ERLebenspfad Unterlamm / Magland

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

ERLebenspfad Unterlamm

3,08 km

77 HM

0:55 h

ERLebenspfad Magland

5,5 km

65 HM1:30 h

Feiertage sind geschenkte Freizeit. Diese kostbare Zeitgeschenke wollen wir mit schönen Erlebnissen füllen. Zu Ostern hatten wir den ERLebenspfad Oberlamm erkundet und waren sehr begeistert. Daher beschlossen wir, den Fronleichnamstag wieder nach Unterlamm zu fahren – zwei ERLebenspfade kannten wir noch nicht. Da am Nachmittag Regen prognostiziert war, fuhren wir schon in der Früh los. Als erstes wollten wir den kürzeren ERLebenspfad Unterlamm ansehen. Das Auto kann man im Zentrum von Unterlamm parken, bei der Wandertafel gibt es auch gratis Wanderkarten zum Mitnehmen.

Die Kirche Unterlamm kann mit einer Besonderheit aufwarten: die Nachbildung der Mariengrotte von Lourdes. Sie wurde im Jahre 2006 auf Initiative des damaligen Pfarrers von Unterlamm, Franz Brei, gebaut. Pfarrer Franz Brei ist ein talentierter und musikalischer Mensch. Bekannt wurde er 2009, als er beim Grand Prix der Volksmusik teilnahm und den respektablen 3. Platz erreichte.

In der Monstranz der Lourdsgrotte soll sich eine Reliquie der Heiligen Bernadette befinden. Doch Unterlamm kann noch mit weiteren Reliquien aufwarten: eine von der Diözese Bamberg und eine von der Diözese Regensburg. Beide befinden sich noch nicht allzu lange in Unterlamm. Ich muss gestehen, dass mich tote Knochen wenig begeistern, und mit dem Reliquienkult kann ich wenig anfangen. Ich schätze mehr die Natur und die Tiere, die man dort entdecken kann.

Daher zog es mich den Hügel hinauf, wo sich bei den früchtetragenden Kirschbäumen das pralle Leben entfaltete. Da fühlte ich mich schon eher wohl, genau wie die Stiglize, Stare, Amseln und Spatzen. Besonders ein Jungstar (Vogel, kein Künstler) hatte es mir angetan. Er saß auf einem Hausdach und versuchte, mit seinen starken, bereits mit wunderbaren Federn ausgestatteten Flügeln wie ein Kücken zu fächeln und nach Futter zu betteln. Etwas weiter entfernt saß ein Elternteil (gleich groß wie er selbst) und blickte ihn ungläubig an.

Der Weg führte weiter bergauf zu den Naturschutzwiesen Vorderberg und zur Aussichtswarte. Die Artenvielfalt auf diesen Wiesen war herrlich. Die Schmetterlinge waren emsig unterwegs, und Gregi war ganz außer sich. „Ein Wiesenvögelchen mit zwei Punken auf dem Unterflügel“, schwärmte er. Ich kam zuerst gar nicht richtig mit. Gut, ich hatte im Gras auch einige Vögelchen fotografiert, die auf einem Halm saßen. Doch was um alles in der Welt meinte er mit Punkten? Okay, ein Schmetterling also, der Wiesenvögelchen genannt wird. Nur das die Wiesenvögelchen eigentlich keine Punkte am Unterflügel hätten – seiner aber schon – erfuhr ich von Gregi.

Von der Aussichtswarte hat man einen tollen Blick auf die Riegersburg, unter der Aussichtswarte stehen bequeme Liegen … ein idealer Platz für ein Picknick. Die nächste Wegstrecke verlief wie durch einen finsteren Tunnel – ein kleiner, schattiger Wald. Danach kamen wieder Hecken und Wiesen mit ganz vielen Schmetterlingen und Vögeln. Schwalben schwirrten wie Pfeile durch die Luft, in einer Geschwindigkeit, dass man sie unmöglich ablichten konnte. Sie sind meines Erachtens die größten Flugkünstler.

Bei unserer letzten Wanderung in dieser Gegend stellte ich fest, dass Unterlamm das Osterhasenland sei. Bei dieser Wanderung wurde meine Annahme bestätigt. Als ich ins Tal hinuntersah, erblickte ich auf einem Feld vier riesige Feldhasen, die miteinander abfangen spielten. Hasen sind schon urige Tiere. Gehen sie nur ein kleines Stückchen, machen sie fast einen Katzenbuckel und strecken die Beinchen hoch auf … bei größerer Geschwindigkeit schnellen die starken Beine nach hinten, während der Körper recht tief am Boden ist (wie ein tiefgelegter Ferrari).

Den Hügel ging es auf einem schmalen Asphaltstreifen hinab, dann kamen wieder herrliche Wiesen. Ein Perlfalter war gutmütig und ließ sich fotografieren. Ein Neuntöterweibchen mit einer Spinne im Schnabel hielt ebenso still. Plötzlich begannen die Glocken zu läuten – es war ein derartiger Lärm, den selbst ein Flughafen kaum übertreffen konnte. Das war der Zeitpunkt, in dem mir die Bewohner von Unterlamm etwas leidtaten.

Als wir wieder ins Dorf kamen, war es bereits Mittag, und wir waren schon etwas hungrig. Zum Glück fanden wir einen ganz tollen, schattigen Gastgarten. Beim Mittagessen konnten wir die Trachtenkapelle, den Pfarrer, die Feuerwehr, den Kameradschaftsbund sowie die Pfarrbevölkerung beobachten, die am Fronleichnamsumzug teilnahmen.

Frisch gestärkt traten wir nun den ERLebnispfad Magland an. Zuerst mussten wir der Straße ein kurzes Stück aus dem Ort hinaus folgen, und dann kam das erste Highlight: ein Fünfsterne-Insektenhotel. Danach kamen wir zur Naturteichanlage. Auf einem Schild las ich mit Verwunderung, dass Erdkröten bis zu zwölf Jahre werden könnten. Gregi fotografierte indessen einen hübschen Wasserfrosch. Eine kecke Mücke hatte es sich hinter den Nasenlöchern des Frosches bequem gemacht. Zwischen den Seerosen entdeckten wir eine Sumpfschildkröte. Rund um die Teiche war ein keltischer Baumkalender angelegt, riesige Spiegelkarpfen drängten sich im Uferbereich in der Hoffnung, gutes Fischfutter zu bekommen.

Die einzige Stelle des Wanderweges, an der die Beschilderung nicht eindeutig war, war am oberen Ende der Teichanlagen. Bitte links die Straße bergauf gehen. Im Wald wurden wir von einem Eichelhäher beobachtet. Mit seinen hellblauen, klugen Augen beäugte er uns kritisch, kam schließlich zum Schluss, dass wir harmlose Zeitgenossen seien, und ließ sich letztendlich sogar fotografieren. Im weiteren Verlauf der Wanderung sahen wir auch einen Gartenrotschwanz und einen „Schwammerlsucher“, dessen Ausbeute nicht allzu üppig war.

Im Ortsteil Magland gab es dann richtig viele Vögelchen. Neben den Schwalben und Spatzen sahen wir einen Truthahn, der unter dem Eskimo-Sonnenschirm einen Balztanz aufführte. Besonders hübsche, wuschelige große Hühner scharrten unter Obstbäumen, sogar eine Gänseweide gab es in Magland.

Beim Zurückgehen marschierten wir wieder durch wunderbare Wiesen. Jetzt muss ich mal ein großes Lob aussprechen: der Wanderweg ist sehr gepflegt, und durch die Wiesen sind schmale Streifen für Wanderer ausgemäht. Eine Tafel wies uns darauf hin, dass der Naturschutzbund in dieser Gegend bei einer Biokartierung eine Orchideenwiese gefunden hatte, wo 24 geschützte Blumenarten wuchsen. Den Standort dieser Wiese würde man (was ich nachvollziehen kann) nicht verraten. Das letzte Wegstück zurück zum Ort führte uns entlang des Baches.

Wir können diese Wanderungen mit besten Gewissen weiterempfehlen. Selten haben wir so eine große Artenvielfalt gesehen. Die herrlichen, belebten Wiesen, die vielen Kirschbäume, die Naturteichanlage … wir hoffen, dass dieses wunderbare Stückchen Natur noch lange erhalten bleibt.

Gleinstättner Runde – Variante 18a

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

12 km

129 HM

3:09 h

       

Start: Schloss Gleinstätten

Mitte April war es sehr heiß (Deutschlandsberg hatte an diesem Tag den Hitzerekord von Österreich mit 31,6 Grad) und wir hatten beschlossen, Gleinstätten einen Besuch abzustatten.

Von Gleinstätten aus gibt es mehrere tolle Wanderrouten. Eine führt zu den Fürstengräbern (diesen archäologischen Wanderweg wollen wir ein andermal gehen). An diesem Aprilsonntag nahmen wir uns die Gleinstättner Runde, Variante 18a, vor. Laut Bergfex und gelben Wegweisern führt die Route vom Schloss zum Literwirt, weiter zum Georgenberg, dann nach Prarath zum Landgasthaus Rath, zurück nach Gleinstätten (so ähnlich waren wir diese Runde auch schon mal im Oktober 2022 gegangen). Diesmal waren wir leider etwas kreativer unterwegs – im Nachhinein kann ich beurteilen, dass wir doch den Wegweisern folgen hätten sollen.

Wer nach Gleinstätten kommt, sollte unbedingt den Park mit seinem wunderbaren alten Baumbestand und den LandArt-Konstellationen besichtigen. Der Spiegel, der wie ein riesengroßer Gullydeckel halb geöffnet ist, hatte es mir angetan … und noch mehr die schrägen Tonvögel, die in einem Riesenbaum „abhingen“.

Das größte Kunstwerk in Gleinstätten befindet sich hinter dem Renaissanceschloss. Ein Wegerl mit rotem Schotter führt am Schloss vorbei zu diesem Traum von einem Aupark. Das Betätigungsfeld von wahrlich kompetenten GärtnerInnen. Die Böschung zwischen dem Schloss und dem ehemaligen Wehrbach (ein kurzer Seitenarm der Sulm) ist sehr steil und richtig kreativ bepflanzt. Stundenlang könnte man hier verweilen und schauen. Der Aupark ist wirklich pittoresk. Das fand auch eine junge Familie, die, hübsch in Trachten gekleidet, mit einem friedlichen Täufling in diesem versteckten Aupark ein Fotoshooting hatte.

Gleinstätten hieß früher einmal Micheldorf. Die Besitzer von Micheldorf waren die Freiherren von Gleinz. Sie durften „ihr Dorf“ ab 1523 Gleinzstätten nennen. So feudal geht es jetzt in dem hübschen Schloss mit seinen vier Zwiebeltürmen nicht mehr zu. Das Gemeindeamt sowie der Kindergarten sind darin untergebracht – hie und da kann man in diesem herrlichen Ambiente auch Konzerte hören.

Doch nun zu unserer Wanderung. Wir hatten ein neues Wanderbuch und darin fanden wir eine Flusswanderung an der Sulm, dieser Empfehlung wollten wir folgen. Wir ignorierten die gelben Wanderschilder und kamen am Naturbadesee mit seinem einladenden Seepavillon vorbei, auch an der Berufsschule, weiter ging es durch die Orte Haslach und Prarath. Am Ortsende von Prarath querten wir einen Bach und kamen schließlich über Gertis Mostschenke an die Sulm. Es war ein sehr heißer Tag, bis jetzt waren wir auf Asphalt unterwegs gewesen – durch Ortsgebiete und an Feldern vorbei. Vielleicht nicht die beste Entscheidung. 2022 folgten wir den Wegweisern und die Wegführung war entschieden toller.

Die Sulm (an dieser Stelle sind die weiße und die schwarze Sulm bereits vereint) entschädigte uns für die Anstrengungen. War der Fluss für sich schon schön, waren wir noch mehr vom Leben am Fluss begeistert. Eine Gebirgsstelze mit fröhlich funkelnden Augen und rundlichem gelbem Bäuchlein war unterwegs. Klar, dass sie so zufrieden aussah, hatte sie doch ein fettes Insekt im Schnabel. Schmetterlinge flatterten und waren leider viel zu schnell und unruhig, als dass man sie fotografieren hätte können. Wir marschierten flussabwärts auf einem Feldweg zum Teil der Sulm entlang, bis wir den Ort Haslach erreichten.

Im Ort Haslach bogen wir rechts ab, die Asphaltstraße den Berg hinauf. Hier gab es einen Wald, was bei dieser Temperatur schon angenehm war. Bei der Kreuzung folgten wir dann dem Hinweisschild „Buschenschank Pölzl Bernhardtkeller“, was sich als sehr gute Wahl herausstellte. Ein sehr gepflegter Gastbetrieb mit einer guten Jause und absolut rekordverdächtiger Aussichtsterrasse. Den großen Speikkogel mit der Goldhaube gab es da zu sehen, die Josefikirche von Schwanberg sowie die Burg Deutschlandsberg. Unter dem Buschenschank war eine Weide mit schwarzen Schafen, hinter dem Buschenschank gab es Kellerstöckel und blühende Apfelbäume. Wunderbar. Gregi war mehr als zufrieden: Erstens hatte er vorhin einen Schwalbenschwanz fotografiert und eine gute Mehlspeise hatte er auch noch bekommen.

Ein kurzes Stückerl (die Auffahrt vom Buschenschank) mussten wir zurückgehen, dann ging es einen steilen Schotterweg bergauf. Gregi fotografierte noch die Erdbeerblüten, während ich schon die Anhöhe erreicht hatte und voller Begeisterung in der Ferne die Kirche von Kitzeck entdeckte.

Unser nächstes Wanderziel war auch eine Kirche. Eine ganz besondere noch dazu. Die Wallfahrtskirche St. Georgen am Lukowitsch ist uralt – romanisch/gotisch – und man muss den Weg zwischen den blühenden Apfelbäumen schon suchen, um von der Straße zu ihr zu gelangen. Bei dieser Wanderung hatte ich die Kirche das zweite Mal gesehen, und wieder war ich begeistert. Steinerne Stufen führen zum Eingang, der Raum zwischen den zwei breiten Säulen und Kirchentür wirkte einladend. Eine einzigartige Kirche (um 1050 gebaut und somit eine der ältesten der Gegend) an einem mit Bedacht gewählten Ort.

Am Georgisonntag sollte es hier eine Pferdesegnung geben. Der heilige Georg gehört zu den vierzehn Nothelfern. Er wird gerne als Ritter mit Lanze auf einem Pferd dargestellt – ein Drache vervollständigt das Bild. Der Legende nach hatte er eine Jungfrau vor einem Drachen gerettet. Der heilige Georg ist schon tot und kann sich nicht mehr über dieses Lügenmärchen beschweren. Er konnte es sich auch nicht aussuchen, wem er als Schutzpatron dienen sollte. Im Mittelalter war seine Verehrung so groß, dass er zum Schutzpatron der Ritter wurde. Später machte er richtig Karriere als Schutzpatron von ganz England.

Gregi musste was Außergewöhnliches entdeckt haben … er lag in der Wiese mit einsatzbereitem Fotoapparat. Welches Insekt er denn fotografieren wolle, erkundigte ich mich. „Kein Insekt – die Kirche“, kam zur Antwort. Die Kirche ist groß und er hätte sie auch ganz kommod im Stehen fotografieren können. Wieso musste er also schon wieder eine Hose mit Grasflecken verunstalten?

Über ein steiles Treppchen kamen wir wieder auf die Gemeindestraße. Dieser folgten wir ganz kurz, dann war die Abzweigung zum „Kremser Keller“. Bierbänke standen unter Obstbäumen, wir gingen an diesem gut besuchten Buschenschank vorbei und zweigten noch im Parkplatzbereich in den Wald ab. Das Wegerl führte bergab, schließlich erreichten wir wieder die Gemeindestraße. Bei der Kreuzung (hölzernes Marterl) folgten wir nicht dem Wanderwegweiser 18, sondern wir bogen rechts in den Wald ab. Der Weg, der uns wieder ins Tal führte, zeigte den Wald von seiner schönsten Seite.

Wieder kamen wir nach Haslach. In mittelalterlichen italienischen Städten drängen sich „Geschlechtertürme“ auf engsten Raum und sorgen noch Jahrhunderte später dafür, dass sich Touristen an ihrem Anblick freuen. Die Silotürme in Haslach sind leider weniger hübsch. Die Kreuzung passierten wir schon mal, nur dass wir diesmal links abbogen, an einem Mostschank vorbei in Richtung Sulm. Die Brücke mussten wir queren, direkt neben dem Fluss gibt es einen bequemen Feldweg. An der Wehr badeten Jugendliche, Mutige sprangen in das aufgestaute Wasser. Kurz ging es noch die Sulm entlang, dann entlang eines Feldrains, schließlich zu einem Seitenarm der Sulm, über eine Brücke und wieder in den Ort Gleinstätten.

Wir waren weit gegangen an diesem heißen Tag, also hatten wir uns noch eine Belohnung verdient. Die Konditorei Kundlatsch mit ihrem wunderbaren Eisangebot kam uns da gerade recht.

„Brodlsulzweg“ – Sankt Anna/Aigen

Distanz

7,8 km

Höhenmeter

180 HM

Dauer

3 h

 

Start:

Sankt Anna 

 

Ortsteil Plesch

Sankt Anna ist ein magisch schöner Ort. Etliche lohnenswerte Wanderungen kann man von Sankt Anna aus starten. An einem prächtigen Maisonntag machten wir uns wieder auf den Weg in den Süden, um die hübsche Weinbaugemeinde zu besuchen.

Den Weinweg der Sinne kannten wir schon. Er ist wunderschön und hatte berechtigterweise bei der Sendung „9 Plätze – 9 Schätze“ im Jahr 2016 einen Stockerlplatz erhalten. Doch wir wollten etwas Neues entdecken. Die Brodlsulz – entschied ich. Diese hatten wir zwar auch schon mal vor über einem Jahrzehnt gesehen (als Geocache-Punkt) – doch der Brodlsulzweg war für uns Neuland. Also fuhren wir in Richtung Sankt Anna – um genau zu sein, zum Ort Plesch. Wir sahen eine große Wiese, die gemäht war, dort standen viele Parkplatzzeichen. „So ein riesiger Wandererparkplatz“, freute ich mich. „Bisschen euphorisch sind die schon, bis jetzt sind wir die einzigen Wanderer“, meinte ich, als unser Auto so allein auf der Wiese stand.

Wir gingen den Weg bergab, dann folgten wir dem Wegweiser „Buschenschank Scharl“. Wir erreichten eine Holunderplantage und einen wunderbaren Aussichtspunkt auf Sankt Anna und auf die Kapelle von Schemming. Ein Falke schwebte hoch über unseren Köpfen, wir folgten dem Weg weiter und erreichten einen recht naturbelassenen Weingarten. Gras wuchs hoch zwischen den Reben, Schmetterlinge waren unterwegs, nur dass sich diese luftigen Gesellen nicht fotografieren lassen wollten. Sie spielten: Alles flattert – niemand sitzt. Wir gaben den Versuch auf, einigermaßen brauchbare Fotos zu bekommen, und stiegen den Hang bergauf, ein hübsches Bankerl (wieder mit herrlicher Aussicht), dann führte uns der Weg direkt entlang der Weinreben zu einer weiteren Holunderplantage.

Der Hollerbusch ist durch und durch positiv. Er steht für Schutz und Segen – vielleicht wurde er auch als heilig angesehen („holy“ heißt ja heilig). Ein Hollerbusch beschützt das Tor zur Anderswelt, er wird von guten Geistern bewohnt. Jeder Hof sollte seinen eigenen Hollerbusch haben – eine Forderung, die Sinn macht, wenn man um die Heilkraft des Holunders weiß. Entzündungshemmend, schmerzlindernd und fiebersenkend ist seine Wirkung, er hat einen positiven Einfluss auf Herz und Kreislauf, verbessert den Sauerstofftransport im Blut und hilft dabei, Stress abzubauen. Sogar im Harry-Potter-Universum wird der Holunder besonders geehrt. Der „Elder-Zauberstab“ (Elder = Holunder) ist der mächtigste Zauberstab – und er gehörte natürlich Albus Dumbledore.

Doch zurück vom Reich der Fantasie zu unserer reellen Naturwanderung, die nicht minder erlebnisreich war. Im Wald wurde Gregi ganz hellhörig. „Hörst du die jungen Spechte betteln?“, erkundigte er sich und beäugte die Bäume in der Umgebung. Tatsächlich, ein dürrer Baumstamm mit mehreren Spechtlöchern, und jetzt hörte ich ihn auch, den Spechtkinderchor. Da ich annahm, dass die Spechtmutter sicherlich nicht zur Bruthöhle fliegen würde, solange wir hier beobachtend stünden, zog ich den maulenden Gregi weiter.

Im Mai durch einen Laubwald zu gehen ist ein reines Vergnügen für Nase, Auge und Ohren. Die Blüten der wild wuchernden Holunderbüsche riechen nach wie vor am besten, die Vögel sind quietschfidel, alles ist in diesem herrlich hellen Grün. Wir erreichten den Waldrand und ich schlug vor, uns auf ein Bankerl zu setzen und zu jausnen. Gregi war natürlich sofort einverstanden, was nicht nur daran lag, dass er immer damit einverstanden ist, wenn es was zu Essen gibt – nein, diesmal hatte er noch einen zweiten Grund (den er mir vorerst wohlweislich verheimlichte). Was ich – im Gegensatz zu ihm – nicht mitbekommen hatte, war, dass hoch über unseren Köpfen Familie Kleiber nistete. Hätte ich das gewusst, wäre ich bestimmt nicht so dreist gewesen, mich direkt darunter auf ein Bankerl zu setzen. Erst als Gregi sein Jausenbrot freiwillig weglegte und nach dem großen Teleobjektiv griff, checkte ich, was sich hier abspielte.

Zur Brodlsulz führt eine Treppe hinab, im Bach blubbert es ein bisschen, daneben, in einem gemauerten Becken, brodelt es so richtig. Die einzige echte Mofette in Österreich. Die Brodlsulz erzählt von der vergangenen vulkanischen Aktivität in dieser Gegend. Gas steigt durch Gesteinsklüfte und Risse an die Oberfläche und bringt das Wasser zum Wallen. In diesen natürlichen Whirlpool zu steigen wäre allerdings sehr leichtsinnig. Der CO2-Gasgehalt ist hier sehr hoch – und forderte/fordert immer wieder Todesopfer. Als wir vor dem sprudelnden Becken standen, entdeckten wir einen toten Laubfrosch. 1904 war hier ein Gendarm ums Leben gekommen. Irgendwie war ich froh, als ich die Treppen bergauf stieg und den Wald mit diesem unheimlichen Ort verlassen konnte.

Kurz ging es eine Asphaltstraße bergan (Achtung, die Wegweiser, die beim Waldrand stehen und nach rechts hinunterzeigen, betreffen eine andere Wanderung). Wir mussten eine kleine Strecke durch den Wald, dann links abbiegen, dann nochmals links – und wir hatten den höchsten Punkt unserer Wanderung erreicht. Ein Hochwasserbehälter mit einem traumhaften Ausblick auf den Königsberg. Weit dahinter (ich nehme an, in Slowenien) eine blaue Silhouette eines Tafelberges. Es ging bergab durch Klapping … an Häusern, Labestationen, Weinhöfen und Buschenschenken vorbei. „Die Landschaft trägt hier Streifen“, meinte ich, als ich die Reihen von Wein, Holunder und sogar von Johannisbeeren auf dem Gegenhang entdeckte. Klapping ist weitaus älter als Sankt Anna. Es wurde bereits 1318 als Chlaeppen erwähnt. Auch Risola wurde 1322 als „Rizzilach“ erwähnt. Sankt Anna selbst ist seit circa 400 Jahren besiedelt.

In der Nähe von Klapping-Mühle sollte es eine starke Quelle gegeben haben, mit warmem heilkräftigem Wasser, welches auch im Winter nicht einfror. Die „Warme Wäsche“ wurde sie genannt. Eine Sage handelt auch von einer Stadt, die einst im Pleschbachtal gestanden haben und im Boden versunken sein sollte. Im Pleschbachtal gibt es nicht viele ebene Stellen – ich sehe eigentlich nur eine relativ kleine. Ob dies die Stelle der versunkenen Stadt sein sollte? Heute ist sie jedenfalls ein Fußballfeld.

Bei der Labestation Anne Grießbacher machten wir eine Pause und plauderten recht angeregt mit der Seniorbäuerin. „Heute wird im Plesch ein Kellerstöckl eröffnet – es gibt dort ein großes Fest“, erklärte sie, als gerade sehr viele Vespas an uns vorbeibrausten.

„Ich glaube, wir parken doch auf keinem Wandererparkplatz“, erklärte ich Gregi, als wir weiter den Hügel nach oben gingen. „Ein Fest zur Eröffnung eines Kellerstöckls – na, mir ist die Wiese ohnehin zu groß für einen Wandererparkplatz vorgekommen.“ Wir kamen wieder zum Waldrand, wo wir den Parasol entdeckt hatten, und kehrten nun den bereits bekannten Weg zurück. Wir hatten einen tollen Blick auf das Geschehen auf dem gegenüberliegenden Hügel – ein Kellerstöckl, viele Sonnenschirme, noch mehr Gäste, und fast alle Fahrzeuge parkten entlang der Zufahrtsstraße.

„Vielleicht ist das hier doch der Wandererparkplatz“, bemerkte ich, als ich sah, dass außer unserem Auto nur noch zwei weitere auf der großen Wiese standen. „Egal“, meinte Gregi und startete unseren fahrbaren Untersatz. „Jetzt haben wir uns das Eis verdient! Ab nach Sankt Anna, zur Eisdiele.“

„Clusius-Wanderweg“ – Güssing

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

14,8 km

59 HM

4 h

Start:

Güssing Schulstraße  

Die Bezirkshauptstadt Güssing ist schon eine ganz besondere Stadt. Ein Vulkankegel mit einer hochinteressanten Burg (diese werden wir ein andermal besuchen), riesige Teiche (RAMSAR-Schutzgebiet mit vielen Wasservögeln), Feuchtwiesen (die eine enorme Artenvielfalt bieten), ein Auswanderermuseum (insgesamt sind circa 62.000 BurgenländerInnen nach Amerika ausgewandert), das Schloss Daskovich, Burgfestspiele und ein hübsches Ortszentrum.

Eigentlich würde man die Wanderung in der Schulstraße beginnen. Gregi wollte aber unbedingt zuerst noch Wasservögel beim Teich beobachten, also wurde die ohnehin schon recht lange Wanderung noch ein klein bisschen verlängert. Wir standen auf dem Teichdamm, der von den Schwänen offensichtlich als Schlafplatz genutzt wird, und ich wunderte mich, wie riesig die Hinterlassenschaften dieser edlen Vögel sind. Vorsichtig tapsten wir zwischen den „Tretminen“ vorwärts, dann beschlossen wir, mit der richtigen Wanderung zu starten. Von der Badstraße ging es zur Hauptstraße, wo sich die Basilika und Klosterkirche Güssing befindet. Davor steht die Statue des 2003 seliggesprochenen Augenarztes Ladislaus Batthyány-Strattmann. Dieser hatte weder in Güssing gelebt noch hier als Armenarzt gewirkt, er war Nordburgenländer (Schloss Kittsee) gewesen. Aber seine sterblichen Überreste befinden sich in Güssing. Die Familiengruft der Batthyánys ist die zweitgrößte Familiengrablege in Österreich – die größte ist die Kapuzinergruft.

Also, ab zur Schulgasse – dem offiziellen Start der Wanderung. An den geparkten Bussen sowie an den Schulgebäuden vorbei marschierten wir zur Bundesstraße. Dort bogen wir links ab und dann gingen wir und gingen und gingen … Asphalt, Einkaufszentren … reizvoll ist was anderes. Meine Laune sank rasant. Wir hatschten an der Montecuccolikaserne vorbei. Raimondo Montecuccoli war einer der bedeutendsten Feldherren in Österreich gewesen. Die Schlacht bei Mogersdorf war durch ihn gewonnen worden – obwohl das Türkenheer doppelt so stark gewesen war.

Irgendwo nach der Kaserne müsste man laut Wegbeschreibung rechts abbiegen – Tankstellen, weitere Geschäfte. Ich wurde nervös und schielte auf die rechte Straßenseite, die keinen Gehsteig mehr hat. „Sollten wir nicht da drüben rein … schau, da sind schon Büsche“, schlug ich Gregi vor. „Du willst wirklich auf den Truppenübungsplatz?“, erkundigte sich Gregi erstaunt. Besser doch nicht. Gelbe Schilder, die vor Lebensgefahr warnten, hielten mich wirkungsvoll davon ab. Was sagte die Tracking-App? Wir müssten noch weiter. Endlich ein Wegweiser nach Ludwigshof. Wir gingen an einem Chinarestaurant vorbei, längs neben den Truppenübungsplatz entlang und schließlich kamen wir nach Ludwigshof und standen vor einer Kreuzung. Wohin jetzt? Im Nachhinein kann ich es sagen – in Richtung Wegweiser „Kinderärztin“. Links neben uns gab es eine Pferdekoppel, der Weg führte uns bergauf und wir erhaschten einen tollen Blick auf die Burg Güssing sowie auf einen Falken, der die Stromleitung als Sitz- und Aussichtsplatz nutzte.

Durch den ganzen Ort schlängelt sich die Asphaltstraße, dann mussten wir eine Landstraße überqueren und wir kamen an einen Waldrand. Wieder die Schilder „Vorsicht Lebensgefahr – Truppenübungsplatz“. Schöne Eichen säumten den Weg, es ging bergab und wir querten eine Brücke. Durch den Wald führte der Weg bequem bergauf, wir kamen an eine Kreuzung (rechts steht ein aufgelassenes Forsthaus). Wie weiter? Burgenland hat wirklich noch nicht allzu viel Erfahrung mit Wanderern und Wegbeschilderungen … oder wir sind einfach nur zu blöd. Wir entschlossen uns, gerade weiter zu gehen – eigentlich waren es die Schmetterlinge, denen wir folgten und die uns die Entscheidung damit abnahmen. Bei der nächsten Wegkreuzung sah ich dann wieder auf die Tracking-App und bemerkte, dass wir total falsch waren. Also zurück zum Forsthaus, wo wir ursprünglich rechts abbiegen hätten sollen. Jetzt begann die Wanderung herrlich zu werden – im Straßengraben gab es Wasser, und sobald wir daherkamen, hörten wir vor uns: platsch, platsch, platsch. Hier gab es noch viele Fröschlein, die eifrig ins Wasser sprangen, um sich vor uns in Sicherheit zu bringen. Schmetterlinge tanzten vor uns. „Zitronenfalter, Aurorafalter, gelbgeaderter Kohlweißling“, benannte Gregor sie nach der Reihe und war nur mehr schwer zum Weitergehen zu bewegen. Eine Libelle konnte er beim Schlüpfen beobachten – einer Vierfleck-Libelle. Ein kleiner Teich lag vor uns, Schilf, Wasserpflanzen und wieder: platsch, platsch, platsch … eine Fröschegroßfamilie.

Hier beginnt der Clusius-Erlebnispfad, der um die Urbersdorfer Stauseen sowie zu einem Wildtierpark führt. Die Urbersdorfer Seen sind sehr beliebt … auf der linken Seite, bei der wir dem Wanderweg folgten, waren die Fischer mit ihren Zelten, auf der rechten Seite (die weitaus idyllischer ist) fischte auch jemand – ein Graureiher. Er stand auf einem Baumstumpf und versuchte, dabei so harmlos wie möglich auszusehen. Ich schätzte, dass er wohl auch ebenso erfolgreich wie seine technisch bestens ausgerüsteten menschlichen Kollegen war.

Bei dieser Wanderung kamen wir leider nicht auf die andere Seeseite. Dort kann man die alten mächtigen „Urbersdorfer Eichen“ bewundern. Diese hatten wir bei einer Winterwanderung gesehen und wir waren von ihnen begeistert. Mein Tipp wäre (besonders wenn man nicht beinahe 15 km wandern möchte), direkt zu den Urbersdorfer Stauseen zu fahren, den Clusius-Lehrpfad zu erkunden und dann über den Urbersdorfer Kirchplatz zur Bundesstraße, diese zu überqueren und weiter über einen Feldweg zum Fluss Strem zu wandern (da gibt es ganz besonders tolle Wiesen mit einer riesigen Artenvielfalt).

Den Lehrpfad schafften wir nicht mehr, doch unsere Wanderung führte uns wie soeben beschrieben zu den großen Feuchtwiesen. Die Lichtnelken zauberten rosa Flächen ins Grün, Schwertlilien hübschten alles noch zusätzlich auf. Clusius hätte mit dieser Wiese eine Freude gehabt. Wer ist überhaupt dieser Clusius, nach dem diese Wanderung benannt wurde? Charles de L’Ecluse hatte von 1526 bis 1609 gelebt und aus Flandern gestammt. Carolus Clusius wurde er in Österreich genannt und er war Hofbotaniker am Hof Maximilians II. Als Maximilian starb und sein Sohn die Herrschaft übernahm, verlor Clusius seinen Job, weil er Protestant war. Was für ein Glück für Balthasar III. Batthyány, der sich für Botanik interessierte. Er holte Clusius nach Güssing und dieser erforschte die pannonischen Pflanzen. Sein Werk „Stirpium Nomenclator Pannonicus“ wurde 1583 in Güssing gedruckt (der Buchdruckmeister war Johannes Manlius. Er war ebenfalls ein Protestant). Dieses Buch war ein Standardwerk über Jahrhunderte.

Balthasar III. Batthyány interessierte sich nicht nur für Pflanzen, er sammelte auch seltene Exemplare. Und er hatte eine ganz besondere Quelle gefunden, um an ganz erlesene Blümchen zu kommen. Batthyány nützte die vornehmen türkischen Kriegsgefangenen als Zahlungsmittel – Kriegsgefangene gegen seltene Pflanzen aus den Gärten des Sultans von Konstantinopel. So waren zum Beispiel wertvolle Tulpen ins Burgenland gekommen (diese waren im 16. Jahrhundert teilweise wertvoller als Gold gewesen).

Als wir den Fluss Strem erreichten, gab es für uns wieder ein Highlight. Ein richtig stattlich-hübscher Storch war gnädig und gestattete uns ein Fotoshooting. Danach ging es am Ufer entlang zurück nach Güssing. Der Tag war heiß, wir hatten schon eine sehr weite Strecke hinter uns (vor allem weil wir zusätzliche Kilometer gemacht hatten, die so bei der Wanderung nicht vorgesehen waren). Die letzte Wegstrecke war ein reines Martyrium. Schade eigentlich, denn wir waren schon mal auf diesem Weg neben der Strem unterwegs gewesen und dazumal hatte es uns hier sehr gut gefallen. Damals hatten wir hier mehrere Braunkehlchen gesehen.

Wie froh war ich, als ich im Café Mokka ein großes eiskaltes Mineralwasser sowie einen guten Hauskaffee bekam. „Erste Hilfe für müde Wanderer“ nenne ich diese Kombination, welche mich auch nach der anstrengendsten Tour wieder fit macht.

 

„Kleine Raabklamm“ – Oberdorf bei Mitterdorf an der Raab

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

7 km

160 HM

2:30 h 

Start:

Oberdorf

Wanderparkplatz  

Route: Oberdorf- Kleine Raabklamm – Stoffmühle – Hohenkogel – Oberdorf

Am Ostersonntag, nach einer richtig netten Familienfeier, wollten Gregi und ich noch wandern gehen. Weit wollten wir nicht mehr fahren, immerhin war es nicht mehr ganz früh. Also erkor Gregi die Kleine Raabklamm als unser Ziel aus. „Ich will was Neues entdecken“, beschwerte ich mich. „Die Kleine Raabklamm kenn ich in- und auswendig.“ Als gebürtige Ruprechterin war ich als Teenager sehr oft mit dem Rad dort gewesen. Bis zum Franz-Ludwig-Steig war man dazumal mit dem Drahtesel gekommen. Aber auch ins Bärental sind wir geradelt. Und sogar den tollen steilen Weg rechts hinter der Könighanslwiese neben dem munteren Bach mit seinen Kaskaden hinauf nach Hafning hatte ich als Schülerin mein Radl schon raufgeschoben.

„Wasseramseln sind in der Klamm … und Bachstelzen auch“, argumentierte Gregi und ich war überredet. Das Auto parkten wir auf dem Wanderparkplatz in Oberdorf. Wir marschierten an hübschen alten Bauernhäusern vorbei in die Klamm. Sobald man zum Fluss vorkonnte, war Gregi auch schon dort. Ich fotografierte das hübsche grüngelbe Milzkraut, das hier üppig wucherte, Gregi hatte eine Wasseramsel entdeckt. Wasseramseln sind mir sympathisch, sind sie mir doch sehr ähnlich. Sie werden so beschrieben: „Sehr kompakt – oft dick wirkend. Sie lieben saubere, schnell fließende Bäche und Flüsse.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Das Wasser der Raab ist im Bereich der Kleinen Raabklamm wirklich noch klar und sauber. Die braune Färbung des Wassers kommt erst später. Laut dem tollen Buch „Die Raab“ von Andreas Stiermeier fließt der Fluss ab Gleisdorf bis zu ihrer Mündung in Györ durch Braunerdeböden. Ihr Name sollte vom keltischen Wort „Arrabo“ stammen, was die „Braune“ bedeutet. Diesem Buch habe ich auch entnommen, dass die Raab 427 km lang ist – 4 wunderbare Kilometer davon würden wir bei der Wanderung erleben.

Wir waren nur einige Meter weitergekommen und konnten schon Stockenten beobachten … und auch Wanderer (mit und ohne Kinder oder Hunde), Radfahrer und auch verliebte junge Paare. Ein breiter Weg führt den Fluss entlang, da kann man toll Händchen haltend nebeneinandergehen. Zumindest wenn man keine Kamera dabeihat. Denn in diesem Flussabschnitt gibt es so viele tolle Fotomotive: Leberblümchen, Pestwurz, Frühlingsplatterbse, Lerchensporn, Buschwindröschen, Sumpfdotterblume etc. Und dann immer wieder die tollen Vögel im Fluss. Die schon beschriebene Wasseramsel, die schwarz-weiße Bachstelze und die Gebirgsbachstelze mit dem gelben Bäuchlein.

Die Kleine Raabklamm zählt nicht umsonst zu den längsten naturnah erhaltenen Flussstrecken in Österreich. Mal ist das Wasser seicht … Steine, Schotter- und Sandbänke sind zu sehen … dann gibt es wieder tiefe Tumpfe. Und auch das Tal selbst ändert sich ständig. Steile Schluchtwälder wechseln sich mit Auwäldern und Wiesen ab. Auf der Könighanslwiese sollte es in früheren Zeiten sogar einmal einen Imbissstand gegeben haben. Jetzt ist auf diesem wunderbaren Ort zum Glück wieder Ruhe eingekehrt.

Musste man früher über den Franz-Ludwig-Steig kraxeln, um weiter in Richtung Kleinsemmering zu gelangen, kann man jetzt bequem und eben neben der Raab diesem Steig ausweichen. Langsam näherten wir uns dem Parkplatz Stoffmühle, als wir voller Freude auf den Felsen über der Raab die Ruine der Burg Raabeck entdeckten. Viel ist nicht mehr übrig von diesem alten Wehrbau. Doch wenn man bedenkt, dass diese Burg schon Ende des Mittelalters aufgegeben worden war – na, dann wundert man sich doch, dass da überhaupt noch Mauern stehen.

Auf der anderen Flussseite ging unsere Wanderung weiter, ein kurzes Stück die Asphaltstraße entlang, dann durften wir wieder links in den Wald einbiegen. Der Weg führte bergauf. Statt die gelben Blüten der Sumpfdotterblumen sahen wir jetzt die lilafarbigen der Erika. Fünf Rehe liefen vor mir über den Waldweg und den steilen Hang hinab. Dann sah ich den Grund der Flucht. Eine Wanderin, die mit ihrem Hund unterwegs war. Zum Glück hatte sie ihren vierbeinigen Freund an der Leine, so hatten die Rehe nichts zu befürchten. Drehte man sich um, konnte man den Schöckl und das Almenland sehen.

Schnaufend kamen wir in Hohenkogl heraus. Zuvor entdeckte ich noch einen Eichelhäher sowie eine Drossel. Alte Obstbäume standen in vollster Blüte, der Saharasand färbte den Himmel. Vor einem Kellerstöckel stand ein Heuwender, Hühner waren hier im wahrsten Sinne des Wortes Freilandhendln. Begeistert gingen wir weiter, die Aussicht war einfach genial. Wie auf einem Balkon sahen wir auf das Raabtal, das sich vor uns weitete. Vorne rechts war Mitterdorf, Schloss Stadl war zu sehen, Ruprecht – weit unten Gleisdorf. Sogar die Gleichenberger Kögel konnte ich entdecken.

„Zwei Knaben gingen auf den Ötscher und wurden matt und immer mätscher, dann sagt der Mätschere zum Matschen, jetzt können wir wieder obihatschen!“, war ein Spruch, den wir in der Kindheit liebten. Uns ging es ähnlich. Kaum hatten wir den anstrengenden Aufstieg hinter uns, ging es den Berg wieder steil hinunter. Wieder durch einen Wald, diesmal gab es mehr Laubbäume.

In Oberdorf leben meines Erachtens sehr gastfreundliche und aufgeschlossene Leute. „Getränke könnte man aus dem Keller holen“, stand bei einem Haus. Davor stand ein richtig hübsches blaues Marterl und nun kam ein Ehepaar daher, das offensichtlich eine Kerze bei diesem Bildstock anzünden wollte. Wir plauderten eine Zeit lang recht nett mit den beiden, die uns vom Brutplatz der Wasseramsel erzählten.

Jetzt war es nicht mehr weit zum Auto. Auch nicht weit weg vom Parkplatz war das Restaurant „Mittelpunkt“. Wir kennen es noch nicht. Ostersonntag war es leider geschlossen. Was uns am besagten Tag auch ziemlich egal war, da wir zuvor ohnehin eine üppige Osterjause hatten. Also das nächste Mal, wenn wir wieder die Wasseramseln besuchen, dann könnten wir vielleicht auch dieses Gasthaus erforschen.

  

„K13 murauen.weg“ – Halbenrain

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

13 km

div. Abkürzungs-möglichkeiten

8 HM

4 h

Start:

Halbenrain

Bahnhof  

Anfang März zieht es uns immer in den Süden. Diesmal fuhren wir nach Halbenrain, um den Wanderweg K13 murauen.weg zu entdecken. Sonntags war der Parkplatz vor dem Gemeindeamt leer, also starteten wir unsere Wanderung hier, marschierten beim Gasthof-Restaurant Wagner vorbei und bogen gleich hinter den Schienen in den Feldweg ein. Die ersten Schmetterlinge waren zu sehen – Zitronenfalter und Kleiner Fuchs. Brettleben ist die Gegend, schnurgerade verläuft die Eisenbahnschiene durch die Felder. Sieht man nach rechts, kann man in einiger Entfernung die Weinhügel von Klöch oder Tieschen entdecken. Riesige Basaltfelsen mit kleinen Tafeln dienen als Wegweiser. Nach einer kurzen Wegstrecke kamen wir zu einem hübschen und farbenfrohen Bildstock. Nun mussten wir die Bundesstraße überqueren und … oh, es ist doch nicht ganz so eben, wie ich es mir vorhin noch gedacht hatte. Wieder einmal eine Geländekante – so wie wir sie schon in anderen Orten in der Nähe der Mur entdeckt hatten.

Der Bildstock vorhin war schon recht farbenfroh und freundlich, aber trotzdem nichts im Vergleich zur Fantasiewand des Sepp-Hofer-Platzes. Es war ein richtiges Vergnügen, diese besonders fröhlichen Graffiti anzusehen. Ebenso anregend war es, den munteren steinigen Bach zu betrachten, der an dieser Stelle eine 90-Grad-Wendung macht, kurzfristig mal als Kneippanlage dient, bevor er eine mit Osterhasen bevölkerte kleine Insel umspült. Hier gibt es Insektenhotels, geschnitzte Kunstwerke, einen Rennboliden aus Holz und das Mobil von Fred Feuerstein. Und darin saß Gregi bereits und krakeelte: „Wilma!“ Ich tat so, als ob ich ihn nicht kannte, nahm auf einer Bank Platz und holte meine Trinkflasche heraus. „Fred Feuerstein“ mutierte wieder zu Gregi, schnappte sich auch seinen Rucksack und untersuchte ihn auf die mitgebrachten kulinarischen Schätze.

Die weitere Wegstrecke verlief besonders bezaubernd neben dem Bach. Krokusse blühten auf der Wiese, Frühlingsknotenblumen waren zu sehen und – man sollte es nicht fassen – auch schon Veilchen. Auf dieser Wanderung entdeckten wir besonders viele Blumen: Schneeglöckchen, Winterlinge, Waldgelbstern, grüner Nieswurz, Lungenkraut und hohler Lerchensporn. Es wäre ein tolles Fotoshooting für Blümchen gewesen, hätte uns der starke Wind nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht. Unsere Versuche, ein scharfes Blumenportrait zu knipsen, waren vergebens – und Frühlingsknotenblumen mit „Sportmodus“ abzulichten war uns dann doch zu blöd. Also marschierten wir weiter.

Besonders ungemütlich stark und kalt zeigte sich Blasius auf dem Murdamm und wir waren richtig froh, dass der Feldweg uns rechts nach unten und an einer Baumreihe entlangführte. Vier Rehe beobachteten uns kritisch. „Die beraten sich, ob sie noch weiter vor uns fliehen sollen“, überlegte ich. Offensichtlich kamen sie zum Schluss, dass wir harmlos waren. Bunte Kleidung heißt bei Rehen: „keine Jäger“. Also warteten sie gelassen ab und beobachteten uns weiterhin. In der Ferne sahen wir das stolze Schloss Oberradkersburg.

Unaufhörlich näherten wir uns der Mur und dem zweitgrößten geschlossenen Auwald in Österreich. Traurig sah es in diesem Biosphärenreservat aus, nachdem im Vorjahr der Sturm gewütet hatte. Viele Bäume wurden leider entwurzelt. Doch unter den liegenden Baumstämmen, da tat sich was. Schneeglöckchen wucherten und auch die zarten Blätter des Bärlauchs. Ganz grün war der Waldboden. Ein Tagpfauenauge kreuzte unseren Weg. Idyllisch war das Wegerl zur „Jagdhütte“. Links und rechts standen die Schneeglöckchen Spalier, dann (vielleicht weniger idyllisch, aber äußerst nützlich) ein Plumpsklo. Die „Jagdhütte“ ist eine Selbstbedienungshütte mit einer Kassa des Vertrauens. Radfahrer und andere Wanderer rasteten hier und zeigten uns ganz stolz den „Erdkeller“ des Lokals – zwei Betonröhren mit Deckeln. In einer stand eine Kiste mit Bier, in der anderen eine mit Limonaden.

Hier hätten wir eine Abkürzung zurück nach Halbenrain nehmen können. Taten wir zum Glück aber nicht. Heldenhaft dem Wind trotzend, folgten wir noch einem romantischen Wasserlauf, querten eine Brücke und kamen wieder auf den zugigen Murdamm. Durch den Wind gab es ganz besonders hübsche Wolkenformationen – pittoresk ist auch der Ausblick auf Straden – und besonders begeistert waren wir vom Anblick der beiden Störche, die hinter einem pflügenden Traktor auf Futtersuche gingen. Ihre Bewegungen waren beinahe synchron.

Inzwischen waren auch wir schon recht hungrig, also verließen wir den Damm und marschierten zielstrebig auf Dietzen zu. Ein Lokal würde es hier geben – ein geschlossenes, wie wir feststellten. Inzwischen bummelten wir nicht mehr in der Gegend herum, wild entschlossen hielten wir auf Halbenrain zu, wo es verheißungsvolle Gaststätten geben sollte.

Vor uns lag das Schloss Halbenrain, das im Laufe der Jahrhunderte sehr interessante Bewohner hatte. Erstmalig war Halbenrain 1244 urkundlich erwähnt worden. Zuerst hatte es hier eine Burg gegeben, die von Herzog Friedrich II. an seinen „Finanzminister“ namens Witigo und seinen Bruder Rüdiger übergeben worden war. Der Finanzminister war wohl nicht allzu beliebt, er wurde ermordet. Sein Bruder Rüdiger starb kinderlos und die Burg ging an den Burggrafen von Radkersburg. Dann folgte eine sehr turbulente Zeit, es gab sehr viele Überfälle und Plünderungen, bis eine tatkräftige Dame dieses Treiben beendete. Ursula von Emmersberg war die Besitzerin von Halbenrain und sie beantragte die „Hohe Gerichtsbarkeit“. 1452 wurde diese vom Kaiser bewilligt. Ich will mir nicht vorstellen, auf welche Weise man dazumal für „Ruhe“ sorgte – die „Hohe Gerichtsbarkeit“ erlaubte leider auch die Todesstrafe. Als Dank dafür, dass sie auf diese blutige Art für Recht und Ordnung sorgen konnte, vermachte Ursula von Emmersberg nach ihrem Tod die Burg dem Kaiser. Oder aber auch weil sie ihren Stiefsohn nicht leiden konnte, welcher sich erhofft hatte, an ihren Besitz zu kommen. Daraus wurde nichts. Der Kaiser war ein recht mächtiger Gegner, gegen den man kaum was ausrichten konnte, und das wusste Ursula sehr wohl.

Irgendwann im 17. Jahrhundert war die Burg dann zum Schloss umgebaut worden, ab 1724 war es in den Besitz der Familie Stürgkh gekommen. 1916 wurde der Schlossherr und k. u. k. Ministerpräsident, Karl Maria von Stürgkh, im Speisesaal des Hotels Meissl erschossen. Heute geht es im Schloss Halbenrain wesentlich friedlicher zu. Seit 1980 ist es im Besitz des Landes und dient als Schule (Fachschule für Land- und Ernährungswirtschaft).

Hübsch ist die Gartenansicht des Barockschlosses. Eine doppelläufige Treppe führt vom Park aus auf eine große Terrasse. Alte riesige Bäume wachsen im Park, dazwischen leuchten die weißen Köpfchen der Frühlingsknotenblumen. Architektonisch interessant ist auch der alte Kornspeicher des Schlosses und der Kräutergarten sollte sehenswert sein. Doch Anfang März würden wir darin kaum viel entdecken können, meinten wir. Das Magenknurren war auch nicht mehr zu überhören. Also beschlossen wir, ein Restaurant aufzusuchen – da war doch in der Nähe des Autos das Gasthaus Wagner. Wir waren natürlich zu spät. Also Plan B – Dorfschenke Pölzl. Diese Gaststätte sieht sehr schlicht aus, jedoch standen einige Autos auf dem Parkplatz. Wir betraten einen schummrigen Gang, standen vor der Tür der Gaststube und überlegten uns ernsthaft, ob es wirklich ratsam sei, hier einzukehren. Zum Glück siegte der Hunger und mutig stellten wir uns den kulinarischen Genüssen. Eine hervorragende vegetarische Salatschüssel mit sehr guten Käferbohnen, fein geschnittenem Chinakohl, knackigen Gurken und schmackhaften Tomaten. Darüber Frischkäse und Kernöl … zum Reinlegen. Und die Nachspeise erst! Gregi hat eine extrem gute Nusspotize bekommen und meine Straube war auch sehr, sehr lecker. Ein würdiger Abschluss eines wunderbaren Wandertages.

„Wald- und Naturwanderweg Gerersdorf“ und Freilichtmuseum

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundwanderweg

8,8 km

120 HM

2:30 h

Start:

Freilichtmuseum

   

Der Erste Mai war ein wunderbarer Tag, nicht zu warm oder zu kalt, rundum stand alles in Blüte und ich hatte mir eigentlich ein Wanderziel in der Weststeiermark vorgenommen. Gregi wollte nicht, ihm sei die Richtung Güssing lieber, erklärte er, mit der neuen Autobahn sei man jetzt auch recht schnell da, fügte er noch hinzu.

Also suchte ich Rat in meinem neuen klugen Wanderbuch „Gehmütliches Burgenland“ von Anni und Alois Pötz sowie Johann Dormann und fand ein geeignetes Ausflugsziel: das Freilichtmuseum Gerersdorf. Ich sehe mir immer wieder gerne das wunderbare Freilichtmuseum in Stübing an und da habe ich ein absolutes Lieblingshaus. Nämlich das Burgenländerhaus, das gleich nach dem Eingang rechts auf dem Hügel liegt. Ich mag diese Häuser aus Holz, Stroh und Lehm mit ihren weichen Formen. Sie wirken so freundlich und auch ein bisschen märchenhaft.

Märchenhaft ist die richtige Beschreibung für das Freilichtmuseum Gerersdorf. Da standen wir inmitten der Kellerstöckln, Vorratshäuschen und Presshäuser mit den hübschen Strohdächern, den urigen massiven Holzbalken, den weiß getünchten Wänden, den kleinen Fenstern mit den dunkelroten Pelargonien davor und konnten uns gar nicht sattsehen. Neben den Gebäuden gibt es alte Obstbäume, einen Weingarten, wunderbare Kastanienbäume … und dann gibt es noch den Schankstadl, wo es köstliche handgefertigte Kekse gibt.

Gerersdorf hat einen sehr aktiven Museumsverein und es werden ganz tolle Kreativkurse angeboten: Möbelrestauration, Drechseln, Kunstschmieden, Korbflechten, Klöppeln, Federnschleißen etc. Im Freilichtmuseum tut sich was.

Doch das dieses Museum überhaupt existiert, ist einem Mann zu verdanken, Herrn Professor Kisser. Herr Kisser war Werbegrafiker. (Ein sehr begnadeter noch dazu, würde ich sagen. Jedenfalls bin ich von seinen ausgestellten Bildern sehr begeistert.) Zuerst wollte er ja nur ein Wochenendhaus im Südburgenland, dann begann er, hübsche alte Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu retten … und schließlich, 1976, wurde das Freilichtmuseum eröffnet. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie viele Wochenenden, Urlaubstage und Freizeitstunden mit schwerer Bautätigkeit nötig waren, um dieses kleine Paradies zu schaffen. Zudem musste es auch sehr mühsam gewesen sein. Häuser aufzubauen ist keine leichte Arbeit – sie abzutragen sicherlich auch nicht. Mich schaudert, wenn ich an den jahrhundertealten Schmutz denke, mit dem man bei dieser Plackerei in Berührung kommt. Herr Kisser muss schon ein großer Idealist sein und dazu noch eine sehr tolerante Familie haben. Gut, seine Kinder hat er schon etwas bestochen, dachte ich und betrachtete das liebliche „Kinderhaus“.

Doch jetzt zur Wanderung. Im Schankstadl gibt es Gratiswanderkarten und es ist sehr ratsam, eine mitzunehmen. Ich weiß nicht, ob es irgendwo im Burgenland diese tollen gelben Alpenvereinswanderschilder gibt – vielleicht stoßen wir ja bei einer weiteren Wanderung auf diese. Bei unserer Runde sehen wir kleine grüne quadratische Wanderschilder, spärlich sind sie und zuweilen auch ein bisschen verwirrend. Daher ist die Karte für die Orientierung wirklich notwendig.

Der Weg startet beim Museumseingang, führt steil den Hang hinunter, vorbei an einem alten Wohnhaus mit Lehmverputz (welches bis 1992 noch von zwei unverheirateten Schwestern bewohnt worden war) und hinein in den Wald. Der Weg war schön ausgemäht – blühende Büsche, taunasser Schachtelhalm, Bäume mit Bezeichnungstafeln und dann … eine riesengroße, uralte Kopfweide. Der dicke rissige alte Stamm ist gedreht – in den tiefen Spalten des Stammes könnten höhlenbrütende Vögel nisten, Fledermäuse würden hier ein Schlafquartier finden und Eichhörnchen wüssten sie als Vorratskammern zu nutzen, las ich auf einer Tafel, als ein leichtes Beben im Gras meine Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Die Grasdecke wölbte sich, leises Knacken und Schmatzen war zu vernehmen. Minutenlang beobachtete ich, wie die Grasdecke mal hier und mal da eine Beule bekam, ohne auch nur ansatzweise ein Tierchen zu entdecken. Endlich – ein schwarzes Näschen, nur kurz war es zu sehen. Ein Maulwurf also. Ihm gefiel es hier bei diesem prächtigen Baum offensichtlich auch recht gut.

Wir überquerten eine Asphaltstraße, gingen eine natürliche Hecke entlang, eine Brücke, und dann standen wir inmitten einer großen herrlichen Wiese. Die Gräser hatten es mir diesmal besonders angetan. Die Doldenstände standen in Blüte. Es sah aus, als ob die Gräser weiße und rote Bärte trügen. Gregi war ganz eifrig beim Ablichten von Blümchen. Er hockte im Gras und von ihm sah man nur mehr Kappe, Kopf und Kamera. Brettleben ist es hier, mit Ausnahme einer kleinen Erhebung – diese musste erkundet werden.

Der Taborhügel war künstlich aufgeschüttet worden, ist circa eineinhalb Meter hoch und hat eine Plattform mit einem Durchmesser von etwa 12 Metern. Groß ist das nicht, doch scheinbar ausreichend, darauf einen Wehrturm zu stellen – mit einem gemauerten Fundament und einem Holzgebäude darüber. Um den Taborhügel war noch ein Wassergraben angelegt worden. Diesen sieht man auch heute noch, gelbe Schwertlilien wachsen am Ufer. Von der Holzpalisadenwand, welche den Hügel samt Wassergraben umgab, kann man leider nichts mehr erkennen. Dieser kleine spätmittelalterliche Sitz war noch 1457 urkundlich erwähnt worden.

Mit etwas Glück könne man hier auch noch knollenförmige Eisenschlacke finden, las ich auf einer Tafel. In der Gegend war Eisen verhüttet worden – und zwar schon seit der Römerzeit. Allzu hochwertiges Eisen darf man sich da nicht vorstellen, aber immerhin hatte man schmiedefähiges Roheisen erzeugt. Die Wahrscheinlichkeit, knollenförmige Schlacke zu finden, würde ich eher gering einschätzen – eher würden wir auf rundes Leder stoßen. Der Weg führte links am Fußballplatz vorbei, über eine Brücke, und dann ging es schon zur nächsten Wiese. Diese war noch größer, Schmetterlinge tummelten sich vor unseren Beinen. Ein Kleiner Dukatenfalter, einige Aurorafalter, einige Kleine Perlfalter. Sie fühlten sich in dieser Feuchtwiese pudelwohl. Gut, dass der Burgenländische Naturschutzbund sich um dieses Naturparadies kümmert. Schön, dass hier noch diese wunderbaren riesigen Solitärbäume wachsen dürfen. Am Waldrand überlegten wir, wie die Route weitergehe. Laut Karte geht es geradeaus durch den Wald. Auf der linken Seite des Weges mäandert ein Bach, auf der rechten Seite sind einige Brunnenanlagen zu sehen. Ich spekulierte, dass es sich um Mineralwasserquellen handeln könnte – vor uns lag Sulz und das ehemalige Firmengelände des Güssinger Mineralwassers (welches leider 2019 in die Insolvenz geschlittert war).

Wir überquerten eine Holzbrücke und stapften den Hügel in Richtung Steingraben hinauf. Ein wunderbarer Blick auf die stolze große Burganlage Güssing, die auf einem markanten Vulkankegel steht. Am Fuße des Berges rundum die Bezirkshauptstadt. Was für ein Unterschied zum Taborhügel mit seinem einst hölzernen Wehrturm.

Steingraben liegt entgegen seinem Namen auf der Kuppe eines Hügels. Ein hoher Kirchturm ragt in die Höhe – zwei Straßen vor diesem Kirchturm führte der Wanderweg rechts aus dem Dorf. Wir strebten auf einer Schotterstraße entlang blühender Büsche dem nächsten Wald zu. Die Luft roch süß nach Honig, weiß leuchteten die Blüten der Robinen, die ein eigenes „Viertel“ im Wald bildeten. Den Waldweg ging es entlang, an Pfützen vorbei (Gregi fand eine Gelbbauchunke, die sich anstandslos fotografieren ließ) … und dann hatten wir sie endlich erreicht. Eine grandiose Traubeneiche, ein Naturdenkmal der feinsten Art. Wir rasteten auf dem Bankerl bei der Eiche und ließen die Magie des Platzes auf uns wirken. Ab jetzt mussten wir uns immer rechts halten, bis wir die Häuser vom Riegelberg erreichten. Vom Riegelberg hat man noch eine schöne Aussicht auf Gerersdorf, die Asphaltstraße geht es die Häuser entlang nach unten. Wieder eine Kreuzung – hier links halten (nicht zum Haus Eveline) – bald hatten wir den Ausgangspunkt erreicht.

 

Klammleiten-Klamm – Königswiesen

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

13 km

511 HM

4:30 h

Start:

Königswiesen

   

Der Wetterbericht hatte 6 Grad Celsius prognostiziert und ab Mittag sollten Niederschläge kommen. Gregi und ich wollten wandern gehen. Wettervorhersage hin oder her … es werde wohl nicht so schlimm kommen, dachten wir. Eines kann ich schon mal vorwegnehmen: Der Wetterbericht ist zuverlässig.

Circa acht km ist Königswiesen von Unterweißenbach entfernt. Schnell waren wir mit dem Auto dort, geparkt wurde am öffentlichen Parkplatz beim Friedhof. Gregi hatte schon mal eine Bäckerei entdeckt – die würden wir nach der Wanderung aufsuchen. Und wenn wir schon dabei seien, könnten wir dann auch noch die gotische Kirche mit ihrer bemerkenswerten Gewölbedecke besuchen, erklärte ich.

Zu Königswiesen: Es gibt da eine Sage, dass eine Königstochter ihren Schleier verlor. Dieser wurde dann in „Chunigeswisen“ aufgefunden, die Prinzessin war glücklich und ließ aus Dankbarkeit eine Kapelle erbauen. Viel berühmter ist die Schleierlegende, die von der Gründung von Klosterneuburg erzählt. Da trug der Wind den Hauptschleier von Agnes (der Gemahlin des Markgrafen Leopold) vom Kahlenberg nach Klosterneuburg, woraufhin der Markgraf ein Kloster stiftete. Die edlen Herren hätten ihren Damen besser hübsche Spangen zum Befestigen der Kopfbekleidung geschenkt, die wären weitaus günstiger als Klöster oder Kapellen gewesen.

Verschleiert war die Landschaft, als wir in Königswiesen losmarschierten. Wolken, Nebelschwaden, eine düstere Stimmung … und plötzlich in der klatschnassen Wiese ein geschäftiges Treiben. Eine Drossel hüpfte tapfer zwischen den tropfnassen Halmen umher.

Weiter ging es dann in Richtung Klammleitenklamm. Früher gab es hier Mühlen … heute gibt es hier ein Wasserkraftwerk. Trotz dieses E-Werks ist es hier idyllisch. Das Bächlein schlängelt sich durch die saftige Wiese, Sumpfdotterblumen wachsen am Ufer. Das Gelb der Blumen harmoniert herrlich mit dem braunen Bach. Aber nicht dass das Wasser schmutzig wäre, nein – glasklar sieht man auf den Grund. Moorwasser – würde ich mal sagen. Viele Bäche im Mühlviertel haben diese Färbung.

Beim E-Werk Ebner überquert der Wanderweg das Bächlein. Hier gibt es eine grandiose Blumenvielfalt. Rote Lichtnelken, Taubnesseln, Wolfsmilch, Milzkraut, Günsel, Lungenkraut …

Wir erreichten den Wald, steil ging es nun bergan – es war eine Rundwanderung, hier müsste ich zum Glück nicht mehr heruntergehen. Zunächst wanderten wir hoch über dem Bach, etwas später waren wir beinahe auf Bachbetthöhe – jedoch war der Bach verschwunden. Unterirdisch fließt er hier – die Stelle wird Teufelsmühle genannt und dazu gibt es auch eine Sage. Ein braver Müller verstarb und hinterließ die Mühle seiner hartherzigen und gierigen Frau, die kein Herz für Notleidende hatte. Wer sich einigermaßen mit Sagen auskennt, weiß, dass der Untergang der Mühle in diesem Fall unumgänglich ist. Still war es in diesem Klammteil, große Granitblöcke lagen im Bachbett, vom Wasser war weder was zu sehen noch zu hören. Nur an einem Platz – beim „Kindlstein“ – sollte man das Rauschen des unterirdischen Baches vernehmen. Dort würde der Teufel in der versunkenen Mühle weitermahlen.

Die Sagen sind unheimlich, die Umgebung einfach märchenhaft. Ein Baumstamm erinnert an eine Zwergenkathedrale, man wandert zwischen moosbewachsenen Steinblöcken durch beziehungsweise an riesenhaften Granitwänden vorbei. Immer weiter folgten wir dem verschütteten Bachbett bergauf und endlich konnten wir das munter über kleine Kaskaden springende Wasser wieder sehen.

In früheren Zeiten, wo man Holz noch über die Bäche transportiert hatte, war im Bereich der Holzschwemme (des Gfluders) das Wasser gestaut worden. Viel Wasser benötigte man, um die Holzstämme über den Teil der Klamm zu transportieren, an dem der Bach im Normalfall unterirdisch fließt. Im Frühling – bei Tauwetter – wurde dann geschwemmt. Bis zu 3000 Personen hatten bei dieser gefährlichen Arbeit mitgeholfen – auch Frauen und Kinder.

Weniger gefährlich ist es heutzutage, die „Himmelsleiter“ zu ersteigen. Dank eines Drahtes, der fest an der Steinwand verankert ist, konnte sogar ich zum nächsten Teil der Klamm gelangen. Und schon erreichten wir die nächste Attraktion.

Der Kanzlstein ist eine riesige Felsformation, hoch aufragend. Über Stiegen könnte man hochklettern zur „Kanzl“. Die erste Stiege wagte ich mich hoch, das Moos auf dem Stein war klatschnass und rutschig, ein tiefer Spalt müsste überwunden werden, um auf dem nächsten Steinblock und zur nächsten Leiter zu kommen. Daneben geht es runter – freier Fall. „Ich pass einfach auf keine Kanzel“, entschied ich und kletterte unverrichteter Dinge wieder die Leiter runter. Dafür setzte ich mich aufs Bankerl in der „Herberge“. Ein überhängender Steinblock, der ein trockenes Platzerl für mindestens eine Familie schuf. Über die Reindlmühle ging es weiter, immer den Bach entlang. Holzarbeiten hatten in diesem Teil der Klamm stattgefunden, dadurch war es hier bei Weitem nicht mehr so hübsch.

Am Ende der Klamm kamen wir auf eine Asphaltstraße, dann ging es bergauf in Richtung Haid. Auf den weiten Wiesenflächen gibt es hin und wieder riesenhafte Granitblöcke, dort wachsen auch Bäume, Büsche und Blümchen. Kaum hatten wir die Anhöhe erreicht, begann ein heftiger Graupelschauer, kleine Eisklümpchen sammelten sich am Straßenrand. Mir taten die blühenden Apfelbäume leid. Wir marschierten an einem wunderbaren Steinbloß-Gehöft vorbei – aus Kalkmangel hatte man früher nicht die ganze Fassade verputzen können. Die unverwüstlichen Steine hatte man ausgelassen, nur die heiklen Zwischenräume waren mit weißem Kalkputz versehen worden.

Langsam, aber sicher näherten wir uns der Ortschaft Haid. Hier sollte es eine Gastwirtschaft geben, den „Hoadhof“, der sein 150-jähriges Jubiläum feierte. Wir hatten Glück, der „Wirt auf da Hoad“ hatte geöffnet. Wir waren die einzigen Gäste, doch wir speisten vorzüglich. Gregi war ganz besonders vom Topfenschmarrn begeistert.

In Haid gibt es viele Pferde – Wanderreiten ist in dieser Gegend angesagt. Als wir beschwingt das Gasthaus verließen, beobachteten uns die Vierbeiner neugierig. Bei diesem Wetter wollte niemand reiten. Den Pferden war fad und wir unerschrockenen oder „depperten“ Wanderer, die sich bei diesem Wetter raustrauten, waren da eine kleine Sensation. Inzwischen war es richtig kalt geworden, der Wind hatte aufgefrischt und die Eisklümpchen kamen waagrecht daher und taten auf der Gesichtshaut ein klein bisschen weh.

Zum Glück dauerte dieser Schauer nur kurz an, außerdem stiegen wir wieder in Richtung Tal, wo der Wind nicht ganz so arg ankonnte. Der Schwarzaubach hat auch eine braune Färbung – trotz klaren Wassers. Ihm folgten wir bis kurz vor Königswiesen – wo uns der nächste Graupelschauer empfing.

Klatschnass waren wir inzwischen – trotz Regenponcho –, doch das hielt uns nicht ab, die Kirche anzusehen. Sie ist uralt, Teile stammen aus dem Jahr 1147 (Romanik). Doch berühmt ist sie wegen des gotischen Schlingrippengewölbes, bestehend aus 480 Feldern. Auch der geschnitzte Altar sowie der Hochaltar sind wunderhübsch.

Und dann war da ja noch die Bäckerei, die ein Kaffeehaus angeschlossen hatte. Diese mussten wir natürlich auch noch besuchen.

Bei 13 km und 511 Höhenmetern darf man schon ein bisschen was naschen – als Gehzeit waren 4,5 Stunden angegeben (was wir natürlich nicht schafften). Ehrlich, wäre der schlimme Graupelschauer nicht gewesen, der uns gehörig Tempo zulegen ließ, ich schätze, wir wären erst kurz vor der Abenddämmerung zurückgekommen. Ob die Speicherkarte der Kamera ausgereicht hätte? Wer weiß …

Neu Leonroth, Alt Leonroth und Teigitschklamm

 

Rundweg

Schritte

24.000

Dauer

5 h

 

Start:

 

Wanderparkplatz Teigitschklamm

Anfahrt: Richtung Voitsberg, direkt nach der Umfahrung Krottendorf-Gaisfeld im Kreisverkehr Ausfahrt Teigitschgraben, bei der Abzweigung Kraftwerk Arnstein gibt es einige, leider viel zu wenige Parkplätze. Man kann aber auch von der Langmannsperre (wo mehr Parkmöglichkeiten sind) in die Teigitschklamm absteigen.

Es war ein bitterkalter Jännertag und wir wollten eigentlich nur eine kurze Wanderung machen. „Die Ruine Neu-Leonroth könnten wir wieder einmal anschauen und ich hätte den Ehrgeiz, auch Alt-Leonroth zu finden“, schlug ich vor. „Kann ja nicht weit von Neu-Leonrod weg sein“, meinte ich noch. Dass das ein gewaltiger Irrtum war, wurde mir erst viel später bewusst. Doch nicht nur ich unterlag dieser Fehleinschätzung, auch Robert Baravalle, der Begründer der steirischen Burgenkunde, suchte Alt-Leonroth zuerst fälschlicherweise auf einem Felskopf unmittelbar westlich der Burg Neu-Leonroth.

Vom Wanderparkplatz Teigitschklamm folgt man vorerst einmal der Straße in Richtung Größnitzgraben. (Man könnte natürlich auch mit dem Auto die Straße weiterfahren, aber in diesem engen Tal sind Parkplätze wirklich rar.) Dieser Teil der Wanderung auf Asphalt ist der unspektakulärste Wegabschnitt. Im Größnitzgraben sieht man den ersten gelben Wanderwegweiser, der auf die Ruine Neu-Leonroth hinweist. Ein größerer Wegweiser macht auf ein Sägewerk aufmerksam. Hier biegt man links ab, über die Brücke und dann bei der Müllsammelstelle rechts hinauf in den Wald. Schon bald erreicht man die wunderbare riesengroße Ruine.

Das erste Mal hatte ich von Neu-Leonroth in einem deutschen Burgenbuch gelesen. Es gibt nur sehr wenige österreichische Wehranlagen, die es in dieses Buch geschafft haben. Daher war ich sehr neugierig gewesen, als ich im Jahre 2021 diese alte Wehranlage das erste Mal besichtigt hatte. Gregi und ich waren mehr als beeindruckt. Die Anlage musste riesengroß gewesen sein. Gewaltige Mauern sind zu sehen, aus Steinen, die nicht nur waagrecht, sondern auch schräg senkrecht angeordnet sind. Ein Weg führt durch den ehemaligen Graben – ich glaube zumindest, dass es ein Graben war. Ein gut erhaltener runder Turm, das romantische Eingangstor, ein weiteres Tor …

Bis kurz nach diesem zweiten Tor war ich 2021 gekommen, dann hatte ich ein Loch im Boden gefunden. Dazumal hatte ich umgedreht. Bei unserer letzten Jännerwanderung hätte ich mich wieder nicht weitergetraut – trotz der mächtigen Gemäuer dahinter, die wirklich verlockend aussahen. Doch bei Löchern in Böden bin ich halt mal etwas misstrauisch.

Dann kam eine Wandergruppe aus Bärnbach. Es waren sicherlich mindestens 20 Personen. Allesamt verschwanden durch das zweite Tor, um die übrigen Burgteile zu besichtigen. „Ich höre keine Hilferufe oder dergleichen“, bemerkte ich. „Sollen wir uns also auch trauen?“ Gregi fotografierte bereits die Reste des stattlichen Palais. Also machte ich mich auch daran, dieses Bauwerk aus der Gotik weiter zu erkunden. Um 1300 waren die ersten Teile von Neu-Leonroth errichtet worden, um die neue Straße, die auf die Pack führte, zu sichern. Davor hatte es eine andere Wegführung gegeben, für diese war Alt-Leonroth von den Herren von Krems errichtet worden. Ab 1196 hatte sich Otto von Krems das erste Mal auch „von Levenrode“ genannt.

Zurück zu unserer Wanderung. Wir konnten die Burg sicher durchschreiten, dann kamen wir in einen wunderlichen Gang oder Graben. „Das muss die Stelle gewesen sein, wo das Baumaterial abgebaut wurde“, schloss ich. Über diesen Ganggraben betraten wir eine hübsche Wiese und dann ging es bergauf, immer den gelben Wegweisern „Alt-Leonroth“ nach. Wir näherten uns der Kuppe des Berges, Gregi merkte an, dass diese Kuppe eindeutig von Menschen bearbeitet und terrassiert worden war – wir wähnten uns unserem Ziel „Alt-Leonroth“ nahe. Dann die bittere Erkenntnis: nix da. Wir mussten links abbiegen, hinein in einen Wald – es ging bergab, wir hörten einen Bach rauschen. „Laut Wegweiser müssen wir über den Bach springen“, stellte ich entgeistert fest. „Und das ist kein kleines Rinnsal, sondern ein breiter Bach, wo wir über vereiste, glatte Steine steigen müssen.“ „Er ist aber nicht tief“, meinte Gregi gelassen und war mit seinen langen Beinen bereits auf der anderen Seite. Ich komme leider eher nach den Hobbits – also kurze Haxen und nicht unbedingt gämsengleich. An einem eisigen Jännertag einen Wildbach zu queren ist da schon eher purer Leichtsinn. Als ich endlich meine Todesangst überwunden und ebenfalls das andere Ufer erreicht hatte, wusste ich genau: Egal, wie lange die Wanderung noch dauern würde, zurückgehen war ausgeschlossen. Berg rauf … wieder bergab … wieder bergauf. „Siehst du schon eine Ruine?“, wollte Gregi wissen. „Ne“, antwortete ich. „Da gibt es einen Wegweiser – Teigitschklamm.“ „Rauf geht es zur Ruine“, meinte Gregi und wir stiegen bergan. „Wo rohe Kräfte sinnlos walten“, zitierte ich, als ich die Riesenbaustelle sah. Eine Forststraße wurde rund um die Ruine Alt-Leonroth errichtet. Ein riesiger Stapel Holzblöcke lag im Halsgraben – ein Zugang zur Kuppe, auf dem sich die spärlichen Mauerreste befanden, war nur sehr erschwert möglich. Dieser Platz lud eindeutig nicht zum Verweilen und Schauen ein. Also kehrten wir um und folgten dem Wanderweg, der uns zum unteren Ende der Teigitschklamm führte.

Die Teigitschklamm ist ein kleines Paradies. Wir waren sie einmal im Sommer durchwandert, ganz hinauf bis zur Langmannsperre. Die Teigitsch ist 42 km lang und durchfließt zwei Stauseen. Die Hierzmannsperre und die Langmannsperre. Bei unserer Jännerwanderung sahen wir nur ein kleines Stückchen der Klamm – dieses war allerdings extrem pittoresk. Steine, Eis, Holz, Schotter, Eiszapfen. Wunderbar. Die ersten Häuser waren erreicht, wir folgten der Teigitsch weiter bis zum Kraftwerk Arnstein. Wie ein französischer Edelsitz sieht das Kraftwerksgebäude aus. Anno 1922 wurde der Bau des Kraftwerks begonnen, 1925 wurde es eröffnet. Es war das größte Wasserkraftwerk in der Steiermark. Auch heute leistet es noch gute Dienste. Man benötigt nur wenige Minuten, um hier schnell Strom zu erzeugen, es deckt den Spitzenstrombedarf und verhindert damit Netzzusammenbrüche.

Zurück zum Auto überlegten wir uns, wo wir einkehren könnten. Die Gegend hier ist recht einsam – ein Gasthaus hatte ich nicht gesehen. Allerdings braucht man nur über einen Hügel fahren und schon ist man in Voitsberg. Dort gibt es kein Problem, einen geöffneten Gastronomiebetrieb zu finden.

„ERLebenspfad Oberlamm“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

9,5 km

164 HM

2:35 h

Start:

Unterlamm Dorf

   

„Unterlamm ist die Heimat des Osterhasen“, behaupte ich. Wie ich auf diese Idee komme? Wir haben es gesehen und erlebt. Am Ostermontag (der Himmel war stark eingetrübt durch den Saharastaub) machten wir eine Wanderung im besagten Ort. Wir parkten vor dem Haus der Jugend und marschierten in Richtung Oberlamm. Kaum hatten wir den Ort verlassen, entdeckten wir ganz muntere gelbe Gesellen. Fröhlich hüpften sie in der Wiese herum, die Augen leuchteten förmlich – unsere auch. Goldammer sind selten – und hier gab es gleich mehrere! Es hätte einen Beobachtungsstand gegeben, doch direkt vom Weg aus konnten wir sie besser fotografieren.

Das nächste Highlight der Wanderung wartete in Oberlamm auf uns. Eine 300 Jahre alte Schwarzpappel. Sie sollte die mächtigste Schwarzpappel in Österreich sein. Normalerweise werden diese Pappeln nur 100 Jahre alt, doch offensichtlich steht dieser Baum an einem ganz besonderen Ort und die Oberlammer lassen sich nicht lumpen und haben einen Baumchirurgen engagiert, um diesem einzigartigen „Methusalem“ noch ein langes Leben zu ermöglichen. Zudem haben sie viele Stecklinge/Klone von diesem Baum gesetzt. Für die nächste Generation von hoffentlich auch so gesunden Schwarzpappeln wurde also gesorgt.

Vorbei ging es an echten Schlüsselblumen, echte Freilandhühner scharrten neben der Gemeindestraße im Straßengraben, dann kam der Anstieg zur Josefskapelle. Hier kamen wir einfach nicht weiter, was weniger am steilen Weg als vielmehr an den märchenhaften Fotomotiven lag. Blühende alte Obstbäume – eine Streuobstwiese, die ihresgleichen sucht. Alte Apfelsorten sollten hier wachsen sowie Kirschen und Walnüsse. Dazwischen ein idyllisches Kellerstöckel. Wir entdeckten Wildbienen – auch die Grillen schienen sich hier richtig wohlzufühlen. Die Josefskapelle war erst 2010 gebaut worden und passt wunderbar in die Landschaft. Freundlich wirkt sie mit ihren zwei Türmen. Wir saßen eine Weile neben der Kapelle und sahen hinunter ins Tal. Der Himmel hatte eine gelbliche Färbung vom Saharastaub und der Wind wurde immer stärker.

Am Ostermontag brachen wir die Wanderung ab, als der Wanderweg schließlich in den Wald abbog. Die Windböen waren inzwischen so stark, dass wir nicht riskieren wollten, durch den Wald zu gehen. „Zurück gehen wir auf der Gemeindestraße, sicher ist sicher“, entschlossen wir. Und das war auch gut so. Auf diese Weise sahen wir noch einen Mittelspecht sowie einen Aurorafalter. Von der Gemeindestraße aus. Die Natur in Unterlamm scheint echt noch intakt zu sein.

Auf der Suche nach einem geöffneten Lokal kamen wir am Gemeindeamt vorbei – und jetzt sah ich ihn, den Osterhasen. Er stieg gerade aus dem Auto aus, den großen Plüschkopf im Arm. Das war unser erstes Hasenerlebnis. Im Gasthaus rätselten die Kellnerinnen sowie die heimischen Gäste, wer in diesem Jahr den Osterhasen für die Kinder gab. „Betreutes Trinken“, versprach das Schild beim Eingang des Gastronomiebetriebs. Hier trafen sich die Nachbarn und tauschten sich aus.

Eine Woche später wollten wir nun den Rest der Wanderroute erkunden. Wir parkten gleich bei der Josefskapelle, gingen kurz die Asphaltstraße entlang und bogen dann in den hübschen Buchenwald ein. Und wir wussten gleich gar nicht, wohin wir sehen sollten. Auf dem Baum gab es einen Baumläufer, auch ein Buntspecht hämmerte fröhlich. Am Boden wuchsen Waldmeister, Lungenkraut und Milzkraut … und dann flatterten noch überall Schmetterlinge!!! Was für eine Freude! Auf einige Bäume waren rote Pfeile gesprüht, die wir nicht näher beachteten. Und so kam es, dass wir unseren Wanderweg verloren. Als wir auf der schmalen Gemeindestraße landeten, besahen wir die Wanderkarte. „Wir sind falsch“, bemerkte ich. „Nein, da vorne, da müssen wir runter“, behauptete Gregi. Also gingen wir „dort hinunter“, marschierten durch einen herrlichen Wald. „Wo weiter?“, erkundigte ich mich und überlegte, welchen der drei Wege ohne Markierung wir nun nehmen sollten. Weiter runter, sagte Gregi unbeirrt und blieb schon wieder einmal zurück, weil er einen Schmetterling entdeckt hatte. Einen Kleinen Feuerfalter. Wäre er mit mir gegangen, hätte er den echten Osterhasen gesehen. Er hoppelte einen Waldweg entlang und verschwand binnen kürzester Zeit.

Schließlich kamen wir am Talgrund an, der Lehensbach floss neben uns und ich bemerkte: „Wir sind falsch, wir müssten eigentlich auf der anderen Seite des Baches gehen. Am besten, wir folgen dem Bach in Fließrichtung.“ Also schritten wir die Forststraße entlang … und sahen ihn wieder, den Osterhasen. Diesmal schlug er Haken, als er uns bemerkte, und verschwand wieder. Wir blickten ihm nach und erschraken ganz ordentlich, als plötzlich ganz in unserer Nähe der nächste Hase hochsprang und den Hügel hinauflief. „Wir sind im Osterhasenland!“

Einige Meter weiter entdeckten wir endlich unsere Wandermarkierung sowie die Infotafel „Ursprung des Lehensbaches“. Wir wechselten nun auch ganz brav die Bachseite, bewunderten den „Hallen-Buchenwald“. 30 bis 35 Meter sollten die Buchen hier hoch sein und im Sommer für eine dichte Beschattung sorgen. Hier fühlt sich der Feuersalamander wohl und auch die Riesenquelljungfer. Nein, das ist jetzt keine Sagenfigur, sondern eine seltene Libellenart. Sie gehört zu den größten Libellen, die in Österreich leben. Man nimmt an, dass die Entwicklung bis zu fünf Jahre dauert, bis die Libelle flugfähig ist.

Wieder ging es bergauf und Gregi war plötzlich außer sich. „Ich höre einen Wiedehopf“, meinte er begeistert, als wir den Hohlweg hinauf zum Grad des Hügels stiegen. Sehen konnten wir diesen seltenen und besonders hübschen Vogel leider nicht, dafür entdeckten wir eine Blindschleiche, die uns misstrauisch beäugte. „Vor uns musst du keine Angst haben – eher schon vor den Hühnern, die da vorne im Wald scharren“, erklärte ich dem Reptil. Im Osterhasenland gibt es offensichtlich ganz besonders viele Freilandhennen.

Wären wir am späten Nachmittag unterwegs gewesen, besser gesagt ab 16.00 Uhr, hätten wir beim Buschenschank Hartinger einkehren können. So wanderten wir an hübschen Häusern und prächtig blühenden uralten Obstbäumen weiter zur Wiedehopfwiese. Leider keine Sichtung. Dafür entdeckte Gregi den kleinsten Tagfalter Österreichs, den Zwergbläuling.

Den nächsten Wegabschnitt kannten wir schon: Oberlamm (die echten Schlüsselblumen waren inzwischen verblüht – dafür scharrten die Hennen noch immer ganz eifrig am Straßenrand). Die Kapellenwiese hinauf (noch mehr weiße Blüten auf den Obstbäumen als in der Vorwoche) – wir beeilten uns nicht, zu schön war es hier, und um 14.00 Uhr würde das Bauernhofcafé Friedl öffnen. Wir hofften auf einen guten, selbst gemachten Kuchen. Wir waren pünktlich um 14.00 Uhr vor dem Bauernhofcafé, dieses sperrte leider nicht auf. Also kein Kuchen. Schade. Aber was solls, alles kann man nun mal nicht haben. Und dieser Tag war dermaßen traumhaft … da darf man dann nicht jammern, wenn man keine süße Belohnung bekommt.