Arzberg Montanlehrpfad

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

5 km

170 HM

1:30 h

       

Diesmal stelle ich eine Wanderung vor, die man auch an einem heißen Sommertag gut bewältigen kann: den Montanlehrpfad von Arzberg.

Arzberg ist ein kleiner, beschaulicher Ort am „oberen Ende“ der einzigartigen Raabklamm. Diese ist die längste Klamm Österreichs und als Ausflugsziel weithin bekannt. Wir wollten uns jedoch einen weniger prominenten Wanderweg ansehen – den Montanlehrpfad. Schon vorweg: Wir waren begeistert.

Das Dörfchen Arzberg besteht aus Kirche, Gasthaus, Fußballplatz, einem aufgelassenen Gasthaus, Gemeinde, Schule und Kindergarten, einem Friedhof und einigen Wohnhäusern. Ich glaube, damit habe ich alles aufgezählt. Früher sah es hier wohl etwas anders aus.

Im Bergwerk arbeiteten zu dessen Blütezeit im 18. Jahrhundert rund 130 Knappen. In den Stollen fand man silberhaltige Bleierze und Zinn. Doch nicht nur der Bergbau beschäftigte gut spezialisierte Arbeiter – im 19. Jahrhundert gab es hier etwa 40 Sensenschmiede. Die Arzberger Klingen sollen so hervorragend gewesen sein, dass sie sogar bis ins ferne Russland verkauft wurden.

Die jahrhundertealte Bergbautradition endete schließlich in den 1920er-Jahren. Bei der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1242 wurde der Ort „Aerzeperch“ genannt – schon damals wusste man, welche Schätze im Berg schlummerten.
Es gibt Annahmen, dass bereits Römer oder Slawen von den regionalen Bodenschätzen Kenntnis hatten. Gesichert ist, dass unter den Herren von Stubenberg seit dem Ende des 15. Jahrhunderts geschürft wurde.

Die Stubenberger waren es auch, die in der Nähe des Ortes die Burg Stubegg errichten ließen (erstmals erwähnt 1383 als „vest Stubekk“). Sie wurde zur Sicherung der Raabklamm erbaut. Ich vermute jedoch, dass auch das Erzvorkommen dazu motivierte, an dieser Stelle eine Festung zu errichten.

Zur Wanderung

Vom Wanderparkplatz aus querten wir eine blumengeschmückte Brücke. Rechts marschierten wir entlang eines hübschen Bachs mit kristallklarem Wasser. Gut – streng genommen war es kein Bach, sondern die junge Raab. Tafeln zeigten an, wo sich früher Stollen befanden. Die nächste Station war das alte Knappenhaus. Hier findet man heute einen wahren Goldschatz: den Stollenkäse aus dem Almenland, der regelmäßig Medaillen beim World Championship Cheese Contest abräumt. Führungen und Verkostungen sind möglich.
Nähere Infos: office@stollenkaese.at

Wir folgten der schmalen Asphaltstraße entlang der Raab weiter. Gregi hatte nur noch Augen für die hübschen weiß-orangefarbenen Apollofalter und übersah dabei den geschichtsträchtigen Pulverturm. Ein wunderbarer „Lost Place“ erwartete uns anschließend: die ehemalige Erzaufbereitungsanlage. Sie ist beeindruckend groß, und auf dem Turm sind noch die Initialen „HB“ (Haufenreither Bergbau) zu erkennen. Hier wurde das Gestein sortiert; das taube Material brachte man mit einer Feldbahn zu den Halden.

Beim Grillwirt macht der Wanderweg einen spitzen Haken, und es geht hinter den Knappenhäusern in den Wald und den Berg hinauf. Hier erfuhren wir, dass das Erz im Grün- oder Schwarzschiefer zu finden ist – jedoch nicht im Schöckelkalk. Wir suchten nicht nach Erzen, sondern bewunderten die Pflanzenvielfalt am Weg: Wald-Geißbart, Mandelblättrige Wolfsmilch, Himbeeren, Akelei, Teufelskralle und eine gelbe Distel, die Gregi später als „Klebkratzdistel“ identifizierte.

Jetzt muss ich ehrlich gestehen: Gregi ist derjenige von uns, der Pflanzen benennen kann. Wenn ich auf eine Blüte zeige und sage: „Schau, was für eine schöne Blume“, merkt man sofort, dass ich keine ernst zu nehmende Botanikerin bin.

Zwischendurch durchschritten wir grüne, schattige Tunnel, die traumhaft nach Holunder dufteten. Dass wir auf einem „alten Weg“ unterwegs waren, den schon die Bergmänner benutzt hatten, erkannten wir an den Spurrinnen, die sich tief in den Schöckelkalk eingegraben haben.

Bei einem heimeligen alten Bauernhaus verließen wir den Waldweg, gingen bis zur Asphaltstraße und bogen dort im spitzen Winkel in eine Wiese ab, um bald wieder in den Wald einzutauchen. Zwischendurch bot sich ein schöner Blick auf Fladnitz und die Teichalpe.

Über uns müssten eigentlich die Gösser-Wände liegen, in denen sich nach alter Sage die „Silbernen Buben“ aufgehalten haben sollen. Ob es sich dabei um Zwerge oder Kobolde handelt, kann ich nicht sagen – vermutlich könnte das nur „Jakob“ beantworten. Er war ein armer Knabe, der diese Sagengestalten nachts bei Mondschein beobachtet haben soll.
Auf einer Lichtung hätten sie Erz gefördert und dabei trotz harter Arbeit noch genug Energie gehabt, um herumzutänzeln und sich gegenseitig mit Steinen zu bewerfen. Jakob suchte daraufhin an dieser Stelle nach Erz und wurde so reich, dass er – fromm wie er war – die Kirche von Arzberg bauen ließ.

Die Kirche von Arzberg ist dem heiligen Jakob dem Älteren geweiht, dem Schutzpatron der Pilger. Wie es sich für ein Gotteshaus eines Bergwerksortes gehört, ist sie in Grau gehalten. Erbaut wurde sie 1789; eine ältere, baufällige Kirche war zuvor abgetragen worden. Noch jünger ist ein wunderbarer Platz oberhalb des Friedhofs: eine hübsche Wiese mit einem schlanken, modernen Kreuz und einem Altar aus Metall – ein guter Ort zum Innehalten.

Zurück im Ort kann man unter der Friedhofsmauer verschiedene Gesteinsbrocken aus steirischen Steinbrüchen betrachten. Hier befindet sich auch der Kirchenwirt, bei dem wir gerne einkehrten. Beim Reingehen sah ich es sofort: ein Backblech mit einem riesigen, herrlich duftenden Apfelstrudel.
Er sei gerade frisch aus dem Ofen gekommen, erklärte uns die nette Seniorchefin. Der Strudel stamme aus ihrer eigenen Küche. Das war der Moment, in dem ich beschloss, keine Speisekarte mehr zu studieren – ich wusste genau, was ich essen wollte.

Das Gasthaus verfügt über einen Balkon mit Blick auf den Fußballplatz. Dort genoss ich meinen Apfelstrudel mit Kaffee. Besänftigt von dieser Köstlichkeit beobachtete ich sogar ohne Murren ein Fußballmatch, das auf dem angrenzenden Sportplatz ausgetragen wurde. Spielenden Kindern zuzusehen ist ja auch fein – ganz anders als lärmende Fernsehübertragungen.
Endergebnis: 2 : 2

Arzberg kann außerdem mit einem Schaubergwerk und einem Heimatmuseum aufwarten.
Infos: www.arzberg.at
(Abenteuerführungen und Schatzsuchen für Kinder sind ebenfalls möglich.)

Arzberg – so klein es auch scheinen mag – hat unglaublich viel zu bieten: preisgekrönten Stollenkäse, Schaubergwerk, Museum, Gastronomie, eine sportbegeisterte Jugend, das Naturjuwel Raabklamm sowie den wirklich interessanten Montanlehrpfad. Wir haben Blumen entdeckt, die wir zuvor noch nie gesehen hatten, und der Apollofalter ist ebenfalls keine alltägliche Erscheinung.
Diese Wanderung kann ich mit allerbestem Gewissen weiterempfehlen.

 

„Rundweg über Schloss Wildbach – F3“ – Deutschlandsberg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

10,3 km

193 HM

3:30 h

Start:

Deutschlandsberg

Koralmstadion Deutschlands-berg  

Erzherzog Johann nannte einst das Gebiet um Deutschlandsberg „das Paradies der Steiermark“. Er hatte nicht ganz unrecht, immer wieder zieht es uns beim Wandern in diese Region. Sie ist wirklich ganz besonders, mit den Weingärten und den Bergen richtig lieblich.

Wir starteten diese Wanderung beim Deutschlandsberger Stadion (Koralmstadion), gleich war auch der Wegweiser F3 gefunden. Die Markierung des Weges ist übrigens vorbildlich. Wir verliefen uns bloß ein Mal, und das auch nur, weil ich mich zu sehr mit einer Katze beschäftigt hatte. 

Warum heißt eigentlich Deutschlandsberg so, wie es heißt? Ursprünglich hieß es „Lonsperch“. „Lons“ kam von der Laßnitz, „perch“ hieß Berg. Das „Deutsch“ kam zu Landsberg, als es dem Kreisamt von Marburg zugeteilt wurde. Und da gab es noch ein Landsberg – ein slowenisches. Daher gibt es jetzt ein Windisch Landsberg und ein Deutschlandsberg. Interessant! Doch eigentlich wollten wir ja wandern.

Also, zuerst mal die Norbert-Ehrlich-Siedlung entlang, bei der Kreuzung halb rechts, und schon erreichten wir den ersten Wald. Schön war es hier, viele alte Buchen, viele Laubhüttchen (von Kindern erbaut) und auch viele Katzen, was leider mein Verhängnis war. Statt direkt vor der Siedlung den Waldrand rechts hinunterzugehen, marschierte ich natürlich mit schwerem Rucksack die ganze Häuserreihe entlang. Also zurück zum Waldrand, kurz bergab, dann wieder bergauf, auf ein wunderbares Bauernhaus zu – dunkles Holz mit rot eingerahmten Fenstern. Die Fenster des Holzhauses waren klein, doch eines war noch viel, viel kleiner. Ein Arme-Seelen-Loch vielleicht? Davon hatte ich bei Karl Lukan schon gelesen. Die Seelen von Verstorbenen sollten durch diese kleine Luke ins Freie können, wenn ich mich noch recht erinnere.

Kurz wanderten wir eine Asphaltstraße entlang und dann wieder durch einen wunderbaren Laubwald, bis wir zu einer Wanderweggabelung kamen – „F3“ laut Karte und „F3 mit Weg 506“. Hier rechts abbiegen, raus aus dem Wald, die Wiese runter. Geipersdorf ist ein beschaulicher, ruhiger Ort mit sehr, sehr fleißigen Senioren. Ein betagter Herr stand auf einer Leiter und reparierte sein Dach. Beim nächsten Bauernhof gab es auch viele Aktivitäten. Die Hühner kletterten begeistert auf einem offensichtlich halbierten Misthaufen herum. Die andere Hälfte des Dungs wurde soeben auf einem Feld verteilt. Eine nette alte Frau erzählte uns ganz liebevoll von ihrem schönen Federvieh. Richtig glückliche Hühner seien sie, stellten wir fest. Das seien sie nicht immer gewesen, erklärte die Seniorbäuerin. „Die haben wir aus einem großen Mastbetrieb, arm und schirch waren sie. Hat lange gedauert, bis sie sich erholt haben.“

Wir wünschten dieser herzlichen Frau und ihren Hühnern alles Gute und marschierten weiter, neben Rübenfeldern vorbei, auf das Dorf Wildbach zu. Rechter Hand sahen wir einen Weinberg neben dem anderen. Wir waren im Dorf Wildbach angekommen, der Heimat des Schilchers – so glaubten Gregi und ich jedenfalls –, dieses herben hellrosa Weins, gekeltert aus der Wildbacher Traube. Eine Sorte, der nicht mal die Reblaus (aufgetreten 1880) etwas anhaben konnte. Eine besondere Traube – sie stammte angeblich auch nicht von den Römern, sondern von den Kelten.

Doch nicht nur Trauben sahen wir, sondern auch einen Nussbaum. Und auf diesem saß – was für eine Freude für uns Vogelliebhaber! – ein wunderschöner Eichelhäher. Neugierig spähte er ins Gras unter ihm, Ausschau haltend nach Essbarem. Fotosession der feinsten Art. Gregi und ich waren überglücklich, dem Vogel war es egal. Er ließ sich nicht stören. Er vermutete hier Walnüsse – der Baum mit seinen Früchten war vermutlich gleichzusetzen mit einem Haubenlokal. Wir hatten unsere Fotos, also ging es weiter.

Auf einer kleinen Anhöhe im Ort Wildbach steht ein bauliches Juwel, das Schloss. Ursprünglich hatte es hier einen Ansitz aus dem 14. Jahrhundert gegeben, der mit Mauer und Graben gesichert war. 1534 bis 1540 war dann ein Neubau mit vier Ecktürmen entstanden, 1730 war es umgestaltet worden. Seitdem ist die Fassade mit barocken Stuckaturen versehen. Auf einer Tafel lasen wir, dass Schubert 1827 drei Tage zu Gast gewesen war. Er hatte sich sicherlich auch den Bach unweit des Schlosses angesehen – den Wildbach. Er war namensgebend für den Ort, das Schloss und die Traube. Wir begutachteten diesen Bach auch, friedlich plätscherte er dahin. Sein klares Wasser war gar nicht wild.

Wir querten die Straße und lasen ein Schild: Buschenschank Orsl. Wir stellten fest: Es gibt ihn doch, den pawlowschen Effekt bei Menschen – jedenfalls bei uns. Ein Schild mit Aufschrift „Buschenschank“ verheißt ja Futter. Blöd nur, dass diese Buschenschank sonntags geschlossen hat.

Mit knurrenden Mägen wanderten wir weiter, rauf zum Wald, über eine Schafweide, kurz die Straße runter, dann die nächste Wiese hinauf, an einer Ölmühle vorbei, wieder bergab und zurück nach Geipersdorf. Hier mussten wir rechts abbiegen, in Richtung einer Teichanlage. Wir sahen den Hügel hinauf und entdeckten einen monströsen Riesenkürbis, der quasi über der Wiese schwebte. Wie war das mit dem Zweitaktgemisch der Steirer? „Kürbiskernöl und Schilcher.“ (Reinhard P. Gruber)

Wir wanderten durch den Wald mit seinem Raschellaub, kamen wieder zu der Wanderwegkreuzung mit den verwirrenden Schildern, nun ging es allerdings bergauf. Ein wunderbarer Weg. Farne in Grün, Farne in Gelb und Farne in Braun. Das gelbe Laub leuchtete in der Sonne und schon befanden wir uns wieder im Stadtgebiet von Deutschlandsberg. Wir sahen entzückt in die Stadt hinab, blinzelten gegen die Sonne, um das Wolfgangikircherl zu sehen, und bemerkten mit Begeisterung ein gut besuchtes Gasthaus. Wir studierten die ausgehängte Speisekarte und ich fand kein einziges vegetarisches Gericht. Ernsthaft? Also runter in die Stadt! Die letzten Meter der Wegführung gefielen uns besonders – treppab ging es in Richtung Stadion zurück. In der Innenstadt kehrten wir dann ins Restaurant Mediterran ein. Hier gab es Pizzen (so groß, dass sie über den Tellerrand hingen), Pastas und griechische Spezialitäten – alles zu sehr moderaten Preisen. Da können wir wieder mal einkehren. 

 

„Festungsweg“ – Fürstenfeld

 

 

Distanz

Stationen

Schwierigkeit

Rundweg

3,5 km

13

leicht

Start:

Fürstenfeld

Pfeilburg  

Von einer Fürstenfelder Wanderung habe ich schon einmal berichtet: „Sagenpfad und Motorikpark in Fürstenfeld“. Dazumal habe ich angekündigt, dass wir auch den Festungsweg beschreiben werden. Und dieses Versprechen löse ich jetzt ein.

Wir waren wieder einmal in der „Advent(markt)zeit“ unterwegs. Geparkt hatten wir wieder in der Nähe des Freibads, und über die steile Treppe und durch den Friedhof sind wir dann zur Altstadt marschiert. Der Festungsweg beginnt bei der Pfeilburg. Dort liegt auch ein Folder mit Informationen über diesen Stadtspaziergang auf. Auf dem Folder ist der Plan abgedruckt und eine zarte schwarze, strichlierte, sehr unscheinbare Linie zeigt, wie man gehen sollte. Ich bin leider manchmal etwas begriffsstutzig… Bei unserem Ausflug bin ich erst auf Höhe der Ungarbastei draufgekommen, dass es diese tolle schwarzstrichlierte Linie gibt, die den Weg anzeigt. Als ich das endlich begriffen hatte, fanden wir die restlichen Stationen des Lehrpfades wesentlich leichter. Denn mit meinen geliebten, gelben Wanderwegweisern kann diese Wanderung nicht aufwarten. Hin und wieder sieht man auf dem Weg das achtspitzige Kreuz des Johanniterordens, doch mit diesen Markierungen allein hätten wir die Route nie und nimmer gefunden.

Aber zurück zur Pfeilburg. Fürstenfeld hatte früher mehrere Burgen. Die älteste war das Schloss am Stein, das wir später noch sehen würden. Doch auch die Pfeilburg hat sehr alte Bauteile zu bieten. In ihr soll noch ein Wohnturm, welcher Bestandteil der mittelalterlichen Stadtmauer war, stecken. Schwarzturm heißt dieser mittelalterliche Wohnturm und hat seinen Namen entweder davon, dass er ausgebrannt und daher schwarz war, oder weil man in ihm einmal Schwarzpulver lagerte. Die Pfeilburg ist wunderbar renoviert, präsentiert sich im dunklen Anthrazit und beherbergt Museumsräumlichkeiten. Das Tabakmuseum (in der Pfeilburg war im 17. Jahrhundert eine Tabakfabrik) sowie das Kruzitürkenmuseum. Und da wir nun schon bei den Kuruzzen und den Türken sind … wir wollten ja dem Festungsweg folgen.

Wir durchquerten den Durchgang der Pfeilburg mit seinen Schaustücken und stiegen die Treppen hinauf zum „Kavalier“. Der Kavalier ist ein hoch aufgeschütteter Erdhaufen hinter der Pfeilburg, alte Obstbäume wuchsen auf ihm, und hier leben die mit Abstand fettesten Spatzen, die ich je gesehen habe. Von hier aus sieht man in den Festungsgraben, der heute sinnvoll als Spielplatz benutzt wird. Eine lange und tolle Rutsche schlängelt sich über den Hang des Kavaliers in den Graben.

Wir studierten die Schautafeln des Lehrweges und wurden – ehrlich gesagt – auch nicht unbedingt schlau daraus. Sie waren gespickt mit militärischen Begriffen, mit denen zumindest ich wenig anfangen konnte. Wir lasen, dass der Bereich, in dem uns gerade aufhielten, „Kavalier“ genannt wurde. Von einer „Katze“ las ich auch … und ich nahm schwer an, dass damit wahrscheinlich nicht die schwarze Katze gemeint war, die sich in meiner Nähe auf die Lauer gelegt hatte (wie gesagt, hier leben feiste Spatzen im Gebüsch).

Wollte ich nicht dumm sterben, müsste ich wohl mein Handy zu Rate ziehen. Dank Google weiß ich nun, dass eine „Katze“ eine erhöhte Schussstellung und der „Kavalier“ eine Geschützstellung ist, welcher alle umliegenden Festungsbauten deutlich überragt. Wieder was gelernt! Ob ich dieses Wissen je in meinem Leben nochmals brauchen werde, sei dahingestellt.

Wir gingen die Schleife zur Pfeilburg zurück und freuten uns am buckeligen Mauerwerk. Diesmal marschierten wir an der Treppe vorbei und folgten dem Asphaltweg, wobei wir (laut Schautafeln) zur „Kurtine“ gelangen sollten. (Kurtine ist laut Internet ein gerade geführter Wallabschnitt zwischen zwei Bastionen.) Womit die nächste Abfrage fällig wurde. Bastion würde auch Bastei heißen und wäre ein pfeilförmig vortretender Bauteil (gleich des Turmes einer Wehrmauer). Das war vor allem deswegen praktisch, weil man auf diese Weise sicher auf Angreifer schießen konnte, die versuchten, die Wehrmauer zu erklimmen. Dank meines klugen Handys kann ich mir jetzt ein bisschen vorstellen, wozu welcher Bauteil gut war. Gut, im Alltag braucht man dieses Wissen zum Glück nicht. Unser Haus kommt auch recht gut ohne Bastion, Wehrmauer und Wallgraben aus. Und ich bin auch recht froh darüber, dass unsere Nachbarn keinen Kavalier aufgeschüttet haben – obwohl sich unsere Katze darüber sicherlich gefreut hätte.

Die mittelalterliche Stadt, welche um 1215 ausgebaut wurde, war von einer Stadtmauer umgeben. Im 16. Jahrhundert war diese Wehranlage nicht mehr sicher genug. Vom Osten drohte immer wieder Gefahr, also wurde wieder „in die Hände gespukt“, und man zog eine Festung nach den Plänen des Tessiner Baumeisters Domenico dell’Allio auf. Oder zumindest eine Sparversion davon – denn das Geld war knapp. Wir erreichten die Ungarbastei mit Bunker und staunten nicht schlecht. So mächtig, wie sie vor uns stand, war ich überzeugt, dass an dieser Stelle sicherlich nicht gespart wurde.

Zwei Tore gab es in Fürstenfeld. Das noch bestehende Grazer Tor sowie das leider nicht mehr existierende Ungarntor. Hier befindet sich jetzt der Türkenbrunnen. Man schöpfte aus dem 26 Meter tiefen Brunnen nicht nur Wasser sondern man versteckte darin in Krisenzeiten auch Wertgegenstände. Nein, es zahlt sich heutzutage sicherlich nicht mehr aus, diesen Bereich mit dem Metalldetektor zu untersuchen – es sei denn, man hat auch einen Preßlufthammer im Gepäck, um den Asphalt aufzustemmen.

Über die Burgenlandstraße kamen wir zur Jugendherberge, marschierten ins Areal (links halten) und kamen auf eine Eisenbrücke. Die ATW-Brücke spannt sich sehr hoch über den Stadtgraben, ist 65 Meter lang und wurde in den 1880er-Jahren gebaut.

Nun lag die zweite Burg von Fürstenfeld vor uns: die Burg am Stein. Die landesfürstliche Burg wurde um 1170 zum Schutz vor den Magyaren gebaut. Man hatte einen geeigneten Platz ausgesucht, auf einer Geländestufe: 20 Meter über der Feistritz. Diese Burg sollte die Täler der Feistritz, Lafnitz (Grenzfluss), Rittschein, Safen und der Ilz schützen. Die Fürstenfelder haben nicht nur zwei Burgen – in beiden war (zuerst in der Pfeilburg, dann in der Burg am Stein) auch die Zigarettenfabrik untergebracht.

Wir marschierten runter zur Feistritz und durchschritten ein Eisentor (nicht auf die andere Uferseite wechseln). Dies war nun der meines Erachtens schönste und urtümlichste Wegabschnitt entlang des Flusses. Über eine Eisentreppe erreichten wir wieder die Altstadt und besuchten den stimmungsvollen Weihnachtsmarkt.

Über die Theatergasse und Santnergasse erreichten wir die Mühlbastei. Hätten wir an einer geführten Tour teilgenommen, hätten wir hier wahrscheinlich die Bunker besichtigen können. Der Grazer Platz (früher Grazer Vorstadt) war unser nächstes Ziel. 26 Häuser und das Schloss Falbenhaupt wurden im 17. Jahrhundert abgerissen, um die Stadt Fürstenfeld besser vor den Türken schützen zu können. Die Besitzer bekamen nur kärgliche Ablösen.

Durch das alte Grazer Tor schieben sich heute die Autos – besonders wenn in Fürstenfeld der Adventmarkt stattfindet. Wir gingen nicht durchs Tor. Der Weg führte wieder in den Graben, wo sich ein hübsches Biotop befindet. Über die Augustinerbastei erreichten wir wieder die Pfeilburg.

Zum Abschluss unseres Ausflugs besuchten wir „The Italian“. Da gab es einen Orangenkuchen, von dem Gregi noch wochenlang schwärmte.

„Sankt Johann – Hl. Grab – Kranzl – Geierwand“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

6 – 7 km

300 HM

2:45 h

Start:

St. Johann

Gemeindeamt  

Diese Wanderung ist ein Klassiker für uns Gleisdorfer. Wir müssen nicht weit fahren, es gibt tolle Gaststätten und Buschenschenken in der Nähe, wir durchwandern ein historisch interessantes Gebiet und die Aussicht ist einfach herrlich. So kam es, dass wir an einem sonnigen Jännertag wieder einmal die Idee hatten, die Geierwand zu besuchen.

Der erste Erlebnispunkt in Sankt Johann ist die Feistritzinsel nahe dem Gasthaus Pretterhofer. Bei der Mühle gibt es einen Steg auf die Insel. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf unser erstes Wanderziel, die Pfarrkirche zum Heiligen Johannes dem Täufer.

Das gelbe Wanderschild würde uns eigentlich über die Straße bergauf leiten, wir entschlossen uns aber, der Feistritz auf dem Radweg ein Stückchen flussaufwärts zu folgen. Lose Eisstücke führte der Fluss mit, es gab viel Wasser – trotzdem schwammen hier zwei mutige Enten. Der Biber war auch hier aktiv, angenagte Bäume wurden vom Wasser umspült, irgendjemand hatte einen Draht über den Fluss gespannt, um ihn wie mit einem Lift überqueren zu können. Kurz vor der nächsten Brücke bogen wir ab, ein recht steiler Weg führte uns hoch zur Kirche und zum ehemaligen Kloster.

Alles sah sehr wehrhaft aus, die dicken Mauern mit den ungleich aussehenden, massiven Stützen. In früherer Zeit hatte es auf diesem Felssporn über der Feistritz einmal eine Burg gegeben – und noch viel, viel früher war das Feistritztal von Römern besiedelt worden. Von ihnen stammen die Römersteine, die nun in der Kirchenmauer eingemauert sind. Besonders beeindruckend fanden wir den Kampf zwischen Löwen und Kentauren. Weshalb das mythische Mischwesen das Löwenjunge verschleppt hatte, wussten wir nicht. Dass die Löwen ihr Junges nicht kampflos aufgeben würden, war mehr als verständlich, und wir hielten den großen Katzen die Daumen, dass sie ihr Kind wieder zurückbekämen.

Schon früh war in Sankt Johann eine romanische Kirche gebaut worden (um 1150). Längere Zeit hatte hier der Deutsche Ritterorden ein Kloster, das im 16. Jahrhundert durch die einfallenden Türken stark beschädigt wurde. 1652 erwarb Johann Maximilian von Herberstein die Liegenschaft. Er war Landeshauptmann der Steiermark und gründete im Ort das Augustiner Barfußkloster. Natürlich musste jetzt eine neuere und schönere Kirche gebaut werden – 1672 wurde sie eingeweiht. Die Predigt der Kirchweihe hielt Abraham a Sancta Clara, der zwischen 1670 und 1676 in St. Johann wohnte. Der wohl berühmteste Prediger der Barockzeit war für seine wortgewaltigen Auftritte bekannt, wobei er äußerst gerne gegen Hexen und Juden hetzte. 1820 war das Kloster aufgehoben worden. Seit 1982 ist das „Haus der Frauen“ in den Räumlichkeiten untergebracht.

Wir wanderten weiter hinauf durch das Dorf, ein Haus wirkte idyllischer als das andere, alle richtig liebevoll gepflegt. Bei der Rosalienkapelle mussten wir rechts abzweigen. Die heilige Rosalia ist eine Pestheilige. Die Kapelle wurde 1714 errichtet, als die letzte Pestepidemie überstanden war. Wir erreichten den Wald. Im Sommer würden hier der rote sowie der gelbe Fingerhut blühen – eine wunderbare und sehr giftige Pflanze. Endlich erreichten wir das Heilige Grab. Es sollte ein Nachbau vom sogenannten Heiligen Grabe von Jerusalem sein und wurde von Johann Maximilian von Herberstein in Auftrag gegeben. Die beiden Kapellen wurden erst im 18. Jahrhundert errichtet. Dazwischen steht eine Kreuzigungsgruppe. Dramatisch blicken die Figuren in den Himmel. Würden sie geradeaus blicken, könnten sie den Kulm sehen, der schon in prähistorischer Zeit besiedelt war. Vor diesem Ensemble gibt es eine Wiese mit mehreren Bankerln und seit Neuestem auch einen Getränkeautomaten.

Wir folgten dem Weg weiter bergauf und nun hatten wir einen besonders schönen Blick auf einen Weingarten, auf die oststeirischen Hügel – und mittendrin der markante Felsen mit der Riegersburg. Kurze Zeit gingen wir am Waldrand entlang und bogen dann rechts zum Kranzl ab. Das Kranzl ist meines Erachtens der spektakulärste Punkt der Wanderung und auch die Stelle, wo ich mich nur sehr vorsichtig weiterbewege (wenn Sie mit Kindern diesen Platz besuchen wollen, bitte sehr auf die Kleinen aufpassen). In Vogelperspektive sieht man auf das Schloss Herberstein, den wunderbaren Rosengarten, den neuen Aussichtsturm des Tierparks, wir betrachteten die Kirche von Sankt Johann von oben, ich entdeckte sogar das Schloss Schielleiten.

Wieder hinauf zum Waldrand, diesen entlang bis zu einer Hecke, dieser folgten wir und kamen bei der Ausfahrt eines Einfamilienhauses an. Die Gemeindestraße ging es dann kurz bergan (an Schafen vorbei und an wunderbaren Freilandhenderln), hinter einem Bauernhaus mussten wir wieder rechts abbiegen. Ein hübscher Weg führte uns um eine Kuppe, dann erreichten wir ein Hirschgehege. Jetzt folgte ein richtiger „Wadenbeißeranstieg“. Hat man diesen jedoch geschafft und die Geierwand erreicht, wird man durch einen tollen Ausblick belohnt. Die wieder aufgebaute Burg Neuhaus, der Rabenwald mit dem Talkumbergwerk, Stubenberg mit Schloss und See. Einfach herrlich! Da ich nicht gerade davon begeistert war, einen steinhart gefrorenen, halsbrecherisch steilen Wanderpfad nach unten zu gehen, wanderten wir ein Stückchen weiter, umrundeten quasi das Hirschgehege und kamen auf einer Asphaltstraße raus. Dieser folgten wir und kamen wieder heil bei den Henderln und Schafen raus. Diesmal waren auch unzählige Drosseln unterwegs und Gregi musste unbedingt einen Fotostopp einlegen. Bei der Einfahrt des Einfamilienhauses bogen wir wieder ein und gingen den bekannten Weg zurück.

Beim Landgut Riegerbauer verließen wir die Straße und marschierten über einen Wiesenweg bergab zum Gemeindeamt zurück. Nun hatten wir nur noch ein Problem zu lösen: Gasthaus Pretterhofer, in einen Buschenschank oder bei der Heimfahrt in das Café Morcherl?

PS: Eine kurze, aber sehr schöne und informative Wanderung ist der Weinlehrpfad Hoferberg von Siegersdorf aus zum Heiligen Grab. Er ist 2,9 km lang, es sind 117 Höhenmeter zu überwinden und man ist circa eine Stunde unterwegs. Ausgangspunkt ist der Buschenschank Eitljörg in Siegersdorf.

„Sagenpfad und Motorikpark“ – Fürstenfeld

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg:

6,3 km

32 HM

3 h

Start:

Fürstenfeld

Schwimmbad 

Normalerweise startet der Sagenpfad bei der Pfeilburg. Schön ist sie, diese Burg. Sie wurde um einen mittelalterlichen Wohnturm aus dem 13. Jh. errichtet, den Schwarzturm, der Teil der Ringmauer war. Die Form der Pfeilburg, wie sie jetzt vor uns steht, erhielt sie im 16. und 17. Jahrhundert. Im Laufe der Jahrhunderte hatte die Burg viele Funktionen. 1690 wurde sie eine Tabakfabrik, später war sie einmal eine Schule, dann eine Kaserne und noch später ein Kriegsgefangenenlager. Und in den 1970er-Jahren hätte sie abgerissen werden sollen. Zum Glück gab es da kluge und weitsichtige Personen in Fürstenfeld, die das verhinderten. Ein Museumsverein sowie die Stadt Fürstenfeld entschlossen sich, das alte geschichtsträchtige Gemäuer zu revitalisieren. Und darin wurde 1999 das Stadtmuseum von Fürstenfeld eingerichtet („Kruzitürken-Museum“, „Tabakmuseum“).

Der Wanderweg leitet weiter zur Augustinerkirche, durch das Stadttor – links runter zum Wallgraben, auf den Dreikreuzberg zum Campingplatz und in den Buchenwald.

Da es in Fürstenfeld eine zweite ganz tolle Wanderung gibt (den Festungsweg), der die Innenstadt auch beinhaltet (von dieser Wanderung werden wir ein andermal berichten), starteten wir die Wanderung zum Sagenpfad beim Parkplatz des Freizeitbades. Wir stiegen aus dem Auto und ein Schneesturm empfing uns. Binnen kürzester Zeit war ich klatschnass (trotz Schirm). Gut, den hatte ich hie und da weggelegt, gab es doch so tolle Fotomotive bei der Freizeitanlage (und ich habe eben nur zwei Hände). Gregi, der partout nicht verstehen wollte, was an diesem Schwimmbad so interessant wäre, belächelte mich nur. Klar auch – er war trocken geblieben. Trotz Schneegestöbers und inzwischen eiskalten Händen marschierten wir zu zweit heldenhaft in Richtung einer gespenstisch einsam wirkenden Campinganlage. Schnell an diesem saisonbedingten „Lost Place“ vorbei und hinein in den Buchenwald. Hier beginnt der Motorikpark mit seinen abenteuerlichen Stationen, hier findet sich auch eine Station des Sagenpfades (Wasserspielplatz).

Doch viel, viel interessanter fanden wir das Getümmel, das sich über unseren Köpfen in den Wipfeln der Bäume abspielte. Ein Buntspecht hämmerte voller Energie – der hohle Baumstamm war ein wunderbarer Klangkörper. Auf den hohen Fichten ernteten winzige Meisen irgendwelche Samen. Kopfüber hing da ein Federbällchen auf einem Ästchen und futterte etwas. Was für eine akrobatische Leistung! Wir sind zwar auch recht geübte Esser, doch kopfüber auf einem Ast hängend würden wir wohl kaum etwas runterkriegen.

Wir gingen die Feistritz entlang, links von uns erhob sich ein Hügel nach dem anderen. Hinter den sieben Bergen der Sagenpfad. Ob wir den Zwergen begegnen würden? Kurzer Abstieg in einen Graben, dann rauf auf den nächsten Hügel zur Energiepyramide. „Jetzt haben wir den Rilkeweg von Fürstenfeld erreicht“, bemerkte ich und hielt einen ordentlichen Respektabstand zur Abbruchlinie, unter der sich die Feistritz schlängelte. „War denn der Rilke mal in Fürstenfeld?“, wollte Gregi wissen. „Glaub nicht. Doch irgendwie erinnert mich das an Duino. Nur dass das Gewässer da unten nicht das Meer ist, sondern die Feistritz, und dass das hier keine Felsen sind, sondern … äh … Erde“, erklärte ich. „Schaut ganz anders aus“, stellte Gregi lapidar fest und betrachtete interessiert das „Graue Männlein am Kogel“, das mutig auf einer Wurzel thronte. Darunter nichts – mindestens 20 Meter bis zur Feistritz.

Wir gingen weiter und fühlten uns etwas beobachtet. Hatte sich bei diesem unwirtlichen Wetter noch jemand hinausgetraut? Riesige, giftig grüne Augen lugten über kleine Fichten zu uns rüber. Ein Waldtroll, weit ist sein Maul aufgerissen. Dieses mussten wir passieren, da wir den Klinserlpfad runterklettern wollten.

„Der Kerl hat bestimmt Mundgeruch. Ich werde da nicht durchgehen“, bemerkte ich. „Folgen wir weiter den Erlebnisstationen des Motorikparks.“ „Du traust dich da nicht runter“, entgegnete Gregi grinsend und beäugte den steilen Waldpfad (schneebedeckter Boden, dazu eine dicke Laubschicht). „Das auch“, gab ich zu, „und schau, da vorne gibt es zwei tolle Trichter!“

Wusste ich es doch! Gregi hatte auch keine Lust, diesen halsbrecherischen Pfad hinunterzuwandern. Schon war er bei den Holztrichtern. Begeistert kniete er auf der Bank zwischen den beiden Holzkunstwerken (auf der Bank lag Schnee!!) und sagte begeistert: „Jetzt sehe ich aus wie Shrek mit seinen Ohren. Mach ein Foto!“ Und ich machte ein Foto. Aber nicht von Gregi, der glaubte, wie ein Filmmonster auszusehen, sondern von einem hübschen Rehlein im Teenageralter. Dieser junge und sichtlich unerfahrene Waldbewohner beobachtete mich und überlegte angestrengt, wie er jetzt angemessen reagieren sollte. Sich hinter einem Baum verstecken (blöderweise ragte jedoch immer das Hinterteil hinter dem Stamm hervor) oder vielleicht doch weglaufen? Letztendlich trollte er sich – jedoch nicht allzu hastig. Bei dieser Wanderung kehrten wir nach Fürstenfeld zurück, um den wahrlich interessanten Adventmarkt zu besuchen.

Bei einer früheren Wanderung waren wir den Klinserlpfad nach unten gegangen und hatten auf dem weiteren Sagenpfad noch ganz bezaubernde Sagenwesen entdeckt. Nicht entdeckt hatten wir jedoch die kupferzeitliche Siedlung, die sich im Buchenwald befunden haben soll. Aber egal, die Wegführung hier – so hoch über der Feistritz – ist einfach prächtig. (Und egal, was Gregi auch sagt, sie sieht doch ein klein bisschen aus wie der „Rilkeweg“).

Altenmarkt (die Endstation des Sagenpfades) trägt seinen Namen nicht umsonst, immerhin war es früher eine Römersiedlung. Die vom Johanniterorden gegründete Pfarrkirche zum Hl. Donatus hat es auch in sich. 1986 war die Kirche renoviert worden und man hatte (unter zwölf Farb- und Putzschichten) alte Fresken aus dem 13. Jahrhundert gefunden.

Die Fresken konnten wir nicht besichtigen, hatten wir es doch eilig. Bald würde es dunkel werden und wir mussten nach Fürstenfeld zurück. Wir hatten Glück, über den Feldweg kamen wir rasch vorwärts, denn unsere Umgebung war jetzt nicht mehr ganz so lieblich wie im Buchenwald. Einen kurzen Fotostopp gab es trotzdem noch (bei einer Teichanlage).

Es war bereits finster, als wir in Fürstenfeld ankamen. Das Auto stand noch immer beim Badparkplatz und wir wollten die Konditorei Ulreich am Hauptplatz besuchen. Sollten wir das Auto starten? Oder sollten wir noch die steile Stufe hinaufsteigen und direkt durch den nächtlichen Friedhof in die Stadt gehen? Aber das ist eine ganz andere Geschichte …

www.sagenpfad.at.

„Heilbründl-Runde“ – Grafendorf bei Hartberg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

13,82 km

173 HM

4 h

Start:

Grafendorf

Kirche  

Im Freien war es heiß, so um die 30 Grad Celsius, und vernünftigerweise würde man sich bei diesen Temperaturen ins kühle Haus zurückziehen oder ins Schwimmbad gehen. Gut, die Berge gäbe es auch noch … doch wir hatten da andere Ideen. Wir wollten das „Formbacherland“ entdecken und hatten uns im Internet schon mal klug gemacht. Da gäbe es die 3-Schlösser-Wanderung, die sich zwar total interessant anhörte, aber uns mit ihren 21,7 km doch zu anstrengend vorkam. Den Weg von der idyllischen St. Prankraz Kapelle auf den Masenberg kannten wir bereits (eine tolle Wanderung). Wir googelten weiter und kamen schließlich zur „Heilbründl-Rundwanderung“, welche mit 13,82 Kilometern machbar wäre.

Voller Erwartungen stiegen wir ins Auto, fuhren nach Grafendorf (wo wir im Zentrum parkten) und sahen dort sehr, sehr viele Oldtimer herumflitzen. Alte Mopeds, alte Traktoren, alte Autos … Nostalgie pur. Das Oldtimertreffen wäre bestimmt sehr interessant – aber wir wollten noch Älteres sehen. Römersteine zum Beispiel oder Hügelgräber oder ein hübsches altes Schloss.

Also marschierten wir fest entschlossen am Festgelände vorbei, nicht jedoch, ohne uns vorher ein leckeres Tüteneis zu gönnen. Noch im Seibersdorfer Wohngebiet sahen wir dann das erste „Bründl“ der Heilbründl-Rundwanderung: das Hammerwaldbründl. Ein Auto parkte daneben, ein Mann stand mit zwei Kisten und ganz vielen leeren Wasserflaschen beim Brunnen und befüllte geduldig eine Flasche nach der anderen. „Das beste Wasser für die Kaffeemaschine. Da schmeckt der Kaffee besonders gut“, erklärte er uns, während aus dem benachbarten Haus eine Frau auf den Platz zusteuerte. Auch sie war mit vier leeren Wasserflaschen ausgerüstet. Das Wasser dieses Bründls hat einen sehr niedrigen Härtegrad. Hoffentlich erfährt meine geliebte Filterkaffeemaschine nicht, wie andere Leute ihre Kaffeezubereitungsgeräte verwöhnen.

Weiter ging es neben dem Bach, und dann sahen wir es: das echte Heilbründl mit seinem schön geschnitzten Brunnenaufbau. (Das Gesicht eines Wassergeistes grinste uns an.) Und obwohl dieses Gesicht sehr freundlich aussah, gab es hier keine Leute, die Wasser aus dieser Quelle holten. Das Nass floss ungehindert in den Bach ab. Wir folgten dem Wanderweg weiter und kamen zum ersten Brücklein. Hier in der Schlucht war es noch schattig und angenehm, doch hoch über uns in den Baumkronen brannte bereits die Sonne auf die Blätter. Schlanke Schatten konnten wir hinter dem hell erleuchteten Laub erkennen, kleine Köpfchen lugten über den Blatträndern zu uns herunter. Die Prachtlibellen fühlten sich da oben in der Sonne ausgesprochen wohl. Sobald sie losflogen, schillerten ihre Flügel in metallischem Blau.

Besonders interessant sind die vielen Informationstafeln, die von Geschichten und der Geschichte dieser Gegend berichten. Zum Beispiel auch über ein schlimmes Ereignis: dem Fememord. Zur Kurruzzenzeit wurden die Bauern zum Grenzdienst eingeteilt, während die herrschaftlichen Familien nach Graz flohen. Als Wolf Dietrich von Wurmbrand den Kurruzzen „Brandgeld“ zahlte, um von weiteren Zerstörungen verschont zu werden, interpretierten die Bauern das leider falsch und glaubten an eine Verschwörung. So kam es, dass man ihn am 7. August 1704 ermordete.

Aber auch weitaus angenehmere Geschichten kann man auf diesen Tafeln lesen: Zum Beispiel die Sage vom Masenberg, der angeblich hohl und mit Wasser gefüllt sein sollte. Im Grunde geht die Sage so: Einige (meines Erachtens sehr hinterhältige) Bauern fingen einen Zwerg (ein kleines, hilfloses Wesen). Von Gier getrieben, forderten sie in Mafiamanier von ihm Lösegeld. Der Zwerg war jedoch listiger (klüger) als die Wegelagerer und konnte entkommen – drohend, die Gegend überschwemmen zu lassen. Hohl ist der Masenberg wohl nicht. Aber wenn man bedenkt, wie viele Erdställe es im nicht allzu weit entfernten Vorau gibt – vielleicht ist da doch etwas Wahres dran, an der Zwergengeschichte?

Wer in Grafendorf bei Hartberg in die Erde gräbt, kann interessante Entdeckungen machen. Diese Gegend ist schon sehr, sehr lange besiedelt (auch wenn zwischendurch die Bevölkerungsdichte sehr schwankte). Daher stößt man immer wieder auf Überreste vergangener Epochen.

Wie zum Beispiel der Römerstein, der entdeckt wurde, als 1995 im Innenhof eines privaten Anwesens gegraben wurde. Ein weißer Pflasterstein wurde angehoben … und siehe da, auf dessen Unterseite befanden sich römische Inschriften. (Dieser Stein steht jetzt vor der Kirche in Grafendorf.)

Ein Jahr später machte man den nächsten sensationellen Fund. Im Lebenfeld wollte eine Familie ein Eigenheim errichten. Bei den Aushubarbeiten stieß man auf Mauern. Uralte Mauern, die zu einer römerzeitlichen Villa Rustica gehörten. Ein weiterer römerzeitlicher Gutshof wurde mittels geophysikalischer Prospektion entdeckt.

Doch schon vor den Römern war die Gegend besiedelt, eine Axt aus der Kupferzeit, ein Dolch und Keramik aus der Bronzezeit wurden gefunden. Der Ringkogel mit seiner ehemaligen keltischen Festung ist ja auch nicht allzu weit weg.

Wir gingen am Waldhof Mara vorbei, überquerten die Straße, marschierten auf einem Wiesenweg (wunderbare Aussicht auf den Masenberg und die Sankt Pankraz Kapelle), dann erreichten wir eine weitere Asphaltstraße, von welcher aus wir rechts abbogen. Nach einer Brücke führte der Wanderweg den Bach entlang.

Wir waren ins Reich der Schmetterlinge gelangt. Sogar einen Schwalbenschwanz konnten wir entdecken. Es reichen schon ein natürlicher Bachlauf mit Bäumen am Ufer, eine ungemähte Naturwiese sowie einige alte Obstbäume, und schon hat man eine enorme Artenvielfalt. Eine Treppe ging es dann bergauf, an einem Rain entlang, und dann erreichten wir die römerzeitlichen Hügelgräber. Wieder ging es durch einen Wald, dann am Waldrand entlang, bis wir zu den ersten Häusern kamen. An dieser Stelle verirrten wir uns und mussten umkehren. Bitte rechts abbiegen in Richtung Dorf. Wir mussten nicht lange auf der Asphaltstraße gehen, dann kam die Abzweigung nach links zum Fischteich. Hier hoppelten niedliche Kaninchen frei herum. Zwei Pfaue hockten auf einem Holzstoß im Wald. Wieder kamen wir zu einer Brücke. Auf ihr lag noch das Geröll des letzten Hochwassers.

Zwischendurch trafen wir dann eine ganz seltene Spezies: andere Wanderer. Eigentlich waren wir es schon gewohnt, bei dieser Hitze niemandem zu begegnen. Doch an diesem Tag trafen wir ein nettes Paar, welches sich den 60er-Roas-Wanderweg ansehen wollte.

Bald schon lag das Schloss Kirchberg vor uns. Seit 1925 ist im Schloss eine Landwirtschaftsschule untergebracht, anfangs wurden hier ganze neun Schüler unterrichtet. Das Schloss Kirchberg war früher einmal eine Ritterburg, die 1130 durch Graf Ekbert II. von Formbach-Pitten errichtet wurde.

Grafendorf und Kirchberg am Walde liegen im Lafnitztal – und die Lafnitz war seit 1043 eine Grenze. Eine gefährliche noch dazu. Die Siedler (u. a. Awaren, Slawen) hielten sich hier nicht lange, und im 12. Jahrhundert versuchte man wieder, Menschen in der Gegend anzusiedeln. Diesmal waren es deutsche Siedler. Die Grafen von Formbach-Pitten stammten ursprünglich aus Bayern. Graf Ekbert II. von Formbach-Pitten zog 1158 mit Friedrich Barbarossa in den Krieg. Er fiel beim Sturm auf Mailand. Doch zuvor hatte er ein Testament gemacht, und so kam das Gebiet von Grafendorf in den Besitz des deutschen Klosters Formbach.

Das Schloss Kirchberg kann man von außen besichtigen. Es gibt einen Schaugarten, der terrassenartig über dem Lafnitztal liegt und eine wunderbare Aussicht bietet. Den ehemaligen Burggraben kann man heute begehen. Wir umrundeten das Schloss und das Internatsgebäude, bewunderten die neue gläserne Brücke über den Burggraben (was für ein besonderer Schulweg!) und marschierten schließlich an den Ställen vorbei in Richtung Allee, welche wir nun durchschritten, um nach Grafendorf zurückzugelangen.

Wir hatten an diesem heißen Tag die Wanderung abgekürzt. Laut Schrittzähler hatte ich ohnehin schon 19.000 Schritte gemacht. Über das Kirchberger Kreuz kamen wir nach Grafendorf zurück, wo wir uns noch den Kirchvorplatz mit seinen Römersteinen ansahen. In die Kreuzkapelle gingen wir nicht, da uns eine Aufbahrung daran hinderte. In ihr sollte es Fresken von Johann Cyriak Hackhofer geben, den originellen Stiftsmaler von Vorau, der auch die Festenburg so beeindruckend ausgeschmückt hat. Stattdessen bewunderten wir den artesischen Brunnen, der 1894 errichtet worden war. Hier holten einst die Schulkinder ihr Trinkwasser. Plastikflaschen gab es dazumal noch keine, kein Cola, keinen Almdudler und auch kein Dreh und Trink.

Der Brunnen plätscherte ruhig vor sich hin, und wir waren auch durstig geworden. Also beschlossen wir, das Kaffee MeLounge zu besuchen. (Eine sehr gute Wahl, der Kaffee schmeckte ausgezeichnet.)

Eine Woche später wollten wir die Runde dann vollenden … bei sehr, sehr heißem Wetter. Am Nachmittag sollte irgendwann Regen kommen – am späten Nachmittag gegen Abend, nahmen wir an. Wir waren optimistisch. Außerdem wussten wir inzwischen, wo wir das Auto am Parkplatz hinstellen mussten, um nachmittags optimalen Schatten zu haben. Vom Grafendorfer Zentrum aus steuerten wir Schloss Kirchberg zu. Wieder durch diese wunderbare Allee. Es wäre nicht schlecht, wenn wir wieder damit beginnen würden, links und rechts der Straßen Bäume zu setzen. Wir kamen erneut bei den glücklichen Hühnern und dem mobilen Hühnerstall vorbei. Das Federvieh war richtig tiefenentspannt. Tiefe, langgezogene Töne gaben sie von sich – richtig meditativ.

Zielstrebig marschierten wir am Schloss vorbei. Gut, bei einem blühenden Sommerflieder hielten wir und bewunderten die Schmetterlinge. Ein Admiral dinierte vorzüglich und ließ sich dabei fotografieren. Dieses Mal waren wir es, die zuerst die Geduld verloren und das Fotoshooting aufgaben. Wenn die Sonne auf einen herunterbrennt, hat man keine Nerven, lange auf dem Asphalt zu stehen und Fotos zu schießen. Also gingen wir weiter und sahen ein hübsches Häuschen – eine Kombination von Mauern und Holz. Davor surrte es gewaltig. Dann sahen wir die Ausflugschlitze im Holz: ein Bienenhaus der Extraklasse.

Gleich nach dem Bienenhaus führte uns der Wanderweg rechts hinab in eine Schlucht. Wie angenehm doch ein Wald ist. Ein reizender Wasserfall, dann steile Stufen bergauf und dann eine Bank für eine Trinkpause. Wir mussten die „Himmelsleiter“ erklimmen, und dann kamen wir zu den richtig großartigen Tafeln, welche uns den Bauernhimmel mit seinen nützlichen Heiligen auf recht bodenständiger Art erklären. Herrlich.

Das nächste Ziel war der Ort „Reibersdorf“. Hier hatten wir uns leider beim Weg geirrt und waren vorerst mal durch das hübsche Dorf marschiert. „Reibersdorf“ und „Seibersdorf“ liegen beide direkt neben Grafendorf. Wir sinnierten, ob es hier auch noch ein Leibersdorf oder ein Kleibersdorf oder ähnliche Ortsnamen geben könnte. Nebenbei betrachten wir die hübschen alten Kellerstöckl, die nun teils als Garagen dienen. Am Ende des Dorfes stand ein Marterl. Dort zogen wir die Wanderkarte zurate und kehrten wieder um. Also den ganzen Ort wieder zurück, bis zum Wiesenweg, wo wir von der Himmelsstiege rausgekommen waren. Dann die Asphaltstraße bergab, die zum Glück durch den Wald führte. Bei der Kreuzung stand ein Schild, welches uns darauf hinwies, dass man nur bis zu einem bestimmten Anwesen kommen konnte.  Doch wir waren ja zu Fuß unterwegs, und dieser Hinweis würde ja nur die Autofahrer betreffen … dachten wir.

Der Wanderweg führte uns den Bach entlang. Hier musste es vor nicht allzu langer Zeit ein richtig arges Hochwasser gegeben haben. Riesige Sandhaufen waren neben dem Bach aufgetürmt, und wir wunderten uns, wo das Material hergekommen sein konnte. Und dann kam das erste Problem. „An dieser Stelle müsste es eigentlich eine Brücke geben“, bemerkte ich. „Der Bach ist seicht, es hat 30 Grad Celsius … wir waten durch den Bach“, beschlossen wir und entledigten uns der Wanderschuhe.

Auf der anderen Bachseite wieder Socken und Schuhe an und weiter. Doch nicht allzu weit, die nächste nicht vorhandene Brücke. Vorhanden war sie schon – jedoch spannte sie sich nicht über das Gewässer sondern lag am Rand der Wiese. Ich setzte mich auf die Brücke und konnte somit ganz bequem die Schuhe wieder ausziehen – wieder durch den Bach – Schuhe an und weiter durch den Wald. Bis zur nächsten nicht mehr vorhandenen Brücke. Nur da war die Böschung leider zu steil, um runterzuklettern. Wieder einmal kehrten wir um, suchten eine Stelle, an der wir in den Bach gelangen konnten, und dann marschierten wir längere Zeit im Wasser. Es war fast wie ein Badetag.

Endlich waren wir wieder auf dem regulären Wanderweg bei einer kleinen Siedlung. Asphaltstraße. Also keine Bachwanderungen mehr. Ein Blick zurück mahnte uns dafür zu Eile. Dunkle Wolken bauten sich bedrohlich auf. Auch diesmal würden wir den Heilbründlweg nicht fertig erkunden können. Unter der Bahnbrücke hindurch stiegen wir rasch den Hügel bergauf, an der Backhendlstation Heschl vorbei bis zum Hügelgrat. Beim Abstieg nach Grafendorf schüttete es wie aus Eimern. Auf der Asphaltstraße war eigentlich nicht weniger Wasser als im Bach. Platschnass kamen wir in Grafendorf an. Blitz und Donner ließen unser Tempo gewaltig beschleunigen. Wenigstens war es nun nicht mehr heiß.

Bei der Heimfahrt mussten wir die Heizung einschalten. Mit einer durchschnittlichen Fahrtgeschwindigkeit von zirka 50 km/h fuhren wir bei einem fürchterlichen Unwetter nach Hause.

„W30 Burgblickweg“ – Stadtschlaining

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

10,64 km

222 HM

4 h

Start:

Stadtschlaining

Hauptplatz  

Gibt man ins Navi „Schlaining“ ein, wird man eventuell Pech haben und keinen Treffer landen. „Stadtschlaining“ ist die richtige Bezeichnung. Stadtschlaining gehört zu den kleinsten Städten in Österreich (mit knapp über 2000 Einwohnern), hat jedoch schon seit 1514 eine Stadtordnung.

In Stadtschlaining steht die Friedensburg. Sie wurde vorbildlich renoviert und ist richtig sehenswert. Als wir uns im Mai dazu entschlossen hatten, nach Stadtschlaining zu fahren, wussten wir nicht, dass an diesem Wochenende das Klangfrühlings-Fest sowie die Eröffnung der Ausstellung „Von der Wehrburg zur Friedensburg“ stattfand. Feuerwehrmänner wiesen uns einen Parkplatz zu, adrett gekleidete Personen stiegen neben uns aus. Wir hatten natürlich unsere Wanderklamotten an, schleppten schwere Rucksäcke und fielen auf wie bunte Hunde.

Vor der Burg stand eine große Limousine mit Chauffeur. Wir rätselten, ob man damit den Landeshauptmann transportiert hatte. Polizisten wachten vor der Burg und beobachteten uns kritisch, wie wir mit unseren vollgepackten Rucksäcken in Richtung Burggraben marschierten. Leider war dieser an diesem Tag gesperrt, was wir sehr bedauerten. Es ist immer wieder ein Erlebnis, unter den immens hohen und massiven Brückenpfeilern durchzugehen, die mächtige Burg zu umrunden und dann ins Tauchental abzusteigen. Also Plan B: Den offiziellen Start der Burgblick-Wanderung W30. Über den hübsch gepflasterten Hauptplatz in die Baumkirchner Gasse und dann in den Badweg.

Auch diese Variante ist sehr interessant, da man auf diesem Weg an der massiven Stadtmauer vorbeikommt. Als Bonus gibt es auch noch sehr tolle Schilder mit Infos über die Geschichte. Wir gingen beschwingt den (für burgenländische Verhältnisse recht steilen) Burgberg hinunter, ein Mountainbiker kam uns schnaufend entgegen. Radfahrer sind im Burgenland keine Seltenheit – Wanderer schon.

Im Talgrund mussten wir die Brücke überqueren, dann rechts abbiegen und ein kurzes Stück der Straße folgen. Auf der linken Seite führte der Wanderweg den Gegenhang bergauf, zuerst durch einen Wald (wo ein Bussard nistete), dann schlenderten wir an herrlich artenreichen Wiesen vorbei: Mohn, Kornblumen, Ackerstiefmütterchen, Wolfsmilch, Thymian, Wiesensalbei, Glockenblumen, Storchenschnabel. Wir stiegen weiter bergan, der Wind zauberte Wellen in ein Gerstenfeld. Wir konnten in der Ferne die Riegersburg und die Gleichenberger Kogel sehen … und natürlich hatten wir hier eine besonders feine Sicht auf die Friedensburg Schlaining.

Im Gegensatz zur Riegersburg, die auf der Kuppe eines markanten Vulkans errichtet wurde, duckt sich die Friedensburg Schlaining fast. Die Stadt liegt höher als die Burg, welche auf einer Felsnase gebaut wurde. Begonnen hatte man schon Mitte des 13. Jahrhunderts, die Burg zu errichten. Doch ein Mann ist für den Ausbau der Burg besonders bedeutend: Andreas Baumkirchner (1420 – 1471). Er war ein Söldnerführer und stand in der besonderen Gunst von Friedrich III. Er erhielt das Recht der eigenen Münzprägung und durfte neben seiner Burg eine Stadt gründen. Und das machte Baumkirchner dann auch: „Eine Burg für den Teufel, eine Stadt für die Welt und ein Kloster für das Himmelreich.“ Also die Burg Schlaining, die Stadt Stadtschlaining sowie ein Paulinerkloster.

Blöderweise schuldete der Kaiser Baumkirchner Geld … sehr viel Geld angeblich. Und er war offensichtlich bei der Zahlung säumig. Das dürfte den Söldnerführer verärgert haben, denn plötzlich stand Baumkirchner im Dienst des ungarischen Königs Matthias Corvinus. Mit diesem organisierte er einen Aufstand des steirischen Adels gegen Friedrich III. Sie besetzten die steirischen Städte Hartberg, Fürstenfeld, Feldbach … sie kamen bis nach Marburg und auch ins Mürztal. Baumkirchner und seine Mitkämpfer waren sehr stark, und Friedrich III. war bereit, Baumkirchner völlige Amnestie zu gewähren sowie eine Zahlung von 14.000 Gulden zu versprechen. Versprochen hatte es der Kaiser – doch die Zahlung blieb aus. Also erhob sich Baumkirchner erneut gegen Friedrich III. Am 23. April 1471 sollte es zu Verhandlungen in Graz kommen. Baumkirchner sollte anreisen, ihm wurde ein freies Geleit zugesichert. Baumkirchner hätte klüger sein sollen und bereits wissen müssen, dass man auf die Zusagen von Friedrich III. nicht allzu viel geben durfte. Er begab sich nach Graz … und wurde dort hingerichtet.

Düstere Zeiten … düstere Geschichten. Gut, dass wir im 21. Jahrhundert unterwegs waren – nicht zu Verhandlungen, sondern um zu wandern und zu fotografieren. Ein hübscher Neuntöter saß auf einem gigantischen Holzstoß und präsentierte sich von der allerschönsten Seite. Mit dem schwarzen Streifen im Gesicht, der wie eine Augenbinde aussah, erinnerte mich der Neuntöter an Zorro. Gregi lauschte und behauptete, die lieblichen Stimmchen von Bienenfressern zu hören.

Wir erreichten den kleinen Weiler Schönau – der Name ist Programm. Wir beobachteten zwei Bussarde, die ihre Kreise zogen, durchwanderten einen Wald und kamen wieder an Feldern und Wiesen vorbei. Der Weg schlängelte sich kurvig dahin, wir mussten links abbiegen … vor uns war eine hübsche Kirche zu sehen. Die Wegmarkierung war hier leider sehr mangelhaft, doch mit der Tracking-App schafften wir es dann doch, den Weg nach Altschleining zu finden. (Rechts ins Tal absteigen, sobald der Wald aufhört.)

Altschlaining war die ursprüngliche Burgsiedlung. Hier wohnten nicht nur deutschsprachige Siedler, sondern auch Walachen, die Kroatisch sprachen. Beim Kriegerdenkmal bogen wir links ab und wanderten durch den Wald bergauf bis zum Waldrand. Hier hätten wir eigentlich links abbiegen müssen, den Waldrand entlang und dann am Feldrand bis zur Asphaltstraße hoch. Auf der schmalen, selten befahrenen Asphaltstraße gingen wir in Richtung Stadtschlaining zurück, wobei Gregi Schmetterlinge fotografierte und ich ein Neuntöterweibchen (ihre „Augenbinde“ ist eher blass) sah.

Vor der Bundesstraße bogen wir in den Radweg und folgten diesem zur Stadt zurück. Am Hauptplatz gibt es Gaststätten. Wir kehrten bei Mikes Café Pub ein. Hier waren wir schon vor Jahren mal. Es war zu Coronazeiten – kurz nach einem Lockdown. Damals waren wir es nicht mehr gewöhnt, in einem Gasthaus zu sitzen und es gab Personenbeschränkungen für die Tische. Wir saßen also alleine in der Wirtsstube und hatten dabei trotzdem ein leicht beklemmendes Gefühl. Solange, bis andere Personen die Gaststube betraten und behaupteten: „In xxx ist der Buschenschank xxx, von dort kommen wir gerade. Da sitzen gut 40 Leute an einem Tisch.“

Diese Zeiten haben wir zum Glück hinter uns gelassen. Jetzt kann man wieder ohne Angst ins Gasthaus gehen … oder Ausstellungen besichtigen. Sehr empfehlenswert ist die Besichtigung der frisch renovierten Friedensburg Schlaining. Wir hatten das Vergnügen, im Jahr 2023 diese Burg näher zu erkunden – wobei wir Zeuge einer erstklassigen spontanen Gesangseinlage eines Damenchors wurden. In der Burg befindet sich das Lokal „Das Kranich“, wo man bei einem wunderbaren Ambiente hervorragend speisen kann.

 

„Voitsberger Ruinen“ – zwei Spaziergänge

 

Spaziergang

zur Burgruine Krems

Start:

Voitsberg Stadtteil Krems

P+R Parkplatz

Spaziergang

Burgruine Obervoitsberg und Kohlenbergbau Zangtal

Start:

Voitsberg Hauptplatz

       

Nach den üppigen Weihnachtsfeiern tut es mal so richtig gut, wieder ins Freie zu kommen. Weite, anstrengende Wanderungen wollten wir mit den angefutterten Weihnachtspfunden noch keine unternehmen, also gingen wir es gemütlicher an. Wir fuhren mit dem Auto nach Voitsberg – nicht ganz. Im Stadtteil Krems (beim Kreisverkehr) nahmen wir die Ausfahrt in Richtung Bahnhof, bogen noch vor dem Fluss links ab und parkten auf dem P+R-Parkplatz. Wir marschierten durch eine hübsche Siedlung und folgten immer den Schildern „Ruine Krems“. Ab dem Schranken ging es dann eine enge Asphaltstraße bergauf. Auf dem Holzgelände wuchs Moos, Eiskristalle schimmerten in der Sonne. So ging es gemütlich dahin und schon standen wir vor der richtig beeindruckenden Burgruine Krems. Leider kann man diese Ruine nur mit einer Führung (ab 10 Personen möglich) innen besichtigen – oder aber man kommt am Pfingstsonntag oder am Nationalfeiertag (bei Schönwetter). Dann hat sie auch geöffnet.
Ein hübscher Weg führt um die große und sehenswerte Ruine herum. Hier im Osten von Voitsberg, wo das Kainachtal sehr, sehr eng ist, bot sich dieser schmale Bergrücken richtiggehend an, darauf eine Wehrburg zu bauen. Der älteste Teil ist der Bergfried mit seinen fünf Stockwerken, der im 12. Jahrhundert gebaut wurde. Er steht auf einem sehr markanten Felsen, und wenn man außen unter diesem Felsen hindurchgeht, hat man schon ein bisschen ein mulmiges Gefühl und hofft inständig, dass Turm und Felsen nicht gerade in diesem Moment abrutschen. Angeblich soll dieser Turm auf römischen Grundmauern aufgebaut worden sein. Also keine Angst, dieser Teil der Wehranlage scheint stabil zu sein. Was man leider von einigen Gemäuern im Südosten der Burg nicht behaupten kann. 1817 rutschte ein Teil des Schlosses ab. Burg – Schloss … was war die Ruine früher wirklich? Die ältesten Teile der Burg stammen aus dem 12. Jahrhundert, im 14. Jahrhundert wurde die Burg erweitert und im 16. Jahrhundert kam es zu einem großen Umbau. Ein prächtiges Schloss wurde unter der Herrschaft der Herbersteiner gebaut. Das Gebäude hatte viele Besitzer: Krems-Leonrode, Walseer, Montforter, Herberstein, Saurau … 1857 erwarb sie Erzherzog Johann. Heute gehört sie dem Verein „Licht im Leben“.
Wenn man die Ruine umrundet hat, bietet es sich noch an, den Waldweg neben der Burgbrücke ins Tal hinabzusteigen. Steil ist der Hügel (teilweise künstlich abgeböscht), große schwarze Felsen sind zu sehen. Wir marschierten bis zum ehemaligen Gewerkenhaus (in Krems gab es früher ein Hammer- und Eisenblechwerk). Bei unserem Spaziergang kehrten wir dort um und gingen den bereits bekannten Weg retour zum Auto.
Danach fuhren wir direkt ins Stadtzentrum. Vom Hauptplatz aus starteten wir unseren zweiten Spaziergang. Hübsch weihnachtlich geschmückt präsentierte sich Voitsberg. Der Weihnachtsbaum vor der Kirche war riesig, die Bäume im Zentrum trugen hübsche Kugeln, Tannenreisig schmückte die Straßenlaternen. Die Fassade des Rathauses sollte man sich näher ansehen. Der Künstler Prof. Arik Brauer hat sie gestaltet. Seit 2003 gibt es auch ein Glockenspiel. Und wir hatten das Vergnügen, eben dieses Glockenspiel zu hören. Am langgestreckten Hauptplatz gibt es noch einen Barbarabrunnen und eine Mariensäule erinnert an die Pest, die von 1713 bis 1716 in dieser Gegend wütete.
Wir schlenderten den Hauptplatz entlang, bis wir eine Art Keramiktor erreichten. Hier bogen wir rechts ab (gelbe Wanderwegweiser) und marschierten auf den Voitsberger Sagenberg zu. Beim Aufstieg auf den Sagenberg sollte man sich sehr viel Zeit lassen. Sonnig war es hier zur Mittagszeit (was am Stefanietag richtig angenehm war) und die Aussicht war grandios. Umso höher wir den Serpentinenweg hochstiegen, umso toller wurde das Panorama. Und da gab es dann auch noch die herrlichen Sagen, die von liederlichen Bergleuten, toten Spielmännern, wilden Frauen und vom Teufel (der um Seelen feilschte) berichteten. Hat man Obervoitsberg erklommen, erkennt man sofort, warum genau an dieser Stelle eine Burg errichtet wurde. Weit sieht man von hier: im Osten die Burgruine Krems, das Betriebsgelände der Berglandmilch, die Stadt selbst mit den Kirchtürmen, das Schloss Greißenegg, im Westen den Heiligen Berg, Schloss Piber dahinter Köflach und ganz hinten die Berge, die die West- von der Obersteiermark trennen.
Über das Kainachtal gab es eine Straßenverbindung in die Obersteiermark, und diese Straße musste gesichert werden. Also wurde bereits 1170 die Burg Obervoitsberg errichtet (damals hieß sie „castrum voitseperch“). Als die Burg gebaut war, entstand unter ihr im Tal eine Siedlung. Diese wurde mit einer Wehrmauer umgeben, die bis zur Burg hochgezogen wurde. So entstand der Ort Voitsberg, der bereits 1245 Stadtrecht hatte. Im 13. Jahrhundert wohnte eine sehr interessante Frau in Obervoitsberg – Herzogin Gertrud, Markgräfin von Mähren und Baden (1226 bis 1288).
Gertrud war die Nichte von Friedrich II. (der Streitbare), und dieser war der letzte Babenberger im Mannesstamm. Friedrich hatte also keine Kinder, denen er sein immens großes Herrschaftsgebiet vermachen konnte. Daher war seine Nichte Gertrud eine richtig gute Partie. Das dachte sich auch der staufische Kaiser Friedrich II. Würde er Gertrud heiraten, so bekäme er auf diesem Wege die babenbergischen Länder. Doch Gertrud wollte den 55-jährigen Kaiser nicht heiraten und tat es auch nicht. Also hat auf der Burg Obervoitsberg eine Frau gelebt, die den Mut hatte, Kaiser Friedrich II. einen Korb zu geben.
Die Burg Obervoitsberg präsentiert sich heutzutage nicht allzu romantisch. Der Burggraben ist ein Parkplatz, die Festung selbst eine Bühne. Doch der Standort und die Aussicht sind einfach traumhaft. Da ich soeben noch von den Sagen erzählte: Über Obervoitsberg gibt es auch eine. In den Kellerräumen der Burg sollte ein Schatz versteckt gewesen sein und natürlich hatte ein sehr argloser, junger Mann das Glück, die Schatztruhe zu entdecken. Als er sie öffnete, war in der Truhe eine Schlange, die einen Schlüssel in ihrem Maul hielt. Der Jüngling bekam Angst, floh, und die Schlange klagte, dass sie als verwunschenes Burgfräulein nun wieder nicht erlöst worden wäre.
Als wir vor einigen Jahren die Wanderung „Auf der Sonnenseite der Stadt Voitsberg“ machten, kam ich – arglos wie ich bin – in einem Waldstück genau zwischen zwei Schlangen zu stehen. Groß und dick waren sie. Eine lag auf dem Wanderweg hinter mir (wie ich diese übersehen konnte, ist mir heute noch schleierhaft), eine sperrte mir den Weiterweg ab. Ich stand also hyperventilierend zwischen zwei furchteinflößenden Schlangen, während mein Göttergatte mit einer Freude ein Exemplar davon voller Genuss fotografierte (Nahaufnahme wohlgemerkt). Ich kann mich heute nicht mehr so genau erinnern, wie die Gegend auf dem Weiterweg aussah. Als ich nämlich den beiden Reptilien großräumig ausgewichen war, waren meine Blicke ausschließlich nur noch auf den Weg gerichtet. Ehrlich, ein Burgfräulein hätte auch ich mit bestem Willen nicht erlösen können – egal wie groß die Belohnung für diesen Dienst gewesen wäre.
Hinter dem Parkplatz von Obervoitsberg gibt es einen Naschgarten. Geht man rechts neben diesem Garten vorbei, kann man allerhand Kunstwerke aus Metall entdecken. Bei den Hochbeeten führt der Weg bergab. Neben dem Bogenparcours geht es dann zum ehemaligen Kohlenbergbau Zangtal. Von 1880 bis 1989 wurden hier 27,5 Millionen Tonnen Braunkohle abgebaut. Benannt wurde das Bergwerk nach dem Besitzer August Zang. August Zang war ein vielseitig interessierter Mann. Er war ein ehemaliger Offizier, gründete eine Zeitung, „Die Presse“, und war nebenher auch noch ein Bankier. Im ehemaligen Bergwerksgelände kann man noch Fördermaschinen bestaunen. Besonders „Leopold“, ein 560 Tonnen schwerer Schaufelradbagger, beeindruckt durch seine unglaubliche Größe. Das Förderband, das zum Teil noch zu sehen ist, stammte von der Gleisdorfer Firma Binder. 1986 wurde Leopold in Betrieb genommen … leider schloss das Bergwerk bereits 1989.
An einem ehemaligen Wagon der GKB vorbei wanderten wir neben der Straße nach Voitsberg zurück. Auch wenn wir keine extrem weite Wanderung absolviert und die Tage davor ausgiebig Süßes verzehrt hatten, gönnten wir uns im Stadtcafé am Hauptplatz einen Cappuccino mit Tiramisu.

 

„Erzherzog-Johann-Weg Rundweg Nr. 8“ – Vorau

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

7,34 km

156 HM

2:30 h

Start:

Vorau Stift  

Nach Vorau zieht es uns immer wieder. In Vorau gibt es ein beeindruckendes Stift (das als das turmreichste Kloster in Österreich gilt), und auch das liebevoll gestaltete Freilichtmuseum möchte ich erwähnen. Aber am geheimnisvollsten sind die vielen mystischen Erdställe, deren Errichtung und Zweck nach wie vor im Dunkeln liegen. Mögen die Wissenschaftler weiter rätseln, für mich steht fest, dass sich in Vorau eine Berufsschule für Zwerge befunden haben muss.
Wenn man von den Erdställen berichtet, darf man natürlich die tollen Lochsteine nicht vergessen (den Lochsteinwanderweg kann ich auch wärmstens empfehlen). Doch selbst wenn all diese interessanten Highlights (die ich gerade erwähnt habe) nicht wären, würde die idyllische Gegend zwischen Wechselmassiv und Masenberg immer noch genug Reize haben, um sie immer wieder gerne zu besuchen.
Der Wanderweg Nr. 8 startet beim Stiftsparkplatz. Mächtige alte Bäume sorgen für ein angenehmes Klima und sehen dazu noch herrlich aus. Wir gingen links an der klösterlichen Anlage vorbei. Die alte Wehrmauer rund um das Augustiner-Chorherrenstift bietet den Vögeln so manche Bruthöhle. Die alten Obstbäume, die davor wachsen, gefallen den Piepmatzen auch besonders gut, und so herrschte reges Treiben neben den geweihten Gemäuern. Wir wanderten stets bergab und blickten immer wieder gerne zurück. Schön ist sie, diese turmreiche Klosteranlage.
Plötzlich hörten wir in der Hecke neben uns hektische Kampfgeräusche. Zwei Goldammermännchen rauften im Flug. Goldammern sind seltene Vögel (sie sind Wiesenbrüter und haben nur selten ein geeignetes Habitat). Sie einmal zu sehen, ist schon eine Freude. Sie jedoch dabei zu beobachten, wie sie sich in der Luft gegenseitig mit ihren Flügeln verhauen, war schon ein ganz seltenes Erlebnis. Zum Glück gab es bei dieser Auseinandersetzung keine Verletzten.
Einige Meter weiter weideten Lamas. Diese Tiere gab es in Vorau sicherlich noch nicht, als man dieses Augustiner-Chorherrenstift im 12. Jahrhundert gründete. Stifter war der Traungauer Markgraf Otakar III. Das Mutterkloster war Seckau. Ursprünglich waren sicher Rodungsarbeiten wichtig, doch schon bald wurde ein Skriptorium (Schreibschule) eingerichtet. Die Bibliothek von Vorau ist riesig und kann mit ganz außergewöhnlichen Schriften aufwarten. Zu den größten Schätzen gehören die Schriften von „Frau Ava“ (lebte wahrscheinlich von 1060 bis 1127 in Melk oder Göttweig). Sie ist die erste namentlich bekannte Dichterin im deutschsprachigen Raum. Als Frau im 11. bzw. 12. Jahrhundert des Schreibens mächtig zu sein, war schon sehr außergewöhnlich. Noch dazu, wo sie nicht einmal eine Nonne war. Ihre religiösen Texte verfasste sie nicht in Latein, sondern in Frühmittelhochdeutsch. Ihr wurde in Vorau zu Recht ein Literaturpfad gewidmet.
Im 15. Jahrhundert drängten Türken in die Grenzregion, und das Stift wurde zu einer wahren Klosterburg ausgebaut. Im 16. Jahrhundert wäre es dann fast mit dem klösterlichen Leben vorbei gewesen. 1542 gab es im Vorauer Stift nur einen einzigen Personaleintrag. Wie sich das Stift danach wieder erholen konnte, weiß ich nicht. Zu Höchstform kam es allerdings im 17. Jahrhundert. Da erhielt es mehr oder weniger das Aussehen, wie wir es heute noch bewundern dürfen: Hochbarock der allerfeinsten Art. Eine Führung ist sehr zu empfehlen. Ich kann mich noch erinnern, als wir in der Volksschule mit den ehrwürdigen Dominikaner-Schwestern das Stift besichtigten. Wir Kinder standen in der Sakristei und besahen das berühmte Bild „Höllensturz“ von Cyriak Hackhofer. Es war richtig gruselig. Der Frosch, der ein Herz (welches in der Geldtruhe lag) verspeiste, blieb mir bestens in Erinnerung.
Weniger gruselig war der nächste Teil der Wanderung … der Brühl. Ob am Hartberger Ringkogel, in Pöllau oder eben in Vorau – sobald ein Ortsteil „Brühl“ heißt, handelt es sich um einen künstlich angelegten, besonders idyllischen Bachlauf mit einem Gehweg daneben. In Vorau geht man zwischen dem seichten, beschaulichen Bächlein, welches wohl mal eine Mühle zur Energiegewinnung diente, und dem steinigen Voraubach. Wir genossen die herrliche Frische an dem heißen Sommertag.
Schließlich überquerten wir den Voraubach und stiegen einen Wald bergan (hier führt auch der Waldlehrpfad entlang). Wir waren im Reich der Pilze und Schwammerln gelandet. Hoch aufgewachsen stand ein Prachtexemplar eines Parasols vor mir, viele kleine gelbe Eierschwammerl lugten vorsichtig ins Freie. Und dann der Höhepunkt: Gregor fand einen richtig schönen Steinpilz. Ich nehme mal an, dass er beim Weitergehen schon von einer guten Steinpilzsuppe mit Einbrenn geträumt hat … und ja, am nächsten Tag hat er dann auch eine bekommen (leider mit kleinen Mehlklumpen – da muss ich wohl noch ein bisschen üben). Doch seit meinem letzten Pilzgericht mit selbst gesammelten Schwammerln habe ich schon sehr viel gelernt … zum Beispiel, dass man keine Gallenröhrlinge ins Gericht geben sollte.
Wir erreichten eine große Wiese mit hohem Gras und einen Trampelpfad, der uns zur Erzherzog-Johann-Höhe führte. Von der Aussichtsplattform mit Fernrohr konnten wir in Richtung Wechsel gucken, davor der Ort Vorau, zwischen Berg und Dorf verschiedene Felder. Ein herrlicher Fleckerlteppich. Das Gedenkkreuz auf der Erzherzog-Johann-Höhe erinnerte an die schreckliche Kriegszeit und an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. 1940 wurde das Stift enteignet, in der „Burg Vorau“ wurde eine Parteischule eingerichtet. Vorau wurde heftig umkämpft. 1945 musste ein ganz schlimmes Jahr gewesen sein. Am 16. April eroberten die Russen den Ort, am 23. April wurde er von den Deutschen zurückerobert, am 8. Mai war er wieder von Russen besetzt. Ich möchte mir nicht vorstellen, was die Bevölkerung da alles durchgemacht hat.
Tiere sind nicht so grausam wie Menschen, besonders Schmetterlinge nicht. Beim Weitergehen entdeckten wir einen besonders hübschen Zitronenfalter. Wir gingen an einer Weide vorbei und kamen zu einer Asphaltstraße. Achtung: Auch wenn das Schild in Richtung Wiesenweg zeigt – der Weg Nr. 8 geht die Asphaltstraße bergab. Und auch beim Gehen auf dem asphaltierten Gemeindeweg konnten wir vieles entdecken: einen Neuntöter in der Hecke, einen Lochstein am Wegrand und eine hübsche Kapelle. Ein Schotterweg führte in den Wald. Weg Nr. 8 zweigte von diesem Schotterweg ab. Wir kamen auf einen Hohlweg, der links und rechts mit Heidelbeerbüschen (samt Beeren) gesäumt war. Und immer wieder wuchsen Eierschwammerln direkt auf dem Weg. Leider endete dieser Wanderweg an einer kaputten Brücke, die durch das Hochwasser im Juni 2024 zerstört worden war. Wir waren gezwungen, umzudrehen. Daher unser Tipp: Den Schotterweg (Augustinerweg) weiter folgen – so kommt man sicher wieder zum Stift zurück.
Im Stiftshof kann man bequem unter alten Bäumen sitzen und sich kulinarisch verwöhnen lassen. Wir haben jedenfalls sehr gut gespeist.
An Führungen nahmen wir nach dieser Wanderung leider nicht mehr teil (es war ein extrem heißer Tag und wir waren müde und verschwitzt). Daher entschlossen wir uns, die Sakristei sowie die Bibliothek ein andermal zu besichtigen.
Infos zur Stiftsführung: www.stift-vorau.at
Infos zu Exkursionen in die mysteriöse Tunnelwelt von Vorau vom Verein „Sub Terra Vorau“: www.subterravorau.at
Das Heimatmuseum Vorau hat täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet (Stand 2024).

„Kulturwanderweg Hengist-Weitendorf-Kuketz-Runde“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg:

9,5 km

92 HM

3 h

Start:

Weitendorf

Kirche  

Manchmal muss man sich überwinden, bei kaltem und nassem Winterwetter ins Freie zu gehen. Aber ehrlich… immer wieder ist man froh darüber, den inneren Schweinehund besiegt zu haben.
Mitte Dezember – ein trüber, kühler Tag ohne Sonnenschein – da trifft man auf Wanderwegen kaum Passanten. Jedenfalls nicht in Weitendorf in der Nähe von Wildon. Schade eigentlich, denn dieser auf den ersten Blick nicht gerade aufregende Ort hat einige wirklich interessante Plätze, die es verdienen, entdeckt zu werden.
Wir parkten unser Auto vor dem Gemeindeamt von Weitendorf (welches unser Autonavi aus welchen Gründen auch immer einfach nicht finden wollte). Weitendorf gehört zu den Kulturgemeinden Hengist. Dieses Gebiet ist seit etwa 6000 Jahren von Menschen besiedelt (Hügelgräber und Urnenfelder aus verschiedensten Epochen). Doch nicht nur Menschen haben hier ihre Spuren hinterlassen: Funde bezeugen, dass es in dieser Gegend auch recht interessante Tiere gab – wie zum Beispiel Wollhaarmammuts. Doch dazu später.
Wir marschierten vom Gemeindeamt los, an der Kirche vorbei in Richtung Westen. Weitendorf war früher ein Rundangerdorf. Heute befinden sich die Häuser samt Ställen links und rechts der Asphaltstraße. Wo sich der „Anger“, der kreisförmig umbaut worden war, einst befand, konnte ich nicht mehr ausmachen.
Wir kamen an einem hübschen Dorfteich vorbei, bogen kurz darauf rechts in eine Siedlung ab und von dort erreichten wir den Waldrand des „Kaiserwaldes“. Im Schotter der „Kaiserwaldterrasse“ hat man etwas Altes und sehr Interessantes gefunden: den Backenzahn eines jungen Wollhaarmammuts. Wer den Film „Ice Age“ gesehen und sich an „Manny“ erinnern kann, hat in etwa eine Ahnung, wie so ein Wollhaarmammut ausgesehen haben mag (nur ohne exakten Scheitel und Lockentolle).
Unser nächstes Ziel war der Weitendorfer Basaltsteinbruch. International ist dieses Bergwerk bei Fachleuten wegen seiner außergewöhnlichen Mineralien berühmt … und auch wegen der Fossilien. Dieser Steinbruch hat es wirklich in sich. Wären wir vor etwa 15 Millionen Jahren hier unterwegs gewesen, hätten wir nicht wandern können, sondern hätten schwimmen müssen. Hier gab es ein Meer – besser gesagt, ein tropisches Flachmeer mit vielen Bewohnern. Über 100 verschiedene Meeresorganismen haben hier friedlich gelebt … bis vor etwa 14,5 Millionen Jahren aus den Erdritzen glutflüssiges Magma austrat. Dieses Magma bildete eine 10 km² große und etwa 30 m hohe Basaltdecke über dem Meeresboden.
Unter der Basaltdecke des Steinbruchs liegt nun dunkelgrauer Tonmergel. In diesem kann man die Fossilien dieser ehemaligen Meeresbewohner finden. Untersuchungen haben gezeigt, dass man heute die nächsten Verwandten dieser versteinerten Wasserwesen im Indischen Ozean und im Roten Meer antreffen kann.
Doch nicht nur das, was sich unter dem Basalt befindet, begeistert die Geologen. Auch die vulkanische Schicht ist für Mineraliensammler und Wissenschaftler höchst aufregend. In den Blasenhohlräumen des Vulkangesteins bildeten sich hübsche Mineralien aus. So wurden im Weitendorfer Steinbruch bereits Calcite in den verschiedensten Farben, Aragonite, Chalcedon, Achate, CT-Opale etc. gefunden.
Es ist verboten, dieses Bergwerk zu betreten. Daran hielten wir uns natürlich. Doch auch von der Straße aus hatten wir die Möglichkeit, ganz originelle Bilder von der ehemaligen Steinbrechanlage zu knipsen. Ein erstklassiger Lost Place. Die Außenfassade zur Straße hin war so interessant, dass wir hier sehr lange Zeit immer wieder außergewöhnliche Details ablichten konnten.
Danach wanderten wir weiter zur Kainach. Ich will nicht beurteilen, was das größte Highlight dieser Wanderung ist, aber die Wegstrecke zwischen Kainachbrücke und Faltikögerl steht ganz weit oben. Zwischen einem sehr großen Teich und dem noch recht naturbelassenen Fluss gibt es einen Weg, viel Wildnis und ganz viele Vögel. Das nasse Moos leuchtete in einem Sattgrün, das Eis des Teiches schimmerte im dunklen Türkis und bildete einen herrlichen Kontrast zu den orangen Blättern eines Strauchs.
Der Faltikögerl ist ein Hügel … ein sehr, sehr steiler Hügel … und er ist wahrscheinlich nicht von Natur aus so steil. In früheren Zeiten waren die Menschen auch recht fleißig und sie hatten den Wunsch, einigermaßen sicher zu leben. Daher hatten die Leute, die den Faltikögerl besiedelten, auf allen Seiten deutlich abgeböscht. Seit 2007 finden Grabungsarbeiten auf dem Faltikögerl statt. Drei Bau- und Siedlungsphasen konnten nachgewiesen werden – von der jüngeren Urnenfelderzeit bis zum Mittelalter. Keramikfragmente hat man gefunden, Spinnwirtel und Webstuhlgewichte, aber auch einen Fußboden. Wir statteten dem Faltikögerl einen Besuch ab. Ruhende Ausgrabungen sind nicht sonderlich spektakulär: eine Hütte, Zäune und Abdeckplanen. Der Ort selbst allerdings hat schon etwas, auch wenn das Plateau des Kögerls nicht allzu groß ist.
Und weiter ging unsere Wanderung. Über tief eingeschnittene Hohlwege stiegen wir stetig den Kuketz bergauf. Nur 399 Meter ist dieses Bergerl hoch, doch geologisch hat es trotzdem viel zu bieten. Neben Sanden und Mergel (die etwa 15 Millionen Jahre alt sind) gibt es hier auch sehr, sehr alte Gesteine, die stolze 400 Millionen Jahre auf dem Buckel haben. Und Eisenerz fand man hier auch. Auf dem Kuketz gab es früher Bergbautätigkeiten. Dazu waren allerdings keine Sprengungen nötig, nein, man musste nur die Erzbrocken ausbuddeln. Die Limonitknollen, welche einen Eisengehalt von bis zu 60 % hatten, fand man gleich unter der Erdoberfläche. Über 200 bis zu 2 Meter tiefe Mulden (Pingen), wo man diesen Brauneisenstein ausgegraben hat, kann man am Kuketz zählen.
Irgendwann kamen wir wieder ins Tal und zur Kainach. Die nächste Wegstrecke war leider nicht mehr so idyllisch und interessant. Zuerst ging es unter der Eisenbahnbrücke durch, dann kamen wir bei der Kompressorstation der Trans Austria Gasleitung vorbei. Dann noch unter der Autobahn durch und schon waren wir im Ort Lichendorf. Über Feldwege und kleine Asphaltstraßen erreichten wir Klein-Weitendorf, von dort wieder unter der Autobahn durch zum Ausgangspunkt.
Da wir in Weitendorf selbst kein offenes Restaurant fanden, beschlossen wir, einen Abstecher ins nahe gelegene Wildon zu machen. Direkt im Ort gibt es das Café/Pizzeria „Marktstüberl“. Dort bekamen wir am frühen Nachmittag ein gutes Mittagessen.
Anschließend spazierten wir über Treppen zur Kainach (das letzte Stückchen des Flusses, bevor sie in die Mur mündet) und weiter zum Badeteich, wo es im Dezember einen kleinen Adventmarkt gab. Hier war es (trotz des nicht gerade lauschigen Wetters) sehr belebt. Verkaufs- und Glühweinstände befanden sich auf der einen Seite. Für vorweihnachtliches Ambiente sorgten die Lichterketten in den Bäumen. Nicht schlecht. Und trotzdem bevorzugte ich die andere Seite. Die Badesee-Seite, wo zwei Eltern-Schwäne mit ihren drei Teenagerschwänen (graue Färbung) unterwegs waren. Dieser Familie hatte sich auch eine Ente angeschlossen, die sich ordentlich ins Zeug legen musste, um beim Tempo, welches die großen Schwäne vorlegten, mithalten zu können.
Doch richtig sensationell finde ich den Blick auf den Ort Wildon mit der hoch aufragenden Kirche und dem legendären Burgberg dahinter, den wir schon einmal auf einer früheren Wanderung erkundet hatten.