Hohenbrugg: Maria Theresianischer Grenzweg – Mauserbergrunde

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 10 km 2:30 h
    

Kurz nach Fehring verlässt die Raab die Steiermark und fließt ins Burgenland. In früheren Zeiten verließ die Raab hier das Herzogtum Steiermark und floss in das Königreich Ungarn. Und weil es hier eine Grenze gab, wollte man diese auch markieren – mit massiven Grenzsteinen. Daher kann man entlang der Grenze immer wieder Steine sehen, die die Inschrift R.M.H. aufweisen: Regina Maria Hungariae – Ihre Majestät Maria Theresia hatte ihre Grenzen abstecken lassen.

Zu dieser historischen Grenze und ihren besonderen Grenzsteinen wollten wir an einem warmen Junitag wandern. Wir parkten beim Gemeindeamt in Hohenbrugg und gingen zuerst nach links bis zu einem Materl. Dort bogen wir rechts ab, um auf den „Mauser“ zu steigen.

Bald gingen wir auf einem Feldweg neben einer Hecke bergauf. Wir konnten einen Falken und etliche Stare beobachten. Am Gegenhang sahen wir das Renaissanceschloss Hohenbrugg.

Hohenbrugg war der äußerste östliche Vorposten des Herzogtums Steiermark im Raabtal. In Hohenbrugg baute man daher Ende des 12. Jahrhunderts auf einem Höhenrücken eine Wehranlage.

Es war alles andere als eine sichere Gegend. 1532 kamen die Türken und zerstörten die Festung. Daraufhin errichtete man ein Renaissanceschloss. 1594 war der Bau fertiggestellt: ein dreigeschossiger Wohntrakt und eine zweigeschossige Torburg. Beide Gebäudeteile standen sich gegenüber – ohne Verbindungsmauer. Wenn man knapp neben der Grenze ein Schloss baut, das nicht rundum verteidigt werden kann, ist das etwas blauäugig. Das wussten die Schlossbesitzer (Familie Mindorf) spätestens 1605, als die Hajduken sowohl das Schloss als auch das Dorf plünderten.

Damit man bei einem eventuellen neuen Angriff besser geschützt wäre, baute man nun Verbindungsmauern zwischen den bestehenden Trakten und an jeder Ecke des neu entstandenen Vierkanters einen Turm.

1683 kamen wieder die Türken ins Land – das Schloss war nun besser gerüstet. Sogar ein Truppenkontingent von 30 Personen wurde zum Schutz ins Schloss verlegt. Es gab Zeiten, in denen der vermeintliche Freund beinahe mehr Schaden anrichtete als der gefürchtete Feind. Diese Lektion mussten die Schlossherren nun lernen. Die Soldaten, die eigentlich schützen sollten, verwüsteten das Schloss erneut.

Wir wanderten weiter bergauf. An den Vortagen hatte es geregnet, das Gras war noch klatschnass und der Boden stark aufgeweicht. Wir erreichten ein Haus (hier waren die Wegweiser etwas verwirrend) und gingen über den Asphaltweg nach oben. Danach war die Wegführung wieder klarer.

Schließlich erreichten wir das Aussichtsbankerl auf dem Mauser. Es stand auf einer traumhaft schönen Wiese mit viel Wiesensalbei – die Aussicht, die wir hier genossen, war noch traumhafter: Burg Kapfenstein, das Raabtal mit Fehring, Schloss Bertholdstein, die Riegersburg mit dem Schöckel im Hintergrund, der Rabenwald … wow.

Wir folgten dem Weg und kamen wieder auf eine Gemeindestraße. An Pferden vorbei, weitere Häuser – wir hörten die Glocken von Unterlamm … plötzlich waren wir in einer Sackgasse mit einem Gedenkkreuz gelandet. Nun wussten wir nicht mehr weiter. Also Bergfex-App: Wir waren zu weit gewandert.

Ein kurzes Stück zurück, dann entdeckten wir bei einem mächtigen Lindenbaum hinter einem Busch versteckt die gelbe Wandertafel. Nun waren wir wieder auf dem richtigen Pfad, und dieser führte uns durch einen Wald.

Wir entdeckten wunderbare Blumen – Fingerhut – und einen jungen Specht. Er konnte schon fliegen und war ganz aufgeregt. Mama war im Anflug – mit Futter. Es ist schon toll, was man im Wald alles beobachten kann, wenn man die Umgebung aufmerksam studiert. Eine Jungspechtfütterung sieht man nicht alle Tage. Nach dieser Stärkung fühlte sich der junge Piepmatz fit genug, um selbst ein bisschen „Baumstammhämmern“ zu probieren.

Wir gingen weiter durch den Wald und sahen verkohlte Äste. Hatte es hier einen Waldbrand gegeben? Die Wochen vor unserer Wanderung waren sehr trocken gewesen – möglich wäre es. Allerdings müsste dieser relativ rasch gelöscht worden sein, denn das Gebiet mit den verbrannten Ästen war eher klein.

Nun hatten wir den legendären Grenzstein erreicht. Es gibt noch einige Grenzsteine aus der Zeit Maria Theresias, und ich hatte schon einige gesehen. Es ist schon beachtlich, wenn man bedenkt, dass diese Grenzmarken nun schon über 240 Jahre an genau den Stellen stehen, an denen sie einst aufgestellt wurden.

Nun folgten wir dem Weg bergab, dem Rainbach entlang. An einem Baum sahen wir ein Schild mit einem Pfeil der Feuerwehr. Ich nehme an, dass oben bei den verkohlten Ästen eine Feuerwehrübung stattfand. Eine gute Idee, wenn man bedenkt, wie oft es in letzter Zeit zu Waldbränden gekommen ist.

Neben dem Rainbach ist das Reich des Schachtelhalms. Und hier fühlte sich ein ganz besonderer Schmetterling wohl: ein Schillerfalter. Gutmütig wie er war, ließ er sich von links und rechts, von vorne und hinten fotografieren. Dunkelbraun und hübsch war er – und wenn die Sonnenstrahlen im richtigen Winkel auf seine Flügel fielen, dann schillerte er in einem markanten Blau. Wahnsinn, was die Natur für wunderbare Wesen hervorgebracht hat.

Bei der Bundesstraße mussten wir rechts abbiegen und einige hundert Meter auf Asphalt gehen, bis wir links den Weg in die Äcker nehmen konnten. Wir überquerten die Bahngleise und gingen dann wieder links. Zwischen den Äckern gab es Gräben, die voller Wasser waren. Fleißige Biber hatten dort Staudämme gebaut.

Beim Altarm der Raab gab es schöne Weiden – Weidenpollen segelten durch die Luft. Es ist die einzige Zeit im Leben eines Baumes, in der er mobil ist. Ein Pollen muss schon großes Glück haben, um auf einen geeigneten Platz zu landen, der ihm ermöglicht, Wurzeln zu schlagen und groß zu werden.

Die Altarme der Raab waren einst ausgetrocknet – die Regulierung des Flusses samt tieferem Flussbett war der Grund dafür. Doch die Gemeinden Schiefer, Hohenbrugg-Weinberg und St. Martin an der Raab hatten dann eine sehr gute Idee: „Mein Quadratmeter Raabtal“. Die Altarme wurden wieder reaktiviert, und das Gebiet wurde wieder belebt. Pflanzen und Tiere haben nun wieder die Chance, dort zu leben. 18 Hektar umfasst das Projektgebiet. Biber, Reiher und Co. freuen sich.

Wir überquerten die Raab und kamen schließlich zu einer Tschartake. Das ist ein Holzhäuschen auf vier Pfählen, das man über eine Leiter erreicht. In Burgau hatten wir schon ein solches ehemaliges Wehrbauwerk gesehen. Die Besatzung sollte die Umgebung alarmieren, wenn sich Feinde näherten. Von Radkersburg bis Friedberg gab es viele dieser Holzbauten – dazu kamen noch die Kreutfeuer-Stationen.

Ich stand neben der Tschartake, viele Radfahrer kamen an uns vorbei. Was hätten die geplagten Wachen auf der Tschartake wohl gedacht, hätten sie einen Blick in die Zukunft auf dieses sonntägliche sportliche Treiben werfen können? Sie hätten es wohl niemals für möglich gehalten.

Wir marschierten nun der Raab entlang bis zur nächsten Brücke, dann in Richtung Bahnhof und zurück zum Gemeindeamt. Wären wir ganz motivierte Wanderer gewesen, wären wir noch die Runde in Richtung Weinberg gegangen.

 

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