„Entenwaldweg“ – Burgau

 

 

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

7,2 km

kaum

1:45 h

Start:

Burgau

Schwimmbad  

Der Juli 2024 war reich an Insekten. Nach einer Wanderung, die in einem Gemetzel an Gelsen und Bremsen endete, hatten wir recherchiert und uns einen hervorragenden Insektenspray organisiert. „Organic“ stand auf dem Produkt und „wirkt und riecht gut“. Wir wunderten uns, wieso die Apothekerin uns unbedingt ein anderes Mittel einreden wollte – wir wollten den ökologischen Wunderspray.

Wir sprühten uns also großzügig mit diesem „gut riechenden“ Schutzmittel ein, stiegen ins Auto und hielten den Atem an. Also das Versprechen mit „gut riechen“ war gelogen. Egal ob wir stanken oder nicht… Wir würden wandern gehen – und zwar in Burgau. Den Fischbachteichweg waren wir schon öfters gegangen, ein angenehmer Weg durch den Wald zu einem herrlichen Teich … mit Libellen, Schmetterlingen und fröhlichen Vögeln.

In Burgau parkten wir unter schattenspendenden Bäumen und betrachteten das Freibad wohlwollend. Das Burgauer Schwimmbad mögen wir sehr gerne. Erstens ist es nicht überfüllt, zweitens gibt es darin riesige, schattenspendende Platanen, drittens ist es wirklich toll ausgebaut (viele Attraktionen für Kinder und Junggebliebene) und viertens schwimmt man im ehemaligen Wassergraben der Burg. Also in einem geschichtlich höchst interessanten Bauwerk … das hat schon was. Weiters muss ich jetzt den netten Bademeister lobend erwähnen, der seinen Badesee und seine Arbeit wirklich liebt und alles über seine Geschichte und über die Geschichte des Ortes weiß und auch gerne davon erzählt. Unter anderem erfuhren wir von ihm, dass durch den Lehmabbau für die Ziegel des Schlosses ein Teich entstanden ist, der treffenderweise Ziegelteich genannt wird.

Kurzerhand planten wir um. Diesen Ziegelteich wollten wir sehen. Also doch nicht die „Fischbachteichrunde“, sondern die Entendammrunde (mit ihrer gelb-weißen Markierung). Ausgestattet mit Wanderkarten, die wir vom Bademeister bekommen hatten, marschierten wir über den Hauptplatz, durch die Herrengasse (danach rechts abbiegend) in den Forsthausweg, dann nochmals rechts hinauf zum „Müllner-Kreuz“. Hier hielten wir uns wieder rechts und kamen an Freilandrindern vorbei. Die Weizen- oder Gerstenfelder (so genau weiß ich das nicht) waren bereits abgeerntet, ein gigantischer Strohballen lag noch auf dem Feld. Der größte, den ich je in meinem Leben gesehen hatte.

Neben dem Feldweg wuchsen mächtige Eichen, eine Reihe mit alten Streuobstbäumen war zu sehen und eine ganze Schar Gelsen war hinter mir her und versuchte mich (teilweise erfolgreich) zu stechen. „Wahrscheinlich hätten wir uns mit dem Insektenschutz nicht einsprühen sollen, sondern darin baden“, ätzte ich.

Im Wald war es dann wieder kühler und schattig. Die Stechmücken machten nach wie vor ihre „Treibjagd“ auf uns, während die Schmetterlinge (wahrscheinlich wegen des Geruchs) vor uns Reißaus nahmen. „Irgendwie ergibt es nun mächtig Sinn, wieso die Apothekerin dir einen anderen Spray verkaufen wollte“, meinte ich an Gregi gewandt. Einige Gelsen nützten seine Abgelenktheit (er fotografierte gerade ein hübsches Blümchen). Wäre ich eine Lehrerin in der Gelsenschule, ich würde den Jungen beibringen: „Wartet, bis die Zweibeiner die Kameras vors Gesicht halten – dann könnt ihr attackieren!“ Doch diesen Unterricht brauchten unsere Gelsen nicht … die wussten das bereits.

Die Burgauer Bevölkerung hat eine lange Geschichte im Umgang mit Plagegeistern und Blutsaugern. Und damit meine ich jetzt keine Insekten. Geplagt wurden die Bauern der Grenzregion von den einfallenden Ungarn, Haiducken, Kuruzzen und Türken … und leider auch von der eigenen Herrschaft. Im 16. Jahrundert stand Burgau im Besitz der Familie Trauttmannsdorff. Und diese verlangten enorm viele Robotleistungen. Die Bauern legten Beschwerde ein … und bekamen nicht Recht.

Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass die Bauern (wenn sie schon so viele Leistungen für die Herrschaft erbringen mussten) von dieser wenigstens beschützt wurden, so ein Feind einfiel. Dem war leider nicht so. Bei den Ungarnzügen blieb das Schloss mit seinen festen Mauern und seinem Wassergraben unbeschädigt. Das Dorf wurde geplündert, und die Kirche in Brand gesetzt. 1529 kamen die Türken. Die Festung hielt stand – die Bevölkerung wurde von den Feinden getötet oder als Sklaven verschleppt. Danach war die Gegend beinahe menschenleer.

Nach den ungeliebten Trauttmannsdorffs kamen die Batthyánys, und wie mir scheint, war das ein Glück für die Bewohner von Burgau. Die erste Baumwollspinnerei der k. und k. Monarchie wurde gegründet. Der letzte private Besitzer des Schlosses war Ludwig Graf Batthyány, der wegen Hochverrats 1849 hingerichtet wurde (er war Premier im ersten Ministerium der ungarischen Revolution).

Doch zurück in die Gegenwart zu unserer Wanderung. Eben gingen wir durch den Wald. Orange Dickkopffalter konnten wir sehen und andere wunderbare Schmetterlinge, wie den Kaisermantel. Neben dem Weg im Straßengraben gab es Wasser. Die Frösche ließen sich eilig ins Nass plumpsen, sobald wir uns näherten. Und direkt am Straßenrand wuchsen Wegwarten, Johanniskraut, Disteln und Seifenkraut.

Ein kurzes Stückchen mussten wir auf Asphalt marschieren, dann konnten wir wieder in den nächsten Waldweg einbiegen. Entweder war der „gute Geruch“ des Insektensprays verflogen, oder es gab in diesem Waldabschnitt weniger Plagegeister. Jedenfalls hatte ich jetzt mehr Ruhe vor den Insekten. Der Waldweg führte bergab, und wir erreichten ein beeindruckendes Überschwemmungsgebiet. Scharen von Frösche flohen panisch über das Wasser, als sie uns bemerkten. Wir waren von diesem Fleckchen Natur so angetan, dass wir hier wahrscheinlich den vorgesehenen Wanderweg verloren. Über die Asphaltstraße kehrten wir in den Ort retour, ohne den Ziegelteich (das eigentliche Ziel unserer Wanderung) entdeckt zu haben. Egal – die Wanderrunde war trotzdem richtig toll und bot uns viele schöne Eindrücke.

Wir kamen bei der Kirche von Burgau an. Ein Kirchfest fand am Vorplatz statt, die Leute hatten es sich schon auf den Bierbänken gemütlich gemacht und studierten gerade die Speisekarten, während der Priester mit seinem Auto davonfuhr.

Über Treppen erreichten wir wieder das Schloss sowie das Bad und bedauerten aufrichtig, dass wir keine Schwimmkleidung eingepackt hatten. Das Bedauern war nur kurz … denn ein weiterer Höhepunkt des Ausflugs wartete noch auf uns: die wunderbare Erdäpfellasagne im „Hirschen“ (ein weiterer Grund für mich, immer wieder gerne nach Burgau zu fahren).

Im Innenhof des Gasthauses saßen wir im Schatten, genossen das Essen und nahmen uns vor, einen neuen Gelsenspray zu kaufen. Damit wir bei unserer nächsten Wanderung besser gerüstet wären.

 

 

„Sieben Quellen Weg“ – Ratschendorf

 

 

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

15 km

28 HM

3:45 h

Start:

Deutsch Goritz

Kirche  

Mitte Februar war es und wir hatten uns in den Süden der Steiermark aufgemacht, um den Frühling zu suchen. Und wie soll ich sagen: Wir haben ihn gefunden.

Wir starteten unsere Wanderung bei der Kirche von Deutsch Goritz und diese hat eine sehr interessante Geschichte. 1783 war es bereits vorgesehen gewesen, in Deutsch Goritz eine Kirche zu gründen – dazu war es vorerst einmal nicht gekommen. 65 Jahre später gab es dann Verhandlungen über den Bau einer Messkapelle. Weitere 21 Jahre später erlaubte das Ordinariat Graz, eine Kapelle zu bauen, was die Bevölkerung so nicht wollte. Immerhin wollte man eine Pfarrkirche haben, keine kleine Kapelle – groß war der Eifer beim Bauen nicht. Es kam zu einigen Ermahnungen, und siehe da, 20 Jahre später war die Kapelle endlich fertig. Fünf Jahre später, 1894, setzten sich die Geschwister Gollmann dafür ein, einen ständigen Seelsorger in den Ort zu bekommen. Nötigenfalls würde man ein Kloster bauen. Und 1902 war es endlich so weit: Kloster und Kirche wurden feierlich eröffnet, der Orden der Kalasantiner zog ein und 1928 war Deutsch Goritz sogar eine eigene Pfarre. Die Kirche von Deutsch Goritz sollte besonders sehenswert sein, hatte ich gelesen. Gemälde im Beuroner Stil seien zu bewundern.

Als wir in Deutsch Goritz ankamen, war gerade Gottesdienst. Die Bilder würden wir besser ein andermal ansehen, beschlossen wir und marschierten in Richtung Weixelbaum los. Nach circa 700 Metern bogen wir in die Betriebszufahrt der Peterquelle ein. Auf der linken Seite gab es eine riesige Weide mit Hochlandrindern, auf der rechten Seite begrüßte uns freudig wedelnd ein Hund. Sein Kollege war bei Weitem nicht so fröhlich drauf, wurde aber zum Glück von einem Zaun davor gehindert, uns von „seinem Revier“ zu vertreiben. Haushoch stapelten sich die Leerkisten vor dem Betriebsgelände der Peterquelle, allzu stabil sahen die Kistentürme nicht aus. An einem Getränkeautomaten vorbei – und schon betraten wir ein absolut idyllisches Gebiet.

Alles fließt – glaubt man: Bächlein und noch ein Bächlein. Und ganz, ganz viele Frühlingsknotenblumen. Ein junger Mann stand nachdenklich zwischen den weißen Frühlingsboten und sinnierte, ob sich diese Pflanzen gut in seinem Garten machen würden. Bitte nicht. Diese Frühblüher wachsen nicht umsonst so üppig in diesem Gebiet. Hier ist für sie der optimale Standort, wo sie sich so richtig wohlfühlen. Und wenn man sich vorstellt, dass jeder Wanderer Pflänzchen ausgräbt und mit nach Hause nimmt – dann ist von dieser Pracht hier bald nichts mehr zu sehen.

Eine Gebirgsbachstelze hüpfte fröhlich am Ufer entlang, die mussten wir natürlich fotografieren. Ebenso die Krokusse. Doch dann ging es weiter nach Salsach. Bei der Bundesstraße hätten wir eigentlich nach rechts abbiegen müssen, wir entschlossen uns allerdings dazu, noch einen Abstecher in den Ort Salsach zu machen, um die „Träne von Salsach“ zu besichtigen. Hübsch angelegt ist der Teich und ganz viele neugierige Kois tummeln sich darin. Diesen Teich soll es schon lange geben, das Dorf war wie ein Ring darum gebaut worden. Salsach hat auch eine ganz originelle Chronik. Verfasst worden war sie 1924 von Anton Puntigam. Da stehen so lustige Sachen wie: „Das Dorf gilt als wohlhabend. Es hat keine Armen zu versorgen und hat noch niemals Umlagen (= Schulden) gehabt, wessen sich kein anderes Dorf im Bezirk Mureck rühmen kann.“

Wir kehrten nun wieder um, um der Bundesstraße und dem ursprünglichen Wanderweg zu folgen. Gut – ganz genau folgten wir den Wegweisern nicht. Anstatt vor der Brücke rechts einzubiegen, überquerten wir die Brücke sowie die Kreuzung, um durch den Hof des Bauernhauses in den Wald zu gelangen. Der „Jaun“ ist ein Feuchtgebiet und im Vorfrühling das Paradies schlechtweg. Wir mussten richtig gut aufpassen, um auf keine der hübschen Blumen zu treten. Rechts neben mir war der Hang ganz blau – so viele Krokusse wuchsen hier. Links, im sumpfigen Teil des Waldes mit dem verzweigten Bächlein, waren die Frühlingsknotenblumen. Eine Pracht.

Der Kailash ist ein heiliger Berg in Tibet. Ich hatte einmal eine Dokumentation gesehen, wo Pilger den Weg mit ihrer Körperlänge ausmaßen, also sich immer wieder niederwarfen. Wir sind weder Buddhisten noch Hinduisten, noch waren wir auf einem felsigen Berg, sondern im Flachland (in einem Feuchtgebiet). Doch auch wir warfen uns immer wieder auf die Erde – bei so vielen wunderbaren Fotomotiven. Wir haben zum Glück eine funktionierende Waschmaschine. Das hatte es früher leider nicht gegeben. Dazumal wuschen die Leute ihre Wäsche zum Teil am Bach – in Ratschendorf heißt eine Stelle am Bach treffenderweise noch „Die Wäsch“.

Ratschendorf hat ein nettes Gasthaus und ein Römermuseum, beides hatte leider an dem Sonntag, an dem wir unterwegs waren, geschlossen. Wirklich schade. Das Gebäude, in dem das Museum untergebracht ist, war früher eine Tiefkühlgemeinschaftsanlage gewesen. Unsere Tiefkühltruhe wird niemals so eine Karriere machen. Neugierig wäre ich schon auf das Museum. In der Nähe von Ratschendorf, im Wäldchen, welches sich „Hügelstaudach“ nennt, hatte man zahlreiche Hügelgräber gefunden. 1987/88 konnten mehrere intakte Gräber freigelegt werden. Kräftige Bäume wachsen jetzt auf den Hügelgräbern und beschützen sie mit ihren mächtigen Wurzeln.

In Ratschendorf hat man die Möglichkeit, über die Bundesstraße nach Deutsch Goritz zurückzukehren (dauert circa 15 Minuten), oder man geht noch die zweite Schleife nach Maria Helfbrunn. Maria Helfbrunn sollte schon in keltischer Zeit ein heiliger Platz gewesen sein. Die Kapelle steht auf der oberen Seite der Geländekante. Ich stand vor der Kirche und sah den angrenzenden riesengroßen Mastbetrieb. Dieser Ort hat leider seine Magie verloren. Über Treppen kletterte ich dann die Geländekante hinunter und erreichte die Heilquelle. Das Wasser sollte gut für die Augen sein, gegen Warzen angewendet werden und den Innereien wohltun. Über eine Asphaltstraße wanderten wir entlang der Geländekante zurück zur Bundesstraße und fanden diese Schleife wenig reizvoll.

Mein Tipp wäre es, von Ratschendorf aus die Mostschenke „Pechmanns alte Ölmühle“ zu besuchen. Ein Sammelsurium von alten landwirtschaftlichen Geräten, Fliegern, Militärfahrzeugen, Rädern etc. und die Heimat von Büffeln, Alpakas, Kamelen und Dromedaren.

Auch der Abstecher zu den Hügelgräbern im Wäldchen „Hügelstaudach“ ist zwar nicht unbedingt sensationell, allerdings doch sehr interessant.

 

Klimazukunftsweg Pöllau

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

9,7 km

200 HM

3 h

       

Die Wanderung beginnt im sehenswerten Schlosspark Pöllau. Wir gehen beim Parkcafé vorbei und verlassen die grüne Oase am oberen Ende (rechte Seite) in Richtung Rabenwald. Kurz geht es eine Asphaltstraße entlang (von hier gibt es eine wunderschöne Aussicht auf das Schloss Pöllau sowie auf die Pöllaubergkirche), dann folgen wir dem Wegweiser in Richtung Hinterbrühl.

Wir haben diese Wanderung schon drei Mal gemacht und jedes Mal hatten wir hier wunderbare Erlebnisse. Wir durften Rebhühner beobachten, wie sie Futter suchten, ich hatte einmal eine Tannenmeise vor der Kameralinse (leider unscharf) und Linda fotografierte ein keckes Eichhörnchen, das uns ganz interessiert beobachtete (aufgeregt naschte es dabei eine Nuss).

Hier gibt es einen Schaubienenstock, einen riesigen Wespenkrug (unter Glas), ein Labyrinth und einen erstklassigen Wald-Kinderspielplatz.

Wir wandern zwischen einem steinigen Bachlauf und einem künstlichen Wasserlauf (für eine Mühle) auf einem richtig idyllischen Wegerl zum Ort zurück, wo wir bei der Mühle die Straße erreichen. So. Jetzt sind wir am Punkt der Wanderung angelangt, wo wir bei der ersten Wanderung nicht recht wussten, wie weiter.

Am besten zuerst links abbiegen (nur ein ganz kurzes Stück der Straße), dann gleich auf der gegenüberliegenden Straßenseite in Richtung Schwimmbad einbiegen. Endlich gelangen wir zum Aupark, wo „Wegelagerer-Enten“ nur darauf warten, Wanderern zu begegnen. Hocherfreut läuft uns eine Junggesellenbande zu – offensichtlich erhoffen sie sich Futter. Da muss ich sie wohl enttäuschen. (Bitte kein Brot füttern, das ist für Enten schädlich!)

Nach dem Park kommen wir an einem Haus vorbei, das eine ganz tolle Filmkulisse für einen Gruselfilm abgeben würde. Überhaupt gibt es in Pöllau interessante Gebäude, ist es ja auch ein sehr alter Ort. Um 1140 erfolgte die Marktgründung durch die Herren von Stubenberg. Es gab hier auch eine Talburg, die durch Wassergräben gesichert war. Anfang des 16. Jahrhunderts zogen Mönche aus Vorau in die alte Wasserburg ein. Allerdings dürften sie befunden haben, dass eine Burg nicht unbedingt standesgemäß sei, daher wurde sie abgerissen. Heute bestaunen wir den wunderbaren barocken Stiftsbau, der nun allerdings Schloss genannt wird (das Stift wurde 1785 unter Kaiser Joseph II. aufgelassen).

Wir haben das Glück, am Tag des Denkmals 2023 einige Führungen im Schloss Pöllau mitzuerleben. Eine etwas gruselige Führung durch Kellerräume und Krypta, eine äußerst informative Führung durch die Schlossräume und eine durch das Museum Echophysics. (Es gibt hier faszinierende Geräte zu bestaunen. Fragt mich nur nicht, wozu genau diese dienten!)

Mein Tipp: Wenn 2024 das Schloss Pöllau wieder beim Tag des Denkmals teilnimmt, unbedingt besuchen!

Leider bin ich jetzt etwas abgeschweift. Also wieder zurück zu unserer Wanderung: Wir verlassen den Ort in Richtung Masenberg, überqueren den Kreisverkehr und streben dem Wald entgegen. Ein lieblicher Pfad leitet uns über den Hang eines Bergwaldes. Gregi und ich überlegen uns, ob wir eine Rast bei einem exponierten Bankerl, hoch über der Straße, einlegen sollen. Die Blätter rund um uns sind sehr üppig, doch erhaschen wir einen schönen Blick auf den Ort und das Stift.

Das Wegerl führt uns wieder runter zur Straße, diese müssen wir überqueren, ebenso die Saifen. Nach der Brücke geht es links weiter. Wir gehen vorbei an seltenen Baumarten, an einem uralten Bildstock und erreichen endlich wieder einen Wald.

Im Haidenwald steht ein Aussichtsturm, der einen tollen Blick auf die benachbarten Baumkronen bietet. Und jedes Mal hoffe ich, dass ich von diesem Turm aus ein tolles Foto von einem Piepmatz aufnehmen kann. Bis jetzt ist mir das noch nicht gelungen.

Auf der weiteren Strecke gibt es allerdings, so man im Spätsommer unterwegs ist, links und rechts des Weges verschiedene wunderbare Pilze und Schwammerl. Ob einige davon auch zu essen sind? Egal, die pittoresken Fliegenpilze halten wenigstens still, wenn ich mit der Kamera anrücke, im Gegensatz zu den gefiederten Genossen, die sich partout nicht fotografieren lassen wollten.

Nun geht der Pfad steil zum Bach runter, über ein Brückerl, dann kommt noch eine schweißtreibende Steigung. Im Obstgarten grast ein Esel und dann kommt die – meines Erachtens – schönste Aussicht der Wanderung. Der Ort Pöllau mit Stift und dahinter die Pöllaubergkirche. Wunderbar!

Nun sind wir nicht mehr zu halten, Gregi und ich. Nur mehr ein kurzes Stückchen, dann haben wir die Konditorei Ebner erreicht. Cappuccino und Torte für Gregi, Kaffee und Vanillekipferl für mich, und für zu Hause einen Lebkuchen. 

Slow Trail Bleistätter Moor

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

7,3 km

17 HM

2 h

       

Startpunkt: Steindorfer Eishalle oder gebührenpflichtiger Wanderparkplatz an der L50 Landesstraße von Steindorf nach Ossiach

Das Bleistätter Moor haben wir im April 2025 entdeckt und waren davon äußerst begeistert. Daher beschlossen wir, im Mai einige Tage in Steindorf am Ostufer des Ossiachersees zu verbringen. Und damit das Naturerlebnis noch toller wird, haben wir uns in ein hübsches Tiny-Häuschen eingemietet. Von der Terrasse aus konnten wir herrlich auf den See blicken. Einfach toll.

Einst war das Bleistätter Moor riesig groß – 600 ha soll es gehabt haben. In den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts nahm man es mit dem Naturschutz wohl nicht so genau. Dafür waren landwirtschaftliche Flächen wichtig, und man hatte inzwischen das technische Wissen, Moore zu entwässern. Also tat man das, und lange Jahre wurde die Fläche intensiv landwirtschaftlich genutzt.

Der Ossiacher See wurde ebenfalls genutzt, und zwar touristisch. Die Urlauber schätzen klares, sauberes Wasser, welches jedoch durch Düngemittel und Chemikalien der Landwirtschaft belastet wurde.

Also hatte man die hervorragende Vision, das Moor wieder zu fluten. Das geschah 2017. Und seither hat sich in diesem Gebiet wirklich sehr viel Positives getan. Am Ostufer des Ossiachersees ist ein wahres Natur- und Vogelparadies entstanden.

Wir wanderten in aller Herrgottsfrühe zum Moor. Es war gerade einmal halb sechs Uhr früh. Voller Vorfreude auf die Frühstimmung im Naturschutzgebiet marschierten wir beim „Steinhaus“ des Architekten Günther Domenig vorbei. Wie ein überdimensionaler „Transformer“ aus Beton, Stahl und Glas hockt das Gebäude am Ufer des Ossiachersees und erweckt garantiert bei jedem Betrachter eine gewisse Neugierde.

Weiter führte uns der Weg am See entlang, von wo aus wir romantische Bootshäuschen aus dunklem Holz entdeckten, die einen ziemlichen Gegensatz zum Steinhaus bildeten. Ein prachtvoller Kastanienbaum stand in schönster Blüte und verbreitete einen intensiven Geruch. Graugänse machten in der Morgensonne Gänseyoga.

Über eine kleine Brücke über ein Gerinne, vorbei an einem Spielplatz mit öffentlichem WC, gelangten wir zum Dammweg, wo ein wunderbar altes Holzhaus mit einem noch wunderbareren Garten steht. Jetzt hatten wir es nicht mehr weit zum Moor.

Gleich am Anfang des Moorwegs steht ein Vogelbeobachtungsturm. Gregi harrte in der Kälte aus und suchte verbissen das Schilf mit seinem Feldstecher nach einem Drosselrohrsänger ab. Hören konnte man ihn laut und deutlich … aber sehen? Viele, viele Schilfstängel gab es. Der Drosselrohrsänger war recht unscheinbar und nicht allzu groß. Und er wusste sich gut zu tarnen, sodass man ihn kaum finden konnte – trotz seines wirklich sehr lauten, sagen wir mal, Gesangs.

Endlich bewegte sich ein Schilfrohr. Hier dürfte er sein … oder aber nur ein Spatz oder eine Blaumeise. Vögel gab es ja viele im Bleistätter Moor. Über hundert Vogelarten, sagt die eine Quelle – eine andere behauptet sogar 200 verschiedene Arten.

Am Vortag war ein Eisvogel wie ein schillernd blauer Blitz über mich hinweggeflogen. Ein Haubentaucher hatte sich elegant im Wasser gedreht und sich von seiner besten Seite gezeigt. Apropos Haubentaucher: Ihr Gefieder ist so dicht und so seidig weich, dass die Modewelt des 19. Jahrhunderts ganz wild darauf war. Für Krägen, Hüte und Muffe musste das weiche Gefieder herhalten, bis eine britische Tierschutzvereinigung gegründet wurde, um die Haubentaucher zu retten. Wie gesagt – bereits im 19. Jahrhundert.

In der Früh war es (obwohl es Mai war) sehr, sehr kalt im Moor, und ich sehnte mich nach meiner Winterjacke. Am Vortag waren wir am späten Nachmittag unterwegs gewesen. Da waren die Temperaturen weitaus angenehmer gewesen. Allerdings waren am Nachmittag auch mehr Leute im Moor unterwegs. Tiere auch.

Das lange Stehen in der Kälte ist nicht so mein Ding, also ging ich ohne Gregi weiter hinein in das Moorgebiet. Gregi stand noch immer mit dem Fernrohr vor den Augen auf dem Turm und musterte verbissen das Schilf.

Ein schmaler Pfad trennte die offene Wasserfläche vom Teil des Moores, wo Büsche wuchsen. Am Vortag waren auf der Wasserfläche ein Haubentaucher, eine Schwanenfamilie mit fünf Küken und Graugänse unterwegs gewesen. Im Moor mit Gebüsch hatte ich am Tag davor ein Teichhuhn entdeckt.

Ich bewunderte das strahlend leuchtende Schilf, gruselte mich ein wenig vor dem Nebel, der die geknickten und gefluteten Baumstämme etwas unheimlich wirken ließ, und erreichte schließlich die Brücke der Tiebel. Die Tiebel ist ein Fluss und der wichtigste Zufluss des Ossiacher Sees. Ihr Ursprung soll auch einen Besuch wert sein, habe ich gelesen. Über 40 Quellen soll die Tiebel haben.

Der nächste Teil des Moores war besser belebt. Hier steht das alte, windschiefe Pumphaus, welches immer mehr ins Moor versinkt. Auf der Spitze des Türmchens hat sich Familie Storch heimisch niedergelassen. Am kalten Morgen saß Mama Adebar auf ihren Küken, um sie zu wärmen. Am Vortag war sie gestanden und hatte den Kleinen Schatten gespendet. Papa Storch war inzwischen im seichten Wasser unterwegs. Euphorisch hatte er sich ein Stöcklein gesichert, womit er stolz vor dem „Nachbarn“, einem x-beinigen Graureiher, herumstolzierte. Dieser schien sich dafür nicht zu interessieren.

Etwas mürrisch saß er da, während seine Herzensdame ebenfalls im Wasser herumstakste. Sie hatte allerdings ihre Aufmerksamkeit ihrem Horst gewidmet, der zirka einen Meter über ihr in die gefluteten Büsche hineingebaut war. Die Reiherküken im Teenageralter mit struppigen Frisuren schienen der Mama kundzutun, was sie bitte als Jause mit nach Hause nehmen sollte.

Ein Kormoran saß mit geöffneten Flügeln auf einer Insel und ließ sich trocknen, ein Kollege von ihm hatte dafür einen abgebrochenen Baumstamm ausgewählt. Die Kormoranfrau war ein Morgenmuffel und schlief noch tief und fest. Dafür war die Graugans-Gang unterwegs. Schön der Reihe nach schwammen mindestens 18 Gänse durch das Wasser.

Am Nachmittag des Vortages waren wir die ganze Runde gegangen. Wir konnten einen Froschkönig mit goldenen Augen beobachten. Er war nicht alleine hier, er hatte eine große Verwandtschaft. Nicht nur Aphrodite ist eine Schaumgeborene – auch die Wasserfrösche können sich dieser Eigenschaft rühmen.

Vom zweiten Vogelbeobachtungsturm ging es am Wasser entlang weiter, an einem Campingplatz vorbei zum Parkplatz mit WC, über die Straße in einen Feldweg, der neben einem Bach entlangging. Dort hatte Gregi die schönsten Fotos von einem Drosselrohrsänger gemacht. Dann mussten wir links abbiegen und kamen an der Baumschule Teuffenbach vorbei, die hübsche Rhododendren und Azaleen züchtet.

Dann kam der Wald, wohin einige Rhododendren offensichtlich ausgebüxt waren und sich – wie in Irland – freudig ausbreiteten und vermehrten. Moorböden mögen sie besonders gerne. Wieder über die Straße und einen Wanderparkplatz ging es dann dem Moor entlang – diesmal waren die Aussichtsplattformen ebenerdig. Rundum hörte man die Vögelchen singen (nicht nur den lautstarken Drosselrohrsänger). Die ersten Häuser von Steindorf waren wieder erreicht.

Es werden im Moor auch Führungen angeboten. Unter www.natourerleben.at kann man Näheres darüber erfahren.

 

Vom Kanzianiberg zur Ruine Finkenstein

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

 

400 HM

4 h

Start:

Kanzianiberg Parkplatz Kletterpark  

Diese Wanderung haben wir in mehreren Wanderbüchern angefunden, und lustigerweise sind die Angaben zu den Höhenmetern etwas unterschiedlich. In einem Buch sind es 300 HM, im anderen 400 HM. Wie dem auch sei: Die Wanderung ist sehr gut und leicht zu schaffen, und man benötigt nicht allzu viel Kondition … nur ein Stück auf dem Sepplweg ist etwas abenteuerlich und abschüssig.

Die Wanderung startet beim Parkplatz für den Klettergarten (Tagesticket kostete 2025 EUR 6,00). Der Kanzianiberg ist der größte Klettergarten Kärntens – wir hätten die Zufahrt trotzdem beinahe nicht gefunden. Mehrmals mussten wir umkehren, bis wir endlich begriffen, dass eine extrem schmale Asphaltstraße in Richtung Altfinkenstein die richtige Wahl war.

Schroff und steil ist der Kanzianiberg, wenn man vom Wanderparkplatz die steilen Wände hochsieht. Dohlen umflattern ihn mit hohlem Krächzen, riesige Gesteinsbrocken liegen in der Gegend herum. Unheimlich war es hier … wie auf dem Weg zur Hölle. Als wir aus dem Auto ausstiegen, hatte es gerade einmal 4 Grad Celsius, und irgendwie wunderte ich mich nun nicht mehr, wieso wir so ziemlich die einzigen Gäste waren, die das wunderbare Hotel (Karnerhof in Drobollach – sehr empfehlenswert) freiwillig für eine Wanderung verließen.

Wir marschierten zwischen den hohen Felswänden, welche dunkle Schatten warfen, und der Straße den Wanderweg bergauf. Plötzlich wurde es heller, die Felswände wurden niedriger, wir querten eine geschotterte Fläche, und nun begann der Weg lieblich zu werden. Neben uns gab es eine Wiese, und von dieser Seite sah der Kanzianiberg nur mehr wie ein Hügel aus. Ein hübscher Hügel mit einer Kirche. Eindeutig – so gefallen mir Berge besser.

Bei der Wanderwegkreuzung entschlossen wir uns, zuerst den Kanzianiberg über den Wanderweg zu besteigen. Ich nehme an, dass auch die frühen Siedler des Kanzianiberges schon auf dieser Seite nach oben gegangen sind. Gut, ganz nach oben waren wir dem Wanderweg dann doch nicht gefolgt. Irgendwann wechselten wir auf den Kreuzweg. Dieser sah sehr idyllisch aus, war jedoch weitaus steiler als der normale Wanderweg. Unter der Bergkuppe gibt es ein Dorfmuseum, das leider geschlossen hatte. Danach wurde es auf dem Kreuzweg wirklich sehr steil, und das letzte Stück zur Kirche mussten wir fast kraxeln. Egal, von welcher Seite man den Kanzianiberg besteigt – das letzte Stück zur Kirche ist überall extrem steil.

Oftmals wundere ich mich, was in manchen Wanderbüchern steht. Der Autor eines Wanderführers überlegte doch tatsächlich, ob es sich überhaupt auszahle, auf den Kanzianiberg zu gehen. Die Kreuzwegstationen hätten die Läden zu, und die Kirche sei ohnehin geschlossen. Man könne nur durch einen Schlitz in der Tür ins Innere sehen.

Wir sahen durch den Schlitz in der Tür, wir sahen die steilen Treppen, welche zu einem noch steileren Pfad hinunterführten, wir sahen uns die verblassten Gemälde auf der Außenseite der Kirche an, die Reliefs, den Opfertisch neben der Eingangstür und den enorm hohen Turm. Wir waren mehr als beeindruckt. Wer um alles in der Welt hatte die Energie, auf diesem steilen Berg eine so große Kirche zu bauen? Und wer hatte das ganze Baumaterial hier heraufgeschafft?

Wir waren beim Aufstieg über den bequemeren Altweg ins Schwitzen gekommen, so steil und steinig war er. Ich stellte mir die Menschen vor, die das Material und das Werkzeug auf den Berg getragen hatten. Vor gar nicht langer Zeit musste wieder einmal jemand etwas Schweres heraufgetragen haben, überlegte ich mir (eine Zufahrt bis zur Kirche gibt es nicht), und betrachtete die Photovoltaikanlage, die aus dem Fenster des Turmes herauslugte. Es sah fast so aus, als würde der Turm dem Berg dahinter die Zunge zeigen.

Als ich meinem Vater von dieser Photovoltaikanlage erzählte, meinte er – klug, wie er ist: „Jetzt kann man doch alles mit Hubschraubern auf die Berge bringen – da braucht man nicht mehr schleppen.“ Vielleicht bin ich doch zu romantisch veranlagt. Doch damals, als man die Kirche baute, gab es diese Möglichkeit noch nicht. Und vor der Leistung dieser Menschen habe ich den allergrößten Respekt.

Wir stiegen dann noch weiter den Berg hinauf, sahen auf den Faaker See, nach Villach und auf die Karawanken. Später forschte ich auf der Landkarte nach, wie der Berg gleich hinter dem Kanzianiberg hieß. Dabei fiel mir etwas auf: Es gibt den Mittagskogel (den jeder an seiner Pyramidenform erkennt), aber auch den Kleinen Mittagskogel, den Mallestiger Mittagskogel, den Techantinger Mittagskogel und wahrscheinlich auch noch andere Mittagskögel. Jeder Ort hat wohl seinen Berg, über dem um 12.00 Uhr die Sonne am höchsten steht.

Doch zurück zum Kanzianiberg. Dieser war schon ganz, ganz früh besiedelt. Bereits in der Jungsteinzeit lebte man hier oben recht sicher. Die steilen Wände, welche heute als Klettergarten benutzt werden, schützten die Siedlung recht wirkungsvoll. Eigentlich ist der Berg nur von einer Seite zu begehen; darunter im Tal ist ein Morast. Ein Angriff von dieser Seite war auch nicht leicht. Und die Siedler haben ihre Spuren hinterlassen. Ein toller Fund war ein prähistorischer Tonstempel, der zum Auftragen von Farbe auf menschliche Körper benutzt wurde. Doch auch ein frühmittelalterliches Reliquienkästchen aus Elfenbein wurde gefunden – leider fehlte die dazugehörende Reliquie.

Gregi hat auf dem Kanzianiberg auch etwas gefunden – nämlich ein Geocache-Versteck (und das ohne Navigationsgerät und ohne gezielt nach einem Versteck zu suchen … alle Achtung!).

In Prospekten werden vor allem der Klettergarten, das Dorfmuseum und der Schaukalkofen beworben … doch die eigentliche Sehenswürdigkeit ist das Plateau auf dem Kanzianiberg mit seiner Kirche und dem alten Siedlungsplatz. Ein wunderbarer Ort, den man nur sehr ungern wieder verlässt.

Der Abstieg war anfangs wieder etwas steil, doch dann kamen wir auf den Wanderweg. Beim Wanderwegkreuz folgten wir nun den Pfeilen Richtung Altfinkenstein. Nun ging es durch den Wald, und links und rechts neben uns wuchsen hübsche Schneerosen. Die nächste Wegstrecke war weniger interessant, da sie auf der Straße verlief. Doch schon bald sahen wir sie, den nächsten Höhepunkt der Wanderung: die Ruine Altfinkenstein.

Vor der alten Festung gab es satte Wiesen und Bauernhöfe; sie selbst steht auf einem hohen, nackten Felsen. Wir hatten leider Pech: Das Burgstüberl war geschlossen, und die Ruine würde man erst ab Mai besichtigen können. Also weiter auf die Baumgartenhöhe über den Sepplweg.

Die Wiese war gekalkt, weiße Krokusse bildeten weitere helle Tupfer. Ein Steig führte dann den Berg hinauf, zuerst noch recht angenehm zu gehen, bis der Bach zu queren war. Jetzt wurde es richtig steil, und es gab keinen Weg mehr. Ein Teil des Pfades war wohl fortgeschwemmt worden. Dank Wurzeln konnten wir uns hochziehen, um wieder auf einen Wandersteig zu gelangen. Schließlich kamen wir auf eine Weide, die sehr abschüssig war. Doch auch diese Anstrengung schafften wir ohne zu murren, sahen wir doch eine Einkehrmöglichkeit – den Baumgartnerhof.

Unsere Zungen hingen schon fast bis zum Kinn; wir freuten uns richtig auf ein gutes Essen und noch mehr auf ein tolles Erfrischungsgetränk … „Dienstags geschlossen“.

Von der Baumgartenhöhe führen viele Wanderwege weg. Ein Weitwanderweg sollte (laut Beschreibungen ab März) über die Berge nach Slowenien führen. Wir sind keine Berggeher, und auf den Karawanken lag zu diesem Zeitpunkt eine Schneehöhe von 1,5 Metern. Also wieder hinunter – diesmal über eine Skipiste. Von oben hatten wir wenigstens eine herrliche Aussicht auf die Burgruine (welche wir vorhin nicht erkunden konnten) und den See dahinter. Nach dem Wildgehege kamen wir wieder auf die Asphaltstraße und marschierten den bekannten Weg retour.

Schön und beeindruckend war der Kanzianiberg … toll wären auch die Burgruine und der Baumgartnerhof gewesen, wären sie nicht geschlossen gewesen. Nächstes Mal machen wir diesen Ausflug ab Mai und ab mittwochs – wenn möglich. Dann könnte man die Wanderung durchgehend genießen.

 

 

Mureck – Burg Obermureck – Auwald und Schiffmühle

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Wanderung beliebig erweiterbar

5 – 6 km

kein nennenswerter Höhenunterschied, nur beim Burgberg

mindestens 2 Stunden

       

Bei dieser Wanderung den Reisepass nicht vergessen!

Der erste Sonntag im März 2025 war ein ganz famoser Tag. Kalt war es in den vergangenen Tagen gewesen, feucht und nebelig … und dann dieser prächtige Frühlingstag.

Im Vorfrühling zieht es uns immer magisch in den Süden der Steiermark. Die Murauen sind nun mal zu dieser Jahreszeit besonders herrlich. Wir beschlossen also, nach Mureck zu fahren. Unsere Wanderung startete bei der Murecker Pfarrkirche zum „heiligen Bartholomäus“.

Wer war dieser Heilige, der Namensgeber für Bartholomew Simpson (besser bekannt als Bart Simpson) ist? Laut Wikipedia war er ein Jünger Christi, der ein ganz scheußliches Martyrium erlebte. Ihm soll bei lebendigem Leib die Haut abgezogen worden sein. Düster war auch die Bartholomäusnacht (23.–24. August 1572), in der ein Massenmord an französischen Protestanten stattgefunden hat.

Die Kirche selbst hat nichts Düsteres an sich. Hell und freundlich wirkt die Fassade, die durch den Turm geteilt wird. Hinein konnten wir leider nicht, da das Gotteshaus verschlossen war. Über den Kirchdamm gingen wir weiter, zweigten in eine Allee ein, wo wir einige emsige Kleiber beobachten konnten. Danach folgten wir einem schmalen Weg, der entlang einer alten Mauer führte. Auf der Mauer leuchtete das grüne Moos. Nach kurzer Zeit erreichten wir den Murecker Hauptplatz.

Dieser Hauptplatz hat es auch in sich. Lang ist er – ganze 350 Meter. Und direkt vor uns stand das Rathaus mit seinem besonders hübschen, sechsstöckigen Uhrturm. Lange besahen wir diesen Turm, der im 17. Jahrhundert erbaut worden war. Eine Büste des Grafen von Stubenberg, ein Porträt von Kaiser Leopold I., eine Madonna mit Mondsichel konnten wir erblicken. Doch besonders angetan war ich vom Erzengel Michael. Auf ihm thronte ein wunderhübscher Falke. Über dem Turm flogen heiser krächzend die Krähen. Ja, Mureck ist wirklich eine ganz besondere Stadt.

1187 wurde Mureck erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort liegt nördlich der Mur, wo die Gegend brettleben ist. Die Burg Obermureck wurde südlich der Mur errichtet, auf dem Trattenberg, der sehr steil zum Fluss abfällt und daher ein richtig toller Burgstandort ist. Doch Mureck selbst hatte keinen natürlichen Geländeschutz. Der Marktrichter Bartlme Lorber wusste um diese Schwachstelle und setzte sich dafür ein, dass der Ort befestigt wurde. Ab 1664 wurden Gräben gezogen, Palisaden aufgestellt und Toranlagen errichtet. Diese wurden auch gebraucht, denn sowohl 1683 als auch 1704 war Mureck Stützpunkt im Verteidigungskampf gegen Türken und Kuruzzen.

Wir marschierten durch das Tor des Rathauses und kamen zum Lorberplatz. Hier gibt es einen Laden für regionale Produkte sowie ein öffentliches WC. Wir folgten der Straße weiter zum Campingplatz und von dort einem Pfad zum Auwald. Der Wegrand war violett gesäumt – so viele Krokusse wuchsen dort. Und hier tummelten sich bereits die ersten Bienen.

Im Wald angekommen, bogen wir vor der Brücke links ab und folgten dem Mühlbach. Weiße Teppiche von Schneeglöckchen – wunderbar anzusehen. Leider ist es mir bis jetzt noch nicht gelungen, diese Pracht naturgetreu auf ein Foto zu bringen. Dazu kamen noch die unzähligen Krokusse und einige Exemplare der Grünen Nieswurz. Rund um uns gab es das allerschönste Vogelkonzert. Auch die kleinen Piepmatze begrüßten den Frühling voller Enthusiasmus.

Über eine kleine Brücke führte uns der Weg, danach weiter flussabwärts. Unter der Murbrücke hindurch, zwischen Mur und Mühlbach, kamen wir dann auf den Radweg. Hier könnten wir den Weg weiter der Mur entlanggehen – zum Röcksee und weiter zum Murturm. Eine herrliche Wanderung!

Wir wollten diesmal jedoch das Schloss Obermureck besuchen. Also marschierten wir auf dem Radweg in Richtung Mureck zurück bis zum Haus der Grenzpolizei, danach über die Brücke nach Trate. Direkt gegenüber der Brücke geht neben einem Haus eine Treppe den Hang hinauf – an einem Backofen vorbei, und über einen urigen Weg schlängelt sich ein Pfad durch den Wald zum Schloss hoch. Das wussten wir leider zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Also gingen wir rechts die Straße entlang und bogen vor einer Ruine in einen Weg ein – und kamen auf diese Weise zum richtigen Waldpfad. Schneeglöckchen wuchsen auf dem ganzen steilen Hang, und es roch sehr intensiv nach Bärlauch, der hier üppig wucherte. Wir entdeckten einen besonderen Farn. Gregi behauptete, dass es sich dabei um den seltenen Hirschzungenfarn handelt. Dieser wurde im Mittelalter auch Hexenkraut genannt. Hexenkraut auf einem Burgberg – wie unheimlich.

Unheimlich dürfte es auf dem Schloss Obermureck (Grad Cmurek) im 20. Jahrhundert zugegangen sein. Dort war eine geschlossene psychiatrische Anstalt untergebracht. Heute gibt es auf dem Schloss ein Museum (Museum des Wahnsinns). Als wir den Tratenberg erklommen hatten, mussten wir leider feststellen, dass sowohl das Museum als auch das Schloss geschlossen waren. Da hätten wir besser vorher etwas recherchiert … aber egal. Wieder bergab und über die Brücke.

Von der Brücke aus sahen wir unser nächstes Ziel: die Schiffsmühle und das dazugehörende Restaurant. Diesmal folgten wir der Straße in Richtung Stadt, ein gelber Wegweiser ließ uns dann links abbiegen, und über einen schmalen Pfad kamen wir wieder in den Auwald. Diesmal gingen wir direkt an der Mur entlang flussaufwärts.

Opatija hat den Lungomare … die Steiermark hat den Wanderweg neben der Mur. Und ehrlich: Dieser Wanderweg steht dem weltberühmten kroatischen Panoramapfad um nichts nach. Blaues Wasser, helle Steine, kleine Wellen, die das Licht auf wunderbare Weise spiegeln. Dazu Gänsesäger, Stockenten und Schwäne, die hier nach Herzenslust badeten. Und über uns in den Baumkronen tummelten sich Scharen von kleineren Vögelchen.

Dass es auf diesem Weg besonders schön ist, wissen viele Leute. Und so kam es, dass an diesem ersten etwas wärmeren Sonntag im Vorfrühling sehr viele Spaziergänger unterwegs waren. Vor uns sahen wir verheißungsvolle rote Sonnenschirme … das Restaurant Mühlenhof hatte geöffnet.

Man hatte hier wohl nicht mit diesem enormen Ansturm gerechnet – ein Kellner und ganz, ganz viele Gäste, die bedient werden wollten. So beschlossen wir, uns nur die Schiffsmühle anzusehen, die 1997 nach dem Vorbild alter Schiffsmühlen errichtet wurde.

Wir hätten dem Fluss noch weiter in Richtung Weitersfeld folgen können, doch nun plagte uns der Hunger … also zurück nach Mureck, zum Café Mureckstüberl.

Das Café Mureckstüberl befindet sich in der Grazer Straße 2 (beim Rathaus die Straße überqueren, links den Hauptplatz hinuntergehen, beim letzten Haus um die Kurve … dort befindet sich das Kaffeehaus). Wir hatten Glück, noch einen Platz zu ergattern. So gut gefüllt war das Lokal. Und die meisten Besucher naschten Eis – was man sich nur zwei Tage davor sicherlich nicht hätte vorstellen können.

Zu Mureck muss ich noch etwas sagen. Jedes Mal, wenn ich in diesem Ort bin, komme ich total zur Ruhe. Ich weiß nicht, woran das liegt. Aber nach einer Wanderung an der Mur bin ich immer ganz tiefenentspannt. Und offenbar geht es nicht nur mir so. Die Bewohner dieser besonderen Stadt scheinen mir auch sehr gelassen und freundlich. Man grüßt und redet … und ist sofort per Du. Wir fühlten uns hier so wohl, dass wir beschlossen, schon bald wieder hierher zu kommen. Vielleicht im Sommer. Sehen, wie dann dieser Auendschungel aussieht.

 

Grafendorf Beisteinrunde

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

6,1 km

270 HM

2 h

       

Diese Wanderung haben wir in der Broschüre „Wandern – Unsere Wälder & Hügel im Garten Österreichs“ entdeckt. Diese Broschüre ist gratis und wurde vom Tourismusverband Oststeiermark herausgegeben.

Startpunkt der Wanderung ist das Hotel Wiesenhof. Laut Wanderführer würde man links neben dem Hotel vorbei der Asphaltstraße folgen … wir hatten jedoch zuvor die Hinweistafel „Beistein“ gesehen und marschierten daher gleich hinter dem Hotel den Feldweg bergauf. Die Aussicht war grandios – Grafendorf mit dem Schloss Kirchberg im Walde. Dahinter das steirische und burgenländische Hügelland.

Obwohl es Ende Jänner war, hatten wir ein angenehmes Wanderwetter: Sonnenschein und blauer Himmel. Immer wieder gab es Rastbänke auf Glücks- und Kraftplätzen. Einladend wirkten sie, besonders in Anbetracht des Panoramas … doch wir wollten weiter, zum Beistein.

Auch dieser Hügel war im Sommer nicht ganz vom Sturm verschont geblieben. Einige Bäume waren gefallen und wurden bereits aufgearbeitet. Trotzdem war es hier sehr schön … Rotföhren und Buchen wuchsen in diesem Wald. Der Boden war sehr trocken, hatte es doch schon lange nicht mehr geregnet, und Schnee gab es auch keinen. Eine Buche umklammerte ihren Nachbarn, kreisrunde Formen in der Rinde verliehen dem Baum ein Gesicht … und dieses sah äußerst erschrocken oder gar entsetzt aus. Gut, im Sommer waren hier einige ihrer Kollegen gefallen. Ich verstand den Baum.

Über uns in den Baumkronen waren die Vögel recht munter unterwegs. Sie genossen die beinahe frühlingshaften Temperaturen und sangen daher besonders schön. Der steile Anstieg und das erstaunlich warme Wetter sorgten dafür, dass ich zu schwitzen begann – also zog ich kurzerhand die Wanderjacke aus – wohlgemerkt, es war Ende Jänner.

Ein Wegweiser wies uns an, rechts abzubiegen, und plötzlich türmten sich vor uns große Felsen auf. Wir hatten den Beistein erreicht. Hier hätten die Kelten in Vollmondnächten gebetet und gefeiert.

Die Mondfeste der Kelten waren Samhain (Anfang November), Imbolc (Anfang Februar), Beltaine (Anfang Mai) und Lughnasadh (Anfang August). Wie sich die Kelten fühlten, wenn sie auf dem Beistein ihre Mondfeste feierten, kann ich mir heute nicht mehr vorstellen. Wenn man täglich mindestens sechs Stunden vor dem Computer sitzt, dann hat man die ganz starken Wurzeln zur Natur, welche unsere Urahnen noch hatten, verloren. Und wenn man die Lebensmittel bequem im Geschäft kaufen kann, kann man wohl auch nicht mehr von sich behaupten, sich in die kargen Verhältnisse der Vergangenheit hineinversetzen zu können.

Die Termine der keltischen Mondfeste hat die Kirche übernommen: Allerheiligen, Maria Lichtmess, die Walpurgisnacht und Erntedank. Apropos Walpurgisnacht – ich könnte mir vorstellen, dass sich die „Kleine Hexe“ mit ihren sieben Röcken und ihrem klugen Raben Abraxas auf dem Beistein richtig wohl gefühlt hätte. Die Gesteinsblöcke hätten eine gute Abflugrampe in Richtung Wechsel abgegeben. „Heissa, Walpurgisnacht!“

Eine Gesteinsplatte hat eine besondere Form – halbkreisförmig fehlt ein Stück. Ich glaube kaum, dass Mutter Natur diesen Halbkreis in den Gesteinsblock geschürft hat.

Auf dem Beistein gibt es gemütliche Bänke, und man kann diesen besonderen Platz auf 813 Höhenmetern richtig genießen.

Weiter führte der Weg über den Jägersteig. Heidelbeerbüsche wuchsen links und rechts des Wanderwegs, der über eine Kuppe führte. Weich marschierten wir über die Baumnadeln, es roch herrlich nach Harz. Wir hatten eine Stelle erreicht, an der noch Forstarbeiten stattfanden. Hier verließen wir den Wanderweg und marschierten am Waldrand weiter. Wieder hatten wir eine wunderbare Aussicht.

An der Wanderwegkreuzung ging es links im Wald bergab. Eine große Föhre war gefällt worden – besser gesagt, gefallen war sie nicht. Sie hatte sich in den Kronen der anderen Bäume festgekrallt. Die armen Forstarbeiter – hier weiterzuarbeiten war mehr als gefährlich.

Steil ging es nun den Weg bergab, und auf der Asphaltstraße war nicht ganz klar, wie es weiterging. Wir entschieden uns (zum Glück) richtig und zweigten wieder links ab. Die Bauernhöfe, die nun kamen, hatten eine wunderbare Lage mit traumhafter Aussicht.

Und hier entdeckte ich zu meiner Freude ein munteres, blaues Bällchen: eine Blaumeise. Blaumeisen sind ganz clevere Vögel. In den 1920er-Jahren wurden in England Milchflaschen mit Folienabdeckung bei den Häusern zugestellt – besser gesagt, sie wurden vor den Häusern abgestellt. Dort standen die Flaschen dann, bis die Konsumenten die Milch in die Wohnungen holten. Vögel sind keine Säugetiere, und trotzdem gab es da offensichtlich eine Meise, die auf den Geschmack gekommen war. Und nicht nur das, sie schaffte es auch, die dünne Folie zu öffnen. Das gewiefte Vögelchen teilte ihre Entdeckung ihren Kollegen mit, und bald schon rätselten die Leute, wieso die Folien auf den Milchflaschen durchlöchert waren. In den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts wussten wohl bereits alle Blaumeisen auf den Britischen Inseln, was man so alles mit Milchflaschen anstellen konnte.

Ich glaube, wir hätten die Asphaltstraße weitergehen können, doch ein Wegweiser wies links bergauf. Wir gingen recht unsicher durch den Hof eines Bauern, und schon entdeckten wir die Wandermarkierung G3, die uns durch eine Birkenallee und den Wald zu einem Aussichtsbankerl führte, welches wir beim Anstieg auf den Beistein schon einmal gesehen hatten.

Also gingen wir den bekannten Weg wieder zurück und konnten dabei ein herrliches Panorama genießen.

 

Arzberg Montanlehrpfad

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

5 km

170 HM

1:30 h

       

Diesmal stelle ich eine Wanderung vor, die man auch an einem heißen Sommertag gut bewältigen kann: den Montanlehrpfad von Arzberg.

Arzberg ist ein kleiner, beschaulicher Ort am „oberen Ende“ der einzigartigen Raabklamm. Diese ist die längste Klamm Österreichs und als Ausflugsziel weithin bekannt. Wir wollten uns jedoch einen weniger prominenten Wanderweg ansehen – den Montanlehrpfad. Schon vorweg: Wir waren begeistert.

Das Dörfchen Arzberg besteht aus Kirche, Gasthaus, Fußballplatz, einem aufgelassenen Gasthaus, Gemeinde, Schule und Kindergarten, einem Friedhof und einigen Wohnhäusern. Ich glaube, damit habe ich alles aufgezählt. Früher sah es hier wohl etwas anders aus.

Im Bergwerk arbeiteten zu dessen Blütezeit im 18. Jahrhundert rund 130 Knappen. In den Stollen fand man silberhaltige Bleierze und Zinn. Doch nicht nur der Bergbau beschäftigte gut spezialisierte Arbeiter – im 19. Jahrhundert gab es hier etwa 40 Sensenschmiede. Die Arzberger Klingen sollen so hervorragend gewesen sein, dass sie sogar bis ins ferne Russland verkauft wurden.

Die jahrhundertealte Bergbautradition endete schließlich in den 1920er-Jahren. Bei der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1242 wurde der Ort „Aerzeperch“ genannt – schon damals wusste man, welche Schätze im Berg schlummerten.
Es gibt Annahmen, dass bereits Römer oder Slawen von den regionalen Bodenschätzen Kenntnis hatten. Gesichert ist, dass unter den Herren von Stubenberg seit dem Ende des 15. Jahrhunderts geschürft wurde.

Die Stubenberger waren es auch, die in der Nähe des Ortes die Burg Stubegg errichten ließen (erstmals erwähnt 1383 als „vest Stubekk“). Sie wurde zur Sicherung der Raabklamm erbaut. Ich vermute jedoch, dass auch das Erzvorkommen dazu motivierte, an dieser Stelle eine Festung zu errichten.

Zur Wanderung

Vom Wanderparkplatz aus querten wir eine blumengeschmückte Brücke. Rechts marschierten wir entlang eines hübschen Bachs mit kristallklarem Wasser. Gut – streng genommen war es kein Bach, sondern die junge Raab. Tafeln zeigten an, wo sich früher Stollen befanden. Die nächste Station war das alte Knappenhaus. Hier findet man heute einen wahren Goldschatz: den Stollenkäse aus dem Almenland, der regelmäßig Medaillen beim World Championship Cheese Contest abräumt. Führungen und Verkostungen sind möglich.
Nähere Infos: office@stollenkaese.at

Wir folgten der schmalen Asphaltstraße entlang der Raab weiter. Gregi hatte nur noch Augen für die hübschen weiß-orangefarbenen Apollofalter und übersah dabei den geschichtsträchtigen Pulverturm. Ein wunderbarer „Lost Place“ erwartete uns anschließend: die ehemalige Erzaufbereitungsanlage. Sie ist beeindruckend groß, und auf dem Turm sind noch die Initialen „HB“ (Haufenreither Bergbau) zu erkennen. Hier wurde das Gestein sortiert; das taube Material brachte man mit einer Feldbahn zu den Halden.

Beim Grillwirt macht der Wanderweg einen spitzen Haken, und es geht hinter den Knappenhäusern in den Wald und den Berg hinauf. Hier erfuhren wir, dass das Erz im Grün- oder Schwarzschiefer zu finden ist – jedoch nicht im Schöckelkalk. Wir suchten nicht nach Erzen, sondern bewunderten die Pflanzenvielfalt am Weg: Wald-Geißbart, Mandelblättrige Wolfsmilch, Himbeeren, Akelei, Teufelskralle und eine gelbe Distel, die Gregi später als „Klebkratzdistel“ identifizierte.

Jetzt muss ich ehrlich gestehen: Gregi ist derjenige von uns, der Pflanzen benennen kann. Wenn ich auf eine Blüte zeige und sage: „Schau, was für eine schöne Blume“, merkt man sofort, dass ich keine ernst zu nehmende Botanikerin bin.

Zwischendurch durchschritten wir grüne, schattige Tunnel, die traumhaft nach Holunder dufteten. Dass wir auf einem „alten Weg“ unterwegs waren, den schon die Bergmänner benutzt hatten, erkannten wir an den Spurrinnen, die sich tief in den Schöckelkalk eingegraben haben.

Bei einem heimeligen alten Bauernhaus verließen wir den Waldweg, gingen bis zur Asphaltstraße und bogen dort im spitzen Winkel in eine Wiese ab, um bald wieder in den Wald einzutauchen. Zwischendurch bot sich ein schöner Blick auf Fladnitz und die Teichalpe.

Über uns müssten eigentlich die Gösser-Wände liegen, in denen sich nach alter Sage die „Silbernen Buben“ aufgehalten haben sollen. Ob es sich dabei um Zwerge oder Kobolde handelt, kann ich nicht sagen – vermutlich könnte das nur „Jakob“ beantworten. Er war ein armer Knabe, der diese Sagengestalten nachts bei Mondschein beobachtet haben soll.
Auf einer Lichtung hätten sie Erz gefördert und dabei trotz harter Arbeit noch genug Energie gehabt, um herumzutänzeln und sich gegenseitig mit Steinen zu bewerfen. Jakob suchte daraufhin an dieser Stelle nach Erz und wurde so reich, dass er – fromm wie er war – die Kirche von Arzberg bauen ließ.

Die Kirche von Arzberg ist dem heiligen Jakob dem Älteren geweiht, dem Schutzpatron der Pilger. Wie es sich für ein Gotteshaus eines Bergwerksortes gehört, ist sie in Grau gehalten. Erbaut wurde sie 1789; eine ältere, baufällige Kirche war zuvor abgetragen worden. Noch jünger ist ein wunderbarer Platz oberhalb des Friedhofs: eine hübsche Wiese mit einem schlanken, modernen Kreuz und einem Altar aus Metall – ein guter Ort zum Innehalten.

Zurück im Ort kann man unter der Friedhofsmauer verschiedene Gesteinsbrocken aus steirischen Steinbrüchen betrachten. Hier befindet sich auch der Kirchenwirt, bei dem wir gerne einkehrten. Beim Reingehen sah ich es sofort: ein Backblech mit einem riesigen, herrlich duftenden Apfelstrudel.
Er sei gerade frisch aus dem Ofen gekommen, erklärte uns die nette Seniorchefin. Der Strudel stamme aus ihrer eigenen Küche. Das war der Moment, in dem ich beschloss, keine Speisekarte mehr zu studieren – ich wusste genau, was ich essen wollte.

Das Gasthaus verfügt über einen Balkon mit Blick auf den Fußballplatz. Dort genoss ich meinen Apfelstrudel mit Kaffee. Besänftigt von dieser Köstlichkeit beobachtete ich sogar ohne Murren ein Fußballmatch, das auf dem angrenzenden Sportplatz ausgetragen wurde. Spielenden Kindern zuzusehen ist ja auch fein – ganz anders als lärmende Fernsehübertragungen.
Endergebnis: 2 : 2

Arzberg kann außerdem mit einem Schaubergwerk und einem Heimatmuseum aufwarten.
Infos: www.arzberg.at
(Abenteuerführungen und Schatzsuchen für Kinder sind ebenfalls möglich.)

Arzberg – so klein es auch scheinen mag – hat unglaublich viel zu bieten: preisgekrönten Stollenkäse, Schaubergwerk, Museum, Gastronomie, eine sportbegeisterte Jugend, das Naturjuwel Raabklamm sowie den wirklich interessanten Montanlehrpfad. Wir haben Blumen entdeckt, die wir zuvor noch nie gesehen hatten, und der Apollofalter ist ebenfalls keine alltägliche Erscheinung.
Diese Wanderung kann ich mit allerbestem Gewissen weiterempfehlen.

 

„Rundweg über Schloss Wildbach – F3“ – Deutschlandsberg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

10,3 km

193 HM

3:30 h

Start:

Deutschlandsberg

Koralmstadion Deutschlands-berg  

Erzherzog Johann nannte einst das Gebiet um Deutschlandsberg „das Paradies der Steiermark“. Er hatte nicht ganz unrecht, immer wieder zieht es uns beim Wandern in diese Region. Sie ist wirklich ganz besonders, mit den Weingärten und den Bergen richtig lieblich.

Wir starteten diese Wanderung beim Deutschlandsberger Stadion (Koralmstadion), gleich war auch der Wegweiser F3 gefunden. Die Markierung des Weges ist übrigens vorbildlich. Wir verliefen uns bloß ein Mal, und das auch nur, weil ich mich zu sehr mit einer Katze beschäftigt hatte. 

Warum heißt eigentlich Deutschlandsberg so, wie es heißt? Ursprünglich hieß es „Lonsperch“. „Lons“ kam von der Laßnitz, „perch“ hieß Berg. Das „Deutsch“ kam zu Landsberg, als es dem Kreisamt von Marburg zugeteilt wurde. Und da gab es noch ein Landsberg – ein slowenisches. Daher gibt es jetzt ein Windisch Landsberg und ein Deutschlandsberg. Interessant! Doch eigentlich wollten wir ja wandern.

Also, zuerst mal die Norbert-Ehrlich-Siedlung entlang, bei der Kreuzung halb rechts, und schon erreichten wir den ersten Wald. Schön war es hier, viele alte Buchen, viele Laubhüttchen (von Kindern erbaut) und auch viele Katzen, was leider mein Verhängnis war. Statt direkt vor der Siedlung den Waldrand rechts hinunterzugehen, marschierte ich natürlich mit schwerem Rucksack die ganze Häuserreihe entlang. Also zurück zum Waldrand, kurz bergab, dann wieder bergauf, auf ein wunderbares Bauernhaus zu – dunkles Holz mit rot eingerahmten Fenstern. Die Fenster des Holzhauses waren klein, doch eines war noch viel, viel kleiner. Ein Arme-Seelen-Loch vielleicht? Davon hatte ich bei Karl Lukan schon gelesen. Die Seelen von Verstorbenen sollten durch diese kleine Luke ins Freie können, wenn ich mich noch recht erinnere.

Kurz wanderten wir eine Asphaltstraße entlang und dann wieder durch einen wunderbaren Laubwald, bis wir zu einer Wanderweggabelung kamen – „F3“ laut Karte und „F3 mit Weg 506“. Hier rechts abbiegen, raus aus dem Wald, die Wiese runter. Geipersdorf ist ein beschaulicher, ruhiger Ort mit sehr, sehr fleißigen Senioren. Ein betagter Herr stand auf einer Leiter und reparierte sein Dach. Beim nächsten Bauernhof gab es auch viele Aktivitäten. Die Hühner kletterten begeistert auf einem offensichtlich halbierten Misthaufen herum. Die andere Hälfte des Dungs wurde soeben auf einem Feld verteilt. Eine nette alte Frau erzählte uns ganz liebevoll von ihrem schönen Federvieh. Richtig glückliche Hühner seien sie, stellten wir fest. Das seien sie nicht immer gewesen, erklärte die Seniorbäuerin. „Die haben wir aus einem großen Mastbetrieb, arm und schirch waren sie. Hat lange gedauert, bis sie sich erholt haben.“

Wir wünschten dieser herzlichen Frau und ihren Hühnern alles Gute und marschierten weiter, neben Rübenfeldern vorbei, auf das Dorf Wildbach zu. Rechter Hand sahen wir einen Weinberg neben dem anderen. Wir waren im Dorf Wildbach angekommen, der Heimat des Schilchers – so glaubten Gregi und ich jedenfalls –, dieses herben hellrosa Weins, gekeltert aus der Wildbacher Traube. Eine Sorte, der nicht mal die Reblaus (aufgetreten 1880) etwas anhaben konnte. Eine besondere Traube – sie stammte angeblich auch nicht von den Römern, sondern von den Kelten.

Doch nicht nur Trauben sahen wir, sondern auch einen Nussbaum. Und auf diesem saß – was für eine Freude für uns Vogelliebhaber! – ein wunderschöner Eichelhäher. Neugierig spähte er ins Gras unter ihm, Ausschau haltend nach Essbarem. Fotosession der feinsten Art. Gregi und ich waren überglücklich, dem Vogel war es egal. Er ließ sich nicht stören. Er vermutete hier Walnüsse – der Baum mit seinen Früchten war vermutlich gleichzusetzen mit einem Haubenlokal. Wir hatten unsere Fotos, also ging es weiter.

Auf einer kleinen Anhöhe im Ort Wildbach steht ein bauliches Juwel, das Schloss. Ursprünglich hatte es hier einen Ansitz aus dem 14. Jahrhundert gegeben, der mit Mauer und Graben gesichert war. 1534 bis 1540 war dann ein Neubau mit vier Ecktürmen entstanden, 1730 war es umgestaltet worden. Seitdem ist die Fassade mit barocken Stuckaturen versehen. Auf einer Tafel lasen wir, dass Schubert 1827 drei Tage zu Gast gewesen war. Er hatte sich sicherlich auch den Bach unweit des Schlosses angesehen – den Wildbach. Er war namensgebend für den Ort, das Schloss und die Traube. Wir begutachteten diesen Bach auch, friedlich plätscherte er dahin. Sein klares Wasser war gar nicht wild.

Wir querten die Straße und lasen ein Schild: Buschenschank Orsl. Wir stellten fest: Es gibt ihn doch, den pawlowschen Effekt bei Menschen – jedenfalls bei uns. Ein Schild mit Aufschrift „Buschenschank“ verheißt ja Futter. Blöd nur, dass diese Buschenschank sonntags geschlossen hat.

Mit knurrenden Mägen wanderten wir weiter, rauf zum Wald, über eine Schafweide, kurz die Straße runter, dann die nächste Wiese hinauf, an einer Ölmühle vorbei, wieder bergab und zurück nach Geipersdorf. Hier mussten wir rechts abbiegen, in Richtung einer Teichanlage. Wir sahen den Hügel hinauf und entdeckten einen monströsen Riesenkürbis, der quasi über der Wiese schwebte. Wie war das mit dem Zweitaktgemisch der Steirer? „Kürbiskernöl und Schilcher.“ (Reinhard P. Gruber)

Wir wanderten durch den Wald mit seinem Raschellaub, kamen wieder zu der Wanderwegkreuzung mit den verwirrenden Schildern, nun ging es allerdings bergauf. Ein wunderbarer Weg. Farne in Grün, Farne in Gelb und Farne in Braun. Das gelbe Laub leuchtete in der Sonne und schon befanden wir uns wieder im Stadtgebiet von Deutschlandsberg. Wir sahen entzückt in die Stadt hinab, blinzelten gegen die Sonne, um das Wolfgangikircherl zu sehen, und bemerkten mit Begeisterung ein gut besuchtes Gasthaus. Wir studierten die ausgehängte Speisekarte und ich fand kein einziges vegetarisches Gericht. Ernsthaft? Also runter in die Stadt! Die letzten Meter der Wegführung gefielen uns besonders – treppab ging es in Richtung Stadion zurück. In der Innenstadt kehrten wir dann ins Restaurant Mediterran ein. Hier gab es Pizzen (so groß, dass sie über den Tellerrand hingen), Pastas und griechische Spezialitäten – alles zu sehr moderaten Preisen. Da können wir wieder mal einkehren. 

 

„Festungsweg“ – Fürstenfeld

 

 

Distanz

Stationen

Schwierigkeit

Rundweg

3,5 km

13

leicht

Start:

Fürstenfeld

Pfeilburg  

Von einer Fürstenfelder Wanderung habe ich schon einmal berichtet: „Sagenpfad und Motorikpark in Fürstenfeld“. Dazumal habe ich angekündigt, dass wir auch den Festungsweg beschreiben werden. Und dieses Versprechen löse ich jetzt ein.

Wir waren wieder einmal in der „Advent(markt)zeit“ unterwegs. Geparkt hatten wir wieder in der Nähe des Freibads, und über die steile Treppe und durch den Friedhof sind wir dann zur Altstadt marschiert. Der Festungsweg beginnt bei der Pfeilburg. Dort liegt auch ein Folder mit Informationen über diesen Stadtspaziergang auf. Auf dem Folder ist der Plan abgedruckt und eine zarte schwarze, strichlierte, sehr unscheinbare Linie zeigt, wie man gehen sollte. Ich bin leider manchmal etwas begriffsstutzig… Bei unserem Ausflug bin ich erst auf Höhe der Ungarbastei draufgekommen, dass es diese tolle schwarzstrichlierte Linie gibt, die den Weg anzeigt. Als ich das endlich begriffen hatte, fanden wir die restlichen Stationen des Lehrpfades wesentlich leichter. Denn mit meinen geliebten, gelben Wanderwegweisern kann diese Wanderung nicht aufwarten. Hin und wieder sieht man auf dem Weg das achtspitzige Kreuz des Johanniterordens, doch mit diesen Markierungen allein hätten wir die Route nie und nimmer gefunden.

Aber zurück zur Pfeilburg. Fürstenfeld hatte früher mehrere Burgen. Die älteste war das Schloss am Stein, das wir später noch sehen würden. Doch auch die Pfeilburg hat sehr alte Bauteile zu bieten. In ihr soll noch ein Wohnturm, welcher Bestandteil der mittelalterlichen Stadtmauer war, stecken. Schwarzturm heißt dieser mittelalterliche Wohnturm und hat seinen Namen entweder davon, dass er ausgebrannt und daher schwarz war, oder weil man in ihm einmal Schwarzpulver lagerte. Die Pfeilburg ist wunderbar renoviert, präsentiert sich im dunklen Anthrazit und beherbergt Museumsräumlichkeiten. Das Tabakmuseum (in der Pfeilburg war im 17. Jahrhundert eine Tabakfabrik) sowie das Kruzitürkenmuseum. Und da wir nun schon bei den Kuruzzen und den Türken sind … wir wollten ja dem Festungsweg folgen.

Wir durchquerten den Durchgang der Pfeilburg mit seinen Schaustücken und stiegen die Treppen hinauf zum „Kavalier“. Der Kavalier ist ein hoch aufgeschütteter Erdhaufen hinter der Pfeilburg, alte Obstbäume wuchsen auf ihm, und hier leben die mit Abstand fettesten Spatzen, die ich je gesehen habe. Von hier aus sieht man in den Festungsgraben, der heute sinnvoll als Spielplatz benutzt wird. Eine lange und tolle Rutsche schlängelt sich über den Hang des Kavaliers in den Graben.

Wir studierten die Schautafeln des Lehrweges und wurden – ehrlich gesagt – auch nicht unbedingt schlau daraus. Sie waren gespickt mit militärischen Begriffen, mit denen zumindest ich wenig anfangen konnte. Wir lasen, dass der Bereich, in dem uns gerade aufhielten, „Kavalier“ genannt wurde. Von einer „Katze“ las ich auch … und ich nahm schwer an, dass damit wahrscheinlich nicht die schwarze Katze gemeint war, die sich in meiner Nähe auf die Lauer gelegt hatte (wie gesagt, hier leben feiste Spatzen im Gebüsch).

Wollte ich nicht dumm sterben, müsste ich wohl mein Handy zu Rate ziehen. Dank Google weiß ich nun, dass eine „Katze“ eine erhöhte Schussstellung und der „Kavalier“ eine Geschützstellung ist, welcher alle umliegenden Festungsbauten deutlich überragt. Wieder was gelernt! Ob ich dieses Wissen je in meinem Leben nochmals brauchen werde, sei dahingestellt.

Wir gingen die Schleife zur Pfeilburg zurück und freuten uns am buckeligen Mauerwerk. Diesmal marschierten wir an der Treppe vorbei und folgten dem Asphaltweg, wobei wir (laut Schautafeln) zur „Kurtine“ gelangen sollten. (Kurtine ist laut Internet ein gerade geführter Wallabschnitt zwischen zwei Bastionen.) Womit die nächste Abfrage fällig wurde. Bastion würde auch Bastei heißen und wäre ein pfeilförmig vortretender Bauteil (gleich des Turmes einer Wehrmauer). Das war vor allem deswegen praktisch, weil man auf diese Weise sicher auf Angreifer schießen konnte, die versuchten, die Wehrmauer zu erklimmen. Dank meines klugen Handys kann ich mir jetzt ein bisschen vorstellen, wozu welcher Bauteil gut war. Gut, im Alltag braucht man dieses Wissen zum Glück nicht. Unser Haus kommt auch recht gut ohne Bastion, Wehrmauer und Wallgraben aus. Und ich bin auch recht froh darüber, dass unsere Nachbarn keinen Kavalier aufgeschüttet haben – obwohl sich unsere Katze darüber sicherlich gefreut hätte.

Die mittelalterliche Stadt, welche um 1215 ausgebaut wurde, war von einer Stadtmauer umgeben. Im 16. Jahrhundert war diese Wehranlage nicht mehr sicher genug. Vom Osten drohte immer wieder Gefahr, also wurde wieder „in die Hände gespukt“, und man zog eine Festung nach den Plänen des Tessiner Baumeisters Domenico dell’Allio auf. Oder zumindest eine Sparversion davon – denn das Geld war knapp. Wir erreichten die Ungarbastei mit Bunker und staunten nicht schlecht. So mächtig, wie sie vor uns stand, war ich überzeugt, dass an dieser Stelle sicherlich nicht gespart wurde.

Zwei Tore gab es in Fürstenfeld. Das noch bestehende Grazer Tor sowie das leider nicht mehr existierende Ungarntor. Hier befindet sich jetzt der Türkenbrunnen. Man schöpfte aus dem 26 Meter tiefen Brunnen nicht nur Wasser sondern man versteckte darin in Krisenzeiten auch Wertgegenstände. Nein, es zahlt sich heutzutage sicherlich nicht mehr aus, diesen Bereich mit dem Metalldetektor zu untersuchen – es sei denn, man hat auch einen Preßlufthammer im Gepäck, um den Asphalt aufzustemmen.

Über die Burgenlandstraße kamen wir zur Jugendherberge, marschierten ins Areal (links halten) und kamen auf eine Eisenbrücke. Die ATW-Brücke spannt sich sehr hoch über den Stadtgraben, ist 65 Meter lang und wurde in den 1880er-Jahren gebaut.

Nun lag die zweite Burg von Fürstenfeld vor uns: die Burg am Stein. Die landesfürstliche Burg wurde um 1170 zum Schutz vor den Magyaren gebaut. Man hatte einen geeigneten Platz ausgesucht, auf einer Geländestufe: 20 Meter über der Feistritz. Diese Burg sollte die Täler der Feistritz, Lafnitz (Grenzfluss), Rittschein, Safen und der Ilz schützen. Die Fürstenfelder haben nicht nur zwei Burgen – in beiden war (zuerst in der Pfeilburg, dann in der Burg am Stein) auch die Zigarettenfabrik untergebracht.

Wir marschierten runter zur Feistritz und durchschritten ein Eisentor (nicht auf die andere Uferseite wechseln). Dies war nun der meines Erachtens schönste und urtümlichste Wegabschnitt entlang des Flusses. Über eine Eisentreppe erreichten wir wieder die Altstadt und besuchten den stimmungsvollen Weihnachtsmarkt.

Über die Theatergasse und Santnergasse erreichten wir die Mühlbastei. Hätten wir an einer geführten Tour teilgenommen, hätten wir hier wahrscheinlich die Bunker besichtigen können. Der Grazer Platz (früher Grazer Vorstadt) war unser nächstes Ziel. 26 Häuser und das Schloss Falbenhaupt wurden im 17. Jahrhundert abgerissen, um die Stadt Fürstenfeld besser vor den Türken schützen zu können. Die Besitzer bekamen nur kärgliche Ablösen.

Durch das alte Grazer Tor schieben sich heute die Autos – besonders wenn in Fürstenfeld der Adventmarkt stattfindet. Wir gingen nicht durchs Tor. Der Weg führte wieder in den Graben, wo sich ein hübsches Biotop befindet. Über die Augustinerbastei erreichten wir wieder die Pfeilburg.

Zum Abschluss unseres Ausflugs besuchten wir „The Italian“. Da gab es einen Orangenkuchen, von dem Gregi noch wochenlang schwärmte.