



















| Rundweg über Kreuzberg – Aschau | 9,41 km | 250 HM | 2:30 h |
Willersdorf – Dreiländereck – retour | 10,8 km | ca. 4 h | |
| Lehrpfad bis Valtlmühle – retour | 7,8 km |











Die Willersdorfer Schlucht ist laut Burgenland Tourismus ein ganz besonderes Fleckchen Erde – und ich muss den Touristikern recht geben. Wir haben diese Schlucht schon einmal Anfang Juni 2022 besucht. Damals konnten wir wunderbare Apollofalter fotografieren. Ende Juni 2025 (es herrschte eine Hitzewelle) machten wir uns erneut ins Burgenland auf – unser Ziel war wieder die Willersdorfer Schlucht. Von dieser Wanderung möchte ich nun berichten.
Vorweg: Dieses Gebiet erfordert Zeit und Geduld. Wer in Ruhe die Wiesen und Büsche studiert, kann extrem viel entdecken. In diesem abgeschiedenen Tal hat sich eine ungewöhnlich hohe Biodiversität erhalten. Wer jedoch gerne sportlich und rasch wandert, wird vielleicht etwas enttäuscht sein und nur einen Weg neben einem Bach sehen, der noch dazu von Mountainbikern benutzt wird.
Willersdorf gehört inzwischen zu Oberschützen. Es ist ein beschaulicher, kleiner Ort mit einer Besonderheit: einem evangelischen Bethaus. Und genau bei diesem evangelischen Bethaus beginnt der Wanderweg. Man kann sich nicht verlaufen – immer dem Bach entlang, an Häusern vorbei, hinein in den Wald.
Der Schluchtwald und der Bach kühlten wunderbar. Rastbänke standen direkt im Wald, ein Fischteich folgte, dann eine Tafel, die vom Schlosshansl erzählte. Hinter dem Teich, auf der Geländekante über der Schlucht, soll es spärliche Mauerreste der Burg Willersdorf geben. Um ganz ehrlich zu sein: Wir haben nicht danach gesucht. Erstens gab es keine eindeutige Wegbeschreibung, zweitens hatte ich mir die Bilder im Internet angesehen – viele Mauern gibt es dort nicht mehr zu betrachten.
Die Burg, die 1280 von Johann von Güns-Güssing errichtet wurde, war eher ein „Burgerl“. Nach dem Modellbild auf der Tafel eigentlich mehr ein massiver Turm mit einem Palisadenzaun rundherum. Neun Jahre nach der Erbauung wurde dieser Wehrbau im Zuge der Güssinger Fehde bereits wieder zerstört und nicht mehr aufgebaut.
Also marschierten wir zielstrebig dem Bach entlang weiter zum Beginn des Lehrpfades. Liebevoll wurden die acht erlebnispädagogisch aufbereiteten Stationen des Lehrpfades gestaltet.
Die Willersdorfer Schlucht lag früher im Grenzbereich zwischen dem Herzogtum Steiermark (später dem Kaiserreich Österreich) und dem Königreich Ungarn. Wir wären vor einigen hundert Jahren hier im Königreich Ungarn unterwegs gewesen – allerdings wären wir trotzdem sozusagen auf „steirischer Erde“ gegangen. Das klingt jetzt lustig, aber die Geologie hat dafür eine ganz interessante Erklärung.
Vor zirka 20 Millionen Jahren gab es in diesem Gebiet Senkungsbewegungen. Dadurch konnte vom Meer Wasser eindringen, und da dieses Meer Teile der Steiermark bedeckte, brachte es aus der Steiermark viele Schotter, Sande und Lehme mit. Sehr, sehr viel Material wurde abgelagert. Später arbeitete die Erde wieder – diesmal kam es zu einer Hebung, und das Meer war Geschichte. Danach begann die Zeit, in der durch Erosion die Gegend modelliert wurde. Gut, dass das Wasser die Willersdorfer Schlucht mit ihrer großen Artenvielfalt geschaffen hat.
Eigentlich sieht der Willersdorfer Bach ganz harmlos aus. Als wir im Juni 2025 unterwegs waren, führte er kaum Wasser. Doch dieses vermeintlich kleine Bächlein darf nicht unterschätzt werden. Im August 2021 gab es ein Hochwasser, und im Juni 2024 folgte ein weiteres. Zwei richtig hohe Dämme sperren das Tal – an der oberen Kante eines Damms konnten wir noch abgelagerte Äste sehen. Die Wiesen sollen gänzlich voller Schlamm gewesen sein. Die Brücken wurden weggerissen (die meisten waren im Juni 2025 wieder errichtet, zweimal mussten wir den Bach noch über Steine queren). Der Forstweg sah recht neu aus – ich schätze, dass auch dieser vom Wasser weggespült worden war.
Doch trotz der heftigen Überschwemmungen konnte sich dank des Mischwaldes sowie der verschiedenen Talwiesen (Feucht-, Nass- und Magerwiesen) eine enorme Artenvielfalt in dieser Schlucht erhalten. Bei unserer Wanderung sahen wir verschiedenste Schmetterlingsarten (Dukatenfalter, Schachbrett, Bläulinge, Landkärtchen, Apollofalter). Auch unzählige bunte, gepunktete oder gestreifte Käfer labten sich an den Blüten. Und in einer Pfütze neben dem Weg lebten Schwärme munterer Kaulquappen.
Bei einer besonders hübschen Wiese mit einer Rastbank konnten wir uns entscheiden: entweder rechts abbiegen und zum Aussichtsturm wandern (Panoramablick in die Bucklige Welt sowie Richtung Bernstein) oder links im Tal dem Lehrpfad weiter in Richtung Valtlmühle folgen. Da im Tal noch eine besonders schöne Magerwiese auf uns wartete, entschieden wir uns für den Lehrpfad.
Die Valtlmühle ist die einzige der drei Mühlen in diesem Bereich, deren Gebäude noch existiert. Sie wird heute als Wohnhaus genutzt. Auf unserem Wanderweg in Richtung Dreiländereck kamen wir an weiteren ehemaligen Mühlenstandorten vorbei. Von der Patrizlmühle konnte ich 2025 nichts mehr entdecken – 2022 hatte ich an dieser Stelle noch Mauern fotografieren können.
Von der ersten Mühle des Willersbachtals konnte ich 2022 nur mehr die Erinnerungstafel sehen – 2025 war selbst diese Tafel schon teilweise unter Schutt begraben. Auch hier musste das Hochwasser ordentlich gewütet haben. Die Tafel erzählte, dass „die Mühle aufgegeben wurde, nachdem in den Sommermonaten eine Unzahl von Schlangen das Gebäude als Unterschlupf nutzte“.
Diese Tafel mit der Geschichte von den Schlangen war auch der Grund, dass ich auf der nächsten Wegstrecke meine Augen auf den Boden gerichtet hatte. Es dauerte nicht mehr lange, und wir erreichten den Dreiländerstein. Ein hübscher Scheckenfalter flatterte einmal um den Stein und hatte binnen weniger Sekunden den Luftraum des Burgenlandes, der Steiermark und Niederösterreichs gestreift.
Bis 1920 verlief hier die Trennlinie zwischen Österreich und Ungarn. Und so einsam dieses Waldgebiet auch ist – hier gab es einst einen Gendarmerieposten, um Schmuggel zu unterbinden. Bereits im 17. Jahrhundert soll hier der „Vierherrschaftenstein“ gestanden haben. Die Grundherrschaften Bärnegg, Ziegersberg, Krumbach und Bernstein grenzten hier aneinander. Der heutige Stein dürfte 1914 gesetzt worden sein (damals noch mit ungarischer Markierung – diese wurde später mit den burgenländischen Farben übermalt).
2025 machten wir hier kehrt und wanderten denselben Weg zurück. 2021 waren wir weiter hinaufgestiegen nach Schmiedrait und über den Rundweg zurück nach Willersdorf gewandert. Diese Variante bietet schöne Ausblicke, doch an diesem heißen Junitag war uns diese Runde einfach zu anstrengend.

























































