Distanz | Höhenmeter | Dauer | |
| 12 km | 150 HM | 3:45 h | |




































Ich möchte von einer außergewöhnlich tollen Wanderung erzählen … Ich habe in mehreren Wanderführern von dieser Tour gelesen. Die Autoren dieser Bücher wissen wohl auch, wo es besonders schön ist.
Die Wanderung beginnt beim Hauptplatz oder beim Wanderstein beim großen Parkplatz beim Scheiblingturm, habe ich gelesen. Wir marschierten zuerst einmal durch die Stadt, wo es einen Street-Food-Markt am Hauptplatz gab. Dann verließen wir die Stadt über das Böhmertor, bogen nach rechts in Richtung Fluss ab, wo wir die Feldaist querten und sofort links bei einem wunderschönen Haus mit drei alten Spalierbirnbäumen dem Fluss bergauf folgten.
Eine Schülergruppe kam uns entgegen, wir kamen an einem Tennisplatz vorbei, schließlich gab es einen Feldweg, und vor uns spannte sich über dem Tal die gigantisch große Autobahnbrücke. Hätten die Freistädter Bewohner vor hunderten von Jahren dieses Bauwerk gesehen, hätten sie es bestimmt als Werk des Teufels bezeichnet. Denn im Thurytal, wohin wir nun wanderten, hatte der Teufel laut Sage sein Unwesen getrieben. Doch dazu später.
Wir mussten jetzt auch eine Brücke queren – nicht die gigantische Autobahnbrücke, die sich über das ganze Tal spannt, sondern eine ganz normale, bescheiden kleine Brücke über die Feldaist … ganz normal? Nein, doch nicht: Unter der Brücke nistet eine Wasseramsel! Wie schön.
Wir querten die Kreuzung und hielten auf den Wanderparkplatz vor dem Thurytal zu. Jogger kamen uns entgegen, sehr viele Hundebesitzer … Das Tal mit seinen merkwürdigen Namen ist sehr beliebt und belebt. Namensgebend für dieses Tal war die Familie Thury, die hier drei Hammerwerke betrieb. Sensen wurden hergestellt, bäuerliches Handwerkszeug, Nägel, Tür- und Fensterbeschläge – halt Dinge, die man so benötigte.
Das zweite Hammerwerk wurde liebevoll restauriert. Idyllisch liegt es heute im Tal, daneben der Fluss mit seinem typisch klaren, braunen Moorwasser, der künstliche Wasserlauf zum Betreiben des Wasserrades, eine grüne Wiese und Erlen. Was für eine Idylle!
Wir folgten, so wie einige Hundebesitzer, dem steinreichen Fluss weiter. Vom dritten Hammerwerk gab es nur noch eine Ruine … plötzlich standen wir vor ihm, dem Teufel. Und nun zur Sage:
Der Höllenfürst hatte sein Reich unter den Granitplatten des heutigen Freistadt. Als die Stadtgründer die Häuser bauten, ärgerte das den Teufel ungeheuerlich – diese Siedler wollte er unbedingt vertreiben. Also sammelte er in seiner Hölle viele große Granitbrocken – damit wollte er die Stadt zerstören. Doch Belzebub war nicht sonderlich klug. Er wollte die schweren Felsen mit einem Sack oder einem anderen Stoff transportieren … und in diesem Fall wissen wir alle, was jetzt kommen musste: Der Stoff zerriss und die Steine fielen allesamt verstreut in die Feldaist.
Gut, dachte sich Satan, dann werde ich die Steine halt wieder aufsammeln … doch dazu kam es nicht mehr, weil nun die Kirchenglocken in Freistadt zu bimmeln begannen und er schleunigst abhauen musste. Mich wundert nur, dass er mit seinem Angriff wartete, bis die Freistädter eine Kirche gebaut hatten. Hätte er vorher eingegriffen, hätten ihn keine Glocken von seinem Vorhaben abhalten können … doch wie schon erwähnt, klug war der Kerl offensichtlich nicht.
Weiters gibt es noch Sagen vom Teufel und von Riesen im Feldaisttal – wieder geht es darin irgendwie um Steine. So viel Idylle und doch so viele Teufelssagen in diesem Fleckchen Erde.
Der Wanderweg führte uns bergauf … und irgendwie haben wir leider kurzfristig die richtige Route verloren. Eine Wanderwegkreuzung zeigt nach dem Weiler „Vierzehn“ auf die linke Seite, eine Markierung mit einem Mühlrad nach unten. Dieser Markierung folgen; es muss die Feldaist gequert werden, und dann würde man zur Neumühle kommen.
Von der Neumühle aus machten wir uns auf den Weg nach dem Ort „Vierzehn“. Dort entdeckten wir ganz muntere Vögelchen auf einer Stromleitung – drei Stare mit wunderbaren Gesangseinlagen.
Hier mussten wir die Bundesstraße queren, kurz darauf wurde die Wanderung etwas abenteuerlich. Die Autobahnbaustelle war uns im Weg. Wir überlegten kurz, dann entdeckten wir die „Umleitung“, die zwischen zwei Sichtschutzzäunen den Hügel hinauf und auf der anderen Seite der Baustelle wieder steil hinunter führte. Und hier, neben der Autobahnbaustelle, gab es sehr, sehr viele geschützte Feldsandlaufkäfer.
Danach ging es angenehm einem Waldweg entlang, immer wieder erhaschten wir Blicke auf Freistadt. Kurz ging es nochmals bergauf, am Waldrand neben einer großen Wiese ging es dann auf den nächsten Höhepunkt der Wanderung zu: die Kirche St. Peter.
Eine Hügelkuppe mit zwei sakralen Gebäuden, einige riesige Bäume, umgeben von einer Friedhofsmauer. Bevor man dieses Ensemble erreicht, passiert man noch einen herrlichen alten Bauernhof mit wirklich glücklichen Hühnern.
St. Peter war laut Ausgrabungen ursprünglich eine romanische Saalkirche und älter als die Stadt Freistadt. Heute sieht man ein wunderbares gotisches Gebäude mit einem Zwiebelturm – das zweite Kirchenhaus daneben war einst ein Beinhaus. An der Friedhofsmauer vorbei geht es den Kreuzweg bergab. Die Stationen sind interessant, aber meines Erachtens verdienen die herrlich alten Bäume neben den Stationen mehr Aufmerksamkeit.
Wir betraten nun die Altstadt über das Linzertor, auf dem der Name Freystadt noch mit „y“ geschrieben wurde. 1220 wurde die Stadt gegründet, und zwar vom Babenberger Herzog Leopold VI. Dieser Herzog war mit Theodora, der Enkelin des byzantinischen Kaisers, verheiratet. Und er war der Vater von Margarethe, die in Hainburg Ottokar II. Přemysl geheiratet hatte.
Freistadt lag auf einem alten Handelsweg, der von der Donau über den Nordwald nach Böhmen führte. Eisen wurde transportiert – aber auch Salz (der Salzhof in Freistadt ist das älteste Gebäude der Stadt). Die Grenze zu Böhmen musste geschützt werden, daher erhielten die Siedler Grund und Boden und konnten ihr Haus als freies Eigen besitzen. Daher auch der Name der Stadt. Lustig ist, dass er die Grenze zu Böhmen so gesichert hat. Lange nach seinem Tod heiratete seine Tochter Margarethe den böhmischen König Ottokar II. Přemysl.
Ich liebe es, die Altstadt zu umrunden und die tolle Stadtbefestigung mit den Wehrtürmen, dem Wehrgraben und den Wehrmauern zu besichtigen. Wie schön, dass wir im 21. Jahrhundert leben. Die Wehrtürme sind traumhafte Fotomotive, im Graben gibt es Kinderspielplätze, Rastbänke und wunderbare Parkanlagen, auf den Wehrmauern blühen herrliche lila Blumen. Auch die Stadt selbst – mit den engen Gassen, den Erkern und den vielen geschichtsträchtigen Gebäuden – ist beeindruckend. Für Freistadt sollte man sich genügend Zeit nehmen. Kaffee- und Gasthäuser laden ein sowie ein Brauhaus.
Einst sollte das Freistädter Bier nicht allzu gut gewesen sein – daher importierte man Gerstensaft aus Budweis. Die Ratsherren setzten sich zusammen und überlegten: Bei uns brauen die Häuser alle selbst Bier – mit keinem allzu guten Ergebnis. Arbeiten wir zusammen, vereinen wir unser Wissen und gründen eine Brau-Commune. Diese Idee war extrem gut … heute ist das Freistädter Bier sehr beliebt. Die Brau-Commune gibt es noch immer (als einzige in Europa noch mit dieser Rechtsform). Daran sieht man, wie gut und nachhaltig es ist, zusammenzuhalten. Nehmen wir uns ein Beispiel an den Freistädtern – ihre Idee von 1777 ist heute noch ein Erfolgsunternehmen.



















































