Bärnbacher Klostergeheimnis – Wanderung Heiliger Berg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Bärnbach

7,2 km

155 HM

2:30 h

       

Der Heilige Berg von Bärnbach kann eine sechstausendjährige Siedlungsgeschichte aufweisen, und das will schon etwas heißen. Auf diesen Heiligen Berg wollten wir im Oktober 2025 wandern und erkunden, was die Menschen schon so früh dazu veranlasste, auf diesem Hügel zu leben.

Bärnbach ist eine Stadt – keine alte Stadt wohlgemerkt. 1817 war Bärnbach mit seinen 25 Häusern und 125 Einwohnern noch recht bescheiden. Um 1900 gab es 118 Häuser und 1.123 Einwohner, 1951 waren es dann 461 Häuser mit 3.918 Einwohnern. Diese Zunahme an Bevölkerung bewirkte, dass Bärnbach 1953 zur Marktgemeinde und 1977 zur Stadt erhoben wurde. Mit Stichtag 1.1.2025 gab es 5.894 Einwohner.

Die Stadt, die ihren Aufstieg vor allem dem Braunkohleabbau sowie der Glaserzeugung verdankte, hat eine relativ junge Pfarrkirche: die Kirche St. Barbara – besser bekannt als Hundertwasserkirche. 1948/50 wurde das Gotteshaus gebaut, recht schlicht war es. Bärnbach war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal eine Marktgemeinde.

1987 wurde vor allem die Außenansicht und der Bereich vor der Kirche vom Künstler Friedensreich Hundertwasser gestaltet. Das war ein Jahr vor der Landesausstellung „Glas und Kohle“, welche in Bärnbach stattfand. Der Kohlebergbau ist inzwischen auch schon Geschichte. Bis 2004 wurde Braunkohle abgebaut. Auch die Glasfabrik, welche seit 1805 bestand, hat 2011 die Produktion aufgegeben. Jedoch kann man das Stölzle Glas-Center sowie das Glasmuseum besuchen.

Ich mag die Hundertwasserkirche mit ihrer Sonnenuhr. Sie sieht so aus, als ob sie den Betrachter anlächelt. Auf der Position sechs Uhr ist ein roter Anger aufgemalt, der wie ein hübscher Mund wirkt. Die bunten Dachziegel, die farbenfrohe Keramik, die runden Formen … der Prozessionsweg mit seinen zwölf Toren. Gras und Blumen zieren die Dächer. Vögel lieben es, dort zu sitzen – sicher vor allen Katzen der Welt, die die Keramiksäulen niemals hochklettern können.

Vor der Kirche querten wir die Straße und hielten uns rechts, an einer Arztpraxis vorbei … an einer Zahnarztpraxis vorüber, dann zum Wegweiser zum Heiligen Berg. Nachdem wir den Bach überquert hatten, ging es über einen Hohlweg bergauf. Wie in einem Tunnel fühlten wir uns, so sehr neigte sich das Blätterdach des Waldes über uns. Dann kamen wir zu einem Forstweg, von dort folgten wir den Wegweisern hinauf zum Heiligen Berg mit dem Kloster der Karmeliterinnen.

Bärnbach ist nicht nur eine junge Stadt – auch das Kloster auf dem Heiligen Berg ist jung. 1975 wurde die Anlage „Heilig-Kreuz-Karmel“ errichtet. Ein neues Kloster und ein alter heiliger Berg, der eine Siedlungsgeschichte von 6.000 Jahren aufweist. Beim Bau entdeckte man, dass es an dieser Stelle eine prähistorische Siedlung gegeben haben musste. Es gab künstliche Terrassen, man fand Feuerböcke, Spinnwirtel, Webstuhlgewichte und Keramikgefäße.

Man konnte zwei Phasen prähistorischer Siedlungstätigkeit nachweisen, wobei die erste Siedlung einem Brand zum Opfer gefallen sein musste. Im 9. bis 8. Jahrhundert vor Christus war diese Höhensiedlung stattlich groß. Doch wieso siedelten die Menschen dazumal ausgerechnet auf diesem Berg – der keine Wasserquelle hatte?

Wir waren den Hügel mit seinen extrem steilen Hängen hinaufgestiegen – die Straße hinauf zu bauen musste sicherlich sehr aufwendig gewesen sein. Sehr steil fiel das Gelände auf allen Seiten hin ab. Die Aussicht war einfach grandios. Stubalpe und Gleinalpe, man sah auf die Stadt Voitsberg mit der Burgruine Obervoitsberg, zwischen den Bäumen lugte Schloss Kainach durch, Edelschrott war zu sehen und auch der wichtige Marienwallfahrtsort Maria Lankowitz. Gäbe es auf diesem Hügel keinen Wald – der Rundumblick müsste außergewöhnlich sein. Unsere Vorfahren waren sehr aufmerksame Menschen, die mit der Natur viel besser in Verbindung standen. Sie hatten die Heiligkeit des Ortes erkannt. Die Römer nannten ihn bereits „Mons Sacer“ (Heiliger Berg).

1660 stiftete die Gräfin Eleonore Eusebia von Wagensperg ein Gotteshaus auf dem Heiligen Berg. Gregi und ich gingen zu diesem Kirchlein, das mit einer Mauer umgeben war. Auf der Innenseite dieser gemauerten Umzäunung hing ein Wunschglöckchen – ein junges Wunschglöckchen allerdings. Seit 2005 hängt es hier – das ist schon Handyzeitalter.

Alt ist jedoch das bemalte Tor der Kirche. Die Apostelfürsten Petrus und Paulus sind dargestellt. Der Kirchenraum selbst ist sehr angenehm und beheizt. Der Altar wirkt etwas düster, und wenn mich nicht alles täuscht, konnte man ihn früher umschreiten. Eine hübsche Marienstatue steht rechts vor dem Altar, in ihren Armen Jesus als Fatschenkind (ein Kind, das mit Binden eingewickelt wurde).

Am Gipfel des Heiligen Berges steht eine Kreuzgruppe aus Sandsteinfiguren. Maria, Magdalena und Johannes sind zu sehen, der Gekreuzigte selbst befindet sich nicht mehr bei der Gruppe. Unterhalb des Plateaus (auf der Seite nach Bärnbach) gibt es einen äußerst interessanten Felsen. In seinen Spalten und Minihöhlen wurden viele kleine Schutzengerln platziert. Vielleicht ticken wir doch noch ähnlich wie unsere Vorfahren, die Mehl oder Schmalz in ausgeriebenen Steinschalen opferten.

Wir gingen wieder zurück zum Wanderkreuzungspunkt und von dort in Richtung Köflach. An einem aufgelassenen Bauernhof vorbei und dann rechts steil bergauf. Wir hatten diese Wanderung auch einmal an einem heißen Sommertag unternommen, und dazumal kam uns dieser Anstieg sehr anstrengend vor – darüber konnten wir an diesem kühlen Oktobertag nur mehr schmunzeln.

Der Weg führte beim Köflacher Stadtrand an Häusern vorbei nach unten, dann mussten wir nach rechts abbiegen. Wiesen, Wiesen, Wiesen – so viel Grün auf einmal. Ein herrlicher Blick auf das Schloss Piber, wo die gelehrigen Lipizzaner zu Hause sind. Ob all das Gras und Heu, das hier geerntet wird, den edlen Rössern verfüttert wird?

Die Umgebung sieht großzügig modelliert aus. Geschwungene, runde Hügel – als ob sie vom Künstler Friedensreich Hundertwasser geformt worden wären. Nur der Heilige Berg sticht in dieser runden Welt mit seiner spitzen Form heraus. Nach einer Biegung konnten wir schon die goldene Kuppel der Kirche St. Barbara sehen. Nun dauerte es nicht mehr lange, und wir waren in Bärnbach zurück.

In Bärnbach könnte man einen besonderen Stadtrundgang unternehmen – „Kunst im öffentlichen Raum“. Wir besahen uns noch den Bärenbrunnen am Hauptplatz und den Mosesbrunnen, der vom Künstler Prof. Ernst Fuchs gestaltet wurde.

Dann entdeckten wir etwas, das unsere Aufmerksamkeit mehr als alles andere erregte. Es war schwarz und pink und hieß: die Zuckermühle. Eine Konditorei genau nach unserem Geschmack. Wenn man in Bärnbach ist … unbedingt besuchen!

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