm. Kaum hatten wir den Ort verlassen, entdeckten wir ganz muntere gelbe Gesellen. Fröhlich hüpften sie in der Wiese herum, die Augen leuchteten förmlich – unsere auch. Goldammer sind selten – und hier gab es gleich mehrere! Es hätte einen Beobachtungsstand gegeben, doch direkt vom Weg aus konnten wir sie besser fotografieren.

Das nächste Highlight der Wanderung wartete in Oberlamm auf uns. Eine 300 Jahre alte Schwarzpappel. Sie sollte die mächtigste Schwarzpappel in Österreich sein. Normalerweise werden diese Pappeln nur 100 Jahre alt, doch offensichtlich steht dieser Baum an einem ganz besonderen Ort und die Oberlammer lassen sich nicht lumpen und haben einen Baumchirurgen engagiert, um diesem einzigartigen „Methusalem“ noch ein langes Leben zu ermöglichen. Zudem haben sie viele Stecklinge/Klone von diesem Baum gesetzt. Für die nächste Generation von hoffentlich auch so gesunden Schwarzpappeln wurde also gesorgt.

Vorbei ging es an echten Schlüsselblumen, echte Freilandhühner scharrten neben der Gemeindestraße im Straßengraben, dann kam der Anstieg zur Josefskapelle. Hier kamen wir einfach nicht weiter, was weniger am steilen Weg als vielmehr an den märchenhaften Fotomotiven lag. Blühende alte Obstbäume – eine Streuobstwiese, die ihresgleichen sucht. Alte Apfelsorten sollten hier wachsen sowie Kirschen und Walnüsse. Dazwischen ein idyllisches Kellerstöckel. Wir entdeckten Wildbienen – auch die Grillen schienen sich hier richtig wohlzufühlen. Die Josefskapelle war erst 2010 gebaut worden und passt wunderbar in die Landschaft. Freundlich wirkt sie mit ihren zwei Türmen. Wir saßen eine Weile neben der Kapelle und sahen hinunter ins Tal. Der Himmel hatte eine gelbliche Färbung vom Saharastaub und der Wind wurde immer stärker.

Am Ostermontag brachen wir die Wanderung ab, als der Wanderweg schließlich in den Wald abbog. Die Windböen waren inzwischen so stark, dass wir nicht riskieren wollten, durch den Wald zu gehen. „Zurück gehen wir auf der Gemeindestraße, sicher ist sicher“, entschlossen wir. Und das war auch gut so. Auf diese Weise sahen wir noch einen Mittelspecht sowie einen Aurorafalter. Von der Gemeindestraße aus. Die Natur in Unterlamm scheint echt noch intakt zu sein.

Auf der Suche nach einem geöffneten Lokal kamen wir am Gemeindeamt vorbei – und jetzt sah ich ihn, den Osterhasen. Er stieg gerade aus dem Auto aus, den großen Plüschkopf im Arm. Das war unser erstes Hasenerlebnis. Im Gasthaus rätselten die Kellnerinnen sowie die heimischen Gäste, wer in diesem Jahr den Osterhasen für die Kinder gab. „Betreutes Trinken“, versprach das Schild beim Eingang des Gastronomiebetriebs. Hier trafen sich die Nachbarn und tauschten sich aus.

Eine Woche später wollten wir nun den Rest der Wanderroute erkunden. Wir parkten gleich bei der Josefskapelle, gingen kurz die Asphaltstraße entlang und bogen dann in den hübschen Buchenwald ein. Und wir wussten gleich gar nicht, wohin wir sehen sollten. Auf dem Baum gab es einen Baumläufer, auch ein Buntspecht hämmerte fröhlich. Am Boden wuchsen Waldmeister, Lungenkraut und Milzkraut … und dann flatterten noch überall Schmetterlinge!!! Was für eine Freude! Auf einige Bäume waren rote Pfeile gesprüht, die wir nicht näher beachteten. Und so kam es, dass wir unseren Wanderweg verloren. Als wir auf der schmalen Gemeindestraße landeten, besahen wir die Wanderkarte. „Wir sind falsch“, bemerkte ich. „Nein, da vorne, da müssen wir runter“, behauptete Gregi. Also gingen wir „dort hinunter“, marschierten durch einen herrlichen Wald. „Wo weiter?“, erkundigte ich mich und überlegte, welchen der drei Wege ohne Markierung wir nun nehmen sollten. Weiter runter, sagte Gregi unbeirrt und blieb schon wieder einmal zurück, weil er einen Schmetterling entdeckt hatte. Einen Kleinen Feuerfalter. Wäre er mit mir gegangen, hätte er den echten Osterhasen gesehen. Er hoppelte einen Waldweg entlang und verschwand binnen kürzester Zeit.

Schließlich kamen wir am Talgrund an, der Lehensbach floss neben uns und ich bemerkte: „Wir sind falsch, wir müssten eigentlich auf der anderen Seite des Baches gehen. Am besten, wir folgen dem Bach in Fließrichtung.“ Also schritten wir die Forststraße entlang … und sahen ihn wieder, den Osterhasen. Diesmal schlug er Haken, als er uns bemerkte, und verschwand wieder. Wir blickten ihm nach und erschraken ganz ordentlich, als plötzlich ganz in unserer Nähe der nächste Hase hochsprang und den Hügel hinauflief. „Wir sind im Osterhasenland!“

Einige Meter weiter entdeckten wir endlich unsere Wandermarkierung sowie die Infotafel „Ursprung des Lehensbaches“. Wir wechselten nun auch ganz brav die Bachseite, bewunderten den „Hallen-Buchenwald“. 30 bis 35 Meter sollten die Buchen hier hoch sein und im Sommer für eine dichte Beschattung sorgen. Hier fühlt sich der Feuersalamander wohl und auch die Riesenquelljungfer. Nein, das ist jetzt keine Sagenfigur, sondern eine seltene Libellenart. Sie gehört zu den größten Libellen, die in Österreich leben. Man nimmt an, dass die Entwicklung bis zu fünf Jahre dauert, bis die Libelle flugfähig ist.

Wieder ging es bergauf und Gregi war plötzlich außer sich. „Ich höre einen Wiedehopf“, meinte er begeistert, als wir den Hohlweg hinauf zum Grad des Hügels stiegen. Sehen konnten wir diesen seltenen und besonders hübschen Vogel leider nicht, dafür entdeckten wir eine Blindschleiche, die uns misstrauisch beäugte. „Vor uns musst du keine Angst haben – eher schon vor den Hühnern, die da vorne im Wald scharren“, erklärte ich dem Reptil. Im Osterhasenland gibt es offensichtlich ganz besonders viele Freilandhennen.

Wären wir am späten Nachmittag unterwegs gewesen, besser gesagt ab 16.00 Uhr, hätten wir beim Buschenschank Hartinger einkehren können. So wanderten wir an hübschen Häusern und prächtig blühenden uralten Obstbäumen weiter zur Wiedehopfwiese. Leider keine Sichtung. Dafür entdeckte Gregi den kleinsten Tagfalter Österreichs, den Zwergbläuling.

Den nächsten Wegabschnitt kannten wir schon: Oberlamm (die echten Schlüsselblumen waren inzwischen verblüht – dafür scharrten die Hennen noch immer ganz eifrig am Straßenrand). Die Kapellenwiese hinauf (noch mehr weiße Blüten auf den Obstbäumen als in der Vorwoche) – wir beeilten uns nicht, zu schön war es hier, und um 14.00 Uhr würde das Bauernhofcafé Friedl öffnen. Wir hofften auf einen guten, selbst gemachten Kuchen. Wir waren pünktlich um 14.00 Uhr vor dem Bauernhofcafé, dieses sperrte leider nicht auf. Also kein Kuchen. Schade. Aber was solls, alles kann man nun mal nicht haben. Und dieser Tag war dermaßen traumhaft … da darf man dann nicht jammern, wenn man keine süße Belohnung bekommt.

„Keltenweg“ – Ligist

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Keltenweg kurz

Vogelstimmenweg

5,3 km

1,82 km

193 HM

30 HM

2 h

1 h

Start:

Ligist

Zentrum  

Der Name „Keltenweg“ klingt fast wie eine Verheißung. Dieses geheimnisvolle Volk, das für seine Kunstfertigkeit bekannt ist, fasziniert uns zu Recht. Der irische Tourismus wirbt ganz stolz mit dem keltischen Erbe der Insel. Doch auch bei uns waren diese findigen Menschen beheimatet. An einem goldenen Septembertag machten Gregi und ich uns auf den Weg, um einen Siedlungsplatz der Kelten zu besuchen.

Ligist ist ein alter Ort, seit 1464 besitzt er Marktrecht. Enge Straßen führen ins Zentrum, das mit einladender Gastronomie lockt. Im Gastgarten des Gasthauses Gangl hatten wir schon bei einer früheren Wanderung gesessen und sehr gut gespeist. Gegenüber liegt das Restaurant Wörgötter, das mit einer Haube ausgezeichnet und mit 14 Punkten im Gault&Millau bewertet ist. Doch nicht nur die Gastronomie bereichert den Hauptplatz; der kunstvoll gefertigte Brunnen kann sich ebenfalls sehen lassen. Überhaupt: Im Ort Ligist findet man immer wieder beeindruckende Steinskulpturen. Als wir am Sonntagmorgen ankamen, feierten hübsch in Trachten gekleidete Leute am Hauptplatz bei einem Glas Wein. Ligist ist das Tor zur Schilcherstraße.

Dem Weg Nr. 11 wollten wir folgen – hinauf zu den Kelten. Weit kamen wir jedoch nicht. Schon beim „Eckwirt“ kamen wir auf Abwege. „Vogelstimmenweg“, sagte Gregi begeistert und zeigte auf ein Wanderschild. „Schlosswald“, las ich mit leuchtenden Augen, und schon waren der Wanderweg Nr. 11 und die Kelten vorläufig vergessen. Der Weg hinauf zur Burgruine Ligist ist nicht anstrengend und richtig idyllisch. Die Aussicht auf den Ort ist wunderbar, rundum sind Hügel und Berge. Diese mussten überquert werden, um ins Aichfeld, nach Judenburg oder auch nach Kärnten zu gelangen. Und deswegen steht die Burg auch an dieser Stelle. „Dorf Lubgast“ war ein Zufahrtsort zum Herzogberg. Über ihn ging es dann weiter über die Pack. Wein, Getreide, Salz und Eisen sollten transportiert worden sein.

Wir transportierten nur unsere Rucksäcke sowie unsere Kameras, die nun zum Einsatz kamen. Wilder Salbei, Efeu (der Teile der Burgruine überwuchert hatte und bei den Bienen äußerst beliebt war), im Burggraben flatterten Schmetterlinge … einfach herrlich. Über die steinerne Bogenbrücke (die bis ins 17. Jahrhundert noch eine Zugbrücke war) gelangten wir in den Burghof. Der Bergfried war einst fünf Stockwerke hoch – den untersten Raum darf man betreten. Früher war der Eingang des Bergfrieds im ersten Stock. Alt ist sie, die Burg. Sie wurde im 12. Jahrhundert von den Wildoniern errichtet. Doch war sie als Ersatzburg gedacht für die noch viel ältere Dietenburg, die zu den ältesten Burgen der Steiermark zählte. 1066 wurde die karolingisch-ottonische Mittelpunktsburg bereits urkundlich erwähnt. Und die Dietenburg stand natürlich auf dem Dietenberg, den wir ja ursprünglich besuchen wollten.

Also verließen wir die Burgruine Ligist wieder, umrundeten sie noch einmal, stiegen dann ab zum Schloss Ligist (ebenso wie die Burgruine im Besitz des Malteser Ordens), marschierten bei einem verwunschen wirkenden, vom wilden Wein umwucherten Haus vorbei (ehemaliger Weinkeller) und weiter bis zur Bundesstraße. Hier hielten wir uns rechts, kamen bei der Leitinger Mühle vorbei, betrachteten ein besonders schönes Marterl und querten dann die Bundesstraße auf Höhe der Feuerwehr.

Bei dieser Kreuzung ist ein riesiger hölzerner Hammer zu sehen, der daran erinnern soll, dass am Ligistbach einst fünf Hammerwerke standen und für den Wohlstand des Ortes sorgten. Anker, Achsen, Pflüge, Krampen, Schaufeln, Hauen, Hacken, Hufeisen, Pfannen, Sensen, Nägel. Geräte für harte Ackerarbeit – hart war die Arbeit bei den Hammerwerken sicherlich auch.

Wir überquerten eine Brücke und bogen sofort links ab. An einem Hundeabrichteplatz vorbei, ging es dann in den Wald. Steil führte der Steg bergauf. Als wir den Wald verließen, sahen wir die nächste Ruine. Diesmal war es kein Schloss, sondern ein verlassenes Wohnhaus. Als Kontrast dazu war etwas weiter oben ein hypermodernes, riesiges Anwesen errichtet worden. Eine traumhaft schöne Wiese mit Flockenblumen ließ uns wieder die Kameras zücken, dann ging es steil weiter die Asphaltstraße bergauf. Ein Wegweiser (der für uns nicht ganz eindeutig war) und ein Bankerl. Wir entschieden, dass der Wanderweg sicherlich in Richtung Bankerl führen würde (falsch). Wären wir links über den Weinberg gegangen, hätten wir die richtige Route erwischt. Aber ganz schlimm war dieser Irrtum auch nicht, wir erreichten unser Ziel auch so – halt nur von der anderen Seite.

Auf dem Dietenberg gibt es einen erstklassigen Buschenschank. Kremser heißt er. Und da der Kremser erst um 14.00 Uhr öffnete, entschlossen wir uns, zuerst noch das Siedlungsgebiet aus der Urnenfelderzeit sowie der La-Tène-Zeit zu besichtigen. Endlich würden wir die Überreste der keltischen Siedlung sehen. In den Siebzigerjahren gab es auf dem Dietenberg Ausgrabungsarbeiten. Siedlungsspuren bis ins 4. Jahrtausend vor Christus konnten nachgewiesen werden. Um ehrlich zu sein … man sieht gar nichts mehr. Die einzige Enttäuschung auf der ansonsten so wunderbaren Wanderung. Auch von der legendären Dietenburg konnten wir keine Überreste entdecken. Wo einst die Burg und die Kreidfeuerstelle waren, gibt es jetzt einen Hochbehälter des Wasserverbands Söding-Lieboch.

Andererseits hatten wir Glück, dass wir nicht zu viel Zeit bei der Ausgrabungsstätte vergeudeten. So kamen wir um 13.45 Uhr beim Buschenschank Kremser an (der eigentlich erst um 14.00 Uhr öffnete) und staunten nicht schlecht. Eine Viertelstunde vor der offiziellen Öffnungszeit waren die Bänke im Gastgarten schon ordentlich belegt. Wir hatten noch das Glück, uns ein angenehmes Plätzchen zu ergattern. Personen, die nur fünf Minuten nach uns eintrafen, mussten schon im Haus Platz nehmen. Nachdem wir bei allerfeinsten Panoramablick vorzüglich gespeist hatten, verstanden wir auch, wieso dieser Buschenschank so beliebt war.

Satt waren wir, warm war es … und wir waren etwas müde. Die große Keltenrunde, beschlossen wir, würden wir ein andermal gehen. Wir waren ja eh schon fleißig gewesen und hatten sogar einen Abstecher zur Burgruine gemacht … also trabten wir gemütlich die Asphaltstraße nach unten, immer den Blick auf den Ort Ligist gerichtet.

Bis zum Ersten Weltkrieg war Ligist ein beliebter Badeort. Und wie es scheint, kein ganz unbedeutender. Gäste aus der ganzen Monarchie, aus Italien und sogar aus dem fernen Russland waren zu Gast in der „Fichtenloh Warm- und Kaltwasseranstalt Ligist“. Es ist schon erstaunlich, was Ligist alles zu bieten hatte.

Vor der Heimfahrt wollten wir uns noch einen Kaffee genehmigen … doch leider hatten die Gasthäuser am Hauptplatz schon geschlossen.

Der Eckwirt, der direkt unter der Burgruine einen tollen Gastgarten hat, hatte noch offen. Die Gastwirtin ist eine freundliche Frau, liebt ihren Gastgarten und hat ihn richtig lieblich gestaltet. Unter einem schattigen Baum genossen wir den Kaffee und ließen den wunderbaren Tag Revue passieren.