„Tannertrail“ – Tanner Moor bei Liebenau

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

4,5 km

69 HM

2 h

Start:

Liebenau

Rubner Teich  

Im April (zur Monatsmitte) war es im Mühlviertel richtig kalt. „Wir sind im Norden“, meinte ich, als wir beim Parkplatz Rubner Teich aus dem Auto stiegen und unter unseren Wanderschuhen circa fünf cm frischer Schnee lag. Den Parkplatz hatten wir über eine enge Dammstraße erreicht, hier gab es eine Aussichtsplattform mit schönen (schneebedeckten) Liegen – der „Moortreff“ war geschlossen. Hätte sich auch nicht ausgezahlt, offen zu haben. Wir waren die Einzigen, die sich bei diesem Wetter dazu entschlossen hatten, das Tanner Moor zu besuchen.

Der Rubner Teich war künstlich angelegt worden. Ich staunte nicht schlecht, wie groß er war. Bagger hatte es im 18. Jahrhundert noch keine gegeben – es musste ein gewaltiger Kraftakt gewesen sein, diesen Schwemmteich, der 2,5 Hektar groß und bis zu 8 Meter tief ist, zu errichten. Gebraucht wurde er für die Holztrift. Einmal im Jahr wurde er abgelassen und dann wurden die Baumstämme mit dem braunen Moorwasser weitertransportiert. Nach Perg und nach Mitterkirchen kam das Holz. Heute ist der Rubner Teich eine beliebte Freizeitoase. Im gesunden Moorwasser zu baden – in einer idyllischen Gegend auf über 900 Metern über dem Meer –, das hat schon was. Uns war an diesem Tag weniger nach Baden, eisig kalt war es und zudem schneite es nicht schlecht. Der Weg führte uns zuerst durch einen Fichtenwald. Kleine Nadelbäumchen säumten den Weg und wirkten mit den Schneehäubchen recht weihnachtlich. „Welchen Christbaum suchen wir uns aus“, scherzte ich noch, als wir den ersten Steg des Moores erreichten. Hier gab es ein Schild zu lesen, mit sinngemäß folgendem Hinweis: „Sie betreten jetzt ein Naturschutzgebiet – verlassen Sie nicht den Weg, nehmen Sie nichts mit und lassen Sie nichts hier und verrichten Sie hier bitte nicht Ihre Notdurft!“ Daneben war ein Schild zu sehen, mit Bildern der Tiere des Moores – darunter befand sich auch eine Kreuzotter. Damit war sichergestellt, dass die Besucher den Weg nicht verließen und hier auch nicht das Unterholz aufsuchten, nehme ich mal an.

Die Fichtenmonokultur war nun einem Birkenwald gewichen, der Weg war mit Hackschnitzeln versehen. Der Boden hatte sich geändert, kein Granitfelsen war mehr zu sehen, stattdessen schwankte es hin und wieder und die Holzstege, die durch die Moorlandschaft führten, wurden immer länger. Inzwischen gab es auch keine Birken mehr, dafür niedrige krumme Latschen. Das Tanner Moor ist mit 120 Hektar das größte Latschenhochmoor in Österreich. Bis zu acht Meter dick ist das Moor, es war in der letzten Eiszeit entstanden und seitdem (ca. 12.000 Jahre) war es immer brav gewachsen. Dann kamen die Menschen und legten Fichtenmonokulturen und Entwässerungsgräben an. Jetzt ist man wieder klüger. Nun bemüht man sich um die Revitalisierung des Moores, die Fichten müssen weichen, auch versucht man, den Grundwasserspiegel zu heben.

Im Sommer sollten hier seltene Pflanzen wachsen: Rausch- und Moosbeeren sowie der rundblättrige Sonnentau. Doch auch Raritäten aus der Tierwelt sind hier vertreten: der Hochmoorlaufkäfer sowie der Hochmoorgelbling und das Haselhuhn. Davon sahen wir bei diesen winterlichen Verhältnissen natürlich nichts. Wären die Vögel nicht unterwegs, es würde hier wie ausgestorben wirken. Jungfräulich lag der Schnee auf den Stegen (die leider kein Geländer zum Festhalten haben), unsere Spuren waren die einzigen. Immer wieder entdeckten wir Säulen mit der Aufschrift „Hubschrauber-Rettungsplatz“. Gut, ins Moor kann kein Rettungswagen fahren, aber ob da wirklich Helikopter landen könnten? Wir waren da eher skeptisch – also passten wir höllisch auf, dass wir ja nicht vom Steg rutschten.

Nach einer Weile in dieser archaischen Welt erreichten wir wieder eine Schotterstraße, bald kamen wir in einen Wald und dann gab es einen kleinen Anstieg. Riesige Felstürme wuchsen vor uns aus dem Boden, eine enge Gasse führte durch sie. Diese Fels-Blocksburgen waren durch Verwitterung entstanden. Vor 300 Millionen Jahren hatte es hier ein Hochgebirge gegeben. 300 Millionen Jahre sind eine sehr, sehr lange Zeit. Wohl niemand kann errechnen, wie viele Niederschläge es in den Jahrmillionen hier gegeben hatte. Jedenfalls wurde definitiv viel Erde und Gestein weggetragen und gespült, nur mehr Reste der Böhmischen Masse sind übrig geblieben. Abgerundete, übereinandergetürmte Steine lagen vor uns. „Wollsackverwitterung“, sagen die Geologen. Wir stiegen weiter den Berg hoch und entdeckten weitere gewaltige Felsformationen aus Weinsberger Granit.

Eine Tafel belehrte uns, dass diese Felsbrocken „Lehrmüller-Mauer“ hießen, und darauf sollte früher eine Holzburg gestanden sein. Sie sei ein Freibauernsitz gewesen. Freibauern durften die Wahl ihres Wohnortes selbst wählen und … trara … sie durften sich selbst ihre Ehefrauen aussuchen. Ein riesiges Privileg, das jedoch schwer erkauft war. Diese Bauern mussten bei der Verteidigung des Landes helfen (Grenze zu Böhmen) und sie mussten auch Kriegsdienste leisten. Verteidigen konnte man die Holzburg auf der Lehrmüller-Mauer sicherlich bestens. Hoch ragt der Felsen auf, durch einen engen Felsspalt kam man der Burg näher. Wir stiegen andächtig auf die Lehrmüller-Mauer, von der es eine wunderbare Aussicht geben sollte. Wir standen auf den Felsen und konnten aufgrund der trüben Witterung und des Schnees die riesige Waldfläche, die sich unter uns ausbreitete, eher erahnen.

Wehrtechnisch hatte der Standort dieser Holzburg sicherlich seine Berechtigung. Ich konnte mir auch vorstellen, dass man sich so hoch über dem Wald richtig abgehoben und frei fühlte. Es war ein sehr beeindruckender Platz. In Liebenau gibt es einige solcher markanter Felsformationen. Und auf vielen davon mussten Holzburgen gestanden haben. Heute vermutet man, dass rein im Gemeindegebiet Liebenau mehr als 30 solcher Holzburgen existierten.

In der Gemeinde Liebenau gibt es einige Wanderungen und so interessante Namen wie Brockenberg, Fuchsenlucka, Jankusmauer, Teufelskessel machen richtig Lust auf weitere Entdeckungstouren. Wer weiß, welche alten Kultstätten, Siedlungsplätze, Wehranlagen … da noch auf uns warten und besucht werden wollen. Wir werden wieder kommen – hoffentlich ist dann das Wetter ein bisschen freundlicher.

„wasser.weg“ Ostschleife – Bad Radkersburg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

13,5 km

70 HM

3:25 h

Start:

Bad Radkersburg

Thermal-quellenhaus  

Der Vorfrühling im Süden der Oststeiermark ist schon etwas ganz Besonderes. Daher zieht es uns immer wieder im Februar und März in diese Richtung. Diesmal wollten wir wieder einmal nach Bad Radkersburg und ich muss ganz ehrlich gestehen, etwas verliebt bin ich in diese kleine Stadt. Auch mag ich die Mur sehr, sehr gerne. Also freute ich mich so richtig auf unsere Wanderung, die uns entlang der Mur über Felder nach Sicheldorf und zurück nach Radkersburg führen sollte.

Radkersburg war schon sehr früh gegründet worden, und zwar vom böhmischen König Ottokar II. Przemysl. Ottokar gründete einige Städte in Österreich, zum Beispiel Marchegg, Leoben und Bruck – und eben auch Radkersburg. Als Grenzfeste wurde es 1261 gebaut und bereits 1299 zur Stadt erhoben. Wohlstand sicherte die Mur, die anno dazumal ein wichtiger Handelsweg war. Die Straßen waren schlecht und die Waren wurden auf Flößen über die Flüsse transportiert. Und da Radkersburg ein „Niederlagsrecht“ sowie das „Weinvorkaufsrecht“ hatte, wurde es zu einer wohlhabenden Handelsstadt. Eisen und Salz kamen vom Norden über die Mur und wurden nach Ungarn verschifft. Von Ungarn kam Schlachtvieh nach Österreich. Auch Wein und Honig waren begehrte Handelsobjekte gewesen.

Wir würden mit keinem Floß fahren, doch zur Mur wollten wir nun unbedingt gelangen. Vom Hauptplatz aus folgten wir der Langgasse. Hier hatten dazumal die Händler gesiedelt, Geschäfte gibt es hier heute noch. Ein Laden hatte es mir besonders angetan, einer mit Schildern. „Ohne Katzenhaare auf der Kleidung ist man nicht richtig angezogen“, stand auf einem. An diesen Modetipp halte ich mich stets. Das „Gasthaus zum Türkenloch“ sieht richtig hübsch aus. Überhaupt, die Häuser der Stadt wurden liebevoll restauriert, was eine ganz tolle Leistung war, denn nach dem Zweiten Weltkrieg waren nur vier Häuser der Stadt unversehrt. 1978 hatte die Stadt berechtigterweise die Europagoldmedaille für Denkmalpflege bekommen.

Eine große Brücke führt über die Mur nach Slowenien. Würde man drübergehen, könnte man das Schloss Gornja Radgona (Oberradkersburg) besichtigen (Achtung: Eintritt über Automaten entrichten). Wir blieben jedoch auf der österreichischen Seite und wanderten auf der Dammkrone die Mur entlang. Laut war es hier und wir freuten uns drüber. Das hört sich jetzt zwar blöd an, aber es war kein Verkehrslärm, den wir hörten. Nein, es waren die hübschen Stimmchen der unzähligen Stare, die sich bei den efeuumwucherten alten Bäumen zum Futtern versammelt hatten. Wir beobachteten das emsige Treiben auf den Baumwipfeln eine Zeit lang, dann marschierten wir weiter.

Entlang der Mur ist der zweitgrößte Auwald Österreichs, das Gebiet gehört zum „Grünen Band Europas“. In den Zeiten des Kalten Kriegs war der Grenzstreifen des Eisernen Vorhangs nicht verbaut, ein Grünstreifen zieht sich nun vom Eismeer im Norden Norwegens bis zum Schwarzen Meer. 12.500 km ist dieses „Grüne Band“ lang – und ein kleines Stückchen davon erkundeten wir auf unserer Wanderung. Echte Schneeglöckchen winkten uns, es roch bereits nach Bärlauch. Ein wahrer Wermutstropfen war jedoch der Wald selbst, der im Vorjahr durch den Sturm sehr in Mitleidenschaft gezogen worden war. Wie überdimensionierte Mikadostäbchen lagen die Bäume kreuz und quer. Der Weg führte uns nun zu den Feldern – hier waren Bundesheersoldaten unterwegs. Auch das hat hier Tradition. Unter der Herrschaft Maria Theresias wurde Radkersburg zur Garnisonsstadt – was es bis 2013 auch blieb.

Die Wanderung führte uns zur Johannesquelle (welche ein bisschen an eine Bushaltestelle erinnert). Und dann – was für eine Freude – ein Graureiher. Einer, der sich noch dazu fotografieren ließ – im gebührenden Abstand, versteht sich. Durch ein Wäldchen kamen wir nach Sicheldorf. Das Wanderschild leitete uns zu einer Schottergrube, dort angekommen verloren wir den richtigen Wanderweg. Wären wir dem Schild weiter gefolgt, hätten wir über Wasser gehen müssen. Diese Begabung fehlt uns leider, also folgten wir dem Schotterweg am Zaun entlang, bogen dann rechts in Richtung Radkersburg ab, dann links einen Waldrand entlang – und dann kamen wir an ein magisches Platzerl. Ein Holzkreuz und ganz, ganz viele Vogelfutterhäuschen mit noch mehr gefiederten Besuchern. Dieser Ort ist gesegnet, davon gehe ich mal aus. In Laafeld durften wir einen hübschen Buntspechtknaben dabei beobachten, wie er melodisch rhythmisch auf einem Stamm herumhämmerte. Spechte sind tolle Vögel – sie können wie wild mit ihrem Schnabel hämmern, ohne dabei eine Gehirnerschütterung zu bekommen. Eine Meisterleistung der Evolution! Als wir Bad Radkersburg wieder erreichten, kehrten wir am Hauptplatz im Café Punkt ein (ein sehr guter Cappuccino und ein leckeres Croissant). Über das Fenster sah ich die stattlichen Säulen der Arkaden, eine architektonische Pracht. Am Radkersburger Hauptplatz residierten der Adel und wohlhabende Bürger, was man den Häusern auch ansieht. Eine ganz prominente Frau wurde in Radkersburg geboren: die Gallerin, die Burgherrin der Riegersburg.

Gestärkt machten wir uns nochmals auf den Weg, die Langgasse runter, rechts in die Altstadtgasse, an der Vinothek vorbei vor die Stadtmauer. Die Domenico-dell‘-Allio-Allee entlang zu gehen ist ein absolutes Muss, wenn man in Bad Radkersburg ist. Der ehemalige Stadtgraben war nicht verbaut worden und ist ein Refugium für Pflanzen und Tiere. Die Aussicht auf die Stadtmauer und die Altstadt ist einfach herrlich. Dieser Graben trennt auch die historischen Bauten der Stadt mit ihren alten Geschichten von den neuen Hotel- und Kuranlagen der Stadt mit ihren jüngeren Geschichten. Und die sind auch interessant. In den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts suchte man in Radkersburg nach Erdöl. Gefunden hatte man etwas viel Besseres: allerfeinstes Heilwasser. „Long Life“ – wohl bekomms. 1977/78 hatte man dann schon gezielt nach Thermalwasser gebohrt und aus 1.791 bis 1.856 Metern Tiefe kommt es, das 80 Grad heiße Wasser. Und so ist aus der ehemaligen Garnisonsstadt Radkersburg die Kurstadt Bad Radkersburg geworden. Eine erfreuliche Entwicklung, finde ich.

Trotz allem sehe ich mir aber den Befestigungsgürtel aus der Renaissancezeit gerne an, der die Stadt so pittoresk umgibt. Domenico dell‘Allio hatte ihn geplant. Der aus Oberitalien stammende Baumeister war sehr emsig gewesen – sein Name steht im Zusammenhang mit sehr, sehr vielen Verteidigungsanlagen. Er wirkte in Graz, Varazdin, Wien, Klagenfurt, Fürstenfeld, Feldbach, Radkersburg, Maribor, Ptuj etc. Es war die Zeit der Türkenkriege, starke Mauern retteten Leben und Eigentum. Wir betraten die „Domenico-dell‘-Allio-Allee“ bei einem Kinderspielplatz und verließen sie bei einem Altersheim. Über eine Brücke zurück in die Altstadt, wo es noch ganz viel zu entdecken gäbe. Die ältesten Profandarstellungen in der Steiermark zum Beispiel. Doch diese mussten wir uns für einen anderen Ausflug aufheben – für diesen Tag war es Zeit, nach Hause zu fahren.

„Enzmilners Kulturwanderwege“ – Windhaag

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Hauptstrecke

13,5 km

339 HM

3:35 h

Route II Fernblick

2,88 km

33 HM 0:39 h

Wenn Möraths im Frühjahr einige Tage auf Reisen gehen, dann gibt es in der Urlaubsregion mit einer nahezu hundertprozentigen Sicherheit einen Kälteeinbruch und Dauerregen. Da ist es schon fast verwunderlich, dass wir überhaupt noch ein Urlaubsquartier buchen dürfen. Doch die Hoteliers können sich auch gewiss sein, dass mit unserer Abreise das Wetter urplötzlich wieder wunderbar wird. So haben wir meistens bei der Heimreise feines Wetter und daher nützen wir diesen Tag gerne noch, um eine leichte, kurze Wanderung zu machen. Zu müde wollen wir schließlich bei der Autofahrt auch nicht sein. Daher wird es immer eine sehr gemütliche Tour.

Bei der Heimfahrt vom Mühlviertel entschlossen wir uns, in Windhaag haltzumachen und die kürzeste Variante des Enzmilner Kulturwanderweges zu erkunden. Windhaag liegt auf den Ausläufern des Mühlviertler Hügellandes, es ist ein beschaulicher Ort mit grandioser Aussicht. Kein Hügel verstellt mehr den Weg – frei blickt man ins breite Donautal. Wunderbar!

1287 war Windhaag das erste Mal urkundlich erwähnt worden: „Winthag im Machland“. Das Machland gehört zu den ältesten Siedlungsräumen in Österreich, es ist ein fruchtbares Land. Die Machland-Gurke ist ein Begriff. 1290 nannten sich die Brüder Heinricus und Feitel nach ihrer Burg „von Windhag“.

Im Laufe der Jahrhunderte hatten die Besitzer gewechselt – besonders hervorzuheben wäre ein sehr exzentrischer Reichsgraf, Joachim Enzmilner. Enzmilner hatte eine steile Karriere hinter sich gehabt – vom einfachen Bürger bis zum Reichsgrafen. Er galt als Gegenreformator (als Lutheraner hätte er diesen Aufstieg zu dieser Zeit auch nicht geschafft). 1636 erwarb er die Burg … 1642 begann Enzmilner mit einer regen Bautätigkeit und sechs Jahre später stand in Windhaag eines der prächtigsten Renaissanceschlösser in Oberösterreich. Die „Topographia Windhagiana Aucta“ aus dem Jahre 1673 zeigt die Schlossanlage, die gigantische Ausmaße haben musste. Eine riesige Vierkantanlage, wobei ich rein bei einer Front des Schlosses ganze 36 Fenster zählen konnte. Weiters hatte es einen Pferdehof, einen schönen Obstgarten, einen Meierhof, eine Gloriette … gegeben.

1678 war Joachim Enzmilner gestorben. Er hatte eine Tochter – eine einzige. Sie war Priorin der Dominikanerinnen, die im „Alten Schloss“ (also in der Altburg) wohnten. So eine alte Burg sei kein wohnlicher Ort, fanden die Nonnen … ein pompöses Schloss war für sie offensichtlich auch nicht angemessen. Also ließ Eva Magdalena (die Tochter Enzmilners und Priorin) die prächtige Anlage noch 1678 abreißen. Mit den daraus gewonnenen Baumaterialien wurde in Windhaag ein Kloster errichtet.

1782 wurde dann das Kloster aufgelassen, davon existieren heute auch nur mehr einige Teile (unter anderem die recht große Kirche).

Das Schloss Windhaag in Oberösterreich hatte leider keine lange Lebensdauer. Doch Enzmilner hatte zum Glück auch Besitzungen in Niederösterreich, und die waren Teil einer Stiftung von Joachim Enzmilner, die durchaus als nachhaltig bezeichnet werden kann. Die Windhag-Stipendienstiftung für Niederösterreich – die 1670 gegründet wurde und nach wie vor unter der Verwaltung der niederösterreichischen Landesregierung steht. Unter anderem gehört heute das Gut Ottenstein zu dieser Stiftung … und dort (so munkelt man) könnte nun der dritte Nationalpark Niederösterreichs entstehen.

Doch nun zur Wanderung: Wir parkten bei der Kirche … und fanden dummerweise die richtigen Wanderschilder für den Enzmilner Kulturwanderweg nicht. (Wir hätten um die Kirche herumgehen sollen, dann hätten wir den kleinen Torbogen erreicht und die Wegweiser gesehen.)

Wir versuchten, mithilfe der Wanderkarte den richtigen Weg zu finden. Eine kurze Strecke wanderten wir neben der Landes- oder Bundesstraße bis zum Ortsende. Dann zweigten wir rechts ab (Hausberg) und hielten auf einem Feldweg auf den Wald zu. Da gab es zwei hübsche Bankerln, die leider belegt waren. Ein älteres Paar hatte diesen herrlichen Platz für sich entdeckt und eine appetitlich aussehende Jause aufgetischt. Daher gingen wir den Waldrand entlang bis zur Kuppe, wo ein Handymasten steht (Wahnsinnsaussicht). Danach marschierten wir bergab zum Hochwasserbehälter mit Panoramatafel und Fernrohr. Über einem Feldweg gingen wir zur Hubertuskapelle (wo wir ein Reh erschreckten), dann weiter zum Platz, wo früher die Gloriette gestanden war (toller Blick auf die Burgruine). Dann kamen wir in einen Wald und über einen Hang hinunter zu einem reichlich eigenartigen, sehr schrägen Anwesen. Endlich erreichten wir die Burgruine.

Einige Mauern der Altburg hatten überlebt, dank engagierter Personen wurde die Ruine gesichert und der Burgturm ist seit 2012 begehbar. Die Aussicht vom Turm ist einfach toll. Kurz überlegte ich, ob es früher in Richtung Donau auch einen Waldbestand gegeben hatte oder ob man diesen Bereich freigehalten hatte, um das Anrücken der Feinde früher zu bemerken.

Es ist richtig interessant, dieses alte Gemäuer zu erkunden. Es gibt ein Silbergewölbe in einem Obergeschoß und es gibt ein Verlies im Untergeschoß (in dem 1785 der Braumeister Kaspar Rothammer einen Schankkeller einrichtete). Und im Hof gibt es tolle Schautafeln, die einen Eindruck davon geben, wie groß die herrschaftliche Schlossanlage einmal gewesen sein muss.

Es zahlt sich auch aus, die Ruine von außen zu umrunden. Dabei sieht man erst, wie günstig gelegen diese Verteidigungsanlage war. Steil geht es bergab, unten gibt es einen Teich. Die alte Burg war mit dem Renaissanceschloss über eine Brücke verbunden. Einen halb verfallenen Turm des Schlosses kann man hinter dem Gebüsch noch erkennen.

Hätten wir nicht eine lange Heimfahrt vor uns gehabt, hätte ich die Gegend gerne noch näher erforscht. Doch nun war es Zeit, die Wanderung zu beenden, uns zu stärken und den Heimweg anzutreten.

Die Schlosstaverne Hofer in Windhaag war gut besucht, leider gab es für uns keinen Tisch mehr. Hunger hatten wir, also fuhren wir den Berg hinunter … und kamen nach kurzer Zeit in der Bezirkshauptstadt Perg an. Die Kirche auf dem Hauptplatz ist sehenswert. Am Marktplatz gibt es wunderbare alte Häuser … auch einige geöffnete Restaurants waren dabei, in einem davon haben wir sehr, sehr gut gespeist.

 

 

„W12 Panoramarunde“ – Bad Tatzmannsdorf nach Neustift

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

12 km

221 HM

4:05 h

Start:

Bad Tatz-mannsdorf

Joseph Haydn Platz  

Bad Tatzmannsdorf sieht eigentlich für einen Kurort recht unspektakulär aus. Die Häuser wirken noch alle recht jung. Keine K&K-Pracht wie in anderen respektablen Bädern. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen. Bad Tatzmannsdorf gehört zu den ältesten bekannten Kurorten in Europa. Unglücklicherweise wurde es noch kurz vor Kriegsende im Frühjahr 1945 zerstört.

Schon in der Bronzezeit war es besiedelt. Später, im 11. Jahrhundert, wohnten ungarische Grenzwächter in diesem Gebiet, welches der Familie „de Tarcsa“ gehörte. Da kann man sich schon vorstellen, woher der Name des größten burgenländischen Kurortes stammt.

Schon früh begann man hier mit Heilbehandlungen bei Herz- und Kreislauferkrankungen, Rheuma und Frauenleiden. Seit dem 14. Jahrhundert ist der Kurbetrieb nachgewiesen.

Der ungarische Hochadel schätzte den Kurort, der sich im Besitz der Familie Batthyány befand. Doch nicht nur blaublütige Kurgäste tummelten sich hier: Auch Künstler und Schriftsteller waren anzutreffen, um Trinkkuren zu machen. Einer von ihnen war Franz Grillparzer, der 1852 in Bad Tatzmannsdorf weilte und immer wieder gerne zitiert wird: „Ich war früh aufgestanden, hatte Wasser aus dem Sauerbrunnen getrunken, gebadet, darauf wieder einen Becher Wasser getrunken und ging in den Garten spazieren.“ Weniger gerne zitiert man den Ausschnitt aus einem Brief von Franz Grillparzer: „Der Ort selbst ist der langweiligste, den man sich denken kann.“

Ich weiß nicht, ob sein Urteil stimmte oder ob der Dichter einfach an diesem Tag nur schlecht gelaunt war. Heutzutage ist dieser Ort ganz bestimmt nicht langweilig. Neben einigen Museen (Freilichtmuseum, Brotmuseum, Kurmuseum), zahlreichen Kaffeehäusern und Gastrobetrieben, Thermalbädern, einem tollen Kurpark mit Veranstaltungsbühne sowie vielem Sportmöglichkeiten (Golf, Tennis …) gibt es auch Wanderwege. Und im Gegensatz zu den Wanderwegen anderer burgenländischer Orte sind diese auch bestens markiert.

Vor vielen Jahren (als die Burg Schlaining noch nicht so schön renoviert war) sind wir einmal am Neujahrstag bei kaltem und nebligem Wetter von Bad Tatzmannsdorf nach Stadtschlaining marschiert. Wir kehrten zu Mittag in Stadtschlaining in das einzige geöffnete Lokal ein und trafen dort noch auf „übergebliebene“ Silvestergäste, die durchgefeiert hatten. Gut, ein richtiges Mittagessen hatten wir in diesem Lokal dann auch nicht bekommen … aber das ist eine andere Geschichte.

Diesmal waren wir im August unterwegs, und es hatte wieder einmal über 30 Grad Celsius. Zahlreiche Gäste saßen in schattigen Gastgärten, und wir folgten dem Wanderweg W12. Zuerst kam der schweißtreibende Anstieg auf den Sulzriegel. Da es so ein heißer Tag war, nahmen wir zum Glück die Abkürzung W12a. Auf diese Weise fanden wir den traumhaft schönen Zyklamen-Waldhang.

„Vögel hört man, bevor man sie sieht – und Zyklamen riecht man vorher“, meinte Gregi und sog genüsslich Luft ein. Der Zyklamenduft ist einzigartig und besonders intensiv an sehr heißen Tagen. Ein einziges Stöcklein dieser besonderen Blumen sorgt schon für ein außergewöhnliches Dufterlebnis. Doch wenn der ganze Waldhang vor lauter Blümchen violett gefärbt ist, mag man sich von solch einem bezaubernden Ort fast nicht trennen. Also verweilten wir hier fotografierend und schnuppernd eine geraume Zeit. Vergessen war die Hitze.

Wenn ich so ein magisches Platzerl entdecke, überlege ich jedes Mal, ob ich es wohl weitererzählen darf. Allerdings glaube ich fest daran, dass meine LeserInnen diesen Plätzen auch Respekt zollen und keine Blumenstöcklein ausgraben und sich auch keinen Blumenstrauß pflücken. Einfach nur dastehen, sich der Blütenpracht erfreuen und den Duft inhalieren – das schadet nicht. Und vom Wegrand aus Fotos zu schießen auch nicht. Leider ist es mir nicht gelungen, die Pracht dieses Blütenmeers wirklichkeitsgetreu einzufangen.

Vom kühlen Wald gelangten wir dann auf eine Hochfläche mit wunderbarem Panorama. Doch die erbarmungslose Sonne sorgte dafür, dass wir uns sputeten, den nächsten Wald zu erreichen. Sobald man in den Schatten der Bäume eintaucht, ist selbst der heißeste Tag erträglich, und so überlege ich mir, ob es nicht am klügsten wäre, in den Gärten statt englischem Rasen Waldbäume zu setzen.

Sorgten noch in der letzten Waldpassage die Zyklamen für ein einmaliges Aroma, waren es nun die Nadelbäume, die uns mit ihrem Geruch verwöhnten. Unzählige Kiefernzapfen lagen auf dem mit Nadeln weich gepolsterten Wanderweg. Immer wieder kamen wir zu Lichtungen, wo Gregi nach Schmetterlingen Ausschau hielt. Schließlich ging es bergab, einem Bachlauf entlang – wir befanden uns in einer richtigen Schlucht. Diagonal rankten die Felsen aus dem Bachbett, und ich zweifelte beinahe, ob wir wirklich im Burgenland waren. In einem Bachtümpel schwammen kleine Fische – aber auch ein sehr großes Exemplar konnte ich entdecken.

Die ersten Häuser des Ortes Drumling waren zu sehen. Ein Mann war dabei, sein Haus zu sanieren. Im Juni gab es hier ein Hochwasser. Zwanzig Zentimeter hätte das Wasser in seiner Garage gestanden, erzählte uns der Mann. Auch erzählte er uns, dass er einen großen Karpfen gerettet hatte, der nach dem Hochwasser auf dem Weg lag. Er hätte ihn wieder in den Bach geworfen. Ob es sich bei diesem Karpfen um den großen Fisch gehandelt hat, den ich kurz davor im Tümpel gesehen hatte?

Im Ort Drumling ging es dann rechts, einen bewaldeten Hang hinauf, über Felder und wieder durch Wald. Schließlich erreichten wir das „Reiters Reserve“. Wir freuten uns aufrichtig, es zu sehen. Denn nun, das wussten wir, war es nicht mehr weit nach Bad Tatzmannsdorf. Die Hitze machte uns zu schaffen, und unsere Trinkflaschen waren inzwischen geleert. Wir freuten uns auf ein richtig kaltes Getränk – und Eis.

Im August 2024 war es in Bad Tatzmannsdorf überhaupt kein Problem, ein gutes Lokal zu finden. Allein auf der Gästeinformation waren 19 Gastrobetriebe eingezeichnet. Wir setzten uns im Zentrum in das Kaffeehaus und waren ein bisschen traurig, dass es die „Bio Vollwertbäckerei Gradwohl“ nicht mehr gab. Seine Getreidegerichte waren spitze und aus einer Zeit, wo man noch nicht dem Irrsinn verfallen war, alles Getreide zu verteufeln und mit Eiweißprodukten zu ersetzen.

Dabei verzehrten wir voller Genuss einen großen Becher Eisschokolade bzw. Eiskaffee und unsere trüb-nostalgische Stimmung hellte sich augenblicklich auf. Morgen würde ich etwas aus dem gesunden Kochbuch vom Gradwohl kochen – nahm ich mir vor. Vielleicht die leckeren Dinkeltascherln mit Lauch-Tofu-Füllung? Die waren immer ein Gedicht.

 

 

„Kienbergrunde W21“ – Bernstein

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

9 km

384 HM

3 h

Start:

Bernstein

Zentrum  

Bernstein ist der Ort, in dem sich die höchstgelegenste Burg des Burgenlandes befindet. Wir waren nach Bernstein gekommen, um wahres burgenländisches Gipfelglück zu suchen.

Vom Bernsteiner Felsenmuseum aus marschierten wir zur Raiffeisenbank und davor gab es – nahezu eine burgenländische Sensation – Wanderwegweiser! Der „Würfel“ zeigte uns, dass der Weg W21 bergab ins Tauchental führte. Also, nichts wie runter, an einem hübschen Gebäude mit viel blauem Dekor vorbei, und dann ging es wieder steil bergauf. Am Tennisplatz vorbei – wobei wir uns überlegten, ob extra für diesen Sportplatz Teile des Berges weggesprengt wurden oder ob man einfach einen ehemaligen Steinbruch umgestaltete – dann führte die Schotterstraße uns in den Wald.

Lauter Föhren wuchsen auf dem Hang, es war ein warmer Tag, und es roch herrlich. „Es riecht wie in Italien“, schwärmte Gregi. „Der Wald wirkt richtig mediterran.“ „Die Föhren tragen graue Hosen, orangebraune Hemden und grüne Hüte“, merkte ich an, weil die Stämme unten wirklich grau und im Mittelteil orangebraun waren, und die Kronen hatte natürlich grüne Nadeln.

Der Kienberg hat übrigens seinen Namen von den Föhren, die sehr harz-pechhaltig sind. „Kienspäne“ wurden als Beleuchtung in den alten Bauernhäusern verwendet. Und vom fossilen Harz, welches in der Ostsee an Land geschwemmt und in der Antike von dort bis nach Rom geliefert wurde, hat Bernstein seinen Namen. Ein Zweig der „Bernsteinstraße“ hat über das Tauchental bei Bernstein geführt. Die Bernsteinstraße war eine bedeutende Handelsroute, und der Weg war extrem weit. Eine Hardcore-Weitwanderung sozusagen. Dagegen ist der „Alpannonia Wanderweg“ mit seinen 120 km, der nördlich von Bernstein vom Semmering nach Koszeg führt, beinahe schon ein Spaziergang.

Auf dem Kienberg soll eine Hexe wohnen: die Kienberghexe. Nett war sie nicht, das könnte man nicht behaupten. Waren einsame Wanderer, beerensammelnde Kinder etc. unterwegs, konnte es ihnen passieren, dass die böse Hexe Steine nach ihnen schleuderte und sie tötete. Dann schleppte sie ihre „Beute“ zu einem Felsspalt (dem „Speckkammerl“).

Auch ein „Waldmännchen“ soll der Kienberg beherbergen, welches es so gar nicht leiden kann, wenn man über die Qualität des Holzes lästert. Wir lästerten bei unserer Wanderung nicht. Wir redeten kaum noch – schnaufend stiegen wir den steilen Hang bergauf. Dann endlich eine wunderbare Kuppe mit einer tollen Aussicht.

Nun war Gregi voll des Lobes über den Kienberg. Immerhin hatte er einen Mauerfuchs entdeckt, der sich fotografieren ließ. Auch ein Schwalbenschwanz zog seine Runden über der Bergkuppe und hielt sein Revier gut im Auge. Ich schätze, dieses Lob hätte dem Bergmännchen gut gefallen.

„Im Wanderbuch stand etwas von einem Gipfelkreuz und auch was von einer Bank“, maulte ich, denn ich war hungrig und müde. Immerhin war ich den steilen Berg hinaufgeklettert und hatte mir eine Rast auf einem bequemen Bankerl verdient (natürlich auch eine gute Jause). „Vielleicht waren Bank und Gipfelkreuz schon alt und sind kaputt geworden … und dann hat man sie nicht mehr ersetzt“, überlegte Gregi laut. „Andernfalls ist das noch nicht der Gipfel“, meinte ich, als wir den Grat etwas entlang gingen. Plötzlich führte uns der Wanderweg links steil durch den Wald bergab. Dabei mussten wir höllisch aufpassen, weil der Weg mit Föhrenzapfen „gepflastert“ war. Sobald man draufstieg, begannen sie zu rollen. Hatten wir etwa das Waldmännchen verärgert?

Dann kamen wir zu einem Schranken und einem Schild, welches uns darauf hinwies, dass wir das Steinbruchgelände nicht betreten dürften. Hier rechts dem Wanderpfad folgen! Begeistert sahen wir auf zu den Baumkronen, welche auf der Abbruchkante des Steinbruchs standen. Riesige Bussarde kreisten darüber.

Bernstein ist ein historischer Bergbauort. Ende des 14. Jahrhunderts wurden zwei Schmelzhütten für Eisen erwähnt. Seit dem 16. Jahrhundert wurden Schwefel, Kupfervitriol, Kupfer, Gold und Silber gefördert. Später wurde Antimon abgebaut. Und seit zirka hundert Jahren wird im Steinbruch auf dem Kienberg der moosgrüne Edelserpentin gefördert. Zweitausend Kubikmeter Gestein muss abgebaut werden, um einen Kubikmeter des lichtdurchlässigen Edelserpentins zu erhalten. Dieser weiche Stein muss dann eine Weile gelagert werden, bevor man ihn bearbeiten darf.

Schließlich mussten wir rechts abbiegen, und es ging wieder steil bergauf. Und endlich erreichten wir den echten Gipfel des Kienberges. Auf 804 Metern Seehöhe steht das burgenländische Gipfelkreuz. Das hört sich nicht viel an, doch im Wanderbuch wird diese Tour immerhin als „etwas anspruchsvoll“ bezeichnet. Auf der Kuppe des Kienberges (auf dem Bankerl sitzend und die Jause genießend) lächelte ich noch über das „etwas anspruchsvoll“. Wieder konnten wir einen Schwalbenschwanz beobachten, und auch das Panorama war spitzenmäßig.

Der Abstieg war alles andere als lustig – sehr abschüssig und wieder diese vermaledeiten Föhrenzapfen. Endlich erreichten wir die Asphaltstraße (kurz nach links, überqueren und dann in den Waldweg einzweigen). Hier kamen wir rascher voran, folgten dem Forstweg bis zu einer Kuppe. ACHTUNG, hier rechts abzweigen! Und dann ging es bergab – bergab – bergab. „So viele Höhenmeter haben wir beim Aufstieg nicht überwunden“, bemerkte ich, als wir einen nassen Graben mit mehreren kleinen Gerinnen erreichten. Auch die Vegetation hatte sich geändert, statt Föhren wuchsen hier Buchen. Und recht hatte ich – plötzlich ging es wieder bergauf!

Wir verließen den Wald und wanderten eine Weile (immer ansteigend) auf einem Wegerl neben der Straße entlang. Heiß war es, unsere Wasserflaschen waren bereits leer, und wir waren schon rechtschaffen müde. Als wir die norisch-pannonischen Hügelgräber erreichten, lächelte ich nicht mehr über die Bemerkung von wegen „etwas anspruchsvoller Weg“. Inzwischen war ich der Meinung, dass dies sehr untertrieben war. Weiter ging es bei Hitze bergauf, der „Steinbruchblick“ mochte uns nicht mehr beeindrucken. Stattdessen hätten wir ein Königreich für eine kühle Erfrischung gegeben. Wir waren schon dankbar, dass der Weg nun wieder durch einen schattigen Wald führte – und dann kam der absolute Höhepunkt der Wanderung.

„Monis Imbiss“ auf der Panoramaplattform 1. „Sieht aus wie in Kroatien“, sagte Gregi zufrieden. „Fast wie im Urlaub“. „Kühle Getränke!!!“, frohlockte ich. So saßen wir vor dem Imbiss über dem Parkplatz und genossen herrliche Erfrischungen aus PET-Flaschen. Dabei sahen wir rüber nach Bernstein – auf den Ort und auf die Burg. So gestärkt war ich wieder in der Lage, an meine Kamera zu denken und Fotos zu machen. Auch mit dem Handy – um Linda den schönen Ausblick schicken zu können. „Seid ihr in Kroatien?“, kam als Reaktion auf das Foto.

Ich weiß bis jetzt nicht, wieso Vater und Tochter beide an Kroatien denken, wenn sie das Panorama von Bernstein sehen. Bei der grimmigen alten Burg denke ich eher an Geister … welche darin auch umgehen sollen. Der „Schlosshansl“ zum Beispiel ist ein nicht ganz freundlicher Geist in ritterlicher Kleidung und rotem Wams. Wohlgesonnen hingegen soll die „Weiße Frau“ sein, deren Erscheinung schon oftmals beschrieben wurde. Sogar russische Offiziere, die in Kriegsgefangenschaft geraten waren, konnten von ihr berichten. Angeblich erscheint sie vor bösen Katastrophen, um davor zu warnen.

Erfrischt wanderten wir vom Imbiss in den Ort, wo wir dann bei einem ausgezeichneten Schmankerlwirt einkehrten. Das Restaurant „Pannonia Roth“ war ein toller Abschluss einer etwas anspruchsvollen, aber tollen burgenländischen Gipfelwanderung.

 

 

„Grenzerfahrungsweg“ – Bildein

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

3,97 km

0 HM

1 h

Start:

Bildein

Kirche  

„In Bildein gibt es Bienenfresser – ich will dorthin“, beharrte Gregi, obwohl ich ihn darauf hinwies, dass die Temperaturen auf über 30 Grad klettern würden und ich daher eher einen Spaziergang im Wald vorziehen würde. „Bienenfresser“, kam nochmals als Argument und: „Ich bin heute um 5.00 Uhr aufgestanden, wir sind ja noch früh dran. Da werden wir nicht die ganz arge Hitze abbekommen.“

Gut, dann halt nach Bildein. Dorthin wollte ich schon länger, um den Grenzerfahrungsweg zu erkunden. Auch das burgenländische Geschichte(n)haus reizte mich. Also fuhren wir an die österreichisch-ungarische Grenze, nach Bildein.

Geparkt haben wir in der Nähe der Kirche. Das Ortszentrum gefiel mir ausgesprochen gut. Die Mariensäule mit den Weinranken, das Gemeindehaus, das Gotteshaus und die Platane, die daneben wuchs. Ein richtig hübsches Ensemble.

Von der Kirche gingen wir den Fußgängerweg in Richtung Friedhof, und dort gab es schon die erste Station: ein Labyrinth aus unzähligen weiß-roten Stangen. Ich muss ehrlich gestehen – ich habe das Zentrum des Labyrinths nicht erreicht. Irgendwie hat es mich wieder zum Ausgang geführt, obwohl ich es fast schon bis zur Mitte geschafft hatte. Einen zweiten Versuch wollte ich nicht wagen, immerhin hatten wir noch eine Wanderung vor uns, und es war schon recht warm. Also keine Zeit vertrödeln, dachte ich, während Gregi noch seelenruhig für lange Zeit im Labyrinth verschwunden blieb. Er fand das Zentrum, und ihm war es offensichtlich egal, dass es immer heißer und heißer wurde.

Als er es endlich auch wieder raus geschafft hatte, folgten wir dem Weg weiter bis zum Trafo, da mussten wir links abbiegen.

Bei der nächsten Station sahen wir einen sowjetischen Panzer, einen Schützengraben und einen originalen Bunker aus dem zweiten Weltkrieg. Es ist empfehlenswert, die Informationstafeln aufmerksam zu lesen. Wie krank war doch das letzte Jahrhundert!

Von der Errichtung des Südostwalls wird berichtet, von den Todesmärschen der jüdischen Zwangsarbeiter, von der Ausbildung von „Arbeitsmaiden“ (die Männer waren ja an der Front, und die Frauen mussten sehen, dass sie die Wirtschaft und Landwirtschaft am Laufen hielten).

Dann kamen die Russen, und die Bevölkerung tat gut daran, so schnell wie möglich zu fliehen. Zwischen Bildein und Eberau gab es sogar einmal einen sowjetischen Militärflughafen.

Der Wanderweg führte uns bis zur Pinka. Unter der Staustufe badeten bereits Jugendliche. Wir haben es heute in Österreich richtig gut.

Vor der Pinka bogen wir rechts ab und folgten dem Fluss. Die Uferböschungen sehen naturbelassen aus – hier ist die Kinderstube von unzähligen Vögelchen. Emsig flatterten Schwalben in der Luft. Ein helles Zwitschern war zu hören. Gregi entdeckte sie zuerst. Fünf Schwalbenküken saßen auf einem Ast und wollten gefüttert werden. Keine leichte Aufgabe für die fürsorglichen Eltern.

Bildein gehört noch zum „Naturpark in der Weinidylle“. Es liegt zwar am Rand des Naturparks, in der Tiefebene. Aber wenn man am Ufer der Pinka entlanggeht, versteht man, dass diese Gegend wirklich schützenswert ist. In der Ferne sieht man Weinberge, Kirchtürme und Pappelalleen.

Und in der Nähe tummelten sich jede Menge Vögel. Zwei Bussarde kreisten in der Luft, ein Graureiher beschwerte sich lauthals, bevor er losflog. Eine blau schillernde Prachtlibelle sonnte sich auf einem Blatt, und auch Schmetterlinge waren unterwegs.

Zwei Kilometer östlich vom Ort Bildein verläuft die Grenze zu Ungarn. Und an dieser Grenze war es auch nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1989 nicht unbedingt harmlos. Ungarn gehörte zum Ostblock mit der Planwirtschaft. Der Westen mit seinen Freiheiten war verlockend… Doch Ungarn unternahm einiges, um seine Bürger daran zu hindern, nach Österreich auszuwandern. Bereits 1948 wurden vom ungarischen Staat auf 356 km Grenze erste technische Abriegelungssysteme eingerichtet. Beobachtungstürme, drei Meter hohe Stacheldrahtzäune und Minenfelder (Tretminen sowie Berührungsminen) sollten eine Flucht aus Ungarn verhindern.

1955 bis 1956 wurde die Grenze dann wieder entmint. 1956 kam es in Ungarn zu einem Aufstand. Große Teile der Bevölkerung erhoben sich gegen die kommunistische Diktatur. Zirka 180.000 Menschen flohen nach Westen.

1957 wurden wieder Tretminen verlegt. Diese blieben dann recht lange, bis man 1965 bis 1970 die Minen wieder räumte. Man hatte neue technische Möglichkeiten entdeckt: ein elektrisches Signalsystem wurde errichtet. Ein Entkommen aus dem kommunistischen Staat war immer noch nicht einfach. Erst 1989 beschloss das ungarische Politbüro, die technischen Grenzsperren abzubauen.

Als Kind bin ich mit meinen Eltern einige Male nach Ungarn gefahren. Am ungarischen Grenzübergang gab es immer ganz viele schwer bewaffnete Grenzbeamte oder Soldaten – so genau weiß ich das nicht. Ein Visum musste ausgefüllt werden, die Autos wurden akribisch durchsucht. Der Anblick von Männern mit Gewehren (auch wenn es meistens hübsche und junge Soldaten waren) war unheimlich. Es ist gut, dass diese schlimmen Zeiten vorbei sind.

Eine Station, der Grenzwächterturm, erinnert noch an den Eisernen Vorhang. Bei unserer Wanderung saß ein junger Gartenrotschwanz auf dem Masten mit den Lautsprechern. Wir wanderten in den Ort zurück und sahen noch die „schwimmende Brücke“. Gregi fotografierte einen sehr fotogenen Wandergelbling (Schmetterling).

Dann besuchten wir die Konditorei „Lendl’s Backstube“ in der Hauptstraße 132. Der Kaffee und die Mehlspeisen waren köstlich – unbedingt einkehren!

Leider hatte das Geschichte(n)haus noch nicht geöffnet (sonntags erst ab 14.00 Uhr).

Der Grenzerfahrungsweg von Bildein ist besonders empfehlenswert.

Doch auch die Natur rund um Bildein hat einiges zu bieten. Gut, Bienenfresser, deretwegen wir nach Bildein gefahren sind, haben wir keine gesehen. Aber trotzdem ist mir dort das tollste Vogelfoto meiner Hobbyfotografinnenlaufbahn geglückt. Und seien wir ehrlich – kleine Schwalben sind ja auch sowas von süß.

 

 

 

„Weg der Kunst“ ab Stainz bei Straden

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Weg der Kunst

9,4 km

250 HM

3:25 h

    

In drei Wanderbüchern habe ich diesen Weg gesehen, er muss also wirklich schön sein. Daher fahren wir im Spätherbst nach Stainz bei Straden, wo die Wanderung beim Haus der Vulkane startet. Auf den Wanderschildern ist eine Gehzeit von 2:20 h angegeben. (Da war wohl jemand mit Siebenmeilenstiefeln unterwegs. Wir benötigen für diese Wanderung 158 Minuten reine Gehzeit. Noch nicht inkludiert ist da die Zeit, die man bei den Erlebnisstationen benötigt – man ist sicherlich über drei Stunden unterwegs.) Ansonsten ist die Beschilderung einwandfrei, ein Verirren ist unmöglich.

Stainz bei Straden ist ein interessantes Dorf. Da steht ein wunderschöner Bildstock. Der hat nicht nur seitlich eine Tür, sondern auch noch einen „ersten Stock“ mit Fenstern. Ob sich dahinter eine Glocke versteckt?

Wir wandern weiter über ein Brückerl auf die Straße und schrecken fünf Enten auf, die in einem mit Wasser gefüllten Straßengraben ein gepflegtes Bad genießen. Sich lauthals beschwerend, flattern sie die steile Böschung hinauf und laufen um die Zaunecke nach Hause, wo sich schon einige ihrer Genossen im Garten sonnen.

Nun erreichen wir den Sulzbach. Gregi bildet sich ein, das zarte Stimmchen eines Eisvogels vernommen zu haben. Ich widme mich inzwischen der ersten Erlebnisstation, den Summsteinen. Gregi betrachtet den Bach kritisch und ist nicht mehr ganz davon überzeugt, dass hier ein Eisvogel lebt. Diese brauchen klares Wasser. War wohl ein anderer Vogel mit hoher Stimmlage. Daher beschließen wir, zur nächsten Station zu gehen. Zum Blaurackenturm.

Diesen schönen Gesellen werden wir im Spätherbst sicherlich weder hören noch sehen – jedenfalls nicht in der Steiermark. Da ist er schon längst auf Reisen gegangen, auf Fernreise sozusagen. Die Blauracke überwintert im südlichen Afrika. Eine Strecke, für die sie angeblich zwei Monate benötigt. Bewundernswerte Tiere! Hoffentlich kommen sie im Frühjahr wieder.

Wir wandern weiter und erreichen eine Raststation. Strahlend gelb schimmert das Laub und bildet einen Teppich. Und mitten darin liegt ein Steinbrocken, eine Vulkanbombe. 15 Tonnen wiegt das gute Stück und kommt aus dem Basaltsteinbruch von Hochstraden. Daneben steht ein altes Holzschild. „Wohl bekomms“, steht darauf und ich überlege, wie mir dieser Riesenstein wohl bekommen sollte. Sarkasmus? Nein, darunter, sehr verschwommen, steht ja noch was: „Wasser ist kostbar.“ Und dann sehe ich erst die Wasserleitung, die aufgrund der Jahreszeit schon außer Betrieb ist.

Die nächste Station ist mehr als idyllisch. „Steinzeitklang“ wird sie bezeichnet und Gregi probiert voller Freude jedes einzelne „Instrument“. Ich lichte die wunderbare Pappelallee ab. Während sich Gregi noch beschwert, dass die Dinger nicht gestimmt sind, schnaufe ich den Berg hinauf und bin nach wie vor von der Allee begeistert – und auch vom Schatten, den sie wirft.

Die Aussicht wird immer besser. Wir sehen den Steinbruch von Hochstraden, den „Drachenrücken“ mit der Aussichtswarte und leider auch sehr, sehr viele Glashäuser. Es ist eben eine landwirtschaftlich genutzte Gegend. Vulkangebiete sind besonders fruchtbar.

Durch einen Wald geht es nun bergab. Wir sehen eine sandige Steilwand und ich entdecke sogar eine Bruthöhle. Leider nur eine einzige. Aber Grund genug zu spekulieren, welcher Vogel hier eventuell Junge aufzieht. Die nächste Zeit vergeht mit Diskussionen, ob das, was ich da fotografiert habe, überhaupt eine Bruthöhle ist, bis Gregi einen seltenen gelben Schmetterling entdeckt und das Thema augenblicklich fallen lässt. Ein wunderschöner Gelbling mit einer Acht auf dem Flügel.

Wir haben nun die Lorettokapelle erreicht und biegen in Richtung Pferdehof Lechner ab. Ein Weingarten – und hurraaa! –, da bewegt sich was. Tatsächlich, ein Schwarzspecht. Ich nütze schnell die Gelegenheit – es wird ein tolles Fotoshooting mit Woody Woodpecker –, während Gregi noch voller Begeisterung eine Libelle fotografiert. (12. November 2023 – November!!! Eine Libelle und ein Schmetterling. Was für ein Tag!)

Weiter geht es zum Klangwald. Ein Grünspecht flattert rasch davon, während die Meisen mich neugierig beobachten. Steil geht es bergauf, bald steigen wir den Hügel wieder hinab. Es wird nicht der letzte Hügel sein. Vor dem nächsten Anstieg wartet auch der nächste Erlebnispunkt auf uns. Eine grimmig dreinblickende begehbare Holzeule. Ich verstehe ihren Verdruss. Kalt ist ihr Standort – und dann sind da noch die Wanderer, die immer wieder ihre Köpfe frech aus ihren Augen stecken. Bitte lächeln – und klick! Schon geht es weiter, den nächsten Hügel hinauf.

Nun haben wir einen wunderbaren Blick auf Straden. Dieser Hügel vulkanischen Ursprungs mit seiner extrem hohen Kirchendichte – vier Stück an der Zahl! Straden und seine Umgebung waren schon in der vorchristlichen Zeit besiedelt. Es muss sich dort wohl ein besonderes Heiligtum befunden haben, wenn die Kirche diesen Ort so vehement überbaut hat.

Es geht wieder bergab, wir erreichen die Straße im Tal. Der Ausgangspunkt der Wanderung ist nicht mehr weit, das Gasthaus LiebEck im Haus der Vulkane auch nicht mehr. Wir sind hungrig, wir sind müde, wir freuen uns darauf. Dann die bittere Erkenntnis: Eine Bergwertung hat der Kunstweg für uns noch geplant. Ein richtiger „Wadlbeißer“, dieser letzte Anstieg, finden jedenfalls wir. Doch dann ist auch dies geschafft. Beinahe beschwingt laufen wir den Hügel wieder hinunter. Bald können wir uns den Magen vollschlagen. Mit den 17.138 Schritten, die ich bei dieser Wanderung gegangen bin, brauche ich auch nicht unbedingt auf Kalorien achten. Und dann das! Wir sind zu früh dran. Das LiebEck öffne sonntags ab 15.00 Uhr, steht auf der Tafel beim Eingang.

Also Plan B. Wir kehren bei der Konditorei Ertl ein. Die hat auch Leckeres für uns. Bei einem Marmeladencroissant lassen wir den wunderbaren Tag Revue passieren.

Geotrail und Wanderwege um Kapfenstein

Distanz

Höhenmeter

Dauer

6 km

200 HM

2:30 h

Diese Wanderung startet beim Gemeindeamt. Wir stiegen aus dem Auto aus und sahen eine Pizzeria. Heute hatten wir also eine Auswahl: Kapfensteinerhof oder Pizza. Zuerst wollten wir wandern. Unser Weg würde uns zu Beginn in Richtung Tischlerei Luttenberger führen, entnahmen wir dem Wanderbuch. Zielstrebig marschierten wir die Bundesstraße bergab. Uns kamen Feuerwehrfrauen und -männer entgegen. Vergnügt trugen sie eine Klappbank mit sich. „Heute ist Fototermin“, erfuhren wir und auch, dass es im Ort so etwa um die 60 Feuerwehrleute gebe. „So beschaulich klein Kapfenstein auch wirken mag, die Einwohner sind nette und engagierte Menschen“, stellten wir fest und gingen weiter bergab, vorbei an einer Wanderstempelstation. Bei der Raiffeisenbank blieben wir stehen. „Ich sehe kein Hinweisschild einer Tischlerei“, meinte ich und studierte nochmals die Wanderkarte. „Wir hätten nicht runtergehen sollen, sondern rauf“, stellte Gregi fest und wir machten kehrt. Einen Wegweiser für die Tischlerei fanden wir aber auch bergauf nicht. Allerdings ein Schild, auf dem „Bestattung“ stand. „Biegen wir hier ein! Laut Karte könnte das eventuell unser Weg sein“, überlegte ich und schon kamen wir am Sportplatz vorbei. „Die Bestattung heißt Luttenberger und sieht irgendwie noch wie eine Tischlerei aus. Wir sind richtig. Glaubst du, erzeugen sie hier Särge?“, wollte ich wissen. Gregi zuckte nur mit den Schultern und beobachtete interessiert die Gegend. „Rechts, die Geländestufe ist interessant. Hier gibt es sicherlich Vögel“, meinte er nur und zückte sein Fernglas. Beim Wegkreuz Kölldorf bogen wir rechts ab und kamen zur oberen Kante der Geländestufe. Begeistert guckten wir in Richtung Hochstraden mit der Aussichtswarte. Neben der Straße gab es eine Plantage mit knorrigen, urigen Holunderbäumen, dann kamen wir zu einer Wanderwegkreuzung. Unser Weg führte am Waldrand die Straße entlang weiter, ein Bauernhaus, dann ein Hohlweg mit Birken auf der linken und rechten Seite. Hier gab es definitiv sehr viele, sehr aktive Vögel. Sie flogen förmlich vor unseren Nasen hin und her und Gregi war nicht mehr zum Weitergehen zu bewegen. Gut, wenn das so war, dann konnte ich wohl auch einige Fotos machen. Ein Kleiber hatte es mir angetan. Ganz energisch klopfte er an der Rinde der Birke herum – und sah ich richtig? Hatte dieses Vögelchen hier etwa gar Sonnenblumenkerne versteckt?

Irgendwann war es selbst meinem emsigen Kleiber zu blöd geworden, er flog einige Bäume weiter und für uns war es nun auch wieder an der Zeit, unseres Weges zu gehen. Wir überquerten die Bundesstraße und hielten auf die Buschenschank Puff zu. Ein hübsches altes Bauernhaus mit grünen Balken und vielen geschnitzten Holzverzierungen. Leider war die Buschenschank geschlossen. Aber wir nahmen uns fest vor, in der warmen Jahreszeit wiederzukommen. Hier, auf den Tischen unter dem riesigen alten Baum, müsste es an einem lauen Sommerabend herrlich sein.

Wir stapften weiter. Ja, stapften. Der Weg war wohl vor Kurzem aufgegraben worden. Unsere Wanderschuhe waren gänzlich mit Lehm eingesaut. Wir erreichten einen Handymast, Gregi kam bereits daher, als ob er Plateauschuhe anhätte. Am Waldrand gab es ein Bankerl, die Gelegenheit, um das Profil unserer Schuhe wieder zu säubern. Eine wunderbare Aussicht genossen wir hier.

Der weitere Weg war äußerst idyllisch, schlängelte sich am Hang entlang – schon sahen wir den Turm der Pfarrkirche zum heiligen Nikolaus aus dem Boden wachsen. Hoch und schmal wirkte er mit seinem spitzen Dach. Der Kirchenvorplatz ist ein besonderer Ort und lädt zum Verweilen und Schauen ein. Gregi schaute auch – aber durch ein Fernrohr. Ein fix montiertes Fernrohr. Die zweite Station des Geotrail Kapfenstein. Die Vergangenheit des Stradner Vulkans sollte man durch diese Installation sehen. Vor zwei Millionen Jahren war es in dieser Gegend nicht so beschaulich und gemütlich gewesen. Mehr als 40 Vulkane sollen im Vulkanland ausgebrochen sein. Der Kapfenberger Vulkan selbst hatte zahlreiche Eruptionen. Das glühend heiße Magma traf auf das Grundwasser, es kam zu Dampfexplosionen. Asche wurde kilometerhoch in die Luft geschleudert, aus ihr bildete sich später das Tuffgestein. Im Gegensatz zum Basalt, der aus der ehemaligen Lavaglut entstand. Und aus ganz, ganz weit unten – um genauer zu sein, aus 60 km Tiefe – stammt ein besonderer Stein. Der Olivin. Ein hübsches, hellgrünes Mineral. Arthur Winkler-Hermaden war Geologe, seine Nachkommen (die Besitzer des Schlosses und des Weingutes) schätzen die Steine wohl auch. Insbesondere den Olivin – sie haben ihren besten Wein danach benannt.

Doch weiter zum Geotrail. Aus elf Stationen besteht dieser besondere Lehrpfad und drei Fernrohre bietet er, die einen Blick in die Vergangenheit gewähren sollen. Wir folgten dem Geotrail weiter, eine alte Treppe hinauf (ein toller Blick auf das Schloss), an einem ehemaligen Steinbruch entlang (Gesteinsschichten – waagrecht und schräg, richtig kurios). Wir sahen in die Wipfel der hoch aufgeschossenen Bäume – fast wie auf einem Baumwipfelpfad. Und wieder ein Kleiber. Gregi war hin und weg. Große Teile des Weges sind mit einem Geländer gesichert. Der Kapfensteiner Kogel ist zwar nur 461 Meter hoch, doch extrem steil. Angreifer hatten es hier sicherlich sehr schwer. Das wusste man auch schon in früheren Zeiten. Man fand Besiedelungsspuren aus der Jungsteinzeit und Keramik von einer urnenfelderzeitlichen Höhensiedlung. Im 12. Jahrhundert hatten die Herren von Kapfenstein auf dem Kogel eine kleine Grenzfestung gebaut. Diese war leider 1238 vom Heer des Ungarnkönigs Béla zerstört worden.

Auf dem Kogel hatte es auch eine Hauptkreidfeuerstelle gegeben. Weit sichtbar musste das Feuer (in der Nacht) oder der Rauch (am Tag) sein. Es warnte die Bevölkerung vor Gefahren. Doch nicht nur als Kreidfeuerstelle diente der Kogel. Kapfenstein war offensichtlich auch ein Beobachtungspunkt gewesen. Daher auch der Name „Kapfenstein“. Das mittelhochdeutsche Wort „kaphen“ bedeutet so viel wie „gaffen“ oder „spähen“. Und das war in dieser gefährlichen „Ecke“, wo immer wieder feindliche Heere einfielen, sehr wichtig gewesen.

Auf der Kuppe des Kogels steht die „Herz-Jesu-Kapelle“ aus dem 18. Jahrhundert. Hübsch ist sie mit den grauen Holzschindeln. Hier hatte es früher eine heidische Kultstätte gegeben. Von der Kultstätte konnte ich nichts mehr entdecken, dafür fand ich das Grab der Gräfin Adolfine von Mariassy, die mit nur 28 Jahren gestorben war. Recht eben ging es in Richtung Schloss, ein interessanter Wegabschnitt lag noch vor uns. Treppen führten einen ehemaligen Steinbruch bergab und wir erreichten wieder die Straße. Dieser folgten wir zurück bis zum Gemeindeamt. Die Wanderung ist mit 6 km nicht unbedingt lang, aber sehr erlebnisreich und interessant.

Rund um Hartberg

Hartberg Stadt - Laternderlweg - Steinerne Stiege - Hartberger Gmoos

Eigentlich wollten wir an diesem ersten Dezemberwochenende auf den Ringkogel marschieren. Kurz davor hatte es geschneit, der Himmel war strahlend blau und wir waren total motiviert. Wir parkten das Auto in der Grazer Straße und marschierten auf das Zentrum der Stadt zu.

Wir kamen nicht weit. Der erste Halt war bereits bei der Kapuziner-Klosterkirche. Zwei überdachte Treppen führten zu ihr hinauf. Wir überlegten kurz, ob wir dieser Kirche, die 1654 außerhalb der Hartberger Stadtmauer errichtet worden war, einen Besuch abstatten sollten, entschieden uns jedoch dagegen. Nein, wir wollten in keinen Innenraum, im Freien war es so wunderbar und Sonnenstunden im Dezember gehörten genutzt.

Also besuchten wir den steinernen Löwen, der einige Schritte entfernt von der Kirche Wache hielt. Archaisch wirkte er, etwas zahnlos und sehr, sehr alt. Und das ist sie auch, diese Skulptur aus der Römerzeit, gefunden 1845 in Löffelbach.

Wir wanderten den terrassenförmig angelegten Park hinauf in Richtung Reckturm, der in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut worden war. Wären wir dazumal hier gegangen, dann hätten wir uns im Graben vor der Stadtmauer befunden. Doch jetzt konnten wir trockenen Fußes den märchenhaften Turm erreichen. Insgeheim hielt ich Ausschau nach Rapunzels Zopf.

Vom Reckturm führt ein hübsches Gässchen in die historisch interessante Innenstadt. Anfang des 12. Jahrhunderts hatte der Traungauer Markgraf Leopold hier die erste Pfalz auf steirischem Boden gegründet. Seine Wahl war nicht von ungefähr auf dieses Gebiet gefallen. Schon die Römer hatten diese Gegend besiedelt (Römervilla Löffelbach, auch war die Stadtpfarrkirche von Hartberg auf einem römischen Wohnkomplex errichtet worden).

Hier, zwischen dem Ringkogel und dem Feuchtgebiet „Hartberger Gmoos“, war eine wichtige Römerstraße, die Strata hungarica (zwischen Flavia Solva und Savaria in Ungarn), verlaufen, und von dieser zweigte in Hartberg die Straße über den Wechsel ab.

Doch zurück zur Pfalz: Diese bestand aus einer Burg, einer Kapelle, einem Meierhof und einer Mühle. Sie diente dem Landesherrn als sichere Unterkunft und wohl auch als Verwaltungszentrum, wenn er zur Ausübung seines Amtes in die Gegend gekommen war.

Wir erreichten die Herrengasse, die bei der Gründung Hartbergs der Bereich des ersten Marktes gewesen war. Wir schlenderten diese bergab und die Michaeligasse entlang. Ich liebe den Blick von der Gasse hinauf zum Karner St. Michael. Dieses „Beinhaus“ ist der wichtigste Sakralbau aus der Romanik in der Oststeiermark. Geht man die Michaeligasse entlang, so kann man noch den wehrhaften Charakter der Stadt erahnen. Wir erreichten den Schölbingerturm, bummelten am Wasserbecken vorbei und folgten der Fußgängerzone in der Wiener Straße rauf zum Hauptplatz. Als wir diesen Ausflug unternahmen, war gerade ein Christkindlmarkt auf dem Hauptplatz. Hartberg hat eine sehr lange Tradition als Marktplatz. 1310 war der Stadt das Recht gewährt worden, einen Jahrmarkt am Pfingstsamstag abzuhalten. Im Jahre 1436 hatte Herzog Friedrich III. der Stadt das Recht erteilt, auch am 17. Juli einen Markt abzuhalten (damit die Feuerschäden in der Stadt wieder behoben werden konnten).

Hartberg lag damals an der Grenze und war für die Verteidigung des Landes sehr wichtig. Damit die Einnahmen zum Ausbau und zur Instandhaltung der Wehranlagen gewährleistet werden konnten, hatte Hartberg einige Sonderrechte. So durfte die Stadt Abgaben einheben, wenn man sie mit Waren betrat. Auch war geregelt, dass im großen Abstand zur Stadt keine Gewerbeausübung erlaubt war, daher hatte es zwischen Hartberg und Graz keine weitere Stadt gegeben.

1165–66: Ungarneinfälle – verstärkte Befestigungsanlagen im Bereich Michaeligasse wurden gebaut.
1252/53: Wieder Ungarneinfälle – danach wurde die Stadt mit einer Mauer umgeben.
Im 15. Jahrhundert hatte der Söldnerführer Andreas Baumkirchner die Stadt eingenommen, danach sein Sohn Wilhelm. 1529 und 1532 zogen Türkenscharen vorbei und verwüsteten die Umgebung. 1605 waren es die Heiducken – sie konnten zum Glück die Stadt nicht erobern. 1704–1722 waren die Kuruzzenkriege und die Hartberger Umgebung wurde dreimal verheert. 1805 und 1809 besetzten dann die Franzosen die Stadt. Man hatte wirklich allen Grund gehabt, auf die Wehrhaftigkeit der Stadt zu achten.

Es ist wunderbar, dass die ehemalige Burg (das jetzige Schloss Hartberg) heutzutage friedlichen Zwecken dient – in der Adventzeit beherbergt sie ebenfalls einen herrlichen Adventmarkt. Wir verließen das Schlossareal durch einen Durchlass in der Stadtmauer, rechts den Steg hinauf, das alte Mauerwerk entlang. Links bemerkten wir dann den Wegweiser „Laternderlweg“. Steil ging es in Kehren bergauf, mit einem prächtigen Blick auf die Altstadt. Die goldige Verzierung der Stadtpfarrkirche (hl. Martin – urkundlich erstmals 1157 genannt) leuchtete in der Sonne. Gregi wischte Schnee von einem Bankerl und meinte: „Jetzt kann es trocknen und vielleicht möchte sich jemand draufsetzen und den herrlichen Blick genießen!“ „Ja, die alten Bauherren haben gewusst, wie man schön baut. Es müssen in den letzten hundert Jahren sehr viele Leute gewesen sein, die sich an diesem Ausblick erfreut haben.“

Wir erreichten einen schmalen asphaltierten Weg, stiegen eine steile Treppe hoch und querten die Straße. Vor uns ein tolles verlassenes Haus. Ein Eins-a-Fotomotiv. Dann ging es weiter bergauf, neben uns gab es angelegte Terrassen, vor uns ein tolles Aussichtsbankerl.

Immer weiter bergauf, eine Weide entlang, freundliche Alpakas begrüßten uns. Und dann kamen die nächsten Wegweiser. „Sollen wir weiter rauf zum Ringkogel oder rechts abbiegen zur Steinernen Stiege?“, erkundigte ich mich bei Gregi. „Bergauf ist Schatten, da runter ist es sonnig“, meinte er und es war entschieden. Eine gute Entscheidung, wie wir später rausfanden. Jetzt sahen wir in Richtung Klaffenau – ein richtiges Wimmelbild. Lange mussten wir suchen, bis wir das Schloss lokalisierten.

Die Steinerne Stiege ist steil und hat glücklicherweise ein Geländer zum Festhalten. Man tritt auf die Wiese hinaus und hat einen ganz neuen und interessanten Blickwinkel auf die Stadt, bei dem der goldig verzierte Kirchturm quasi aus dem Hügel wächst und dahinter die futuristisch wirkenden Gebäude des Ökoparks zu sehen sind.

An einer Baumschule vorbei, dann erreichten wir einen Park. Gregi war fast außer sich. Ein Baumläufer! Der musste beobachtet werden. Ich freute mich indessen schon, dass wir bald wieder den Hauptplatz erreichen würden. Da gab es Kaffeehäuser! Mit einen Koffeinschub schafften wir es dann noch, hinabzugehen zum Hartberger Gmoos. (Vorbei beim Hallenbad, dann gleich rechts abbiegen.) Teiche, alte Bäume und noch mehr Vögel. Herz, was willst du mehr!

 

Laßnitzklamm (Deutschlandsberger Klause) sowie Burg

 

Rundwanderweg – Start: Parkplatz bei der Klause

 

Distanz

5,5 km

Höhenmeter

150 HM

Dauer

1:75 h

Sonntag war es, ein prachtvoller 1. Oktober, und wir waren voller Vorfreude. Die Deutschlandsberger Klause (Laßnitzklause) wollten wir uns ansehen. Wir wussten, dass es eine gemütliche Wanderung werden würde, und wir wussten auch, dass dieses Europaschutzgebiet in puncto Erlebnis, Natur und Schönheit kaum zu überbieten ist.

Rein also in die schmale Fels- und Waldschlucht. Die Laßnitz sah aus wie ein Goldstrom, so wunderbar spiegelte sich das Licht in ihr. Prächtige Pilze lugten unterm Laub hervor, Farne wuchsen zwischen moosigen Wurzeln – eine herrliche Wanderung! Ein breiter bequemer Weg führte sanft bergauf, zwischendurch machten wir immer wieder Abstecher hinunter zum Wasser. War da eine Wasseramsel? Sie war natürlich schneller als wir.

Auch egal. In dieser wildromantischen Umgebung mangelte es nicht an anderen Fotomotiven. Gigantisch hohe Buchen, moosüberzogene Steine und Wurzeln, tolle Felsformationen und ein munterer Fluss mit kleinen Kaskaden. Zugegeben, richtig wanderten wir hier nicht. Gregi war fast nicht dazu zu bewegen, weiterzugehen, so sehr war er mit seiner Kamera beschäftigt.

Ich war bereits über die nächste Brücke marschiert und entdeckte ein richtiges „Logenplatzerl“ am Ufer. Sollte sich Gregi nur Zeit lassen – ich würde hier auf dem gemütlichen Bankerl sitzen und meine Jause genießen. Doch – ich weiß nicht, wie er es macht – irgendwie kriegt er es immer mit, wenn es was zum Futtern gibt. Bald schon saß er fröhlich neben mir und verspeiste ebenso seinen mitgebrachten Kornspitz.

Gestärkt ging es weiter. Auf einem großen Steinmugel hatten sich Personen verewigt: Sebastian Hofer 1814, Walter (den Nachnamen konnte ich nicht mehr ganz entziffern) August 1933 … Was sie dazu veranlasst hat, ihre Namen gerade auf diesen Stein zu meißeln? Bei ihnen weiß ich es nicht, jedoch bei Josef Kyselak (1798 bis 1831) kennt man die Beweggründe, wieso er fast überall, wo er hingekommen war, seinen Namen als eine Art Graffiti hinterlassen hatte. Und er kam wirklich weit herum. Der Hofkammerbeamte Kyselak hatte laut Legende gewettet, dass er binnen drei Jahren in der ganzen Monarchie bekannt werden würde. Und der Schriftzug mit seinem Namen, angebracht an sehr, sehr vielen Plätzen im Kaisertum Österreich, machte ihn sogar so bekannt, dass er zum Kaiser zitiert wurde. Franz I. hätte ihm bei diesem Besuch verboten, je wieder seinen Namen irgendwohin zu schreiben – was der gute Mann auch brav gelobte. Als der „geläuterte“ Untertan und Hofkammerbeamte den Kaiser wieder verlassen hatte, fand der Monarch allerdings Kyselaks Namen und Datum in seinem Schreibtisch eingraviert. Ich liebe diese Geschichte. Und ist sie nicht wahr, ist sie zumindest gut erfunden.

Wir erreichten nun die „Einsiedelei“. Ab hier führte der Weg in einigen Kehren bergan. Etwas außer Puste, dafür voller Vorfreude, erreichten wir die Burg Deutschlandsberg. Ein wunderbares Panorama: die Weinberge und unterhalb die Stadt.

Dieser Ort ist besonders. Das wussten auch die Leute dazumal, in der Jungsteinzeit. Schon im 5. Jahrtausend (andere Quellen sprechen vom 4. Jahrtausend) vor Chr. hatten hier Menschen gewohnt. Und ihnen folgten weitere Personen, die auf diesem Hügel beheimatet waren. Man fand Siedlungsspuren aus der frühen Eisenzeit, aus der Keltenzeit … und dann auch noch aus dem 7. Jh. n. Christus.

Dann wird die Geschichte konkreter. Um 970 erhielt das Erzbistum Salzburg dieses Gebiet und im 11./12. Jahrhundert wurde die erste Burg gebaut. Diese darf man sich allerdings nicht allzu pompös vorstellen – war sie noch eine Turmburg aus Holz und Erde auf einem Trockenmauerfundament.

Im 15. Jh. wurde eine gotische Burganlage errichtet, im 16. Jh. kam ein weiterer Ausbau (und somit konnte sie auch nicht von den Türken unter Sultan Soliman eingenommen werden).

Unermüdlich baute man aus und zu … und dann kam das verhängnisvolle 19. Jahrhundert mit der verheerenden josephinischen Dachsteuer. Teile des Daches wurden abgedeckt, die Burg verfiel zusehends. 1927 wurden Teile des Burggebäudes gesprengt.

Einen großen Dank muss man der Stadtgemeinde Deutschlandsberg aussprechen, die 1932 die Burg kaufte und im Laufe der Jahrzehnte wieder zu einem wunderbaren Gebäude ausbaute. In der Burg befindet sich das Museum Archeo Norico – das Museum für Vor- und Frühgeschichte. Was man da nicht alles herausgeholt hat aus dem weststeirischen Boden! Die ostkeltische Totenmaske aus Goldblech lässt wohl kaum einen Besucher kalt. Gregi begeisterte sich – und da erkennt man eindeutig den Kaufmann – für die keltischen Münzen und ich konnte mich kaum bei den Gemmen (Schmuckstücken) aus Karneol mit den zierlichen Motiven sattsehen. Nicht verpassen sollte man den neu angelegten Rundgang durch die Altburg, vorbei an den Zisternen, durch schmale Lücken, durch dicke Mauerwerke … einfach herrlich! Irgendwann waren wir dann doch bereit, uns von den alten Gemäuern zu trennen.

Vom Burgberg ging es über die Jakobistiege den Weinberg bergab. Besonders lohnend war es, sich hin und wieder umzudrehen, um die Burg „von unten“ (von der Angriffsseite) zu betrachten. Wuchtig wirkten sie, die Wehrmauern. Und das mussten sie wohl auch sein. Allzu exponiert war die Lage der Burg ja nicht – dieser Hügel war wohl kaum ein Hindernis für einen feindlichen Haufen.

Unser Tipp: Kehren Sie nicht gleich zum Parkplatz zurück, sondern besichtigen Sie auch das pittoreske Zentrum von Deutschlandsberg.