Brunn bei Fehring nach Hatzendorf

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Brunn nach Hatzendorf über Grillberg und Hatzendorfer Weinweg

7,5 km220 HM

2,75 h

unsere Variante

ca. 18.000 Schritte  

Es war ein eisiger Jännertag, aber die Sonne schien herrlich, es gab einen blauen Himmel und weißen Schnee. Die meisten Personen zieht es bei diesem Wetter in die Berge. Uns nicht, wir fuhren in den Süden – besser gesagt in die Südoststeiermark nach Fehring.

Ich wollte mir schon immer einmal den Römerstein von Brunn bei Fehring ansehen. Nun ja, das Original hatte ich ja schon gesehen – im Landesmuseum Joanneum in Eggenberg. Doch ich bin ein neugieriger Mensch. Ich möchte immer wissen, wo diese interessanten alten Artefakte einst beheimatet waren. Meist sind das ganz besondere Plätze.

In einem Wanderbuch fand ich eine Wanderung, die von Brunn bei Fehring nach Hatzendorf führen sollte. Sie war nicht allzu lang, gerade einmal 7,5 km. Von Hatzendorf könnten wir dann ja mit den Öffis zum Fehringer Bahnhof retourfahren – so hatten wir es ursprünglich geplant. Wer uns kennt, hat schon so eine Ahnung, dass dieser Plan bestimmt nicht so gelingt wie gewünscht. Natürlich haben wir uns wieder einmal „verlaufen“ und auf diese Weise eine ganz neue, hübsche Wanderrunde entdeckt.

Wir starteten am Fehringer Bahnhof, der eigentlich in Brunn bei Fehring liegt. An der Halle, wo Beerenobst verarbeitet wird, vorbei und über den Bahnübergang. Gut, da mussten wir warten, weil der Schranken uns kurzfristig am Weitergehen hinderte. Der Fehringer Bahnhof kam mir recht groß vor – und ja, er war früher auch recht bedeutend.

Am 1. Mai 1873 wurde Fehring an das Eisenbahnnetz der Monarchie angeschlossen. Die „Steirische Ostbahn“ brachte die Fehringer nun ganz komfortabel nach Graz. Dazumal war Fehring sozusagen ein „Außenposten“ der Monarchie. Das benachbarte Jennersdorf gehörte noch zu Ungarn. Aber mit der tollen Ostbahn war man nun besser an die Landeshauptstadt angebunden. Über Graz konnte man sogar Wien erreichen.

1885 wurde dann die Lokalbahn „Fehring–Fürstenfeld“ eröffnet. Und als die Gleise über Fürstenfeld hinaus weitergebaut wurden, konnte man ab 1910 direkt nach Wien fahren, ohne vorher den Umweg über Graz machen zu müssen. Wie schnell man nun überall mit der Bahn hinreisen konnte!

Die deutsche Wehrmacht nutzte diese Bahn natürlich auch, um rasch Soldaten und Nachschub in Richtung Osten zu transportieren. Die Alliierten griffen daher den Bahnhof in Fehring an. Wenn die Sirenen warnten, mussten sich die Personen, die sich beim Bahnhof befanden, auf den Höhenrücken retten. Und genau auf diesen Höhenrücken wollten wir nun – hinauf auf den Königsberg zum Römerstein.

Wir gingen an der Socca-Tankstelle vorbei bis zur Kreuzung. Dort sahen wir die Wanderwegmarkierung 07. Sie führte uns eine schmale Asphaltstraße hinauf bis zur letzten Häuserreihe. Dort verließen wir die Straße und stiegen steil neben einem Zaun bergauf, bis wir einen querenden Waldweg erreichten. Vorerst bogen wir rechts ab und gelangten in kurzer Zeit zum ehemaligen „Heiligen Bezirk“ der Kelten auf dem Königsberg.

Die Geschichte, wie dieser Heilige Bezirk gefunden wurde, ist besonders interessant. 1937 gab es ein ganz böses Unwetter. Viele Bäume im Wald waren durch dieses Extremwetterereignis entwurzelt worden, und die Bauern überlegten, was sie mit diesem ruinierten Wald machen sollten. „Roden wir die anderen Bäume auch und legen wir einen Weinberg an“, entschieden sie und machten sich ans Werk. Bei den Rodungsarbeiten kam dann ein Stein zum Vorschein, ein schön behauener Stein mit einer römischen Inschrift.

Man erinnerte sich an eine Sage, die besagte, dass es auf dem Königsberg ein versunkenes Schloss geben sollte. Und wo es ein versunkenes Schloss gab, da sollte es auch Schätze geben. Der Stein wurde zerstört, und mit ihm der kostbarste Schatz. Zum Glück holte das Landesmuseum den Stein nach Graz und restaurierte den „Weihealtar“, der vom römischen Bürger Aurelius Celsinus für seinen Sohn Marcus Aurelius Celsinus errichtet worden war.

Und siehe da: Die Forscher erfuhren durch die Inschrift, dass dieser Stein „Jupiter Optimus Maximus Uxlemitanus“ gewidmet war. Uxlemitanus war ein keltischer Wettergott. Tja, der gute Wettergott wollte wohl, dass sein Stein wiederentdeckt würde – daher schickte er dieses fürchterliche Unwetter, das die Bäume entwurzelte. Es ist nicht immer gut, wenn Wünsche in Erfüllung gehen. Der Wettergott hatte wohl keine Ahnung davon, dass die Leute ihn nicht mehr kannten und respektierten. Die Banausen verehrten ihn nicht bei seinem Weihealtar – sie zerstörten ihn.

Nach der Besichtigung der Nachbildung des Römersteins mussten wir den Forstweg wieder zurückgehen. Jedoch blieben wir auf dem Waldweg, der uns hinauf zum Weingut Kapper führte. Eine Schaukel, eine Liege, eine Aussichtsplattform und ein wunderbarer Rundblick erwarteten uns.

Hinab nach Fehring und in das breite, schöne Raabtal, das sich nach Fehring noch großzügiger ausbreitet. Die Gleichenberger Kogel, und wenn man genau schaut, das Schloss Bertholdstein. Und wenn man ganz, ganz genau schaut, sieht man sogar den Großen Speikkogel mit seiner Goldhaube.

Beim Weingut Kapper gibt es ein modernes Kunstobjekt – von dort hat man einen guten Blick auf die Riegersburg. Wir wanderten die Asphaltstraße bergab, bogen dann in die erste Straße rechts ab und gingen bei einem herrschaftlichen Anwesen vorbei den Hügel hinunter. Im Graben angekommen, hätten wir wahrscheinlich rechts abbiegen müssen, um über den Burgstallberg auf den Grillberg zu gelangen. Wir bogen bei der Kreuzung links ab und marschierten den Rittergraben sehr, sehr lange entlang. Der eisige Wind machte uns zu schaffen, und wir blickten immer wieder rechts nach oben, wo wir schon verheißungsvoll das Gipfelkreuz des Grillbergs und die Weingärten sahen. Doch alle Wegerln, die rechts nach oben führten, waren Hauszufahrten. Endlich – eine schmale Asphaltstraße mit einem „Vorrang geben“-Schild. Hier konnten wir endlich zum Höhenrücken aufsteigen.

Wir beobachteten einige Krähen, die mit vereinten Kräften einen Bussard vertrieben. Viele schwächere Kreaturen sind gemeinsam stärker als ein starker „Macher“. Krähen sind klug. Auf dem Höhenrücken angekommen, gab es endlich Wanderwegweiser. Rot waren sie, und wir erfuhren von ihnen, dass wir nun auf dem Hatzendorfer Weinweg waren. Hier hätten wir nach Hatzendorf hinabgehen können, um mit den Öffis zurückzufahren. Wir folgten jedoch der Asphaltstraße nach rechts, in Richtung Buschenschank Gölles und Grillberg. Wir waren noch nicht müde, und der Weinweg würde uns sicherlich in Richtung Brunn bringen.

Hier war die Wanderung richtig idyllisch und die Aussicht phantastisch. Weingärten, hübsche Bauernhäuser, Pferdekoppeln … und dann endlich der Grillberg. Er hat ein richtiges Gipfelkreuz, dorthin wollten wir unbedingt. Wir stapften durch den hohen Schnee hinauf zum Kreuz. Ein Gipfelbuch gab es leider keines, aber ein Panorama, das seinesgleichen sucht. Die Riegersburg, fast schon nebenan der Schöckel. Davor Weingärten. Wow. Hätte es angenehmere Temperaturen gegeben, hätten wir an diesem besonderen Platz länger verweilen können. Wir stapften wieder hinunter auf die Asphaltstraße und folgten den roten Wegweisern weiter zum Weingarten auf dem Burgstallberg. Wir wanderten neben dem Weingarten hinunter und geradeaus weiter in den Wald. Wir folgten einfach einer einsamen Menschenspur im hohen Schnee. Der Waldweg führte uns an langen Holzstößen vorbei, hinauf auf eine Waldkuppe und dann steil hinunter zurück in den Ort. Bei den Häusern links abbiegen, bei der Hauptstraße rechts durch den Ort bis zur Socca-Tankstelle und zurück zum Bahnhof.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert