Wanderung | Ausgangspunkt | Distanz | HM | Dauer |
Mannersdorf am Leithageb. Bushaltestelle | Mannersdorfer Rundwanderweg | 16 km | 320 HM | 4:15 h |
Parkplatz Arbesmühle | Kloster St. Anna & Ruine Scharfeneck zu Mannersdorf | 5,27 km | 131 HM | 1:30 h |










Am Westhang des Leithagebirges gibt es eine „Wüste“ – die Mannersdorfer Wüste. Wer sich jetzt ein wasserarmes Gebiet mit viel Sand vorstellt, irrt. Die Mannersdorfer Wüste ist seit 1986 ein Naturpark – ein wunderbarer Naturpark mit einer riesigen Burgruine und einem aufgelassenen Kloster. Und wegen dieses Klosters hat das Gebiet auch seinen Namen: „Wüste“. Hier wohnten einst Menschen, die sich völlig zurückzogen und bescheiden in einer „öden, verlassenen“ Gegend als Einsiedler lebten.
Wir parkten unser Auto beim Wanderparkplatz Arbachmühle und starteten unsere Wanderung auf dem Waldweg bergan. Bald schon sahen wir neben uns eine lange, mächtige Mauer. Diese Mauer ist 4,5 km lang und sorgte einst dafür, dass die Brüder im ehemaligen Karmeliterkloster wirklich abgeschieden waren. Wir kamen bei der Waldkapelle vorbei, dann sahen wir schon die ersten Ruinen. Wir hatten die äußere Pforte erreicht. Hier gab es einst ein Pförtnerhäuschen, ein Tor und die Leopoldskapelle.
Wären wir hier im 17. Jahrhundert unterwegs gewesen, wäre mein Spaziergang bereits zu Ende gewesen. Frauen hatten im Kloster der unbeschuhten Karmeliter keinen Zutritt – obwohl es eine Frau war, die dieses Kloster 1644 gründete: Eleonora von Mantua, die zweite Frau von Kaiser Ferdinand II. Eleonora und Ferdinand hatten nicht aus Liebe geheiratet – die junge Frau und der bereits recht betagte Habsburger gingen eine Zweckehe ein. So war die junge Frau nun mit einem wesentlich älteren und, wie es heißt, recht wenig interessanten Mann verheiratet, der sich angeblich nur für Religion und vielleicht auch noch für die Jagd interessierte. Ferdinand war streng katholisch und verlangte dies auch von seinen Untergebenen. In seiner Herrschaft kam es zum Aufstand der böhmischen Stände, was schließlich zum Dreißigjährigen Krieg führte.
Doch auch Eleonora, die selbst eine Klosterschule besucht hatte, schien der Religion sehr zugetan gewesen zu sein. Sie gründete ein Karmeliterkloster in Graz und in Wien und eben auch jenes in Mannersdorf. Doch welcher Orden war es, den die Kaiserwitwe so unterstützte?
Gegründet wurde dieser Orden zur Zeit der Kreuzzüge. Damals zogen sich Kreuzfahrer im Heiligen Land auf den Berg Karmel zurück, um dort als Einsiedler zu leben. 1238 kamen die ersten Karmeliter nach Europa.
Das Kloster, das in Mannersdorf gegründet worden war, bestand aus der Klosterkirche St. Anna, 18 freistehenden Zellen, weiteren sieben Einsiedeleien im Wald für jene Klosterbrüder, die sich noch weiter zurückziehen wollten. Auch gab es innerhalb der Klostermauern Äcker, Gärten, Obstbäume, Steinbrüche und Kalköfen sowie einen Meierhof.
Wir wanderten nicht sehr lange auf der Forststraße, als ich einen Weg entdeckte, der im Wald zu einem Bach führte. Wir folgten diesem und anschließend dem idyllischen Wanderpfad entlang des Baches. Weniger idyllisch waren die vielen Mücken, die sich freudig auf uns stürzten.
Wie froh waren wir, den Wald hinter uns gelassen zu haben und auf eine Lichtung zu kommen. Vor uns lag eine Weide mit schwarzen, urigen Rindern. Bei jedem Rind hielten sich in unmittelbarer Nähe zwei Vögelchen auf, die immer wieder aufflatterten und im Fell der Wiederkäuer nach Insekten suchten.
Hinter der Weide stand sie nun – die Klosterkirche mit den dazugehörigen Gebäuden. Sie sah schön aus, irgendwie ein wenig irisch. Wären wir hier in den 1930er-Jahren unterwegs gewesen, hätten wir vor uns keine Kirche mit Dach und Turm gesehen, sondern ebenfalls nur Ruinen. Doch zum Glück gibt es engagierte Personen, die dieses Ensemble wieder aufgebaut haben.
Die Allee, die zur Kirche führt, ist uralt und einfach herrlich. Weniger alt als die mächtigen Bäume ist der Kinderspielplatz vor dem Kloster. Es war ein heißer Tag, und die Kinder genossen besonders die Spielstation, an der man Wasser durch verschiedene Holzrinnen leiten kann. Auch der Irrgarten ist sehr schön und erfreut sowohl Erwachsene als auch Kinder.
Gab es rund um den gesamten Klosterbesitz eine 4,5 km lange Mauer, so gibt es nun um das Kloster selbst nochmals eine Wehrmauer. Und das mit gutem Grund: 1644 wurde das Kloster gegründet, zehn Jahre später eingeweiht. 1683 wurde es von den Türken zerstört – der kaiserliche Hof ermöglichte einen Wiederaufbau. 22 Jahre später wurde es von den Ungarn zerstört. Die Klostergemeinschaft baute es wieder auf; 1763 gab es dann Schäden durch ein Erdbeben.
All das haben die unbeschuhten Karmeliter überlebt und immer wieder neu begonnen. Die Blütezeit des Klosters lag angeblich unter Kaiserin Maria Theresia. Ihr Sohn sorgte dann dafür, dass das Kloster aufgelöst wurde.
Wir besahen uns den hübschen Klostergarten und setzten uns anschließend in den gemütlichen Gastgarten, wo wir uns eine Erfrischung gönnten.
Dann ging es weiter – an einem Bauernhof mit glücklichen Hühnern vorbei und wieder hinein in den Wald. Links und rechts des Weges konnte man Mauerreste ehemaliger Mönchszellen entdecken. Unsere Entdeckungslust war jedoch etwas eingeschränkt, da wir damit beschäftigt waren, die lästigen Blutsauger abzuwehren. Ich habe schon öfter von Wanderungen berichtet, bei denen uns die Mücken das Leben schwer gemacht haben – doch die Plagegeister in der Mannersdorfer Wüste stellten ihre steirischen Kollegen locker in den Schatten. Scharenweise fielen riesige Mücken über uns her. Wir wagten kaum, stehen zu bleiben oder Fotos zu machen. Auf solche günstigen Gelegenheiten warteten diese gierigen Viecher nur.
Wir rannten förmlich neben der Klostermauer den Berg hinauf, wo wir am Kamm schließlich die gigantische Ruine Scharfeneck entdeckten.
Ruine Scharfeneck war eine ungarische Burg. Ihr Zweck war es, die Bevölkerung vor den Babenbergern und später gegen die Habsburger zu schützen. Ein immer noch recht tiefer Graben ist zu sehen, dahinter enorm hohe und dicke Mauern. Grünzeug wuchert über den alten Steinen – es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Mauern unter seiner Last zusammenbrechen. Das Betreten der Ruine ist verboten, da sie einsturzgefährdet ist.
Schon um die erste Jahrtausendwende soll hier begonnen worden sein, eine Burg zu errichten – zunächst als Holzturm mit Palisadenzaun. Wir marschierten recht lange außen um die Festung herum. Aus dem bescheidenen Holzturm ist eine gigantische Verteidigungsanlage geworden.
Apropos Verteidigung – wild um uns schlagend traten wir den Rückzug an.
Empfehlenswert ist die Wanderung „Mannersdorfer Rundwanderweg“ über den Kalkofen Baxa, über das „öde“ Kloster und die Ruine Scharfeneck sowie über den Steinbruch. Diese Wanderung haben wir 2021 gemacht und waren sehr davon angetan.
.



















