Div. Wanderungen in der Donnersdorfer Au

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Donnersdorf Au nach Apace8,5 km

nicht nennenswert

3 h

 

   

Die Mur ist zwischen Mureck und Bad Radkersburg besonders interessant. Ein ganz hübsches Stückchen davon ist die Donnersdorfer Au, die wir immer wieder gerne besuchen. In Donnersdorf gibt es einen Wanderparkplatz.

Zuerst mussten wir den Mühlbach queren. Eine hübsche Brücke führte über das idyllische Gewässer. Davor stand ein Schild: „Amazon of Europe“. Gut, ob man da nicht etwas zu dick aufgetragen hat? Egal, wir waren nun auf dem Weg zur Kernzone des 5-Länder-Biosphärenparks Mur-Drau-Donau.

Auf den Wiesen neben dem Bach breiteten sich weiße Teppiche aus echten Schneeglöckchen aus. Wunderbar. Wir wanderten auf einem bequemen Weg weiter hinein in den belebten Auwald mit seinen munteren Bewohnern.

Im Vorfrühling hat man gute Chancen, Vögel zu entdecken. Und hier kann man richtig viele gefiederte Gesellen dabei beobachten, wie sie zwischen den Ästen hin- und herfliegen oder an den Stämmen hochklettern. Irgendwie hat es schon auch etwas, wenn die Bäume noch kein Laubkleid tragen.

Ein Schwarzspecht hämmerte, ein zweiter war ganz in der Nähe und machte sehr lautstark auf sich aufmerksam. Kohlmeisen, Schwanzmeisen, Krähen, Kleiber – was für ein reges Treiben an diesem herrlichen Frühlingstag. Warm war es – vor einer Woche hatte es noch jede Menge Schnee gegeben. Doch keine Angst vor Matsch und Morast: Der Weg war gut befestigt.

Schon kamen wir bei der Mur an. Hier gab es Infotafeln, einen kleinen Aussichtsturm und die „River’scool“. Hier mussten wir uns entscheiden: rechts abbiegen und in Richtung Murturm gehen – das hatten wir bereits im März 2025 gemacht.

Diese Wanderung ist etwas länger, doch der Murturm ist absolut sehenswert. Ich habe größten Respekt vor den Menschen, die diesen Turm geplant und gebaut haben. Eine ganz tolle Idee. In Gosdorf darf sich die Mur ausbreiten, es gibt Inseln, ein Bach mündet hier in die Mur, und rundum ist alles sehr belebt. Und inmitten dieses interessanten Gebietes hat man einen Aussichtsturm in Form einer Doppelhelix errichtet. Genial.

Ganz einfach war es wohl nicht, diese Idee umzusetzen. Gut Ding braucht Weile – die Eröffnung verzögerte sich –, doch das Ergebnis ist wirklich sehenswert. 168 Stufen sind zu bewältigen, 27,5 Meter ist der Turm hoch. Er hat einen eigenen Aufgang, und bergab geht es über eine andere Stiege. Der Blick von oben auf den Auwald ist sensationell. Der Fluss wirkt hier frei und wild – mich würde nicht wundern, wenn hier Winnetou herbeigeritten käme.

Bei der Wanderung im März 2025 waren wir nicht direkt an der Mur retourgewandert, sondern über einen Bergbaubetrieb und ein aufgelassenes Gehöft zurück nach Donnersdorf gekommen. Dabei waren wir in Fluttendorf in Elfi’s Hüttn eingekehrt.

Anfang März 2026 waren wir nicht ganz so ambitioniert. So weit wollten wir nicht gehen, also entschlossen wir uns, nach Apače zu wandern. Auch bei dieser Wanderung mussten wir 8,5 Kilometer zurücklegen, und etwa drei Stunden Gehzeit waren einzuplanen.

Doch zuerst besuchten wir den hölzernen Aussichtsposten der River’scool. Im Juni 2022 hatte sich auf den Stufen dieser Mini-Aussichtswarte eine hübsche Echse gesonnt. Sie hatte ein dickes Bäuchlein, einen getupften Bauch und einen hellen Rücken; seitlich war die Musterung etwas dunkler. Die hinteren Füßchen zeichneten sich durch extrem lange Mittelzehen aus. Aus dunklen, klugen Augen, die weiß umrandet waren, hatte uns das Reptil skeptisch beobachtet. Offensichtlich hatten wir nicht allzu furchteinflößend gewirkt, denn das Tierchen gewährte uns ein tolles Fotoshooting.

Im März war noch keine Echse unterwegs, also konnten wir ungehindert auf den Hochstand klettern und auf die Schotterinsel in der Mur blicken. Eine weitere Insel, diesmal mit Bäumen, entdeckten wir ebenfalls. Ein schnell fließendes Bächlein floss daran vorbei, bevor es in Mama Mur mündete. Diese Insel war offensichtlich die Werkstätte eines Bibers. Eines sehr, sehr fleißigen Bibers.

Doch nun ab nach Apače. Wir überquerten den Fluss über die Hängebrücke für Radfahrer und Wanderer. Gleich nach der Brücke gibt es die „Bicikl Bar“. Ob Fisch oder Pizza – hier kann man gut essen. Wir wollten jedoch zuerst wandern.

Wir folgten der Mur in Fließrichtung und konnten ein Gänsesägerpärchen entdecken. Weiße, dicke Bäuchlein. Das Männchen hat einen dunklen Kopf, seine Herzensdame trägt eine braune Haube.

Im Sommer 2022 gab es auf diesem Murabschnitt ganz hübsche Gänsesägerküken.

Wir waren auf dem Waldweg unterwegs. Graues Laub vom Vorjahr bedeckte die Fahrbahn, daneben gab es Krokusse und Streifen aus weißen Schneeglöckchen. Das dichte Gestrüpp hatte noch keine Knospen oder gar Blätter, doch im Gewirr der dünnen Ästchen tat sich etwas. Ein hübsches gelbes Bällchen – eine wunderbare Goldammer. Was für eine Freude. Die Goldammer gilt als Bote des Frühlings und trägt im Volksmund den Beinamen „Morgenstern“.

Gelbe Goldammer, weiße Schneeglöckchen und violette Krokusse – wie schön doch das Frühjahr ist. Im Sommer 2022 waren die Büsche mit üppigem Laub bedeckt, am Mittelstreifen des Forstweges wuchs hohes Gras, vom grauen Laub des Vorjahres war nichts zu sehen. Die Natur erneuert und verändert sich erstaunlich rasch.

Bei den Infotafeln über die Tierwelt mussten wir rechts abzweigen, verließen schließlich den Auwald und steuerten auf Apače zu. Im Sommer kann man neben der Kirche in einer Eisdiele einkehren – das Eis ist sehr gut. Im März war sie leider nicht geöffnet.

Auch die Kirche, die bereits um 1200 gegründet wurde, war nicht geöffnet. Hoch und spitz ist das Dach. War das neben der Dachrinne einst ein Wasserspeier? Ein Affe mit einer Kugel, glaube ich zumindest.

Die Rosette ist wunderbar. Sie wurde aus einem einzigen Stein gefertigt. Die Kirche hat Charme, das steht fest. Im Sommer 2022 tummelte sich eine Hochzeitsgesellschaft vor der Kirche. Fröhliche und glückliche Menschen. Wie schön.

Wie schon erwähnt, hatten wir diese Wanderung bereits einmal im Sommer unternommen. Damals herrschte große Hitze, und daher kam sie uns sehr anstrengend vor. Im März bei angenehmen Temperaturen mussten wir darüber schmunzeln. Eben war es hier … und so weit war die Wanderung dann auch wieder nicht – gerade einmal ein etwas längerer Spaziergang.

Zurück bei der Mur kehrten wir schließlich in der Bicikl Bar ein. Die Gibanica, eine köstliche Mehlspeise aus Schichten von Mohn, Topfen, Nüssen und Äpfeln, können wir wärmstens empfehlen.

 

Chakraweg zum Heidenstein

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 2 km60 HM1 h
    

Der Heidenstein liegt direkt hinter einigen Häusern auf einer Hügelkuppe im Weiler Eibenstein. Eibenstein selbst ist zirka 10 km nordwestlich von Freistadt. Fährt man in diesen kleinen Ort, muss man über den Güterweg Eibenstein fahren.

Es gibt einen tollen Parkplatz für Wanderer; daneben hat man eine kleine Kapelle errichtet – doch die meisten Besucher des Ortes interessieren sich weniger für das Kirchenhaus, sondern viel mehr für den alten Kultfelsen.

Ist man so neugierig auf diese sagenumwobene Steinformation wie ich, dann übersieht man leider leicht, dass man für den Chakrawanderweg nach rechts hinunter abbiegen müsste. Wir folgten einfach den Wegweisern zum Heidenstein und standen kurz darauf äußerst beeindruckt vor diesem monumentalen Weinsberger Granit.

Am Fuße des Kultfelsens gibt es ein Holzgeländer und einen schmalen Pfad, der die Felsen hinaufführt. Riesige, grob bearbeitete, hohe, aber schmale Stufen sind in den Stein eingemeißelt worden. Neben diesem massiven Steinblock befindet sich ein Spalt – irgendwie glaubt man beim Anblick dieses Spaltes, eine Rinne zu sehen. Dann folgt der nächste hohe Felsen.

Ich kletterte die steilen, uralten Stufen hinauf und war hingerissen. Der durch den Spalt abgetrennte Fels hat drei mit Wasser gefüllte Schalen … ach was, Schalen! Die eine hat die Größe einer Babybadewanne. Diese Schalen sollten angeblich immer mit Wasser gefüllt sein – auch nach Hitze- und langen Trockenperioden. Wäre der Stein kein „Heidenstein“, dann hätte es dafür sicherlich wieder eine Sage gegeben, die bestimmt davon handelte, dass darin das Jesuskind gebadet worden wäre. Laut alten Geschichten muss die Gottesmutter Maria ihren Sohn sehr, sehr oft in Österreich in Steinschalen gebadet haben.

Doch es ist ja ein Heidenstein – und der Volksmund hat auch für den Heidenstein eine Erklärung. Sollten die Schalen einmal trocken sein, dann wäre es um unsere Welt nicht mehr allzu gut bestellt. Sie wäre zum Untergang verurteilt. Die Oberösterreicher haben es irgendwie mit dem Weltuntergang. Nicht allzu weit vom Eibenstein entfernt liegen die Weltuntergangssteine, bei denen es einen Durchkriechkult gibt. Würden diese zwei Felsbrocken zusammenstoßen, dann wäre auch das Weltende gekommen. Glücklicherweise hat unsere Erde schon so manche prognostizierten Untergänge überlebt: verschiedene Konstellationen von Planeten, Sonnenflecken, der Maya-Kalender etc. – die Ideen, einen Untergang anzukündigen, sind mannigfaltig.

Im 19. Jahrhundert kamen zum Beispiel verschiedenste Leute auf den Kulm in der Oststeiermark, um den Weltuntergang zu erwarten, der von dem Mystiker Jakob Lorber prognostiziert worden war. Ob die Leute enttäuscht wieder nach Hause zogen, als das angekündigte Ereignis nicht stattfand?

Zurück zur Wanderung: Ich war nicht nur wegen der gefüllten Steinschalen hellauf begeistert (unter dem Felsen soll es eine Quelle geben, und durch die Kapillarwirkung soll das Wasser hochgezogen werden), sondern auch ganz angetan von der hervorragenden Aussicht, die man von hier oben genießt. Eine weite, bucklige Landschaft tat sich vor mir auf. Herrlich.

Ich persönlich glaube ja, dass diese eingemeißelten Stufen gemacht wurden, damit man auf dem Stein wie auf einer Tribüne sitzen konnte, um vielleicht den Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang eines bestimmten Tages zu beobachten. Anbieten würden sich die Tage der Tag- und Nachtgleiche. Der Heidenstein liegt so günstig zwischen dem Viehstein im Osten und dem Steinberg im Westen, dass an diesen Tagen vom Heidenstein aus gesehen die Sonne dort auf- bzw. untergeht. Daher diente er möglicherweise auch als Kalenderstein.

Dass es sich beim Heidenstein um einen wirklich wichtigen Stein handelte, kann man aus einem Schriftstück aus dem Jahr 1538 entnehmen, das im Archiv des Schlosses Waldenfels gefunden wurde. Darin wird berichtet, dass auf dem Heidenstein nach längerer Pause wieder ein Treffen nach altem Recht stattgefunden habe. Das „Ehafttaiding von Eibenstein“ wurde unter dem Vorsitz des Dorfrichters abgehalten, und alle wären verpflichtet gewesen, an diesem Taiding zu erscheinen – ausgenommen natürlich Kranke und jene, die für den Grundherrn Frondienste zu leisten hatten.

Ich kletterte wieder die Stufen hinunter und umrundete nun beinahe den Felsen, auf dem sich die Wasserschalen befanden. Hier konnte ich auch Stufen ausmachen – schmal und klein, kaum zu begehen –, und sie führten weder ganz hinauf noch sicher hinunter.

Umrundet man den Heidenstein, so sieht er von jeder Perspektive völlig verändert aus. Die Natur hat da etwas ganz Besonderes geschaffen. Und indem man um ihn herumgeht, bemerkt man erst richtig, wie riesig diese Felsformation eigentlich ist. Eine Holzburg soll einst auf ihm gestanden haben. Man hat sogar errechnet, dass diese einen Innenraum von etwa 140 m² gehabt haben könnte. Holzburgen auf Granitfelsen gab es im Norden Österreichs tatsächlich etliche, um die Grenze gegen Böhmen zu verteidigen. Doch ob die 13 Riesenstufen einst zu einer Burg führten?

Jedenfalls wurde der Ort „Ybenstein“ erstmals im Jahr 1262 in einem Testament von Wok von Rosenberg erwähnt. Darin bestimmte er, dass „der Hof und die Felder gegen Sommerau sowie die inneren Felder gegen Eibenstein bis zu den Grenzen Böhmens an seine Gemahlin Hedwig gehen sollten“. Ein stattlicher Besitz, der 1318 zum Stift Hohenfurth kam. Doch die Christen hatten es hier im hohen Norden Österreichs offensichtlich nicht ganz einfach, Fuß zu fassen.

Laut Sage kam es dann in Eibenstein zu einer gewaltigen Auseinandersetzung zwischen einigen Christen und Heiden. Natürlich siegten die Christen und versuchten sofort, der katholischen Kirche den heiligen Stein einzuverleiben. Man wollte auf ihm eine hölzerne Kirche bauen. Daraus wurde allerdings nichts, denn das Baumaterial wurde entweder immer wieder verschleppt oder zersägt, und die Bauarbeiter fand man an Bäume gefesselt. Die Wilde Jagd habe sie heimgesucht, behaupteten die armen, traumatisierten Arbeiter. Man gab den Kirchenbau auf, und der Stein wurde als heidnisch und unheimlich verschrien.

Ob da nicht die Anhänger des alten Glaubens, die in Verkleidung durchaus eine „Wilde Jagd“ veranstalten konnten, den Arbeitern so übel mitgespielt hatten?

Einige Holzlatten lagen auch bei unserem Besuch am Heidenstein. Ich glaube jedoch nicht, dass heutzutage noch jemand auf die Idee käme, auf diesen Felsen ein Kirchlein zu bauen. Am Fuße der Steinformation befindet sich allerdings eine Krippe. In der Adventszeit gibt es hier einen Weihnachtsmarkt.

Nachdem wir eine lange Weile an diesem magischen Platz verbracht hatten, wollten wir nun auch den Chakrawanderweg gehen – in umgekehrter Richtung wohlgemerkt. Die Station „Scheitel-Chakra“ befindet sich noch neben dem Heidenstein: ein hölzerner Thron und eine Klanginstallation.

Den Berg hinunter kamen wir dann zur Station „Stirn-Chakra“ – ebenfalls wunderbare Felsen, die überall sonst Aufsehen erregt hätten. Sie hatten nur das Pech, dass wir sie erst nach dem Heidenstein entdeckten.

Beim „Kehlkopf-Chakra“ gibt es eine wunderschöne Eule aus Holz, deren Augen besonders gut gelungen sind. Es folgte ein Aussichtsbankerl, von dem aus man bereits unser Nachbarland erblicken konnte, sowie einen Weiler mit dem Namen Stiftung. (1318 kam das Gebiet an das Stift Hohenfurth; ich nehme an, dass es gestiftet wurde.)

„Herz-Chakra“, „Nabel-Chakra“ und „Milz-Chakra“ folgten. Die Station „Wurzel-Chakra“ gefiel mir gut – besonders die Interpretation einer Sitzbank. Schließlich kamen wir wieder zum Ort zurück und folgten der Straße einige Meter bergauf zum Parkplatz.

Hier, ganz im Norden Österreichs, wurde ein richtig toller Wanderweg angelegt, der zu Recht das Wandergütesiegel trägt. Lang ist der Weg nicht – man sollte sich jedoch bei den Stationen genügend Zeit lassen, die Texte lesen, sich auf die Bänke setzen und in sich gehen. Ich bin auf diesem Wanderweg richtig gut zur Ruhe gekommen.

Und die Krönung der Wanderung ist der Heidenstein, den schon unsere klugen Ururahnen als einen sehr starken Kraftplatz erkannt haben.

 

HWW Wanderroute Dechantskirchen – Kroisbach – Heiligenbrunn

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

HWW Wanderweg

9,38 km

148 HM

2:30 h

Zusatzstrecke

4 km

 1 h

Im Mai, wenn die Sonne scheint (und es nicht allzu heiß ist), ist eigentlich jede Wanderung schön. Von einer ganz besonders interessanten Wanderung möchte ich jetzt berichten.

Wir starteten in Dechantskirchen – bei der „Kirche des Dechants“. Der Alpenostrand wurde von Salzburg aus missioniert. Dort gab es Urpfarren – eine davon war Fischau (südlich von Wien). Und dort gab es einen Erzdechant, der Otakar hieß. Dieser gründete 1150 eine Kirche im nur schwach besiedelten und dafür stark bewaldeten östlichen Gebiet des Wechsels. Dort verlief früher der Römerweg über den Hartberg – um die Zeit der Kirchgründung gab es dort den wichtigen Hartberg-Pfad. 1163 wurde Dechantskirchen zur Pfarre erhoben und ist damit die älteste Pfarre im Wechselland.

Wir betraten die Kirche über eine Seitentür, wobei wir zuerst in eine Seitenkapelle kamen. Dort steht ein sehenswerter Taufbrunnen mit einem bemalten Gehäuse, und dort gibt es auch die „Schwarze Madonna von Dechantskirchen“. Laut Sage soll sie einen Kirchenbrand schadlos überstanden haben, nur dass die Statue danach schwarz war.

Wir verließen die Kirche und folgten der Straße bergauf in Richtung Kroisbach – eigentlich nur bis zur Tafel mit den Themenwegen. Gemäß der Wegführung der HWW-Route hätten wir dieser Straße weiter folgen müssen, doch wir bogen (den Themenwegtafeln folgend) links ab, kamen am Kindergarten vorbei und stiegen bei einem prächtigen Hohlweg in den Wald hinab. Der Artenreichtum an den Böschungen des Weges war enorm. Wir gingen auf einem sandigen Weg durch den Wald, immer wieder blickten wir auf Wiesen, die durch Hecken und Bäume hübsch gegliedert waren.

Plötzlich war der Untergrund nicht mehr sandig. Der Weg war wie gepflastert von runden, großen Steinen. Ein Grund für Gregi, zu behaupten, dass wir hier sicherlich auf einem originalen und echten Römerweg unterwegs wären. Ich weiß nicht, ob es wirklich ein Römerweg war – möglich wäre es. Hier in der Gegend gab es tatsächlich einmal einen uralten Handelsweg.

Wir kamen auf eine kleine Asphaltstraße und folgten nun dem Heilbrunnweg. Bei der Ortschaft Kroisbach trafen wir wieder auf die eigentliche Wanderroute. Ich kann diesen Umweg, den wir gemacht hatten, wärmstens weiterempfehlen.

Nun ging es bergab durch den Wald. Wege gingen nach links und rechts – am besten den Weg mit der gelben Markierung L2 geradeaus folgen. Schon sahen wir hinunter nach Rohrbach – ein recht interessanter Ort. Besonders fiel mir ein Gebäude auf: die Kirche. Nicht alt und ehrwürdig wie die von Dechantskirchen, sondern noch recht jung (1959 bis 1961) und modern mit einer Doppelturmfassade.

Wir stiegen in Richtung Tal ab, und mitten im Wald – potzblitz – stand wieder ein recht großes sakrales Gebäude: die Heiligenbrunnkapelle. In dieser Größe hätten wir hier keine Kapelle erwartet. Bei Kirchen und Kapellen ist es ja meistens so, dass einmal dieses Teil, dann ein anderes Teil dazukommt. Es ist wohl so ähnlich wie bei Häuslbauern: Zuerst wird das Haus gebaut, dann werden die wichtigsten Räumlichkeiten eingerichtet. Im Laufe der Jahre kommt dies und das dazu – wenn man das Geld dafür hat oder wenn man etwas Besonderes am Markt entdeckt. Auch bei Kirchen ist das so. Die Anschaffung einer Glocke war damals schon etwas Besonderes – Metall war teuer, und eine Glocke zu gießen und zu transportieren war auch nicht gerade einfach. 1850 konnte man sich für die Bründlkapelle eine Glocke leisten, 1882 (also 32 Jahre später) wurde diese gestohlen. Was auch immer damit geschehen ist, sie war unwiederbringlich fort. Noch im selben Jahr schaffte man eine neue Glocke an, 34 Jahre später wurde diese als Kriegsablieferung eingezogen.

Wir kamen ins Tal und an das Ufer der Lafnitz – wir lieben diesen Fluss. Wir hatten den Tipp bekommen, in Rohrbach unbedingt das Café „Kaffeewerk“ zu besuchen. Wer uns kennt, weiß, dass wir diesen guten Rat befolgten und einen erstklassigen Eiskaffee genossen.

Frisch gestärkt wanderten wir zurück zum Fluss und über Limbach nach Thalberg (bei der Unterführung wieder auf die linke Seite der Bundesstraße wechseln). Wir hätten wahrscheinlich auch einfach dem Radweg rechts der Bundesstraße folgen können. Nun kam der eigentliche Höhepunkt der Wanderung. Schon von der Ferne sahen wir die beeindruckende Burg Thalberg, die auf einem Felsriegel über dem Tal thront. Bevor wir uns dem Gebäude nähern konnten, mussten wir durch den 41 Meter hohen Burggrabenviadukt gehen, über den die Wechselbahn in Richtung Friedberg donnert.

Ganze 90 Meter ist die Hochburg lang und 23 Meter breit. Rechts und links je ein Turm, wobei der Bergfried 24 Meter hoch ist. Die Burg ist die älteste im Wechselland, und sie wurde nie von Feinden eingenommen. 1171 wurde die romanische Burganlage von den Herren von Krumbach als Grenzfestung gegen die Ungarn errichtet. Die östliche Toranlage soll ein herrliches Quadermauerwerk sowie einen aufwendigen romanischen Dekor aufweisen. Im 15. Jahrhundert wurde die Burg durch eine Zwingeranlage und eine spätgotische Vorburg erweitert.

Die Burg hatte eine wahrlich wechselvolle Geschichte. Siegmund von Dietrichstein (1484 bis 1533) war einst Landeshauptmann der Steiermark, aber er war auch protestantischen Glaubens. Daher wurde die Burg zu einem Zentrum des Protestantismus.

1610 sah es auf der Burg ganz anders aus. Nun waren die Jesuiten die Besitzer des Bauwerks, und sie sahen es als ihre Aufgabe, die Bevölkerung wieder zum katholischen Glauben zu bekehren – wenn es sein musste auch unter Zwang. Falls es zu Aufständen kam, war man hinter den dicken Burgmauern sicher. Die Jesuiten verehrten den heiligen Nepomuk – eine Steinfigur dieses Heiligen steht gegenüber der Vorburg.

So traumhaft dieses Ensemble (das man leider nur von der Straße aus betrachten kann) auch ist: Als ich vor dem Tor der Unteren Burg stand, das schadhafte Dach sah, den lieblichen Erker (aus dem schon das Grün sprießt) und die Holzverkleidungen in den Fenstern des Bergfrieds, kam mir die Erkenntnis: Es gibt Dinge, für die ich in meinem Leben dankbar bin. Eine davon ist die freudige Tatsache, dass ich keine Burgbesitzerin bin. Ehrlich – solch ein Gebäude zu erhalten, wäre ein Albtraum.

Von Thalberg nach Dechantskirchen ist es dann nicht mehr weit. Wir hatten auf dieser Wanderung richtig interessante Dinge gesehen und erfahren: die älteste Pfarre sowie die älteste Burg des Wechsellandes, die naturbelassene Lafnitz und eventuell sogar ein Römerweg. Lobend möchte ich auch die interessanten Informationstafeln des Historischen Weitwanderwegs Wechselland erwähnen. Eine ganz tolle Initiative.

 

Brunn bei Fehring nach Hatzendorf

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Brunn nach Hatzendorf über Grillberg und Hatzendorfer Weinweg

7,5 km220 HM

2,75 h

unsere Variante

ca. 18.000 Schritte  

Es war ein eisiger Jännertag, aber die Sonne schien herrlich, es gab einen blauen Himmel und weißen Schnee. Die meisten Personen zieht es bei diesem Wetter in die Berge. Uns nicht, wir fuhren in den Süden – besser gesagt in die Südoststeiermark nach Fehring.

Ich wollte mir schon immer einmal den Römerstein von Brunn bei Fehring ansehen. Nun ja, das Original hatte ich ja schon gesehen – im Landesmuseum Joanneum in Eggenberg. Doch ich bin ein neugieriger Mensch. Ich möchte immer wissen, wo diese interessanten alten Artefakte einst beheimatet waren. Meist sind das ganz besondere Plätze.

In einem Wanderbuch fand ich eine Wanderung, die von Brunn bei Fehring nach Hatzendorf führen sollte. Sie war nicht allzu lang, gerade einmal 7,5 km. Von Hatzendorf könnten wir dann ja mit den Öffis zum Fehringer Bahnhof retourfahren – so hatten wir es ursprünglich geplant. Wer uns kennt, hat schon so eine Ahnung, dass dieser Plan bestimmt nicht so gelingt wie gewünscht. Natürlich haben wir uns wieder einmal „verlaufen“ und auf diese Weise eine ganz neue, hübsche Wanderrunde entdeckt.

Wir starteten am Fehringer Bahnhof, der eigentlich in Brunn bei Fehring liegt. An der Halle, wo Beerenobst verarbeitet wird, vorbei und über den Bahnübergang. Gut, da mussten wir warten, weil der Schranken uns kurzfristig am Weitergehen hinderte. Der Fehringer Bahnhof kam mir recht groß vor – und ja, er war früher auch recht bedeutend.

Am 1. Mai 1873 wurde Fehring an das Eisenbahnnetz der Monarchie angeschlossen. Die „Steirische Ostbahn“ brachte die Fehringer nun ganz komfortabel nach Graz. Dazumal war Fehring sozusagen ein „Außenposten“ der Monarchie. Das benachbarte Jennersdorf gehörte noch zu Ungarn. Aber mit der tollen Ostbahn war man nun besser an die Landeshauptstadt angebunden. Über Graz konnte man sogar Wien erreichen.

1885 wurde dann die Lokalbahn „Fehring–Fürstenfeld“ eröffnet. Und als die Gleise über Fürstenfeld hinaus weitergebaut wurden, konnte man ab 1910 direkt nach Wien fahren, ohne vorher den Umweg über Graz machen zu müssen. Wie schnell man nun überall mit der Bahn hinreisen konnte!

Die deutsche Wehrmacht nutzte diese Bahn natürlich auch, um rasch Soldaten und Nachschub in Richtung Osten zu transportieren. Die Alliierten griffen daher den Bahnhof in Fehring an. Wenn die Sirenen warnten, mussten sich die Personen, die sich beim Bahnhof befanden, auf den Höhenrücken retten. Und genau auf diesen Höhenrücken wollten wir nun – hinauf auf den Königsberg zum Römerstein.

Wir gingen an der Socca-Tankstelle vorbei bis zur Kreuzung. Dort sahen wir die Wanderwegmarkierung 07. Sie führte uns eine schmale Asphaltstraße hinauf bis zur letzten Häuserreihe. Dort verließen wir die Straße und stiegen steil neben einem Zaun bergauf, bis wir einen querenden Waldweg erreichten. Vorerst bogen wir rechts ab und gelangten in kurzer Zeit zum ehemaligen „Heiligen Bezirk“ der Kelten auf dem Königsberg.

Die Geschichte, wie dieser Heilige Bezirk gefunden wurde, ist besonders interessant. 1937 gab es ein ganz böses Unwetter. Viele Bäume im Wald waren durch dieses Extremwetterereignis entwurzelt worden, und die Bauern überlegten, was sie mit diesem ruinierten Wald machen sollten. „Roden wir die anderen Bäume auch und legen wir einen Weinberg an“, entschieden sie und machten sich ans Werk. Bei den Rodungsarbeiten kam dann ein Stein zum Vorschein, ein schön behauener Stein mit einer römischen Inschrift.

Man erinnerte sich an eine Sage, die besagte, dass es auf dem Königsberg ein versunkenes Schloss geben sollte. Und wo es ein versunkenes Schloss gab, da sollte es auch Schätze geben. Der Stein wurde zerstört, und mit ihm der kostbarste Schatz. Zum Glück holte das Landesmuseum den Stein nach Graz und restaurierte den „Weihealtar“, der vom römischen Bürger Aurelius Celsinus für seinen Sohn Marcus Aurelius Celsinus errichtet worden war.

Und siehe da: Die Forscher erfuhren durch die Inschrift, dass dieser Stein „Jupiter Optimus Maximus Uxlemitanus“ gewidmet war. Uxlemitanus war ein keltischer Wettergott. Tja, der gute Wettergott wollte wohl, dass sein Stein wiederentdeckt würde – daher schickte er dieses fürchterliche Unwetter, das die Bäume entwurzelte. Es ist nicht immer gut, wenn Wünsche in Erfüllung gehen. Der Wettergott hatte wohl keine Ahnung davon, dass die Leute ihn nicht mehr kannten und respektierten. Die Banausen verehrten ihn nicht bei seinem Weihealtar – sie zerstörten ihn.

Nach der Besichtigung der Nachbildung des Römersteins mussten wir den Forstweg wieder zurückgehen. Jedoch blieben wir auf dem Waldweg, der uns hinauf zum Weingut Kapper führte. Eine Schaukel, eine Liege, eine Aussichtsplattform und ein wunderbarer Rundblick erwarteten uns.

Hinab nach Fehring und in das breite, schöne Raabtal, das sich nach Fehring noch großzügiger ausbreitet. Die Gleichenberger Kogel, und wenn man genau schaut, das Schloss Bertholdstein. Und wenn man ganz, ganz genau schaut, sieht man sogar den Großen Speikkogel mit seiner Goldhaube.

Beim Weingut Kapper gibt es ein modernes Kunstobjekt – von dort hat man einen guten Blick auf die Riegersburg. Wir wanderten die Asphaltstraße bergab, bogen dann in die erste Straße rechts ab und gingen bei einem herrschaftlichen Anwesen vorbei den Hügel hinunter. Im Graben angekommen, hätten wir wahrscheinlich rechts abbiegen müssen, um über den Burgstallberg auf den Grillberg zu gelangen. Wir bogen bei der Kreuzung links ab und marschierten den Rittergraben sehr, sehr lange entlang. Der eisige Wind machte uns zu schaffen, und wir blickten immer wieder rechts nach oben, wo wir schon verheißungsvoll das Gipfelkreuz des Grillbergs und die Weingärten sahen. Doch alle Wegerln, die rechts nach oben führten, waren Hauszufahrten. Endlich – eine schmale Asphaltstraße mit einem „Vorrang geben“-Schild. Hier konnten wir endlich zum Höhenrücken aufsteigen.

Wir beobachteten einige Krähen, die mit vereinten Kräften einen Bussard vertrieben. Viele schwächere Kreaturen sind gemeinsam stärker als ein starker „Macher“. Krähen sind klug. Auf dem Höhenrücken angekommen, gab es endlich Wanderwegweiser. Rot waren sie, und wir erfuhren von ihnen, dass wir nun auf dem Hatzendorfer Weinweg waren. Hier hätten wir nach Hatzendorf hinabgehen können, um mit den Öffis zurückzufahren. Wir folgten jedoch der Asphaltstraße nach rechts, in Richtung Buschenschank Gölles und Grillberg. Wir waren noch nicht müde, und der Weinweg würde uns sicherlich in Richtung Brunn bringen.

Hier war die Wanderung richtig idyllisch und die Aussicht phantastisch. Weingärten, hübsche Bauernhäuser, Pferdekoppeln … und dann endlich der Grillberg. Er hat ein richtiges Gipfelkreuz, dorthin wollten wir unbedingt. Wir stapften durch den hohen Schnee hinauf zum Kreuz. Ein Gipfelbuch gab es leider keines, aber ein Panorama, das seinesgleichen sucht. Die Riegersburg, fast schon nebenan der Schöckel. Davor Weingärten. Wow. Hätte es angenehmere Temperaturen gegeben, hätten wir an diesem besonderen Platz länger verweilen können. Wir stapften wieder hinunter auf die Asphaltstraße und folgten den roten Wegweisern weiter zum Weingarten auf dem Burgstallberg. Wir wanderten neben dem Weingarten hinunter und geradeaus weiter in den Wald. Wir folgten einfach einer einsamen Menschenspur im hohen Schnee. Der Waldweg führte uns an langen Holzstößen vorbei, hinauf auf eine Waldkuppe und dann steil hinunter zurück in den Ort. Bei den Häusern links abbiegen, bei der Hauptstraße rechts durch den Ort bis zur Socca-Tankstelle und zurück zum Bahnhof.

 

Winterwanderung vom Pfaffensattel aufs Stuhleck mit Schlittenabfahrt

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 4 km400 HMca. 2 h
    

Wir sind nicht oft in den Bergen unterwegs – um ehrlich zu sein, sind wir ausgesprochene Flachlandwanderer. Daher war ich zuerst eher skeptisch, als mir vorgeschlagen wurde, an einem Sonntag im Februar ganz in den Norden des Weizer Bezirks zu fahren, um auf den höchsten Gipfel der Fischbacher Alpen zu steigen und dann mit dem Schlitten wieder herunterzubrausen.

Von einem Berg mit dem Schlitten hinunterzufahren, kam mir äußerst riskant vor … ganz anderer Meinung zu diesem Thema war meine bessere Hälfte. Gregis Augen leuchteten richtiggehend auf bei der Vorstellung, in einer winterlichen Landschaft mit einer Rodel unterwegs zu sein. Da spielten die zu bewältigenden 400 Höhenmeter auch keine Rolle … „Das wird lustig!“ Also war es beschlossen.

Über Anger, Birkfeld und Ratten fuhren wir das wunderbare Feistritztal hinauf. Weit und breit war kein Schnee zu sehen, und ich schöpfte Hoffnung, dass ich vielleicht doch nicht rodeln musste. Ich bin nun mal ein Angsthase.

Schon kamen wir nach Rettenegg, dem nördlichsten Ort des Weizer Bezirks. Dieser Ort wurde bereits um 1300 gegründet und gehörte ursprünglich zu Ratten. In Ratten gibt es ein Bergbaumuseum – und auch in Rettenegg spielte der Bergbau einst eine Rolle. In der Gegend wurden Silber, Kupfer und Kohle gefunden.

Doch auch Hammerwerke gab es zwischen den beiden Orten, wobei das Eisen vom obersteirischen Erzberg kam. Am Forellengasthaus Tösch (Jogllandforellen) vorbei fuhren wir neben dem Pfaffenbach hinauf zum Pfaffensattel … und wenn man ganz viel Glück hat, ergattert man sich dort einen Parkplatz (bei einem aufgelassenen Gasthaus).

Der Pfaffensattel ist eine Wasserscheide. Ich stelle mir vor, wie so ein Regentropfen überlegt: „Wenn ich hier herunterfalle, dann komme ich in den Stuhleckbach, den Fröschnitzbach, in die Mürz, dann in die Mur und über die Drau in die Donau. Wenn ich einige Meter weiter drüben nach unten falle, komme ich in den Pfaffenbach, besuche die Feistritz, sehe die Lafnitz und gelange über die Raab in die Donau. Egal … meine Schwestern werde ich in der Donau sowieso wieder treffen.“

Der Pfaffensattel ist ein Übergang vom Feistritztal ins Mürztal. Und weil die Kuruzzen immer wieder ins Feistritztal eingedrungen sind und man verhindern wollte, dass sie über den Pfaffensattel ins Mürztal gelangen, baute man Anfang des 18. Jahrhunderts auf dem „Pfaffen“ Verteidigungsanlagen. Von diesen Verteidigungsanlagen kann man heute nichts mehr sehen.

Auch sieht man kaum mehr etwas von der Trasse der ehemaligen Feistritzwaldbahn, die vom Steinhaus am Semmering über den Pfaffensattel nach Rettenegg führte. Diese Waldbahn, die vor allem dem Transport von Holz diente, existierte von 1922 bis 1958.

Doch genug mit dem Geschichtsunterricht. Wir waren ja gekommen, um zu wandern und zu rodeln. Über die Mautstraße (die im Winter für Autos gesperrt ist) stiegen wir die rund 400 Höhenmeter hinauf zum Alois-Günther-Haus. Der erste Teil der Strecke war leider sehr vereist (Grödel sind hier sehr empfehlenswert), doch schon etwas später konnte man ganz komfortabel auf Schnee gehen.

Je höher wir hinaufkamen, desto großartiger wurde die Aussicht. Doch auch die nähere Umgebung war spektakulär. Wind, Eis und Schnee hatten aus kleinen Bäumen wunderliche Skulpturen geschaffen. Ein wahres Winterwunderland.

Das Alois-Günther-Haus steht sehr exponiert in der Nähe des Gipfelkreuzes – hier gibt es keine Bäume mehr. Der Rundumblick ist ein Wahnsinn. Hinunter zum Neusiedler See mit seinen unzähligen Windrädern, über das Wechselgebiet, das oststeirische Hügelland bis zu den Kalkalpen der Obersteiermark. Auch die Niederen Tauern sollte man sehen können. Wir sind, wie schon erwähnt, keine Bergfexe … so genau kenne ich mich da leider nicht aus. Aber das kann ich bestätigen: Man sieht von hier oben ein großes und sehr schönes Stück Österreich.

Der Gipfel des Stuhlecks ist sehr belebt – klar, denn in der Nähe befindet sich die Bergstation eines Skilifts. Außerdem handelt es sich hier um ein Skigebiet, das von der Bundeshauptstadt aus in knapp einer Stunde mit dem Auto zu erreichen ist.

Und noch eine Besonderheit hat das Stuhleck. Es ging als der erste mit Skiern bestiegene Gipfel der Alpen in die Geschichte ein. 1892 wurde hier sozusagen der Grundstein für den Wintertourismus gelegt. Ein Hotelier sowie ein Postbeamter aus Mürzzuschlag und ein Fabriksdirektor aus Graz waren die Skipioniere. Was sie wohl denken würden, wenn sie heute hier beim Gipfelkreuz stünden und hinunter auf den Skilift blickten, der nach und nach Menschenmassen auf den Berg bringt? Würden sie sagen: „Ui, da haben wir aber etwas ausgelöst.“ Oder: „Verdammt, warum sind wir nicht hundert Jahre später geboren worden? Dann hätten wir uns da nicht so hochquälen müssen!“

Das Alois-Günther-Haus ist ganzjährig bewirtschaftet, und an diesem wunderbaren Sonntag im Februar war es bestens besucht. Wir hatten richtiges Glück, einen Platz zu ergattern.

Hier in der Nähe soll einst die erste Skihütte der Alpen gestanden haben – die Nansenhütte. Wer sagt’s denn? Auch auf Bergen wurde Geschichte geschrieben.

Doch zurück zu unserer Geschichte … Wir waren gestärkt, jetzt hieß es, mit dem Schlitten die 400 Höhenmeter auf vier Kilometern Mautstraße hinunterzufahren. Ich schwor feierlich: „Wenn ich lebend unten ankomme, dann schreibe ich einen Bericht über das Stuhleck!“

Gut, ein Stück musste ich den Schlitten dann doch noch ziehen, doch dann kam die Abfahrt. Ich wurde überholt, ich wurde nochmals überholt … (Nein, von keinem Wanderer. Das ist ein Gerücht!)

Während ich mich etwas verkrampft an meinem Gefährt festklammerte und mir die Sohlen auf der Piste abwetzte, fuhr meine waghalsige Tochter jauchzend und lachend an mir vorbei – das Handy im Anschlag und generell nach hinten blickend. (Dieses Beweisvideo über meine Schlittenfahrt muss ich noch konfiszieren und vernichten!)

Ich gebe zu, meine Angst war nicht gerechtfertigt. Die Mautstraße ist mit dem Schlitten richtig gut zu befahren … und ich habe es sogar geschafft, meinen Mann zu überholen. Gut, der hatte angehalten, weil er angeblich ein Birkhuhn gehört hatte. Ich hatte einen Vorsprung von mindestens zehn Minuten und kam mir vor wie der Igel aus der Fabel „Der Hase und der Igel“.

Fazit: ein wunderbarer Ausflug. Das Stuhleck werden wir bestimmt wieder einmal besuchen – mit oder ohne Schlitten, das kann ich heute noch nicht sagen.

 

Bahnwanderung von Burgfeld nach Feldbach

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

  ca. 9 kmca. 90 HMca. 3 h
    

Im April 2026 entschlossen wir uns, einen Teil des Gleichenberger Bahnwanderweges zu begehen. In Feldbach stiegen wir in den „Dschungelexpress“, wie die Gleichenberger Bahn von den Feldbachern liebevoll genannt wird. Im Zug konnten wir beim Lokführer das Ticket lösen, dann suchten wir uns einen Platz im gut gefüllten Waggon. Hinter mir saß eine Familie, die schon voller Euphorie die Jause für den Nachwuchs auspackte. Eine Pensionistengruppe war bestens gelaunt, und alle Passagiere schienen total entspannt zu sein. Gut, ich war nicht ganz so entspannt – wir würden in Burgfried, irgendwo in der Pampa, aussteigen und nicht die ganzen 22 Kilometer über Gnas nach Bad Gleichenberg mitfahren. Und diesen Bahnhof durften wir nicht versäumen – also hieß es: gut aufpassen.

Bei den Haltestellen Oedt Siedlung, Oedt, Prädiberg und Fischa würden wir vorbeifahren – dann würde die Haltestelle Burgfried kommen. Ich versuchte verbissen, die Namensschilder der Haltestellen zu entdecken, um gleich nach Fischa Richtung Ausgang zu gehen. Doch so sehr ich mich auch bemühte – diese Dinger konnte ich einfach nicht entdecken. Zum Glück dachte der Lokführer an uns und hielt daher brav in Burgfried. Beim Aussteigen sollte man sich nicht allzu sehr tummeln (so wie ich es tat) – der Waggon ist hoch und die Leiter nicht unbedingt leicht hinunterzuklettern. Irgendwie kam ich dann doch heil neben den Gleisen zu stehen, und schließlich konnte der Zug wieder gemütlich weitertuckern, durch die herrlichen südoststeirischen Hügel.

Auf dem hölzernen Wartehäuschen entdeckten wir dann die Markierung des Bahnwanderwegs – wir wollten in Richtung Feldbach. Also marschierten wir eine kurze Strecke entlang der Asphaltstraße.

Der Name Burgfried würde meines Erachtens auf eine ehemalige Wehranlage hinweisen. Reste von Mauern oder Ähnlichem konnten wir leider nicht mehr entdecken. Doch der Hügel hinter einem alten Bauernhaus könnte durchaus eine geeignete Stelle für einen Wehrturm gewesen sein.

Nun kamen wir zur einzigen Stelle der Wanderung, an der die Wegweiser nicht eindeutig waren. Wir überlegten, ob wir dem Pfeil über die Gleise folgen und die Asphaltstraße weiter entlanggehen sollten. Doch der richtige Weg führt links neben der Bahnstrecke entlang eines Waldwegs.

Die Hügel sind hauptsächlich mit Buchen und Eichen bewachsen, auf dem Bahndamm wucherte Schöllkraut. Schöllkraut, Hahnenfuß, Gelbe Taubnessel, Wolfsmilch – hier war das Reich der gelben Blumen. Auf der Wanderung sahen wir enorm viele verschiedene Blümchen: Wiesensalbei, blühende Walderdbeeren, Waldmeister etc. etc. etc.

Begleitet vom schönsten Vogelgesang betrachteten wir die bewaldeten Vulkanhügel der Umgebung. Die Gleichenberger Kogel und den Steinbruch von Mühldorf konnte ich erkennen. Am Horizont in Richtung Westen und Norden entdeckten wir weiße Berggipfel, davor die grünen, satten Wiesen und die hellgrünen Wälder.

Der Kalvarienberg im Süden von Feldbach wurde 1832/1833 errichtet. Von hier aus hat man einen traumhaften Blick auf die Riegersburg, auf die Stadt Feldbach und ins Raabtal, wo im Dunstkreis der Turm der Fehringer Kirche zu erkennen war.

Wir marschierten bergab am Spital vorbei. Im Ersten Weltkrieg gab es in Feldbach das größte Kriegsgefangenenlager der Monarchie. Im Mai 1915 waren dort noch 50.000 Personen untergebracht. Als die meisten Kriegsgefangenen nach Ungarn verlegt wurden, beschloss man, im Bereich des Lagers ein Krankenhaus zu errichten. Im Frühjahr 1916 war das Spital, das 5.000 Verwundete versorgen konnte, fertiggestellt.

Feldbach ist eine alte Stadt. 1188 wurde sie als Velwinbach gegründet (übrigens gleichzeitig mit Weiz). Feldbach lag verkehrstechnisch sehr günstig. Eine Römerstraße führte von Gleisdorf nach Pannonien – diese Straße wurde wahrscheinlich noch im Mittelalter genutzt. Und von Hartberg nach Radkersburg führte ebenfalls eine Straße über Feldbach.

Bereits 1265 wurde Feldbach als Markt bezeugt. Feldbach erhielt einige Privilegien, darunter das Marktrecht. Die Feldbacher waren sehr erfolgreich – 1362 konnten sie die Stadt aus der Pfandschaft der Walseer befreien. Sehr geholfen hat dabei eine fünfjährige Steuerbefreiung durch Herzog Rudolf IV.

Im 15. Jahrhundert sahen sich die Feldbacher gezwungen, eine Schutzburg (Tabor) zu errichten. Nach einem Überfall durch den Söldnerführer Andreas Baumgartner wusste man um die Dringlichkeit eines besseren Schutzes. Nach dem Tabor errichtete man auch noch eine Stadtmauer. Feldbach wurde immer wieder in Mitleidenschaft gezogen, besonders durch die Türken, die zwischen 1479 und 1490 die Bevölkerung durch Tötung und Verschleppung um ein Viertel reduzierten.

Im 17. Jahrhundert wurde in Feldbach ein weiteres schwarzes Kapitel der Geschichte geschrieben. Die größten steirischen Hexenprozesse fanden zwischen 1673 und 1675 statt. Im Hexenkeller des Tabors wurden 68 Personen gefangen gehalten, die der Hexerei beschuldigt wurden.

Vor dem Rathaus steht die Statue „Die Raab“. Beim Albrechtsbrunnen in Wien wurden die allegorischen Darstellungen von Donau, Inn, Save, Drau, Theiß, Mur, Salzach, March, Raab, Enns und Traun geschaffen. Die Kopie der „Dame Raab“ steht nun vor dem Feldbacher Rathaus.

Neben dem Rathaus befindet sich die Kirche mit ihrem freistehenden Glockenturm. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden fast alle Gebäude in Feldbach zerstört. Auch der Kirchturm wurde am 8. Mai 1945 noch gesprengt. Zwischen 1961 und 1964 wurde ein freistehender Campanile errichtet. Er war hoch, aus Beton und wahrscheinlich irgendwie ein bisschen fad. 1987 kam dann die Farbe hinzu, wobei 20 Jugendliche kreativ mithalfen. Nirgendwo auf der ganzen Welt gibt es einen Campanile, der bunter ist als jener von Feldbach.

Doch nicht dieser außergewöhnliche Kirchturm ist das Wahrzeichen der Stadt, sondern der Steinerne Metzen, der aus dem 15. Jahrhundert stammt. Da wir uns mitten im Vulkanland befinden, wurde dieser Metzen aus Basalttuff gefertigt. Feldbach hatte einen Markt, und der Kelch, der auf einem achteckigen Sockel steht, war das Feldbacher Maß.

Übrigens: Markt. Da gibt es eine ganz tolle Sage über Till Eulenspiegel, der sich einst in Feldbach aufgehalten haben soll. Till gab sich bei den Feldbachern als großer Magier aus, der Menschen reich machen könne. Was für ein Versprechen – wer wollte nicht reich werden, und das ohne harte Arbeit?

Als Till den Feldbachern vorschlug, sich um Mitternacht in einer langen Reihe aufzustellen, damit er die Personen abschreiten und jeden Siebten von ihnen mit Reichtum versehen könne, entschlossen sich selbst die frömmsten Bürger, bis Mitternacht am Marktplatz zu verharren, um in den Genuss des großen Geldsegens zu kommen. Nicht nur Till konnte zählen, sondern auch die braven Bürger, die nun doch nicht mehr ganz so brav und fromm waren. Die Plätze eins bis sechs waren ebenso uninteressant wie die Plätze acht bis dreizehn – und so weiter und so fort.

Spätestens um Mitternacht gab es daher auf dem Marktplatz eine Massenkeilerei, bei der selbst die kampferprobten Freunde des Asterix noch etwas hätten lernen können. Till seinerseits saß auf dem Metzen und beobachtete amüsiert das Treiben.

Wir kehrten zum Feldbacher Bahnhof zurück, von wo aus seit 1931 die Gleichenberger Bahn die betuchten Gäste über die wunderbaren Hügel zur Kur brachte. Ich hoffe nur, dass diese tolle Bahn noch lange existieren wird und noch sehr viele Ausflügler befördert.

 

Anger – Schloss Külml-Runde

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 9,1 km98 HM2:30 h
    

Start: Bad Anger

Anger hat einige tolle Wanderwege zu bieten. An einem sonnigen, aber kalten Jännertag entschlossen wir uns, die Ruine Waxenegg und das Rauchstubenhaus zu besuchen. Wir parkten das Auto beim Pendlerparkplatz gleich unter der Brücke beim Schwimmbad. Dann gingen wir den hübschen Ort hinauf und wollten schon die Stiegen hinaufsteigen, die in den Wald führten, als wir lasen, dass das Rauchstubenhaus geschlossen hatte.

Also Plan B: eine Wanderung zum Schloss Külml und zur Ulrichskapelle.

Wir gingen wieder den Ort hinunter, bewunderten das alte, ehrwürdige Steinpeißhaus mit seinem sehenswerten Sgraffitoschmuck an der Fassade. Dieser ehemalige Verwaltungssitz der Stubenberger Dienstmannen beherbergt heute ein Museum („Mystische Unter- & Oberwelten“). Das Steinpeißhaus, das älteste Gebäude in Anger, ist mit der Kirche verbunden.

Ursprünglich war die Kirche, die dem Heiligen Andreas geweiht ist, ein romanisches Gebäude aus dem 12. Jahrhundert mit Wehrcharakter. Von 1708 bis 1711 wurde dann praktisch ein neuer Kirchenbau errichtet. Der Baumeister Lorenz Stattaler stammte aus Sankt Ruprecht an der Raab.

Beim Schwimmbad Anger startete dann die „Schloss-Külml-Runde“. Zuerst gingen wir in Richtung Fresen. Bei einem bunten Bildstock mussten wir dann in Richtung der Schulen gehen, bei der Mittelschule rechts abbiegen und durch eine Unterführung in Richtung Feistritz wandern.

Rechts neben uns lagen urige Schrebergärten, später wanderten wir auf vereisten Wegen entlang des Flusses. Der Himmel war tiefblau, einige weiße Wolken schmückten ihn, und die Wälder auf den Bergkuppen um uns herum waren weiß vom Reif.

Ein Blick zurück nach Anger: Vorne der wunderbare Garten mit seinen Nussbäumen, zwischen deren Zweigen die Andreaskirche hervorlugte, dahinter der Hohe Zetz. Links von mir konnte ich das Bergwerk auf dem Rabenwald sehen. Das Bergwerk, die weißen Bäume, der tiefblaue Himmel – darüber flogen einige große, schwarze Vögel in Richtung Rabenwald. Wie in einem Märchen. Ob das die sieben verzauberten Brüder waren, die darauf warteten, von ihrer Schwester erlöst zu werden?

Das Bergwerk auf dem Rabenwald baut Talk und Leukophyllit (Weißerde) ab. Talk wird von der Industrie stark nachgefragt. Die Autoindustrie verwendet ihn für Kunststoffteile, außerdem wird er bei Farben und Lacken eingesetzt. Doch auch auf unsere Haut kommt dieser Wunderstoff in Form von Rouge oder Babypuder. Auf dem Rabenwald befindet sich das größte Talkvorkommen Europas.

Wir marschierten unter der Materialseilbahn hindurch und hielten uns nun in Richtung Töchterlehof – dem bekannten Gestüt in Oberfeistritz. Die Straße neben dem hölzernen Riesenpferd mussten wir hinaufsteigen. Die wenig befahrene Asphaltstraße führte den Külmlberg bergauf, über die Gleise der Schmalspurbahn, und schließlich erreichten wir das Schloss Külml.

Die Stubenberger Ritter hatten bereits im 14. Jahrhundert einen Ansitz auf diesem „kleinen Kulm“. Dieser war vermutlich noch nicht so prächtig wie das Schloss, das wir nun betrachteten. Es wirkte sehr gepflegt und freundlich mit seinen Mosaikzierfeldern unter den Fenstern: Hirsche, Herzen und Blumenvasen mit Blüten. Heute befindet sich das Schloss in Privatbesitz. Im 17. Jahrhundert erholten sich hier die Augustiner-Chorherren aus dem Stift Pöllau.

Die Mönche sind wohl auch des Öfteren den Hügel weiter hinaufgestiegen, zur Ulrichskapelle auf dem Gipfel des Külmls. Diese Kapelle existierte bereits vor dem Schloss. Steil geht der Weg bergauf, doch er lohnt sich. Da wir im Jänner unterwegs waren und die Bäume kein Laub trugen, konnten wir schön auf den großen Bruder des Külmls blicken – den Kulm.

Ich war erstaunt über die Größe der Kirche auf dem Gipfel des Külmls; ich hatte eigentlich nur mit einer kleinen Kapelle gerechnet. Ich umrundete sie. Man konnte sogar noch die Gerüstlöcher erkennen. In einem dieser Löcher hatte ein Vogel sein Nest gebaut. In Richtung Anger gab es kein Fenster – diese befanden sich ausschließlich in Richtung Kulm. Und unter diesen Fenstern stand eine Bank an der Kirchenmauer, die sehr einladend wirkte. Ein wohltuender Ort, sehr ruhig, abgesehen von einem Raben, der mit seiner tiefen, kehlig klingenden Stimme seine Anwesenheit verriet.

Mich würde es nicht wundern, wenn schon in sehr frühen Zeiten hier eine Siedlung bestanden hätte. Nur schweren Herzens trennten wir uns von diesem wunderbaren Fleckchen Erde.

Beim Abstieg ins Tal hatten wir immer den Kulm im Blick. Erinnerungen an unsere Jugend kamen auf, als wir bei der „Disco Jackson“ vorbeikamen. Ich weiß nicht, ob es diese Diskothek noch gibt – vor über 30 Jahren war sie jedenfalls ein beliebter Jugendtreffpunkt.

Hier mussten wir rechts abbiegen, kurz darauf links, und schon ging es wieder entlang der Feistritz. Der Fluss war gestaut, und viele Vögel tummelten sich am Ufer. Kleine, flinke Federbällchen – mit ihrer Geschwindigkeit kamen wir mit unseren Kameras einfach nicht mit.

Tiefenentspannt war hingegen ein Gänsesägerpärchen. Er im herrlichen Balzkleid: weißer Körper, grünlich schimmernder Kopf und eine tadellose Frisur mit exakt anliegendem Schopf. Sie wirkte dagegen etwas wuschelig. Ihre Kopffedern erinnerten ein wenig an eine Sturmfrisur – eine braune, abstehende Haube. Beide schwammen im eiskalten Wasser und tauchten ihre Köpfe immer wieder unter. Offenbar gab es hier gute Fischlein. Schließlich gaben die beiden die Jagd auf und widmeten sich der Gefiederpflege – er im Wasser, sie auf einer kleinen Eisfläche. Ausgiebig rieb sie ihren Kopf an der Bürzeldrüse; schließlich müssen die Federn das Wasser abweisen können.

Nicht nur die Vögel fühlen sich an der Feistritz wohl, auch der Biber ist hier heimisch. Und wie fleißig dieser Nager ist! Wir sahen zwar die Stellen, an denen er sein Baumaterial geholt hatte, seine Burg entdeckten wir jedoch nicht.

Dafür sahen wir ein menschliches Bauwerk der Meisterklasse: ein Bahnviadukt. Hoch ragen seine Bögen auf, und das Viadukt beschreibt sogar eine leichte Kurve. Eine Zeit lang gingen wir den bekannten Weg zurück, dann mussten wir erneut durch eine Unterführung und waren nun neben den Gleisen der Schmalspurbahn unterwegs. Gefällte Bäume lagen auf den Schienen.

Schließlich erreichten wir wieder die Schulen, und schon waren wir zurück am Ausgangspunkt.

In Anger gibt es mehrere Einkehrmöglichkeiten. Besonders gerne kehren wir beim „Thaler“ ein.

 

Kulinarikweg Puxa

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

10 km

185 HM

3 h

    

Wir gingen diese Wanderung an einem extrem schönen Frühlingstag mit klarer Sicht, und mir kam es vor, als wären wir in einem Bilderbuch unterwegs.

Die Wegstrecke beginnt beim Gemeindeamt in Puxa. Man geht an einem hübschen Pavillon vorbei in Richtung Halbenrain. Beim letzten Haus des Ortes bogen wir links ab und marschierten zwischen Heidelbeeren und Pappeln den Wiesenweg bergauf. Gregi entdeckte – versteckt zwischen den Bäumen – ganz viele Walderdbeeren. Natürlich musste er ein wenig von diesen seltenen Köstlichkeiten naschen.

Es folgte eine kurze Waldpassage, dann kamen wir auf eine schmale Asphaltstraße, die uns an einer wunderbar blühenden alten Holunderanlage vorbeiführte. Ein Feldhase war darin unterwegs, ebenso ein Specht. Gregi konnte außerdem zwei Wiedehopfe beobachten. Natürlich nahmen uns die Tiere auch wahr – und sie waren klarerweise weitaus schneller als wir. Daher gibt es leider keine Fotos von ihnen. Dafür konnten wir wunderbare Bilder von Straden machen.

Straden war ein „Hexenberg“. Zumindest wurde das bei den Feldbacher Hexenprozessen behauptet. Dass der Stradner Hügel etwas Besonderes ist und sich dort wahrscheinlich schon in uralter Zeit ein Heiligtum befand, kann man wohl zu Recht annehmen. Nicht umsonst wurde eine „Kirchenfamilie“ mit vier Kirchen auf dem Berg errichtet.

Besiedelt ist die Gegend schon sehr lange. So hat man beispielsweise im Wald von Puxa Hügelgräber aus dem 1. bis 2. Jahrhundert nach Christus gefunden. Doch zurück zu unserem Weg.

Am Hochstrandler hat man einen famosen Panoramablick: nach Slowenien, hinüber in die Südweststeiermark – sogar den Speikkogel konnte ich entdecken. Dazu mein Tipp: Bei dieser Wanderung sollte man unbedingt ein Fernglas mitnehmen.

Steil ging es den Berg hinauf durch wunderbaren Laubwald. Zwischendurch hat man einen tollen Blick zum Königsberg und auf Tieschen.

Die Wanderroute ist gut ausgeschildert, und man kann sich fast nirgends verlaufen. Fast. Irgendwann sind die praktischen gelben Schilder mit der Aufschrift „Krispelweg“ überklebt. Es gibt eine Strecke durch einen Weingarten, und man kommt bei der Haltestelle Neusetz/Krispelweg heraus. Dort muss man rechts abbiegen, um zu dem bekannten Weingut zu gelangen.

Wir kamen zum Krispel – sogar in den Garten mit dem Kinderspielplatz, den vielen Liegestühlen und vorbei am Pool. Das Restaurant Krispel öffnete erst um 14 Uhr, und wir waren natürlich zu früh. Also folgten wir dem Wegweiser „Krispelweg“ weiter. Durch den Weinberg in den Graben, über eine Brücke, den Gegenhang hinauf – und dann stellten wir fest, dass wir im Kreis gelaufen waren.

Etwas Gutes hatte dieser Umweg allerdings: Ein Feldhase hoppelte sehr gelassen auf der Straße dahin. Er war wirklich sehr zutraulich und ließ sich fotografieren.

Wir recherchierten im Wanderführer „Steirisches Vulkanland“ vom Kompass-Verlag, zogen die Internetseite „Bergfex“ sowie eine Tracking-App zu Rate – und verliefen uns erneut. Nachdem wir das dritte Mal vor dem Krispel standen, kamen wir darauf, beim Weingut Fassold die Asphaltstraße bergabzugehen. Wegweiser gab es keine, aber es war eigentlich die einzige plausible Variante. Und sie war richtig. Wenig später trafen wir wieder auf die gelben Schilder, die uns von da an verlässlich leiteten. So kamen wir wohlbehalten in Sulzbach an.

Ein Bauer hatte die Wiesen gemäht und wendete gerade das Heu. Das veranlasste Mäuse und Grillen, ihre Verstecke zu verlassen. Und das wiederum veranlasste einen hungrigen Falken, im Rüttelflug über der Wiese auszuharren und nach Essbarem Ausschau zu halten.

Kulturhistorisch interessant ist der Tabernakelpfeiler in Hof bei Straden. Diese gotische Lichtsäule, datiert auf das Jahr 1514, ist mit ihrem gedrehten Fuß steiermarkweit einzigartig. Ich habe gelesen, dass sie auf einer besonders starken Strahlenkreuzung steht. Es wird erzählt, dass sich an auserwählten Tagen unerlöste Seelen an Wegkreuzungen treffen. Lichtsäulen sollten ihnen helfen, zur Seligkeit zu finden. Ob nun dieser Tabernakel diese Aufgabe erfüllt, weiß ich nicht. Hübsch anzusehen ist er jedenfalls – auch wenn der Wind die Christusfigur darin umgestürzt hat.

Die nächste Station war der Johannisbrunn, und dort gab es den nächsten Tabernakelpfeiler. Er ist auf das Jahr 1530 datiert, hat einen sechseckigen Schaft und steht auf einer Wiese direkt neben dem Betriebsgebäude der Johannisquelle.

Bereits 1678 wurden die Johannisbrunnen – damals hieß es noch „Brunn zur Stradn“ – urkundlich erwähnt. Ich frage mich, ob dieser Brunnen nicht schon viel länger bekannt war und genutzt wurde. Immerhin gibt es in dieser Gegend römische Hügelgräber. Und die Römer waren bekanntlich sehr findig, wenn es um Heilquellen ging.

Um Heilwasser handelt es sich auch bei diesem Säuerling. Leber, Magen, Gallenblase und Harnwege sollen von seiner Wirkung profitieren. Ich glaube, ich werde dieses Wasser auch einmal probieren.

Der Kulinarikweg führte nun am Sulzbach entlang. Schöne Büsche und Bäume säumten das Gewässer; in ihnen fühlten sich die Vögel besonders wohl. Über einen Feldweg, vorbei an Erbsenfeldern, ging es schließlich zurück nach Puxa, wo wir bei der Puxamühle einkehrten.

Von den römischen Hügelgräbern hatte ich leider erst nach unserer Wanderung gelesen – daher suchte ich sie auch nicht auf.

Die Bewohner der Gegend erzählten sich früher, dass in diesen großen Hügeln Riesen wohnten. Diese seien jedoch äußerst friedliebend und den Menschen wohlgesonnen gewesen.

Wie ich bereits eingangs erwähnt habe: Wir waren in einer Landschaft wie in einem Bilderbuch unterwegs. Auf Riesen zu treffen hätte mich daher gar nicht verwundert.

 

Mühlgraben Bezirk Jennersdorf – Erlebnisweg

Mühlgraben ist die kleinste Gemeinde im Bezirk Jennersdorf und hat nicht viele Einwohner. Laut der Website der Gemeinde Mühlgraben sind es 382. Im Beiheft meiner Wanderkarte, welche wahrscheinlich 2017 gedruckt wurde, wird die Einwohnerzahl noch mit 410 angegeben.

Die Anreise nach Mühlgraben ist nicht ganz einfach. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, kommt man nur über schmale Gemeindestraßen dorthin.

Aber man soll sich nicht täuschen lassen: Mühlgraben hat einen äußerst aktiven Fußballclub, der in der II. Liga Süd spielt (2. Tabellenrang). Ebenso findet man einen Tennisplatz und natürlich auch eine tüchtige Feuerwehr.

Am 1. Juni 2025, als wir diese Wanderung unternahmen, gab es ein Feuerwehrfest in Mühlgraben. Ein beachtenswertes Jubiläum wurde gefeiert – 101 Jahre Feuerwehr Mühlgraben. Zelte waren aufgebaut, hübsch gedeckte Tische, Blasmusik. Man kann viel leisten, wenn man zusammenhält.

Wir wollten den im Vorjahr eröffneten Erlebnisweg erwandern. Wie viele Kilometer er hat, konnte ich leider nicht eruieren. Auf der Schautafel gab es keine Angaben, auch in Bergfex, Komoot oder Outdoor ist der neue Weg noch nicht zu finden. Die früheren Themenwege „Wildwechsel“ und „Lebensweg“ sollten bei dieser Wegführung irgendwie integriert worden sein.

Die Wanderung startet beim Parkplatz im Zentrum des Ortes. Rechts gibt es ein ganz originelles Pub, davor steht der weltberühmte Wappenvogel der irischen Biermarke Guinness: der Tukan. Das Pub hat zwei Türme, auf einem ist ein Kreuz befestigt. Und zu Mittag läutet in diesem Turm eine Glocke, ganz wie in einer richtigen Kirche. Mühlgraben ist wirklich ein originelles Dorf!

An der Volksschule vorbei geht es aus dem Dorf bis zum Wald. Da beginnen dann die sehr liebevoll gestalteten Schautafeln. Wir folgten dem Forstweg bergauf, wunderbar riesige Farne säumten den Weg. Auch die Bäume, die hier wachsen, sind mächtig. Die Schautafeln erzählen vom Werden des Lebens. Vor zirka 15 Milliarden Jahren soll der Urknall gewesen sein. Vor 4,5 Milliarden Jahren ist unsere Erde entstanden, und eine weitere Milliarde Jahre hat es dann gedauert, bis sich Leben auf die Erde verirrt hat.

Die Tafeln erzählen, wie neue Arten die Bühne betraten, aber auch von den Phasen, in denen es zu einem Massensterben der Arten gekommen ist. Noch ein Stückchen bergan führte der Weg vor einem Bauernhaus links im Wald weiter. Welche Artenvielfalt dieses Stückchen Erde bietet, konnten wir besonders gut am nächsten Wegabschnitt sehen. Eine blühende Wiese, Grillen zirpten um die Wette, Schmetterlinge und anderes Getier flatterten in der Gegend herum. Der Wegrand wurde von Edelkastanien, Hainbuchen, Eichen und anderen Bäumen gebildet. In den Ästen versteckten sich die Vögel. Nur lautes Gezwitscher war zu hören.

Man hat den Weg für Kinder besonders interessant gestaltet und einige Erlebnisstationen eingebaut. Vor uns war eine Art Sandkasten. Man sollte probieren, wie weit man springen konnte – wie eine Maus oder wie ein Marder … oder doch etwas weiter wie ein Eichhörnchen … oder war man so sportlich wie das leichtfüßige Reh? Ich landete zwischen Maus und Marder. Zu meiner Verteidigung muss ich jedoch sagen, dass ich am Rücken einen Riesenrucksack trug und um den Hals eine schwere Kamera hängen hatte.

Nach meiner sportlichen „Höchstleistung“ rastete ich auf einer der zwei bereitgestellten Holzliegen. Über eine Waldkuppe führte der Weg hinab zu einer Lichtung, die durch große und weniger große Glockenblumen richtig aufgehübscht wurde. Die Holunderblüten verbreiteten ihren süßen Duft, und natürlich fühlten sich hier viele Insekten richtig wohl.

Wir tauchten wieder in den Wald mit seinen nun riesig hohen Bäumen ein. In einer Senke gab es eine Quelle, ein kleiner Bach sprudelte weiter. Zwei Amseln rauften im Flug – auch zwei Spechte schienen aneinandergeraten zu sein. Wir konnten eine wütende Verfolgungsjagd erleben.

Der Pfad wurde ganz schmal, und nun ging es steil bergab. Tafeln informierten über Flusskrebse, Milzkraut, Schachtelhalm und Feuersalamander. Vor einigen Jahren waren wir hier schon einmal unterwegs (zu diesem Zeitpunkt hieß der Themenweg noch Lebensweg). Dazumal konnten wir Feuersalamander-Babys beobachten. Heuer war leider beinahe kein Wasser im Bach.

Eine Schautafel beschäftigte sich damit, wann Singvögel in der Früh ihren Gesang anstimmen. Da gibt es ganz genaue Regeln, nach denen man nahezu die Uhr stellen kann. Wer einen Gartenrotschwanz vor seinem Zimmerfenster wohnen hat, darf kein großer Morgenmuffel sein: 80 Minuten vor Sonnenaufgang ist das Vögelchen schon zum Musizieren aufgelegt.

Schattig geht es neben dem Bächlein entlang. Diese Wanderung eignet sich bestens auch für warme Sommertage, da sie fast ausschließlich im Wald verläuft. Vor einem Teich mit einem hübsch gestalteten, kecken Frosch gibt es dann noch ein Gästebuch zum Eintragen. Doch keine Angst, der Lehrpfad ist noch nicht zu Ende.

Links geht es nun den größeren Mühlgrabenbach entlang. Bei unserem Besuch hatten die Robinien gerade ihre weißen Blütenblätter abgeworfen, und das sah wirklich sehr romantisch aus. Die Thematik der Schautafeln befasste sich mit der Wasserqualität. Findet man im Wasser Flusskrebse, dann darf man getrost annehmen, dass das Wasser vorzüglich ist – Wasser mit Rotalgen sollte man besser meiden.

Beim Tennisplatz gibt es wieder eine Brücke, und man kann zu einem hübschen Teich gelangen. Ein Teichfrosch nahm gerade Gesangsunterricht – er klang etwas frustriert. Schilf und gelbe Sumpfschwertlilien rahmten das Gewässer ein.

Wir hatten unsere Runde geschafft. Schnell die Rucksäcke verstaut und ab zum Feuerwehrfest.

Fazit: Wunderbare Wegführung und liebevoll gestaltete Schautafeln. Besonders gut für Kinder geeignet (jedoch nicht mit Kinderwagen). Da man fast immer im Schatten unterwegs ist, ist diese Wanderung auch an heißen Tagen gut zu bewältigen.

Im „Burgenlandbuch“ von Karl Lukan habe ich einmal gelesen, dass das Neuhauser Hügelland laut einem „Burgenland-Führer“ aus dem Jahr 1932 als „lieblichster Winkel des Burgenlandes“ bezeichnet wurde. Ich kann bestätigen, dass diese Gegend sehr idyllisch ist.

Die Gemeinde Mühlgraben gehört zum Naturpark „Raab-Örség-Goričko“. Dieser Naturpark ist der einzige trilaterale Naturpark in Europa. Wie oben schon erwähnt: Man kann viel schaffen, wenn man nur zusammenhält.

Hirschbirnwanderweg Pöllau – Schleife Pöllauberg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

12,1 km 

520 HM

4 h

       

Wir wandern gerne im Pöllauer Tal, weil es dort einfach sehr schön und auch interessant ist. Und obwohl wir schon sehr oft in diesem Gebiet unterwegs waren, entdeckten wir immer wieder Neues und Unerwartetes. Auch diesmal machten wir uns in aller Herrgottsfrüh auf den Weg, um nicht in der größten Hitze wandern zu müssen.

Wir starteten die Wanderung beim „P-&-R“-Parkplatz vor dem großen Kreisverkehr. Zuerst ging es ein kurzes Stück entlang der Straße in Richtung Wildwiese, dann konnten wir schon rechts abbiegen und kamen an der ersten Bildsäule vorbei. Noch beeindruckender als die Bildsäule war eine stattliche Eiche, die als Naturdenkmal ausgezeichnet war. Ein steiler Anstieg wurde durch Stiegen erleichtert, und bald erreichten wir den Kreuzweg, dem wir weiter folgten.

In einer unscheinbaren Mulde steht die Herz-Jesu-Kapelle, die 1669 erbaut wurde. Weitaus interessanter erschien mir jedoch die hohe Stiege neben ihr, die auf den Kalvarienberg führte. Die Kreuzigungsgruppe stammt aus dem Barock, einer Zeit, in der Statuen oft in den wildesten Verrenkungen dargestellt wurden und dadurch etwas schaurig wirken.

Um dem Weg weiter zu folgen, mussten wir wieder zum Kirchlein hinunter, dann über eine Brücke gehen, und schon begann der nächste steile Anstieg. Diesmal war es ein felsiger, breiter Weg, der uns den Hügel hinaufführte.

Auf einer Wiese mit hübschem Ausblick entdeckten wir die zweite barocke Bildsäule: Maria mit Kind und einem ausladenden Reifrock. Dahinter eröffnete sich die Aussicht auf den Rabenwald mit Bergwerk, auf die Teichalm und auch die Wildwiese konnten wir sehen.

Da es schon etwas wärmer wurde, freuten wir uns, wieder in den Wald eintauchen zu dürfen. Der Weg bergauf war durchwegs interessant: Zwischendurch gab es einen Hohlweg, einige Treppen erleichterten den Aufstieg – dieser Wanderweg, der auch von Wallfahrern begangen wird, ist richtig toll.

Apropos Wallfahrten: Pöllauberg dürfte schon weit vor der christlichen Zeit eine heilige Stätte gewesen sein. Wo heute die Annenkapelle steht, gab es bereits im 12. Jahrhundert eine romanische Wallfahrtsstätte mit einer in Stein gefassten Quelle.

Da die Wallfahrer in früheren Zeiten gerne samstags zu dieser Stätte pilgerten, nannte man Pöllauberg den „Samstagsberg“ oder auch „Unser Frauenberg bei Pöllau“.

Im 14. Jahrhundert stiftete Katharina von Stubenberg die schöne hochgotische Kirche. Die Baumeister der Gotik waren wahre Künstler. Dieser damals neue Stil erforderte ganz besondere Kenntnisse der Statik, und die Bautechnik unterschied sich grundlegend von jener älterer romanischer Gebäude. Dazu kam, dass diese Bauherren ihr geomantisches Wissen nutzten – so auch bei der wunderbaren, zweischiffigen gotischen Kirche auf dem Ausläufer des Masenbergs.

Betritt man die Kirche über die steile Treppe, wundert man sich zunächst ein wenig: Eine Säulenreihe behindert die Sicht auf den Altar. Doch der Baumeister platzierte diese Säulen absichtlich genau so, denn sie sollen den Verlauf der Strahlung anzeigen. Ist man im Gotteshaus, sollte man unbedingt auch den Altar umschreiten. Diese Kirche beeindruckt noch heute.

Als in Pöllau das Kloster gegründet und von Vorau aus Augustiner-Chorherren angesiedelt wurden, übernahmen diese auch die Wallfahrtskirche auf dem Pöllauberg. Ich könnte mir vorstellen, dass das Pilgerwesen dem Stift eine gute Einnahmequelle bot.

Unter Kaiser Joseph II. wurden viele Klöster und Stifte aufgelassen. Das traf auch das Stift Pöllau, und so wurde Pöllauberg 1787 eine selbstständige Pfarre.

Wenn man aus dem Waldweg tritt und vor sich diese sandfarbene, hoch aufragende Kirche sieht, überkommt einen ein erhebendes Gefühl. Doch bevor man die Kirche betritt, sollte man dem barocken Bildstein vor der Kirche Aufmerksamkeit schenken. Er soll auf einem besonders stark strahlenden Platz stehen. Der Heilige zeigt einen entsetzten Gesichtsausdruck – warum, weiß ich nicht.

Unsere erhitzten Gesichter dürften glücklich gewirkt haben. Zum einen hatten wir den steilen Anstieg geschafft, zum anderen genossen wir die traumhafte Aussicht auf Riegersburg, Gleichenberger Kogel, Straden und Kapfenstein. Außerdem gibt es auf dem Pöllauberg den tollen Gastgarten des Gasthauses König, wo man exzellente Küche genießen kann.

Gut gestärkt besichtigten wir anschließend die Themengärten wie Schnapsgarten, Blumengarten und Kräutergarten. In Pöllauberg beginnt die Steirische Blumenstraße. Nur ungern trennten wir uns von diesem gepflegten Ort mit seiner einmaligen Aussicht, um über den Wald wieder bergab zu steigen.

Ein Wanderwegweiser ist auf dieser Strecke nicht ganz eindeutig, und zwar bei einem großen Parkplatz. Diesen mussten wir überqueren, und über den Weingarten gelangten wir zum Panoramaweg. Über diesen kamen wir schließlich zum Hotel Retter. Vor dem Hotel führt der markierte Wanderweg bergauf, um dann rechts ins Tal zum Rauschebach abzubiegen. Wer schon etwas müde ist, kann auch die Asphaltstraße hinuntergehen und gelangt so bequem zum letzten Abschnitt des Hirschbirnwanderwegs.

Im Wanderführer wird die Höhendifferenz mit 520 Höhenmetern angegeben, im Internet hingegen nur mit 330. Als wir beim Rauschebach ankamen, um dort gleich wieder den nächsten Hügel zu erklimmen, war ich der Meinung, dass mein Wanderführer mit seinen 520 Höhenmetern wohl eher recht hatte.

Doch auch diese Schleife lohnte sich: Wir waren in einem lieblichen Hügelland mit tollen Streuobstwiesen unterwegs. Ein Falke saß auf einem Kirschbaum, wir kamen an hübschen Einfamilienhäusern vorbei, und der Weg führte an besonders prächtigen Hirschbirnbäumen entlang. Hirsche mögen die Hirschbirne sicher auch, doch ihr Name kommt vom Herbst (oststeirisch „Hiascht“).

Die reifen Birnen sollte man beim Vorbeigehen nicht pflücken und essen – nicht nur, weil sich das nicht gehört, sondern auch, weil es sich geschmacklich nicht lohnt. Roh sind sie wenig aromatisch. Verarbeitet zu Edelbränden, Most, Essig, Kletzen, Saft oder Strudel entfalten sie jedoch ihr wunderbares Aroma.

Im Naturpark Pöllauer Tal soll es 92 verschiedene Apfel- und 32 Birnensorten geben. So gesehen ist es gut verständlich, dass hier großartige Produkte entstehen, wie die außergewöhnlichen Säfte des Obsthofs Retter oder die Essige der Ölmühle Fandler.

Fazit:
Eine rundum gelungene Wanderung mit sehr abwechslungsreicher Wegführung, wunderbaren Ausblicken und bester kulinarischer Versorgung. Die Gastronomie in diesem Teil der Steiermark bemüht sich wirklich – zahlreiche ausgezeichnete Betriebe laden zum Einkehren ein.