Mureck – Burg Obermureck – Auwald und Schiffmühle

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Wanderung beliebig erweiterbar

5 – 6 km

kein nennenswerter Höhenunterschied, nur beim Burgberg

mindestens 2 Stunden

       

Bei dieser Wanderung den Reisepass nicht vergessen!

Der erste Sonntag im März 2025 war ein ganz famoser Tag. Kalt war es in den vergangenen Tagen gewesen, feucht und nebelig … und dann dieser prächtige Frühlingstag.

Im Vorfrühling zieht es uns immer magisch in den Süden der Steiermark. Die Murauen sind nun mal zu dieser Jahreszeit besonders herrlich. Wir beschlossen also, nach Mureck zu fahren. Unsere Wanderung startete bei der Murecker Pfarrkirche zum „heiligen Bartholomäus“.

Wer war dieser Heilige, der Namensgeber für Bartholomew Simpson (besser bekannt als Bart Simpson) ist? Laut Wikipedia war er ein Jünger Christi, der ein ganz scheußliches Martyrium erlebte. Ihm soll bei lebendigem Leib die Haut abgezogen worden sein. Düster war auch die Bartholomäusnacht (23.–24. August 1572), in der ein Massenmord an französischen Protestanten stattgefunden hat.

Die Kirche selbst hat nichts Düsteres an sich. Hell und freundlich wirkt die Fassade, die durch den Turm geteilt wird. Hinein konnten wir leider nicht, da das Gotteshaus verschlossen war. Über den Kirchdamm gingen wir weiter, zweigten in eine Allee ein, wo wir einige emsige Kleiber beobachten konnten. Danach folgten wir einem schmalen Weg, der entlang einer alten Mauer führte. Auf der Mauer leuchtete das grüne Moos. Nach kurzer Zeit erreichten wir den Murecker Hauptplatz.

Dieser Hauptplatz hat es auch in sich. Lang ist er – ganze 350 Meter. Und direkt vor uns stand das Rathaus mit seinem besonders hübschen, sechsstöckigen Uhrturm. Lange besahen wir diesen Turm, der im 17. Jahrhundert erbaut worden war. Eine Büste des Grafen von Stubenberg, ein Porträt von Kaiser Leopold I., eine Madonna mit Mondsichel konnten wir erblicken. Doch besonders angetan war ich vom Erzengel Michael. Auf ihm thronte ein wunderhübscher Falke. Über dem Turm flogen heiser krächzend die Krähen. Ja, Mureck ist wirklich eine ganz besondere Stadt.

1187 wurde Mureck erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort liegt nördlich der Mur, wo die Gegend brettleben ist. Die Burg Obermureck wurde südlich der Mur errichtet, auf dem Trattenberg, der sehr steil zum Fluss abfällt und daher ein richtig toller Burgstandort ist. Doch Mureck selbst hatte keinen natürlichen Geländeschutz. Der Marktrichter Bartlme Lorber wusste um diese Schwachstelle und setzte sich dafür ein, dass der Ort befestigt wurde. Ab 1664 wurden Gräben gezogen, Palisaden aufgestellt und Toranlagen errichtet. Diese wurden auch gebraucht, denn sowohl 1683 als auch 1704 war Mureck Stützpunkt im Verteidigungskampf gegen Türken und Kuruzzen.

Wir marschierten durch das Tor des Rathauses und kamen zum Lorberplatz. Hier gibt es einen Laden für regionale Produkte sowie ein öffentliches WC. Wir folgten der Straße weiter zum Campingplatz und von dort einem Pfad zum Auwald. Der Wegrand war violett gesäumt – so viele Krokusse wuchsen dort. Und hier tummelten sich bereits die ersten Bienen.

Im Wald angekommen, bogen wir vor der Brücke links ab und folgten dem Mühlbach. Weiße Teppiche von Schneeglöckchen – wunderbar anzusehen. Leider ist es mir bis jetzt noch nicht gelungen, diese Pracht naturgetreu auf ein Foto zu bringen. Dazu kamen noch die unzähligen Krokusse und einige Exemplare der Grünen Nieswurz. Rund um uns gab es das allerschönste Vogelkonzert. Auch die kleinen Piepmatze begrüßten den Frühling voller Enthusiasmus.

Über eine kleine Brücke führte uns der Weg, danach weiter flussabwärts. Unter der Murbrücke hindurch, zwischen Mur und Mühlbach, kamen wir dann auf den Radweg. Hier könnten wir den Weg weiter der Mur entlanggehen – zum Röcksee und weiter zum Murturm. Eine herrliche Wanderung!

Wir wollten diesmal jedoch das Schloss Obermureck besuchen. Also marschierten wir auf dem Radweg in Richtung Mureck zurück bis zum Haus der Grenzpolizei, danach über die Brücke nach Trate. Direkt gegenüber der Brücke geht neben einem Haus eine Treppe den Hang hinauf – an einem Backofen vorbei, und über einen urigen Weg schlängelt sich ein Pfad durch den Wald zum Schloss hoch. Das wussten wir leider zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Also gingen wir rechts die Straße entlang und bogen vor einer Ruine in einen Weg ein – und kamen auf diese Weise zum richtigen Waldpfad. Schneeglöckchen wuchsen auf dem ganzen steilen Hang, und es roch sehr intensiv nach Bärlauch, der hier üppig wucherte. Wir entdeckten einen besonderen Farn. Gregi behauptete, dass es sich dabei um den seltenen Hirschzungenfarn handelt. Dieser wurde im Mittelalter auch Hexenkraut genannt. Hexenkraut auf einem Burgberg – wie unheimlich.

Unheimlich dürfte es auf dem Schloss Obermureck (Grad Cmurek) im 20. Jahrhundert zugegangen sein. Dort war eine geschlossene psychiatrische Anstalt untergebracht. Heute gibt es auf dem Schloss ein Museum (Museum des Wahnsinns). Als wir den Tratenberg erklommen hatten, mussten wir leider feststellen, dass sowohl das Museum als auch das Schloss geschlossen waren. Da hätten wir besser vorher etwas recherchiert … aber egal. Wieder bergab und über die Brücke.

Von der Brücke aus sahen wir unser nächstes Ziel: die Schiffsmühle und das dazugehörende Restaurant. Diesmal folgten wir der Straße in Richtung Stadt, ein gelber Wegweiser ließ uns dann links abbiegen, und über einen schmalen Pfad kamen wir wieder in den Auwald. Diesmal gingen wir direkt an der Mur entlang flussaufwärts.

Opatija hat den Lungomare … die Steiermark hat den Wanderweg neben der Mur. Und ehrlich: Dieser Wanderweg steht dem weltberühmten kroatischen Panoramapfad um nichts nach. Blaues Wasser, helle Steine, kleine Wellen, die das Licht auf wunderbare Weise spiegeln. Dazu Gänsesäger, Stockenten und Schwäne, die hier nach Herzenslust badeten. Und über uns in den Baumkronen tummelten sich Scharen von kleineren Vögelchen.

Dass es auf diesem Weg besonders schön ist, wissen viele Leute. Und so kam es, dass an diesem ersten etwas wärmeren Sonntag im Vorfrühling sehr viele Spaziergänger unterwegs waren. Vor uns sahen wir verheißungsvolle rote Sonnenschirme … das Restaurant Mühlenhof hatte geöffnet.

Man hatte hier wohl nicht mit diesem enormen Ansturm gerechnet – ein Kellner und ganz, ganz viele Gäste, die bedient werden wollten. So beschlossen wir, uns nur die Schiffsmühle anzusehen, die 1997 nach dem Vorbild alter Schiffsmühlen errichtet wurde.

Wir hätten dem Fluss noch weiter in Richtung Weitersfeld folgen können, doch nun plagte uns der Hunger … also zurück nach Mureck, zum Café Mureckstüberl.

Das Café Mureckstüberl befindet sich in der Grazer Straße 2 (beim Rathaus die Straße überqueren, links den Hauptplatz hinuntergehen, beim letzten Haus um die Kurve … dort befindet sich das Kaffeehaus). Wir hatten Glück, noch einen Platz zu ergattern. So gut gefüllt war das Lokal. Und die meisten Besucher naschten Eis – was man sich nur zwei Tage davor sicherlich nicht hätte vorstellen können.

Zu Mureck muss ich noch etwas sagen. Jedes Mal, wenn ich in diesem Ort bin, komme ich total zur Ruhe. Ich weiß nicht, woran das liegt. Aber nach einer Wanderung an der Mur bin ich immer ganz tiefenentspannt. Und offenbar geht es nicht nur mir so. Die Bewohner dieser besonderen Stadt scheinen mir auch sehr gelassen und freundlich. Man grüßt und redet … und ist sofort per Du. Wir fühlten uns hier so wohl, dass wir beschlossen, schon bald wieder hierher zu kommen. Vielleicht im Sommer. Sehen, wie dann dieser Auendschungel aussieht.

 

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