„Sankt Johann – Hl. Grab – Kranzl – Geierwand“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

6 – 7 km

300 HM

2:45 h

Start:

St. Johann

Gemeindeamt  

Diese Wanderung ist ein Klassiker für uns Gleisdorfer. Wir müssen nicht weit fahren, es gibt tolle Gaststätten und Buschenschenken in der Nähe, wir durchwandern ein historisch interessantes Gebiet und die Aussicht ist einfach herrlich. So kam es, dass wir an einem sonnigen Jännertag wieder einmal die Idee hatten, die Geierwand zu besuchen.

Der erste Erlebnispunkt in Sankt Johann ist die Feistritzinsel nahe dem Gasthaus Pretterhofer. Bei der Mühle gibt es einen Steg auf die Insel. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf unser erstes Wanderziel, die Pfarrkirche zum Heiligen Johannes dem Täufer.

Das gelbe Wanderschild würde uns eigentlich über die Straße bergauf leiten, wir entschlossen uns aber, der Feistritz auf dem Radweg ein Stückchen flussaufwärts zu folgen. Lose Eisstücke führte der Fluss mit, es gab viel Wasser – trotzdem schwammen hier zwei mutige Enten. Der Biber war auch hier aktiv, angenagte Bäume wurden vom Wasser umspült, irgendjemand hatte einen Draht über den Fluss gespannt, um ihn wie mit einem Lift überqueren zu können. Kurz vor der nächsten Brücke bogen wir ab, ein recht steiler Weg führte uns hoch zur Kirche und zum ehemaligen Kloster.

Alles sah sehr wehrhaft aus, die dicken Mauern mit den ungleich aussehenden, massiven Stützen. In früherer Zeit hatte es auf diesem Felssporn über der Feistritz einmal eine Burg gegeben – und noch viel, viel früher war das Feistritztal von Römern besiedelt worden. Von ihnen stammen die Römersteine, die nun in der Kirchenmauer eingemauert sind. Besonders beeindruckend fanden wir den Kampf zwischen Löwen und Kentauren. Weshalb das mythische Mischwesen das Löwenjunge verschleppt hatte, wussten wir nicht. Dass die Löwen ihr Junges nicht kampflos aufgeben würden, war mehr als verständlich, und wir hielten den großen Katzen die Daumen, dass sie ihr Kind wieder zurückbekämen.

Schon früh war in Sankt Johann eine romanische Kirche gebaut worden (um 1150). Längere Zeit hatte hier der Deutsche Ritterorden ein Kloster, das im 16. Jahrhundert durch die einfallenden Türken stark beschädigt wurde. 1652 erwarb Johann Maximilian von Herberstein die Liegenschaft. Er war Landeshauptmann der Steiermark und gründete im Ort das Augustiner Barfußkloster. Natürlich musste jetzt eine neuere und schönere Kirche gebaut werden – 1672 wurde sie eingeweiht. Die Predigt der Kirchweihe hielt Abraham a Sancta Clara, der zwischen 1670 und 1676 in St. Johann wohnte. Der wohl berühmteste Prediger der Barockzeit war für seine wortgewaltigen Auftritte bekannt, wobei er äußerst gerne gegen Hexen und Juden hetzte. 1820 war das Kloster aufgehoben worden. Seit 1982 ist das „Haus der Frauen“ in den Räumlichkeiten untergebracht.

Wir wanderten weiter hinauf durch das Dorf, ein Haus wirkte idyllischer als das andere, alle richtig liebevoll gepflegt. Bei der Rosalienkapelle mussten wir rechts abzweigen. Die heilige Rosalia ist eine Pestheilige. Die Kapelle wurde 1714 errichtet, als die letzte Pestepidemie überstanden war. Wir erreichten den Wald. Im Sommer würden hier der rote sowie der gelbe Fingerhut blühen – eine wunderbare und sehr giftige Pflanze. Endlich erreichten wir das Heilige Grab. Es sollte ein Nachbau vom sogenannten Heiligen Grabe von Jerusalem sein und wurde von Johann Maximilian von Herberstein in Auftrag gegeben. Die beiden Kapellen wurden erst im 18. Jahrhundert errichtet. Dazwischen steht eine Kreuzigungsgruppe. Dramatisch blicken die Figuren in den Himmel. Würden sie geradeaus blicken, könnten sie den Kulm sehen, der schon in prähistorischer Zeit besiedelt war. Vor diesem Ensemble gibt es eine Wiese mit mehreren Bankerln und seit Neuestem auch einen Getränkeautomaten.

Wir folgten dem Weg weiter bergauf und nun hatten wir einen besonders schönen Blick auf einen Weingarten, auf die oststeirischen Hügel – und mittendrin der markante Felsen mit der Riegersburg. Kurze Zeit gingen wir am Waldrand entlang und bogen dann rechts zum Kranzl ab. Das Kranzl ist meines Erachtens der spektakulärste Punkt der Wanderung und auch die Stelle, wo ich mich nur sehr vorsichtig weiterbewege (wenn Sie mit Kindern diesen Platz besuchen wollen, bitte sehr auf die Kleinen aufpassen). In Vogelperspektive sieht man auf das Schloss Herberstein, den wunderbaren Rosengarten, den neuen Aussichtsturm des Tierparks, wir betrachteten die Kirche von Sankt Johann von oben, ich entdeckte sogar das Schloss Schielleiten.

Wieder hinauf zum Waldrand, diesen entlang bis zu einer Hecke, dieser folgten wir und kamen bei der Ausfahrt eines Einfamilienhauses an. Die Gemeindestraße ging es dann kurz bergan (an Schafen vorbei und an wunderbaren Freilandhenderln), hinter einem Bauernhaus mussten wir wieder rechts abbiegen. Ein hübscher Weg führte uns um eine Kuppe, dann erreichten wir ein Hirschgehege. Jetzt folgte ein richtiger „Wadenbeißeranstieg“. Hat man diesen jedoch geschafft und die Geierwand erreicht, wird man durch einen tollen Ausblick belohnt. Die wieder aufgebaute Burg Neuhaus, der Rabenwald mit dem Talkumbergwerk, Stubenberg mit Schloss und See. Einfach herrlich! Da ich nicht gerade davon begeistert war, einen steinhart gefrorenen, halsbrecherisch steilen Wanderpfad nach unten zu gehen, wanderten wir ein Stückchen weiter, umrundeten quasi das Hirschgehege und kamen auf einer Asphaltstraße raus. Dieser folgten wir und kamen wieder heil bei den Henderln und Schafen raus. Diesmal waren auch unzählige Drosseln unterwegs und Gregi musste unbedingt einen Fotostopp einlegen. Bei der Einfahrt des Einfamilienhauses bogen wir wieder ein und gingen den bekannten Weg zurück.

Beim Landgut Riegerbauer verließen wir die Straße und marschierten über einen Wiesenweg bergab zum Gemeindeamt zurück. Nun hatten wir nur noch ein Problem zu lösen: Gasthaus Pretterhofer, in einen Buschenschank oder bei der Heimfahrt in das Café Morcherl?

PS: Eine kurze, aber sehr schöne und informative Wanderung ist der Weinlehrpfad Hoferberg von Siegersdorf aus zum Heiligen Grab. Er ist 2,9 km lang, es sind 117 Höhenmeter zu überwinden und man ist circa eine Stunde unterwegs. Ausgangspunkt ist der Buschenschank Eitljörg in Siegersdorf.

„Sagenpfad und Motorikpark“ – Fürstenfeld

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg:

6,3 km

32 HM

3 h

Start:

Fürstenfeld

Schwimmbad 

Normalerweise startet der Sagenpfad bei der Pfeilburg. Schön ist sie, diese Burg. Sie wurde um einen mittelalterlichen Wohnturm aus dem 13. Jh. errichtet, den Schwarzturm, der Teil der Ringmauer war. Die Form der Pfeilburg, wie sie jetzt vor uns steht, erhielt sie im 16. und 17. Jahrhundert. Im Laufe der Jahrhunderte hatte die Burg viele Funktionen. 1690 wurde sie eine Tabakfabrik, später war sie einmal eine Schule, dann eine Kaserne und noch später ein Kriegsgefangenenlager. Und in den 1970er-Jahren hätte sie abgerissen werden sollen. Zum Glück gab es da kluge und weitsichtige Personen in Fürstenfeld, die das verhinderten. Ein Museumsverein sowie die Stadt Fürstenfeld entschlossen sich, das alte geschichtsträchtige Gemäuer zu revitalisieren. Und darin wurde 1999 das Stadtmuseum von Fürstenfeld eingerichtet („Kruzitürken-Museum“, „Tabakmuseum“).

Der Wanderweg leitet weiter zur Augustinerkirche, durch das Stadttor – links runter zum Wallgraben, auf den Dreikreuzberg zum Campingplatz und in den Buchenwald.

Da es in Fürstenfeld eine zweite ganz tolle Wanderung gibt (den Festungsweg), der die Innenstadt auch beinhaltet (von dieser Wanderung werden wir ein andermal berichten), starteten wir die Wanderung zum Sagenpfad beim Parkplatz des Freizeitbades. Wir stiegen aus dem Auto und ein Schneesturm empfing uns. Binnen kürzester Zeit war ich klatschnass (trotz Schirm). Gut, den hatte ich hie und da weggelegt, gab es doch so tolle Fotomotive bei der Freizeitanlage (und ich habe eben nur zwei Hände). Gregi, der partout nicht verstehen wollte, was an diesem Schwimmbad so interessant wäre, belächelte mich nur. Klar auch – er war trocken geblieben. Trotz Schneegestöbers und inzwischen eiskalten Händen marschierten wir zu zweit heldenhaft in Richtung einer gespenstisch einsam wirkenden Campinganlage. Schnell an diesem saisonbedingten „Lost Place“ vorbei und hinein in den Buchenwald. Hier beginnt der Motorikpark mit seinen abenteuerlichen Stationen, hier findet sich auch eine Station des Sagenpfades (Wasserspielplatz).

Doch viel, viel interessanter fanden wir das Getümmel, das sich über unseren Köpfen in den Wipfeln der Bäume abspielte. Ein Buntspecht hämmerte voller Energie – der hohle Baumstamm war ein wunderbarer Klangkörper. Auf den hohen Fichten ernteten winzige Meisen irgendwelche Samen. Kopfüber hing da ein Federbällchen auf einem Ästchen und futterte etwas. Was für eine akrobatische Leistung! Wir sind zwar auch recht geübte Esser, doch kopfüber auf einem Ast hängend würden wir wohl kaum etwas runterkriegen.

Wir gingen die Feistritz entlang, links von uns erhob sich ein Hügel nach dem anderen. Hinter den sieben Bergen der Sagenpfad. Ob wir den Zwergen begegnen würden? Kurzer Abstieg in einen Graben, dann rauf auf den nächsten Hügel zur Energiepyramide. „Jetzt haben wir den Rilkeweg von Fürstenfeld erreicht“, bemerkte ich und hielt einen ordentlichen Respektabstand zur Abbruchlinie, unter der sich die Feistritz schlängelte. „War denn der Rilke mal in Fürstenfeld?“, wollte Gregi wissen. „Glaub nicht. Doch irgendwie erinnert mich das an Duino. Nur dass das Gewässer da unten nicht das Meer ist, sondern die Feistritz, und dass das hier keine Felsen sind, sondern … äh … Erde“, erklärte ich. „Schaut ganz anders aus“, stellte Gregi lapidar fest und betrachtete interessiert das „Graue Männlein am Kogel“, das mutig auf einer Wurzel thronte. Darunter nichts – mindestens 20 Meter bis zur Feistritz.

Wir gingen weiter und fühlten uns etwas beobachtet. Hatte sich bei diesem unwirtlichen Wetter noch jemand hinausgetraut? Riesige, giftig grüne Augen lugten über kleine Fichten zu uns rüber. Ein Waldtroll, weit ist sein Maul aufgerissen. Dieses mussten wir passieren, da wir den Klinserlpfad runterklettern wollten.

„Der Kerl hat bestimmt Mundgeruch. Ich werde da nicht durchgehen“, bemerkte ich. „Folgen wir weiter den Erlebnisstationen des Motorikparks.“ „Du traust dich da nicht runter“, entgegnete Gregi grinsend und beäugte den steilen Waldpfad (schneebedeckter Boden, dazu eine dicke Laubschicht). „Das auch“, gab ich zu, „und schau, da vorne gibt es zwei tolle Trichter!“

Wusste ich es doch! Gregi hatte auch keine Lust, diesen halsbrecherischen Pfad hinunterzuwandern. Schon war er bei den Holztrichtern. Begeistert kniete er auf der Bank zwischen den beiden Holzkunstwerken (auf der Bank lag Schnee!!) und sagte begeistert: „Jetzt sehe ich aus wie Shrek mit seinen Ohren. Mach ein Foto!“ Und ich machte ein Foto. Aber nicht von Gregi, der glaubte, wie ein Filmmonster auszusehen, sondern von einem hübschen Rehlein im Teenageralter. Dieser junge und sichtlich unerfahrene Waldbewohner beobachtete mich und überlegte angestrengt, wie er jetzt angemessen reagieren sollte. Sich hinter einem Baum verstecken (blöderweise ragte jedoch immer das Hinterteil hinter dem Stamm hervor) oder vielleicht doch weglaufen? Letztendlich trollte er sich – jedoch nicht allzu hastig. Bei dieser Wanderung kehrten wir nach Fürstenfeld zurück, um den wahrlich interessanten Adventmarkt zu besuchen.

Bei einer früheren Wanderung waren wir den Klinserlpfad nach unten gegangen und hatten auf dem weiteren Sagenpfad noch ganz bezaubernde Sagenwesen entdeckt. Nicht entdeckt hatten wir jedoch die kupferzeitliche Siedlung, die sich im Buchenwald befunden haben soll. Aber egal, die Wegführung hier – so hoch über der Feistritz – ist einfach prächtig. (Und egal, was Gregi auch sagt, sie sieht doch ein klein bisschen aus wie der „Rilkeweg“).

Altenmarkt (die Endstation des Sagenpfades) trägt seinen Namen nicht umsonst, immerhin war es früher eine Römersiedlung. Die vom Johanniterorden gegründete Pfarrkirche zum Hl. Donatus hat es auch in sich. 1986 war die Kirche renoviert worden und man hatte (unter zwölf Farb- und Putzschichten) alte Fresken aus dem 13. Jahrhundert gefunden.

Die Fresken konnten wir nicht besichtigen, hatten wir es doch eilig. Bald würde es dunkel werden und wir mussten nach Fürstenfeld zurück. Wir hatten Glück, über den Feldweg kamen wir rasch vorwärts, denn unsere Umgebung war jetzt nicht mehr ganz so lieblich wie im Buchenwald. Einen kurzen Fotostopp gab es trotzdem noch (bei einer Teichanlage).

Es war bereits finster, als wir in Fürstenfeld ankamen. Das Auto stand noch immer beim Badparkplatz und wir wollten die Konditorei Ulreich am Hauptplatz besuchen. Sollten wir das Auto starten? Oder sollten wir noch die steile Stufe hinaufsteigen und direkt durch den nächtlichen Friedhof in die Stadt gehen? Aber das ist eine ganz andere Geschichte …

www.sagenpfad.at.

„Heilbründl-Runde“ – Grafendorf bei Hartberg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

13,82 km

173 HM

4 h

Start:

Grafendorf

Kirche  

Im Freien war es heiß, so um die 30 Grad Celsius, und vernünftigerweise würde man sich bei diesen Temperaturen ins kühle Haus zurückziehen oder ins Schwimmbad gehen. Gut, die Berge gäbe es auch noch … doch wir hatten da andere Ideen. Wir wollten das „Formbacherland“ entdecken und hatten uns im Internet schon mal klug gemacht. Da gäbe es die 3-Schlösser-Wanderung, die sich zwar total interessant anhörte, aber uns mit ihren 21,7 km doch zu anstrengend vorkam. Den Weg von der idyllischen St. Prankraz Kapelle auf den Masenberg kannten wir bereits (eine tolle Wanderung). Wir googelten weiter und kamen schließlich zur „Heilbründl-Rundwanderung“, welche mit 13,82 Kilometern machbar wäre.

Voller Erwartungen stiegen wir ins Auto, fuhren nach Grafendorf (wo wir im Zentrum parkten) und sahen dort sehr, sehr viele Oldtimer herumflitzen. Alte Mopeds, alte Traktoren, alte Autos … Nostalgie pur. Das Oldtimertreffen wäre bestimmt sehr interessant – aber wir wollten noch Älteres sehen. Römersteine zum Beispiel oder Hügelgräber oder ein hübsches altes Schloss.

Also marschierten wir fest entschlossen am Festgelände vorbei, nicht jedoch, ohne uns vorher ein leckeres Tüteneis zu gönnen. Noch im Seibersdorfer Wohngebiet sahen wir dann das erste „Bründl“ der Heilbründl-Rundwanderung: das Hammerwaldbründl. Ein Auto parkte daneben, ein Mann stand mit zwei Kisten und ganz vielen leeren Wasserflaschen beim Brunnen und befüllte geduldig eine Flasche nach der anderen. „Das beste Wasser für die Kaffeemaschine. Da schmeckt der Kaffee besonders gut“, erklärte er uns, während aus dem benachbarten Haus eine Frau auf den Platz zusteuerte. Auch sie war mit vier leeren Wasserflaschen ausgerüstet. Das Wasser dieses Bründls hat einen sehr niedrigen Härtegrad. Hoffentlich erfährt meine geliebte Filterkaffeemaschine nicht, wie andere Leute ihre Kaffeezubereitungsgeräte verwöhnen.

Weiter ging es neben dem Bach, und dann sahen wir es: das echte Heilbründl mit seinem schön geschnitzten Brunnenaufbau. (Das Gesicht eines Wassergeistes grinste uns an.) Und obwohl dieses Gesicht sehr freundlich aussah, gab es hier keine Leute, die Wasser aus dieser Quelle holten. Das Nass floss ungehindert in den Bach ab. Wir folgten dem Wanderweg weiter und kamen zum ersten Brücklein. Hier in der Schlucht war es noch schattig und angenehm, doch hoch über uns in den Baumkronen brannte bereits die Sonne auf die Blätter. Schlanke Schatten konnten wir hinter dem hell erleuchteten Laub erkennen, kleine Köpfchen lugten über den Blatträndern zu uns herunter. Die Prachtlibellen fühlten sich da oben in der Sonne ausgesprochen wohl. Sobald sie losflogen, schillerten ihre Flügel in metallischem Blau.

Besonders interessant sind die vielen Informationstafeln, die von Geschichten und der Geschichte dieser Gegend berichten. Zum Beispiel auch über ein schlimmes Ereignis: dem Fememord. Zur Kurruzzenzeit wurden die Bauern zum Grenzdienst eingeteilt, während die herrschaftlichen Familien nach Graz flohen. Als Wolf Dietrich von Wurmbrand den Kurruzzen „Brandgeld“ zahlte, um von weiteren Zerstörungen verschont zu werden, interpretierten die Bauern das leider falsch und glaubten an eine Verschwörung. So kam es, dass man ihn am 7. August 1704 ermordete.

Aber auch weitaus angenehmere Geschichten kann man auf diesen Tafeln lesen: Zum Beispiel die Sage vom Masenberg, der angeblich hohl und mit Wasser gefüllt sein sollte. Im Grunde geht die Sage so: Einige (meines Erachtens sehr hinterhältige) Bauern fingen einen Zwerg (ein kleines, hilfloses Wesen). Von Gier getrieben, forderten sie in Mafiamanier von ihm Lösegeld. Der Zwerg war jedoch listiger (klüger) als die Wegelagerer und konnte entkommen – drohend, die Gegend überschwemmen zu lassen. Hohl ist der Masenberg wohl nicht. Aber wenn man bedenkt, wie viele Erdställe es im nicht allzu weit entfernten Vorau gibt – vielleicht ist da doch etwas Wahres dran, an der Zwergengeschichte?

Wer in Grafendorf bei Hartberg in die Erde gräbt, kann interessante Entdeckungen machen. Diese Gegend ist schon sehr, sehr lange besiedelt (auch wenn zwischendurch die Bevölkerungsdichte sehr schwankte). Daher stößt man immer wieder auf Überreste vergangener Epochen.

Wie zum Beispiel der Römerstein, der entdeckt wurde, als 1995 im Innenhof eines privaten Anwesens gegraben wurde. Ein weißer Pflasterstein wurde angehoben … und siehe da, auf dessen Unterseite befanden sich römische Inschriften. (Dieser Stein steht jetzt vor der Kirche in Grafendorf.)

Ein Jahr später machte man den nächsten sensationellen Fund. Im Lebenfeld wollte eine Familie ein Eigenheim errichten. Bei den Aushubarbeiten stieß man auf Mauern. Uralte Mauern, die zu einer römerzeitlichen Villa Rustica gehörten. Ein weiterer römerzeitlicher Gutshof wurde mittels geophysikalischer Prospektion entdeckt.

Doch schon vor den Römern war die Gegend besiedelt, eine Axt aus der Kupferzeit, ein Dolch und Keramik aus der Bronzezeit wurden gefunden. Der Ringkogel mit seiner ehemaligen keltischen Festung ist ja auch nicht allzu weit weg.

Wir gingen am Waldhof Mara vorbei, überquerten die Straße, marschierten auf einem Wiesenweg (wunderbare Aussicht auf den Masenberg und die Sankt Pankraz Kapelle), dann erreichten wir eine weitere Asphaltstraße, von welcher aus wir rechts abbogen. Nach einer Brücke führte der Wanderweg den Bach entlang.

Wir waren ins Reich der Schmetterlinge gelangt. Sogar einen Schwalbenschwanz konnten wir entdecken. Es reichen schon ein natürlicher Bachlauf mit Bäumen am Ufer, eine ungemähte Naturwiese sowie einige alte Obstbäume, und schon hat man eine enorme Artenvielfalt. Eine Treppe ging es dann bergauf, an einem Rain entlang, und dann erreichten wir die römerzeitlichen Hügelgräber. Wieder ging es durch einen Wald, dann am Waldrand entlang, bis wir zu den ersten Häusern kamen. An dieser Stelle verirrten wir uns und mussten umkehren. Bitte rechts abbiegen in Richtung Dorf. Wir mussten nicht lange auf der Asphaltstraße gehen, dann kam die Abzweigung nach links zum Fischteich. Hier hoppelten niedliche Kaninchen frei herum. Zwei Pfaue hockten auf einem Holzstoß im Wald. Wieder kamen wir zu einer Brücke. Auf ihr lag noch das Geröll des letzten Hochwassers.

Zwischendurch trafen wir dann eine ganz seltene Spezies: andere Wanderer. Eigentlich waren wir es schon gewohnt, bei dieser Hitze niemandem zu begegnen. Doch an diesem Tag trafen wir ein nettes Paar, welches sich den 60er-Roas-Wanderweg ansehen wollte.

Bald schon lag das Schloss Kirchberg vor uns. Seit 1925 ist im Schloss eine Landwirtschaftsschule untergebracht, anfangs wurden hier ganze neun Schüler unterrichtet. Das Schloss Kirchberg war früher einmal eine Ritterburg, die 1130 durch Graf Ekbert II. von Formbach-Pitten errichtet wurde.

Grafendorf und Kirchberg am Walde liegen im Lafnitztal – und die Lafnitz war seit 1043 eine Grenze. Eine gefährliche noch dazu. Die Siedler (u. a. Awaren, Slawen) hielten sich hier nicht lange, und im 12. Jahrhundert versuchte man wieder, Menschen in der Gegend anzusiedeln. Diesmal waren es deutsche Siedler. Die Grafen von Formbach-Pitten stammten ursprünglich aus Bayern. Graf Ekbert II. von Formbach-Pitten zog 1158 mit Friedrich Barbarossa in den Krieg. Er fiel beim Sturm auf Mailand. Doch zuvor hatte er ein Testament gemacht, und so kam das Gebiet von Grafendorf in den Besitz des deutschen Klosters Formbach.

Das Schloss Kirchberg kann man von außen besichtigen. Es gibt einen Schaugarten, der terrassenartig über dem Lafnitztal liegt und eine wunderbare Aussicht bietet. Den ehemaligen Burggraben kann man heute begehen. Wir umrundeten das Schloss und das Internatsgebäude, bewunderten die neue gläserne Brücke über den Burggraben (was für ein besonderer Schulweg!) und marschierten schließlich an den Ställen vorbei in Richtung Allee, welche wir nun durchschritten, um nach Grafendorf zurückzugelangen.

Wir hatten an diesem heißen Tag die Wanderung abgekürzt. Laut Schrittzähler hatte ich ohnehin schon 19.000 Schritte gemacht. Über das Kirchberger Kreuz kamen wir nach Grafendorf zurück, wo wir uns noch den Kirchvorplatz mit seinen Römersteinen ansahen. In die Kreuzkapelle gingen wir nicht, da uns eine Aufbahrung daran hinderte. In ihr sollte es Fresken von Johann Cyriak Hackhofer geben, den originellen Stiftsmaler von Vorau, der auch die Festenburg so beeindruckend ausgeschmückt hat. Stattdessen bewunderten wir den artesischen Brunnen, der 1894 errichtet worden war. Hier holten einst die Schulkinder ihr Trinkwasser. Plastikflaschen gab es dazumal noch keine, kein Cola, keinen Almdudler und auch kein Dreh und Trink.

Der Brunnen plätscherte ruhig vor sich hin, und wir waren auch durstig geworden. Also beschlossen wir, das Kaffee MeLounge zu besuchen. (Eine sehr gute Wahl, der Kaffee schmeckte ausgezeichnet.)

Eine Woche später wollten wir die Runde dann vollenden … bei sehr, sehr heißem Wetter. Am Nachmittag sollte irgendwann Regen kommen – am späten Nachmittag gegen Abend, nahmen wir an. Wir waren optimistisch. Außerdem wussten wir inzwischen, wo wir das Auto am Parkplatz hinstellen mussten, um nachmittags optimalen Schatten zu haben. Vom Grafendorfer Zentrum aus steuerten wir Schloss Kirchberg zu. Wieder durch diese wunderbare Allee. Es wäre nicht schlecht, wenn wir wieder damit beginnen würden, links und rechts der Straßen Bäume zu setzen. Wir kamen erneut bei den glücklichen Hühnern und dem mobilen Hühnerstall vorbei. Das Federvieh war richtig tiefenentspannt. Tiefe, langgezogene Töne gaben sie von sich – richtig meditativ.

Zielstrebig marschierten wir am Schloss vorbei. Gut, bei einem blühenden Sommerflieder hielten wir und bewunderten die Schmetterlinge. Ein Admiral dinierte vorzüglich und ließ sich dabei fotografieren. Dieses Mal waren wir es, die zuerst die Geduld verloren und das Fotoshooting aufgaben. Wenn die Sonne auf einen herunterbrennt, hat man keine Nerven, lange auf dem Asphalt zu stehen und Fotos zu schießen. Also gingen wir weiter und sahen ein hübsches Häuschen – eine Kombination von Mauern und Holz. Davor surrte es gewaltig. Dann sahen wir die Ausflugschlitze im Holz: ein Bienenhaus der Extraklasse.

Gleich nach dem Bienenhaus führte uns der Wanderweg rechts hinab in eine Schlucht. Wie angenehm doch ein Wald ist. Ein reizender Wasserfall, dann steile Stufen bergauf und dann eine Bank für eine Trinkpause. Wir mussten die „Himmelsleiter“ erklimmen, und dann kamen wir zu den richtig großartigen Tafeln, welche uns den Bauernhimmel mit seinen nützlichen Heiligen auf recht bodenständiger Art erklären. Herrlich.

Das nächste Ziel war der Ort „Reibersdorf“. Hier hatten wir uns leider beim Weg geirrt und waren vorerst mal durch das hübsche Dorf marschiert. „Reibersdorf“ und „Seibersdorf“ liegen beide direkt neben Grafendorf. Wir sinnierten, ob es hier auch noch ein Leibersdorf oder ein Kleibersdorf oder ähnliche Ortsnamen geben könnte. Nebenbei betrachten wir die hübschen alten Kellerstöckl, die nun teils als Garagen dienen. Am Ende des Dorfes stand ein Marterl. Dort zogen wir die Wanderkarte zurate und kehrten wieder um. Also den ganzen Ort wieder zurück, bis zum Wiesenweg, wo wir von der Himmelsstiege rausgekommen waren. Dann die Asphaltstraße bergab, die zum Glück durch den Wald führte. Bei der Kreuzung stand ein Schild, welches uns darauf hinwies, dass man nur bis zu einem bestimmten Anwesen kommen konnte.  Doch wir waren ja zu Fuß unterwegs, und dieser Hinweis würde ja nur die Autofahrer betreffen … dachten wir.

Der Wanderweg führte uns den Bach entlang. Hier musste es vor nicht allzu langer Zeit ein richtig arges Hochwasser gegeben haben. Riesige Sandhaufen waren neben dem Bach aufgetürmt, und wir wunderten uns, wo das Material hergekommen sein konnte. Und dann kam das erste Problem. „An dieser Stelle müsste es eigentlich eine Brücke geben“, bemerkte ich. „Der Bach ist seicht, es hat 30 Grad Celsius … wir waten durch den Bach“, beschlossen wir und entledigten uns der Wanderschuhe.

Auf der anderen Bachseite wieder Socken und Schuhe an und weiter. Doch nicht allzu weit, die nächste nicht vorhandene Brücke. Vorhanden war sie schon – jedoch spannte sie sich nicht über das Gewässer sondern lag am Rand der Wiese. Ich setzte mich auf die Brücke und konnte somit ganz bequem die Schuhe wieder ausziehen – wieder durch den Bach – Schuhe an und weiter durch den Wald. Bis zur nächsten nicht mehr vorhandenen Brücke. Nur da war die Böschung leider zu steil, um runterzuklettern. Wieder einmal kehrten wir um, suchten eine Stelle, an der wir in den Bach gelangen konnten, und dann marschierten wir längere Zeit im Wasser. Es war fast wie ein Badetag.

Endlich waren wir wieder auf dem regulären Wanderweg bei einer kleinen Siedlung. Asphaltstraße. Also keine Bachwanderungen mehr. Ein Blick zurück mahnte uns dafür zu Eile. Dunkle Wolken bauten sich bedrohlich auf. Auch diesmal würden wir den Heilbründlweg nicht fertig erkunden können. Unter der Bahnbrücke hindurch stiegen wir rasch den Hügel bergauf, an der Backhendlstation Heschl vorbei bis zum Hügelgrat. Beim Abstieg nach Grafendorf schüttete es wie aus Eimern. Auf der Asphaltstraße war eigentlich nicht weniger Wasser als im Bach. Platschnass kamen wir in Grafendorf an. Blitz und Donner ließen unser Tempo gewaltig beschleunigen. Wenigstens war es nun nicht mehr heiß.

Bei der Heimfahrt mussten wir die Heizung einschalten. Mit einer durchschnittlichen Fahrtgeschwindigkeit von zirka 50 km/h fuhren wir bei einem fürchterlichen Unwetter nach Hause.

„Voitsberger Ruinen“ – zwei Spaziergänge

 

Spaziergang

zur Burgruine Krems

Start:

Voitsberg Stadtteil Krems

P+R Parkplatz

Spaziergang

Burgruine Obervoitsberg und Kohlenbergbau Zangtal

Start:

Voitsberg Hauptplatz

       

Nach den üppigen Weihnachtsfeiern tut es mal so richtig gut, wieder ins Freie zu kommen. Weite, anstrengende Wanderungen wollten wir mit den angefutterten Weihnachtspfunden noch keine unternehmen, also gingen wir es gemütlicher an. Wir fuhren mit dem Auto nach Voitsberg – nicht ganz. Im Stadtteil Krems (beim Kreisverkehr) nahmen wir die Ausfahrt in Richtung Bahnhof, bogen noch vor dem Fluss links ab und parkten auf dem P+R-Parkplatz. Wir marschierten durch eine hübsche Siedlung und folgten immer den Schildern „Ruine Krems“. Ab dem Schranken ging es dann eine enge Asphaltstraße bergauf. Auf dem Holzgelände wuchs Moos, Eiskristalle schimmerten in der Sonne. So ging es gemütlich dahin und schon standen wir vor der richtig beeindruckenden Burgruine Krems. Leider kann man diese Ruine nur mit einer Führung (ab 10 Personen möglich) innen besichtigen – oder aber man kommt am Pfingstsonntag oder am Nationalfeiertag (bei Schönwetter). Dann hat sie auch geöffnet.
Ein hübscher Weg führt um die große und sehenswerte Ruine herum. Hier im Osten von Voitsberg, wo das Kainachtal sehr, sehr eng ist, bot sich dieser schmale Bergrücken richtiggehend an, darauf eine Wehrburg zu bauen. Der älteste Teil ist der Bergfried mit seinen fünf Stockwerken, der im 12. Jahrhundert gebaut wurde. Er steht auf einem sehr markanten Felsen, und wenn man außen unter diesem Felsen hindurchgeht, hat man schon ein bisschen ein mulmiges Gefühl und hofft inständig, dass Turm und Felsen nicht gerade in diesem Moment abrutschen. Angeblich soll dieser Turm auf römischen Grundmauern aufgebaut worden sein. Also keine Angst, dieser Teil der Wehranlage scheint stabil zu sein. Was man leider von einigen Gemäuern im Südosten der Burg nicht behaupten kann. 1817 rutschte ein Teil des Schlosses ab. Burg – Schloss … was war die Ruine früher wirklich? Die ältesten Teile der Burg stammen aus dem 12. Jahrhundert, im 14. Jahrhundert wurde die Burg erweitert und im 16. Jahrhundert kam es zu einem großen Umbau. Ein prächtiges Schloss wurde unter der Herrschaft der Herbersteiner gebaut. Das Gebäude hatte viele Besitzer: Krems-Leonrode, Walseer, Montforter, Herberstein, Saurau … 1857 erwarb sie Erzherzog Johann. Heute gehört sie dem Verein „Licht im Leben“.
Wenn man die Ruine umrundet hat, bietet es sich noch an, den Waldweg neben der Burgbrücke ins Tal hinabzusteigen. Steil ist der Hügel (teilweise künstlich abgeböscht), große schwarze Felsen sind zu sehen. Wir marschierten bis zum ehemaligen Gewerkenhaus (in Krems gab es früher ein Hammer- und Eisenblechwerk). Bei unserem Spaziergang kehrten wir dort um und gingen den bereits bekannten Weg retour zum Auto.
Danach fuhren wir direkt ins Stadtzentrum. Vom Hauptplatz aus starteten wir unseren zweiten Spaziergang. Hübsch weihnachtlich geschmückt präsentierte sich Voitsberg. Der Weihnachtsbaum vor der Kirche war riesig, die Bäume im Zentrum trugen hübsche Kugeln, Tannenreisig schmückte die Straßenlaternen. Die Fassade des Rathauses sollte man sich näher ansehen. Der Künstler Prof. Arik Brauer hat sie gestaltet. Seit 2003 gibt es auch ein Glockenspiel. Und wir hatten das Vergnügen, eben dieses Glockenspiel zu hören. Am langgestreckten Hauptplatz gibt es noch einen Barbarabrunnen und eine Mariensäule erinnert an die Pest, die von 1713 bis 1716 in dieser Gegend wütete.
Wir schlenderten den Hauptplatz entlang, bis wir eine Art Keramiktor erreichten. Hier bogen wir rechts ab (gelbe Wanderwegweiser) und marschierten auf den Voitsberger Sagenberg zu. Beim Aufstieg auf den Sagenberg sollte man sich sehr viel Zeit lassen. Sonnig war es hier zur Mittagszeit (was am Stefanietag richtig angenehm war) und die Aussicht war grandios. Umso höher wir den Serpentinenweg hochstiegen, umso toller wurde das Panorama. Und da gab es dann auch noch die herrlichen Sagen, die von liederlichen Bergleuten, toten Spielmännern, wilden Frauen und vom Teufel (der um Seelen feilschte) berichteten. Hat man Obervoitsberg erklommen, erkennt man sofort, warum genau an dieser Stelle eine Burg errichtet wurde. Weit sieht man von hier: im Osten die Burgruine Krems, das Betriebsgelände der Berglandmilch, die Stadt selbst mit den Kirchtürmen, das Schloss Greißenegg, im Westen den Heiligen Berg, Schloss Piber dahinter Köflach und ganz hinten die Berge, die die West- von der Obersteiermark trennen.
Über das Kainachtal gab es eine Straßenverbindung in die Obersteiermark, und diese Straße musste gesichert werden. Also wurde bereits 1170 die Burg Obervoitsberg errichtet (damals hieß sie „castrum voitseperch“). Als die Burg gebaut war, entstand unter ihr im Tal eine Siedlung. Diese wurde mit einer Wehrmauer umgeben, die bis zur Burg hochgezogen wurde. So entstand der Ort Voitsberg, der bereits 1245 Stadtrecht hatte. Im 13. Jahrhundert wohnte eine sehr interessante Frau in Obervoitsberg – Herzogin Gertrud, Markgräfin von Mähren und Baden (1226 bis 1288).
Gertrud war die Nichte von Friedrich II. (der Streitbare), und dieser war der letzte Babenberger im Mannesstamm. Friedrich hatte also keine Kinder, denen er sein immens großes Herrschaftsgebiet vermachen konnte. Daher war seine Nichte Gertrud eine richtig gute Partie. Das dachte sich auch der staufische Kaiser Friedrich II. Würde er Gertrud heiraten, so bekäme er auf diesem Wege die babenbergischen Länder. Doch Gertrud wollte den 55-jährigen Kaiser nicht heiraten und tat es auch nicht. Also hat auf der Burg Obervoitsberg eine Frau gelebt, die den Mut hatte, Kaiser Friedrich II. einen Korb zu geben.
Die Burg Obervoitsberg präsentiert sich heutzutage nicht allzu romantisch. Der Burggraben ist ein Parkplatz, die Festung selbst eine Bühne. Doch der Standort und die Aussicht sind einfach traumhaft. Da ich soeben noch von den Sagen erzählte: Über Obervoitsberg gibt es auch eine. In den Kellerräumen der Burg sollte ein Schatz versteckt gewesen sein und natürlich hatte ein sehr argloser, junger Mann das Glück, die Schatztruhe zu entdecken. Als er sie öffnete, war in der Truhe eine Schlange, die einen Schlüssel in ihrem Maul hielt. Der Jüngling bekam Angst, floh, und die Schlange klagte, dass sie als verwunschenes Burgfräulein nun wieder nicht erlöst worden wäre.
Als wir vor einigen Jahren die Wanderung „Auf der Sonnenseite der Stadt Voitsberg“ machten, kam ich – arglos wie ich bin – in einem Waldstück genau zwischen zwei Schlangen zu stehen. Groß und dick waren sie. Eine lag auf dem Wanderweg hinter mir (wie ich diese übersehen konnte, ist mir heute noch schleierhaft), eine sperrte mir den Weiterweg ab. Ich stand also hyperventilierend zwischen zwei furchteinflößenden Schlangen, während mein Göttergatte mit einer Freude ein Exemplar davon voller Genuss fotografierte (Nahaufnahme wohlgemerkt). Ich kann mich heute nicht mehr so genau erinnern, wie die Gegend auf dem Weiterweg aussah. Als ich nämlich den beiden Reptilien großräumig ausgewichen war, waren meine Blicke ausschließlich nur noch auf den Weg gerichtet. Ehrlich, ein Burgfräulein hätte auch ich mit bestem Willen nicht erlösen können – egal wie groß die Belohnung für diesen Dienst gewesen wäre.
Hinter dem Parkplatz von Obervoitsberg gibt es einen Naschgarten. Geht man rechts neben diesem Garten vorbei, kann man allerhand Kunstwerke aus Metall entdecken. Bei den Hochbeeten führt der Weg bergab. Neben dem Bogenparcours geht es dann zum ehemaligen Kohlenbergbau Zangtal. Von 1880 bis 1989 wurden hier 27,5 Millionen Tonnen Braunkohle abgebaut. Benannt wurde das Bergwerk nach dem Besitzer August Zang. August Zang war ein vielseitig interessierter Mann. Er war ein ehemaliger Offizier, gründete eine Zeitung, „Die Presse“, und war nebenher auch noch ein Bankier. Im ehemaligen Bergwerksgelände kann man noch Fördermaschinen bestaunen. Besonders „Leopold“, ein 560 Tonnen schwerer Schaufelradbagger, beeindruckt durch seine unglaubliche Größe. Das Förderband, das zum Teil noch zu sehen ist, stammte von der Gleisdorfer Firma Binder. 1986 wurde Leopold in Betrieb genommen … leider schloss das Bergwerk bereits 1989.
An einem ehemaligen Wagon der GKB vorbei wanderten wir neben der Straße nach Voitsberg zurück. Auch wenn wir keine extrem weite Wanderung absolviert und die Tage davor ausgiebig Süßes verzehrt hatten, gönnten wir uns im Stadtcafé am Hauptplatz einen Cappuccino mit Tiramisu.

 

„Erzherzog-Johann-Weg Rundweg Nr. 8“ – Vorau

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

7,34 km

156 HM

2:30 h

Start:

Vorau Stift  

Nach Vorau zieht es uns immer wieder. In Vorau gibt es ein beeindruckendes Stift (das als das turmreichste Kloster in Österreich gilt), und auch das liebevoll gestaltete Freilichtmuseum möchte ich erwähnen. Aber am geheimnisvollsten sind die vielen mystischen Erdställe, deren Errichtung und Zweck nach wie vor im Dunkeln liegen. Mögen die Wissenschaftler weiter rätseln, für mich steht fest, dass sich in Vorau eine Berufsschule für Zwerge befunden haben muss.
Wenn man von den Erdställen berichtet, darf man natürlich die tollen Lochsteine nicht vergessen (den Lochsteinwanderweg kann ich auch wärmstens empfehlen). Doch selbst wenn all diese interessanten Highlights (die ich gerade erwähnt habe) nicht wären, würde die idyllische Gegend zwischen Wechselmassiv und Masenberg immer noch genug Reize haben, um sie immer wieder gerne zu besuchen.
Der Wanderweg Nr. 8 startet beim Stiftsparkplatz. Mächtige alte Bäume sorgen für ein angenehmes Klima und sehen dazu noch herrlich aus. Wir gingen links an der klösterlichen Anlage vorbei. Die alte Wehrmauer rund um das Augustiner-Chorherrenstift bietet den Vögeln so manche Bruthöhle. Die alten Obstbäume, die davor wachsen, gefallen den Piepmatzen auch besonders gut, und so herrschte reges Treiben neben den geweihten Gemäuern. Wir wanderten stets bergab und blickten immer wieder gerne zurück. Schön ist sie, diese turmreiche Klosteranlage.
Plötzlich hörten wir in der Hecke neben uns hektische Kampfgeräusche. Zwei Goldammermännchen rauften im Flug. Goldammern sind seltene Vögel (sie sind Wiesenbrüter und haben nur selten ein geeignetes Habitat). Sie einmal zu sehen, ist schon eine Freude. Sie jedoch dabei zu beobachten, wie sie sich in der Luft gegenseitig mit ihren Flügeln verhauen, war schon ein ganz seltenes Erlebnis. Zum Glück gab es bei dieser Auseinandersetzung keine Verletzten.
Einige Meter weiter weideten Lamas. Diese Tiere gab es in Vorau sicherlich noch nicht, als man dieses Augustiner-Chorherrenstift im 12. Jahrhundert gründete. Stifter war der Traungauer Markgraf Otakar III. Das Mutterkloster war Seckau. Ursprünglich waren sicher Rodungsarbeiten wichtig, doch schon bald wurde ein Skriptorium (Schreibschule) eingerichtet. Die Bibliothek von Vorau ist riesig und kann mit ganz außergewöhnlichen Schriften aufwarten. Zu den größten Schätzen gehören die Schriften von „Frau Ava“ (lebte wahrscheinlich von 1060 bis 1127 in Melk oder Göttweig). Sie ist die erste namentlich bekannte Dichterin im deutschsprachigen Raum. Als Frau im 11. bzw. 12. Jahrhundert des Schreibens mächtig zu sein, war schon sehr außergewöhnlich. Noch dazu, wo sie nicht einmal eine Nonne war. Ihre religiösen Texte verfasste sie nicht in Latein, sondern in Frühmittelhochdeutsch. Ihr wurde in Vorau zu Recht ein Literaturpfad gewidmet.
Im 15. Jahrhundert drängten Türken in die Grenzregion, und das Stift wurde zu einer wahren Klosterburg ausgebaut. Im 16. Jahrhundert wäre es dann fast mit dem klösterlichen Leben vorbei gewesen. 1542 gab es im Vorauer Stift nur einen einzigen Personaleintrag. Wie sich das Stift danach wieder erholen konnte, weiß ich nicht. Zu Höchstform kam es allerdings im 17. Jahrhundert. Da erhielt es mehr oder weniger das Aussehen, wie wir es heute noch bewundern dürfen: Hochbarock der allerfeinsten Art. Eine Führung ist sehr zu empfehlen. Ich kann mich noch erinnern, als wir in der Volksschule mit den ehrwürdigen Dominikaner-Schwestern das Stift besichtigten. Wir Kinder standen in der Sakristei und besahen das berühmte Bild „Höllensturz“ von Cyriak Hackhofer. Es war richtig gruselig. Der Frosch, der ein Herz (welches in der Geldtruhe lag) verspeiste, blieb mir bestens in Erinnerung.
Weniger gruselig war der nächste Teil der Wanderung … der Brühl. Ob am Hartberger Ringkogel, in Pöllau oder eben in Vorau – sobald ein Ortsteil „Brühl“ heißt, handelt es sich um einen künstlich angelegten, besonders idyllischen Bachlauf mit einem Gehweg daneben. In Vorau geht man zwischen dem seichten, beschaulichen Bächlein, welches wohl mal eine Mühle zur Energiegewinnung diente, und dem steinigen Voraubach. Wir genossen die herrliche Frische an dem heißen Sommertag.
Schließlich überquerten wir den Voraubach und stiegen einen Wald bergan (hier führt auch der Waldlehrpfad entlang). Wir waren im Reich der Pilze und Schwammerln gelandet. Hoch aufgewachsen stand ein Prachtexemplar eines Parasols vor mir, viele kleine gelbe Eierschwammerl lugten vorsichtig ins Freie. Und dann der Höhepunkt: Gregor fand einen richtig schönen Steinpilz. Ich nehme mal an, dass er beim Weitergehen schon von einer guten Steinpilzsuppe mit Einbrenn geträumt hat … und ja, am nächsten Tag hat er dann auch eine bekommen (leider mit kleinen Mehlklumpen – da muss ich wohl noch ein bisschen üben). Doch seit meinem letzten Pilzgericht mit selbst gesammelten Schwammerln habe ich schon sehr viel gelernt … zum Beispiel, dass man keine Gallenröhrlinge ins Gericht geben sollte.
Wir erreichten eine große Wiese mit hohem Gras und einen Trampelpfad, der uns zur Erzherzog-Johann-Höhe führte. Von der Aussichtsplattform mit Fernrohr konnten wir in Richtung Wechsel gucken, davor der Ort Vorau, zwischen Berg und Dorf verschiedene Felder. Ein herrlicher Fleckerlteppich. Das Gedenkkreuz auf der Erzherzog-Johann-Höhe erinnerte an die schreckliche Kriegszeit und an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. 1940 wurde das Stift enteignet, in der „Burg Vorau“ wurde eine Parteischule eingerichtet. Vorau wurde heftig umkämpft. 1945 musste ein ganz schlimmes Jahr gewesen sein. Am 16. April eroberten die Russen den Ort, am 23. April wurde er von den Deutschen zurückerobert, am 8. Mai war er wieder von Russen besetzt. Ich möchte mir nicht vorstellen, was die Bevölkerung da alles durchgemacht hat.
Tiere sind nicht so grausam wie Menschen, besonders Schmetterlinge nicht. Beim Weitergehen entdeckten wir einen besonders hübschen Zitronenfalter. Wir gingen an einer Weide vorbei und kamen zu einer Asphaltstraße. Achtung: Auch wenn das Schild in Richtung Wiesenweg zeigt – der Weg Nr. 8 geht die Asphaltstraße bergab. Und auch beim Gehen auf dem asphaltierten Gemeindeweg konnten wir vieles entdecken: einen Neuntöter in der Hecke, einen Lochstein am Wegrand und eine hübsche Kapelle. Ein Schotterweg führte in den Wald. Weg Nr. 8 zweigte von diesem Schotterweg ab. Wir kamen auf einen Hohlweg, der links und rechts mit Heidelbeerbüschen (samt Beeren) gesäumt war. Und immer wieder wuchsen Eierschwammerln direkt auf dem Weg. Leider endete dieser Wanderweg an einer kaputten Brücke, die durch das Hochwasser im Juni 2024 zerstört worden war. Wir waren gezwungen, umzudrehen. Daher unser Tipp: Den Schotterweg (Augustinerweg) weiter folgen – so kommt man sicher wieder zum Stift zurück.
Im Stiftshof kann man bequem unter alten Bäumen sitzen und sich kulinarisch verwöhnen lassen. Wir haben jedenfalls sehr gut gespeist.
An Führungen nahmen wir nach dieser Wanderung leider nicht mehr teil (es war ein extrem heißer Tag und wir waren müde und verschwitzt). Daher entschlossen wir uns, die Sakristei sowie die Bibliothek ein andermal zu besichtigen.
Infos zur Stiftsführung: www.stift-vorau.at
Infos zu Exkursionen in die mysteriöse Tunnelwelt von Vorau vom Verein „Sub Terra Vorau“: www.subterravorau.at
Das Heimatmuseum Vorau hat täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet (Stand 2024).

„Kulturwanderweg Hengist-Weitendorf-Kuketz-Runde“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg:

9,5 km

92 HM

3 h

Start:

Weitendorf

Kirche  

Manchmal muss man sich überwinden, bei kaltem und nassem Winterwetter ins Freie zu gehen. Aber ehrlich… immer wieder ist man froh darüber, den inneren Schweinehund besiegt zu haben.
Mitte Dezember – ein trüber, kühler Tag ohne Sonnenschein – da trifft man auf Wanderwegen kaum Passanten. Jedenfalls nicht in Weitendorf in der Nähe von Wildon. Schade eigentlich, denn dieser auf den ersten Blick nicht gerade aufregende Ort hat einige wirklich interessante Plätze, die es verdienen, entdeckt zu werden.
Wir parkten unser Auto vor dem Gemeindeamt von Weitendorf (welches unser Autonavi aus welchen Gründen auch immer einfach nicht finden wollte). Weitendorf gehört zu den Kulturgemeinden Hengist. Dieses Gebiet ist seit etwa 6000 Jahren von Menschen besiedelt (Hügelgräber und Urnenfelder aus verschiedensten Epochen). Doch nicht nur Menschen haben hier ihre Spuren hinterlassen: Funde bezeugen, dass es in dieser Gegend auch recht interessante Tiere gab – wie zum Beispiel Wollhaarmammuts. Doch dazu später.
Wir marschierten vom Gemeindeamt los, an der Kirche vorbei in Richtung Westen. Weitendorf war früher ein Rundangerdorf. Heute befinden sich die Häuser samt Ställen links und rechts der Asphaltstraße. Wo sich der „Anger“, der kreisförmig umbaut worden war, einst befand, konnte ich nicht mehr ausmachen.
Wir kamen an einem hübschen Dorfteich vorbei, bogen kurz darauf rechts in eine Siedlung ab und von dort erreichten wir den Waldrand des „Kaiserwaldes“. Im Schotter der „Kaiserwaldterrasse“ hat man etwas Altes und sehr Interessantes gefunden: den Backenzahn eines jungen Wollhaarmammuts. Wer den Film „Ice Age“ gesehen und sich an „Manny“ erinnern kann, hat in etwa eine Ahnung, wie so ein Wollhaarmammut ausgesehen haben mag (nur ohne exakten Scheitel und Lockentolle).
Unser nächstes Ziel war der Weitendorfer Basaltsteinbruch. International ist dieses Bergwerk bei Fachleuten wegen seiner außergewöhnlichen Mineralien berühmt … und auch wegen der Fossilien. Dieser Steinbruch hat es wirklich in sich. Wären wir vor etwa 15 Millionen Jahren hier unterwegs gewesen, hätten wir nicht wandern können, sondern hätten schwimmen müssen. Hier gab es ein Meer – besser gesagt, ein tropisches Flachmeer mit vielen Bewohnern. Über 100 verschiedene Meeresorganismen haben hier friedlich gelebt … bis vor etwa 14,5 Millionen Jahren aus den Erdritzen glutflüssiges Magma austrat. Dieses Magma bildete eine 10 km² große und etwa 30 m hohe Basaltdecke über dem Meeresboden.
Unter der Basaltdecke des Steinbruchs liegt nun dunkelgrauer Tonmergel. In diesem kann man die Fossilien dieser ehemaligen Meeresbewohner finden. Untersuchungen haben gezeigt, dass man heute die nächsten Verwandten dieser versteinerten Wasserwesen im Indischen Ozean und im Roten Meer antreffen kann.
Doch nicht nur das, was sich unter dem Basalt befindet, begeistert die Geologen. Auch die vulkanische Schicht ist für Mineraliensammler und Wissenschaftler höchst aufregend. In den Blasenhohlräumen des Vulkangesteins bildeten sich hübsche Mineralien aus. So wurden im Weitendorfer Steinbruch bereits Calcite in den verschiedensten Farben, Aragonite, Chalcedon, Achate, CT-Opale etc. gefunden.
Es ist verboten, dieses Bergwerk zu betreten. Daran hielten wir uns natürlich. Doch auch von der Straße aus hatten wir die Möglichkeit, ganz originelle Bilder von der ehemaligen Steinbrechanlage zu knipsen. Ein erstklassiger Lost Place. Die Außenfassade zur Straße hin war so interessant, dass wir hier sehr lange Zeit immer wieder außergewöhnliche Details ablichten konnten.
Danach wanderten wir weiter zur Kainach. Ich will nicht beurteilen, was das größte Highlight dieser Wanderung ist, aber die Wegstrecke zwischen Kainachbrücke und Faltikögerl steht ganz weit oben. Zwischen einem sehr großen Teich und dem noch recht naturbelassenen Fluss gibt es einen Weg, viel Wildnis und ganz viele Vögel. Das nasse Moos leuchtete in einem Sattgrün, das Eis des Teiches schimmerte im dunklen Türkis und bildete einen herrlichen Kontrast zu den orangen Blättern eines Strauchs.
Der Faltikögerl ist ein Hügel … ein sehr, sehr steiler Hügel … und er ist wahrscheinlich nicht von Natur aus so steil. In früheren Zeiten waren die Menschen auch recht fleißig und sie hatten den Wunsch, einigermaßen sicher zu leben. Daher hatten die Leute, die den Faltikögerl besiedelten, auf allen Seiten deutlich abgeböscht. Seit 2007 finden Grabungsarbeiten auf dem Faltikögerl statt. Drei Bau- und Siedlungsphasen konnten nachgewiesen werden – von der jüngeren Urnenfelderzeit bis zum Mittelalter. Keramikfragmente hat man gefunden, Spinnwirtel und Webstuhlgewichte, aber auch einen Fußboden. Wir statteten dem Faltikögerl einen Besuch ab. Ruhende Ausgrabungen sind nicht sonderlich spektakulär: eine Hütte, Zäune und Abdeckplanen. Der Ort selbst allerdings hat schon etwas, auch wenn das Plateau des Kögerls nicht allzu groß ist.
Und weiter ging unsere Wanderung. Über tief eingeschnittene Hohlwege stiegen wir stetig den Kuketz bergauf. Nur 399 Meter ist dieses Bergerl hoch, doch geologisch hat es trotzdem viel zu bieten. Neben Sanden und Mergel (die etwa 15 Millionen Jahre alt sind) gibt es hier auch sehr, sehr alte Gesteine, die stolze 400 Millionen Jahre auf dem Buckel haben. Und Eisenerz fand man hier auch. Auf dem Kuketz gab es früher Bergbautätigkeiten. Dazu waren allerdings keine Sprengungen nötig, nein, man musste nur die Erzbrocken ausbuddeln. Die Limonitknollen, welche einen Eisengehalt von bis zu 60 % hatten, fand man gleich unter der Erdoberfläche. Über 200 bis zu 2 Meter tiefe Mulden (Pingen), wo man diesen Brauneisenstein ausgegraben hat, kann man am Kuketz zählen.
Irgendwann kamen wir wieder ins Tal und zur Kainach. Die nächste Wegstrecke war leider nicht mehr so idyllisch und interessant. Zuerst ging es unter der Eisenbahnbrücke durch, dann kamen wir bei der Kompressorstation der Trans Austria Gasleitung vorbei. Dann noch unter der Autobahn durch und schon waren wir im Ort Lichendorf. Über Feldwege und kleine Asphaltstraßen erreichten wir Klein-Weitendorf, von dort wieder unter der Autobahn durch zum Ausgangspunkt.
Da wir in Weitendorf selbst kein offenes Restaurant fanden, beschlossen wir, einen Abstecher ins nahe gelegene Wildon zu machen. Direkt im Ort gibt es das Café/Pizzeria „Marktstüberl“. Dort bekamen wir am frühen Nachmittag ein gutes Mittagessen.
Anschließend spazierten wir über Treppen zur Kainach (das letzte Stückchen des Flusses, bevor sie in die Mur mündet) und weiter zum Badeteich, wo es im Dezember einen kleinen Adventmarkt gab. Hier war es (trotz des nicht gerade lauschigen Wetters) sehr belebt. Verkaufs- und Glühweinstände befanden sich auf der einen Seite. Für vorweihnachtliches Ambiente sorgten die Lichterketten in den Bäumen. Nicht schlecht. Und trotzdem bevorzugte ich die andere Seite. Die Badesee-Seite, wo zwei Eltern-Schwäne mit ihren drei Teenagerschwänen (graue Färbung) unterwegs waren. Dieser Familie hatte sich auch eine Ente angeschlossen, die sich ordentlich ins Zeug legen musste, um beim Tempo, welches die großen Schwäne vorlegten, mithalten zu können.
Doch richtig sensationell finde ich den Blick auf den Ort Wildon mit der hoch aufragenden Kirche und dem legendären Burgberg dahinter, den wir schon einmal auf einer früheren Wanderung erkundet hatten.

„Wildon – Schlossberg – Buchkogel“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

10 km

330 HM

3:15 h

Start:

Wildon

Schloss 

Die Hengistburg ist die älteste urkundlich erwähnte Burg in der Steiermark. Sie war in der späten Karolingerzeit eine Mittelpunktburg in der Mittelsteiermark. Soweit, so gut. Was wir heute nicht mehr so genau wissen, ist, wo sich diese legendäre Hengistburg befand. Darüber streiten sich die Experten, und einige von ihnen sind fest davon überzeugt, dass sich diese für die Steiermark so wichtige Festung auf dem Schlossberg von Wildon befunden hat. Möglich ist es. Am Wildoner Schlossberg hat man Fundstücke aus dem 8. bis 10. Jahrhundert gefunden. Und nicht nur das … Auf diesem Hügel standen im Hochmittelalter mindestens vier Burgen: die Burg Ful, die Burg Hengst, Altwildon (landesfürstlicher Besitz) sowie Neu-Wildon (erzbischöflich-salzburgischer Grund). Das macht neugierig…

Also fuhren wir an einem Sonntag im Spätherbst nach Wildon, um die Umgebung zu erkunden.
Der Ort Wildon ist sehr langgestreckt und liegt eingequetscht zwischen der Mündung der Kainach in die Mur und dem Schlossberg. Hier verlief eine alte Reichsstraße, die nach Triest führte. In Wildon gab es mautpflichtige Brücken über die Kainach und die Mur. Viel Platz gab es nicht auf der Straße; gingen Pferde durch, konnte es sehr gefährlich werden. Ein Grabstein, der in der Außenmauer der Wildoner Pfarrkirche eingemauert ist, bezeugt solch einen Unfall. 1757 geschah das Unglück und kostete dem Wirt Franziskus Hoffstötter das Leben. Das Relief zeigt sehr detailreich ein Pferd mit panisch aufgerissenen Augen und wehender Mähne, eine leere Kutsche und einen Mann, der auf dem Boden liegt.
Im Schloss Wildon befindet sich das Hengist-Museum, und vom Schloss Wildon aus führt ein Literaturpfad in Richtung Schlossberg. Herrand von Wildonie lebte im 13. Jahrhundert und war (so wie sein Schwiegervater Ulrich von Liechtenstein) ein Minnesänger. Kein schlechter, würde ich sagen. Immerhin hat er es geschafft, dass sein Werk in den Codex Manesse aufgenommen wurde (die berühmteste deutschsprachige Liederhandschrift des Mittelalters). Ein epischer Text von ihm handelt von einer Katze – besser gesagt von ihrem Mann, dem Kater. Dieser war mit seinem Leben absolut nicht zufrieden … er war ja ein außerordentlich toller Kater und unbedingt für Höheres bestimmt. Also zog er los, um sich eine ebenbürtige, besondere Braut zu suchen…
Die Geschichte ist einfach gut erzählt und die Illustration ist herzerwärmend. Wir folgten dem Literaturpfad (unteres Tor) der Straße entlang in Richtung Kirche, dann links auf den Schlossberg (die schmale Asphaltstraße hinauf). Hier gibt es die nächste Station des Literaturpfades. Dann kommt der wunderbare Wald mit seinem uralten Baumbestand und schon sieht man die ersten Ausgrabungsstätten.
Direkt bei diesen Ausgrabungen verließen wir den Literaturpfad und bogen links auf den Waldweg ab. Steil wie eine Mauer türmte sich der Schlossberg neben uns auf. Felsen lagen in der Gegend herum. Ein Zettel war an einem Baum geheftet: Man sollte den Weg nicht verlassen und Hunde an die Leine nehmen. Dieser Bitte sollte man unbedingt nachkommen.
„Ich glaub das nicht. Niemals hätte ich mir gedacht, dass ich heute Gämsen fotografieren könnte“, freute sich Gregi und war mehr als angetan von einem recht stattlichen Gamsbock, der stolz auf einem Felsen posierte. Auch junge Gämsen konnten wir entdecken – samt ihrer Mutter. Dabei waren wir noch keine zwanzig Minuten unterwegs. Wir passierten die Mauerreste der Burgruine Ful und die Gämsen beobachteten uns noch immer äußerst interessiert. Rechts gleich hinter der Mauer ging der Waldweg bergauf. Obwohl hier kein offiziell ausgeschildeter Weg ist, waren etliche Leute unterwegs … eine Familie mit Kindern, ein junges Paar und eine große Reitgruppe samt Pferden.
Den Berg hatten wir halb umrundet, der Gipfel mit seinen alten Gemäuern war nicht mehr weit. Das letzte Stück des Weges ging es durch einen Hohlweg … oder vielleicht war es der ehemalige Burggraben, der die Burgen Alt-Wildon und Neu-Wildon trennte. Wir wandten uns zuerst Alt-Wildon zu. Der „Römerturm“ sieht stattlich aus und wurde im Spätmittelalter gebaut. Es ist schon lustig … fast alles, was alt ist, wird mit den Römern in Verbindung gebracht. Obwohl es schon interessant ist, dass die Quader, welche die Ecken des Turmes verstärken, in Zweitverwendung – also recycelt – sind. Das heißt, sie wurden im Mittelalter bereits wieder benutzt. Zu welchem Bau gehörten sie vorher?
Zu Alt-Wildon gehört auch die Annakapelle. Wir standen auf diesem mystischen alten Platz und überlegten, ob hier einst die Hengistburg stand. Wie es wohl damals in der Umgebung aussah – gab es da Weiler und Dörfer? Heute wird der Bergrücken von einem Wald bedeckt, riesige rot-weiß gestreifte Schornsteine stehen im Tal, in der Nähe gibt es die Autobahn sowie die Kompressorstation für die Erdgasleitung. Holz war zu Herrands Zeiten wohl die wichtigste Energiequelle und der Schlossberg war in früheren Zeiten sicherlich kahl und hatte nicht so schöne Buchenbäume wie man sie hier heute sieht.
Als nächstes besuchten wir die Ruine Neu-Wildon. Eigentlich dürfte man die Ruinen nicht betreten … und jedes Mal, wenn wir auf dem Schlossberg von Wildon sind, treffen wir ganz, ganz viele Menschen … bei den Ruinen. Der Abhang hinter der Ruine Neu-Wildon ist besonders steil. Angreifer hatten es hier besonders schwer – im Gegensatz zu den Gämsen, die sich hier richtig wohlfühlen. In einem Buch las ich mal, dass auf dem Wildoner Schlossberg ein Burgengedränge herrschte. Das trifft die Sache ganz gut. Der Wildoner Schlossberg mit seiner sechstausendjährigen Siedlungsgeschichte gehört zu den bedeutendsten Fundplätzen in der Steiermark. Er ist ein ganz magischer Ort, der seinesgleichen sucht.
Wir verließen die Ruinen wieder über den Hohlweg und gingen jetzt rechts den Berg hinab … jedoch nicht weit. Links kann man zur Wilden-Mann-Höhle abbiegen, und das sollte man unbedingt machen. Riesig groß ist das Höhlenportal, kräftige Efeuranken hängen über dem Eingang. Hier ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, auf Kletterer zu treffen. Im Buch „Kraftorte in der Steiermark“ von Michael Reid wird die „Wilde-Mann-Höhle“ als eine der bemerkenswertesten Kulthöhlen in der Steiermark bezeichnet. Sie wird seit der Steinzeit aufgesucht. Die Höhle ist sehr groß und sehr beeindruckend. Leider haben Vandalen diesen einzigartigen Ort mit Farbspray verschandelt.
Weiter bergab kamen wir zur Station „Bewegungsrevolution Steiermark“. Etwas weiter noch trafen wir wieder auf den Literaturpfad. Die Illustration mit dem violinspielenden Kater, der seine Ohren ganz zerknirscht hängen lässt, ist wunderbar. Katzen gibt es hier in natura auch sehr viele. Sie sind fröhlich und lassen die Ohren bestimmt nicht hängen. Gut, sie haben es sich auch nicht zum Ziel gesetzt, den Nebel oder gar den Wind zu heiraten. Stattdessen haben sie sich katzenliebende Familien gesucht und sind erfolgreich dabei, ihre Menschen „abzurichten“, damit sie taugliche Dosenöffner und Katzenverwöhner werden.
Wieder führte uns der „Kulturwanderweg Hengist“ bergauf. Diesmal auf den Buchkogel, auch Wildoner Berg genannt. Im Mittelalter hatte er einen anderen Namen – Hengst. Auch auf dem Buchkogel gab es eine urzeitliche Höhensiedlung. 1924 fand ein Kind einen besonderen Schatz … einen späturnenfelderzeitlichen Depotfund. Der Buchkogel trennt das Grazer vom Leibnitzer Feld. Weit sieht man leider nicht vom Gipfel des Berges, doch einige Bänke stehen da und der Platz lädt richtig zum Verweilen ein.
Auch der Buchkogel ist bewaldet und immer wieder sehen wir große Mulden. Diese Dolinen entstanden durch Kohlensäureverwitterung. Der Buchkogel besteht aus Leithakalk. Man kann heute noch fossile Reste entdecken. Als wir vor einigen Jahren hier wanderten, hörten wir beim Abstieg nicht nur die Autobahn, sondern auch ein emsiges Hämmern. Vor dem aufgelassenen Steinbruch türmten sich riesige Steinmugel, und auf diesem frönte ein Freizeitgeologe seinem Hobby. Schon öfter hätte er hier Fossilien gefunden, erklärte er. Ich suchte nicht hammerschwingend nach Fossilien … begeistert lichtete ich dieses pittoreske Bergwerk mit seinem warmen und hellen Stein ab. Im 16. und 17. Jahrhundert wurde von Wildon Baumaterial über die Mur in die Landeshauptstadt verschifft. Damit wurde unter anderem auch die Grazer Festung gebaut.
Wenn man nicht gerade sonntags unterwegs ist, kann man den Buschenschank Bockmoar besuchen. Wir waren vor einigen Jahren dort, uns hat er sehr gut gefallen. Doch dieses Mal war er leider geschlossen und so konnten wir nur über den „Weinbau am Hengist“ lesen. Ein kurzes Stückchen mussten wir den Weg zurückgehen, dann folgten wir dem Wanderweg links nach Wildon. Wieder marschierten wir durch einen herrlichen Buchenwald, die vielen bunten Blätter erinnerten an ein impressionistisches Gemälde.
Nach dem Wald kam eine Wiese mit einer Kastanienbaumreihe. Dort stolperten wir fast über die aufgewühlten Erdhaufen. Genau, irgendwo hatten wir ja gelesen, dass es in diesem Gebiet auch Wildschweine gebe. Auch wenn sie sicherlich tolle Fotomotive abgeben würden – treffen wollte ich diese Schweinderln nicht unbedingt.
Über die Siedlung Unterhaus kamen wir wieder zum Literaturpfad. Diesem folgten wir über die Asphaltstraße hinunter nach Wildon. Ein hübscher Platz in Wildon ist auch der Badeteich. Als wir die gepflegte Anlage im Spätherbst besuchten, waren viele Holzhütten aufgebaut. Hier am Seegelände wird es im Dezember einen Weihnachtsmarkt geben. Da das Seecafé geöffnet hatte, kehrten wir auf einen Cappuccino mit Tiramisu ein.
Als wir die Kainach überquerten, trauten wir fast unseren Augen nicht. Ein Reiher in der Abendsonne, der aussah, als ob er in der Yogastellung „der Krieger“ verharrte. Schön auf einem Bein … richtig kitschig und ein weiteres Highlight auf dieser besonderen Wanderung.
Was wir an diesem Tag nicht alles entdeckt hatten: Gämsen, Kulthöhlen, Ruinen, Ausgrabungen, Steinbrüche mit Fossilien, besondere Grabdenkmäler, eine herzerwärmende Geschichte von einem etwas größenwahnsinnigen Kater und dann noch ein Reiher im Abendlicht.
Diese Wanderung kann ich mit allerbesten Gewissen weiterempfehlen.

 

„Fürstengräberweg Nr. 13“ – Großklein

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

13 km

274 HM

4 h

Start:

Großklein

Hallstattzeitliches Museum  

Ende September gab es wunderbares Wanderwetter – nicht mehr zu warm und ein Himmel wie im Bilderbuch. Unser Ziel war Großklein in der Südweststeiermark. Der Ort war an diesem Wahltag sehr belebt. Lebhaft, bunt und fröhlich waren auch die Bilder, die an Häuserwänden zu finden waren. Der Rosarote Panther mit einem Kontrabass – ein Sulmtaler Hahn, der sich ein Achterl gönnt – ein übergroßes Kind, welches seinen kleinen Opa an der Hand führt. So gefällt mir moderne Kunst in diesem geschichtsträchtigen alten Ort.

Nicht weit vom „hamuG – Hallstattzeitliches Museum Großklein“ gibt es einen Parkplatz. Das Museum, welches Fundstücke aus fünfeinhalbtausend Jahren besitzt, hat sonntags leider geschlossen. Info Museum: www. archaeo-grossklein.com

Also marschierten wir zur Touristeninformation (die geöffnet hatte) und holten uns eine Wanderkarte. Dann ging es den Viktorsteig bergan zur Kirche. Die Kirche wird vom Friedhof umgeben, und dieser wiederum von einer wehrhaft hohen Mauer. Dieses Ensemble, das hoch über dem Ort thront, steht zu Recht unter Denkmalschutz. Auch das Kircheninnere ist originell: Zum Beispiel hat der Chor zwei Stockwerke. Doch besonders hatten es mir die Heiligenfiguren in alten Trachten angetan.

Wir verließen den sakralen Bereich und stiegen den Weg weiter bergan. Gleich hinter der hohen Friedhofsmauer grasten Freilandhennen zwischen alten Obstbäumen. Bald kamen wir in einen prächtigen Buchenwald mit stattlich großen Bäumen. Als wir den Wald verließen, hörten wir helles Bimmeln – eine Kuhweide. Ich mag den Klang von Kuhglocken, doch weiß ich nicht, ob die Kühe davon begeistert sind, Tag und Nacht bei jeder Bewegung das Läuten zu hören.

Stets ging es bergan – das Panorama rundum war einfach herrlich. Da sahen wir Sankt Georgen am Lukowitsch (siehe Wanderung Gleinstätten), die Goldhaube, Kitzeck, Berge mit Buchenwäldern und Wein. Und wir konnten auch auf der anderen Seite des Tales unser Hauptziel erkennen – den Grillkogel, auch Burgstallkogel genannt. Wir erreichten nun den höchsten Wanderwegpunkt auf diesem Hügel und haderten etwas mit der Erkenntnis, dass wir noch einen Berg erklimmen mussten (und im Gegensatz zu diesem Hügel würden wir ganz auf die Spitze des Burgstallkogels steigen müssen). Die Wegführung dieses Wanderwegs ist wirklich toll, fordert allerdings auch ein wenig Kondition.

Durch Weinberge und Wald ging es dann recht flott wieder ins Saggautal hinab, das wir überqueren mussten, um nach Kleinklein zu gelangen. Großklein – Kleinklein. Die Orte hier haben schon ganz skurrile Namen. Nicht klein waren die vier Fürstengräber von Kleinklein. Je bedeutender der Verstorbene war, desto größer war der Tumuli, der über seiner Urne aufgeschüttet wurde. Bis zu sieben Meter hoch konnte so ein Hügelgrab sein, mit einem Durchmesser von 49 Metern. Diese beachtlichen Hügel haben dann die Fantasie der Menschen angeregt. Attilas Grab sollte sich hier befinden. Der prominente Leichnam sollte in drei Särgen gebettet sein, wobei der innere aus Gold gewesen wäre. Diese Sage zog Glückritter an, die hofften, Schätze zu finden.

Gold und Silber gab es wohl nicht zu finden, und wenn, hätten es die Grabräuber wohl kaum abgegeben. Doch nicht nur Räuber schändeten die Gräber. Im 19. Jahrhundert motivierte das Antikenkabinett in Graz die Bauern der Umgebung, die Tumuli aufzugraben und die Fundgegenstände an das Joanneum zu verkaufen. Noch heute raufen sich die Archäologen die Haare wegen dieser zerstörerischen Vorgehensweise.

Einige Fundstücke aus Kleinklein sind wirklich sehr, sehr besonders. Die Gesichtsmaske aus Bronze sowie die Votivhände sind legendär, der Glockenpanzer eine Meisterleistung.

Rund um den Burgstallkogel gibt es mehr als 700 Grabhügel aus der Urnenfelderzeit/Hallstattzeit (es sollten mal 2000 gewesen sein). Man spricht von der Sulmtalnekropole, und ich wunderte mich, warum „Sulmtal“ – wir waren ja im Saggautal unterwegs. Klarheit hatte ich, sobald ich die Wanderkarte genauer betrachtete. Nördlich des Burgstallkogels fließt die Sulm. Saggau und Sulm fließen in der Nähe von Großklein zusammen. Ein sehr früh besiedelter Hügel zwischen zwei Flüssen nahe deren Zusammenfluss. Das hatten wir ja schon mal in Seggau – Frauenberg.

Die normalen Hügelgräber waren weitaus bescheidener als die pompösen Fürstengräber und beinhalteten auch nicht so wertvolle Grabbeigaben. Zerbrochene Keramikgefäße, kaputte Bronzegefäße sowie Lebensmittel wie Haselnüsse, Äpfel, Wacholder und Getreide gab es in den Gräbern dieser größten Nekropole (Totenstadt) des Ostalpenraums.

Bevor wir nach Kleinklein kamen, zweigte der Wanderweg in den Wald ab und führte uns steil den Hügel hinauf. Parasole und Bärentatzen wuchsen neben dem Hohlweg. Leider waren auch einige Bäume umgeknickt – zwei Wochen zuvor hatte es einen bösen Sturm gegeben.

Immer höher kletterten wir auf den Burgstallkogel hinauf. Besonders begeistert war ich von einem Schild vor dem Waldrand: Der Wald ist Zone des Denkmalgebiets. Dahinter wie Wellen die Hügelgräber. Auch dieses Gebiet ist Teil der größten hallstattzeitlichen Nekropole im Ostalpenraum.

Der Wanderweg verläuft oberhalb eines Steinbruchs. Wie viele Hügelgräber dem Bergbau zum Opfer gefallen waren, kann man wohl nicht sagen. Apropos Bergbau: Auch schon die Kelten haben auf den Burgstallkogel Eisen verhüttet. In der Gegend gibt es Hämatit und Limonit.

Fünf Hektar groß war das Siedlungsgebiet auf dem Burgstallkogel – somit war diese Siedlung neben Hallstatt und Hallein der bedeutendste Zentralort im Alpenraum. Das Wohnhaus, das Webhaus, der Vorratsspeicher sowie die Brotbackhütte, die man heutzutage auf dem Burgstallkogel ansehen kann, sind noch jung und wurden mit authentischen, historischen Werkzeugen und den Baumaterialien, die man in der Vergangenheit zur Verfügung hatte, errichtet. Experimentelle Archäologie nennt man das. Froh war ich, dass man nicht alle Gebäude strikt nach den alten Vorbildern aufgebaut hat – das funktionierende WC im Museumsgelände ist super. Ein bisschen moderner Komfort schadet nicht.

Apropos Webhaus: Auf dem Burgstallkogel wurden 120 Webstuhlgewichte eines Senkrechtwebstuhls aus der Hallstattzeit gefunden. Und dieser Webstuhl war ein Arbeitsgerät der Superlative – er hatte eine Breite von sage und schreibe 3,7 Metern. Stoffe in den Farben Schwarz, Blau und Rot konnte man nachweisen.

Auf der Bergkuppe hat man wieder eine einzigartige Aussicht. Irgendwie konnte ich es nachvollziehen, dass man auf diesem Berg einen Fürstensitz samt Siedlung errichtet hatte. Das Schloss Seggau war besonders schön angeleuchtet … gut, das gab es dazumal noch nicht. Vom Weingarten kamen wir auf eine steile, enge Asphaltstraße. Die Angreifer, die in der Vergangenheit den Burgstallkogel stürmen wollten, mussten wohl eine gute Kondition gehabt haben – egal, von welcher Richtung man den Gipfel erreichen will – steil ist es überall.

Über Kleinklein (Infotafel Fürstengräber) marschierten wir nach Großklein zurück. Gasthaus Steirerkeller, Gasthaus Wagner, Gasthaus Wrolli Edler … und eine Konditorei.

„Gußwerk Rundweg“ – Mariazell

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

11 km

335 HM

3:20 h

Start:

Mariazell

Zentrum  

Die Tourismusinformation in Mariazell befindet sich über dem Hauptplatz, und von dort aus starteten wir bei klarem Wetter und frischen 4 Grad Celsius unsere Rundwanderung nach Gußwerk.

Wir marschierten die Wiener Neustädter Straße stadtauswärts und kamen beim Ungarn-Urlauberkreuz an. „Irgendwie müssen wir zum Hügel da rüber“, überlegte ich und sah auf die Bergfex-App. Wir waren zu weit gegangen, also gingen wir zurück bis zum Parkplatz Nr. 5. Dort bogen wir in den Erzherzog-Johann-Weg ein, querten die Bundesstraße und wanderten an wunderbar verfärbten Ahornbäumen hinauf zum Erzherzog-Johann-Denkmal. Das Denkmal wurde 1914 errichtet, und wenn ich es richtig mitbekommen habe, wurde es vom Industriellen Arthur Krupp gesponsert (Kaiserin Elisabeth bezog von ihm Essbesteck, ihr Mann, Kaiser Franz Josef, kaufte im Ersten Weltkrieg Rüstungsgüter von ihm). Die Aussicht auf die Basilika von Mariazell war von diesem Platz aus herrlich. Allerdings war der Weg beim Denkmal zu Ende. Also aktivierten wir wieder die Bergfex-App – okay, wir hatten uns schon wieder verlaufen – doch in Anbetracht des tollen Panoramas war das auch gut. Also gingen wir das Wegerl wieder zur Bundesstraße hinunter, einige Meter bergab und dann in Richtung Bundesschulheim.

Der Weg führte uns durch eine Siedlung, durch einen Wald, über eine Wiese, und dann kamen wir zu einer großen Wanderwegkreuzung. Links würde es zur Salzaklamm gehen und auch nach Gußwerk (1,5 Stunden). Rechts bergab kämen wir ebenfalls nach Gußwerk – und zwar über den Siegmundsberg. Und genau zum Siegmundsberg wollten wir. Neben dem Asphaltweg gab es eine tolle Allee aus Eschen und Weißdorn. Bald kamen wir nach Rasing (vor der Brücke die Straße queren und den Weg neben der Salza wählen). Das Wasser der Salza ist klar, man sieht ganz toll auf den Grund. Wir genossen den Weg neben dem Gewässer. Ein leichter Anstieg war zu bewältigen, und wir sahen bereits unser erstes Ziel: die Siegmundsbergkapelle.

Der Siegmundsberg war ein heiliger Berg – das meinte Franz Jantsch in seinem Buch „Kultplätze im Land Steiermark“. Er wäre schon in vorchristlicher Zeit ein Kultplatz gewesen. Eigentlich ist er eher ein Hügel, der mitten im Tal steht. Rechts und links von ihm stehen hohe richtige Berge. Irgendwie wirkt der Hügel wie ein Kind der beiden – schön in der Mitte und gut behütet.

Auf der Kuppe steht dann die Siegmundsbergkapelle. Umgeben ist sie von einer mächtigen Wehrmauer. Eine neue überdachte Holztreppe führt zur Kapelle hinauf. Als wir auf den Kirchplatz kamen, sahen wir als erstes einen riesigen Steinhaufen. Bußsteine wären das, die von Pilgern hier abgelegt wurden. Heute wachsen hübsche Blümchen auf dem Steinhaufen, viele neue Steine dürften in den letzten Jahren nicht mehr dazugekommen sein.

Eine starke Strahlung sollte es in der Siegmundsbergkirche geben. Gregi wurde es beim Portal der Kirche schwindlig – etwas, das er normalerweise nicht kennt. Als er weiterging, wurde es sofort besser. Mehr muss ich dazu nicht sagen. Doch außerhalb der Kirche auf dem Plateau fühlten wir uns pudelwohl. Besonders, als wir den Ausblick nach Mariazell genossen. Hier würde ich es länger aushalten.

Zur offiziellen Geschichte der Siegmundsbergkapelle: 1443 wurde sie erbaut und bereits 1464 mit einer Ringmauer versehen. Wehrhaft sollte sie sein und den Ort Mariazell vom Süden her schützen. Leider half diese Ringmauer nicht sonderlich viel – bereits 1485 wurde die Kapelle von den Söldnern von König Mathias Corvinus zerstört. 1501 wurde die Kapelle wieder aufgebaut. 1827 brannte die Basilika von Mariazell – die legendäre Gnadenstatue brauchte eine zwischenzeitliche Bleibe, also wurde sie hierhergebracht. Ich glaube, dass sich die Gnadenstatue auf dem Siegmundsberg sehr wohl gefühlt hat.

Der weitere Wegverlauf bis zum Bohrwerk war richtig toll. Knorrige, riesige Bäume und ein alter, angenehmer Weg. Dort, wo der Weg felsig war, sah man sogar noch die alten, eingeschnittenen Wagenspuren. „Das war bestimmt ein römischer Weg“, sinnierte Gregi. Es ist immer das gleiche mit ihm. Jeder Weg, der alt zu sein scheint, ist bei ihm ein römischer Weg. „Die Römer waren überall“, behauptet er dann immer.

Ob römischer Weg oder nicht, ich wanderte gerne darauf. Bald schon kamen wir zum „Bohrwerk“. Die Salza ist hier gestaut, und der bunte Herbstwald spiegelte sich herrlich im Wasser. 1829 wurde hier das „Kanonenbohrwerk“ gegründet.

Gußwerk – unser nächstes Ziel – ist wahrscheinlich um 1342 entstanden. Schon früh entdeckte man hier Eisen. Der Abt von St. Lambrecht (das Gebiet gehörte dem Stift St. Lambrecht) erbat sich von Kaiserin Maria Theresia das Recht, ein Eisengußwerk zu gründen. Er erhielt die Erlaubnis, und von 1743 bis 1767 wurde hier ein richtig modernes Eisengußwerk mit drei Hochöfen errichtet.

Aus diesem (von einem Abt gegründeten) Eisengußwerk wurde ab 1769 eine der bedeutendsten Artilleriewarenproduktionen der österreichischen Monarchie. Die Kanonen, die man hier erzeugte, wurden offensichtlich im ganzen Habsburgerreich eingesetzt. Zwei Kanonen sind heute im Ort ausgestellt. Sie wurden im 20. Jahrhundert von Kroatien nach Gußwerk gebracht.

Ist man montags oder dienstags in diesem Ort unterwegs, sieht es betreffend Gasthäuser eher mau aus. Als wir ankamen, gefiel uns das Gasthaus Kohlhofer von außen recht gut – der einzige Nachteil war, dass es seinen Ruhetag hatte.

Die Volksschule Gußwerk ist ein beeindruckender Bau – noch mehr Eindruck machte aber das Wehr, das direkt vor dieser Schule war. Waren wir bis jetzt in Fließrichtung der Salza unterwegs gewesen, strömten hier Massen an Wasser in eine andere Richtung. Gußwerk ist in der Nähe der Wildalpen, und Wasser ist hier offensichtlich keine Mangelware.

Wir überquerten die Bundesstraße, marschierten an den bereits erwähnten Kanonen vorbei und stiegen dann den Hang steil bergauf. Herbstzeitlosen wuchsen hier neben Zyklamen. Wir begannen zu schwitzen und freuten uns, als wir endlich die starke Steigung hinter uns gebracht hatten. Und dann das: Ein gelber Wegweiser gab an, dass es 1,5 Stunden nach Mariazell wären – ein Schild hinderte uns, diesen Wanderweg zu betreten, da es Bauarbeiten gäbe. Ich suchte verbissen auf meinem Handy nach einer alternativen Route, als ein Walker ganz gemütlich aus dem „verbotenen Weg“ herausmarschierte. „Ach, das Schild“, meinte er. „Das hat man vergessen, wieder wegzuräumen.“

Also doch die vorgesehene Route. Auf dem Hang auf der anderen Flussseite lagen Baumstämme kreuz und quer wie bei einem Riesenmikado, auf unserem Hang hatten gröbere Forstarbeiten stattgefunden. Und dann sah ich es – ein weiteres Highlight der Wanderung: Eine gotische Pforte, direkt in den Berg. Klammheimlich hielt ich Ausschau nach Thorin Eichenschild aus „Herr der Ringe“.

Wir kamen an Bauern- und Reiterhöfen vorbei, stiegen zur Salza hinab, überquerten die Brücke und wanderten den Wald wieder bergauf. Und dann waren wir wieder an der Wanderwegkreuzung, wo wir beim Hinweg in Richtung Siegmundsberg abgezweigt waren. Den Rückweg kannten wir bereits, doch bei der Bundesstraße entschieden wir uns, links nach unten zu gehen. Schön lag Mariazell vor uns.

Über den Parkplatz, den Minigolfplatz und die Schule ging es dann zum Hauptplatz. Eingekehrt sind wir bei Pirker’s Selbstbedienungsrestaurant. Uns hat alles sehr gut geschmeckt, und die Aussicht auf den Hauptplatz und die Basilika ist erstklassig.

 

„Europaschutzgebiet Neudauer Teiche“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

6,52 km

30 HM

2 h

Start:

Neudau

Zentrum oder Friedhof  

Die Neudauer Teiche sind ein absoluter Geheimtipp und rund ums Jahr traumhaft schön. Wir fahren immer wieder gerne zu diesem Naturparadies (Natura 2000-Schutzgebiet sowie Ramsar-Schutzgebiet). Auch an heißen Tagen kann man diese einfache Wanderung bewerkstelligen, da man immer im Schatten geht.

Wir parken normalerweise beim Friedhof von Neudau und gehen dann bergauf in Richtung des Waldes. Zwischen einem Einfamilienhaus und dem Waldrand führt uns der Weg direkt zum Fuchsschweifteich. Schilder weisen den Wanderer darauf hin, unbedingt auf dem Wanderweg zu bleiben. Eine Bitte, die man unbedingt befolgen sollte. Die Neudauer Teiche sind ein einzigartiges Habitat für sehr viele fast schon ausgestorbene Pflanzen- sowie Amphibienarten. Zudem ist es ein bedeutendes Brutgebiet für unzählige Vögel. Daher sollte man sich in diesem Gebiet wirklich achtsam und rücksichtsvoll verhalten und unbedingt auf dem Weg bleiben.

Die Neudauer Teiche, das sind der Fuchsschweifteich und der Große Neudauer Teich. Diese beiden sind aus ökologischer Sicht die wichtigsten Teiche der Oststeiermark. Ornithologen haben hier 222 verschiedene Vogelarten gezählt.

Bei unserer Wanderung Ende August standen wir am Ufer des Fuchsschweifteiches und suchten im Blütenteppich aus gelben Seekannen bewusst nach Wasservögeln … und Bingo. Die großen, weiß leuchtenden Schwäne hatten wir natürlich gleich entdeckt, doch die Blässhühner und Teichhühner waren sehr gut getarnt. Sie zupften genüsslich am Grünzeug, das sehr üppig wuchs. Dank der Tatsache, dass die Teiche nur circa 1,5 Meter tief sind, fühlen sich darin Wasserpflanzen sehr wohl. Gelbblühende Teichrosen, Seekannen sowie Wassernuss wachsen hier und bieten den Wasservögeln üppige Nahrung. Einige Stockentendamen waren fröhlich unterwegs.

Der Weg entlang des Fuchsschweifteiches ist äußerst idyllisch. Eine Allee aus mächtigen alten Eichen säumt den Weg. Die Äste sind so ausladend, dass man bequem im Schatten spazieren kann. Leider litten die Eichen bei unserer Wanderung im August 2024 sehr unter der Eichennetzwanze, die ursprünglich aus Nordamerika kommt.

Am Ende des Fuchsschweifteiches gibt es eine Infotafel. Hier wanderten wir rechts dem Damm entlang – aber nicht weit. Ein großer Ast ragte aus dem Wasser, und darauf saß tatsächlich ein Eisvogel. Natürlich flog er davon – schillernd blau – wie ein fliegender Kristall.

Wir kamen an einer besonders alten Eiche vorbei (Naturdenkmal), dann den Weg hinab zur Forststraße. Links und rechts der Schotterstraße gab es Wassergräben, und links und rechts neben uns hörten wir Platsch-Platsch-Platsch. Grüne Frösche – braune Frösche – große Frösche – kleine Frösche – Frösche mit Streifen – Frösche mit Punkten. Wobei wir bei der Bedeutung der Teiche für die Amphibien angelangt wären. Gleich 12 bedrohte Amphibienarten bietet dieses Schutzgebiet eine Heimat: darunter der Alpenkammmolch, die Knoblauchkröte sowie der Balkan-Moorfrosch. Der Moorfrosch ist übrigens ein ganz besonderes Kerlchen. Ende März „zieht“ er sozusagen seine „Hochzeitstracht“ an … zumindest für circa fünf Tage. Nicht im Steirergrün präsentiert er sich dann – sondern im schillernden Blau.

Im Wald mussten wir links in einen Forstweg abbiegen, eine Zeit lang gingen wir, bis wir das Ufer des Großen Neudauer Teichs sehen konnten.

Die beiden Neudauer Teiche haben zusammen, mit Berücksichtigung der periodischen Überschwemmungsflächen, eine Größe von circa 50 Hektar. Man geht eine Weile, bis man beide Teiche umrundet hat. Da kriegt man einen richtigen Respekt vor den Menschen, die diese Teiche im 17. Jahrhundert (unter der Herrschaft der Familie Rottal) angelegt haben. Es musste eine gewaltige Plackerei gewesen sein. Eine stauende Sedimentschicht (oststeirisch „Obock“) sorgt dafür, dass das Wasser im Teich bleibt und nicht versiegt. Zufluss gab und gibt es keinen. Das Wasser stammt ausschließlich von der Schneeschmelze bzw. vom Regen. In einem Regenjahr (2024 gab es im Juni ein Hochwasser in Neudau) sind die „Himmelsteiche“ gut gefüllt. Als wir hier wanderten, sahen wir riesige Karpfen, die sich im Wasser tummelten.

Graureiher lauerten im seichten Wasser neben dem Schilf. Für die riesigen Karpfen waren sie keine Gefahr mehr. Am Damm des Großen Neudauer Teichs kann man nach der Reihe uralte und riesige Eichen bestaunen – allesamt Naturdenkmale – allesamt ein Zuhause für unzählige Tiere. Ein Kleiber lief voller Freude den Stamm hinauf, Eicheln fielen auf den Boden. Wildschweine lieben Eicheln. Immer wieder konnten wir im Wald Stellen ausmachen, wo die „Schweinderln“ gewühlt haben.

Über unsere Köpfe zog ein Fischadlerpaar seine Kreise. Nicht nur hoch am Dachstein haust der Aar – auch im tiefgelegenen Neudau, welches auf 289 Meter Seehöhe liegt. Ein junges Teichhuhn beschwerte sich lauthals, Stockenten tauchten am Teichrand in der Nähe des Schilfs. Auch Libellen waren unterwegs.

Die Teiche werden sehr naturnah bewirtschaftet. Gottlob. Sie sind seit dem frühen 18. Jahrhundert im Besitz der Familie Kottulinsky. Das imposante Mausoleum der Familie haben wir leider bei dieser Wanderung nicht besucht (vom Ortszentrum Neudau am Schloss vorbei, links abbiegen, dann rechts in die Wörther Straße. Nach einer Weile sieht man das Mausoleum auf einer Anhöhe. Ein Feldweg führt dorthin).

Dafür haben wir dem Markt Neudau einen Besuch abgestattet. Zwei Gebäude prägen Neudau. Das eine ist das Schloss, welches ursprünglich eine Wasserburg war (1371 erstmals urkundlich erwähnt). Neudau war ein Grenzort. Die Lafnitz war jahrhundertelang Grenzfluss zu Ungarn. Vom frühen 15. Jahrhundert bis ins 18. Jahrhundert wurde Neudau immer wieder von Ungarn, Türken, Haiducken und Kuruzzen verwüstet. Nach dem Ende der Kuruzzenkriege wurde das Schloss neugestaltet. Aus dem Wassergraben wurde ein Park.

Das zweite Gebäude, das einem sofort ins Auge springt, ist die ehemalige Garnfabrik. Karl Graf von Batthyany hatte vor, die erste industrielle Baumwollspinnerei der Monarchie zu gründen. Der einzige Haken an der Geschichte war, dass die Vorreiter der industriellen Revolution, die Engländer, ihr Know-how sehr vehement schützten. Technisches Wissen sollte nicht ins Ausland gelangen. Industriespionage wurde streng bestraft. Irgendwie ist es ihm dann doch gelungen, an dieses Wissen und an Maschinen zu gelangen. Die erste Spinnerei wurde in Burgau errichtet. Später wurde sie durch Georg Borkenstein nach Neudau verlegt. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Fabrikstrakte im klassizistischen Stil errichtet – bis 2019 wurde darin auch produziert. Die alte, verlassene Fabrik und das Ledigenwohnheim haben einen leicht morbiden Charme.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite das komplette Gegenteil. Ein belebter Gastgarten, ein gepflegtes Restaurant (Gasthaus Central). Hier kehrten wir ein. Wir haben vorzüglich gegessen – Knoblauchcremesuppe, gegrilltes Gemüse, Krapfen mit Vanillesauce – alles 1a. Dieses Lokal kann ich mit bestem Gewissen weiterempfehlen.