„Rund ums Moor“ – Themenweg Rohr im Burgenland

 

       

Rundweg

barrierefrei

1 – 2 Stunden Führungen werden angeboten
       

Barrierefreie Wanderung, die zirka 2 Stunden dauert.

Diese Wanderung stellt keine sportliche Herausforderung dar. Für die Fitness hat sie wenig zu bieten, dafür punktet sie mit ganz besonderen Naturerlebnissen.

Es war ein extrem heißer Junitag. Eine lange Regenperiode war endlich zu Ende gegangen, und wir wollten unbedingt wieder raus in die Natur.

„Weit mag ich heute bei der Hitze nicht gehen, und vor Waldspaziergängen wird noch gewarnt… was machen wir?“, überlegte ich. „Im Burgenland gibt es momentan sicherlich viele Schmetterlinge“, meinte Gregi. „Die mögen auch Temperaturen über 30 Grad.“

Also fuhren wir ins Burgenland. Gleich hinter der steirischen Grenze bei Burgau befindet sich Rohr. Und dort gibt es die artenreichen Auwiesen des Zickenbachtals, in denen seltene Insekten und auch Vögel beheimatet sind.

Rohr ist eine kleine Gemeinde. Dort wohnen keine 400 Personen, doch der Ortskern kann sich sehen lassen. Zwei Gasthäuser gibt es, eine Kirche und daneben der „Eingang zum Moor“. Wunderbar wurde er gestaltet, mit einem Teich (dort leben ganz viele muntere Frösche), farbenfrohen Blumengärten, der ersten Erlebnisstation für Kinder und neugierige Erwachsene sowie dem Hinweis, dass man unter der „Hearonymus-App“ vieles über das Moor erfahren kann.

Zwei umgedrehte Bäume mit den Wurzeln nach oben mussten wir durchschreiten, um in das größte Moor im pannonischen Raum zu gelangen. Neben dem Bach ging es auf einem schön gemähten Wiesenstreifen entlang, Weiden wuchsen am Ufer, und in einer davon entdeckten wir schon die ersten Vögel. Ein Teenager-Kleiber versuchte sehr vehement, seine Eltern dazu zu bringen, ihm gute Leckerbissen zuzustecken. Seine Bauchfedern waren noch ganz fluffig, die Schwanzfedern noch nicht richtig stattlich. Wir beobachteten ihn und seine „pädagogisch versierten“ Eltern. Unverdrossen ermutigten sie ihn, sich doch selbst sein Essen zu suchen.

Die Schautafeln des Moors sind sehr informativ. Wir erfuhren, dass dieses Niedermoor 42 Hektar groß und somit das größte Moor im pannonischen Raum ist. Gewachsen ist es über etwa 10.000 Jahre – 13 Meter ist es mächtig.

Wir erreichten die erste Brücke, die uns zum Garten der Sinne leiten sollte. Wir sahen in den Bach hinunter, der noch vor kurzem einen sehr, sehr hohen Wasserstand gehabt haben musste. Mit größtem Entzücken entdeckten wir wahre Zauberwesen: Blaue – in der Sonne schillernde Flattertiere. Als sie sich auf das Schilfrohr setzten, erkannten wir die elfenhaften Tierchen: männliche Prachtlibellen. Die Flügel dieser Männchen sind prächtiger als jede Robe auf dem Opernball – garantiert. Dazu die haarigen Beinchen und die riesengroßen Augen, die seitlich vom Kopf hervortreten.

Im Garten der Sinne gab es zum Glück Schatten. Für Kinder sind tolle Erlebnisstationen eingerichtet, dazu Bänke, auf denen man sich ausruhen und die Natur beobachten kann. Wir beobachteten eine Elster, die bei einem Kirschbaum mit reifen Früchten ihren Bauch vollschlug.
Weiter ging es dann wieder dem Bach entlang. Kurzes Fotoshooting mit einem „Landkärtchen“ – einem wunderbaren Schmetterling. Die Sonne schien herrlich durch seine Flügel, die ein ganz klein wenig an gotische Maßwerksfenster erinnerten.

Im Moor sollten Galloway-Ochsen weiden und dieses vor der Verbuschung schützen. Bei unserer Wanderung hatten wir leider keine Moorochsen gesehen. Vielleicht waren sie einfach auf einer anderen Weide.
Wieder überquerten wir eine kleine Brücke, und das Auwald-Labyrinth erwartete uns. Noch nie in meinem Leben habe ich so viele Baumstämme mit Spechthöhlen nebeneinanderstehen sehen. Gut, wir befanden uns schließlich auch in einem Vogelschutzgebiet. Die Auwiesen des Zickenbachtals sind auch Natura 2000-Schutzgebiete. Den Laubtunnel, den man hier als Erlebnisstation für Kinder errichtet hatte, sparten wir uns.
Die nächste Erlebnisstation war auch nicht unbedingt nach unserem Geschmack – Moorschlamm waten. Auch wenn es hier angeblich Heilschlamm geben sollte. Für Kinder allerdings ist es sicherlich eine Riesengaudi, eine Schlammschlacht à la Takeshi’s Castle zu schlagen. Für fließendes Wasser zum Waschen danach ist jedenfalls gesorgt.

Wir schlenderten weiter – ein Auwald wartete wieder auf uns. Auf dem Knüppelweg war es ja noch recht angenehm zu gehen, doch dann kam er, der Gatsch. Als meine Schuhe fast im Moor stecken blieben, entschloss ich mich, doch umzukehren. Ein riesiges Heupferd flatterte in Richtung Bach. Ob es sich dabei um die seltene Sumpfschrecke handelte, die es in diesem Gebiet noch geben sollte, kann ich leider nicht beurteilen.

Nun besahen wir uns auch das Weidenlabyrinth. Die Gemeinde hält die Wiesenwege recht gut in Schuss, damit sie leicht zu begehen sind. Am Wegrand stehen Riesenbrennesseln. Und diesen Brennnesseln sollte man unbedingt genügend Aufmerksamkeit schenken. Auf ihnen findet man ganz interessante Tiere. Gregi hatte eine Raupe des Tagpfauenauges entdeckt. Diese schwarze Raupe muss sich nicht verstecken: Geschützt ist sie durch die Brennnesseln sowie durch ihre vielen, eigenen Stacheln.

Auf dem Rückweg trafen wir eine Frau, klugerweise war sie barfuß unterwegs. Sie erkundigte sich, wie der Weiterweg aussähe. Sie würde bald eine Gruppe Leute durch das Moor führen. Unter www.lust-auf-moor.at kann man Infos über die Programme für Kinder, Firmen, Familien etc. finden.

Beim Rückweg bogen wir rechts ab. Ein Weg führte uns über die Wiese hinauf zur Aussichtswarte. Und auf diesem Wiesenweg (bei einer Pfütze) die große Überraschung: Schmetterlinge, Schmetterlinge, Schmetterlinge. Einige zierliche Bläulinge hatten sich hier zur gemeinsamen Essensaufnahme versammelt. Daneben ein Großer Fuchs, viele Tagpfauenaugen, einige Landkärtchen, zwei Dickkopffalter … allesamt versammelt auf kleinstem Raum.

Wir genossen die Aussicht auf der Warte. Interessiert studierten wir die Gegend. Wo war hier wohl die Trasse der Römerstraße, die Sombathely mit Leibnitz verbunden hatte? Gregi suchte die Gegend mit seinem Feldstecher ab. Nicht die Römerstraße interessierte ihn, sondern vielmehr der Wiedehopf, der in dieser Gegend vorkommen sollte. Und wenn er auch keinen Wiedehopf zu sehen bekäme, wäre er auch mit einem Goldammer sehr zufrieden.

Zurück gingen wir den bekannten Weg zum Schmetterlingstreffpunkt. Was für ein Glück, dass ich doch hatte: Jetzt war auch noch ein Schwalbenschwanz anwesend. An Schönheit ist dieser riesige Falter kaum zu übertreffen. Und er ist ein guter Flieger – richtig zielgerichtet und rasch ist er unterwegs. Mir kommt vor, dass jede Schmetterlingsart ihren ganz eigenen Flugstil hat. Einige taumeln in der Luft hin und her, manche sacken beim Fliegen immer wieder etwas ab und gewinnen dann wieder an Höhe, viele der Schmetterlinge wirken unentschlossen, als ob sie sich nicht so recht entscheiden könnten, wohin sie wollten. Allerdings nicht der Schwalbenschwanz … immer zielgerichtet. So wie wir jetzt. Wir hatten riesigen Durst und auch etwas Hunger – da waren ja zwei Gasthäuser im Ort. Nichts wie hin!

 

„Romai-Rundwanderweg“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

7,2 km

327 HM

2,5 h

Start:

Waldbach-Mönichwald

Arzberghütte  

Wir haben diese Wanderung in einer Wanderbroschüre „Einfach wandervoll“ der Region Joglland-Waldheimat entdeckt. Im Internet findet man diese Wanderung ebenfalls.

Startpunkt: Arzberghütte (über eine Forststraße von Waldbach oder Sankt Jakob im Walde erreichbar).

Ihr werdet schon mitbekommen haben, dass wir im Normalfall nicht unbedingt in den Bergen unterwegs sind. Doch an richtig heißen Sommertagen zieht es selbst uns in höhere Lagen, um der Hitze ein wenig zu entkommen – und der Romai-Rundwanderweg ist selbst bei hohen Temperaturen recht angenehm.

Von der Arzberghütte aus erreichten wir in 3 Minuten das Gipfelkreuz (1.111 m Seehöhe) und konnten eine herrliche Aussicht genießen – vom Hochwechselpanorama bis ins Burgenland. Markante Felsen, Bäume mit Flechtenbärten und Heidelbeerbüsche boten ein hübsches, alpines Ambiente. Wenn man mit Kindern unterwegs ist, sollte man sie hier allerdings nicht aus den Augen lassen.

Die nächste Wegstrecke ging bergab. Zuweilen war die Route steil, und wir mussten auf die losen Steine aufpassen. Langsam und achtsam zu gehen, zahlte sich jedoch aus. Hier gab es eine Kombination von verwitterten Steinen, an denen sich alte Wurzelstöcke krallten, einige Moospölster, dahinter Heidelbeerstauden und junge Tannen.

Die Wegführung verläuft ausschließlich im Wald. Heidelbeeren und Schwammerln gäbe es zu ernten. Doch auch andere hübsche Pflanzen konnten wir entdecken. Gregi sah einen Hirschzungenfarn und war hingerissen. Immerhin befindet sich dieses Gewächs auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Auch andere pflanzliche Raritäten wuchsen hier. Die weiße Waldhyazinthe sowie das gefleckte Knabenkraut bekamen wir vor die Linse. Nur die gefiederten Genossen auf den Baumkronen wollten sich nicht ablichten lassen. Während der Wanderung hörten wir das schönste Vogelkonzert – nur die klugen kleinen Federbällchen verstanden es zu gut, sich hinter Ästen und Laub zu verstecken.

Der Wanderweg führte weiter bergab, wir näherten uns der Schlucht. Rechts ragten hohe Felsen empor, links des Weges war ein steiler Hang zum Bach hinunter. Doch so steil wie der Gegenhang auf der anderen Bachseite war er dann zum Glück auch wieder nicht. Dort gab es offensichtlich in jüngerer Vergangenheit Muren, und Bäume lagen quer im Tal.

Wir erreichten den Rastplatz des Romai-Wasserfalls. Ich besah mir das Kreuz mit dem geschnitzten Herrgott. Seine Proportionen stimmten nicht ganz, und gerade das gefiel mir an ihm besonders. Ein Sprüchlein war zu lesen und auch, wie der Romai-Wasserfall zu seinem Namen kam. Das Gebiet im Waldbach war schon in der Römerzeit besiedelt – schwach zwar, aber doch. Und von eben diesen Römern sollte der Name stammen. Einige Bänke luden zum Rasten ein, das Bächlein war seicht, und man könnte toll darin die Füße abkühlen. Kleine Kaskaden waren bachaufwärts zu sehen.

Geht man jedoch bachabwärts, kommt man zu einem massiven Holzgelände, das den Aussichtspunkt auf dem Felsen direkt über dem Wasserfall absichert. Kluge Menschen nutzen die Rastbänke, um dort ihre Augengläser abzulegen, bevor sie sich zum Aussichtsfelsen begeben und hinab in die Gischt sehen. Ich gehöre leider nicht zu dieser Kategorie.

Begeistert stand ich über dem Wasserfall, der immerhin eine Fallhöhe von 8,10 Metern hat, und wollte ein Foto machen. Meine Sonnenbrille hatte scheinbar ihre eigenen Pläne – Pungee-Jumping ohne Seil oder so. Okay, der Einwand, dass die Brille ein Gegenstand ist, der sich keine Pläne machen kann, hat schon was. Aber egal. Ich stand da so und sah in die Tiefe – rumps – schon hing meine Sehhilfe einige Meter unter mir auf einem Farn, mitten auf dem steilen Felsen. Razepaduff!

Schnell blickte ich um. Gregi war noch mit den kleinen Kaskaden am oberen Bachlauf beschäftigt und widmete mir zum Glück keine Aufmerksamkeit. Jetzt muss ich leider etwas ausholen. Wir waren schon einmal bei diesem Wasserfall, und Gregi war damals hinter die Absperrung geklettert, um ein „sensationelles“ Foto zu machen. Ich hatte damals natürlich eine Heidenangst, daher musste er mir hoch und heilig versprechen, auf Kletterausflüge zu verzichten.

Etwas abseits des Wasserfalls gab es einen abschüssigen, steilen Pfad nach unten. Und diesen Steig musste ich nun hinunterkraxeln. Ich hoffte aus ganzem Herzen, meine geliebte Brille wieder irgendwie zu erhaschen.

Als Gregi schließlich selbst zum Aussichtsplatz kam und mich 8 Meter unterhalb im Bachbeet waten sah, staunte er nicht schlecht. „Warum um alles in der Welt bist du da runtergeklettert? Ausgerechnet du, die sogar schon in der Raabklamm umgekehrt ist, weil der Weg ‚zu gefährlich‘ war“, schien er mich zu fragen. Hören konnte ich es leider nicht – zu laut toste das Wasser. Also kletterte ich auf allen Vieren wieder zu ihm rauf, um ihm die Sachlage zu erklären.

Ich glaube, ich habe noch nie erwähnt, dass ich einen cleveren Mann habe. Wer intelligent ist, verwendet Werkzeug. Also suchte er sich eine dürre, 3 Meter lange Fichte, entfernte alle Seitenästchen und versuchte damit, meine Brille zu erhaschen, während ich wieder im Allradmodus nach unten kletterte, um die Brille aus dem Bachbett zu fischen, falls sie nach unten fallen würde. Immerhin wollte ich sie wieder haben, nicht, dass sie über den Winkelbach, den Weißenbach, die Lafnitz, die Raab, die Donau ins Schwarze Meer käme. Sie fiel auch etwas weiter nach unten, verhing sich allerdings wieder in Farn und war von oben mit der Stange nicht mehr zu erreichen. Also kletterte Gregi mit meinem Segen auch nach unten. Den Sehbehelf habe ich nun glücklicherweise wieder, und Gregi durfte offiziell nochmals (mit Kamera diesmal) nach unten klettern, um „sensationelle“ Fotos zu machen.

Eines muss ich jetzt allerdings ganz schnell klären. Man kann bei dieser Wanderung auch ganz hervorragende Fotomotive entdecken, ohne auch nur einen Schritt den bequemen Wanderweg zu verlassen: die tollen Wegweiser zum Beispiel in Form eines Holzschuhs, interessante Tiere wie einen C-Falter, einige Moorenfalter oder mehrere zweigestreifte Quelljungfern. Besonders gut gefielen mir die Glockenblumen, die ihr Habitat mit einem Fingerhut teilten.

Doch besonders schön war dann der Panoramablick vor der Arzberghütte. Der Gastgarten ist ein richtiges Genussplatzerl. Nicht nur der tollen Aussicht wegen, sondern auch wegen der Köstlichkeiten, die hier angeboten werden. Den Kaiserschmarrn mit Kompott kann ich wärmstens empfehlen.

 

„Leibnitz – Schloss Seggau – Frauenberg – Leibnitz“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

13 km

150 HM

4 h

Start:

Leibnitz

Hauptplatz  

Ein Sonntag im Februar, die Wettervorhersage prognostizierte 13 Grad Celsius, die Pollen der Frühblüher waren extrem aktiv und wir beschlossen, in den steirischen Süden zu fahren – trotz blühender Haselbüsche, die mir in Gleisdorf schon sehr zu schaffen machten. Wir bummelten über den Hauptplatz bis zum Kapuzinerkloster, dann bogen wir in der Rudolf-Hans-Bartsch-Gasse ein (wobei wir einem nervösen Eichhörnchen begegneten, welches den Winterschlaf unterbrochen hatte) und marschierten an der Tennishalle und am Park vorbei in Richtung Sulmbrücke. Überall gab es noch verdichtete Schneereste und sogar der Bach im Park hatte noch eine Eisschicht. „Irgendwie haben wir in Gleisdorf ein anderes Klima“, bemerkte ich und fror leicht.

„Ich habe immer geglaubt, die Sulm fließt auf der anderen Seite des Berges“, überlegte ich, als wir den Fluss überquerten. Ein Blick auf die Landkarte und wir sahen: das tut sie auch. Sie schlängelt sich förmlich um den Berg, wobei sie bei Leibnitz durch die Laßnitz Verstärkung bekommt. Und dann ist da ja auch noch die Mur, die östlich an Leibnitz vorbeifließt. Ein fruchtbares, richtig breites Tal, ein Berglein, das von einem Fluss umspült wird, und Wein wächst da auch noch. Klar, dass sich da die Römer wohlgefühlt und in der Nähe die Stadt Flavia Solva gegründet hatten. Doch schon vor den Römern war der Hügel, den wir erklimmen wollten, bewohnt. Schon seit prähistorischer Zeit.

Von der Sulmbrücke aus gibt es zwei Gehwege zum Schloss Seggau. Der rechte Weg führt steil auf den Berg, dann kommt eine kleine Kapelle, kurz die Asphaltstraße hoch, dann rechts zum Schloss. Bei der zweiten Variante geht man von der Brücke aus ein kleines Stückchen nach links, um dann auf einen steilen Asphaltweg durch den Wald emporzusteigen. Beim Tennisplatz Frauenberg kommt man raus – hier sieht man schon das Schloss und kann sich nicht mehr verirren. So oder so … man kommt an Marterln vorbei. Eines kann ich schon mal vorwegnehmen. Hier gibt es eine enorm große Marterldichte und wie mir scheint auch sehr, sehr viele Tennisplätze. Thomas Muster lässt grüßen.

Schon sehr früh war der Bergrücken, auf dem jetzt das Schloss steht, an das Erzbistum Salzburg gekommen. Bereits im Jahre 860 war eine ältere Schenkung schriftlich bestätigt worden. Auf dem Berg entstanden drei getrennte Befestigungen. Ein Teil dieser Befestigungen wurde dann vom Salzburger Erzbischof an den Seckauer Bischof weitergegeben (das war im Jahr 1219). Im 15. Jahrhundert wurde Seggau zerstört, die Salzburger zogen sich zurück und verkauften ihren Teil den Seckauern. In jungen Jahren verwechselte ich gerne das obersteirische Seckau mit dem südsteirischen Seggau – die Namen sich ja doch sehr ähnlich und ich nehme an, dass das Seggau im Weinland seinen Namen vom bischöflichen Seckau hat.

Schloss Seggau hat eine beachtliche Römersteinsammlung – eine der größten in Europa, wenn man von Italien mal absieht. Als man diese Wehranlage baute, brauchte man natürlich viel Baumaterial. Eine aufgelassene Römerstadt mit bereits toll bearbeiteten Steinen war da eine richtige Fundgrube – Recycling funktionierte anno dazumal ganz prima. Doch nichts auf der Welt hält ewig – ein Turm des Schlosses musste in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgetragen werden … und da kamen sie wieder zum Vorschein, die tollen alten Römersteine. Man erkannte den künstlerischen und geschichtlichen Wert der Steine und so kommt es, dass die teils recht lebensfrohen und durchaus auch freizügigen Denkmäler die Wände eines bischöflichen Schlosses schmücken. Mein Lieblingsplatz auf dem Schlossgelände ist die im Süden gelegene Wiese mit dem herrlichen Turm. Hier ist die Aussicht auf Leibnitz, zum Frauenberg, auf die Sulmseen, auf den Weinberg der Weinbauschule Silberberg und die Aussichtswarte auf den Kogelberg einfach wunderbar.

Die Wanderung führte uns nun weiter (am Gasthaus Schlosskeller vorbei) zur „Akropolis der Südsteiermark“ – zum Frauenberg mit seiner Wallfahrtskirche und den archäologischen Ausgrabungen. Normalerweise würde man über den Kreuzweg dieses Ziel erreichen. Dieser war an diesem Februartag leider dermaßen vereist, dass wir die Straße vorzogen. Die Wallfahrtskirche sieht von außen nicht besonders hübsch aus, man sollte sich aber nicht täuschen lassen. Innen ist sie sehr prächtig. Auf dem Frauenberg gab es die Marienwallfahrt und davor waren auf diesem „heiligen Berg“ vorwiegend Muttergottheiten verehrt worden. Übrigens gab es hier schon in der frühchristlichen Zeit – im 4. bis 5. Jahrhundert nach Christus, eine Kirche.

Das Museum war leider geschlossen – doch das Außengelände ist ganzjährig zu besichtigen. Das Tempelmuseum selbst ist ein kleines Häuschen, recht unscheinbar. Eine ehemalige Schule, gegründet im Jahre 1731. Die findigen Baumeister fanden ein tolles Fundament für ihre Schule. Sie stellten das Gebäude einfach auf die Reste einer ehemaligen antiken Säulenhalle. Die Schüler hatten wohl keine Ahnung, auf welchem heiligen Boden sie da unterrichtet wurden. Es wäre interessant zu erfahren, ob der Lernerfolg in dieser Schule außergewöhnlich war.

Die Römer waren nicht dumm gewesen. Sie wussten, wie heilig der Berg den ursprünglichen Steirern (Kelten) war, die hier eine Muttergottheit verehrten. Sie machten das, was später die Kirche auch so gerne praktiziert hatte: Sie übernahmen den heiligen Platz und bauten einen eigenen Tempel darauf. Auf dem Frauenberg bauten sie sogar zwei Tempel. Einen für die Muttergottheit Isis/Norea und einen für den Kriegsgott Mars/Latobius. Hier ist ein besonderer Platz, der angeblich eine ganz besondere Strahlung hat – ähnlich wie die Strahlung in der Kathedrale von Chartres. Ich kann das leider nicht bewerten, doch eines kann ich mit gutem Gewissen sagen: Wir haben den Aufenthalt auf diesem Gelände richtig genossen, saßen auf einem Bankerl in der Sonne und blickten in das Tal, wobei wir uns eine gute Jause gönnten. Wir haben uns pudelwohl gefühlt.

Dann wanderten wir weiter – an einem neuen Feuerwehrhaus vorbei, dann zum alten Feuerwehrhaus (hier rechts abbiegen zum Hotel/Gasthaus Hasenwirt), auf der Rückseite des Hotels vorbei (nicht die Straße nach unten gehen) bis zu einem Sackgassenschild. Den Greitbauerweg (Schild „Familie Adam“) folgen, bis man zu einer Straßenkehre kommt. Hier betritt man den Wald. Ein Waldweg führt nach unten, man erreicht eine Forststraße … und nun wird es interessant. Man quert diese Straße, kämpft sich durch das Gestrüpp und kommt wieder zu einem (leider recht verwahrlosten) Waldpfad. Diesem bergab folgen, bis man die Sulm und die Müllerkapelle (welche auf einem Grabhügel steht) erreicht. Hier zweigt man rechts ab und folgt dem Radweg in Richtung Sulmsee.

Als wir unterwegs waren, war der Weg eine einzige Eisplatte. Verständlicherweise waren wir alleine auf weiter Flur (zum Glück, denn teilweise war ich sicherheitshalber auf allen vieren unterwegs). War ich froh, als wir endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatten! Jetzt erst konnte ich gelassen die dahinfließende Sulm beobachten, die Gänsesäger, die sich auf einem Baumstamm sonnten, die mindestens 30 Stockenten, die in einem Maisfeld, das nicht abgeerntet worden war, ein Festtagsmahl genossen. Bei der eisernen Brücke könnte man die Wanderung abkürzen, den Pfad in Richtung Seggauberg hochgehen und auf der anderen Seite nach Leibnitz absteigen. Wir entschlossen uns jedoch, der Sulm weiter zu folgen. Je näher wir dem Grottenhof kamen, umso belebter wurde es auf dem Weg. Familien mit und ohne Hunde, Radfahrer, junge und ältere Paare.

Wir erreichten eine tolle Allee und Gregi entdeckte einen wunderhübschen Kleinspecht und war nur mehr happy. Ich war auch recht froh, bald würden wir in das Kaffeehaus „Elefant“ einkehren. Doch zuvor mussten wir noch die Laßnitz überqueren (die ehemalige Eisenbahnbrücke ist ein echter Hingucker). Wahrscheinlich hätten wir gleich nach der Brücke den Pfad neben dem Fluss nehmen müssen. Nach unserem Erlebnis mit dem fürchterlich vereisten Radweg gingen wir nun auf Nummer sicher und kehrten entlang der Straße nach Leibnitz zurück. Circa 25 000 Schritte machte ich bei dieser Wanderung, waren doch Umwege zurückzulegen wegen vereister Passagen und einmal verliefen wir uns (beim Hotel Hasenwirt). In Leibnitz angekommen, war ich rechtschaffen müde, doch auch sehr zufrieden. Wir hatten einen wunderbaren Tag und konnten sehr schöne Eindrücke sammeln.

 

 

„Tannertrail“ – Tanner Moor bei Liebenau

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

4,5 km

69 HM

2 h

Start:

Liebenau

Rubner Teich  

Im April (zur Monatsmitte) war es im Mühlviertel richtig kalt. „Wir sind im Norden“, meinte ich, als wir beim Parkplatz Rubner Teich aus dem Auto stiegen und unter unseren Wanderschuhen circa fünf cm frischer Schnee lag. Den Parkplatz hatten wir über eine enge Dammstraße erreicht, hier gab es eine Aussichtsplattform mit schönen (schneebedeckten) Liegen – der „Moortreff“ war geschlossen. Hätte sich auch nicht ausgezahlt, offen zu haben. Wir waren die Einzigen, die sich bei diesem Wetter dazu entschlossen hatten, das Tanner Moor zu besuchen.

Der Rubner Teich war künstlich angelegt worden. Ich staunte nicht schlecht, wie groß er war. Bagger hatte es im 18. Jahrhundert noch keine gegeben – es musste ein gewaltiger Kraftakt gewesen sein, diesen Schwemmteich, der 2,5 Hektar groß und bis zu 8 Meter tief ist, zu errichten. Gebraucht wurde er für die Holztrift. Einmal im Jahr wurde er abgelassen und dann wurden die Baumstämme mit dem braunen Moorwasser weitertransportiert. Nach Perg und nach Mitterkirchen kam das Holz. Heute ist der Rubner Teich eine beliebte Freizeitoase. Im gesunden Moorwasser zu baden – in einer idyllischen Gegend auf über 900 Metern über dem Meer –, das hat schon was. Uns war an diesem Tag weniger nach Baden, eisig kalt war es und zudem schneite es nicht schlecht. Der Weg führte uns zuerst durch einen Fichtenwald. Kleine Nadelbäumchen säumten den Weg und wirkten mit den Schneehäubchen recht weihnachtlich. „Welchen Christbaum suchen wir uns aus“, scherzte ich noch, als wir den ersten Steg des Moores erreichten. Hier gab es ein Schild zu lesen, mit sinngemäß folgendem Hinweis: „Sie betreten jetzt ein Naturschutzgebiet – verlassen Sie nicht den Weg, nehmen Sie nichts mit und lassen Sie nichts hier und verrichten Sie hier bitte nicht Ihre Notdurft!“ Daneben war ein Schild zu sehen, mit Bildern der Tiere des Moores – darunter befand sich auch eine Kreuzotter. Damit war sichergestellt, dass die Besucher den Weg nicht verließen und hier auch nicht das Unterholz aufsuchten, nehme ich mal an.

Die Fichtenmonokultur war nun einem Birkenwald gewichen, der Weg war mit Hackschnitzeln versehen. Der Boden hatte sich geändert, kein Granitfelsen war mehr zu sehen, stattdessen schwankte es hin und wieder und die Holzstege, die durch die Moorlandschaft führten, wurden immer länger. Inzwischen gab es auch keine Birken mehr, dafür niedrige krumme Latschen. Das Tanner Moor ist mit 120 Hektar das größte Latschenhochmoor in Österreich. Bis zu acht Meter dick ist das Moor, es war in der letzten Eiszeit entstanden und seitdem (ca. 12.000 Jahre) war es immer brav gewachsen. Dann kamen die Menschen und legten Fichtenmonokulturen und Entwässerungsgräben an. Jetzt ist man wieder klüger. Nun bemüht man sich um die Revitalisierung des Moores, die Fichten müssen weichen, auch versucht man, den Grundwasserspiegel zu heben.

Im Sommer sollten hier seltene Pflanzen wachsen: Rausch- und Moosbeeren sowie der rundblättrige Sonnentau. Doch auch Raritäten aus der Tierwelt sind hier vertreten: der Hochmoorlaufkäfer sowie der Hochmoorgelbling und das Haselhuhn. Davon sahen wir bei diesen winterlichen Verhältnissen natürlich nichts. Wären die Vögel nicht unterwegs, es würde hier wie ausgestorben wirken. Jungfräulich lag der Schnee auf den Stegen (die leider kein Geländer zum Festhalten haben), unsere Spuren waren die einzigen. Immer wieder entdeckten wir Säulen mit der Aufschrift „Hubschrauber-Rettungsplatz“. Gut, ins Moor kann kein Rettungswagen fahren, aber ob da wirklich Helikopter landen könnten? Wir waren da eher skeptisch – also passten wir höllisch auf, dass wir ja nicht vom Steg rutschten.

Nach einer Weile in dieser archaischen Welt erreichten wir wieder eine Schotterstraße, bald kamen wir in einen Wald und dann gab es einen kleinen Anstieg. Riesige Felstürme wuchsen vor uns aus dem Boden, eine enge Gasse führte durch sie. Diese Fels-Blocksburgen waren durch Verwitterung entstanden. Vor 300 Millionen Jahren hatte es hier ein Hochgebirge gegeben. 300 Millionen Jahre sind eine sehr, sehr lange Zeit. Wohl niemand kann errechnen, wie viele Niederschläge es in den Jahrmillionen hier gegeben hatte. Jedenfalls wurde definitiv viel Erde und Gestein weggetragen und gespült, nur mehr Reste der Böhmischen Masse sind übrig geblieben. Abgerundete, übereinandergetürmte Steine lagen vor uns. „Wollsackverwitterung“, sagen die Geologen. Wir stiegen weiter den Berg hoch und entdeckten weitere gewaltige Felsformationen aus Weinsberger Granit.

Eine Tafel belehrte uns, dass diese Felsbrocken „Lehrmüller-Mauer“ hießen, und darauf sollte früher eine Holzburg gestanden sein. Sie sei ein Freibauernsitz gewesen. Freibauern durften die Wahl ihres Wohnortes selbst wählen und … trara … sie durften sich selbst ihre Ehefrauen aussuchen. Ein riesiges Privileg, das jedoch schwer erkauft war. Diese Bauern mussten bei der Verteidigung des Landes helfen (Grenze zu Böhmen) und sie mussten auch Kriegsdienste leisten. Verteidigen konnte man die Holzburg auf der Lehrmüller-Mauer sicherlich bestens. Hoch ragt der Felsen auf, durch einen engen Felsspalt kam man der Burg näher. Wir stiegen andächtig auf die Lehrmüller-Mauer, von der es eine wunderbare Aussicht geben sollte. Wir standen auf den Felsen und konnten aufgrund der trüben Witterung und des Schnees die riesige Waldfläche, die sich unter uns ausbreitete, eher erahnen.

Wehrtechnisch hatte der Standort dieser Holzburg sicherlich seine Berechtigung. Ich konnte mir auch vorstellen, dass man sich so hoch über dem Wald richtig abgehoben und frei fühlte. Es war ein sehr beeindruckender Platz. In Liebenau gibt es einige solcher markanter Felsformationen. Und auf vielen davon mussten Holzburgen gestanden haben. Heute vermutet man, dass rein im Gemeindegebiet Liebenau mehr als 30 solcher Holzburgen existierten.

In der Gemeinde Liebenau gibt es einige Wanderungen und so interessante Namen wie Brockenberg, Fuchsenlucka, Jankusmauer, Teufelskessel machen richtig Lust auf weitere Entdeckungstouren. Wer weiß, welche alten Kultstätten, Siedlungsplätze, Wehranlagen … da noch auf uns warten und besucht werden wollen. Wir werden wieder kommen – hoffentlich ist dann das Wetter ein bisschen freundlicher.

„wasser.weg“ Ostschleife – Bad Radkersburg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

13,5 km

70 HM

3:25 h

Start:

Bad Radkersburg

Thermal-quellenhaus  

Der Vorfrühling im Süden der Oststeiermark ist schon etwas ganz Besonderes. Daher zieht es uns immer wieder im Februar und März in diese Richtung. Diesmal wollten wir wieder einmal nach Bad Radkersburg und ich muss ganz ehrlich gestehen, etwas verliebt bin ich in diese kleine Stadt. Auch mag ich die Mur sehr, sehr gerne. Also freute ich mich so richtig auf unsere Wanderung, die uns entlang der Mur über Felder nach Sicheldorf und zurück nach Radkersburg führen sollte.

Radkersburg war schon sehr früh gegründet worden, und zwar vom böhmischen König Ottokar II. Przemysl. Ottokar gründete einige Städte in Österreich, zum Beispiel Marchegg, Leoben und Bruck – und eben auch Radkersburg. Als Grenzfeste wurde es 1261 gebaut und bereits 1299 zur Stadt erhoben. Wohlstand sicherte die Mur, die anno dazumal ein wichtiger Handelsweg war. Die Straßen waren schlecht und die Waren wurden auf Flößen über die Flüsse transportiert. Und da Radkersburg ein „Niederlagsrecht“ sowie das „Weinvorkaufsrecht“ hatte, wurde es zu einer wohlhabenden Handelsstadt. Eisen und Salz kamen vom Norden über die Mur und wurden nach Ungarn verschifft. Von Ungarn kam Schlachtvieh nach Österreich. Auch Wein und Honig waren begehrte Handelsobjekte gewesen.

Wir würden mit keinem Floß fahren, doch zur Mur wollten wir nun unbedingt gelangen. Vom Hauptplatz aus folgten wir der Langgasse. Hier hatten dazumal die Händler gesiedelt, Geschäfte gibt es hier heute noch. Ein Laden hatte es mir besonders angetan, einer mit Schildern. „Ohne Katzenhaare auf der Kleidung ist man nicht richtig angezogen“, stand auf einem. An diesen Modetipp halte ich mich stets. Das „Gasthaus zum Türkenloch“ sieht richtig hübsch aus. Überhaupt, die Häuser der Stadt wurden liebevoll restauriert, was eine ganz tolle Leistung war, denn nach dem Zweiten Weltkrieg waren nur vier Häuser der Stadt unversehrt. 1978 hatte die Stadt berechtigterweise die Europagoldmedaille für Denkmalpflege bekommen.

Eine große Brücke führt über die Mur nach Slowenien. Würde man drübergehen, könnte man das Schloss Gornja Radgona (Oberradkersburg) besichtigen (Achtung: Eintritt über Automaten entrichten). Wir blieben jedoch auf der österreichischen Seite und wanderten auf der Dammkrone die Mur entlang. Laut war es hier und wir freuten uns drüber. Das hört sich jetzt zwar blöd an, aber es war kein Verkehrslärm, den wir hörten. Nein, es waren die hübschen Stimmchen der unzähligen Stare, die sich bei den efeuumwucherten alten Bäumen zum Futtern versammelt hatten. Wir beobachteten das emsige Treiben auf den Baumwipfeln eine Zeit lang, dann marschierten wir weiter.

Entlang der Mur ist der zweitgrößte Auwald Österreichs, das Gebiet gehört zum „Grünen Band Europas“. In den Zeiten des Kalten Kriegs war der Grenzstreifen des Eisernen Vorhangs nicht verbaut, ein Grünstreifen zieht sich nun vom Eismeer im Norden Norwegens bis zum Schwarzen Meer. 12.500 km ist dieses „Grüne Band“ lang – und ein kleines Stückchen davon erkundeten wir auf unserer Wanderung. Echte Schneeglöckchen winkten uns, es roch bereits nach Bärlauch. Ein wahrer Wermutstropfen war jedoch der Wald selbst, der im Vorjahr durch den Sturm sehr in Mitleidenschaft gezogen worden war. Wie überdimensionierte Mikadostäbchen lagen die Bäume kreuz und quer. Der Weg führte uns nun zu den Feldern – hier waren Bundesheersoldaten unterwegs. Auch das hat hier Tradition. Unter der Herrschaft Maria Theresias wurde Radkersburg zur Garnisonsstadt – was es bis 2013 auch blieb.

Die Wanderung führte uns zur Johannesquelle (welche ein bisschen an eine Bushaltestelle erinnert). Und dann – was für eine Freude – ein Graureiher. Einer, der sich noch dazu fotografieren ließ – im gebührenden Abstand, versteht sich. Durch ein Wäldchen kamen wir nach Sicheldorf. Das Wanderschild leitete uns zu einer Schottergrube, dort angekommen verloren wir den richtigen Wanderweg. Wären wir dem Schild weiter gefolgt, hätten wir über Wasser gehen müssen. Diese Begabung fehlt uns leider, also folgten wir dem Schotterweg am Zaun entlang, bogen dann rechts in Richtung Radkersburg ab, dann links einen Waldrand entlang – und dann kamen wir an ein magisches Platzerl. Ein Holzkreuz und ganz, ganz viele Vogelfutterhäuschen mit noch mehr gefiederten Besuchern. Dieser Ort ist gesegnet, davon gehe ich mal aus. In Laafeld durften wir einen hübschen Buntspechtknaben dabei beobachten, wie er melodisch rhythmisch auf einem Stamm herumhämmerte. Spechte sind tolle Vögel – sie können wie wild mit ihrem Schnabel hämmern, ohne dabei eine Gehirnerschütterung zu bekommen. Eine Meisterleistung der Evolution! Als wir Bad Radkersburg wieder erreichten, kehrten wir am Hauptplatz im Café Punkt ein (ein sehr guter Cappuccino und ein leckeres Croissant). Über das Fenster sah ich die stattlichen Säulen der Arkaden, eine architektonische Pracht. Am Radkersburger Hauptplatz residierten der Adel und wohlhabende Bürger, was man den Häusern auch ansieht. Eine ganz prominente Frau wurde in Radkersburg geboren: die Gallerin, die Burgherrin der Riegersburg.

Gestärkt machten wir uns nochmals auf den Weg, die Langgasse runter, rechts in die Altstadtgasse, an der Vinothek vorbei vor die Stadtmauer. Die Domenico-dell‘-Allio-Allee entlang zu gehen ist ein absolutes Muss, wenn man in Bad Radkersburg ist. Der ehemalige Stadtgraben war nicht verbaut worden und ist ein Refugium für Pflanzen und Tiere. Die Aussicht auf die Stadtmauer und die Altstadt ist einfach herrlich. Dieser Graben trennt auch die historischen Bauten der Stadt mit ihren alten Geschichten von den neuen Hotel- und Kuranlagen der Stadt mit ihren jüngeren Geschichten. Und die sind auch interessant. In den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts suchte man in Radkersburg nach Erdöl. Gefunden hatte man etwas viel Besseres: allerfeinstes Heilwasser. „Long Life“ – wohl bekomms. 1977/78 hatte man dann schon gezielt nach Thermalwasser gebohrt und aus 1.791 bis 1.856 Metern Tiefe kommt es, das 80 Grad heiße Wasser. Und so ist aus der ehemaligen Garnisonsstadt Radkersburg die Kurstadt Bad Radkersburg geworden. Eine erfreuliche Entwicklung, finde ich.

Trotz allem sehe ich mir aber den Befestigungsgürtel aus der Renaissancezeit gerne an, der die Stadt so pittoresk umgibt. Domenico dell‘Allio hatte ihn geplant. Der aus Oberitalien stammende Baumeister war sehr emsig gewesen – sein Name steht im Zusammenhang mit sehr, sehr vielen Verteidigungsanlagen. Er wirkte in Graz, Varazdin, Wien, Klagenfurt, Fürstenfeld, Feldbach, Radkersburg, Maribor, Ptuj etc. Es war die Zeit der Türkenkriege, starke Mauern retteten Leben und Eigentum. Wir betraten die „Domenico-dell‘-Allio-Allee“ bei einem Kinderspielplatz und verließen sie bei einem Altersheim. Über eine Brücke zurück in die Altstadt, wo es noch ganz viel zu entdecken gäbe. Die ältesten Profandarstellungen in der Steiermark zum Beispiel. Doch diese mussten wir uns für einen anderen Ausflug aufheben – für diesen Tag war es Zeit, nach Hause zu fahren.

„Enzmilners Kulturwanderwege“ – Windhaag

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Hauptstrecke

13,5 km

339 HM

3:35 h

Route II Fernblick

2,88 km

33 HM 0:39 h

Wenn Möraths im Frühjahr einige Tage auf Reisen gehen, dann gibt es in der Urlaubsregion mit einer nahezu hundertprozentigen Sicherheit einen Kälteeinbruch und Dauerregen. Da ist es schon fast verwunderlich, dass wir überhaupt noch ein Urlaubsquartier buchen dürfen. Doch die Hoteliers können sich auch gewiss sein, dass mit unserer Abreise das Wetter urplötzlich wieder wunderbar wird. So haben wir meistens bei der Heimreise feines Wetter und daher nützen wir diesen Tag gerne noch, um eine leichte, kurze Wanderung zu machen. Zu müde wollen wir schließlich bei der Autofahrt auch nicht sein. Daher wird es immer eine sehr gemütliche Tour.

Bei der Heimfahrt vom Mühlviertel entschlossen wir uns, in Windhaag haltzumachen und die kürzeste Variante des Enzmilner Kulturwanderweges zu erkunden. Windhaag liegt auf den Ausläufern des Mühlviertler Hügellandes, es ist ein beschaulicher Ort mit grandioser Aussicht. Kein Hügel verstellt mehr den Weg – frei blickt man ins breite Donautal. Wunderbar!

1287 war Windhaag das erste Mal urkundlich erwähnt worden: „Winthag im Machland“. Das Machland gehört zu den ältesten Siedlungsräumen in Österreich, es ist ein fruchtbares Land. Die Machland-Gurke ist ein Begriff. 1290 nannten sich die Brüder Heinricus und Feitel nach ihrer Burg „von Windhag“.

Im Laufe der Jahrhunderte hatten die Besitzer gewechselt – besonders hervorzuheben wäre ein sehr exzentrischer Reichsgraf, Joachim Enzmilner. Enzmilner hatte eine steile Karriere hinter sich gehabt – vom einfachen Bürger bis zum Reichsgrafen. Er galt als Gegenreformator (als Lutheraner hätte er diesen Aufstieg zu dieser Zeit auch nicht geschafft). 1636 erwarb er die Burg … 1642 begann Enzmilner mit einer regen Bautätigkeit und sechs Jahre später stand in Windhaag eines der prächtigsten Renaissanceschlösser in Oberösterreich. Die „Topographia Windhagiana Aucta“ aus dem Jahre 1673 zeigt die Schlossanlage, die gigantische Ausmaße haben musste. Eine riesige Vierkantanlage, wobei ich rein bei einer Front des Schlosses ganze 36 Fenster zählen konnte. Weiters hatte es einen Pferdehof, einen schönen Obstgarten, einen Meierhof, eine Gloriette … gegeben.

1678 war Joachim Enzmilner gestorben. Er hatte eine Tochter – eine einzige. Sie war Priorin der Dominikanerinnen, die im „Alten Schloss“ (also in der Altburg) wohnten. So eine alte Burg sei kein wohnlicher Ort, fanden die Nonnen … ein pompöses Schloss war für sie offensichtlich auch nicht angemessen. Also ließ Eva Magdalena (die Tochter Enzmilners und Priorin) die prächtige Anlage noch 1678 abreißen. Mit den daraus gewonnenen Baumaterialien wurde in Windhaag ein Kloster errichtet.

1782 wurde dann das Kloster aufgelassen, davon existieren heute auch nur mehr einige Teile (unter anderem die recht große Kirche).

Das Schloss Windhaag in Oberösterreich hatte leider keine lange Lebensdauer. Doch Enzmilner hatte zum Glück auch Besitzungen in Niederösterreich, und die waren Teil einer Stiftung von Joachim Enzmilner, die durchaus als nachhaltig bezeichnet werden kann. Die Windhag-Stipendienstiftung für Niederösterreich – die 1670 gegründet wurde und nach wie vor unter der Verwaltung der niederösterreichischen Landesregierung steht. Unter anderem gehört heute das Gut Ottenstein zu dieser Stiftung … und dort (so munkelt man) könnte nun der dritte Nationalpark Niederösterreichs entstehen.

Doch nun zur Wanderung: Wir parkten bei der Kirche … und fanden dummerweise die richtigen Wanderschilder für den Enzmilner Kulturwanderweg nicht. (Wir hätten um die Kirche herumgehen sollen, dann hätten wir den kleinen Torbogen erreicht und die Wegweiser gesehen.)

Wir versuchten, mithilfe der Wanderkarte den richtigen Weg zu finden. Eine kurze Strecke wanderten wir neben der Landes- oder Bundesstraße bis zum Ortsende. Dann zweigten wir rechts ab (Hausberg) und hielten auf einem Feldweg auf den Wald zu. Da gab es zwei hübsche Bankerln, die leider belegt waren. Ein älteres Paar hatte diesen herrlichen Platz für sich entdeckt und eine appetitlich aussehende Jause aufgetischt. Daher gingen wir den Waldrand entlang bis zur Kuppe, wo ein Handymasten steht (Wahnsinnsaussicht). Danach marschierten wir bergab zum Hochwasserbehälter mit Panoramatafel und Fernrohr. Über einem Feldweg gingen wir zur Hubertuskapelle (wo wir ein Reh erschreckten), dann weiter zum Platz, wo früher die Gloriette gestanden war (toller Blick auf die Burgruine). Dann kamen wir in einen Wald und über einen Hang hinunter zu einem reichlich eigenartigen, sehr schrägen Anwesen. Endlich erreichten wir die Burgruine.

Einige Mauern der Altburg hatten überlebt, dank engagierter Personen wurde die Ruine gesichert und der Burgturm ist seit 2012 begehbar. Die Aussicht vom Turm ist einfach toll. Kurz überlegte ich, ob es früher in Richtung Donau auch einen Waldbestand gegeben hatte oder ob man diesen Bereich freigehalten hatte, um das Anrücken der Feinde früher zu bemerken.

Es ist richtig interessant, dieses alte Gemäuer zu erkunden. Es gibt ein Silbergewölbe in einem Obergeschoß und es gibt ein Verlies im Untergeschoß (in dem 1785 der Braumeister Kaspar Rothammer einen Schankkeller einrichtete). Und im Hof gibt es tolle Schautafeln, die einen Eindruck davon geben, wie groß die herrschaftliche Schlossanlage einmal gewesen sein muss.

Es zahlt sich auch aus, die Ruine von außen zu umrunden. Dabei sieht man erst, wie günstig gelegen diese Verteidigungsanlage war. Steil geht es bergab, unten gibt es einen Teich. Die alte Burg war mit dem Renaissanceschloss über eine Brücke verbunden. Einen halb verfallenen Turm des Schlosses kann man hinter dem Gebüsch noch erkennen.

Hätten wir nicht eine lange Heimfahrt vor uns gehabt, hätte ich die Gegend gerne noch näher erforscht. Doch nun war es Zeit, die Wanderung zu beenden, uns zu stärken und den Heimweg anzutreten.

Die Schlosstaverne Hofer in Windhaag war gut besucht, leider gab es für uns keinen Tisch mehr. Hunger hatten wir, also fuhren wir den Berg hinunter … und kamen nach kurzer Zeit in der Bezirkshauptstadt Perg an. Die Kirche auf dem Hauptplatz ist sehenswert. Am Marktplatz gibt es wunderbare alte Häuser … auch einige geöffnete Restaurants waren dabei, in einem davon haben wir sehr, sehr gut gespeist.

 

 

„W12 Panoramarunde“ – Bad Tatzmannsdorf nach Neustift

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

12 km

221 HM

4:05 h

Start:

Bad Tatz-mannsdorf

Joseph Haydn Platz  

Bad Tatzmannsdorf sieht eigentlich für einen Kurort recht unspektakulär aus. Die Häuser wirken noch alle recht jung. Keine K&K-Pracht wie in anderen respektablen Bädern. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen. Bad Tatzmannsdorf gehört zu den ältesten bekannten Kurorten in Europa. Unglücklicherweise wurde es noch kurz vor Kriegsende im Frühjahr 1945 zerstört.

Schon in der Bronzezeit war es besiedelt. Später, im 11. Jahrhundert, wohnten ungarische Grenzwächter in diesem Gebiet, welches der Familie „de Tarcsa“ gehörte. Da kann man sich schon vorstellen, woher der Name des größten burgenländischen Kurortes stammt.

Schon früh begann man hier mit Heilbehandlungen bei Herz- und Kreislauferkrankungen, Rheuma und Frauenleiden. Seit dem 14. Jahrhundert ist der Kurbetrieb nachgewiesen.

Der ungarische Hochadel schätzte den Kurort, der sich im Besitz der Familie Batthyány befand. Doch nicht nur blaublütige Kurgäste tummelten sich hier: Auch Künstler und Schriftsteller waren anzutreffen, um Trinkkuren zu machen. Einer von ihnen war Franz Grillparzer, der 1852 in Bad Tatzmannsdorf weilte und immer wieder gerne zitiert wird: „Ich war früh aufgestanden, hatte Wasser aus dem Sauerbrunnen getrunken, gebadet, darauf wieder einen Becher Wasser getrunken und ging in den Garten spazieren.“ Weniger gerne zitiert man den Ausschnitt aus einem Brief von Franz Grillparzer: „Der Ort selbst ist der langweiligste, den man sich denken kann.“

Ich weiß nicht, ob sein Urteil stimmte oder ob der Dichter einfach an diesem Tag nur schlecht gelaunt war. Heutzutage ist dieser Ort ganz bestimmt nicht langweilig. Neben einigen Museen (Freilichtmuseum, Brotmuseum, Kurmuseum), zahlreichen Kaffeehäusern und Gastrobetrieben, Thermalbädern, einem tollen Kurpark mit Veranstaltungsbühne sowie vielem Sportmöglichkeiten (Golf, Tennis …) gibt es auch Wanderwege. Und im Gegensatz zu den Wanderwegen anderer burgenländischer Orte sind diese auch bestens markiert.

Vor vielen Jahren (als die Burg Schlaining noch nicht so schön renoviert war) sind wir einmal am Neujahrstag bei kaltem und nebligem Wetter von Bad Tatzmannsdorf nach Stadtschlaining marschiert. Wir kehrten zu Mittag in Stadtschlaining in das einzige geöffnete Lokal ein und trafen dort noch auf „übergebliebene“ Silvestergäste, die durchgefeiert hatten. Gut, ein richtiges Mittagessen hatten wir in diesem Lokal dann auch nicht bekommen … aber das ist eine andere Geschichte.

Diesmal waren wir im August unterwegs, und es hatte wieder einmal über 30 Grad Celsius. Zahlreiche Gäste saßen in schattigen Gastgärten, und wir folgten dem Wanderweg W12. Zuerst kam der schweißtreibende Anstieg auf den Sulzriegel. Da es so ein heißer Tag war, nahmen wir zum Glück die Abkürzung W12a. Auf diese Weise fanden wir den traumhaft schönen Zyklamen-Waldhang.

„Vögel hört man, bevor man sie sieht – und Zyklamen riecht man vorher“, meinte Gregi und sog genüsslich Luft ein. Der Zyklamenduft ist einzigartig und besonders intensiv an sehr heißen Tagen. Ein einziges Stöcklein dieser besonderen Blumen sorgt schon für ein außergewöhnliches Dufterlebnis. Doch wenn der ganze Waldhang vor lauter Blümchen violett gefärbt ist, mag man sich von solch einem bezaubernden Ort fast nicht trennen. Also verweilten wir hier fotografierend und schnuppernd eine geraume Zeit. Vergessen war die Hitze.

Wenn ich so ein magisches Platzerl entdecke, überlege ich jedes Mal, ob ich es wohl weitererzählen darf. Allerdings glaube ich fest daran, dass meine LeserInnen diesen Plätzen auch Respekt zollen und keine Blumenstöcklein ausgraben und sich auch keinen Blumenstrauß pflücken. Einfach nur dastehen, sich der Blütenpracht erfreuen und den Duft inhalieren – das schadet nicht. Und vom Wegrand aus Fotos zu schießen auch nicht. Leider ist es mir nicht gelungen, die Pracht dieses Blütenmeers wirklichkeitsgetreu einzufangen.

Vom kühlen Wald gelangten wir dann auf eine Hochfläche mit wunderbarem Panorama. Doch die erbarmungslose Sonne sorgte dafür, dass wir uns sputeten, den nächsten Wald zu erreichen. Sobald man in den Schatten der Bäume eintaucht, ist selbst der heißeste Tag erträglich, und so überlege ich mir, ob es nicht am klügsten wäre, in den Gärten statt englischem Rasen Waldbäume zu setzen.

Sorgten noch in der letzten Waldpassage die Zyklamen für ein einmaliges Aroma, waren es nun die Nadelbäume, die uns mit ihrem Geruch verwöhnten. Unzählige Kiefernzapfen lagen auf dem mit Nadeln weich gepolsterten Wanderweg. Immer wieder kamen wir zu Lichtungen, wo Gregi nach Schmetterlingen Ausschau hielt. Schließlich ging es bergab, einem Bachlauf entlang – wir befanden uns in einer richtigen Schlucht. Diagonal rankten die Felsen aus dem Bachbett, und ich zweifelte beinahe, ob wir wirklich im Burgenland waren. In einem Bachtümpel schwammen kleine Fische – aber auch ein sehr großes Exemplar konnte ich entdecken.

Die ersten Häuser des Ortes Drumling waren zu sehen. Ein Mann war dabei, sein Haus zu sanieren. Im Juni gab es hier ein Hochwasser. Zwanzig Zentimeter hätte das Wasser in seiner Garage gestanden, erzählte uns der Mann. Auch erzählte er uns, dass er einen großen Karpfen gerettet hatte, der nach dem Hochwasser auf dem Weg lag. Er hätte ihn wieder in den Bach geworfen. Ob es sich bei diesem Karpfen um den großen Fisch gehandelt hat, den ich kurz davor im Tümpel gesehen hatte?

Im Ort Drumling ging es dann rechts, einen bewaldeten Hang hinauf, über Felder und wieder durch Wald. Schließlich erreichten wir das „Reiters Reserve“. Wir freuten uns aufrichtig, es zu sehen. Denn nun, das wussten wir, war es nicht mehr weit nach Bad Tatzmannsdorf. Die Hitze machte uns zu schaffen, und unsere Trinkflaschen waren inzwischen geleert. Wir freuten uns auf ein richtig kaltes Getränk – und Eis.

Im August 2024 war es in Bad Tatzmannsdorf überhaupt kein Problem, ein gutes Lokal zu finden. Allein auf der Gästeinformation waren 19 Gastrobetriebe eingezeichnet. Wir setzten uns im Zentrum in das Kaffeehaus und waren ein bisschen traurig, dass es die „Bio Vollwertbäckerei Gradwohl“ nicht mehr gab. Seine Getreidegerichte waren spitze und aus einer Zeit, wo man noch nicht dem Irrsinn verfallen war, alles Getreide zu verteufeln und mit Eiweißprodukten zu ersetzen.

Dabei verzehrten wir voller Genuss einen großen Becher Eisschokolade bzw. Eiskaffee und unsere trüb-nostalgische Stimmung hellte sich augenblicklich auf. Morgen würde ich etwas aus dem gesunden Kochbuch vom Gradwohl kochen – nahm ich mir vor. Vielleicht die leckeren Dinkeltascherln mit Lauch-Tofu-Füllung? Die waren immer ein Gedicht.

 

 

„Kienbergrunde W21“ – Bernstein

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

9 km

384 HM

3 h

Start:

Bernstein

Zentrum  

Bernstein ist der Ort, in dem sich die höchstgelegenste Burg des Burgenlandes befindet. Wir waren nach Bernstein gekommen, um wahres burgenländisches Gipfelglück zu suchen.

Vom Bernsteiner Felsenmuseum aus marschierten wir zur Raiffeisenbank und davor gab es – nahezu eine burgenländische Sensation – Wanderwegweiser! Der „Würfel“ zeigte uns, dass der Weg W21 bergab ins Tauchental führte. Also, nichts wie runter, an einem hübschen Gebäude mit viel blauem Dekor vorbei, und dann ging es wieder steil bergauf. Am Tennisplatz vorbei – wobei wir uns überlegten, ob extra für diesen Sportplatz Teile des Berges weggesprengt wurden oder ob man einfach einen ehemaligen Steinbruch umgestaltete – dann führte die Schotterstraße uns in den Wald.

Lauter Föhren wuchsen auf dem Hang, es war ein warmer Tag, und es roch herrlich. „Es riecht wie in Italien“, schwärmte Gregi. „Der Wald wirkt richtig mediterran.“ „Die Föhren tragen graue Hosen, orangebraune Hemden und grüne Hüte“, merkte ich an, weil die Stämme unten wirklich grau und im Mittelteil orangebraun waren, und die Kronen hatte natürlich grüne Nadeln.

Der Kienberg hat übrigens seinen Namen von den Föhren, die sehr harz-pechhaltig sind. „Kienspäne“ wurden als Beleuchtung in den alten Bauernhäusern verwendet. Und vom fossilen Harz, welches in der Ostsee an Land geschwemmt und in der Antike von dort bis nach Rom geliefert wurde, hat Bernstein seinen Namen. Ein Zweig der „Bernsteinstraße“ hat über das Tauchental bei Bernstein geführt. Die Bernsteinstraße war eine bedeutende Handelsroute, und der Weg war extrem weit. Eine Hardcore-Weitwanderung sozusagen. Dagegen ist der „Alpannonia Wanderweg“ mit seinen 120 km, der nördlich von Bernstein vom Semmering nach Koszeg führt, beinahe schon ein Spaziergang.

Auf dem Kienberg soll eine Hexe wohnen: die Kienberghexe. Nett war sie nicht, das könnte man nicht behaupten. Waren einsame Wanderer, beerensammelnde Kinder etc. unterwegs, konnte es ihnen passieren, dass die böse Hexe Steine nach ihnen schleuderte und sie tötete. Dann schleppte sie ihre „Beute“ zu einem Felsspalt (dem „Speckkammerl“).

Auch ein „Waldmännchen“ soll der Kienberg beherbergen, welches es so gar nicht leiden kann, wenn man über die Qualität des Holzes lästert. Wir lästerten bei unserer Wanderung nicht. Wir redeten kaum noch – schnaufend stiegen wir den steilen Hang bergauf. Dann endlich eine wunderbare Kuppe mit einer tollen Aussicht.

Nun war Gregi voll des Lobes über den Kienberg. Immerhin hatte er einen Mauerfuchs entdeckt, der sich fotografieren ließ. Auch ein Schwalbenschwanz zog seine Runden über der Bergkuppe und hielt sein Revier gut im Auge. Ich schätze, dieses Lob hätte dem Bergmännchen gut gefallen.

„Im Wanderbuch stand etwas von einem Gipfelkreuz und auch was von einer Bank“, maulte ich, denn ich war hungrig und müde. Immerhin war ich den steilen Berg hinaufgeklettert und hatte mir eine Rast auf einem bequemen Bankerl verdient (natürlich auch eine gute Jause). „Vielleicht waren Bank und Gipfelkreuz schon alt und sind kaputt geworden … und dann hat man sie nicht mehr ersetzt“, überlegte Gregi laut. „Andernfalls ist das noch nicht der Gipfel“, meinte ich, als wir den Grat etwas entlang gingen. Plötzlich führte uns der Wanderweg links steil durch den Wald bergab. Dabei mussten wir höllisch aufpassen, weil der Weg mit Föhrenzapfen „gepflastert“ war. Sobald man draufstieg, begannen sie zu rollen. Hatten wir etwa das Waldmännchen verärgert?

Dann kamen wir zu einem Schranken und einem Schild, welches uns darauf hinwies, dass wir das Steinbruchgelände nicht betreten dürften. Hier rechts dem Wanderpfad folgen! Begeistert sahen wir auf zu den Baumkronen, welche auf der Abbruchkante des Steinbruchs standen. Riesige Bussarde kreisten darüber.

Bernstein ist ein historischer Bergbauort. Ende des 14. Jahrhunderts wurden zwei Schmelzhütten für Eisen erwähnt. Seit dem 16. Jahrhundert wurden Schwefel, Kupfervitriol, Kupfer, Gold und Silber gefördert. Später wurde Antimon abgebaut. Und seit zirka hundert Jahren wird im Steinbruch auf dem Kienberg der moosgrüne Edelserpentin gefördert. Zweitausend Kubikmeter Gestein muss abgebaut werden, um einen Kubikmeter des lichtdurchlässigen Edelserpentins zu erhalten. Dieser weiche Stein muss dann eine Weile gelagert werden, bevor man ihn bearbeiten darf.

Schließlich mussten wir rechts abbiegen, und es ging wieder steil bergauf. Und endlich erreichten wir den echten Gipfel des Kienberges. Auf 804 Metern Seehöhe steht das burgenländische Gipfelkreuz. Das hört sich nicht viel an, doch im Wanderbuch wird diese Tour immerhin als „etwas anspruchsvoll“ bezeichnet. Auf der Kuppe des Kienberges (auf dem Bankerl sitzend und die Jause genießend) lächelte ich noch über das „etwas anspruchsvoll“. Wieder konnten wir einen Schwalbenschwanz beobachten, und auch das Panorama war spitzenmäßig.

Der Abstieg war alles andere als lustig – sehr abschüssig und wieder diese vermaledeiten Föhrenzapfen. Endlich erreichten wir die Asphaltstraße (kurz nach links, überqueren und dann in den Waldweg einzweigen). Hier kamen wir rascher voran, folgten dem Forstweg bis zu einer Kuppe. ACHTUNG, hier rechts abzweigen! Und dann ging es bergab – bergab – bergab. „So viele Höhenmeter haben wir beim Aufstieg nicht überwunden“, bemerkte ich, als wir einen nassen Graben mit mehreren kleinen Gerinnen erreichten. Auch die Vegetation hatte sich geändert, statt Föhren wuchsen hier Buchen. Und recht hatte ich – plötzlich ging es wieder bergauf!

Wir verließen den Wald und wanderten eine Weile (immer ansteigend) auf einem Wegerl neben der Straße entlang. Heiß war es, unsere Wasserflaschen waren bereits leer, und wir waren schon rechtschaffen müde. Als wir die norisch-pannonischen Hügelgräber erreichten, lächelte ich nicht mehr über die Bemerkung von wegen „etwas anspruchsvoller Weg“. Inzwischen war ich der Meinung, dass dies sehr untertrieben war. Weiter ging es bei Hitze bergauf, der „Steinbruchblick“ mochte uns nicht mehr beeindrucken. Stattdessen hätten wir ein Königreich für eine kühle Erfrischung gegeben. Wir waren schon dankbar, dass der Weg nun wieder durch einen schattigen Wald führte – und dann kam der absolute Höhepunkt der Wanderung.

„Monis Imbiss“ auf der Panoramaplattform 1. „Sieht aus wie in Kroatien“, sagte Gregi zufrieden. „Fast wie im Urlaub“. „Kühle Getränke!!!“, frohlockte ich. So saßen wir vor dem Imbiss über dem Parkplatz und genossen herrliche Erfrischungen aus PET-Flaschen. Dabei sahen wir rüber nach Bernstein – auf den Ort und auf die Burg. So gestärkt war ich wieder in der Lage, an meine Kamera zu denken und Fotos zu machen. Auch mit dem Handy – um Linda den schönen Ausblick schicken zu können. „Seid ihr in Kroatien?“, kam als Reaktion auf das Foto.

Ich weiß bis jetzt nicht, wieso Vater und Tochter beide an Kroatien denken, wenn sie das Panorama von Bernstein sehen. Bei der grimmigen alten Burg denke ich eher an Geister … welche darin auch umgehen sollen. Der „Schlosshansl“ zum Beispiel ist ein nicht ganz freundlicher Geist in ritterlicher Kleidung und rotem Wams. Wohlgesonnen hingegen soll die „Weiße Frau“ sein, deren Erscheinung schon oftmals beschrieben wurde. Sogar russische Offiziere, die in Kriegsgefangenschaft geraten waren, konnten von ihr berichten. Angeblich erscheint sie vor bösen Katastrophen, um davor zu warnen.

Erfrischt wanderten wir vom Imbiss in den Ort, wo wir dann bei einem ausgezeichneten Schmankerlwirt einkehrten. Das Restaurant „Pannonia Roth“ war ein toller Abschluss einer etwas anspruchsvollen, aber tollen burgenländischen Gipfelwanderung.

 

 

„Grenzerfahrungsweg“ – Bildein

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

3,97 km

0 HM

1 h

Start:

Bildein

Kirche  

„In Bildein gibt es Bienenfresser – ich will dorthin“, beharrte Gregi, obwohl ich ihn darauf hinwies, dass die Temperaturen auf über 30 Grad klettern würden und ich daher eher einen Spaziergang im Wald vorziehen würde. „Bienenfresser“, kam nochmals als Argument und: „Ich bin heute um 5.00 Uhr aufgestanden, wir sind ja noch früh dran. Da werden wir nicht die ganz arge Hitze abbekommen.“

Gut, dann halt nach Bildein. Dorthin wollte ich schon länger, um den Grenzerfahrungsweg zu erkunden. Auch das burgenländische Geschichte(n)haus reizte mich. Also fuhren wir an die österreichisch-ungarische Grenze, nach Bildein.

Geparkt haben wir in der Nähe der Kirche. Das Ortszentrum gefiel mir ausgesprochen gut. Die Mariensäule mit den Weinranken, das Gemeindehaus, das Gotteshaus und die Platane, die daneben wuchs. Ein richtig hübsches Ensemble.

Von der Kirche gingen wir den Fußgängerweg in Richtung Friedhof, und dort gab es schon die erste Station: ein Labyrinth aus unzähligen weiß-roten Stangen. Ich muss ehrlich gestehen – ich habe das Zentrum des Labyrinths nicht erreicht. Irgendwie hat es mich wieder zum Ausgang geführt, obwohl ich es fast schon bis zur Mitte geschafft hatte. Einen zweiten Versuch wollte ich nicht wagen, immerhin hatten wir noch eine Wanderung vor uns, und es war schon recht warm. Also keine Zeit vertrödeln, dachte ich, während Gregi noch seelenruhig für lange Zeit im Labyrinth verschwunden blieb. Er fand das Zentrum, und ihm war es offensichtlich egal, dass es immer heißer und heißer wurde.

Als er es endlich auch wieder raus geschafft hatte, folgten wir dem Weg weiter bis zum Trafo, da mussten wir links abbiegen.

Bei der nächsten Station sahen wir einen sowjetischen Panzer, einen Schützengraben und einen originalen Bunker aus dem zweiten Weltkrieg. Es ist empfehlenswert, die Informationstafeln aufmerksam zu lesen. Wie krank war doch das letzte Jahrhundert!

Von der Errichtung des Südostwalls wird berichtet, von den Todesmärschen der jüdischen Zwangsarbeiter, von der Ausbildung von „Arbeitsmaiden“ (die Männer waren ja an der Front, und die Frauen mussten sehen, dass sie die Wirtschaft und Landwirtschaft am Laufen hielten).

Dann kamen die Russen, und die Bevölkerung tat gut daran, so schnell wie möglich zu fliehen. Zwischen Bildein und Eberau gab es sogar einmal einen sowjetischen Militärflughafen.

Der Wanderweg führte uns bis zur Pinka. Unter der Staustufe badeten bereits Jugendliche. Wir haben es heute in Österreich richtig gut.

Vor der Pinka bogen wir rechts ab und folgten dem Fluss. Die Uferböschungen sehen naturbelassen aus – hier ist die Kinderstube von unzähligen Vögelchen. Emsig flatterten Schwalben in der Luft. Ein helles Zwitschern war zu hören. Gregi entdeckte sie zuerst. Fünf Schwalbenküken saßen auf einem Ast und wollten gefüttert werden. Keine leichte Aufgabe für die fürsorglichen Eltern.

Bildein gehört noch zum „Naturpark in der Weinidylle“. Es liegt zwar am Rand des Naturparks, in der Tiefebene. Aber wenn man am Ufer der Pinka entlanggeht, versteht man, dass diese Gegend wirklich schützenswert ist. In der Ferne sieht man Weinberge, Kirchtürme und Pappelalleen.

Und in der Nähe tummelten sich jede Menge Vögel. Zwei Bussarde kreisten in der Luft, ein Graureiher beschwerte sich lauthals, bevor er losflog. Eine blau schillernde Prachtlibelle sonnte sich auf einem Blatt, und auch Schmetterlinge waren unterwegs.

Zwei Kilometer östlich vom Ort Bildein verläuft die Grenze zu Ungarn. Und an dieser Grenze war es auch nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1989 nicht unbedingt harmlos. Ungarn gehörte zum Ostblock mit der Planwirtschaft. Der Westen mit seinen Freiheiten war verlockend… Doch Ungarn unternahm einiges, um seine Bürger daran zu hindern, nach Österreich auszuwandern. Bereits 1948 wurden vom ungarischen Staat auf 356 km Grenze erste technische Abriegelungssysteme eingerichtet. Beobachtungstürme, drei Meter hohe Stacheldrahtzäune und Minenfelder (Tretminen sowie Berührungsminen) sollten eine Flucht aus Ungarn verhindern.

1955 bis 1956 wurde die Grenze dann wieder entmint. 1956 kam es in Ungarn zu einem Aufstand. Große Teile der Bevölkerung erhoben sich gegen die kommunistische Diktatur. Zirka 180.000 Menschen flohen nach Westen.

1957 wurden wieder Tretminen verlegt. Diese blieben dann recht lange, bis man 1965 bis 1970 die Minen wieder räumte. Man hatte neue technische Möglichkeiten entdeckt: ein elektrisches Signalsystem wurde errichtet. Ein Entkommen aus dem kommunistischen Staat war immer noch nicht einfach. Erst 1989 beschloss das ungarische Politbüro, die technischen Grenzsperren abzubauen.

Als Kind bin ich mit meinen Eltern einige Male nach Ungarn gefahren. Am ungarischen Grenzübergang gab es immer ganz viele schwer bewaffnete Grenzbeamte oder Soldaten – so genau weiß ich das nicht. Ein Visum musste ausgefüllt werden, die Autos wurden akribisch durchsucht. Der Anblick von Männern mit Gewehren (auch wenn es meistens hübsche und junge Soldaten waren) war unheimlich. Es ist gut, dass diese schlimmen Zeiten vorbei sind.

Eine Station, der Grenzwächterturm, erinnert noch an den Eisernen Vorhang. Bei unserer Wanderung saß ein junger Gartenrotschwanz auf dem Masten mit den Lautsprechern. Wir wanderten in den Ort zurück und sahen noch die „schwimmende Brücke“. Gregi fotografierte einen sehr fotogenen Wandergelbling (Schmetterling).

Dann besuchten wir die Konditorei „Lendl’s Backstube“ in der Hauptstraße 132. Der Kaffee und die Mehlspeisen waren köstlich – unbedingt einkehren!

Leider hatte das Geschichte(n)haus noch nicht geöffnet (sonntags erst ab 14.00 Uhr).

Der Grenzerfahrungsweg von Bildein ist besonders empfehlenswert.

Doch auch die Natur rund um Bildein hat einiges zu bieten. Gut, Bienenfresser, deretwegen wir nach Bildein gefahren sind, haben wir keine gesehen. Aber trotzdem ist mir dort das tollste Vogelfoto meiner Hobbyfotografinnenlaufbahn geglückt. Und seien wir ehrlich – kleine Schwalben sind ja auch sowas von süß.

 

 

 

„Weg der Kunst“ ab Stainz bei Straden

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Weg der Kunst

9,4 km

250 HM

3:25 h

    

In drei Wanderbüchern habe ich diesen Weg gesehen, er muss also wirklich schön sein. Daher fahren wir im Spätherbst nach Stainz bei Straden, wo die Wanderung beim Haus der Vulkane startet. Auf den Wanderschildern ist eine Gehzeit von 2:20 h angegeben. (Da war wohl jemand mit Siebenmeilenstiefeln unterwegs. Wir benötigen für diese Wanderung 158 Minuten reine Gehzeit. Noch nicht inkludiert ist da die Zeit, die man bei den Erlebnisstationen benötigt – man ist sicherlich über drei Stunden unterwegs.) Ansonsten ist die Beschilderung einwandfrei, ein Verirren ist unmöglich.

Stainz bei Straden ist ein interessantes Dorf. Da steht ein wunderschöner Bildstock. Der hat nicht nur seitlich eine Tür, sondern auch noch einen „ersten Stock“ mit Fenstern. Ob sich dahinter eine Glocke versteckt?

Wir wandern weiter über ein Brückerl auf die Straße und schrecken fünf Enten auf, die in einem mit Wasser gefüllten Straßengraben ein gepflegtes Bad genießen. Sich lauthals beschwerend, flattern sie die steile Böschung hinauf und laufen um die Zaunecke nach Hause, wo sich schon einige ihrer Genossen im Garten sonnen.

Nun erreichen wir den Sulzbach. Gregi bildet sich ein, das zarte Stimmchen eines Eisvogels vernommen zu haben. Ich widme mich inzwischen der ersten Erlebnisstation, den Summsteinen. Gregi betrachtet den Bach kritisch und ist nicht mehr ganz davon überzeugt, dass hier ein Eisvogel lebt. Diese brauchen klares Wasser. War wohl ein anderer Vogel mit hoher Stimmlage. Daher beschließen wir, zur nächsten Station zu gehen. Zum Blaurackenturm.

Diesen schönen Gesellen werden wir im Spätherbst sicherlich weder hören noch sehen – jedenfalls nicht in der Steiermark. Da ist er schon längst auf Reisen gegangen, auf Fernreise sozusagen. Die Blauracke überwintert im südlichen Afrika. Eine Strecke, für die sie angeblich zwei Monate benötigt. Bewundernswerte Tiere! Hoffentlich kommen sie im Frühjahr wieder.

Wir wandern weiter und erreichen eine Raststation. Strahlend gelb schimmert das Laub und bildet einen Teppich. Und mitten darin liegt ein Steinbrocken, eine Vulkanbombe. 15 Tonnen wiegt das gute Stück und kommt aus dem Basaltsteinbruch von Hochstraden. Daneben steht ein altes Holzschild. „Wohl bekomms“, steht darauf und ich überlege, wie mir dieser Riesenstein wohl bekommen sollte. Sarkasmus? Nein, darunter, sehr verschwommen, steht ja noch was: „Wasser ist kostbar.“ Und dann sehe ich erst die Wasserleitung, die aufgrund der Jahreszeit schon außer Betrieb ist.

Die nächste Station ist mehr als idyllisch. „Steinzeitklang“ wird sie bezeichnet und Gregi probiert voller Freude jedes einzelne „Instrument“. Ich lichte die wunderbare Pappelallee ab. Während sich Gregi noch beschwert, dass die Dinger nicht gestimmt sind, schnaufe ich den Berg hinauf und bin nach wie vor von der Allee begeistert – und auch vom Schatten, den sie wirft.

Die Aussicht wird immer besser. Wir sehen den Steinbruch von Hochstraden, den „Drachenrücken“ mit der Aussichtswarte und leider auch sehr, sehr viele Glashäuser. Es ist eben eine landwirtschaftlich genutzte Gegend. Vulkangebiete sind besonders fruchtbar.

Durch einen Wald geht es nun bergab. Wir sehen eine sandige Steilwand und ich entdecke sogar eine Bruthöhle. Leider nur eine einzige. Aber Grund genug zu spekulieren, welcher Vogel hier eventuell Junge aufzieht. Die nächste Zeit vergeht mit Diskussionen, ob das, was ich da fotografiert habe, überhaupt eine Bruthöhle ist, bis Gregi einen seltenen gelben Schmetterling entdeckt und das Thema augenblicklich fallen lässt. Ein wunderschöner Gelbling mit einer Acht auf dem Flügel.

Wir haben nun die Lorettokapelle erreicht und biegen in Richtung Pferdehof Lechner ab. Ein Weingarten – und hurraaa! –, da bewegt sich was. Tatsächlich, ein Schwarzspecht. Ich nütze schnell die Gelegenheit – es wird ein tolles Fotoshooting mit Woody Woodpecker –, während Gregi noch voller Begeisterung eine Libelle fotografiert. (12. November 2023 – November!!! Eine Libelle und ein Schmetterling. Was für ein Tag!)

Weiter geht es zum Klangwald. Ein Grünspecht flattert rasch davon, während die Meisen mich neugierig beobachten. Steil geht es bergauf, bald steigen wir den Hügel wieder hinab. Es wird nicht der letzte Hügel sein. Vor dem nächsten Anstieg wartet auch der nächste Erlebnispunkt auf uns. Eine grimmig dreinblickende begehbare Holzeule. Ich verstehe ihren Verdruss. Kalt ist ihr Standort – und dann sind da noch die Wanderer, die immer wieder ihre Köpfe frech aus ihren Augen stecken. Bitte lächeln – und klick! Schon geht es weiter, den nächsten Hügel hinauf.

Nun haben wir einen wunderbaren Blick auf Straden. Dieser Hügel vulkanischen Ursprungs mit seiner extrem hohen Kirchendichte – vier Stück an der Zahl! Straden und seine Umgebung waren schon in der vorchristlichen Zeit besiedelt. Es muss sich dort wohl ein besonderes Heiligtum befunden haben, wenn die Kirche diesen Ort so vehement überbaut hat.

Es geht wieder bergab, wir erreichen die Straße im Tal. Der Ausgangspunkt der Wanderung ist nicht mehr weit, das Gasthaus LiebEck im Haus der Vulkane auch nicht mehr. Wir sind hungrig, wir sind müde, wir freuen uns darauf. Dann die bittere Erkenntnis: Eine Bergwertung hat der Kunstweg für uns noch geplant. Ein richtiger „Wadlbeißer“, dieser letzte Anstieg, finden jedenfalls wir. Doch dann ist auch dies geschafft. Beinahe beschwingt laufen wir den Hügel wieder hinunter. Bald können wir uns den Magen vollschlagen. Mit den 17.138 Schritten, die ich bei dieser Wanderung gegangen bin, brauche ich auch nicht unbedingt auf Kalorien achten. Und dann das! Wir sind zu früh dran. Das LiebEck öffne sonntags ab 15.00 Uhr, steht auf der Tafel beim Eingang.

Also Plan B. Wir kehren bei der Konditorei Ertl ein. Die hat auch Leckeres für uns. Bei einem Marmeladencroissant lassen wir den wunderbaren Tag Revue passieren.