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Distanz |
Höhenmeter |
Dauer |
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Rundweg |
6 – 7 km |
300 HM |
2:45 h |
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Start: |
St. Johann |
Gemeindeamt |




Diese Wanderung ist ein Klassiker für uns Gleisdorfer. Wir müssen nicht weit fahren, es gibt tolle Gaststätten und Buschenschenken in der Nähe, wir durchwandern ein historisch interessantes Gebiet und die Aussicht ist einfach herrlich. So kam es, dass wir an einem sonnigen Jännertag wieder einmal die Idee hatten, die Geierwand zu besuchen.
Der erste Erlebnispunkt in Sankt Johann ist die Feistritzinsel nahe dem Gasthaus Pretterhofer. Bei der Mühle gibt es einen Steg auf die Insel. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf unser erstes Wanderziel, die Pfarrkirche zum Heiligen Johannes dem Täufer.
Das gelbe Wanderschild würde uns eigentlich über die Straße bergauf leiten, wir entschlossen uns aber, der Feistritz auf dem Radweg ein Stückchen flussaufwärts zu folgen. Lose Eisstücke führte der Fluss mit, es gab viel Wasser – trotzdem schwammen hier zwei mutige Enten. Der Biber war auch hier aktiv, angenagte Bäume wurden vom Wasser umspült, irgendjemand hatte einen Draht über den Fluss gespannt, um ihn wie mit einem Lift überqueren zu können. Kurz vor der nächsten Brücke bogen wir ab, ein recht steiler Weg führte uns hoch zur Kirche und zum ehemaligen Kloster.
Alles sah sehr wehrhaft aus, die dicken Mauern mit den ungleich aussehenden, massiven Stützen. In früherer Zeit hatte es auf diesem Felssporn über der Feistritz einmal eine Burg gegeben – und noch viel, viel früher war das Feistritztal von Römern besiedelt worden. Von ihnen stammen die Römersteine, die nun in der Kirchenmauer eingemauert sind. Besonders beeindruckend fanden wir den Kampf zwischen Löwen und Kentauren. Weshalb das mythische Mischwesen das Löwenjunge verschleppt hatte, wussten wir nicht. Dass die Löwen ihr Junges nicht kampflos aufgeben würden, war mehr als verständlich, und wir hielten den großen Katzen die Daumen, dass sie ihr Kind wieder zurückbekämen.
Schon früh war in Sankt Johann eine romanische Kirche gebaut worden (um 1150). Längere Zeit hatte hier der Deutsche Ritterorden ein Kloster, das im 16. Jahrhundert durch die einfallenden Türken stark beschädigt wurde. 1652 erwarb Johann Maximilian von Herberstein die Liegenschaft. Er war Landeshauptmann der Steiermark und gründete im Ort das Augustiner Barfußkloster. Natürlich musste jetzt eine neuere und schönere Kirche gebaut werden – 1672 wurde sie eingeweiht. Die Predigt der Kirchweihe hielt Abraham a Sancta Clara, der zwischen 1670 und 1676 in St. Johann wohnte. Der wohl berühmteste Prediger der Barockzeit war für seine wortgewaltigen Auftritte bekannt, wobei er äußerst gerne gegen Hexen und Juden hetzte. 1820 war das Kloster aufgehoben worden. Seit 1982 ist das „Haus der Frauen“ in den Räumlichkeiten untergebracht.
Wir wanderten weiter hinauf durch das Dorf, ein Haus wirkte idyllischer als das andere, alle richtig liebevoll gepflegt. Bei der Rosalienkapelle mussten wir rechts abzweigen. Die heilige Rosalia ist eine Pestheilige. Die Kapelle wurde 1714 errichtet, als die letzte Pestepidemie überstanden war. Wir erreichten den Wald. Im Sommer würden hier der rote sowie der gelbe Fingerhut blühen – eine wunderbare und sehr giftige Pflanze. Endlich erreichten wir das Heilige Grab. Es sollte ein Nachbau vom sogenannten Heiligen Grabe von Jerusalem sein und wurde von Johann Maximilian von Herberstein in Auftrag gegeben. Die beiden Kapellen wurden erst im 18. Jahrhundert errichtet. Dazwischen steht eine Kreuzigungsgruppe. Dramatisch blicken die Figuren in den Himmel. Würden sie geradeaus blicken, könnten sie den Kulm sehen, der schon in prähistorischer Zeit besiedelt war. Vor diesem Ensemble gibt es eine Wiese mit mehreren Bankerln und seit Neuestem auch einen Getränkeautomaten.
Wir folgten dem Weg weiter bergauf und nun hatten wir einen besonders schönen Blick auf einen Weingarten, auf die oststeirischen Hügel – und mittendrin der markante Felsen mit der Riegersburg. Kurze Zeit gingen wir am Waldrand entlang und bogen dann rechts zum Kranzl ab. Das Kranzl ist meines Erachtens der spektakulärste Punkt der Wanderung und auch die Stelle, wo ich mich nur sehr vorsichtig weiterbewege (wenn Sie mit Kindern diesen Platz besuchen wollen, bitte sehr auf die Kleinen aufpassen). In Vogelperspektive sieht man auf das Schloss Herberstein, den wunderbaren Rosengarten, den neuen Aussichtsturm des Tierparks, wir betrachteten die Kirche von Sankt Johann von oben, ich entdeckte sogar das Schloss Schielleiten.
Wieder hinauf zum Waldrand, diesen entlang bis zu einer Hecke, dieser folgten wir und kamen bei der Ausfahrt eines Einfamilienhauses an. Die Gemeindestraße ging es dann kurz bergan (an Schafen vorbei und an wunderbaren Freilandhenderln), hinter einem Bauernhaus mussten wir wieder rechts abbiegen. Ein hübscher Weg führte uns um eine Kuppe, dann erreichten wir ein Hirschgehege. Jetzt folgte ein richtiger „Wadenbeißeranstieg“. Hat man diesen jedoch geschafft und die Geierwand erreicht, wird man durch einen tollen Ausblick belohnt. Die wieder aufgebaute Burg Neuhaus, der Rabenwald mit dem Talkumbergwerk, Stubenberg mit Schloss und See. Einfach herrlich! Da ich nicht gerade davon begeistert war, einen steinhart gefrorenen, halsbrecherisch steilen Wanderpfad nach unten zu gehen, wanderten wir ein Stückchen weiter, umrundeten quasi das Hirschgehege und kamen auf einer Asphaltstraße raus. Dieser folgten wir und kamen wieder heil bei den Henderln und Schafen raus. Diesmal waren auch unzählige Drosseln unterwegs und Gregi musste unbedingt einen Fotostopp einlegen. Bei der Einfahrt des Einfamilienhauses bogen wir wieder ein und gingen den bekannten Weg zurück.
Beim Landgut Riegerbauer verließen wir die Straße und marschierten über einen Wiesenweg bergab zum Gemeindeamt zurück. Nun hatten wir nur noch ein Problem zu lösen: Gasthaus Pretterhofer, in einen Buschenschank oder bei der Heimfahrt in das Café Morcherl?
PS: Eine kurze, aber sehr schöne und informative Wanderung ist der Weinlehrpfad Hoferberg von Siegersdorf aus zum Heiligen Grab. Er ist 2,9 km lang, es sind 117 Höhenmeter zu überwinden und man ist circa eine Stunde unterwegs. Ausgangspunkt ist der Buschenschank Eitljörg in Siegersdorf.
















