Wandern zwischen Grein und Aumühle

 

 

Distanz

Dauer

 Weg Nr. 7: Aumühle Höhenweg nach Grein6 km2 h
Weg Nr. 9:Grein – Stillensteinklamm – Aumühle8,5 km2,5 h

Eigentlich hatten wir vor, eine etwas gemütlichere Wanderung zu machen. Am Vortag hatten wir in Waldhausen ordentliche Höhenmeter und Kilometer gemacht … also recherchierten wir … und machten dabei einen groben Denkfehler.

In der offiziellen Wanderkarte des Tourismusverbandes Grein steht folgende Beschreibung der Wanderung:

„Stillensteinklamm – 8,5 km – 2,5 Stunden – Markierung 9
Die Stillensteinklamm in Grein an der Donau zählt zu den schönsten Wanderwegen im Unteren Mühlviertel und wurde mit dem OÖ Wandergütesiegel ausgezeichnet. Ausgangspunkt für die Wanderung ist der Wanderinfopunkt an der Donaulände. Der gut beschilderte Familienwanderweg führt zunächst durch das Donaustädtchen Grein, vorbei an der Galerie in Granit, zum Werfensteinblick (Blick auf die Donau und die Insel Wörth) und weiter bis zum Klammeingang bei der Gießenbachmühle. Höhepunkt der Wanderung durch die Stillensteinklamm ist der „Stille Stein“. An dieser Stelle fließt der Bach ein Stück weit unterirdisch. Nach der Klamm führt der Wanderweg zum Gasthaus Aumühle. Durch die Mühlviertler Hügellandschaft geht es auf dem Weg Nr. 7 zurück ins Donaustädtchen Grein.“

Soweit die Beschreibung der Wanderung auf der Wanderkarte. Ich Dummerchen nahm natürlich an, dass die ganze Runde 8,5 km lang sein würde, samt Weg Nr. 7 zurück ins Donaustädtchen Grein.

Also marschierten wir nach dem Frühstück ganz fröhlich von unserem Hotel Aumühle los und folgten dem Höhenweg Nr. 7. Das erste Stückchen gingen wir auf der Asphaltstraße, welche bei Motorradfahrern sehr beliebt ist. Endlich durften wir rechts abzweigen, verließen die Straße und marschierten am Waldrand entlang den Hügel hinauf. Des Nachts hatte es geregnet, der Weg war noch nass – doch noch nasser waren die Blätter des Haselstrauchs, der seine Zweige direkt über meinen Kopf streckte … und ein freches, boshaftes Eichhörnchen hatte nichts Besseres zu tun, als eben über diese Zweige zu huschen und mir eine ordentliche Morgendusche zu verpassen. Auf diese Weise endgültig munter betrachtete ich die unzähligen Hügelchen rund um uns. Nebelschwaden zogen hoch, und es war schon irgendwie ein mystisches Bild.

Der Weg führte an großen Bauernhäusern vorbei, an uralten, sehr beeindruckenden Obstbäumen (besonders hoch waren jene, die im Graben gepflanzt worden waren), vorbei an Kühen (die uns gelangweilt nachsahen) … wir entdeckten in der Ferne die wunderschöne Burg Clam mit ihrer einzigartigen Silhouette, dann ging es steil bergauf in den Wald zum Marienstein.

Stufen führen zum Marienstein. Ein Wackelstein mit einer Marienstatue … und eine unerhört wunderbare Aussicht direkt auf die Donau und auf Grein.

Auf Granit beißen heißt, dass man auf Widerstand stößt oder mit seinen Bemühungen erfolglos bleibt. Die Donau beißt im wahrsten Sinne des Wortes im Strudengau auf Granit – auf die Ausläufer der Böhmischen Masse. Doch ihre Bemühungen waren nicht ganz erfolglos. Sie hat sich einen Weg durch diese harten Hügel gebahnt. Vor diesem Gebirge hat die Donau sehr viel Raum, wo sie sich nach Herzenslust ausweiten kann. Doch im Strudengau ist das anders. Eng ist das Tal, und Platz für den Fluss gibt es kaum. Das Flussbett hat nur die Hälfte der normalen Breite zur Verfügung. Strudel, Untiefen und Stromschnellen machten den Kapitänen zu schaffen – der Strudengau war die gefährlichste Passage auf der gesamten Donau.

Die extreme Herausforderung, ein Schiff heil durch den Struden zu bringen, war für die Greiner ein einträgliches Geschäft. Dass sich die Lotsen eine goldene Nase verdienten, beweist der Hauptplatz von Grein mit seinen schönen Häusern. Schon im Mittelalter versuchte man mit Bergmännern aus Tirol, die Felsen in der Donau zu sprengen. Die Greiner sahen ihr Geschäftsmodell gefährdet und verjagten die Bergmänner. Unter Maria Theresia wurden dann erstmals ernsthafte Versuche unternommen, die Donau zu bändigen – mit mäßigem Erfolg. Als das Schiff mit der zukünftigen Kaiserin Sisi in Grein auf Grund lief und die junge Braut gerettet werden musste, entschloss sich Kaiser Franz Josef, den Strom endgültig schifffahrtstauglich zu machen. Aber erst seit das Kraftwerk Ybbs-Persenbeug die Donau aufstaut, ist der Struden wirklich harmlos.

Das Zentrum des Hauptplatzes ist der Meggaubrunnen. Früher wäre die Form meiner Waden durchwegs als wohlgeformt durchgegangen … vorausgesetzt, ich hätte im 17. Jahrhundert gelebt und ich wäre ein Mann gewesen. Die Brunnenfigur zeigt Graf Meggau, dessen feiste Waden wohl in Seidenstrümpfen gesteckt hatten. Die Kniebundhose endete mit großen Schleifen – mit prächtigen Schleifen waren auch seine Schuhe gebunden.

Wir waren nun bereits sechs Kilometer gegangen und befanden, dass wir uns eine Stärkung verdient hatten. Im Gastgarten des Biedermeierlokals und Cafés „Kaffeesiederei Blumensträußl“ aßen wir ganz hervorragend.

So gestärkt wollten wir noch das Schloss Grein erkunden und dem Schifffahrtsmuseum einen Besuch abstatten. Mit Ende der Saison würde dieses Museum seine Tore schließen, erfuhren wir, und so waren wir uns sehr bewusst, dass wir (wir waren im September unterwegs) wohl zu den letzten Besuchern des Museums zählen würden. Doch das Schloss Greinburg hat abseits des Museums noch andere Besonderheiten, die zu entdecken sehr lohnend sind.

Der Schlosshof mit seinen Arkaden (von denen die Mauerkatze hing) und dem Brunnen (die Wasserfontäne schoss fast bis zum zweiten Stockwerk hoch) hatte es Gregi besonders angetan. Ich kann mich bis jetzt noch nicht entscheiden, was mich mehr beeindruckt hat: das Diamantgewölbe (welches in Österreich in dieser Art einzigartig ist) oder die Sala Terrena (welche über und über mit Mosaiken aus Donaukieseln ausgestattet wurde).

Das Schloss Greinburg hat eine bemerkenswerte Geschichte. Es gilt als eines der ältesten Schlösser in Österreich. Davor gab es hauptsächlich Burgen … doch die Brüder Heinrich und Siegmund Prüschenk waren sehr aufgeschlossen und bauten ein Schloss. Sehr geschäftstüchtig waren die beiden, und sie wurden auch bedeutende Geldgeber von Kaiser Friedrich III. Die beiden Steirer entstammten ursprünglich keiner herrschaftlichen Familie und dienten sich im Krieg hoch. Sie erhielten Grein – und damit eine gute Einnahmequelle. Zudem hatten sie ein extrem gutes Gespür für Immobiliengeschäfte. Zum Beispiel kauften sie die Burg Rannariedel und verkauften die wichtige Sperrfestung sechs Jahre später zum dreifachen Preis an Kaiser Maximilian.

In Grein gäbe es noch eine weitere originelle Sehenswürdigkeit: das älteste weltliche Theater in Österreich, das unverändert erhalten ist. Ob dort in früheren Zeiten ein Theaterbesuch wirklich ganz so angenehm war, lässt sich allerdings bestreiten. Das Klosett war zum Beispiel vom Zuschauerraum nur mit einem Vorhang abgetrennt. Auch gab es Fenster zum Gemeindekotter, also zum Gefängnis. Wollten die Theaterbesucher in Ruhe der Aufführung folgen, war es ratsam, die Gefangenen zuvor mit Speisen und Getränken zu versorgen. Dann randalierten sie nicht. Bestechliche Sträflinge also. Leider hatten wir keine Zeit, diese Sehenswürdigkeit zu besuchen.

Allerdings statteten wir der Galerie in Granit auf dem Kalvarienberg einen Besuch ab. Der Künstler Miguel Horn überlegte sich, wie man Nachrichten für unsere Nach-nach-nachfahren weitergeben könnte. Petroglyphen aus der Vorzeit können heute noch besichtigt werden … also entschloss er sich, sein „Deep-Time-Memorial“ in harten Granit zu ritzen. Ob man in mehr als tausend Jahren versteht, was sein Bild des explodierenden Kernkraftwerks zu bedeuten hat?

Der Weg zur Gießenbachmühle kam mir sehr, sehr lange vor – wir hatten an diesem Tag schon viel erlebt und waren daher schon rechtschaffen müde. Zu allem Überdruss konnte ich den Aussichtspunkt auf die Burg Werfenstein und die Insel Wörth auch nicht finden. Endlich waren wir bei der Gießenbachmühle und marschierten schnurstracks in die Stillensteinklamm.

Wären wir hier einfach über die Straße gegangen und hätten die Donau hinuntergesehen, dann hätten wir sowohl Insel als auch Burg direkt vor unserer Nase gehabt. Doch das entdeckten wir erst am nächsten Tag, als wir die Jausenstation bei der Gießenbachmühle, welche von der Barfußoma geführt wird, besuchten.

Die Stillensteinklamm selbst ist ein Juwel. Wir waren schon zwei Tage früher bei strömendem Regen von der Aumühle in die Klamm hineingewandert und waren schon damals trotz widrigster Bedingungen hellauf begeistert gewesen.

Die Klamm ist gut gesichert und hat viele Treppen, Kaskaden, Wasserfälle und Wasserbassins – wie Klammen eben so sind. Idyllisch und wohltuend. Doch die Stillensteinklamm hat noch weitere Specials zu bieten. Zum Beispiel die „Steinerne Stube“: eine spektakuläre Durchgangshöhle. Den Namen verdankt die Klamm dem „Stillen Stein“ – dort, wo der Bach unterirdisch verläuft.

Reizvoll ist der Bach auch nach der sehenswerten Klamm, wo er in seinem mit Granitfelsen bestückten Bett friedlich dahinfließt. Klares Wasser, moorig braun. Typisch Mühlviertel halt. Und rundum ganz viel Moos. Schöne Rastplätze gäbe es hier – doch uns erwartete inzwischen schon das Abendessen in der Aumühle.

Aus unserer „kürzeren Wanderung“ war eine ausgewachsene Ganztageswanderung geworden. Dazu kam dann auch noch die ausführliche Schlossbesichtigung – da merkt man erst, wie wenig Stunden so ein Tag eigentlich hat. Dabei hätte es noch soooo viel zu sehen und zu erleben gegeben.

Beim Abendessen – diesmal mussten wir nicht auf Kalorien achten, wir waren ja richtig fleißig gewesen – meinten wir dann, dass wir uns am nächsten Tag noch eine Mühlviertler Klamm ansehen wollten. Nicht weit weg, gleich im Nachbarsort: die Wolfsschlucht. Das sollte eine etwas kürzere Runde sein, da könnten wir uns fast schon ausruhen. Man musste es ja auch nicht übertreiben mit dem weiten Wandern. Und beim Recherchieren würden wir jetzt auch achtsamer sein.

 

 

Riegersburg Zotterschleife Genußwanderung

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

14,6 km

327 HM

4:30 h

    

Diese Runde ist mit ihren 14,6 km und 327 Höhenmetern recht fordernd. Man kann sie allerdings auch etwas abkürzen.

Mein Tipp bei dieser Wanderung: Unbedingt eine Bankomatkarte mitnehmen. Die Zotterschleife führt zur erlesenen Schoko-Manufaktur in Bergl. Sonntags hat diese Manufaktur samt Kaffeehaus zwar geschlossen, aber es gibt einen Schokoladenautomaten, der mit wahren Schätzen gefüllt ist – jedoch wird nur Kartenzahlung akzeptiert.

Die Wanderung startet im beschaulichen Ort Riegersburg. Hier steht auch die spätgotische Hauptpfarrkirche. Ihr Bau begann im Jahr 1481 unter dem Burgherrn Reinprecht von Reichenburg. Nomen ist nicht gleich Omen: Dem Reichenburger ging das Geld aus, und so ruhte der Bau für einige Jahre. Die Kirche wurde nie verputzt, man kann noch die Gerüstlöcher erkennen. Doch gerade die Basalttuffquader machen meines Erachtens den besonderen Charme aus. Der Platz rund um die Kirche ist sehr idyllisch und hübsch mit Blumen geschmückt.

Gleich nach der Kirche befindet sich der Burgaufgang. Doch bei dieser Wanderung sind knackige 14,6 km zu bewältigen – die Burg wird wohl besser ein andermal besucht. Eng führt die Straße durch den Ort, noch enger wird sie bei der Kreuzung Friedhof / Straße nach Altenmarkt. Hier mussten wir bergab gehen, an hübschen Häusern vorbei. Besonders gefiel mir ein Häuschen, in dessen Fenster Feenfiguren hingen.

Altenmarkt ist ein sehr kleiner Ort, der einst sicherlich bedeutender war. Hier befand sich die ursprüngliche Burguntersiedlung. Als später durch Markgraf Otakar III. um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine neue Marktsiedlung südlich der Burg gegründet wurde, wurde die ursprüngliche Burguntersiedlung zum „Alten Markt“.

Es zahlt sich aus, von Altenmarkt einen Blick auf den 482 Meter hohen Basaltkegel mit seiner Burg zu werfen. Schier uneinnehmbar muss sie anno dazumal gewirkt haben, mit ihren fast drei Kilometer langen Wehrmauern, mit ihren sechs Toren und den Basteien. Heute kraxeln auf dem Burgfelsen sehr viele Leute herum – ist er doch einer der romantischsten und eindrucksvollsten Klettergärten.

Dieser extrem markante Felsen ist vulkanischen Ursprungs. Wer sich ein bisschen mit den Vorlieben unserer Ururahnen auskennt, weiß, dass diese einen solchen außergewöhnlichen Hügel zu schätzen wussten. Seit 6000 Jahren ist dieser Berg besiedelt. Bereits im 7. Jahrhundert wurde dort die erste Fluchtburg gebaut – was nicht verwunderlich ist, denn von drei Seiten ist der Hügel praktisch uneinnehmbar.

Um 1100 wurde dann von einem Rüdiger auf der nördlichen Kuppe eine Burg gebaut (dort, wo jetzt noch die Burg steht). Rüdigers Burg – oder „Ruotkerspurch“, wie sie damals genannt wurde. Die Riegersburg war bedeutend – und damit der Besitzer dieser Burg unter Kontrolle gehalten werden konnte, beschloss der steirische Markgraf, gleich unterhalb der Burg eine „niedere Veste“ zu bauen. So entstand eine kleinere Burg (bei der jetzigen Aussichtsplattform zwischen Lichtenegger Tor und Pyramidentor).

Diese Veste war zwar kleiner, man konnte durch sie jedoch die Versorgung der höher gelegenen Burg behindern. Zum Verhängnis wurde diese Niedere Veste den Herren Wallsee-Graz. Diese lehnten sich gegen den Habsburger Herzog Ernst auf, welcher daraufhin die Niedere Veste eroberte – damit war jeglicher Nachschub für die obere Feste abgeschnitten. Die Wallseer mussten kapitulieren und verloren kurzfristig ihren Besitz. Als sie die Burg später zurückbekamen, scheuten sie keine Mühen und Kosten und ließen den Eselssteig anlegen.

Zur Entstehung des Eselssteigs gibt es eine Sage, welche von zwei verfeindeten Brüdern handelt, die in den zwei Burgen auf dem Berg wohnten. Der jüngere Bruder wollte den älteren aushungern lassen, woraufhin dieser den Eselssteig erbauen ließ, um die Versorgung der oberen Burg zu gewährleisten. Bei den Personen irrt sich die Sage, nicht jedoch beim Motiv.

Zurück zu unserer Wanderung. Von Altenmarkt aus folgten wir dem Wanderweg, welcher durch einen wunderbaren bunten Herbstwald führte. Wir hätten einen Abstecher zur „Damischen Kathl“ machen können. So nennt man einen besonderen Felsen gegenüber der Riegersburg, wo es laut Sage auch einen Wehrbau gegeben haben soll. Diese Festung versank der Sage nach allerdings sehr spektakulär im Erdboden. Zurück blieb eine verwirrte Burgherrin (die damische Kathl) und ein geomantischer Punkt, der ihren Namen trägt. Ich muss gestehen, dass wir diesen Ort nicht besucht haben. Wir folgten einfach dem Genusswanderweg nach oben, denn dort wartete eine besondere Belohnung: der Schokoladenautomat der Manufaktur Zotter.

Vom Zotter ging es kurz an der Straße entlang in Richtung Kurvenwirt. Wir staunten nicht schlecht, als wir am Hang neben uns die schönsten Pilze entdeckten, die man sich nur vorstellen konnte (dabei gab es hier nur einen Fichtenzaun und keinen Wald). Schon kamen wir zum Kulinarium der Familie Meister. Die Familie Meister stellt Sekt her. Viel Freude hätten sie mit den Herren von Urschenbeck gehabt, welche im 17. Jahrhundert für eine Zeit die Besitzer der Riegersburg waren. Eine Inschrift in der Burg erinnert noch an diese Herren. Sinngemäß lautet sie: Am 6. April 1635 begann das große Saufen, welches 20 Tage anhielt, und man hatte wirklich jeden Tag einen Rausch.

Die Urschenbecks scheinen mir recht harmlose Burgherren gewesen zu sein. Vielleicht nicht ganz so harmlos war die „Schlimme Liesl“ – Katharina Elisabeth Freifrau von Galler. Sie ist berühmt für die vielen Prozesse, die sie Zeit ihres Lebens führte. Doch wahrscheinlich war dies anno dazumal die einzige Möglichkeit, sich als Frau durchzusetzen. Die Gallerin war eine emanzipierte und tüchtige Frau. Dass die Riegersburg zur „stärksten Festung der Christenheit“ wurde, wie es der erfolgreiche Feldherr Raimund Graf von Montecuccoli behauptete, ist ihr Verdienst – und natürlich auch das der Bauern, die Frondienste leisten mussten. Die Riegersburg wurde weder von Türken noch von Ungarn eingenommen, und die Bevölkerung der Umgebung sowie das Vieh konnten im großzügigen Festungsgelände Zuflucht finden.

Wie man die Gallerin zu beurteilen hat, kann ich nicht sagen. Ihr Schwiegersohn Johann Ernst Graf von Purgstall jedoch (den sie angeblich nicht sonderlich leiden konnte) war sicherlich kein besonderer Menschenfreund. Und jetzt kommen wir zum traurigsten Kapitel der Riegersburger Geschichte – die Feldbacher Hexenprozesse. Diese begannen erst, als die legendäre Burgherrin der Riegersburg bereits tot war.

Johann Ernst Graf von Purgstall war Kommissär bei den Feldbacher Hexenprozessen. Im Sommer des Jahres 1673 gab es in der Region ganz böse Unwetter. Getreide und Früchte wurden dabei zerstört. Die Naturwissenschaft war dazumal im Gegensatz zum Aberglauben der Menschen noch nicht sonderlich entwickelt. Eine Bettlerin verbreitete Gerüchte über eine Hexengesellschaft, die angeblich vom Hatzendorfer Pfarrer Gregor Agricola angeführt würde. Das hatte zur Folge, dass im Endeffekt mindestens 95 Personen angeklagt und wahrscheinlich auch gefoltert wurden. 16 davon überlebten diese Hexenprozesse nicht.

Beim Kulinarium muss man die Straße queren, und es erfolgt der Abstieg ins Tal. Beim Steinernen Kreuz kann man sich entscheiden – schnell zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung oder der Zotterschleife weiter folgen.

Wir folgten zum Glück der Schleife weiter. Es ging zwar richtig steil bergauf, aber dieser Abschnitt der Wanderung ist extrem schön. Als wir den Waldweg verließen und auf eine schmale Asphaltstraße kamen, sah ich es: ein Marterl, das wie ein Gefängnis für Maria und das Jesuskind wirkte. Maria stand beim Gitter und sah so aus, als würde sie gleich daran rütteln wollen.

Wieder ging es bergauf. Neben uns waren prächtige Weingärten, vor uns eine riesige Pferdekoppel. Die Aussicht wurde immer spektakulärer. Richtung Süden sahen wir nach der Reihe Kogeln. Ob das früher alles Vulkane waren? Hinter uns lag die Riegersburg. Dann kamen wir am Gipfel des Berges an. Wow. Den Schöckel und die Rote Wand konnte ich ausmachen, weiter rechts sah ich dann die Kirche von Pöllauberg. Noch weiter rechts gab es ganz, ganz weit hinten auch noch Berge, die ich leider nicht zuordnen konnte. Doch ich bildete mir ein, die Burg Bernstein zu sehen.

Von nun an ging es bergab – vorbei am Genusshotel, dann steil über eine Wiese hinunter bis zum Waldrand, noch weiter hinunter und durch einen Wald wieder bergauf. Irgendwie müssen die 327 Höhenmeter zusammenkommen. Der Weg führte durch einen Bogenparcours, dann mussten wir links abbiegen und kamen schließlich zum Parkplatz unter dem Burglift.

Hier hätten wir die Straße überqueren sollen, um den Burgberg zu umrunden. Wir beschlossen allerdings, dass wir uns eine Abkürzung gönnen wollten, und gingen vom Parkplatz direkt zum Friedhof (rechts in den Wald. Das kleine Gespenst, das auf den Asphalt gemalt ist, weist den Weg – Richtung Burg).

Der Genussweg Zotterschleife ist ein richtiges Wanderhighlight. In Riegersburg gibt es viele tolle Einkehrmöglichkeiten. Ich mag das Kaffeehaus direkt im Ortszentrum. Im Lasslhof kann man gut essen. Sehr gutes Essen und eine hervorragende Aussicht bietet Wippls Bergstube. Auch empfehlen kann ich den Buschenschank Bernhard, wo man bei einem Traumblick auf die Burg herrliche Köstlichkeiten mampfen kann – jedoch eine kleine Warnung:
Die Strauben haben eine Größe, bei der eine fünfköpfige Familie satt wird 😊

Waldhausen Ausblickrunde

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

13,5 km

450 HM

4,5 h

    

Waldhausen ist ein hübscher Ort im Strudengau, im Hinterland der Donau. Wir waren in unserer Jugend einmal in Waldhausen auf Urlaub. Dazumal waren wir in der steinreichen Gegend unterwegs und besichtigten die besonderen prähistorischen Kultstätten.

Im September 2025 fuhren wir wieder in den Strudengau. Diesmal waren wir in Grein untergebracht. Doch Waldhausen hatten wir in so guter Erinnerung, dass wir uns entschlossen, dort eine Wanderung zu machen.

Wir kamen also mit dem Auto in den Ort, und ich wunderte mich. „Ich habe das ganz anders in Erinnerung“, bemerkte ich, als wir durch den Hauptplatz fuhren und einen Parkplatz suchten. Wir stiegen zur Pfarrkirche zum hl. Johannes hinauf. Diese Kirche ist das älteste Gebäude von Waldhausen. Die ehrwürdigen Mauern haben sehr viel erlebt. Das mit Eisen beschlagene Westtor erzählt noch davon. Die Hussiten hatten dieses Tor noch mit Hellebardenhieben attackiert, später, bei den Franzosen, waren es dann bereits Kugeln, die das Tor durchbohrten.

Unter dem Friedhof vorbei kamen wir in eine prächtige Lindenallee mit uralten Bäumen. Um einen Hügel führte der Weg, dann kam ein Teich mit einem Spielplatz, wo sich Kindergartenkinder lustig tummelten. „Den Badesee habe ich auch noch anders in Erinnerung“, grübelte ich, während ich meine Kamera zückte, um das Stift, das vor uns auf einem Hügel lag, abzulichten.

Eine dicke Wehrmauer gab es um das Stift. Wir stiegen die von Pflanzen gesäumte Treppe hinauf und standen dann vor dem Stiftsportal. Durch das Tor kamen wir auf das große Hügelplateau – viel Platz gab es hier. Vor uns stand die wunderhübsche barocke Kirche. Schmal wirkte sie – irgendwie passte es nicht, dass sie so alleine hier stand.

Und das tat sie früher auch nicht. Das Stift Waldhausen hatte recht stattliche Ausmaße. Im 12. Jahrhundert wurde es durch Otto von Machfeld gegründet (seine Statuette steht in der zweiten Seitenkapelle der Stiftskirche). 1428 wurde dann das Stift von den Hussiten zerstört. Die Mönche, die nicht rechtzeitig fliehen konnten, wurden getötet.

Richtig aufwärts ging es dann mit dem Stift in der Barockzeit. Dort wurde ein großartiger Neubau geschaffen. Auf einem Stich aus dem Jahre 1688 sieht man, dass die Kirche als Teil in ein großes Klosterareal eingebaut war. Viele repräsentative Höfe gab es da, eine prächtige Brunnenanlage und herrliche Gärten.

1792 wurde das Stift unter Kaiser Josef II. aufgehoben. Die meisten Gebäude wurden abgetragen, das Material nach Laxenburg gebracht, wo es zur Ausstattung der Franzensburg diente. Der kostbare Brunnen kam nach Melk. Übrig geblieben sind nur der ehemalige Wirtschaftstrakt sowie die Kirche, die jetzt so alleine auf dem großen Plateau steht.

Ein neuer Brunnen wurde 1997 errichtet, und er sollte von der Zerstörung des Stiftes erzählen. Es ist ein originelles Kunstwerk. Vor der Kirche steht ein weiteres tolles Kunstobjekt: die Europäische Friedensrose.

Das größte Kunstwerk allerdings ist die Stiftskirche (Mariä Himmelfahrt). Betritt man sie, hält man kurz den Atem an, derartig viele Eindrücke müssen auf einmal verarbeitet werden.

„Weiß-schwarz-gold“ lautet das Farbenmotto. Weiß die Wände und der üppige Stuck. In Schwarz und Gold ist der 20 Meter hohe Hochaltar gehalten. Davor das massive Chorgestühl – ebenso in Schwarz und Gold. Noch heute kann man sich recht gut die Mönche vorstellen, die auf den prächtigen Sitzbänken aus Nussholz der Messe folgten. Die Beichtstühle, die Kanzel, die Seitenaltäre – schwarz und gold. Ebenso die Orgel, welche eine bemerkenswerte Geschichte hat. Nicht nur Brunnen und Baumaterial verschleppte man nach der Klosteraufhebung, auch die Orgelpfeifen wurden verscherbelt. Da man jedoch bei Messen auch Orgelmusik haben wollte, wurde 1803 behelfsmäßig ein Spielwerk eingebaut, welches so gar nicht in das großartige Orgelgehäuse passte. Erst seit 1956 ist das Instrument wieder so hergestellt, wie es ursprünglich war.

Doch es wäre nicht Barock, wenn es da nicht eine luftige Auffrischung in Form von farbenfrohen Deckenfresken gäbe. Die Kirche ist ein Gesamtkunstwerk, und um ehrlich zu sein, kann man immer nur kleine Häppchen von dieser Flut an Kunstwerken wahrnehmen.

Wieder vor der Kirche sah ich ein Schild: „Zu den Mumien“. Ich habe Ötzi einmal in Bozen gesehen. Ich stand vor ihm – klein und hilflos lag er da … und dort schämte ich mich irgendwie, dass ich ihn wie eine Kuriosität betrachtete. Mir kam es vor, als ob ich ihn in seiner Totenruhe störte – seitdem mag ich keine Mumien mehr sehen.

Stattdessen sahen wir uns die Ausgrabungen neben der Kirche an. 2000/2001 fanden auf dem Stiftsgelände archäologische Untersuchungen statt. Die Grundmauern des ehemaligen Refektoriums können noch besichtigt werden.

„Jetzt kommt mir die Gegend wieder bekannt vor“, sagte ich zu Gregi, als wir vom Stiftshügel hinab zum richtigen Badesee stiegen. Hier gab es früher ein Hotel, hier gibt es jetzt noch eine hübsche Siedlung und eine angeblich erstklassige Pizzeria und natürlich die gepflegte Freizeitanlage.

Waldhausens Ortsteile hängen nicht gerade zusammen. Ein Hügel liegt zwischen ihnen. In unserer Jugend waren wir nie über den Hügel zum Hauptplatz gekommen. Wir waren dazumal der Ansicht gewesen, dass der Teil um den Badesee ganz Waldhausen war. Gut, jetzt waren wir klüger.

Wir folgten dem Wanderweg aus dem Ort. Lange ging es einer Asphaltstraße entlang, an einem Damwildgehege vorbei bis zu einem Marterl. Dort links abbiegen, neben einem Bauernhaus stieg der Weg bergauf. Im Wald mussten wir nun den ersten steilen Anstieg nehmen. Diese Tour hat 450 Höhenmeter. Fünf Gipfel müssen bezwungen werden!

Der erste Anstieg lohnte sich richtig. Die Aussicht auf das im Tal liegende Stift und die Hügel dahinter war grandios. Kurz mussten wir eine Asphaltstraße bergab wandern, dann kam der nächste Anstieg – rauf zur Falkenmauer. Hier gab es Forstarbeiten. Der Weg war ein Paradies für Heuschrecken aller Art. Wir sahen sogar eine Ödlandschrecke (ihre blauen Flügel sieht man, wenn sie segelt). Auch entdeckten wir zwei Gottesanbeterinnen. Gottesanbeterinnen sind unheimliche Insekten, und ich frage mich ernsthaft, welchen evolutionären Vorteil es denn hat, dass die Weibchen die Männchen verspeisen. Die Natur ist nicht human oder nett. Eindeutig nicht.

Je höher wir stiegen, umso mehr riesige Steinblöcke lagen in der Gegend herum. Der Berg wurde immer steiler, endlich hatten wir die Falkenmauer erreicht. Massive Granitblöcke türmten sich hier auf, steil ging es neben den Steinen bergab. Wir kletterten ganz tapfer die Falkenmauer hoch, sogar die Leiter stieg ich noch rauf. Dann verließ mich der Mut, und ich machte kehrt.

Nach einer wohlverdienten Pause wanderten wir auf einem tollen Waldwanderweg weiter. Das nächste Ziel war ein Wackelstein und Opferschalen. Natürlich mussten wir dafür wieder auf einen Gipfel klettern. Der massive Wackelstein rührte sich keinen Millimeter, als ich an ihm schob. Ganz tiefenentspannt hockte er da auf seinem schmalen Sockel.

Vom Wackelstein war der Weg nicht mehr weit zu den Granitblöcken mit den angeblichen Opferschalen. Drei Stück davon konnte ich entdecken. Am Vortag hatte es geregnet, und alle Schalen hatten Wasser. Ich bin eher skeptisch, wenn man von Opferschalen spricht, in denen Blut aufgefangen worden sein sollte. Das mit den Schalensteinen ist nämlich so ein Rätsel. Da gibt es Leute, die glauben, dass die Schalen auch natürlichen Ursprungs sein könnten. Und dann gibt es die Personen, die von wilden Gelagen und Opferorgien faseln, wenn sie von diesen Steinen reden. Was sich dazumal auf diesem Gipfel abspielte, weiß man heute nicht mehr. Wäre hier kein Wald, könnte man sehr weit sehen. Es ist ein besonderer Platz. Das steht fest.

Für mich wäre es am ehesten vorstellbar, dass die Schalen dadurch entstanden, dass man Gesteinsmehl vom sozusagen heiligen Stein herausrieb. Steinmehl als Heilmittel wurde immer wieder verwendet. So stand ich sinnierend auf dem Stein mit seiner Schale – es war ein sehr angenehmer Ort. Blutrünstige Opferungen kann ich mir an diesem wohltuenden Ort kaum vorstellen.

Auf dem dritten Gipfel entdeckten wir dann die Einsiedlerhöhle. Als es im Tal noch das Kloster gab, sollte hier ein freundlicher Einsiedler gehaust haben, der sich von Pflanzen und Wurzeln ernährte und immer gute Ratschläge parat hatte. Ein gigantisch großer Granitbrocken bildete das Dach der Höhle. Trocken dürfte es hier gewesen sein – doch die Höhle hatte auf der Rückseite keine Wand. Kalt und zugig und sicherlich nicht angenehm hatte es der arme Mann.

Gipfel Nummer vier war wieder eine Attraktion für sich. Auf ihm befand sich der „Schafstein“. Eines mal vorweg: Der Stein sah nicht wie ein Schaf aus – auch wenn es sich bei diesen Granitfindlingen um Wollsackverwitterungen handelt. Hoch und spitz stand der Mugel da – sehr filigran sah die Auflage des Steins aus. Wagemutig, wie wir waren, kletterten wir die hohe, steile Leiter hoch, um auf das Plateau des Felsens zu gelangen – einfach hoffend, dass die schmale Auflage des Steins unser Gewicht auch noch aushielt. Oben wurden wir mit einer tollen Aussicht belohnt.

Gipfel Nummer fünf bot uns den schönsten Panoramablick der Wanderung. Die Aussichtswarte beim Heimkehrerkreuz. Hier trafen wir auch andere Personen, die den steilen, aber doch eher kurzen Aufstieg aus Waldhausen hochgewandert waren. Na ja – kurz ist relativ. Doch wenn man den ganzen Tag unterwegs war und einen Gipfel nach dem anderen erklommen hat (und das mit schwerer Fotoausrüstung), dann darf man das schon sagen.

Gämsenhaft hüpfte ein Paar, welches gerade noch auf dem Aussichtsturm gestanden hatte, wieder in den Ort hinunter. Wir waren eher wie müde alte Esel unterwegs und tapsten den abschüssigen Pfad vorsichtig hinunter. Dabei redeten wir verdächtig viel über gutes Essen – es war bereits spät, und im Hotel würde es schon Abendessen geben. Daher suchten wir die Pizzeria, die angeblich so toll sein soll, dass sogar von Amstetten die Leute extra herfuhren, nicht mehr auf.

 

 

Judendorf-Straßengel nach Gösting

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

10,9 km

383 HM

2:23 h

    

Im Buch „Gehen auf alten Wegen in den Süden“ von M. Burger hatte ich von dieser Tour gelesen. Hört sich interessant an, meinten wir, und schon machten wir uns an einem wunderbaren Frühlingsmorgen nach Judendorf-Straßengel auf.

Der Park dieses Ortes ist sehr hübsch und auch sehr belebt. Eltern mit Kindern, Senioren, Kurgäste – alle genießen den Park mit seinem herrlich alten Baumbestand sowie der tollen Aussicht auf den Berg mit seiner wahrhaft interessanten Kirche.

Wir wollten zu diesem Wallfahrtsort mit seinem berühmten Wurzelkreuz. Es ist ein Kreuz mit einem Korpus, der nicht von Hand bearbeitet wurde und rein in dieser Form aus einem Wurzelstock hervorgewachsen sein soll. Ich hatte mir im Internet ein Bild dieses besonderen Kreuzes angesehen – irgendwie faszinierend. Schafe sollen dieses heilige Relikt gefunden haben – sie knieten davor, und so wurden die Hirten darauf aufmerksam. Und weil es so besonders war, wollte man es natürlich nach Wien schaffen … Wer Legenden kennt, weiß, was jetzt kommt: Das Kreuz kehrte schlichtweg nach Straßengel zurück – es wollte nicht nach Wien. Und so entwickelte sich Straßengel zu einem Wallfahrtsort.

Wir machten uns nun auf den Weg dorthin. Wir querten den Hauptplatz und die Straße und steuerten auf einen Bildstock zu, bei dem ein Kreuzweg zur Kirche beginnt. Steil ging es durch den Wald bergauf, sehr steil – als ob wir eine Festung erklimmen würden. Und tatsächlich: Ursprünglich stand an dem Ort, an dem sich heute die gotische Kirche mit ihrem wunderbaren Turm (der sehr stark an den Steffl in Wien erinnert) befindet, ein Wehrturm. Die Aussicht ins Tal ist einfach traumhaft – doch wie traumhaft muss erst die Aussicht sein, welche die sieben menschengroßen Engel und die Muttergottesstatue haben, die in schwindelnder Höhe auf dem Kirchturm angebracht sind. Einige der Engel sind sogenannte „tönerne Engel“ – ihre Instrumente sollen geklungen haben, wenn der Wind durch sie hindurchfuhr.

Die Menschen kamen einst nicht nur zu diesem uralten Wallfahrtsort (er soll älter als Mariazell sein), um das legendäre Wurzelkreuz zu besuchen. Sie pilgerten auch zur „Maria im Ährenkleid“. Dieses Bildnis der Muttergottes sowie das Wurzelkreuz wurden 1976 gestohlen.

Und jetzt wird es wirklich kurios: Wie wir aus der Legende wissen, mag das Wurzelkreuz Maria Straßengel nicht verlassen. Und es kam – im Gegensatz zum menschengemachten Marienbildnis – wieder an seinen Lieblingsort zurück. Durch einen anonymen Anruf wurde mitgeteilt, dass man das Kruzifix auf dem Grazer Zentralfriedhof hinterlegt habe. Und dort fand man es dann auch.

Das Wurzelkreuz ist ein ganz besonderer Gegenstand, die gotische Marienkirche ein ganz besonderer Ort. Die riesigen, bunten Glasfenster, das Taufbecken, die Kopie des Bildes „Maria im Ährenkleid“ (von dem einige Leute behaupteten, es habe ursprünglich Demeter dargestellt) – stundenlang könnte man hier verweilen, staunen und genießen. Doch beinahe wäre diese herausragende Kirche abgerissen worden. Nachdem das Wallfahrerwesen durch Joseph II. sehr eingeschränkt worden war, gab es kaum mehr Einnahmen für die Kirche, die langsam verfiel. Außerdem schätzte man damals offensichtlich den gotischen Baustil nicht – also wollte man dieses Gotteshaus kurzerhand abreißen. Zum Glück wehrten sich die umliegenden Gemeinden.

Wir verließen die Rückfallkuppe, auf der die Kirchenfestung steht, in Richtung Friedhof und folgten dem gelben Wanderwegweiser Richtung Gösting. Es ging bergauf, wir kamen auf eine Forststraße, der Wanderweg hätte wieder in den Wald führen sollen … hätte. Der Durchgang war wegen Forstarbeiten gesperrt. Gregi meinte zwar, dass sonntags wohl kaum jemand im Wald arbeiten würde, doch ich setzte mich zum Glück durch, und so marschierten wir einfach die ungefährliche Forststraße weiter bergan. Eidechsen turnten in den Felsen herum, Schmetterlinge flatterten fröhlich dahin. Der Forstweg wurde zu einem Pfad, der den nächsten Hügel querte. Dann kamen wir zu einem Holzlagerplatz, es gab auch ein Bankerl. Wir bogen auf die Forststraße bergauf ein und folgten nun den gelben Wanderwegweisern Richtung Reinerkogel.

Steil bergauf – richtig steil bergauf – ging es nun. Endlich oben angekommen hätten wir uns entscheiden können: entweder nach Thal bei Graz, nach Gösting oder aber über den Frauenkogel nach Straßengel retour. Wir hatten uns den extrem steilen Berg hinaufgeschunden – eineinhalb Stunden nach Gösting wollten wir nicht mehr gehen, jedoch lockte uns der Frauenkogel. „Frauenkogel“ – ein Kogel gleich hinter der uralten Marienwallfahrtskirche. Der interessierte uns sehr.

Ein sonnenbeschienenes Bankerl lud uns am Frauenkogel zur Rast ein. Es soll ein Kraftplatz sein, lasen wir – und tatsächlich: Hier fühlten wir uns pudelwohl. Ein kleines Stück weiter gibt es weitere Bänke und einen Tisch, die Reste eines alten Aussichtsturms und mächtige, alte Buchen, die im Kreis angeordnet sind. Der Abstieg war sehr, sehr steil, und nun wusste ich auch, warum „Trittsicherheit“ eine Voraussetzung für diese Wanderung ist. Immer wieder – sofern man sich aufzuschauen wagte – konnte man herrliche Blicke ins Tal erhaschen. Irgendwie war ich dann schon froh, wieder auf einer Forststraße gelandet zu sein.

Mit langen Schritten eilten wir dem Tal entgegen. Plötzlich hörten wir hinter uns einen gewaltigen Lärm: eine Forstmaschine, ein Geländewagen mit Anhänger und noch ein Wagen mit Arbeitern. Soweit zu Gregis Theorie zur Sonntagsruhe im Forst. Gut, dass wir die Absperrung nicht überklettert hatten.

Wären wir nach Gösting gegangen, hätten wir den Jungfernsprung besuchen können. In die Burgruine kommt man momentan leider nicht mehr. Vor sehr, sehr vielen Jahren war das noch möglich, und die Aussicht auf Graz war einfach grandios. Ich hoffe, dass dieses alte Festungsgebäude wieder einmal für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird.

Wir kamen wieder beim Friedhof unter der Wallfahrtskirche heraus, querten diesmal jedoch den Parkplatz und marschierten über einen schmalen Pfad in den Ort hinunter – wobei man durchwegs einen tollen Blick auf den „steirischen Steffl“ hat.

Der Sorger am Hauptplatz bietet viele Sitzplätze, und diese sind auch sehr begehrt, was wohl auch ein klein wenig den Kurgästen geschuldet ist. Doch im Gegensatz zu unseren üblichen Wanderungen gab es hier im Norden von Graz auch andere Wanderer, die – so wie wir – mit Rucksäcken einkehrten.

Bei einem Kaffee mit Croissant nahmen wir uns vor, demnächst wieder einmal hierherzukommen. Wenn der Wanderweg wieder freigegeben ist und wir ohne jede Störung nach Gösting gehen könnten. Vielleicht könnten wir sogar mit dem Zug anreisen: Vom Hauptbahnhof in Graz bis Judendorf-Straßengel braucht die Bahn nur wenige Minuten, und von Gösting dann mit der Bim zurück zum Hauptbahnhof – gut machbar wäre das.

Schwanberg – Kraftweg und Rund um den Josefiberg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Kraftweg

3,97 km

117 HM

1 h

Rund um den Josefiberg

3,11 km

93 HM1:15 h

Die Altburg von Bad Schwanberg hat eine wunderbare Geschichte. Da gibt es diesen Bergsporn oberhalb des heimeligen Kurorts mit einer herrlichen Aussicht. Und weil es dort oben so schön ist, wundert es nicht, dass der Bergsporn schon sehr früh besiedelt wurde.

Schon in der Jungsteinzeit haben die Menschen diesen besonderen Ort aufgesucht. Die Kelten waren dort, die Römer natürlich auch – wo waren sie nicht? Im frühen Mittelalter baute man eine Wehranlage aus Holz, im Hochmittelalter eine wehrhafte Steinburg.

Wie diese Wehranlage ausgesehen hat, weiß man heute nicht mehr. Einen hohen Turm dürfte sie gehabt haben, geschützt war sie durch ihre natürliche Lage (drei Seiten haben steile Abfälle) und Ringmauern.

Fünfzehn Jahre hatte der Bau dieser Steinburg gedauert. 1255 war sie mehr oder weniger fertig. 1266 wurde sie bereits vom Böhmenkönig Ottokar II. eingenommen. Im fünfzehnten Jahrhundert verstärkte man die Burg mit zwei Rondellen. Das half leider nichts, denn die kaiserlichen Truppen belagerten die Burg (Grund: Baumkirchner Fehde) und sie musste dem Kaiser übergeben werden.

1500 war die Anlage dermaßen beschädigt, dass man sich entschloss, sie aufzugeben. In eine Burg, die zweimal besiegt worden war, wollte man verständlicherweise nicht mehr viel investieren.

Dafür baute man im 16. Jahrhundert das Renaissanceschloss Schwanberg, und die Burgruine nebenan war ein begehrter Steinbruch. So kam es, dass die Burg gänzlich abgetragen wurde. Ein Wald wuchs über die ehemalige Burgstätte, und die einst stolze Wehranlage wurde im Laufe der Zeit vergessen.

Die feudalen Zeiten auf dem Schloss Schwanberg gingen vorbei. Das herrschaftliche Anwesen wurde zu einer Pflegeanstalt. 2004 wurden im Landespflegeheim Schwanberg Bauarbeiten durchgeführt, und siehe da, man stieß auf Grundmauern in der Erde. Aber nicht irgendwelche mickrigen Mäuerchen waren das – bis zu vier Meter dick waren sie.

Wenn man in der Erde auf massive, dicke Mauern stößt und wenn der Ort daneben „Tanzboden“ genannt wird, dann ist es meistens vielversprechend, der Sache auf den Grund zu gehen. Gesagt – getan.

Zuerst musste natürlich alles gerodet werden, und dann wurde der Burgkogel erforscht. 20 Jahre hat man dafür gebraucht – zu Tage gebracht wurden Funde aus der späten Steinzeit, der Kupferzeit, der Urnenfelderzeit, der Latènezeit, der Römerzeit und aus dem Mittelalter.

Gegraben und gesucht wurde auch in alten Urkunden – und hurra, auch hier wurde man fündig. In einer Urkunde aus dem Jahr 1056 wurde Schwanberg mit dem Ortsnamen Odelisnic erwähnt.

Weil diese Geschichte mit der vergessenen und wiederentdeckten Burgstelle so romantisch ist, beschlossen wir am letzten Augustwochenende 2025, diese Altburg zu besichtigen.

Bad Schwanberg ist ein beschaulicher, hübscher Kurort (Moorbad). Der Hauptplatz ist langgezogen und hat einen wunderbaren Blumenschmuck. Am Ende des Hauptplatzes führt eine überdachte Treppe hoch zur Klosterkirche. Neben dieser Stiege gibt es die Information, und dort kann man sich eine interessante Broschüre über die Altburg Schwanberg besorgen.

Nachdem wir die Klosterkirche besucht hatten, ging es zur Pfarrkirche. Ein Ritter wies uns den Weg in Richtung eines alten Friedhofs – ein schattiger Friedhof neben dem Wald mit windschiefen, alten Grabsteinen. Wir stiegen den Kreuzweg bergauf, an eindrucksvollen Passionsfiguren vorbei, und schließlich erreichten wir das Josefikircherl. Die Aussicht von hier war richtig toll; das Gotteshaus war leider verschlossen. Durch das Fenster am Tor sahen wir jedoch, wie wunderbar farbenfroh die Kirche ausgemalt war.

Über einen Waldweg folgten wir dem Mittelalterlehrpfad zur Altburg. Auch hier gab es Statuen, jedoch keine Heiligen, sondern düstere Ritter aus Holz.

Ich hatte Luftbilder von der Altburg gesehen. Sie waren bei weitem nicht so eindrucksvoll wie das Gelände, das nun vor uns lag. Von unten hochwandernd nahmen wir erst die Dimensionen der Geländeterrassen wahr – etwas, das auf Fotos nicht ganz so eindrucksvoll dargestellt werden kann. Die Angreifer mussten einst eine ordentliche Steigung bewältigen, um die Burg zu erstürmen.

Neben dem Rondell vorbei stiegen wir das Gelände hoch, denn wir wollten auch etwas erstürmen: den Aussichtsturm. Angenehm massiv und stabil wirkte dieser Stahlturm, und die Aussicht war erste Sahne. Schloss Schwanberg – dahinter die Weinebene, das Wolfgangikircherl, Schloss Hollenegg (war das dahinter Graz?), der Buchkogel und der Wildoner Burgberg, weit dahinter ein grauer Schatten – die Riegersburg.

Wir sahen uns die Gegend an und wussten, warum dieser Hügel schon so früh besiedelt war. Gut, durch den Markt Schwanberg führte auch eine Handelsroute über die Koralm nach Kärnten. Im Mittelalter durfte man hier eine Maut erheben. Wahrscheinlich wurde dieser Weg jedoch schon in der Römerzeit genutzt.

Über das Schloss Schwanberg (die Mauern um den Garten sehen sehr verdächtig nach den Steinen der Burg aus) ging es dann bergab zurück zur Josefikirche. Nun war das Kirchentor sogar offen – eine Taufe fand gerade statt, wie schön.

Wir stiegen die Kirchtreppe hinab und bogen dann rechts in den Wanderweg, der uns direkt zur Sulm führte. Da die Wanderung bis dahin noch nicht allzu ausgiebig gewesen war, beschlossen wir, der Schwarzen Sulm weiter zu folgen. Eine gute Entscheidung.

Dunkel ist das Wasser, dunkel die schönen, runden Steine darin. Schwarze Sulm – wie zutreffend. Sie ist ein Naturdenkmal und darf noch frei fließen. Es ist ein Genuss, an ihr entlangzuwandern. Leider stieg der Wanderweg irgendwann bergan, und dann mussten wir uns entscheiden: links abbiegen und bis zur Sulmhütte wandern … oder rechts zurück in Richtung Josefikircherl. Die Sulmhütte würden wir ein andermal besuchen.

Im Ort Schwanberg gibt es hervorragende Gastronomie. Im Steirereck am Hauptplatz hatten wir schon öfter ausgezeichnet gegessen. Doch bei unserer Wanderung war es heiß, und wir hatten nicht so recht Hunger auf ein gekochtes Essen. Eiskaffee – das wäre eher etwas. Also besuchten wir das Kurcafé Schwanberger Stüberl, wo wir es uns auf der gemütlichen Terrasse gutgehen ließen.

 

 

Gamskogelrunde über den Königsgraben

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 10,6 km470 HM3:30 h
    

Start beim Gasthaus Bernthaler im Königsgraben.
Vor etwa 15 Jahren haben wir diese Wanderung schon einmal gemacht. Wir hatten sie in einem Wanderbuch gesehen und marschierten voller Freude los. Irgendwann hatten wir dann keine Ahnung mehr, wie der Weg weitergehen würde – und wir trafen ein deutsches Paar, das ebenfalls mit demselben Wanderbuch unterwegs war. Auch sie hatten keine Vorstellung, wie die Runde weiter verlaufen könnte. Heute gibt es zum Glück Wander-Apps, die immer genau anzeigen, wo man sich auf dem Weg befindet. Sie zeigen netterweise auch, wenn man nicht mehr auf der richtigen Route ist. Mein Tipp schon vorweg: die Tour gegen den Uhrzeigersinn gehen – zuerst in den Königsgraben und dann auf den Gamskogel. Dann ist die Markierung auch immer sehr eindeutig.

Bestens ausgerüstet mit Handy, Wanderkarte, guten Bergschuhen (bei dieser Wanderung sehr wichtig) und natürlich mit unseren Kameras starteten wir im August 2025 wieder einmal zu dieser Wanderung. Die Asphaltstraße führte stetig ansteigend neben dem Königsgrabenbach entlang. Das Bachbett hatte eine Steineinfassung, viele Stufen waren zu sehen – jedoch kein Wasser. Das kam erst viel später. Dort standen wir, sahen auf den Mini-Tümpel im steinernen Bett. Das Nass wollte scheinbar nicht über die Stufe fließen. Irgendwo musste es sich wohl einen Weg in den Untergrund gesucht haben. Bachaufwärts gab es jedenfalls genug Wasser (und keine Steineinfassung mehr).

Wir kamen in den Wald, und nun begann der Königsgraben richtig hübsch zu werden. Das Bächlein hüpfte über Kaskaden und rutschte über riesige Steinplatten. Dass es dem Gewässer so gut gefiel, war daran zu erkennen, dass von allen Seiten des Königsgrabens weitere Wässerchen den Weg in das Event-Bachbett suchten. Links neben dem Wanderweg gab es eine steile Wand, die von Moos überzogen war – klatschnasses Moos, Tropfen und Tropfen suchten den Weg nach unten. Eine richtige rinnende Mauer.

Alles rinnt – diesen Eindruck hatten wir schon damals, als wir das erste Mal im Königsgraben unterwegs waren. Und wenn es sehr, sehr viel regnet, entwickelt sich sogar der Wanderweg zum Bach und schwemmt so viel Schotter weg, dass die hölzernen Querrillen auf dem Weg plötzlich in der Luft hängen und wie Aquädukte die Wegränder verbinden.

Der Natur stört das nicht. Die Brombeeren waren reif, und das freute die Schmetterlinge. Mohrenfalter und Kaisermantel teilten sich die „gedeckte Tafel“. Je tiefer wir in den Königsgraben hinein gingen, desto steiler wurde der Weg. Die ersten Felswände waren zu sehen, die Wasserfälle wurden immer höher, und die Zyklamen dufteten um die Wette. Wunderbarer Enzian verschönerte den Wegrand, die kanadische Goldrute (die bei uns Menschen keinen allzu großen Beliebtheitsgrad hat) wucherte ebenfalls üppig. Den Schmetterlingen und Insekten gefiel das. Wir entdeckten eine kleine Sensation – den klebrigen Salbei. Seine geöffneten Blüten erinnerten mich an eine Schlange mit weit aufgerissenem Maul und herausgestreckter Zunge.

Der Königsgraben hat einen majestätischen Namen – wie er wohl dazu kam? War dieses Gebiet einst königlicher Besitz, oder gehörte der Graben einst einem Bauern namens König?

Als wir den Königsgraben geschafft hatten, standen wir vor einer großen Kuhweide. Es war bereits Mittagszeit, und die Kühe dösten teilweise, andere waren mit Wiederkäuen beschäftigt. Ein Bild des Friedens. Glückliche Kühe gab es hier, mit schönen, langen Hörnern.

Hier mussten wir dem Wegweiser „Gamskogel – Kleinstübing“ folgen. Der nächste Wegabschnitt führt über eine Forststraße. Immer wieder hatte man ein wunderbares Panorama. Waren wir im Königsgraben noch beinahe allein unterwegs gewesen, trafen wir jetzt immer öfter andere Wanderer. Plötzlich mussten wir den Forstweg verlassen und rechts den Hang hinaufgehen. Das war die Stelle, an der wir uns bei der letzten Wanderung verlaufen hatten. Damals erwanderten wir die Runde im Uhrzeigersinn. Von oben kommend waren wir irrtümlicherweise rechts in den Forstweg abgebogen. Auch heute ist die Markierung in diesem Bereich nicht optimal.

Jetzt kam ein besonders schöner Wegabschnitt. Auf dem Höhengrat ging es vorerst noch recht gemütlich entlang. Immer wieder hatten wir wunderbare Aussichten, dann sahen wir die ersten Felsnadeln und waren fasziniert. Nicht lange, denn ab nun wurde der Weg für mich (ich habe leider Höhenangst und bin nicht schwindelfrei) zu einer sehr großen Herausforderung.

Hunde kamen mir schwanzwedelnd und voller Freude entgegen – sie waren schwindelfrei. Gut auf vier Beinen und mit einem etwas niedrigeren Schwerpunkt haben sie in diesem Gelände eindeutig einen Vorteil.

„Wieso können diese tollen Felsen nicht in der Ebene stehen?“, haderte ich bei einem steilen und abschüssigen Wegstück, das zur Bärenhöhle hinunterführte. Unten gab es zum Glück eine Seilsicherung, sonst hätte ich nun auf der Stelle umgedreht. Bären kennen offensichtlich auch keine Höhenangst, sonst hätten sie diese kleine Durchgangshöhle nie aufgesucht. 1949 wurden bei Ausgrabungen in der Bärenhöhle Knochen vom Höhlenbären gefunden. Doch auch sie sind hauptsächlich auf allen vieren unterwegs und haben somit einen niedrigeren Schwerpunkt.

Ich glaube, die Evolution hat einen Fehler gemacht, als sie den Homo sapiens aufrecht gehen ließ. Um diesen groben Fehler wieder gutzumachen, kroch ich einen Teil des Weges (hier ging es neben mir wirklich sehr steil bergab) auf allen vieren.

Ab dem Gipfel des Gamskogels, der im Wald liegt, konnte ich mich wieder entspannen. Ab nun hatte der Wanderweg zwar ein ordentliches Gefälle, was den Knien nicht ganz so gut gefiel, aber es gab keine schlimmen Abgründe. Dafür hatte man eine wunderbare Aussicht auf die Kirche von Straßengel. In Kleinstübing angekommen, mussten wir nur noch der Asphaltstraße zum Gasthaus Bernthaler folgen (das leider wegen Umbaus geschlossen hatte). Bei der letzten Wanderung hatten wir im Garten unter den Sonnenschirmen gegessen, was uns sehr gut gefallen hatte.

Wo also essen? Wir überlegten. Und so sinnierten wir: In Judendorf-Straßengel gibt es eine REHA-Klinik. Und in diesen Kliniken gibt es meistens auch Diätologie. Und wo Patienten in Kliniken eine Diät halten sollen, können in deren Umfeld sicherlich etliche Gasthäuser gut bestehen. (Mörathsche Logik!) Also fuhren wir nach Judendorf-Straßengel – und was soll ich sagen: Wir hatten recht.

 

Hainburg – Burgberg und Keltenweg

Wanderung

Ausgangspunkt

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Schlossberg

Hauptplatz

3 km

150 HM

2 h

Keltenweg

Donaulände

5,75 km

190 HM

2 h

Hainburg ist die östlichste Stadt in Österreich. Sie liegt an der Donau, und zwar an einer recht günstigen Stelle des Flusses. In früheren Zeiten konnte man die Donau bei Hainburg durch Furtübergänge queren. Die Bernsteinstraße nutzte diese Möglichkeit. Wahrscheinlich ist diese Furt auch ein Grund dafür, dass in der Nähe die römische Stadt Carnuntum errichtet wurde. Doch schon vor den Römern war die Gegend besiedelt.

Wir waren nicht in Hainburg, weil sie die östlichste Stadt in Österreich ist, sondern wir besuchten sie, weil sie wunderschön und historisch äußerst interessant ist. An einem ungewöhnlich herrlichen Oktobertag im Jahr 2023 starteten wir eine Wanderung, um einige besondere Plätze der Gegend zu besuchen.

Die Hainburger Kirche ist hübsch – doch noch mehr hat mich der uralte Brunnen mit seinem Steinbecken und den Blumen fasziniert. Für alte Steinbrunnen habe ich nun mal eine Schwäche. In Hainburg kann man jedoch noch viel mehr entdecken – zum Beispiel die gotische Fenstergruppe. Und dann gibt es noch drei Stadttore, eine Stadtmauer und wunderbare alte Häuser.

Das prächtigste aller Stadttore ist das Wienertor. Das Wienertor war eigentlich eine Torburg – 20 Meter hoch und dann noch ein Dach darauf, welches wiederum stattliche 11 Meter Höhe vorzuweisen hat. Es ist so mächtig groß, dass es zu den größten noch erhaltenen Stadttoren Europas zählt. Der untere Teil des Tores besteht aus mächtigen Buckelquadern. Diese stammten aus der ehemaligen römischen Stadt Carnuntum. Unter Ottokar II. wurde dann oben noch ein Mauerwerk aus Bruchsteinen aufgebaut. Klein wirken die Autos, die durch das Tor mit dem Fallgitter fahren, so mächtig ist das Gemäuer. Hoch oben, an der Innenseite der beiden Torvorbauten, befinden sich zwei Ritterstatuen, die auf die durchfahrenden Autos blicken. Klein wirken sie – viel zu klein für das riesige Gebäude – und machtlos sind sie auch gegen den ganzen Verkehr, der sich durch ihr Tor wälzt. Das Tor hat alle Kriege der letzten Jahrhunderte heil überstanden – jedoch nicht den Schwerverkehr. 1976/77 sowie 2004/08 musste es saniert werden.

Am Wienertor schließt die mächtige Stadtmauer mit ihren Zinnen an. Die Mauer führt bergauf zum Schlossberg. Und genau dort wollten wir auch hinwandern – und genau dort waren wir vom nächsten Tor beeindruckt. Auf dem Schlossberg gibt es zwar nur noch Ruinen, allerdings lassen diese erkennen, wie imposant die Burg einmal gewesen sein muss. Riesig ist die Anlage – gewaltig schön ist die Aussicht. Hainburg war nicht irgendeine Burg eines unbedeutenden Adeligen. In Hainburg wohnte einst die Witwe des Königs Heinrich VII.: Margarethe von Österreich, auch Margarethe von Babenberg genannt.

Margarethe war nicht nur die Witwe eines Königs, der sich gegen seinen Vater, Kaiser Friedrich II., erhoben hatte und daraufhin für sieben Jahre in Gefangenschaft ging, wo er auch verstarb. Ihr wurden offensichtlich auch die beiden Söhne weggenommen; sie wurden wahrscheinlich nach Italien gebracht.

Margarethe hatte einen Bruder, der kinderlos starb – und die Besitzungen dieses letzten Babenbergers standen nun zur Verfügung. Sowohl sie als auch ihre Nichte Gertrud hatten Anspruch auf Österreich und die Steiermark (dazumal war das noch getrennt). Der böhmische König Wenzel I. hatte gleich die glorreiche Idee, seinen ältesten Sohn mit Gertrud zu verheiraten – so kämen Österreich und Steiermark in den Besitz der Familie. Gesagt, getan: Gertrud und Vladislav heirateten. Die Männer wurden dazumal nicht alt. Vladislav starb, Gertrud heiratete erneut und wurde binnen drei Jahren wieder Witwe. Nun meinte Wenzel I., dass sein zweiter Sohn Ottokar II. Gertrud heiraten sollte. Dieser sah jedoch die Sterbebilanz von Gertruds Ehemännern und entschied sich, dass es doch klüger wäre, die um 30 Jahre ältere Margarethe zu ehelichen.

Am 11. Februar 1252 heiratete Margarethe den um fast drei Jahrzehnte jüngeren Ottokar in der Burgkapelle von Hainburg. Ottokar war also fast gleich alt wie ihre Söhne. Ich nehme an, dass diese Hochzeit eher einer Adoption gleichzusetzen war – jetzt spekuliere ich einmal. Margarethe muss sich sehr wohl bewusst gewesen sein, dass dies keine Liebesheirat war. Doch in Anbetracht ihrer Lage – ihr Mann war tot, nachdem er von seinem eigenen Vater eingesperrt worden war; ihre Söhne hatte man ihr entzogen; die eigenen Verwandten waren nahezu ausgestorben; mit ihrer Nichte lag sie im Streit wegen Besitzungen – könnte ich mir vorstellen, dass sie in der Hochzeit mit Ottokar eine Verbesserung ihrer eigenen Lage sah.

War die Ehe rein aus materiellen Überlegungen vorteilhaft, gab es doch einen heiklen Punkt: Margarethe war 50 Jahre alt und konnte keine Kinder mehr bekommen. Ottokar hatte einen unehelichen Sohn, den er gerne legitimiert hätte, doch dagegen war der Papst. Wie sollte Ottokar so eine Dynastie gründen?

1261 trennte er sich von Margarethe – diesmal mit Zustimmung des Papstes. Einen leiblichen Sohn zu legitimieren ging nicht, eine Scheidung sehr wohl. Das sagt meines Erachtens viel aus. Zwei Monate nach der Scheidung von Margarethe ehelichte er Kunigunde, die Enkelin des ungarischen Königs.

Wir standen auf dem herrlichen Burgberg und sahen hinüber zu unserem nächsten Wanderziel – dem Braunsberg. Irgendwie sieht er ein bisserl nackert aus, der Braunsberg. Braun war der Berg nicht – hellgrau leuchteten die Felsen zu uns herüber. Also stiegen wir wieder hinunter in die Stadt. Die Wege auf dem Schlossberg sind wirklich sehr schön gepflegt. Dann folgten wir wieder einer Stadtmauer, diesmal kamen wir zum Ungartor. Beim Ungartor gab es ein Kaffee, und den brauchten wir jetzt auch, wollten wir doch den nächsten Berg erklimmen.

Wir stiegen gegen den Uhrzeigersinn auf den Braunsberg. Schon beim Hinaufwandern hatten wir eine prachtvolle Aussicht. Doch unschlagbar war der Panoramablick vom Plateau des Braunsbergs.

Die Stadtmauer von Hainburg ist noch 2,5 km lang. Der Hauptwall, der die keltische Höhensiedlung auf dem Braunsberg umgab, soll 1,5 km lang gewesen sein. Ein hölzerner Wachturm und ein Stück Palisadenzaun wurden rekonstruiert, damit man eine kleine Vorstellung davon bekommt. Wer jedoch auf dem Braunsberg steht, betrachtet nicht allzu lange den Palisadenzaun – dazu ist die Aussicht einfach viel zu grandios. Bratislava im Osten: Weiß leuchtet das Schloss zu uns herüber, noch mehr leuchtet ein hässlicher silberner Büroturm neben dem Schloss. Und da ist noch die Brücke über die Donau. Windräder gibt es im Süden zu sehen. Brücken gibt es nicht häufig an der schönen blauen Donau – doch vom Braunsberg sieht man zwei: die in Bratislava und die von Hainburg. Fast 2 km ist sie lang; im Oktober 1969 begann der Bau, im Jänner 1973 wurde sie eröffnet. Die nächste Brücke, die über die Donau führt, ist erst in Wien.

Apropos Verkehr: Besonders interessant ist die Zugtrasse bei Hainburg. Wie auf Stelzen fährt die Bahn hochwassersicher neben der Donau entlang, kurz droht der Zug, einen mittelalterlichen Turm zu rammen, bekommt dann doch die Kurve und lässt das Bauwerk unbeschädigt. Im Norden gibt es viel Wald zu sehen – allerfeinsten Auwald. Und wenn man ganz genau schaut, sieht man Schloss Hof und Schloss Niederweiden.

Doch es zahlte sich auch aus, den Blick nicht nur nach unten und in die Weite zu richten. Nein, auch ein Blick in den Himmel sollte gewagt werden – besonders, wenn Falken gerade dabei sind, ihren Jungtieren das Jagen nach Grillen beizubringen. Unermüdlich flogen die eleganten Vögel zur Abbruchkante des Berges, wo sie den Auftrieb nutzten, um sich energiesparend hochzuschrauben. Rüttelflug am Himmel, dann Sturzflug auf den kurzen Trockenrasen. Und da die Jungtiere lernen mussten, wurde diese Übung oft und oft wiederholt. Einfach herrlich.

Beim Bergabgehen kommt man bei der Ruine Röthelstein vorbei (Wanderbeschreibung: Hainburg – Panoramaweg zur Ruine Röthelstein) und schließlich zur Donaulände. Die Wanderungen auf den Schlossberg von Hainburg und auf den Braunsberg gehörten zu den schönsten Routen, die wir bis jetzt gehen durften. Unbedingt empfehlenswert.

 

Mida Huber Wanderweg – Landsee

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

4,8 km153 HM1,5 h
    

Die Ruine Landsee im Mittelburgenland gehört zu den größten Burgruinen Mitteleuropas. Sie liegt mitten im Naturpark Landseer Berge. Ein Naturpark mit einer gigantischen Burgruine – klar, dass wir uns das ansehen wollten. Als wir im Juni 2026 Urlaub im Mittelburgenland machten, steuerten wir bereits auf der Hinfahrt die Ruine an.

Ehrfürchtig standen wir vor dem alten Gemäuer. Eine Holzbrücke führte zu einem mächtigen Tor mit einer prächtigen Pechnase. Nichts wie hinüber und hinein in die Ruine! In den äußeren Burggraben wollte ich zwar ebenfalls noch hinabsteigen, aber alles zu seiner Zeit.

Kaum hatten wir den Torturm durchschritten, standen wir vor der ersten Entscheidung: rechts hinauf oder geradeaus weiter? Wir entschieden uns zunächst für den Anstieg. Hoch zwischen zwei tiefen Gräben – dort, wo einst der Wall mit Palisaden befestigt war – marschierten wir dahin. Über eine Treppe gelangten wir in den inneren Burggraben und schließlich in jenen Teil der Burg, in dem sich einst die Wirtschaftsgebäude befanden.

Heute liegt zwischen der Hochburg und den hoch aufragenden äußeren Ringmauern ein Veranstaltungsgelände mit einem außergewöhnlich sauberen WC samt Waschraum – ein Luxus, den die Bewohner der Burg einst sicherlich nicht kannten.

Vor uns lag der Brunnen. 66 Meter soll er tief sein. Welch gewaltige Mühe musste es gewesen sein, ihn in den Fels zu treiben! Und ebenso beschwerlich war es wohl, das Wasser täglich aus dieser Tiefe heraufzuziehen.

Hoch über uns thronte die Hochburg. Es zog uns förmlich zum nächsten Burgtor – nicht zuletzt deshalb, weil wir es plötzlich eilig hatten. Schwarze Wolken zogen auf, und wir wussten nicht, wie viel Zeit uns für die Besichtigung noch blieb.

Die Ruinen hinter dem vierten Burgtor waren einst Wohngebäude aus dem 17. Jahrhundert. Zahlreiche Mauern ragen noch heute in den Himmel. War der Hof vielleicht dreieckig angelegt? Unzählige Räume mussten sich einst in diesem Gebäudekomplex befunden haben. Bauherr war vermutlich Paul Esterházy.

Davor hatte man in der Hochburg gewohnt, die deutlich kleiner war. Dort befand sich auch der alte Bergfried. Im 16. Jahrhundert lebte hier eine durchaus berüchtigte Frau: Gertrud von Weisspriach, die Witwe des Kärntner Landeshauptmannes Ulrich von Weisspriach.

Offenbar kam es in der Geschichte immer wieder vor, dass sich einflussreiche Frauen mit Räubern oder Freibeutern verbündeten. Ein prominentes Beispiel ist die englische Königin Elisabeth I. Unter ihrer Herrschaft erhielten Freibeuter sogenannte Kaperbriefe und durften damit spanische Galeonen angreifen und plündern. Im Gegenzug erhielt die Krone einen beträchtlichen Teil der Beute. Der bekannteste dieser Freibeuter war Francis Drake.

Auch Gertrud von Weisspriach verbündete sich mit einem Räuber. Sein Name war Franz Magusch. Gemeinsam mit seiner Bande und von Gertrud angeworbenen Söldnern terrorisierte er die Umgebung bis ins heutige Sopron. Anders als Elisabeth I. ließ Gertrud jedoch nicht Feinde des Reiches berauben, sondern die eigene Bevölkerung. Schließlich wurde sie deshalb verhaftet und eingesperrt.

Wir stiegen weiter bergauf und durchschritten das fünfte Tor. Nach einem dunklen Durchgang mit einer Rinne im Boden standen wir plötzlich im engen Hof der Hochburg. Besonders beeindruckten uns die Küche mit ihrem gewaltigen Kamin – oder was immer dieses mächtige Bauwerk ursprünglich gewesen sein mag – sowie der Bergfried mit seinen bis zu zehn Meter dicken Mauern und seinen fünf Geschossen.

Zunächst stiegen wir über die hölzernen Treppen empor und erreichten die eiserne Wendeltreppe. Doch inzwischen grollten Blitz und Donner. Auf einer Metalltreppe einen hohen Turm auf einem Berg während eines Gewitters zu besteigen, erschien uns keine besonders gute Idee. Also traten wir rasch den Rückweg an – mit dem festen Vorsatz, wiederzukommen.

Ganz so eilig hatten wir es dann aber doch nicht. Beim Kiosk am Eingang setzten wir uns auf die überdachte Terrasse und genossen einen ausgezeichneten Gemüsestrudel.

Als unser Kurzurlaub im Mittelburgenland zu Ende ging, stand unser Entschluss fest: Wir würden nach Landsee zurückkehren.

Im Naturpark Landseer Berge gibt es mehrere Wanderwege. Einer führt von Kobersdorf über die Ruine und den Pauliberg wieder zurück. Da das Thermometer bereits am Vormittag knapp 30 Grad zeigte, entschieden wir uns gegen diese längere Tour. Stattdessen wählten wir den deutlich kürzeren Mida-Huber-Bankerlwanderweg, der zum Öden Kloster führt.

Mida Huber war eine Schriftstellerin, die von 1880 bis 1974 lebte.

Wir parkten bei der Burgruine und folgten den Wegweisern. Vorbei am kleinen Waldfriedhof ging es durch den Wald bergauf. Auf einer Lichtung entdeckten wir Himbeersträucher, über denen zahllose Schmetterlinge flatterten.

Immer weiter führte der Weg durch den Wald, bis wir plötzlich vor der Florianikapelle standen. Dort fanden wir eine wunderschön gestaltete Sitzgelegenheit und dahinter das wohl vornehmste Gipfelbuch, das ich je gesehen habe.

Von der Florianikapelle ist es nur noch ein kurzes Stück bis zum Öden Kloster – allerdings hat es dieses kurze Stück in sich. Der Anstieg ist ausgesprochen steil.

Der Hügel wurde einst künstlich eingeebnet und terrassiert. Hier standen früher die dem heiligen Michael geweihte Klosterkirche sowie acht freistehende Eremitenklausen. Eine hohe Mauer ist bis heute erhalten geblieben und nicht zu übersehen. Mehrere zum Teil beachtliche Erdwälle können bestiegen werden; unter ihnen dürften sich noch die Reste der einstigen Gebäude befinden. Auch an den Bodenformen lässt sich gut erkennen, wo die Fundamente der Klausen lagen.

Nur 81 Jahre bestand hier ein Kloster des Kamaldulenserordens. Ich muss gestehen, dass ich von diesem Orden zuvor noch nie gehört hatte. Also bemühte ich das Internet und erfuhr, dass der Orden im Jahr 1012 in der Toskana gegründet worden war.

Anschließend wanderten wir wieder bergab durch einen idyllischen Wald und erreichten schließlich eine stark befahrene Straße. Immer wieder donnerten schwer beladene LKW an uns vorbei. Wie froh war ich, dass hier ein sicherer Gehsteig vorhanden war.

Die Lastwagen steuerten den Pauliberg an, wo im Steinbruch Gestein abgebaut wird. Der Pauliberg ist der jüngste Vulkan der oststeirischen Vulkankette.

Durch den Ort Landsee gelangten wir schließlich wieder zur Burgruine. Diesmal steuerten wir sofort den mächtigen Bergfried an und genossen den herrlichen Rundumblick.

Doch nicht nur das Panorama begeisterte uns. Auch ein junger Falke, der sich geduldig fotografieren ließ, ließ unsere Herzen höherschlagen.

Wer die Ruine besucht, sollte unbedingt alle Burggräben durchwandern. Besonders der innere Burggraben beeindruckt durch seine enorme Tiefe. Die unzähligen Ziegel, die hier verbaut wurden, lassen einen voller Ehrfurcht an den gewaltigen Fleiß unserer Vorfahren denken.

Auch der äußere Burggraben ist beeindruckend. Der äußere Befestigungsring misst rund 1.700 Meter Länge. Man ist eine ganze Weile unterwegs, bis man die gewaltige Wehranlage vollständig umrundet hat. Spätestens dann wird klar, dass die Burg ihren angeblich ursprünglichen Namen „Ehre des Landes“ – aus dem sich später „Landsee“ entwickelte – mehr als verdient. Mein Tipp: Im Dorfgasthaus „Naturkuchl wia z’haus“ in Kaisersdorf (Hauptstraße 58) kann man richtig lecker essen. Besonders Vegetarier werden von diesem Restaurant begeistert sein.

Von Schielleiten nach Maria Fieberbründl

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 7 kmkaum2,5 Stunden
    

Die Wanderung von Schielleiten nach Fieberbründl und zurück ist für uns eigentlich eine klassische Winterwanderung, wenn die Tage recht kurz sind und wir in der Kälte nicht allzu lange im Freien unterwegs sein wollen. Doch diese Strecke ist zu allen Jahreszeiten herrlich.

Wenn man vor dem Schloss Neu-Schielleiten steht, sich kurz umdreht und auf den Vockenberg blickt, kann man die Ruinen der Burg beziehungsweise des Schlosses Alt-Schielleiten entdecken. Alt-Schielleiten wurde als Wehrburg in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts auf der „schiefen Leite“ (dem Abhang) des Vockenberges errichtet. Von dieser „schiefen Leite“ dürfte wohl auch der Name stammen.

Errichtet wurde sie von Stubenbergischen Dienstmannen, die sich nach ihrer Burg „von Schielleiten“ nannten. Diese Familie war nicht unbedingt einflussreich und hatte auch nicht viel Zeit, bedeutende Persönlichkeiten hervorzubringen, denn um 1400 erlosch das Geschlecht.

Irgendwann kam die Burg in den Besitz der Familie Rindscheidt, die sie im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts in ein hübsches Renaissance-Schloss verwandelte. Das Gebäude wurde immer weiter ausgebaut, und zu Beginn des 17. Jahrhunderts kamen auch ein prachtvoller Garten samt Lusthaus hinzu. Stattlich sah das Anwesen nun aus, und die Besitzer hätten sich dort eigentlich auch recht wohlfühlen können – hätten und können.

Die Rindscheidts waren protestantischen Glaubens, wie damals sehr viele Adelige in der Steiermark. Im Zuge der Gegenreformation mussten sie die Steiermark verlassen. Also kam die Herrschaft an einen neuen Besitzer – und dieser war mit der hübschen Burg beziehungsweise dem Schloss scheinbar nicht ganz zufrieden.

Bequemer wäre ein Schloss im Tal gewesen, also ließ Graf Max Rudolf von Wurmbrand-Stuppach ein neues Schloss errichten. Einen barocken Prachtbau. Ein Schloss zu bauen war keine Kleinigkeit. Als der Graf starb, war kein Geld mehr für den Bau vorhanden – dafür aber ein ganzer Haufen Schulden. An eine Fertigstellung war nicht mehr zu denken. Wir befinden uns im Jahr 1731. Man überlegte, ob man nicht doch wieder das alte Schloss herrichten sollte – daraus wurde allerdings ebenfalls nichts.

Mehr als 200 Jahre später, im Jahr 1935, kam Neu-Schielleiten in den Besitz der Republik Österreich. Dabei wurde auch der bis dahin fehlende Gebäudetrakt errichtet. Bis 1938 diente das Schloss, das nun sogar über einen Turnsaal verfügte, der Österreichischen Turn- und Sportfront. Unter den Nationalsozialisten wurde Sport ebenfalls stark gefördert – die Soldaten sollten schließlich körperlich sehr fit sein. In Neu-Schielleiten entstand eine Gauschule, eine Ausbildungsstätte für Leibesübungen.

1947 kam Schloss Neu-Schielleiten erneut in österreichischen Staatsbesitz, und hier entstand die erste Bundessportschule Österreichs.

Rund um das Schloss stehen einige Statuen. Diese thronten früher in schwindelerregender Höhe über dem Schloss auf einer Attikamauer. Dicke Bäume wachsen im Park, daneben gibt es diverse Sportstätten. Doch diese ließen wir links liegen und folgten dem Wanderweg. Bald kamen wir zum nächsten Highlight. Auf einem Damm mit uralten, mächtigen Bäumen wanderten wir an einem Fischteich vorbei, wobei uns ein Fischreiher argwöhnisch beobachtete.

Wir bogen rechts ab. Ganz kurz mussten wir auf einer schmalen Asphaltstraße gehen, doch gleich bei einer Kapelle ging es wieder in Richtung Wald. Hier gab es den nächsten Damm und den nächsten Fischteich. Wir folgten dem Forstweg und kamen zu einem Gedenkstein. Im Jahr 1924 wurde in diesem Wald der Gendarm Andreas Haas in pflichtbewusster Ausübung seines Berufes erschossen.

Mitten im Wald stand ein verlassenes Bauernhaus, etwas später folgte ein weiteres Haus – allerdings nicht verlassen, sondern sehr belebt. Glückliche Hühner und ein hübscher weißer Pfau zeigten sich dort. Der Pfau wollte den munter gackernden Hennen in schönstem Imponiergehabe demonstrieren, wer hier der „Hahn im Korb“ war.

Wir kamen an einem Waldrand entlang, querten eine Wiese, die das Habitat unzähliger musikalischer Grillen war, passierten noch ein Bauernhaus, dann noch eines, wieder Wald – und nun kamen uns recht viele Leute entgegen. Eindeutig: Wir waren mehr oder weniger auf der Zielgeraden in Richtung Maria Fieberbründl. Wir hörten bereits Gesang – sonntags gibt es sogar um 15 Uhr noch eine Messe – und dann sahen wir das Schild „Gradieranlage“.

Diese mussten wir uns natürlich ansehen. Ein Holzbau, der an eine Waldkapelle erinnert, mit Wänden aus Schlehdornzweigen und Tannenreisig. Darüber rieselte unaufhörlich solehaltiges Wasser. Das tut den Lungen gut.

Der Weg führte bergauf zum Gasthaus Durlacher. Wir wanderten an ehemaligen Devotionalienhändlern vorbei hinunter zur Kirche. Die Messe war noch voll im Gange. Selbst auf den Bänken vor der Kirche saßen Menschen, die dank der Außenlautsprecher der Messe gut folgen konnten. Ein Tisch für die Agape war bereits vorbereitet, und in der Quellenkapelle brannten unzählige Opferlichter.

Das Wasser von Maria Fieberbründl ist stark rechtsdrehend und soll gegen Halskrankheiten, Kropfleiden und Fieber helfen. Ursprünglich wurde in diesem doch sehr versteckten Winkel der Oststeiermark eine Holzkapelle errichtet. 1879 wurde dann eine größere Wallfahrtskapelle gebaut, und der Ort zog schließlich so viele Pilger an, dass man in den Jahren 1893/94 eine Bethalle anbaute.

1953 übernahm der Kapuzinerorden die Betreuung des Wallfahrtsortes und fügte Kapelle und Bethaus ein Querschiff hinzu. Maria Fieberbründl ist offensichtlich noch immer ein beliebter Wallfahrtsort. Sonntags werden in der Filial- und Wallfahrtskirche Maria im Elend gleich drei Messen gefeiert.

Allerdings glaube ich kaum, dass die Wallfahrtsriten, die im Buch „Kultplätze im Land Steiermark“ von Franz Jantsch aus dem Jahr 1994 beschrieben werden, heute noch aktuell sind:

„Das Hauptfest ist am 8. November. Aus Stinatz im Burgenland kommt eine Prozession zu Fuß. Mädchen tragen Blumenkränze im offenen Haar. Beim dritten Umgang werfen sich die Mädchen bei einem bestimmten Lied auf das Angesicht und bleiben so liegen, bis das Lied zu Ende ist.“

Diese Zeiten sind wohl vorbei. Aus dem Lautsprecher hörte ich stattdessen meines Erachtens sehr sinnvolle Abschiedsworte einer fürsorglichen Frau, die sich – so glaube ich – an betagte Kirchenbesucher richtete. Sinngemäß sagte sie:

„Wer möchte, kann zur Gradieranlage gehen – das ist ein bisschen Bewegung, die uns gut tut. Und vergesst bitte nicht, Wasser zu trinken. Die letzte Stunde haben wir nichts getrunken.“

Auch so kann Wallfahrt aussehen. Betagte Menschen, die gemeinsam eine Messe feiern und singen, und fürsorgliche Personen, die sich um ihre Gesundheit sorgen. Ein aufeinander Achtgeben – das gefällt mir persönlich noch besser als die jungen, blumenbekränzten Mädchen, die sich auf ihr Angesicht werfen.

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Ruine Ruttenstein Weg Nr. 95

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 12 km362 HM3 Stunden
    

Die Mühlviertler Alm ist eine Gegend, in der wir immer wieder sehr gerne unterwegs sind. Wir nächtigen im Hotel Fürst in Unterweißenbach, einem Markt, der für Mühlviertler Verhältnisse recht belebt ist. Nicht weit von Unterweißenbach liegt eine wahrhaft große und interessante Burgruine: die ehemalige Burg Ruttenstein. Diese wollten wir auf einer Wandertour erkunden – Startpunkt war Pierbach, ein Ort, der in der Luftlinie ebenfalls nicht weit entfernt liegt. Mit dem Auto fuhren wir jedoch um die Berge herum und legten dabei rund 18 Kilometer zurück.

Zu unserer Wanderung:
In Pierbach gibt es einen ganz tollen Parkplatz für Wanderer, denn der Ort ist auch Startpunkt des beliebten Johanneswegs. Pierbach wurde bereits um das Jahr 1000 gegründet. Die Pfarrkirche zum Heiligen Quirin besitzt romanische, gotische sowie barocke Bauteile.

Wir verließen den Ort, indem wir die Bundesstraße und eine Brücke querten und in Richtung Norden auf das Gasthaus „Beim Trinkl“ zustrebten. Eine sehr große Gruppe bestens gelaunter Wanderer kam uns entgegen und lud uns ein, mit ihnen zum Augenbründl zu gehen. Doch wir hatten anderes vor: Die Ruine der größten Wehrburg im Mühlviertel wartete auf uns.

Zuerst wanderten wir entlang einer schmalen Asphaltstraße der Naarn entlang. Schließlich bog der Weg links ab, und über eine Brücke gelangten wir in den Wald, wo der erste Aufstieg der Wanderung begann. Wir kamen bei einem Bauernhaus heraus; neben uns ein Weidezaun, viele urige Bäume, und noch mehr muntere Vögel waren unterwegs. Buchfinken, Meisen, Spechte, Singdrosseln, Mönchsgrasmücken, Rotkehlchen, Amseln sowie Goldammern waren zu hören und zu sehen.

Schließlich sahen wir vor uns ein Marterl im Steinbloß-Stil. Hier mussten wir wieder rechts abbiegen und dem Asphaltweg ein kurzes Stück folgen, um dann erneut links in den Wald einzutauchen. Der Waldboden war hier wunderbar hellgrün, es gab Teppiche von Heidelbeeren, dazwischen lagen Granitbrocken – einfach schön.

Das weitere Wegstück führte auf Asphalt, aber keine Angst: Die Straßen auf der Mühlviertler Alm sind kaum frequentiert. Dann erreichten wir den Parkplatz zur Ruine Ruttenstein. Ich freute mich, nun gleich das beeindruckende Bauwerk erkunden zu können – und las, dass es noch 45 Minuten bis zur Burg seien. Es waren angenehme 45 Wanderminuten. Ich entdeckte „tanzende“ Eichen, dann eine Birnbaumallee, und schon hatten wir einen wunderbaren Blick auf die hoch über uns aufragende Ruine.

Wir entschlossen uns, zuerst den Wehrbau zu besichtigen und anschließend in der „Ruttensteiner Hütte“ einzukehren.

Für die Burgbesichtigung sollte man unbedingt mindestens eine Stunde einplanen. Wir umrundeten das Bauwerk. Die Ringmauer war sehr massiv, mit sieben Halbschalentürmen, die aus dem Granit zu wachsen schienen. Durch diese Halbschalentürme war es der Burgmannschaft möglich, Angreifer, die die Mauer stürmen wollten, geschützt von der Seite anzugreifen. Die Ringmauer ist 2,3 Meter dick und schützt das Burgareal, das gewaltige 5.000 m² umfasst.

Auf 758 Metern Seehöhe liegt die Burg und damit weit höher als alle Hügel der Umgebung. Die Hochburg wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet, als Bauherren gelten die Grafen von Clam-Velburg. Diese rodeten die Wälder rund um den Fluss Naarn. Im Oberlauf des Flusses errichteten sie dann hoch über dem Tal das „castrum Rotinstaine“. Graf Ulrich von Clam-Velburg nahm unglücklicherweise an einem Kreuzzug teil und kehrte nicht mehr zurück. Daher fiel der Besitz an den Landesfürsten, die Babenberger. Nach den Babenbergern kam die Burg an König Rudolf I. von Habsburg, der sie wiederum an einen verdienten Krieger mit dem ungewöhnlichen Namen Ulrich der Lange von Capellen verpfändete.

Dieser Adelszweig starb jedoch 1406 im Mannesstamm aus. Erbinnen waren die Töchter Dorothea und – mit einem weiteren herrlichen Namen – Willibirg. Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte: Der Testamentvollstrecker Reinbrecht II. von Wallsee eignete sich die Burg schließlich an.

Seit 1823 sind die Herzöge von Sachsen-Coburg und Gotha Besitzer der Ruine. Ich habe ein Burgenbuch aus dem Jahr 1989, in dem ein Foto zu sehen ist, auf dem die Mauern der Ruine noch zwischen dichtem Bewuchs stehen.

Seit etwa 25 Jahren hat die Gemeinde Pierbach die Burgruine gepachtet. Gemeinsam mit dem Burgenverein sichert und pflegt sie dieses bedeutende Bauwerk. Auch die Bäume wurden gerodet, und als erfolgreiche Landschaftspfleger werden heutzutage Burenziegen eingesetzt (die bei unserem Besuch allerdings nicht vor Ort waren).

Die alte romanische Hochburg besteht aus einem Wohnturm, der ursprünglich vier Stockwerke hatte. Heute befindet sich darauf eine Aussichtsplattform. Der Rundumblick ist gigantisch. Ich entdeckte die Kirche von St. Thomas am Blasenstein sowie die Ruine Klingenstein. Bei guter Sicht soll man bis zu den Alpen sehen können – während unseres Besuchs zogen jedoch dunkle Regenwolken über den Himmel.

Bei kaltem Wetter war es im Wohnturm vermutlich auch früher nicht besonders gemütlich; Glutpfannen dienten als „Heizung“. Ich bin jedenfalls froh, im 21. Jahrhundert zu leben.

Zu Füßen des Wohnturms befinden sich eine romanische Burgkapelle und hohe, eingemeißelte Steinstufen. Höher als der Wohnturm war einst der Bergfried, der sechs Stockwerke besaß. Sein Zugang lag in etwa sieben Metern Höhe – eine zusätzliche Hürde für Angreifer, falls sie es bis in die innere Burg geschafft hatten. In den Mauern des Bergfrieds sind noch schmale Treppen zu erkennen. Beeindruckend ist auch der Zwinger mit seinen großen, rötlich gefärbten Granitsteinen. Ich habe bislang noch keine Burgruine gesehen, deren Zwinger so eindrucksvoll ist wie jener auf Ruttenstein.

Ein Buchfink hüpfte die Rampe zur Hochburg hinauf und suchte nach Insekten. Auch ein Falke segelte über dem alten Gemäuer. Vögel scheinen sich hier offensichtlich sehr wohlzufühlen.

Wir schlüpften inzwischen durch eine Glastür, um die großzügig angelegte Vorburg aus dem 15. Jahrhundert zu erkunden. Sie war einst 3.200 m² groß. Hier befanden sich Stallungen für 18 Pferde, Wirtschaftsgebäude sowie Werkstätten. Insgesamt hatten rund 1.500 Menschen Platz in dieser Vorburg.

So großartig die Burg einst gewesen war, so sehr hatten Blitzeinschläge und Brände dem Bauwerk im Laufe der Zeit zugesetzt. Ab etwa 1600 begann sie zu verfallen. Doch auch im Verfall hatte die Burg noch Bedeutung – sie verfügte weiterhin über die hohe Gerichtsbarkeit. Nicht nur in der Oststeiermark gab es Hexenprozesse, auch im Mühlviertel fanden solche statt. 1730 wurde der letzte Hexenprozess in Ruttenstein abgehalten.

Einsetzender Regen erleichterte uns schließlich den Abschied von der Ruine, und wir waren froh, dem unfreundlichen Wetter in der Ruttensteiner Hütte entkommen zu können. Gute Suppe, eine leckere Nachspeise und ein Kaffee – die Ruttensteiner Hütte können wir wärmstens empfehlen.

Als der Regen nachließ, traten wir den Rückweg an, wobei wir einen Teil des Weges erneut zurückgehen mussten. Bald konnten wir jedoch links in den Wald abzweigen und dem Tal der Naarn folgen. Ein weiteres Highlight dieser Wanderung: ein traumhafter Flusslauf, klares Moorwasser, immer wieder massive Granitformationen und ein nettes Gänsesägerpaar – ein wirklich großartiger Wegabschnitt.