Bahnwanderung von Burgfeld nach Feldbach

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

  ca. 9 kmca. 90 HMca. 3 h
    

Im April 2026 entschlossen wir uns, einen Teil des Gleichenberger Bahnwanderweges zu begehen. In Feldbach stiegen wir in den „Dschungelexpress“, wie die Gleichenberger Bahn von den Feldbachern liebevoll genannt wird. Im Zug konnten wir beim Lokführer das Ticket lösen, dann suchten wir uns einen Platz im gut gefüllten Waggon. Hinter mir saß eine Familie, die schon voller Euphorie die Jause für den Nachwuchs auspackte. Eine Pensionistengruppe war bestens gelaunt, und alle Passagiere schienen total entspannt zu sein. Gut, ich war nicht ganz so entspannt – wir würden in Burgfried, irgendwo in der Pampa, aussteigen und nicht die ganzen 22 Kilometer über Gnas nach Bad Gleichenberg mitfahren. Und diesen Bahnhof durften wir nicht versäumen – also hieß es: gut aufpassen.

Bei den Haltestellen Oedt Siedlung, Oedt, Prädiberg und Fischa würden wir vorbeifahren – dann würde die Haltestelle Burgfried kommen. Ich versuchte verbissen, die Namensschilder der Haltestellen zu entdecken, um gleich nach Fischa Richtung Ausgang zu gehen. Doch so sehr ich mich auch bemühte – diese Dinger konnte ich einfach nicht entdecken. Zum Glück dachte der Lokführer an uns und hielt daher brav in Burgfried. Beim Aussteigen sollte man sich nicht allzu sehr tummeln (so wie ich es tat) – der Waggon ist hoch und die Leiter nicht unbedingt leicht hinunterzuklettern. Irgendwie kam ich dann doch heil neben den Gleisen zu stehen, und schließlich konnte der Zug wieder gemütlich weitertuckern, durch die herrlichen südoststeirischen Hügel.

Auf dem hölzernen Wartehäuschen entdeckten wir dann die Markierung des Bahnwanderwegs – wir wollten in Richtung Feldbach. Also marschierten wir eine kurze Strecke entlang der Asphaltstraße.

Der Name Burgfried würde meines Erachtens auf eine ehemalige Wehranlage hinweisen. Reste von Mauern oder Ähnlichem konnten wir leider nicht mehr entdecken. Doch der Hügel hinter einem alten Bauernhaus könnte durchaus eine geeignete Stelle für einen Wehrturm gewesen sein.

Nun kamen wir zur einzigen Stelle der Wanderung, an der die Wegweiser nicht eindeutig waren. Wir überlegten, ob wir dem Pfeil über die Gleise folgen und die Asphaltstraße weiter entlanggehen sollten. Doch der richtige Weg führt links neben der Bahnstrecke entlang eines Waldwegs.

Die Hügel sind hauptsächlich mit Buchen und Eichen bewachsen, auf dem Bahndamm wucherte Schöllkraut. Schöllkraut, Hahnenfuß, Gelbe Taubnessel, Wolfsmilch – hier war das Reich der gelben Blumen. Auf der Wanderung sahen wir enorm viele verschiedene Blümchen: Wiesensalbei, blühende Walderdbeeren, Waldmeister etc. etc. etc.

Begleitet vom schönsten Vogelgesang betrachteten wir die bewaldeten Vulkanhügel der Umgebung. Die Gleichenberger Kogel und den Steinbruch von Mühldorf konnte ich erkennen. Am Horizont in Richtung Westen und Norden entdeckten wir weiße Berggipfel, davor die grünen, satten Wiesen und die hellgrünen Wälder.

Der Kalvarienberg im Süden von Feldbach wurde 1832/1833 errichtet. Von hier aus hat man einen traumhaften Blick auf die Riegersburg, auf die Stadt Feldbach und ins Raabtal, wo im Dunstkreis der Turm der Fehringer Kirche zu erkennen war.

Wir marschierten bergab am Spital vorbei. Im Ersten Weltkrieg gab es in Feldbach das größte Kriegsgefangenenlager der Monarchie. Im Mai 1915 waren dort noch 50.000 Personen untergebracht. Als die meisten Kriegsgefangenen nach Ungarn verlegt wurden, beschloss man, im Bereich des Lagers ein Krankenhaus zu errichten. Im Frühjahr 1916 war das Spital, das 5.000 Verwundete versorgen konnte, fertiggestellt.

Feldbach ist eine alte Stadt. 1188 wurde sie als Velwinbach gegründet (übrigens gleichzeitig mit Weiz). Feldbach lag verkehrstechnisch sehr günstig. Eine Römerstraße führte von Gleisdorf nach Pannonien – diese Straße wurde wahrscheinlich noch im Mittelalter genutzt. Und von Hartberg nach Radkersburg führte ebenfalls eine Straße über Feldbach.

Bereits 1265 wurde Feldbach als Markt bezeugt. Feldbach erhielt einige Privilegien, darunter das Marktrecht. Die Feldbacher waren sehr erfolgreich – 1362 konnten sie die Stadt aus der Pfandschaft der Walseer befreien. Sehr geholfen hat dabei eine fünfjährige Steuerbefreiung durch Herzog Rudolf IV.

Im 15. Jahrhundert sahen sich die Feldbacher gezwungen, eine Schutzburg (Tabor) zu errichten. Nach einem Überfall durch den Söldnerführer Andreas Baumgartner wusste man um die Dringlichkeit eines besseren Schutzes. Nach dem Tabor errichtete man auch noch eine Stadtmauer. Feldbach wurde immer wieder in Mitleidenschaft gezogen, besonders durch die Türken, die zwischen 1479 und 1490 die Bevölkerung durch Tötung und Verschleppung um ein Viertel reduzierten.

Im 17. Jahrhundert wurde in Feldbach ein weiteres schwarzes Kapitel der Geschichte geschrieben. Die größten steirischen Hexenprozesse fanden zwischen 1673 und 1675 statt. Im Hexenkeller des Tabors wurden 68 Personen gefangen gehalten, die der Hexerei beschuldigt wurden.

Vor dem Rathaus steht die Statue „Die Raab“. Beim Albrechtsbrunnen in Wien wurden die allegorischen Darstellungen von Donau, Inn, Save, Drau, Theiß, Mur, Salzach, March, Raab, Enns und Traun geschaffen. Die Kopie der „Dame Raab“ steht nun vor dem Feldbacher Rathaus.

Neben dem Rathaus befindet sich die Kirche mit ihrem freistehenden Glockenturm. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden fast alle Gebäude in Feldbach zerstört. Auch der Kirchturm wurde am 8. Mai 1945 noch gesprengt. Zwischen 1961 und 1964 wurde ein freistehender Campanile errichtet. Er war hoch, aus Beton und wahrscheinlich irgendwie ein bisschen fad. 1987 kam dann die Farbe hinzu, wobei 20 Jugendliche kreativ mithalfen. Nirgendwo auf der ganzen Welt gibt es einen Campanile, der bunter ist als jener von Feldbach.

Doch nicht dieser außergewöhnliche Kirchturm ist das Wahrzeichen der Stadt, sondern der Steinerne Metzen, der aus dem 15. Jahrhundert stammt. Da wir uns mitten im Vulkanland befinden, wurde dieser Metzen aus Basalttuff gefertigt. Feldbach hatte einen Markt, und der Kelch, der auf einem achteckigen Sockel steht, war das Feldbacher Maß.

Übrigens: Markt. Da gibt es eine ganz tolle Sage über Till Eulenspiegel, der sich einst in Feldbach aufgehalten haben soll. Till gab sich bei den Feldbachern als großer Magier aus, der Menschen reich machen könne. Was für ein Versprechen – wer wollte nicht reich werden, und das ohne harte Arbeit?

Als Till den Feldbachern vorschlug, sich um Mitternacht in einer langen Reihe aufzustellen, damit er die Personen abschreiten und jeden Siebten von ihnen mit Reichtum versehen könne, entschlossen sich selbst die frömmsten Bürger, bis Mitternacht am Marktplatz zu verharren, um in den Genuss des großen Geldsegens zu kommen. Nicht nur Till konnte zählen, sondern auch die braven Bürger, die nun doch nicht mehr ganz so brav und fromm waren. Die Plätze eins bis sechs waren ebenso uninteressant wie die Plätze acht bis dreizehn – und so weiter und so fort.

Spätestens um Mitternacht gab es daher auf dem Marktplatz eine Massenkeilerei, bei der selbst die kampferprobten Freunde des Asterix noch etwas hätten lernen können. Till seinerseits saß auf dem Metzen und beobachtete amüsiert das Treiben.

Wir kehrten zum Feldbacher Bahnhof zurück, von wo aus seit 1931 die Gleichenberger Bahn die betuchten Gäste über die wunderbaren Hügel zur Kur brachte. Ich hoffe nur, dass diese tolle Bahn noch lange existieren wird und noch sehr viele Ausflügler befördert.

 

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