Gleinstättner Runde – Variante 18a

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

12 km

129 HM

3:09 h

       

Start: Schloss Gleinstätten

Mitte April war es sehr heiß (Deutschlandsberg hatte an diesem Tag den Hitzerekord von Österreich mit 31,6 Grad) und wir hatten beschlossen, Gleinstätten einen Besuch abzustatten.

Von Gleinstätten aus gibt es mehrere tolle Wanderrouten. Eine führt zu den Fürstengräbern (diesen archäologischen Wanderweg wollen wir ein andermal gehen). An diesem Aprilsonntag nahmen wir uns die Gleinstättner Runde, Variante 18a, vor. Laut Bergfex und gelben Wegweisern führt die Route vom Schloss zum Literwirt, weiter zum Georgenberg, dann nach Prarath zum Landgasthaus Rath, zurück nach Gleinstätten (so ähnlich waren wir diese Runde auch schon mal im Oktober 2022 gegangen). Diesmal waren wir leider etwas kreativer unterwegs – im Nachhinein kann ich beurteilen, dass wir doch den Wegweisern folgen hätten sollen.

Wer nach Gleinstätten kommt, sollte unbedingt den Park mit seinem wunderbaren alten Baumbestand und den LandArt-Konstellationen besichtigen. Der Spiegel, der wie ein riesengroßer Gullydeckel halb geöffnet ist, hatte es mir angetan … und noch mehr die schrägen Tonvögel, die in einem Riesenbaum „abhingen“.

Das größte Kunstwerk in Gleinstätten befindet sich hinter dem Renaissanceschloss. Ein Wegerl mit rotem Schotter führt am Schloss vorbei zu diesem Traum von einem Aupark. Das Betätigungsfeld von wahrlich kompetenten GärtnerInnen. Die Böschung zwischen dem Schloss und dem ehemaligen Wehrbach (ein kurzer Seitenarm der Sulm) ist sehr steil und richtig kreativ bepflanzt. Stundenlang könnte man hier verweilen und schauen. Der Aupark ist wirklich pittoresk. Das fand auch eine junge Familie, die, hübsch in Trachten gekleidet, mit einem friedlichen Täufling in diesem versteckten Aupark ein Fotoshooting hatte.

Gleinstätten hieß früher einmal Micheldorf. Die Besitzer von Micheldorf waren die Freiherren von Gleinz. Sie durften „ihr Dorf“ ab 1523 Gleinzstätten nennen. So feudal geht es jetzt in dem hübschen Schloss mit seinen vier Zwiebeltürmen nicht mehr zu. Das Gemeindeamt sowie der Kindergarten sind darin untergebracht – hie und da kann man in diesem herrlichen Ambiente auch Konzerte hören.

Doch nun zu unserer Wanderung. Wir hatten ein neues Wanderbuch und darin fanden wir eine Flusswanderung an der Sulm, dieser Empfehlung wollten wir folgen. Wir ignorierten die gelben Wanderschilder und kamen am Naturbadesee mit seinem einladenden Seepavillon vorbei, auch an der Berufsschule, weiter ging es durch die Orte Haslach und Prarath. Am Ortsende von Prarath querten wir einen Bach und kamen schließlich über Gertis Mostschenke an die Sulm. Es war ein sehr heißer Tag, bis jetzt waren wir auf Asphalt unterwegs gewesen – durch Ortsgebiete und an Feldern vorbei. Vielleicht nicht die beste Entscheidung. 2022 folgten wir den Wegweisern und die Wegführung war entschieden toller.

Die Sulm (an dieser Stelle sind die weiße und die schwarze Sulm bereits vereint) entschädigte uns für die Anstrengungen. War der Fluss für sich schon schön, waren wir noch mehr vom Leben am Fluss begeistert. Eine Gebirgsstelze mit fröhlich funkelnden Augen und rundlichem gelbem Bäuchlein war unterwegs. Klar, dass sie so zufrieden aussah, hatte sie doch ein fettes Insekt im Schnabel. Schmetterlinge flatterten und waren leider viel zu schnell und unruhig, als dass man sie fotografieren hätte können. Wir marschierten flussabwärts auf einem Feldweg zum Teil der Sulm entlang, bis wir den Ort Haslach erreichten.

Im Ort Haslach bogen wir rechts ab, die Asphaltstraße den Berg hinauf. Hier gab es einen Wald, was bei dieser Temperatur schon angenehm war. Bei der Kreuzung folgten wir dann dem Hinweisschild „Buschenschank Pölzl Bernhardtkeller“, was sich als sehr gute Wahl herausstellte. Ein sehr gepflegter Gastbetrieb mit einer guten Jause und absolut rekordverdächtiger Aussichtsterrasse. Den großen Speikkogel mit der Goldhaube gab es da zu sehen, die Josefikirche von Schwanberg sowie die Burg Deutschlandsberg. Unter dem Buschenschank war eine Weide mit schwarzen Schafen, hinter dem Buschenschank gab es Kellerstöckel und blühende Apfelbäume. Wunderbar. Gregi war mehr als zufrieden: Erstens hatte er vorhin einen Schwalbenschwanz fotografiert und eine gute Mehlspeise hatte er auch noch bekommen.

Ein kurzes Stückerl (die Auffahrt vom Buschenschank) mussten wir zurückgehen, dann ging es einen steilen Schotterweg bergauf. Gregi fotografierte noch die Erdbeerblüten, während ich schon die Anhöhe erreicht hatte und voller Begeisterung in der Ferne die Kirche von Kitzeck entdeckte.

Unser nächstes Wanderziel war auch eine Kirche. Eine ganz besondere noch dazu. Die Wallfahrtskirche St. Georgen am Lukowitsch ist uralt – romanisch/gotisch – und man muss den Weg zwischen den blühenden Apfelbäumen schon suchen, um von der Straße zu ihr zu gelangen. Bei dieser Wanderung hatte ich die Kirche das zweite Mal gesehen, und wieder war ich begeistert. Steinerne Stufen führen zum Eingang, der Raum zwischen den zwei breiten Säulen und Kirchentür wirkte einladend. Eine einzigartige Kirche (um 1050 gebaut und somit eine der ältesten der Gegend) an einem mit Bedacht gewählten Ort.

Am Georgisonntag sollte es hier eine Pferdesegnung geben. Der heilige Georg gehört zu den vierzehn Nothelfern. Er wird gerne als Ritter mit Lanze auf einem Pferd dargestellt – ein Drache vervollständigt das Bild. Der Legende nach hatte er eine Jungfrau vor einem Drachen gerettet. Der heilige Georg ist schon tot und kann sich nicht mehr über dieses Lügenmärchen beschweren. Er konnte es sich auch nicht aussuchen, wem er als Schutzpatron dienen sollte. Im Mittelalter war seine Verehrung so groß, dass er zum Schutzpatron der Ritter wurde. Später machte er richtig Karriere als Schutzpatron von ganz England.

Gregi musste was Außergewöhnliches entdeckt haben … er lag in der Wiese mit einsatzbereitem Fotoapparat. Welches Insekt er denn fotografieren wolle, erkundigte ich mich. „Kein Insekt – die Kirche“, kam zur Antwort. Die Kirche ist groß und er hätte sie auch ganz kommod im Stehen fotografieren können. Wieso musste er also schon wieder eine Hose mit Grasflecken verunstalten?

Über ein steiles Treppchen kamen wir wieder auf die Gemeindestraße. Dieser folgten wir ganz kurz, dann war die Abzweigung zum „Kremser Keller“. Bierbänke standen unter Obstbäumen, wir gingen an diesem gut besuchten Buschenschank vorbei und zweigten noch im Parkplatzbereich in den Wald ab. Das Wegerl führte bergab, schließlich erreichten wir wieder die Gemeindestraße. Bei der Kreuzung (hölzernes Marterl) folgten wir nicht dem Wanderwegweiser 18, sondern wir bogen rechts in den Wald ab. Der Weg, der uns wieder ins Tal führte, zeigte den Wald von seiner schönsten Seite.

Wieder kamen wir nach Haslach. In mittelalterlichen italienischen Städten drängen sich „Geschlechtertürme“ auf engsten Raum und sorgen noch Jahrhunderte später dafür, dass sich Touristen an ihrem Anblick freuen. Die Silotürme in Haslach sind leider weniger hübsch. Die Kreuzung passierten wir schon mal, nur dass wir diesmal links abbogen, an einem Mostschank vorbei in Richtung Sulm. Die Brücke mussten wir queren, direkt neben dem Fluss gibt es einen bequemen Feldweg. An der Wehr badeten Jugendliche, Mutige sprangen in das aufgestaute Wasser. Kurz ging es noch die Sulm entlang, dann entlang eines Feldrains, schließlich zu einem Seitenarm der Sulm, über eine Brücke und wieder in den Ort Gleinstätten.

Wir waren weit gegangen an diesem heißen Tag, also hatten wir uns noch eine Belohnung verdient. Die Konditorei Kundlatsch mit ihrem wunderbaren Eisangebot kam uns da gerade recht.

„Brodlsulzweg“ – Sankt Anna/Aigen

Distanz

7,8 km

Höhenmeter

180 HM

Dauer

3 h

 

Start:

Sankt Anna 

 

Ortsteil Plesch

Sankt Anna ist ein magisch schöner Ort. Etliche lohnenswerte Wanderungen kann man von Sankt Anna aus starten. An einem prächtigen Maisonntag machten wir uns wieder auf den Weg in den Süden, um die hübsche Weinbaugemeinde zu besuchen.

Den Weinweg der Sinne kannten wir schon. Er ist wunderschön und hatte berechtigterweise bei der Sendung „9 Plätze – 9 Schätze“ im Jahr 2016 einen Stockerlplatz erhalten. Doch wir wollten etwas Neues entdecken. Die Brodlsulz – entschied ich. Diese hatten wir zwar auch schon mal vor über einem Jahrzehnt gesehen (als Geocache-Punkt) – doch der Brodlsulzweg war für uns Neuland. Also fuhren wir in Richtung Sankt Anna – um genau zu sein, zum Ort Plesch. Wir sahen eine große Wiese, die gemäht war, dort standen viele Parkplatzzeichen. „So ein riesiger Wandererparkplatz“, freute ich mich. „Bisschen euphorisch sind die schon, bis jetzt sind wir die einzigen Wanderer“, meinte ich, als unser Auto so allein auf der Wiese stand.

Wir gingen den Weg bergab, dann folgten wir dem Wegweiser „Buschenschank Scharl“. Wir erreichten eine Holunderplantage und einen wunderbaren Aussichtspunkt auf Sankt Anna und auf die Kapelle von Schemming. Ein Falke schwebte hoch über unseren Köpfen, wir folgten dem Weg weiter und erreichten einen recht naturbelassenen Weingarten. Gras wuchs hoch zwischen den Reben, Schmetterlinge waren unterwegs, nur dass sich diese luftigen Gesellen nicht fotografieren lassen wollten. Sie spielten: Alles flattert – niemand sitzt. Wir gaben den Versuch auf, einigermaßen brauchbare Fotos zu bekommen, und stiegen den Hang bergauf, ein hübsches Bankerl (wieder mit herrlicher Aussicht), dann führte uns der Weg direkt entlang der Weinreben zu einer weiteren Holunderplantage.

Der Hollerbusch ist durch und durch positiv. Er steht für Schutz und Segen – vielleicht wurde er auch als heilig angesehen („holy“ heißt ja heilig). Ein Hollerbusch beschützt das Tor zur Anderswelt, er wird von guten Geistern bewohnt. Jeder Hof sollte seinen eigenen Hollerbusch haben – eine Forderung, die Sinn macht, wenn man um die Heilkraft des Holunders weiß. Entzündungshemmend, schmerzlindernd und fiebersenkend ist seine Wirkung, er hat einen positiven Einfluss auf Herz und Kreislauf, verbessert den Sauerstofftransport im Blut und hilft dabei, Stress abzubauen. Sogar im Harry-Potter-Universum wird der Holunder besonders geehrt. Der „Elder-Zauberstab“ (Elder = Holunder) ist der mächtigste Zauberstab – und er gehörte natürlich Albus Dumbledore.

Doch zurück vom Reich der Fantasie zu unserer reellen Naturwanderung, die nicht minder erlebnisreich war. Im Wald wurde Gregi ganz hellhörig. „Hörst du die jungen Spechte betteln?“, erkundigte er sich und beäugte die Bäume in der Umgebung. Tatsächlich, ein dürrer Baumstamm mit mehreren Spechtlöchern, und jetzt hörte ich ihn auch, den Spechtkinderchor. Da ich annahm, dass die Spechtmutter sicherlich nicht zur Bruthöhle fliegen würde, solange wir hier beobachtend stünden, zog ich den maulenden Gregi weiter.

Im Mai durch einen Laubwald zu gehen ist ein reines Vergnügen für Nase, Auge und Ohren. Die Blüten der wild wuchernden Holunderbüsche riechen nach wie vor am besten, die Vögel sind quietschfidel, alles ist in diesem herrlich hellen Grün. Wir erreichten den Waldrand und ich schlug vor, uns auf ein Bankerl zu setzen und zu jausnen. Gregi war natürlich sofort einverstanden, was nicht nur daran lag, dass er immer damit einverstanden ist, wenn es was zu Essen gibt – nein, diesmal hatte er noch einen zweiten Grund (den er mir vorerst wohlweislich verheimlichte). Was ich – im Gegensatz zu ihm – nicht mitbekommen hatte, war, dass hoch über unseren Köpfen Familie Kleiber nistete. Hätte ich das gewusst, wäre ich bestimmt nicht so dreist gewesen, mich direkt darunter auf ein Bankerl zu setzen. Erst als Gregi sein Jausenbrot freiwillig weglegte und nach dem großen Teleobjektiv griff, checkte ich, was sich hier abspielte.

Zur Brodlsulz führt eine Treppe hinab, im Bach blubbert es ein bisschen, daneben, in einem gemauerten Becken, brodelt es so richtig. Die einzige echte Mofette in Österreich. Die Brodlsulz erzählt von der vergangenen vulkanischen Aktivität in dieser Gegend. Gas steigt durch Gesteinsklüfte und Risse an die Oberfläche und bringt das Wasser zum Wallen. In diesen natürlichen Whirlpool zu steigen wäre allerdings sehr leichtsinnig. Der CO2-Gasgehalt ist hier sehr hoch – und forderte/fordert immer wieder Todesopfer. Als wir vor dem sprudelnden Becken standen, entdeckten wir einen toten Laubfrosch. 1904 war hier ein Gendarm ums Leben gekommen. Irgendwie war ich froh, als ich die Treppen bergauf stieg und den Wald mit diesem unheimlichen Ort verlassen konnte.

Kurz ging es eine Asphaltstraße bergan (Achtung, die Wegweiser, die beim Waldrand stehen und nach rechts hinunterzeigen, betreffen eine andere Wanderung). Wir mussten eine kleine Strecke durch den Wald, dann links abbiegen, dann nochmals links – und wir hatten den höchsten Punkt unserer Wanderung erreicht. Ein Hochwasserbehälter mit einem traumhaften Ausblick auf den Königsberg. Weit dahinter (ich nehme an, in Slowenien) eine blaue Silhouette eines Tafelberges. Es ging bergab durch Klapping … an Häusern, Labestationen, Weinhöfen und Buschenschenken vorbei. „Die Landschaft trägt hier Streifen“, meinte ich, als ich die Reihen von Wein, Holunder und sogar von Johannisbeeren auf dem Gegenhang entdeckte. Klapping ist weitaus älter als Sankt Anna. Es wurde bereits 1318 als Chlaeppen erwähnt. Auch Risola wurde 1322 als „Rizzilach“ erwähnt. Sankt Anna selbst ist seit circa 400 Jahren besiedelt.

In der Nähe von Klapping-Mühle sollte es eine starke Quelle gegeben haben, mit warmem heilkräftigem Wasser, welches auch im Winter nicht einfror. Die „Warme Wäsche“ wurde sie genannt. Eine Sage handelt auch von einer Stadt, die einst im Pleschbachtal gestanden haben und im Boden versunken sein sollte. Im Pleschbachtal gibt es nicht viele ebene Stellen – ich sehe eigentlich nur eine relativ kleine. Ob dies die Stelle der versunkenen Stadt sein sollte? Heute ist sie jedenfalls ein Fußballfeld.

Bei der Labestation Anne Grießbacher machten wir eine Pause und plauderten recht angeregt mit der Seniorbäuerin. „Heute wird im Plesch ein Kellerstöckl eröffnet – es gibt dort ein großes Fest“, erklärte sie, als gerade sehr viele Vespas an uns vorbeibrausten.

„Ich glaube, wir parken doch auf keinem Wandererparkplatz“, erklärte ich Gregi, als wir weiter den Hügel nach oben gingen. „Ein Fest zur Eröffnung eines Kellerstöckls – na, mir ist die Wiese ohnehin zu groß für einen Wandererparkplatz vorgekommen.“ Wir kamen wieder zum Waldrand, wo wir den Parasol entdeckt hatten, und kehrten nun den bereits bekannten Weg zurück. Wir hatten einen tollen Blick auf das Geschehen auf dem gegenüberliegenden Hügel – ein Kellerstöckl, viele Sonnenschirme, noch mehr Gäste, und fast alle Fahrzeuge parkten entlang der Zufahrtsstraße.

„Vielleicht ist das hier doch der Wandererparkplatz“, bemerkte ich, als ich sah, dass außer unserem Auto nur noch zwei weitere auf der großen Wiese standen. „Egal“, meinte Gregi und startete unseren fahrbaren Untersatz. „Jetzt haben wir uns das Eis verdient! Ab nach Sankt Anna, zur Eisdiele.“

„Kleine Raabklamm“ – Oberdorf bei Mitterdorf an der Raab

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

7 km

160 HM

2:30 h 

Start:

Oberdorf

Wanderparkplatz  

Route: Oberdorf- Kleine Raabklamm – Stoffmühle – Hohenkogel – Oberdorf

Am Ostersonntag, nach einer richtig netten Familienfeier, wollten Gregi und ich noch wandern gehen. Weit wollten wir nicht mehr fahren, immerhin war es nicht mehr ganz früh. Also erkor Gregi die Kleine Raabklamm als unser Ziel aus. „Ich will was Neues entdecken“, beschwerte ich mich. „Die Kleine Raabklamm kenn ich in- und auswendig.“ Als gebürtige Ruprechterin war ich als Teenager sehr oft mit dem Rad dort gewesen. Bis zum Franz-Ludwig-Steig war man dazumal mit dem Drahtesel gekommen. Aber auch ins Bärental sind wir geradelt. Und sogar den tollen steilen Weg rechts hinter der Könighanslwiese neben dem munteren Bach mit seinen Kaskaden hinauf nach Hafning hatte ich als Schülerin mein Radl schon raufgeschoben.

„Wasseramseln sind in der Klamm … und Bachstelzen auch“, argumentierte Gregi und ich war überredet. Das Auto parkten wir auf dem Wanderparkplatz in Oberdorf. Wir marschierten an hübschen alten Bauernhäusern vorbei in die Klamm. Sobald man zum Fluss vorkonnte, war Gregi auch schon dort. Ich fotografierte das hübsche grüngelbe Milzkraut, das hier üppig wucherte, Gregi hatte eine Wasseramsel entdeckt. Wasseramseln sind mir sympathisch, sind sie mir doch sehr ähnlich. Sie werden so beschrieben: „Sehr kompakt – oft dick wirkend. Sie lieben saubere, schnell fließende Bäche und Flüsse.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Das Wasser der Raab ist im Bereich der Kleinen Raabklamm wirklich noch klar und sauber. Die braune Färbung des Wassers kommt erst später. Laut dem tollen Buch „Die Raab“ von Andreas Stiermeier fließt der Fluss ab Gleisdorf bis zu ihrer Mündung in Györ durch Braunerdeböden. Ihr Name sollte vom keltischen Wort „Arrabo“ stammen, was die „Braune“ bedeutet. Diesem Buch habe ich auch entnommen, dass die Raab 427 km lang ist – 4 wunderbare Kilometer davon würden wir bei der Wanderung erleben.

Wir waren nur einige Meter weitergekommen und konnten schon Stockenten beobachten … und auch Wanderer (mit und ohne Kinder oder Hunde), Radfahrer und auch verliebte junge Paare. Ein breiter Weg führt den Fluss entlang, da kann man toll Händchen haltend nebeneinandergehen. Zumindest wenn man keine Kamera dabeihat. Denn in diesem Flussabschnitt gibt es so viele tolle Fotomotive: Leberblümchen, Pestwurz, Frühlingsplatterbse, Lerchensporn, Buschwindröschen, Sumpfdotterblume etc. Und dann immer wieder die tollen Vögel im Fluss. Die schon beschriebene Wasseramsel, die schwarz-weiße Bachstelze und die Gebirgsbachstelze mit dem gelben Bäuchlein.

Die Kleine Raabklamm zählt nicht umsonst zu den längsten naturnah erhaltenen Flussstrecken in Österreich. Mal ist das Wasser seicht … Steine, Schotter- und Sandbänke sind zu sehen … dann gibt es wieder tiefe Tumpfe. Und auch das Tal selbst ändert sich ständig. Steile Schluchtwälder wechseln sich mit Auwäldern und Wiesen ab. Auf der Könighanslwiese sollte es in früheren Zeiten sogar einmal einen Imbissstand gegeben haben. Jetzt ist auf diesem wunderbaren Ort zum Glück wieder Ruhe eingekehrt.

Musste man früher über den Franz-Ludwig-Steig kraxeln, um weiter in Richtung Kleinsemmering zu gelangen, kann man jetzt bequem und eben neben der Raab diesem Steig ausweichen. Langsam näherten wir uns dem Parkplatz Stoffmühle, als wir voller Freude auf den Felsen über der Raab die Ruine der Burg Raabeck entdeckten. Viel ist nicht mehr übrig von diesem alten Wehrbau. Doch wenn man bedenkt, dass diese Burg schon Ende des Mittelalters aufgegeben worden war – na, dann wundert man sich doch, dass da überhaupt noch Mauern stehen.

Auf der anderen Flussseite ging unsere Wanderung weiter, ein kurzes Stück die Asphaltstraße entlang, dann durften wir wieder links in den Wald einbiegen. Der Weg führte bergauf. Statt die gelben Blüten der Sumpfdotterblumen sahen wir jetzt die lilafarbigen der Erika. Fünf Rehe liefen vor mir über den Waldweg und den steilen Hang hinab. Dann sah ich den Grund der Flucht. Eine Wanderin, die mit ihrem Hund unterwegs war. Zum Glück hatte sie ihren vierbeinigen Freund an der Leine, so hatten die Rehe nichts zu befürchten. Drehte man sich um, konnte man den Schöckl und das Almenland sehen.

Schnaufend kamen wir in Hohenkogl heraus. Zuvor entdeckte ich noch einen Eichelhäher sowie eine Drossel. Alte Obstbäume standen in vollster Blüte, der Saharasand färbte den Himmel. Vor einem Kellerstöckel stand ein Heuwender, Hühner waren hier im wahrsten Sinne des Wortes Freilandhendln. Begeistert gingen wir weiter, die Aussicht war einfach genial. Wie auf einem Balkon sahen wir auf das Raabtal, das sich vor uns weitete. Vorne rechts war Mitterdorf, Schloss Stadl war zu sehen, Ruprecht – weit unten Gleisdorf. Sogar die Gleichenberger Kögel konnte ich entdecken.

„Zwei Knaben gingen auf den Ötscher und wurden matt und immer mätscher, dann sagt der Mätschere zum Matschen, jetzt können wir wieder obihatschen!“, war ein Spruch, den wir in der Kindheit liebten. Uns ging es ähnlich. Kaum hatten wir den anstrengenden Aufstieg hinter uns, ging es den Berg wieder steil hinunter. Wieder durch einen Wald, diesmal gab es mehr Laubbäume.

In Oberdorf leben meines Erachtens sehr gastfreundliche und aufgeschlossene Leute. „Getränke könnte man aus dem Keller holen“, stand bei einem Haus. Davor stand ein richtig hübsches blaues Marterl und nun kam ein Ehepaar daher, das offensichtlich eine Kerze bei diesem Bildstock anzünden wollte. Wir plauderten eine Zeit lang recht nett mit den beiden, die uns vom Brutplatz der Wasseramsel erzählten.

Jetzt war es nicht mehr weit zum Auto. Auch nicht weit weg vom Parkplatz war das Restaurant „Mittelpunkt“. Wir kennen es noch nicht. Ostersonntag war es leider geschlossen. Was uns am besagten Tag auch ziemlich egal war, da wir zuvor ohnehin eine üppige Osterjause hatten. Also das nächste Mal, wenn wir wieder die Wasseramseln besuchen, dann könnten wir vielleicht auch dieses Gasthaus erforschen.

  

„K13 murauen.weg“ – Halbenrain

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

13 km

div. Abkürzungs-möglichkeiten

8 HM

4 h

Start:

Halbenrain

Bahnhof  

Anfang März zieht es uns immer in den Süden. Diesmal fuhren wir nach Halbenrain, um den Wanderweg K13 murauen.weg zu entdecken. Sonntags war der Parkplatz vor dem Gemeindeamt leer, also starteten wir unsere Wanderung hier, marschierten beim Gasthof-Restaurant Wagner vorbei und bogen gleich hinter den Schienen in den Feldweg ein. Die ersten Schmetterlinge waren zu sehen – Zitronenfalter und Kleiner Fuchs. Brettleben ist die Gegend, schnurgerade verläuft die Eisenbahnschiene durch die Felder. Sieht man nach rechts, kann man in einiger Entfernung die Weinhügel von Klöch oder Tieschen entdecken. Riesige Basaltfelsen mit kleinen Tafeln dienen als Wegweiser. Nach einer kurzen Wegstrecke kamen wir zu einem hübschen und farbenfrohen Bildstock. Nun mussten wir die Bundesstraße überqueren und … oh, es ist doch nicht ganz so eben, wie ich es mir vorhin noch gedacht hatte. Wieder einmal eine Geländekante – so wie wir sie schon in anderen Orten in der Nähe der Mur entdeckt hatten.

Der Bildstock vorhin war schon recht farbenfroh und freundlich, aber trotzdem nichts im Vergleich zur Fantasiewand des Sepp-Hofer-Platzes. Es war ein richtiges Vergnügen, diese besonders fröhlichen Graffiti anzusehen. Ebenso anregend war es, den munteren steinigen Bach zu betrachten, der an dieser Stelle eine 90-Grad-Wendung macht, kurzfristig mal als Kneippanlage dient, bevor er eine mit Osterhasen bevölkerte kleine Insel umspült. Hier gibt es Insektenhotels, geschnitzte Kunstwerke, einen Rennboliden aus Holz und das Mobil von Fred Feuerstein. Und darin saß Gregi bereits und krakeelte: „Wilma!“ Ich tat so, als ob ich ihn nicht kannte, nahm auf einer Bank Platz und holte meine Trinkflasche heraus. „Fred Feuerstein“ mutierte wieder zu Gregi, schnappte sich auch seinen Rucksack und untersuchte ihn auf die mitgebrachten kulinarischen Schätze.

Die weitere Wegstrecke verlief besonders bezaubernd neben dem Bach. Krokusse blühten auf der Wiese, Frühlingsknotenblumen waren zu sehen und – man sollte es nicht fassen – auch schon Veilchen. Auf dieser Wanderung entdeckten wir besonders viele Blumen: Schneeglöckchen, Winterlinge, Waldgelbstern, grüner Nieswurz, Lungenkraut und hohler Lerchensporn. Es wäre ein tolles Fotoshooting für Blümchen gewesen, hätte uns der starke Wind nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht. Unsere Versuche, ein scharfes Blumenportrait zu knipsen, waren vergebens – und Frühlingsknotenblumen mit „Sportmodus“ abzulichten war uns dann doch zu blöd. Also marschierten wir weiter.

Besonders ungemütlich stark und kalt zeigte sich Blasius auf dem Murdamm und wir waren richtig froh, dass der Feldweg uns rechts nach unten und an einer Baumreihe entlangführte. Vier Rehe beobachteten uns kritisch. „Die beraten sich, ob sie noch weiter vor uns fliehen sollen“, überlegte ich. Offensichtlich kamen sie zum Schluss, dass wir harmlos waren. Bunte Kleidung heißt bei Rehen: „keine Jäger“. Also warteten sie gelassen ab und beobachteten uns weiterhin. In der Ferne sahen wir das stolze Schloss Oberradkersburg.

Unaufhörlich näherten wir uns der Mur und dem zweitgrößten geschlossenen Auwald in Österreich. Traurig sah es in diesem Biosphärenreservat aus, nachdem im Vorjahr der Sturm gewütet hatte. Viele Bäume wurden leider entwurzelt. Doch unter den liegenden Baumstämmen, da tat sich was. Schneeglöckchen wucherten und auch die zarten Blätter des Bärlauchs. Ganz grün war der Waldboden. Ein Tagpfauenauge kreuzte unseren Weg. Idyllisch war das Wegerl zur „Jagdhütte“. Links und rechts standen die Schneeglöckchen Spalier, dann (vielleicht weniger idyllisch, aber äußerst nützlich) ein Plumpsklo. Die „Jagdhütte“ ist eine Selbstbedienungshütte mit einer Kassa des Vertrauens. Radfahrer und andere Wanderer rasteten hier und zeigten uns ganz stolz den „Erdkeller“ des Lokals – zwei Betonröhren mit Deckeln. In einer stand eine Kiste mit Bier, in der anderen eine mit Limonaden.

Hier hätten wir eine Abkürzung zurück nach Halbenrain nehmen können. Taten wir zum Glück aber nicht. Heldenhaft dem Wind trotzend, folgten wir noch einem romantischen Wasserlauf, querten eine Brücke und kamen wieder auf den zugigen Murdamm. Durch den Wind gab es ganz besonders hübsche Wolkenformationen – pittoresk ist auch der Ausblick auf Straden – und besonders begeistert waren wir vom Anblick der beiden Störche, die hinter einem pflügenden Traktor auf Futtersuche gingen. Ihre Bewegungen waren beinahe synchron.

Inzwischen waren auch wir schon recht hungrig, also verließen wir den Damm und marschierten zielstrebig auf Dietzen zu. Ein Lokal würde es hier geben – ein geschlossenes, wie wir feststellten. Inzwischen bummelten wir nicht mehr in der Gegend herum, wild entschlossen hielten wir auf Halbenrain zu, wo es verheißungsvolle Gaststätten geben sollte.

Vor uns lag das Schloss Halbenrain, das im Laufe der Jahrhunderte sehr interessante Bewohner hatte. Erstmalig war Halbenrain 1244 urkundlich erwähnt worden. Zuerst hatte es hier eine Burg gegeben, die von Herzog Friedrich II. an seinen „Finanzminister“ namens Witigo und seinen Bruder Rüdiger übergeben worden war. Der Finanzminister war wohl nicht allzu beliebt, er wurde ermordet. Sein Bruder Rüdiger starb kinderlos und die Burg ging an den Burggrafen von Radkersburg. Dann folgte eine sehr turbulente Zeit, es gab sehr viele Überfälle und Plünderungen, bis eine tatkräftige Dame dieses Treiben beendete. Ursula von Emmersberg war die Besitzerin von Halbenrain und sie beantragte die „Hohe Gerichtsbarkeit“. 1452 wurde diese vom Kaiser bewilligt. Ich will mir nicht vorstellen, auf welche Weise man dazumal für „Ruhe“ sorgte – die „Hohe Gerichtsbarkeit“ erlaubte leider auch die Todesstrafe. Als Dank dafür, dass sie auf diese blutige Art für Recht und Ordnung sorgen konnte, vermachte Ursula von Emmersberg nach ihrem Tod die Burg dem Kaiser. Oder aber auch weil sie ihren Stiefsohn nicht leiden konnte, welcher sich erhofft hatte, an ihren Besitz zu kommen. Daraus wurde nichts. Der Kaiser war ein recht mächtiger Gegner, gegen den man kaum was ausrichten konnte, und das wusste Ursula sehr wohl.

Irgendwann im 17. Jahrhundert war die Burg dann zum Schloss umgebaut worden, ab 1724 war es in den Besitz der Familie Stürgkh gekommen. 1916 wurde der Schlossherr und k. u. k. Ministerpräsident, Karl Maria von Stürgkh, im Speisesaal des Hotels Meissl erschossen. Heute geht es im Schloss Halbenrain wesentlich friedlicher zu. Seit 1980 ist es im Besitz des Landes und dient als Schule (Fachschule für Land- und Ernährungswirtschaft).

Hübsch ist die Gartenansicht des Barockschlosses. Eine doppelläufige Treppe führt vom Park aus auf eine große Terrasse. Alte riesige Bäume wachsen im Park, dazwischen leuchten die weißen Köpfchen der Frühlingsknotenblumen. Architektonisch interessant ist auch der alte Kornspeicher des Schlosses und der Kräutergarten sollte sehenswert sein. Doch Anfang März würden wir darin kaum viel entdecken können, meinten wir. Das Magenknurren war auch nicht mehr zu überhören. Also beschlossen wir, ein Restaurant aufzusuchen – da war doch in der Nähe des Autos das Gasthaus Wagner. Wir waren natürlich zu spät. Also Plan B – Dorfschenke Pölzl. Diese Gaststätte sieht sehr schlicht aus, jedoch standen einige Autos auf dem Parkplatz. Wir betraten einen schummrigen Gang, standen vor der Tür der Gaststube und überlegten uns ernsthaft, ob es wirklich ratsam sei, hier einzukehren. Zum Glück siegte der Hunger und mutig stellten wir uns den kulinarischen Genüssen. Eine hervorragende vegetarische Salatschüssel mit sehr guten Käferbohnen, fein geschnittenem Chinakohl, knackigen Gurken und schmackhaften Tomaten. Darüber Frischkäse und Kernöl … zum Reinlegen. Und die Nachspeise erst! Gregi hat eine extrem gute Nusspotize bekommen und meine Straube war auch sehr, sehr lecker. Ein würdiger Abschluss eines wunderbaren Wandertages.

Neu Leonroth, Alt Leonroth und Teigitschklamm

 

Rundweg

Schritte

24.000

Dauer

5 h

 

Start:

 

Wanderparkplatz Teigitschklamm

Anfahrt: Richtung Voitsberg, direkt nach der Umfahrung Krottendorf-Gaisfeld im Kreisverkehr Ausfahrt Teigitschgraben, bei der Abzweigung Kraftwerk Arnstein gibt es einige, leider viel zu wenige Parkplätze. Man kann aber auch von der Langmannsperre (wo mehr Parkmöglichkeiten sind) in die Teigitschklamm absteigen.

Es war ein bitterkalter Jännertag und wir wollten eigentlich nur eine kurze Wanderung machen. „Die Ruine Neu-Leonroth könnten wir wieder einmal anschauen und ich hätte den Ehrgeiz, auch Alt-Leonroth zu finden“, schlug ich vor. „Kann ja nicht weit von Neu-Leonrod weg sein“, meinte ich noch. Dass das ein gewaltiger Irrtum war, wurde mir erst viel später bewusst. Doch nicht nur ich unterlag dieser Fehleinschätzung, auch Robert Baravalle, der Begründer der steirischen Burgenkunde, suchte Alt-Leonroth zuerst fälschlicherweise auf einem Felskopf unmittelbar westlich der Burg Neu-Leonroth.

Vom Wanderparkplatz Teigitschklamm folgt man vorerst einmal der Straße in Richtung Größnitzgraben. (Man könnte natürlich auch mit dem Auto die Straße weiterfahren, aber in diesem engen Tal sind Parkplätze wirklich rar.) Dieser Teil der Wanderung auf Asphalt ist der unspektakulärste Wegabschnitt. Im Größnitzgraben sieht man den ersten gelben Wanderwegweiser, der auf die Ruine Neu-Leonroth hinweist. Ein größerer Wegweiser macht auf ein Sägewerk aufmerksam. Hier biegt man links ab, über die Brücke und dann bei der Müllsammelstelle rechts hinauf in den Wald. Schon bald erreicht man die wunderbare riesengroße Ruine.

Das erste Mal hatte ich von Neu-Leonroth in einem deutschen Burgenbuch gelesen. Es gibt nur sehr wenige österreichische Wehranlagen, die es in dieses Buch geschafft haben. Daher war ich sehr neugierig gewesen, als ich im Jahre 2021 diese alte Wehranlage das erste Mal besichtigt hatte. Gregi und ich waren mehr als beeindruckt. Die Anlage musste riesengroß gewesen sein. Gewaltige Mauern sind zu sehen, aus Steinen, die nicht nur waagrecht, sondern auch schräg senkrecht angeordnet sind. Ein Weg führt durch den ehemaligen Graben – ich glaube zumindest, dass es ein Graben war. Ein gut erhaltener runder Turm, das romantische Eingangstor, ein weiteres Tor …

Bis kurz nach diesem zweiten Tor war ich 2021 gekommen, dann hatte ich ein Loch im Boden gefunden. Dazumal hatte ich umgedreht. Bei unserer letzten Jännerwanderung hätte ich mich wieder nicht weitergetraut – trotz der mächtigen Gemäuer dahinter, die wirklich verlockend aussahen. Doch bei Löchern in Böden bin ich halt mal etwas misstrauisch.

Dann kam eine Wandergruppe aus Bärnbach. Es waren sicherlich mindestens 20 Personen. Allesamt verschwanden durch das zweite Tor, um die übrigen Burgteile zu besichtigen. „Ich höre keine Hilferufe oder dergleichen“, bemerkte ich. „Sollen wir uns also auch trauen?“ Gregi fotografierte bereits die Reste des stattlichen Palais. Also machte ich mich auch daran, dieses Bauwerk aus der Gotik weiter zu erkunden. Um 1300 waren die ersten Teile von Neu-Leonroth errichtet worden, um die neue Straße, die auf die Pack führte, zu sichern. Davor hatte es eine andere Wegführung gegeben, für diese war Alt-Leonroth von den Herren von Krems errichtet worden. Ab 1196 hatte sich Otto von Krems das erste Mal auch „von Levenrode“ genannt.

Zurück zu unserer Wanderung. Wir konnten die Burg sicher durchschreiten, dann kamen wir in einen wunderlichen Gang oder Graben. „Das muss die Stelle gewesen sein, wo das Baumaterial abgebaut wurde“, schloss ich. Über diesen Ganggraben betraten wir eine hübsche Wiese und dann ging es bergauf, immer den gelben Wegweisern „Alt-Leonroth“ nach. Wir näherten uns der Kuppe des Berges, Gregi merkte an, dass diese Kuppe eindeutig von Menschen bearbeitet und terrassiert worden war – wir wähnten uns unserem Ziel „Alt-Leonroth“ nahe. Dann die bittere Erkenntnis: nix da. Wir mussten links abbiegen, hinein in einen Wald – es ging bergab, wir hörten einen Bach rauschen. „Laut Wegweiser müssen wir über den Bach springen“, stellte ich entgeistert fest. „Und das ist kein kleines Rinnsal, sondern ein breiter Bach, wo wir über vereiste, glatte Steine steigen müssen.“ „Er ist aber nicht tief“, meinte Gregi gelassen und war mit seinen langen Beinen bereits auf der anderen Seite. Ich komme leider eher nach den Hobbits – also kurze Haxen und nicht unbedingt gämsengleich. An einem eisigen Jännertag einen Wildbach zu queren ist da schon eher purer Leichtsinn. Als ich endlich meine Todesangst überwunden und ebenfalls das andere Ufer erreicht hatte, wusste ich genau: Egal, wie lange die Wanderung noch dauern würde, zurückgehen war ausgeschlossen. Berg rauf … wieder bergab … wieder bergauf. „Siehst du schon eine Ruine?“, wollte Gregi wissen. „Ne“, antwortete ich. „Da gibt es einen Wegweiser – Teigitschklamm.“ „Rauf geht es zur Ruine“, meinte Gregi und wir stiegen bergan. „Wo rohe Kräfte sinnlos walten“, zitierte ich, als ich die Riesenbaustelle sah. Eine Forststraße wurde rund um die Ruine Alt-Leonroth errichtet. Ein riesiger Stapel Holzblöcke lag im Halsgraben – ein Zugang zur Kuppe, auf dem sich die spärlichen Mauerreste befanden, war nur sehr erschwert möglich. Dieser Platz lud eindeutig nicht zum Verweilen und Schauen ein. Also kehrten wir um und folgten dem Wanderweg, der uns zum unteren Ende der Teigitschklamm führte.

Die Teigitschklamm ist ein kleines Paradies. Wir waren sie einmal im Sommer durchwandert, ganz hinauf bis zur Langmannsperre. Die Teigitsch ist 42 km lang und durchfließt zwei Stauseen. Die Hierzmannsperre und die Langmannsperre. Bei unserer Jännerwanderung sahen wir nur ein kleines Stückchen der Klamm – dieses war allerdings extrem pittoresk. Steine, Eis, Holz, Schotter, Eiszapfen. Wunderbar. Die ersten Häuser waren erreicht, wir folgten der Teigitsch weiter bis zum Kraftwerk Arnstein. Wie ein französischer Edelsitz sieht das Kraftwerksgebäude aus. Anno 1922 wurde der Bau des Kraftwerks begonnen, 1925 wurde es eröffnet. Es war das größte Wasserkraftwerk in der Steiermark. Auch heute leistet es noch gute Dienste. Man benötigt nur wenige Minuten, um hier schnell Strom zu erzeugen, es deckt den Spitzenstrombedarf und verhindert damit Netzzusammenbrüche.

Zurück zum Auto überlegten wir uns, wo wir einkehren könnten. Die Gegend hier ist recht einsam – ein Gasthaus hatte ich nicht gesehen. Allerdings braucht man nur über einen Hügel fahren und schon ist man in Voitsberg. Dort gibt es kein Problem, einen geöffneten Gastronomiebetrieb zu finden.

„ERLebenspfad Oberlamm“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

9,5 km

164 HM

2:35 h

Start:

Unterlamm Dorf

   

„Unterlamm ist die Heimat des Osterhasen“, behaupte ich. Wie ich auf diese Idee komme? Wir haben es gesehen und erlebt. Am Ostermontag (der Himmel war stark eingetrübt durch den Saharastaub) machten wir eine Wanderung im besagten Ort. Wir parkten vor dem Haus der Jugend und marschierten in Richtung Oberlamm. Kaum hatten wir den Ort verlassen, entdeckten wir ganz muntere gelbe Gesellen. Fröhlich hüpften sie in der Wiese herum, die Augen leuchteten förmlich – unsere auch. Goldammer sind selten – und hier gab es gleich mehrere! Es hätte einen Beobachtungsstand gegeben, doch direkt vom Weg aus konnten wir sie besser fotografieren.

Das nächste Highlight der Wanderung wartete in Oberlamm auf uns. Eine 300 Jahre alte Schwarzpappel. Sie sollte die mächtigste Schwarzpappel in Österreich sein. Normalerweise werden diese Pappeln nur 100 Jahre alt, doch offensichtlich steht dieser Baum an einem ganz besonderen Ort und die Oberlammer lassen sich nicht lumpen und haben einen Baumchirurgen engagiert, um diesem einzigartigen „Methusalem“ noch ein langes Leben zu ermöglichen. Zudem haben sie viele Stecklinge/Klone von diesem Baum gesetzt. Für die nächste Generation von hoffentlich auch so gesunden Schwarzpappeln wurde also gesorgt.

Vorbei ging es an echten Schlüsselblumen, echte Freilandhühner scharrten neben der Gemeindestraße im Straßengraben, dann kam der Anstieg zur Josefskapelle. Hier kamen wir einfach nicht weiter, was weniger am steilen Weg als vielmehr an den märchenhaften Fotomotiven lag. Blühende alte Obstbäume – eine Streuobstwiese, die ihresgleichen sucht. Alte Apfelsorten sollten hier wachsen sowie Kirschen und Walnüsse. Dazwischen ein idyllisches Kellerstöckel. Wir entdeckten Wildbienen – auch die Grillen schienen sich hier richtig wohlzufühlen. Die Josefskapelle war erst 2010 gebaut worden und passt wunderbar in die Landschaft. Freundlich wirkt sie mit ihren zwei Türmen. Wir saßen eine Weile neben der Kapelle und sahen hinunter ins Tal. Der Himmel hatte eine gelbliche Färbung vom Saharastaub und der Wind wurde immer stärker.

Am Ostermontag brachen wir die Wanderung ab, als der Wanderweg schließlich in den Wald abbog. Die Windböen waren inzwischen so stark, dass wir nicht riskieren wollten, durch den Wald zu gehen. „Zurück gehen wir auf der Gemeindestraße, sicher ist sicher“, entschlossen wir. Und das war auch gut so. Auf diese Weise sahen wir noch einen Mittelspecht sowie einen Aurorafalter. Von der Gemeindestraße aus. Die Natur in Unterlamm scheint echt noch intakt zu sein.

Auf der Suche nach einem geöffneten Lokal kamen wir am Gemeindeamt vorbei – und jetzt sah ich ihn, den Osterhasen. Er stieg gerade aus dem Auto aus, den großen Plüschkopf im Arm. Das war unser erstes Hasenerlebnis. Im Gasthaus rätselten die Kellnerinnen sowie die heimischen Gäste, wer in diesem Jahr den Osterhasen für die Kinder gab. „Betreutes Trinken“, versprach das Schild beim Eingang des Gastronomiebetriebs. Hier trafen sich die Nachbarn und tauschten sich aus.

Eine Woche später wollten wir nun den Rest der Wanderroute erkunden. Wir parkten gleich bei der Josefskapelle, gingen kurz die Asphaltstraße entlang und bogen dann in den hübschen Buchenwald ein. Und wir wussten gleich gar nicht, wohin wir sehen sollten. Auf dem Baum gab es einen Baumläufer, auch ein Buntspecht hämmerte fröhlich. Am Boden wuchsen Waldmeister, Lungenkraut und Milzkraut … und dann flatterten noch überall Schmetterlinge!!! Was für eine Freude! Auf einige Bäume waren rote Pfeile gesprüht, die wir nicht näher beachteten. Und so kam es, dass wir unseren Wanderweg verloren. Als wir auf der schmalen Gemeindestraße landeten, besahen wir die Wanderkarte. „Wir sind falsch“, bemerkte ich. „Nein, da vorne, da müssen wir runter“, behauptete Gregi. Also gingen wir „dort hinunter“, marschierten durch einen herrlichen Wald. „Wo weiter?“, erkundigte ich mich und überlegte, welchen der drei Wege ohne Markierung wir nun nehmen sollten. Weiter runter, sagte Gregi unbeirrt und blieb schon wieder einmal zurück, weil er einen Schmetterling entdeckt hatte. Einen Kleinen Feuerfalter. Wäre er mit mir gegangen, hätte er den echten Osterhasen gesehen. Er hoppelte einen Waldweg entlang und verschwand binnen kürzester Zeit.

Schließlich kamen wir am Talgrund an, der Lehensbach floss neben uns und ich bemerkte: „Wir sind falsch, wir müssten eigentlich auf der anderen Seite des Baches gehen. Am besten, wir folgen dem Bach in Fließrichtung.“ Also schritten wir die Forststraße entlang … und sahen ihn wieder, den Osterhasen. Diesmal schlug er Haken, als er uns bemerkte, und verschwand wieder. Wir blickten ihm nach und erschraken ganz ordentlich, als plötzlich ganz in unserer Nähe der nächste Hase hochsprang und den Hügel hinauflief. „Wir sind im Osterhasenland!“

Einige Meter weiter entdeckten wir endlich unsere Wandermarkierung sowie die Infotafel „Ursprung des Lehensbaches“. Wir wechselten nun auch ganz brav die Bachseite, bewunderten den „Hallen-Buchenwald“. 30 bis 35 Meter sollten die Buchen hier hoch sein und im Sommer für eine dichte Beschattung sorgen. Hier fühlt sich der Feuersalamander wohl und auch die Riesenquelljungfer. Nein, das ist jetzt keine Sagenfigur, sondern eine seltene Libellenart. Sie gehört zu den größten Libellen, die in Österreich leben. Man nimmt an, dass die Entwicklung bis zu fünf Jahre dauert, bis die Libelle flugfähig ist.

Wieder ging es bergauf und Gregi war plötzlich außer sich. „Ich höre einen Wiedehopf“, meinte er begeistert, als wir den Hohlweg hinauf zum Grad des Hügels stiegen. Sehen konnten wir diesen seltenen und besonders hübschen Vogel leider nicht, dafür entdeckten wir eine Blindschleiche, die uns misstrauisch beäugte. „Vor uns musst du keine Angst haben – eher schon vor den Hühnern, die da vorne im Wald scharren“, erklärte ich dem Reptil. Im Osterhasenland gibt es offensichtlich ganz besonders viele Freilandhennen.

Wären wir am späten Nachmittag unterwegs gewesen, besser gesagt ab 16.00 Uhr, hätten wir beim Buschenschank Hartinger einkehren können. So wanderten wir an hübschen Häusern und prächtig blühenden uralten Obstbäumen weiter zur Wiedehopfwiese. Leider keine Sichtung. Dafür entdeckte Gregi den kleinsten Tagfalter Österreichs, den Zwergbläuling.

Den nächsten Wegabschnitt kannten wir schon: Oberlamm (die echten Schlüsselblumen waren inzwischen verblüht – dafür scharrten die Hennen noch immer ganz eifrig am Straßenrand). Die Kapellenwiese hinauf (noch mehr weiße Blüten auf den Obstbäumen als in der Vorwoche) – wir beeilten uns nicht, zu schön war es hier, und um 14.00 Uhr würde das Bauernhofcafé Friedl öffnen. Wir hofften auf einen guten, selbst gemachten Kuchen. Wir waren pünktlich um 14.00 Uhr vor dem Bauernhofcafé, dieses sperrte leider nicht auf. Also kein Kuchen. Schade. Aber was solls, alles kann man nun mal nicht haben. Und dieser Tag war dermaßen traumhaft … da darf man dann nicht jammern, wenn man keine süße Belohnung bekommt.

„Keltenweg“ – Ligist

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Keltenweg kurz

Vogelstimmenweg

5,3 km

1,82 km

193 HM

30 HM

2 h

1 h

Start:

Ligist

Zentrum  

Der Name „Keltenweg“ klingt fast wie eine Verheißung. Dieses geheimnisvolle Volk, das für seine Kunstfertigkeit bekannt ist, fasziniert uns zu Recht. Der irische Tourismus wirbt ganz stolz mit dem keltischen Erbe der Insel. Doch auch bei uns waren diese findigen Menschen beheimatet. An einem goldenen Septembertag machten Gregi und ich uns auf den Weg, um einen Siedlungsplatz der Kelten zu besuchen.

Ligist ist ein alter Ort, seit 1464 besitzt er Marktrecht. Enge Straßen führen ins Zentrum, das mit einladender Gastronomie lockt. Im Gastgarten des Gasthauses Gangl hatten wir schon bei einer früheren Wanderung gesessen und sehr gut gespeist. Gegenüber liegt das Restaurant Wörgötter, das mit einer Haube ausgezeichnet und mit 14 Punkten im Gault&Millau bewertet ist. Doch nicht nur die Gastronomie bereichert den Hauptplatz; der kunstvoll gefertigte Brunnen kann sich ebenfalls sehen lassen. Überhaupt: Im Ort Ligist findet man immer wieder beeindruckende Steinskulpturen. Als wir am Sonntagmorgen ankamen, feierten hübsch in Trachten gekleidete Leute am Hauptplatz bei einem Glas Wein. Ligist ist das Tor zur Schilcherstraße.

Dem Weg Nr. 11 wollten wir folgen – hinauf zu den Kelten. Weit kamen wir jedoch nicht. Schon beim „Eckwirt“ kamen wir auf Abwege. „Vogelstimmenweg“, sagte Gregi begeistert und zeigte auf ein Wanderschild. „Schlosswald“, las ich mit leuchtenden Augen, und schon waren der Wanderweg Nr. 11 und die Kelten vorläufig vergessen. Der Weg hinauf zur Burgruine Ligist ist nicht anstrengend und richtig idyllisch. Die Aussicht auf den Ort ist wunderbar, rundum sind Hügel und Berge. Diese mussten überquert werden, um ins Aichfeld, nach Judenburg oder auch nach Kärnten zu gelangen. Und deswegen steht die Burg auch an dieser Stelle. „Dorf Lubgast“ war ein Zufahrtsort zum Herzogberg. Über ihn ging es dann weiter über die Pack. Wein, Getreide, Salz und Eisen sollten transportiert worden sein.

Wir transportierten nur unsere Rucksäcke sowie unsere Kameras, die nun zum Einsatz kamen. Wilder Salbei, Efeu (der Teile der Burgruine überwuchert hatte und bei den Bienen äußerst beliebt war), im Burggraben flatterten Schmetterlinge … einfach herrlich. Über die steinerne Bogenbrücke (die bis ins 17. Jahrhundert noch eine Zugbrücke war) gelangten wir in den Burghof. Der Bergfried war einst fünf Stockwerke hoch – den untersten Raum darf man betreten. Früher war der Eingang des Bergfrieds im ersten Stock. Alt ist sie, die Burg. Sie wurde im 12. Jahrhundert von den Wildoniern errichtet. Doch war sie als Ersatzburg gedacht für die noch viel ältere Dietenburg, die zu den ältesten Burgen der Steiermark zählte. 1066 wurde die karolingisch-ottonische Mittelpunktsburg bereits urkundlich erwähnt. Und die Dietenburg stand natürlich auf dem Dietenberg, den wir ja ursprünglich besuchen wollten.

Also verließen wir die Burgruine Ligist wieder, umrundeten sie noch einmal, stiegen dann ab zum Schloss Ligist (ebenso wie die Burgruine im Besitz des Malteser Ordens), marschierten bei einem verwunschen wirkenden, vom wilden Wein umwucherten Haus vorbei (ehemaliger Weinkeller) und weiter bis zur Bundesstraße. Hier hielten wir uns rechts, kamen bei der Leitinger Mühle vorbei, betrachteten ein besonders schönes Marterl und querten dann die Bundesstraße auf Höhe der Feuerwehr.

Bei dieser Kreuzung ist ein riesiger hölzerner Hammer zu sehen, der daran erinnern soll, dass am Ligistbach einst fünf Hammerwerke standen und für den Wohlstand des Ortes sorgten. Anker, Achsen, Pflüge, Krampen, Schaufeln, Hauen, Hacken, Hufeisen, Pfannen, Sensen, Nägel. Geräte für harte Ackerarbeit – hart war die Arbeit bei den Hammerwerken sicherlich auch.

Wir überquerten eine Brücke und bogen sofort links ab. An einem Hundeabrichteplatz vorbei, ging es dann in den Wald. Steil führte der Steg bergauf. Als wir den Wald verließen, sahen wir die nächste Ruine. Diesmal war es kein Schloss, sondern ein verlassenes Wohnhaus. Als Kontrast dazu war etwas weiter oben ein hypermodernes, riesiges Anwesen errichtet worden. Eine traumhaft schöne Wiese mit Flockenblumen ließ uns wieder die Kameras zücken, dann ging es steil weiter die Asphaltstraße bergauf. Ein Wegweiser (der für uns nicht ganz eindeutig war) und ein Bankerl. Wir entschieden, dass der Wanderweg sicherlich in Richtung Bankerl führen würde (falsch). Wären wir links über den Weinberg gegangen, hätten wir die richtige Route erwischt. Aber ganz schlimm war dieser Irrtum auch nicht, wir erreichten unser Ziel auch so – halt nur von der anderen Seite.

Auf dem Dietenberg gibt es einen erstklassigen Buschenschank. Kremser heißt er. Und da der Kremser erst um 14.00 Uhr öffnete, entschlossen wir uns, zuerst noch das Siedlungsgebiet aus der Urnenfelderzeit sowie der La-Tène-Zeit zu besichtigen. Endlich würden wir die Überreste der keltischen Siedlung sehen. In den Siebzigerjahren gab es auf dem Dietenberg Ausgrabungsarbeiten. Siedlungsspuren bis ins 4. Jahrtausend vor Christus konnten nachgewiesen werden. Um ehrlich zu sein … man sieht gar nichts mehr. Die einzige Enttäuschung auf der ansonsten so wunderbaren Wanderung. Auch von der legendären Dietenburg konnten wir keine Überreste entdecken. Wo einst die Burg und die Kreidfeuerstelle waren, gibt es jetzt einen Hochbehälter des Wasserverbands Söding-Lieboch.

Andererseits hatten wir Glück, dass wir nicht zu viel Zeit bei der Ausgrabungsstätte vergeudeten. So kamen wir um 13.45 Uhr beim Buschenschank Kremser an (der eigentlich erst um 14.00 Uhr öffnete) und staunten nicht schlecht. Eine Viertelstunde vor der offiziellen Öffnungszeit waren die Bänke im Gastgarten schon ordentlich belegt. Wir hatten noch das Glück, uns ein angenehmes Plätzchen zu ergattern. Personen, die nur fünf Minuten nach uns eintrafen, mussten schon im Haus Platz nehmen. Nachdem wir bei allerfeinsten Panoramablick vorzüglich gespeist hatten, verstanden wir auch, wieso dieser Buschenschank so beliebt war.

Satt waren wir, warm war es … und wir waren etwas müde. Die große Keltenrunde, beschlossen wir, würden wir ein andermal gehen. Wir waren ja eh schon fleißig gewesen und hatten sogar einen Abstecher zur Burgruine gemacht … also trabten wir gemütlich die Asphaltstraße nach unten, immer den Blick auf den Ort Ligist gerichtet.

Bis zum Ersten Weltkrieg war Ligist ein beliebter Badeort. Und wie es scheint, kein ganz unbedeutender. Gäste aus der ganzen Monarchie, aus Italien und sogar aus dem fernen Russland waren zu Gast in der „Fichtenloh Warm- und Kaltwasseranstalt Ligist“. Es ist schon erstaunlich, was Ligist alles zu bieten hatte.

Vor der Heimfahrt wollten wir uns noch einen Kaffee genehmigen … doch leider hatten die Gasthäuser am Hauptplatz schon geschlossen.

Der Eckwirt, der direkt unter der Burgruine einen tollen Gastgarten hat, hatte noch offen. Die Gastwirtin ist eine freundliche Frau, liebt ihren Gastgarten und hat ihn richtig lieblich gestaltet. Unter einem schattigen Baum genossen wir den Kaffee und ließen den wunderbaren Tag Revue passieren.