Distanz | Höhenmeter | Dauer | |
| 2,7 km | 180 HM | 1,5 h bis 2 h |




















Die Kesselfallklamm ist ein wahres Naturjuwel im Norden von Graz. Eltern mit Kindern lieben dieses gut besuchte Ausflugsziel. In meinen zahlreichen Wanderführern konnte ich diese Tour jedoch beinahe nicht finden. Nur in den „Erlebniswanderungen“ von Hans Hödl wurde ich fündig.
Diese Klamm mit ihren tollen Steiganlagen wird als die kleine Schwester der Bärnschützklamm bezeichnet. Mehr als 50 Brücken und etwa 2.800 Sprossen begeht man auf dieser Wanderung – und diese großartige Anlage muss auch betreut werden.
1904 war die feierliche Eröffnung der Stege, die vom Steirischen Gebirgsverein montiert worden waren. Schon 1873 hatte man einen Fußweg zur Kesselfallklamm angelegt. Doch der Röschitzbach ist eigenwillig. Hin und wieder verschwindet er – was den Stegen nichts ausmacht. Doch hin und wieder schwillt er auch gewaltig an – was für die Holzstege fatal ist. 1975 gab es zum Beispiel ein Hochwasser, bei dem Brücken weggerissen wurden. Und im Juni 2024 ereignete sich wieder ein solch verheerendes Ereignis: Vier Brücken mussten ersetzt, 15 bis 16 Meter Stege sowie 60 Meter Handläufe erneuert werden. Außerdem musste ein Auto von der Feuerwehr aus der Klamm geborgen werden, das durch die massiven Wassermassen in die Tiefe gespült worden war.
Im August 2025, als wir in der Klamm unterwegs waren, zeigte sie sich von ihrer allerbesten Seite. Wir waren bereits um 5 Uhr früh aufgestanden, um beim Wandern der größten Hitze zu entgehen. Beim Sandwirt gibt es Parkplätze. Es bedarf einer gewissen Disziplin, an dem wirklich einladenden Gastgarten neben der herrlichen Linde (Naturdenkmal) vorbeizugehen. Doch man kommt ja schließlich wieder zurück – also auf zur Wanderung.
Eine große Wiese mit Bienenhäuschen und Bänken – links neben uns sollte es einen Bach geben. Sollte – aber kein Wasser. Wir kamen zum Eingang der Klamm, wo man um eine freiwillige Spende gebeten wird. Angesichts der vielen hervorragend gewarteten Stege wird die Spende sicherlich gut verwendet.
Kaum hatten wir die Klamm betreten, gab es auch schon Wasser. Es hüpfte munter über die Steine, kleine Wasserfälle – größere Wasserfälle (der höchste hat eine Fallhöhe von 38 Metern). Riesige Steine liegen im Bachbett, schneeweiß. Blickt man nach oben, sieht man die spektakuläre Steiganlage – wow! Links und rechts neben uns türmten sich hohe, schroffe Felswände auf – helle Kalksteine – mit ganz vielen Höhlen, wie ein Schweizer Käse. Auf eine dieser steilen Felswände führt ein Klettersteig; darunter befindet sich ein seichtes Wasserbecken – richtig toll für Kinder. In dieses Wasserbecken mündet der herrliche Wasserfall. Durch die Klamm zieht ein kühles Lüfterl – wie wohltuend! So lässt sich ein heißer Sommertag richtig genießen. Noch dazu duftete es hier ganz wunderbar nach Zyklamen – der schönste Duft im August.
Pflanzen sind offensichtlich schwindelfrei, dachte ich, während ich eine richtig steile Treppe hinaufstieg und die Mini-Glockenblümchen und Mini-Farne betrachtete. Ich bin normalerweise nicht ganz schwindelfrei, aber diese Steiganlagen sind so toll gemacht, dass ich mich hier sehr sicher fühlte. Ich sah auf das fallende Wasser, das im Laufe von sehr, sehr vielen Jahren zwei kreisrunde Wannen mit spiegelglatten Wänden ausgespült hatte. In einem Felsenspalt hatte sich ein Stein verklemmt; dahinter schoss das Wasser in die Tiefe. Durchatmen und Kraft tanken.
Apropos Kraft tanken: Radiästheten hatten die Klamm untersucht. Acht spezielle Kraftpunkte gibt es in ihr. Einer davon liegt bei der Gedenktafel zur Eröffnung der Klamm 1914. Ich stand also dort (tags zuvor hatte ich über prähistorische Felsritzbilder in schwer zugänglichen alpinen Bereichen gelesen) und überlegte, ob es in dieser Klamm auch solche geben könnte. Prähistorische habe ich keine gesehen. Allerdings entdeckte ich eingeritzte Initialen im Kalkstein – auf Augenhöhe, genau dort, wo ich stand. Vielleicht sind wir gar nicht so viel anders gestrickt als unsere Vor-Vorfahren.
Ein ganz toller Kraftpunkt liegt sozusagen eine Etage höher. Hier kann der Bach einige Meter ruhig fließen, ohne viele Höhenmeter zurücklegen zu müssen. In diesem beschaulichen Bachbett haben Besucher kleine Steintürmchen errichtet. Gut ausbalanciert sind sie, diese kleinen Kunstwerke, und erfreuen uns – zumindest bis zum nächsten Starkregenereignis.
Bei der Kerschbaummühle verließen wir den Röschitzbach, der diese herrliche Klamm gestaltet hat. Nicht weit von ihm hat sein Bruder, der Lurbach, auch ein einzigartiges Naturjuwel geformt – die Lurgrotte. Auch die Lurgrotte litt sehr unter dem Hochwasser im Jahr 1975. Davor konnte man sie durchschreiten – was danach nicht mehr möglich war. Diesen Bruder mit seinem unterirdischen Naturwunder werden wir ein andermal besuchen. Wir folgten dem Wanderweg 740B bergauf, an einem Steinsturz vorbei, hinauf zum Felsentor.
Das Felsentor ist sehr imposant. Ich bin nicht ganz schwindelfrei und bin lieber auf der sicheren Seite unterwegs. Daher bin ich nicht zum Tor hinuntergestiegen, sondern habe es mir aus sicherer Entfernung – vom Wanderweg aus – angesehen. Beim Recherchieren habe ich dann herausgefunden, dass das Felsentor tatsächlich nicht ganz harmlos ist. Im Oktober 2024 stürzte dort ein Wanderer 40 Meter in die Tiefe.
Weiter führte die Wanderung bergauf, an einem riesenhaften Felsenturm vorbei. An der höchsten Stelle der Wanderung gab es zwei Bänke; dahinter wuchsen hübsche Buchen. Auch dort hatten sich einige Leute mit ihren Namen in der Rinde verewigt. Dann kam ein Weg, der breit war und sanft den Hang hinabführte. Eine hübsche, weiße Höhle war hinter Büschen versteckt; Bänke standen davor – ein Ort zum Wohlfühlen.
Irgendwann wurde der Abstieg etwas steiler, aber der Weg ist gut ausgebaut und bestens abgesichert. Kurz bevor wir wieder beim Sandwirt ankamen, begleitete uns erneut ein munteres Bächlein mit einigen kleinen Wasserfällen.
Da wir früh aufgebrochen waren, waren wir auch sehr früh wieder beim Sandwirt zurück. So konnten wir uns einen richtig tollen Tisch aussuchen. Es war ein bisschen vor 11 Uhr, und sehr viele Familien mit Kindern starteten gerade ihre Wanderung – sofern sie die Kinder am einladenden Spielplatz des Gasthauses vorbeibrachten. Die Ruhe und Beschaulichkeit, die wir noch in der Klamm genossen hatten, würde nun einem emsigen Treiben mit hoffentlich Kinderlachen weichen. Auch nicht schlecht.
Wir hatten das Glück, eine richtig gute Schwammerlsuppe mit Heidensterz zu bekommen – frisch gemacht mit ganz, ganz vielen Schwammerln und frisch geschnittener Petersilie. Ein Gedicht. Jetzt verstand ich, warum so viele Wanderer Plätze reservierten. Den Sandwirt können wir unbedingt weiterempfehlen.
Dann fuhren wir wieder auf der engen Straße den Graben hinaus, vorbei an der Firma Parz, die steirische Harmonikas herstellt, und an einem Unternehmen mit vielen Lastwagen. (Wobei ich mich schon fragte, wie die bei dieser engen Straße fahren konnten. Gut, dass Sonntag war und uns solch ein Brummer nicht entgegenkam.)
Mit ihren 2,7 km ist diese Wanderung natürlich keine große Herausforderung – vielleicht ist sie daher in Wanderführern nicht so präsent. Aber diese 2,7 km sind nicht nur einzigartig schön, sondern auch dank ihrer Kraftplätze sehr aufbauend und wohltuend. Eine richtige 5-Sterne-Wanderung – nicht nur für Kinder.



























