Mühlental-Rundweg Schmied in der Weiz nach St. Kathrein am Offenegg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Schmied in der Weiz

Karlwirt

10 km

475 HM

3,5 h

       

Ich muss gestehen – ich habe eine Schwäche für Mühlen. Zum Teil liegt das daran, dass mein Lieblingsjugendbuch „Krabat“ von Ottfried Preußler von einer Mühle handelt. Doch auch in Märchen sind Mühlen, Müller (und auch deren Töchter) immer wieder sehr präsent. Nicht nur wegen der Geschichten mag ich diese Gebäude – ich bin auch eine begeisterte Getreidevertilgerin: egal ob Brot, Nudeln oder die veredelte Form (nein, nicht Whisky), sondern Mehlspeisen aller Art.

Also beschlossen wir an einem heißen Sommertag, sehr früh nach Schmied in der Weiz zu fahren, um den Mühlental-Wanderweg zu begehen. Vom Karlwirt aus startet die Wanderung (wir wären gerne dort eingekehrt – leider hatte dieses Gasthaus Betriebsurlaub). Eine Tafel zeigt den Wanderweg, und wir konnten lesen, dass es früher in St. Kathrein 99 Bauern und 101 Mühlen gegeben hatte.

Mühle ist nicht gleich Mühle. Im Weinviertler Freilichtmuseum „Niedersulz“ kann man eine wunderbare, herrschaftlich wirkende, gemauerte Mühle besuchen. Sie wurde früher bewohnt. Die Mühlen im Lambachtal waren aus Holz und wurden (glaube ich) nie bewohnt. So wie die „Lambacher Mühle“, die unterhalb eines Bauernhauses am Bach steht. Der Weg zwischen Bauernhaus und Mühle ist nicht weit. Und auf diesem Weg saßen an dem Julitag drei gelangweilte Katzen und beobachteten uns. (Da fällt mir ein Spruch von Marie Ebner-Eschenbach ein: „Die Katzen halten keinen für eloquent, der nicht miauen kann.“ Wie wahr.)

Bei der Lambacher Mühle steht ein riesiger Feuersalamander aus Hufeisen, der sich mühsam aus dem Bach zu schleppen scheint. Etwas miesepetrig sah er aus – wahrscheinlich, weil er auch nicht miauen kann und sich deshalb nicht mit den Katzen unterhalten kann.

Weiter ging es am Bach entlang, wir querten die Asphaltstraße und kamen zu einer Brücke. Dort standen wir dann eine Zeit lang und betrachteten den Wasserfall. Im kühlen Wald bummelten wir weiter und hörten Zaunkönige, Wintergoldhähnchen und Mönchsgrasmücken zwitschern … dann kam die erste Kuhweide. Junge Tiere … männliche junge Tiere. Ein halbwüchsiger Stier stampfte kurz mit dem Vorderfuß, als wir des Weges kamen, und schon hatte er uns so weit, dass wir den bequemen Wanderweg verließen und einen steilen Hang bergauf kletterten. Weiträumig umrundeten wir die Wiederkäuer und kamen dann heil (und mit sehr schmutzigen Schuhen) bei einer Raststätte vor einem Bauernhaus an.

Der Landwirt, mit dem wir ein nettes Gespräch führten, hatte einen ganz besonderen Rastplatz für müde Wanderer erschaffen. Hier mussten wir einfach verweilen und schauen: plätschernde Brunnen, prachtvolle Blumen, Hufeisenskulpturen … und dann gab es da noch einen Kühlschrank mit erfrischenden Getränken (freiwillige Spende) sowie ein WC.

Auf dem Weiterweg sahen wir dann Kälbern beim Kneippen zu – diese beobachteten ihrerseits meinen Mann Gregi, der in der Wiese lag, um besonders tolle Bilder zu knipsen (wohlbemerkt: Die Wiese war in der Früh noch ganz taunass). Die Grabenflorl-Mühle ist noch intakt, und das Mühlrad drehte sich – etwas später kamen wir zur Winkelbauermühle, die vor einigen Jahren restauriert wurde. Dafür wurden 2.000 ehrenamtliche Stunden geleistet – es hat sich ausgezahlt. Nun steht sie märchenhaft im Wald und wird von einem Drachen bewacht. Ein weiteres Kunstwerk aus Hufeisen vom Künstler Sascha Exenberger. Dieser Drache ist mein absoluter Favorit – mit seinen roten Flügeln und seinen grün leuchtenden Augen.

Steil ging es nun den Wald bergauf, dann erreichten wir eine Forststraße. Da diese auch eine Teilstrecke anderer Wanderrouten war, trafen wir hier auch andere Outdoorfreaks.

Die Erkenntnis des Tages: Dank E-Bikes können Radfahrer selbst dann noch miteinander zanken, wenn der Weg steil bergauf führt. Ihnen geht einfach nicht die Puste aus. Wie doch die Technik unser Leben bereichert!

Vom Ortsteil Zeil hatten wir eine ganz besondere Aussicht – von der Weizklamm über den Schöckel, das Passailer Becken … traumhaft. Die nächste Hufeisenskulptur hätten wir fast versäumt – so sehr waren wir vom Panorama gefesselt. Etwas versteckt oberhalb des Weges war sie, die Schnecke. Genauer gesagt bei der Abzweigung zum „Vogelbeer-Panoramaweg“. (Diese Wanderung ist auch sehr empfehlenswert. Mit 4,63 km und 158 HM ist sie in eineinhalb Stunden gut zu schaffen. Sehr schöne Aussicht.)

Wir blieben auf unserem Mühlental-Rundweg, nun ging es bergab. Neben der Straße wuchsen prächtige, alte Lindenbäume und dann – wie paradiesisch – das Hotel Spreitzhofer mit einer ganz tollen Terrasse und für die Kinder einem noch tolleren Kinderspielplatz. Da konnten wir natürlich nicht vorbei (zum Glück). Meine Kartoffel-Steinpilz-Roulade auf Ratatouille war ein Gedicht!!! Nach einer sehr großen Tasse Cappuccino hatten wir dann wieder Kraft genug, um weiterzugehen.

Wir kamen an den „hängenden Gärten der Sulamith“ vorbei (die würden wir ein andermal besuchen), an der Edelbrennerei Graf (wieder ein Lindenbaum der Extraklasse) und an der Kathreiner Alpakafarm. Von hier hatten wir schon einen tollen Blick auf die Kirche. Kurz ein Stückchen bergab zum „Steirischen Panther aus Hufeisen“.

Die Kirche von St. Kathrein gefällt mir. Sie ist nicht schmal und lang, sondern irgendwie wohlproportioniert und bodenständig. Ein massiver Turm, daneben runde Bauteile, ein gotisches Portal. Innen ist sie hell und freundlich und hat eine sehr angenehme Atmosphäre. Sieht man nach vorne, dann gibt es den Hochaltar, geht man nach rechts, sieht man den ehemaligen Hochaltar. Zweimal wurde die Kirche umgebaut – einmal in der Hochgotik und einmal im Hochbarock. Und dort hat man dann die Kirchachse geändert.

Ein Bild zeigt auch die heilige Katharina – zu ihren Füßen ein kaputtes Rad. „Barbara mit dem Turm, Margareta mit dem Wurm und Katharina mit dem Radl – das sind die drei heiligen Madln.“ Würde man die drei Initialen nehmen: K + M + B – die gleichen wie die Jungs mit ihrem Weihrauch, Gold und Myrrhe. Nur dass diese drei Frauen zu den 14 Nothelfern gehören und im Leben fürchterliche Grauslichkeiten erlebt hatten. (Die Frauenquote bei den Nothelfern: 3 von 14.)

Ein neuer Pilgerort hat sich unterhalb der Kirche entwickelt. Ich hatte ja schon von der Veredelung von Mühlenprodukten gesprochen – und Eveline Wild als Konditor-Weltmeisterin beherrscht diese Kunst besonders gut. Da wir jedoch noch satt und zufrieden waren (und dunkle Wolken über den Bergen aufzogen), zogen wir es vor, über den Kirchsteig zum Ausgangspunkt unserer Wanderung zu gelangen.

An einem Dammhirschgehege vorbei, über eine Kuhweide und dann den Serpentinenpfad den steilen Wald hinunter. Inzwischen hörten wir auch schon Donnergrollen – also beeilte ich mich. Gregi blieb stoisch ruhig und wollte sich partout nicht sputen.

Auf den letzten Metern zum Auto fielen die ersten Regentropfen – ich war heilfroh, rechtzeitig ins Trockene zu kommen. Kaum saßen wir in unserem fahrbaren Untersatz, hörte es zu regnen auf. Gut, die Weizklamm bei einem schlimmen Gewitter zu durchfahren wäre auch keine beruhigende Vorstellung für mich.

Übrigens: Weizklamm. Ich weiß nicht, ob es anderen Personen genauso geht. Aber bei jeder Kurve stelle ich mir immer vor, dass ein Drache uns entgegenfliegen könnte – ein hübscher Drache – aus Hufeisen und mit roten Flügeln und grünen, wunderbaren Augen.

 

 

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