Aufstieg zur Ruine Eppenstein

Mitte März 2026 waren wir in Zeltweg, weil wir die sehenswerte Osterausstellung im Schloss Farrach besuchen wollten. Doch ohne eine kleine Wanderung wollten wir unseren Ausflug dann doch nicht machen … also fuhren wir nach Eppenstein, um die gleichnamige Burgruine zu besichtigen.

Hoch über dem Granitzenbach, 200 Meter über dem Talboden, liegt die spektakuläre Burgruine Eppenstein. Es gibt einen kleinen Parkplatz für Wanderer, und gleich daneben beginnt der steile Aufstieg zur Burg.

Leberblümchen gedeihen gut auf dem Hang. Ein Pfad führte uns rasch bergan. Unter uns, im schmalen Tal, gab es ein sehr großes Sägewerk … auch eine stark frequentierte Bundesstraße befindet sich dort: die Obdacher Bundesstraße, die das steirische Murtal mit dem Kärntner Lavanttal verbindet.

Vielleicht war es dieser günstige Übergang von Kärnten in die Steiermark, der die bayrischen Grafen der Marchwartinger dazu bewog, hier eine Burg zu errichten. Unter „Marchwartinger“ ist dieses Geschlecht heute nicht mehr bekannt … vielmehr erhielten sie nachträglich den Namen „die Eppensteiner“. Und die Eppensteiner waren nicht irgendwer, sondern Herzöge von Kärnten.

Wir schnauften den Ruinensteig hinauf … gemütlicher wäre es wahrscheinlich über den Wanderweg „über vlg. Fallmoar“ gewesen … doch wir waren schon sehr neugierig und wollten so schnell wie möglich zu diesem historischen Bauwerk gelangen.

Wir erreichten wieder den Forstweg und hatten einen wunderbaren Blick auf den schroffen Felsen, dem eine Ringburg aufgesetzt worden war. Viel weiter unterhalb sah man ein Rondell, das wir bald darauf passierten. Kurz ging der Weg bergab, und wir standen vor einem Steig aus Eisengittern, der um den Felsen führte. Daneben befand sich das „eiserne Burgtor“, das einst zusätzlich noch durch eine Zugbrücke gesichert gewesen war.

Ein Spaziergänger kam gerade mit seinem Hund über diesen Eisensteg. Der Hund stieg sehr vorsichtig und war offensichtlich froh, diesen Steg wieder verlassen zu können. Ich betrachtete das Tor und überlegte mir, wie wohl früher hier der Weg ausgesehen haben mochte. Ein Pfad aus Eisengittern war es wohl nicht gewesen … und ansonsten sah ich nur senkrechten, glatten Felsen. Und hoch, sehr hoch über uns die alte Ringburg aus dem 11. Jahrhundert.

Der Eisengittersteig führte uns eine Weile um den Felsen. Auf einmal sah ich das nächste mächtige Tor: das Burghoftor. Über dem Tor waren Wappen angebracht, unter dem Tor befand sich eine aus dem Felsen gehauene Treppe mit Wagenspuren im Gestein. Wäre der tolle Pfad aus Eisengittern nicht gewesen … mir wäre die Treppe wie eine Stiege ins Nichts vorgekommen.

Hinter diesem Tor befand sich einst der innere Burghof mit Wirtschaftsgebäuden und Stallungen. Heute gibt es diese nicht mehr … dafür hat man einen famosen Blick auf Zeltweg und das Murtal. Die Holzlastwagen, die im Tal fahren, wirken wie Matchboxautos. Weißkirchen war wunderbar zu sehen und ganz hinten die doppelten Türme der Aussichtswarte auf dem Tremmelberg.

Wir hielten uns nicht allzu lange im inneren Burghof auf, denn über Stufen und vorbei an der Wehrmauer erreichten wir den Palas. „Das gotische Haus“ ist jünger als die Ringburg ganz oben auf der Spitze des Felsens, doch jung ist es ebenfalls nicht mehr. Hier befanden sich früher die Wohnräume und die Burgkapelle. Auch eine Zisterne gab es hier.

Um zum ältesten Teil der Burg zu gelangen, mussten wir wieder bergauf steigen. Über einen hölzernen Aufgang erreichten wir den ganz alten Teil der Burg. Betrachtet man die Mauern, kann man noch Reste der Holzbalken erkennen. Hoch über dem Tal standen wir dort … hoch erhoben fühlten sich wohl auch so manche Besitzer.

Im Laufe der Jahrhunderte wirkten auf dieser Burg die Eppensteiner, die Traungauer, die Grafen von Sidenitsch, die Gaisruck, die Colloredo, die Trauttmansdorff, die Nádasdy und viele andere. Insgesamt waren es rund 30 verschiedene Adelsgeschlechter, und nicht alle waren harmlose Menschenfreunde.

Die Teuffenbacher, die im 15. Jahrhundert Besitzer der Burg waren, stritten ganz fürchterlich. Die Burg befand sich im Besitz einer Frau … ihr Bruder nahm die Burg ein und ließ seine Schwester in den Turm werfen. Zwei Jahre später nahmen die Ungarn die Burg ein und befreiten die arme Frau wieder. Ich grübelte lange darüber nach, wie man diese Burg überhaupt hatte einnehmen können, wenn man nicht fliegen konnte. Womit ich nicht gerechnet hatte … Verräter auf der Burg.

Im 17. Jahrhundert herrschte dann ein richtiger Tyrann auf der Burg: Burggraf Christian Alban von Saurau. Ein Typ, der sich ganz und gar nicht beherrschen konnte. Er wurde wegen Mordes und Vergewaltigung angeklagt … und auch wegen Zauberei.

Das sind alles sehr düstere und schlimme Ereignisse. Doch über Eppenstein kann man durchaus auch Positives berichten. 1958 wurde ein Burgenverein gegründet. Viele eifrige Helfer fanden sich zusammen, und gemeinsam begannen sie, die Burg wieder zu sanieren. Bäume und Sträucher mussten gerodet werden, man errichtete Stege und Aufstiegshilfen und sicherte die Mauern. Man hielt gut zusammen und vollbrachte wirklich Großartiges. Dank dieser Initiative kann man dieses wunderbare historische Bauwerk heute wieder besichtigen.

Wieder beim „Eisernen Tor“ angekommen, entschlossen wir uns, rechts über den Weg und über die Zufahrt zur Burgruine in den Ort abzusteigen. Im Tal mussten wir leider ein Stück neben der Bundesstraße marschieren, jedoch sieht man von hier aus den Burgberg und das Gebäude besonders schön.

Jetzt rasch zum Schloss Farrach … eine Osterausstellung wartet. Ein weiterer Tipp: Der Wasserturm – ein Kaffeehaus in Zeltweg mit einer ganz besonderen Architektur.

 

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