| Distanz | Dauer | |
| Weg Nr. 7: | Aumühle Höhenweg nach Grein | 6 km | 2 h |
| Weg Nr. 9: | Grein – Stillensteinklamm – Aumühle | 8,5 km | 2,5 h |






















Eigentlich hatten wir vor, eine etwas gemütlichere Wanderung zu machen. Am Vortag hatten wir in Waldhausen ordentliche Höhenmeter und Kilometer gemacht … also recherchierten wir … und machten dabei einen groben Denkfehler.
In der offiziellen Wanderkarte des Tourismusverbandes Grein steht folgende Beschreibung der Wanderung:
„Stillensteinklamm – 8,5 km – 2,5 Stunden – Markierung 9
Die Stillensteinklamm in Grein an der Donau zählt zu den schönsten Wanderwegen im Unteren Mühlviertel und wurde mit dem OÖ Wandergütesiegel ausgezeichnet. Ausgangspunkt für die Wanderung ist der Wanderinfopunkt an der Donaulände. Der gut beschilderte Familienwanderweg führt zunächst durch das Donaustädtchen Grein, vorbei an der Galerie in Granit, zum Werfensteinblick (Blick auf die Donau und die Insel Wörth) und weiter bis zum Klammeingang bei der Gießenbachmühle. Höhepunkt der Wanderung durch die Stillensteinklamm ist der „Stille Stein“. An dieser Stelle fließt der Bach ein Stück weit unterirdisch. Nach der Klamm führt der Wanderweg zum Gasthaus Aumühle. Durch die Mühlviertler Hügellandschaft geht es auf dem Weg Nr. 7 zurück ins Donaustädtchen Grein.“
Soweit die Beschreibung der Wanderung auf der Wanderkarte. Ich Dummerchen nahm natürlich an, dass die ganze Runde 8,5 km lang sein würde, samt Weg Nr. 7 zurück ins Donaustädtchen Grein.
Also marschierten wir nach dem Frühstück ganz fröhlich von unserem Hotel Aumühle los und folgten dem Höhenweg Nr. 7. Das erste Stückchen gingen wir auf der Asphaltstraße, welche bei Motorradfahrern sehr beliebt ist. Endlich durften wir rechts abzweigen, verließen die Straße und marschierten am Waldrand entlang den Hügel hinauf. Des Nachts hatte es geregnet, der Weg war noch nass – doch noch nasser waren die Blätter des Haselstrauchs, der seine Zweige direkt über meinen Kopf streckte … und ein freches, boshaftes Eichhörnchen hatte nichts Besseres zu tun, als eben über diese Zweige zu huschen und mir eine ordentliche Morgendusche zu verpassen. Auf diese Weise endgültig munter betrachtete ich die unzähligen Hügelchen rund um uns. Nebelschwaden zogen hoch, und es war schon irgendwie ein mystisches Bild.
Der Weg führte an großen Bauernhäusern vorbei, an uralten, sehr beeindruckenden Obstbäumen (besonders hoch waren jene, die im Graben gepflanzt worden waren), vorbei an Kühen (die uns gelangweilt nachsahen) … wir entdeckten in der Ferne die wunderschöne Burg Clam mit ihrer einzigartigen Silhouette, dann ging es steil bergauf in den Wald zum Marienstein.
Stufen führen zum Marienstein. Ein Wackelstein mit einer Marienstatue … und eine unerhört wunderbare Aussicht direkt auf die Donau und auf Grein.
Auf Granit beißen heißt, dass man auf Widerstand stößt oder mit seinen Bemühungen erfolglos bleibt. Die Donau beißt im wahrsten Sinne des Wortes im Strudengau auf Granit – auf die Ausläufer der Böhmischen Masse. Doch ihre Bemühungen waren nicht ganz erfolglos. Sie hat sich einen Weg durch diese harten Hügel gebahnt. Vor diesem Gebirge hat die Donau sehr viel Raum, wo sie sich nach Herzenslust ausweiten kann. Doch im Strudengau ist das anders. Eng ist das Tal, und Platz für den Fluss gibt es kaum. Das Flussbett hat nur die Hälfte der normalen Breite zur Verfügung. Strudel, Untiefen und Stromschnellen machten den Kapitänen zu schaffen – der Strudengau war die gefährlichste Passage auf der gesamten Donau.
Die extreme Herausforderung, ein Schiff heil durch den Struden zu bringen, war für die Greiner ein einträgliches Geschäft. Dass sich die Lotsen eine goldene Nase verdienten, beweist der Hauptplatz von Grein mit seinen schönen Häusern. Schon im Mittelalter versuchte man mit Bergmännern aus Tirol, die Felsen in der Donau zu sprengen. Die Greiner sahen ihr Geschäftsmodell gefährdet und verjagten die Bergmänner. Unter Maria Theresia wurden dann erstmals ernsthafte Versuche unternommen, die Donau zu bändigen – mit mäßigem Erfolg. Als das Schiff mit der zukünftigen Kaiserin Sisi in Grein auf Grund lief und die junge Braut gerettet werden musste, entschloss sich Kaiser Franz Josef, den Strom endgültig schifffahrtstauglich zu machen. Aber erst seit das Kraftwerk Ybbs-Persenbeug die Donau aufstaut, ist der Struden wirklich harmlos.
Das Zentrum des Hauptplatzes ist der Meggaubrunnen. Früher wäre die Form meiner Waden durchwegs als wohlgeformt durchgegangen … vorausgesetzt, ich hätte im 17. Jahrhundert gelebt und ich wäre ein Mann gewesen. Die Brunnenfigur zeigt Graf Meggau, dessen feiste Waden wohl in Seidenstrümpfen gesteckt hatten. Die Kniebundhose endete mit großen Schleifen – mit prächtigen Schleifen waren auch seine Schuhe gebunden.
Wir waren nun bereits sechs Kilometer gegangen und befanden, dass wir uns eine Stärkung verdient hatten. Im Gastgarten des Biedermeierlokals und Cafés „Kaffeesiederei Blumensträußl“ aßen wir ganz hervorragend.
So gestärkt wollten wir noch das Schloss Grein erkunden und dem Schifffahrtsmuseum einen Besuch abstatten. Mit Ende der Saison würde dieses Museum seine Tore schließen, erfuhren wir, und so waren wir uns sehr bewusst, dass wir (wir waren im September unterwegs) wohl zu den letzten Besuchern des Museums zählen würden. Doch das Schloss Greinburg hat abseits des Museums noch andere Besonderheiten, die zu entdecken sehr lohnend sind.
Der Schlosshof mit seinen Arkaden (von denen die Mauerkatze hing) und dem Brunnen (die Wasserfontäne schoss fast bis zum zweiten Stockwerk hoch) hatte es Gregi besonders angetan. Ich kann mich bis jetzt noch nicht entscheiden, was mich mehr beeindruckt hat: das Diamantgewölbe (welches in Österreich in dieser Art einzigartig ist) oder die Sala Terrena (welche über und über mit Mosaiken aus Donaukieseln ausgestattet wurde).
Das Schloss Greinburg hat eine bemerkenswerte Geschichte. Es gilt als eines der ältesten Schlösser in Österreich. Davor gab es hauptsächlich Burgen … doch die Brüder Heinrich und Siegmund Prüschenk waren sehr aufgeschlossen und bauten ein Schloss. Sehr geschäftstüchtig waren die beiden, und sie wurden auch bedeutende Geldgeber von Kaiser Friedrich III. Die beiden Steirer entstammten ursprünglich keiner herrschaftlichen Familie und dienten sich im Krieg hoch. Sie erhielten Grein – und damit eine gute Einnahmequelle. Zudem hatten sie ein extrem gutes Gespür für Immobiliengeschäfte. Zum Beispiel kauften sie die Burg Rannariedel und verkauften die wichtige Sperrfestung sechs Jahre später zum dreifachen Preis an Kaiser Maximilian.
In Grein gäbe es noch eine weitere originelle Sehenswürdigkeit: das älteste weltliche Theater in Österreich, das unverändert erhalten ist. Ob dort in früheren Zeiten ein Theaterbesuch wirklich ganz so angenehm war, lässt sich allerdings bestreiten. Das Klosett war zum Beispiel vom Zuschauerraum nur mit einem Vorhang abgetrennt. Auch gab es Fenster zum Gemeindekotter, also zum Gefängnis. Wollten die Theaterbesucher in Ruhe der Aufführung folgen, war es ratsam, die Gefangenen zuvor mit Speisen und Getränken zu versorgen. Dann randalierten sie nicht. Bestechliche Sträflinge also. Leider hatten wir keine Zeit, diese Sehenswürdigkeit zu besuchen.
Allerdings statteten wir der Galerie in Granit auf dem Kalvarienberg einen Besuch ab. Der Künstler Miguel Horn überlegte sich, wie man Nachrichten für unsere Nach-nach-nachfahren weitergeben könnte. Petroglyphen aus der Vorzeit können heute noch besichtigt werden … also entschloss er sich, sein „Deep-Time-Memorial“ in harten Granit zu ritzen. Ob man in mehr als tausend Jahren versteht, was sein Bild des explodierenden Kernkraftwerks zu bedeuten hat?
Der Weg zur Gießenbachmühle kam mir sehr, sehr lange vor – wir hatten an diesem Tag schon viel erlebt und waren daher schon rechtschaffen müde. Zu allem Überdruss konnte ich den Aussichtspunkt auf die Burg Werfenstein und die Insel Wörth auch nicht finden. Endlich waren wir bei der Gießenbachmühle und marschierten schnurstracks in die Stillensteinklamm.
Wären wir hier einfach über die Straße gegangen und hätten die Donau hinuntergesehen, dann hätten wir sowohl Insel als auch Burg direkt vor unserer Nase gehabt. Doch das entdeckten wir erst am nächsten Tag, als wir die Jausenstation bei der Gießenbachmühle, welche von der Barfußoma geführt wird, besuchten.
Die Stillensteinklamm selbst ist ein Juwel. Wir waren schon zwei Tage früher bei strömendem Regen von der Aumühle in die Klamm hineingewandert und waren schon damals trotz widrigster Bedingungen hellauf begeistert gewesen.
Die Klamm ist gut gesichert und hat viele Treppen, Kaskaden, Wasserfälle und Wasserbassins – wie Klammen eben so sind. Idyllisch und wohltuend. Doch die Stillensteinklamm hat noch weitere Specials zu bieten. Zum Beispiel die „Steinerne Stube“: eine spektakuläre Durchgangshöhle. Den Namen verdankt die Klamm dem „Stillen Stein“ – dort, wo der Bach unterirdisch verläuft.
Reizvoll ist der Bach auch nach der sehenswerten Klamm, wo er in seinem mit Granitfelsen bestückten Bett friedlich dahinfließt. Klares Wasser, moorig braun. Typisch Mühlviertel halt. Und rundum ganz viel Moos. Schöne Rastplätze gäbe es hier – doch uns erwartete inzwischen schon das Abendessen in der Aumühle.
Aus unserer „kürzeren Wanderung“ war eine ausgewachsene Ganztageswanderung geworden. Dazu kam dann auch noch die ausführliche Schlossbesichtigung – da merkt man erst, wie wenig Stunden so ein Tag eigentlich hat. Dabei hätte es noch soooo viel zu sehen und zu erleben gegeben.
Beim Abendessen – diesmal mussten wir nicht auf Kalorien achten, wir waren ja richtig fleißig gewesen – meinten wir dann, dass wir uns am nächsten Tag noch eine Mühlviertler Klamm ansehen wollten. Nicht weit weg, gleich im Nachbarsort: die Wolfsschlucht. Das sollte eine etwas kürzere Runde sein, da könnten wir uns fast schon ausruhen. Man musste es ja auch nicht übertreiben mit dem weiten Wandern. Und beim Recherchieren würden wir jetzt auch achtsamer sein.















































