Distanz
Höhenmeter
Dauer
6 km
200 HM
2:30 h







Diese Wanderung startet beim Gemeindeamt. Wir stiegen aus dem Auto aus und sahen eine Pizzeria. Heute hatten wir also eine Auswahl: Kapfensteinerhof oder Pizza. Zuerst wollten wir wandern. Unser Weg würde uns zu Beginn in Richtung Tischlerei Luttenberger führen, entnahmen wir dem Wanderbuch. Zielstrebig marschierten wir die Bundesstraße bergab. Uns kamen Feuerwehrfrauen und -männer entgegen. Vergnügt trugen sie eine Klappbank mit sich. „Heute ist Fototermin“, erfuhren wir und auch, dass es im Ort so etwa um die 60 Feuerwehrleute gebe. „So beschaulich klein Kapfenstein auch wirken mag, die Einwohner sind nette und engagierte Menschen“, stellten wir fest und gingen weiter bergab, vorbei an einer Wanderstempelstation. Bei der Raiffeisenbank blieben wir stehen. „Ich sehe kein Hinweisschild einer Tischlerei“, meinte ich und studierte nochmals die Wanderkarte. „Wir hätten nicht runtergehen sollen, sondern rauf“, stellte Gregi fest und wir machten kehrt. Einen Wegweiser für die Tischlerei fanden wir aber auch bergauf nicht. Allerdings ein Schild, auf dem „Bestattung“ stand. „Biegen wir hier ein! Laut Karte könnte das eventuell unser Weg sein“, überlegte ich und schon kamen wir am Sportplatz vorbei. „Die Bestattung heißt Luttenberger und sieht irgendwie noch wie eine Tischlerei aus. Wir sind richtig. Glaubst du, erzeugen sie hier Särge?“, wollte ich wissen. Gregi zuckte nur mit den Schultern und beobachtete interessiert die Gegend. „Rechts, die Geländestufe ist interessant. Hier gibt es sicherlich Vögel“, meinte er nur und zückte sein Fernglas. Beim Wegkreuz Kölldorf bogen wir rechts ab und kamen zur oberen Kante der Geländestufe. Begeistert guckten wir in Richtung Hochstraden mit der Aussichtswarte. Neben der Straße gab es eine Plantage mit knorrigen, urigen Holunderbäumen, dann kamen wir zu einer Wanderwegkreuzung. Unser Weg führte am Waldrand die Straße entlang weiter, ein Bauernhaus, dann ein Hohlweg mit Birken auf der linken und rechten Seite. Hier gab es definitiv sehr viele, sehr aktive Vögel. Sie flogen förmlich vor unseren Nasen hin und her und Gregi war nicht mehr zum Weitergehen zu bewegen. Gut, wenn das so war, dann konnte ich wohl auch einige Fotos machen. Ein Kleiber hatte es mir angetan. Ganz energisch klopfte er an der Rinde der Birke herum – und sah ich richtig? Hatte dieses Vögelchen hier etwa gar Sonnenblumenkerne versteckt?
Irgendwann war es selbst meinem emsigen Kleiber zu blöd geworden, er flog einige Bäume weiter und für uns war es nun auch wieder an der Zeit, unseres Weges zu gehen. Wir überquerten die Bundesstraße und hielten auf die Buschenschank Puff zu. Ein hübsches altes Bauernhaus mit grünen Balken und vielen geschnitzten Holzverzierungen. Leider war die Buschenschank geschlossen. Aber wir nahmen uns fest vor, in der warmen Jahreszeit wiederzukommen. Hier, auf den Tischen unter dem riesigen alten Baum, müsste es an einem lauen Sommerabend herrlich sein.
Wir stapften weiter. Ja, stapften. Der Weg war wohl vor Kurzem aufgegraben worden. Unsere Wanderschuhe waren gänzlich mit Lehm eingesaut. Wir erreichten einen Handymast, Gregi kam bereits daher, als ob er Plateauschuhe anhätte. Am Waldrand gab es ein Bankerl, die Gelegenheit, um das Profil unserer Schuhe wieder zu säubern. Eine wunderbare Aussicht genossen wir hier.
Der weitere Weg war äußerst idyllisch, schlängelte sich am Hang entlang – schon sahen wir den Turm der Pfarrkirche zum heiligen Nikolaus aus dem Boden wachsen. Hoch und schmal wirkte er mit seinem spitzen Dach. Der Kirchenvorplatz ist ein besonderer Ort und lädt zum Verweilen und Schauen ein. Gregi schaute auch – aber durch ein Fernrohr. Ein fix montiertes Fernrohr. Die zweite Station des Geotrail Kapfenstein. Die Vergangenheit des Stradner Vulkans sollte man durch diese Installation sehen. Vor zwei Millionen Jahren war es in dieser Gegend nicht so beschaulich und gemütlich gewesen. Mehr als 40 Vulkane sollen im Vulkanland ausgebrochen sein. Der Kapfenberger Vulkan selbst hatte zahlreiche Eruptionen. Das glühend heiße Magma traf auf das Grundwasser, es kam zu Dampfexplosionen. Asche wurde kilometerhoch in die Luft geschleudert, aus ihr bildete sich später das Tuffgestein. Im Gegensatz zum Basalt, der aus der ehemaligen Lavaglut entstand. Und aus ganz, ganz weit unten – um genauer zu sein, aus 60 km Tiefe – stammt ein besonderer Stein. Der Olivin. Ein hübsches, hellgrünes Mineral. Arthur Winkler-Hermaden war Geologe, seine Nachkommen (die Besitzer des Schlosses und des Weingutes) schätzen die Steine wohl auch. Insbesondere den Olivin – sie haben ihren besten Wein danach benannt.
Doch weiter zum Geotrail. Aus elf Stationen besteht dieser besondere Lehrpfad und drei Fernrohre bietet er, die einen Blick in die Vergangenheit gewähren sollen. Wir folgten dem Geotrail weiter, eine alte Treppe hinauf (ein toller Blick auf das Schloss), an einem ehemaligen Steinbruch entlang (Gesteinsschichten – waagrecht und schräg, richtig kurios). Wir sahen in die Wipfel der hoch aufgeschossenen Bäume – fast wie auf einem Baumwipfelpfad. Und wieder ein Kleiber. Gregi war hin und weg. Große Teile des Weges sind mit einem Geländer gesichert. Der Kapfensteiner Kogel ist zwar nur 461 Meter hoch, doch extrem steil. Angreifer hatten es hier sicherlich sehr schwer. Das wusste man auch schon in früheren Zeiten. Man fand Besiedelungsspuren aus der Jungsteinzeit und Keramik von einer urnenfelderzeitlichen Höhensiedlung. Im 12. Jahrhundert hatten die Herren von Kapfenstein auf dem Kogel eine kleine Grenzfestung gebaut. Diese war leider 1238 vom Heer des Ungarnkönigs Béla zerstört worden.
Auf dem Kogel hatte es auch eine Hauptkreidfeuerstelle gegeben. Weit sichtbar musste das Feuer (in der Nacht) oder der Rauch (am Tag) sein. Es warnte die Bevölkerung vor Gefahren. Doch nicht nur als Kreidfeuerstelle diente der Kogel. Kapfenstein war offensichtlich auch ein Beobachtungspunkt gewesen. Daher auch der Name „Kapfenstein“. Das mittelhochdeutsche Wort „kaphen“ bedeutet so viel wie „gaffen“ oder „spähen“. Und das war in dieser gefährlichen „Ecke“, wo immer wieder feindliche Heere einfielen, sehr wichtig gewesen.
Auf der Kuppe des Kogels steht die „Herz-Jesu-Kapelle“ aus dem 18. Jahrhundert. Hübsch ist sie mit den grauen Holzschindeln. Hier hatte es früher eine heidische Kultstätte gegeben. Von der Kultstätte konnte ich nichts mehr entdecken, dafür fand ich das Grab der Gräfin Adolfine von Mariassy, die mit nur 28 Jahren gestorben war. Recht eben ging es in Richtung Schloss, ein interessanter Wegabschnitt lag noch vor uns. Treppen führten einen ehemaligen Steinbruch bergab und wir erreichten wieder die Straße. Dieser folgten wir zurück bis zum Gemeindeamt. Die Wanderung ist mit 6 km nicht unbedingt lang, aber sehr erlebnisreich und interessant.







