Hartberg Stadt - Laternderlweg - Steinerne Stiege - Hartberger Gmoos







Eigentlich wollten wir an diesem ersten Dezemberwochenende auf den Ringkogel marschieren. Kurz davor hatte es geschneit, der Himmel war strahlend blau und wir waren total motiviert. Wir parkten das Auto in der Grazer Straße und marschierten auf das Zentrum der Stadt zu.
Wir kamen nicht weit. Der erste Halt war bereits bei der Kapuziner-Klosterkirche. Zwei überdachte Treppen führten zu ihr hinauf. Wir überlegten kurz, ob wir dieser Kirche, die 1654 außerhalb der Hartberger Stadtmauer errichtet worden war, einen Besuch abstatten sollten, entschieden uns jedoch dagegen. Nein, wir wollten in keinen Innenraum, im Freien war es so wunderbar und Sonnenstunden im Dezember gehörten genutzt.
Also besuchten wir den steinernen Löwen, der einige Schritte entfernt von der Kirche Wache hielt. Archaisch wirkte er, etwas zahnlos und sehr, sehr alt. Und das ist sie auch, diese Skulptur aus der Römerzeit, gefunden 1845 in Löffelbach.
Wir wanderten den terrassenförmig angelegten Park hinauf in Richtung Reckturm, der in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut worden war. Wären wir dazumal hier gegangen, dann hätten wir uns im Graben vor der Stadtmauer befunden. Doch jetzt konnten wir trockenen Fußes den märchenhaften Turm erreichen. Insgeheim hielt ich Ausschau nach Rapunzels Zopf.
Vom Reckturm führt ein hübsches Gässchen in die historisch interessante Innenstadt. Anfang des 12. Jahrhunderts hatte der Traungauer Markgraf Leopold hier die erste Pfalz auf steirischem Boden gegründet. Seine Wahl war nicht von ungefähr auf dieses Gebiet gefallen. Schon die Römer hatten diese Gegend besiedelt (Römervilla Löffelbach, auch war die Stadtpfarrkirche von Hartberg auf einem römischen Wohnkomplex errichtet worden).
Hier, zwischen dem Ringkogel und dem Feuchtgebiet „Hartberger Gmoos“, war eine wichtige Römerstraße, die Strata hungarica (zwischen Flavia Solva und Savaria in Ungarn), verlaufen, und von dieser zweigte in Hartberg die Straße über den Wechsel ab.
Doch zurück zur Pfalz: Diese bestand aus einer Burg, einer Kapelle, einem Meierhof und einer Mühle. Sie diente dem Landesherrn als sichere Unterkunft und wohl auch als Verwaltungszentrum, wenn er zur Ausübung seines Amtes in die Gegend gekommen war.
Wir erreichten die Herrengasse, die bei der Gründung Hartbergs der Bereich des ersten Marktes gewesen war. Wir schlenderten diese bergab und die Michaeligasse entlang. Ich liebe den Blick von der Gasse hinauf zum Karner St. Michael. Dieses „Beinhaus“ ist der wichtigste Sakralbau aus der Romanik in der Oststeiermark. Geht man die Michaeligasse entlang, so kann man noch den wehrhaften Charakter der Stadt erahnen. Wir erreichten den Schölbingerturm, bummelten am Wasserbecken vorbei und folgten der Fußgängerzone in der Wiener Straße rauf zum Hauptplatz. Als wir diesen Ausflug unternahmen, war gerade ein Christkindlmarkt auf dem Hauptplatz. Hartberg hat eine sehr lange Tradition als Marktplatz. 1310 war der Stadt das Recht gewährt worden, einen Jahrmarkt am Pfingstsamstag abzuhalten. Im Jahre 1436 hatte Herzog Friedrich III. der Stadt das Recht erteilt, auch am 17. Juli einen Markt abzuhalten (damit die Feuerschäden in der Stadt wieder behoben werden konnten).
Hartberg lag damals an der Grenze und war für die Verteidigung des Landes sehr wichtig. Damit die Einnahmen zum Ausbau und zur Instandhaltung der Wehranlagen gewährleistet werden konnten, hatte Hartberg einige Sonderrechte. So durfte die Stadt Abgaben einheben, wenn man sie mit Waren betrat. Auch war geregelt, dass im großen Abstand zur Stadt keine Gewerbeausübung erlaubt war, daher hatte es zwischen Hartberg und Graz keine weitere Stadt gegeben.
1165–66: Ungarneinfälle – verstärkte Befestigungsanlagen im Bereich Michaeligasse wurden gebaut.
1252/53: Wieder Ungarneinfälle – danach wurde die Stadt mit einer Mauer umgeben.
Im 15. Jahrhundert hatte der Söldnerführer Andreas Baumkirchner die Stadt eingenommen, danach sein Sohn Wilhelm. 1529 und 1532 zogen Türkenscharen vorbei und verwüsteten die Umgebung. 1605 waren es die Heiducken – sie konnten zum Glück die Stadt nicht erobern. 1704–1722 waren die Kuruzzenkriege und die Hartberger Umgebung wurde dreimal verheert. 1805 und 1809 besetzten dann die Franzosen die Stadt. Man hatte wirklich allen Grund gehabt, auf die Wehrhaftigkeit der Stadt zu achten.
Es ist wunderbar, dass die ehemalige Burg (das jetzige Schloss Hartberg) heutzutage friedlichen Zwecken dient – in der Adventzeit beherbergt sie ebenfalls einen herrlichen Adventmarkt. Wir verließen das Schlossareal durch einen Durchlass in der Stadtmauer, rechts den Steg hinauf, das alte Mauerwerk entlang. Links bemerkten wir dann den Wegweiser „Laternderlweg“. Steil ging es in Kehren bergauf, mit einem prächtigen Blick auf die Altstadt. Die goldige Verzierung der Stadtpfarrkirche (hl. Martin – urkundlich erstmals 1157 genannt) leuchtete in der Sonne. Gregi wischte Schnee von einem Bankerl und meinte: „Jetzt kann es trocknen und vielleicht möchte sich jemand draufsetzen und den herrlichen Blick genießen!“ „Ja, die alten Bauherren haben gewusst, wie man schön baut. Es müssen in den letzten hundert Jahren sehr viele Leute gewesen sein, die sich an diesem Ausblick erfreut haben.“
Wir erreichten einen schmalen asphaltierten Weg, stiegen eine steile Treppe hoch und querten die Straße. Vor uns ein tolles verlassenes Haus. Ein Eins-a-Fotomotiv. Dann ging es weiter bergauf, neben uns gab es angelegte Terrassen, vor uns ein tolles Aussichtsbankerl.
Immer weiter bergauf, eine Weide entlang, freundliche Alpakas begrüßten uns. Und dann kamen die nächsten Wegweiser. „Sollen wir weiter rauf zum Ringkogel oder rechts abbiegen zur Steinernen Stiege?“, erkundigte ich mich bei Gregi. „Bergauf ist Schatten, da runter ist es sonnig“, meinte er und es war entschieden. Eine gute Entscheidung, wie wir später rausfanden. Jetzt sahen wir in Richtung Klaffenau – ein richtiges Wimmelbild. Lange mussten wir suchen, bis wir das Schloss lokalisierten.
Die Steinerne Stiege ist steil und hat glücklicherweise ein Geländer zum Festhalten. Man tritt auf die Wiese hinaus und hat einen ganz neuen und interessanten Blickwinkel auf die Stadt, bei dem der goldig verzierte Kirchturm quasi aus dem Hügel wächst und dahinter die futuristisch wirkenden Gebäude des Ökoparks zu sehen sind.
An einer Baumschule vorbei, dann erreichten wir einen Park. Gregi war fast außer sich. Ein Baumläufer! Der musste beobachtet werden. Ich freute mich indessen schon, dass wir bald wieder den Hauptplatz erreichen würden. Da gab es Kaffeehäuser! Mit einen Koffeinschub schafften wir es dann noch, hinabzugehen zum Hartberger Gmoos. (Vorbei beim Hallenbad, dann gleich rechts abbiegen.) Teiche, alte Bäume und noch mehr Vögel. Herz, was willst du mehr!


















