Burg Güssing

Burg Güssing

Heute möchte ich eigentlich eher ein Ausflugsziel als eine Wanderung vorstellen: die Burg Güssing im Süden des Burgenlandes. Eigentlich ist das Burgenland eher flach bis wellig. Doch in Güssing ragt ein sehr markanter Basaltkegel aus der Ebene heraus. Basalt ist ein Vulkangestein, und diesen Burghügel – der einst inmitten eines sumpfigen Gebiets aufragte – zog natürlich unsere Vorfahren magisch an.

Schon in der Hallstattzeit war der Hügel besiedelt, die Römer schätzten ihn ebenfalls. 1150 errichtete man auf ihm eine erste Burg. Nicht so großartig, wie man sie heute kennt, darf man sich diese vorstellen – eigentlich war sie aus Holz. Kurzfristig fanden dann die Benediktiner, dass dieser Vulkankegel ein optimaler Ort für ein Kloster wäre … doch dieser verteidigungstechnisch so günstige Ort erweckte auch die Begierde des ungarischen Königs.

König Béla III. baute nun eine Burg aus Stein – 1198 wurde die Festung als „Novum Castrum“ erwähnt. Die Benediktiner hatten das Nachsehen, 1180 wurde ihr Kloster aufgehoben.

Die Güssinger Grafen waren sehr selbstbewusst, betätigten sich angeblich als Raubritter und legten sich mit dem Habsburger Herzog Albrecht I. an. Als „Güssinger Fehde“ gingen diese Feindseligkeiten in die Geschichtsbücher ein. Die Grafen hätten das besser nicht tun sollen – Herzog Albrecht ging als Gewinner aus diesem Zwist hervor.

Danach gab es etliche Besitzerwechsel, bis König Ludwig II. die Burg 1524 an die Familie Batthyány gab, die sie heute noch besitzt. Franz Batthyány war ein Freund und Obermundschenk des Königs. Der Obermundschenk ist jemand, der dafür zuständig ist, dass der Fürst oder König guten Wein und keine vergifteten Getränke bekommt. Also muss König Ludwig II. Franz Batthyány wirklich sehr vertraut haben.

Franz Batthyány hatte keine Kinder, die ihn beerben konnten, also bekam sein Neffe den Besitz. Balthasar III. (1543–1590) war wohl einer der bedeutendsten Vertreter der Familie Batthyány. Er war überzeugter Calvinist und holte besondere Leute an seinen Hof. So kam der Forscher Carolus Clusius durch ihn nach Güssing (siehe Clusius-Wanderweg), aber auch der Drucker Johann Manlius.

Apropos Buchdruck: Balthasar (der Calvinist) hatte eine bedeutende Büchersammlung, die später den Grundstock für die Bibliothek des katholischen Güssinger Franziskanerklosters bildete.

Die Batthyánys blieben nicht immer Calvinisten. Adam I. war bekennender Katholik – und die Gegenreformation zu fördern, tat damals (so nehme ich an) der Karriere sehr gut.

Die Religion wechselte bei den Batthyánys, aber so, wie ich es sehe, waren alle militärisch sehr engagiert. Einige von ihnen kämpften gegen die Türken – was natürlich gefährlich war. Hatte man jedoch das Glück, einen bedeutenden muslimischen Kämpfer als Kriegsgefangenen zu nehmen, konnte man ein hohes Lösegeld fordern … oder noch besser: seltene Pflanzen aus dem Garten des Sultans.

Unter den Batthyánys wurde Güssing zu einer Festung ausgebaut, die niemals eingenommen werden konnte – jedenfalls nicht von den Feinden. Allerdings schaffte es die Dachsteuer, das imposante Gebäude fast zu zerstören.

Dass das Gebäude heute noch besucht werden kann und so viele Teile der Burg erhalten sind, verdanken wir wohl Philipp Batthyány-Strattmann. Er gründete eine Stiftung, damit Burg, Kloster und Familiengruft (die größte Gruft in Österreich – abgesehen von der Kaisergruft in der Kapuzinergruft) erhalten bleiben.

Doch bevor es die Dachsteuer gab, musste es auf dem Burggelände recht emsig zugegangen sein. 1648 gab es auf der Festung 6 Schreiber, 63 Herrschaftsdiener, 20 Reitknechte, 16 Pferdeknechte, 11 Kutscher, 8 Köche, 24 Speisenträger und 25 Diener der Speiseträger. Auf der Burg mussten täglich etwa 364 Personen verköstigt werden. Die Batthyánys mussten also einen sehr guten wirtschaftlichen Hintergrund gehabt haben, um sich diesen Aufwand leisten zu können. Auch der Ausbau der Festung muss immens viel gekostet haben.

Damit wir uns ein Bild vom Gebäude machen konnten, beschlossen wir am Muttertag 2026, die Burg zu besuchen. Der Güssinger Hauptplatz ist immer sehr belebt – es gibt Cafés, die leckeres Eis anbieten. Über eine Treppe, an Ferienwohnungen vorbei, durch einen engen Schlurf und dann eine schattige Stiege hinauf … und schon hatten wir das erste Tor erreicht.

Der Burgaufstieg war sehr steil, mehrere Tore folgten. Ich betrachtete die Gemäuer und überlegte mir, wie unendlich viele Ziegel hier wohl verbaut worden sein müssen. Auf den Mauern wuchsen Bäumchen und Büsche; je höher wir kamen, desto steiler wurde der Weg.

Das Areal auf dem Plateau ist wahrlich groß. Links gibt es nun endlich wieder ein tolles Restaurant (der Pelikan) mit einer noch tolleren Aussichtsterrasse. Naiv wie wir waren, zog es uns automatisch dorthin – in der Hoffnung, einen Tisch für vier Personen zu ergattern (naiv deshalb, weil wir annahmen, dass wir an einem Muttertag ohne Reservierung eine Chance hätten).

Es kam, wie es kommen musste: Mit knurrenden Mägen zogen wir wieder ab. Unsere Laune war trotz dieser Niederlage recht gut – wir wollten schließlich die alte Burg erkunden. Also gingen wir die extrem steile und hohe Treppe hinauf zur Hochburg.

Der Innenhof dieses alten Gebäudes war eng und – wie es sich für eine Burg gehört – alles andere als symmetrisch. Wir waren durch das Tor in der Schildmauer in den Hof gelangt; an der Innenseite der Mauer gibt es herrliche Arkaden. Kurz zuvor muss es in Güssing einen heftigen Sturm gegeben haben, denn Teile des Daches über dem Arkadengang waren beschädigt.

Wir betraten das Burgmuseum und konnten es kaum erwarten, den Bergfried zu besteigen. Von außen wirkt der alte Turm etwas windschief. Er erscheint dunkel und massiv – irgendwie erinnert er mich an den Film „Die Hexe und der Zauberer“. Ob wir in diesem Turm vielleicht Merlin begegnen könnten? Eine Holztreppe führt hinauf, über 140 Stufen mussten wir steigen.

Was mir an der Burg Güssing so gut gefällt, ist ihre Urtümlichkeit. Es gibt nichts, was „tot restauriert“ worden wäre. Die alten Räume im Turm wurden nicht neu ausgemalt. Altrosa ist eine Etage, leider haben Besucher sich in den Wänden mit ihren Initialen verewigt. Eine grüne Bordüre verläuft knapp unter der Decke – das Holz der Decke war wohl einst weiß gestrichen.

Der Dachstuhl des Turms ist beeindruckend und leider auch etwas wurmstichig. Irgendwie fühlte ich mich dort sehr wohl – es roch nach Dachboden, nach einem Raum, in dem sich der Staub für Jahrhunderte ausruhen kann. Ein Bereich, der sein Aussehen über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte bewahren konnte – eine Art Zeitkapsel. Würde man in diesem Raum aus einem Koma erwachen, wüsste man wohl kaum, in welchem Jahrzehnt man sich befindet. Die Zimmerleute, die diesen Turm geschaffen haben, waren absolute Fachleute.

Über eine Luke gelangten wir auf die Aussichtsplattform und wurden dort wieder in die Gegenwart katapultiert.

Die Batthyánys sammelten auch Kunstwerke. Es gab zum einen Bilder, die einige männliche Familienmitglieder zeigten, wobei mir auffiel, dass sie mit sehr kurzen und kräftigen Beinen dargestellt wurden. Es gibt aber auch sehr interessante Porträts von eher unbekannten und unbedeutenden Personen – kunstvoll dargestellt, wenn auch alles andere als vorteilhaft. Ich nehme an, dass diese Werke von Pieter Brueghel dem Jüngeren stammen. Fantastisch.

Das Schachbrett mit seinen aufwendig gearbeiteten, skurrilen Figuren ist eines der Highlights der Ausstellung. Der lederne Wassersack ist zwar unscheinbar, war aber für das Leben auf der Burg sehr wichtig. Er ist groß – und es muss schwer gewesen sein, ihn aus dem 120 Meter tiefen Brunnen zu holen. Natürlich waren auch Waffen ausgestellt – fragt mich bitte nicht, welche. 2026 gab es auch eine neuere Ausstellung – kunstvoll gestaltete Fotos der Burg. Ein Träumchen.

Über eine Wendeltreppe im Freien ging es in das nächste Stockwerk. Der erste Raum, den wir betraten, enthielt ausgestopfte Tiere. Verständlich, dass ich mich dort nicht lange aufhielt. Das Tafelgeschirr weckte ebenfalls nicht besonders mein Interesse – jedoch die Ausstellung „Städte, Märkte und Schlösser der Steiermark“ von Joseph Franz Xaver Kaiser schon eher.

Auch Musikinstrumente konnten wir betrachten – sie standen eng beieinander. Schade, dass diese Instrumente nicht besser gewürdigt wurden. Linda entdeckte in der Vitrine ein altes Buch von Arthur Conan Doyle und war begeistert. Über den Saal verließen wir das Burgmuseum und stiegen wieder in den Hof hinab – und noch weiter in die unterirdischen Räume.

Ein Grabdenkmal war zu sehen sowie eine große Anzahl an Waffel- und Hostieneisen. Dann kam auch schon die Küche, und wir hatten wirklich großen Hunger. Wir waren mindestens eineinhalb Stunden in der Burg gewesen; es ging auf halb zwei zu … vielleicht sollten wir es noch einmal beim „Pelikan“ versuchen?

Juhuu – ein Tisch auf der Terrasse. Ein einzigartiges Plätzchen … mit Blick auf die Hochburg (und ja, der Bergfried sieht tatsächlich ein bisschen schief aus – entweder er ist es, oder die neuen Verankerungen des Windschutzglases auf der Terrasse). Man kann auch den Blick über die Gegend schweifen lassen und dabei den Schöckl entdecken. („Das kann doch nicht der Schöckl sein, den man da sieht. Wir sind ja im Burgenland. Und wie ich nur auf die Idee komme, die Gegend mit der Toskana zu vergleichen …“). Meine Angehörigen sind wahrlich sehr kritisch und sie hinterfragen generell alles.

Das Essen im „Pelikan“ ist gut und auch erschwinglich.

Nachdem wir auch noch von oben einen Blick auf die Teichlandschaft geworfen hatten, beschlossen wir, diesen Bereich von Güssing ebenfalls zu besuchen – also marschierten wir den Burgberg hinab und vor zu den Teichen.

Wir gingen den Pfad zwischen den Wasserflächen entlang (Vorsicht: die Schwäne benutzen diesen Streifen nicht nur als Ruhezone, sondern auch als Toilette). Reiher, Blesshuhn, Schwäne, Störche, Rohrsänger, Rohrschwirl, Zwergdommel, Haubentaucher … eine wirklich repräsentative Schar.

Der Vulkankegel mit seiner imposanten Burg (die absolut uneinnehmbar war) und die künstlich angelegten, riesigen Teichflächen mit all ihren Bewohnern – Güssing ist es wert, besucht zu werden.

 

Freistadt, Thurytal und St. Peter

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 12 km150 HM3:45 h
    

Ich möchte von einer außergewöhnlich tollen Wanderung erzählen … Ich habe in mehreren Wanderführern von dieser Tour gelesen. Die Autoren dieser Bücher wissen wohl auch, wo es besonders schön ist.

Die Wanderung beginnt beim Hauptplatz oder beim Wanderstein beim großen Parkplatz beim Scheiblingturm, habe ich gelesen. Wir marschierten zuerst einmal durch die Stadt, wo es einen Street-Food-Markt am Hauptplatz gab. Dann verließen wir die Stadt über das Böhmertor, bogen nach rechts in Richtung Fluss ab, wo wir die Feldaist querten und sofort links bei einem wunderschönen Haus mit drei alten Spalierbirnbäumen dem Fluss bergauf folgten.

Eine Schülergruppe kam uns entgegen, wir kamen an einem Tennisplatz vorbei, schließlich gab es einen Feldweg, und vor uns spannte sich über dem Tal die gigantisch große Autobahnbrücke. Hätten die Freistädter Bewohner vor hunderten von Jahren dieses Bauwerk gesehen, hätten sie es bestimmt als Werk des Teufels bezeichnet. Denn im Thurytal, wohin wir nun wanderten, hatte der Teufel laut Sage sein Unwesen getrieben. Doch dazu später.

Wir mussten jetzt auch eine Brücke queren – nicht die gigantische Autobahnbrücke, die sich über das ganze Tal spannt, sondern eine ganz normale, bescheiden kleine Brücke über die Feldaist … ganz normal? Nein, doch nicht: Unter der Brücke nistet eine Wasseramsel! Wie schön.

Wir querten die Kreuzung und hielten auf den Wanderparkplatz vor dem Thurytal zu. Jogger kamen uns entgegen, sehr viele Hundebesitzer … Das Tal mit seinen merkwürdigen Namen ist sehr beliebt und belebt. Namensgebend für dieses Tal war die Familie Thury, die hier drei Hammerwerke betrieb. Sensen wurden hergestellt, bäuerliches Handwerkszeug, Nägel, Tür- und Fensterbeschläge – halt Dinge, die man so benötigte.

Das zweite Hammerwerk wurde liebevoll restauriert. Idyllisch liegt es heute im Tal, daneben der Fluss mit seinem typisch klaren, braunen Moorwasser, der künstliche Wasserlauf zum Betreiben des Wasserrades, eine grüne Wiese und Erlen. Was für eine Idylle!

Wir folgten, so wie einige Hundebesitzer, dem steinreichen Fluss weiter. Vom dritten Hammerwerk gab es nur noch eine Ruine … plötzlich standen wir vor ihm, dem Teufel. Und nun zur Sage:

Der Höllenfürst hatte sein Reich unter den Granitplatten des heutigen Freistadt. Als die Stadtgründer die Häuser bauten, ärgerte das den Teufel ungeheuerlich – diese Siedler wollte er unbedingt vertreiben. Also sammelte er in seiner Hölle viele große Granitbrocken – damit wollte er die Stadt zerstören. Doch Belzebub war nicht sonderlich klug. Er wollte die schweren Felsen mit einem Sack oder einem anderen Stoff transportieren … und in diesem Fall wissen wir alle, was jetzt kommen musste: Der Stoff zerriss und die Steine fielen allesamt verstreut in die Feldaist.

Gut, dachte sich Satan, dann werde ich die Steine halt wieder aufsammeln … doch dazu kam es nicht mehr, weil nun die Kirchenglocken in Freistadt zu bimmeln begannen und er schleunigst abhauen musste. Mich wundert nur, dass er mit seinem Angriff wartete, bis die Freistädter eine Kirche gebaut hatten. Hätte er vorher eingegriffen, hätten ihn keine Glocken von seinem Vorhaben abhalten können … doch wie schon erwähnt, klug war der Kerl offensichtlich nicht.

Weiters gibt es noch Sagen vom Teufel und von Riesen im Feldaisttal – wieder geht es darin irgendwie um Steine. So viel Idylle und doch so viele Teufelssagen in diesem Fleckchen Erde.

Der Wanderweg führte uns bergauf … und irgendwie haben wir leider kurzfristig die richtige Route verloren. Eine Wanderwegkreuzung zeigt nach dem Weiler „Vierzehn“ auf die linke Seite, eine Markierung mit einem Mühlrad nach unten. Dieser Markierung folgen; es muss die Feldaist gequert werden, und dann würde man zur Neumühle kommen.

Von der Neumühle aus machten wir uns auf den Weg nach dem Ort „Vierzehn“. Dort entdeckten wir ganz muntere Vögelchen auf einer Stromleitung – drei Stare mit wunderbaren Gesangseinlagen.

Hier mussten wir die Bundesstraße queren, kurz darauf wurde die Wanderung etwas abenteuerlich. Die Autobahnbaustelle war uns im Weg. Wir überlegten kurz, dann entdeckten wir die „Umleitung“, die zwischen zwei Sichtschutzzäunen den Hügel hinauf und auf der anderen Seite der Baustelle wieder steil hinunter führte. Und hier, neben der Autobahnbaustelle, gab es sehr, sehr viele geschützte Feldsandlaufkäfer.

Danach ging es angenehm einem Waldweg entlang, immer wieder erhaschten wir Blicke auf Freistadt. Kurz ging es nochmals bergauf, am Waldrand neben einer großen Wiese ging es dann auf den nächsten Höhepunkt der Wanderung zu: die Kirche St. Peter.

Eine Hügelkuppe mit zwei sakralen Gebäuden, einige riesige Bäume, umgeben von einer Friedhofsmauer. Bevor man dieses Ensemble erreicht, passiert man noch einen herrlichen alten Bauernhof mit wirklich glücklichen Hühnern.

St. Peter war laut Ausgrabungen ursprünglich eine romanische Saalkirche und älter als die Stadt Freistadt. Heute sieht man ein wunderbares gotisches Gebäude mit einem Zwiebelturm – das zweite Kirchenhaus daneben war einst ein Beinhaus. An der Friedhofsmauer vorbei geht es den Kreuzweg bergab. Die Stationen sind interessant, aber meines Erachtens verdienen die herrlich alten Bäume neben den Stationen mehr Aufmerksamkeit.

Wir betraten nun die Altstadt über das Linzertor, auf dem der Name Freystadt noch mit „y“ geschrieben wurde. 1220 wurde die Stadt gegründet, und zwar vom Babenberger Herzog Leopold VI. Dieser Herzog war mit Theodora, der Enkelin des byzantinischen Kaisers, verheiratet. Und er war der Vater von Margarethe, die in Hainburg Ottokar II. Přemysl geheiratet hatte.

Freistadt lag auf einem alten Handelsweg, der von der Donau über den Nordwald nach Böhmen führte. Eisen wurde transportiert – aber auch Salz (der Salzhof in Freistadt ist das älteste Gebäude der Stadt). Die Grenze zu Böhmen musste geschützt werden, daher erhielten die Siedler Grund und Boden und konnten ihr Haus als freies Eigen besitzen. Daher auch der Name der Stadt. Lustig ist, dass er die Grenze zu Böhmen so gesichert hat. Lange nach seinem Tod heiratete seine Tochter Margarethe den böhmischen König Ottokar II. Přemysl.

Ich liebe es, die Altstadt zu umrunden und die tolle Stadtbefestigung mit den Wehrtürmen, dem Wehrgraben und den Wehrmauern zu besichtigen. Wie schön, dass wir im 21. Jahrhundert leben. Die Wehrtürme sind traumhafte Fotomotive, im Graben gibt es Kinderspielplätze, Rastbänke und wunderbare Parkanlagen, auf den Wehrmauern blühen herrliche lila Blumen. Auch die Stadt selbst – mit den engen Gassen, den Erkern und den vielen geschichtsträchtigen Gebäuden – ist beeindruckend. Für Freistadt sollte man sich genügend Zeit nehmen. Kaffee- und Gasthäuser laden ein sowie ein Brauhaus.

Einst sollte das Freistädter Bier nicht allzu gut gewesen sein – daher importierte man Gerstensaft aus Budweis. Die Ratsherren setzten sich zusammen und überlegten: Bei uns brauen die Häuser alle selbst Bier – mit keinem allzu guten Ergebnis. Arbeiten wir zusammen, vereinen wir unser Wissen und gründen eine Brau-Commune. Diese Idee war extrem gut … heute ist das Freistädter Bier sehr beliebt. Die Brau-Commune gibt es noch immer (als einzige in Europa noch mit dieser Rechtsform). Daran sieht man, wie gut und nachhaltig es ist, zusammenzuhalten. Nehmen wir uns ein Beispiel an den Freistädtern – ihre Idee von 1777 ist heute noch ein Erfolgsunternehmen.

 

Fernitz-Hausmannstätten-Rundweg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 8 km103 HM3 h
    

Fernitz liegt 10 km südlich von Graz und ist eigentlich kein typisches Wandergebiet. Schade eigentlich. Wir waren Anfang April 2026 in Fernitz und wollten in Richtung Hausmannstätten gehen. Auf diese Route sind wir durch das Buch „Gehmütliche Steiermark“ von Anni und Alois Pötz sowie Johann Dormann gekommen.

Wir parkten in der Sportplatzstraße und sahen zwischen der Christbaumkultur und den Einfamilienhäusern bereits den Pfad, der uns zuerst an einem Marterl vorbei durch die Felder führte. Die erste Asphaltstraße musste überquert werden. Danach gelangten wir zur Etschbachstraße. Am Vortag waren wir in Winzendorf bei Pöllau unterwegs gewesen und hatten dort auf der Wanderstrecke Sitzgelegenheiten zum Ausruhen vermisst. Fernitz schaut besser auf seine Ausflügler. Auf diesem Platz stand wieder ein rotes Bankerl – bereits das zweite auf der kurzen Strecke bis hierher.

Hier mussten wir links abbiegen und der Straße in Richtung Buchkogel folgen. Es wurde immer idyllischer. Rechts neben uns plätscherte ein mäanderndes Bächlein, links erhob sich ein steiler Hang mit vielen blühenden Büschen. Wir waren mit Fotografieren und Schauen dermaßen beschäftigt, dass wir zunächst an der Abzweigung vorbeigingen, die wir hätten nehmen sollen.

Als wir unseren Irrtum bemerkten, kehrten wir um und folgten der Tafel, welche die Laufstrecke nach Hausmannstätten markierte. Schön war der Wald, mit einer tollen Artenvielfalt und ganz vielen munteren Vögelchen. Ein weiterer Wegweiser zeigte auf einen richtig steilen Weg nach oben, also bogen wir links ab und schnauften den Berg hinauf. Der Waldweg teilte sich, doch kein Wegweiser war zu sehen. Hätte Kolumbus meinen Orientierungssinn gehabt, hätte er Budapest entdeckt. Ich marschierte nach links und lag natürlich wieder einmal falsch. Wobei – ein großer Fehler war es dann auch wieder nicht, denn hier konnten wir herrlich blühende Kirschbäume fotografieren.

Endlich erreichten wir den Gipfel des Buchkogels. Dort stehen eine originelle Bank und ein noch originelleres Gipfelkreuz. Übrigens zum Namen Buchkogel: Etwas weiter südlich von Fernitz liegt Wildon, und dort gibt es ebenfalls einen Buchkogel. Dieser Buchkogel wurde schon sehr früh besiedelt – genauso wie der Fernitzer Buchkogel. Bereits in der Kupferzeit waren Menschen auf dem Fernitzer Buchkogel beheimatet.

Heute gibt es auf diesem Höhenrücken einen Wald. Durch die Zweige der Bäume konnten wir auf dicht besiedeltes Gebiet blicken: die Landeshauptstadt Graz, Seiersberg, den Flughafen Thalerhof, Fernitz und vieles mehr. Ich konnte auch das Schloss St. Martin sowie die Kirche St. Johann und Paul entdecken – und diese Kirche steht schon wieder auf einem Buchkogel. Ich frage mich schön langsam, ob hier in dieser Gegend alle Erhebungen Buchkogel heißen.

Der Schöckl bildete einen tollen Hintergrund. Dunkel wirkte er mit seinen Wäldern. Ganz im Gegensatz dazu leuchtete die Gebirgskette im Westen weiß zu uns herüber.

Nun ging es bergab, und wir erreichten eine Wanderwegkreuzung. Zum Haus der Stille hätten wir gehen können, doch wir wollten nach Hausmannstätten. Also wieder links – und den nächsten Hügel hinauf auf den Ochsenkopf. Dies sollte die größte Steigung der Wanderung werden, und wir waren dementsprechend langsam unterwegs. Das war auch gut so, denn auf diese Weise entdeckten wir einen ganz niedlichen Gesellen. Der Bombylius major, der Große Wollschweber, schwebte knapp über dem sandigen Boden. Sein Körper war ein richtig wolliges Kügelchen. Ich wunderte mich ein wenig, wie die kurzen Flügelchen es schafften, seinen Körper in der Luft zu halten – und das noch dazu nahezu regungslos auf einer Stelle. Dieses faszinierende Tierchen hatte einen langen Rüssel und schwarze Knopfaugen. Einfach süß.

Weiter ging es auf den Ochsenkopf, wo auf dem Gipfel die nächste Kuriosität auf uns wartete. Ein Strauch war mit Weihnachtskugeln geschmückt, der nächste Busch mit Ostereiern. Gut, immerhin war ja Ostermontag.

Kurz nach dem Ochsenkopf erreichten wir eine Siedlung und wanderten gemütlich auf der Gemeindestraße in Richtung Schloss Pfeilerhof. Das Schloss hat seine besten Tage schon hinter sich. In meinem Schlösserbuch war es noch mit intaktem Verputz abgebildet. Als wir davorstanden, wirkte es ein wenig wie ein „Lost Place“ mit ganz viel Charme. Im Garten wuchs ein traumhaft schöner Magnolienbaum, der in voller Blüte stand.

Kurz ging es durch eine Allee bergab. Dort gab es wieder eine tolle Rastbank. Hier mussten wir die Straße verlassen und links dem Wanderweg folgen. Durch einen Wald erreichten wir die ersten Siedlungshäuser von Hausmannstätten. Rechts gingen wir zur Bundesstraße vor und folgten ihr kurz bergab. Bei der nächsten Einfahrt bogen wir links in die Erzherzog-Johann-Straße ein. Ab nun ging es auf dem Radweg entlang des Ferbersbachs weiter. Bei der ersten Brücke wechselten wir auf die andere Uferseite und gelangten in den Generationenpark. Den Kindern von Hausmannstätten wird dort wirklich einiges geboten.

Nach dem Park gab es wieder eine Brücke, doch wir blieben auf unserer Bachseite und folgten dem Radweg weiter. An einem Pferdegestüt vorbei ging es stets dem Bach entlang, von dem Fernitz wahrscheinlich seinen Namen hat. Im frühen 13. Jahrhundert wurde Fernitz in einer Urkunde als „Vorenze“ bezeichnet, was laut Wikipedia so viel wie „Ansiedlung am Föhrenbach“ bedeuten soll.

Im Ferbersbach fühlen sich die Fischlein wohl. Gregi konnte einige Äschen entdecken. Im Gebüsch links und rechts des Baches waren muntere Vögel unterwegs, und auch Enten planschten im Wasser.

Nun erreichten wir wieder Fernitz. An den Sportstätten vorbei ging es zur Kirche. Irgendwo in diesem Gebiet soll es einen römischen Gutshof gegeben haben – sofern ich das richtig verstanden habe. Das Gotteshaus ist groß und beeindruckend und besitzt einen mächtig hohen Turm. Schon im Mittelalter kamen Wallfahrer hierher. Daher wohl auch die prächtige Kirche.

Ob die Kirche heutzutage noch von Wallfahrern besucht wird, kann ich nicht sagen. Allerdings gab es einen wahren Ansturm auf den Eispavillon sowie das Kaffeehaus Purkarthofer.

Der Erzherzog-Johann-Park ist ebenfalls eine Sensation für sich. Im Jahr 1966 überlegte man, was man mit der leicht sumpfigen Wiese im Ort anfangen könnte, und kam schließlich auf die geniale Idee, einen Park anzulegen. Einen herrlichen Park wohlgemerkt, dem Fernitz viele Auszeichnungen – auch internationale – zu verdanken hat. Ich stand in diesem prächtigen Park und drehte mich nach allen Seiten. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass es so viele verschiedene Magnolienarten gibt. Und alle standen an diesem herrlichen Ostermontag in voller Blüte. Wow.

Über den Kirchplatz ging es schließlich wieder zum Auto. Einmal rechts abgebogen, dann marschierten wir über die Brücke, an den Schulen vorbei, und schon waren wir wieder in der Sportplatzstraße.

Diese Wanderung hat mir ausgesprochen gut gefallen. Vielleicht sollten wir in nächster Zeit die Kollegen des Buchkogels besuchen – den von Wildon oder den von Graz-Straßgang. Beide bieten ebenfalls recht tolle Wanderwege.

 

Aufstieg zur Ruine Eppenstein

Mitte März 2026 waren wir in Zeltweg, weil wir die sehenswerte Osterausstellung im Schloss Farrach besuchen wollten. Doch ohne eine kleine Wanderung wollten wir unseren Ausflug dann doch nicht machen … also fuhren wir nach Eppenstein, um die gleichnamige Burgruine zu besichtigen.

Hoch über dem Granitzenbach, 200 Meter über dem Talboden, liegt die spektakuläre Burgruine Eppenstein. Es gibt einen kleinen Parkplatz für Wanderer, und gleich daneben beginnt der steile Aufstieg zur Burg.

Leberblümchen gedeihen gut auf dem Hang. Ein Pfad führte uns rasch bergan. Unter uns, im schmalen Tal, gab es ein sehr großes Sägewerk … auch eine stark frequentierte Bundesstraße befindet sich dort: die Obdacher Bundesstraße, die das steirische Murtal mit dem Kärntner Lavanttal verbindet.

Vielleicht war es dieser günstige Übergang von Kärnten in die Steiermark, der die bayrischen Grafen der Marchwartinger dazu bewog, hier eine Burg zu errichten. Unter „Marchwartinger“ ist dieses Geschlecht heute nicht mehr bekannt … vielmehr erhielten sie nachträglich den Namen „die Eppensteiner“. Und die Eppensteiner waren nicht irgendwer, sondern Herzöge von Kärnten.

Wir schnauften den Ruinensteig hinauf … gemütlicher wäre es wahrscheinlich über den Wanderweg „über vlg. Fallmoar“ gewesen … doch wir waren schon sehr neugierig und wollten so schnell wie möglich zu diesem historischen Bauwerk gelangen.

Wir erreichten wieder den Forstweg und hatten einen wunderbaren Blick auf den schroffen Felsen, dem eine Ringburg aufgesetzt worden war. Viel weiter unterhalb sah man ein Rondell, das wir bald darauf passierten. Kurz ging der Weg bergab, und wir standen vor einem Steig aus Eisengittern, der um den Felsen führte. Daneben befand sich das „eiserne Burgtor“, das einst zusätzlich noch durch eine Zugbrücke gesichert gewesen war.

Ein Spaziergänger kam gerade mit seinem Hund über diesen Eisensteg. Der Hund stieg sehr vorsichtig und war offensichtlich froh, diesen Steg wieder verlassen zu können. Ich betrachtete das Tor und überlegte mir, wie wohl früher hier der Weg ausgesehen haben mochte. Ein Pfad aus Eisengittern war es wohl nicht gewesen … und ansonsten sah ich nur senkrechten, glatten Felsen. Und hoch, sehr hoch über uns die alte Ringburg aus dem 11. Jahrhundert.

Der Eisengittersteig führte uns eine Weile um den Felsen. Auf einmal sah ich das nächste mächtige Tor: das Burghoftor. Über dem Tor waren Wappen angebracht, unter dem Tor befand sich eine aus dem Felsen gehauene Treppe mit Wagenspuren im Gestein. Wäre der tolle Pfad aus Eisengittern nicht gewesen … mir wäre die Treppe wie eine Stiege ins Nichts vorgekommen.

Hinter diesem Tor befand sich einst der innere Burghof mit Wirtschaftsgebäuden und Stallungen. Heute gibt es diese nicht mehr … dafür hat man einen famosen Blick auf Zeltweg und das Murtal. Die Holzlastwagen, die im Tal fahren, wirken wie Matchboxautos. Weißkirchen war wunderbar zu sehen und ganz hinten die doppelten Türme der Aussichtswarte auf dem Tremmelberg.

Wir hielten uns nicht allzu lange im inneren Burghof auf, denn über Stufen und vorbei an der Wehrmauer erreichten wir den Palas. „Das gotische Haus“ ist jünger als die Ringburg ganz oben auf der Spitze des Felsens, doch jung ist es ebenfalls nicht mehr. Hier befanden sich früher die Wohnräume und die Burgkapelle. Auch eine Zisterne gab es hier.

Um zum ältesten Teil der Burg zu gelangen, mussten wir wieder bergauf steigen. Über einen hölzernen Aufgang erreichten wir den ganz alten Teil der Burg. Betrachtet man die Mauern, kann man noch Reste der Holzbalken erkennen. Hoch über dem Tal standen wir dort … hoch erhoben fühlten sich wohl auch so manche Besitzer.

Im Laufe der Jahrhunderte wirkten auf dieser Burg die Eppensteiner, die Traungauer, die Grafen von Sidenitsch, die Gaisruck, die Colloredo, die Trauttmansdorff, die Nádasdy und viele andere. Insgesamt waren es rund 30 verschiedene Adelsgeschlechter, und nicht alle waren harmlose Menschenfreunde.

Die Teuffenbacher, die im 15. Jahrhundert Besitzer der Burg waren, stritten ganz fürchterlich. Die Burg befand sich im Besitz einer Frau … ihr Bruder nahm die Burg ein und ließ seine Schwester in den Turm werfen. Zwei Jahre später nahmen die Ungarn die Burg ein und befreiten die arme Frau wieder. Ich grübelte lange darüber nach, wie man diese Burg überhaupt hatte einnehmen können, wenn man nicht fliegen konnte. Womit ich nicht gerechnet hatte … Verräter auf der Burg.

Im 17. Jahrhundert herrschte dann ein richtiger Tyrann auf der Burg: Burggraf Christian Alban von Saurau. Ein Typ, der sich ganz und gar nicht beherrschen konnte. Er wurde wegen Mordes und Vergewaltigung angeklagt … und auch wegen Zauberei.

Das sind alles sehr düstere und schlimme Ereignisse. Doch über Eppenstein kann man durchaus auch Positives berichten. 1958 wurde ein Burgenverein gegründet. Viele eifrige Helfer fanden sich zusammen, und gemeinsam begannen sie, die Burg wieder zu sanieren. Bäume und Sträucher mussten gerodet werden, man errichtete Stege und Aufstiegshilfen und sicherte die Mauern. Man hielt gut zusammen und vollbrachte wirklich Großartiges. Dank dieser Initiative kann man dieses wunderbare historische Bauwerk heute wieder besichtigen.

Wieder beim „Eisernen Tor“ angekommen, entschlossen wir uns, rechts über den Weg und über die Zufahrt zur Burgruine in den Ort abzusteigen. Im Tal mussten wir leider ein Stück neben der Bundesstraße marschieren, jedoch sieht man von hier aus den Burgberg und das Gebäude besonders schön.

Jetzt rasch zum Schloss Farrach … eine Osterausstellung wartet. Ein weiterer Tipp: Der Wasserturm – ein Kaffeehaus in Zeltweg mit einer ganz besonderen Architektur.

 

Div. Wanderungen in der Donnersdorfer Au

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Donnersdorf Au nach Apace8,5 km

nicht nennenswert

3 h

 

   

Die Mur ist zwischen Mureck und Bad Radkersburg besonders interessant. Ein ganz hübsches Stückchen davon ist die Donnersdorfer Au, die wir immer wieder gerne besuchen. In Donnersdorf gibt es einen Wanderparkplatz.

Zuerst mussten wir den Mühlbach queren. Eine hübsche Brücke führte über das idyllische Gewässer. Davor stand ein Schild: „Amazon of Europe“. Gut, ob man da nicht etwas zu dick aufgetragen hat? Egal, wir waren nun auf dem Weg zur Kernzone des 5-Länder-Biosphärenparks Mur-Drau-Donau.

Auf den Wiesen neben dem Bach breiteten sich weiße Teppiche aus echten Schneeglöckchen aus. Wunderbar. Wir wanderten auf einem bequemen Weg weiter hinein in den belebten Auwald mit seinen munteren Bewohnern.

Im Vorfrühling hat man gute Chancen, Vögel zu entdecken. Und hier kann man richtig viele gefiederte Gesellen dabei beobachten, wie sie zwischen den Ästen hin- und herfliegen oder an den Stämmen hochklettern. Irgendwie hat es schon auch etwas, wenn die Bäume noch kein Laubkleid tragen.

Ein Schwarzspecht hämmerte, ein zweiter war ganz in der Nähe und machte sehr lautstark auf sich aufmerksam. Kohlmeisen, Schwanzmeisen, Krähen, Kleiber – was für ein reges Treiben an diesem herrlichen Frühlingstag. Warm war es – vor einer Woche hatte es noch jede Menge Schnee gegeben. Doch keine Angst vor Matsch und Morast: Der Weg war gut befestigt.

Schon kamen wir bei der Mur an. Hier gab es Infotafeln, einen kleinen Aussichtsturm und die „River’scool“. Hier mussten wir uns entscheiden: rechts abbiegen und in Richtung Murturm gehen – das hatten wir bereits im März 2025 gemacht.

Diese Wanderung ist etwas länger, doch der Murturm ist absolut sehenswert. Ich habe größten Respekt vor den Menschen, die diesen Turm geplant und gebaut haben. Eine ganz tolle Idee. In Gosdorf darf sich die Mur ausbreiten, es gibt Inseln, ein Bach mündet hier in die Mur, und rundum ist alles sehr belebt. Und inmitten dieses interessanten Gebietes hat man einen Aussichtsturm in Form einer Doppelhelix errichtet. Genial.

Ganz einfach war es wohl nicht, diese Idee umzusetzen. Gut Ding braucht Weile – die Eröffnung verzögerte sich –, doch das Ergebnis ist wirklich sehenswert. 168 Stufen sind zu bewältigen, 27,5 Meter ist der Turm hoch. Er hat einen eigenen Aufgang, und bergab geht es über eine andere Stiege. Der Blick von oben auf den Auwald ist sensationell. Der Fluss wirkt hier frei und wild – mich würde nicht wundern, wenn hier Winnetou herbeigeritten käme.

Bei der Wanderung im März 2025 waren wir nicht direkt an der Mur retourgewandert, sondern über einen Bergbaubetrieb und ein aufgelassenes Gehöft zurück nach Donnersdorf gekommen. Dabei waren wir in Fluttendorf in Elfi’s Hüttn eingekehrt.

Anfang März 2026 waren wir nicht ganz so ambitioniert. So weit wollten wir nicht gehen, also entschlossen wir uns, nach Apače zu wandern. Auch bei dieser Wanderung mussten wir 8,5 Kilometer zurücklegen, und etwa drei Stunden Gehzeit waren einzuplanen.

Doch zuerst besuchten wir den hölzernen Aussichtsposten der River’scool. Im Juni 2022 hatte sich auf den Stufen dieser Mini-Aussichtswarte eine hübsche Echse gesonnt. Sie hatte ein dickes Bäuchlein, einen getupften Bauch und einen hellen Rücken; seitlich war die Musterung etwas dunkler. Die hinteren Füßchen zeichneten sich durch extrem lange Mittelzehen aus. Aus dunklen, klugen Augen, die weiß umrandet waren, hatte uns das Reptil skeptisch beobachtet. Offensichtlich hatten wir nicht allzu furchteinflößend gewirkt, denn das Tierchen gewährte uns ein tolles Fotoshooting.

Im März war noch keine Echse unterwegs, also konnten wir ungehindert auf den Hochstand klettern und auf die Schotterinsel in der Mur blicken. Eine weitere Insel, diesmal mit Bäumen, entdeckten wir ebenfalls. Ein schnell fließendes Bächlein floss daran vorbei, bevor es in Mama Mur mündete. Diese Insel war offensichtlich die Werkstätte eines Bibers. Eines sehr, sehr fleißigen Bibers.

Doch nun ab nach Apače. Wir überquerten den Fluss über die Hängebrücke für Radfahrer und Wanderer. Gleich nach der Brücke gibt es die „Bicikl Bar“. Ob Fisch oder Pizza – hier kann man gut essen. Wir wollten jedoch zuerst wandern.

Wir folgten der Mur in Fließrichtung und konnten ein Gänsesägerpärchen entdecken. Weiße, dicke Bäuchlein. Das Männchen hat einen dunklen Kopf, seine Herzensdame trägt eine braune Haube.

Im Sommer 2022 gab es auf diesem Murabschnitt ganz hübsche Gänsesägerküken.

Wir waren auf dem Waldweg unterwegs. Graues Laub vom Vorjahr bedeckte die Fahrbahn, daneben gab es Krokusse und Streifen aus weißen Schneeglöckchen. Das dichte Gestrüpp hatte noch keine Knospen oder gar Blätter, doch im Gewirr der dünnen Ästchen tat sich etwas. Ein hübsches gelbes Bällchen – eine wunderbare Goldammer. Was für eine Freude. Die Goldammer gilt als Bote des Frühlings und trägt im Volksmund den Beinamen „Morgenstern“.

Gelbe Goldammer, weiße Schneeglöckchen und violette Krokusse – wie schön doch das Frühjahr ist. Im Sommer 2022 waren die Büsche mit üppigem Laub bedeckt, am Mittelstreifen des Forstweges wuchs hohes Gras, vom grauen Laub des Vorjahres war nichts zu sehen. Die Natur erneuert und verändert sich erstaunlich rasch.

Bei den Infotafeln über die Tierwelt mussten wir rechts abzweigen, verließen schließlich den Auwald und steuerten auf Apače zu. Im Sommer kann man neben der Kirche in einer Eisdiele einkehren – das Eis ist sehr gut. Im März war sie leider nicht geöffnet.

Auch die Kirche, die bereits um 1200 gegründet wurde, war nicht geöffnet. Hoch und spitz ist das Dach. War das neben der Dachrinne einst ein Wasserspeier? Ein Affe mit einer Kugel, glaube ich zumindest.

Die Rosette ist wunderbar. Sie wurde aus einem einzigen Stein gefertigt. Die Kirche hat Charme, das steht fest. Im Sommer 2022 tummelte sich eine Hochzeitsgesellschaft vor der Kirche. Fröhliche und glückliche Menschen. Wie schön.

Wie schon erwähnt, hatten wir diese Wanderung bereits einmal im Sommer unternommen. Damals herrschte große Hitze, und daher kam sie uns sehr anstrengend vor. Im März bei angenehmen Temperaturen mussten wir darüber schmunzeln. Eben war es hier … und so weit war die Wanderung dann auch wieder nicht – gerade einmal ein etwas längerer Spaziergang.

Zurück bei der Mur kehrten wir schließlich in der Bicikl Bar ein. Die Gibanica, eine köstliche Mehlspeise aus Schichten von Mohn, Topfen, Nüssen und Äpfeln, können wir wärmstens empfehlen.

 

Chakraweg zum Heidenstein

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 2 km60 HM1 h
    

Der Heidenstein liegt direkt hinter einigen Häusern auf einer Hügelkuppe im Weiler Eibenstein. Eibenstein selbst ist zirka 10 km nordwestlich von Freistadt. Fährt man in diesen kleinen Ort, muss man über den Güterweg Eibenstein fahren.

Es gibt einen tollen Parkplatz für Wanderer; daneben hat man eine kleine Kapelle errichtet – doch die meisten Besucher des Ortes interessieren sich weniger für das Kirchenhaus, sondern viel mehr für den alten Kultfelsen.

Ist man so neugierig auf diese sagenumwobene Steinformation wie ich, dann übersieht man leider leicht, dass man für den Chakrawanderweg nach rechts hinunter abbiegen müsste. Wir folgten einfach den Wegweisern zum Heidenstein und standen kurz darauf äußerst beeindruckt vor diesem monumentalen Weinsberger Granit.

Am Fuße des Kultfelsens gibt es ein Holzgeländer und einen schmalen Pfad, der die Felsen hinaufführt. Riesige, grob bearbeitete, hohe, aber schmale Stufen sind in den Stein eingemeißelt worden. Neben diesem massiven Steinblock befindet sich ein Spalt – irgendwie glaubt man beim Anblick dieses Spaltes, eine Rinne zu sehen. Dann folgt der nächste hohe Felsen.

Ich kletterte die steilen, uralten Stufen hinauf und war hingerissen. Der durch den Spalt abgetrennte Fels hat drei mit Wasser gefüllte Schalen … ach was, Schalen! Die eine hat die Größe einer Babybadewanne. Diese Schalen sollten angeblich immer mit Wasser gefüllt sein – auch nach Hitze- und langen Trockenperioden. Wäre der Stein kein „Heidenstein“, dann hätte es dafür sicherlich wieder eine Sage gegeben, die bestimmt davon handelte, dass darin das Jesuskind gebadet worden wäre. Laut alten Geschichten muss die Gottesmutter Maria ihren Sohn sehr, sehr oft in Österreich in Steinschalen gebadet haben.

Doch es ist ja ein Heidenstein – und der Volksmund hat auch für den Heidenstein eine Erklärung. Sollten die Schalen einmal trocken sein, dann wäre es um unsere Welt nicht mehr allzu gut bestellt. Sie wäre zum Untergang verurteilt. Die Oberösterreicher haben es irgendwie mit dem Weltuntergang. Nicht allzu weit vom Eibenstein entfernt liegen die Weltuntergangssteine, bei denen es einen Durchkriechkult gibt. Würden diese zwei Felsbrocken zusammenstoßen, dann wäre auch das Weltende gekommen. Glücklicherweise hat unsere Erde schon so manche prognostizierten Untergänge überlebt: verschiedene Konstellationen von Planeten, Sonnenflecken, der Maya-Kalender etc. – die Ideen, einen Untergang anzukündigen, sind mannigfaltig.

Im 19. Jahrhundert kamen zum Beispiel verschiedenste Leute auf den Kulm in der Oststeiermark, um den Weltuntergang zu erwarten, der von dem Mystiker Jakob Lorber prognostiziert worden war. Ob die Leute enttäuscht wieder nach Hause zogen, als das angekündigte Ereignis nicht stattfand?

Zurück zur Wanderung: Ich war nicht nur wegen der gefüllten Steinschalen hellauf begeistert (unter dem Felsen soll es eine Quelle geben, und durch die Kapillarwirkung soll das Wasser hochgezogen werden), sondern auch ganz angetan von der hervorragenden Aussicht, die man von hier oben genießt. Eine weite, bucklige Landschaft tat sich vor mir auf. Herrlich.

Ich persönlich glaube ja, dass diese eingemeißelten Stufen gemacht wurden, damit man auf dem Stein wie auf einer Tribüne sitzen konnte, um vielleicht den Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang eines bestimmten Tages zu beobachten. Anbieten würden sich die Tage der Tag- und Nachtgleiche. Der Heidenstein liegt so günstig zwischen dem Viehstein im Osten und dem Steinberg im Westen, dass an diesen Tagen vom Heidenstein aus gesehen die Sonne dort auf- bzw. untergeht. Daher diente er möglicherweise auch als Kalenderstein.

Dass es sich beim Heidenstein um einen wirklich wichtigen Stein handelte, kann man aus einem Schriftstück aus dem Jahr 1538 entnehmen, das im Archiv des Schlosses Waldenfels gefunden wurde. Darin wird berichtet, dass auf dem Heidenstein nach längerer Pause wieder ein Treffen nach altem Recht stattgefunden habe. Das „Ehafttaiding von Eibenstein“ wurde unter dem Vorsitz des Dorfrichters abgehalten, und alle wären verpflichtet gewesen, an diesem Taiding zu erscheinen – ausgenommen natürlich Kranke und jene, die für den Grundherrn Frondienste zu leisten hatten.

Ich kletterte wieder die Stufen hinunter und umrundete nun beinahe den Felsen, auf dem sich die Wasserschalen befanden. Hier konnte ich auch Stufen ausmachen – schmal und klein, kaum zu begehen –, und sie führten weder ganz hinauf noch sicher hinunter.

Umrundet man den Heidenstein, so sieht er von jeder Perspektive völlig verändert aus. Die Natur hat da etwas ganz Besonderes geschaffen. Und indem man um ihn herumgeht, bemerkt man erst richtig, wie riesig diese Felsformation eigentlich ist. Eine Holzburg soll einst auf ihm gestanden haben. Man hat sogar errechnet, dass diese einen Innenraum von etwa 140 m² gehabt haben könnte. Holzburgen auf Granitfelsen gab es im Norden Österreichs tatsächlich etliche, um die Grenze gegen Böhmen zu verteidigen. Doch ob die 13 Riesenstufen einst zu einer Burg führten?

Jedenfalls wurde der Ort „Ybenstein“ erstmals im Jahr 1262 in einem Testament von Wok von Rosenberg erwähnt. Darin bestimmte er, dass „der Hof und die Felder gegen Sommerau sowie die inneren Felder gegen Eibenstein bis zu den Grenzen Böhmens an seine Gemahlin Hedwig gehen sollten“. Ein stattlicher Besitz, der 1318 zum Stift Hohenfurth kam. Doch die Christen hatten es hier im hohen Norden Österreichs offensichtlich nicht ganz einfach, Fuß zu fassen.

Laut Sage kam es dann in Eibenstein zu einer gewaltigen Auseinandersetzung zwischen einigen Christen und Heiden. Natürlich siegten die Christen und versuchten sofort, der katholischen Kirche den heiligen Stein einzuverleiben. Man wollte auf ihm eine hölzerne Kirche bauen. Daraus wurde allerdings nichts, denn das Baumaterial wurde entweder immer wieder verschleppt oder zersägt, und die Bauarbeiter fand man an Bäume gefesselt. Die Wilde Jagd habe sie heimgesucht, behaupteten die armen, traumatisierten Arbeiter. Man gab den Kirchenbau auf, und der Stein wurde als heidnisch und unheimlich verschrien.

Ob da nicht die Anhänger des alten Glaubens, die in Verkleidung durchaus eine „Wilde Jagd“ veranstalten konnten, den Arbeitern so übel mitgespielt hatten?

Einige Holzlatten lagen auch bei unserem Besuch am Heidenstein. Ich glaube jedoch nicht, dass heutzutage noch jemand auf die Idee käme, auf diesen Felsen ein Kirchlein zu bauen. Am Fuße der Steinformation befindet sich allerdings eine Krippe. In der Adventszeit gibt es hier einen Weihnachtsmarkt.

Nachdem wir eine lange Weile an diesem magischen Platz verbracht hatten, wollten wir nun auch den Chakrawanderweg gehen – in umgekehrter Richtung wohlgemerkt. Die Station „Scheitel-Chakra“ befindet sich noch neben dem Heidenstein: ein hölzerner Thron und eine Klanginstallation.

Den Berg hinunter kamen wir dann zur Station „Stirn-Chakra“ – ebenfalls wunderbare Felsen, die überall sonst Aufsehen erregt hätten. Sie hatten nur das Pech, dass wir sie erst nach dem Heidenstein entdeckten.

Beim „Kehlkopf-Chakra“ gibt es eine wunderschöne Eule aus Holz, deren Augen besonders gut gelungen sind. Es folgte ein Aussichtsbankerl, von dem aus man bereits unser Nachbarland erblicken konnte, sowie einen Weiler mit dem Namen Stiftung. (1318 kam das Gebiet an das Stift Hohenfurth; ich nehme an, dass es gestiftet wurde.)

„Herz-Chakra“, „Nabel-Chakra“ und „Milz-Chakra“ folgten. Die Station „Wurzel-Chakra“ gefiel mir gut – besonders die Interpretation einer Sitzbank. Schließlich kamen wir wieder zum Ort zurück und folgten der Straße einige Meter bergauf zum Parkplatz.

Hier, ganz im Norden Österreichs, wurde ein richtig toller Wanderweg angelegt, der zu Recht das Wandergütesiegel trägt. Lang ist der Weg nicht – man sollte sich jedoch bei den Stationen genügend Zeit lassen, die Texte lesen, sich auf die Bänke setzen und in sich gehen. Ich bin auf diesem Wanderweg richtig gut zur Ruhe gekommen.

Und die Krönung der Wanderung ist der Heidenstein, den schon unsere klugen Ururahnen als einen sehr starken Kraftplatz erkannt haben.

 

HWW Wanderroute Dechantskirchen – Kroisbach – Heiligenbrunn

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

HWW Wanderweg

9,38 km

148 HM

2:30 h

Zusatzstrecke

4 km

 1 h

Im Mai, wenn die Sonne scheint (und es nicht allzu heiß ist), ist eigentlich jede Wanderung schön. Von einer ganz besonders interessanten Wanderung möchte ich jetzt berichten.

Wir starteten in Dechantskirchen – bei der „Kirche des Dechants“. Der Alpenostrand wurde von Salzburg aus missioniert. Dort gab es Urpfarren – eine davon war Fischau (südlich von Wien). Und dort gab es einen Erzdechant, der Otakar hieß. Dieser gründete 1150 eine Kirche im nur schwach besiedelten und dafür stark bewaldeten östlichen Gebiet des Wechsels. Dort verlief früher der Römerweg über den Hartberg – um die Zeit der Kirchgründung gab es dort den wichtigen Hartberg-Pfad. 1163 wurde Dechantskirchen zur Pfarre erhoben und ist damit die älteste Pfarre im Wechselland.

Wir betraten die Kirche über eine Seitentür, wobei wir zuerst in eine Seitenkapelle kamen. Dort steht ein sehenswerter Taufbrunnen mit einem bemalten Gehäuse, und dort gibt es auch die „Schwarze Madonna von Dechantskirchen“. Laut Sage soll sie einen Kirchenbrand schadlos überstanden haben, nur dass die Statue danach schwarz war.

Wir verließen die Kirche und folgten der Straße bergauf in Richtung Kroisbach – eigentlich nur bis zur Tafel mit den Themenwegen. Gemäß der Wegführung der HWW-Route hätten wir dieser Straße weiter folgen müssen, doch wir bogen (den Themenwegtafeln folgend) links ab, kamen am Kindergarten vorbei und stiegen bei einem prächtigen Hohlweg in den Wald hinab. Der Artenreichtum an den Böschungen des Weges war enorm. Wir gingen auf einem sandigen Weg durch den Wald, immer wieder blickten wir auf Wiesen, die durch Hecken und Bäume hübsch gegliedert waren.

Plötzlich war der Untergrund nicht mehr sandig. Der Weg war wie gepflastert von runden, großen Steinen. Ein Grund für Gregi, zu behaupten, dass wir hier sicherlich auf einem originalen und echten Römerweg unterwegs wären. Ich weiß nicht, ob es wirklich ein Römerweg war – möglich wäre es. Hier in der Gegend gab es tatsächlich einmal einen uralten Handelsweg.

Wir kamen auf eine kleine Asphaltstraße und folgten nun dem Heilbrunnweg. Bei der Ortschaft Kroisbach trafen wir wieder auf die eigentliche Wanderroute. Ich kann diesen Umweg, den wir gemacht hatten, wärmstens weiterempfehlen.

Nun ging es bergab durch den Wald. Wege gingen nach links und rechts – am besten den Weg mit der gelben Markierung L2 geradeaus folgen. Schon sahen wir hinunter nach Rohrbach – ein recht interessanter Ort. Besonders fiel mir ein Gebäude auf: die Kirche. Nicht alt und ehrwürdig wie die von Dechantskirchen, sondern noch recht jung (1959 bis 1961) und modern mit einer Doppelturmfassade.

Wir stiegen in Richtung Tal ab, und mitten im Wald – potzblitz – stand wieder ein recht großes sakrales Gebäude: die Heiligenbrunnkapelle. In dieser Größe hätten wir hier keine Kapelle erwartet. Bei Kirchen und Kapellen ist es ja meistens so, dass einmal dieses Teil, dann ein anderes Teil dazukommt. Es ist wohl so ähnlich wie bei Häuslbauern: Zuerst wird das Haus gebaut, dann werden die wichtigsten Räumlichkeiten eingerichtet. Im Laufe der Jahre kommt dies und das dazu – wenn man das Geld dafür hat oder wenn man etwas Besonderes am Markt entdeckt. Auch bei Kirchen ist das so. Die Anschaffung einer Glocke war damals schon etwas Besonderes – Metall war teuer, und eine Glocke zu gießen und zu transportieren war auch nicht gerade einfach. 1850 konnte man sich für die Bründlkapelle eine Glocke leisten, 1882 (also 32 Jahre später) wurde diese gestohlen. Was auch immer damit geschehen ist, sie war unwiederbringlich fort. Noch im selben Jahr schaffte man eine neue Glocke an, 34 Jahre später wurde diese als Kriegsablieferung eingezogen.

Wir kamen ins Tal und an das Ufer der Lafnitz – wir lieben diesen Fluss. Wir hatten den Tipp bekommen, in Rohrbach unbedingt das Café „Kaffeewerk“ zu besuchen. Wer uns kennt, weiß, dass wir diesen guten Rat befolgten und einen erstklassigen Eiskaffee genossen.

Frisch gestärkt wanderten wir zurück zum Fluss und über Limbach nach Thalberg (bei der Unterführung wieder auf die linke Seite der Bundesstraße wechseln). Wir hätten wahrscheinlich auch einfach dem Radweg rechts der Bundesstraße folgen können. Nun kam der eigentliche Höhepunkt der Wanderung. Schon von der Ferne sahen wir die beeindruckende Burg Thalberg, die auf einem Felsriegel über dem Tal thront. Bevor wir uns dem Gebäude nähern konnten, mussten wir durch den 41 Meter hohen Burggrabenviadukt gehen, über den die Wechselbahn in Richtung Friedberg donnert.

Ganze 90 Meter ist die Hochburg lang und 23 Meter breit. Rechts und links je ein Turm, wobei der Bergfried 24 Meter hoch ist. Die Burg ist die älteste im Wechselland, und sie wurde nie von Feinden eingenommen. 1171 wurde die romanische Burganlage von den Herren von Krumbach als Grenzfestung gegen die Ungarn errichtet. Die östliche Toranlage soll ein herrliches Quadermauerwerk sowie einen aufwendigen romanischen Dekor aufweisen. Im 15. Jahrhundert wurde die Burg durch eine Zwingeranlage und eine spätgotische Vorburg erweitert.

Die Burg hatte eine wahrlich wechselvolle Geschichte. Siegmund von Dietrichstein (1484 bis 1533) war einst Landeshauptmann der Steiermark, aber er war auch protestantischen Glaubens. Daher wurde die Burg zu einem Zentrum des Protestantismus.

1610 sah es auf der Burg ganz anders aus. Nun waren die Jesuiten die Besitzer des Bauwerks, und sie sahen es als ihre Aufgabe, die Bevölkerung wieder zum katholischen Glauben zu bekehren – wenn es sein musste auch unter Zwang. Falls es zu Aufständen kam, war man hinter den dicken Burgmauern sicher. Die Jesuiten verehrten den heiligen Nepomuk – eine Steinfigur dieses Heiligen steht gegenüber der Vorburg.

So traumhaft dieses Ensemble (das man leider nur von der Straße aus betrachten kann) auch ist: Als ich vor dem Tor der Unteren Burg stand, das schadhafte Dach sah, den lieblichen Erker (aus dem schon das Grün sprießt) und die Holzverkleidungen in den Fenstern des Bergfrieds, kam mir die Erkenntnis: Es gibt Dinge, für die ich in meinem Leben dankbar bin. Eine davon ist die freudige Tatsache, dass ich keine Burgbesitzerin bin. Ehrlich – solch ein Gebäude zu erhalten, wäre ein Albtraum.

Von Thalberg nach Dechantskirchen ist es dann nicht mehr weit. Wir hatten auf dieser Wanderung richtig interessante Dinge gesehen und erfahren: die älteste Pfarre sowie die älteste Burg des Wechsellandes, die naturbelassene Lafnitz und eventuell sogar ein Römerweg. Lobend möchte ich auch die interessanten Informationstafeln des Historischen Weitwanderwegs Wechselland erwähnen. Eine ganz tolle Initiative.

 

Brunn bei Fehring nach Hatzendorf

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Brunn nach Hatzendorf über Grillberg und Hatzendorfer Weinweg

7,5 km220 HM

2,75 h

unsere Variante

ca. 18.000 Schritte  

Es war ein eisiger Jännertag, aber die Sonne schien herrlich, es gab einen blauen Himmel und weißen Schnee. Die meisten Personen zieht es bei diesem Wetter in die Berge. Uns nicht, wir fuhren in den Süden – besser gesagt in die Südoststeiermark nach Fehring.

Ich wollte mir schon immer einmal den Römerstein von Brunn bei Fehring ansehen. Nun ja, das Original hatte ich ja schon gesehen – im Landesmuseum Joanneum in Eggenberg. Doch ich bin ein neugieriger Mensch. Ich möchte immer wissen, wo diese interessanten alten Artefakte einst beheimatet waren. Meist sind das ganz besondere Plätze.

In einem Wanderbuch fand ich eine Wanderung, die von Brunn bei Fehring nach Hatzendorf führen sollte. Sie war nicht allzu lang, gerade einmal 7,5 km. Von Hatzendorf könnten wir dann ja mit den Öffis zum Fehringer Bahnhof retourfahren – so hatten wir es ursprünglich geplant. Wer uns kennt, hat schon so eine Ahnung, dass dieser Plan bestimmt nicht so gelingt wie gewünscht. Natürlich haben wir uns wieder einmal „verlaufen“ und auf diese Weise eine ganz neue, hübsche Wanderrunde entdeckt.

Wir starteten am Fehringer Bahnhof, der eigentlich in Brunn bei Fehring liegt. An der Halle, wo Beerenobst verarbeitet wird, vorbei und über den Bahnübergang. Gut, da mussten wir warten, weil der Schranken uns kurzfristig am Weitergehen hinderte. Der Fehringer Bahnhof kam mir recht groß vor – und ja, er war früher auch recht bedeutend.

Am 1. Mai 1873 wurde Fehring an das Eisenbahnnetz der Monarchie angeschlossen. Die „Steirische Ostbahn“ brachte die Fehringer nun ganz komfortabel nach Graz. Dazumal war Fehring sozusagen ein „Außenposten“ der Monarchie. Das benachbarte Jennersdorf gehörte noch zu Ungarn. Aber mit der tollen Ostbahn war man nun besser an die Landeshauptstadt angebunden. Über Graz konnte man sogar Wien erreichen.

1885 wurde dann die Lokalbahn „Fehring–Fürstenfeld“ eröffnet. Und als die Gleise über Fürstenfeld hinaus weitergebaut wurden, konnte man ab 1910 direkt nach Wien fahren, ohne vorher den Umweg über Graz machen zu müssen. Wie schnell man nun überall mit der Bahn hinreisen konnte!

Die deutsche Wehrmacht nutzte diese Bahn natürlich auch, um rasch Soldaten und Nachschub in Richtung Osten zu transportieren. Die Alliierten griffen daher den Bahnhof in Fehring an. Wenn die Sirenen warnten, mussten sich die Personen, die sich beim Bahnhof befanden, auf den Höhenrücken retten. Und genau auf diesen Höhenrücken wollten wir nun – hinauf auf den Königsberg zum Römerstein.

Wir gingen an der Socca-Tankstelle vorbei bis zur Kreuzung. Dort sahen wir die Wanderwegmarkierung 07. Sie führte uns eine schmale Asphaltstraße hinauf bis zur letzten Häuserreihe. Dort verließen wir die Straße und stiegen steil neben einem Zaun bergauf, bis wir einen querenden Waldweg erreichten. Vorerst bogen wir rechts ab und gelangten in kurzer Zeit zum ehemaligen „Heiligen Bezirk“ der Kelten auf dem Königsberg.

Die Geschichte, wie dieser Heilige Bezirk gefunden wurde, ist besonders interessant. 1937 gab es ein ganz böses Unwetter. Viele Bäume im Wald waren durch dieses Extremwetterereignis entwurzelt worden, und die Bauern überlegten, was sie mit diesem ruinierten Wald machen sollten. „Roden wir die anderen Bäume auch und legen wir einen Weinberg an“, entschieden sie und machten sich ans Werk. Bei den Rodungsarbeiten kam dann ein Stein zum Vorschein, ein schön behauener Stein mit einer römischen Inschrift.

Man erinnerte sich an eine Sage, die besagte, dass es auf dem Königsberg ein versunkenes Schloss geben sollte. Und wo es ein versunkenes Schloss gab, da sollte es auch Schätze geben. Der Stein wurde zerstört, und mit ihm der kostbarste Schatz. Zum Glück holte das Landesmuseum den Stein nach Graz und restaurierte den „Weihealtar“, der vom römischen Bürger Aurelius Celsinus für seinen Sohn Marcus Aurelius Celsinus errichtet worden war.

Und siehe da: Die Forscher erfuhren durch die Inschrift, dass dieser Stein „Jupiter Optimus Maximus Uxlemitanus“ gewidmet war. Uxlemitanus war ein keltischer Wettergott. Tja, der gute Wettergott wollte wohl, dass sein Stein wiederentdeckt würde – daher schickte er dieses fürchterliche Unwetter, das die Bäume entwurzelte. Es ist nicht immer gut, wenn Wünsche in Erfüllung gehen. Der Wettergott hatte wohl keine Ahnung davon, dass die Leute ihn nicht mehr kannten und respektierten. Die Banausen verehrten ihn nicht bei seinem Weihealtar – sie zerstörten ihn.

Nach der Besichtigung der Nachbildung des Römersteins mussten wir den Forstweg wieder zurückgehen. Jedoch blieben wir auf dem Waldweg, der uns hinauf zum Weingut Kapper führte. Eine Schaukel, eine Liege, eine Aussichtsplattform und ein wunderbarer Rundblick erwarteten uns.

Hinab nach Fehring und in das breite, schöne Raabtal, das sich nach Fehring noch großzügiger ausbreitet. Die Gleichenberger Kogel, und wenn man genau schaut, das Schloss Bertholdstein. Und wenn man ganz, ganz genau schaut, sieht man sogar den Großen Speikkogel mit seiner Goldhaube.

Beim Weingut Kapper gibt es ein modernes Kunstobjekt – von dort hat man einen guten Blick auf die Riegersburg. Wir wanderten die Asphaltstraße bergab, bogen dann in die erste Straße rechts ab und gingen bei einem herrschaftlichen Anwesen vorbei den Hügel hinunter. Im Graben angekommen, hätten wir wahrscheinlich rechts abbiegen müssen, um über den Burgstallberg auf den Grillberg zu gelangen. Wir bogen bei der Kreuzung links ab und marschierten den Rittergraben sehr, sehr lange entlang. Der eisige Wind machte uns zu schaffen, und wir blickten immer wieder rechts nach oben, wo wir schon verheißungsvoll das Gipfelkreuz des Grillbergs und die Weingärten sahen. Doch alle Wegerln, die rechts nach oben führten, waren Hauszufahrten. Endlich – eine schmale Asphaltstraße mit einem „Vorrang geben“-Schild. Hier konnten wir endlich zum Höhenrücken aufsteigen.

Wir beobachteten einige Krähen, die mit vereinten Kräften einen Bussard vertrieben. Viele schwächere Kreaturen sind gemeinsam stärker als ein starker „Macher“. Krähen sind klug. Auf dem Höhenrücken angekommen, gab es endlich Wanderwegweiser. Rot waren sie, und wir erfuhren von ihnen, dass wir nun auf dem Hatzendorfer Weinweg waren. Hier hätten wir nach Hatzendorf hinabgehen können, um mit den Öffis zurückzufahren. Wir folgten jedoch der Asphaltstraße nach rechts, in Richtung Buschenschank Gölles und Grillberg. Wir waren noch nicht müde, und der Weinweg würde uns sicherlich in Richtung Brunn bringen.

Hier war die Wanderung richtig idyllisch und die Aussicht phantastisch. Weingärten, hübsche Bauernhäuser, Pferdekoppeln … und dann endlich der Grillberg. Er hat ein richtiges Gipfelkreuz, dorthin wollten wir unbedingt. Wir stapften durch den hohen Schnee hinauf zum Kreuz. Ein Gipfelbuch gab es leider keines, aber ein Panorama, das seinesgleichen sucht. Die Riegersburg, fast schon nebenan der Schöckel. Davor Weingärten. Wow. Hätte es angenehmere Temperaturen gegeben, hätten wir an diesem besonderen Platz länger verweilen können. Wir stapften wieder hinunter auf die Asphaltstraße und folgten den roten Wegweisern weiter zum Weingarten auf dem Burgstallberg. Wir wanderten neben dem Weingarten hinunter und geradeaus weiter in den Wald. Wir folgten einfach einer einsamen Menschenspur im hohen Schnee. Der Waldweg führte uns an langen Holzstößen vorbei, hinauf auf eine Waldkuppe und dann steil hinunter zurück in den Ort. Bei den Häusern links abbiegen, bei der Hauptstraße rechts durch den Ort bis zur Socca-Tankstelle und zurück zum Bahnhof.

 

Winterwanderung vom Pfaffensattel aufs Stuhleck mit Schlittenabfahrt

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 4 km400 HMca. 2 h
    

Wir sind nicht oft in den Bergen unterwegs – um ehrlich zu sein, sind wir ausgesprochene Flachlandwanderer. Daher war ich zuerst eher skeptisch, als mir vorgeschlagen wurde, an einem Sonntag im Februar ganz in den Norden des Weizer Bezirks zu fahren, um auf den höchsten Gipfel der Fischbacher Alpen zu steigen und dann mit dem Schlitten wieder herunterzubrausen.

Von einem Berg mit dem Schlitten hinunterzufahren, kam mir äußerst riskant vor … ganz anderer Meinung zu diesem Thema war meine bessere Hälfte. Gregis Augen leuchteten richtiggehend auf bei der Vorstellung, in einer winterlichen Landschaft mit einer Rodel unterwegs zu sein. Da spielten die zu bewältigenden 400 Höhenmeter auch keine Rolle … „Das wird lustig!“ Also war es beschlossen.

Über Anger, Birkfeld und Ratten fuhren wir das wunderbare Feistritztal hinauf. Weit und breit war kein Schnee zu sehen, und ich schöpfte Hoffnung, dass ich vielleicht doch nicht rodeln musste. Ich bin nun mal ein Angsthase.

Schon kamen wir nach Rettenegg, dem nördlichsten Ort des Weizer Bezirks. Dieser Ort wurde bereits um 1300 gegründet und gehörte ursprünglich zu Ratten. In Ratten gibt es ein Bergbaumuseum – und auch in Rettenegg spielte der Bergbau einst eine Rolle. In der Gegend wurden Silber, Kupfer und Kohle gefunden.

Doch auch Hammerwerke gab es zwischen den beiden Orten, wobei das Eisen vom obersteirischen Erzberg kam. Am Forellengasthaus Tösch (Jogllandforellen) vorbei fuhren wir neben dem Pfaffenbach hinauf zum Pfaffensattel … und wenn man ganz viel Glück hat, ergattert man sich dort einen Parkplatz (bei einem aufgelassenen Gasthaus).

Der Pfaffensattel ist eine Wasserscheide. Ich stelle mir vor, wie so ein Regentropfen überlegt: „Wenn ich hier herunterfalle, dann komme ich in den Stuhleckbach, den Fröschnitzbach, in die Mürz, dann in die Mur und über die Drau in die Donau. Wenn ich einige Meter weiter drüben nach unten falle, komme ich in den Pfaffenbach, besuche die Feistritz, sehe die Lafnitz und gelange über die Raab in die Donau. Egal … meine Schwestern werde ich in der Donau sowieso wieder treffen.“

Der Pfaffensattel ist ein Übergang vom Feistritztal ins Mürztal. Und weil die Kuruzzen immer wieder ins Feistritztal eingedrungen sind und man verhindern wollte, dass sie über den Pfaffensattel ins Mürztal gelangen, baute man Anfang des 18. Jahrhunderts auf dem „Pfaffen“ Verteidigungsanlagen. Von diesen Verteidigungsanlagen kann man heute nichts mehr sehen.

Auch sieht man kaum mehr etwas von der Trasse der ehemaligen Feistritzwaldbahn, die vom Steinhaus am Semmering über den Pfaffensattel nach Rettenegg führte. Diese Waldbahn, die vor allem dem Transport von Holz diente, existierte von 1922 bis 1958.

Doch genug mit dem Geschichtsunterricht. Wir waren ja gekommen, um zu wandern und zu rodeln. Über die Mautstraße (die im Winter für Autos gesperrt ist) stiegen wir die rund 400 Höhenmeter hinauf zum Alois-Günther-Haus. Der erste Teil der Strecke war leider sehr vereist (Grödel sind hier sehr empfehlenswert), doch schon etwas später konnte man ganz komfortabel auf Schnee gehen.

Je höher wir hinaufkamen, desto großartiger wurde die Aussicht. Doch auch die nähere Umgebung war spektakulär. Wind, Eis und Schnee hatten aus kleinen Bäumen wunderliche Skulpturen geschaffen. Ein wahres Winterwunderland.

Das Alois-Günther-Haus steht sehr exponiert in der Nähe des Gipfelkreuzes – hier gibt es keine Bäume mehr. Der Rundumblick ist ein Wahnsinn. Hinunter zum Neusiedler See mit seinen unzähligen Windrädern, über das Wechselgebiet, das oststeirische Hügelland bis zu den Kalkalpen der Obersteiermark. Auch die Niederen Tauern sollte man sehen können. Wir sind, wie schon erwähnt, keine Bergfexe … so genau kenne ich mich da leider nicht aus. Aber das kann ich bestätigen: Man sieht von hier oben ein großes und sehr schönes Stück Österreich.

Der Gipfel des Stuhlecks ist sehr belebt – klar, denn in der Nähe befindet sich die Bergstation eines Skilifts. Außerdem handelt es sich hier um ein Skigebiet, das von der Bundeshauptstadt aus in knapp einer Stunde mit dem Auto zu erreichen ist.

Und noch eine Besonderheit hat das Stuhleck. Es ging als der erste mit Skiern bestiegene Gipfel der Alpen in die Geschichte ein. 1892 wurde hier sozusagen der Grundstein für den Wintertourismus gelegt. Ein Hotelier sowie ein Postbeamter aus Mürzzuschlag und ein Fabriksdirektor aus Graz waren die Skipioniere. Was sie wohl denken würden, wenn sie heute hier beim Gipfelkreuz stünden und hinunter auf den Skilift blickten, der nach und nach Menschenmassen auf den Berg bringt? Würden sie sagen: „Ui, da haben wir aber etwas ausgelöst.“ Oder: „Verdammt, warum sind wir nicht hundert Jahre später geboren worden? Dann hätten wir uns da nicht so hochquälen müssen!“

Das Alois-Günther-Haus ist ganzjährig bewirtschaftet, und an diesem wunderbaren Sonntag im Februar war es bestens besucht. Wir hatten richtiges Glück, einen Platz zu ergattern.

Hier in der Nähe soll einst die erste Skihütte der Alpen gestanden haben – die Nansenhütte. Wer sagt’s denn? Auch auf Bergen wurde Geschichte geschrieben.

Doch zurück zu unserer Geschichte … Wir waren gestärkt, jetzt hieß es, mit dem Schlitten die 400 Höhenmeter auf vier Kilometern Mautstraße hinunterzufahren. Ich schwor feierlich: „Wenn ich lebend unten ankomme, dann schreibe ich einen Bericht über das Stuhleck!“

Gut, ein Stück musste ich den Schlitten dann doch noch ziehen, doch dann kam die Abfahrt. Ich wurde überholt, ich wurde nochmals überholt … (Nein, von keinem Wanderer. Das ist ein Gerücht!)

Während ich mich etwas verkrampft an meinem Gefährt festklammerte und mir die Sohlen auf der Piste abwetzte, fuhr meine waghalsige Tochter jauchzend und lachend an mir vorbei – das Handy im Anschlag und generell nach hinten blickend. (Dieses Beweisvideo über meine Schlittenfahrt muss ich noch konfiszieren und vernichten!)

Ich gebe zu, meine Angst war nicht gerechtfertigt. Die Mautstraße ist mit dem Schlitten richtig gut zu befahren … und ich habe es sogar geschafft, meinen Mann zu überholen. Gut, der hatte angehalten, weil er angeblich ein Birkhuhn gehört hatte. Ich hatte einen Vorsprung von mindestens zehn Minuten und kam mir vor wie der Igel aus der Fabel „Der Hase und der Igel“.

Fazit: ein wunderbarer Ausflug. Das Stuhleck werden wir bestimmt wieder einmal besuchen – mit oder ohne Schlitten, das kann ich heute noch nicht sagen.

 

Bahnwanderung von Burgfeld nach Feldbach

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

  ca. 9 kmca. 90 HMca. 3 h
    

Im April 2026 entschlossen wir uns, einen Teil des Gleichenberger Bahnwanderweges zu begehen. In Feldbach stiegen wir in den „Dschungelexpress“, wie die Gleichenberger Bahn von den Feldbachern liebevoll genannt wird. Im Zug konnten wir beim Lokführer das Ticket lösen, dann suchten wir uns einen Platz im gut gefüllten Waggon. Hinter mir saß eine Familie, die schon voller Euphorie die Jause für den Nachwuchs auspackte. Eine Pensionistengruppe war bestens gelaunt, und alle Passagiere schienen total entspannt zu sein. Gut, ich war nicht ganz so entspannt – wir würden in Burgfried, irgendwo in der Pampa, aussteigen und nicht die ganzen 22 Kilometer über Gnas nach Bad Gleichenberg mitfahren. Und diesen Bahnhof durften wir nicht versäumen – also hieß es: gut aufpassen.

Bei den Haltestellen Oedt Siedlung, Oedt, Prädiberg und Fischa würden wir vorbeifahren – dann würde die Haltestelle Burgfried kommen. Ich versuchte verbissen, die Namensschilder der Haltestellen zu entdecken, um gleich nach Fischa Richtung Ausgang zu gehen. Doch so sehr ich mich auch bemühte – diese Dinger konnte ich einfach nicht entdecken. Zum Glück dachte der Lokführer an uns und hielt daher brav in Burgfried. Beim Aussteigen sollte man sich nicht allzu sehr tummeln (so wie ich es tat) – der Waggon ist hoch und die Leiter nicht unbedingt leicht hinunterzuklettern. Irgendwie kam ich dann doch heil neben den Gleisen zu stehen, und schließlich konnte der Zug wieder gemütlich weitertuckern, durch die herrlichen südoststeirischen Hügel.

Auf dem hölzernen Wartehäuschen entdeckten wir dann die Markierung des Bahnwanderwegs – wir wollten in Richtung Feldbach. Also marschierten wir eine kurze Strecke entlang der Asphaltstraße.

Der Name Burgfried würde meines Erachtens auf eine ehemalige Wehranlage hinweisen. Reste von Mauern oder Ähnlichem konnten wir leider nicht mehr entdecken. Doch der Hügel hinter einem alten Bauernhaus könnte durchaus eine geeignete Stelle für einen Wehrturm gewesen sein.

Nun kamen wir zur einzigen Stelle der Wanderung, an der die Wegweiser nicht eindeutig waren. Wir überlegten, ob wir dem Pfeil über die Gleise folgen und die Asphaltstraße weiter entlanggehen sollten. Doch der richtige Weg führt links neben der Bahnstrecke entlang eines Waldwegs.

Die Hügel sind hauptsächlich mit Buchen und Eichen bewachsen, auf dem Bahndamm wucherte Schöllkraut. Schöllkraut, Hahnenfuß, Gelbe Taubnessel, Wolfsmilch – hier war das Reich der gelben Blumen. Auf der Wanderung sahen wir enorm viele verschiedene Blümchen: Wiesensalbei, blühende Walderdbeeren, Waldmeister etc. etc. etc.

Begleitet vom schönsten Vogelgesang betrachteten wir die bewaldeten Vulkanhügel der Umgebung. Die Gleichenberger Kogel und den Steinbruch von Mühldorf konnte ich erkennen. Am Horizont in Richtung Westen und Norden entdeckten wir weiße Berggipfel, davor die grünen, satten Wiesen und die hellgrünen Wälder.

Der Kalvarienberg im Süden von Feldbach wurde 1832/1833 errichtet. Von hier aus hat man einen traumhaften Blick auf die Riegersburg, auf die Stadt Feldbach und ins Raabtal, wo im Dunstkreis der Turm der Fehringer Kirche zu erkennen war.

Wir marschierten bergab am Spital vorbei. Im Ersten Weltkrieg gab es in Feldbach das größte Kriegsgefangenenlager der Monarchie. Im Mai 1915 waren dort noch 50.000 Personen untergebracht. Als die meisten Kriegsgefangenen nach Ungarn verlegt wurden, beschloss man, im Bereich des Lagers ein Krankenhaus zu errichten. Im Frühjahr 1916 war das Spital, das 5.000 Verwundete versorgen konnte, fertiggestellt.

Feldbach ist eine alte Stadt. 1188 wurde sie als Velwinbach gegründet (übrigens gleichzeitig mit Weiz). Feldbach lag verkehrstechnisch sehr günstig. Eine Römerstraße führte von Gleisdorf nach Pannonien – diese Straße wurde wahrscheinlich noch im Mittelalter genutzt. Und von Hartberg nach Radkersburg führte ebenfalls eine Straße über Feldbach.

Bereits 1265 wurde Feldbach als Markt bezeugt. Feldbach erhielt einige Privilegien, darunter das Marktrecht. Die Feldbacher waren sehr erfolgreich – 1362 konnten sie die Stadt aus der Pfandschaft der Walseer befreien. Sehr geholfen hat dabei eine fünfjährige Steuerbefreiung durch Herzog Rudolf IV.

Im 15. Jahrhundert sahen sich die Feldbacher gezwungen, eine Schutzburg (Tabor) zu errichten. Nach einem Überfall durch den Söldnerführer Andreas Baumgartner wusste man um die Dringlichkeit eines besseren Schutzes. Nach dem Tabor errichtete man auch noch eine Stadtmauer. Feldbach wurde immer wieder in Mitleidenschaft gezogen, besonders durch die Türken, die zwischen 1479 und 1490 die Bevölkerung durch Tötung und Verschleppung um ein Viertel reduzierten.

Im 17. Jahrhundert wurde in Feldbach ein weiteres schwarzes Kapitel der Geschichte geschrieben. Die größten steirischen Hexenprozesse fanden zwischen 1673 und 1675 statt. Im Hexenkeller des Tabors wurden 68 Personen gefangen gehalten, die der Hexerei beschuldigt wurden.

Vor dem Rathaus steht die Statue „Die Raab“. Beim Albrechtsbrunnen in Wien wurden die allegorischen Darstellungen von Donau, Inn, Save, Drau, Theiß, Mur, Salzach, March, Raab, Enns und Traun geschaffen. Die Kopie der „Dame Raab“ steht nun vor dem Feldbacher Rathaus.

Neben dem Rathaus befindet sich die Kirche mit ihrem freistehenden Glockenturm. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden fast alle Gebäude in Feldbach zerstört. Auch der Kirchturm wurde am 8. Mai 1945 noch gesprengt. Zwischen 1961 und 1964 wurde ein freistehender Campanile errichtet. Er war hoch, aus Beton und wahrscheinlich irgendwie ein bisschen fad. 1987 kam dann die Farbe hinzu, wobei 20 Jugendliche kreativ mithalfen. Nirgendwo auf der ganzen Welt gibt es einen Campanile, der bunter ist als jener von Feldbach.

Doch nicht dieser außergewöhnliche Kirchturm ist das Wahrzeichen der Stadt, sondern der Steinerne Metzen, der aus dem 15. Jahrhundert stammt. Da wir uns mitten im Vulkanland befinden, wurde dieser Metzen aus Basalttuff gefertigt. Feldbach hatte einen Markt, und der Kelch, der auf einem achteckigen Sockel steht, war das Feldbacher Maß.

Übrigens: Markt. Da gibt es eine ganz tolle Sage über Till Eulenspiegel, der sich einst in Feldbach aufgehalten haben soll. Till gab sich bei den Feldbachern als großer Magier aus, der Menschen reich machen könne. Was für ein Versprechen – wer wollte nicht reich werden, und das ohne harte Arbeit?

Als Till den Feldbachern vorschlug, sich um Mitternacht in einer langen Reihe aufzustellen, damit er die Personen abschreiten und jeden Siebten von ihnen mit Reichtum versehen könne, entschlossen sich selbst die frömmsten Bürger, bis Mitternacht am Marktplatz zu verharren, um in den Genuss des großen Geldsegens zu kommen. Nicht nur Till konnte zählen, sondern auch die braven Bürger, die nun doch nicht mehr ganz so brav und fromm waren. Die Plätze eins bis sechs waren ebenso uninteressant wie die Plätze acht bis dreizehn – und so weiter und so fort.

Spätestens um Mitternacht gab es daher auf dem Marktplatz eine Massenkeilerei, bei der selbst die kampferprobten Freunde des Asterix noch etwas hätten lernen können. Till seinerseits saß auf dem Metzen und beobachtete amüsiert das Treiben.

Wir kehrten zum Feldbacher Bahnhof zurück, von wo aus seit 1931 die Gleichenberger Bahn die betuchten Gäste über die wunderbaren Hügel zur Kur brachte. Ich hoffe nur, dass diese tolle Bahn noch lange existieren wird und noch sehr viele Ausflügler befördert.