HWW Wanderroute Dechantskirchen – Kroisbach – Heiligenbrunn

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

HWW Wanderweg

9,38 km

148 HM

2:30 h

Zusatzstrecke

4 km

 1 h

Im Mai, wenn die Sonne scheint (und es nicht allzu heiß ist), ist eigentlich jede Wanderung schön. Von einer ganz besonders interessanten Wanderung möchte ich jetzt berichten.

Wir starteten in Dechantskirchen – bei der „Kirche des Dechants“. Der Alpenostrand wurde von Salzburg aus missioniert. Dort gab es Urpfarren – eine davon war Fischau (südlich von Wien). Und dort gab es einen Erzdechant, der Otakar hieß. Dieser gründete 1150 eine Kirche im nur schwach besiedelten und dafür stark bewaldeten östlichen Gebiet des Wechsels. Dort verlief früher der Römerweg über den Hartberg – um die Zeit der Kirchgründung gab es dort den wichtigen Hartberg-Pfad. 1163 wurde Dechantskirchen zur Pfarre erhoben und ist damit die älteste Pfarre im Wechselland.

Wir betraten die Kirche über eine Seitentür, wobei wir zuerst in eine Seitenkapelle kamen. Dort steht ein sehenswerter Taufbrunnen mit einem bemalten Gehäuse, und dort gibt es auch die „Schwarze Madonna von Dechantskirchen“. Laut Sage soll sie einen Kirchenbrand schadlos überstanden haben, nur dass die Statue danach schwarz war.

Wir verließen die Kirche und folgten der Straße bergauf in Richtung Kroisbach – eigentlich nur bis zur Tafel mit den Themenwegen. Gemäß der Wegführung der HWW-Route hätten wir dieser Straße weiter folgen müssen, doch wir bogen (den Themenwegtafeln folgend) links ab, kamen am Kindergarten vorbei und stiegen bei einem prächtigen Hohlweg in den Wald hinab. Der Artenreichtum an den Böschungen des Weges war enorm. Wir gingen auf einem sandigen Weg durch den Wald, immer wieder blickten wir auf Wiesen, die durch Hecken und Bäume hübsch gegliedert waren.

Plötzlich war der Untergrund nicht mehr sandig. Der Weg war wie gepflastert von runden, großen Steinen. Ein Grund für Gregi, zu behaupten, dass wir hier sicherlich auf einem originalen und echten Römerweg unterwegs wären. Ich weiß nicht, ob es wirklich ein Römerweg war – möglich wäre es. Hier in der Gegend gab es tatsächlich einmal einen uralten Handelsweg.

Wir kamen auf eine kleine Asphaltstraße und folgten nun dem Heilbrunnweg. Bei der Ortschaft Kroisbach trafen wir wieder auf die eigentliche Wanderroute. Ich kann diesen Umweg, den wir gemacht hatten, wärmstens weiterempfehlen.

Nun ging es bergab durch den Wald. Wege gingen nach links und rechts – am besten den Weg mit der gelben Markierung L2 geradeaus folgen. Schon sahen wir hinunter nach Rohrbach – ein recht interessanter Ort. Besonders fiel mir ein Gebäude auf: die Kirche. Nicht alt und ehrwürdig wie die von Dechantskirchen, sondern noch recht jung (1959 bis 1961) und modern mit einer Doppelturmfassade.

Wir stiegen in Richtung Tal ab, und mitten im Wald – potzblitz – stand wieder ein recht großes sakrales Gebäude: die Heiligenbrunnkapelle. In dieser Größe hätten wir hier keine Kapelle erwartet. Bei Kirchen und Kapellen ist es ja meistens so, dass einmal dieses Teil, dann ein anderes Teil dazukommt. Es ist wohl so ähnlich wie bei Häuslbauern: Zuerst wird das Haus gebaut, dann werden die wichtigsten Räumlichkeiten eingerichtet. Im Laufe der Jahre kommt dies und das dazu – wenn man das Geld dafür hat oder wenn man etwas Besonderes am Markt entdeckt. Auch bei Kirchen ist das so. Die Anschaffung einer Glocke war damals schon etwas Besonderes – Metall war teuer, und eine Glocke zu gießen und zu transportieren war auch nicht gerade einfach. 1850 konnte man sich für die Bründlkapelle eine Glocke leisten, 1882 (also 32 Jahre später) wurde diese gestohlen. Was auch immer damit geschehen ist, sie war unwiederbringlich fort. Noch im selben Jahr schaffte man eine neue Glocke an, 34 Jahre später wurde diese als Kriegsablieferung eingezogen.

Wir kamen ins Tal und an das Ufer der Lafnitz – wir lieben diesen Fluss. Wir hatten den Tipp bekommen, in Rohrbach unbedingt das Café „Kaffeewerk“ zu besuchen. Wer uns kennt, weiß, dass wir diesen guten Rat befolgten und einen erstklassigen Eiskaffee genossen.

Frisch gestärkt wanderten wir zurück zum Fluss und über Limbach nach Thalberg (bei der Unterführung wieder auf die linke Seite der Bundesstraße wechseln). Wir hätten wahrscheinlich auch einfach dem Radweg rechts der Bundesstraße folgen können. Nun kam der eigentliche Höhepunkt der Wanderung. Schon von der Ferne sahen wir die beeindruckende Burg Thalberg, die auf einem Felsriegel über dem Tal thront. Bevor wir uns dem Gebäude nähern konnten, mussten wir durch den 41 Meter hohen Burggrabenviadukt gehen, über den die Wechselbahn in Richtung Friedberg donnert.

Ganze 90 Meter ist die Hochburg lang und 23 Meter breit. Rechts und links je ein Turm, wobei der Bergfried 24 Meter hoch ist. Die Burg ist die älteste im Wechselland, und sie wurde nie von Feinden eingenommen. 1171 wurde die romanische Burganlage von den Herren von Krumbach als Grenzfestung gegen die Ungarn errichtet. Die östliche Toranlage soll ein herrliches Quadermauerwerk sowie einen aufwendigen romanischen Dekor aufweisen. Im 15. Jahrhundert wurde die Burg durch eine Zwingeranlage und eine spätgotische Vorburg erweitert.

Die Burg hatte eine wahrlich wechselvolle Geschichte. Siegmund von Dietrichstein (1484 bis 1533) war einst Landeshauptmann der Steiermark, aber er war auch protestantischen Glaubens. Daher wurde die Burg zu einem Zentrum des Protestantismus.

1610 sah es auf der Burg ganz anders aus. Nun waren die Jesuiten die Besitzer des Bauwerks, und sie sahen es als ihre Aufgabe, die Bevölkerung wieder zum katholischen Glauben zu bekehren – wenn es sein musste auch unter Zwang. Falls es zu Aufständen kam, war man hinter den dicken Burgmauern sicher. Die Jesuiten verehrten den heiligen Nepomuk – eine Steinfigur dieses Heiligen steht gegenüber der Vorburg.

So traumhaft dieses Ensemble (das man leider nur von der Straße aus betrachten kann) auch ist: Als ich vor dem Tor der Unteren Burg stand, das schadhafte Dach sah, den lieblichen Erker (aus dem schon das Grün sprießt) und die Holzverkleidungen in den Fenstern des Bergfrieds, kam mir die Erkenntnis: Es gibt Dinge, für die ich in meinem Leben dankbar bin. Eine davon ist die freudige Tatsache, dass ich keine Burgbesitzerin bin. Ehrlich – solch ein Gebäude zu erhalten, wäre ein Albtraum.

Von Thalberg nach Dechantskirchen ist es dann nicht mehr weit. Wir hatten auf dieser Wanderung richtig interessante Dinge gesehen und erfahren: die älteste Pfarre sowie die älteste Burg des Wechsellandes, die naturbelassene Lafnitz und eventuell sogar ein Römerweg. Lobend möchte ich auch die interessanten Informationstafeln des Historischen Weitwanderwegs Wechselland erwähnen. Eine ganz tolle Initiative.

 

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