Vom Kanzianiberg zur Ruine Finkenstein

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

 

400 HM

4 h

Start:

Kanzianiberg Parkplatz Kletterpark  

Diese Wanderung haben wir in mehreren Wanderbüchern angefunden, und lustigerweise sind die Angaben zu den Höhenmetern etwas unterschiedlich. In einem Buch sind es 300 HM, im anderen 400 HM. Wie dem auch sei: Die Wanderung ist sehr gut und leicht zu schaffen, und man benötigt nicht allzu viel Kondition … nur ein Stück auf dem Sepplweg ist etwas abenteuerlich und abschüssig.

Die Wanderung startet beim Parkplatz für den Klettergarten (Tagesticket kostete 2025 EUR 6,00). Der Kanzianiberg ist der größte Klettergarten Kärntens – wir hätten die Zufahrt trotzdem beinahe nicht gefunden. Mehrmals mussten wir umkehren, bis wir endlich begriffen, dass eine extrem schmale Asphaltstraße in Richtung Altfinkenstein die richtige Wahl war.

Schroff und steil ist der Kanzianiberg, wenn man vom Wanderparkplatz die steilen Wände hochsieht. Dohlen umflattern ihn mit hohlem Krächzen, riesige Gesteinsbrocken liegen in der Gegend herum. Unheimlich war es hier … wie auf dem Weg zur Hölle. Als wir aus dem Auto ausstiegen, hatte es gerade einmal 4 Grad Celsius, und irgendwie wunderte ich mich nun nicht mehr, wieso wir so ziemlich die einzigen Gäste waren, die das wunderbare Hotel (Karnerhof in Drobollach – sehr empfehlenswert) freiwillig für eine Wanderung verließen.

Wir marschierten zwischen den hohen Felswänden, welche dunkle Schatten warfen, und der Straße den Wanderweg bergauf. Plötzlich wurde es heller, die Felswände wurden niedriger, wir querten eine geschotterte Fläche, und nun begann der Weg lieblich zu werden. Neben uns gab es eine Wiese, und von dieser Seite sah der Kanzianiberg nur mehr wie ein Hügel aus. Ein hübscher Hügel mit einer Kirche. Eindeutig – so gefallen mir Berge besser.

Bei der Wanderwegkreuzung entschlossen wir uns, zuerst den Kanzianiberg über den Wanderweg zu besteigen. Ich nehme an, dass auch die frühen Siedler des Kanzianiberges schon auf dieser Seite nach oben gegangen sind. Gut, ganz nach oben waren wir dem Wanderweg dann doch nicht gefolgt. Irgendwann wechselten wir auf den Kreuzweg. Dieser sah sehr idyllisch aus, war jedoch weitaus steiler als der normale Wanderweg. Unter der Bergkuppe gibt es ein Dorfmuseum, das leider geschlossen hatte. Danach wurde es auf dem Kreuzweg wirklich sehr steil, und das letzte Stück zur Kirche mussten wir fast kraxeln. Egal, von welcher Seite man den Kanzianiberg besteigt – das letzte Stück zur Kirche ist überall extrem steil.

Oftmals wundere ich mich, was in manchen Wanderbüchern steht. Der Autor eines Wanderführers überlegte doch tatsächlich, ob es sich überhaupt auszahle, auf den Kanzianiberg zu gehen. Die Kreuzwegstationen hätten die Läden zu, und die Kirche sei ohnehin geschlossen. Man könne nur durch einen Schlitz in der Tür ins Innere sehen.

Wir sahen durch den Schlitz in der Tür, wir sahen die steilen Treppen, welche zu einem noch steileren Pfad hinunterführten, wir sahen uns die verblassten Gemälde auf der Außenseite der Kirche an, die Reliefs, den Opfertisch neben der Eingangstür und den enorm hohen Turm. Wir waren mehr als beeindruckt. Wer um alles in der Welt hatte die Energie, auf diesem steilen Berg eine so große Kirche zu bauen? Und wer hatte das ganze Baumaterial hier heraufgeschafft?

Wir waren beim Aufstieg über den bequemeren Altweg ins Schwitzen gekommen, so steil und steinig war er. Ich stellte mir die Menschen vor, die das Material und das Werkzeug auf den Berg getragen hatten. Vor gar nicht langer Zeit musste wieder einmal jemand etwas Schweres heraufgetragen haben, überlegte ich mir (eine Zufahrt bis zur Kirche gibt es nicht), und betrachtete die Photovoltaikanlage, die aus dem Fenster des Turmes herauslugte. Es sah fast so aus, als würde der Turm dem Berg dahinter die Zunge zeigen.

Als ich meinem Vater von dieser Photovoltaikanlage erzählte, meinte er – klug, wie er ist: „Jetzt kann man doch alles mit Hubschraubern auf die Berge bringen – da braucht man nicht mehr schleppen.“ Vielleicht bin ich doch zu romantisch veranlagt. Doch damals, als man die Kirche baute, gab es diese Möglichkeit noch nicht. Und vor der Leistung dieser Menschen habe ich den allergrößten Respekt.

Wir stiegen dann noch weiter den Berg hinauf, sahen auf den Faaker See, nach Villach und auf die Karawanken. Später forschte ich auf der Landkarte nach, wie der Berg gleich hinter dem Kanzianiberg hieß. Dabei fiel mir etwas auf: Es gibt den Mittagskogel (den jeder an seiner Pyramidenform erkennt), aber auch den Kleinen Mittagskogel, den Mallestiger Mittagskogel, den Techantinger Mittagskogel und wahrscheinlich auch noch andere Mittagskögel. Jeder Ort hat wohl seinen Berg, über dem um 12.00 Uhr die Sonne am höchsten steht.

Doch zurück zum Kanzianiberg. Dieser war schon ganz, ganz früh besiedelt. Bereits in der Jungsteinzeit lebte man hier oben recht sicher. Die steilen Wände, welche heute als Klettergarten benutzt werden, schützten die Siedlung recht wirkungsvoll. Eigentlich ist der Berg nur von einer Seite zu begehen; darunter im Tal ist ein Morast. Ein Angriff von dieser Seite war auch nicht leicht. Und die Siedler haben ihre Spuren hinterlassen. Ein toller Fund war ein prähistorischer Tonstempel, der zum Auftragen von Farbe auf menschliche Körper benutzt wurde. Doch auch ein frühmittelalterliches Reliquienkästchen aus Elfenbein wurde gefunden – leider fehlte die dazugehörende Reliquie.

Gregi hat auf dem Kanzianiberg auch etwas gefunden – nämlich ein Geocache-Versteck (und das ohne Navigationsgerät und ohne gezielt nach einem Versteck zu suchen … alle Achtung!).

In Prospekten werden vor allem der Klettergarten, das Dorfmuseum und der Schaukalkofen beworben … doch die eigentliche Sehenswürdigkeit ist das Plateau auf dem Kanzianiberg mit seiner Kirche und dem alten Siedlungsplatz. Ein wunderbarer Ort, den man nur sehr ungern wieder verlässt.

Der Abstieg war anfangs wieder etwas steil, doch dann kamen wir auf den Wanderweg. Beim Wanderwegkreuz folgten wir nun den Pfeilen Richtung Altfinkenstein. Nun ging es durch den Wald, und links und rechts neben uns wuchsen hübsche Schneerosen. Die nächste Wegstrecke war weniger interessant, da sie auf der Straße verlief. Doch schon bald sahen wir sie, den nächsten Höhepunkt der Wanderung: die Ruine Altfinkenstein.

Vor der alten Festung gab es satte Wiesen und Bauernhöfe; sie selbst steht auf einem hohen, nackten Felsen. Wir hatten leider Pech: Das Burgstüberl war geschlossen, und die Ruine würde man erst ab Mai besichtigen können. Also weiter auf die Baumgartenhöhe über den Sepplweg.

Die Wiese war gekalkt, weiße Krokusse bildeten weitere helle Tupfer. Ein Steig führte dann den Berg hinauf, zuerst noch recht angenehm zu gehen, bis der Bach zu queren war. Jetzt wurde es richtig steil, und es gab keinen Weg mehr. Ein Teil des Pfades war wohl fortgeschwemmt worden. Dank Wurzeln konnten wir uns hochziehen, um wieder auf einen Wandersteig zu gelangen. Schließlich kamen wir auf eine Weide, die sehr abschüssig war. Doch auch diese Anstrengung schafften wir ohne zu murren, sahen wir doch eine Einkehrmöglichkeit – den Baumgartnerhof.

Unsere Zungen hingen schon fast bis zum Kinn; wir freuten uns richtig auf ein gutes Essen und noch mehr auf ein tolles Erfrischungsgetränk … „Dienstags geschlossen“.

Von der Baumgartenhöhe führen viele Wanderwege weg. Ein Weitwanderweg sollte (laut Beschreibungen ab März) über die Berge nach Slowenien führen. Wir sind keine Berggeher, und auf den Karawanken lag zu diesem Zeitpunkt eine Schneehöhe von 1,5 Metern. Also wieder hinunter – diesmal über eine Skipiste. Von oben hatten wir wenigstens eine herrliche Aussicht auf die Burgruine (welche wir vorhin nicht erkunden konnten) und den See dahinter. Nach dem Wildgehege kamen wir wieder auf die Asphaltstraße und marschierten den bekannten Weg retour.

Schön und beeindruckend war der Kanzianiberg … toll wären auch die Burgruine und der Baumgartnerhof gewesen, wären sie nicht geschlossen gewesen. Nächstes Mal machen wir diesen Ausflug ab Mai und ab mittwochs – wenn möglich. Dann könnte man die Wanderung durchgehend genießen.

 

 

Mureck – Burg Obermureck – Auwald und Schiffmühle

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Wanderung beliebig erweiterbar

5 – 6 km

kein nennenswerter Höhenunterschied, nur beim Burgberg

mindestens 2 Stunden

       

Bei dieser Wanderung den Reisepass nicht vergessen!

Der erste Sonntag im März 2025 war ein ganz famoser Tag. Kalt war es in den vergangenen Tagen gewesen, feucht und nebelig … und dann dieser prächtige Frühlingstag.

Im Vorfrühling zieht es uns immer magisch in den Süden der Steiermark. Die Murauen sind nun mal zu dieser Jahreszeit besonders herrlich. Wir beschlossen also, nach Mureck zu fahren. Unsere Wanderung startete bei der Murecker Pfarrkirche zum „heiligen Bartholomäus“.

Wer war dieser Heilige, der Namensgeber für Bartholomew Simpson (besser bekannt als Bart Simpson) ist? Laut Wikipedia war er ein Jünger Christi, der ein ganz scheußliches Martyrium erlebte. Ihm soll bei lebendigem Leib die Haut abgezogen worden sein. Düster war auch die Bartholomäusnacht (23.–24. August 1572), in der ein Massenmord an französischen Protestanten stattgefunden hat.

Die Kirche selbst hat nichts Düsteres an sich. Hell und freundlich wirkt die Fassade, die durch den Turm geteilt wird. Hinein konnten wir leider nicht, da das Gotteshaus verschlossen war. Über den Kirchdamm gingen wir weiter, zweigten in eine Allee ein, wo wir einige emsige Kleiber beobachten konnten. Danach folgten wir einem schmalen Weg, der entlang einer alten Mauer führte. Auf der Mauer leuchtete das grüne Moos. Nach kurzer Zeit erreichten wir den Murecker Hauptplatz.

Dieser Hauptplatz hat es auch in sich. Lang ist er – ganze 350 Meter. Und direkt vor uns stand das Rathaus mit seinem besonders hübschen, sechsstöckigen Uhrturm. Lange besahen wir diesen Turm, der im 17. Jahrhundert erbaut worden war. Eine Büste des Grafen von Stubenberg, ein Porträt von Kaiser Leopold I., eine Madonna mit Mondsichel konnten wir erblicken. Doch besonders angetan war ich vom Erzengel Michael. Auf ihm thronte ein wunderhübscher Falke. Über dem Turm flogen heiser krächzend die Krähen. Ja, Mureck ist wirklich eine ganz besondere Stadt.

1187 wurde Mureck erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort liegt nördlich der Mur, wo die Gegend brettleben ist. Die Burg Obermureck wurde südlich der Mur errichtet, auf dem Trattenberg, der sehr steil zum Fluss abfällt und daher ein richtig toller Burgstandort ist. Doch Mureck selbst hatte keinen natürlichen Geländeschutz. Der Marktrichter Bartlme Lorber wusste um diese Schwachstelle und setzte sich dafür ein, dass der Ort befestigt wurde. Ab 1664 wurden Gräben gezogen, Palisaden aufgestellt und Toranlagen errichtet. Diese wurden auch gebraucht, denn sowohl 1683 als auch 1704 war Mureck Stützpunkt im Verteidigungskampf gegen Türken und Kuruzzen.

Wir marschierten durch das Tor des Rathauses und kamen zum Lorberplatz. Hier gibt es einen Laden für regionale Produkte sowie ein öffentliches WC. Wir folgten der Straße weiter zum Campingplatz und von dort einem Pfad zum Auwald. Der Wegrand war violett gesäumt – so viele Krokusse wuchsen dort. Und hier tummelten sich bereits die ersten Bienen.

Im Wald angekommen, bogen wir vor der Brücke links ab und folgten dem Mühlbach. Weiße Teppiche von Schneeglöckchen – wunderbar anzusehen. Leider ist es mir bis jetzt noch nicht gelungen, diese Pracht naturgetreu auf ein Foto zu bringen. Dazu kamen noch die unzähligen Krokusse und einige Exemplare der Grünen Nieswurz. Rund um uns gab es das allerschönste Vogelkonzert. Auch die kleinen Piepmatze begrüßten den Frühling voller Enthusiasmus.

Über eine kleine Brücke führte uns der Weg, danach weiter flussabwärts. Unter der Murbrücke hindurch, zwischen Mur und Mühlbach, kamen wir dann auf den Radweg. Hier könnten wir den Weg weiter der Mur entlanggehen – zum Röcksee und weiter zum Murturm. Eine herrliche Wanderung!

Wir wollten diesmal jedoch das Schloss Obermureck besuchen. Also marschierten wir auf dem Radweg in Richtung Mureck zurück bis zum Haus der Grenzpolizei, danach über die Brücke nach Trate. Direkt gegenüber der Brücke geht neben einem Haus eine Treppe den Hang hinauf – an einem Backofen vorbei, und über einen urigen Weg schlängelt sich ein Pfad durch den Wald zum Schloss hoch. Das wussten wir leider zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Also gingen wir rechts die Straße entlang und bogen vor einer Ruine in einen Weg ein – und kamen auf diese Weise zum richtigen Waldpfad. Schneeglöckchen wuchsen auf dem ganzen steilen Hang, und es roch sehr intensiv nach Bärlauch, der hier üppig wucherte. Wir entdeckten einen besonderen Farn. Gregi behauptete, dass es sich dabei um den seltenen Hirschzungenfarn handelt. Dieser wurde im Mittelalter auch Hexenkraut genannt. Hexenkraut auf einem Burgberg – wie unheimlich.

Unheimlich dürfte es auf dem Schloss Obermureck (Grad Cmurek) im 20. Jahrhundert zugegangen sein. Dort war eine geschlossene psychiatrische Anstalt untergebracht. Heute gibt es auf dem Schloss ein Museum (Museum des Wahnsinns). Als wir den Tratenberg erklommen hatten, mussten wir leider feststellen, dass sowohl das Museum als auch das Schloss geschlossen waren. Da hätten wir besser vorher etwas recherchiert … aber egal. Wieder bergab und über die Brücke.

Von der Brücke aus sahen wir unser nächstes Ziel: die Schiffsmühle und das dazugehörende Restaurant. Diesmal folgten wir der Straße in Richtung Stadt, ein gelber Wegweiser ließ uns dann links abbiegen, und über einen schmalen Pfad kamen wir wieder in den Auwald. Diesmal gingen wir direkt an der Mur entlang flussaufwärts.

Opatija hat den Lungomare … die Steiermark hat den Wanderweg neben der Mur. Und ehrlich: Dieser Wanderweg steht dem weltberühmten kroatischen Panoramapfad um nichts nach. Blaues Wasser, helle Steine, kleine Wellen, die das Licht auf wunderbare Weise spiegeln. Dazu Gänsesäger, Stockenten und Schwäne, die hier nach Herzenslust badeten. Und über uns in den Baumkronen tummelten sich Scharen von kleineren Vögelchen.

Dass es auf diesem Weg besonders schön ist, wissen viele Leute. Und so kam es, dass an diesem ersten etwas wärmeren Sonntag im Vorfrühling sehr viele Spaziergänger unterwegs waren. Vor uns sahen wir verheißungsvolle rote Sonnenschirme … das Restaurant Mühlenhof hatte geöffnet.

Man hatte hier wohl nicht mit diesem enormen Ansturm gerechnet – ein Kellner und ganz, ganz viele Gäste, die bedient werden wollten. So beschlossen wir, uns nur die Schiffsmühle anzusehen, die 1997 nach dem Vorbild alter Schiffsmühlen errichtet wurde.

Wir hätten dem Fluss noch weiter in Richtung Weitersfeld folgen können, doch nun plagte uns der Hunger … also zurück nach Mureck, zum Café Mureckstüberl.

Das Café Mureckstüberl befindet sich in der Grazer Straße 2 (beim Rathaus die Straße überqueren, links den Hauptplatz hinuntergehen, beim letzten Haus um die Kurve … dort befindet sich das Kaffeehaus). Wir hatten Glück, noch einen Platz zu ergattern. So gut gefüllt war das Lokal. Und die meisten Besucher naschten Eis – was man sich nur zwei Tage davor sicherlich nicht hätte vorstellen können.

Zu Mureck muss ich noch etwas sagen. Jedes Mal, wenn ich in diesem Ort bin, komme ich total zur Ruhe. Ich weiß nicht, woran das liegt. Aber nach einer Wanderung an der Mur bin ich immer ganz tiefenentspannt. Und offenbar geht es nicht nur mir so. Die Bewohner dieser besonderen Stadt scheinen mir auch sehr gelassen und freundlich. Man grüßt und redet … und ist sofort per Du. Wir fühlten uns hier so wohl, dass wir beschlossen, schon bald wieder hierher zu kommen. Vielleicht im Sommer. Sehen, wie dann dieser Auendschungel aussieht.

 

Grafendorf Beisteinrunde

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

6,1 km

270 HM

2 h

       

Diese Wanderung haben wir in der Broschüre „Wandern – Unsere Wälder & Hügel im Garten Österreichs“ entdeckt. Diese Broschüre ist gratis und wurde vom Tourismusverband Oststeiermark herausgegeben.

Startpunkt der Wanderung ist das Hotel Wiesenhof. Laut Wanderführer würde man links neben dem Hotel vorbei der Asphaltstraße folgen … wir hatten jedoch zuvor die Hinweistafel „Beistein“ gesehen und marschierten daher gleich hinter dem Hotel den Feldweg bergauf. Die Aussicht war grandios – Grafendorf mit dem Schloss Kirchberg im Walde. Dahinter das steirische und burgenländische Hügelland.

Obwohl es Ende Jänner war, hatten wir ein angenehmes Wanderwetter: Sonnenschein und blauer Himmel. Immer wieder gab es Rastbänke auf Glücks- und Kraftplätzen. Einladend wirkten sie, besonders in Anbetracht des Panoramas … doch wir wollten weiter, zum Beistein.

Auch dieser Hügel war im Sommer nicht ganz vom Sturm verschont geblieben. Einige Bäume waren gefallen und wurden bereits aufgearbeitet. Trotzdem war es hier sehr schön … Rotföhren und Buchen wuchsen in diesem Wald. Der Boden war sehr trocken, hatte es doch schon lange nicht mehr geregnet, und Schnee gab es auch keinen. Eine Buche umklammerte ihren Nachbarn, kreisrunde Formen in der Rinde verliehen dem Baum ein Gesicht … und dieses sah äußerst erschrocken oder gar entsetzt aus. Gut, im Sommer waren hier einige ihrer Kollegen gefallen. Ich verstand den Baum.

Über uns in den Baumkronen waren die Vögel recht munter unterwegs. Sie genossen die beinahe frühlingshaften Temperaturen und sangen daher besonders schön. Der steile Anstieg und das erstaunlich warme Wetter sorgten dafür, dass ich zu schwitzen begann – also zog ich kurzerhand die Wanderjacke aus – wohlgemerkt, es war Ende Jänner.

Ein Wegweiser wies uns an, rechts abzubiegen, und plötzlich türmten sich vor uns große Felsen auf. Wir hatten den Beistein erreicht. Hier hätten die Kelten in Vollmondnächten gebetet und gefeiert.

Die Mondfeste der Kelten waren Samhain (Anfang November), Imbolc (Anfang Februar), Beltaine (Anfang Mai) und Lughnasadh (Anfang August). Wie sich die Kelten fühlten, wenn sie auf dem Beistein ihre Mondfeste feierten, kann ich mir heute nicht mehr vorstellen. Wenn man täglich mindestens sechs Stunden vor dem Computer sitzt, dann hat man die ganz starken Wurzeln zur Natur, welche unsere Urahnen noch hatten, verloren. Und wenn man die Lebensmittel bequem im Geschäft kaufen kann, kann man wohl auch nicht mehr von sich behaupten, sich in die kargen Verhältnisse der Vergangenheit hineinversetzen zu können.

Die Termine der keltischen Mondfeste hat die Kirche übernommen: Allerheiligen, Maria Lichtmess, die Walpurgisnacht und Erntedank. Apropos Walpurgisnacht – ich könnte mir vorstellen, dass sich die „Kleine Hexe“ mit ihren sieben Röcken und ihrem klugen Raben Abraxas auf dem Beistein richtig wohl gefühlt hätte. Die Gesteinsblöcke hätten eine gute Abflugrampe in Richtung Wechsel abgegeben. „Heissa, Walpurgisnacht!“

Eine Gesteinsplatte hat eine besondere Form – halbkreisförmig fehlt ein Stück. Ich glaube kaum, dass Mutter Natur diesen Halbkreis in den Gesteinsblock geschürft hat.

Auf dem Beistein gibt es gemütliche Bänke, und man kann diesen besonderen Platz auf 813 Höhenmetern richtig genießen.

Weiter führte der Weg über den Jägersteig. Heidelbeerbüsche wuchsen links und rechts des Wanderwegs, der über eine Kuppe führte. Weich marschierten wir über die Baumnadeln, es roch herrlich nach Harz. Wir hatten eine Stelle erreicht, an der noch Forstarbeiten stattfanden. Hier verließen wir den Wanderweg und marschierten am Waldrand weiter. Wieder hatten wir eine wunderbare Aussicht.

An der Wanderwegkreuzung ging es links im Wald bergab. Eine große Föhre war gefällt worden – besser gesagt, gefallen war sie nicht. Sie hatte sich in den Kronen der anderen Bäume festgekrallt. Die armen Forstarbeiter – hier weiterzuarbeiten war mehr als gefährlich.

Steil ging es nun den Weg bergab, und auf der Asphaltstraße war nicht ganz klar, wie es weiterging. Wir entschieden uns (zum Glück) richtig und zweigten wieder links ab. Die Bauernhöfe, die nun kamen, hatten eine wunderbare Lage mit traumhafter Aussicht.

Und hier entdeckte ich zu meiner Freude ein munteres, blaues Bällchen: eine Blaumeise. Blaumeisen sind ganz clevere Vögel. In den 1920er-Jahren wurden in England Milchflaschen mit Folienabdeckung bei den Häusern zugestellt – besser gesagt, sie wurden vor den Häusern abgestellt. Dort standen die Flaschen dann, bis die Konsumenten die Milch in die Wohnungen holten. Vögel sind keine Säugetiere, und trotzdem gab es da offensichtlich eine Meise, die auf den Geschmack gekommen war. Und nicht nur das, sie schaffte es auch, die dünne Folie zu öffnen. Das gewiefte Vögelchen teilte ihre Entdeckung ihren Kollegen mit, und bald schon rätselten die Leute, wieso die Folien auf den Milchflaschen durchlöchert waren. In den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts wussten wohl bereits alle Blaumeisen auf den Britischen Inseln, was man so alles mit Milchflaschen anstellen konnte.

Ich glaube, wir hätten die Asphaltstraße weitergehen können, doch ein Wegweiser wies links bergauf. Wir gingen recht unsicher durch den Hof eines Bauern, und schon entdeckten wir die Wandermarkierung G3, die uns durch eine Birkenallee und den Wald zu einem Aussichtsbankerl führte, welches wir beim Anstieg auf den Beistein schon einmal gesehen hatten.

Also gingen wir den bekannten Weg wieder zurück und konnten dabei ein herrliches Panorama genießen.

 

Arzberg Montanlehrpfad

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

5 km

170 HM

1:30 h

       

Diesmal stelle ich eine Wanderung vor, die man auch an einem heißen Sommertag gut bewältigen kann: den Montanlehrpfad von Arzberg.

Arzberg ist ein kleiner, beschaulicher Ort am „oberen Ende“ der einzigartigen Raabklamm. Diese ist die längste Klamm Österreichs und als Ausflugsziel weithin bekannt. Wir wollten uns jedoch einen weniger prominenten Wanderweg ansehen – den Montanlehrpfad. Schon vorweg: Wir waren begeistert.

Das Dörfchen Arzberg besteht aus Kirche, Gasthaus, Fußballplatz, einem aufgelassenen Gasthaus, Gemeinde, Schule und Kindergarten, einem Friedhof und einigen Wohnhäusern. Ich glaube, damit habe ich alles aufgezählt. Früher sah es hier wohl etwas anders aus.

Im Bergwerk arbeiteten zu dessen Blütezeit im 18. Jahrhundert rund 130 Knappen. In den Stollen fand man silberhaltige Bleierze und Zinn. Doch nicht nur der Bergbau beschäftigte gut spezialisierte Arbeiter – im 19. Jahrhundert gab es hier etwa 40 Sensenschmiede. Die Arzberger Klingen sollen so hervorragend gewesen sein, dass sie sogar bis ins ferne Russland verkauft wurden.

Die jahrhundertealte Bergbautradition endete schließlich in den 1920er-Jahren. Bei der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1242 wurde der Ort „Aerzeperch“ genannt – schon damals wusste man, welche Schätze im Berg schlummerten.
Es gibt Annahmen, dass bereits Römer oder Slawen von den regionalen Bodenschätzen Kenntnis hatten. Gesichert ist, dass unter den Herren von Stubenberg seit dem Ende des 15. Jahrhunderts geschürft wurde.

Die Stubenberger waren es auch, die in der Nähe des Ortes die Burg Stubegg errichten ließen (erstmals erwähnt 1383 als „vest Stubekk“). Sie wurde zur Sicherung der Raabklamm erbaut. Ich vermute jedoch, dass auch das Erzvorkommen dazu motivierte, an dieser Stelle eine Festung zu errichten.

Zur Wanderung

Vom Wanderparkplatz aus querten wir eine blumengeschmückte Brücke. Rechts marschierten wir entlang eines hübschen Bachs mit kristallklarem Wasser. Gut – streng genommen war es kein Bach, sondern die junge Raab. Tafeln zeigten an, wo sich früher Stollen befanden. Die nächste Station war das alte Knappenhaus. Hier findet man heute einen wahren Goldschatz: den Stollenkäse aus dem Almenland, der regelmäßig Medaillen beim World Championship Cheese Contest abräumt. Führungen und Verkostungen sind möglich.
Nähere Infos: office@stollenkaese.at

Wir folgten der schmalen Asphaltstraße entlang der Raab weiter. Gregi hatte nur noch Augen für die hübschen weiß-orangefarbenen Apollofalter und übersah dabei den geschichtsträchtigen Pulverturm. Ein wunderbarer „Lost Place“ erwartete uns anschließend: die ehemalige Erzaufbereitungsanlage. Sie ist beeindruckend groß, und auf dem Turm sind noch die Initialen „HB“ (Haufenreither Bergbau) zu erkennen. Hier wurde das Gestein sortiert; das taube Material brachte man mit einer Feldbahn zu den Halden.

Beim Grillwirt macht der Wanderweg einen spitzen Haken, und es geht hinter den Knappenhäusern in den Wald und den Berg hinauf. Hier erfuhren wir, dass das Erz im Grün- oder Schwarzschiefer zu finden ist – jedoch nicht im Schöckelkalk. Wir suchten nicht nach Erzen, sondern bewunderten die Pflanzenvielfalt am Weg: Wald-Geißbart, Mandelblättrige Wolfsmilch, Himbeeren, Akelei, Teufelskralle und eine gelbe Distel, die Gregi später als „Klebkratzdistel“ identifizierte.

Jetzt muss ich ehrlich gestehen: Gregi ist derjenige von uns, der Pflanzen benennen kann. Wenn ich auf eine Blüte zeige und sage: „Schau, was für eine schöne Blume“, merkt man sofort, dass ich keine ernst zu nehmende Botanikerin bin.

Zwischendurch durchschritten wir grüne, schattige Tunnel, die traumhaft nach Holunder dufteten. Dass wir auf einem „alten Weg“ unterwegs waren, den schon die Bergmänner benutzt hatten, erkannten wir an den Spurrinnen, die sich tief in den Schöckelkalk eingegraben haben.

Bei einem heimeligen alten Bauernhaus verließen wir den Waldweg, gingen bis zur Asphaltstraße und bogen dort im spitzen Winkel in eine Wiese ab, um bald wieder in den Wald einzutauchen. Zwischendurch bot sich ein schöner Blick auf Fladnitz und die Teichalpe.

Über uns müssten eigentlich die Gösser-Wände liegen, in denen sich nach alter Sage die „Silbernen Buben“ aufgehalten haben sollen. Ob es sich dabei um Zwerge oder Kobolde handelt, kann ich nicht sagen – vermutlich könnte das nur „Jakob“ beantworten. Er war ein armer Knabe, der diese Sagengestalten nachts bei Mondschein beobachtet haben soll.
Auf einer Lichtung hätten sie Erz gefördert und dabei trotz harter Arbeit noch genug Energie gehabt, um herumzutänzeln und sich gegenseitig mit Steinen zu bewerfen. Jakob suchte daraufhin an dieser Stelle nach Erz und wurde so reich, dass er – fromm wie er war – die Kirche von Arzberg bauen ließ.

Die Kirche von Arzberg ist dem heiligen Jakob dem Älteren geweiht, dem Schutzpatron der Pilger. Wie es sich für ein Gotteshaus eines Bergwerksortes gehört, ist sie in Grau gehalten. Erbaut wurde sie 1789; eine ältere, baufällige Kirche war zuvor abgetragen worden. Noch jünger ist ein wunderbarer Platz oberhalb des Friedhofs: eine hübsche Wiese mit einem schlanken, modernen Kreuz und einem Altar aus Metall – ein guter Ort zum Innehalten.

Zurück im Ort kann man unter der Friedhofsmauer verschiedene Gesteinsbrocken aus steirischen Steinbrüchen betrachten. Hier befindet sich auch der Kirchenwirt, bei dem wir gerne einkehrten. Beim Reingehen sah ich es sofort: ein Backblech mit einem riesigen, herrlich duftenden Apfelstrudel.
Er sei gerade frisch aus dem Ofen gekommen, erklärte uns die nette Seniorchefin. Der Strudel stamme aus ihrer eigenen Küche. Das war der Moment, in dem ich beschloss, keine Speisekarte mehr zu studieren – ich wusste genau, was ich essen wollte.

Das Gasthaus verfügt über einen Balkon mit Blick auf den Fußballplatz. Dort genoss ich meinen Apfelstrudel mit Kaffee. Besänftigt von dieser Köstlichkeit beobachtete ich sogar ohne Murren ein Fußballmatch, das auf dem angrenzenden Sportplatz ausgetragen wurde. Spielenden Kindern zuzusehen ist ja auch fein – ganz anders als lärmende Fernsehübertragungen.
Endergebnis: 2 : 2

Arzberg kann außerdem mit einem Schaubergwerk und einem Heimatmuseum aufwarten.
Infos: www.arzberg.at
(Abenteuerführungen und Schatzsuchen für Kinder sind ebenfalls möglich.)

Arzberg – so klein es auch scheinen mag – hat unglaublich viel zu bieten: preisgekrönten Stollenkäse, Schaubergwerk, Museum, Gastronomie, eine sportbegeisterte Jugend, das Naturjuwel Raabklamm sowie den wirklich interessanten Montanlehrpfad. Wir haben Blumen entdeckt, die wir zuvor noch nie gesehen hatten, und der Apollofalter ist ebenfalls keine alltägliche Erscheinung.
Diese Wanderung kann ich mit allerbestem Gewissen weiterempfehlen.

 

„Rundweg über Schloss Wildbach – F3“ – Deutschlandsberg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

10,3 km

193 HM

3:30 h

Start:

Deutschlandsberg

Koralmstadion Deutschlands-berg  

Erzherzog Johann nannte einst das Gebiet um Deutschlandsberg „das Paradies der Steiermark“. Er hatte nicht ganz unrecht, immer wieder zieht es uns beim Wandern in diese Region. Sie ist wirklich ganz besonders, mit den Weingärten und den Bergen richtig lieblich.

Wir starteten diese Wanderung beim Deutschlandsberger Stadion (Koralmstadion), gleich war auch der Wegweiser F3 gefunden. Die Markierung des Weges ist übrigens vorbildlich. Wir verliefen uns bloß ein Mal, und das auch nur, weil ich mich zu sehr mit einer Katze beschäftigt hatte. 

Warum heißt eigentlich Deutschlandsberg so, wie es heißt? Ursprünglich hieß es „Lonsperch“. „Lons“ kam von der Laßnitz, „perch“ hieß Berg. Das „Deutsch“ kam zu Landsberg, als es dem Kreisamt von Marburg zugeteilt wurde. Und da gab es noch ein Landsberg – ein slowenisches. Daher gibt es jetzt ein Windisch Landsberg und ein Deutschlandsberg. Interessant! Doch eigentlich wollten wir ja wandern.

Also, zuerst mal die Norbert-Ehrlich-Siedlung entlang, bei der Kreuzung halb rechts, und schon erreichten wir den ersten Wald. Schön war es hier, viele alte Buchen, viele Laubhüttchen (von Kindern erbaut) und auch viele Katzen, was leider mein Verhängnis war. Statt direkt vor der Siedlung den Waldrand rechts hinunterzugehen, marschierte ich natürlich mit schwerem Rucksack die ganze Häuserreihe entlang. Also zurück zum Waldrand, kurz bergab, dann wieder bergauf, auf ein wunderbares Bauernhaus zu – dunkles Holz mit rot eingerahmten Fenstern. Die Fenster des Holzhauses waren klein, doch eines war noch viel, viel kleiner. Ein Arme-Seelen-Loch vielleicht? Davon hatte ich bei Karl Lukan schon gelesen. Die Seelen von Verstorbenen sollten durch diese kleine Luke ins Freie können, wenn ich mich noch recht erinnere.

Kurz wanderten wir eine Asphaltstraße entlang und dann wieder durch einen wunderbaren Laubwald, bis wir zu einer Wanderweggabelung kamen – „F3“ laut Karte und „F3 mit Weg 506“. Hier rechts abbiegen, raus aus dem Wald, die Wiese runter. Geipersdorf ist ein beschaulicher, ruhiger Ort mit sehr, sehr fleißigen Senioren. Ein betagter Herr stand auf einer Leiter und reparierte sein Dach. Beim nächsten Bauernhof gab es auch viele Aktivitäten. Die Hühner kletterten begeistert auf einem offensichtlich halbierten Misthaufen herum. Die andere Hälfte des Dungs wurde soeben auf einem Feld verteilt. Eine nette alte Frau erzählte uns ganz liebevoll von ihrem schönen Federvieh. Richtig glückliche Hühner seien sie, stellten wir fest. Das seien sie nicht immer gewesen, erklärte die Seniorbäuerin. „Die haben wir aus einem großen Mastbetrieb, arm und schirch waren sie. Hat lange gedauert, bis sie sich erholt haben.“

Wir wünschten dieser herzlichen Frau und ihren Hühnern alles Gute und marschierten weiter, neben Rübenfeldern vorbei, auf das Dorf Wildbach zu. Rechter Hand sahen wir einen Weinberg neben dem anderen. Wir waren im Dorf Wildbach angekommen, der Heimat des Schilchers – so glaubten Gregi und ich jedenfalls –, dieses herben hellrosa Weins, gekeltert aus der Wildbacher Traube. Eine Sorte, der nicht mal die Reblaus (aufgetreten 1880) etwas anhaben konnte. Eine besondere Traube – sie stammte angeblich auch nicht von den Römern, sondern von den Kelten.

Doch nicht nur Trauben sahen wir, sondern auch einen Nussbaum. Und auf diesem saß – was für eine Freude für uns Vogelliebhaber! – ein wunderschöner Eichelhäher. Neugierig spähte er ins Gras unter ihm, Ausschau haltend nach Essbarem. Fotosession der feinsten Art. Gregi und ich waren überglücklich, dem Vogel war es egal. Er ließ sich nicht stören. Er vermutete hier Walnüsse – der Baum mit seinen Früchten war vermutlich gleichzusetzen mit einem Haubenlokal. Wir hatten unsere Fotos, also ging es weiter.

Auf einer kleinen Anhöhe im Ort Wildbach steht ein bauliches Juwel, das Schloss. Ursprünglich hatte es hier einen Ansitz aus dem 14. Jahrhundert gegeben, der mit Mauer und Graben gesichert war. 1534 bis 1540 war dann ein Neubau mit vier Ecktürmen entstanden, 1730 war es umgestaltet worden. Seitdem ist die Fassade mit barocken Stuckaturen versehen. Auf einer Tafel lasen wir, dass Schubert 1827 drei Tage zu Gast gewesen war. Er hatte sich sicherlich auch den Bach unweit des Schlosses angesehen – den Wildbach. Er war namensgebend für den Ort, das Schloss und die Traube. Wir begutachteten diesen Bach auch, friedlich plätscherte er dahin. Sein klares Wasser war gar nicht wild.

Wir querten die Straße und lasen ein Schild: Buschenschank Orsl. Wir stellten fest: Es gibt ihn doch, den pawlowschen Effekt bei Menschen – jedenfalls bei uns. Ein Schild mit Aufschrift „Buschenschank“ verheißt ja Futter. Blöd nur, dass diese Buschenschank sonntags geschlossen hat.

Mit knurrenden Mägen wanderten wir weiter, rauf zum Wald, über eine Schafweide, kurz die Straße runter, dann die nächste Wiese hinauf, an einer Ölmühle vorbei, wieder bergab und zurück nach Geipersdorf. Hier mussten wir rechts abbiegen, in Richtung einer Teichanlage. Wir sahen den Hügel hinauf und entdeckten einen monströsen Riesenkürbis, der quasi über der Wiese schwebte. Wie war das mit dem Zweitaktgemisch der Steirer? „Kürbiskernöl und Schilcher.“ (Reinhard P. Gruber)

Wir wanderten durch den Wald mit seinem Raschellaub, kamen wieder zu der Wanderwegkreuzung mit den verwirrenden Schildern, nun ging es allerdings bergauf. Ein wunderbarer Weg. Farne in Grün, Farne in Gelb und Farne in Braun. Das gelbe Laub leuchtete in der Sonne und schon befanden wir uns wieder im Stadtgebiet von Deutschlandsberg. Wir sahen entzückt in die Stadt hinab, blinzelten gegen die Sonne, um das Wolfgangikircherl zu sehen, und bemerkten mit Begeisterung ein gut besuchtes Gasthaus. Wir studierten die ausgehängte Speisekarte und ich fand kein einziges vegetarisches Gericht. Ernsthaft? Also runter in die Stadt! Die letzten Meter der Wegführung gefielen uns besonders – treppab ging es in Richtung Stadion zurück. In der Innenstadt kehrten wir dann ins Restaurant Mediterran ein. Hier gab es Pizzen (so groß, dass sie über den Tellerrand hingen), Pastas und griechische Spezialitäten – alles zu sehr moderaten Preisen. Da können wir wieder mal einkehren. 

 

„Festungsweg“ – Fürstenfeld

 

 

Distanz

Stationen

Schwierigkeit

Rundweg

3,5 km

13

leicht

Start:

Fürstenfeld

Pfeilburg  

Von einer Fürstenfelder Wanderung habe ich schon einmal berichtet: „Sagenpfad und Motorikpark in Fürstenfeld“. Dazumal habe ich angekündigt, dass wir auch den Festungsweg beschreiben werden. Und dieses Versprechen löse ich jetzt ein.

Wir waren wieder einmal in der „Advent(markt)zeit“ unterwegs. Geparkt hatten wir wieder in der Nähe des Freibads, und über die steile Treppe und durch den Friedhof sind wir dann zur Altstadt marschiert. Der Festungsweg beginnt bei der Pfeilburg. Dort liegt auch ein Folder mit Informationen über diesen Stadtspaziergang auf. Auf dem Folder ist der Plan abgedruckt und eine zarte schwarze, strichlierte, sehr unscheinbare Linie zeigt, wie man gehen sollte. Ich bin leider manchmal etwas begriffsstutzig… Bei unserem Ausflug bin ich erst auf Höhe der Ungarbastei draufgekommen, dass es diese tolle schwarzstrichlierte Linie gibt, die den Weg anzeigt. Als ich das endlich begriffen hatte, fanden wir die restlichen Stationen des Lehrpfades wesentlich leichter. Denn mit meinen geliebten, gelben Wanderwegweisern kann diese Wanderung nicht aufwarten. Hin und wieder sieht man auf dem Weg das achtspitzige Kreuz des Johanniterordens, doch mit diesen Markierungen allein hätten wir die Route nie und nimmer gefunden.

Aber zurück zur Pfeilburg. Fürstenfeld hatte früher mehrere Burgen. Die älteste war das Schloss am Stein, das wir später noch sehen würden. Doch auch die Pfeilburg hat sehr alte Bauteile zu bieten. In ihr soll noch ein Wohnturm, welcher Bestandteil der mittelalterlichen Stadtmauer war, stecken. Schwarzturm heißt dieser mittelalterliche Wohnturm und hat seinen Namen entweder davon, dass er ausgebrannt und daher schwarz war, oder weil man in ihm einmal Schwarzpulver lagerte. Die Pfeilburg ist wunderbar renoviert, präsentiert sich im dunklen Anthrazit und beherbergt Museumsräumlichkeiten. Das Tabakmuseum (in der Pfeilburg war im 17. Jahrhundert eine Tabakfabrik) sowie das Kruzitürkenmuseum. Und da wir nun schon bei den Kuruzzen und den Türken sind … wir wollten ja dem Festungsweg folgen.

Wir durchquerten den Durchgang der Pfeilburg mit seinen Schaustücken und stiegen die Treppen hinauf zum „Kavalier“. Der Kavalier ist ein hoch aufgeschütteter Erdhaufen hinter der Pfeilburg, alte Obstbäume wuchsen auf ihm, und hier leben die mit Abstand fettesten Spatzen, die ich je gesehen habe. Von hier aus sieht man in den Festungsgraben, der heute sinnvoll als Spielplatz benutzt wird. Eine lange und tolle Rutsche schlängelt sich über den Hang des Kavaliers in den Graben.

Wir studierten die Schautafeln des Lehrweges und wurden – ehrlich gesagt – auch nicht unbedingt schlau daraus. Sie waren gespickt mit militärischen Begriffen, mit denen zumindest ich wenig anfangen konnte. Wir lasen, dass der Bereich, in dem uns gerade aufhielten, „Kavalier“ genannt wurde. Von einer „Katze“ las ich auch … und ich nahm schwer an, dass damit wahrscheinlich nicht die schwarze Katze gemeint war, die sich in meiner Nähe auf die Lauer gelegt hatte (wie gesagt, hier leben feiste Spatzen im Gebüsch).

Wollte ich nicht dumm sterben, müsste ich wohl mein Handy zu Rate ziehen. Dank Google weiß ich nun, dass eine „Katze“ eine erhöhte Schussstellung und der „Kavalier“ eine Geschützstellung ist, welcher alle umliegenden Festungsbauten deutlich überragt. Wieder was gelernt! Ob ich dieses Wissen je in meinem Leben nochmals brauchen werde, sei dahingestellt.

Wir gingen die Schleife zur Pfeilburg zurück und freuten uns am buckeligen Mauerwerk. Diesmal marschierten wir an der Treppe vorbei und folgten dem Asphaltweg, wobei wir (laut Schautafeln) zur „Kurtine“ gelangen sollten. (Kurtine ist laut Internet ein gerade geführter Wallabschnitt zwischen zwei Bastionen.) Womit die nächste Abfrage fällig wurde. Bastion würde auch Bastei heißen und wäre ein pfeilförmig vortretender Bauteil (gleich des Turmes einer Wehrmauer). Das war vor allem deswegen praktisch, weil man auf diese Weise sicher auf Angreifer schießen konnte, die versuchten, die Wehrmauer zu erklimmen. Dank meines klugen Handys kann ich mir jetzt ein bisschen vorstellen, wozu welcher Bauteil gut war. Gut, im Alltag braucht man dieses Wissen zum Glück nicht. Unser Haus kommt auch recht gut ohne Bastion, Wehrmauer und Wallgraben aus. Und ich bin auch recht froh darüber, dass unsere Nachbarn keinen Kavalier aufgeschüttet haben – obwohl sich unsere Katze darüber sicherlich gefreut hätte.

Die mittelalterliche Stadt, welche um 1215 ausgebaut wurde, war von einer Stadtmauer umgeben. Im 16. Jahrhundert war diese Wehranlage nicht mehr sicher genug. Vom Osten drohte immer wieder Gefahr, also wurde wieder „in die Hände gespukt“, und man zog eine Festung nach den Plänen des Tessiner Baumeisters Domenico dell’Allio auf. Oder zumindest eine Sparversion davon – denn das Geld war knapp. Wir erreichten die Ungarbastei mit Bunker und staunten nicht schlecht. So mächtig, wie sie vor uns stand, war ich überzeugt, dass an dieser Stelle sicherlich nicht gespart wurde.

Zwei Tore gab es in Fürstenfeld. Das noch bestehende Grazer Tor sowie das leider nicht mehr existierende Ungarntor. Hier befindet sich jetzt der Türkenbrunnen. Man schöpfte aus dem 26 Meter tiefen Brunnen nicht nur Wasser sondern man versteckte darin in Krisenzeiten auch Wertgegenstände. Nein, es zahlt sich heutzutage sicherlich nicht mehr aus, diesen Bereich mit dem Metalldetektor zu untersuchen – es sei denn, man hat auch einen Preßlufthammer im Gepäck, um den Asphalt aufzustemmen.

Über die Burgenlandstraße kamen wir zur Jugendherberge, marschierten ins Areal (links halten) und kamen auf eine Eisenbrücke. Die ATW-Brücke spannt sich sehr hoch über den Stadtgraben, ist 65 Meter lang und wurde in den 1880er-Jahren gebaut.

Nun lag die zweite Burg von Fürstenfeld vor uns: die Burg am Stein. Die landesfürstliche Burg wurde um 1170 zum Schutz vor den Magyaren gebaut. Man hatte einen geeigneten Platz ausgesucht, auf einer Geländestufe: 20 Meter über der Feistritz. Diese Burg sollte die Täler der Feistritz, Lafnitz (Grenzfluss), Rittschein, Safen und der Ilz schützen. Die Fürstenfelder haben nicht nur zwei Burgen – in beiden war (zuerst in der Pfeilburg, dann in der Burg am Stein) auch die Zigarettenfabrik untergebracht.

Wir marschierten runter zur Feistritz und durchschritten ein Eisentor (nicht auf die andere Uferseite wechseln). Dies war nun der meines Erachtens schönste und urtümlichste Wegabschnitt entlang des Flusses. Über eine Eisentreppe erreichten wir wieder die Altstadt und besuchten den stimmungsvollen Weihnachtsmarkt.

Über die Theatergasse und Santnergasse erreichten wir die Mühlbastei. Hätten wir an einer geführten Tour teilgenommen, hätten wir hier wahrscheinlich die Bunker besichtigen können. Der Grazer Platz (früher Grazer Vorstadt) war unser nächstes Ziel. 26 Häuser und das Schloss Falbenhaupt wurden im 17. Jahrhundert abgerissen, um die Stadt Fürstenfeld besser vor den Türken schützen zu können. Die Besitzer bekamen nur kärgliche Ablösen.

Durch das alte Grazer Tor schieben sich heute die Autos – besonders wenn in Fürstenfeld der Adventmarkt stattfindet. Wir gingen nicht durchs Tor. Der Weg führte wieder in den Graben, wo sich ein hübsches Biotop befindet. Über die Augustinerbastei erreichten wir wieder die Pfeilburg.

Zum Abschluss unseres Ausflugs besuchten wir „The Italian“. Da gab es einen Orangenkuchen, von dem Gregi noch wochenlang schwärmte.

„Sankt Johann – Hl. Grab – Kranzl – Geierwand“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

6 – 7 km

300 HM

2:45 h

Start:

St. Johann

Gemeindeamt  

Diese Wanderung ist ein Klassiker für uns Gleisdorfer. Wir müssen nicht weit fahren, es gibt tolle Gaststätten und Buschenschenken in der Nähe, wir durchwandern ein historisch interessantes Gebiet und die Aussicht ist einfach herrlich. So kam es, dass wir an einem sonnigen Jännertag wieder einmal die Idee hatten, die Geierwand zu besuchen.

Der erste Erlebnispunkt in Sankt Johann ist die Feistritzinsel nahe dem Gasthaus Pretterhofer. Bei der Mühle gibt es einen Steg auf die Insel. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf unser erstes Wanderziel, die Pfarrkirche zum Heiligen Johannes dem Täufer.

Das gelbe Wanderschild würde uns eigentlich über die Straße bergauf leiten, wir entschlossen uns aber, der Feistritz auf dem Radweg ein Stückchen flussaufwärts zu folgen. Lose Eisstücke führte der Fluss mit, es gab viel Wasser – trotzdem schwammen hier zwei mutige Enten. Der Biber war auch hier aktiv, angenagte Bäume wurden vom Wasser umspült, irgendjemand hatte einen Draht über den Fluss gespannt, um ihn wie mit einem Lift überqueren zu können. Kurz vor der nächsten Brücke bogen wir ab, ein recht steiler Weg führte uns hoch zur Kirche und zum ehemaligen Kloster.

Alles sah sehr wehrhaft aus, die dicken Mauern mit den ungleich aussehenden, massiven Stützen. In früherer Zeit hatte es auf diesem Felssporn über der Feistritz einmal eine Burg gegeben – und noch viel, viel früher war das Feistritztal von Römern besiedelt worden. Von ihnen stammen die Römersteine, die nun in der Kirchenmauer eingemauert sind. Besonders beeindruckend fanden wir den Kampf zwischen Löwen und Kentauren. Weshalb das mythische Mischwesen das Löwenjunge verschleppt hatte, wussten wir nicht. Dass die Löwen ihr Junges nicht kampflos aufgeben würden, war mehr als verständlich, und wir hielten den großen Katzen die Daumen, dass sie ihr Kind wieder zurückbekämen.

Schon früh war in Sankt Johann eine romanische Kirche gebaut worden (um 1150). Längere Zeit hatte hier der Deutsche Ritterorden ein Kloster, das im 16. Jahrhundert durch die einfallenden Türken stark beschädigt wurde. 1652 erwarb Johann Maximilian von Herberstein die Liegenschaft. Er war Landeshauptmann der Steiermark und gründete im Ort das Augustiner Barfußkloster. Natürlich musste jetzt eine neuere und schönere Kirche gebaut werden – 1672 wurde sie eingeweiht. Die Predigt der Kirchweihe hielt Abraham a Sancta Clara, der zwischen 1670 und 1676 in St. Johann wohnte. Der wohl berühmteste Prediger der Barockzeit war für seine wortgewaltigen Auftritte bekannt, wobei er äußerst gerne gegen Hexen und Juden hetzte. 1820 war das Kloster aufgehoben worden. Seit 1982 ist das „Haus der Frauen“ in den Räumlichkeiten untergebracht.

Wir wanderten weiter hinauf durch das Dorf, ein Haus wirkte idyllischer als das andere, alle richtig liebevoll gepflegt. Bei der Rosalienkapelle mussten wir rechts abzweigen. Die heilige Rosalia ist eine Pestheilige. Die Kapelle wurde 1714 errichtet, als die letzte Pestepidemie überstanden war. Wir erreichten den Wald. Im Sommer würden hier der rote sowie der gelbe Fingerhut blühen – eine wunderbare und sehr giftige Pflanze. Endlich erreichten wir das Heilige Grab. Es sollte ein Nachbau vom sogenannten Heiligen Grabe von Jerusalem sein und wurde von Johann Maximilian von Herberstein in Auftrag gegeben. Die beiden Kapellen wurden erst im 18. Jahrhundert errichtet. Dazwischen steht eine Kreuzigungsgruppe. Dramatisch blicken die Figuren in den Himmel. Würden sie geradeaus blicken, könnten sie den Kulm sehen, der schon in prähistorischer Zeit besiedelt war. Vor diesem Ensemble gibt es eine Wiese mit mehreren Bankerln und seit Neuestem auch einen Getränkeautomaten.

Wir folgten dem Weg weiter bergauf und nun hatten wir einen besonders schönen Blick auf einen Weingarten, auf die oststeirischen Hügel – und mittendrin der markante Felsen mit der Riegersburg. Kurze Zeit gingen wir am Waldrand entlang und bogen dann rechts zum Kranzl ab. Das Kranzl ist meines Erachtens der spektakulärste Punkt der Wanderung und auch die Stelle, wo ich mich nur sehr vorsichtig weiterbewege (wenn Sie mit Kindern diesen Platz besuchen wollen, bitte sehr auf die Kleinen aufpassen). In Vogelperspektive sieht man auf das Schloss Herberstein, den wunderbaren Rosengarten, den neuen Aussichtsturm des Tierparks, wir betrachteten die Kirche von Sankt Johann von oben, ich entdeckte sogar das Schloss Schielleiten.

Wieder hinauf zum Waldrand, diesen entlang bis zu einer Hecke, dieser folgten wir und kamen bei der Ausfahrt eines Einfamilienhauses an. Die Gemeindestraße ging es dann kurz bergan (an Schafen vorbei und an wunderbaren Freilandhenderln), hinter einem Bauernhaus mussten wir wieder rechts abbiegen. Ein hübscher Weg führte uns um eine Kuppe, dann erreichten wir ein Hirschgehege. Jetzt folgte ein richtiger „Wadenbeißeranstieg“. Hat man diesen jedoch geschafft und die Geierwand erreicht, wird man durch einen tollen Ausblick belohnt. Die wieder aufgebaute Burg Neuhaus, der Rabenwald mit dem Talkumbergwerk, Stubenberg mit Schloss und See. Einfach herrlich! Da ich nicht gerade davon begeistert war, einen steinhart gefrorenen, halsbrecherisch steilen Wanderpfad nach unten zu gehen, wanderten wir ein Stückchen weiter, umrundeten quasi das Hirschgehege und kamen auf einer Asphaltstraße raus. Dieser folgten wir und kamen wieder heil bei den Henderln und Schafen raus. Diesmal waren auch unzählige Drosseln unterwegs und Gregi musste unbedingt einen Fotostopp einlegen. Bei der Einfahrt des Einfamilienhauses bogen wir wieder ein und gingen den bekannten Weg zurück.

Beim Landgut Riegerbauer verließen wir die Straße und marschierten über einen Wiesenweg bergab zum Gemeindeamt zurück. Nun hatten wir nur noch ein Problem zu lösen: Gasthaus Pretterhofer, in einen Buschenschank oder bei der Heimfahrt in das Café Morcherl?

PS: Eine kurze, aber sehr schöne und informative Wanderung ist der Weinlehrpfad Hoferberg von Siegersdorf aus zum Heiligen Grab. Er ist 2,9 km lang, es sind 117 Höhenmeter zu überwinden und man ist circa eine Stunde unterwegs. Ausgangspunkt ist der Buschenschank Eitljörg in Siegersdorf.

„Sagenpfad und Motorikpark“ – Fürstenfeld

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg:

6,3 km

32 HM

3 h

Start:

Fürstenfeld

Schwimmbad 

Normalerweise startet der Sagenpfad bei der Pfeilburg. Schön ist sie, diese Burg. Sie wurde um einen mittelalterlichen Wohnturm aus dem 13. Jh. errichtet, den Schwarzturm, der Teil der Ringmauer war. Die Form der Pfeilburg, wie sie jetzt vor uns steht, erhielt sie im 16. und 17. Jahrhundert. Im Laufe der Jahrhunderte hatte die Burg viele Funktionen. 1690 wurde sie eine Tabakfabrik, später war sie einmal eine Schule, dann eine Kaserne und noch später ein Kriegsgefangenenlager. Und in den 1970er-Jahren hätte sie abgerissen werden sollen. Zum Glück gab es da kluge und weitsichtige Personen in Fürstenfeld, die das verhinderten. Ein Museumsverein sowie die Stadt Fürstenfeld entschlossen sich, das alte geschichtsträchtige Gemäuer zu revitalisieren. Und darin wurde 1999 das Stadtmuseum von Fürstenfeld eingerichtet („Kruzitürken-Museum“, „Tabakmuseum“).

Der Wanderweg leitet weiter zur Augustinerkirche, durch das Stadttor – links runter zum Wallgraben, auf den Dreikreuzberg zum Campingplatz und in den Buchenwald.

Da es in Fürstenfeld eine zweite ganz tolle Wanderung gibt (den Festungsweg), der die Innenstadt auch beinhaltet (von dieser Wanderung werden wir ein andermal berichten), starteten wir die Wanderung zum Sagenpfad beim Parkplatz des Freizeitbades. Wir stiegen aus dem Auto und ein Schneesturm empfing uns. Binnen kürzester Zeit war ich klatschnass (trotz Schirm). Gut, den hatte ich hie und da weggelegt, gab es doch so tolle Fotomotive bei der Freizeitanlage (und ich habe eben nur zwei Hände). Gregi, der partout nicht verstehen wollte, was an diesem Schwimmbad so interessant wäre, belächelte mich nur. Klar auch – er war trocken geblieben. Trotz Schneegestöbers und inzwischen eiskalten Händen marschierten wir zu zweit heldenhaft in Richtung einer gespenstisch einsam wirkenden Campinganlage. Schnell an diesem saisonbedingten „Lost Place“ vorbei und hinein in den Buchenwald. Hier beginnt der Motorikpark mit seinen abenteuerlichen Stationen, hier findet sich auch eine Station des Sagenpfades (Wasserspielplatz).

Doch viel, viel interessanter fanden wir das Getümmel, das sich über unseren Köpfen in den Wipfeln der Bäume abspielte. Ein Buntspecht hämmerte voller Energie – der hohle Baumstamm war ein wunderbarer Klangkörper. Auf den hohen Fichten ernteten winzige Meisen irgendwelche Samen. Kopfüber hing da ein Federbällchen auf einem Ästchen und futterte etwas. Was für eine akrobatische Leistung! Wir sind zwar auch recht geübte Esser, doch kopfüber auf einem Ast hängend würden wir wohl kaum etwas runterkriegen.

Wir gingen die Feistritz entlang, links von uns erhob sich ein Hügel nach dem anderen. Hinter den sieben Bergen der Sagenpfad. Ob wir den Zwergen begegnen würden? Kurzer Abstieg in einen Graben, dann rauf auf den nächsten Hügel zur Energiepyramide. „Jetzt haben wir den Rilkeweg von Fürstenfeld erreicht“, bemerkte ich und hielt einen ordentlichen Respektabstand zur Abbruchlinie, unter der sich die Feistritz schlängelte. „War denn der Rilke mal in Fürstenfeld?“, wollte Gregi wissen. „Glaub nicht. Doch irgendwie erinnert mich das an Duino. Nur dass das Gewässer da unten nicht das Meer ist, sondern die Feistritz, und dass das hier keine Felsen sind, sondern … äh … Erde“, erklärte ich. „Schaut ganz anders aus“, stellte Gregi lapidar fest und betrachtete interessiert das „Graue Männlein am Kogel“, das mutig auf einer Wurzel thronte. Darunter nichts – mindestens 20 Meter bis zur Feistritz.

Wir gingen weiter und fühlten uns etwas beobachtet. Hatte sich bei diesem unwirtlichen Wetter noch jemand hinausgetraut? Riesige, giftig grüne Augen lugten über kleine Fichten zu uns rüber. Ein Waldtroll, weit ist sein Maul aufgerissen. Dieses mussten wir passieren, da wir den Klinserlpfad runterklettern wollten.

„Der Kerl hat bestimmt Mundgeruch. Ich werde da nicht durchgehen“, bemerkte ich. „Folgen wir weiter den Erlebnisstationen des Motorikparks.“ „Du traust dich da nicht runter“, entgegnete Gregi grinsend und beäugte den steilen Waldpfad (schneebedeckter Boden, dazu eine dicke Laubschicht). „Das auch“, gab ich zu, „und schau, da vorne gibt es zwei tolle Trichter!“

Wusste ich es doch! Gregi hatte auch keine Lust, diesen halsbrecherischen Pfad hinunterzuwandern. Schon war er bei den Holztrichtern. Begeistert kniete er auf der Bank zwischen den beiden Holzkunstwerken (auf der Bank lag Schnee!!) und sagte begeistert: „Jetzt sehe ich aus wie Shrek mit seinen Ohren. Mach ein Foto!“ Und ich machte ein Foto. Aber nicht von Gregi, der glaubte, wie ein Filmmonster auszusehen, sondern von einem hübschen Rehlein im Teenageralter. Dieser junge und sichtlich unerfahrene Waldbewohner beobachtete mich und überlegte angestrengt, wie er jetzt angemessen reagieren sollte. Sich hinter einem Baum verstecken (blöderweise ragte jedoch immer das Hinterteil hinter dem Stamm hervor) oder vielleicht doch weglaufen? Letztendlich trollte er sich – jedoch nicht allzu hastig. Bei dieser Wanderung kehrten wir nach Fürstenfeld zurück, um den wahrlich interessanten Adventmarkt zu besuchen.

Bei einer früheren Wanderung waren wir den Klinserlpfad nach unten gegangen und hatten auf dem weiteren Sagenpfad noch ganz bezaubernde Sagenwesen entdeckt. Nicht entdeckt hatten wir jedoch die kupferzeitliche Siedlung, die sich im Buchenwald befunden haben soll. Aber egal, die Wegführung hier – so hoch über der Feistritz – ist einfach prächtig. (Und egal, was Gregi auch sagt, sie sieht doch ein klein bisschen aus wie der „Rilkeweg“).

Altenmarkt (die Endstation des Sagenpfades) trägt seinen Namen nicht umsonst, immerhin war es früher eine Römersiedlung. Die vom Johanniterorden gegründete Pfarrkirche zum Hl. Donatus hat es auch in sich. 1986 war die Kirche renoviert worden und man hatte (unter zwölf Farb- und Putzschichten) alte Fresken aus dem 13. Jahrhundert gefunden.

Die Fresken konnten wir nicht besichtigen, hatten wir es doch eilig. Bald würde es dunkel werden und wir mussten nach Fürstenfeld zurück. Wir hatten Glück, über den Feldweg kamen wir rasch vorwärts, denn unsere Umgebung war jetzt nicht mehr ganz so lieblich wie im Buchenwald. Einen kurzen Fotostopp gab es trotzdem noch (bei einer Teichanlage).

Es war bereits finster, als wir in Fürstenfeld ankamen. Das Auto stand noch immer beim Badparkplatz und wir wollten die Konditorei Ulreich am Hauptplatz besuchen. Sollten wir das Auto starten? Oder sollten wir noch die steile Stufe hinaufsteigen und direkt durch den nächtlichen Friedhof in die Stadt gehen? Aber das ist eine ganz andere Geschichte …

www.sagenpfad.at.

„Heilbründl-Runde“ – Grafendorf bei Hartberg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

13,82 km

173 HM

4 h

Start:

Grafendorf

Kirche  

Im Freien war es heiß, so um die 30 Grad Celsius, und vernünftigerweise würde man sich bei diesen Temperaturen ins kühle Haus zurückziehen oder ins Schwimmbad gehen. Gut, die Berge gäbe es auch noch … doch wir hatten da andere Ideen. Wir wollten das „Formbacherland“ entdecken und hatten uns im Internet schon mal klug gemacht. Da gäbe es die 3-Schlösser-Wanderung, die sich zwar total interessant anhörte, aber uns mit ihren 21,7 km doch zu anstrengend vorkam. Den Weg von der idyllischen St. Prankraz Kapelle auf den Masenberg kannten wir bereits (eine tolle Wanderung). Wir googelten weiter und kamen schließlich zur „Heilbründl-Rundwanderung“, welche mit 13,82 Kilometern machbar wäre.

Voller Erwartungen stiegen wir ins Auto, fuhren nach Grafendorf (wo wir im Zentrum parkten) und sahen dort sehr, sehr viele Oldtimer herumflitzen. Alte Mopeds, alte Traktoren, alte Autos … Nostalgie pur. Das Oldtimertreffen wäre bestimmt sehr interessant – aber wir wollten noch Älteres sehen. Römersteine zum Beispiel oder Hügelgräber oder ein hübsches altes Schloss.

Also marschierten wir fest entschlossen am Festgelände vorbei, nicht jedoch, ohne uns vorher ein leckeres Tüteneis zu gönnen. Noch im Seibersdorfer Wohngebiet sahen wir dann das erste „Bründl“ der Heilbründl-Rundwanderung: das Hammerwaldbründl. Ein Auto parkte daneben, ein Mann stand mit zwei Kisten und ganz vielen leeren Wasserflaschen beim Brunnen und befüllte geduldig eine Flasche nach der anderen. „Das beste Wasser für die Kaffeemaschine. Da schmeckt der Kaffee besonders gut“, erklärte er uns, während aus dem benachbarten Haus eine Frau auf den Platz zusteuerte. Auch sie war mit vier leeren Wasserflaschen ausgerüstet. Das Wasser dieses Bründls hat einen sehr niedrigen Härtegrad. Hoffentlich erfährt meine geliebte Filterkaffeemaschine nicht, wie andere Leute ihre Kaffeezubereitungsgeräte verwöhnen.

Weiter ging es neben dem Bach, und dann sahen wir es: das echte Heilbründl mit seinem schön geschnitzten Brunnenaufbau. (Das Gesicht eines Wassergeistes grinste uns an.) Und obwohl dieses Gesicht sehr freundlich aussah, gab es hier keine Leute, die Wasser aus dieser Quelle holten. Das Nass floss ungehindert in den Bach ab. Wir folgten dem Wanderweg weiter und kamen zum ersten Brücklein. Hier in der Schlucht war es noch schattig und angenehm, doch hoch über uns in den Baumkronen brannte bereits die Sonne auf die Blätter. Schlanke Schatten konnten wir hinter dem hell erleuchteten Laub erkennen, kleine Köpfchen lugten über den Blatträndern zu uns herunter. Die Prachtlibellen fühlten sich da oben in der Sonne ausgesprochen wohl. Sobald sie losflogen, schillerten ihre Flügel in metallischem Blau.

Besonders interessant sind die vielen Informationstafeln, die von Geschichten und der Geschichte dieser Gegend berichten. Zum Beispiel auch über ein schlimmes Ereignis: dem Fememord. Zur Kurruzzenzeit wurden die Bauern zum Grenzdienst eingeteilt, während die herrschaftlichen Familien nach Graz flohen. Als Wolf Dietrich von Wurmbrand den Kurruzzen „Brandgeld“ zahlte, um von weiteren Zerstörungen verschont zu werden, interpretierten die Bauern das leider falsch und glaubten an eine Verschwörung. So kam es, dass man ihn am 7. August 1704 ermordete.

Aber auch weitaus angenehmere Geschichten kann man auf diesen Tafeln lesen: Zum Beispiel die Sage vom Masenberg, der angeblich hohl und mit Wasser gefüllt sein sollte. Im Grunde geht die Sage so: Einige (meines Erachtens sehr hinterhältige) Bauern fingen einen Zwerg (ein kleines, hilfloses Wesen). Von Gier getrieben, forderten sie in Mafiamanier von ihm Lösegeld. Der Zwerg war jedoch listiger (klüger) als die Wegelagerer und konnte entkommen – drohend, die Gegend überschwemmen zu lassen. Hohl ist der Masenberg wohl nicht. Aber wenn man bedenkt, wie viele Erdställe es im nicht allzu weit entfernten Vorau gibt – vielleicht ist da doch etwas Wahres dran, an der Zwergengeschichte?

Wer in Grafendorf bei Hartberg in die Erde gräbt, kann interessante Entdeckungen machen. Diese Gegend ist schon sehr, sehr lange besiedelt (auch wenn zwischendurch die Bevölkerungsdichte sehr schwankte). Daher stößt man immer wieder auf Überreste vergangener Epochen.

Wie zum Beispiel der Römerstein, der entdeckt wurde, als 1995 im Innenhof eines privaten Anwesens gegraben wurde. Ein weißer Pflasterstein wurde angehoben … und siehe da, auf dessen Unterseite befanden sich römische Inschriften. (Dieser Stein steht jetzt vor der Kirche in Grafendorf.)

Ein Jahr später machte man den nächsten sensationellen Fund. Im Lebenfeld wollte eine Familie ein Eigenheim errichten. Bei den Aushubarbeiten stieß man auf Mauern. Uralte Mauern, die zu einer römerzeitlichen Villa Rustica gehörten. Ein weiterer römerzeitlicher Gutshof wurde mittels geophysikalischer Prospektion entdeckt.

Doch schon vor den Römern war die Gegend besiedelt, eine Axt aus der Kupferzeit, ein Dolch und Keramik aus der Bronzezeit wurden gefunden. Der Ringkogel mit seiner ehemaligen keltischen Festung ist ja auch nicht allzu weit weg.

Wir gingen am Waldhof Mara vorbei, überquerten die Straße, marschierten auf einem Wiesenweg (wunderbare Aussicht auf den Masenberg und die Sankt Pankraz Kapelle), dann erreichten wir eine weitere Asphaltstraße, von welcher aus wir rechts abbogen. Nach einer Brücke führte der Wanderweg den Bach entlang.

Wir waren ins Reich der Schmetterlinge gelangt. Sogar einen Schwalbenschwanz konnten wir entdecken. Es reichen schon ein natürlicher Bachlauf mit Bäumen am Ufer, eine ungemähte Naturwiese sowie einige alte Obstbäume, und schon hat man eine enorme Artenvielfalt. Eine Treppe ging es dann bergauf, an einem Rain entlang, und dann erreichten wir die römerzeitlichen Hügelgräber. Wieder ging es durch einen Wald, dann am Waldrand entlang, bis wir zu den ersten Häusern kamen. An dieser Stelle verirrten wir uns und mussten umkehren. Bitte rechts abbiegen in Richtung Dorf. Wir mussten nicht lange auf der Asphaltstraße gehen, dann kam die Abzweigung nach links zum Fischteich. Hier hoppelten niedliche Kaninchen frei herum. Zwei Pfaue hockten auf einem Holzstoß im Wald. Wieder kamen wir zu einer Brücke. Auf ihr lag noch das Geröll des letzten Hochwassers.

Zwischendurch trafen wir dann eine ganz seltene Spezies: andere Wanderer. Eigentlich waren wir es schon gewohnt, bei dieser Hitze niemandem zu begegnen. Doch an diesem Tag trafen wir ein nettes Paar, welches sich den 60er-Roas-Wanderweg ansehen wollte.

Bald schon lag das Schloss Kirchberg vor uns. Seit 1925 ist im Schloss eine Landwirtschaftsschule untergebracht, anfangs wurden hier ganze neun Schüler unterrichtet. Das Schloss Kirchberg war früher einmal eine Ritterburg, die 1130 durch Graf Ekbert II. von Formbach-Pitten errichtet wurde.

Grafendorf und Kirchberg am Walde liegen im Lafnitztal – und die Lafnitz war seit 1043 eine Grenze. Eine gefährliche noch dazu. Die Siedler (u. a. Awaren, Slawen) hielten sich hier nicht lange, und im 12. Jahrhundert versuchte man wieder, Menschen in der Gegend anzusiedeln. Diesmal waren es deutsche Siedler. Die Grafen von Formbach-Pitten stammten ursprünglich aus Bayern. Graf Ekbert II. von Formbach-Pitten zog 1158 mit Friedrich Barbarossa in den Krieg. Er fiel beim Sturm auf Mailand. Doch zuvor hatte er ein Testament gemacht, und so kam das Gebiet von Grafendorf in den Besitz des deutschen Klosters Formbach.

Das Schloss Kirchberg kann man von außen besichtigen. Es gibt einen Schaugarten, der terrassenartig über dem Lafnitztal liegt und eine wunderbare Aussicht bietet. Den ehemaligen Burggraben kann man heute begehen. Wir umrundeten das Schloss und das Internatsgebäude, bewunderten die neue gläserne Brücke über den Burggraben (was für ein besonderer Schulweg!) und marschierten schließlich an den Ställen vorbei in Richtung Allee, welche wir nun durchschritten, um nach Grafendorf zurückzugelangen.

Wir hatten an diesem heißen Tag die Wanderung abgekürzt. Laut Schrittzähler hatte ich ohnehin schon 19.000 Schritte gemacht. Über das Kirchberger Kreuz kamen wir nach Grafendorf zurück, wo wir uns noch den Kirchvorplatz mit seinen Römersteinen ansahen. In die Kreuzkapelle gingen wir nicht, da uns eine Aufbahrung daran hinderte. In ihr sollte es Fresken von Johann Cyriak Hackhofer geben, den originellen Stiftsmaler von Vorau, der auch die Festenburg so beeindruckend ausgeschmückt hat. Stattdessen bewunderten wir den artesischen Brunnen, der 1894 errichtet worden war. Hier holten einst die Schulkinder ihr Trinkwasser. Plastikflaschen gab es dazumal noch keine, kein Cola, keinen Almdudler und auch kein Dreh und Trink.

Der Brunnen plätscherte ruhig vor sich hin, und wir waren auch durstig geworden. Also beschlossen wir, das Kaffee MeLounge zu besuchen. (Eine sehr gute Wahl, der Kaffee schmeckte ausgezeichnet.)

Eine Woche später wollten wir die Runde dann vollenden … bei sehr, sehr heißem Wetter. Am Nachmittag sollte irgendwann Regen kommen – am späten Nachmittag gegen Abend, nahmen wir an. Wir waren optimistisch. Außerdem wussten wir inzwischen, wo wir das Auto am Parkplatz hinstellen mussten, um nachmittags optimalen Schatten zu haben. Vom Grafendorfer Zentrum aus steuerten wir Schloss Kirchberg zu. Wieder durch diese wunderbare Allee. Es wäre nicht schlecht, wenn wir wieder damit beginnen würden, links und rechts der Straßen Bäume zu setzen. Wir kamen erneut bei den glücklichen Hühnern und dem mobilen Hühnerstall vorbei. Das Federvieh war richtig tiefenentspannt. Tiefe, langgezogene Töne gaben sie von sich – richtig meditativ.

Zielstrebig marschierten wir am Schloss vorbei. Gut, bei einem blühenden Sommerflieder hielten wir und bewunderten die Schmetterlinge. Ein Admiral dinierte vorzüglich und ließ sich dabei fotografieren. Dieses Mal waren wir es, die zuerst die Geduld verloren und das Fotoshooting aufgaben. Wenn die Sonne auf einen herunterbrennt, hat man keine Nerven, lange auf dem Asphalt zu stehen und Fotos zu schießen. Also gingen wir weiter und sahen ein hübsches Häuschen – eine Kombination von Mauern und Holz. Davor surrte es gewaltig. Dann sahen wir die Ausflugschlitze im Holz: ein Bienenhaus der Extraklasse.

Gleich nach dem Bienenhaus führte uns der Wanderweg rechts hinab in eine Schlucht. Wie angenehm doch ein Wald ist. Ein reizender Wasserfall, dann steile Stufen bergauf und dann eine Bank für eine Trinkpause. Wir mussten die „Himmelsleiter“ erklimmen, und dann kamen wir zu den richtig großartigen Tafeln, welche uns den Bauernhimmel mit seinen nützlichen Heiligen auf recht bodenständiger Art erklären. Herrlich.

Das nächste Ziel war der Ort „Reibersdorf“. Hier hatten wir uns leider beim Weg geirrt und waren vorerst mal durch das hübsche Dorf marschiert. „Reibersdorf“ und „Seibersdorf“ liegen beide direkt neben Grafendorf. Wir sinnierten, ob es hier auch noch ein Leibersdorf oder ein Kleibersdorf oder ähnliche Ortsnamen geben könnte. Nebenbei betrachten wir die hübschen alten Kellerstöckl, die nun teils als Garagen dienen. Am Ende des Dorfes stand ein Marterl. Dort zogen wir die Wanderkarte zurate und kehrten wieder um. Also den ganzen Ort wieder zurück, bis zum Wiesenweg, wo wir von der Himmelsstiege rausgekommen waren. Dann die Asphaltstraße bergab, die zum Glück durch den Wald führte. Bei der Kreuzung stand ein Schild, welches uns darauf hinwies, dass man nur bis zu einem bestimmten Anwesen kommen konnte.  Doch wir waren ja zu Fuß unterwegs, und dieser Hinweis würde ja nur die Autofahrer betreffen … dachten wir.

Der Wanderweg führte uns den Bach entlang. Hier musste es vor nicht allzu langer Zeit ein richtig arges Hochwasser gegeben haben. Riesige Sandhaufen waren neben dem Bach aufgetürmt, und wir wunderten uns, wo das Material hergekommen sein konnte. Und dann kam das erste Problem. „An dieser Stelle müsste es eigentlich eine Brücke geben“, bemerkte ich. „Der Bach ist seicht, es hat 30 Grad Celsius … wir waten durch den Bach“, beschlossen wir und entledigten uns der Wanderschuhe.

Auf der anderen Bachseite wieder Socken und Schuhe an und weiter. Doch nicht allzu weit, die nächste nicht vorhandene Brücke. Vorhanden war sie schon – jedoch spannte sie sich nicht über das Gewässer sondern lag am Rand der Wiese. Ich setzte mich auf die Brücke und konnte somit ganz bequem die Schuhe wieder ausziehen – wieder durch den Bach – Schuhe an und weiter durch den Wald. Bis zur nächsten nicht mehr vorhandenen Brücke. Nur da war die Böschung leider zu steil, um runterzuklettern. Wieder einmal kehrten wir um, suchten eine Stelle, an der wir in den Bach gelangen konnten, und dann marschierten wir längere Zeit im Wasser. Es war fast wie ein Badetag.

Endlich waren wir wieder auf dem regulären Wanderweg bei einer kleinen Siedlung. Asphaltstraße. Also keine Bachwanderungen mehr. Ein Blick zurück mahnte uns dafür zu Eile. Dunkle Wolken bauten sich bedrohlich auf. Auch diesmal würden wir den Heilbründlweg nicht fertig erkunden können. Unter der Bahnbrücke hindurch stiegen wir rasch den Hügel bergauf, an der Backhendlstation Heschl vorbei bis zum Hügelgrat. Beim Abstieg nach Grafendorf schüttete es wie aus Eimern. Auf der Asphaltstraße war eigentlich nicht weniger Wasser als im Bach. Platschnass kamen wir in Grafendorf an. Blitz und Donner ließen unser Tempo gewaltig beschleunigen. Wenigstens war es nun nicht mehr heiß.

Bei der Heimfahrt mussten wir die Heizung einschalten. Mit einer durchschnittlichen Fahrtgeschwindigkeit von zirka 50 km/h fuhren wir bei einem fürchterlichen Unwetter nach Hause.

„Voitsberger Ruinen“ – zwei Spaziergänge

 

Spaziergang

zur Burgruine Krems

Start:

Voitsberg Stadtteil Krems

P+R Parkplatz

Spaziergang

Burgruine Obervoitsberg und Kohlenbergbau Zangtal

Start:

Voitsberg Hauptplatz

       

Nach den üppigen Weihnachtsfeiern tut es mal so richtig gut, wieder ins Freie zu kommen. Weite, anstrengende Wanderungen wollten wir mit den angefutterten Weihnachtspfunden noch keine unternehmen, also gingen wir es gemütlicher an. Wir fuhren mit dem Auto nach Voitsberg – nicht ganz. Im Stadtteil Krems (beim Kreisverkehr) nahmen wir die Ausfahrt in Richtung Bahnhof, bogen noch vor dem Fluss links ab und parkten auf dem P+R-Parkplatz. Wir marschierten durch eine hübsche Siedlung und folgten immer den Schildern „Ruine Krems“. Ab dem Schranken ging es dann eine enge Asphaltstraße bergauf. Auf dem Holzgelände wuchs Moos, Eiskristalle schimmerten in der Sonne. So ging es gemütlich dahin und schon standen wir vor der richtig beeindruckenden Burgruine Krems. Leider kann man diese Ruine nur mit einer Führung (ab 10 Personen möglich) innen besichtigen – oder aber man kommt am Pfingstsonntag oder am Nationalfeiertag (bei Schönwetter). Dann hat sie auch geöffnet.
Ein hübscher Weg führt um die große und sehenswerte Ruine herum. Hier im Osten von Voitsberg, wo das Kainachtal sehr, sehr eng ist, bot sich dieser schmale Bergrücken richtiggehend an, darauf eine Wehrburg zu bauen. Der älteste Teil ist der Bergfried mit seinen fünf Stockwerken, der im 12. Jahrhundert gebaut wurde. Er steht auf einem sehr markanten Felsen, und wenn man außen unter diesem Felsen hindurchgeht, hat man schon ein bisschen ein mulmiges Gefühl und hofft inständig, dass Turm und Felsen nicht gerade in diesem Moment abrutschen. Angeblich soll dieser Turm auf römischen Grundmauern aufgebaut worden sein. Also keine Angst, dieser Teil der Wehranlage scheint stabil zu sein. Was man leider von einigen Gemäuern im Südosten der Burg nicht behaupten kann. 1817 rutschte ein Teil des Schlosses ab. Burg – Schloss … was war die Ruine früher wirklich? Die ältesten Teile der Burg stammen aus dem 12. Jahrhundert, im 14. Jahrhundert wurde die Burg erweitert und im 16. Jahrhundert kam es zu einem großen Umbau. Ein prächtiges Schloss wurde unter der Herrschaft der Herbersteiner gebaut. Das Gebäude hatte viele Besitzer: Krems-Leonrode, Walseer, Montforter, Herberstein, Saurau … 1857 erwarb sie Erzherzog Johann. Heute gehört sie dem Verein „Licht im Leben“.
Wenn man die Ruine umrundet hat, bietet es sich noch an, den Waldweg neben der Burgbrücke ins Tal hinabzusteigen. Steil ist der Hügel (teilweise künstlich abgeböscht), große schwarze Felsen sind zu sehen. Wir marschierten bis zum ehemaligen Gewerkenhaus (in Krems gab es früher ein Hammer- und Eisenblechwerk). Bei unserem Spaziergang kehrten wir dort um und gingen den bereits bekannten Weg retour zum Auto.
Danach fuhren wir direkt ins Stadtzentrum. Vom Hauptplatz aus starteten wir unseren zweiten Spaziergang. Hübsch weihnachtlich geschmückt präsentierte sich Voitsberg. Der Weihnachtsbaum vor der Kirche war riesig, die Bäume im Zentrum trugen hübsche Kugeln, Tannenreisig schmückte die Straßenlaternen. Die Fassade des Rathauses sollte man sich näher ansehen. Der Künstler Prof. Arik Brauer hat sie gestaltet. Seit 2003 gibt es auch ein Glockenspiel. Und wir hatten das Vergnügen, eben dieses Glockenspiel zu hören. Am langgestreckten Hauptplatz gibt es noch einen Barbarabrunnen und eine Mariensäule erinnert an die Pest, die von 1713 bis 1716 in dieser Gegend wütete.
Wir schlenderten den Hauptplatz entlang, bis wir eine Art Keramiktor erreichten. Hier bogen wir rechts ab (gelbe Wanderwegweiser) und marschierten auf den Voitsberger Sagenberg zu. Beim Aufstieg auf den Sagenberg sollte man sich sehr viel Zeit lassen. Sonnig war es hier zur Mittagszeit (was am Stefanietag richtig angenehm war) und die Aussicht war grandios. Umso höher wir den Serpentinenweg hochstiegen, umso toller wurde das Panorama. Und da gab es dann auch noch die herrlichen Sagen, die von liederlichen Bergleuten, toten Spielmännern, wilden Frauen und vom Teufel (der um Seelen feilschte) berichteten. Hat man Obervoitsberg erklommen, erkennt man sofort, warum genau an dieser Stelle eine Burg errichtet wurde. Weit sieht man von hier: im Osten die Burgruine Krems, das Betriebsgelände der Berglandmilch, die Stadt selbst mit den Kirchtürmen, das Schloss Greißenegg, im Westen den Heiligen Berg, Schloss Piber dahinter Köflach und ganz hinten die Berge, die die West- von der Obersteiermark trennen.
Über das Kainachtal gab es eine Straßenverbindung in die Obersteiermark, und diese Straße musste gesichert werden. Also wurde bereits 1170 die Burg Obervoitsberg errichtet (damals hieß sie „castrum voitseperch“). Als die Burg gebaut war, entstand unter ihr im Tal eine Siedlung. Diese wurde mit einer Wehrmauer umgeben, die bis zur Burg hochgezogen wurde. So entstand der Ort Voitsberg, der bereits 1245 Stadtrecht hatte. Im 13. Jahrhundert wohnte eine sehr interessante Frau in Obervoitsberg – Herzogin Gertrud, Markgräfin von Mähren und Baden (1226 bis 1288).
Gertrud war die Nichte von Friedrich II. (der Streitbare), und dieser war der letzte Babenberger im Mannesstamm. Friedrich hatte also keine Kinder, denen er sein immens großes Herrschaftsgebiet vermachen konnte. Daher war seine Nichte Gertrud eine richtig gute Partie. Das dachte sich auch der staufische Kaiser Friedrich II. Würde er Gertrud heiraten, so bekäme er auf diesem Wege die babenbergischen Länder. Doch Gertrud wollte den 55-jährigen Kaiser nicht heiraten und tat es auch nicht. Also hat auf der Burg Obervoitsberg eine Frau gelebt, die den Mut hatte, Kaiser Friedrich II. einen Korb zu geben.
Die Burg Obervoitsberg präsentiert sich heutzutage nicht allzu romantisch. Der Burggraben ist ein Parkplatz, die Festung selbst eine Bühne. Doch der Standort und die Aussicht sind einfach traumhaft. Da ich soeben noch von den Sagen erzählte: Über Obervoitsberg gibt es auch eine. In den Kellerräumen der Burg sollte ein Schatz versteckt gewesen sein und natürlich hatte ein sehr argloser, junger Mann das Glück, die Schatztruhe zu entdecken. Als er sie öffnete, war in der Truhe eine Schlange, die einen Schlüssel in ihrem Maul hielt. Der Jüngling bekam Angst, floh, und die Schlange klagte, dass sie als verwunschenes Burgfräulein nun wieder nicht erlöst worden wäre.
Als wir vor einigen Jahren die Wanderung „Auf der Sonnenseite der Stadt Voitsberg“ machten, kam ich – arglos wie ich bin – in einem Waldstück genau zwischen zwei Schlangen zu stehen. Groß und dick waren sie. Eine lag auf dem Wanderweg hinter mir (wie ich diese übersehen konnte, ist mir heute noch schleierhaft), eine sperrte mir den Weiterweg ab. Ich stand also hyperventilierend zwischen zwei furchteinflößenden Schlangen, während mein Göttergatte mit einer Freude ein Exemplar davon voller Genuss fotografierte (Nahaufnahme wohlgemerkt). Ich kann mich heute nicht mehr so genau erinnern, wie die Gegend auf dem Weiterweg aussah. Als ich nämlich den beiden Reptilien großräumig ausgewichen war, waren meine Blicke ausschließlich nur noch auf den Weg gerichtet. Ehrlich, ein Burgfräulein hätte auch ich mit bestem Willen nicht erlösen können – egal wie groß die Belohnung für diesen Dienst gewesen wäre.
Hinter dem Parkplatz von Obervoitsberg gibt es einen Naschgarten. Geht man rechts neben diesem Garten vorbei, kann man allerhand Kunstwerke aus Metall entdecken. Bei den Hochbeeten führt der Weg bergab. Neben dem Bogenparcours geht es dann zum ehemaligen Kohlenbergbau Zangtal. Von 1880 bis 1989 wurden hier 27,5 Millionen Tonnen Braunkohle abgebaut. Benannt wurde das Bergwerk nach dem Besitzer August Zang. August Zang war ein vielseitig interessierter Mann. Er war ein ehemaliger Offizier, gründete eine Zeitung, „Die Presse“, und war nebenher auch noch ein Bankier. Im ehemaligen Bergwerksgelände kann man noch Fördermaschinen bestaunen. Besonders „Leopold“, ein 560 Tonnen schwerer Schaufelradbagger, beeindruckt durch seine unglaubliche Größe. Das Förderband, das zum Teil noch zu sehen ist, stammte von der Gleisdorfer Firma Binder. 1986 wurde Leopold in Betrieb genommen … leider schloss das Bergwerk bereits 1989.
An einem ehemaligen Wagon der GKB vorbei wanderten wir neben der Straße nach Voitsberg zurück. Auch wenn wir keine extrem weite Wanderung absolviert und die Tage davor ausgiebig Süßes verzehrt hatten, gönnten wir uns im Stadtcafé am Hauptplatz einen Cappuccino mit Tiramisu.