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Distanz |
Höhenmeter |
Dauer |
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Hauptstrecke |
13,5 km |
339 HM |
3:35 h |
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Route II Fernblick |
2,88 km |
33 HM | 0:39 h |









Wenn Möraths im Frühjahr einige Tage auf Reisen gehen, dann gibt es in der Urlaubsregion mit einer nahezu hundertprozentigen Sicherheit einen Kälteeinbruch und Dauerregen. Da ist es schon fast verwunderlich, dass wir überhaupt noch ein Urlaubsquartier buchen dürfen. Doch die Hoteliers können sich auch gewiss sein, dass mit unserer Abreise das Wetter urplötzlich wieder wunderbar wird. So haben wir meistens bei der Heimreise feines Wetter und daher nützen wir diesen Tag gerne noch, um eine leichte, kurze Wanderung zu machen. Zu müde wollen wir schließlich bei der Autofahrt auch nicht sein. Daher wird es immer eine sehr gemütliche Tour.
Bei der Heimfahrt vom Mühlviertel entschlossen wir uns, in Windhaag haltzumachen und die kürzeste Variante des Enzmilner Kulturwanderweges zu erkunden. Windhaag liegt auf den Ausläufern des Mühlviertler Hügellandes, es ist ein beschaulicher Ort mit grandioser Aussicht. Kein Hügel verstellt mehr den Weg – frei blickt man ins breite Donautal. Wunderbar!
1287 war Windhaag das erste Mal urkundlich erwähnt worden: „Winthag im Machland“. Das Machland gehört zu den ältesten Siedlungsräumen in Österreich, es ist ein fruchtbares Land. Die Machland-Gurke ist ein Begriff. 1290 nannten sich die Brüder Heinricus und Feitel nach ihrer Burg „von Windhag“.
Im Laufe der Jahrhunderte hatten die Besitzer gewechselt – besonders hervorzuheben wäre ein sehr exzentrischer Reichsgraf, Joachim Enzmilner. Enzmilner hatte eine steile Karriere hinter sich gehabt – vom einfachen Bürger bis zum Reichsgrafen. Er galt als Gegenreformator (als Lutheraner hätte er diesen Aufstieg zu dieser Zeit auch nicht geschafft). 1636 erwarb er die Burg … 1642 begann Enzmilner mit einer regen Bautätigkeit und sechs Jahre später stand in Windhaag eines der prächtigsten Renaissanceschlösser in Oberösterreich. Die „Topographia Windhagiana Aucta“ aus dem Jahre 1673 zeigt die Schlossanlage, die gigantische Ausmaße haben musste. Eine riesige Vierkantanlage, wobei ich rein bei einer Front des Schlosses ganze 36 Fenster zählen konnte. Weiters hatte es einen Pferdehof, einen schönen Obstgarten, einen Meierhof, eine Gloriette … gegeben.
1678 war Joachim Enzmilner gestorben. Er hatte eine Tochter – eine einzige. Sie war Priorin der Dominikanerinnen, die im „Alten Schloss“ (also in der Altburg) wohnten. So eine alte Burg sei kein wohnlicher Ort, fanden die Nonnen … ein pompöses Schloss war für sie offensichtlich auch nicht angemessen. Also ließ Eva Magdalena (die Tochter Enzmilners und Priorin) die prächtige Anlage noch 1678 abreißen. Mit den daraus gewonnenen Baumaterialien wurde in Windhaag ein Kloster errichtet.
1782 wurde dann das Kloster aufgelassen, davon existieren heute auch nur mehr einige Teile (unter anderem die recht große Kirche).
Das Schloss Windhaag in Oberösterreich hatte leider keine lange Lebensdauer. Doch Enzmilner hatte zum Glück auch Besitzungen in Niederösterreich, und die waren Teil einer Stiftung von Joachim Enzmilner, die durchaus als nachhaltig bezeichnet werden kann. Die Windhag-Stipendienstiftung für Niederösterreich – die 1670 gegründet wurde und nach wie vor unter der Verwaltung der niederösterreichischen Landesregierung steht. Unter anderem gehört heute das Gut Ottenstein zu dieser Stiftung … und dort (so munkelt man) könnte nun der dritte Nationalpark Niederösterreichs entstehen.
Doch nun zur Wanderung: Wir parkten bei der Kirche … und fanden dummerweise die richtigen Wanderschilder für den Enzmilner Kulturwanderweg nicht. (Wir hätten um die Kirche herumgehen sollen, dann hätten wir den kleinen Torbogen erreicht und die Wegweiser gesehen.)
Wir versuchten, mithilfe der Wanderkarte den richtigen Weg zu finden. Eine kurze Strecke wanderten wir neben der Landes- oder Bundesstraße bis zum Ortsende. Dann zweigten wir rechts ab (Hausberg) und hielten auf einem Feldweg auf den Wald zu. Da gab es zwei hübsche Bankerln, die leider belegt waren. Ein älteres Paar hatte diesen herrlichen Platz für sich entdeckt und eine appetitlich aussehende Jause aufgetischt. Daher gingen wir den Waldrand entlang bis zur Kuppe, wo ein Handymasten steht (Wahnsinnsaussicht). Danach marschierten wir bergab zum Hochwasserbehälter mit Panoramatafel und Fernrohr. Über einem Feldweg gingen wir zur Hubertuskapelle (wo wir ein Reh erschreckten), dann weiter zum Platz, wo früher die Gloriette gestanden war (toller Blick auf die Burgruine). Dann kamen wir in einen Wald und über einen Hang hinunter zu einem reichlich eigenartigen, sehr schrägen Anwesen. Endlich erreichten wir die Burgruine.
Einige Mauern der Altburg hatten überlebt, dank engagierter Personen wurde die Ruine gesichert und der Burgturm ist seit 2012 begehbar. Die Aussicht vom Turm ist einfach toll. Kurz überlegte ich, ob es früher in Richtung Donau auch einen Waldbestand gegeben hatte oder ob man diesen Bereich freigehalten hatte, um das Anrücken der Feinde früher zu bemerken.
Es ist richtig interessant, dieses alte Gemäuer zu erkunden. Es gibt ein Silbergewölbe in einem Obergeschoß und es gibt ein Verlies im Untergeschoß (in dem 1785 der Braumeister Kaspar Rothammer einen Schankkeller einrichtete). Und im Hof gibt es tolle Schautafeln, die einen Eindruck davon geben, wie groß die herrschaftliche Schlossanlage einmal gewesen sein muss.
Es zahlt sich auch aus, die Ruine von außen zu umrunden. Dabei sieht man erst, wie günstig gelegen diese Verteidigungsanlage war. Steil geht es bergab, unten gibt es einen Teich. Die alte Burg war mit dem Renaissanceschloss über eine Brücke verbunden. Einen halb verfallenen Turm des Schlosses kann man hinter dem Gebüsch noch erkennen.
Hätten wir nicht eine lange Heimfahrt vor uns gehabt, hätte ich die Gegend gerne noch näher erforscht. Doch nun war es Zeit, die Wanderung zu beenden, uns zu stärken und den Heimweg anzutreten.
Die Schlosstaverne Hofer in Windhaag war gut besucht, leider gab es für uns keinen Tisch mehr. Hunger hatten wir, also fuhren wir den Berg hinunter … und kamen nach kurzer Zeit in der Bezirkshauptstadt Perg an. Die Kirche auf dem Hauptplatz ist sehenswert. Am Marktplatz gibt es wunderbare alte Häuser … auch einige geöffnete Restaurants waren dabei, in einem davon haben wir sehr, sehr gut gespeist.

















