Von Lockenhaus zur Margarethenwarte

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Lockenhaus Hauptplatz

7 km

160 HM

2 h

 

Die Burg Lockenhaus gehört zu den originellsten und geheimnisvollsten Burgen in Österreich. Diesem historischen Gebäude wollten wir einen Besuch abstatten – doch zuvor wollten wir im Naturpark Geschriebenstein wandern.

Vom Hauptplatz ging es in Richtung der Kirche und dann rechts der Straße „Graben“ bergauf, am Ortschild vorbei und bei der Linkskurve in den Wald. Für burgenländische Verhältnisse ist dieser Wanderweg vorzüglich mit gelben Schildern markiert (man kann auch dem Weg Nr. 09 folgen).

Wir waren ziemlich alleine in diesem Wald, nur auf dem Gegenhang war ein älterer Herr mit einem Dackel unterwegs. Wir genossen die Umgebung, beobachteten Hirschkäfer im Flug und einen Schwarzspecht. Gregi wagte sich sogar ins Unterholz, weil er unbedingt die Baumhöhle entdecken wollte, in der sich junge Spechte lauthals unterhielten bzw. nach Futter schrien.

Ich stieg währenddessen den Forstweg hinauf. Eichen, Hainbuchen, Föhren und Teppiche von Heidelbeeren – eine Pracht. Endlich holte mich Gregi ein – zeitgleich mit ihm kam auch ein Auto (Forstweg mit Schranken).

Der Wagen hielt an und das Fenster wurde heruntergelassen. Ein Jäger begann ein nettes Gespräch, wir erzählten, dass wir zur Margarethenwarte wollten – er erzählte uns von den Wildschweinen, die sich hier sehr wohlfühlten. Als er weiterfuhr, meinte ich zu Gregi: Die Burgenländer sind richtig freundliche Leute und sie sind auch sehr kontaktfreudig.

Gregi, der weniger blauäugig ist als ich, antwortete: „Ich glaube, der ist nur wegen uns hierhergefahren. Mir ist eher vorgekommen, dass er kontrollieren wollte, was wir hier machen.“

„Kontrollieren, was Wanderer auf einem offiziellen Wanderweg machen?“, überlegte ich … und betrachtete Gregi mit seinem Fernglas, das er umgehängt hatte, und seinem schwarzen Stativ, das ihm meterweit aus dem Rucksack ragte.

„Glaubst du, dass der Mann mit dem Hund dein Stativ als Gewehr eingestuft und dich damit als Wilderer angesehen hat?“

Dieser Gedanke erheiterte mich einigermaßen. Wobei mir der Jäger jetzt ein bisschen leid tat. Einen vermeintlichen Wilderer durch den Wald zu verfolgen ist sicherlich nicht allzu angenehm … aber trotzdem: Gregi als Wildschütz – diese Vorstellung ist so skurril, dass ich den Rest des Tages darüber schmunzeln konnte.

Wir überquerten eine Bundesstraße, gingen über einen Parkplatz und erreichten nach kurzer Zeit die Margarethenwarte. Ein erstklassiger Aussichtsturm – schön massiv aus Holz. Auch begehbar für Menschen mit ein klein wenig Höhenangst. Und die Aussicht über ein Meer von Eichenbäumen ist einfach herrlich.

Zurück zum Parkplatz und dann in Richtung Paulusbrunnen. Hier startet auch eine gut betreute Mountainbike-Strecke. Diese Seite des Berges war steil – doch nicht so steil, als dass es ein Hindernis für einen Harvester gewesen wäre. Es waren jedoch genügend Bäume übrig, sodass wir immer im Schatten des Waldes wandern konnten.

Im Tal war eine Brücke zu überqueren, und schon sahen wir sie, die Ritterburg Lockenhaus. Auf einem Hügel stehend, von Teichen im Tal umgeben. Von dieser Seite konnte man die Festung kaum belagern.

Schon früh gab es auf diesem Hügel ein Kastell – angeblich eines der Römer. In der Nähe verlief die Bernsteinstraße, die gesichert werden wollte. Im 13. Jahrhundert wurde dann die Burg erbaut. Astronomisch ausgerichtet sollte das Gebäude sein – auch Tempelritter hätten sich darin aufgehalten.

Die Templer waren ein Ritterorden, der 1118 gegründet wurde. Einige Söhne des Hochadels fanden ihren Weg zu den Templern – mit ihnen auch eine große Menge Kapital. Die Aufgabe dieses geheimnisumwitterten Ordens war die Sicherung der Pilgerrouten ins Heilige Land. Nebenbei kümmerten sie sich um eine Art Geldwesen (Überweisungen gab es ja damals noch nicht – aber man konnte bei ihnen Geld einzahlen und an einem anderen Ort wieder beheben). Doch diese frühen „Banker“ transferierten nicht nur Geld, sondern auch Wissen (vielleicht verdanken wir ihnen die wunderbaren gotischen Bauten).

Ein Symbol der Tempelritter ist das sogenannte Tatzenkreuz. Und eben dieses Tatzenkreuz findet sich in der Mauer des geheimnisvollen und mystischen „Kultraums“ in der Burg Lockenhaus. Dieser unterirdische Raum konnte früher nur durch einen Einstieg über eine Dachluke erreicht werden, ein kleines Wasserbecken befindet sich unter der Luke. Die Wände dieses Raumes wurden aus großen Steinquadern gemauert, welche im Normalfall nur bei sakralen Bauten vorkamen.

Bei der Burgbesichtigung konnten wir bequem durch einen nachträglich errichteten Eingang in den Kultraum gelangen – da standen wir in diesem mystischen Raum mit seiner Dachluke und seinem Wasserbecken. Wozu dieser Raum auch gedient hat (Sternebeobachtung, Initiationsriten, sakrale Feiern etc.), sicher bin ich mir nur, dass es keine mittelalterliche Zisterne war.

In diesem „Kultraum“ steht ein außergewöhnlicher Stein mit einem eingeritzten Symbol. Die Deutungen dieses Ritzbildes sind sehr verwegen: Diverse Leute sahen darin die Bundeslade, eine doppelköpfige Schlange oder einen heiligen Knoten. Gregi und ich haben keinen Hang zur Mystik. Gregi interpretierte das Bild als Brezel (er hatte schon Hunger) – ich sah im Bild eine Eule, die unter Verstopfung leidet.

Riesig ist der Rittersaal der Burg – er macht ein Drittel der Grundfläche aus. Das war wohl auch unter anderem der Grund, warum diese Festung mit den Templern in Verbindung gebracht wurde. In diesem Rittersaal oder in der Konzerthalle darüber kann man wohl wunderbare Feste feiern.

Rustikal dürfte es bei den „Raubritter- und Landsknechtmahlen“ auf der Burg zugehen. Sehenswert ist die Rauchküche, die um 1550 entstanden sein soll.

Die Burg Lockenhaus kann mit zwei Rekorden aufwarten. Zuerst der erfreuliche: In der Burg befindet sich die Wochenstube der größten Wimperfledermaus-Kolonie Europas.

Der zweite Rekord ist sehr traurig. Das Guinness-Buch der Rekorde nennt die „Blutgräfin“ Elisabeth Báthory-Nádasdy (1560–1614) als die größte Serienmörderin aller Zeiten. Diese sadistische Psychopathin hat angeblich über 600 junge Mädchen gequält und getötet. Lockenhaus war einer von mehreren Orten, an denen diese brutale Mörderin ihr Unwesen trieb. Irgendwann konnte man ihr Treiben nicht mehr vertuschen, und sie erhielt „Zimmerarrest“, während ihre Bediensteten zur Todesstrafe verurteilt wurden. Doch der Kaiser hatte offensichtlich den Wunsch, dass dieser edlen Dame „kein Leid zugefügt“ werden dürfe.

So viele Menschen zu töten war im Auge des Kaiserhauses offensichtlich keine große Verfehlung. Ihr Enkel Franz III. Nádasdy allerdings verärgerte einen Habsburger Herrscher dermaßen, dass er als Verräter hingerichtet wurde. Die ungarischen Adeligen befanden, dass Kaiser Leopold I. zu wenig Hilfe bei der Abwehr der Türken leistete. Auch Franz III. Nádasdy war dieser Meinung und trat für die Freiheit des ungarischen Volkes ein – ohne Herrschaft der Habsburger. Dafür wurde er geköpft.

Dazu gibt es auch eine äußerst makabre Geschichte: Franz III. Nádasdy wurde in der Gruft des Augustiner-Eremiten-Klosters in Lockenhaus begraben. Bis 1875 gab es einen eigenen „Gruseltourismus“ zu dieser Gruft. Denn der Mesner holte für Interessierte den abgeschlagenen Kopf des Hingerichteten aus dem Sarg und präsentierte ihn den Schaulustigen.

Ganz so abartig ist der Gruseltourismus der heutigen Tage nicht mehr in Lockenhaus. Gut, es gibt unter anderem auch eine „Blutgräfin“-Führung oder eine „Dracula“-Führung, es gibt ein Gruseldinner („Dracula-Eventtheater“ oder das „Mörderische Abendmahl“) – zum Glück gibt es allerdings auch als Gegenpart dazu die Fledermaus-Führung.

Um ganz ehrlich zu sein, muss ich zugeben, dass ich mich in den Räumen der Burg nicht besonders wohlgefühlt habe und richtig froh war, das Gemäuer wieder zu verlassen. Nur in den Prof.-Paul-Anton-Keller-Gedenkräumen war es einigermaßen angenehm.

Der Dachboden der Burg muss allerdings auch okay sein, ansonsten würden sich hier die Fledermäuse nicht so wohlfühlen. Und die Mauersegler, die rund um den Turm flogen, waren auch recht munter und fröhlich.

Zurück am Hauptplatz Lockenhaus besuchten wir dann einen richtigen Wohlfühlort: das Kaffeehaus „Die Eismacher“ – ganz ohne Gruselfaktor und mit vielen Kalorien. Genauso, wie wir es mögen 😊

 

 

 

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