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Distanz |
Höhenmeter |
Dauer |
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Rundweg mit Burgberg |
5,08 km 7,5 km |
20 HM 95 HM |
1,5 h 2 h |
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Start: |
Güssing |
Zentrum |







Das Mündungsgebiet des Zickenbachs und Strembachs war stark versumpft, dahinter erhob sich ein stolzer Vulkankegel. Einfallsreich, wie Menschen nun mal sind, wussten sie, beide landschaftlichen Besonderheiten zu nutzen. Der Vulkankegel, der wie aus der Ebene gewachsen zu sein scheint, eignete sich bestens zur Verteidigung – daher wurde darauf eine Burg gebaut. Und auch ein Sumpfgebiet mit Wasserzulauf konnte bestens genutzt werden: Aufgestaut zu Teichen konnte man dort hervorragend Fische züchten.
Seit dem Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gab es zwei aufgestaute Teiche. Dann glaubte man, dass Ackerland wohl sinnvoller wäre, und begann, die Teiche aufzulassen und die Sümpfe zu drainieren. Erst 120 Jahre später, unter der Herrschaft der Familie Draskovich, wurden die Teiche wieder angelegt. Heute ist die Teichfläche etwa 50 Hektar groß, etwa 20 Hektar entfallen auf Röhricht- und Verlandungszonen.
Die Teiche sind sehr groß und auch sehr alt. Und die Vielfalt im und um diese Teiche ist einfach grandios. Gut, dass dieses Areal seit 2013 als Ramsar-Schutzgebiet ausgewiesen ist. Ramsar ist ein internationales Abkommen, das zum Schutz von Feuchtgebieten verpflichtet.
Wir starteten unsere Wanderung im Ortszentrum, über die Badstraße am Freibad vorbei und bogen dann in den Feldweg ein. Auf Infotafeln kann man lesen, dass der Teich sehr naturnah im Femelbetrieb bewirtschaftet wird. Hier leben die unterschiedlichsten Fischarten in allen Altersstufen nebeneinander. Es gibt die herkömmlichen Zuchtfische, doch auch recht seltene Fischarten wie zum Beispiel der Steinbeißer, der Schlammpeitzger und der Bitterling. Letzterer ist besonders interessant, weil er Großmuscheln benötigt, um sich fortpflanzen zu können (Eiablage direkt in Muscheln).
Der Weg ist gut beschildert, und man wandert bequem dahin. Ein Stichweg neben einem wasserführenden Graben führt zu einem besonderen Beobachtungsplätzchen. Als wir auf diesem Stichweg gingen, brach bei den Heuschrecken Panik aus. Noch nie in meinem Leben habe ich eine so große Dichte an Heuschreckenarten in verschiedenen Farben und Größen gesehen. Alle hüpften vor unseren Füßen kreuz und quer. Wir gingen langsam und vorsichtig, damit die kleinen Tierchen die Möglichkeit hatten, sich in Sicherheit zu bringen.
Doch auf dem Weg lauerten richtige Gefahren für die armen Heuschrecken: Frösche, die sich einen Heuschrecken-Snack gönnen wollten. Als wir kamen, vergaßen sie allerdings ihren Hunger und retteten sich selbst in den Wassergraben.
Im Gestrüpp des Sumpfes wiederum wartete der Feind der Frösche – ein Graureiher. Er war in eine missliche Lage geraten, denn er stand da zwischen den eng stehenden Büschen und konnte seine großen Flügel nicht ausbreiten, um davonfliegen zu können. Also sprang er zuerst etwas unbeholfen auf einen höher gelegenen Ast und versuchte, sich so gut wie möglich zu verstecken.
Am Teich angekommen, hatten wir einen wunderbaren Blick auf die Burg – und dort stand auch eine Liege mit zwei großen Hörtrichtern. Im Teich schwammen mehrere Wassernüsse. Sie erinnerten mich an kleine Nilpferdköpfe. Eine Möwe kreiste über dem Teich, auch ein Reiher war nun in der Luft zu sehen. Ob es sich um das Individuum handelte, welches sich vorhin noch so hastig vor uns versteckt hatte, konnte ich nicht sagen.
Auf dem Rückweg bewunderte ich den Blutweiderich, der so üppig am Wassergraben wucherte. Viele kleine Vögel tummelten sich im Röhricht. Gregi entdeckte voller Begeisterung einen „Großen Wiesenknopf“, auf dem sich die Krabbenspinnen wohlfühlten. Kurz kamen wir auf eine Asphaltstraße, wo wir Radfahrern begegneten, und dann sahen wir im Acker eine Rehgeiß mit zwei Kitzen. Die Kleinen hatten einen gesegneten Appetit und langten kräftig beim Grünzeug zu, während die besorgte Mutter uns kritisch beobachtete.
Wir zweigten links in den Feldweg ein und hatten einen schönen Blick auf den Vulkanhügel samt Burg. Selbst an sonnigen und hellen Tagen wirkt die Wehranlage dunkel und düster. Die Burg war Teil des Verteidigungsrings im Westen von Ungarn. Wir Steirer hatten unseren Burgengürtel zur Verteidigung gegen mögliche Feinde aus dem Osten – die Ungarn hatten einen Verteidigungsring gegen mögliche Angriffe aus dem Westen. Und die Güssinger Burg war sehr wehrhaft – so leicht konnte sie nicht eingenommen werden. Das musste König Ottokar von Böhmen erfahren – auch die „Goldene Horde“ der Tataren musste sieglos wieder abziehen.
1524 kam die Familie Batthyány zu Burg Güssing. Franz I. Batthyány war Mundschenk und Kämmerer am Wiener Hof und erhielt die Burg sowie die Herrschaft Güssing verliehen. Doch wie alles im Leben hatte auch diese Verleihung des Besitzes einen gewaltigen Haken. Ab nun musste er die Burg gegen die Türken verteidigen.
Wer den Burgberg hochsteigt (sehr empfehlenswert – tolle Sicht auf das Ramsar-Teichgebiet), wird sicherlich von den wehrhaft hohen Mauern und den tunnelartigen Toren begeistert sein. Unwillkürlich fragt man sich bei der enormen Menge von Ziegelsteinen, wie viele Menschen wie lange bei der Errichtung dieses gigantischen Wehrbaus beteiligt waren. Was fremde Heere und Feinde nicht schafften, das schaffte die josephinische Dachsteuer. Die Burg verfiel unaufhörlich bis 1870, als Fürst Philipp Batthyány-Strattmann glücklicherweise eine Stiftung zur Erhaltung der Burg gründete. Dadurch können wir heute noch dieses faszinierende Bauwerk bestaunen. Auch innen hat die Burg einiges zu bieten – besonders angetan hat es mir der Dachstuhl des Turms.
Doch zurück zu unserer Wanderung.
Da gab es eine feuchte Stelle auf dem Weg, dieser Fleck war ein richtiger Treffpunkt für die Scheckenfalter. Auch Libellen fühlten sich in diesem Bereich besonders wohl. 28 Libellenarten sollen im Güssinger Ramsar-Gebiet vorkommen.
Wir erreichten die Siedlung, dann führte ein Weg in Richtung Teich. Das Güssinger Spital hat eine erstklassig schöne Lage, noch besser ist die des Roten Kreuzes. Die Sanitäter müssen nur einen Wiesenweg queren, um zum Teich zu gelangen. Und dort – neben den Sanitätern, die auch immer wieder schwangere Frauen in die Geburtsklinik bringen – hat sich die Konkurrenz angesiedelt: Ein Storchennest. Hoch oben auf einem Mast residieren die beeindruckenden Vögel und beobachten skeptisch die Graureiher, die auf dem Weg zwischen den Teichen ihr Lager aufgeschlagen haben. Diesen Steg sollte man besser nicht betreten, ohne größte Vorsicht walten zu lassen, denn dieser Weg wird von den Schwänen als Toilette benutzt.
Die Güssinger Teiche sind als Brutplatz für Wasservögel von österreichweiter Bedeutung. 80 Vogelarten brüten in diesem Gebiet – 100 Vogelarten rasten während des Vogelzugs hier. Ich könnte mir vorstellen, dass es in Güssing in Zukunft ausgesprochen viele Ornithologen gibt. Der Kindergarten ist direkt neben dem Teich – Vogelbeobachtungen sind hier schon in jüngsten Jahren möglich.
Mein Tipp: Unbedingt die Burg auch besuchen. Sie ist noch so unverfälscht – der Dachstuhl des Turms ist ebenfalls außerordentlich sehenswert.














































