Hainburg – Burgberg und Keltenweg

Wanderung

Ausgangspunkt

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Schlossberg

Hauptplatz

3 km

150 HM

2 h

Keltenweg

Donaulände

5,75 km

190 HM

2 h

Hainburg ist die östlichste Stadt in Österreich. Sie liegt an der Donau, und zwar an einer recht günstigen Stelle des Flusses. In früheren Zeiten konnte man die Donau bei Hainburg durch Furtübergänge queren. Die Bernsteinstraße nutzte diese Möglichkeit. Wahrscheinlich ist diese Furt auch ein Grund dafür, dass in der Nähe die römische Stadt Carnuntum errichtet wurde. Doch schon vor den Römern war die Gegend besiedelt.

Wir waren nicht in Hainburg, weil sie die östlichste Stadt in Österreich ist, sondern wir besuchten sie, weil sie wunderschön und historisch äußerst interessant ist. An einem ungewöhnlich herrlichen Oktobertag im Jahr 2023 starteten wir eine Wanderung, um einige besondere Plätze der Gegend zu besuchen.

Die Hainburger Kirche ist hübsch – doch noch mehr hat mich der uralte Brunnen mit seinem Steinbecken und den Blumen fasziniert. Für alte Steinbrunnen habe ich nun mal eine Schwäche. In Hainburg kann man jedoch noch viel mehr entdecken – zum Beispiel die gotische Fenstergruppe. Und dann gibt es noch drei Stadttore, eine Stadtmauer und wunderbare alte Häuser.

Das prächtigste aller Stadttore ist das Wienertor. Das Wienertor war eigentlich eine Torburg – 20 Meter hoch und dann noch ein Dach darauf, welches wiederum stattliche 11 Meter Höhe vorzuweisen hat. Es ist so mächtig groß, dass es zu den größten noch erhaltenen Stadttoren Europas zählt. Der untere Teil des Tores besteht aus mächtigen Buckelquadern. Diese stammten aus der ehemaligen römischen Stadt Carnuntum. Unter Ottokar II. wurde dann oben noch ein Mauerwerk aus Bruchsteinen aufgebaut. Klein wirken die Autos, die durch das Tor mit dem Fallgitter fahren, so mächtig ist das Gemäuer. Hoch oben, an der Innenseite der beiden Torvorbauten, befinden sich zwei Ritterstatuen, die auf die durchfahrenden Autos blicken. Klein wirken sie – viel zu klein für das riesige Gebäude – und machtlos sind sie auch gegen den ganzen Verkehr, der sich durch ihr Tor wälzt. Das Tor hat alle Kriege der letzten Jahrhunderte heil überstanden – jedoch nicht den Schwerverkehr. 1976/77 sowie 2004/08 musste es saniert werden.

Am Wienertor schließt die mächtige Stadtmauer mit ihren Zinnen an. Die Mauer führt bergauf zum Schlossberg. Und genau dort wollten wir auch hinwandern – und genau dort waren wir vom nächsten Tor beeindruckt. Auf dem Schlossberg gibt es zwar nur noch Ruinen, allerdings lassen diese erkennen, wie imposant die Burg einmal gewesen sein muss. Riesig ist die Anlage – gewaltig schön ist die Aussicht. Hainburg war nicht irgendeine Burg eines unbedeutenden Adeligen. In Hainburg wohnte einst die Witwe des Königs Heinrich VII.: Margarethe von Österreich, auch Margarethe von Babenberg genannt.

Margarethe war nicht nur die Witwe eines Königs, der sich gegen seinen Vater, Kaiser Friedrich II., erhoben hatte und daraufhin für sieben Jahre in Gefangenschaft ging, wo er auch verstarb. Ihr wurden offensichtlich auch die beiden Söhne weggenommen; sie wurden wahrscheinlich nach Italien gebracht.

Margarethe hatte einen Bruder, der kinderlos starb – und die Besitzungen dieses letzten Babenbergers standen nun zur Verfügung. Sowohl sie als auch ihre Nichte Gertrud hatten Anspruch auf Österreich und die Steiermark (dazumal war das noch getrennt). Der böhmische König Wenzel I. hatte gleich die glorreiche Idee, seinen ältesten Sohn mit Gertrud zu verheiraten – so kämen Österreich und Steiermark in den Besitz der Familie. Gesagt, getan: Gertrud und Vladislav heirateten. Die Männer wurden dazumal nicht alt. Vladislav starb, Gertrud heiratete erneut und wurde binnen drei Jahren wieder Witwe. Nun meinte Wenzel I., dass sein zweiter Sohn Ottokar II. Gertrud heiraten sollte. Dieser sah jedoch die Sterbebilanz von Gertruds Ehemännern und entschied sich, dass es doch klüger wäre, die um 30 Jahre ältere Margarethe zu ehelichen.

Am 11. Februar 1252 heiratete Margarethe den um fast drei Jahrzehnte jüngeren Ottokar in der Burgkapelle von Hainburg. Ottokar war also fast gleich alt wie ihre Söhne. Ich nehme an, dass diese Hochzeit eher einer Adoption gleichzusetzen war – jetzt spekuliere ich einmal. Margarethe muss sich sehr wohl bewusst gewesen sein, dass dies keine Liebesheirat war. Doch in Anbetracht ihrer Lage – ihr Mann war tot, nachdem er von seinem eigenen Vater eingesperrt worden war; ihre Söhne hatte man ihr entzogen; die eigenen Verwandten waren nahezu ausgestorben; mit ihrer Nichte lag sie im Streit wegen Besitzungen – könnte ich mir vorstellen, dass sie in der Hochzeit mit Ottokar eine Verbesserung ihrer eigenen Lage sah.

War die Ehe rein aus materiellen Überlegungen vorteilhaft, gab es doch einen heiklen Punkt: Margarethe war 50 Jahre alt und konnte keine Kinder mehr bekommen. Ottokar hatte einen unehelichen Sohn, den er gerne legitimiert hätte, doch dagegen war der Papst. Wie sollte Ottokar so eine Dynastie gründen?

1261 trennte er sich von Margarethe – diesmal mit Zustimmung des Papstes. Einen leiblichen Sohn zu legitimieren ging nicht, eine Scheidung sehr wohl. Das sagt meines Erachtens viel aus. Zwei Monate nach der Scheidung von Margarethe ehelichte er Kunigunde, die Enkelin des ungarischen Königs.

Wir standen auf dem herrlichen Burgberg und sahen hinüber zu unserem nächsten Wanderziel – dem Braunsberg. Irgendwie sieht er ein bisserl nackert aus, der Braunsberg. Braun war der Berg nicht – hellgrau leuchteten die Felsen zu uns herüber. Also stiegen wir wieder hinunter in die Stadt. Die Wege auf dem Schlossberg sind wirklich sehr schön gepflegt. Dann folgten wir wieder einer Stadtmauer, diesmal kamen wir zum Ungartor. Beim Ungartor gab es ein Kaffee, und den brauchten wir jetzt auch, wollten wir doch den nächsten Berg erklimmen.

Wir stiegen gegen den Uhrzeigersinn auf den Braunsberg. Schon beim Hinaufwandern hatten wir eine prachtvolle Aussicht. Doch unschlagbar war der Panoramablick vom Plateau des Braunsbergs.

Die Stadtmauer von Hainburg ist noch 2,5 km lang. Der Hauptwall, der die keltische Höhensiedlung auf dem Braunsberg umgab, soll 1,5 km lang gewesen sein. Ein hölzerner Wachturm und ein Stück Palisadenzaun wurden rekonstruiert, damit man eine kleine Vorstellung davon bekommt. Wer jedoch auf dem Braunsberg steht, betrachtet nicht allzu lange den Palisadenzaun – dazu ist die Aussicht einfach viel zu grandios. Bratislava im Osten: Weiß leuchtet das Schloss zu uns herüber, noch mehr leuchtet ein hässlicher silberner Büroturm neben dem Schloss. Und da ist noch die Brücke über die Donau. Windräder gibt es im Süden zu sehen. Brücken gibt es nicht häufig an der schönen blauen Donau – doch vom Braunsberg sieht man zwei: die in Bratislava und die von Hainburg. Fast 2 km ist sie lang; im Oktober 1969 begann der Bau, im Jänner 1973 wurde sie eröffnet. Die nächste Brücke, die über die Donau führt, ist erst in Wien.

Apropos Verkehr: Besonders interessant ist die Zugtrasse bei Hainburg. Wie auf Stelzen fährt die Bahn hochwassersicher neben der Donau entlang, kurz droht der Zug, einen mittelalterlichen Turm zu rammen, bekommt dann doch die Kurve und lässt das Bauwerk unbeschädigt. Im Norden gibt es viel Wald zu sehen – allerfeinsten Auwald. Und wenn man ganz genau schaut, sieht man Schloss Hof und Schloss Niederweiden.

Doch es zahlte sich auch aus, den Blick nicht nur nach unten und in die Weite zu richten. Nein, auch ein Blick in den Himmel sollte gewagt werden – besonders, wenn Falken gerade dabei sind, ihren Jungtieren das Jagen nach Grillen beizubringen. Unermüdlich flogen die eleganten Vögel zur Abbruchkante des Berges, wo sie den Auftrieb nutzten, um sich energiesparend hochzuschrauben. Rüttelflug am Himmel, dann Sturzflug auf den kurzen Trockenrasen. Und da die Jungtiere lernen mussten, wurde diese Übung oft und oft wiederholt. Einfach herrlich.

Beim Bergabgehen kommt man bei der Ruine Röthelstein vorbei (Wanderbeschreibung: Hainburg – Panoramaweg zur Ruine Röthelstein) und schließlich zur Donaulände. Die Wanderungen auf den Schlossberg von Hainburg und auf den Braunsberg gehörten zu den schönsten Routen, die wir bis jetzt gehen durften. Unbedingt empfehlenswert.

 

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