„Kienbergrunde W21“ – Bernstein

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

9 km

384 HM

3 h

Start:

Bernstein

Zentrum  

Bernstein ist der Ort, in dem sich die höchstgelegenste Burg des Burgenlandes befindet. Wir waren nach Bernstein gekommen, um wahres burgenländisches Gipfelglück zu suchen.

Vom Bernsteiner Felsenmuseum aus marschierten wir zur Raiffeisenbank und davor gab es – nahezu eine burgenländische Sensation – Wanderwegweiser! Der „Würfel“ zeigte uns, dass der Weg W21 bergab ins Tauchental führte. Also, nichts wie runter, an einem hübschen Gebäude mit viel blauem Dekor vorbei, und dann ging es wieder steil bergauf. Am Tennisplatz vorbei – wobei wir uns überlegten, ob extra für diesen Sportplatz Teile des Berges weggesprengt wurden oder ob man einfach einen ehemaligen Steinbruch umgestaltete – dann führte die Schotterstraße uns in den Wald.

Lauter Föhren wuchsen auf dem Hang, es war ein warmer Tag, und es roch herrlich. „Es riecht wie in Italien“, schwärmte Gregi. „Der Wald wirkt richtig mediterran.“ „Die Föhren tragen graue Hosen, orangebraune Hemden und grüne Hüte“, merkte ich an, weil die Stämme unten wirklich grau und im Mittelteil orangebraun waren, und die Kronen hatte natürlich grüne Nadeln.

Der Kienberg hat übrigens seinen Namen von den Föhren, die sehr harz-pechhaltig sind. „Kienspäne“ wurden als Beleuchtung in den alten Bauernhäusern verwendet. Und vom fossilen Harz, welches in der Ostsee an Land geschwemmt und in der Antike von dort bis nach Rom geliefert wurde, hat Bernstein seinen Namen. Ein Zweig der „Bernsteinstraße“ hat über das Tauchental bei Bernstein geführt. Die Bernsteinstraße war eine bedeutende Handelsroute, und der Weg war extrem weit. Eine Hardcore-Weitwanderung sozusagen. Dagegen ist der „Alpannonia Wanderweg“ mit seinen 120 km, der nördlich von Bernstein vom Semmering nach Koszeg führt, beinahe schon ein Spaziergang.

Auf dem Kienberg soll eine Hexe wohnen: die Kienberghexe. Nett war sie nicht, das könnte man nicht behaupten. Waren einsame Wanderer, beerensammelnde Kinder etc. unterwegs, konnte es ihnen passieren, dass die böse Hexe Steine nach ihnen schleuderte und sie tötete. Dann schleppte sie ihre „Beute“ zu einem Felsspalt (dem „Speckkammerl“).

Auch ein „Waldmännchen“ soll der Kienberg beherbergen, welches es so gar nicht leiden kann, wenn man über die Qualität des Holzes lästert. Wir lästerten bei unserer Wanderung nicht. Wir redeten kaum noch – schnaufend stiegen wir den steilen Hang bergauf. Dann endlich eine wunderbare Kuppe mit einer tollen Aussicht.

Nun war Gregi voll des Lobes über den Kienberg. Immerhin hatte er einen Mauerfuchs entdeckt, der sich fotografieren ließ. Auch ein Schwalbenschwanz zog seine Runden über der Bergkuppe und hielt sein Revier gut im Auge. Ich schätze, dieses Lob hätte dem Bergmännchen gut gefallen.

„Im Wanderbuch stand etwas von einem Gipfelkreuz und auch was von einer Bank“, maulte ich, denn ich war hungrig und müde. Immerhin war ich den steilen Berg hinaufgeklettert und hatte mir eine Rast auf einem bequemen Bankerl verdient (natürlich auch eine gute Jause). „Vielleicht waren Bank und Gipfelkreuz schon alt und sind kaputt geworden … und dann hat man sie nicht mehr ersetzt“, überlegte Gregi laut. „Andernfalls ist das noch nicht der Gipfel“, meinte ich, als wir den Grat etwas entlang gingen. Plötzlich führte uns der Wanderweg links steil durch den Wald bergab. Dabei mussten wir höllisch aufpassen, weil der Weg mit Föhrenzapfen „gepflastert“ war. Sobald man draufstieg, begannen sie zu rollen. Hatten wir etwa das Waldmännchen verärgert?

Dann kamen wir zu einem Schranken und einem Schild, welches uns darauf hinwies, dass wir das Steinbruchgelände nicht betreten dürften. Hier rechts dem Wanderpfad folgen! Begeistert sahen wir auf zu den Baumkronen, welche auf der Abbruchkante des Steinbruchs standen. Riesige Bussarde kreisten darüber.

Bernstein ist ein historischer Bergbauort. Ende des 14. Jahrhunderts wurden zwei Schmelzhütten für Eisen erwähnt. Seit dem 16. Jahrhundert wurden Schwefel, Kupfervitriol, Kupfer, Gold und Silber gefördert. Später wurde Antimon abgebaut. Und seit zirka hundert Jahren wird im Steinbruch auf dem Kienberg der moosgrüne Edelserpentin gefördert. Zweitausend Kubikmeter Gestein muss abgebaut werden, um einen Kubikmeter des lichtdurchlässigen Edelserpentins zu erhalten. Dieser weiche Stein muss dann eine Weile gelagert werden, bevor man ihn bearbeiten darf.

Schließlich mussten wir rechts abbiegen, und es ging wieder steil bergauf. Und endlich erreichten wir den echten Gipfel des Kienberges. Auf 804 Metern Seehöhe steht das burgenländische Gipfelkreuz. Das hört sich nicht viel an, doch im Wanderbuch wird diese Tour immerhin als „etwas anspruchsvoll“ bezeichnet. Auf der Kuppe des Kienberges (auf dem Bankerl sitzend und die Jause genießend) lächelte ich noch über das „etwas anspruchsvoll“. Wieder konnten wir einen Schwalbenschwanz beobachten, und auch das Panorama war spitzenmäßig.

Der Abstieg war alles andere als lustig – sehr abschüssig und wieder diese vermaledeiten Föhrenzapfen. Endlich erreichten wir die Asphaltstraße (kurz nach links, überqueren und dann in den Waldweg einzweigen). Hier kamen wir rascher voran, folgten dem Forstweg bis zu einer Kuppe. ACHTUNG, hier rechts abzweigen! Und dann ging es bergab – bergab – bergab. „So viele Höhenmeter haben wir beim Aufstieg nicht überwunden“, bemerkte ich, als wir einen nassen Graben mit mehreren kleinen Gerinnen erreichten. Auch die Vegetation hatte sich geändert, statt Föhren wuchsen hier Buchen. Und recht hatte ich – plötzlich ging es wieder bergauf!

Wir verließen den Wald und wanderten eine Weile (immer ansteigend) auf einem Wegerl neben der Straße entlang. Heiß war es, unsere Wasserflaschen waren bereits leer, und wir waren schon rechtschaffen müde. Als wir die norisch-pannonischen Hügelgräber erreichten, lächelte ich nicht mehr über die Bemerkung von wegen „etwas anspruchsvoller Weg“. Inzwischen war ich der Meinung, dass dies sehr untertrieben war. Weiter ging es bei Hitze bergauf, der „Steinbruchblick“ mochte uns nicht mehr beeindrucken. Stattdessen hätten wir ein Königreich für eine kühle Erfrischung gegeben. Wir waren schon dankbar, dass der Weg nun wieder durch einen schattigen Wald führte – und dann kam der absolute Höhepunkt der Wanderung.

„Monis Imbiss“ auf der Panoramaplattform 1. „Sieht aus wie in Kroatien“, sagte Gregi zufrieden. „Fast wie im Urlaub“. „Kühle Getränke!!!“, frohlockte ich. So saßen wir vor dem Imbiss über dem Parkplatz und genossen herrliche Erfrischungen aus PET-Flaschen. Dabei sahen wir rüber nach Bernstein – auf den Ort und auf die Burg. So gestärkt war ich wieder in der Lage, an meine Kamera zu denken und Fotos zu machen. Auch mit dem Handy – um Linda den schönen Ausblick schicken zu können. „Seid ihr in Kroatien?“, kam als Reaktion auf das Foto.

Ich weiß bis jetzt nicht, wieso Vater und Tochter beide an Kroatien denken, wenn sie das Panorama von Bernstein sehen. Bei der grimmigen alten Burg denke ich eher an Geister … welche darin auch umgehen sollen. Der „Schlosshansl“ zum Beispiel ist ein nicht ganz freundlicher Geist in ritterlicher Kleidung und rotem Wams. Wohlgesonnen hingegen soll die „Weiße Frau“ sein, deren Erscheinung schon oftmals beschrieben wurde. Sogar russische Offiziere, die in Kriegsgefangenschaft geraten waren, konnten von ihr berichten. Angeblich erscheint sie vor bösen Katastrophen, um davor zu warnen.

Erfrischt wanderten wir vom Imbiss in den Ort, wo wir dann bei einem ausgezeichneten Schmankerlwirt einkehrten. Das Restaurant „Pannonia Roth“ war ein toller Abschluss einer etwas anspruchsvollen, aber tollen burgenländischen Gipfelwanderung.

 

 

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