Riegersburg Zotterschleife Genußwanderung

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

14,6 km

327 HM

4:30 h

    

Diese Runde ist mit ihren 14,6 km und 327 Höhenmetern recht fordernd. Man kann sie allerdings auch etwas abkürzen.

Mein Tipp bei dieser Wanderung: Unbedingt eine Bankomatkarte mitnehmen. Die Zotterschleife führt zur erlesenen Schoko-Manufaktur in Bergl. Sonntags hat diese Manufaktur samt Kaffeehaus zwar geschlossen, aber es gibt einen Schokoladenautomaten, der mit wahren Schätzen gefüllt ist – jedoch wird nur Kartenzahlung akzeptiert.

Die Wanderung startet im beschaulichen Ort Riegersburg. Hier steht auch die spätgotische Hauptpfarrkirche. Ihr Bau begann im Jahr 1481 unter dem Burgherrn Reinprecht von Reichenburg. Nomen ist nicht gleich Omen: Dem Reichenburger ging das Geld aus, und so ruhte der Bau für einige Jahre. Die Kirche wurde nie verputzt, man kann noch die Gerüstlöcher erkennen. Doch gerade die Basalttuffquader machen meines Erachtens den besonderen Charme aus. Der Platz rund um die Kirche ist sehr idyllisch und hübsch mit Blumen geschmückt.

Gleich nach der Kirche befindet sich der Burgaufgang. Doch bei dieser Wanderung sind knackige 14,6 km zu bewältigen – die Burg wird wohl besser ein andermal besucht. Eng führt die Straße durch den Ort, noch enger wird sie bei der Kreuzung Friedhof / Straße nach Altenmarkt. Hier mussten wir bergab gehen, an hübschen Häusern vorbei. Besonders gefiel mir ein Häuschen, in dessen Fenster Feenfiguren hingen.

Altenmarkt ist ein sehr kleiner Ort, der einst sicherlich bedeutender war. Hier befand sich die ursprüngliche Burguntersiedlung. Als später durch Markgraf Otakar III. um die Mitte des 12. Jahrhunderts eine neue Marktsiedlung südlich der Burg gegründet wurde, wurde die ursprüngliche Burguntersiedlung zum „Alten Markt“.

Es zahlt sich aus, von Altenmarkt einen Blick auf den 482 Meter hohen Basaltkegel mit seiner Burg zu werfen. Schier uneinnehmbar muss sie anno dazumal gewirkt haben, mit ihren fast drei Kilometer langen Wehrmauern, mit ihren sechs Toren und den Basteien. Heute kraxeln auf dem Burgfelsen sehr viele Leute herum – ist er doch einer der romantischsten und eindrucksvollsten Klettergärten.

Dieser extrem markante Felsen ist vulkanischen Ursprungs. Wer sich ein bisschen mit den Vorlieben unserer Ururahnen auskennt, weiß, dass diese einen solchen außergewöhnlichen Hügel zu schätzen wussten. Seit 6000 Jahren ist dieser Berg besiedelt. Bereits im 7. Jahrhundert wurde dort die erste Fluchtburg gebaut – was nicht verwunderlich ist, denn von drei Seiten ist der Hügel praktisch uneinnehmbar.

Um 1100 wurde dann von einem Rüdiger auf der nördlichen Kuppe eine Burg gebaut (dort, wo jetzt noch die Burg steht). Rüdigers Burg – oder „Ruotkerspurch“, wie sie damals genannt wurde. Die Riegersburg war bedeutend – und damit der Besitzer dieser Burg unter Kontrolle gehalten werden konnte, beschloss der steirische Markgraf, gleich unterhalb der Burg eine „niedere Veste“ zu bauen. So entstand eine kleinere Burg (bei der jetzigen Aussichtsplattform zwischen Lichtenegger Tor und Pyramidentor).

Diese Veste war zwar kleiner, man konnte durch sie jedoch die Versorgung der höher gelegenen Burg behindern. Zum Verhängnis wurde diese Niedere Veste den Herren Wallsee-Graz. Diese lehnten sich gegen den Habsburger Herzog Ernst auf, welcher daraufhin die Niedere Veste eroberte – damit war jeglicher Nachschub für die obere Feste abgeschnitten. Die Wallseer mussten kapitulieren und verloren kurzfristig ihren Besitz. Als sie die Burg später zurückbekamen, scheuten sie keine Mühen und Kosten und ließen den Eselssteig anlegen.

Zur Entstehung des Eselssteigs gibt es eine Sage, welche von zwei verfeindeten Brüdern handelt, die in den zwei Burgen auf dem Berg wohnten. Der jüngere Bruder wollte den älteren aushungern lassen, woraufhin dieser den Eselssteig erbauen ließ, um die Versorgung der oberen Burg zu gewährleisten. Bei den Personen irrt sich die Sage, nicht jedoch beim Motiv.

Zurück zu unserer Wanderung. Von Altenmarkt aus folgten wir dem Wanderweg, welcher durch einen wunderbaren bunten Herbstwald führte. Wir hätten einen Abstecher zur „Damischen Kathl“ machen können. So nennt man einen besonderen Felsen gegenüber der Riegersburg, wo es laut Sage auch einen Wehrbau gegeben haben soll. Diese Festung versank der Sage nach allerdings sehr spektakulär im Erdboden. Zurück blieb eine verwirrte Burgherrin (die damische Kathl) und ein geomantischer Punkt, der ihren Namen trägt. Ich muss gestehen, dass wir diesen Ort nicht besucht haben. Wir folgten einfach dem Genusswanderweg nach oben, denn dort wartete eine besondere Belohnung: der Schokoladenautomat der Manufaktur Zotter.

Vom Zotter ging es kurz an der Straße entlang in Richtung Kurvenwirt. Wir staunten nicht schlecht, als wir am Hang neben uns die schönsten Pilze entdeckten, die man sich nur vorstellen konnte (dabei gab es hier nur einen Fichtenzaun und keinen Wald). Schon kamen wir zum Kulinarium der Familie Meister. Die Familie Meister stellt Sekt her. Viel Freude hätten sie mit den Herren von Urschenbeck gehabt, welche im 17. Jahrhundert für eine Zeit die Besitzer der Riegersburg waren. Eine Inschrift in der Burg erinnert noch an diese Herren. Sinngemäß lautet sie: Am 6. April 1635 begann das große Saufen, welches 20 Tage anhielt, und man hatte wirklich jeden Tag einen Rausch.

Die Urschenbecks scheinen mir recht harmlose Burgherren gewesen zu sein. Vielleicht nicht ganz so harmlos war die „Schlimme Liesl“ – Katharina Elisabeth Freifrau von Galler. Sie ist berühmt für die vielen Prozesse, die sie Zeit ihres Lebens führte. Doch wahrscheinlich war dies anno dazumal die einzige Möglichkeit, sich als Frau durchzusetzen. Die Gallerin war eine emanzipierte und tüchtige Frau. Dass die Riegersburg zur „stärksten Festung der Christenheit“ wurde, wie es der erfolgreiche Feldherr Raimund Graf von Montecuccoli behauptete, ist ihr Verdienst – und natürlich auch das der Bauern, die Frondienste leisten mussten. Die Riegersburg wurde weder von Türken noch von Ungarn eingenommen, und die Bevölkerung der Umgebung sowie das Vieh konnten im großzügigen Festungsgelände Zuflucht finden.

Wie man die Gallerin zu beurteilen hat, kann ich nicht sagen. Ihr Schwiegersohn Johann Ernst Graf von Purgstall jedoch (den sie angeblich nicht sonderlich leiden konnte) war sicherlich kein besonderer Menschenfreund. Und jetzt kommen wir zum traurigsten Kapitel der Riegersburger Geschichte – die Feldbacher Hexenprozesse. Diese begannen erst, als die legendäre Burgherrin der Riegersburg bereits tot war.

Johann Ernst Graf von Purgstall war Kommissär bei den Feldbacher Hexenprozessen. Im Sommer des Jahres 1673 gab es in der Region ganz böse Unwetter. Getreide und Früchte wurden dabei zerstört. Die Naturwissenschaft war dazumal im Gegensatz zum Aberglauben der Menschen noch nicht sonderlich entwickelt. Eine Bettlerin verbreitete Gerüchte über eine Hexengesellschaft, die angeblich vom Hatzendorfer Pfarrer Gregor Agricola angeführt würde. Das hatte zur Folge, dass im Endeffekt mindestens 95 Personen angeklagt und wahrscheinlich auch gefoltert wurden. 16 davon überlebten diese Hexenprozesse nicht.

Beim Kulinarium muss man die Straße queren, und es erfolgt der Abstieg ins Tal. Beim Steinernen Kreuz kann man sich entscheiden – schnell zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung oder der Zotterschleife weiter folgen.

Wir folgten zum Glück der Schleife weiter. Es ging zwar richtig steil bergauf, aber dieser Abschnitt der Wanderung ist extrem schön. Als wir den Waldweg verließen und auf eine schmale Asphaltstraße kamen, sah ich es: ein Marterl, das wie ein Gefängnis für Maria und das Jesuskind wirkte. Maria stand beim Gitter und sah so aus, als würde sie gleich daran rütteln wollen.

Wieder ging es bergauf. Neben uns waren prächtige Weingärten, vor uns eine riesige Pferdekoppel. Die Aussicht wurde immer spektakulärer. Richtung Süden sahen wir nach der Reihe Kogeln. Ob das früher alles Vulkane waren? Hinter uns lag die Riegersburg. Dann kamen wir am Gipfel des Berges an. Wow. Den Schöckel und die Rote Wand konnte ich ausmachen, weiter rechts sah ich dann die Kirche von Pöllauberg. Noch weiter rechts gab es ganz, ganz weit hinten auch noch Berge, die ich leider nicht zuordnen konnte. Doch ich bildete mir ein, die Burg Bernstein zu sehen.

Von nun an ging es bergab – vorbei am Genusshotel, dann steil über eine Wiese hinunter bis zum Waldrand, noch weiter hinunter und durch einen Wald wieder bergauf. Irgendwie müssen die 327 Höhenmeter zusammenkommen. Der Weg führte durch einen Bogenparcours, dann mussten wir links abbiegen und kamen schließlich zum Parkplatz unter dem Burglift.

Hier hätten wir die Straße überqueren sollen, um den Burgberg zu umrunden. Wir beschlossen allerdings, dass wir uns eine Abkürzung gönnen wollten, und gingen vom Parkplatz direkt zum Friedhof (rechts in den Wald. Das kleine Gespenst, das auf den Asphalt gemalt ist, weist den Weg – Richtung Burg).

Der Genussweg Zotterschleife ist ein richtiges Wanderhighlight. In Riegersburg gibt es viele tolle Einkehrmöglichkeiten. Ich mag das Kaffeehaus direkt im Ortszentrum. Im Lasslhof kann man gut essen. Sehr gutes Essen und eine hervorragende Aussicht bietet Wippls Bergstube. Auch empfehlen kann ich den Buschenschank Bernhard, wo man bei einem Traumblick auf die Burg herrliche Köstlichkeiten mampfen kann – jedoch eine kleine Warnung:
Die Strauben haben eine Größe, bei der eine fünfköpfige Familie satt wird 😊

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