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Distanz |
Höhenmeter |
Dauer |
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Rundweg |
7 km |
160 HM |
2:30 h |
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Start: |
Oberdorf |
Wanderparkplatz |
Route: Oberdorf- Kleine Raabklamm – Stoffmühle – Hohenkogel – Oberdorf









Am Ostersonntag, nach einer richtig netten Familienfeier, wollten Gregi und ich noch wandern gehen. Weit wollten wir nicht mehr fahren, immerhin war es nicht mehr ganz früh. Also erkor Gregi die Kleine Raabklamm als unser Ziel aus. „Ich will was Neues entdecken“, beschwerte ich mich. „Die Kleine Raabklamm kenn ich in- und auswendig.“ Als gebürtige Ruprechterin war ich als Teenager sehr oft mit dem Rad dort gewesen. Bis zum Franz-Ludwig-Steig war man dazumal mit dem Drahtesel gekommen. Aber auch ins Bärental sind wir geradelt. Und sogar den tollen steilen Weg rechts hinter der Könighanslwiese neben dem munteren Bach mit seinen Kaskaden hinauf nach Hafning hatte ich als Schülerin mein Radl schon raufgeschoben.
„Wasseramseln sind in der Klamm … und Bachstelzen auch“, argumentierte Gregi und ich war überredet. Das Auto parkten wir auf dem Wanderparkplatz in Oberdorf. Wir marschierten an hübschen alten Bauernhäusern vorbei in die Klamm. Sobald man zum Fluss vorkonnte, war Gregi auch schon dort. Ich fotografierte das hübsche grüngelbe Milzkraut, das hier üppig wucherte, Gregi hatte eine Wasseramsel entdeckt. Wasseramseln sind mir sympathisch, sind sie mir doch sehr ähnlich. Sie werden so beschrieben: „Sehr kompakt – oft dick wirkend. Sie lieben saubere, schnell fließende Bäche und Flüsse.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.
Das Wasser der Raab ist im Bereich der Kleinen Raabklamm wirklich noch klar und sauber. Die braune Färbung des Wassers kommt erst später. Laut dem tollen Buch „Die Raab“ von Andreas Stiermeier fließt der Fluss ab Gleisdorf bis zu ihrer Mündung in Györ durch Braunerdeböden. Ihr Name sollte vom keltischen Wort „Arrabo“ stammen, was die „Braune“ bedeutet. Diesem Buch habe ich auch entnommen, dass die Raab 427 km lang ist – 4 wunderbare Kilometer davon würden wir bei der Wanderung erleben.
Wir waren nur einige Meter weitergekommen und konnten schon Stockenten beobachten … und auch Wanderer (mit und ohne Kinder oder Hunde), Radfahrer und auch verliebte junge Paare. Ein breiter Weg führt den Fluss entlang, da kann man toll Händchen haltend nebeneinandergehen. Zumindest wenn man keine Kamera dabeihat. Denn in diesem Flussabschnitt gibt es so viele tolle Fotomotive: Leberblümchen, Pestwurz, Frühlingsplatterbse, Lerchensporn, Buschwindröschen, Sumpfdotterblume etc. Und dann immer wieder die tollen Vögel im Fluss. Die schon beschriebene Wasseramsel, die schwarz-weiße Bachstelze und die Gebirgsbachstelze mit dem gelben Bäuchlein.
Die Kleine Raabklamm zählt nicht umsonst zu den längsten naturnah erhaltenen Flussstrecken in Österreich. Mal ist das Wasser seicht … Steine, Schotter- und Sandbänke sind zu sehen … dann gibt es wieder tiefe Tumpfe. Und auch das Tal selbst ändert sich ständig. Steile Schluchtwälder wechseln sich mit Auwäldern und Wiesen ab. Auf der Könighanslwiese sollte es in früheren Zeiten sogar einmal einen Imbissstand gegeben haben. Jetzt ist auf diesem wunderbaren Ort zum Glück wieder Ruhe eingekehrt.
Musste man früher über den Franz-Ludwig-Steig kraxeln, um weiter in Richtung Kleinsemmering zu gelangen, kann man jetzt bequem und eben neben der Raab diesem Steig ausweichen. Langsam näherten wir uns dem Parkplatz Stoffmühle, als wir voller Freude auf den Felsen über der Raab die Ruine der Burg Raabeck entdeckten. Viel ist nicht mehr übrig von diesem alten Wehrbau. Doch wenn man bedenkt, dass diese Burg schon Ende des Mittelalters aufgegeben worden war – na, dann wundert man sich doch, dass da überhaupt noch Mauern stehen.
Auf der anderen Flussseite ging unsere Wanderung weiter, ein kurzes Stück die Asphaltstraße entlang, dann durften wir wieder links in den Wald einbiegen. Der Weg führte bergauf. Statt die gelben Blüten der Sumpfdotterblumen sahen wir jetzt die lilafarbigen der Erika. Fünf Rehe liefen vor mir über den Waldweg und den steilen Hang hinab. Dann sah ich den Grund der Flucht. Eine Wanderin, die mit ihrem Hund unterwegs war. Zum Glück hatte sie ihren vierbeinigen Freund an der Leine, so hatten die Rehe nichts zu befürchten. Drehte man sich um, konnte man den Schöckl und das Almenland sehen.
Schnaufend kamen wir in Hohenkogl heraus. Zuvor entdeckte ich noch einen Eichelhäher sowie eine Drossel. Alte Obstbäume standen in vollster Blüte, der Saharasand färbte den Himmel. Vor einem Kellerstöckel stand ein Heuwender, Hühner waren hier im wahrsten Sinne des Wortes Freilandhendln. Begeistert gingen wir weiter, die Aussicht war einfach genial. Wie auf einem Balkon sahen wir auf das Raabtal, das sich vor uns weitete. Vorne rechts war Mitterdorf, Schloss Stadl war zu sehen, Ruprecht – weit unten Gleisdorf. Sogar die Gleichenberger Kögel konnte ich entdecken.
„Zwei Knaben gingen auf den Ötscher und wurden matt und immer mätscher, dann sagt der Mätschere zum Matschen, jetzt können wir wieder obihatschen!“, war ein Spruch, den wir in der Kindheit liebten. Uns ging es ähnlich. Kaum hatten wir den anstrengenden Aufstieg hinter uns, ging es den Berg wieder steil hinunter. Wieder durch einen Wald, diesmal gab es mehr Laubbäume.
In Oberdorf leben meines Erachtens sehr gastfreundliche und aufgeschlossene Leute. „Getränke könnte man aus dem Keller holen“, stand bei einem Haus. Davor stand ein richtig hübsches blaues Marterl und nun kam ein Ehepaar daher, das offensichtlich eine Kerze bei diesem Bildstock anzünden wollte. Wir plauderten eine Zeit lang recht nett mit den beiden, die uns vom Brutplatz der Wasseramsel erzählten.
Jetzt war es nicht mehr weit zum Auto. Auch nicht weit weg vom Parkplatz war das Restaurant „Mittelpunkt“. Wir kennen es noch nicht. Ostersonntag war es leider geschlossen. Was uns am besagten Tag auch ziemlich egal war, da wir zuvor ohnehin eine üppige Osterjause hatten. Also das nächste Mal, wenn wir wieder die Wasseramseln besuchen, dann könnten wir vielleicht auch dieses Gasthaus erforschen.































