„Kogelrundweg“ – Bad Gleichenberg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

6,8 km

238 HM

2:30 h

Start:

Bad Gleichenberg

Eichgrabenweg  

Diese Wanderung gehört zur „Tour de Steiermark – die Bewegungsrevolution“.

Wir haben diese Wanderung hitzebedingt etwas abgeändert.

Wenn es draußen über 30 Grad Celsius hat, gibt es einige Tätigkeiten, die Sinn machen. Zum Beispiel ins Freibad gehen, in einem schattigen Gastgarten Eiskaffee schlürfen oder sich im Keller verschanzen und den Kopf in die Tiefkühltruhe halten … aber definitiv geht man nicht wandern.

Es sei denn, man hat einen Vogel und heißt Mörath. Dann entschließt man sich, bei Hundehitze eine Wanderung im steirischen Süden zu unternehmen – genauer gesagt in Gleichenberg.

Von Panoramaplätzen aus erkennt man einige südsteirische Landmarken sehr gut … die Riegersburg zum Beispiel und auch die Gleichenberger Kogel. Zwei Kogel sind es: der Hochkogel mit seinen 598 Metern und der Bscheidkogel mit seinen 563 Metern. Die beiden sehen fast wie Zwillinge aus und somit haben sie dem Ort zu seinem Namen verholfen: Gleichenberg. Diese Berglein wollten wir an diesem heißen Tag besteigen. Ehrlich gesagt bin ich froh, dass sie heutzutage nur noch knapp 600 Meter hoch sind – früher ragten sie 1500 Meter in die Höhe. Der größte Teil liegt heute unter einer Schotterschicht verborgen.

Der Gleichenberger Vulkan war der älteste und mächtigste Vulkan der Region. Er hatte einen Durchmesser von circa 30 Kilometern und ragte wie eine Insel aus dem Meer. Vor 17 bis 12 Millionen Jahren spuckte er glutflüssige Lava. Ehrlich: damals wären selbst wir nicht auf diesen steinernen Drachen geklettert. Aber das Hügelchen von heute – auch wenn es 31 Grad hat: „Was soll’s“, dachten wir. „Wir gehen ja einen Waldlehrpfad und sind im Schatten.“

Also fuhren wir in den wunderbaren Kurort, flanierten noch vergnügt durch den traumhaften Park mit seinen großen, freundlichen Platanen, den mächtigen Mammutbäumen aus China und Amerika, den munteren Vögelchen und den märchenhaften Brunnen. Der Park wurde von Emma, der Frau des Landesgouverneurs Mathias Constantin Capello Graf von Wickenburg, gestaltet. Wir sehen uns immer wieder gerne im Fernsehen „Die Gartenprofis“ an. Fleißige Gärtner, die in wenigen Tagen heruntergekommene Hausgärten in schweißtreibender Schwerstarbeit auf Vordermann bringen. Wie erst musste es damals zugegangen sein, als das 20 Hektar große Areal als Park gestaltet wurde?

Gregi liebt diesen Park – wunderschöne Kindheitserinnerungen verbindet er damit. Damals gab es bei der Rindenkapelle Vogelfutter zu kaufen, welches man sich einfach auf die flache Hand streute und darauf wartete, dass eine hungrige Kohlmeise sich darauf setzte. Eichhörnchen, so erzählt er gerne, hätte man auch füttern können. Doch aus der Hand hätten sie nicht gefressen.

Schließlich kamen wir zum Hauptplatz. Vor dem Springbrunnen hatten sich schon Leute versammelt, es wurde „An der schönen blauen Donau“ (das Meisterwerk von Johann Strauss) gespielt und die Wasserfontänen hüpften fröhlich nach dem Takt. Herrlich. Dann wollten wir endlich mit unserer Wanderung beginnen. „Wir müssen lange auf Asphalt gehen, bis wir in den Eichgraben kommen“, überlegte ich. „Und das bei der Affenhitze.“ „Oder wir fahren mit dem Auto zum Eichgraben und parken am Wanderparkplatz“, sagte mein kluger Mann und schon war die Sache abgemacht.

Vom Wanderparkplatz im Eichgraben aus ging es dann direkt in den Wald. Schattig war es hier, wunderbare Eichen wachsen am wasserarmen Hang. Wir folgten der Markierung Nr. 13, es gab einige (leider in die Jahre gekommene) Erlebnisstationen. War ja gar nicht so übel, diese Sommerwanderung. Zudem trafen wir durchwegs auch andere Leute, die sich von der Hitze nicht abhalten ließen und im Wald unterwegs waren. Schließlich erreichten wir den Mühlsteinbruch. Dort gibt es einen Aussichtsturm mit einem herrlichen Blick auf Straden und nach Slowenien sowie einen Kegelplatz. Auf einem durchlöcherten Felsen steht ein Gipfelkreuz. Tief eingegraben sind die alten Schleifwege, über die die Mühlsteine ins Tal hinabbefördert wurden. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts wurden hier Steine abgebaut.

Wir folgten der Wegmarkierung 13 weiter, neben dem Weg wuchsen Kanadische Goldruten und dort tummelten sich Schmetterlinge, Schwebfliegen, Hummeln etc. Hier gab es keinen Schatten, also fiel das Fotoshooting nur kurz aus. Auf dem Weiterweg kamen wir auf eine Wanderwegkreuzung und hier verließen wir den Weg mit der Markierung 13 und folgten der Nr. 12, die uns auf den Gipfel des Hochkogels führen sollte. Zuerst frohlockten wir. Noch mehr Schmetterlinge. Dukatenfalter, Perlfalter, Kleines Landkärtchen, Russische Bären – sogar einen Aurorafalter bildete ich mir ein, entdeckt zu haben. Ablichten ließ sich dieser muntere Geselle leider nicht.

Und dann kam die Bergwertung. Vulkane können ganz schön steil sein. 20 Meter vor dem Gipfel überlegte ich ernsthaft, umzudrehen. Zum Glück hielt ich durch. Auf dem Gipfel steht eine Ruine. Ein ehemaliger Turm und davor liegt ein steinerner Kopf. „Schau, der R.“, meinte ich scherzhaft zu Gregi. „Welch eine frappierende Ähnlichkeit!“, bestätigte auch er. Es dauerte nicht lange, und ein weiterer Wanderer kam des Weges, und danach noch einer. Vielleicht sind wir doch keine Aliens? Oder es gibt einfach mehrere von uns.

Nachdem wir getrunken hatten und erfolglos einem Schwalbenschwanz mit der Kamera gejagt hatten, traten wir den Rückweg an. Nicht den ganz steilen, den wir heraufgekrochen waren, aber auch nicht den ebeneren, der nach „Gleichenberg Dorf“ führte, sondern die dritte Variante. Bergab – schon auch steil, aber halt nicht ganz so steil. Schließlich und endlich kamen wir wieder zur Lichtung mit den vielen Schmetterlingen und dann folgten wir den bereits bekannten Weg. Bis wir auf die hölzerne Wegtafel „Kirchenweg Gosendorf“ trafen. Diesen Kirchenweg folgten wir eine Weile und entdeckten dabei einen alten Bildbaum. Endlich trafen wir wieder auf ein Wanderschild mit der Aufschrift „Waldlehrpfad“. Diesem folgten wir und kamen beim „Bründl“ heraus – der einzigen Quelle des Bscheider Kogels. Dieses Wasser musste den Bergmännern, die weiter oben auf dem Mühlsteinbruch arbeiteten, ebenso kostbar vorgekommen sein wie die Heilquellen im Tal, die schon von den Römern genutzt wurden. Nicht nur die Bergmänner selbst benötigten dieses Wasser, sondern auch ihre Zugtiere.

Apropos Heilquellen im Tal: 1845 fand man vier Meter unter der Erde einen steinernen Brunnenkranz aus der Römerzeit. Weiter entdeckte man dort 74 römische Münzen und 12 versteinerte Haselnüsse. Lustig … 12 versteinerte Haselnüsse. Ob es in der Antike bei dieser Quelle auch schon einen Park zum Lustwandeln gab – und ob tierliebende Römer die Eichhörnchen auch schon fütterten? Wer weiß.

„Sieben Quellen Weg“ – Ratschendorf

 

 

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

15 km

28 HM

3:45 h

Start:

Deutsch Goritz

Kirche  

Mitte Februar war es und wir hatten uns in den Süden der Steiermark aufgemacht, um den Frühling zu suchen. Und wie soll ich sagen: Wir haben ihn gefunden.

Wir starteten unsere Wanderung bei der Kirche von Deutsch Goritz und diese hat eine sehr interessante Geschichte. 1783 war es bereits vorgesehen gewesen, in Deutsch Goritz eine Kirche zu gründen – dazu war es vorerst einmal nicht gekommen. 65 Jahre später gab es dann Verhandlungen über den Bau einer Messkapelle. Weitere 21 Jahre später erlaubte das Ordinariat Graz, eine Kapelle zu bauen, was die Bevölkerung so nicht wollte. Immerhin wollte man eine Pfarrkirche haben, keine kleine Kapelle – groß war der Eifer beim Bauen nicht. Es kam zu einigen Ermahnungen, und siehe da, 20 Jahre später war die Kapelle endlich fertig. Fünf Jahre später, 1894, setzten sich die Geschwister Gollmann dafür ein, einen ständigen Seelsorger in den Ort zu bekommen. Nötigenfalls würde man ein Kloster bauen. Und 1902 war es endlich so weit: Kloster und Kirche wurden feierlich eröffnet, der Orden der Kalasantiner zog ein und 1928 war Deutsch Goritz sogar eine eigene Pfarre. Die Kirche von Deutsch Goritz sollte besonders sehenswert sein, hatte ich gelesen. Gemälde im Beuroner Stil seien zu bewundern.

Als wir in Deutsch Goritz ankamen, war gerade Gottesdienst. Die Bilder würden wir besser ein andermal ansehen, beschlossen wir und marschierten in Richtung Weixelbaum los. Nach circa 700 Metern bogen wir in die Betriebszufahrt der Peterquelle ein. Auf der linken Seite gab es eine riesige Weide mit Hochlandrindern, auf der rechten Seite begrüßte uns freudig wedelnd ein Hund. Sein Kollege war bei Weitem nicht so fröhlich drauf, wurde aber zum Glück von einem Zaun davor gehindert, uns von „seinem Revier“ zu vertreiben. Haushoch stapelten sich die Leerkisten vor dem Betriebsgelände der Peterquelle, allzu stabil sahen die Kistentürme nicht aus. An einem Getränkeautomaten vorbei – und schon betraten wir ein absolut idyllisches Gebiet.

Alles fließt – glaubt man: Bächlein und noch ein Bächlein. Und ganz, ganz viele Frühlingsknotenblumen. Ein junger Mann stand nachdenklich zwischen den weißen Frühlingsboten und sinnierte, ob sich diese Pflanzen gut in seinem Garten machen würden. Bitte nicht. Diese Frühblüher wachsen nicht umsonst so üppig in diesem Gebiet. Hier ist für sie der optimale Standort, wo sie sich so richtig wohlfühlen. Und wenn man sich vorstellt, dass jeder Wanderer Pflänzchen ausgräbt und mit nach Hause nimmt – dann ist von dieser Pracht hier bald nichts mehr zu sehen.

Eine Gebirgsbachstelze hüpfte fröhlich am Ufer entlang, die mussten wir natürlich fotografieren. Ebenso die Krokusse. Doch dann ging es weiter nach Salsach. Bei der Bundesstraße hätten wir eigentlich nach rechts abbiegen müssen, wir entschlossen uns allerdings dazu, noch einen Abstecher in den Ort Salsach zu machen, um die „Träne von Salsach“ zu besichtigen. Hübsch angelegt ist der Teich und ganz viele neugierige Kois tummeln sich darin. Diesen Teich soll es schon lange geben, das Dorf war wie ein Ring darum gebaut worden. Salsach hat auch eine ganz originelle Chronik. Verfasst worden war sie 1924 von Anton Puntigam. Da stehen so lustige Sachen wie: „Das Dorf gilt als wohlhabend. Es hat keine Armen zu versorgen und hat noch niemals Umlagen (= Schulden) gehabt, wessen sich kein anderes Dorf im Bezirk Mureck rühmen kann.“

Wir kehrten nun wieder um, um der Bundesstraße und dem ursprünglichen Wanderweg zu folgen. Gut – ganz genau folgten wir den Wegweisern nicht. Anstatt vor der Brücke rechts einzubiegen, überquerten wir die Brücke sowie die Kreuzung, um durch den Hof des Bauernhauses in den Wald zu gelangen. Der „Jaun“ ist ein Feuchtgebiet und im Vorfrühling das Paradies schlechtweg. Wir mussten richtig gut aufpassen, um auf keine der hübschen Blumen zu treten. Rechts neben mir war der Hang ganz blau – so viele Krokusse wuchsen hier. Links, im sumpfigen Teil des Waldes mit dem verzweigten Bächlein, waren die Frühlingsknotenblumen. Eine Pracht.

Der Kailash ist ein heiliger Berg in Tibet. Ich hatte einmal eine Dokumentation gesehen, wo Pilger den Weg mit ihrer Körperlänge ausmaßen, also sich immer wieder niederwarfen. Wir sind weder Buddhisten noch Hinduisten, noch waren wir auf einem felsigen Berg, sondern im Flachland (in einem Feuchtgebiet). Doch auch wir warfen uns immer wieder auf die Erde – bei so vielen wunderbaren Fotomotiven. Wir haben zum Glück eine funktionierende Waschmaschine. Das hatte es früher leider nicht gegeben. Dazumal wuschen die Leute ihre Wäsche zum Teil am Bach – in Ratschendorf heißt eine Stelle am Bach treffenderweise noch „Die Wäsch“.

Ratschendorf hat ein nettes Gasthaus und ein Römermuseum, beides hatte leider an dem Sonntag, an dem wir unterwegs waren, geschlossen. Wirklich schade. Das Gebäude, in dem das Museum untergebracht ist, war früher eine Tiefkühlgemeinschaftsanlage gewesen. Unsere Tiefkühltruhe wird niemals so eine Karriere machen. Neugierig wäre ich schon auf das Museum. In der Nähe von Ratschendorf, im Wäldchen, welches sich „Hügelstaudach“ nennt, hatte man zahlreiche Hügelgräber gefunden. 1987/88 konnten mehrere intakte Gräber freigelegt werden. Kräftige Bäume wachsen jetzt auf den Hügelgräbern und beschützen sie mit ihren mächtigen Wurzeln.

In Ratschendorf hat man die Möglichkeit, über die Bundesstraße nach Deutsch Goritz zurückzukehren (dauert circa 15 Minuten), oder man geht noch die zweite Schleife nach Maria Helfbrunn. Maria Helfbrunn sollte schon in keltischer Zeit ein heiliger Platz gewesen sein. Die Kapelle steht auf der oberen Seite der Geländekante. Ich stand vor der Kirche und sah den angrenzenden riesengroßen Mastbetrieb. Dieser Ort hat leider seine Magie verloren. Über Treppen kletterte ich dann die Geländekante hinunter und erreichte die Heilquelle. Das Wasser sollte gut für die Augen sein, gegen Warzen angewendet werden und den Innereien wohltun. Über eine Asphaltstraße wanderten wir entlang der Geländekante zurück zur Bundesstraße und fanden diese Schleife wenig reizvoll.

Mein Tipp wäre es, von Ratschendorf aus die Mostschenke „Pechmanns alte Ölmühle“ zu besuchen. Ein Sammelsurium von alten landwirtschaftlichen Geräten, Fliegern, Militärfahrzeugen, Rädern etc. und die Heimat von Büffeln, Alpakas, Kamelen und Dromedaren.

Auch der Abstecher zu den Hügelgräbern im Wäldchen „Hügelstaudach“ ist zwar nicht unbedingt sensationell, allerdings doch sehr interessant.

 

„Europaschutzgebiet Neudauer Teiche“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

6,52 km

30 HM

2 h

Start:

Neudau

Zentrum oder Friedhof  

Die Neudauer Teiche sind ein absoluter Geheimtipp und rund ums Jahr traumhaft schön. Wir fahren immer wieder gerne zu diesem Naturparadies (Natura 2000-Schutzgebiet sowie Ramsar-Schutzgebiet). Auch an heißen Tagen kann man diese einfache Wanderung bewerkstelligen, da man immer im Schatten geht.

Wir parken normalerweise beim Friedhof von Neudau und gehen dann bergauf in Richtung des Waldes. Zwischen einem Einfamilienhaus und dem Waldrand führt uns der Weg direkt zum Fuchsschweifteich. Schilder weisen den Wanderer darauf hin, unbedingt auf dem Wanderweg zu bleiben. Eine Bitte, die man unbedingt befolgen sollte. Die Neudauer Teiche sind ein einzigartiges Habitat für sehr viele fast schon ausgestorbene Pflanzen- sowie Amphibienarten. Zudem ist es ein bedeutendes Brutgebiet für unzählige Vögel. Daher sollte man sich in diesem Gebiet wirklich achtsam und rücksichtsvoll verhalten und unbedingt auf dem Weg bleiben.

Die Neudauer Teiche, das sind der Fuchsschweifteich und der Große Neudauer Teich. Diese beiden sind aus ökologischer Sicht die wichtigsten Teiche der Oststeiermark. Ornithologen haben hier 222 verschiedene Vogelarten gezählt.

Bei unserer Wanderung Ende August standen wir am Ufer des Fuchsschweifteiches und suchten im Blütenteppich aus gelben Seekannen bewusst nach Wasservögeln … und Bingo. Die großen, weiß leuchtenden Schwäne hatten wir natürlich gleich entdeckt, doch die Blässhühner und Teichhühner waren sehr gut getarnt. Sie zupften genüsslich am Grünzeug, das sehr üppig wuchs. Dank der Tatsache, dass die Teiche nur circa 1,5 Meter tief sind, fühlen sich darin Wasserpflanzen sehr wohl. Gelbblühende Teichrosen, Seekannen sowie Wassernuss wachsen hier und bieten den Wasservögeln üppige Nahrung. Einige Stockentendamen waren fröhlich unterwegs.

Der Weg entlang des Fuchsschweifteiches ist äußerst idyllisch. Eine Allee aus mächtigen alten Eichen säumt den Weg. Die Äste sind so ausladend, dass man bequem im Schatten spazieren kann. Leider litten die Eichen bei unserer Wanderung im August 2024 sehr unter der Eichennetzwanze, die ursprünglich aus Nordamerika kommt.

Am Ende des Fuchsschweifteiches gibt es eine Infotafel. Hier wanderten wir rechts dem Damm entlang – aber nicht weit. Ein großer Ast ragte aus dem Wasser, und darauf saß tatsächlich ein Eisvogel. Natürlich flog er davon – schillernd blau – wie ein fliegender Kristall.

Wir kamen an einer besonders alten Eiche vorbei (Naturdenkmal), dann den Weg hinab zur Forststraße. Links und rechts der Schotterstraße gab es Wassergräben, und links und rechts neben uns hörten wir Platsch-Platsch-Platsch. Grüne Frösche – braune Frösche – große Frösche – kleine Frösche – Frösche mit Streifen – Frösche mit Punkten. Wobei wir bei der Bedeutung der Teiche für die Amphibien angelangt wären. Gleich 12 bedrohte Amphibienarten bietet dieses Schutzgebiet eine Heimat: darunter der Alpenkammmolch, die Knoblauchkröte sowie der Balkan-Moorfrosch. Der Moorfrosch ist übrigens ein ganz besonderes Kerlchen. Ende März „zieht“ er sozusagen seine „Hochzeitstracht“ an … zumindest für circa fünf Tage. Nicht im Steirergrün präsentiert er sich dann – sondern im schillernden Blau.

Im Wald mussten wir links in einen Forstweg abbiegen, eine Zeit lang gingen wir, bis wir das Ufer des Großen Neudauer Teichs sehen konnten.

Die beiden Neudauer Teiche haben zusammen, mit Berücksichtigung der periodischen Überschwemmungsflächen, eine Größe von circa 50 Hektar. Man geht eine Weile, bis man beide Teiche umrundet hat. Da kriegt man einen richtigen Respekt vor den Menschen, die diese Teiche im 17. Jahrhundert (unter der Herrschaft der Familie Rottal) angelegt haben. Es musste eine gewaltige Plackerei gewesen sein. Eine stauende Sedimentschicht (oststeirisch „Obock“) sorgt dafür, dass das Wasser im Teich bleibt und nicht versiegt. Zufluss gab und gibt es keinen. Das Wasser stammt ausschließlich von der Schneeschmelze bzw. vom Regen. In einem Regenjahr (2024 gab es im Juni ein Hochwasser in Neudau) sind die „Himmelsteiche“ gut gefüllt. Als wir hier wanderten, sahen wir riesige Karpfen, die sich im Wasser tummelten.

Graureiher lauerten im seichten Wasser neben dem Schilf. Für die riesigen Karpfen waren sie keine Gefahr mehr. Am Damm des Großen Neudauer Teichs kann man nach der Reihe uralte und riesige Eichen bestaunen – allesamt Naturdenkmale – allesamt ein Zuhause für unzählige Tiere. Ein Kleiber lief voller Freude den Stamm hinauf, Eicheln fielen auf den Boden. Wildschweine lieben Eicheln. Immer wieder konnten wir im Wald Stellen ausmachen, wo die „Schweinderln“ gewühlt haben.

Über unsere Köpfe zog ein Fischadlerpaar seine Kreise. Nicht nur hoch am Dachstein haust der Aar – auch im tiefgelegenen Neudau, welches auf 289 Meter Seehöhe liegt. Ein junges Teichhuhn beschwerte sich lauthals, Stockenten tauchten am Teichrand in der Nähe des Schilfs. Auch Libellen waren unterwegs.

Die Teiche werden sehr naturnah bewirtschaftet. Gottlob. Sie sind seit dem frühen 18. Jahrhundert im Besitz der Familie Kottulinsky. Das imposante Mausoleum der Familie haben wir leider bei dieser Wanderung nicht besucht (vom Ortszentrum Neudau am Schloss vorbei, links abbiegen, dann rechts in die Wörther Straße. Nach einer Weile sieht man das Mausoleum auf einer Anhöhe. Ein Feldweg führt dorthin).

Dafür haben wir dem Markt Neudau einen Besuch abgestattet. Zwei Gebäude prägen Neudau. Das eine ist das Schloss, welches ursprünglich eine Wasserburg war (1371 erstmals urkundlich erwähnt). Neudau war ein Grenzort. Die Lafnitz war jahrhundertelang Grenzfluss zu Ungarn. Vom frühen 15. Jahrhundert bis ins 18. Jahrhundert wurde Neudau immer wieder von Ungarn, Türken, Haiducken und Kuruzzen verwüstet. Nach dem Ende der Kuruzzenkriege wurde das Schloss neugestaltet. Aus dem Wassergraben wurde ein Park.

Das zweite Gebäude, das einem sofort ins Auge springt, ist die ehemalige Garnfabrik. Karl Graf von Batthyany hatte vor, die erste industrielle Baumwollspinnerei der Monarchie zu gründen. Der einzige Haken an der Geschichte war, dass die Vorreiter der industriellen Revolution, die Engländer, ihr Know-how sehr vehement schützten. Technisches Wissen sollte nicht ins Ausland gelangen. Industriespionage wurde streng bestraft. Irgendwie ist es ihm dann doch gelungen, an dieses Wissen und an Maschinen zu gelangen. Die erste Spinnerei wurde in Burgau errichtet. Später wurde sie durch Georg Borkenstein nach Neudau verlegt. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Fabrikstrakte im klassizistischen Stil errichtet – bis 2019 wurde darin auch produziert. Die alte, verlassene Fabrik und das Ledigenwohnheim haben einen leicht morbiden Charme.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite das komplette Gegenteil. Ein belebter Gastgarten, ein gepflegtes Restaurant (Gasthaus Central). Hier kehrten wir ein. Wir haben vorzüglich gegessen – Knoblauchcremesuppe, gegrilltes Gemüse, Krapfen mit Vanillesauce – alles 1a. Dieses Lokal kann ich mit bestem Gewissen weiterempfehlen.

„wasser.weg“ Ostschleife – Bad Radkersburg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

13,5 km

70 HM

3:25 h

Start:

Bad Radkersburg

Thermal-quellenhaus  

Der Vorfrühling im Süden der Oststeiermark ist schon etwas ganz Besonderes. Daher zieht es uns immer wieder im Februar und März in diese Richtung. Diesmal wollten wir wieder einmal nach Bad Radkersburg und ich muss ganz ehrlich gestehen, etwas verliebt bin ich in diese kleine Stadt. Auch mag ich die Mur sehr, sehr gerne. Also freute ich mich so richtig auf unsere Wanderung, die uns entlang der Mur über Felder nach Sicheldorf und zurück nach Radkersburg führen sollte.

Radkersburg war schon sehr früh gegründet worden, und zwar vom böhmischen König Ottokar II. Przemysl. Ottokar gründete einige Städte in Österreich, zum Beispiel Marchegg, Leoben und Bruck – und eben auch Radkersburg. Als Grenzfeste wurde es 1261 gebaut und bereits 1299 zur Stadt erhoben. Wohlstand sicherte die Mur, die anno dazumal ein wichtiger Handelsweg war. Die Straßen waren schlecht und die Waren wurden auf Flößen über die Flüsse transportiert. Und da Radkersburg ein „Niederlagsrecht“ sowie das „Weinvorkaufsrecht“ hatte, wurde es zu einer wohlhabenden Handelsstadt. Eisen und Salz kamen vom Norden über die Mur und wurden nach Ungarn verschifft. Von Ungarn kam Schlachtvieh nach Österreich. Auch Wein und Honig waren begehrte Handelsobjekte gewesen.

Wir würden mit keinem Floß fahren, doch zur Mur wollten wir nun unbedingt gelangen. Vom Hauptplatz aus folgten wir der Langgasse. Hier hatten dazumal die Händler gesiedelt, Geschäfte gibt es hier heute noch. Ein Laden hatte es mir besonders angetan, einer mit Schildern. „Ohne Katzenhaare auf der Kleidung ist man nicht richtig angezogen“, stand auf einem. An diesen Modetipp halte ich mich stets. Das „Gasthaus zum Türkenloch“ sieht richtig hübsch aus. Überhaupt, die Häuser der Stadt wurden liebevoll restauriert, was eine ganz tolle Leistung war, denn nach dem Zweiten Weltkrieg waren nur vier Häuser der Stadt unversehrt. 1978 hatte die Stadt berechtigterweise die Europagoldmedaille für Denkmalpflege bekommen.

Eine große Brücke führt über die Mur nach Slowenien. Würde man drübergehen, könnte man das Schloss Gornja Radgona (Oberradkersburg) besichtigen (Achtung: Eintritt über Automaten entrichten). Wir blieben jedoch auf der österreichischen Seite und wanderten auf der Dammkrone die Mur entlang. Laut war es hier und wir freuten uns drüber. Das hört sich jetzt zwar blöd an, aber es war kein Verkehrslärm, den wir hörten. Nein, es waren die hübschen Stimmchen der unzähligen Stare, die sich bei den efeuumwucherten alten Bäumen zum Futtern versammelt hatten. Wir beobachteten das emsige Treiben auf den Baumwipfeln eine Zeit lang, dann marschierten wir weiter.

Entlang der Mur ist der zweitgrößte Auwald Österreichs, das Gebiet gehört zum „Grünen Band Europas“. In den Zeiten des Kalten Kriegs war der Grenzstreifen des Eisernen Vorhangs nicht verbaut, ein Grünstreifen zieht sich nun vom Eismeer im Norden Norwegens bis zum Schwarzen Meer. 12.500 km ist dieses „Grüne Band“ lang – und ein kleines Stückchen davon erkundeten wir auf unserer Wanderung. Echte Schneeglöckchen winkten uns, es roch bereits nach Bärlauch. Ein wahrer Wermutstropfen war jedoch der Wald selbst, der im Vorjahr durch den Sturm sehr in Mitleidenschaft gezogen worden war. Wie überdimensionierte Mikadostäbchen lagen die Bäume kreuz und quer. Der Weg führte uns nun zu den Feldern – hier waren Bundesheersoldaten unterwegs. Auch das hat hier Tradition. Unter der Herrschaft Maria Theresias wurde Radkersburg zur Garnisonsstadt – was es bis 2013 auch blieb.

Die Wanderung führte uns zur Johannesquelle (welche ein bisschen an eine Bushaltestelle erinnert). Und dann – was für eine Freude – ein Graureiher. Einer, der sich noch dazu fotografieren ließ – im gebührenden Abstand, versteht sich. Durch ein Wäldchen kamen wir nach Sicheldorf. Das Wanderschild leitete uns zu einer Schottergrube, dort angekommen verloren wir den richtigen Wanderweg. Wären wir dem Schild weiter gefolgt, hätten wir über Wasser gehen müssen. Diese Begabung fehlt uns leider, also folgten wir dem Schotterweg am Zaun entlang, bogen dann rechts in Richtung Radkersburg ab, dann links einen Waldrand entlang – und dann kamen wir an ein magisches Platzerl. Ein Holzkreuz und ganz, ganz viele Vogelfutterhäuschen mit noch mehr gefiederten Besuchern. Dieser Ort ist gesegnet, davon gehe ich mal aus. In Laafeld durften wir einen hübschen Buntspechtknaben dabei beobachten, wie er melodisch rhythmisch auf einem Stamm herumhämmerte. Spechte sind tolle Vögel – sie können wie wild mit ihrem Schnabel hämmern, ohne dabei eine Gehirnerschütterung zu bekommen. Eine Meisterleistung der Evolution! Als wir Bad Radkersburg wieder erreichten, kehrten wir am Hauptplatz im Café Punkt ein (ein sehr guter Cappuccino und ein leckeres Croissant). Über das Fenster sah ich die stattlichen Säulen der Arkaden, eine architektonische Pracht. Am Radkersburger Hauptplatz residierten der Adel und wohlhabende Bürger, was man den Häusern auch ansieht. Eine ganz prominente Frau wurde in Radkersburg geboren: die Gallerin, die Burgherrin der Riegersburg.

Gestärkt machten wir uns nochmals auf den Weg, die Langgasse runter, rechts in die Altstadtgasse, an der Vinothek vorbei vor die Stadtmauer. Die Domenico-dell‘-Allio-Allee entlang zu gehen ist ein absolutes Muss, wenn man in Bad Radkersburg ist. Der ehemalige Stadtgraben war nicht verbaut worden und ist ein Refugium für Pflanzen und Tiere. Die Aussicht auf die Stadtmauer und die Altstadt ist einfach herrlich. Dieser Graben trennt auch die historischen Bauten der Stadt mit ihren alten Geschichten von den neuen Hotel- und Kuranlagen der Stadt mit ihren jüngeren Geschichten. Und die sind auch interessant. In den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts suchte man in Radkersburg nach Erdöl. Gefunden hatte man etwas viel Besseres: allerfeinstes Heilwasser. „Long Life“ – wohl bekomms. 1977/78 hatte man dann schon gezielt nach Thermalwasser gebohrt und aus 1.791 bis 1.856 Metern Tiefe kommt es, das 80 Grad heiße Wasser. Und so ist aus der ehemaligen Garnisonsstadt Radkersburg die Kurstadt Bad Radkersburg geworden. Eine erfreuliche Entwicklung, finde ich.

Trotz allem sehe ich mir aber den Befestigungsgürtel aus der Renaissancezeit gerne an, der die Stadt so pittoresk umgibt. Domenico dell‘Allio hatte ihn geplant. Der aus Oberitalien stammende Baumeister war sehr emsig gewesen – sein Name steht im Zusammenhang mit sehr, sehr vielen Verteidigungsanlagen. Er wirkte in Graz, Varazdin, Wien, Klagenfurt, Fürstenfeld, Feldbach, Radkersburg, Maribor, Ptuj etc. Es war die Zeit der Türkenkriege, starke Mauern retteten Leben und Eigentum. Wir betraten die „Domenico-dell‘-Allio-Allee“ bei einem Kinderspielplatz und verließen sie bei einem Altersheim. Über eine Brücke zurück in die Altstadt, wo es noch ganz viel zu entdecken gäbe. Die ältesten Profandarstellungen in der Steiermark zum Beispiel. Doch diese mussten wir uns für einen anderen Ausflug aufheben – für diesen Tag war es Zeit, nach Hause zu fahren.

„Weg der Kunst“ ab Stainz bei Straden

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Weg der Kunst

9,4 km

250 HM

3:25 h

    

In drei Wanderbüchern habe ich diesen Weg gesehen, er muss also wirklich schön sein. Daher fahren wir im Spätherbst nach Stainz bei Straden, wo die Wanderung beim Haus der Vulkane startet. Auf den Wanderschildern ist eine Gehzeit von 2:20 h angegeben. (Da war wohl jemand mit Siebenmeilenstiefeln unterwegs. Wir benötigen für diese Wanderung 158 Minuten reine Gehzeit. Noch nicht inkludiert ist da die Zeit, die man bei den Erlebnisstationen benötigt – man ist sicherlich über drei Stunden unterwegs.) Ansonsten ist die Beschilderung einwandfrei, ein Verirren ist unmöglich.

Stainz bei Straden ist ein interessantes Dorf. Da steht ein wunderschöner Bildstock. Der hat nicht nur seitlich eine Tür, sondern auch noch einen „ersten Stock“ mit Fenstern. Ob sich dahinter eine Glocke versteckt?

Wir wandern weiter über ein Brückerl auf die Straße und schrecken fünf Enten auf, die in einem mit Wasser gefüllten Straßengraben ein gepflegtes Bad genießen. Sich lauthals beschwerend, flattern sie die steile Böschung hinauf und laufen um die Zaunecke nach Hause, wo sich schon einige ihrer Genossen im Garten sonnen.

Nun erreichen wir den Sulzbach. Gregi bildet sich ein, das zarte Stimmchen eines Eisvogels vernommen zu haben. Ich widme mich inzwischen der ersten Erlebnisstation, den Summsteinen. Gregi betrachtet den Bach kritisch und ist nicht mehr ganz davon überzeugt, dass hier ein Eisvogel lebt. Diese brauchen klares Wasser. War wohl ein anderer Vogel mit hoher Stimmlage. Daher beschließen wir, zur nächsten Station zu gehen. Zum Blaurackenturm.

Diesen schönen Gesellen werden wir im Spätherbst sicherlich weder hören noch sehen – jedenfalls nicht in der Steiermark. Da ist er schon längst auf Reisen gegangen, auf Fernreise sozusagen. Die Blauracke überwintert im südlichen Afrika. Eine Strecke, für die sie angeblich zwei Monate benötigt. Bewundernswerte Tiere! Hoffentlich kommen sie im Frühjahr wieder.

Wir wandern weiter und erreichen eine Raststation. Strahlend gelb schimmert das Laub und bildet einen Teppich. Und mitten darin liegt ein Steinbrocken, eine Vulkanbombe. 15 Tonnen wiegt das gute Stück und kommt aus dem Basaltsteinbruch von Hochstraden. Daneben steht ein altes Holzschild. „Wohl bekomms“, steht darauf und ich überlege, wie mir dieser Riesenstein wohl bekommen sollte. Sarkasmus? Nein, darunter, sehr verschwommen, steht ja noch was: „Wasser ist kostbar.“ Und dann sehe ich erst die Wasserleitung, die aufgrund der Jahreszeit schon außer Betrieb ist.

Die nächste Station ist mehr als idyllisch. „Steinzeitklang“ wird sie bezeichnet und Gregi probiert voller Freude jedes einzelne „Instrument“. Ich lichte die wunderbare Pappelallee ab. Während sich Gregi noch beschwert, dass die Dinger nicht gestimmt sind, schnaufe ich den Berg hinauf und bin nach wie vor von der Allee begeistert – und auch vom Schatten, den sie wirft.

Die Aussicht wird immer besser. Wir sehen den Steinbruch von Hochstraden, den „Drachenrücken“ mit der Aussichtswarte und leider auch sehr, sehr viele Glashäuser. Es ist eben eine landwirtschaftlich genutzte Gegend. Vulkangebiete sind besonders fruchtbar.

Durch einen Wald geht es nun bergab. Wir sehen eine sandige Steilwand und ich entdecke sogar eine Bruthöhle. Leider nur eine einzige. Aber Grund genug zu spekulieren, welcher Vogel hier eventuell Junge aufzieht. Die nächste Zeit vergeht mit Diskussionen, ob das, was ich da fotografiert habe, überhaupt eine Bruthöhle ist, bis Gregi einen seltenen gelben Schmetterling entdeckt und das Thema augenblicklich fallen lässt. Ein wunderschöner Gelbling mit einer Acht auf dem Flügel.

Wir haben nun die Lorettokapelle erreicht und biegen in Richtung Pferdehof Lechner ab. Ein Weingarten – und hurraaa! –, da bewegt sich was. Tatsächlich, ein Schwarzspecht. Ich nütze schnell die Gelegenheit – es wird ein tolles Fotoshooting mit Woody Woodpecker –, während Gregi noch voller Begeisterung eine Libelle fotografiert. (12. November 2023 – November!!! Eine Libelle und ein Schmetterling. Was für ein Tag!)

Weiter geht es zum Klangwald. Ein Grünspecht flattert rasch davon, während die Meisen mich neugierig beobachten. Steil geht es bergauf, bald steigen wir den Hügel wieder hinab. Es wird nicht der letzte Hügel sein. Vor dem nächsten Anstieg wartet auch der nächste Erlebnispunkt auf uns. Eine grimmig dreinblickende begehbare Holzeule. Ich verstehe ihren Verdruss. Kalt ist ihr Standort – und dann sind da noch die Wanderer, die immer wieder ihre Köpfe frech aus ihren Augen stecken. Bitte lächeln – und klick! Schon geht es weiter, den nächsten Hügel hinauf.

Nun haben wir einen wunderbaren Blick auf Straden. Dieser Hügel vulkanischen Ursprungs mit seiner extrem hohen Kirchendichte – vier Stück an der Zahl! Straden und seine Umgebung waren schon in der vorchristlichen Zeit besiedelt. Es muss sich dort wohl ein besonderes Heiligtum befunden haben, wenn die Kirche diesen Ort so vehement überbaut hat.

Es geht wieder bergab, wir erreichen die Straße im Tal. Der Ausgangspunkt der Wanderung ist nicht mehr weit, das Gasthaus LiebEck im Haus der Vulkane auch nicht mehr. Wir sind hungrig, wir sind müde, wir freuen uns darauf. Dann die bittere Erkenntnis: Eine Bergwertung hat der Kunstweg für uns noch geplant. Ein richtiger „Wadlbeißer“, dieser letzte Anstieg, finden jedenfalls wir. Doch dann ist auch dies geschafft. Beinahe beschwingt laufen wir den Hügel wieder hinunter. Bald können wir uns den Magen vollschlagen. Mit den 17.138 Schritten, die ich bei dieser Wanderung gegangen bin, brauche ich auch nicht unbedingt auf Kalorien achten. Und dann das! Wir sind zu früh dran. Das LiebEck öffne sonntags ab 15.00 Uhr, steht auf der Tafel beim Eingang.

Also Plan B. Wir kehren bei der Konditorei Ertl ein. Die hat auch Leckeres für uns. Bei einem Marmeladencroissant lassen wir den wunderbaren Tag Revue passieren.

Geotrail und Wanderwege um Kapfenstein

Distanz

Höhenmeter

Dauer

6 km

200 HM

2:30 h

Diese Wanderung startet beim Gemeindeamt. Wir stiegen aus dem Auto aus und sahen eine Pizzeria. Heute hatten wir also eine Auswahl: Kapfensteinerhof oder Pizza. Zuerst wollten wir wandern. Unser Weg würde uns zu Beginn in Richtung Tischlerei Luttenberger führen, entnahmen wir dem Wanderbuch. Zielstrebig marschierten wir die Bundesstraße bergab. Uns kamen Feuerwehrfrauen und -männer entgegen. Vergnügt trugen sie eine Klappbank mit sich. „Heute ist Fototermin“, erfuhren wir und auch, dass es im Ort so etwa um die 60 Feuerwehrleute gebe. „So beschaulich klein Kapfenstein auch wirken mag, die Einwohner sind nette und engagierte Menschen“, stellten wir fest und gingen weiter bergab, vorbei an einer Wanderstempelstation. Bei der Raiffeisenbank blieben wir stehen. „Ich sehe kein Hinweisschild einer Tischlerei“, meinte ich und studierte nochmals die Wanderkarte. „Wir hätten nicht runtergehen sollen, sondern rauf“, stellte Gregi fest und wir machten kehrt. Einen Wegweiser für die Tischlerei fanden wir aber auch bergauf nicht. Allerdings ein Schild, auf dem „Bestattung“ stand. „Biegen wir hier ein! Laut Karte könnte das eventuell unser Weg sein“, überlegte ich und schon kamen wir am Sportplatz vorbei. „Die Bestattung heißt Luttenberger und sieht irgendwie noch wie eine Tischlerei aus. Wir sind richtig. Glaubst du, erzeugen sie hier Särge?“, wollte ich wissen. Gregi zuckte nur mit den Schultern und beobachtete interessiert die Gegend. „Rechts, die Geländestufe ist interessant. Hier gibt es sicherlich Vögel“, meinte er nur und zückte sein Fernglas. Beim Wegkreuz Kölldorf bogen wir rechts ab und kamen zur oberen Kante der Geländestufe. Begeistert guckten wir in Richtung Hochstraden mit der Aussichtswarte. Neben der Straße gab es eine Plantage mit knorrigen, urigen Holunderbäumen, dann kamen wir zu einer Wanderwegkreuzung. Unser Weg führte am Waldrand die Straße entlang weiter, ein Bauernhaus, dann ein Hohlweg mit Birken auf der linken und rechten Seite. Hier gab es definitiv sehr viele, sehr aktive Vögel. Sie flogen förmlich vor unseren Nasen hin und her und Gregi war nicht mehr zum Weitergehen zu bewegen. Gut, wenn das so war, dann konnte ich wohl auch einige Fotos machen. Ein Kleiber hatte es mir angetan. Ganz energisch klopfte er an der Rinde der Birke herum – und sah ich richtig? Hatte dieses Vögelchen hier etwa gar Sonnenblumenkerne versteckt?

Irgendwann war es selbst meinem emsigen Kleiber zu blöd geworden, er flog einige Bäume weiter und für uns war es nun auch wieder an der Zeit, unseres Weges zu gehen. Wir überquerten die Bundesstraße und hielten auf die Buschenschank Puff zu. Ein hübsches altes Bauernhaus mit grünen Balken und vielen geschnitzten Holzverzierungen. Leider war die Buschenschank geschlossen. Aber wir nahmen uns fest vor, in der warmen Jahreszeit wiederzukommen. Hier, auf den Tischen unter dem riesigen alten Baum, müsste es an einem lauen Sommerabend herrlich sein.

Wir stapften weiter. Ja, stapften. Der Weg war wohl vor Kurzem aufgegraben worden. Unsere Wanderschuhe waren gänzlich mit Lehm eingesaut. Wir erreichten einen Handymast, Gregi kam bereits daher, als ob er Plateauschuhe anhätte. Am Waldrand gab es ein Bankerl, die Gelegenheit, um das Profil unserer Schuhe wieder zu säubern. Eine wunderbare Aussicht genossen wir hier.

Der weitere Weg war äußerst idyllisch, schlängelte sich am Hang entlang – schon sahen wir den Turm der Pfarrkirche zum heiligen Nikolaus aus dem Boden wachsen. Hoch und schmal wirkte er mit seinem spitzen Dach. Der Kirchenvorplatz ist ein besonderer Ort und lädt zum Verweilen und Schauen ein. Gregi schaute auch – aber durch ein Fernrohr. Ein fix montiertes Fernrohr. Die zweite Station des Geotrail Kapfenstein. Die Vergangenheit des Stradner Vulkans sollte man durch diese Installation sehen. Vor zwei Millionen Jahren war es in dieser Gegend nicht so beschaulich und gemütlich gewesen. Mehr als 40 Vulkane sollen im Vulkanland ausgebrochen sein. Der Kapfenberger Vulkan selbst hatte zahlreiche Eruptionen. Das glühend heiße Magma traf auf das Grundwasser, es kam zu Dampfexplosionen. Asche wurde kilometerhoch in die Luft geschleudert, aus ihr bildete sich später das Tuffgestein. Im Gegensatz zum Basalt, der aus der ehemaligen Lavaglut entstand. Und aus ganz, ganz weit unten – um genauer zu sein, aus 60 km Tiefe – stammt ein besonderer Stein. Der Olivin. Ein hübsches, hellgrünes Mineral. Arthur Winkler-Hermaden war Geologe, seine Nachkommen (die Besitzer des Schlosses und des Weingutes) schätzen die Steine wohl auch. Insbesondere den Olivin – sie haben ihren besten Wein danach benannt.

Doch weiter zum Geotrail. Aus elf Stationen besteht dieser besondere Lehrpfad und drei Fernrohre bietet er, die einen Blick in die Vergangenheit gewähren sollen. Wir folgten dem Geotrail weiter, eine alte Treppe hinauf (ein toller Blick auf das Schloss), an einem ehemaligen Steinbruch entlang (Gesteinsschichten – waagrecht und schräg, richtig kurios). Wir sahen in die Wipfel der hoch aufgeschossenen Bäume – fast wie auf einem Baumwipfelpfad. Und wieder ein Kleiber. Gregi war hin und weg. Große Teile des Weges sind mit einem Geländer gesichert. Der Kapfensteiner Kogel ist zwar nur 461 Meter hoch, doch extrem steil. Angreifer hatten es hier sicherlich sehr schwer. Das wusste man auch schon in früheren Zeiten. Man fand Besiedelungsspuren aus der Jungsteinzeit und Keramik von einer urnenfelderzeitlichen Höhensiedlung. Im 12. Jahrhundert hatten die Herren von Kapfenstein auf dem Kogel eine kleine Grenzfestung gebaut. Diese war leider 1238 vom Heer des Ungarnkönigs Béla zerstört worden.

Auf dem Kogel hatte es auch eine Hauptkreidfeuerstelle gegeben. Weit sichtbar musste das Feuer (in der Nacht) oder der Rauch (am Tag) sein. Es warnte die Bevölkerung vor Gefahren. Doch nicht nur als Kreidfeuerstelle diente der Kogel. Kapfenstein war offensichtlich auch ein Beobachtungspunkt gewesen. Daher auch der Name „Kapfenstein“. Das mittelhochdeutsche Wort „kaphen“ bedeutet so viel wie „gaffen“ oder „spähen“. Und das war in dieser gefährlichen „Ecke“, wo immer wieder feindliche Heere einfielen, sehr wichtig gewesen.

Auf der Kuppe des Kogels steht die „Herz-Jesu-Kapelle“ aus dem 18. Jahrhundert. Hübsch ist sie mit den grauen Holzschindeln. Hier hatte es früher eine heidische Kultstätte gegeben. Von der Kultstätte konnte ich nichts mehr entdecken, dafür fand ich das Grab der Gräfin Adolfine von Mariassy, die mit nur 28 Jahren gestorben war. Recht eben ging es in Richtung Schloss, ein interessanter Wegabschnitt lag noch vor uns. Treppen führten einen ehemaligen Steinbruch bergab und wir erreichten wieder die Straße. Dieser folgten wir zurück bis zum Gemeindeamt. Die Wanderung ist mit 6 km nicht unbedingt lang, aber sehr erlebnisreich und interessant.

ERLebenspfad Unterlamm / Magland

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

ERLebenspfad Unterlamm

3,08 km

77 HM

0:55 h

ERLebenspfad Magland

5,5 km

65 HM1:30 h

Feiertage sind geschenkte Freizeit. Diese kostbare Zeitgeschenke wollen wir mit schönen Erlebnissen füllen. Zu Ostern hatten wir den ERLebenspfad Oberlamm erkundet und waren sehr begeistert. Daher beschlossen wir, den Fronleichnamstag wieder nach Unterlamm zu fahren – zwei ERLebenspfade kannten wir noch nicht. Da am Nachmittag Regen prognostiziert war, fuhren wir schon in der Früh los. Als erstes wollten wir den kürzeren ERLebenspfad Unterlamm ansehen. Das Auto kann man im Zentrum von Unterlamm parken, bei der Wandertafel gibt es auch gratis Wanderkarten zum Mitnehmen.

Die Kirche Unterlamm kann mit einer Besonderheit aufwarten: die Nachbildung der Mariengrotte von Lourdes. Sie wurde im Jahre 2006 auf Initiative des damaligen Pfarrers von Unterlamm, Franz Brei, gebaut. Pfarrer Franz Brei ist ein talentierter und musikalischer Mensch. Bekannt wurde er 2009, als er beim Grand Prix der Volksmusik teilnahm und den respektablen 3. Platz erreichte.

In der Monstranz der Lourdsgrotte soll sich eine Reliquie der Heiligen Bernadette befinden. Doch Unterlamm kann noch mit weiteren Reliquien aufwarten: eine von der Diözese Bamberg und eine von der Diözese Regensburg. Beide befinden sich noch nicht allzu lange in Unterlamm. Ich muss gestehen, dass mich tote Knochen wenig begeistern, und mit dem Reliquienkult kann ich wenig anfangen. Ich schätze mehr die Natur und die Tiere, die man dort entdecken kann.

Daher zog es mich den Hügel hinauf, wo sich bei den früchtetragenden Kirschbäumen das pralle Leben entfaltete. Da fühlte ich mich schon eher wohl, genau wie die Stiglize, Stare, Amseln und Spatzen. Besonders ein Jungstar (Vogel, kein Künstler) hatte es mir angetan. Er saß auf einem Hausdach und versuchte, mit seinen starken, bereits mit wunderbaren Federn ausgestatteten Flügeln wie ein Kücken zu fächeln und nach Futter zu betteln. Etwas weiter entfernt saß ein Elternteil (gleich groß wie er selbst) und blickte ihn ungläubig an.

Der Weg führte weiter bergauf zu den Naturschutzwiesen Vorderberg und zur Aussichtswarte. Die Artenvielfalt auf diesen Wiesen war herrlich. Die Schmetterlinge waren emsig unterwegs, und Gregi war ganz außer sich. „Ein Wiesenvögelchen mit zwei Punken auf dem Unterflügel“, schwärmte er. Ich kam zuerst gar nicht richtig mit. Gut, ich hatte im Gras auch einige Vögelchen fotografiert, die auf einem Halm saßen. Doch was um alles in der Welt meinte er mit Punkten? Okay, ein Schmetterling also, der Wiesenvögelchen genannt wird. Nur das die Wiesenvögelchen eigentlich keine Punkte am Unterflügel hätten – seiner aber schon – erfuhr ich von Gregi.

Von der Aussichtswarte hat man einen tollen Blick auf die Riegersburg, unter der Aussichtswarte stehen bequeme Liegen … ein idealer Platz für ein Picknick. Die nächste Wegstrecke verlief wie durch einen finsteren Tunnel – ein kleiner, schattiger Wald. Danach kamen wieder Hecken und Wiesen mit ganz vielen Schmetterlingen und Vögeln. Schwalben schwirrten wie Pfeile durch die Luft, in einer Geschwindigkeit, dass man sie unmöglich ablichten konnte. Sie sind meines Erachtens die größten Flugkünstler.

Bei unserer letzten Wanderung in dieser Gegend stellte ich fest, dass Unterlamm das Osterhasenland sei. Bei dieser Wanderung wurde meine Annahme bestätigt. Als ich ins Tal hinuntersah, erblickte ich auf einem Feld vier riesige Feldhasen, die miteinander abfangen spielten. Hasen sind schon urige Tiere. Gehen sie nur ein kleines Stückchen, machen sie fast einen Katzenbuckel und strecken die Beinchen hoch auf … bei größerer Geschwindigkeit schnellen die starken Beine nach hinten, während der Körper recht tief am Boden ist (wie ein tiefgelegter Ferrari).

Den Hügel ging es auf einem schmalen Asphaltstreifen hinab, dann kamen wieder herrliche Wiesen. Ein Perlfalter war gutmütig und ließ sich fotografieren. Ein Neuntöterweibchen mit einer Spinne im Schnabel hielt ebenso still. Plötzlich begannen die Glocken zu läuten – es war ein derartiger Lärm, den selbst ein Flughafen kaum übertreffen konnte. Das war der Zeitpunkt, in dem mir die Bewohner von Unterlamm etwas leidtaten.

Als wir wieder ins Dorf kamen, war es bereits Mittag, und wir waren schon etwas hungrig. Zum Glück fanden wir einen ganz tollen, schattigen Gastgarten. Beim Mittagessen konnten wir die Trachtenkapelle, den Pfarrer, die Feuerwehr, den Kameradschaftsbund sowie die Pfarrbevölkerung beobachten, die am Fronleichnamsumzug teilnahmen.

Frisch gestärkt traten wir nun den ERLebnispfad Magland an. Zuerst mussten wir der Straße ein kurzes Stück aus dem Ort hinaus folgen, und dann kam das erste Highlight: ein Fünfsterne-Insektenhotel. Danach kamen wir zur Naturteichanlage. Auf einem Schild las ich mit Verwunderung, dass Erdkröten bis zu zwölf Jahre werden könnten. Gregi fotografierte indessen einen hübschen Wasserfrosch. Eine kecke Mücke hatte es sich hinter den Nasenlöchern des Frosches bequem gemacht. Zwischen den Seerosen entdeckten wir eine Sumpfschildkröte. Rund um die Teiche war ein keltischer Baumkalender angelegt, riesige Spiegelkarpfen drängten sich im Uferbereich in der Hoffnung, gutes Fischfutter zu bekommen.

Die einzige Stelle des Wanderweges, an der die Beschilderung nicht eindeutig war, war am oberen Ende der Teichanlagen. Bitte links die Straße bergauf gehen. Im Wald wurden wir von einem Eichelhäher beobachtet. Mit seinen hellblauen, klugen Augen beäugte er uns kritisch, kam schließlich zum Schluss, dass wir harmlose Zeitgenossen seien, und ließ sich letztendlich sogar fotografieren. Im weiteren Verlauf der Wanderung sahen wir auch einen Gartenrotschwanz und einen „Schwammerlsucher“, dessen Ausbeute nicht allzu üppig war.

Im Ortsteil Magland gab es dann richtig viele Vögelchen. Neben den Schwalben und Spatzen sahen wir einen Truthahn, der unter dem Eskimo-Sonnenschirm einen Balztanz aufführte. Besonders hübsche, wuschelige große Hühner scharrten unter Obstbäumen, sogar eine Gänseweide gab es in Magland.

Beim Zurückgehen marschierten wir wieder durch wunderbare Wiesen. Jetzt muss ich mal ein großes Lob aussprechen: der Wanderweg ist sehr gepflegt, und durch die Wiesen sind schmale Streifen für Wanderer ausgemäht. Eine Tafel wies uns darauf hin, dass der Naturschutzbund in dieser Gegend bei einer Biokartierung eine Orchideenwiese gefunden hatte, wo 24 geschützte Blumenarten wuchsen. Den Standort dieser Wiese würde man (was ich nachvollziehen kann) nicht verraten. Das letzte Wegstück zurück zum Ort führte uns entlang des Baches.

Wir können diese Wanderungen mit besten Gewissen weiterempfehlen. Selten haben wir so eine große Artenvielfalt gesehen. Die herrlichen, belebten Wiesen, die vielen Kirschbäume, die Naturteichanlage … wir hoffen, dass dieses wunderbare Stückchen Natur noch lange erhalten bleibt.

„Brodlsulzweg“ – Sankt Anna/Aigen

Distanz

7,8 km

Höhenmeter

180 HM

Dauer

3 h

 

Start:

Sankt Anna 

 

Ortsteil Plesch

Sankt Anna ist ein magisch schöner Ort. Etliche lohnenswerte Wanderungen kann man von Sankt Anna aus starten. An einem prächtigen Maisonntag machten wir uns wieder auf den Weg in den Süden, um die hübsche Weinbaugemeinde zu besuchen.

Den Weinweg der Sinne kannten wir schon. Er ist wunderschön und hatte berechtigterweise bei der Sendung „9 Plätze – 9 Schätze“ im Jahr 2016 einen Stockerlplatz erhalten. Doch wir wollten etwas Neues entdecken. Die Brodlsulz – entschied ich. Diese hatten wir zwar auch schon mal vor über einem Jahrzehnt gesehen (als Geocache-Punkt) – doch der Brodlsulzweg war für uns Neuland. Also fuhren wir in Richtung Sankt Anna – um genau zu sein, zum Ort Plesch. Wir sahen eine große Wiese, die gemäht war, dort standen viele Parkplatzzeichen. „So ein riesiger Wandererparkplatz“, freute ich mich. „Bisschen euphorisch sind die schon, bis jetzt sind wir die einzigen Wanderer“, meinte ich, als unser Auto so allein auf der Wiese stand.

Wir gingen den Weg bergab, dann folgten wir dem Wegweiser „Buschenschank Scharl“. Wir erreichten eine Holunderplantage und einen wunderbaren Aussichtspunkt auf Sankt Anna und auf die Kapelle von Schemming. Ein Falke schwebte hoch über unseren Köpfen, wir folgten dem Weg weiter und erreichten einen recht naturbelassenen Weingarten. Gras wuchs hoch zwischen den Reben, Schmetterlinge waren unterwegs, nur dass sich diese luftigen Gesellen nicht fotografieren lassen wollten. Sie spielten: Alles flattert – niemand sitzt. Wir gaben den Versuch auf, einigermaßen brauchbare Fotos zu bekommen, und stiegen den Hang bergauf, ein hübsches Bankerl (wieder mit herrlicher Aussicht), dann führte uns der Weg direkt entlang der Weinreben zu einer weiteren Holunderplantage.

Der Hollerbusch ist durch und durch positiv. Er steht für Schutz und Segen – vielleicht wurde er auch als heilig angesehen („holy“ heißt ja heilig). Ein Hollerbusch beschützt das Tor zur Anderswelt, er wird von guten Geistern bewohnt. Jeder Hof sollte seinen eigenen Hollerbusch haben – eine Forderung, die Sinn macht, wenn man um die Heilkraft des Holunders weiß. Entzündungshemmend, schmerzlindernd und fiebersenkend ist seine Wirkung, er hat einen positiven Einfluss auf Herz und Kreislauf, verbessert den Sauerstofftransport im Blut und hilft dabei, Stress abzubauen. Sogar im Harry-Potter-Universum wird der Holunder besonders geehrt. Der „Elder-Zauberstab“ (Elder = Holunder) ist der mächtigste Zauberstab – und er gehörte natürlich Albus Dumbledore.

Doch zurück vom Reich der Fantasie zu unserer reellen Naturwanderung, die nicht minder erlebnisreich war. Im Wald wurde Gregi ganz hellhörig. „Hörst du die jungen Spechte betteln?“, erkundigte er sich und beäugte die Bäume in der Umgebung. Tatsächlich, ein dürrer Baumstamm mit mehreren Spechtlöchern, und jetzt hörte ich ihn auch, den Spechtkinderchor. Da ich annahm, dass die Spechtmutter sicherlich nicht zur Bruthöhle fliegen würde, solange wir hier beobachtend stünden, zog ich den maulenden Gregi weiter.

Im Mai durch einen Laubwald zu gehen ist ein reines Vergnügen für Nase, Auge und Ohren. Die Blüten der wild wuchernden Holunderbüsche riechen nach wie vor am besten, die Vögel sind quietschfidel, alles ist in diesem herrlich hellen Grün. Wir erreichten den Waldrand und ich schlug vor, uns auf ein Bankerl zu setzen und zu jausnen. Gregi war natürlich sofort einverstanden, was nicht nur daran lag, dass er immer damit einverstanden ist, wenn es was zu Essen gibt – nein, diesmal hatte er noch einen zweiten Grund (den er mir vorerst wohlweislich verheimlichte). Was ich – im Gegensatz zu ihm – nicht mitbekommen hatte, war, dass hoch über unseren Köpfen Familie Kleiber nistete. Hätte ich das gewusst, wäre ich bestimmt nicht so dreist gewesen, mich direkt darunter auf ein Bankerl zu setzen. Erst als Gregi sein Jausenbrot freiwillig weglegte und nach dem großen Teleobjektiv griff, checkte ich, was sich hier abspielte.

Zur Brodlsulz führt eine Treppe hinab, im Bach blubbert es ein bisschen, daneben, in einem gemauerten Becken, brodelt es so richtig. Die einzige echte Mofette in Österreich. Die Brodlsulz erzählt von der vergangenen vulkanischen Aktivität in dieser Gegend. Gas steigt durch Gesteinsklüfte und Risse an die Oberfläche und bringt das Wasser zum Wallen. In diesen natürlichen Whirlpool zu steigen wäre allerdings sehr leichtsinnig. Der CO2-Gasgehalt ist hier sehr hoch – und forderte/fordert immer wieder Todesopfer. Als wir vor dem sprudelnden Becken standen, entdeckten wir einen toten Laubfrosch. 1904 war hier ein Gendarm ums Leben gekommen. Irgendwie war ich froh, als ich die Treppen bergauf stieg und den Wald mit diesem unheimlichen Ort verlassen konnte.

Kurz ging es eine Asphaltstraße bergan (Achtung, die Wegweiser, die beim Waldrand stehen und nach rechts hinunterzeigen, betreffen eine andere Wanderung). Wir mussten eine kleine Strecke durch den Wald, dann links abbiegen, dann nochmals links – und wir hatten den höchsten Punkt unserer Wanderung erreicht. Ein Hochwasserbehälter mit einem traumhaften Ausblick auf den Königsberg. Weit dahinter (ich nehme an, in Slowenien) eine blaue Silhouette eines Tafelberges. Es ging bergab durch Klapping … an Häusern, Labestationen, Weinhöfen und Buschenschenken vorbei. „Die Landschaft trägt hier Streifen“, meinte ich, als ich die Reihen von Wein, Holunder und sogar von Johannisbeeren auf dem Gegenhang entdeckte. Klapping ist weitaus älter als Sankt Anna. Es wurde bereits 1318 als Chlaeppen erwähnt. Auch Risola wurde 1322 als „Rizzilach“ erwähnt. Sankt Anna selbst ist seit circa 400 Jahren besiedelt.

In der Nähe von Klapping-Mühle sollte es eine starke Quelle gegeben haben, mit warmem heilkräftigem Wasser, welches auch im Winter nicht einfror. Die „Warme Wäsche“ wurde sie genannt. Eine Sage handelt auch von einer Stadt, die einst im Pleschbachtal gestanden haben und im Boden versunken sein sollte. Im Pleschbachtal gibt es nicht viele ebene Stellen – ich sehe eigentlich nur eine relativ kleine. Ob dies die Stelle der versunkenen Stadt sein sollte? Heute ist sie jedenfalls ein Fußballfeld.

Bei der Labestation Anne Grießbacher machten wir eine Pause und plauderten recht angeregt mit der Seniorbäuerin. „Heute wird im Plesch ein Kellerstöckl eröffnet – es gibt dort ein großes Fest“, erklärte sie, als gerade sehr viele Vespas an uns vorbeibrausten.

„Ich glaube, wir parken doch auf keinem Wandererparkplatz“, erklärte ich Gregi, als wir weiter den Hügel nach oben gingen. „Ein Fest zur Eröffnung eines Kellerstöckls – na, mir ist die Wiese ohnehin zu groß für einen Wandererparkplatz vorgekommen.“ Wir kamen wieder zum Waldrand, wo wir den Parasol entdeckt hatten, und kehrten nun den bereits bekannten Weg zurück. Wir hatten einen tollen Blick auf das Geschehen auf dem gegenüberliegenden Hügel – ein Kellerstöckl, viele Sonnenschirme, noch mehr Gäste, und fast alle Fahrzeuge parkten entlang der Zufahrtsstraße.

„Vielleicht ist das hier doch der Wandererparkplatz“, bemerkte ich, als ich sah, dass außer unserem Auto nur noch zwei weitere auf der großen Wiese standen. „Egal“, meinte Gregi und startete unseren fahrbaren Untersatz. „Jetzt haben wir uns das Eis verdient! Ab nach Sankt Anna, zur Eisdiele.“

„K13 murauen.weg“ – Halbenrain

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

13 km

div. Abkürzungs-möglichkeiten

8 HM

4 h

Start:

Halbenrain

Bahnhof  

Anfang März zieht es uns immer in den Süden. Diesmal fuhren wir nach Halbenrain, um den Wanderweg K13 murauen.weg zu entdecken. Sonntags war der Parkplatz vor dem Gemeindeamt leer, also starteten wir unsere Wanderung hier, marschierten beim Gasthof-Restaurant Wagner vorbei und bogen gleich hinter den Schienen in den Feldweg ein. Die ersten Schmetterlinge waren zu sehen – Zitronenfalter und Kleiner Fuchs. Brettleben ist die Gegend, schnurgerade verläuft die Eisenbahnschiene durch die Felder. Sieht man nach rechts, kann man in einiger Entfernung die Weinhügel von Klöch oder Tieschen entdecken. Riesige Basaltfelsen mit kleinen Tafeln dienen als Wegweiser. Nach einer kurzen Wegstrecke kamen wir zu einem hübschen und farbenfrohen Bildstock. Nun mussten wir die Bundesstraße überqueren und … oh, es ist doch nicht ganz so eben, wie ich es mir vorhin noch gedacht hatte. Wieder einmal eine Geländekante – so wie wir sie schon in anderen Orten in der Nähe der Mur entdeckt hatten.

Der Bildstock vorhin war schon recht farbenfroh und freundlich, aber trotzdem nichts im Vergleich zur Fantasiewand des Sepp-Hofer-Platzes. Es war ein richtiges Vergnügen, diese besonders fröhlichen Graffiti anzusehen. Ebenso anregend war es, den munteren steinigen Bach zu betrachten, der an dieser Stelle eine 90-Grad-Wendung macht, kurzfristig mal als Kneippanlage dient, bevor er eine mit Osterhasen bevölkerte kleine Insel umspült. Hier gibt es Insektenhotels, geschnitzte Kunstwerke, einen Rennboliden aus Holz und das Mobil von Fred Feuerstein. Und darin saß Gregi bereits und krakeelte: „Wilma!“ Ich tat so, als ob ich ihn nicht kannte, nahm auf einer Bank Platz und holte meine Trinkflasche heraus. „Fred Feuerstein“ mutierte wieder zu Gregi, schnappte sich auch seinen Rucksack und untersuchte ihn auf die mitgebrachten kulinarischen Schätze.

Die weitere Wegstrecke verlief besonders bezaubernd neben dem Bach. Krokusse blühten auf der Wiese, Frühlingsknotenblumen waren zu sehen und – man sollte es nicht fassen – auch schon Veilchen. Auf dieser Wanderung entdeckten wir besonders viele Blumen: Schneeglöckchen, Winterlinge, Waldgelbstern, grüner Nieswurz, Lungenkraut und hohler Lerchensporn. Es wäre ein tolles Fotoshooting für Blümchen gewesen, hätte uns der starke Wind nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht. Unsere Versuche, ein scharfes Blumenportrait zu knipsen, waren vergebens – und Frühlingsknotenblumen mit „Sportmodus“ abzulichten war uns dann doch zu blöd. Also marschierten wir weiter.

Besonders ungemütlich stark und kalt zeigte sich Blasius auf dem Murdamm und wir waren richtig froh, dass der Feldweg uns rechts nach unten und an einer Baumreihe entlangführte. Vier Rehe beobachteten uns kritisch. „Die beraten sich, ob sie noch weiter vor uns fliehen sollen“, überlegte ich. Offensichtlich kamen sie zum Schluss, dass wir harmlos waren. Bunte Kleidung heißt bei Rehen: „keine Jäger“. Also warteten sie gelassen ab und beobachteten uns weiterhin. In der Ferne sahen wir das stolze Schloss Oberradkersburg.

Unaufhörlich näherten wir uns der Mur und dem zweitgrößten geschlossenen Auwald in Österreich. Traurig sah es in diesem Biosphärenreservat aus, nachdem im Vorjahr der Sturm gewütet hatte. Viele Bäume wurden leider entwurzelt. Doch unter den liegenden Baumstämmen, da tat sich was. Schneeglöckchen wucherten und auch die zarten Blätter des Bärlauchs. Ganz grün war der Waldboden. Ein Tagpfauenauge kreuzte unseren Weg. Idyllisch war das Wegerl zur „Jagdhütte“. Links und rechts standen die Schneeglöckchen Spalier, dann (vielleicht weniger idyllisch, aber äußerst nützlich) ein Plumpsklo. Die „Jagdhütte“ ist eine Selbstbedienungshütte mit einer Kassa des Vertrauens. Radfahrer und andere Wanderer rasteten hier und zeigten uns ganz stolz den „Erdkeller“ des Lokals – zwei Betonröhren mit Deckeln. In einer stand eine Kiste mit Bier, in der anderen eine mit Limonaden.

Hier hätten wir eine Abkürzung zurück nach Halbenrain nehmen können. Taten wir zum Glück aber nicht. Heldenhaft dem Wind trotzend, folgten wir noch einem romantischen Wasserlauf, querten eine Brücke und kamen wieder auf den zugigen Murdamm. Durch den Wind gab es ganz besonders hübsche Wolkenformationen – pittoresk ist auch der Ausblick auf Straden – und besonders begeistert waren wir vom Anblick der beiden Störche, die hinter einem pflügenden Traktor auf Futtersuche gingen. Ihre Bewegungen waren beinahe synchron.

Inzwischen waren auch wir schon recht hungrig, also verließen wir den Damm und marschierten zielstrebig auf Dietzen zu. Ein Lokal würde es hier geben – ein geschlossenes, wie wir feststellten. Inzwischen bummelten wir nicht mehr in der Gegend herum, wild entschlossen hielten wir auf Halbenrain zu, wo es verheißungsvolle Gaststätten geben sollte.

Vor uns lag das Schloss Halbenrain, das im Laufe der Jahrhunderte sehr interessante Bewohner hatte. Erstmalig war Halbenrain 1244 urkundlich erwähnt worden. Zuerst hatte es hier eine Burg gegeben, die von Herzog Friedrich II. an seinen „Finanzminister“ namens Witigo und seinen Bruder Rüdiger übergeben worden war. Der Finanzminister war wohl nicht allzu beliebt, er wurde ermordet. Sein Bruder Rüdiger starb kinderlos und die Burg ging an den Burggrafen von Radkersburg. Dann folgte eine sehr turbulente Zeit, es gab sehr viele Überfälle und Plünderungen, bis eine tatkräftige Dame dieses Treiben beendete. Ursula von Emmersberg war die Besitzerin von Halbenrain und sie beantragte die „Hohe Gerichtsbarkeit“. 1452 wurde diese vom Kaiser bewilligt. Ich will mir nicht vorstellen, auf welche Weise man dazumal für „Ruhe“ sorgte – die „Hohe Gerichtsbarkeit“ erlaubte leider auch die Todesstrafe. Als Dank dafür, dass sie auf diese blutige Art für Recht und Ordnung sorgen konnte, vermachte Ursula von Emmersberg nach ihrem Tod die Burg dem Kaiser. Oder aber auch weil sie ihren Stiefsohn nicht leiden konnte, welcher sich erhofft hatte, an ihren Besitz zu kommen. Daraus wurde nichts. Der Kaiser war ein recht mächtiger Gegner, gegen den man kaum was ausrichten konnte, und das wusste Ursula sehr wohl.

Irgendwann im 17. Jahrhundert war die Burg dann zum Schloss umgebaut worden, ab 1724 war es in den Besitz der Familie Stürgkh gekommen. 1916 wurde der Schlossherr und k. u. k. Ministerpräsident, Karl Maria von Stürgkh, im Speisesaal des Hotels Meissl erschossen. Heute geht es im Schloss Halbenrain wesentlich friedlicher zu. Seit 1980 ist es im Besitz des Landes und dient als Schule (Fachschule für Land- und Ernährungswirtschaft).

Hübsch ist die Gartenansicht des Barockschlosses. Eine doppelläufige Treppe führt vom Park aus auf eine große Terrasse. Alte riesige Bäume wachsen im Park, dazwischen leuchten die weißen Köpfchen der Frühlingsknotenblumen. Architektonisch interessant ist auch der alte Kornspeicher des Schlosses und der Kräutergarten sollte sehenswert sein. Doch Anfang März würden wir darin kaum viel entdecken können, meinten wir. Das Magenknurren war auch nicht mehr zu überhören. Also beschlossen wir, ein Restaurant aufzusuchen – da war doch in der Nähe des Autos das Gasthaus Wagner. Wir waren natürlich zu spät. Also Plan B – Dorfschenke Pölzl. Diese Gaststätte sieht sehr schlicht aus, jedoch standen einige Autos auf dem Parkplatz. Wir betraten einen schummrigen Gang, standen vor der Tür der Gaststube und überlegten uns ernsthaft, ob es wirklich ratsam sei, hier einzukehren. Zum Glück siegte der Hunger und mutig stellten wir uns den kulinarischen Genüssen. Eine hervorragende vegetarische Salatschüssel mit sehr guten Käferbohnen, fein geschnittenem Chinakohl, knackigen Gurken und schmackhaften Tomaten. Darüber Frischkäse und Kernöl … zum Reinlegen. Und die Nachspeise erst! Gregi hat eine extrem gute Nusspotize bekommen und meine Straube war auch sehr, sehr lecker. Ein würdiger Abschluss eines wunderbaren Wandertages.

„ERLebenspfad Oberlamm“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

9,5 km

164 HM

2:35 h

Start:

Unterlamm Dorf

   

„Unterlamm ist die Heimat des Osterhasen“, behaupte ich. Wie ich auf diese Idee komme? Wir haben es gesehen und erlebt. Am Ostermontag (der Himmel war stark eingetrübt durch den Saharastaub) machten wir eine Wanderung im besagten Ort. Wir parkten vor dem Haus der Jugend und marschierten in Richtung Oberlamm. Kaum hatten wir den Ort verlassen, entdeckten wir ganz muntere gelbe Gesellen. Fröhlich hüpften sie in der Wiese herum, die Augen leuchteten förmlich – unsere auch. Goldammer sind selten – und hier gab es gleich mehrere! Es hätte einen Beobachtungsstand gegeben, doch direkt vom Weg aus konnten wir sie besser fotografieren.

Das nächste Highlight der Wanderung wartete in Oberlamm auf uns. Eine 300 Jahre alte Schwarzpappel. Sie sollte die mächtigste Schwarzpappel in Österreich sein. Normalerweise werden diese Pappeln nur 100 Jahre alt, doch offensichtlich steht dieser Baum an einem ganz besonderen Ort und die Oberlammer lassen sich nicht lumpen und haben einen Baumchirurgen engagiert, um diesem einzigartigen „Methusalem“ noch ein langes Leben zu ermöglichen. Zudem haben sie viele Stecklinge/Klone von diesem Baum gesetzt. Für die nächste Generation von hoffentlich auch so gesunden Schwarzpappeln wurde also gesorgt.

Vorbei ging es an echten Schlüsselblumen, echte Freilandhühner scharrten neben der Gemeindestraße im Straßengraben, dann kam der Anstieg zur Josefskapelle. Hier kamen wir einfach nicht weiter, was weniger am steilen Weg als vielmehr an den märchenhaften Fotomotiven lag. Blühende alte Obstbäume – eine Streuobstwiese, die ihresgleichen sucht. Alte Apfelsorten sollten hier wachsen sowie Kirschen und Walnüsse. Dazwischen ein idyllisches Kellerstöckel. Wir entdeckten Wildbienen – auch die Grillen schienen sich hier richtig wohlzufühlen. Die Josefskapelle war erst 2010 gebaut worden und passt wunderbar in die Landschaft. Freundlich wirkt sie mit ihren zwei Türmen. Wir saßen eine Weile neben der Kapelle und sahen hinunter ins Tal. Der Himmel hatte eine gelbliche Färbung vom Saharastaub und der Wind wurde immer stärker.

Am Ostermontag brachen wir die Wanderung ab, als der Wanderweg schließlich in den Wald abbog. Die Windböen waren inzwischen so stark, dass wir nicht riskieren wollten, durch den Wald zu gehen. „Zurück gehen wir auf der Gemeindestraße, sicher ist sicher“, entschlossen wir. Und das war auch gut so. Auf diese Weise sahen wir noch einen Mittelspecht sowie einen Aurorafalter. Von der Gemeindestraße aus. Die Natur in Unterlamm scheint echt noch intakt zu sein.

Auf der Suche nach einem geöffneten Lokal kamen wir am Gemeindeamt vorbei – und jetzt sah ich ihn, den Osterhasen. Er stieg gerade aus dem Auto aus, den großen Plüschkopf im Arm. Das war unser erstes Hasenerlebnis. Im Gasthaus rätselten die Kellnerinnen sowie die heimischen Gäste, wer in diesem Jahr den Osterhasen für die Kinder gab. „Betreutes Trinken“, versprach das Schild beim Eingang des Gastronomiebetriebs. Hier trafen sich die Nachbarn und tauschten sich aus.

Eine Woche später wollten wir nun den Rest der Wanderroute erkunden. Wir parkten gleich bei der Josefskapelle, gingen kurz die Asphaltstraße entlang und bogen dann in den hübschen Buchenwald ein. Und wir wussten gleich gar nicht, wohin wir sehen sollten. Auf dem Baum gab es einen Baumläufer, auch ein Buntspecht hämmerte fröhlich. Am Boden wuchsen Waldmeister, Lungenkraut und Milzkraut … und dann flatterten noch überall Schmetterlinge!!! Was für eine Freude! Auf einige Bäume waren rote Pfeile gesprüht, die wir nicht näher beachteten. Und so kam es, dass wir unseren Wanderweg verloren. Als wir auf der schmalen Gemeindestraße landeten, besahen wir die Wanderkarte. „Wir sind falsch“, bemerkte ich. „Nein, da vorne, da müssen wir runter“, behauptete Gregi. Also gingen wir „dort hinunter“, marschierten durch einen herrlichen Wald. „Wo weiter?“, erkundigte ich mich und überlegte, welchen der drei Wege ohne Markierung wir nun nehmen sollten. Weiter runter, sagte Gregi unbeirrt und blieb schon wieder einmal zurück, weil er einen Schmetterling entdeckt hatte. Einen Kleinen Feuerfalter. Wäre er mit mir gegangen, hätte er den echten Osterhasen gesehen. Er hoppelte einen Waldweg entlang und verschwand binnen kürzester Zeit.

Schließlich kamen wir am Talgrund an, der Lehensbach floss neben uns und ich bemerkte: „Wir sind falsch, wir müssten eigentlich auf der anderen Seite des Baches gehen. Am besten, wir folgen dem Bach in Fließrichtung.“ Also schritten wir die Forststraße entlang … und sahen ihn wieder, den Osterhasen. Diesmal schlug er Haken, als er uns bemerkte, und verschwand wieder. Wir blickten ihm nach und erschraken ganz ordentlich, als plötzlich ganz in unserer Nähe der nächste Hase hochsprang und den Hügel hinauflief. „Wir sind im Osterhasenland!“

Einige Meter weiter entdeckten wir endlich unsere Wandermarkierung sowie die Infotafel „Ursprung des Lehensbaches“. Wir wechselten nun auch ganz brav die Bachseite, bewunderten den „Hallen-Buchenwald“. 30 bis 35 Meter sollten die Buchen hier hoch sein und im Sommer für eine dichte Beschattung sorgen. Hier fühlt sich der Feuersalamander wohl und auch die Riesenquelljungfer. Nein, das ist jetzt keine Sagenfigur, sondern eine seltene Libellenart. Sie gehört zu den größten Libellen, die in Österreich leben. Man nimmt an, dass die Entwicklung bis zu fünf Jahre dauert, bis die Libelle flugfähig ist.

Wieder ging es bergauf und Gregi war plötzlich außer sich. „Ich höre einen Wiedehopf“, meinte er begeistert, als wir den Hohlweg hinauf zum Grad des Hügels stiegen. Sehen konnten wir diesen seltenen und besonders hübschen Vogel leider nicht, dafür entdeckten wir eine Blindschleiche, die uns misstrauisch beäugte. „Vor uns musst du keine Angst haben – eher schon vor den Hühnern, die da vorne im Wald scharren“, erklärte ich dem Reptil. Im Osterhasenland gibt es offensichtlich ganz besonders viele Freilandhennen.

Wären wir am späten Nachmittag unterwegs gewesen, besser gesagt ab 16.00 Uhr, hätten wir beim Buschenschank Hartinger einkehren können. So wanderten wir an hübschen Häusern und prächtig blühenden uralten Obstbäumen weiter zur Wiedehopfwiese. Leider keine Sichtung. Dafür entdeckte Gregi den kleinsten Tagfalter Österreichs, den Zwergbläuling.

Den nächsten Wegabschnitt kannten wir schon: Oberlamm (die echten Schlüsselblumen waren inzwischen verblüht – dafür scharrten die Hennen noch immer ganz eifrig am Straßenrand). Die Kapellenwiese hinauf (noch mehr weiße Blüten auf den Obstbäumen als in der Vorwoche) – wir beeilten uns nicht, zu schön war es hier, und um 14.00 Uhr würde das Bauernhofcafé Friedl öffnen. Wir hofften auf einen guten, selbst gemachten Kuchen. Wir waren pünktlich um 14.00 Uhr vor dem Bauernhofcafé, dieses sperrte leider nicht auf. Also kein Kuchen. Schade. Aber was solls, alles kann man nun mal nicht haben. Und dieser Tag war dermaßen traumhaft … da darf man dann nicht jammern, wenn man keine süße Belohnung bekommt.