„Gußwerk Rundweg“ – Mariazell

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

11 km

335 HM

3:20 h

Start:

Mariazell

Zentrum  

Die Tourismusinformation in Mariazell befindet sich über dem Hauptplatz, und von dort aus starteten wir bei klarem Wetter und frischen 4 Grad Celsius unsere Rundwanderung nach Gußwerk.

Wir marschierten die Wiener Neustädter Straße stadtauswärts und kamen beim Ungarn-Urlauberkreuz an. „Irgendwie müssen wir zum Hügel da rüber“, überlegte ich und sah auf die Bergfex-App. Wir waren zu weit gegangen, also gingen wir zurück bis zum Parkplatz Nr. 5. Dort bogen wir in den Erzherzog-Johann-Weg ein, querten die Bundesstraße und wanderten an wunderbar verfärbten Ahornbäumen hinauf zum Erzherzog-Johann-Denkmal. Das Denkmal wurde 1914 errichtet, und wenn ich es richtig mitbekommen habe, wurde es vom Industriellen Arthur Krupp gesponsert (Kaiserin Elisabeth bezog von ihm Essbesteck, ihr Mann, Kaiser Franz Josef, kaufte im Ersten Weltkrieg Rüstungsgüter von ihm). Die Aussicht auf die Basilika von Mariazell war von diesem Platz aus herrlich. Allerdings war der Weg beim Denkmal zu Ende. Also aktivierten wir wieder die Bergfex-App – okay, wir hatten uns schon wieder verlaufen – doch in Anbetracht des tollen Panoramas war das auch gut. Also gingen wir das Wegerl wieder zur Bundesstraße hinunter, einige Meter bergab und dann in Richtung Bundesschulheim.

Der Weg führte uns durch eine Siedlung, durch einen Wald, über eine Wiese, und dann kamen wir zu einer großen Wanderwegkreuzung. Links würde es zur Salzaklamm gehen und auch nach Gußwerk (1,5 Stunden). Rechts bergab kämen wir ebenfalls nach Gußwerk – und zwar über den Siegmundsberg. Und genau zum Siegmundsberg wollten wir. Neben dem Asphaltweg gab es eine tolle Allee aus Eschen und Weißdorn. Bald kamen wir nach Rasing (vor der Brücke die Straße queren und den Weg neben der Salza wählen). Das Wasser der Salza ist klar, man sieht ganz toll auf den Grund. Wir genossen den Weg neben dem Gewässer. Ein leichter Anstieg war zu bewältigen, und wir sahen bereits unser erstes Ziel: die Siegmundsbergkapelle.

Der Siegmundsberg war ein heiliger Berg – das meinte Franz Jantsch in seinem Buch „Kultplätze im Land Steiermark“. Er wäre schon in vorchristlicher Zeit ein Kultplatz gewesen. Eigentlich ist er eher ein Hügel, der mitten im Tal steht. Rechts und links von ihm stehen hohe richtige Berge. Irgendwie wirkt der Hügel wie ein Kind der beiden – schön in der Mitte und gut behütet.

Auf der Kuppe steht dann die Siegmundsbergkapelle. Umgeben ist sie von einer mächtigen Wehrmauer. Eine neue überdachte Holztreppe führt zur Kapelle hinauf. Als wir auf den Kirchplatz kamen, sahen wir als erstes einen riesigen Steinhaufen. Bußsteine wären das, die von Pilgern hier abgelegt wurden. Heute wachsen hübsche Blümchen auf dem Steinhaufen, viele neue Steine dürften in den letzten Jahren nicht mehr dazugekommen sein.

Eine starke Strahlung sollte es in der Siegmundsbergkirche geben. Gregi wurde es beim Portal der Kirche schwindlig – etwas, das er normalerweise nicht kennt. Als er weiterging, wurde es sofort besser. Mehr muss ich dazu nicht sagen. Doch außerhalb der Kirche auf dem Plateau fühlten wir uns pudelwohl. Besonders, als wir den Ausblick nach Mariazell genossen. Hier würde ich es länger aushalten.

Zur offiziellen Geschichte der Siegmundsbergkapelle: 1443 wurde sie erbaut und bereits 1464 mit einer Ringmauer versehen. Wehrhaft sollte sie sein und den Ort Mariazell vom Süden her schützen. Leider half diese Ringmauer nicht sonderlich viel – bereits 1485 wurde die Kapelle von den Söldnern von König Mathias Corvinus zerstört. 1501 wurde die Kapelle wieder aufgebaut. 1827 brannte die Basilika von Mariazell – die legendäre Gnadenstatue brauchte eine zwischenzeitliche Bleibe, also wurde sie hierhergebracht. Ich glaube, dass sich die Gnadenstatue auf dem Siegmundsberg sehr wohl gefühlt hat.

Der weitere Wegverlauf bis zum Bohrwerk war richtig toll. Knorrige, riesige Bäume und ein alter, angenehmer Weg. Dort, wo der Weg felsig war, sah man sogar noch die alten, eingeschnittenen Wagenspuren. „Das war bestimmt ein römischer Weg“, sinnierte Gregi. Es ist immer das gleiche mit ihm. Jeder Weg, der alt zu sein scheint, ist bei ihm ein römischer Weg. „Die Römer waren überall“, behauptet er dann immer.

Ob römischer Weg oder nicht, ich wanderte gerne darauf. Bald schon kamen wir zum „Bohrwerk“. Die Salza ist hier gestaut, und der bunte Herbstwald spiegelte sich herrlich im Wasser. 1829 wurde hier das „Kanonenbohrwerk“ gegründet.

Gußwerk – unser nächstes Ziel – ist wahrscheinlich um 1342 entstanden. Schon früh entdeckte man hier Eisen. Der Abt von St. Lambrecht (das Gebiet gehörte dem Stift St. Lambrecht) erbat sich von Kaiserin Maria Theresia das Recht, ein Eisengußwerk zu gründen. Er erhielt die Erlaubnis, und von 1743 bis 1767 wurde hier ein richtig modernes Eisengußwerk mit drei Hochöfen errichtet.

Aus diesem (von einem Abt gegründeten) Eisengußwerk wurde ab 1769 eine der bedeutendsten Artilleriewarenproduktionen der österreichischen Monarchie. Die Kanonen, die man hier erzeugte, wurden offensichtlich im ganzen Habsburgerreich eingesetzt. Zwei Kanonen sind heute im Ort ausgestellt. Sie wurden im 20. Jahrhundert von Kroatien nach Gußwerk gebracht.

Ist man montags oder dienstags in diesem Ort unterwegs, sieht es betreffend Gasthäuser eher mau aus. Als wir ankamen, gefiel uns das Gasthaus Kohlhofer von außen recht gut – der einzige Nachteil war, dass es seinen Ruhetag hatte.

Die Volksschule Gußwerk ist ein beeindruckender Bau – noch mehr Eindruck machte aber das Wehr, das direkt vor dieser Schule war. Waren wir bis jetzt in Fließrichtung der Salza unterwegs gewesen, strömten hier Massen an Wasser in eine andere Richtung. Gußwerk ist in der Nähe der Wildalpen, und Wasser ist hier offensichtlich keine Mangelware.

Wir überquerten die Bundesstraße, marschierten an den bereits erwähnten Kanonen vorbei und stiegen dann den Hang steil bergauf. Herbstzeitlosen wuchsen hier neben Zyklamen. Wir begannen zu schwitzen und freuten uns, als wir endlich die starke Steigung hinter uns gebracht hatten. Und dann das: Ein gelber Wegweiser gab an, dass es 1,5 Stunden nach Mariazell wären – ein Schild hinderte uns, diesen Wanderweg zu betreten, da es Bauarbeiten gäbe. Ich suchte verbissen auf meinem Handy nach einer alternativen Route, als ein Walker ganz gemütlich aus dem „verbotenen Weg“ herausmarschierte. „Ach, das Schild“, meinte er. „Das hat man vergessen, wieder wegzuräumen.“

Also doch die vorgesehene Route. Auf dem Hang auf der anderen Flussseite lagen Baumstämme kreuz und quer wie bei einem Riesenmikado, auf unserem Hang hatten gröbere Forstarbeiten stattgefunden. Und dann sah ich es – ein weiteres Highlight der Wanderung: Eine gotische Pforte, direkt in den Berg. Klammheimlich hielt ich Ausschau nach Thorin Eichenschild aus „Herr der Ringe“.

Wir kamen an Bauern- und Reiterhöfen vorbei, stiegen zur Salza hinab, überquerten die Brücke und wanderten den Wald wieder bergauf. Und dann waren wir wieder an der Wanderwegkreuzung, wo wir beim Hinweg in Richtung Siegmundsberg abgezweigt waren. Den Rückweg kannten wir bereits, doch bei der Bundesstraße entschieden wir uns, links nach unten zu gehen. Schön lag Mariazell vor uns.

Über den Parkplatz, den Minigolfplatz und die Schule ging es dann zum Hauptplatz. Eingekehrt sind wir bei Pirker’s Selbstbedienungsrestaurant. Uns hat alles sehr gut geschmeckt, und die Aussicht auf den Hauptplatz und die Basilika ist erstklassig.

 

„Hexenweg“ – Rundweg zwischen Neumarkt an der Raab und Eisenberg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

10,2 km

194 HM

2:75 h

Start:

Neumarkt an der Raab

   

Bis heute weiß ich nicht, wieso dieser Weg als „Hexenweg“ bezeichnet wird. Gut, wir haben viele Schwammerln gesehen, sind an einem englischen Park vorbeigegangen, wo angeblich Nonnenstatuen stehen sollten, sind an einer ehemaligen Wallfahrtsstätte vorbeigekommen (wo die Bäuerin in den 1950er-Jahren eine Muttergotteserscheinung gesehen haben soll), haben sehr viel Wald gesehen und ein Gedenkkreuz eines Ermordeten, der im Auftrag seiner Frau getötet worden ist. Aber was bitte hat das alles mit Hexen zu tun? Der Hexenweg ist ein schöner burgenländischer Wanderweg, direkt an der ungarischen Grenze. An jenem sonnigen Herbstsonntag, an dem wir unterwegs waren, hatte die Gegend nichts Unheimliches … abgesehen von einigen Schüssen. Doch dazu später.

Unsere Wanderung starteten wir in Neumarkt an der Raab. Schon bei der Anreise mit dem Auto entdeckten wir zwischen Sankt Martin und Neumarkt römische Hügelgräber – also war dieses Gebiet schon sehr früh besiedelt. In Neumarkt gibt es viele alte, denkmalgeschützte Bauernhäuser, teilweise mit Stroh gedeckt und mit schönen Arkaden. In den Gärten mit den alten Obstbäumen stehen gemütliche Bänke. In diesen Häuschen kann man seine Ferien verbringen und an diversen Kursen teilnehmen – von Tango Argentino bis Schreiben oder Radierungen. Ein tolles Programm wird hier angeboten. Das Künstlerdorf Neumarkt ist ein richtig hübscher Ortsteil von Neumarkt, das wussten schon H. C. Artmann, Peter Handke und viele andere Autoren und Künstler zu schätzen.

Doch nicht nur die idyllischen alten Häuser gefielen mir: Besonders angetan hatte es mir ein kaputter alter Baumstamm, der noch im Garten eines Bauernhauses stehen durfte. Auf diesem Stamm fühlte sich ein Kleiber sehr wohl, und dieses hübsche Vögelchen sah auf dem sattgrünen Moospolster richtig fotogen aus.

Wir hatten den Ort noch nicht verlassen, als wir das nächste interessante Denkmal entdeckten: Ein freistehender Glockenturm aus Holz. Ein Straßenschild kündigte die Schlossstraße an – doch der Versuch, das Schloss Batthyány irgendwo hinter dem Wald auf dem Hügel zu entdecken, war erfolglos. Wir verließen den Ort in Richtung Sankt Martin. Rechts der Straße gab es eine Pferdekoppel, und wir mussten laut Wanderwegweiser links abbiegen. Bald sahen wir hinter dem Bach und den Bäumen einen schönen Teich, der von einem richtig tollen englischen Park umgeben war. Eine Statue stand in der Nähe des Teiches. Sie war vom Wanderweg leider zu weit entfernt, als dass ich erkennen konnte, ob es sich wirklich um eine Nonnendarstellung handelte. Gregi meinte, es wäre eher ein Pfarrer.

Wir wanderten dem Bach entlang und übersahen leider, dass wir den Weg rechts hinauf in den Wald hätten nehmen sollen. Dank Bergfex-App fanden wir im Wald wieder auf den Wanderweg und entdeckten dabei große Löcher im Waldboden sowie viele Gräben. Gregi überlegte laut, ob dies Schützengräben waren. Die ungarische Grenze war nicht weit weg … möglich wäre es.

Wir erreichten eine Asphaltstraße und bald erste Häuser, grübelten noch immer über die Möglichkeit von militärischen Anlagen in dieser Gegend, als wir einen lauten Schuss hörten. Shit! Was, wenn hier ein Wahnsinniger Amok lief? Was tun … umdrehen und schnell fliehen? Während mein Adrenalinspiegel in unermessliche Höhen kletterte, sah ich gottlob die beiden Schützen mit Kopfhörern, die vor einem Haus auf eine Zielscheibe im angrenzenden Weingarten schossen. Auch so kann man seine Sonntage verbringen.

Beruhigt marschierten wir weiter, sahen einen missmutig dreinblickenden Gartenzwerg, der in einem überdimensionalen Vogelkäfig eingesperrt war, und kamen dann bei einem leeren Gehege für Wildschweine vorbei.

Lieblich anzusehen war das strohgedeckte Speicherhäuschen aus Lehm, welches richtig schön vom Sonnenlicht beleuchtet wurde. Einladend wirkte die Bank vor diesem Denkmal, doch wir gingen zielstrebig weiter. Irgendwo hier müsste es ja das Rasenkreuz geben, welches früher dafür sorgte, dass ganze Busladungen von Wallfahrern aus der Schweiz und sogar aus den Niederlanden angekarrt wurden.

Ein Schild wies uns auf das heilige Rasenkreuz hin. Ein weiteres Schild machte uns darauf aufmerksam, dass es sich um eine heilige Stätte handele, wo man nicht sprechen etc., etc., etc. dürfe. „Gott lässt sich nicht spotten“, oder so ähnlich stand noch darunter. Wir standen auf der Asphaltstraße, wo früher wohl mal die Busse geparkt hatten, und sahen in den nicht gerade einladenden Garten. Das Rasenkreuz gab es von 1956 bis 1992. Kein Pilger war mehr hier, der sich das „heilige Leitungswasser“ holen wollte. „Ich habe keine Lust, da reinzugehen“, sagte ich zu Gregi, der das Schild mit all seinen Verboten studierte. „Ich auch nicht“, meinte er, und so besuchten wir die „heilige Stätte“ nicht, wo Mutter Lex 1954 angeblich die Muttergottes und zwei Jahre später einen Engel gesehen haben soll. Die römisch-katholische Kirche hat diese Marienerscheinung nie anerkannt.

Wenn man den Weg weiter folgt, kommt man zum Hotel „Das Eisenberg“. Wir bogen jedoch links in den Graben hinab ab. Hier gab es das pure Leben, die Vögel tummelten sich zwischen den Zweigen. Schwanzmeisen sind gesellige Kerlchen und Eichenbäume scheinen sie zu mögen.

Wieder ging es bergauf, immer am Zaun eines Wildschweingeheges entlang. Wildschweingehege sind hier offensichtlich beliebt – auch wenn sie zurzeit nicht bewohnt sind. Davon gingen wir jedenfalls aus, da einige Tore offenstanden. Und auch das Drahtgeflecht hatte schon seine besten Tage hinter sich. Wieder ging es bergab – noch immer am Maschendraht entlang, und dann kam der meines Erachtens tollste Punkt der Wanderung. Ein Sumpf und ein Teich in der Senke. Ein blauer Pfeil schoss davon … wenn das kein Eisvogel war. Die Weidenmeise war emsig unterwegs, ebenso der Baumläufer, der einen Baum nach dem anderen von unten nach oben nach Essbarem absuchte. Ein Zaunkönig versteckte sich noch rechtzeitig, bevor wir unsere Kameras zücken konnten. Auch Libellen waren noch an diesem Herbsttag unterwegs. Ein schöner Platz zum Verweilen, zwischen Sumpf und Teich.

Nach dem Sumpf folgten wir den W1-Grenzwanderweg (rechts abbiegen), wieder einen Hügel bergan. Mitten im Wald stand ein verlassenes Haus – ein „Lost Place“ im Naturpark Raab im Dreiländereck. Hier mussten wir links abbiegen und wanderten den Hügelkamm entlang. Viele verschiedene Pilze konnten wir entdecken. Immer wieder gab es Wasserstellen und auch hie und da (besonders unter Eichen) Plätze, wo offensichtlich gewühlt worden war. Ob nicht doch hie und da Wildschweine in diesem Wald unterwegs waren?

Als wir den Wald verließen, konnten wir einen schönen Blick auf Maria Bild erhaschen. Zumindest ich. Gregi war mit einem Wandergelbling beschäftigt – ein Schmetterling, der eilig von Blüte zu Blüte flog. Über einen Hohlweg ging es dann zurück ins Tal, und schon hatten wir den Ausgangspunkt unserer Wanderung wieder erreicht.

Bei der Heimfahrt machten wir in Fehring Halt. An der Konditorei Winkler kamen wir einfach nicht vorbei. Noch dazu so kurz vor Halloween, wo immer diese wunderbaren, süß-gruselig-kreativen Torten in der Auslage zu besichtigen sind. Wir genossen Kekserln mit Gruselgesichtern, Katzen- und Fledermausgestalten und waren recht zufrieden, einen so schönen Sonntag erlebt zu haben.

„Europaschutzgebiet Neudauer Teiche“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

6,52 km

30 HM

2 h

Start:

Neudau

Zentrum oder Friedhof  

Die Neudauer Teiche sind ein absoluter Geheimtipp und rund ums Jahr traumhaft schön. Wir fahren immer wieder gerne zu diesem Naturparadies (Natura 2000-Schutzgebiet sowie Ramsar-Schutzgebiet). Auch an heißen Tagen kann man diese einfache Wanderung bewerkstelligen, da man immer im Schatten geht.

Wir parken normalerweise beim Friedhof von Neudau und gehen dann bergauf in Richtung des Waldes. Zwischen einem Einfamilienhaus und dem Waldrand führt uns der Weg direkt zum Fuchsschweifteich. Schilder weisen den Wanderer darauf hin, unbedingt auf dem Wanderweg zu bleiben. Eine Bitte, die man unbedingt befolgen sollte. Die Neudauer Teiche sind ein einzigartiges Habitat für sehr viele fast schon ausgestorbene Pflanzen- sowie Amphibienarten. Zudem ist es ein bedeutendes Brutgebiet für unzählige Vögel. Daher sollte man sich in diesem Gebiet wirklich achtsam und rücksichtsvoll verhalten und unbedingt auf dem Weg bleiben.

Die Neudauer Teiche, das sind der Fuchsschweifteich und der Große Neudauer Teich. Diese beiden sind aus ökologischer Sicht die wichtigsten Teiche der Oststeiermark. Ornithologen haben hier 222 verschiedene Vogelarten gezählt.

Bei unserer Wanderung Ende August standen wir am Ufer des Fuchsschweifteiches und suchten im Blütenteppich aus gelben Seekannen bewusst nach Wasservögeln … und Bingo. Die großen, weiß leuchtenden Schwäne hatten wir natürlich gleich entdeckt, doch die Blässhühner und Teichhühner waren sehr gut getarnt. Sie zupften genüsslich am Grünzeug, das sehr üppig wuchs. Dank der Tatsache, dass die Teiche nur circa 1,5 Meter tief sind, fühlen sich darin Wasserpflanzen sehr wohl. Gelbblühende Teichrosen, Seekannen sowie Wassernuss wachsen hier und bieten den Wasservögeln üppige Nahrung. Einige Stockentendamen waren fröhlich unterwegs.

Der Weg entlang des Fuchsschweifteiches ist äußerst idyllisch. Eine Allee aus mächtigen alten Eichen säumt den Weg. Die Äste sind so ausladend, dass man bequem im Schatten spazieren kann. Leider litten die Eichen bei unserer Wanderung im August 2024 sehr unter der Eichennetzwanze, die ursprünglich aus Nordamerika kommt.

Am Ende des Fuchsschweifteiches gibt es eine Infotafel. Hier wanderten wir rechts dem Damm entlang – aber nicht weit. Ein großer Ast ragte aus dem Wasser, und darauf saß tatsächlich ein Eisvogel. Natürlich flog er davon – schillernd blau – wie ein fliegender Kristall.

Wir kamen an einer besonders alten Eiche vorbei (Naturdenkmal), dann den Weg hinab zur Forststraße. Links und rechts der Schotterstraße gab es Wassergräben, und links und rechts neben uns hörten wir Platsch-Platsch-Platsch. Grüne Frösche – braune Frösche – große Frösche – kleine Frösche – Frösche mit Streifen – Frösche mit Punkten. Wobei wir bei der Bedeutung der Teiche für die Amphibien angelangt wären. Gleich 12 bedrohte Amphibienarten bietet dieses Schutzgebiet eine Heimat: darunter der Alpenkammmolch, die Knoblauchkröte sowie der Balkan-Moorfrosch. Der Moorfrosch ist übrigens ein ganz besonderes Kerlchen. Ende März „zieht“ er sozusagen seine „Hochzeitstracht“ an … zumindest für circa fünf Tage. Nicht im Steirergrün präsentiert er sich dann – sondern im schillernden Blau.

Im Wald mussten wir links in einen Forstweg abbiegen, eine Zeit lang gingen wir, bis wir das Ufer des Großen Neudauer Teichs sehen konnten.

Die beiden Neudauer Teiche haben zusammen, mit Berücksichtigung der periodischen Überschwemmungsflächen, eine Größe von circa 50 Hektar. Man geht eine Weile, bis man beide Teiche umrundet hat. Da kriegt man einen richtigen Respekt vor den Menschen, die diese Teiche im 17. Jahrhundert (unter der Herrschaft der Familie Rottal) angelegt haben. Es musste eine gewaltige Plackerei gewesen sein. Eine stauende Sedimentschicht (oststeirisch „Obock“) sorgt dafür, dass das Wasser im Teich bleibt und nicht versiegt. Zufluss gab und gibt es keinen. Das Wasser stammt ausschließlich von der Schneeschmelze bzw. vom Regen. In einem Regenjahr (2024 gab es im Juni ein Hochwasser in Neudau) sind die „Himmelsteiche“ gut gefüllt. Als wir hier wanderten, sahen wir riesige Karpfen, die sich im Wasser tummelten.

Graureiher lauerten im seichten Wasser neben dem Schilf. Für die riesigen Karpfen waren sie keine Gefahr mehr. Am Damm des Großen Neudauer Teichs kann man nach der Reihe uralte und riesige Eichen bestaunen – allesamt Naturdenkmale – allesamt ein Zuhause für unzählige Tiere. Ein Kleiber lief voller Freude den Stamm hinauf, Eicheln fielen auf den Boden. Wildschweine lieben Eicheln. Immer wieder konnten wir im Wald Stellen ausmachen, wo die „Schweinderln“ gewühlt haben.

Über unsere Köpfe zog ein Fischadlerpaar seine Kreise. Nicht nur hoch am Dachstein haust der Aar – auch im tiefgelegenen Neudau, welches auf 289 Meter Seehöhe liegt. Ein junges Teichhuhn beschwerte sich lauthals, Stockenten tauchten am Teichrand in der Nähe des Schilfs. Auch Libellen waren unterwegs.

Die Teiche werden sehr naturnah bewirtschaftet. Gottlob. Sie sind seit dem frühen 18. Jahrhundert im Besitz der Familie Kottulinsky. Das imposante Mausoleum der Familie haben wir leider bei dieser Wanderung nicht besucht (vom Ortszentrum Neudau am Schloss vorbei, links abbiegen, dann rechts in die Wörther Straße. Nach einer Weile sieht man das Mausoleum auf einer Anhöhe. Ein Feldweg führt dorthin).

Dafür haben wir dem Markt Neudau einen Besuch abgestattet. Zwei Gebäude prägen Neudau. Das eine ist das Schloss, welches ursprünglich eine Wasserburg war (1371 erstmals urkundlich erwähnt). Neudau war ein Grenzort. Die Lafnitz war jahrhundertelang Grenzfluss zu Ungarn. Vom frühen 15. Jahrhundert bis ins 18. Jahrhundert wurde Neudau immer wieder von Ungarn, Türken, Haiducken und Kuruzzen verwüstet. Nach dem Ende der Kuruzzenkriege wurde das Schloss neugestaltet. Aus dem Wassergraben wurde ein Park.

Das zweite Gebäude, das einem sofort ins Auge springt, ist die ehemalige Garnfabrik. Karl Graf von Batthyany hatte vor, die erste industrielle Baumwollspinnerei der Monarchie zu gründen. Der einzige Haken an der Geschichte war, dass die Vorreiter der industriellen Revolution, die Engländer, ihr Know-how sehr vehement schützten. Technisches Wissen sollte nicht ins Ausland gelangen. Industriespionage wurde streng bestraft. Irgendwie ist es ihm dann doch gelungen, an dieses Wissen und an Maschinen zu gelangen. Die erste Spinnerei wurde in Burgau errichtet. Später wurde sie durch Georg Borkenstein nach Neudau verlegt. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Fabrikstrakte im klassizistischen Stil errichtet – bis 2019 wurde darin auch produziert. Die alte, verlassene Fabrik und das Ledigenwohnheim haben einen leicht morbiden Charme.

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite das komplette Gegenteil. Ein belebter Gastgarten, ein gepflegtes Restaurant (Gasthaus Central). Hier kehrten wir ein. Wir haben vorzüglich gegessen – Knoblauchcremesuppe, gegrilltes Gemüse, Krapfen mit Vanillesauce – alles 1a. Dieses Lokal kann ich mit bestem Gewissen weiterempfehlen.

„Vogelthemenweg“ – Pöllauer Tal

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

13 km

310 HM

3:30

       

Zwischen den Winzendorfer Teichen und Pöllau, direkt beim Reisebüro Retter, links abbiegen – beim Platzl am Bach beginnt die Wanderung.

Der Vogelthemenweg im Pöllauer Tal wurde 2021 neugestaltet, und ich muss gleich ein ganz großes Lob aussprechen: Den Pöllauern ist da wirklich etwas Tolles gelungen. Wir waren sowohl von der Wegführung als auch von den Schautafeln sehr begeistert.

Das Pöllauer Tal ist ein Naturpark – und ein sehr interessanter noch dazu, mit einer enormen Artenvielfalt. Im Jahr 2005 wollte man es genauer wissen, was so alles in diesem idyllischen Tal kreucht und fleucht. Sorgsam zählte man und stellte fest, dass 925 Pflanzenarten und 453 Tierarten in dieser Gegend heimisch waren.

Begünstigt wird diese unglaubliche Vielfalt sicherlich von den 16 km Baum- und Strauchhecken des Naturparks. Sie sehen nicht nur wunderbar aus, sondern bieten den Tieren auch ein behagliches Zuhause. Dazu kommt, dass in diesem Tal das warme illyrisch-pannonische Klima auf das Mittelgebirgsklima trifft. Ja, und dann gibt es noch diese wertvollen alten Streuobstwiesen, die von vielen Tieren sehr geschätzt werden.

Auch an der Pöllauer Safen gibt es Büsche und Bäume, und die erste Wegstrecke der Wanderung führt entlang diesem naturbelassenen Gewässer. Wir waren im Juli unterwegs, es war ein heißer Tag, und wir freuten uns, dass uns die Büsche Schatten spendeten.

Immer wieder konnte man zum Fluss gelangen – sauberes Wasser, Steine… Ich hoffte aufrichtig, eine Bachstelze zu entdecken. Über unseren Köpfen im Dickicht aus Laub und Zweigen hörten wir unzählige Vögel zwitschern. Hin und wieder flog ein Piepmatz über unsere Köpfe hinweg. Doch Vögel können sich im Laub sehr gut verstecken, daher konzentrierten wir uns mehr auf die Insekten und Schmetterlinge, die sich bei den unzähligen Blüten tummelten.

Einige Insekten wiederum konzentrierten sich hauptsächlich auf uns, was wir weniger toll fanden. „Elf zu zwei“, hörte ich neben mir Gregi murmeln, als wir gerade direkt neben dem Fluss auf den Kieselsteinen standen und ins Wasser sahen. „Was ist elf zu zwei?“, erkundigte ich mich interessiert. Interessiert daher, weil wir unterwegs waren und ich mir sicher sein konnte, dass es sich nicht um die von mir so ungeliebte Europameisterschaft handeln konnte. „Elf erlegte Bremsen gegen zwei erlegte Gelsen“, erklärte Gregi und kratzte sich am Unterarm.

Wieder eine Brücke, alte Obstbäume, dann gingen wir an einem Freiland-Geflügelhof und einer sehr belebten Hecke vorbei. Ein Schild klärte uns darüber auf, wie sehr Vögel Hecken liebten. Das muntere Treiben der gefiederten Kerlchen rund um das Buschwerk bewies den Wahrheitsgehalt. Schließlich querten wir die Asphaltstraße und kamen wieder in den Wald. Diesmal ging es neben einer Pferdeweide vorbei… „Achzehn zu vier“.

Wir schnauften im schattigen Wald den Weg bergauf und hörten nur noch wildes Summen neben unseren Ohren. „Lass mich nicht vergessen, einen Insektenspray auf dem Einkaufszettel zu notieren“, forderte ich Gregi auf, der neben mir eine neue Version des ursteirischen Schuhplattelns aufführte.

Wir hatten die obere Kuppe des Hügels erreicht und wurden mit einem wunderbaren Blick auf Pöllauberg belohnt. Der Wanderweg führte neben der Volksschule vorbei, hinein in den nächsten Wald und steil bergab, bis zu einem Bach… „21:3“.

Ein weiterer Anstieg stand uns bevor, an einem Bauernhaus vorbei. Alte, schöne, hochstämmige Obstbäume wuchsen hier. Wiesen mit Blumen, und die Aussicht war noch schöner als von der Volksschule aus. Nachdem wir einen weiteren Wald durchquert hatten, kamen wir zum nächsten Bauernhaus. Ein gigantisch großer Mostbirnenbaum wuchs hier. Verblüffend, wie groß Obstbäume werden können. Die hier lebende Bäuerin muss über einen grünen Daumen verfügen – überall auf dem Grundstück wuchsen wunderbar duftende Rosen.

Wir kamen wieder auf eine schmale Asphaltstraße. Ein Bankerl mit einem gigantischen Panoramablick lud zum Verweilen ein. Gegenüber – auf der anderen Talseite – lag die idyllische Kirche Sankt Anna, weiter links davon war Pöllauberg mit dem riesigen gotischen Gotteshaus, dahinter der Masenberg… noch weiter links im Tal der Ort Pöllau mit den mächtigen Kuppen der Klosterkirche. Und dahinter konnten wir die „Wildwiese“ mit der „Wildwiesenwarte“ ausmachen. Auf der Wildwiese gibt es den „Kultwanderweg“, der an alten, mystischen Lochsteinen vorbeiführt und vom heidnisch-keltischen Brauchtum erzählt. „Sankt Anna Kirche“… „Pöllaubergkirche“… „Kloster Pöllau“… einen Hügel weiter das „Kloster Vorau“… eine erstaunliche Kirchen- und Klosterdichte.

Wir folgten der Asphaltstraße nach oben und kamen schließlich in Lehen an. Hungrig kehrten wir im Gasthaus Schrank ein – ein familiär geführtes, gutbürgerliches Gasthaus mit wunderbarer Aussichtsterrasse. Hier wird noch selbst gekocht. Es gibt eine ehrliche, gute Küche (ein bisschen wie in den Achtzigerjahren) mit riesigen Portionen.

Gestärkt konnten wir die Wanderung weiter fortsetzen. Die Asphaltstraße führte bequem bergab, sodass man nicht auf den Weg achten musste, was auch gut war, denn die Aussicht auf dieser Wegstrecke ist wirklich toll. Hinter einem Buschenschank wuchs ein Hollunderbusch, der bereits schwarze Beeren trug, und doch hatte er auch noch eine blühende Dolde… wie schön. Ein steiler Weingarten, wieder ein Wald und dann ein noch steilerer Steig hinunter zur Schönauklamm. Der Fluss mit seinen vielen kleinen Kaskaden hat schon was… und dann noch die Ruine einer Mühle. „33:9“.

Und immer wieder die informativen Schilder über Vögel. Der Kleiber ist ein „Nachnister“. Damit das Einflugsloch nicht zu groß ist, klebt er es mit Lehm zu. Interessant. Und der Grünspecht ist grün, damit er nicht so rasch entdeckt wird, wenn er in der Wiese sitzt und Ameisen nascht. Während wir ein Schild mit den Informationen über Spechte studierten, saß in den Zweigen über uns eine Kohlmeise und beobachtete uns aufmerksam. Ihre Art, Informationen zu sammeln. Wahrscheinlich wunderte sie sich ein bisschen, warum wir immer wieder wie wild um uns schlugen. „39:10“.

Nach der Klamm trafen wir auf die einzige Person, die sich an diesem Tag in dieser Gegend ebenfalls zu einem Spaziergang entschlossen hatte. Ich nahm an, dass ihr schwanzwedelnder und bestens gelaunter Hund sie zu diesem „Gassigehen“ überredet hatte.

Das letzte Stück der Wanderung kannten wir schon. Wir gingen wieder entlang der Safen zurück… „45 erlegte Bremsen zu 12 erlegten Gelsen“.

Wir stiegen ins Auto und fuhren in Richtung Kaindorf. „Da ist ja die nächste alte Kirche“, meinte ich und zeigte auf die alte gotische Filialkirche von Sankt Stefan ob Hofkirchen. Sie ist auch ein absolutes Schmuckstück, mit dem unverputzten Bruchsteinmauerwerk, den riesigen Bodenplatten im Kircheninneren, den Gerüstlöchern… und besonders interessant ist der Erdstall „Die Frauenhöhle“, der sich in ihrer Nachbarschaft befindet.

 

„Rund ums Moor“ – Themenweg Rohr im Burgenland

 

       

Rundweg

barrierefrei

1 – 2 Stunden Führungen werden angeboten
       

Barrierefreie Wanderung, die zirka 2 Stunden dauert.

Diese Wanderung stellt keine sportliche Herausforderung dar. Für die Fitness hat sie wenig zu bieten, dafür punktet sie mit ganz besonderen Naturerlebnissen.

Es war ein extrem heißer Junitag. Eine lange Regenperiode war endlich zu Ende gegangen, und wir wollten unbedingt wieder raus in die Natur.

„Weit mag ich heute bei der Hitze nicht gehen, und vor Waldspaziergängen wird noch gewarnt… was machen wir?“, überlegte ich. „Im Burgenland gibt es momentan sicherlich viele Schmetterlinge“, meinte Gregi. „Die mögen auch Temperaturen über 30 Grad.“

Also fuhren wir ins Burgenland. Gleich hinter der steirischen Grenze bei Burgau befindet sich Rohr. Und dort gibt es die artenreichen Auwiesen des Zickenbachtals, in denen seltene Insekten und auch Vögel beheimatet sind.

Rohr ist eine kleine Gemeinde. Dort wohnen keine 400 Personen, doch der Ortskern kann sich sehen lassen. Zwei Gasthäuser gibt es, eine Kirche und daneben der „Eingang zum Moor“. Wunderbar wurde er gestaltet, mit einem Teich (dort leben ganz viele muntere Frösche), farbenfrohen Blumengärten, der ersten Erlebnisstation für Kinder und neugierige Erwachsene sowie dem Hinweis, dass man unter der „Hearonymus-App“ vieles über das Moor erfahren kann.

Zwei umgedrehte Bäume mit den Wurzeln nach oben mussten wir durchschreiten, um in das größte Moor im pannonischen Raum zu gelangen. Neben dem Bach ging es auf einem schön gemähten Wiesenstreifen entlang, Weiden wuchsen am Ufer, und in einer davon entdeckten wir schon die ersten Vögel. Ein Teenager-Kleiber versuchte sehr vehement, seine Eltern dazu zu bringen, ihm gute Leckerbissen zuzustecken. Seine Bauchfedern waren noch ganz fluffig, die Schwanzfedern noch nicht richtig stattlich. Wir beobachteten ihn und seine „pädagogisch versierten“ Eltern. Unverdrossen ermutigten sie ihn, sich doch selbst sein Essen zu suchen.

Die Schautafeln des Moors sind sehr informativ. Wir erfuhren, dass dieses Niedermoor 42 Hektar groß und somit das größte Moor im pannonischen Raum ist. Gewachsen ist es über etwa 10.000 Jahre – 13 Meter ist es mächtig.

Wir erreichten die erste Brücke, die uns zum Garten der Sinne leiten sollte. Wir sahen in den Bach hinunter, der noch vor kurzem einen sehr, sehr hohen Wasserstand gehabt haben musste. Mit größtem Entzücken entdeckten wir wahre Zauberwesen: Blaue – in der Sonne schillernde Flattertiere. Als sie sich auf das Schilfrohr setzten, erkannten wir die elfenhaften Tierchen: männliche Prachtlibellen. Die Flügel dieser Männchen sind prächtiger als jede Robe auf dem Opernball – garantiert. Dazu die haarigen Beinchen und die riesengroßen Augen, die seitlich vom Kopf hervortreten.

Im Garten der Sinne gab es zum Glück Schatten. Für Kinder sind tolle Erlebnisstationen eingerichtet, dazu Bänke, auf denen man sich ausruhen und die Natur beobachten kann. Wir beobachteten eine Elster, die bei einem Kirschbaum mit reifen Früchten ihren Bauch vollschlug.
Weiter ging es dann wieder dem Bach entlang. Kurzes Fotoshooting mit einem „Landkärtchen“ – einem wunderbaren Schmetterling. Die Sonne schien herrlich durch seine Flügel, die ein ganz klein wenig an gotische Maßwerksfenster erinnerten.

Im Moor sollten Galloway-Ochsen weiden und dieses vor der Verbuschung schützen. Bei unserer Wanderung hatten wir leider keine Moorochsen gesehen. Vielleicht waren sie einfach auf einer anderen Weide.
Wieder überquerten wir eine kleine Brücke, und das Auwald-Labyrinth erwartete uns. Noch nie in meinem Leben habe ich so viele Baumstämme mit Spechthöhlen nebeneinanderstehen sehen. Gut, wir befanden uns schließlich auch in einem Vogelschutzgebiet. Die Auwiesen des Zickenbachtals sind auch Natura 2000-Schutzgebiete. Den Laubtunnel, den man hier als Erlebnisstation für Kinder errichtet hatte, sparten wir uns.
Die nächste Erlebnisstation war auch nicht unbedingt nach unserem Geschmack – Moorschlamm waten. Auch wenn es hier angeblich Heilschlamm geben sollte. Für Kinder allerdings ist es sicherlich eine Riesengaudi, eine Schlammschlacht à la Takeshi’s Castle zu schlagen. Für fließendes Wasser zum Waschen danach ist jedenfalls gesorgt.

Wir schlenderten weiter – ein Auwald wartete wieder auf uns. Auf dem Knüppelweg war es ja noch recht angenehm zu gehen, doch dann kam er, der Gatsch. Als meine Schuhe fast im Moor stecken blieben, entschloss ich mich, doch umzukehren. Ein riesiges Heupferd flatterte in Richtung Bach. Ob es sich dabei um die seltene Sumpfschrecke handelte, die es in diesem Gebiet noch geben sollte, kann ich leider nicht beurteilen.

Nun besahen wir uns auch das Weidenlabyrinth. Die Gemeinde hält die Wiesenwege recht gut in Schuss, damit sie leicht zu begehen sind. Am Wegrand stehen Riesenbrennesseln. Und diesen Brennnesseln sollte man unbedingt genügend Aufmerksamkeit schenken. Auf ihnen findet man ganz interessante Tiere. Gregi hatte eine Raupe des Tagpfauenauges entdeckt. Diese schwarze Raupe muss sich nicht verstecken: Geschützt ist sie durch die Brennnesseln sowie durch ihre vielen, eigenen Stacheln.

Auf dem Rückweg trafen wir eine Frau, klugerweise war sie barfuß unterwegs. Sie erkundigte sich, wie der Weiterweg aussähe. Sie würde bald eine Gruppe Leute durch das Moor führen. Unter www.lust-auf-moor.at kann man Infos über die Programme für Kinder, Firmen, Familien etc. finden.

Beim Rückweg bogen wir rechts ab. Ein Weg führte uns über die Wiese hinauf zur Aussichtswarte. Und auf diesem Wiesenweg (bei einer Pfütze) die große Überraschung: Schmetterlinge, Schmetterlinge, Schmetterlinge. Einige zierliche Bläulinge hatten sich hier zur gemeinsamen Essensaufnahme versammelt. Daneben ein Großer Fuchs, viele Tagpfauenaugen, einige Landkärtchen, zwei Dickkopffalter … allesamt versammelt auf kleinstem Raum.

Wir genossen die Aussicht auf der Warte. Interessiert studierten wir die Gegend. Wo war hier wohl die Trasse der Römerstraße, die Sombathely mit Leibnitz verbunden hatte? Gregi suchte die Gegend mit seinem Feldstecher ab. Nicht die Römerstraße interessierte ihn, sondern vielmehr der Wiedehopf, der in dieser Gegend vorkommen sollte. Und wenn er auch keinen Wiedehopf zu sehen bekäme, wäre er auch mit einem Goldammer sehr zufrieden.

Zurück gingen wir den bekannten Weg zum Schmetterlingstreffpunkt. Was für ein Glück, dass ich doch hatte: Jetzt war auch noch ein Schwalbenschwanz anwesend. An Schönheit ist dieser riesige Falter kaum zu übertreffen. Und er ist ein guter Flieger – richtig zielgerichtet und rasch ist er unterwegs. Mir kommt vor, dass jede Schmetterlingsart ihren ganz eigenen Flugstil hat. Einige taumeln in der Luft hin und her, manche sacken beim Fliegen immer wieder etwas ab und gewinnen dann wieder an Höhe, viele der Schmetterlinge wirken unentschlossen, als ob sie sich nicht so recht entscheiden könnten, wohin sie wollten. Allerdings nicht der Schwalbenschwanz … immer zielgerichtet. So wie wir jetzt. Wir hatten riesigen Durst und auch etwas Hunger – da waren ja zwei Gasthäuser im Ort. Nichts wie hin!

 

„Romai-Rundwanderweg“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

7,2 km

327 HM

2,5 h

Start:

Waldbach-Mönichwald

Arzberghütte  

Wir haben diese Wanderung in einer Wanderbroschüre „Einfach wandervoll“ der Region Joglland-Waldheimat entdeckt. Im Internet findet man diese Wanderung ebenfalls.

Startpunkt: Arzberghütte (über eine Forststraße von Waldbach oder Sankt Jakob im Walde erreichbar).

Ihr werdet schon mitbekommen haben, dass wir im Normalfall nicht unbedingt in den Bergen unterwegs sind. Doch an richtig heißen Sommertagen zieht es selbst uns in höhere Lagen, um der Hitze ein wenig zu entkommen – und der Romai-Rundwanderweg ist selbst bei hohen Temperaturen recht angenehm.

Von der Arzberghütte aus erreichten wir in 3 Minuten das Gipfelkreuz (1.111 m Seehöhe) und konnten eine herrliche Aussicht genießen – vom Hochwechselpanorama bis ins Burgenland. Markante Felsen, Bäume mit Flechtenbärten und Heidelbeerbüsche boten ein hübsches, alpines Ambiente. Wenn man mit Kindern unterwegs ist, sollte man sie hier allerdings nicht aus den Augen lassen.

Die nächste Wegstrecke ging bergab. Zuweilen war die Route steil, und wir mussten auf die losen Steine aufpassen. Langsam und achtsam zu gehen, zahlte sich jedoch aus. Hier gab es eine Kombination von verwitterten Steinen, an denen sich alte Wurzelstöcke krallten, einige Moospölster, dahinter Heidelbeerstauden und junge Tannen.

Die Wegführung verläuft ausschließlich im Wald. Heidelbeeren und Schwammerln gäbe es zu ernten. Doch auch andere hübsche Pflanzen konnten wir entdecken. Gregi sah einen Hirschzungenfarn und war hingerissen. Immerhin befindet sich dieses Gewächs auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Auch andere pflanzliche Raritäten wuchsen hier. Die weiße Waldhyazinthe sowie das gefleckte Knabenkraut bekamen wir vor die Linse. Nur die gefiederten Genossen auf den Baumkronen wollten sich nicht ablichten lassen. Während der Wanderung hörten wir das schönste Vogelkonzert – nur die klugen kleinen Federbällchen verstanden es zu gut, sich hinter Ästen und Laub zu verstecken.

Der Wanderweg führte weiter bergab, wir näherten uns der Schlucht. Rechts ragten hohe Felsen empor, links des Weges war ein steiler Hang zum Bach hinunter. Doch so steil wie der Gegenhang auf der anderen Bachseite war er dann zum Glück auch wieder nicht. Dort gab es offensichtlich in jüngerer Vergangenheit Muren, und Bäume lagen quer im Tal.

Wir erreichten den Rastplatz des Romai-Wasserfalls. Ich besah mir das Kreuz mit dem geschnitzten Herrgott. Seine Proportionen stimmten nicht ganz, und gerade das gefiel mir an ihm besonders. Ein Sprüchlein war zu lesen und auch, wie der Romai-Wasserfall zu seinem Namen kam. Das Gebiet im Waldbach war schon in der Römerzeit besiedelt – schwach zwar, aber doch. Und von eben diesen Römern sollte der Name stammen. Einige Bänke luden zum Rasten ein, das Bächlein war seicht, und man könnte toll darin die Füße abkühlen. Kleine Kaskaden waren bachaufwärts zu sehen.

Geht man jedoch bachabwärts, kommt man zu einem massiven Holzgelände, das den Aussichtspunkt auf dem Felsen direkt über dem Wasserfall absichert. Kluge Menschen nutzen die Rastbänke, um dort ihre Augengläser abzulegen, bevor sie sich zum Aussichtsfelsen begeben und hinab in die Gischt sehen. Ich gehöre leider nicht zu dieser Kategorie.

Begeistert stand ich über dem Wasserfall, der immerhin eine Fallhöhe von 8,10 Metern hat, und wollte ein Foto machen. Meine Sonnenbrille hatte scheinbar ihre eigenen Pläne – Pungee-Jumping ohne Seil oder so. Okay, der Einwand, dass die Brille ein Gegenstand ist, der sich keine Pläne machen kann, hat schon was. Aber egal. Ich stand da so und sah in die Tiefe – rumps – schon hing meine Sehhilfe einige Meter unter mir auf einem Farn, mitten auf dem steilen Felsen. Razepaduff!

Schnell blickte ich um. Gregi war noch mit den kleinen Kaskaden am oberen Bachlauf beschäftigt und widmete mir zum Glück keine Aufmerksamkeit. Jetzt muss ich leider etwas ausholen. Wir waren schon einmal bei diesem Wasserfall, und Gregi war damals hinter die Absperrung geklettert, um ein „sensationelles“ Foto zu machen. Ich hatte damals natürlich eine Heidenangst, daher musste er mir hoch und heilig versprechen, auf Kletterausflüge zu verzichten.

Etwas abseits des Wasserfalls gab es einen abschüssigen, steilen Pfad nach unten. Und diesen Steig musste ich nun hinunterkraxeln. Ich hoffte aus ganzem Herzen, meine geliebte Brille wieder irgendwie zu erhaschen.

Als Gregi schließlich selbst zum Aussichtsplatz kam und mich 8 Meter unterhalb im Bachbeet waten sah, staunte er nicht schlecht. „Warum um alles in der Welt bist du da runtergeklettert? Ausgerechnet du, die sogar schon in der Raabklamm umgekehrt ist, weil der Weg ‚zu gefährlich‘ war“, schien er mich zu fragen. Hören konnte ich es leider nicht – zu laut toste das Wasser. Also kletterte ich auf allen Vieren wieder zu ihm rauf, um ihm die Sachlage zu erklären.

Ich glaube, ich habe noch nie erwähnt, dass ich einen cleveren Mann habe. Wer intelligent ist, verwendet Werkzeug. Also suchte er sich eine dürre, 3 Meter lange Fichte, entfernte alle Seitenästchen und versuchte damit, meine Brille zu erhaschen, während ich wieder im Allradmodus nach unten kletterte, um die Brille aus dem Bachbett zu fischen, falls sie nach unten fallen würde. Immerhin wollte ich sie wieder haben, nicht, dass sie über den Winkelbach, den Weißenbach, die Lafnitz, die Raab, die Donau ins Schwarze Meer käme. Sie fiel auch etwas weiter nach unten, verhing sich allerdings wieder in Farn und war von oben mit der Stange nicht mehr zu erreichen. Also kletterte Gregi mit meinem Segen auch nach unten. Den Sehbehelf habe ich nun glücklicherweise wieder, und Gregi durfte offiziell nochmals (mit Kamera diesmal) nach unten klettern, um „sensationelle“ Fotos zu machen.

Eines muss ich jetzt allerdings ganz schnell klären. Man kann bei dieser Wanderung auch ganz hervorragende Fotomotive entdecken, ohne auch nur einen Schritt den bequemen Wanderweg zu verlassen: die tollen Wegweiser zum Beispiel in Form eines Holzschuhs, interessante Tiere wie einen C-Falter, einige Moorenfalter oder mehrere zweigestreifte Quelljungfern. Besonders gut gefielen mir die Glockenblumen, die ihr Habitat mit einem Fingerhut teilten.

Doch besonders schön war dann der Panoramablick vor der Arzberghütte. Der Gastgarten ist ein richtiges Genussplatzerl. Nicht nur der tollen Aussicht wegen, sondern auch wegen der Köstlichkeiten, die hier angeboten werden. Den Kaiserschmarrn mit Kompott kann ich wärmstens empfehlen.

 

„Leibnitz – Schloss Seggau – Frauenberg – Leibnitz“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

13 km

150 HM

4 h

Start:

Leibnitz

Hauptplatz  

Ein Sonntag im Februar, die Wettervorhersage prognostizierte 13 Grad Celsius, die Pollen der Frühblüher waren extrem aktiv und wir beschlossen, in den steirischen Süden zu fahren – trotz blühender Haselbüsche, die mir in Gleisdorf schon sehr zu schaffen machten. Wir bummelten über den Hauptplatz bis zum Kapuzinerkloster, dann bogen wir in der Rudolf-Hans-Bartsch-Gasse ein (wobei wir einem nervösen Eichhörnchen begegneten, welches den Winterschlaf unterbrochen hatte) und marschierten an der Tennishalle und am Park vorbei in Richtung Sulmbrücke. Überall gab es noch verdichtete Schneereste und sogar der Bach im Park hatte noch eine Eisschicht. „Irgendwie haben wir in Gleisdorf ein anderes Klima“, bemerkte ich und fror leicht.

„Ich habe immer geglaubt, die Sulm fließt auf der anderen Seite des Berges“, überlegte ich, als wir den Fluss überquerten. Ein Blick auf die Landkarte und wir sahen: das tut sie auch. Sie schlängelt sich förmlich um den Berg, wobei sie bei Leibnitz durch die Laßnitz Verstärkung bekommt. Und dann ist da ja auch noch die Mur, die östlich an Leibnitz vorbeifließt. Ein fruchtbares, richtig breites Tal, ein Berglein, das von einem Fluss umspült wird, und Wein wächst da auch noch. Klar, dass sich da die Römer wohlgefühlt und in der Nähe die Stadt Flavia Solva gegründet hatten. Doch schon vor den Römern war der Hügel, den wir erklimmen wollten, bewohnt. Schon seit prähistorischer Zeit.

Von der Sulmbrücke aus gibt es zwei Gehwege zum Schloss Seggau. Der rechte Weg führt steil auf den Berg, dann kommt eine kleine Kapelle, kurz die Asphaltstraße hoch, dann rechts zum Schloss. Bei der zweiten Variante geht man von der Brücke aus ein kleines Stückchen nach links, um dann auf einen steilen Asphaltweg durch den Wald emporzusteigen. Beim Tennisplatz Frauenberg kommt man raus – hier sieht man schon das Schloss und kann sich nicht mehr verirren. So oder so … man kommt an Marterln vorbei. Eines kann ich schon mal vorwegnehmen. Hier gibt es eine enorm große Marterldichte und wie mir scheint auch sehr, sehr viele Tennisplätze. Thomas Muster lässt grüßen.

Schon sehr früh war der Bergrücken, auf dem jetzt das Schloss steht, an das Erzbistum Salzburg gekommen. Bereits im Jahre 860 war eine ältere Schenkung schriftlich bestätigt worden. Auf dem Berg entstanden drei getrennte Befestigungen. Ein Teil dieser Befestigungen wurde dann vom Salzburger Erzbischof an den Seckauer Bischof weitergegeben (das war im Jahr 1219). Im 15. Jahrhundert wurde Seggau zerstört, die Salzburger zogen sich zurück und verkauften ihren Teil den Seckauern. In jungen Jahren verwechselte ich gerne das obersteirische Seckau mit dem südsteirischen Seggau – die Namen sich ja doch sehr ähnlich und ich nehme an, dass das Seggau im Weinland seinen Namen vom bischöflichen Seckau hat.

Schloss Seggau hat eine beachtliche Römersteinsammlung – eine der größten in Europa, wenn man von Italien mal absieht. Als man diese Wehranlage baute, brauchte man natürlich viel Baumaterial. Eine aufgelassene Römerstadt mit bereits toll bearbeiteten Steinen war da eine richtige Fundgrube – Recycling funktionierte anno dazumal ganz prima. Doch nichts auf der Welt hält ewig – ein Turm des Schlosses musste in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts abgetragen werden … und da kamen sie wieder zum Vorschein, die tollen alten Römersteine. Man erkannte den künstlerischen und geschichtlichen Wert der Steine und so kommt es, dass die teils recht lebensfrohen und durchaus auch freizügigen Denkmäler die Wände eines bischöflichen Schlosses schmücken. Mein Lieblingsplatz auf dem Schlossgelände ist die im Süden gelegene Wiese mit dem herrlichen Turm. Hier ist die Aussicht auf Leibnitz, zum Frauenberg, auf die Sulmseen, auf den Weinberg der Weinbauschule Silberberg und die Aussichtswarte auf den Kogelberg einfach wunderbar.

Die Wanderung führte uns nun weiter (am Gasthaus Schlosskeller vorbei) zur „Akropolis der Südsteiermark“ – zum Frauenberg mit seiner Wallfahrtskirche und den archäologischen Ausgrabungen. Normalerweise würde man über den Kreuzweg dieses Ziel erreichen. Dieser war an diesem Februartag leider dermaßen vereist, dass wir die Straße vorzogen. Die Wallfahrtskirche sieht von außen nicht besonders hübsch aus, man sollte sich aber nicht täuschen lassen. Innen ist sie sehr prächtig. Auf dem Frauenberg gab es die Marienwallfahrt und davor waren auf diesem „heiligen Berg“ vorwiegend Muttergottheiten verehrt worden. Übrigens gab es hier schon in der frühchristlichen Zeit – im 4. bis 5. Jahrhundert nach Christus, eine Kirche.

Das Museum war leider geschlossen – doch das Außengelände ist ganzjährig zu besichtigen. Das Tempelmuseum selbst ist ein kleines Häuschen, recht unscheinbar. Eine ehemalige Schule, gegründet im Jahre 1731. Die findigen Baumeister fanden ein tolles Fundament für ihre Schule. Sie stellten das Gebäude einfach auf die Reste einer ehemaligen antiken Säulenhalle. Die Schüler hatten wohl keine Ahnung, auf welchem heiligen Boden sie da unterrichtet wurden. Es wäre interessant zu erfahren, ob der Lernerfolg in dieser Schule außergewöhnlich war.

Die Römer waren nicht dumm gewesen. Sie wussten, wie heilig der Berg den ursprünglichen Steirern (Kelten) war, die hier eine Muttergottheit verehrten. Sie machten das, was später die Kirche auch so gerne praktiziert hatte: Sie übernahmen den heiligen Platz und bauten einen eigenen Tempel darauf. Auf dem Frauenberg bauten sie sogar zwei Tempel. Einen für die Muttergottheit Isis/Norea und einen für den Kriegsgott Mars/Latobius. Hier ist ein besonderer Platz, der angeblich eine ganz besondere Strahlung hat – ähnlich wie die Strahlung in der Kathedrale von Chartres. Ich kann das leider nicht bewerten, doch eines kann ich mit gutem Gewissen sagen: Wir haben den Aufenthalt auf diesem Gelände richtig genossen, saßen auf einem Bankerl in der Sonne und blickten in das Tal, wobei wir uns eine gute Jause gönnten. Wir haben uns pudelwohl gefühlt.

Dann wanderten wir weiter – an einem neuen Feuerwehrhaus vorbei, dann zum alten Feuerwehrhaus (hier rechts abbiegen zum Hotel/Gasthaus Hasenwirt), auf der Rückseite des Hotels vorbei (nicht die Straße nach unten gehen) bis zu einem Sackgassenschild. Den Greitbauerweg (Schild „Familie Adam“) folgen, bis man zu einer Straßenkehre kommt. Hier betritt man den Wald. Ein Waldweg führt nach unten, man erreicht eine Forststraße … und nun wird es interessant. Man quert diese Straße, kämpft sich durch das Gestrüpp und kommt wieder zu einem (leider recht verwahrlosten) Waldpfad. Diesem bergab folgen, bis man die Sulm und die Müllerkapelle (welche auf einem Grabhügel steht) erreicht. Hier zweigt man rechts ab und folgt dem Radweg in Richtung Sulmsee.

Als wir unterwegs waren, war der Weg eine einzige Eisplatte. Verständlicherweise waren wir alleine auf weiter Flur (zum Glück, denn teilweise war ich sicherheitshalber auf allen vieren unterwegs). War ich froh, als wir endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatten! Jetzt erst konnte ich gelassen die dahinfließende Sulm beobachten, die Gänsesäger, die sich auf einem Baumstamm sonnten, die mindestens 30 Stockenten, die in einem Maisfeld, das nicht abgeerntet worden war, ein Festtagsmahl genossen. Bei der eisernen Brücke könnte man die Wanderung abkürzen, den Pfad in Richtung Seggauberg hochgehen und auf der anderen Seite nach Leibnitz absteigen. Wir entschlossen uns jedoch, der Sulm weiter zu folgen. Je näher wir dem Grottenhof kamen, umso belebter wurde es auf dem Weg. Familien mit und ohne Hunde, Radfahrer, junge und ältere Paare.

Wir erreichten eine tolle Allee und Gregi entdeckte einen wunderhübschen Kleinspecht und war nur mehr happy. Ich war auch recht froh, bald würden wir in das Kaffeehaus „Elefant“ einkehren. Doch zuvor mussten wir noch die Laßnitz überqueren (die ehemalige Eisenbahnbrücke ist ein echter Hingucker). Wahrscheinlich hätten wir gleich nach der Brücke den Pfad neben dem Fluss nehmen müssen. Nach unserem Erlebnis mit dem fürchterlich vereisten Radweg gingen wir nun auf Nummer sicher und kehrten entlang der Straße nach Leibnitz zurück. Circa 25 000 Schritte machte ich bei dieser Wanderung, waren doch Umwege zurückzulegen wegen vereister Passagen und einmal verliefen wir uns (beim Hotel Hasenwirt). In Leibnitz angekommen, war ich rechtschaffen müde, doch auch sehr zufrieden. Wir hatten einen wunderbaren Tag und konnten sehr schöne Eindrücke sammeln.

 

 

„Tannertrail“ – Tanner Moor bei Liebenau

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

4,5 km

69 HM

2 h

Start:

Liebenau

Rubner Teich  

Im April (zur Monatsmitte) war es im Mühlviertel richtig kalt. „Wir sind im Norden“, meinte ich, als wir beim Parkplatz Rubner Teich aus dem Auto stiegen und unter unseren Wanderschuhen circa fünf cm frischer Schnee lag. Den Parkplatz hatten wir über eine enge Dammstraße erreicht, hier gab es eine Aussichtsplattform mit schönen (schneebedeckten) Liegen – der „Moortreff“ war geschlossen. Hätte sich auch nicht ausgezahlt, offen zu haben. Wir waren die Einzigen, die sich bei diesem Wetter dazu entschlossen hatten, das Tanner Moor zu besuchen.

Der Rubner Teich war künstlich angelegt worden. Ich staunte nicht schlecht, wie groß er war. Bagger hatte es im 18. Jahrhundert noch keine gegeben – es musste ein gewaltiger Kraftakt gewesen sein, diesen Schwemmteich, der 2,5 Hektar groß und bis zu 8 Meter tief ist, zu errichten. Gebraucht wurde er für die Holztrift. Einmal im Jahr wurde er abgelassen und dann wurden die Baumstämme mit dem braunen Moorwasser weitertransportiert. Nach Perg und nach Mitterkirchen kam das Holz. Heute ist der Rubner Teich eine beliebte Freizeitoase. Im gesunden Moorwasser zu baden – in einer idyllischen Gegend auf über 900 Metern über dem Meer –, das hat schon was. Uns war an diesem Tag weniger nach Baden, eisig kalt war es und zudem schneite es nicht schlecht. Der Weg führte uns zuerst durch einen Fichtenwald. Kleine Nadelbäumchen säumten den Weg und wirkten mit den Schneehäubchen recht weihnachtlich. „Welchen Christbaum suchen wir uns aus“, scherzte ich noch, als wir den ersten Steg des Moores erreichten. Hier gab es ein Schild zu lesen, mit sinngemäß folgendem Hinweis: „Sie betreten jetzt ein Naturschutzgebiet – verlassen Sie nicht den Weg, nehmen Sie nichts mit und lassen Sie nichts hier und verrichten Sie hier bitte nicht Ihre Notdurft!“ Daneben war ein Schild zu sehen, mit Bildern der Tiere des Moores – darunter befand sich auch eine Kreuzotter. Damit war sichergestellt, dass die Besucher den Weg nicht verließen und hier auch nicht das Unterholz aufsuchten, nehme ich mal an.

Die Fichtenmonokultur war nun einem Birkenwald gewichen, der Weg war mit Hackschnitzeln versehen. Der Boden hatte sich geändert, kein Granitfelsen war mehr zu sehen, stattdessen schwankte es hin und wieder und die Holzstege, die durch die Moorlandschaft führten, wurden immer länger. Inzwischen gab es auch keine Birken mehr, dafür niedrige krumme Latschen. Das Tanner Moor ist mit 120 Hektar das größte Latschenhochmoor in Österreich. Bis zu acht Meter dick ist das Moor, es war in der letzten Eiszeit entstanden und seitdem (ca. 12.000 Jahre) war es immer brav gewachsen. Dann kamen die Menschen und legten Fichtenmonokulturen und Entwässerungsgräben an. Jetzt ist man wieder klüger. Nun bemüht man sich um die Revitalisierung des Moores, die Fichten müssen weichen, auch versucht man, den Grundwasserspiegel zu heben.

Im Sommer sollten hier seltene Pflanzen wachsen: Rausch- und Moosbeeren sowie der rundblättrige Sonnentau. Doch auch Raritäten aus der Tierwelt sind hier vertreten: der Hochmoorlaufkäfer sowie der Hochmoorgelbling und das Haselhuhn. Davon sahen wir bei diesen winterlichen Verhältnissen natürlich nichts. Wären die Vögel nicht unterwegs, es würde hier wie ausgestorben wirken. Jungfräulich lag der Schnee auf den Stegen (die leider kein Geländer zum Festhalten haben), unsere Spuren waren die einzigen. Immer wieder entdeckten wir Säulen mit der Aufschrift „Hubschrauber-Rettungsplatz“. Gut, ins Moor kann kein Rettungswagen fahren, aber ob da wirklich Helikopter landen könnten? Wir waren da eher skeptisch – also passten wir höllisch auf, dass wir ja nicht vom Steg rutschten.

Nach einer Weile in dieser archaischen Welt erreichten wir wieder eine Schotterstraße, bald kamen wir in einen Wald und dann gab es einen kleinen Anstieg. Riesige Felstürme wuchsen vor uns aus dem Boden, eine enge Gasse führte durch sie. Diese Fels-Blocksburgen waren durch Verwitterung entstanden. Vor 300 Millionen Jahren hatte es hier ein Hochgebirge gegeben. 300 Millionen Jahre sind eine sehr, sehr lange Zeit. Wohl niemand kann errechnen, wie viele Niederschläge es in den Jahrmillionen hier gegeben hatte. Jedenfalls wurde definitiv viel Erde und Gestein weggetragen und gespült, nur mehr Reste der Böhmischen Masse sind übrig geblieben. Abgerundete, übereinandergetürmte Steine lagen vor uns. „Wollsackverwitterung“, sagen die Geologen. Wir stiegen weiter den Berg hoch und entdeckten weitere gewaltige Felsformationen aus Weinsberger Granit.

Eine Tafel belehrte uns, dass diese Felsbrocken „Lehrmüller-Mauer“ hießen, und darauf sollte früher eine Holzburg gestanden sein. Sie sei ein Freibauernsitz gewesen. Freibauern durften die Wahl ihres Wohnortes selbst wählen und … trara … sie durften sich selbst ihre Ehefrauen aussuchen. Ein riesiges Privileg, das jedoch schwer erkauft war. Diese Bauern mussten bei der Verteidigung des Landes helfen (Grenze zu Böhmen) und sie mussten auch Kriegsdienste leisten. Verteidigen konnte man die Holzburg auf der Lehrmüller-Mauer sicherlich bestens. Hoch ragt der Felsen auf, durch einen engen Felsspalt kam man der Burg näher. Wir stiegen andächtig auf die Lehrmüller-Mauer, von der es eine wunderbare Aussicht geben sollte. Wir standen auf den Felsen und konnten aufgrund der trüben Witterung und des Schnees die riesige Waldfläche, die sich unter uns ausbreitete, eher erahnen.

Wehrtechnisch hatte der Standort dieser Holzburg sicherlich seine Berechtigung. Ich konnte mir auch vorstellen, dass man sich so hoch über dem Wald richtig abgehoben und frei fühlte. Es war ein sehr beeindruckender Platz. In Liebenau gibt es einige solcher markanter Felsformationen. Und auf vielen davon mussten Holzburgen gestanden haben. Heute vermutet man, dass rein im Gemeindegebiet Liebenau mehr als 30 solcher Holzburgen existierten.

In der Gemeinde Liebenau gibt es einige Wanderungen und so interessante Namen wie Brockenberg, Fuchsenlucka, Jankusmauer, Teufelskessel machen richtig Lust auf weitere Entdeckungstouren. Wer weiß, welche alten Kultstätten, Siedlungsplätze, Wehranlagen … da noch auf uns warten und besucht werden wollen. Wir werden wieder kommen – hoffentlich ist dann das Wetter ein bisschen freundlicher.

„wasser.weg“ Ostschleife – Bad Radkersburg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

13,5 km

70 HM

3:25 h

Start:

Bad Radkersburg

Thermal-quellenhaus  

Der Vorfrühling im Süden der Oststeiermark ist schon etwas ganz Besonderes. Daher zieht es uns immer wieder im Februar und März in diese Richtung. Diesmal wollten wir wieder einmal nach Bad Radkersburg und ich muss ganz ehrlich gestehen, etwas verliebt bin ich in diese kleine Stadt. Auch mag ich die Mur sehr, sehr gerne. Also freute ich mich so richtig auf unsere Wanderung, die uns entlang der Mur über Felder nach Sicheldorf und zurück nach Radkersburg führen sollte.

Radkersburg war schon sehr früh gegründet worden, und zwar vom böhmischen König Ottokar II. Przemysl. Ottokar gründete einige Städte in Österreich, zum Beispiel Marchegg, Leoben und Bruck – und eben auch Radkersburg. Als Grenzfeste wurde es 1261 gebaut und bereits 1299 zur Stadt erhoben. Wohlstand sicherte die Mur, die anno dazumal ein wichtiger Handelsweg war. Die Straßen waren schlecht und die Waren wurden auf Flößen über die Flüsse transportiert. Und da Radkersburg ein „Niederlagsrecht“ sowie das „Weinvorkaufsrecht“ hatte, wurde es zu einer wohlhabenden Handelsstadt. Eisen und Salz kamen vom Norden über die Mur und wurden nach Ungarn verschifft. Von Ungarn kam Schlachtvieh nach Österreich. Auch Wein und Honig waren begehrte Handelsobjekte gewesen.

Wir würden mit keinem Floß fahren, doch zur Mur wollten wir nun unbedingt gelangen. Vom Hauptplatz aus folgten wir der Langgasse. Hier hatten dazumal die Händler gesiedelt, Geschäfte gibt es hier heute noch. Ein Laden hatte es mir besonders angetan, einer mit Schildern. „Ohne Katzenhaare auf der Kleidung ist man nicht richtig angezogen“, stand auf einem. An diesen Modetipp halte ich mich stets. Das „Gasthaus zum Türkenloch“ sieht richtig hübsch aus. Überhaupt, die Häuser der Stadt wurden liebevoll restauriert, was eine ganz tolle Leistung war, denn nach dem Zweiten Weltkrieg waren nur vier Häuser der Stadt unversehrt. 1978 hatte die Stadt berechtigterweise die Europagoldmedaille für Denkmalpflege bekommen.

Eine große Brücke führt über die Mur nach Slowenien. Würde man drübergehen, könnte man das Schloss Gornja Radgona (Oberradkersburg) besichtigen (Achtung: Eintritt über Automaten entrichten). Wir blieben jedoch auf der österreichischen Seite und wanderten auf der Dammkrone die Mur entlang. Laut war es hier und wir freuten uns drüber. Das hört sich jetzt zwar blöd an, aber es war kein Verkehrslärm, den wir hörten. Nein, es waren die hübschen Stimmchen der unzähligen Stare, die sich bei den efeuumwucherten alten Bäumen zum Futtern versammelt hatten. Wir beobachteten das emsige Treiben auf den Baumwipfeln eine Zeit lang, dann marschierten wir weiter.

Entlang der Mur ist der zweitgrößte Auwald Österreichs, das Gebiet gehört zum „Grünen Band Europas“. In den Zeiten des Kalten Kriegs war der Grenzstreifen des Eisernen Vorhangs nicht verbaut, ein Grünstreifen zieht sich nun vom Eismeer im Norden Norwegens bis zum Schwarzen Meer. 12.500 km ist dieses „Grüne Band“ lang – und ein kleines Stückchen davon erkundeten wir auf unserer Wanderung. Echte Schneeglöckchen winkten uns, es roch bereits nach Bärlauch. Ein wahrer Wermutstropfen war jedoch der Wald selbst, der im Vorjahr durch den Sturm sehr in Mitleidenschaft gezogen worden war. Wie überdimensionierte Mikadostäbchen lagen die Bäume kreuz und quer. Der Weg führte uns nun zu den Feldern – hier waren Bundesheersoldaten unterwegs. Auch das hat hier Tradition. Unter der Herrschaft Maria Theresias wurde Radkersburg zur Garnisonsstadt – was es bis 2013 auch blieb.

Die Wanderung führte uns zur Johannesquelle (welche ein bisschen an eine Bushaltestelle erinnert). Und dann – was für eine Freude – ein Graureiher. Einer, der sich noch dazu fotografieren ließ – im gebührenden Abstand, versteht sich. Durch ein Wäldchen kamen wir nach Sicheldorf. Das Wanderschild leitete uns zu einer Schottergrube, dort angekommen verloren wir den richtigen Wanderweg. Wären wir dem Schild weiter gefolgt, hätten wir über Wasser gehen müssen. Diese Begabung fehlt uns leider, also folgten wir dem Schotterweg am Zaun entlang, bogen dann rechts in Richtung Radkersburg ab, dann links einen Waldrand entlang – und dann kamen wir an ein magisches Platzerl. Ein Holzkreuz und ganz, ganz viele Vogelfutterhäuschen mit noch mehr gefiederten Besuchern. Dieser Ort ist gesegnet, davon gehe ich mal aus. In Laafeld durften wir einen hübschen Buntspechtknaben dabei beobachten, wie er melodisch rhythmisch auf einem Stamm herumhämmerte. Spechte sind tolle Vögel – sie können wie wild mit ihrem Schnabel hämmern, ohne dabei eine Gehirnerschütterung zu bekommen. Eine Meisterleistung der Evolution! Als wir Bad Radkersburg wieder erreichten, kehrten wir am Hauptplatz im Café Punkt ein (ein sehr guter Cappuccino und ein leckeres Croissant). Über das Fenster sah ich die stattlichen Säulen der Arkaden, eine architektonische Pracht. Am Radkersburger Hauptplatz residierten der Adel und wohlhabende Bürger, was man den Häusern auch ansieht. Eine ganz prominente Frau wurde in Radkersburg geboren: die Gallerin, die Burgherrin der Riegersburg.

Gestärkt machten wir uns nochmals auf den Weg, die Langgasse runter, rechts in die Altstadtgasse, an der Vinothek vorbei vor die Stadtmauer. Die Domenico-dell‘-Allio-Allee entlang zu gehen ist ein absolutes Muss, wenn man in Bad Radkersburg ist. Der ehemalige Stadtgraben war nicht verbaut worden und ist ein Refugium für Pflanzen und Tiere. Die Aussicht auf die Stadtmauer und die Altstadt ist einfach herrlich. Dieser Graben trennt auch die historischen Bauten der Stadt mit ihren alten Geschichten von den neuen Hotel- und Kuranlagen der Stadt mit ihren jüngeren Geschichten. Und die sind auch interessant. In den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts suchte man in Radkersburg nach Erdöl. Gefunden hatte man etwas viel Besseres: allerfeinstes Heilwasser. „Long Life“ – wohl bekomms. 1977/78 hatte man dann schon gezielt nach Thermalwasser gebohrt und aus 1.791 bis 1.856 Metern Tiefe kommt es, das 80 Grad heiße Wasser. Und so ist aus der ehemaligen Garnisonsstadt Radkersburg die Kurstadt Bad Radkersburg geworden. Eine erfreuliche Entwicklung, finde ich.

Trotz allem sehe ich mir aber den Befestigungsgürtel aus der Renaissancezeit gerne an, der die Stadt so pittoresk umgibt. Domenico dell‘Allio hatte ihn geplant. Der aus Oberitalien stammende Baumeister war sehr emsig gewesen – sein Name steht im Zusammenhang mit sehr, sehr vielen Verteidigungsanlagen. Er wirkte in Graz, Varazdin, Wien, Klagenfurt, Fürstenfeld, Feldbach, Radkersburg, Maribor, Ptuj etc. Es war die Zeit der Türkenkriege, starke Mauern retteten Leben und Eigentum. Wir betraten die „Domenico-dell‘-Allio-Allee“ bei einem Kinderspielplatz und verließen sie bei einem Altersheim. Über eine Brücke zurück in die Altstadt, wo es noch ganz viel zu entdecken gäbe. Die ältesten Profandarstellungen in der Steiermark zum Beispiel. Doch diese mussten wir uns für einen anderen Ausflug aufheben – für diesen Tag war es Zeit, nach Hause zu fahren.

„Enzmilners Kulturwanderwege“ – Windhaag

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Hauptstrecke

13,5 km

339 HM

3:35 h

Route II Fernblick

2,88 km

33 HM 0:39 h

Wenn Möraths im Frühjahr einige Tage auf Reisen gehen, dann gibt es in der Urlaubsregion mit einer nahezu hundertprozentigen Sicherheit einen Kälteeinbruch und Dauerregen. Da ist es schon fast verwunderlich, dass wir überhaupt noch ein Urlaubsquartier buchen dürfen. Doch die Hoteliers können sich auch gewiss sein, dass mit unserer Abreise das Wetter urplötzlich wieder wunderbar wird. So haben wir meistens bei der Heimreise feines Wetter und daher nützen wir diesen Tag gerne noch, um eine leichte, kurze Wanderung zu machen. Zu müde wollen wir schließlich bei der Autofahrt auch nicht sein. Daher wird es immer eine sehr gemütliche Tour.

Bei der Heimfahrt vom Mühlviertel entschlossen wir uns, in Windhaag haltzumachen und die kürzeste Variante des Enzmilner Kulturwanderweges zu erkunden. Windhaag liegt auf den Ausläufern des Mühlviertler Hügellandes, es ist ein beschaulicher Ort mit grandioser Aussicht. Kein Hügel verstellt mehr den Weg – frei blickt man ins breite Donautal. Wunderbar!

1287 war Windhaag das erste Mal urkundlich erwähnt worden: „Winthag im Machland“. Das Machland gehört zu den ältesten Siedlungsräumen in Österreich, es ist ein fruchtbares Land. Die Machland-Gurke ist ein Begriff. 1290 nannten sich die Brüder Heinricus und Feitel nach ihrer Burg „von Windhag“.

Im Laufe der Jahrhunderte hatten die Besitzer gewechselt – besonders hervorzuheben wäre ein sehr exzentrischer Reichsgraf, Joachim Enzmilner. Enzmilner hatte eine steile Karriere hinter sich gehabt – vom einfachen Bürger bis zum Reichsgrafen. Er galt als Gegenreformator (als Lutheraner hätte er diesen Aufstieg zu dieser Zeit auch nicht geschafft). 1636 erwarb er die Burg … 1642 begann Enzmilner mit einer regen Bautätigkeit und sechs Jahre später stand in Windhaag eines der prächtigsten Renaissanceschlösser in Oberösterreich. Die „Topographia Windhagiana Aucta“ aus dem Jahre 1673 zeigt die Schlossanlage, die gigantische Ausmaße haben musste. Eine riesige Vierkantanlage, wobei ich rein bei einer Front des Schlosses ganze 36 Fenster zählen konnte. Weiters hatte es einen Pferdehof, einen schönen Obstgarten, einen Meierhof, eine Gloriette … gegeben.

1678 war Joachim Enzmilner gestorben. Er hatte eine Tochter – eine einzige. Sie war Priorin der Dominikanerinnen, die im „Alten Schloss“ (also in der Altburg) wohnten. So eine alte Burg sei kein wohnlicher Ort, fanden die Nonnen … ein pompöses Schloss war für sie offensichtlich auch nicht angemessen. Also ließ Eva Magdalena (die Tochter Enzmilners und Priorin) die prächtige Anlage noch 1678 abreißen. Mit den daraus gewonnenen Baumaterialien wurde in Windhaag ein Kloster errichtet.

1782 wurde dann das Kloster aufgelassen, davon existieren heute auch nur mehr einige Teile (unter anderem die recht große Kirche).

Das Schloss Windhaag in Oberösterreich hatte leider keine lange Lebensdauer. Doch Enzmilner hatte zum Glück auch Besitzungen in Niederösterreich, und die waren Teil einer Stiftung von Joachim Enzmilner, die durchaus als nachhaltig bezeichnet werden kann. Die Windhag-Stipendienstiftung für Niederösterreich – die 1670 gegründet wurde und nach wie vor unter der Verwaltung der niederösterreichischen Landesregierung steht. Unter anderem gehört heute das Gut Ottenstein zu dieser Stiftung … und dort (so munkelt man) könnte nun der dritte Nationalpark Niederösterreichs entstehen.

Doch nun zur Wanderung: Wir parkten bei der Kirche … und fanden dummerweise die richtigen Wanderschilder für den Enzmilner Kulturwanderweg nicht. (Wir hätten um die Kirche herumgehen sollen, dann hätten wir den kleinen Torbogen erreicht und die Wegweiser gesehen.)

Wir versuchten, mithilfe der Wanderkarte den richtigen Weg zu finden. Eine kurze Strecke wanderten wir neben der Landes- oder Bundesstraße bis zum Ortsende. Dann zweigten wir rechts ab (Hausberg) und hielten auf einem Feldweg auf den Wald zu. Da gab es zwei hübsche Bankerln, die leider belegt waren. Ein älteres Paar hatte diesen herrlichen Platz für sich entdeckt und eine appetitlich aussehende Jause aufgetischt. Daher gingen wir den Waldrand entlang bis zur Kuppe, wo ein Handymasten steht (Wahnsinnsaussicht). Danach marschierten wir bergab zum Hochwasserbehälter mit Panoramatafel und Fernrohr. Über einem Feldweg gingen wir zur Hubertuskapelle (wo wir ein Reh erschreckten), dann weiter zum Platz, wo früher die Gloriette gestanden war (toller Blick auf die Burgruine). Dann kamen wir in einen Wald und über einen Hang hinunter zu einem reichlich eigenartigen, sehr schrägen Anwesen. Endlich erreichten wir die Burgruine.

Einige Mauern der Altburg hatten überlebt, dank engagierter Personen wurde die Ruine gesichert und der Burgturm ist seit 2012 begehbar. Die Aussicht vom Turm ist einfach toll. Kurz überlegte ich, ob es früher in Richtung Donau auch einen Waldbestand gegeben hatte oder ob man diesen Bereich freigehalten hatte, um das Anrücken der Feinde früher zu bemerken.

Es ist richtig interessant, dieses alte Gemäuer zu erkunden. Es gibt ein Silbergewölbe in einem Obergeschoß und es gibt ein Verlies im Untergeschoß (in dem 1785 der Braumeister Kaspar Rothammer einen Schankkeller einrichtete). Und im Hof gibt es tolle Schautafeln, die einen Eindruck davon geben, wie groß die herrschaftliche Schlossanlage einmal gewesen sein muss.

Es zahlt sich auch aus, die Ruine von außen zu umrunden. Dabei sieht man erst, wie günstig gelegen diese Verteidigungsanlage war. Steil geht es bergab, unten gibt es einen Teich. Die alte Burg war mit dem Renaissanceschloss über eine Brücke verbunden. Einen halb verfallenen Turm des Schlosses kann man hinter dem Gebüsch noch erkennen.

Hätten wir nicht eine lange Heimfahrt vor uns gehabt, hätte ich die Gegend gerne noch näher erforscht. Doch nun war es Zeit, die Wanderung zu beenden, uns zu stärken und den Heimweg anzutreten.

Die Schlosstaverne Hofer in Windhaag war gut besucht, leider gab es für uns keinen Tisch mehr. Hunger hatten wir, also fuhren wir den Berg hinunter … und kamen nach kurzer Zeit in der Bezirkshauptstadt Perg an. Die Kirche auf dem Hauptplatz ist sehenswert. Am Marktplatz gibt es wunderbare alte Häuser … auch einige geöffnete Restaurants waren dabei, in einem davon haben wir sehr, sehr gut gespeist.