„K13 murauen.weg“ – Halbenrain

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

13 km

div. Abkürzungs-möglichkeiten

8 HM

4 h

Start:

Halbenrain

Bahnhof  

Anfang März zieht es uns immer in den Süden. Diesmal fuhren wir nach Halbenrain, um den Wanderweg K13 murauen.weg zu entdecken. Sonntags war der Parkplatz vor dem Gemeindeamt leer, also starteten wir unsere Wanderung hier, marschierten beim Gasthof-Restaurant Wagner vorbei und bogen gleich hinter den Schienen in den Feldweg ein. Die ersten Schmetterlinge waren zu sehen – Zitronenfalter und Kleiner Fuchs. Brettleben ist die Gegend, schnurgerade verläuft die Eisenbahnschiene durch die Felder. Sieht man nach rechts, kann man in einiger Entfernung die Weinhügel von Klöch oder Tieschen entdecken. Riesige Basaltfelsen mit kleinen Tafeln dienen als Wegweiser. Nach einer kurzen Wegstrecke kamen wir zu einem hübschen und farbenfrohen Bildstock. Nun mussten wir die Bundesstraße überqueren und … oh, es ist doch nicht ganz so eben, wie ich es mir vorhin noch gedacht hatte. Wieder einmal eine Geländekante – so wie wir sie schon in anderen Orten in der Nähe der Mur entdeckt hatten.

Der Bildstock vorhin war schon recht farbenfroh und freundlich, aber trotzdem nichts im Vergleich zur Fantasiewand des Sepp-Hofer-Platzes. Es war ein richtiges Vergnügen, diese besonders fröhlichen Graffiti anzusehen. Ebenso anregend war es, den munteren steinigen Bach zu betrachten, der an dieser Stelle eine 90-Grad-Wendung macht, kurzfristig mal als Kneippanlage dient, bevor er eine mit Osterhasen bevölkerte kleine Insel umspült. Hier gibt es Insektenhotels, geschnitzte Kunstwerke, einen Rennboliden aus Holz und das Mobil von Fred Feuerstein. Und darin saß Gregi bereits und krakeelte: „Wilma!“ Ich tat so, als ob ich ihn nicht kannte, nahm auf einer Bank Platz und holte meine Trinkflasche heraus. „Fred Feuerstein“ mutierte wieder zu Gregi, schnappte sich auch seinen Rucksack und untersuchte ihn auf die mitgebrachten kulinarischen Schätze.

Die weitere Wegstrecke verlief besonders bezaubernd neben dem Bach. Krokusse blühten auf der Wiese, Frühlingsknotenblumen waren zu sehen und – man sollte es nicht fassen – auch schon Veilchen. Auf dieser Wanderung entdeckten wir besonders viele Blumen: Schneeglöckchen, Winterlinge, Waldgelbstern, grüner Nieswurz, Lungenkraut und hohler Lerchensporn. Es wäre ein tolles Fotoshooting für Blümchen gewesen, hätte uns der starke Wind nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht. Unsere Versuche, ein scharfes Blumenportrait zu knipsen, waren vergebens – und Frühlingsknotenblumen mit „Sportmodus“ abzulichten war uns dann doch zu blöd. Also marschierten wir weiter.

Besonders ungemütlich stark und kalt zeigte sich Blasius auf dem Murdamm und wir waren richtig froh, dass der Feldweg uns rechts nach unten und an einer Baumreihe entlangführte. Vier Rehe beobachteten uns kritisch. „Die beraten sich, ob sie noch weiter vor uns fliehen sollen“, überlegte ich. Offensichtlich kamen sie zum Schluss, dass wir harmlos waren. Bunte Kleidung heißt bei Rehen: „keine Jäger“. Also warteten sie gelassen ab und beobachteten uns weiterhin. In der Ferne sahen wir das stolze Schloss Oberradkersburg.

Unaufhörlich näherten wir uns der Mur und dem zweitgrößten geschlossenen Auwald in Österreich. Traurig sah es in diesem Biosphärenreservat aus, nachdem im Vorjahr der Sturm gewütet hatte. Viele Bäume wurden leider entwurzelt. Doch unter den liegenden Baumstämmen, da tat sich was. Schneeglöckchen wucherten und auch die zarten Blätter des Bärlauchs. Ganz grün war der Waldboden. Ein Tagpfauenauge kreuzte unseren Weg. Idyllisch war das Wegerl zur „Jagdhütte“. Links und rechts standen die Schneeglöckchen Spalier, dann (vielleicht weniger idyllisch, aber äußerst nützlich) ein Plumpsklo. Die „Jagdhütte“ ist eine Selbstbedienungshütte mit einer Kassa des Vertrauens. Radfahrer und andere Wanderer rasteten hier und zeigten uns ganz stolz den „Erdkeller“ des Lokals – zwei Betonröhren mit Deckeln. In einer stand eine Kiste mit Bier, in der anderen eine mit Limonaden.

Hier hätten wir eine Abkürzung zurück nach Halbenrain nehmen können. Taten wir zum Glück aber nicht. Heldenhaft dem Wind trotzend, folgten wir noch einem romantischen Wasserlauf, querten eine Brücke und kamen wieder auf den zugigen Murdamm. Durch den Wind gab es ganz besonders hübsche Wolkenformationen – pittoresk ist auch der Ausblick auf Straden – und besonders begeistert waren wir vom Anblick der beiden Störche, die hinter einem pflügenden Traktor auf Futtersuche gingen. Ihre Bewegungen waren beinahe synchron.

Inzwischen waren auch wir schon recht hungrig, also verließen wir den Damm und marschierten zielstrebig auf Dietzen zu. Ein Lokal würde es hier geben – ein geschlossenes, wie wir feststellten. Inzwischen bummelten wir nicht mehr in der Gegend herum, wild entschlossen hielten wir auf Halbenrain zu, wo es verheißungsvolle Gaststätten geben sollte.

Vor uns lag das Schloss Halbenrain, das im Laufe der Jahrhunderte sehr interessante Bewohner hatte. Erstmalig war Halbenrain 1244 urkundlich erwähnt worden. Zuerst hatte es hier eine Burg gegeben, die von Herzog Friedrich II. an seinen „Finanzminister“ namens Witigo und seinen Bruder Rüdiger übergeben worden war. Der Finanzminister war wohl nicht allzu beliebt, er wurde ermordet. Sein Bruder Rüdiger starb kinderlos und die Burg ging an den Burggrafen von Radkersburg. Dann folgte eine sehr turbulente Zeit, es gab sehr viele Überfälle und Plünderungen, bis eine tatkräftige Dame dieses Treiben beendete. Ursula von Emmersberg war die Besitzerin von Halbenrain und sie beantragte die „Hohe Gerichtsbarkeit“. 1452 wurde diese vom Kaiser bewilligt. Ich will mir nicht vorstellen, auf welche Weise man dazumal für „Ruhe“ sorgte – die „Hohe Gerichtsbarkeit“ erlaubte leider auch die Todesstrafe. Als Dank dafür, dass sie auf diese blutige Art für Recht und Ordnung sorgen konnte, vermachte Ursula von Emmersberg nach ihrem Tod die Burg dem Kaiser. Oder aber auch weil sie ihren Stiefsohn nicht leiden konnte, welcher sich erhofft hatte, an ihren Besitz zu kommen. Daraus wurde nichts. Der Kaiser war ein recht mächtiger Gegner, gegen den man kaum was ausrichten konnte, und das wusste Ursula sehr wohl.

Irgendwann im 17. Jahrhundert war die Burg dann zum Schloss umgebaut worden, ab 1724 war es in den Besitz der Familie Stürgkh gekommen. 1916 wurde der Schlossherr und k. u. k. Ministerpräsident, Karl Maria von Stürgkh, im Speisesaal des Hotels Meissl erschossen. Heute geht es im Schloss Halbenrain wesentlich friedlicher zu. Seit 1980 ist es im Besitz des Landes und dient als Schule (Fachschule für Land- und Ernährungswirtschaft).

Hübsch ist die Gartenansicht des Barockschlosses. Eine doppelläufige Treppe führt vom Park aus auf eine große Terrasse. Alte riesige Bäume wachsen im Park, dazwischen leuchten die weißen Köpfchen der Frühlingsknotenblumen. Architektonisch interessant ist auch der alte Kornspeicher des Schlosses und der Kräutergarten sollte sehenswert sein. Doch Anfang März würden wir darin kaum viel entdecken können, meinten wir. Das Magenknurren war auch nicht mehr zu überhören. Also beschlossen wir, ein Restaurant aufzusuchen – da war doch in der Nähe des Autos das Gasthaus Wagner. Wir waren natürlich zu spät. Also Plan B – Dorfschenke Pölzl. Diese Gaststätte sieht sehr schlicht aus, jedoch standen einige Autos auf dem Parkplatz. Wir betraten einen schummrigen Gang, standen vor der Tür der Gaststube und überlegten uns ernsthaft, ob es wirklich ratsam sei, hier einzukehren. Zum Glück siegte der Hunger und mutig stellten wir uns den kulinarischen Genüssen. Eine hervorragende vegetarische Salatschüssel mit sehr guten Käferbohnen, fein geschnittenem Chinakohl, knackigen Gurken und schmackhaften Tomaten. Darüber Frischkäse und Kernöl … zum Reinlegen. Und die Nachspeise erst! Gregi hat eine extrem gute Nusspotize bekommen und meine Straube war auch sehr, sehr lecker. Ein würdiger Abschluss eines wunderbaren Wandertages.

„Wald- und Naturwanderweg Gerersdorf“ und Freilichtmuseum

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundwanderweg

8,8 km

120 HM

2:30 h

Start:

Freilichtmuseum

   

Der Erste Mai war ein wunderbarer Tag, nicht zu warm oder zu kalt, rundum stand alles in Blüte und ich hatte mir eigentlich ein Wanderziel in der Weststeiermark vorgenommen. Gregi wollte nicht, ihm sei die Richtung Güssing lieber, erklärte er, mit der neuen Autobahn sei man jetzt auch recht schnell da, fügte er noch hinzu.

Also suchte ich Rat in meinem neuen klugen Wanderbuch „Gehmütliches Burgenland“ von Anni und Alois Pötz sowie Johann Dormann und fand ein geeignetes Ausflugsziel: das Freilichtmuseum Gerersdorf. Ich sehe mir immer wieder gerne das wunderbare Freilichtmuseum in Stübing an und da habe ich ein absolutes Lieblingshaus. Nämlich das Burgenländerhaus, das gleich nach dem Eingang rechts auf dem Hügel liegt. Ich mag diese Häuser aus Holz, Stroh und Lehm mit ihren weichen Formen. Sie wirken so freundlich und auch ein bisschen märchenhaft.

Märchenhaft ist die richtige Beschreibung für das Freilichtmuseum Gerersdorf. Da standen wir inmitten der Kellerstöckln, Vorratshäuschen und Presshäuser mit den hübschen Strohdächern, den urigen massiven Holzbalken, den weiß getünchten Wänden, den kleinen Fenstern mit den dunkelroten Pelargonien davor und konnten uns gar nicht sattsehen. Neben den Gebäuden gibt es alte Obstbäume, einen Weingarten, wunderbare Kastanienbäume … und dann gibt es noch den Schankstadl, wo es köstliche handgefertigte Kekse gibt.

Gerersdorf hat einen sehr aktiven Museumsverein und es werden ganz tolle Kreativkurse angeboten: Möbelrestauration, Drechseln, Kunstschmieden, Korbflechten, Klöppeln, Federnschleißen etc. Im Freilichtmuseum tut sich was.

Doch das dieses Museum überhaupt existiert, ist einem Mann zu verdanken, Herrn Professor Kisser. Herr Kisser war Werbegrafiker. (Ein sehr begnadeter noch dazu, würde ich sagen. Jedenfalls bin ich von seinen ausgestellten Bildern sehr begeistert.) Zuerst wollte er ja nur ein Wochenendhaus im Südburgenland, dann begann er, hübsche alte Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu retten … und schließlich, 1976, wurde das Freilichtmuseum eröffnet. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie viele Wochenenden, Urlaubstage und Freizeitstunden mit schwerer Bautätigkeit nötig waren, um dieses kleine Paradies zu schaffen. Zudem musste es auch sehr mühsam gewesen sein. Häuser aufzubauen ist keine leichte Arbeit – sie abzutragen sicherlich auch nicht. Mich schaudert, wenn ich an den jahrhundertealten Schmutz denke, mit dem man bei dieser Plackerei in Berührung kommt. Herr Kisser muss schon ein großer Idealist sein und dazu noch eine sehr tolerante Familie haben. Gut, seine Kinder hat er schon etwas bestochen, dachte ich und betrachtete das liebliche „Kinderhaus“.

Doch jetzt zur Wanderung. Im Schankstadl gibt es Gratiswanderkarten und es ist sehr ratsam, eine mitzunehmen. Ich weiß nicht, ob es irgendwo im Burgenland diese tollen gelben Alpenvereinswanderschilder gibt – vielleicht stoßen wir ja bei einer weiteren Wanderung auf diese. Bei unserer Runde sehen wir kleine grüne quadratische Wanderschilder, spärlich sind sie und zuweilen auch ein bisschen verwirrend. Daher ist die Karte für die Orientierung wirklich notwendig.

Der Weg startet beim Museumseingang, führt steil den Hang hinunter, vorbei an einem alten Wohnhaus mit Lehmverputz (welches bis 1992 noch von zwei unverheirateten Schwestern bewohnt worden war) und hinein in den Wald. Der Weg war schön ausgemäht – blühende Büsche, taunasser Schachtelhalm, Bäume mit Bezeichnungstafeln und dann … eine riesengroße, uralte Kopfweide. Der dicke rissige alte Stamm ist gedreht – in den tiefen Spalten des Stammes könnten höhlenbrütende Vögel nisten, Fledermäuse würden hier ein Schlafquartier finden und Eichhörnchen wüssten sie als Vorratskammern zu nutzen, las ich auf einer Tafel, als ein leichtes Beben im Gras meine Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Die Grasdecke wölbte sich, leises Knacken und Schmatzen war zu vernehmen. Minutenlang beobachtete ich, wie die Grasdecke mal hier und mal da eine Beule bekam, ohne auch nur ansatzweise ein Tierchen zu entdecken. Endlich – ein schwarzes Näschen, nur kurz war es zu sehen. Ein Maulwurf also. Ihm gefiel es hier bei diesem prächtigen Baum offensichtlich auch recht gut.

Wir überquerten eine Asphaltstraße, gingen eine natürliche Hecke entlang, eine Brücke, und dann standen wir inmitten einer großen herrlichen Wiese. Die Gräser hatten es mir diesmal besonders angetan. Die Doldenstände standen in Blüte. Es sah aus, als ob die Gräser weiße und rote Bärte trügen. Gregi war ganz eifrig beim Ablichten von Blümchen. Er hockte im Gras und von ihm sah man nur mehr Kappe, Kopf und Kamera. Brettleben ist es hier, mit Ausnahme einer kleinen Erhebung – diese musste erkundet werden.

Der Taborhügel war künstlich aufgeschüttet worden, ist circa eineinhalb Meter hoch und hat eine Plattform mit einem Durchmesser von etwa 12 Metern. Groß ist das nicht, doch scheinbar ausreichend, darauf einen Wehrturm zu stellen – mit einem gemauerten Fundament und einem Holzgebäude darüber. Um den Taborhügel war noch ein Wassergraben angelegt worden. Diesen sieht man auch heute noch, gelbe Schwertlilien wachsen am Ufer. Von der Holzpalisadenwand, welche den Hügel samt Wassergraben umgab, kann man leider nichts mehr erkennen. Dieser kleine spätmittelalterliche Sitz war noch 1457 urkundlich erwähnt worden.

Mit etwas Glück könne man hier auch noch knollenförmige Eisenschlacke finden, las ich auf einer Tafel. In der Gegend war Eisen verhüttet worden – und zwar schon seit der Römerzeit. Allzu hochwertiges Eisen darf man sich da nicht vorstellen, aber immerhin hatte man schmiedefähiges Roheisen erzeugt. Die Wahrscheinlichkeit, knollenförmige Schlacke zu finden, würde ich eher gering einschätzen – eher würden wir auf rundes Leder stoßen. Der Weg führte links am Fußballplatz vorbei, über eine Brücke, und dann ging es schon zur nächsten Wiese. Diese war noch größer, Schmetterlinge tummelten sich vor unseren Beinen. Ein Kleiner Dukatenfalter, einige Aurorafalter, einige Kleine Perlfalter. Sie fühlten sich in dieser Feuchtwiese pudelwohl. Gut, dass der Burgenländische Naturschutzbund sich um dieses Naturparadies kümmert. Schön, dass hier noch diese wunderbaren riesigen Solitärbäume wachsen dürfen. Am Waldrand überlegten wir, wie die Route weitergehe. Laut Karte geht es geradeaus durch den Wald. Auf der linken Seite des Weges mäandert ein Bach, auf der rechten Seite sind einige Brunnenanlagen zu sehen. Ich spekulierte, dass es sich um Mineralwasserquellen handeln könnte – vor uns lag Sulz und das ehemalige Firmengelände des Güssinger Mineralwassers (welches leider 2019 in die Insolvenz geschlittert war).

Wir überquerten eine Holzbrücke und stapften den Hügel in Richtung Steingraben hinauf. Ein wunderbarer Blick auf die stolze große Burganlage Güssing, die auf einem markanten Vulkankegel steht. Am Fuße des Berges rundum die Bezirkshauptstadt. Was für ein Unterschied zum Taborhügel mit seinem einst hölzernen Wehrturm.

Steingraben liegt entgegen seinem Namen auf der Kuppe eines Hügels. Ein hoher Kirchturm ragt in die Höhe – zwei Straßen vor diesem Kirchturm führte der Wanderweg rechts aus dem Dorf. Wir strebten auf einer Schotterstraße entlang blühender Büsche dem nächsten Wald zu. Die Luft roch süß nach Honig, weiß leuchteten die Blüten der Robinen, die ein eigenes „Viertel“ im Wald bildeten. Den Waldweg ging es entlang, an Pfützen vorbei (Gregi fand eine Gelbbauchunke, die sich anstandslos fotografieren ließ) … und dann hatten wir sie endlich erreicht. Eine grandiose Traubeneiche, ein Naturdenkmal der feinsten Art. Wir rasteten auf dem Bankerl bei der Eiche und ließen die Magie des Platzes auf uns wirken. Ab jetzt mussten wir uns immer rechts halten, bis wir die Häuser vom Riegelberg erreichten. Vom Riegelberg hat man noch eine schöne Aussicht auf Gerersdorf, die Asphaltstraße geht es die Häuser entlang nach unten. Wieder eine Kreuzung – hier links halten (nicht zum Haus Eveline) – bald hatten wir den Ausgangspunkt erreicht.

 

Klammleiten-Klamm – Königswiesen

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

13 km

511 HM

4:30 h

Start:

Königswiesen

   

Der Wetterbericht hatte 6 Grad Celsius prognostiziert und ab Mittag sollten Niederschläge kommen. Gregi und ich wollten wandern gehen. Wettervorhersage hin oder her … es werde wohl nicht so schlimm kommen, dachten wir. Eines kann ich schon mal vorwegnehmen: Der Wetterbericht ist zuverlässig.

Circa acht km ist Königswiesen von Unterweißenbach entfernt. Schnell waren wir mit dem Auto dort, geparkt wurde am öffentlichen Parkplatz beim Friedhof. Gregi hatte schon mal eine Bäckerei entdeckt – die würden wir nach der Wanderung aufsuchen. Und wenn wir schon dabei seien, könnten wir dann auch noch die gotische Kirche mit ihrer bemerkenswerten Gewölbedecke besuchen, erklärte ich.

Zu Königswiesen: Es gibt da eine Sage, dass eine Königstochter ihren Schleier verlor. Dieser wurde dann in „Chunigeswisen“ aufgefunden, die Prinzessin war glücklich und ließ aus Dankbarkeit eine Kapelle erbauen. Viel berühmter ist die Schleierlegende, die von der Gründung von Klosterneuburg erzählt. Da trug der Wind den Hauptschleier von Agnes (der Gemahlin des Markgrafen Leopold) vom Kahlenberg nach Klosterneuburg, woraufhin der Markgraf ein Kloster stiftete. Die edlen Herren hätten ihren Damen besser hübsche Spangen zum Befestigen der Kopfbekleidung geschenkt, die wären weitaus günstiger als Klöster oder Kapellen gewesen.

Verschleiert war die Landschaft, als wir in Königswiesen losmarschierten. Wolken, Nebelschwaden, eine düstere Stimmung … und plötzlich in der klatschnassen Wiese ein geschäftiges Treiben. Eine Drossel hüpfte tapfer zwischen den tropfnassen Halmen umher.

Weiter ging es dann in Richtung Klammleitenklamm. Früher gab es hier Mühlen … heute gibt es hier ein Wasserkraftwerk. Trotz dieses E-Werks ist es hier idyllisch. Das Bächlein schlängelt sich durch die saftige Wiese, Sumpfdotterblumen wachsen am Ufer. Das Gelb der Blumen harmoniert herrlich mit dem braunen Bach. Aber nicht dass das Wasser schmutzig wäre, nein – glasklar sieht man auf den Grund. Moorwasser – würde ich mal sagen. Viele Bäche im Mühlviertel haben diese Färbung.

Beim E-Werk Ebner überquert der Wanderweg das Bächlein. Hier gibt es eine grandiose Blumenvielfalt. Rote Lichtnelken, Taubnesseln, Wolfsmilch, Milzkraut, Günsel, Lungenkraut …

Wir erreichten den Wald, steil ging es nun bergan – es war eine Rundwanderung, hier müsste ich zum Glück nicht mehr heruntergehen. Zunächst wanderten wir hoch über dem Bach, etwas später waren wir beinahe auf Bachbetthöhe – jedoch war der Bach verschwunden. Unterirdisch fließt er hier – die Stelle wird Teufelsmühle genannt und dazu gibt es auch eine Sage. Ein braver Müller verstarb und hinterließ die Mühle seiner hartherzigen und gierigen Frau, die kein Herz für Notleidende hatte. Wer sich einigermaßen mit Sagen auskennt, weiß, dass der Untergang der Mühle in diesem Fall unumgänglich ist. Still war es in diesem Klammteil, große Granitblöcke lagen im Bachbett, vom Wasser war weder was zu sehen noch zu hören. Nur an einem Platz – beim „Kindlstein“ – sollte man das Rauschen des unterirdischen Baches vernehmen. Dort würde der Teufel in der versunkenen Mühle weitermahlen.

Die Sagen sind unheimlich, die Umgebung einfach märchenhaft. Ein Baumstamm erinnert an eine Zwergenkathedrale, man wandert zwischen moosbewachsenen Steinblöcken durch beziehungsweise an riesenhaften Granitwänden vorbei. Immer weiter folgten wir dem verschütteten Bachbett bergauf und endlich konnten wir das munter über kleine Kaskaden springende Wasser wieder sehen.

In früheren Zeiten, wo man Holz noch über die Bäche transportiert hatte, war im Bereich der Holzschwemme (des Gfluders) das Wasser gestaut worden. Viel Wasser benötigte man, um die Holzstämme über den Teil der Klamm zu transportieren, an dem der Bach im Normalfall unterirdisch fließt. Im Frühling – bei Tauwetter – wurde dann geschwemmt. Bis zu 3000 Personen hatten bei dieser gefährlichen Arbeit mitgeholfen – auch Frauen und Kinder.

Weniger gefährlich ist es heutzutage, die „Himmelsleiter“ zu ersteigen. Dank eines Drahtes, der fest an der Steinwand verankert ist, konnte sogar ich zum nächsten Teil der Klamm gelangen. Und schon erreichten wir die nächste Attraktion.

Der Kanzlstein ist eine riesige Felsformation, hoch aufragend. Über Stiegen könnte man hochklettern zur „Kanzl“. Die erste Stiege wagte ich mich hoch, das Moos auf dem Stein war klatschnass und rutschig, ein tiefer Spalt müsste überwunden werden, um auf dem nächsten Steinblock und zur nächsten Leiter zu kommen. Daneben geht es runter – freier Fall. „Ich pass einfach auf keine Kanzel“, entschied ich und kletterte unverrichteter Dinge wieder die Leiter runter. Dafür setzte ich mich aufs Bankerl in der „Herberge“. Ein überhängender Steinblock, der ein trockenes Platzerl für mindestens eine Familie schuf. Über die Reindlmühle ging es weiter, immer den Bach entlang. Holzarbeiten hatten in diesem Teil der Klamm stattgefunden, dadurch war es hier bei Weitem nicht mehr so hübsch.

Am Ende der Klamm kamen wir auf eine Asphaltstraße, dann ging es bergauf in Richtung Haid. Auf den weiten Wiesenflächen gibt es hin und wieder riesenhafte Granitblöcke, dort wachsen auch Bäume, Büsche und Blümchen. Kaum hatten wir die Anhöhe erreicht, begann ein heftiger Graupelschauer, kleine Eisklümpchen sammelten sich am Straßenrand. Mir taten die blühenden Apfelbäume leid. Wir marschierten an einem wunderbaren Steinbloß-Gehöft vorbei – aus Kalkmangel hatte man früher nicht die ganze Fassade verputzen können. Die unverwüstlichen Steine hatte man ausgelassen, nur die heiklen Zwischenräume waren mit weißem Kalkputz versehen worden.

Langsam, aber sicher näherten wir uns der Ortschaft Haid. Hier sollte es eine Gastwirtschaft geben, den „Hoadhof“, der sein 150-jähriges Jubiläum feierte. Wir hatten Glück, der „Wirt auf da Hoad“ hatte geöffnet. Wir waren die einzigen Gäste, doch wir speisten vorzüglich. Gregi war ganz besonders vom Topfenschmarrn begeistert.

In Haid gibt es viele Pferde – Wanderreiten ist in dieser Gegend angesagt. Als wir beschwingt das Gasthaus verließen, beobachteten uns die Vierbeiner neugierig. Bei diesem Wetter wollte niemand reiten. Den Pferden war fad und wir unerschrockenen oder „depperten“ Wanderer, die sich bei diesem Wetter raustrauten, waren da eine kleine Sensation. Inzwischen war es richtig kalt geworden, der Wind hatte aufgefrischt und die Eisklümpchen kamen waagrecht daher und taten auf der Gesichtshaut ein klein bisschen weh.

Zum Glück dauerte dieser Schauer nur kurz an, außerdem stiegen wir wieder in Richtung Tal, wo der Wind nicht ganz so arg ankonnte. Der Schwarzaubach hat auch eine braune Färbung – trotz klaren Wassers. Ihm folgten wir bis kurz vor Königswiesen – wo uns der nächste Graupelschauer empfing.

Klatschnass waren wir inzwischen – trotz Regenponcho –, doch das hielt uns nicht ab, die Kirche anzusehen. Sie ist uralt, Teile stammen aus dem Jahr 1147 (Romanik). Doch berühmt ist sie wegen des gotischen Schlingrippengewölbes, bestehend aus 480 Feldern. Auch der geschnitzte Altar sowie der Hochaltar sind wunderhübsch.

Und dann war da ja noch die Bäckerei, die ein Kaffeehaus angeschlossen hatte. Diese mussten wir natürlich auch noch besuchen.

Bei 13 km und 511 Höhenmetern darf man schon ein bisschen was naschen – als Gehzeit waren 4,5 Stunden angegeben (was wir natürlich nicht schafften). Ehrlich, wäre der schlimme Graupelschauer nicht gewesen, der uns gehörig Tempo zulegen ließ, ich schätze, wir wären erst kurz vor der Abenddämmerung zurückgekommen. Ob die Speicherkarte der Kamera ausgereicht hätte? Wer weiß …

Neu Leonroth, Alt Leonroth und Teigitschklamm

 

Rundweg

Schritte

24.000

Dauer

5 h

 

Start:

 

Wanderparkplatz Teigitschklamm

Anfahrt: Richtung Voitsberg, direkt nach der Umfahrung Krottendorf-Gaisfeld im Kreisverkehr Ausfahrt Teigitschgraben, bei der Abzweigung Kraftwerk Arnstein gibt es einige, leider viel zu wenige Parkplätze. Man kann aber auch von der Langmannsperre (wo mehr Parkmöglichkeiten sind) in die Teigitschklamm absteigen.

Es war ein bitterkalter Jännertag und wir wollten eigentlich nur eine kurze Wanderung machen. „Die Ruine Neu-Leonroth könnten wir wieder einmal anschauen und ich hätte den Ehrgeiz, auch Alt-Leonroth zu finden“, schlug ich vor. „Kann ja nicht weit von Neu-Leonrod weg sein“, meinte ich noch. Dass das ein gewaltiger Irrtum war, wurde mir erst viel später bewusst. Doch nicht nur ich unterlag dieser Fehleinschätzung, auch Robert Baravalle, der Begründer der steirischen Burgenkunde, suchte Alt-Leonroth zuerst fälschlicherweise auf einem Felskopf unmittelbar westlich der Burg Neu-Leonroth.

Vom Wanderparkplatz Teigitschklamm folgt man vorerst einmal der Straße in Richtung Größnitzgraben. (Man könnte natürlich auch mit dem Auto die Straße weiterfahren, aber in diesem engen Tal sind Parkplätze wirklich rar.) Dieser Teil der Wanderung auf Asphalt ist der unspektakulärste Wegabschnitt. Im Größnitzgraben sieht man den ersten gelben Wanderwegweiser, der auf die Ruine Neu-Leonroth hinweist. Ein größerer Wegweiser macht auf ein Sägewerk aufmerksam. Hier biegt man links ab, über die Brücke und dann bei der Müllsammelstelle rechts hinauf in den Wald. Schon bald erreicht man die wunderbare riesengroße Ruine.

Das erste Mal hatte ich von Neu-Leonroth in einem deutschen Burgenbuch gelesen. Es gibt nur sehr wenige österreichische Wehranlagen, die es in dieses Buch geschafft haben. Daher war ich sehr neugierig gewesen, als ich im Jahre 2021 diese alte Wehranlage das erste Mal besichtigt hatte. Gregi und ich waren mehr als beeindruckt. Die Anlage musste riesengroß gewesen sein. Gewaltige Mauern sind zu sehen, aus Steinen, die nicht nur waagrecht, sondern auch schräg senkrecht angeordnet sind. Ein Weg führt durch den ehemaligen Graben – ich glaube zumindest, dass es ein Graben war. Ein gut erhaltener runder Turm, das romantische Eingangstor, ein weiteres Tor …

Bis kurz nach diesem zweiten Tor war ich 2021 gekommen, dann hatte ich ein Loch im Boden gefunden. Dazumal hatte ich umgedreht. Bei unserer letzten Jännerwanderung hätte ich mich wieder nicht weitergetraut – trotz der mächtigen Gemäuer dahinter, die wirklich verlockend aussahen. Doch bei Löchern in Böden bin ich halt mal etwas misstrauisch.

Dann kam eine Wandergruppe aus Bärnbach. Es waren sicherlich mindestens 20 Personen. Allesamt verschwanden durch das zweite Tor, um die übrigen Burgteile zu besichtigen. „Ich höre keine Hilferufe oder dergleichen“, bemerkte ich. „Sollen wir uns also auch trauen?“ Gregi fotografierte bereits die Reste des stattlichen Palais. Also machte ich mich auch daran, dieses Bauwerk aus der Gotik weiter zu erkunden. Um 1300 waren die ersten Teile von Neu-Leonroth errichtet worden, um die neue Straße, die auf die Pack führte, zu sichern. Davor hatte es eine andere Wegführung gegeben, für diese war Alt-Leonroth von den Herren von Krems errichtet worden. Ab 1196 hatte sich Otto von Krems das erste Mal auch „von Levenrode“ genannt.

Zurück zu unserer Wanderung. Wir konnten die Burg sicher durchschreiten, dann kamen wir in einen wunderlichen Gang oder Graben. „Das muss die Stelle gewesen sein, wo das Baumaterial abgebaut wurde“, schloss ich. Über diesen Ganggraben betraten wir eine hübsche Wiese und dann ging es bergauf, immer den gelben Wegweisern „Alt-Leonroth“ nach. Wir näherten uns der Kuppe des Berges, Gregi merkte an, dass diese Kuppe eindeutig von Menschen bearbeitet und terrassiert worden war – wir wähnten uns unserem Ziel „Alt-Leonroth“ nahe. Dann die bittere Erkenntnis: nix da. Wir mussten links abbiegen, hinein in einen Wald – es ging bergab, wir hörten einen Bach rauschen. „Laut Wegweiser müssen wir über den Bach springen“, stellte ich entgeistert fest. „Und das ist kein kleines Rinnsal, sondern ein breiter Bach, wo wir über vereiste, glatte Steine steigen müssen.“ „Er ist aber nicht tief“, meinte Gregi gelassen und war mit seinen langen Beinen bereits auf der anderen Seite. Ich komme leider eher nach den Hobbits – also kurze Haxen und nicht unbedingt gämsengleich. An einem eisigen Jännertag einen Wildbach zu queren ist da schon eher purer Leichtsinn. Als ich endlich meine Todesangst überwunden und ebenfalls das andere Ufer erreicht hatte, wusste ich genau: Egal, wie lange die Wanderung noch dauern würde, zurückgehen war ausgeschlossen. Berg rauf … wieder bergab … wieder bergauf. „Siehst du schon eine Ruine?“, wollte Gregi wissen. „Ne“, antwortete ich. „Da gibt es einen Wegweiser – Teigitschklamm.“ „Rauf geht es zur Ruine“, meinte Gregi und wir stiegen bergan. „Wo rohe Kräfte sinnlos walten“, zitierte ich, als ich die Riesenbaustelle sah. Eine Forststraße wurde rund um die Ruine Alt-Leonroth errichtet. Ein riesiger Stapel Holzblöcke lag im Halsgraben – ein Zugang zur Kuppe, auf dem sich die spärlichen Mauerreste befanden, war nur sehr erschwert möglich. Dieser Platz lud eindeutig nicht zum Verweilen und Schauen ein. Also kehrten wir um und folgten dem Wanderweg, der uns zum unteren Ende der Teigitschklamm führte.

Die Teigitschklamm ist ein kleines Paradies. Wir waren sie einmal im Sommer durchwandert, ganz hinauf bis zur Langmannsperre. Die Teigitsch ist 42 km lang und durchfließt zwei Stauseen. Die Hierzmannsperre und die Langmannsperre. Bei unserer Jännerwanderung sahen wir nur ein kleines Stückchen der Klamm – dieses war allerdings extrem pittoresk. Steine, Eis, Holz, Schotter, Eiszapfen. Wunderbar. Die ersten Häuser waren erreicht, wir folgten der Teigitsch weiter bis zum Kraftwerk Arnstein. Wie ein französischer Edelsitz sieht das Kraftwerksgebäude aus. Anno 1922 wurde der Bau des Kraftwerks begonnen, 1925 wurde es eröffnet. Es war das größte Wasserkraftwerk in der Steiermark. Auch heute leistet es noch gute Dienste. Man benötigt nur wenige Minuten, um hier schnell Strom zu erzeugen, es deckt den Spitzenstrombedarf und verhindert damit Netzzusammenbrüche.

Zurück zum Auto überlegten wir uns, wo wir einkehren könnten. Die Gegend hier ist recht einsam – ein Gasthaus hatte ich nicht gesehen. Allerdings braucht man nur über einen Hügel fahren und schon ist man in Voitsberg. Dort gibt es kein Problem, einen geöffneten Gastronomiebetrieb zu finden.

„ERLebenspfad Oberlamm“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

9,5 km

164 HM

2:35 h

Start:

Unterlamm Dorf

   

„Unterlamm ist die Heimat des Osterhasen“, behaupte ich. Wie ich auf diese Idee komme? Wir haben es gesehen und erlebt. Am Ostermontag (der Himmel war stark eingetrübt durch den Saharastaub) machten wir eine Wanderung im besagten Ort. Wir parkten vor dem Haus der Jugend und marschierten in Richtung Oberlamm. Kaum hatten wir den Ort verlassen, entdeckten wir ganz muntere gelbe Gesellen. Fröhlich hüpften sie in der Wiese herum, die Augen leuchteten förmlich – unsere auch. Goldammer sind selten – und hier gab es gleich mehrere! Es hätte einen Beobachtungsstand gegeben, doch direkt vom Weg aus konnten wir sie besser fotografieren.

Das nächste Highlight der Wanderung wartete in Oberlamm auf uns. Eine 300 Jahre alte Schwarzpappel. Sie sollte die mächtigste Schwarzpappel in Österreich sein. Normalerweise werden diese Pappeln nur 100 Jahre alt, doch offensichtlich steht dieser Baum an einem ganz besonderen Ort und die Oberlammer lassen sich nicht lumpen und haben einen Baumchirurgen engagiert, um diesem einzigartigen „Methusalem“ noch ein langes Leben zu ermöglichen. Zudem haben sie viele Stecklinge/Klone von diesem Baum gesetzt. Für die nächste Generation von hoffentlich auch so gesunden Schwarzpappeln wurde also gesorgt.

Vorbei ging es an echten Schlüsselblumen, echte Freilandhühner scharrten neben der Gemeindestraße im Straßengraben, dann kam der Anstieg zur Josefskapelle. Hier kamen wir einfach nicht weiter, was weniger am steilen Weg als vielmehr an den märchenhaften Fotomotiven lag. Blühende alte Obstbäume – eine Streuobstwiese, die ihresgleichen sucht. Alte Apfelsorten sollten hier wachsen sowie Kirschen und Walnüsse. Dazwischen ein idyllisches Kellerstöckel. Wir entdeckten Wildbienen – auch die Grillen schienen sich hier richtig wohlzufühlen. Die Josefskapelle war erst 2010 gebaut worden und passt wunderbar in die Landschaft. Freundlich wirkt sie mit ihren zwei Türmen. Wir saßen eine Weile neben der Kapelle und sahen hinunter ins Tal. Der Himmel hatte eine gelbliche Färbung vom Saharastaub und der Wind wurde immer stärker.

Am Ostermontag brachen wir die Wanderung ab, als der Wanderweg schließlich in den Wald abbog. Die Windböen waren inzwischen so stark, dass wir nicht riskieren wollten, durch den Wald zu gehen. „Zurück gehen wir auf der Gemeindestraße, sicher ist sicher“, entschlossen wir. Und das war auch gut so. Auf diese Weise sahen wir noch einen Mittelspecht sowie einen Aurorafalter. Von der Gemeindestraße aus. Die Natur in Unterlamm scheint echt noch intakt zu sein.

Auf der Suche nach einem geöffneten Lokal kamen wir am Gemeindeamt vorbei – und jetzt sah ich ihn, den Osterhasen. Er stieg gerade aus dem Auto aus, den großen Plüschkopf im Arm. Das war unser erstes Hasenerlebnis. Im Gasthaus rätselten die Kellnerinnen sowie die heimischen Gäste, wer in diesem Jahr den Osterhasen für die Kinder gab. „Betreutes Trinken“, versprach das Schild beim Eingang des Gastronomiebetriebs. Hier trafen sich die Nachbarn und tauschten sich aus.

Eine Woche später wollten wir nun den Rest der Wanderroute erkunden. Wir parkten gleich bei der Josefskapelle, gingen kurz die Asphaltstraße entlang und bogen dann in den hübschen Buchenwald ein. Und wir wussten gleich gar nicht, wohin wir sehen sollten. Auf dem Baum gab es einen Baumläufer, auch ein Buntspecht hämmerte fröhlich. Am Boden wuchsen Waldmeister, Lungenkraut und Milzkraut … und dann flatterten noch überall Schmetterlinge!!! Was für eine Freude! Auf einige Bäume waren rote Pfeile gesprüht, die wir nicht näher beachteten. Und so kam es, dass wir unseren Wanderweg verloren. Als wir auf der schmalen Gemeindestraße landeten, besahen wir die Wanderkarte. „Wir sind falsch“, bemerkte ich. „Nein, da vorne, da müssen wir runter“, behauptete Gregi. Also gingen wir „dort hinunter“, marschierten durch einen herrlichen Wald. „Wo weiter?“, erkundigte ich mich und überlegte, welchen der drei Wege ohne Markierung wir nun nehmen sollten. Weiter runter, sagte Gregi unbeirrt und blieb schon wieder einmal zurück, weil er einen Schmetterling entdeckt hatte. Einen Kleinen Feuerfalter. Wäre er mit mir gegangen, hätte er den echten Osterhasen gesehen. Er hoppelte einen Waldweg entlang und verschwand binnen kürzester Zeit.

Schließlich kamen wir am Talgrund an, der Lehensbach floss neben uns und ich bemerkte: „Wir sind falsch, wir müssten eigentlich auf der anderen Seite des Baches gehen. Am besten, wir folgen dem Bach in Fließrichtung.“ Also schritten wir die Forststraße entlang … und sahen ihn wieder, den Osterhasen. Diesmal schlug er Haken, als er uns bemerkte, und verschwand wieder. Wir blickten ihm nach und erschraken ganz ordentlich, als plötzlich ganz in unserer Nähe der nächste Hase hochsprang und den Hügel hinauflief. „Wir sind im Osterhasenland!“

Einige Meter weiter entdeckten wir endlich unsere Wandermarkierung sowie die Infotafel „Ursprung des Lehensbaches“. Wir wechselten nun auch ganz brav die Bachseite, bewunderten den „Hallen-Buchenwald“. 30 bis 35 Meter sollten die Buchen hier hoch sein und im Sommer für eine dichte Beschattung sorgen. Hier fühlt sich der Feuersalamander wohl und auch die Riesenquelljungfer. Nein, das ist jetzt keine Sagenfigur, sondern eine seltene Libellenart. Sie gehört zu den größten Libellen, die in Österreich leben. Man nimmt an, dass die Entwicklung bis zu fünf Jahre dauert, bis die Libelle flugfähig ist.

Wieder ging es bergauf und Gregi war plötzlich außer sich. „Ich höre einen Wiedehopf“, meinte er begeistert, als wir den Hohlweg hinauf zum Grad des Hügels stiegen. Sehen konnten wir diesen seltenen und besonders hübschen Vogel leider nicht, dafür entdeckten wir eine Blindschleiche, die uns misstrauisch beäugte. „Vor uns musst du keine Angst haben – eher schon vor den Hühnern, die da vorne im Wald scharren“, erklärte ich dem Reptil. Im Osterhasenland gibt es offensichtlich ganz besonders viele Freilandhennen.

Wären wir am späten Nachmittag unterwegs gewesen, besser gesagt ab 16.00 Uhr, hätten wir beim Buschenschank Hartinger einkehren können. So wanderten wir an hübschen Häusern und prächtig blühenden uralten Obstbäumen weiter zur Wiedehopfwiese. Leider keine Sichtung. Dafür entdeckte Gregi den kleinsten Tagfalter Österreichs, den Zwergbläuling.

Den nächsten Wegabschnitt kannten wir schon: Oberlamm (die echten Schlüsselblumen waren inzwischen verblüht – dafür scharrten die Hennen noch immer ganz eifrig am Straßenrand). Die Kapellenwiese hinauf (noch mehr weiße Blüten auf den Obstbäumen als in der Vorwoche) – wir beeilten uns nicht, zu schön war es hier, und um 14.00 Uhr würde das Bauernhofcafé Friedl öffnen. Wir hofften auf einen guten, selbst gemachten Kuchen. Wir waren pünktlich um 14.00 Uhr vor dem Bauernhofcafé, dieses sperrte leider nicht auf. Also kein Kuchen. Schade. Aber was solls, alles kann man nun mal nicht haben. Und dieser Tag war dermaßen traumhaft … da darf man dann nicht jammern, wenn man keine süße Belohnung bekommt.

„Keltenweg“ – Ligist

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Keltenweg kurz

Vogelstimmenweg

5,3 km

1,82 km

193 HM

30 HM

2 h

1 h

Start:

Ligist

Zentrum  

Der Name „Keltenweg“ klingt fast wie eine Verheißung. Dieses geheimnisvolle Volk, das für seine Kunstfertigkeit bekannt ist, fasziniert uns zu Recht. Der irische Tourismus wirbt ganz stolz mit dem keltischen Erbe der Insel. Doch auch bei uns waren diese findigen Menschen beheimatet. An einem goldenen Septembertag machten Gregi und ich uns auf den Weg, um einen Siedlungsplatz der Kelten zu besuchen.

Ligist ist ein alter Ort, seit 1464 besitzt er Marktrecht. Enge Straßen führen ins Zentrum, das mit einladender Gastronomie lockt. Im Gastgarten des Gasthauses Gangl hatten wir schon bei einer früheren Wanderung gesessen und sehr gut gespeist. Gegenüber liegt das Restaurant Wörgötter, das mit einer Haube ausgezeichnet und mit 14 Punkten im Gault&Millau bewertet ist. Doch nicht nur die Gastronomie bereichert den Hauptplatz; der kunstvoll gefertigte Brunnen kann sich ebenfalls sehen lassen. Überhaupt: Im Ort Ligist findet man immer wieder beeindruckende Steinskulpturen. Als wir am Sonntagmorgen ankamen, feierten hübsch in Trachten gekleidete Leute am Hauptplatz bei einem Glas Wein. Ligist ist das Tor zur Schilcherstraße.

Dem Weg Nr. 11 wollten wir folgen – hinauf zu den Kelten. Weit kamen wir jedoch nicht. Schon beim „Eckwirt“ kamen wir auf Abwege. „Vogelstimmenweg“, sagte Gregi begeistert und zeigte auf ein Wanderschild. „Schlosswald“, las ich mit leuchtenden Augen, und schon waren der Wanderweg Nr. 11 und die Kelten vorläufig vergessen. Der Weg hinauf zur Burgruine Ligist ist nicht anstrengend und richtig idyllisch. Die Aussicht auf den Ort ist wunderbar, rundum sind Hügel und Berge. Diese mussten überquert werden, um ins Aichfeld, nach Judenburg oder auch nach Kärnten zu gelangen. Und deswegen steht die Burg auch an dieser Stelle. „Dorf Lubgast“ war ein Zufahrtsort zum Herzogberg. Über ihn ging es dann weiter über die Pack. Wein, Getreide, Salz und Eisen sollten transportiert worden sein.

Wir transportierten nur unsere Rucksäcke sowie unsere Kameras, die nun zum Einsatz kamen. Wilder Salbei, Efeu (der Teile der Burgruine überwuchert hatte und bei den Bienen äußerst beliebt war), im Burggraben flatterten Schmetterlinge … einfach herrlich. Über die steinerne Bogenbrücke (die bis ins 17. Jahrhundert noch eine Zugbrücke war) gelangten wir in den Burghof. Der Bergfried war einst fünf Stockwerke hoch – den untersten Raum darf man betreten. Früher war der Eingang des Bergfrieds im ersten Stock. Alt ist sie, die Burg. Sie wurde im 12. Jahrhundert von den Wildoniern errichtet. Doch war sie als Ersatzburg gedacht für die noch viel ältere Dietenburg, die zu den ältesten Burgen der Steiermark zählte. 1066 wurde die karolingisch-ottonische Mittelpunktsburg bereits urkundlich erwähnt. Und die Dietenburg stand natürlich auf dem Dietenberg, den wir ja ursprünglich besuchen wollten.

Also verließen wir die Burgruine Ligist wieder, umrundeten sie noch einmal, stiegen dann ab zum Schloss Ligist (ebenso wie die Burgruine im Besitz des Malteser Ordens), marschierten bei einem verwunschen wirkenden, vom wilden Wein umwucherten Haus vorbei (ehemaliger Weinkeller) und weiter bis zur Bundesstraße. Hier hielten wir uns rechts, kamen bei der Leitinger Mühle vorbei, betrachteten ein besonders schönes Marterl und querten dann die Bundesstraße auf Höhe der Feuerwehr.

Bei dieser Kreuzung ist ein riesiger hölzerner Hammer zu sehen, der daran erinnern soll, dass am Ligistbach einst fünf Hammerwerke standen und für den Wohlstand des Ortes sorgten. Anker, Achsen, Pflüge, Krampen, Schaufeln, Hauen, Hacken, Hufeisen, Pfannen, Sensen, Nägel. Geräte für harte Ackerarbeit – hart war die Arbeit bei den Hammerwerken sicherlich auch.

Wir überquerten eine Brücke und bogen sofort links ab. An einem Hundeabrichteplatz vorbei, ging es dann in den Wald. Steil führte der Steg bergauf. Als wir den Wald verließen, sahen wir die nächste Ruine. Diesmal war es kein Schloss, sondern ein verlassenes Wohnhaus. Als Kontrast dazu war etwas weiter oben ein hypermodernes, riesiges Anwesen errichtet worden. Eine traumhaft schöne Wiese mit Flockenblumen ließ uns wieder die Kameras zücken, dann ging es steil weiter die Asphaltstraße bergauf. Ein Wegweiser (der für uns nicht ganz eindeutig war) und ein Bankerl. Wir entschieden, dass der Wanderweg sicherlich in Richtung Bankerl führen würde (falsch). Wären wir links über den Weinberg gegangen, hätten wir die richtige Route erwischt. Aber ganz schlimm war dieser Irrtum auch nicht, wir erreichten unser Ziel auch so – halt nur von der anderen Seite.

Auf dem Dietenberg gibt es einen erstklassigen Buschenschank. Kremser heißt er. Und da der Kremser erst um 14.00 Uhr öffnete, entschlossen wir uns, zuerst noch das Siedlungsgebiet aus der Urnenfelderzeit sowie der La-Tène-Zeit zu besichtigen. Endlich würden wir die Überreste der keltischen Siedlung sehen. In den Siebzigerjahren gab es auf dem Dietenberg Ausgrabungsarbeiten. Siedlungsspuren bis ins 4. Jahrtausend vor Christus konnten nachgewiesen werden. Um ehrlich zu sein … man sieht gar nichts mehr. Die einzige Enttäuschung auf der ansonsten so wunderbaren Wanderung. Auch von der legendären Dietenburg konnten wir keine Überreste entdecken. Wo einst die Burg und die Kreidfeuerstelle waren, gibt es jetzt einen Hochbehälter des Wasserverbands Söding-Lieboch.

Andererseits hatten wir Glück, dass wir nicht zu viel Zeit bei der Ausgrabungsstätte vergeudeten. So kamen wir um 13.45 Uhr beim Buschenschank Kremser an (der eigentlich erst um 14.00 Uhr öffnete) und staunten nicht schlecht. Eine Viertelstunde vor der offiziellen Öffnungszeit waren die Bänke im Gastgarten schon ordentlich belegt. Wir hatten noch das Glück, uns ein angenehmes Plätzchen zu ergattern. Personen, die nur fünf Minuten nach uns eintrafen, mussten schon im Haus Platz nehmen. Nachdem wir bei allerfeinsten Panoramablick vorzüglich gespeist hatten, verstanden wir auch, wieso dieser Buschenschank so beliebt war.

Satt waren wir, warm war es … und wir waren etwas müde. Die große Keltenrunde, beschlossen wir, würden wir ein andermal gehen. Wir waren ja eh schon fleißig gewesen und hatten sogar einen Abstecher zur Burgruine gemacht … also trabten wir gemütlich die Asphaltstraße nach unten, immer den Blick auf den Ort Ligist gerichtet.

Bis zum Ersten Weltkrieg war Ligist ein beliebter Badeort. Und wie es scheint, kein ganz unbedeutender. Gäste aus der ganzen Monarchie, aus Italien und sogar aus dem fernen Russland waren zu Gast in der „Fichtenloh Warm- und Kaltwasseranstalt Ligist“. Es ist schon erstaunlich, was Ligist alles zu bieten hatte.

Vor der Heimfahrt wollten wir uns noch einen Kaffee genehmigen … doch leider hatten die Gasthäuser am Hauptplatz schon geschlossen.

Der Eckwirt, der direkt unter der Burgruine einen tollen Gastgarten hat, hatte noch offen. Die Gastwirtin ist eine freundliche Frau, liebt ihren Gastgarten und hat ihn richtig lieblich gestaltet. Unter einem schattigen Baum genossen wir den Kaffee und ließen den wunderbaren Tag Revue passieren.