„Vogelthemenweg“ – Pöllauer Tal

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

13 km

310 HM

3:30

       

Zwischen den Winzendorfer Teichen und Pöllau, direkt beim Reisebüro Retter, links abbiegen – beim Platzl am Bach beginnt die Wanderung.

Der Vogelthemenweg im Pöllauer Tal wurde 2021 neugestaltet, und ich muss gleich ein ganz großes Lob aussprechen: Den Pöllauern ist da wirklich etwas Tolles gelungen. Wir waren sowohl von der Wegführung als auch von den Schautafeln sehr begeistert.

Das Pöllauer Tal ist ein Naturpark – und ein sehr interessanter noch dazu, mit einer enormen Artenvielfalt. Im Jahr 2005 wollte man es genauer wissen, was so alles in diesem idyllischen Tal kreucht und fleucht. Sorgsam zählte man und stellte fest, dass 925 Pflanzenarten und 453 Tierarten in dieser Gegend heimisch waren.

Begünstigt wird diese unglaubliche Vielfalt sicherlich von den 16 km Baum- und Strauchhecken des Naturparks. Sie sehen nicht nur wunderbar aus, sondern bieten den Tieren auch ein behagliches Zuhause. Dazu kommt, dass in diesem Tal das warme illyrisch-pannonische Klima auf das Mittelgebirgsklima trifft. Ja, und dann gibt es noch diese wertvollen alten Streuobstwiesen, die von vielen Tieren sehr geschätzt werden.

Auch an der Pöllauer Safen gibt es Büsche und Bäume, und die erste Wegstrecke der Wanderung führt entlang diesem naturbelassenen Gewässer. Wir waren im Juli unterwegs, es war ein heißer Tag, und wir freuten uns, dass uns die Büsche Schatten spendeten.

Immer wieder konnte man zum Fluss gelangen – sauberes Wasser, Steine… Ich hoffte aufrichtig, eine Bachstelze zu entdecken. Über unseren Köpfen im Dickicht aus Laub und Zweigen hörten wir unzählige Vögel zwitschern. Hin und wieder flog ein Piepmatz über unsere Köpfe hinweg. Doch Vögel können sich im Laub sehr gut verstecken, daher konzentrierten wir uns mehr auf die Insekten und Schmetterlinge, die sich bei den unzähligen Blüten tummelten.

Einige Insekten wiederum konzentrierten sich hauptsächlich auf uns, was wir weniger toll fanden. „Elf zu zwei“, hörte ich neben mir Gregi murmeln, als wir gerade direkt neben dem Fluss auf den Kieselsteinen standen und ins Wasser sahen. „Was ist elf zu zwei?“, erkundigte ich mich interessiert. Interessiert daher, weil wir unterwegs waren und ich mir sicher sein konnte, dass es sich nicht um die von mir so ungeliebte Europameisterschaft handeln konnte. „Elf erlegte Bremsen gegen zwei erlegte Gelsen“, erklärte Gregi und kratzte sich am Unterarm.

Wieder eine Brücke, alte Obstbäume, dann gingen wir an einem Freiland-Geflügelhof und einer sehr belebten Hecke vorbei. Ein Schild klärte uns darüber auf, wie sehr Vögel Hecken liebten. Das muntere Treiben der gefiederten Kerlchen rund um das Buschwerk bewies den Wahrheitsgehalt. Schließlich querten wir die Asphaltstraße und kamen wieder in den Wald. Diesmal ging es neben einer Pferdeweide vorbei… „Achzehn zu vier“.

Wir schnauften im schattigen Wald den Weg bergauf und hörten nur noch wildes Summen neben unseren Ohren. „Lass mich nicht vergessen, einen Insektenspray auf dem Einkaufszettel zu notieren“, forderte ich Gregi auf, der neben mir eine neue Version des ursteirischen Schuhplattelns aufführte.

Wir hatten die obere Kuppe des Hügels erreicht und wurden mit einem wunderbaren Blick auf Pöllauberg belohnt. Der Wanderweg führte neben der Volksschule vorbei, hinein in den nächsten Wald und steil bergab, bis zu einem Bach… „21:3“.

Ein weiterer Anstieg stand uns bevor, an einem Bauernhaus vorbei. Alte, schöne, hochstämmige Obstbäume wuchsen hier. Wiesen mit Blumen, und die Aussicht war noch schöner als von der Volksschule aus. Nachdem wir einen weiteren Wald durchquert hatten, kamen wir zum nächsten Bauernhaus. Ein gigantisch großer Mostbirnenbaum wuchs hier. Verblüffend, wie groß Obstbäume werden können. Die hier lebende Bäuerin muss über einen grünen Daumen verfügen – überall auf dem Grundstück wuchsen wunderbar duftende Rosen.

Wir kamen wieder auf eine schmale Asphaltstraße. Ein Bankerl mit einem gigantischen Panoramablick lud zum Verweilen ein. Gegenüber – auf der anderen Talseite – lag die idyllische Kirche Sankt Anna, weiter links davon war Pöllauberg mit dem riesigen gotischen Gotteshaus, dahinter der Masenberg… noch weiter links im Tal der Ort Pöllau mit den mächtigen Kuppen der Klosterkirche. Und dahinter konnten wir die „Wildwiese“ mit der „Wildwiesenwarte“ ausmachen. Auf der Wildwiese gibt es den „Kultwanderweg“, der an alten, mystischen Lochsteinen vorbeiführt und vom heidnisch-keltischen Brauchtum erzählt. „Sankt Anna Kirche“… „Pöllaubergkirche“… „Kloster Pöllau“… einen Hügel weiter das „Kloster Vorau“… eine erstaunliche Kirchen- und Klosterdichte.

Wir folgten der Asphaltstraße nach oben und kamen schließlich in Lehen an. Hungrig kehrten wir im Gasthaus Schrank ein – ein familiär geführtes, gutbürgerliches Gasthaus mit wunderbarer Aussichtsterrasse. Hier wird noch selbst gekocht. Es gibt eine ehrliche, gute Küche (ein bisschen wie in den Achtzigerjahren) mit riesigen Portionen.

Gestärkt konnten wir die Wanderung weiter fortsetzen. Die Asphaltstraße führte bequem bergab, sodass man nicht auf den Weg achten musste, was auch gut war, denn die Aussicht auf dieser Wegstrecke ist wirklich toll. Hinter einem Buschenschank wuchs ein Hollunderbusch, der bereits schwarze Beeren trug, und doch hatte er auch noch eine blühende Dolde… wie schön. Ein steiler Weingarten, wieder ein Wald und dann ein noch steilerer Steig hinunter zur Schönauklamm. Der Fluss mit seinen vielen kleinen Kaskaden hat schon was… und dann noch die Ruine einer Mühle. „33:9“.

Und immer wieder die informativen Schilder über Vögel. Der Kleiber ist ein „Nachnister“. Damit das Einflugsloch nicht zu groß ist, klebt er es mit Lehm zu. Interessant. Und der Grünspecht ist grün, damit er nicht so rasch entdeckt wird, wenn er in der Wiese sitzt und Ameisen nascht. Während wir ein Schild mit den Informationen über Spechte studierten, saß in den Zweigen über uns eine Kohlmeise und beobachtete uns aufmerksam. Ihre Art, Informationen zu sammeln. Wahrscheinlich wunderte sie sich ein bisschen, warum wir immer wieder wie wild um uns schlugen. „39:10“.

Nach der Klamm trafen wir auf die einzige Person, die sich an diesem Tag in dieser Gegend ebenfalls zu einem Spaziergang entschlossen hatte. Ich nahm an, dass ihr schwanzwedelnder und bestens gelaunter Hund sie zu diesem „Gassigehen“ überredet hatte.

Das letzte Stück der Wanderung kannten wir schon. Wir gingen wieder entlang der Safen zurück… „45 erlegte Bremsen zu 12 erlegten Gelsen“.

Wir stiegen ins Auto und fuhren in Richtung Kaindorf. „Da ist ja die nächste alte Kirche“, meinte ich und zeigte auf die alte gotische Filialkirche von Sankt Stefan ob Hofkirchen. Sie ist auch ein absolutes Schmuckstück, mit dem unverputzten Bruchsteinmauerwerk, den riesigen Bodenplatten im Kircheninneren, den Gerüstlöchern… und besonders interessant ist der Erdstall „Die Frauenhöhle“, der sich in ihrer Nachbarschaft befindet.

 

„Romai-Rundwanderweg“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

7,2 km

327 HM

2,5 h

Start:

Waldbach-Mönichwald

Arzberghütte  

Wir haben diese Wanderung in einer Wanderbroschüre „Einfach wandervoll“ der Region Joglland-Waldheimat entdeckt. Im Internet findet man diese Wanderung ebenfalls.

Startpunkt: Arzberghütte (über eine Forststraße von Waldbach oder Sankt Jakob im Walde erreichbar).

Ihr werdet schon mitbekommen haben, dass wir im Normalfall nicht unbedingt in den Bergen unterwegs sind. Doch an richtig heißen Sommertagen zieht es selbst uns in höhere Lagen, um der Hitze ein wenig zu entkommen – und der Romai-Rundwanderweg ist selbst bei hohen Temperaturen recht angenehm.

Von der Arzberghütte aus erreichten wir in 3 Minuten das Gipfelkreuz (1.111 m Seehöhe) und konnten eine herrliche Aussicht genießen – vom Hochwechselpanorama bis ins Burgenland. Markante Felsen, Bäume mit Flechtenbärten und Heidelbeerbüsche boten ein hübsches, alpines Ambiente. Wenn man mit Kindern unterwegs ist, sollte man sie hier allerdings nicht aus den Augen lassen.

Die nächste Wegstrecke ging bergab. Zuweilen war die Route steil, und wir mussten auf die losen Steine aufpassen. Langsam und achtsam zu gehen, zahlte sich jedoch aus. Hier gab es eine Kombination von verwitterten Steinen, an denen sich alte Wurzelstöcke krallten, einige Moospölster, dahinter Heidelbeerstauden und junge Tannen.

Die Wegführung verläuft ausschließlich im Wald. Heidelbeeren und Schwammerln gäbe es zu ernten. Doch auch andere hübsche Pflanzen konnten wir entdecken. Gregi sah einen Hirschzungenfarn und war hingerissen. Immerhin befindet sich dieses Gewächs auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Auch andere pflanzliche Raritäten wuchsen hier. Die weiße Waldhyazinthe sowie das gefleckte Knabenkraut bekamen wir vor die Linse. Nur die gefiederten Genossen auf den Baumkronen wollten sich nicht ablichten lassen. Während der Wanderung hörten wir das schönste Vogelkonzert – nur die klugen kleinen Federbällchen verstanden es zu gut, sich hinter Ästen und Laub zu verstecken.

Der Wanderweg führte weiter bergab, wir näherten uns der Schlucht. Rechts ragten hohe Felsen empor, links des Weges war ein steiler Hang zum Bach hinunter. Doch so steil wie der Gegenhang auf der anderen Bachseite war er dann zum Glück auch wieder nicht. Dort gab es offensichtlich in jüngerer Vergangenheit Muren, und Bäume lagen quer im Tal.

Wir erreichten den Rastplatz des Romai-Wasserfalls. Ich besah mir das Kreuz mit dem geschnitzten Herrgott. Seine Proportionen stimmten nicht ganz, und gerade das gefiel mir an ihm besonders. Ein Sprüchlein war zu lesen und auch, wie der Romai-Wasserfall zu seinem Namen kam. Das Gebiet im Waldbach war schon in der Römerzeit besiedelt – schwach zwar, aber doch. Und von eben diesen Römern sollte der Name stammen. Einige Bänke luden zum Rasten ein, das Bächlein war seicht, und man könnte toll darin die Füße abkühlen. Kleine Kaskaden waren bachaufwärts zu sehen.

Geht man jedoch bachabwärts, kommt man zu einem massiven Holzgelände, das den Aussichtspunkt auf dem Felsen direkt über dem Wasserfall absichert. Kluge Menschen nutzen die Rastbänke, um dort ihre Augengläser abzulegen, bevor sie sich zum Aussichtsfelsen begeben und hinab in die Gischt sehen. Ich gehöre leider nicht zu dieser Kategorie.

Begeistert stand ich über dem Wasserfall, der immerhin eine Fallhöhe von 8,10 Metern hat, und wollte ein Foto machen. Meine Sonnenbrille hatte scheinbar ihre eigenen Pläne – Pungee-Jumping ohne Seil oder so. Okay, der Einwand, dass die Brille ein Gegenstand ist, der sich keine Pläne machen kann, hat schon was. Aber egal. Ich stand da so und sah in die Tiefe – rumps – schon hing meine Sehhilfe einige Meter unter mir auf einem Farn, mitten auf dem steilen Felsen. Razepaduff!

Schnell blickte ich um. Gregi war noch mit den kleinen Kaskaden am oberen Bachlauf beschäftigt und widmete mir zum Glück keine Aufmerksamkeit. Jetzt muss ich leider etwas ausholen. Wir waren schon einmal bei diesem Wasserfall, und Gregi war damals hinter die Absperrung geklettert, um ein „sensationelles“ Foto zu machen. Ich hatte damals natürlich eine Heidenangst, daher musste er mir hoch und heilig versprechen, auf Kletterausflüge zu verzichten.

Etwas abseits des Wasserfalls gab es einen abschüssigen, steilen Pfad nach unten. Und diesen Steig musste ich nun hinunterkraxeln. Ich hoffte aus ganzem Herzen, meine geliebte Brille wieder irgendwie zu erhaschen.

Als Gregi schließlich selbst zum Aussichtsplatz kam und mich 8 Meter unterhalb im Bachbeet waten sah, staunte er nicht schlecht. „Warum um alles in der Welt bist du da runtergeklettert? Ausgerechnet du, die sogar schon in der Raabklamm umgekehrt ist, weil der Weg ‚zu gefährlich‘ war“, schien er mich zu fragen. Hören konnte ich es leider nicht – zu laut toste das Wasser. Also kletterte ich auf allen Vieren wieder zu ihm rauf, um ihm die Sachlage zu erklären.

Ich glaube, ich habe noch nie erwähnt, dass ich einen cleveren Mann habe. Wer intelligent ist, verwendet Werkzeug. Also suchte er sich eine dürre, 3 Meter lange Fichte, entfernte alle Seitenästchen und versuchte damit, meine Brille zu erhaschen, während ich wieder im Allradmodus nach unten kletterte, um die Brille aus dem Bachbett zu fischen, falls sie nach unten fallen würde. Immerhin wollte ich sie wieder haben, nicht, dass sie über den Winkelbach, den Weißenbach, die Lafnitz, die Raab, die Donau ins Schwarze Meer käme. Sie fiel auch etwas weiter nach unten, verhing sich allerdings wieder in Farn und war von oben mit der Stange nicht mehr zu erreichen. Also kletterte Gregi mit meinem Segen auch nach unten. Den Sehbehelf habe ich nun glücklicherweise wieder, und Gregi durfte offiziell nochmals (mit Kamera diesmal) nach unten klettern, um „sensationelle“ Fotos zu machen.

Eines muss ich jetzt allerdings ganz schnell klären. Man kann bei dieser Wanderung auch ganz hervorragende Fotomotive entdecken, ohne auch nur einen Schritt den bequemen Wanderweg zu verlassen: die tollen Wegweiser zum Beispiel in Form eines Holzschuhs, interessante Tiere wie einen C-Falter, einige Moorenfalter oder mehrere zweigestreifte Quelljungfern. Besonders gut gefielen mir die Glockenblumen, die ihr Habitat mit einem Fingerhut teilten.

Doch besonders schön war dann der Panoramablick vor der Arzberghütte. Der Gastgarten ist ein richtiges Genussplatzerl. Nicht nur der tollen Aussicht wegen, sondern auch wegen der Köstlichkeiten, die hier angeboten werden. Den Kaiserschmarrn mit Kompott kann ich wärmstens empfehlen.

 

„Leibnitz – Schloss Seggau – Frauenberg – Leibnitz“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

13 km

150 HM

4 h

Start:

Leibnitz

Hauptplatz  

Ein Sonntag im Februar, die Wettervorhersage prognostizierte 13 Grad Celsius, die Pollen der Frühblüher waren extrem aktiv und wir beschlossen, in den steirischen Süden zu fahren – trotz blühender Haselbüsche, die mir in Gleisdorf schon sehr zu schaffen machten. Wir bummelten über den Hauptplatz bis zum Kapuzinerkloster, dann bogen wir in der Rudolf-Hans-Bartsch-Gasse ein (wobei wir einem nervösen Eichhörnchen begegneten, welches den Winterschlaf unterbrochen hatte) und marschierten an der Tennishalle und am Park vorbei in Richtung Sulmbrücke. Überall gab es noch verdichtete Schneereste und sogar der Bach im Park hatte noch eine Eisschicht. „Irgendwie haben wir in Gleisdorf ein anderes Klima“, bemerkte ich und fror leicht.

„Ich habe immer geglaubt, die Sulm fließt auf der anderen Seite des Berges“, überlegte ich, als wir den Fluss überquerten. Ein Blick auf die Landkarte und wir sahen: das tut sie auch. Sie schlängelt sich förmlich um den Berg, wobei sie bei Leibnitz durch die Laßnitz Verstärkung bekommt. Und dann ist da ja auch noch die Mur, die östlich an Leibnitz vorbeifließt. Ein fruchtbares, richtig breites Tal, ein Berglein, das von einem Fluss umspült wird, und Wein wächst da auch noch. Klar, dass sich da die Römer wohlgefühlt und in der Nähe die Stadt Flavia Solva gegründet hatten. Doch schon vor den Römern war der Hügel, den wir erklimmen wollten, bewohnt. Schon seit prähistorischer Zeit.

Von der Sulmbrücke aus gibt es zwei Gehwege zum Schloss Seggau. Der rechte Weg führt steil auf den Berg, dann kommt eine kleine Kapelle, kurz die Asphaltstraße hoch, dann rechts zum Schloss. Bei der zweiten Variante geht man von der Brücke aus ein kleines Stückchen nach links, um dann auf einen steilen Asphaltweg durch den Wald emporzusteigen. Beim Tennisplatz Frauenberg kommt man raus – hier sieht man schon das Schloss und kann sich nicht mehr verirren. So oder so … man kommt an Marterln vorbei. Eines kann ich schon mal vorwegnehmen. Hier gibt es eine enorm große Marterldichte und wie mir scheint auch sehr, sehr viele Tennisplätze. Thomas Muster lässt grüßen.

Schon sehr früh war der Bergrücken, auf dem jetzt das Schloss steht, an das Erzbistum Salzburg gekommen. Bereits im Jahre 860 war eine ältere Schenkung schriftlich bestätigt worden. Auf dem Berg entstanden drei getrennte Befestigungen. Ein Teil dieser Befestigungen wurde dann vom Salzburger Erzbischof an den Seckauer Bischof weitergegeben (das war im Jahr 1219). Im 15. Jahrhundert wurde Seggau zerstört, die Salzburger zogen sich zurück und verkauften ihren Teil den Seckauern. In jungen Jahren verwechselte ich gerne das obersteirische Seckau mit dem südsteirischen Seggau – die Namen sich ja doch sehr ähnlich und ich nehme an, dass das Seggau im Weinland seinen Namen vom bischöflichen Seckau hat.

Schloss Seggau hat eine beachtliche Römersteinsammlung – eine der größten in Europa, wenn man von Italien mal absieht. Als man diese Wehranlage baute, brauchte man natürlich viel Baumaterial. Eine aufgelassene Römerstadt mit bereits toll bearbeiteten Steinen war da eine richtige Fundgrube – Recycling funktionierte anno dazumal ganz prima. Doch nichts auf der Welt hält ewig – ein Turm des Schlosses musste in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgetragen werden … und da kamen sie wieder zum Vorschein, die tollen alten Römersteine. Man erkannte den künstlerischen und geschichtlichen Wert der Steine und so kommt es, dass die teils recht lebensfrohen und durchaus auch freizügigen Denkmäler die Wände eines bischöflichen Schlosses schmücken. Mein Lieblingsplatz auf dem Schlossgelände ist die im Süden gelegene Wiese mit dem herrlichen Turm. Hier ist die Aussicht auf Leibnitz, zum Frauenberg, auf die Sulmseen, auf den Weinberg der Weinbauschule Silberberg und die Aussichtswarte auf den Kogelberg einfach wunderbar.

Die Wanderung führte uns nun weiter (am Gasthaus Schlosskeller vorbei) zur „Akropolis der Südsteiermark“ – zum Frauenberg mit seiner Wallfahrtskirche und den archäologischen Ausgrabungen. Normalerweise würde man über den Kreuzweg dieses Ziel erreichen. Dieser war an diesem Februartag leider dermaßen vereist, dass wir die Straße vorzogen. Die Wallfahrtskirche sieht von außen nicht besonders hübsch aus, man sollte sich aber nicht täuschen lassen. Innen ist sie sehr prächtig. Auf dem Frauenberg gab es die Marienwallfahrt und davor waren auf diesem „heiligen Berg“ vorwiegend Muttergottheiten verehrt worden. Übrigens gab es hier schon in der frühchristlichen Zeit – im 4. bis 5. Jahrhundert nach Christus, eine Kirche.

Das Museum war leider geschlossen – doch das Außengelände ist ganzjährig zu besichtigen. Das Tempelmuseum selbst ist ein kleines Häuschen, recht unscheinbar. Eine ehemalige Schule, gegründet im Jahre 1731. Die findigen Baumeister fanden ein tolles Fundament für ihre Schule. Sie stellten das Gebäude einfach auf die Reste einer ehemaligen antiken Säulenhalle. Die Schüler hatten wohl keine Ahnung, auf welchem heiligen Boden sie da unterrichtet wurden. Es wäre interessant zu erfahren, ob der Lernerfolg in dieser Schule außergewöhnlich war.

Die Römer waren nicht dumm gewesen. Sie wussten, wie heilig der Berg den ursprünglichen Steirern (Kelten) war, die hier eine Muttergottheit verehrten. Sie machten das, was später die Kirche auch so gerne praktiziert hatte: Sie übernahmen den heiligen Platz und bauten einen eigenen Tempel darauf. Auf dem Frauenberg bauten sie sogar zwei Tempel. Einen für die Muttergottheit Isis/Norea und einen für den Kriegsgott Mars/Latobius. Hier ist ein besonderer Platz, der angeblich eine ganz besondere Strahlung hat – ähnlich wie die Strahlung in der Kathedrale von Chartres. Ich kann das leider nicht bewerten, doch eines kann ich mit gutem Gewissen sagen: Wir haben den Aufenthalt auf diesem Gelände richtig genossen, saßen auf einem Bankerl in der Sonne und blickten in das Tal, wobei wir uns eine gute Jause gönnten. Wir haben uns pudelwohl gefühlt.

Dann wanderten wir weiter – an einem neuen Feuerwehrhaus vorbei, dann zum alten Feuerwehrhaus (hier rechts abbiegen zum Hotel/Gasthaus Hasenwirt), auf der Rückseite des Hotels vorbei (nicht die Straße nach unten gehen) bis zu einem Sackgassenschild. Den Greitbauerweg (Schild „Familie Adam“) folgen, bis man zu einer Straßenkehre kommt. Hier betritt man den Wald. Ein Waldweg führt nach unten, man erreicht eine Forststraße … und nun wird es interessant. Man quert diese Straße, kämpft sich durch das Gestrüpp und kommt wieder zu einem (leider recht verwahrlosten) Waldpfad. Diesem bergab folgen, bis man die Sulm und die Müllerkapelle (welche auf einem Grabhügel steht) erreicht. Hier zweigt man rechts ab und folgt dem Radweg in Richtung Sulmsee.

Als wir unterwegs waren, war der Weg eine einzige Eisplatte. Verständlicherweise waren wir alleine auf weiter Flur (zum Glück, denn teilweise war ich sicherheitshalber auf allen vieren unterwegs). War ich froh, als wir endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatten! Jetzt erst konnte ich gelassen die dahinfließende Sulm beobachten, die Gänsesäger, die sich auf einem Baumstamm sonnten, die mindestens 30 Stockenten, die in einem Maisfeld, das nicht abgeerntet worden war, ein Festtagsmahl genossen. Bei der eisernen Brücke könnte man die Wanderung abkürzen, den Pfad in Richtung Seggauberg hochgehen und auf der anderen Seite nach Leibnitz absteigen. Wir entschlossen uns jedoch, der Sulm weiter zu folgen. Je näher wir dem Grottenhof kamen, umso belebter wurde es auf dem Weg. Familien mit und ohne Hunde, Radfahrer, junge und ältere Paare.

Wir erreichten eine tolle Allee und Gregi entdeckte einen wunderhübschen Kleinspecht und war nur mehr happy. Ich war auch recht froh, bald würden wir in das Kaffeehaus „Elefant“ einkehren. Doch zuvor mussten wir noch die Laßnitz überqueren (die ehemalige Eisenbahnbrücke ist ein echter Hingucker). Wahrscheinlich hätten wir gleich nach der Brücke den Pfad neben dem Fluss nehmen müssen. Nach unserem Erlebnis mit dem fürchterlich vereisten Radweg gingen wir nun auf Nummer sicher und kehrten entlang der Straße nach Leibnitz zurück. Circa 25 000 Schritte machte ich bei dieser Wanderung, waren doch Umwege zurückzulegen wegen vereister Passagen und einmal verliefen wir uns (beim Hotel Hasenwirt). In Leibnitz angekommen, war ich rechtschaffen müde, doch auch sehr zufrieden. Wir hatten einen wunderbaren Tag und konnten sehr schöne Eindrücke sammeln.

 

 

„wasser.weg“ Ostschleife – Bad Radkersburg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

13,5 km

70 HM

3:25 h

Start:

Bad Radkersburg

Thermal-quellenhaus  

Der Vorfrühling im Süden der Oststeiermark ist schon etwas ganz Besonderes. Daher zieht es uns immer wieder im Februar und März in diese Richtung. Diesmal wollten wir wieder einmal nach Bad Radkersburg und ich muss ganz ehrlich gestehen, etwas verliebt bin ich in diese kleine Stadt. Auch mag ich die Mur sehr, sehr gerne. Also freute ich mich so richtig auf unsere Wanderung, die uns entlang der Mur über Felder nach Sicheldorf und zurück nach Radkersburg führen sollte.

Radkersburg war schon sehr früh gegründet worden, und zwar vom böhmischen König Ottokar II. Przemysl. Ottokar gründete einige Städte in Österreich, zum Beispiel Marchegg, Leoben und Bruck – und eben auch Radkersburg. Als Grenzfeste wurde es 1261 gebaut und bereits 1299 zur Stadt erhoben. Wohlstand sicherte die Mur, die anno dazumal ein wichtiger Handelsweg war. Die Straßen waren schlecht und die Waren wurden auf Flößen über die Flüsse transportiert. Und da Radkersburg ein „Niederlagsrecht“ sowie das „Weinvorkaufsrecht“ hatte, wurde es zu einer wohlhabenden Handelsstadt. Eisen und Salz kamen vom Norden über die Mur und wurden nach Ungarn verschifft. Von Ungarn kam Schlachtvieh nach Österreich. Auch Wein und Honig waren begehrte Handelsobjekte gewesen.

Wir würden mit keinem Floß fahren, doch zur Mur wollten wir nun unbedingt gelangen. Vom Hauptplatz aus folgten wir der Langgasse. Hier hatten dazumal die Händler gesiedelt, Geschäfte gibt es hier heute noch. Ein Laden hatte es mir besonders angetan, einer mit Schildern. „Ohne Katzenhaare auf der Kleidung ist man nicht richtig angezogen“, stand auf einem. An diesen Modetipp halte ich mich stets. Das „Gasthaus zum Türkenloch“ sieht richtig hübsch aus. Überhaupt, die Häuser der Stadt wurden liebevoll restauriert, was eine ganz tolle Leistung war, denn nach dem Zweiten Weltkrieg waren nur vier Häuser der Stadt unversehrt. 1978 hatte die Stadt berechtigterweise die Europagoldmedaille für Denkmalpflege bekommen.

Eine große Brücke führt über die Mur nach Slowenien. Würde man drübergehen, könnte man das Schloss Gornja Radgona (Oberradkersburg) besichtigen (Achtung: Eintritt über Automaten entrichten). Wir blieben jedoch auf der österreichischen Seite und wanderten auf der Dammkrone die Mur entlang. Laut war es hier und wir freuten uns drüber. Das hört sich jetzt zwar blöd an, aber es war kein Verkehrslärm, den wir hörten. Nein, es waren die hübschen Stimmchen der unzähligen Stare, die sich bei den efeuumwucherten alten Bäumen zum Futtern versammelt hatten. Wir beobachteten das emsige Treiben auf den Baumwipfeln eine Zeit lang, dann marschierten wir weiter.

Entlang der Mur ist der zweitgrößte Auwald Österreichs, das Gebiet gehört zum „Grünen Band Europas“. In den Zeiten des Kalten Kriegs war der Grenzstreifen des Eisernen Vorhangs nicht verbaut, ein Grünstreifen zieht sich nun vom Eismeer im Norden Norwegens bis zum Schwarzen Meer. 12.500 km ist dieses „Grüne Band“ lang – und ein kleines Stückchen davon erkundeten wir auf unserer Wanderung. Echte Schneeglöckchen winkten uns, es roch bereits nach Bärlauch. Ein wahrer Wermutstropfen war jedoch der Wald selbst, der im Vorjahr durch den Sturm sehr in Mitleidenschaft gezogen worden war. Wie überdimensionierte Mikadostäbchen lagen die Bäume kreuz und quer. Der Weg führte uns nun zu den Feldern – hier waren Bundesheersoldaten unterwegs. Auch das hat hier Tradition. Unter der Herrschaft Maria Theresias wurde Radkersburg zur Garnisonsstadt – was es bis 2013 auch blieb.

Die Wanderung führte uns zur Johannesquelle (welche ein bisschen an eine Bushaltestelle erinnert). Und dann – was für eine Freude – ein Graureiher. Einer, der sich noch dazu fotografieren ließ – im gebührenden Abstand, versteht sich. Durch ein Wäldchen kamen wir nach Sicheldorf. Das Wanderschild leitete uns zu einer Schottergrube, dort angekommen verloren wir den richtigen Wanderweg. Wären wir dem Schild weiter gefolgt, hätten wir über Wasser gehen müssen. Diese Begabung fehlt uns leider, also folgten wir dem Schotterweg am Zaun entlang, bogen dann rechts in Richtung Radkersburg ab, dann links einen Waldrand entlang – und dann kamen wir an ein magisches Platzerl. Ein Holzkreuz und ganz, ganz viele Vogelfutterhäuschen mit noch mehr gefiederten Besuchern. Dieser Ort ist gesegnet, davon gehe ich mal aus. In Laafeld durften wir einen hübschen Buntspechtknaben dabei beobachten, wie er melodisch rhythmisch auf einem Stamm herumhämmerte. Spechte sind tolle Vögel – sie können wie wild mit ihrem Schnabel hämmern, ohne dabei eine Gehirnerschütterung zu bekommen. Eine Meisterleistung der Evolution! Als wir Bad Radkersburg wieder erreichten, kehrten wir am Hauptplatz im Café Punkt ein (ein sehr guter Cappuccino und ein leckeres Croissant). Über das Fenster sah ich die stattlichen Säulen der Arkaden, eine architektonische Pracht. Am Radkersburger Hauptplatz residierten der Adel und wohlhabende Bürger, was man den Häusern auch ansieht. Eine ganz prominente Frau wurde in Radkersburg geboren: die Gallerin, die Burgherrin der Riegersburg.

Gestärkt machten wir uns nochmals auf den Weg, die Langgasse runter, rechts in die Altstadtgasse, an der Vinothek vorbei vor die Stadtmauer. Die Domenico-dell‘-Allio-Allee entlang zu gehen ist ein absolutes Muss, wenn man in Bad Radkersburg ist. Der ehemalige Stadtgraben war nicht verbaut worden und ist ein Refugium für Pflanzen und Tiere. Die Aussicht auf die Stadtmauer und die Altstadt ist einfach herrlich. Dieser Graben trennt auch die historischen Bauten der Stadt mit ihren alten Geschichten von den neuen Hotel- und Kuranlagen der Stadt mit ihren jüngeren Geschichten. Und die sind auch interessant. In den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts suchte man in Radkersburg nach Erdöl. Gefunden hatte man etwas viel Besseres: allerfeinstes Heilwasser. „Long Life“ – wohl bekomms. 1977/78 hatte man dann schon gezielt nach Thermalwasser gebohrt und aus 1.791 bis 1.856 Metern Tiefe kommt es, das 80 Grad heiße Wasser. Und so ist aus der ehemaligen Garnisonsstadt Radkersburg die Kurstadt Bad Radkersburg geworden. Eine erfreuliche Entwicklung, finde ich.

Trotz allem sehe ich mir aber den Befestigungsgürtel aus der Renaissancezeit gerne an, der die Stadt so pittoresk umgibt. Domenico dell‘Allio hatte ihn geplant. Der aus Oberitalien stammende Baumeister war sehr emsig gewesen – sein Name steht im Zusammenhang mit sehr, sehr vielen Verteidigungsanlagen. Er wirkte in Graz, Varazdin, Wien, Klagenfurt, Fürstenfeld, Feldbach, Radkersburg, Maribor, Ptuj etc. Es war die Zeit der Türkenkriege, starke Mauern retteten Leben und Eigentum. Wir betraten die „Domenico-dell‘-Allio-Allee“ bei einem Kinderspielplatz und verließen sie bei einem Altersheim. Über eine Brücke zurück in die Altstadt, wo es noch ganz viel zu entdecken gäbe. Die ältesten Profandarstellungen in der Steiermark zum Beispiel. Doch diese mussten wir uns für einen anderen Ausflug aufheben – für diesen Tag war es Zeit, nach Hause zu fahren.

„Weg der Kunst“ ab Stainz bei Straden

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Weg der Kunst

9,4 km

250 HM

3:25 h

    

In drei Wanderbüchern habe ich diesen Weg gesehen, er muss also wirklich schön sein. Daher fahren wir im Spätherbst nach Stainz bei Straden, wo die Wanderung beim Haus der Vulkane startet. Auf den Wanderschildern ist eine Gehzeit von 2:20 h angegeben. (Da war wohl jemand mit Siebenmeilenstiefeln unterwegs. Wir benötigen für diese Wanderung 158 Minuten reine Gehzeit. Noch nicht inkludiert ist da die Zeit, die man bei den Erlebnisstationen benötigt – man ist sicherlich über drei Stunden unterwegs.) Ansonsten ist die Beschilderung einwandfrei, ein Verirren ist unmöglich.

Stainz bei Straden ist ein interessantes Dorf. Da steht ein wunderschöner Bildstock. Der hat nicht nur seitlich eine Tür, sondern auch noch einen „ersten Stock“ mit Fenstern. Ob sich dahinter eine Glocke versteckt?

Wir wandern weiter über ein Brückerl auf die Straße und schrecken fünf Enten auf, die in einem mit Wasser gefüllten Straßengraben ein gepflegtes Bad genießen. Sich lauthals beschwerend, flattern sie die steile Böschung hinauf und laufen um die Zaunecke nach Hause, wo sich schon einige ihrer Genossen im Garten sonnen.

Nun erreichen wir den Sulzbach. Gregi bildet sich ein, das zarte Stimmchen eines Eisvogels vernommen zu haben. Ich widme mich inzwischen der ersten Erlebnisstation, den Summsteinen. Gregi betrachtet den Bach kritisch und ist nicht mehr ganz davon überzeugt, dass hier ein Eisvogel lebt. Diese brauchen klares Wasser. War wohl ein anderer Vogel mit hoher Stimmlage. Daher beschließen wir, zur nächsten Station zu gehen. Zum Blaurackenturm.

Diesen schönen Gesellen werden wir im Spätherbst sicherlich weder hören noch sehen – jedenfalls nicht in der Steiermark. Da ist er schon längst auf Reisen gegangen, auf Fernreise sozusagen. Die Blauracke überwintert im südlichen Afrika. Eine Strecke, für die sie angeblich zwei Monate benötigt. Bewundernswerte Tiere! Hoffentlich kommen sie im Frühjahr wieder.

Wir wandern weiter und erreichen eine Raststation. Strahlend gelb schimmert das Laub und bildet einen Teppich. Und mitten darin liegt ein Steinbrocken, eine Vulkanbombe. 15 Tonnen wiegt das gute Stück und kommt aus dem Basaltsteinbruch von Hochstraden. Daneben steht ein altes Holzschild. „Wohl bekomms“, steht darauf und ich überlege, wie mir dieser Riesenstein wohl bekommen sollte. Sarkasmus? Nein, darunter, sehr verschwommen, steht ja noch was: „Wasser ist kostbar.“ Und dann sehe ich erst die Wasserleitung, die aufgrund der Jahreszeit schon außer Betrieb ist.

Die nächste Station ist mehr als idyllisch. „Steinzeitklang“ wird sie bezeichnet und Gregi probiert voller Freude jedes einzelne „Instrument“. Ich lichte die wunderbare Pappelallee ab. Während sich Gregi noch beschwert, dass die Dinger nicht gestimmt sind, schnaufe ich den Berg hinauf und bin nach wie vor von der Allee begeistert – und auch vom Schatten, den sie wirft.

Die Aussicht wird immer besser. Wir sehen den Steinbruch von Hochstraden, den „Drachenrücken“ mit der Aussichtswarte und leider auch sehr, sehr viele Glashäuser. Es ist eben eine landwirtschaftlich genutzte Gegend. Vulkangebiete sind besonders fruchtbar.

Durch einen Wald geht es nun bergab. Wir sehen eine sandige Steilwand und ich entdecke sogar eine Bruthöhle. Leider nur eine einzige. Aber Grund genug zu spekulieren, welcher Vogel hier eventuell Junge aufzieht. Die nächste Zeit vergeht mit Diskussionen, ob das, was ich da fotografiert habe, überhaupt eine Bruthöhle ist, bis Gregi einen seltenen gelben Schmetterling entdeckt und das Thema augenblicklich fallen lässt. Ein wunderschöner Gelbling mit einer Acht auf dem Flügel.

Wir haben nun die Lorettokapelle erreicht und biegen in Richtung Pferdehof Lechner ab. Ein Weingarten – und hurraaa! –, da bewegt sich was. Tatsächlich, ein Schwarzspecht. Ich nütze schnell die Gelegenheit – es wird ein tolles Fotoshooting mit Woody Woodpecker –, während Gregi noch voller Begeisterung eine Libelle fotografiert. (12. November 2023 – November!!! Eine Libelle und ein Schmetterling. Was für ein Tag!)

Weiter geht es zum Klangwald. Ein Grünspecht flattert rasch davon, während die Meisen mich neugierig beobachten. Steil geht es bergauf, bald steigen wir den Hügel wieder hinab. Es wird nicht der letzte Hügel sein. Vor dem nächsten Anstieg wartet auch der nächste Erlebnispunkt auf uns. Eine grimmig dreinblickende begehbare Holzeule. Ich verstehe ihren Verdruss. Kalt ist ihr Standort – und dann sind da noch die Wanderer, die immer wieder ihre Köpfe frech aus ihren Augen stecken. Bitte lächeln – und klick! Schon geht es weiter, den nächsten Hügel hinauf.

Nun haben wir einen wunderbaren Blick auf Straden. Dieser Hügel vulkanischen Ursprungs mit seiner extrem hohen Kirchendichte – vier Stück an der Zahl! Straden und seine Umgebung waren schon in der vorchristlichen Zeit besiedelt. Es muss sich dort wohl ein besonderes Heiligtum befunden haben, wenn die Kirche diesen Ort so vehement überbaut hat.

Es geht wieder bergab, wir erreichen die Straße im Tal. Der Ausgangspunkt der Wanderung ist nicht mehr weit, das Gasthaus LiebEck im Haus der Vulkane auch nicht mehr. Wir sind hungrig, wir sind müde, wir freuen uns darauf. Dann die bittere Erkenntnis: Eine Bergwertung hat der Kunstweg für uns noch geplant. Ein richtiger „Wadlbeißer“, dieser letzte Anstieg, finden jedenfalls wir. Doch dann ist auch dies geschafft. Beinahe beschwingt laufen wir den Hügel wieder hinunter. Bald können wir uns den Magen vollschlagen. Mit den 17.138 Schritten, die ich bei dieser Wanderung gegangen bin, brauche ich auch nicht unbedingt auf Kalorien achten. Und dann das! Wir sind zu früh dran. Das LiebEck öffne sonntags ab 15.00 Uhr, steht auf der Tafel beim Eingang.

Also Plan B. Wir kehren bei der Konditorei Ertl ein. Die hat auch Leckeres für uns. Bei einem Marmeladencroissant lassen wir den wunderbaren Tag Revue passieren.

Geotrail und Wanderwege um Kapfenstein

Distanz

Höhenmeter

Dauer

6 km

200 HM

2:30 h

Diese Wanderung startet beim Gemeindeamt. Wir stiegen aus dem Auto aus und sahen eine Pizzeria. Heute hatten wir also eine Auswahl: Kapfensteinerhof oder Pizza. Zuerst wollten wir wandern. Unser Weg würde uns zu Beginn in Richtung Tischlerei Luttenberger führen, entnahmen wir dem Wanderbuch. Zielstrebig marschierten wir die Bundesstraße bergab. Uns kamen Feuerwehrfrauen und -männer entgegen. Vergnügt trugen sie eine Klappbank mit sich. „Heute ist Fototermin“, erfuhren wir und auch, dass es im Ort so etwa um die 60 Feuerwehrleute gebe. „So beschaulich klein Kapfenstein auch wirken mag, die Einwohner sind nette und engagierte Menschen“, stellten wir fest und gingen weiter bergab, vorbei an einer Wanderstempelstation. Bei der Raiffeisenbank blieben wir stehen. „Ich sehe kein Hinweisschild einer Tischlerei“, meinte ich und studierte nochmals die Wanderkarte. „Wir hätten nicht runtergehen sollen, sondern rauf“, stellte Gregi fest und wir machten kehrt. Einen Wegweiser für die Tischlerei fanden wir aber auch bergauf nicht. Allerdings ein Schild, auf dem „Bestattung“ stand. „Biegen wir hier ein! Laut Karte könnte das eventuell unser Weg sein“, überlegte ich und schon kamen wir am Sportplatz vorbei. „Die Bestattung heißt Luttenberger und sieht irgendwie noch wie eine Tischlerei aus. Wir sind richtig. Glaubst du, erzeugen sie hier Särge?“, wollte ich wissen. Gregi zuckte nur mit den Schultern und beobachtete interessiert die Gegend. „Rechts, die Geländestufe ist interessant. Hier gibt es sicherlich Vögel“, meinte er nur und zückte sein Fernglas. Beim Wegkreuz Kölldorf bogen wir rechts ab und kamen zur oberen Kante der Geländestufe. Begeistert guckten wir in Richtung Hochstraden mit der Aussichtswarte. Neben der Straße gab es eine Plantage mit knorrigen, urigen Holunderbäumen, dann kamen wir zu einer Wanderwegkreuzung. Unser Weg führte am Waldrand die Straße entlang weiter, ein Bauernhaus, dann ein Hohlweg mit Birken auf der linken und rechten Seite. Hier gab es definitiv sehr viele, sehr aktive Vögel. Sie flogen förmlich vor unseren Nasen hin und her und Gregi war nicht mehr zum Weitergehen zu bewegen. Gut, wenn das so war, dann konnte ich wohl auch einige Fotos machen. Ein Kleiber hatte es mir angetan. Ganz energisch klopfte er an der Rinde der Birke herum – und sah ich richtig? Hatte dieses Vögelchen hier etwa gar Sonnenblumenkerne versteckt?

Irgendwann war es selbst meinem emsigen Kleiber zu blöd geworden, er flog einige Bäume weiter und für uns war es nun auch wieder an der Zeit, unseres Weges zu gehen. Wir überquerten die Bundesstraße und hielten auf die Buschenschank Puff zu. Ein hübsches altes Bauernhaus mit grünen Balken und vielen geschnitzten Holzverzierungen. Leider war die Buschenschank geschlossen. Aber wir nahmen uns fest vor, in der warmen Jahreszeit wiederzukommen. Hier, auf den Tischen unter dem riesigen alten Baum, müsste es an einem lauen Sommerabend herrlich sein.

Wir stapften weiter. Ja, stapften. Der Weg war wohl vor Kurzem aufgegraben worden. Unsere Wanderschuhe waren gänzlich mit Lehm eingesaut. Wir erreichten einen Handymast, Gregi kam bereits daher, als ob er Plateauschuhe anhätte. Am Waldrand gab es ein Bankerl, die Gelegenheit, um das Profil unserer Schuhe wieder zu säubern. Eine wunderbare Aussicht genossen wir hier.

Der weitere Weg war äußerst idyllisch, schlängelte sich am Hang entlang – schon sahen wir den Turm der Pfarrkirche zum heiligen Nikolaus aus dem Boden wachsen. Hoch und schmal wirkte er mit seinem spitzen Dach. Der Kirchenvorplatz ist ein besonderer Ort und lädt zum Verweilen und Schauen ein. Gregi schaute auch – aber durch ein Fernrohr. Ein fix montiertes Fernrohr. Die zweite Station des Geotrail Kapfenstein. Die Vergangenheit des Stradner Vulkans sollte man durch diese Installation sehen. Vor zwei Millionen Jahren war es in dieser Gegend nicht so beschaulich und gemütlich gewesen. Mehr als 40 Vulkane sollen im Vulkanland ausgebrochen sein. Der Kapfenberger Vulkan selbst hatte zahlreiche Eruptionen. Das glühend heiße Magma traf auf das Grundwasser, es kam zu Dampfexplosionen. Asche wurde kilometerhoch in die Luft geschleudert, aus ihr bildete sich später das Tuffgestein. Im Gegensatz zum Basalt, der aus der ehemaligen Lavaglut entstand. Und aus ganz, ganz weit unten – um genauer zu sein, aus 60 km Tiefe – stammt ein besonderer Stein. Der Olivin. Ein hübsches, hellgrünes Mineral. Arthur Winkler-Hermaden war Geologe, seine Nachkommen (die Besitzer des Schlosses und des Weingutes) schätzen die Steine wohl auch. Insbesondere den Olivin – sie haben ihren besten Wein danach benannt.

Doch weiter zum Geotrail. Aus elf Stationen besteht dieser besondere Lehrpfad und drei Fernrohre bietet er, die einen Blick in die Vergangenheit gewähren sollen. Wir folgten dem Geotrail weiter, eine alte Treppe hinauf (ein toller Blick auf das Schloss), an einem ehemaligen Steinbruch entlang (Gesteinsschichten – waagrecht und schräg, richtig kurios). Wir sahen in die Wipfel der hoch aufgeschossenen Bäume – fast wie auf einem Baumwipfelpfad. Und wieder ein Kleiber. Gregi war hin und weg. Große Teile des Weges sind mit einem Geländer gesichert. Der Kapfensteiner Kogel ist zwar nur 461 Meter hoch, doch extrem steil. Angreifer hatten es hier sicherlich sehr schwer. Das wusste man auch schon in früheren Zeiten. Man fand Besiedelungsspuren aus der Jungsteinzeit und Keramik von einer urnenfelderzeitlichen Höhensiedlung. Im 12. Jahrhundert hatten die Herren von Kapfenstein auf dem Kogel eine kleine Grenzfestung gebaut. Diese war leider 1238 vom Heer des Ungarnkönigs Béla zerstört worden.

Auf dem Kogel hatte es auch eine Hauptkreidfeuerstelle gegeben. Weit sichtbar musste das Feuer (in der Nacht) oder der Rauch (am Tag) sein. Es warnte die Bevölkerung vor Gefahren. Doch nicht nur als Kreidfeuerstelle diente der Kogel. Kapfenstein war offensichtlich auch ein Beobachtungspunkt gewesen. Daher auch der Name „Kapfenstein“. Das mittelhochdeutsche Wort „kaphen“ bedeutet so viel wie „gaffen“ oder „spähen“. Und das war in dieser gefährlichen „Ecke“, wo immer wieder feindliche Heere einfielen, sehr wichtig gewesen.

Auf der Kuppe des Kogels steht die „Herz-Jesu-Kapelle“ aus dem 18. Jahrhundert. Hübsch ist sie mit den grauen Holzschindeln. Hier hatte es früher eine heidische Kultstätte gegeben. Von der Kultstätte konnte ich nichts mehr entdecken, dafür fand ich das Grab der Gräfin Adolfine von Mariassy, die mit nur 28 Jahren gestorben war. Recht eben ging es in Richtung Schloss, ein interessanter Wegabschnitt lag noch vor uns. Treppen führten einen ehemaligen Steinbruch bergab und wir erreichten wieder die Straße. Dieser folgten wir zurück bis zum Gemeindeamt. Die Wanderung ist mit 6 km nicht unbedingt lang, aber sehr erlebnisreich und interessant.

Rund um Hartberg

Hartberg Stadt - Laternderlweg - Steinerne Stiege - Hartberger Gmoos

Eigentlich wollten wir an diesem ersten Dezemberwochenende auf den Ringkogel marschieren. Kurz davor hatte es geschneit, der Himmel war strahlend blau und wir waren total motiviert. Wir parkten das Auto in der Grazer Straße und marschierten auf das Zentrum der Stadt zu.

Wir kamen nicht weit. Der erste Halt war bereits bei der Kapuziner-Klosterkirche. Zwei überdachte Treppen führten zu ihr hinauf. Wir überlegten kurz, ob wir dieser Kirche, die 1654 außerhalb der Hartberger Stadtmauer errichtet worden war, einen Besuch abstatten sollten, entschieden uns jedoch dagegen. Nein, wir wollten in keinen Innenraum, im Freien war es so wunderbar und Sonnenstunden im Dezember gehörten genutzt.

Also besuchten wir den steinernen Löwen, der einige Schritte entfernt von der Kirche Wache hielt. Archaisch wirkte er, etwas zahnlos und sehr, sehr alt. Und das ist sie auch, diese Skulptur aus der Römerzeit, gefunden 1845 in Löffelbach.

Wir wanderten den terrassenförmig angelegten Park hinauf in Richtung Reckturm, der in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut worden war. Wären wir dazumal hier gegangen, dann hätten wir uns im Graben vor der Stadtmauer befunden. Doch jetzt konnten wir trockenen Fußes den märchenhaften Turm erreichen. Insgeheim hielt ich Ausschau nach Rapunzels Zopf.

Vom Reckturm führt ein hübsches Gässchen in die historisch interessante Innenstadt. Anfang des 12. Jahrhunderts hatte der Traungauer Markgraf Leopold hier die erste Pfalz auf steirischem Boden gegründet. Seine Wahl war nicht von ungefähr auf dieses Gebiet gefallen. Schon die Römer hatten diese Gegend besiedelt (Römervilla Löffelbach, auch war die Stadtpfarrkirche von Hartberg auf einem römischen Wohnkomplex errichtet worden).

Hier, zwischen dem Ringkogel und dem Feuchtgebiet „Hartberger Gmoos“, war eine wichtige Römerstraße, die Strata hungarica (zwischen Flavia Solva und Savaria in Ungarn), verlaufen, und von dieser zweigte in Hartberg die Straße über den Wechsel ab.

Doch zurück zur Pfalz: Diese bestand aus einer Burg, einer Kapelle, einem Meierhof und einer Mühle. Sie diente dem Landesherrn als sichere Unterkunft und wohl auch als Verwaltungszentrum, wenn er zur Ausübung seines Amtes in die Gegend gekommen war.

Wir erreichten die Herrengasse, die bei der Gründung Hartbergs der Bereich des ersten Marktes gewesen war. Wir schlenderten diese bergab und die Michaeligasse entlang. Ich liebe den Blick von der Gasse hinauf zum Karner St. Michael. Dieses „Beinhaus“ ist der wichtigste Sakralbau aus der Romanik in der Oststeiermark. Geht man die Michaeligasse entlang, so kann man noch den wehrhaften Charakter der Stadt erahnen. Wir erreichten den Schölbingerturm, bummelten am Wasserbecken vorbei und folgten der Fußgängerzone in der Wiener Straße rauf zum Hauptplatz. Als wir diesen Ausflug unternahmen, war gerade ein Christkindlmarkt auf dem Hauptplatz. Hartberg hat eine sehr lange Tradition als Marktplatz. 1310 war der Stadt das Recht gewährt worden, einen Jahrmarkt am Pfingstsamstag abzuhalten. Im Jahre 1436 hatte Herzog Friedrich III. der Stadt das Recht erteilt, auch am 17. Juli einen Markt abzuhalten (damit die Feuerschäden in der Stadt wieder behoben werden konnten).

Hartberg lag damals an der Grenze und war für die Verteidigung des Landes sehr wichtig. Damit die Einnahmen zum Ausbau und zur Instandhaltung der Wehranlagen gewährleistet werden konnten, hatte Hartberg einige Sonderrechte. So durfte die Stadt Abgaben einheben, wenn man sie mit Waren betrat. Auch war geregelt, dass im großen Abstand zur Stadt keine Gewerbeausübung erlaubt war, daher hatte es zwischen Hartberg und Graz keine weitere Stadt gegeben.

1165–66: Ungarneinfälle – verstärkte Befestigungsanlagen im Bereich Michaeligasse wurden gebaut.
1252/53: Wieder Ungarneinfälle – danach wurde die Stadt mit einer Mauer umgeben.
Im 15. Jahrhundert hatte der Söldnerführer Andreas Baumkirchner die Stadt eingenommen, danach sein Sohn Wilhelm. 1529 und 1532 zogen Türkenscharen vorbei und verwüsteten die Umgebung. 1605 waren es die Heiducken – sie konnten zum Glück die Stadt nicht erobern. 1704–1722 waren die Kuruzzenkriege und die Hartberger Umgebung wurde dreimal verheert. 1805 und 1809 besetzten dann die Franzosen die Stadt. Man hatte wirklich allen Grund gehabt, auf die Wehrhaftigkeit der Stadt zu achten.

Es ist wunderbar, dass die ehemalige Burg (das jetzige Schloss Hartberg) heutzutage friedlichen Zwecken dient – in der Adventzeit beherbergt sie ebenfalls einen herrlichen Adventmarkt. Wir verließen das Schlossareal durch einen Durchlass in der Stadtmauer, rechts den Steg hinauf, das alte Mauerwerk entlang. Links bemerkten wir dann den Wegweiser „Laternderlweg“. Steil ging es in Kehren bergauf, mit einem prächtigen Blick auf die Altstadt. Die goldige Verzierung der Stadtpfarrkirche (hl. Martin – urkundlich erstmals 1157 genannt) leuchtete in der Sonne. Gregi wischte Schnee von einem Bankerl und meinte: „Jetzt kann es trocknen und vielleicht möchte sich jemand draufsetzen und den herrlichen Blick genießen!“ „Ja, die alten Bauherren haben gewusst, wie man schön baut. Es müssen in den letzten hundert Jahren sehr viele Leute gewesen sein, die sich an diesem Ausblick erfreut haben.“

Wir erreichten einen schmalen asphaltierten Weg, stiegen eine steile Treppe hoch und querten die Straße. Vor uns ein tolles verlassenes Haus. Ein Eins-a-Fotomotiv. Dann ging es weiter bergauf, neben uns gab es angelegte Terrassen, vor uns ein tolles Aussichtsbankerl.

Immer weiter bergauf, eine Weide entlang, freundliche Alpakas begrüßten uns. Und dann kamen die nächsten Wegweiser. „Sollen wir weiter rauf zum Ringkogel oder rechts abbiegen zur Steinernen Stiege?“, erkundigte ich mich bei Gregi. „Bergauf ist Schatten, da runter ist es sonnig“, meinte er und es war entschieden. Eine gute Entscheidung, wie wir später rausfanden. Jetzt sahen wir in Richtung Klaffenau – ein richtiges Wimmelbild. Lange mussten wir suchen, bis wir das Schloss lokalisierten.

Die Steinerne Stiege ist steil und hat glücklicherweise ein Geländer zum Festhalten. Man tritt auf die Wiese hinaus und hat einen ganz neuen und interessanten Blickwinkel auf die Stadt, bei dem der goldig verzierte Kirchturm quasi aus dem Hügel wächst und dahinter die futuristisch wirkenden Gebäude des Ökoparks zu sehen sind.

An einer Baumschule vorbei, dann erreichten wir einen Park. Gregi war fast außer sich. Ein Baumläufer! Der musste beobachtet werden. Ich freute mich indessen schon, dass wir bald wieder den Hauptplatz erreichen würden. Da gab es Kaffeehäuser! Mit einen Koffeinschub schafften wir es dann noch, hinabzugehen zum Hartberger Gmoos. (Vorbei beim Hallenbad, dann gleich rechts abbiegen.) Teiche, alte Bäume und noch mehr Vögel. Herz, was willst du mehr!

 

Laßnitzklamm (Deutschlandsberger Klause) sowie Burg

 

Rundwanderweg – Start: Parkplatz bei der Klause

 

Distanz

5,5 km

Höhenmeter

150 HM

Dauer

1:75 h

Sonntag war es, ein prachtvoller 1. Oktober, und wir waren voller Vorfreude. Die Deutschlandsberger Klause (Laßnitzklause) wollten wir uns ansehen. Wir wussten, dass es eine gemütliche Wanderung werden würde, und wir wussten auch, dass dieses Europaschutzgebiet in puncto Erlebnis, Natur und Schönheit kaum zu überbieten ist.

Rein also in die schmale Fels- und Waldschlucht. Die Laßnitz sah aus wie ein Goldstrom, so wunderbar spiegelte sich das Licht in ihr. Prächtige Pilze lugten unterm Laub hervor, Farne wuchsen zwischen moosigen Wurzeln – eine herrliche Wanderung! Ein breiter bequemer Weg führte sanft bergauf, zwischendurch machten wir immer wieder Abstecher hinunter zum Wasser. War da eine Wasseramsel? Sie war natürlich schneller als wir.

Auch egal. In dieser wildromantischen Umgebung mangelte es nicht an anderen Fotomotiven. Gigantisch hohe Buchen, moosüberzogene Steine und Wurzeln, tolle Felsformationen und ein munterer Fluss mit kleinen Kaskaden. Zugegeben, richtig wanderten wir hier nicht. Gregi war fast nicht dazu zu bewegen, weiterzugehen, so sehr war er mit seiner Kamera beschäftigt.

Ich war bereits über die nächste Brücke marschiert und entdeckte ein richtiges „Logenplatzerl“ am Ufer. Sollte sich Gregi nur Zeit lassen – ich würde hier auf dem gemütlichen Bankerl sitzen und meine Jause genießen. Doch – ich weiß nicht, wie er es macht – irgendwie kriegt er es immer mit, wenn es was zum Futtern gibt. Bald schon saß er fröhlich neben mir und verspeiste ebenso seinen mitgebrachten Kornspitz.

Gestärkt ging es weiter. Auf einem großen Steinmugel hatten sich Personen verewigt: Sebastian Hofer 1814, Walter (den Nachnamen konnte ich nicht mehr ganz entziffern) August 1933 … Was sie dazu veranlasst hat, ihre Namen gerade auf diesen Stein zu meißeln? Bei ihnen weiß ich es nicht, jedoch bei Josef Kyselak (1798 bis 1831) kennt man die Beweggründe, wieso er fast überall, wo er hingekommen war, seinen Namen als eine Art Graffiti hinterlassen hatte. Und er kam wirklich weit herum. Der Hofkammerbeamte Kyselak hatte laut Legende gewettet, dass er binnen drei Jahren in der ganzen Monarchie bekannt werden würde. Und der Schriftzug mit seinem Namen, angebracht an sehr, sehr vielen Plätzen im Kaisertum Österreich, machte ihn sogar so bekannt, dass er zum Kaiser zitiert wurde. Franz I. hätte ihm bei diesem Besuch verboten, je wieder seinen Namen irgendwohin zu schreiben – was der gute Mann auch brav gelobte. Als der „geläuterte“ Untertan und Hofkammerbeamte den Kaiser wieder verlassen hatte, fand der Monarch allerdings Kyselaks Namen und Datum in seinem Schreibtisch eingraviert. Ich liebe diese Geschichte. Und ist sie nicht wahr, ist sie zumindest gut erfunden.

Wir erreichten nun die „Einsiedelei“. Ab hier führte der Weg in einigen Kehren bergan. Etwas außer Puste, dafür voller Vorfreude, erreichten wir die Burg Deutschlandsberg. Ein wunderbares Panorama: die Weinberge und unterhalb die Stadt.

Dieser Ort ist besonders. Das wussten auch die Leute dazumal, in der Jungsteinzeit. Schon im 5. Jahrtausend (andere Quellen sprechen vom 4. Jahrtausend) vor Chr. hatten hier Menschen gewohnt. Und ihnen folgten weitere Personen, die auf diesem Hügel beheimatet waren. Man fand Siedlungsspuren aus der frühen Eisenzeit, aus der Keltenzeit … und dann auch noch aus dem 7. Jh. n. Christus.

Dann wird die Geschichte konkreter. Um 970 erhielt das Erzbistum Salzburg dieses Gebiet und im 11./12. Jahrhundert wurde die erste Burg gebaut. Diese darf man sich allerdings nicht allzu pompös vorstellen – war sie noch eine Turmburg aus Holz und Erde auf einem Trockenmauerfundament.

Im 15. Jh. wurde eine gotische Burganlage errichtet, im 16. Jh. kam ein weiterer Ausbau (und somit konnte sie auch nicht von den Türken unter Sultan Soliman eingenommen werden).

Unermüdlich baute man aus und zu … und dann kam das verhängnisvolle 19. Jahrhundert mit der verheerenden josephinischen Dachsteuer. Teile des Daches wurden abgedeckt, die Burg verfiel zusehends. 1927 wurden Teile des Burggebäudes gesprengt.

Einen großen Dank muss man der Stadtgemeinde Deutschlandsberg aussprechen, die 1932 die Burg kaufte und im Laufe der Jahrzehnte wieder zu einem wunderbaren Gebäude ausbaute. In der Burg befindet sich das Museum Archeo Norico – das Museum für Vor- und Frühgeschichte. Was man da nicht alles herausgeholt hat aus dem weststeirischen Boden! Die ostkeltische Totenmaske aus Goldblech lässt wohl kaum einen Besucher kalt. Gregi begeisterte sich – und da erkennt man eindeutig den Kaufmann – für die keltischen Münzen und ich konnte mich kaum bei den Gemmen (Schmuckstücken) aus Karneol mit den zierlichen Motiven sattsehen. Nicht verpassen sollte man den neu angelegten Rundgang durch die Altburg, vorbei an den Zisternen, durch schmale Lücken, durch dicke Mauerwerke … einfach herrlich! Irgendwann waren wir dann doch bereit, uns von den alten Gemäuern zu trennen.

Vom Burgberg ging es über die Jakobistiege den Weinberg bergab. Besonders lohnend war es, sich hin und wieder umzudrehen, um die Burg „von unten“ (von der Angriffsseite) zu betrachten. Wuchtig wirkten sie, die Wehrmauern. Und das mussten sie wohl auch sein. Allzu exponiert war die Lage der Burg ja nicht – dieser Hügel war wohl kaum ein Hindernis für einen feindlichen Haufen.

Unser Tipp: Kehren Sie nicht gleich zum Parkplatz zurück, sondern besichtigen Sie auch das pittoreske Zentrum von Deutschlandsberg.

Anger – Erlebnisweg Honigbiene

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

3,8 km

76 HM

1:20 h

       

Start: Schwimmbad Anger

Diese Rundwanderung ist leicht und auch kurz und führt in eine märchenhaft anmutende Gegend mit wunderbarer Aussicht. Optimal also für einen kurzen Wintertag, besonders wenn man durch kulinarisch üppige Feiertage etwas träge geworden ist. So wie wir es waren an einem warmen, wunderbaren Stephanitag. Wir parkten also unter der Brücke beim Schwimmbad und steuerten gleich der Infotafel zu (hier gibt es auch tolle Wanderkarten von Anger).

Anger hat eine ausgezeichnete Infrastruktur für Wanderer und man hat langjährige Erfahrung mit Freizeitangeboten. Anger warb schon Ende des 19. Jahrhunderts mit der „Sommerfrische“ – damit gehörte man in der Steiermark zu den Pionieren des Tourismus.

Marktauswärts gibt es ein Biotop, wo sich Enten tummeln, etwas weiter quert man die Schmalspurbahn, dann geht es einen Hang rauf und man kommt zu einer Buschenschank. Bald sieht man die Polstermöbelfabrik ADA und dahinter den Turm der „Vierzehn-Nothelfer-Kirche“. Dieser spätgotische Bau war früher einmal eine Wallfahrtskirche. Einfache Leute waren es, die hierherzogen, um um Hilfe bei diversen Leiden zu beten. Ärzte gab es nicht viele und leisten konnte man sich eine Behandlung auch nicht. Die ganz großen Heiligen wollte man auch nicht immer belästigen, also zog man zu den „Vierzehn Nothelfern“. Die meisten davon waren Märtyrer und hatten so ihre Spezialgebiete. Die Zuordnung ihrer Fachkompetenz scheint uns heute eigenartig. Da gibt es zum Beispiel Dionysius, der mit einem abgeschlagenen Kopf dargestellt wird. Ausgerechnet er sollte gegen Kopfschmerzen helfen.

Doch zurück zur Wanderung: Unaufhörlich nähert man sich dem „Märchenwald“. Und tatsächlich! Mehrere muntere Wildbächlein durchziehen den Wald. Darin liegen riesige, moosbewachsene Steinblöcke, ein Steg, dahinter eine Mühle wie aus dem Bilderbuch. Kleine Fenster, hölzerne Regenrinnen, die Schindeln des Daches sind auch mit Moos überzogen. Ein idealer Spielplatz im Sommer.

Verlässt man den Wald, hat man einen umwerfenden Ausblick auf den Höhenrücken des Zetz. Die Ruine Waxenegg kann man gut sehen, ebenso den Ort Anger. Anger – so nennt man eine kleinere Grasfläche oder einen Grasplatz in einem Dorf. Und so eine Grasfläche gab es in der Flussschlinge, die die Feistritz hier bildete. Danach wurde der Ort benannt, der im 12. Jahrhundert besiedelt wurde. Mitte des 14. Jahrhunderts bekam Anger das Marktrecht.

Der Bienenlehrpfad wäre kein Bienenlehrpfad, wenn es nicht auch einen Bienenstock zu betrachten gäbe. Ein Bienenstock im Wildbau könnte besichtigt werden – wir verzichteten drauf. Wir wollten die Tierchen nicht unnötig stören.

Stattdessen gingen wir in Richtung Fresen weiter und mussten unzählig frischen Pferdeäpfeln ausweichen. Immerhin – es war ja Stephanitag – gab es in Anger sicherlich auch eine Pferdeweihe. Und in Fresen gibt es einen riesigen Reiterhof. Stattliche Pferde (warm eingewickelt in Pferdedecken) standen auf der Weide. Und in Fresen sahen wir weitere nette Tiere. Da waren die dicken Schafe mit ihrer warmen Winterwolle, die friedlich zwischen uralten Bäumen weideten. Eine schöne Weide, die im Sommer genügend Schatten bot. Eine gelassene, riesige rote Katze … und da war noch die Hundebesitzerin, die ihren tierischen Begleiter  „Gassi führte“.

Irgendwie mussten wir bei all dieser Beschaulichkeit einen Wegweiser übersehen haben, denn wir kamen wieder zum Märchenwald zurück. „Auch gut“, beschlossen wir und wanderten noch eine kleine Runde über etliche Stege entlang des Wildbachs und Jungwalds. So, den Märchenwald hatten wir nun genug erkundet. Zurück zum Ort!

Am Nachhauseweg schmiedeten wir Pläne. Es gäbe ja noch so einige interessante Wanderungen in Anger: den Erlebnisweg Rauchstubenhaus – über die Ruine Waxenegg und Florianiwasserfall. Die Schloss-Külml-Runde – über den Töchterlehof zum Schloss (unbedingt einen Abstecher zur St.-Ulrichs-Kapelle machen) und unter dem Viadukt retour. Den Grubbründlweg würde es noch geben, den Genussrundweg und den Schichtweg … gut, den vielleicht doch nicht. Schwierigkeitsgrad: schwer.

Der Waldromantikweg ist allerdings sehr reizvoll und gut zu wandern. So sinnierten wir … und dann gäbe es da ja auch noch die mystischen Unter- und Oberwelten von Anger. Eine geführte „Lost-Places-Tour“ vielleicht? Hört sich ja richtig verlockend an. 

 

ERLebenspfad Unterlamm / Magland

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

ERLebenspfad Unterlamm

3,08 km

77 HM

0:55 h

ERLebenspfad Magland

5,5 km

65 HM1:30 h

Feiertage sind geschenkte Freizeit. Diese kostbare Zeitgeschenke wollen wir mit schönen Erlebnissen füllen. Zu Ostern hatten wir den ERLebenspfad Oberlamm erkundet und waren sehr begeistert. Daher beschlossen wir, den Fronleichnamstag wieder nach Unterlamm zu fahren – zwei ERLebenspfade kannten wir noch nicht. Da am Nachmittag Regen prognostiziert war, fuhren wir schon in der Früh los. Als erstes wollten wir den kürzeren ERLebenspfad Unterlamm ansehen. Das Auto kann man im Zentrum von Unterlamm parken, bei der Wandertafel gibt es auch gratis Wanderkarten zum Mitnehmen.

Die Kirche Unterlamm kann mit einer Besonderheit aufwarten: die Nachbildung der Mariengrotte von Lourdes. Sie wurde im Jahre 2006 auf Initiative des damaligen Pfarrers von Unterlamm, Franz Brei, gebaut. Pfarrer Franz Brei ist ein talentierter und musikalischer Mensch. Bekannt wurde er 2009, als er beim Grand Prix der Volksmusik teilnahm und den respektablen 3. Platz erreichte.

In der Monstranz der Lourdsgrotte soll sich eine Reliquie der Heiligen Bernadette befinden. Doch Unterlamm kann noch mit weiteren Reliquien aufwarten: eine von der Diözese Bamberg und eine von der Diözese Regensburg. Beide befinden sich noch nicht allzu lange in Unterlamm. Ich muss gestehen, dass mich tote Knochen wenig begeistern, und mit dem Reliquienkult kann ich wenig anfangen. Ich schätze mehr die Natur und die Tiere, die man dort entdecken kann.

Daher zog es mich den Hügel hinauf, wo sich bei den früchtetragenden Kirschbäumen das pralle Leben entfaltete. Da fühlte ich mich schon eher wohl, genau wie die Stiglize, Stare, Amseln und Spatzen. Besonders ein Jungstar (Vogel, kein Künstler) hatte es mir angetan. Er saß auf einem Hausdach und versuchte, mit seinen starken, bereits mit wunderbaren Federn ausgestatteten Flügeln wie ein Kücken zu fächeln und nach Futter zu betteln. Etwas weiter entfernt saß ein Elternteil (gleich groß wie er selbst) und blickte ihn ungläubig an.

Der Weg führte weiter bergauf zu den Naturschutzwiesen Vorderberg und zur Aussichtswarte. Die Artenvielfalt auf diesen Wiesen war herrlich. Die Schmetterlinge waren emsig unterwegs, und Gregi war ganz außer sich. „Ein Wiesenvögelchen mit zwei Punken auf dem Unterflügel“, schwärmte er. Ich kam zuerst gar nicht richtig mit. Gut, ich hatte im Gras auch einige Vögelchen fotografiert, die auf einem Halm saßen. Doch was um alles in der Welt meinte er mit Punkten? Okay, ein Schmetterling also, der Wiesenvögelchen genannt wird. Nur das die Wiesenvögelchen eigentlich keine Punkte am Unterflügel hätten – seiner aber schon – erfuhr ich von Gregi.

Von der Aussichtswarte hat man einen tollen Blick auf die Riegersburg, unter der Aussichtswarte stehen bequeme Liegen … ein idealer Platz für ein Picknick. Die nächste Wegstrecke verlief wie durch einen finsteren Tunnel – ein kleiner, schattiger Wald. Danach kamen wieder Hecken und Wiesen mit ganz vielen Schmetterlingen und Vögeln. Schwalben schwirrten wie Pfeile durch die Luft, in einer Geschwindigkeit, dass man sie unmöglich ablichten konnte. Sie sind meines Erachtens die größten Flugkünstler.

Bei unserer letzten Wanderung in dieser Gegend stellte ich fest, dass Unterlamm das Osterhasenland sei. Bei dieser Wanderung wurde meine Annahme bestätigt. Als ich ins Tal hinuntersah, erblickte ich auf einem Feld vier riesige Feldhasen, die miteinander abfangen spielten. Hasen sind schon urige Tiere. Gehen sie nur ein kleines Stückchen, machen sie fast einen Katzenbuckel und strecken die Beinchen hoch auf … bei größerer Geschwindigkeit schnellen die starken Beine nach hinten, während der Körper recht tief am Boden ist (wie ein tiefgelegter Ferrari).

Den Hügel ging es auf einem schmalen Asphaltstreifen hinab, dann kamen wieder herrliche Wiesen. Ein Perlfalter war gutmütig und ließ sich fotografieren. Ein Neuntöterweibchen mit einer Spinne im Schnabel hielt ebenso still. Plötzlich begannen die Glocken zu läuten – es war ein derartiger Lärm, den selbst ein Flughafen kaum übertreffen konnte. Das war der Zeitpunkt, in dem mir die Bewohner von Unterlamm etwas leidtaten.

Als wir wieder ins Dorf kamen, war es bereits Mittag, und wir waren schon etwas hungrig. Zum Glück fanden wir einen ganz tollen, schattigen Gastgarten. Beim Mittagessen konnten wir die Trachtenkapelle, den Pfarrer, die Feuerwehr, den Kameradschaftsbund sowie die Pfarrbevölkerung beobachten, die am Fronleichnamsumzug teilnahmen.

Frisch gestärkt traten wir nun den ERLebnispfad Magland an. Zuerst mussten wir der Straße ein kurzes Stück aus dem Ort hinaus folgen, und dann kam das erste Highlight: ein Fünfsterne-Insektenhotel. Danach kamen wir zur Naturteichanlage. Auf einem Schild las ich mit Verwunderung, dass Erdkröten bis zu zwölf Jahre werden könnten. Gregi fotografierte indessen einen hübschen Wasserfrosch. Eine kecke Mücke hatte es sich hinter den Nasenlöchern des Frosches bequem gemacht. Zwischen den Seerosen entdeckten wir eine Sumpfschildkröte. Rund um die Teiche war ein keltischer Baumkalender angelegt, riesige Spiegelkarpfen drängten sich im Uferbereich in der Hoffnung, gutes Fischfutter zu bekommen.

Die einzige Stelle des Wanderweges, an der die Beschilderung nicht eindeutig war, war am oberen Ende der Teichanlagen. Bitte links die Straße bergauf gehen. Im Wald wurden wir von einem Eichelhäher beobachtet. Mit seinen hellblauen, klugen Augen beäugte er uns kritisch, kam schließlich zum Schluss, dass wir harmlose Zeitgenossen seien, und ließ sich letztendlich sogar fotografieren. Im weiteren Verlauf der Wanderung sahen wir auch einen Gartenrotschwanz und einen „Schwammerlsucher“, dessen Ausbeute nicht allzu üppig war.

Im Ortsteil Magland gab es dann richtig viele Vögelchen. Neben den Schwalben und Spatzen sahen wir einen Truthahn, der unter dem Eskimo-Sonnenschirm einen Balztanz aufführte. Besonders hübsche, wuschelige große Hühner scharrten unter Obstbäumen, sogar eine Gänseweide gab es in Magland.

Beim Zurückgehen marschierten wir wieder durch wunderbare Wiesen. Jetzt muss ich mal ein großes Lob aussprechen: der Wanderweg ist sehr gepflegt, und durch die Wiesen sind schmale Streifen für Wanderer ausgemäht. Eine Tafel wies uns darauf hin, dass der Naturschutzbund in dieser Gegend bei einer Biokartierung eine Orchideenwiese gefunden hatte, wo 24 geschützte Blumenarten wuchsen. Den Standort dieser Wiese würde man (was ich nachvollziehen kann) nicht verraten. Das letzte Wegstück zurück zum Ort führte uns entlang des Baches.

Wir können diese Wanderungen mit besten Gewissen weiterempfehlen. Selten haben wir so eine große Artenvielfalt gesehen. Die herrlichen, belebten Wiesen, die vielen Kirschbäume, die Naturteichanlage … wir hoffen, dass dieses wunderbare Stückchen Natur noch lange erhalten bleibt.