Distanz | Höhenmeter | Dauer | |
| 10,6 km | 198 HM | 3 h | |







Der „Wein-Erlebnis-Weg“ in Bad Loipersdorf ist noch recht jung (die Wein-Rast-Platzln gibt es seit 2020) und ist mit dem Österreichischen Wandergütesiegel ausgezeichnet. Eigentlich sind es ja drei Wein-Erlebnis-Wege: ein großer Rundwanderweg mit 17,1 km sowie zwei kleinere Rundwanderwege mit 10,6 km und 9,0 km.
Nachdem ich nicht unbedingt gerne auf Nebenstraßen wandere, hatten wir uns entschieden, den „Stock & Stein“-Wanderweg zu begehen. Das war eine sehr gute Wahl – die Wegführung bietet nicht nur wunderbare Blicke in die Landschaft, sondern führt auch zu sehr interessanten Orten.
Den Start des Wanderweges kann man nicht übersehen. Beim Eingangsbereich der Therme gibt es ein hübsches „Reben-Tor“ zum Wein-Wanderweg.
Die Geschichte der Therme Loipersdorf ist originell. Im Juni 1972 hat man den Versuch gestartet, in der Gegend von Loipersdorf Erdöl oder Erdgas zu entdecken. Hie und da geht beim Arbeiten etwas schief – so auch am 10. Juli, als es einen Bohrunfall gab und man dadurch erst auf das Vorkommen von Thermalwasser gestoßen ist.
1975 wurde eine „Thermalquelle Loipersdorf GesmbH & Co KG“ gegründet, 1977 wurden am Lautenberg weitere Bohrungen durchgeführt und – Bingo – in 1100 bis 1200 Metern Tiefe gab es viel, viel Wasser. Heilwasser wohlgemerkt: Über 60 Grad Celsius war es warm.
1981 wurde die Therme dann eröffnet, 1983 gab es einen Brand in der Therme, und 1985 wurde sie wieder eröffnet. Schon auf den ersten Metern der Wanderung kommt man beim Eingang der Betriebsfeuerwehr vorbei. Wenn man vom Brand im Jahr 1983 weiß, dann versteht man auch, warum diese Betriebsfeuerwehr absolut wichtig ist.
Die Straße führte uns rechts den Lautenberg hinauf. Eine alte Weinpresse, der Thermenheurige Kropf & Das Kropf (hier wollten wir nach der Wanderung einkehren) … und oben am Hügel eine überdimensional große Weinflasche mit dazugehörigem Weinglas.
Die Holzweinflasche ist ganze 13 Meter hoch – in ihr befindet sich eine Wendeltreppe. Diese stiegen wir hinauf, um den Aussichtsturm (ein 8 Meter hohes Edelstahl-Weinglas) zu erreichen. Vom Wechselland bis ins angrenzende Burgenland konnte man sehen. Ebenso entdeckte ich das Schloss Kapfenstein. Und der Blick hinunter zur Therme, die sich in der Senke wie ein überdimensionales Nest ausnimmt, ist auch recht interessant.
Als Nächstes kamen wir dann zu der besagten Quelle am Lautenberg. 7000 mg gelöste mineralische Inhaltsstoffe sollen in einem Liter des hier geförderten Wassers enthalten sein. Ich stand etwas ehrfürchtig vor dem Quellenhaus – hier wurde das Wasser gefördert, das diese ganze Region belebt hat. Aus einer abgeschiedenen Gegend mit nur beschränkten Möglichkeiten zur Erwerbstätigkeit ist dank dieses Wassers eine attraktive Region geworden. Dem Vulkanismus sei Dank.
Die nächste Wegstrecke verlief durch einen Wald, wo wir seltsame Hügel entdeckten. Die „Leberkögeln“ waren römische Hügelgräber aus dem 1. und 2. Jahrhundert nach Christus. Und nein – die Römer waren nicht hier, um mit dem Loipersdorfer Heilwasser Leberkrankheiten zu heilen. Denn mit dem Organ haben die Leberkögeln nichts zu tun. Österreichische und deutsche Flurnamen, die die Silben Lew, Leh oder Loh enthalten, weisen oft auf Hügelgräber hin.
Nach dem Wald kam eine besonders schöne Wanderetappe entlang des Hügelkamms, neben Weinbergen, hin zu einem tollen Aussichtsplatzerl mit einer Hängeliege. Hier ließ es sich gut verweilen.
Ein Feldweg führte bergab, an einer Hecke mit großer Biodiversität vorbei, dann ging es hinunter zum Wald, und im Wald führten Stufen ins Tal. Wir waren in einem ehemaligen Bergwerk angekommen – Gebäudereste gab es hier noch, ebenso einige Bilder aus der Zeit, als hier noch Basalt für den Straßenbau abgebaut wurde. Heute wird hier der Naturschutz großgeschrieben, hier sollte die Hundszahnlilie wachsen.
An einem Fischteich vorbei kamen wir auf eine Asphaltstraße. An einem heißen Sommertag auf einer asphaltierten Nebenstraße zu gehen, gehört ganz ehrlich nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Doch bald durften wir den nächsten Hügel erklimmen, diesmal auf einem Wiesenweg – hinauf zu einem Weinbaubetrieb.
Wieder ging es Nebenstraßen entlang, hinunter zum Ort Stein. Beim Fußballplatz ging es dann nach links, wieder der Straße entlang … langsam wurde ich, nun ja, nicht mehr allzu gut gelaunt. Bis wir über eine Brücke kamen und wenigstens im Schatten von Bäumen weitergehen durften. Noch dazu hörten wir jetzt ganz hübsche Vogelstimmen – seltene Vogelstimmen: Bienenfresser. Wie schnell sich meine Laune doch besserte. Bäume und Vogelgesang – mehr brauchte es nicht.
Ein Wiesenpfad, rechts abbiegen, dann wieder einen Hang hinauf. Der Wanderweg war richtig schön ausgemäht, eine tolle Wiese mit vielen Blumen und verschiedenen Gräsern, Schmetterlinge und Käfer fühlten sich hier wohl. Gregi auch – auf dem Bauch liegend versuchte er sein Fotografenglück bei einem grün schillernden Käfer. Auf der Kuppe des Hügels gab es sogar ein Gipfelkreuz – die Aussicht war wieder einmal erstklassig.
Wir kamen an einem aufgelassenen Hotel vorbei, was mich dann schon irgendwie traurig stimmte. Es war ein recht hübscher Bau, neben dem Eingang gab es einst ein Wasserbecken, aus dem nun Gras wucherte, eine Terrasse, die schon fast von Büschen und Rosendornen überwachsen war. Allzu lange war es sicherlich noch nicht her, dass hier erholungssuchende Urlauber eingecheckt hatten. Im Großen und Ganzen machte das Gebäude noch einen recht soliden Eindruck.
Ein Stück weiter kamen wir auf die Bundesstraße, durften sie jedoch bald wieder verlassen. Nun ging es wieder einen Hügel hinab, an noch bewirtschafteten und recht hübsch dekorierten Gästehäusern vorbei. Das muss ich jetzt einmal erwähnen: Die Häuser und Gärten in der Gegend sind alle sehr liebevoll und sorgfältig hergerichtet – mit viel einfallsreicher Dekoration.
Ein schmaler Steig führte uns wieder den Hügel hinauf, und nun waren wir wieder oberhalb der Therme – diesmal auf der anderen Seite. Krafthügel nennt sich diese Kuppe, Dolmen waren hier aufgestellt worden. Dolmen als Kunstobjekte haben meiner Meinung nach keine Aura – ich verstehe nicht, warum man immer wieder versucht, diese an sich sehr mystischen Steinmonumente nachzuahmen.
Nun waren wir bei sommerlichen 29 Grad Celsius über 10 Kilometer gewandert – und hatten uns die Einkehr im Thermenheurigen Kropf redlich verdient. Wir saßen im herrlichen Gastgarten und blickten auf das „Thermen-Nest“ hinunter. Ich hatte mir eine Gemüselasagne bestellt und war damit äußerst zufrieden. So – genau so sollte ein erstklassiger Wandertag enden.


























