Gamskogelrunde über den Königsgraben

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 10,6 km470 HM3:30 h
    

Start beim Gasthaus Bernthaler im Königsgraben.
Vor etwa 15 Jahren haben wir diese Wanderung schon einmal gemacht. Wir hatten sie in einem Wanderbuch gesehen und marschierten voller Freude los. Irgendwann hatten wir dann keine Ahnung mehr, wie der Weg weitergehen würde – und wir trafen ein deutsches Paar, das ebenfalls mit demselben Wanderbuch unterwegs war. Auch sie hatten keine Vorstellung, wie die Runde weiter verlaufen könnte. Heute gibt es zum Glück Wander-Apps, die immer genau anzeigen, wo man sich auf dem Weg befindet. Sie zeigen netterweise auch, wenn man nicht mehr auf der richtigen Route ist. Mein Tipp schon vorweg: die Tour gegen den Uhrzeigersinn gehen – zuerst in den Königsgraben und dann auf den Gamskogel. Dann ist die Markierung auch immer sehr eindeutig.

Bestens ausgerüstet mit Handy, Wanderkarte, guten Bergschuhen (bei dieser Wanderung sehr wichtig) und natürlich mit unseren Kameras starteten wir im August 2025 wieder einmal zu dieser Wanderung. Die Asphaltstraße führte stetig ansteigend neben dem Königsgrabenbach entlang. Das Bachbett hatte eine Steineinfassung, viele Stufen waren zu sehen – jedoch kein Wasser. Das kam erst viel später. Dort standen wir, sahen auf den Mini-Tümpel im steinernen Bett. Das Nass wollte scheinbar nicht über die Stufe fließen. Irgendwo musste es sich wohl einen Weg in den Untergrund gesucht haben. Bachaufwärts gab es jedenfalls genug Wasser (und keine Steineinfassung mehr).

Wir kamen in den Wald, und nun begann der Königsgraben richtig hübsch zu werden. Das Bächlein hüpfte über Kaskaden und rutschte über riesige Steinplatten. Dass es dem Gewässer so gut gefiel, war daran zu erkennen, dass von allen Seiten des Königsgrabens weitere Wässerchen den Weg in das Event-Bachbett suchten. Links neben dem Wanderweg gab es eine steile Wand, die von Moos überzogen war – klatschnasses Moos, Tropfen und Tropfen suchten den Weg nach unten. Eine richtige rinnende Mauer.

Alles rinnt – diesen Eindruck hatten wir schon damals, als wir das erste Mal im Königsgraben unterwegs waren. Und wenn es sehr, sehr viel regnet, entwickelt sich sogar der Wanderweg zum Bach und schwemmt so viel Schotter weg, dass die hölzernen Querrillen auf dem Weg plötzlich in der Luft hängen und wie Aquädukte die Wegränder verbinden.

Der Natur stört das nicht. Die Brombeeren waren reif, und das freute die Schmetterlinge. Mohrenfalter und Kaisermantel teilten sich die „gedeckte Tafel“. Je tiefer wir in den Königsgraben hinein gingen, desto steiler wurde der Weg. Die ersten Felswände waren zu sehen, die Wasserfälle wurden immer höher, und die Zyklamen dufteten um die Wette. Wunderbarer Enzian verschönerte den Wegrand, die kanadische Goldrute (die bei uns Menschen keinen allzu großen Beliebtheitsgrad hat) wucherte ebenfalls üppig. Den Schmetterlingen und Insekten gefiel das. Wir entdeckten eine kleine Sensation – den klebrigen Salbei. Seine geöffneten Blüten erinnerten mich an eine Schlange mit weit aufgerissenem Maul und herausgestreckter Zunge.

Der Königsgraben hat einen majestätischen Namen – wie er wohl dazu kam? War dieses Gebiet einst königlicher Besitz, oder gehörte der Graben einst einem Bauern namens König?

Als wir den Königsgraben geschafft hatten, standen wir vor einer großen Kuhweide. Es war bereits Mittagszeit, und die Kühe dösten teilweise, andere waren mit Wiederkäuen beschäftigt. Ein Bild des Friedens. Glückliche Kühe gab es hier, mit schönen, langen Hörnern.

Hier mussten wir dem Wegweiser „Gamskogel – Kleinstübing“ folgen. Der nächste Wegabschnitt führt über eine Forststraße. Immer wieder hatte man ein wunderbares Panorama. Waren wir im Königsgraben noch beinahe allein unterwegs gewesen, trafen wir jetzt immer öfter andere Wanderer. Plötzlich mussten wir den Forstweg verlassen und rechts den Hang hinaufgehen. Das war die Stelle, an der wir uns bei der letzten Wanderung verlaufen hatten. Damals erwanderten wir die Runde im Uhrzeigersinn. Von oben kommend waren wir irrtümlicherweise rechts in den Forstweg abgebogen. Auch heute ist die Markierung in diesem Bereich nicht optimal.

Jetzt kam ein besonders schöner Wegabschnitt. Auf dem Höhengrat ging es vorerst noch recht gemütlich entlang. Immer wieder hatten wir wunderbare Aussichten, dann sahen wir die ersten Felsnadeln und waren fasziniert. Nicht lange, denn ab nun wurde der Weg für mich (ich habe leider Höhenangst und bin nicht schwindelfrei) zu einer sehr großen Herausforderung.

Hunde kamen mir schwanzwedelnd und voller Freude entgegen – sie waren schwindelfrei. Gut auf vier Beinen und mit einem etwas niedrigeren Schwerpunkt haben sie in diesem Gelände eindeutig einen Vorteil.

„Wieso können diese tollen Felsen nicht in der Ebene stehen?“, haderte ich bei einem steilen und abschüssigen Wegstück, das zur Bärenhöhle hinunterführte. Unten gab es zum Glück eine Seilsicherung, sonst hätte ich nun auf der Stelle umgedreht. Bären kennen offensichtlich auch keine Höhenangst, sonst hätten sie diese kleine Durchgangshöhle nie aufgesucht. 1949 wurden bei Ausgrabungen in der Bärenhöhle Knochen vom Höhlenbären gefunden. Doch auch sie sind hauptsächlich auf allen vieren unterwegs und haben somit einen niedrigeren Schwerpunkt.

Ich glaube, die Evolution hat einen Fehler gemacht, als sie den Homo sapiens aufrecht gehen ließ. Um diesen groben Fehler wieder gutzumachen, kroch ich einen Teil des Weges (hier ging es neben mir wirklich sehr steil bergab) auf allen vieren.

Ab dem Gipfel des Gamskogels, der im Wald liegt, konnte ich mich wieder entspannen. Ab nun hatte der Wanderweg zwar ein ordentliches Gefälle, was den Knien nicht ganz so gut gefiel, aber es gab keine schlimmen Abgründe. Dafür hatte man eine wunderbare Aussicht auf die Kirche von Straßengel. In Kleinstübing angekommen, mussten wir nur noch der Asphaltstraße zum Gasthaus Bernthaler folgen (das leider wegen Umbaus geschlossen hatte). Bei der letzten Wanderung hatten wir im Garten unter den Sonnenschirmen gegessen, was uns sehr gut gefallen hatte.

Wo also essen? Wir überlegten. Und so sinnierten wir: In Judendorf-Straßengel gibt es eine REHA-Klinik. Und in diesen Kliniken gibt es meistens auch Diätologie. Und wo Patienten in Kliniken eine Diät halten sollen, können in deren Umfeld sicherlich etliche Gasthäuser gut bestehen. (Mörathsche Logik!) Also fuhren wir nach Judendorf-Straßengel – und was soll ich sagen: Wir hatten recht.

 

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