Distanz | Höhenmeter | Dauer | |
| 4 km | 400 HM | ca. 2 h | |




Wir sind nicht oft in den Bergen unterwegs – um ehrlich zu sein, sind wir ausgesprochene Flachlandwanderer. Daher war ich zuerst eher skeptisch, als mir vorgeschlagen wurde, an einem Sonntag im Februar ganz in den Norden des Weizer Bezirks zu fahren, um auf den höchsten Gipfel der Fischbacher Alpen zu steigen und dann mit dem Schlitten wieder herunterzubrausen.
Von einem Berg mit dem Schlitten hinunterzufahren, kam mir äußerst riskant vor … ganz anderer Meinung zu diesem Thema war meine bessere Hälfte. Gregis Augen leuchteten richtiggehend auf bei der Vorstellung, in einer winterlichen Landschaft mit einer Rodel unterwegs zu sein. Da spielten die zu bewältigenden 400 Höhenmeter auch keine Rolle … „Das wird lustig!“ Also war es beschlossen.
Über Anger, Birkfeld und Ratten fuhren wir das wunderbare Feistritztal hinauf. Weit und breit war kein Schnee zu sehen, und ich schöpfte Hoffnung, dass ich vielleicht doch nicht rodeln musste. Ich bin nun mal ein Angsthase.
Schon kamen wir nach Rettenegg, dem nördlichsten Ort des Weizer Bezirks. Dieser Ort wurde bereits um 1300 gegründet und gehörte ursprünglich zu Ratten. In Ratten gibt es ein Bergbaumuseum – und auch in Rettenegg spielte der Bergbau einst eine Rolle. In der Gegend wurden Silber, Kupfer und Kohle gefunden.
Doch auch Hammerwerke gab es zwischen den beiden Orten, wobei das Eisen vom obersteirischen Erzberg kam. Am Forellengasthaus Tösch (Jogllandforellen) vorbei fuhren wir neben dem Pfaffenbach hinauf zum Pfaffensattel … und wenn man ganz viel Glück hat, ergattert man sich dort einen Parkplatz (bei einem aufgelassenen Gasthaus).
Der Pfaffensattel ist eine Wasserscheide. Ich stelle mir vor, wie so ein Regentropfen überlegt: „Wenn ich hier herunterfalle, dann komme ich in den Stuhleckbach, den Fröschnitzbach, in die Mürz, dann in die Mur und über die Drau in die Donau. Wenn ich einige Meter weiter drüben nach unten falle, komme ich in den Pfaffenbach, besuche die Feistritz, sehe die Lafnitz und gelange über die Raab in die Donau. Egal … meine Schwestern werde ich in der Donau sowieso wieder treffen.“
Der Pfaffensattel ist ein Übergang vom Feistritztal ins Mürztal. Und weil die Kuruzzen immer wieder ins Feistritztal eingedrungen sind und man verhindern wollte, dass sie über den Pfaffensattel ins Mürztal gelangen, baute man Anfang des 18. Jahrhunderts auf dem „Pfaffen“ Verteidigungsanlagen. Von diesen Verteidigungsanlagen kann man heute nichts mehr sehen.
Auch sieht man kaum mehr etwas von der Trasse der ehemaligen Feistritzwaldbahn, die vom Steinhaus am Semmering über den Pfaffensattel nach Rettenegg führte. Diese Waldbahn, die vor allem dem Transport von Holz diente, existierte von 1922 bis 1958.
Doch genug mit dem Geschichtsunterricht. Wir waren ja gekommen, um zu wandern und zu rodeln. Über die Mautstraße (die im Winter für Autos gesperrt ist) stiegen wir die rund 400 Höhenmeter hinauf zum Alois-Günther-Haus. Der erste Teil der Strecke war leider sehr vereist (Grödel sind hier sehr empfehlenswert), doch schon etwas später konnte man ganz komfortabel auf Schnee gehen.
Je höher wir hinaufkamen, desto großartiger wurde die Aussicht. Doch auch die nähere Umgebung war spektakulär. Wind, Eis und Schnee hatten aus kleinen Bäumen wunderliche Skulpturen geschaffen. Ein wahres Winterwunderland.
Das Alois-Günther-Haus steht sehr exponiert in der Nähe des Gipfelkreuzes – hier gibt es keine Bäume mehr. Der Rundumblick ist ein Wahnsinn. Hinunter zum Neusiedler See mit seinen unzähligen Windrädern, über das Wechselgebiet, das oststeirische Hügelland bis zu den Kalkalpen der Obersteiermark. Auch die Niederen Tauern sollte man sehen können. Wir sind, wie schon erwähnt, keine Bergfexe … so genau kenne ich mich da leider nicht aus. Aber das kann ich bestätigen: Man sieht von hier oben ein großes und sehr schönes Stück Österreich.
Der Gipfel des Stuhlecks ist sehr belebt – klar, denn in der Nähe befindet sich die Bergstation eines Skilifts. Außerdem handelt es sich hier um ein Skigebiet, das von der Bundeshauptstadt aus in knapp einer Stunde mit dem Auto zu erreichen ist.
Und noch eine Besonderheit hat das Stuhleck. Es ging als der erste mit Skiern bestiegene Gipfel der Alpen in die Geschichte ein. 1892 wurde hier sozusagen der Grundstein für den Wintertourismus gelegt. Ein Hotelier sowie ein Postbeamter aus Mürzzuschlag und ein Fabriksdirektor aus Graz waren die Skipioniere. Was sie wohl denken würden, wenn sie heute hier beim Gipfelkreuz stünden und hinunter auf den Skilift blickten, der nach und nach Menschenmassen auf den Berg bringt? Würden sie sagen: „Ui, da haben wir aber etwas ausgelöst.“ Oder: „Verdammt, warum sind wir nicht hundert Jahre später geboren worden? Dann hätten wir uns da nicht so hochquälen müssen!“
Das Alois-Günther-Haus ist ganzjährig bewirtschaftet, und an diesem wunderbaren Sonntag im Februar war es bestens besucht. Wir hatten richtiges Glück, einen Platz zu ergattern.
Hier in der Nähe soll einst die erste Skihütte der Alpen gestanden haben – die Nansenhütte. Wer sagt’s denn? Auch auf Bergen wurde Geschichte geschrieben.
Doch zurück zu unserer Geschichte … Wir waren gestärkt, jetzt hieß es, mit dem Schlitten die 400 Höhenmeter auf vier Kilometern Mautstraße hinunterzufahren. Ich schwor feierlich: „Wenn ich lebend unten ankomme, dann schreibe ich einen Bericht über das Stuhleck!“
Gut, ein Stück musste ich den Schlitten dann doch noch ziehen, doch dann kam die Abfahrt. Ich wurde überholt, ich wurde nochmals überholt … (Nein, von keinem Wanderer. Das ist ein Gerücht!)
Während ich mich etwas verkrampft an meinem Gefährt festklammerte und mir die Sohlen auf der Piste abwetzte, fuhr meine waghalsige Tochter jauchzend und lachend an mir vorbei – das Handy im Anschlag und generell nach hinten blickend. (Dieses Beweisvideo über meine Schlittenfahrt muss ich noch konfiszieren und vernichten!)
Ich gebe zu, meine Angst war nicht gerechtfertigt. Die Mautstraße ist mit dem Schlitten richtig gut zu befahren … und ich habe es sogar geschafft, meinen Mann zu überholen. Gut, der hatte angehalten, weil er angeblich ein Birkhuhn gehört hatte. Ich hatte einen Vorsprung von mindestens zehn Minuten und kam mir vor wie der Igel aus der Fabel „Der Hase und der Igel“.
Fazit: ein wunderbarer Ausflug. Das Stuhleck werden wir bestimmt wieder einmal besuchen – mit oder ohne Schlitten, das kann ich heute noch nicht sagen.






















