Kirchbergvitalweg Ortsrunde (plus Abstecher zu den Hügelgräbern im Urlaswald)

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 7,67 km160 HM2 h
    

Kirchberg an der Raab ist nicht weit von Gleisdorf entfernt. Fährt man mit dem Auto von Gleisdorf in Richtung Feldbach, ist man zunächst im Tal unterwegs. Die Bundesstraße führt jedoch bei Kirchberg den Hügel hinauf (man sieht im Vorbeifahren eventuell einige Teiche, das Schloss und die hübsche Kapelle beim Friedhof). Danach fährt man den Hügel wieder hinab und ist erneut in der Ebene.

Beim Vorbeifahren ahnt man nichts von den archäologisch und historisch interessanten Plätzen rund um Kirchberg. Aber auch die Natur hat dank der 22 Teiche, die eine Gesamtfläche von 50 Hektar ausmachen (einige davon sind schon 300 Jahre alt), einiges zu bieten.

Wir starteten unsere Wanderung bei der Schule in Kirchberg. Hier gibt es eine traumhafte Kastanienallee – darunter befinden sich Parkplätze im Schatten, was in der warmen Jahreszeit sehr angenehm ist. Hinter der Schule gibt es ein riesiges Hackschnitzellager. Daran mussten wir vorbei, und schon sahen wir ein Schild zum Eislaufplatz.

Der Eislaufplatz muss im Winter ganz toll sein – im Mai war am Holzgelände ein Schild befestigt: „vorübergehend gesperrt“. No-na-no! Frösche gaben ein herrliches Konzert, ein Blesshuhn versteckte sich hinter den Wasserpflanzen.

Die Kirchberger Teiche sind für Vögel aller Art ein Paradies. Blesshühner, Haubentaucher, Meisen, Graureiher, Silberreiher, Nachtreiher, Bussarde, Regenpfeifer … mögen es hier möglichst ungestört und gut gedeihen.

Durch den Wald ging es bergauf, dann eben zwischen Häusern und Bäumen in den Langwald hinein. Leider habe ich erst im Nachhinein gelesen, dass es in diesem tollen Wald auch Hügelgräber geben soll. Hätte ich das früher gewusst, hätte ich dem Waldboden mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

Im Wald mussten wir links abbiegen, wir kamen zur Kirchberger Straße. Bei einer Häusergruppe mussten wir diese überqueren, und nun ging es eine Weile entlang einer asphaltierten Nebenstraße. Doch bevor es mir zu langweilig wurde, durften wir wieder rechts abbiegen, und wir kamen durch den Wald zum Harrachberg.

Am Harrachberg soll es gleich mehrere unterirdische Gänge geben. Das wusste ich bei unserer Wanderung ebenfalls noch nicht. Der Hohlweg, der in Richtung Hof führt, ist ein Gedicht – und wie immer, wenn ich auf einem solchen Hohlweg unterwegs bin, male ich mir aus, wie alt dieser schon sein könnte. Übrigens soll es in Hof auch einen unterirdischen Sandsteingang geben.

In Hof gab es dann den nächsten Anstieg, danach ging es am Grat des Hügels entlang. Uralte Obstbäume gibt es hier, und wo uralte Obstbäume gedeihen, halten sich auch die Piepmätze gerne auf. Der Kirchberg-Vitalweg ist auch ein toller Winterwanderweg. In der kalten Jahreszeit konnten wir auf dieser Runde Schwanzmeisen und Spechte beobachten.

Wieder im Wald kommt man zur Wanderwegkreuzung „Eicherlkreuz“. Hier mussten wir uns entscheiden: die Bergrunde ansteuern oder die Runde zurück nach Kirchberg. Dunkle Wolken waren bereits aufgezogen, ab Mittag war Regen prognostiziert, und es war halb zwei (also hatten wir bis dahin schon großes Glück gehabt, dass es noch nicht zu regnen begonnen hatte). Also ging es zurück zum Ort.

Über eine Brücke, zwischen Feldern, ging es entlang – mit einem wunderbaren Blick auf den Kirchberg. Doch ganz so schnell kamen wir dann doch nicht wieder zum Ort zurück, denn wir wollten unser Wetterglück noch etwas herausfordern. Wir wollten uns noch den Urlaswald mit seinen Hügelgräbern ansehen. Also bogen wir vor einer Holzlagerstätte rechts ab, kamen beim Bauhof vorbei, mussten dort die Bundesstraße queren und gleich darauf links in den Wald abbiegen.

Wieder ein toller Hohlweg – links und rechts neben uns gab es riesige Hügel. Ich hatte gelesen, dass dieser Hohlweg auf eine Altstraße hindeuten könnte. Entlang der Raab verlief einst ein Römerweg … am Fuße des Saazkogels bei Paldau gab es ein römisches Vicus – eine Handels- und Handwerkssiedlung, angeblich die größte in der Oststeiermark. Möglich, dass hier auf dieser Route schon die Römer unterwegs waren. Auch in Kirchberg hatte man eine römische Siedlung und einen römischen Gutshof entdeckt.

Doch nicht nur das: Auch Hügelgräber wurden gefunden – Gräber aus der Hallstattzeit und aus der Römerzeit. Im Jahr 2005 fanden hier archäologische Grabungen statt. Und im Urlaswald soll es ebenfalls wieder unterirdische Gänge geben. Hügelgräber und unterirdische Gänge – was für ein mystischer Ort. Und wie es sich für solch einen besonderen Ort gehört, gibt es hier auch eine unheimliche Sage: Ein dunkler Mann soll hier herumwandeln und Leute verfolgen. Und so plötzlich er auftaucht, so plötzlich ist er auch wieder verschwunden – wahrscheinlich in einem dieser unterirdischen Gänge, nehme ich an.

Von den gigantischen Gräbern unserer Vorfahren gelangten wir schließlich zu den viel bescheideneren Gräbern der Gegenwart. Der Kirchberger Friedhof grenzt an den Urlaswald – hier gibt es keine großen Hügel, dafür hübsche, bunte Blumen und eine wirklich nette Friedhofskapelle.

Eine Weile gingen wir nun entlang der Bundesstraße, bis wir eine gelbe Wanderwegmarkierung sahen. Wir folgten einer schmalen Straße hinauf zum Ort. Rechts der Straße stand das Schloss Kirchberg. 2026 hatte man offenbar den Garten des Schlosses bearbeitet – wie es für mich aussah, auch mit größerem Gerät.

Als Graf Siegbert Heister zu Beginn des 18. Jahrhunderts das Schloss und die dazugehörigen Gärten bauen ließ, nahm er auch Grabungsarbeiten vor. Denn am Hang gab es so hässliche Hügel – die passten so gar nicht zum Gartenkonzept. Also wurden sie eingeebnet, und dabei machte man einen ganz besonderen Fund: einen hallstattzeitlichen Kultwagen. Von diesem Kultwagen wissen wir heute, weil Pfarrer Anton Meixner 1879 davon berichtete. Das Kultobjekt ist leider im Laufe der Jahrhunderte verschwunden.

Das Barockschloss musste einst recht stattlich gewesen sein, mit Türmen, Höfen, Gärten, Freitreppen und allem Drum und Dran. Graf Siegbert Heister konnte sich das auch leisten. 60.000 Gulden kostete der Erwerb der Herrschaft – der Bau des Schlosses war sicherlich auch kein Schnäppchen.

Heister war ein sehr fähiger Feldmarschall und kämpfte immer wieder gegen die Türken und äußerst erfolgreich gegen die Kuruzzen. Doch die Verdienste im Militärdienst waren auch keine Geschenke. Er selbst wurde einmal sehr schwer verwundet, und als er 1717 an der Seite von Prinz Eugen siegreich in der Schlacht bei Belgrad gegen die Türken kämpfte, verlor er seinen Sohn. Von diesem Schicksalsschlag erholte er sich nicht mehr; ein Jahr später starb er selbst.

Später kam der Besitz an die Familie Liechtenstein. Diese ließ das Schloss später verkleinern. Die Seitenflügel, die Freitreppen zum Mittelpavillon, die vier Türme, der Ehrenhof, die Basteien und die Gärten wurden entfernt.

Hoch über dem Schloss steht die Kirche zum Heiligen Florian. Sie wurde auf römischen Fundamenten erbaut. Rund um die Kirche gab es früher eine Taboranlage. So eine alte Kirche muss auch immer wieder renoviert werden – und 1977 war es wieder einmal so weit. Maurer arbeiteten in der Sakristei der Kirche, als plötzlich ein Teil der alten Steinmauer zusammenbrach.

Ich möchte nicht wissen, wie sich die Maurer gefühlt haben, als sie hinter der eingebrochenen Mauer eine große Menge Knochen und Schädel gefunden haben. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dieses vergessene Ossarium einigen der guten Leute schlaflose Nächte oder Albträume bereitet hat.

Der Kirchturm der Kirche ist auch interessant – die Turmuhr zeigt XIII statt XII. Dazu gibt es auch eine noch nicht ganz so alte Sage: In den 1970er Jahren wurde die Kirche renoviert, und da arbeiteten die Maler und auch die Maurer zeitgleich. Die Maler waren hochnäsig und verspotteten die Maurerlehrlinge, welche sich daraufhin einen Scherz ausdachten. In der Nacht, bevor das Gerüst abmontiert wurde, kletterten die Maurer nochmals hoch und malten neben der römischen Zwölf noch einen Strich. Als nun das Gerüst weg war und die Ortsbewohner den Kirchturm sahen, riefen sie empört: „Jetzt schlägt es aber 13!“ Die Maurer grinsten sich eins, während sich die Maler bei den Stammtischen Spötteleien anhören durften.

Kirchberg an der Raab ist ein ganz besonderer Ort. Mit den großen Wasserflächen ist er für Vögel ein tolles Habitat. In den Hügelgräbern und unterirdischen Gängen fühlen sich offensichtlich Geister wohl. Das Barockschloss ist (obwohl nur mehr ein Bruchteil des einstigen Gebäudes erhalten ist) mit seinen Stuckaturen ein richtiger Hingucker. Ein wiederentdecktes Beinhaus und eine sehr kreative Turmuhr gehören ebenfalls dazu.

Und wenn uns der Regen das nächste Mal mehr Zeit lässt, werden wir auch noch die Bergrunde des Vitalwanderweges erkunden.

 

 

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