Slow Trail Bleistätter Moor

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Steindorf

7,3 km

17 HM

ca. 2 h

       

Startpunkt: Steindorfer Eishalle oder gebührenpflichtiger Wanderparkplatz an der L50 Landesstraße von Steindorf nach Ossiach

Das Bleistätter Moor haben wir im April 2025 entdeckt und waren davon äußerst begeistert. Daher beschlossen wir, im Mai einige Tage in Steindorf am Ostufer des Ossiachersees zu verbringen. Und damit das Naturerlebnis noch toller wird, haben wir uns in ein hübsches Tiny-Häuschen eingemietet. Von der Terrasse aus konnten wir herrlich auf den See blicken. Einfach toll.

Einst war das Bleistätter Moor riesig groß – 600 ha soll es gehabt haben. In den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts nahm man es mit dem Naturschutz wohl nicht so genau. Dafür waren landwirtschaftliche Flächen wichtig, und man hatte inzwischen das technische Wissen, Moore zu entwässern. Also tat man das, und lange Jahre wurde die Fläche intensiv landwirtschaftlich genutzt.

Der Ossiacher See wurde ebenfalls genutzt, und zwar touristisch. Die Urlauber schätzen klares, sauberes Wasser, welches jedoch durch Düngemittel und Chemikalien der Landwirtschaft belastet wurde.

Also hatte man die hervorragende Vision, das Moor wieder zu fluten. Das geschah 2017. Und seither hat sich in diesem Gebiet wirklich sehr viel Positives getan. Am Ostufer des Ossiachersees ist ein wahres Natur- und Vogelparadies entstanden.

Wir wanderten in aller Herrgottsfrühe zum Moor. Es war gerade einmal halb sechs Uhr früh. Voller Vorfreude auf die Frühstimmung im Naturschutzgebiet marschierten wir beim „Steinhaus“ des Architekten Günther Domenig vorbei. Wie ein überdimensionaler „Transformer“ aus Beton, Stahl und Glas hockt das Gebäude am Ufer des Ossiachersees und erweckt garantiert bei jedem Betrachter eine gewisse Neugierde.

Weiter führte uns der Weg am See entlang, von wo aus wir romantische Bootshäuschen aus dunklem Holz entdeckten, die einen ziemlichen Gegensatz zum Steinhaus bildeten. Ein prachtvoller Kastanienbaum stand in schönster Blüte und verbreitete einen intensiven Geruch. Graugänse machten in der Morgensonne Gänseyoga.

Über eine kleine Brücke über ein Gerinne, vorbei an einem Spielplatz mit öffentlichem WC, gelangten wir zum Dammweg, wo ein wunderbar altes Holzhaus mit einem noch wunderbareren Garten steht. Jetzt hatten wir es nicht mehr weit zum Moor.

Gleich am Anfang des Moorwegs steht ein Vogelbeobachtungsturm. Gregi harrte in der Kälte aus und suchte verbissen das Schilf mit seinem Feldstecher nach einem Drosselrohrsänger ab. Hören konnte man ihn laut und deutlich … aber sehen? Viele, viele Schilfstängel gab es. Der Drosselrohrsänger war recht unscheinbar und nicht allzu groß. Und er wusste sich gut zu tarnen, sodass man ihn kaum finden konnte – trotz seines wirklich sehr lauten, sagen wir mal, Gesangs.

Endlich bewegte sich ein Schilfrohr. Hier dürfte er sein … oder aber nur ein Spatz oder eine Blaumeise. Vögel gab es ja viele im Bleistätter Moor. Über hundert Vogelarten, sagt die eine Quelle – eine andere behauptet sogar 200 verschiedene Arten.

Am Vortag war ein Eisvogel wie ein schillernd blauer Blitz über mich hinweggeflogen. Ein Haubentaucher hatte sich elegant im Wasser gedreht und sich von seiner besten Seite gezeigt. Apropos Haubentaucher: Ihr Gefieder ist so dicht und so seidig weich, dass die Modewelt des 19. Jahrhunderts ganz wild darauf war. Für Krägen, Hüte und Muffe musste das weiche Gefieder herhalten, bis eine britische Tierschutzvereinigung gegründet wurde, um die Haubentaucher zu retten. Wie gesagt – bereits im 19. Jahrhundert.

In der Früh war es (obwohl es Mai war) sehr, sehr kalt im Moor, und ich sehnte mich nach meiner Winterjacke. Am Vortag waren wir am späten Nachmittag unterwegs gewesen. Da waren die Temperaturen weitaus angenehmer gewesen. Allerdings waren am Nachmittag auch mehr Leute im Moor unterwegs. Tiere auch.

Das lange Stehen in der Kälte ist nicht so mein Ding, also ging ich ohne Gregi weiter hinein in das Moorgebiet. Gregi stand noch immer mit dem Fernrohr vor den Augen auf dem Turm und musterte verbissen das Schilf.

Ein schmaler Pfad trennte die offene Wasserfläche vom Teil des Moores, wo Büsche wuchsen. Am Vortag waren auf der Wasserfläche ein Haubentaucher, eine Schwanenfamilie mit fünf Küken und Graugänse unterwegs gewesen. Im Moor mit Gebüsch hatte ich am Tag davor ein Teichhuhn entdeckt.

Ich bewunderte das strahlend leuchtende Schilf, gruselte mich ein wenig vor dem Nebel, der die geknickten und gefluteten Baumstämme etwas unheimlich wirken ließ, und erreichte schließlich die Brücke der Tiebel. Die Tiebel ist ein Fluss und der wichtigste Zufluss des Ossiacher Sees. Ihr Ursprung soll auch einen Besuch wert sein, habe ich gelesen. Über 40 Quellen soll die Tiebel haben.

Der nächste Teil des Moores war besser belebt. Hier steht das alte, windschiefe Pumphaus, welches immer mehr ins Moor versinkt. Auf der Spitze des Türmchens hat sich Familie Storch heimisch niedergelassen. Am kalten Morgen saß Mama Adebar auf ihren Küken, um sie zu wärmen. Am Vortag war sie gestanden und hatte den Kleinen Schatten gespendet. Papa Storch war inzwischen im seichten Wasser unterwegs. Euphorisch hatte er sich ein Stöcklein gesichert, womit er stolz vor dem „Nachbarn“, einem x-beinigen Graureiher, herumstolzierte. Dieser schien sich dafür nicht zu interessieren.

Etwas mürrisch saß er da, während seine Herzensdame ebenfalls im Wasser herumstakste. Sie hatte allerdings ihre Aufmerksamkeit ihrem Horst gewidmet, der zirka einen Meter über ihr in die gefluteten Büsche hineingebaut war. Die Reiherküken im Teenageralter mit struppigen Frisuren schienen der Mama kundzutun, was sie bitte als Jause mit nach Hause nehmen sollte.

Ein Kormoran saß mit geöffneten Flügeln auf einer Insel und ließ sich trocknen, ein Kollege von ihm hatte dafür einen abgebrochenen Baumstamm ausgewählt. Die Kormoranfrau war ein Morgenmuffel und schlief noch tief und fest. Dafür war die Graugans-Gang unterwegs. Schön der Reihe nach schwammen mindestens 18 Gänse durch das Wasser.

Am Nachmittag des Vortages waren wir die ganze Runde gegangen. Wir konnten einen Froschkönig mit goldenen Augen beobachten. Er war nicht alleine hier, er hatte eine große Verwandtschaft. Nicht nur Aphrodite ist eine Schaumgeborene – auch die Wasserfrösche können sich dieser Eigenschaft rühmen.

Vom zweiten Vogelbeobachtungsturm ging es am Wasser entlang weiter, an einem Campingplatz vorbei zum Parkplatz mit WC, über die Straße in einen Feldweg, der neben einem Bach entlangging. Dort hatte Gregi die schönsten Fotos von einem Drosselrohrsänger gemacht. Dann mussten wir links abbiegen und kamen an der Baumschule Teuffenbach vorbei, die hübsche Rhododendren und Azaleen züchtet.

Dann kam der Wald, wohin einige Rhododendren offensichtlich ausgebüxt waren und sich – wie in Irland – freudig ausbreiteten und vermehrten. Moorböden mögen sie besonders gerne. Wieder über die Straße und einen Wanderparkplatz ging es dann dem Moor entlang – diesmal waren die Aussichtsplattformen ebenerdig. Rundum hörte man die Vögelchen singen (nicht nur den lautstarken Drosselrohrsänger). Die ersten Häuser von Steindorf waren wieder erreicht.

Es werden im Moor auch Führungen angeboten. Unter www.natourerleben.at kann man Näheres darüber erfahren.

 

Peggau Märchenweg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Peggau Ort

7,4 km

178 HM

2 h

       

2023 haben wir den Märchenweg in Peggau aus purem Zufall entdeckt. Eigentlich waren wir losgezogen, um die Badlschlucht zu erkunden. Wir stiegen damals beim Wanderparkplatz aus (und wunderten uns, dass wir praktisch alleine dort waren), bis wir dann die Schilder sahen, dass die Badlschlucht gesperrt war (Stand 2025 – sie ist noch immer nicht zugänglich). Also suchten wir kurzfristig über Bergfex eine andere Wanderung in der Umgebung und stießen dabei auf den Märchenweg. Und weil uns der Weg damals so gut gefallen hat, entschlossen wir uns an einem heißen Augusttag, diese Wanderung noch einmal zu machen.

Die Runde startet normalerweise bei der Semriacher Lurgrotte (für Kinder kann man ein Büchlein für die Wanderung erwerben). Die Lurgrotte ist die größte Tropfsteinhöhle in Österreich. Sie hat zwei Zugänge: einen in Semriach und einen in Peggau. Früher konnte man die Höhle von Semriach bis Peggau durchqueren. Dann gab es in den 1970er-Jahren ein Hochwasser – und jetzt kann man eben nicht mehr ganz durch. Bei der Peggauer Lurgrotte gibt es außerdem ein Museum. Dort kann man Funde aus der Umgebung bestaunen: den Schädel eines Höhlenbären, Steinwerkzeuge, ein Schwert aus der Mur etc.

Das Gebiet ist seit der Steinzeit durchgehend besiedelt. Im Kalkgestein gab es viele Höhlen – die Repolusthöhle im Badlgraben, die Große Badlhöhle, das Zigeunerloch, die Drachenhöhle von Mixnitz und auch die Höhlen vom Kugelstein. Die Funde aus diesen Wohn- und Kulthöhlen haben das Archäologiemuseum in Graz Eggenberg sehr bereichert.

Steht man im gewaltig großen Höhlenportal der Peggauer Lurgrotte, kommt einem ein kalter Luftzug aus dem Berg entgegen (drinnen hat es sowohl im Sommer als auch im Winter 10 Grad Celsius). Geht man jedoch links zu der Höhle mit den Museumsstücken, dann kommt es einem dort fast schon richtig heimelig vor. Unter dem mächtigen Höhlenportal gibt es außerdem eine kleinere Höhle, aus der der Lurbach strömt. Vor diesem Wasseraustritt befindet sich ein hübsches, natürliches Wasserbecken.

Die Wanderung führt durch den Ort Peggau. Zwei Kirchen stehen hier nebeneinander: eine uralte, gotische katholische und eine neuere evangelische. Die katholische Kirche wurde im 14. Jahrhundert von Margarethe von Pfannberg gestiftet – als Patronin der Kirche wurde daher die heilige Margarethe eingesetzt. Von ihr gibt es ein Altarbild, außerdem soll es in der Kirche auch ein Bild der heiligen Barbara geben. Es fehlt also nur noch die heilige Katharina, und schon wären die „Heiligen drei Madeln“ vereint.

So viele Frauen in der männerdominierten Kirche – das hat für mich den Anschein, dass sich der alte Glaube an eine Muttergottheit recht lange gehalten hat.

Die Alte Landstraße ist schmal – zwei Autos kommen hier fast nicht aneinander vorbei. Doch damals, als diese Straße noch ein wichtiger Verkehrsweg war, stellte das wohl kein so großes Problem dar. Links erhebt sich die Peggauer Wand. Die steile Kalkfelsenwand mit ihren unzähligen Höhlen bietet vielen Tieren ein großartiges Zuhause. Die spektakulärsten Vertreter sind dabei Fledermäuse, der Uhu oder auch Wanderfalken.

Die Alte Landstraße liegt etwas höher – so war sie wohl gut vor Hochwasser geschützt, glaube ich zumindest. Bänke und eine große Wandertafel zeigen an, wo der Rundweg in den Wald abzweigt. Von hier hat man einen fantastischen Blick auf eine riesige, märchenhafte Wiese, dahinter eine extrem steile Felswand, und darauf thront die Burgruine Peggau.

Im 12. Jahrhundert wurde sie erbaut und im 13. Jahrhundert bereits zerstört (Adelsverschwörung gegen den böhmischen König Ottokar II.). Bald darauf wurde sie wieder aufgebaut und hatte viele verschiedene Besitzer, darunter prominente wie die Grafen von Montfort. Vielleicht war einer von ihnen ein Alchemist, denn in der Burgruine wurde ein besonders hoher, sechseckiger, pyramidenförmiger Rauchfang gefunden, der jünger war als die Mauern um ihn herum. Ein Alchemist soll auch Georg Amelreich von Eibiswald gewesen sein. Er war kein guter Mensch. Die Bauern hatten unter ihm sehr zu leiden. 1641 ließ er einen Viehhirten im Turm einsperren, wo der arme Mann schließlich erfror. Ich nehme an, dass die Peggauer richtig froh waren, als die Burg 1652 vom Stift Vorau gekauft wurde.

Vorau liegt doch recht weit von Peggau entfernt, daher benötigte man einen Verwalter für die Besitzungen. Dieser wohnte zunächst in der Burg. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in Peggau ein neues Amtshaus errichtet, in dem der Verwalter sicherlich weitaus komfortabler wohnen konnte. Die Burg wurde daraufhin dem Verfall überlassen.

Ich nehme an, dass der Verwalter damals recht gerne in das neue Amtshaus umgezogen ist. Doch es gibt Menschen, die Burgen so sehr lieben, dass sie alle Nachteile und Unbequemlichkeiten dieser alten Bauwerke vergessen und dort wohnen wollen. So auch in der Burgruine Peggau, wo heute ein rotes Holzriegelhaus auf dem Ruinenareal steht.

Genug von der Burg – zurück zu unserer tollen Wanderung. Wir schnauften ordentlich über einen felsigen Pfad bergauf. Es roch wieder einmal ganz himmlisch nach Zyklamen, die sich hier extrem wohlzufühlen scheinen. Irgendwann kamen wir zu einer Forststraße – und dort hätten wir eigentlich bergab gehen sollen. Haben wir aber nicht. Wir querten die Forststraße und folgten der rot-weißen Wandermarkierung bergauf in den Wald. Es war keine schlechte Entscheidung, denn so hatten wir die Möglichkeit, die Burgruine von oben zu besichtigen.

Ein wunderbarer Wanderweg mit Bänken und toller Aussicht führte uns bald an einem tiefen Graben mit einem Bach entlang. Da wir jedoch vom Märchenweg weit abgekommen waren und laut Wetter-App nur noch eineinhalb Stunden trockenes Wetter zu erwarten waren, suchte ich nach einer Abkürzung – und fand sie in Form eines unmarkierten Forstweges (rechts abbiegen). Dieser führte uns zu einer Asphaltstraße, der wir zügig nach unten folgten. Dabei erhaschten wir wieder tolle Blicke auf die Burgruine, bis wir plötzlich direkt vor ihr standen. Das Betreten des Geländes ist verboten – verständlich. Wer will schon neugierige Wanderer im eigenen Hausgarten haben?

Der Straße folgten wir noch ein kurzes Stück bergab, dann entdeckten wir eine Wandertafel und bogen rechts in den Wald ein, an einem Stacheldrahtzaun vorbei, und HALLELUJA – wir waren wieder auf dem Märchenweg. Und zwar auf einer ganz besonders schönen Etappe: dort, wo der Mitterbach über eine hohe Felswand in die Tiefe stürzt. Wir standen unterhalb des Wasserfalls und genossen die kühle, feuchte Luft.

Über eine Brücke gelangt man zu einem wunderschönen Picknickplatz mit Bänken. Da ich nun wusste, dass wir bald wieder in der sicheren Zivilisation mit wetterfesten Gasthäusern sein würden, hatte ich auch die Muse, mich hinzusetzen und zu genießen.

Wir marschierten weiter an einem idyllischen Bauernhof und beim Eisschützenverein vorbei und erreichten schließlich trocken und mit großem Eishunger den Ort.

Da wir die Märchenrunde nicht korrekt gegangen sind, haben wir leider das Marienbründl nicht gesehen. Dafür hatten wir sozusagen einen Blick aus der Vogelperspektive auf die Burgruine, was uns ebenfalls sehr gut gefallen hat. Egal, welche Variante man hier wählt – beide sind wirklich interessant und wunderschön.

Von Lockenhaus zur Margarethenwarte

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Lockenhaus Hauptplatz

7 km

160 HM

2 h

 

Die Burg Lockenhaus gehört zu den originellsten und geheimnisvollsten Burgen in Österreich. Diesem historischen Gebäude wollten wir einen Besuch abstatten – doch zuvor wollten wir im Naturpark Geschriebenstein wandern.

Vom Hauptplatz ging es in Richtung der Kirche und dann rechts der Straße „Graben“ bergauf, am Ortschild vorbei und bei der Linkskurve in den Wald. Für burgenländische Verhältnisse ist dieser Wanderweg vorzüglich mit gelben Schildern markiert (man kann auch dem Weg Nr. 09 folgen).

Wir waren ziemlich alleine in diesem Wald, nur auf dem Gegenhang war ein älterer Herr mit einem Dackel unterwegs. Wir genossen die Umgebung, beobachteten Hirschkäfer im Flug und einen Schwarzspecht. Gregi wagte sich sogar ins Unterholz, weil er unbedingt die Baumhöhle entdecken wollte, in der sich junge Spechte lauthals unterhielten bzw. nach Futter schrien.

Ich stieg währenddessen den Forstweg hinauf. Eichen, Hainbuchen, Föhren und Teppiche von Heidelbeeren – eine Pracht. Endlich holte mich Gregi ein – zeitgleich mit ihm kam auch ein Auto (Forstweg mit Schranken).

Der Wagen hielt an und das Fenster wurde heruntergelassen. Ein Jäger begann ein nettes Gespräch, wir erzählten, dass wir zur Margarethenwarte wollten – er erzählte uns von den Wildschweinen, die sich hier sehr wohlfühlten. Als er weiterfuhr, meinte ich zu Gregi: Die Burgenländer sind richtig freundliche Leute und sie sind auch sehr kontaktfreudig.

Gregi, der weniger blauäugig ist als ich, antwortete: „Ich glaube, der ist nur wegen uns hierhergefahren. Mir ist eher vorgekommen, dass er kontrollieren wollte, was wir hier machen.“

„Kontrollieren, was Wanderer auf einem offiziellen Wanderweg machen?“, überlegte ich … und betrachtete Gregi mit seinem Fernglas, das er umgehängt hatte, und seinem schwarzen Stativ, das ihm meterweit aus dem Rucksack ragte.

„Glaubst du, dass der Mann mit dem Hund dein Stativ als Gewehr eingestuft und dich damit als Wilderer angesehen hat?“

Dieser Gedanke erheiterte mich einigermaßen. Wobei mir der Jäger jetzt ein bisschen leid tat. Einen vermeintlichen Wilderer durch den Wald zu verfolgen ist sicherlich nicht allzu angenehm … aber trotzdem: Gregi als Wildschütz – diese Vorstellung ist so skurril, dass ich den Rest des Tages darüber schmunzeln konnte.

Wir überquerten eine Bundesstraße, gingen über einen Parkplatz und erreichten nach kurzer Zeit die Margarethenwarte. Ein erstklassiger Aussichtsturm – schön massiv aus Holz. Auch begehbar für Menschen mit ein klein wenig Höhenangst. Und die Aussicht über ein Meer von Eichenbäumen ist einfach herrlich.

Zurück zum Parkplatz und dann in Richtung Paulusbrunnen. Hier startet auch eine gut betreute Mountainbike-Strecke. Diese Seite des Berges war steil – doch nicht so steil, als dass es ein Hindernis für einen Harvester gewesen wäre. Es waren jedoch genügend Bäume übrig, sodass wir immer im Schatten des Waldes wandern konnten.

Im Tal war eine Brücke zu überqueren, und schon sahen wir sie, die Ritterburg Lockenhaus. Auf einem Hügel stehend, von Teichen im Tal umgeben. Von dieser Seite konnte man die Festung kaum belagern.

Schon früh gab es auf diesem Hügel ein Kastell – angeblich eines der Römer. In der Nähe verlief die Bernsteinstraße, die gesichert werden wollte. Im 13. Jahrhundert wurde dann die Burg erbaut. Astronomisch ausgerichtet sollte das Gebäude sein – auch Tempelritter hätten sich darin aufgehalten.

Die Templer waren ein Ritterorden, der 1118 gegründet wurde. Einige Söhne des Hochadels fanden ihren Weg zu den Templern – mit ihnen auch eine große Menge Kapital. Die Aufgabe dieses geheimnisumwitterten Ordens war die Sicherung der Pilgerrouten ins Heilige Land. Nebenbei kümmerten sie sich um eine Art Geldwesen (Überweisungen gab es ja damals noch nicht – aber man konnte bei ihnen Geld einzahlen und an einem anderen Ort wieder beheben). Doch diese frühen „Banker“ transferierten nicht nur Geld, sondern auch Wissen (vielleicht verdanken wir ihnen die wunderbaren gotischen Bauten).

Ein Symbol der Tempelritter ist das sogenannte Tatzenkreuz. Und eben dieses Tatzenkreuz findet sich in der Mauer des geheimnisvollen und mystischen „Kultraums“ in der Burg Lockenhaus. Dieser unterirdische Raum konnte früher nur durch einen Einstieg über eine Dachluke erreicht werden, ein kleines Wasserbecken befindet sich unter der Luke. Die Wände dieses Raumes wurden aus großen Steinquadern gemauert, welche im Normalfall nur bei sakralen Bauten vorkamen.

Bei der Burgbesichtigung konnten wir bequem durch einen nachträglich errichteten Eingang in den Kultraum gelangen – da standen wir in diesem mystischen Raum mit seiner Dachluke und seinem Wasserbecken. Wozu dieser Raum auch gedient hat (Sternebeobachtung, Initiationsriten, sakrale Feiern etc.), sicher bin ich mir nur, dass es keine mittelalterliche Zisterne war.

In diesem „Kultraum“ steht ein außergewöhnlicher Stein mit einem eingeritzten Symbol. Die Deutungen dieses Ritzbildes sind sehr verwegen: Diverse Leute sahen darin die Bundeslade, eine doppelköpfige Schlange oder einen heiligen Knoten. Gregi und ich haben keinen Hang zur Mystik. Gregi interpretierte das Bild als Brezel (er hatte schon Hunger) – ich sah im Bild eine Eule, die unter Verstopfung leidet.

Riesig ist der Rittersaal der Burg – er macht ein Drittel der Grundfläche aus. Das war wohl auch unter anderem der Grund, warum diese Festung mit den Templern in Verbindung gebracht wurde. In diesem Rittersaal oder in der Konzerthalle darüber kann man wohl wunderbare Feste feiern.

Rustikal dürfte es bei den „Raubritter- und Landsknechtmahlen“ auf der Burg zugehen. Sehenswert ist die Rauchküche, die um 1550 entstanden sein soll.

Die Burg Lockenhaus kann mit zwei Rekorden aufwarten. Zuerst der erfreuliche: In der Burg befindet sich die Wochenstube der größten Wimperfledermaus-Kolonie Europas.

Der zweite Rekord ist sehr traurig. Das Guinness-Buch der Rekorde nennt die „Blutgräfin“ Elisabeth Báthory-Nádasdy (1560–1614) als die größte Serienmörderin aller Zeiten. Diese sadistische Psychopathin hat angeblich über 600 junge Mädchen gequält und getötet. Lockenhaus war einer von mehreren Orten, an denen diese brutale Mörderin ihr Unwesen trieb. Irgendwann konnte man ihr Treiben nicht mehr vertuschen, und sie erhielt „Zimmerarrest“, während ihre Bediensteten zur Todesstrafe verurteilt wurden. Doch der Kaiser hatte offensichtlich den Wunsch, dass dieser edlen Dame „kein Leid zugefügt“ werden dürfe.

So viele Menschen zu töten war im Auge des Kaiserhauses offensichtlich keine große Verfehlung. Ihr Enkel Franz III. Nádasdy allerdings verärgerte einen Habsburger Herrscher dermaßen, dass er als Verräter hingerichtet wurde. Die ungarischen Adeligen befanden, dass Kaiser Leopold I. zu wenig Hilfe bei der Abwehr der Türken leistete. Auch Franz III. Nádasdy war dieser Meinung und trat für die Freiheit des ungarischen Volkes ein – ohne Herrschaft der Habsburger. Dafür wurde er geköpft.

Dazu gibt es auch eine äußerst makabre Geschichte: Franz III. Nádasdy wurde in der Gruft des Augustiner-Eremiten-Klosters in Lockenhaus begraben. Bis 1875 gab es einen eigenen „Gruseltourismus“ zu dieser Gruft. Denn der Mesner holte für Interessierte den abgeschlagenen Kopf des Hingerichteten aus dem Sarg und präsentierte ihn den Schaulustigen.

Ganz so abartig ist der Gruseltourismus der heutigen Tage nicht mehr in Lockenhaus. Gut, es gibt unter anderem auch eine „Blutgräfin“-Führung oder eine „Dracula“-Führung, es gibt ein Gruseldinner („Dracula-Eventtheater“ oder das „Mörderische Abendmahl“) – zum Glück gibt es allerdings auch als Gegenpart dazu die Fledermaus-Führung.

Um ganz ehrlich zu sein, muss ich zugeben, dass ich mich in den Räumen der Burg nicht besonders wohlgefühlt habe und richtig froh war, das Gemäuer wieder zu verlassen. Nur in den Prof.-Paul-Anton-Keller-Gedenkräumen war es einigermaßen angenehm.

Der Dachboden der Burg muss allerdings auch okay sein, ansonsten würden sich hier die Fledermäuse nicht so wohlfühlen. Und die Mauersegler, die rund um den Turm flogen, waren auch recht munter und fröhlich.

Zurück am Hauptplatz Lockenhaus besuchten wir dann einen richtigen Wohlfühlort: das Kaffeehaus „Die Eismacher“ – ganz ohne Gruselfaktor und mit vielen Kalorien. Genauso, wie wir es mögen 😊

 

 

 

Kesselfallklamm-Steintor Rundweg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

2,7 km

180 HM

1,5 h bis 2 h

    

Die Kesselfallklamm ist ein wahres Naturjuwel im Norden von Graz. Eltern mit Kindern lieben dieses gut besuchte Ausflugsziel. In meinen zahlreichen Wanderführern konnte ich diese Tour jedoch beinahe nicht finden. Nur in den „Erlebniswanderungen“ von Hans Hödl wurde ich fündig.

Diese Klamm mit ihren tollen Steiganlagen wird als die kleine Schwester der Bärnschützklamm bezeichnet. Mehr als 50 Brücken und etwa 2.800 Sprossen begeht man auf dieser Wanderung – und diese großartige Anlage muss auch betreut werden.

1904 war die feierliche Eröffnung der Stege, die vom Steirischen Gebirgsverein montiert worden waren. Schon 1873 hatte man einen Fußweg zur Kesselfallklamm angelegt. Doch der Röschitzbach ist eigenwillig. Hin und wieder verschwindet er – was den Stegen nichts ausmacht. Doch hin und wieder schwillt er auch gewaltig an – was für die Holzstege fatal ist. 1975 gab es zum Beispiel ein Hochwasser, bei dem Brücken weggerissen wurden. Und im Juni 2024 ereignete sich wieder ein solch verheerendes Ereignis: Vier Brücken mussten ersetzt, 15 bis 16 Meter Stege sowie 60 Meter Handläufe erneuert werden. Außerdem musste ein Auto von der Feuerwehr aus der Klamm geborgen werden, das durch die massiven Wassermassen in die Tiefe gespült worden war.

Im August 2025, als wir in der Klamm unterwegs waren, zeigte sie sich von ihrer allerbesten Seite. Wir waren bereits um 5 Uhr früh aufgestanden, um beim Wandern der größten Hitze zu entgehen. Beim Sandwirt gibt es Parkplätze. Es bedarf einer gewissen Disziplin, an dem wirklich einladenden Gastgarten neben der herrlichen Linde (Naturdenkmal) vorbeizugehen. Doch man kommt ja schließlich wieder zurück – also auf zur Wanderung.

Eine große Wiese mit Bienenhäuschen und Bänken – links neben uns sollte es einen Bach geben. Sollte – aber kein Wasser. Wir kamen zum Eingang der Klamm, wo man um eine freiwillige Spende gebeten wird. Angesichts der vielen hervorragend gewarteten Stege wird die Spende sicherlich gut verwendet.

Kaum hatten wir die Klamm betreten, gab es auch schon Wasser. Es hüpfte munter über die Steine, kleine Wasserfälle – größere Wasserfälle (der höchste hat eine Fallhöhe von 38 Metern). Riesige Steine liegen im Bachbett, schneeweiß. Blickt man nach oben, sieht man die spektakuläre Steiganlage – wow! Links und rechts neben uns türmten sich hohe, schroffe Felswände auf – helle Kalksteine – mit ganz vielen Höhlen, wie ein Schweizer Käse. Auf eine dieser steilen Felswände führt ein Klettersteig; darunter befindet sich ein seichtes Wasserbecken – richtig toll für Kinder. In dieses Wasserbecken mündet der herrliche Wasserfall. Durch die Klamm zieht ein kühles Lüfterl – wie wohltuend! So lässt sich ein heißer Sommertag richtig genießen. Noch dazu duftete es hier ganz wunderbar nach Zyklamen – der schönste Duft im August.

Pflanzen sind offensichtlich schwindelfrei, dachte ich, während ich eine richtig steile Treppe hinaufstieg und die Mini-Glockenblümchen und Mini-Farne betrachtete. Ich bin normalerweise nicht ganz schwindelfrei, aber diese Steiganlagen sind so toll gemacht, dass ich mich hier sehr sicher fühlte. Ich sah auf das fallende Wasser, das im Laufe von sehr, sehr vielen Jahren zwei kreisrunde Wannen mit spiegelglatten Wänden ausgespült hatte. In einem Felsenspalt hatte sich ein Stein verklemmt; dahinter schoss das Wasser in die Tiefe. Durchatmen und Kraft tanken.

Apropos Kraft tanken: Radiästheten hatten die Klamm untersucht. Acht spezielle Kraftpunkte gibt es in ihr. Einer davon liegt bei der Gedenktafel zur Eröffnung der Klamm 1914. Ich stand also dort (tags zuvor hatte ich über prähistorische Felsritzbilder in schwer zugänglichen alpinen Bereichen gelesen) und überlegte, ob es in dieser Klamm auch solche geben könnte. Prähistorische habe ich keine gesehen. Allerdings entdeckte ich eingeritzte Initialen im Kalkstein – auf Augenhöhe, genau dort, wo ich stand. Vielleicht sind wir gar nicht so viel anders gestrickt als unsere Vor-Vorfahren.

Ein ganz toller Kraftpunkt liegt sozusagen eine Etage höher. Hier kann der Bach einige Meter ruhig fließen, ohne viele Höhenmeter zurücklegen zu müssen. In diesem beschaulichen Bachbett haben Besucher kleine Steintürmchen errichtet. Gut ausbalanciert sind sie, diese kleinen Kunstwerke, und erfreuen uns – zumindest bis zum nächsten Starkregenereignis.

Bei der Kerschbaummühle verließen wir den Röschitzbach, der diese herrliche Klamm gestaltet hat. Nicht weit von ihm hat sein Bruder, der Lurbach, auch ein einzigartiges Naturjuwel geformt – die Lurgrotte. Auch die Lurgrotte litt sehr unter dem Hochwasser im Jahr 1975. Davor konnte man sie durchschreiten – was danach nicht mehr möglich war. Diesen Bruder mit seinem unterirdischen Naturwunder werden wir ein andermal besuchen. Wir folgten dem Wanderweg 740B bergauf, an einem Steinsturz vorbei, hinauf zum Felsentor.

Das Felsentor ist sehr imposant. Ich bin nicht ganz schwindelfrei und bin lieber auf der sicheren Seite unterwegs. Daher bin ich nicht zum Tor hinuntergestiegen, sondern habe es mir aus sicherer Entfernung – vom Wanderweg aus – angesehen. Beim Recherchieren habe ich dann herausgefunden, dass das Felsentor tatsächlich nicht ganz harmlos ist. Im Oktober 2024 stürzte dort ein Wanderer 40 Meter in die Tiefe.

Weiter führte die Wanderung bergauf, an einem riesenhaften Felsenturm vorbei. An der höchsten Stelle der Wanderung gab es zwei Bänke; dahinter wuchsen hübsche Buchen. Auch dort hatten sich einige Leute mit ihren Namen in der Rinde verewigt. Dann kam ein Weg, der breit war und sanft den Hang hinabführte. Eine hübsche, weiße Höhle war hinter Büschen versteckt; Bänke standen davor – ein Ort zum Wohlfühlen.

Irgendwann wurde der Abstieg etwas steiler, aber der Weg ist gut ausgebaut und bestens abgesichert. Kurz bevor wir wieder beim Sandwirt ankamen, begleitete uns erneut ein munteres Bächlein mit einigen kleinen Wasserfällen.

Da wir früh aufgebrochen waren, waren wir auch sehr früh wieder beim Sandwirt zurück. So konnten wir uns einen richtig tollen Tisch aussuchen. Es war ein bisschen vor 11 Uhr, und sehr viele Familien mit Kindern starteten gerade ihre Wanderung – sofern sie die Kinder am einladenden Spielplatz des Gasthauses vorbeibrachten. Die Ruhe und Beschaulichkeit, die wir noch in der Klamm genossen hatten, würde nun einem emsigen Treiben mit hoffentlich Kinderlachen weichen. Auch nicht schlecht.

Wir hatten das Glück, eine richtig gute Schwammerlsuppe mit Heidensterz zu bekommen – frisch gemacht mit ganz, ganz vielen Schwammerln und frisch geschnittener Petersilie. Ein Gedicht. Jetzt verstand ich, warum so viele Wanderer Plätze reservierten. Den Sandwirt können wir unbedingt weiterempfehlen.

Dann fuhren wir wieder auf der engen Straße den Graben hinaus, vorbei an der Firma Parz, die steirische Harmonikas herstellt, und an einem Unternehmen mit vielen Lastwagen. (Wobei ich mich schon fragte, wie die bei dieser engen Straße fahren konnten. Gut, dass Sonntag war und uns solch ein Brummer nicht entgegenkam.)

Mit ihren 2,7 km ist diese Wanderung natürlich keine große Herausforderung – vielleicht ist sie daher in Wanderführern nicht so präsent. Aber diese 2,7 km sind nicht nur einzigartig schön, sondern auch dank ihrer Kraftplätze sehr aufbauend und wohltuend. Eine richtige 5-Sterne-Wanderung – nicht nur für Kinder.

Landskron Burgherrenrunde

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Parkplatz vor Mautstelle Landskron

3,4 km

140 HM

1:20 h

    

Mit ihren 3,4 km ist diese Wanderung nicht allzu lang, und so hat man genug Zeit, den Affenberg oder die Burg mit ihrer Greifvogelwarte zu besuchen. Die Zufahrt zur Burg Landskron ist eine Mautstraße, auf Höhe des Affenbergs gibt es einen Parkplatz. Dort beginnt die Wanderung. Vor dem Schranken der Mautstraße befindet sich auch ein Wanderparkplatz. Dort hatten wir geparkt. Der Aufstieg zur Burg war äußerst steil, und leider wurde gerade ein neuer Forstweg errichtet. Normalerweise sind die Anstiege zu Burgen sehr idyllisch. Bedingt durch die Baustelle verhielt es sich bei dieser Festung (im Jahr 2025) nicht so.

Immer wieder wundere ich mich, was junge Mütter alles zu leisten fähig sind. Gregi und ich schleppten uns mit letzter Kraft den Berg hinauf. Hinter uns kamen eine sportliche Oma und eine junge Mama samt Kind und Kinderwagen den Berg hinauf. Das Kind war schlecht gelaunt und raunzte, und der lehmige, neu angelegte Forstweg war auch nicht gerade kinderwagentauglich. Am Ende des Weges musste sogar noch ein aufgeschütteter Erdhügel überwunden werden. Die junge Frau meisterte dies alles mit Bravour und sah dabei auch noch wie aus dem Ei gepellt aus – nicht verschwitzt, nicht fertig und müde – so wie wir. Nebenbei schaffte sie es auch noch, beruhigend auf das Kind einzureden und mit ihrer Mutter zu plaudern.

Gregi und ich plauderten nicht mehr – allerdings hatten wir gerade noch genug Energie, einige Fotos von der Burg zu schießen, bevor wir uns dem Abenteuer „Affenberg“ stellten.

Zirka 180 Japanmakaken haben ihr Zuhause unterhalb der Festung. Japanmakaken sind Primaten – also äußerst gescheit und sehr lernfähig. Diese Affen haben eine sehr strenge Hierarchie. Das „Sagen“ haben mehr oder weniger die Weibchen – ihre Ränge werden von Müttern auf Töchter weitervererbt. Das ranghöchste Weibchen bestimmt, wer das Alphamännchen in der Gruppe sein darf. Dabei handelt es sich allerdings nicht um das stärkste, sondern meist um das sozialste männliche Tier.

Im Jahr 1996 gab es ein schlimmes Gewitter über Landskron. Ein Blitzschlag legte den Elektrozaun um das Affengelände lahm. Die cleveren Tierchen begannen, die Umgebung zu erkunden, und plötzlich hieß es in Österreich: „Achtung, in Kärnten laufen Affen frei herum.“ Jene Steirer, die schon immer gerne Witze über ihre südlichen Nachbarn machten, meinten daraufhin nur lapidar: „Das haben wir ja schon immer gesagt!“ Doch Spaß beiseite: Der Affenberg auf Burg Landskron ist ein wirklich lohnendes Ausflugsziel. Man muss zwar sehr viele Regeln betreffend Rucksäcke, Taschen, Kinderwägen etc. befolgen – wie gesagt: Die Affen sind clevere Tierchen und verstehen es recht gut, uns Menschen auszutricksen. Sowieso verstehen es diese Primaten, gut zu leben. Sie baden gerne, und sie knöpfen den Guides viele Leckerlis ab. Hin und wieder lassen sie sich dazu überreden, ihre Intelligenz bei komplizierten Aufgabenstellungen unter Beweis zu stellen. Der Affenberg allein ist es schon wert, der Burg Landskron einen Besuch abzustatten.

Nach dem Besuch bei den Affen gingen wir am Fischteich und am Aquädukt vorbei in Richtung Burg. Im Fischteich der Anglergemeinschaft Villach jagte ein Zwergtaucher-Paar ganz eifrig nach Fischen. Wir beobachteten sie mit großer Begeisterung, denn diese recht zierlichen Wasservögel waren unseres Erachtens wahre Extremtaucher. Es war ein richtiges Ratespiel, wo die schwarzen Vögelchen wieder an die Wasseroberfläche auftauchen würden.

Noch einige Höhenmeter mussten wir zurücklegen, um das erste Tor zu erreichen. Die Burgruine Landskron ist weithin sichtbar. Früher war die Renaissancefestung sicherlich besonders beeindruckend. Von den einst sieben Türmen und der doppelten Ringmauer sind nur mehr Ruinenreste übrig. Doch diese werden touristisch gut genutzt. Eine Greifvogelschau wird geboten, ein SB-Bistro im Burghof oder eine exquisite Gastronomie mit Aussichtsterrasse und Hochzeitslocation sorgen für das leibliche Wohl.

Landskron – was für ein hochtrabender Name – wurde am 25. Juli 1351 erstmals urkundlich erwähnt. Das Gebiet gehörte einst den Mönchen von Ossiach. Ein Herzog kaufte ihnen das Land ab und erbaute auf dem Ausläufer der Ossiacher Tauern eine Burg: „die Krone des Landes“.

Die Mönche dürften den Verkauf des Grundstückes dann doch bereut haben, jedenfalls gab es mit den nachfolgenden Besitzern der Burg immer wieder Streit über die Fischereirechte.

1542 kaufte Christoph Khevenhüller die Burg und baute sie zu einer massiven Festung aus. Finanziell dürfte er recht gut gestellt gewesen sein. Dazu kam, dass im Burgberg und in der Umgebung Silber abgebaut werden konnte.

Die Khevenhüller waren Protestanten. Bartholomäus Khevenhüller richtete in der Burg sogar eine Druckerei ein. Evangelische Bibeln wurden dort gedruckt. Der katholischen Kirche gefiel das sicherlich nicht besonders, und so verweigerte man ihm ein Grab auf dem Friedhof der katholischen Pfarrkirche. Er wurde auf der Burg begraben. Wer die Burgkapelle besucht, sollte sich unbedingt den wunderbar gearbeiteten Grabstein des Bartholomäus Khevenhüller ansehen.

Auch wenn man reich war: Hatte man den falschen Glauben, bekam man im Habsburgerreich schnell einmal Schwierigkeiten. Der Sohn von Bartholomäus Khevenhüller hatte als Protestant den falschen Glauben und wurde ausgewiesen. Vielleicht war das dann doch nicht die allerbeste Idee, denn dadurch verpflichtete er sich zum Militärdienst beim schwedischen König Gustav Adolf.

Wir umrundeten die eindrucksvolle Festung, dann gingen wir wieder zurück zum Parkplatz beim Affenberg und starteten nun die eigentliche Wanderung.

Über einen Waldweg ging es bergauf, und wir entdeckten eine Blindschleiche, die friedlich über den Weg kroch. Nur zu gut, dass momentan kein Greifvogel der Vogelwarte unterwegs war – sie wäre eine leichte Beute gewesen. Es lohnte sich, den Weg weiter bergaufzusteigen, denn nun hatten wir einen wunderbaren Blick von oben auf die Burgruine. Farbenprächtig leuchtete die Burgarena zu uns herüber – der optimale Austragungsort für ein Quidditch-Turnier. Doch nicht nur die Burg konnte man von diesem Platz aus sehen, sondern auch die Stadt Villach, den Dobratsch, die Karawanken und die Julischen Alpen.

Links ging es dann zum Jungfernsprung. Im deutschsprachigen Raum mussten in früheren Zeiten recht viele Wüstlinge herumgelaufen sein – so viele Jungfernsprünge, wie es da gibt. Jungfrauen, die sich aus Verzweiflung und auf der Flucht vor Bösewichten in die Tiefe warfen. Der Jungfernsprung von Landskron liegt über dem Ossiacher See, und man hat einen tollen Blick auf die Gerlitzen Alpe. Eine Holzskulptur, die eine nackte Nixe darstellt, steht auf dem Platz. Die Nixe wurde aus dem See verbannt, weil sie aus Liebeskummer die Ufer des Sees mit seinen Fischerhäusern flutete.

Recht nett ging der Pfad oberhalb des Ossiacher Sees weiter, doch schließlich bog er rechts wieder bergab, und wir kamen zu einem überdimensionalen Bilderrahmen. Von hier aus war der Blick auf Landskron wirklich sehr lohnend.

Wir hatten es irgendwie wieder einmal geschafft, nicht der richtigen Route zu folgen. Schließlich kamen wir über einen Graben bei den herrschaftlichen Weingärten an und von dort wieder zum Burgteich mit dem idyllischen Aquädukt. Von dort stiegen wir dann wieder über den Forstweg in Richtung Schranken ab.

 

Hainburg – Panoramaweg zur Ruine Röthelstein

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Hainburg Donaulände

4,5 km

? HM

1,5 h

    

Wir sind eigentlich Morgen- und Vormittagswanderer. Doch wenn man nach der Anreise zu einem Urlaubsort erst nachmittags wandernd unterwegs sein kann, dann sucht man sich halt auch kleinere Runden aus. Und diese können durchwegs sehr interessant und äußerst sehenswert sein. So auch diese kleine Tour zur Ruine Röthelstein.

Wenn Mörath’s Urlaub machen, spielt das Wetter normalerweise verrückt. Kälteeinbrüche und Regen sind die Regel. Doch in Hainburg war es anders. Wir waren im Oktober 2023 dort, und wir sahen Kinder in der Donau baden. Gut – man könnte auch in diesem Fall behaupten, dass das Wetter verrückt spielte.

Der Panoramaweg startet in der Hainburg-Donaulände. Gemütlich begleiteten wir den Strom in Fließrichtung. Der Pfad wurde schmäler, ganz romantisch waren die beiden Felsdurchbrüche. Bald befanden wir uns im Auwald. Knorrige Bäume, rechts der Hang des Braunsbergs, links die Nebenarme der Donau. Brachiges Wasser und Enten, die sich darin badeten. Es ist ein romantischer Steg, der irgendwann in einen breiteren Weg mündet. Und dann sahen wir sie – die Stufen, die zur Ruine Röthelstein hochführten.

Bei der Ruine sollten Schlangen hausen. Daher verließ ich den vorgesehenen Pfad zur dem verfallenen Gebäude nicht. Da hätte man sich die Schilder ruhig sparen können, die darauf hinwiesen, dass das Betreten des Geländes abseits des Weges nicht gestattet sei.

Röthelstein wurde zwischen 1156 und 1220 errichtet. Der Standort der Burg war hervorragend – rechts auf österreichischer Seite der Braunsberg, links der Thebener Kogel auf der damals ungarischen Seite. Dazwischen hatte sich die Donau einen Weg gesucht – der Durchbruch der Donau, die Porta Hungarica. Dreißig Meter ist der Burgfelsen hoch, der einst von der Donau umflossen wurde.

Irnfriedus de Heimenburg (wie toll dieser Name doch klingt) ließ die Burg bauen. Er mochte seinen Namen scheinbar nicht sonderlich, denn er ließ sich später in Irnfriedus de Roetilnstein umbenennen. Irnfriedus war ein bedeutender babenbergischer Adeliger. Und er war clever. Er hatte nicht nur für seine Burg eine tolle Stelle gefunden – die Auwälder der Umgebung boten ihm reichlich Wild, die Donau hatte viele Fische, und man konnte bei der Donauüberfahrt zum gegenüberliegenden Theben recht gut verdienen –, er fand auch günstiges Baumaterial, schön bearbeitet bereits und nicht weit zu transportieren. Und so wanderten fachmännisch behauene Quadersteine aus dem ehemaligen römischen Legionslager Carnuntum auf die Burgbaustelle.

Röthelstein wurde sehr repräsentativ. Der Bergfried hatte ganze fünf Stockwerke, und es gab sogar eine Vorburg. Die Herren von Röthelstein waren nicht arm, so konnten sie sich auch noch in der Stadt Hainburg den Götzenhof leisten.

Die Aussicht von der Burgruine ist schön. Von oben sieht man auf die Ruine Theben, den Auwald, auf die Seitenarme der Donau und natürlich auch auf den Strom selbst – der jetzt nicht mehr direkt unter dem Felsen strömt.

Zur Burgruine gibt es auch noch eine Sage: Neusonntagskinder können des Nachts Seltsames in der Ruine Röthelstein erleben – las ich und musste erst einmal nachschlagen, was ein Neusonntagskind ist.

Kinder, die an einem Monatsersten auf die Welt kommen, der zufällig auf einen Sonntag fällt, nennt man Neusonntagskinder. Und dann las ich auch noch, dass diese Kinder mit der Geisterwelt in Verbindung treten könnten, besonders, wenn zur Zeit ihrer Geburt auch noch Neumond ist.

Als Neusonntagskind geht man besser des Nachts nicht aus dem Haus. Und schon gar nicht auf eine alte Burgruine – auch nicht auf die Burgruine Röthelstein. Wenn doch, dann darf dieses Neusonntagskind Männern mit roten Mänteln und Kappen, Nonnen und Mönchen dabei beobachten, wie sie Quadersteine aus der Mauer brechen und in den Abgrund werfen. Ist das Neusonntagskind klug, zieht es sich spätestens zu diesem Zeitpunkt geräuschlos zurück … ansonsten erwartet es selbst der Abgrund. Soweit die Sage.

Mönche und Männer mit roten Mänteln und roter Kopfbedeckung … einige Menschen sehen darin die legendären Tempelritter, die in dieser Gegend auch Besitzungen gehabt hätten. Viele Kreuzfahrer haben Hainburg passiert, galt es doch als Tor zum Orient. Ob das so stimmt oder nicht, kann ich nicht beurteilen. Jedoch glaube ich kaum, dass Geister die schönen Quadersteine der Burg abgetragen haben. Diese Quadersteine, die ihren Ursprung eigentlich in Carnuntum hatten, wurden nämlich im 17. Jahrhundert an einen Pressburger Baumeister verscherbelt. Viele Quader sind daher für die armen Geister nicht übrig geblieben.

Doch zwischen dem Bau der Burg und dem Verkauf ihrer Steine im 17. Jahrhundert musste dieses Gemäuer recht viel erleben. Da gab es die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Habsburg und Ungarn, die den Aufenthalt in dieser Gegend recht ungemütlich und vor allem sehr gefährlich machten. Später siedelte sich der Söldnerführer Ledwenko mit seiner Truppe an. Da war das Gebäude ein recht komfortables Raubritternest, von wo aus man die Schiffe anhalten und plündern konnte. Das funktionierte bis 1458. Dann wurde es auch für die Räuber zu heiß, denn Erzherzog Albrecht rückte mit Sprengstoff an und vernichtete die einträglichen Sperren.

Der Wanderweg führt nun weiter bergauf, kurz vor der Braunsbergstraße zweigt man rechts ab. Man kommt zu einer wahrlich schönen Aussichtsbank mit Blick auf die Donau, und dann geht es weiter bergab zum Ausgangspunkt.

An der Donaulände gibt es das „Donau Cafe am Hainburg Beach“. Dort sind wir dann eingekehrt und haben es nicht bereut. Irgendwie bildet die Donaulände einen originellen Kontrast zur mittelalterlichen Stadt Hainburg mit ihrer beinahe 2,5 Kilometer langen Stadtmauer und den Toren. Die Donau ist zwar kein See oder gar das Meer – aber Leute können hier trotzdem baden (sogar im Oktober 2023) und eine Strandbar besuchen.

Als wir dann satt und zufrieden waren, verließen wir diesen neuen Teil von Hainburg, um ins Kloster zurückzukehren, dessen alte Mauern nun ein Hotel beherbergen.

 

 

Slow Trail Bleistätter Moor

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

7,3 km

17 HM

2 h

       

Startpunkt: Steindorfer Eishalle oder gebührenpflichtiger Wanderparkplatz an der L50 Landesstraße von Steindorf nach Ossiach

Das Bleistätter Moor haben wir im April 2025 entdeckt und waren davon äußerst begeistert. Daher beschlossen wir, im Mai einige Tage in Steindorf am Ostufer des Ossiachersees zu verbringen. Und damit das Naturerlebnis noch toller wird, haben wir uns in ein hübsches Tiny-Häuschen eingemietet. Von der Terrasse aus konnten wir herrlich auf den See blicken. Einfach toll.

Einst war das Bleistätter Moor riesig groß – 600 ha soll es gehabt haben. In den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts nahm man es mit dem Naturschutz wohl nicht so genau. Dafür waren landwirtschaftliche Flächen wichtig, und man hatte inzwischen das technische Wissen, Moore zu entwässern. Also tat man das, und lange Jahre wurde die Fläche intensiv landwirtschaftlich genutzt.

Der Ossiacher See wurde ebenfalls genutzt, und zwar touristisch. Die Urlauber schätzen klares, sauberes Wasser, welches jedoch durch Düngemittel und Chemikalien der Landwirtschaft belastet wurde.

Also hatte man die hervorragende Vision, das Moor wieder zu fluten. Das geschah 2017. Und seither hat sich in diesem Gebiet wirklich sehr viel Positives getan. Am Ostufer des Ossiachersees ist ein wahres Natur- und Vogelparadies entstanden.

Wir wanderten in aller Herrgottsfrühe zum Moor. Es war gerade einmal halb sechs Uhr früh. Voller Vorfreude auf die Frühstimmung im Naturschutzgebiet marschierten wir beim „Steinhaus“ des Architekten Günther Domenig vorbei. Wie ein überdimensionaler „Transformer“ aus Beton, Stahl und Glas hockt das Gebäude am Ufer des Ossiachersees und erweckt garantiert bei jedem Betrachter eine gewisse Neugierde.

Weiter führte uns der Weg am See entlang, von wo aus wir romantische Bootshäuschen aus dunklem Holz entdeckten, die einen ziemlichen Gegensatz zum Steinhaus bildeten. Ein prachtvoller Kastanienbaum stand in schönster Blüte und verbreitete einen intensiven Geruch. Graugänse machten in der Morgensonne Gänseyoga.

Über eine kleine Brücke über ein Gerinne, vorbei an einem Spielplatz mit öffentlichem WC, gelangten wir zum Dammweg, wo ein wunderbar altes Holzhaus mit einem noch wunderbareren Garten steht. Jetzt hatten wir es nicht mehr weit zum Moor.

Gleich am Anfang des Moorwegs steht ein Vogelbeobachtungsturm. Gregi harrte in der Kälte aus und suchte verbissen das Schilf mit seinem Feldstecher nach einem Drosselrohrsänger ab. Hören konnte man ihn laut und deutlich … aber sehen? Viele, viele Schilfstängel gab es. Der Drosselrohrsänger war recht unscheinbar und nicht allzu groß. Und er wusste sich gut zu tarnen, sodass man ihn kaum finden konnte – trotz seines wirklich sehr lauten, sagen wir mal, Gesangs.

Endlich bewegte sich ein Schilfrohr. Hier dürfte er sein … oder aber nur ein Spatz oder eine Blaumeise. Vögel gab es ja viele im Bleistätter Moor. Über hundert Vogelarten, sagt die eine Quelle – eine andere behauptet sogar 200 verschiedene Arten.

Am Vortag war ein Eisvogel wie ein schillernd blauer Blitz über mich hinweggeflogen. Ein Haubentaucher hatte sich elegant im Wasser gedreht und sich von seiner besten Seite gezeigt. Apropos Haubentaucher: Ihr Gefieder ist so dicht und so seidig weich, dass die Modewelt des 19. Jahrhunderts ganz wild darauf war. Für Krägen, Hüte und Muffe musste das weiche Gefieder herhalten, bis eine britische Tierschutzvereinigung gegründet wurde, um die Haubentaucher zu retten. Wie gesagt – bereits im 19. Jahrhundert.

In der Früh war es (obwohl es Mai war) sehr, sehr kalt im Moor, und ich sehnte mich nach meiner Winterjacke. Am Vortag waren wir am späten Nachmittag unterwegs gewesen. Da waren die Temperaturen weitaus angenehmer gewesen. Allerdings waren am Nachmittag auch mehr Leute im Moor unterwegs. Tiere auch.

Das lange Stehen in der Kälte ist nicht so mein Ding, also ging ich ohne Gregi weiter hinein in das Moorgebiet. Gregi stand noch immer mit dem Fernrohr vor den Augen auf dem Turm und musterte verbissen das Schilf.

Ein schmaler Pfad trennte die offene Wasserfläche vom Teil des Moores, wo Büsche wuchsen. Am Vortag waren auf der Wasserfläche ein Haubentaucher, eine Schwanenfamilie mit fünf Küken und Graugänse unterwegs gewesen. Im Moor mit Gebüsch hatte ich am Tag davor ein Teichhuhn entdeckt.

Ich bewunderte das strahlend leuchtende Schilf, gruselte mich ein wenig vor dem Nebel, der die geknickten und gefluteten Baumstämme etwas unheimlich wirken ließ, und erreichte schließlich die Brücke der Tiebel. Die Tiebel ist ein Fluss und der wichtigste Zufluss des Ossiacher Sees. Ihr Ursprung soll auch einen Besuch wert sein, habe ich gelesen. Über 40 Quellen soll die Tiebel haben.

Der nächste Teil des Moores war besser belebt. Hier steht das alte, windschiefe Pumphaus, welches immer mehr ins Moor versinkt. Auf der Spitze des Türmchens hat sich Familie Storch heimisch niedergelassen. Am kalten Morgen saß Mama Adebar auf ihren Küken, um sie zu wärmen. Am Vortag war sie gestanden und hatte den Kleinen Schatten gespendet. Papa Storch war inzwischen im seichten Wasser unterwegs. Euphorisch hatte er sich ein Stöcklein gesichert, womit er stolz vor dem „Nachbarn“, einem x-beinigen Graureiher, herumstolzierte. Dieser schien sich dafür nicht zu interessieren.

Etwas mürrisch saß er da, während seine Herzensdame ebenfalls im Wasser herumstakste. Sie hatte allerdings ihre Aufmerksamkeit ihrem Horst gewidmet, der zirka einen Meter über ihr in die gefluteten Büsche hineingebaut war. Die Reiherküken im Teenageralter mit struppigen Frisuren schienen der Mama kundzutun, was sie bitte als Jause mit nach Hause nehmen sollte.

Ein Kormoran saß mit geöffneten Flügeln auf einer Insel und ließ sich trocknen, ein Kollege von ihm hatte dafür einen abgebrochenen Baumstamm ausgewählt. Die Kormoranfrau war ein Morgenmuffel und schlief noch tief und fest. Dafür war die Graugans-Gang unterwegs. Schön der Reihe nach schwammen mindestens 18 Gänse durch das Wasser.

Am Nachmittag des Vortages waren wir die ganze Runde gegangen. Wir konnten einen Froschkönig mit goldenen Augen beobachten. Er war nicht alleine hier, er hatte eine große Verwandtschaft. Nicht nur Aphrodite ist eine Schaumgeborene – auch die Wasserfrösche können sich dieser Eigenschaft rühmen.

Vom zweiten Vogelbeobachtungsturm ging es am Wasser entlang weiter, an einem Campingplatz vorbei zum Parkplatz mit WC, über die Straße in einen Feldweg, der neben einem Bach entlangging. Dort hatte Gregi die schönsten Fotos von einem Drosselrohrsänger gemacht. Dann mussten wir links abbiegen und kamen an der Baumschule Teuffenbach vorbei, die hübsche Rhododendren und Azaleen züchtet.

Dann kam der Wald, wohin einige Rhododendren offensichtlich ausgebüxt waren und sich – wie in Irland – freudig ausbreiteten und vermehrten. Moorböden mögen sie besonders gerne. Wieder über die Straße und einen Wanderparkplatz ging es dann dem Moor entlang – diesmal waren die Aussichtsplattformen ebenerdig. Rundum hörte man die Vögelchen singen (nicht nur den lautstarken Drosselrohrsänger). Die ersten Häuser von Steindorf waren wieder erreicht.

Es werden im Moor auch Führungen angeboten. Unter www.natourerleben.at kann man Näheres darüber erfahren.

 

Vom Kanzianiberg zur Ruine Finkenstein

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

 

400 HM

4 h

Start:

Kanzianiberg Parkplatz Kletterpark  

Diese Wanderung haben wir in mehreren Wanderbüchern angefunden, und lustigerweise sind die Angaben zu den Höhenmetern etwas unterschiedlich. In einem Buch sind es 300 HM, im anderen 400 HM. Wie dem auch sei: Die Wanderung ist sehr gut und leicht zu schaffen, und man benötigt nicht allzu viel Kondition … nur ein Stück auf dem Sepplweg ist etwas abenteuerlich und abschüssig.

Die Wanderung startet beim Parkplatz für den Klettergarten (Tagesticket kostete 2025 EUR 6,00). Der Kanzianiberg ist der größte Klettergarten Kärntens – wir hätten die Zufahrt trotzdem beinahe nicht gefunden. Mehrmals mussten wir umkehren, bis wir endlich begriffen, dass eine extrem schmale Asphaltstraße in Richtung Altfinkenstein die richtige Wahl war.

Schroff und steil ist der Kanzianiberg, wenn man vom Wanderparkplatz die steilen Wände hochsieht. Dohlen umflattern ihn mit hohlem Krächzen, riesige Gesteinsbrocken liegen in der Gegend herum. Unheimlich war es hier … wie auf dem Weg zur Hölle. Als wir aus dem Auto ausstiegen, hatte es gerade einmal 4 Grad Celsius, und irgendwie wunderte ich mich nun nicht mehr, wieso wir so ziemlich die einzigen Gäste waren, die das wunderbare Hotel (Karnerhof in Drobollach – sehr empfehlenswert) freiwillig für eine Wanderung verließen.

Wir marschierten zwischen den hohen Felswänden, welche dunkle Schatten warfen, und der Straße den Wanderweg bergauf. Plötzlich wurde es heller, die Felswände wurden niedriger, wir querten eine geschotterte Fläche, und nun begann der Weg lieblich zu werden. Neben uns gab es eine Wiese, und von dieser Seite sah der Kanzianiberg nur mehr wie ein Hügel aus. Ein hübscher Hügel mit einer Kirche. Eindeutig – so gefallen mir Berge besser.

Bei der Wanderwegkreuzung entschlossen wir uns, zuerst den Kanzianiberg über den Wanderweg zu besteigen. Ich nehme an, dass auch die frühen Siedler des Kanzianiberges schon auf dieser Seite nach oben gegangen sind. Gut, ganz nach oben waren wir dem Wanderweg dann doch nicht gefolgt. Irgendwann wechselten wir auf den Kreuzweg. Dieser sah sehr idyllisch aus, war jedoch weitaus steiler als der normale Wanderweg. Unter der Bergkuppe gibt es ein Dorfmuseum, das leider geschlossen hatte. Danach wurde es auf dem Kreuzweg wirklich sehr steil, und das letzte Stück zur Kirche mussten wir fast kraxeln. Egal, von welcher Seite man den Kanzianiberg besteigt – das letzte Stück zur Kirche ist überall extrem steil.

Oftmals wundere ich mich, was in manchen Wanderbüchern steht. Der Autor eines Wanderführers überlegte doch tatsächlich, ob es sich überhaupt auszahle, auf den Kanzianiberg zu gehen. Die Kreuzwegstationen hätten die Läden zu, und die Kirche sei ohnehin geschlossen. Man könne nur durch einen Schlitz in der Tür ins Innere sehen.

Wir sahen durch den Schlitz in der Tür, wir sahen die steilen Treppen, welche zu einem noch steileren Pfad hinunterführten, wir sahen uns die verblassten Gemälde auf der Außenseite der Kirche an, die Reliefs, den Opfertisch neben der Eingangstür und den enorm hohen Turm. Wir waren mehr als beeindruckt. Wer um alles in der Welt hatte die Energie, auf diesem steilen Berg eine so große Kirche zu bauen? Und wer hatte das ganze Baumaterial hier heraufgeschafft?

Wir waren beim Aufstieg über den bequemeren Altweg ins Schwitzen gekommen, so steil und steinig war er. Ich stellte mir die Menschen vor, die das Material und das Werkzeug auf den Berg getragen hatten. Vor gar nicht langer Zeit musste wieder einmal jemand etwas Schweres heraufgetragen haben, überlegte ich mir (eine Zufahrt bis zur Kirche gibt es nicht), und betrachtete die Photovoltaikanlage, die aus dem Fenster des Turmes herauslugte. Es sah fast so aus, als würde der Turm dem Berg dahinter die Zunge zeigen.

Als ich meinem Vater von dieser Photovoltaikanlage erzählte, meinte er – klug, wie er ist: „Jetzt kann man doch alles mit Hubschraubern auf die Berge bringen – da braucht man nicht mehr schleppen.“ Vielleicht bin ich doch zu romantisch veranlagt. Doch damals, als man die Kirche baute, gab es diese Möglichkeit noch nicht. Und vor der Leistung dieser Menschen habe ich den allergrößten Respekt.

Wir stiegen dann noch weiter den Berg hinauf, sahen auf den Faaker See, nach Villach und auf die Karawanken. Später forschte ich auf der Landkarte nach, wie der Berg gleich hinter dem Kanzianiberg hieß. Dabei fiel mir etwas auf: Es gibt den Mittagskogel (den jeder an seiner Pyramidenform erkennt), aber auch den Kleinen Mittagskogel, den Mallestiger Mittagskogel, den Techantinger Mittagskogel und wahrscheinlich auch noch andere Mittagskögel. Jeder Ort hat wohl seinen Berg, über dem um 12.00 Uhr die Sonne am höchsten steht.

Doch zurück zum Kanzianiberg. Dieser war schon ganz, ganz früh besiedelt. Bereits in der Jungsteinzeit lebte man hier oben recht sicher. Die steilen Wände, welche heute als Klettergarten benutzt werden, schützten die Siedlung recht wirkungsvoll. Eigentlich ist der Berg nur von einer Seite zu begehen; darunter im Tal ist ein Morast. Ein Angriff von dieser Seite war auch nicht leicht. Und die Siedler haben ihre Spuren hinterlassen. Ein toller Fund war ein prähistorischer Tonstempel, der zum Auftragen von Farbe auf menschliche Körper benutzt wurde. Doch auch ein frühmittelalterliches Reliquienkästchen aus Elfenbein wurde gefunden – leider fehlte die dazugehörende Reliquie.

Gregi hat auf dem Kanzianiberg auch etwas gefunden – nämlich ein Geocache-Versteck (und das ohne Navigationsgerät und ohne gezielt nach einem Versteck zu suchen … alle Achtung!).

In Prospekten werden vor allem der Klettergarten, das Dorfmuseum und der Schaukalkofen beworben … doch die eigentliche Sehenswürdigkeit ist das Plateau auf dem Kanzianiberg mit seiner Kirche und dem alten Siedlungsplatz. Ein wunderbarer Ort, den man nur sehr ungern wieder verlässt.

Der Abstieg war anfangs wieder etwas steil, doch dann kamen wir auf den Wanderweg. Beim Wanderwegkreuz folgten wir nun den Pfeilen Richtung Altfinkenstein. Nun ging es durch den Wald, und links und rechts neben uns wuchsen hübsche Schneerosen. Die nächste Wegstrecke war weniger interessant, da sie auf der Straße verlief. Doch schon bald sahen wir sie, den nächsten Höhepunkt der Wanderung: die Ruine Altfinkenstein.

Vor der alten Festung gab es satte Wiesen und Bauernhöfe; sie selbst steht auf einem hohen, nackten Felsen. Wir hatten leider Pech: Das Burgstüberl war geschlossen, und die Ruine würde man erst ab Mai besichtigen können. Also weiter auf die Baumgartenhöhe über den Sepplweg.

Die Wiese war gekalkt, weiße Krokusse bildeten weitere helle Tupfer. Ein Steig führte dann den Berg hinauf, zuerst noch recht angenehm zu gehen, bis der Bach zu queren war. Jetzt wurde es richtig steil, und es gab keinen Weg mehr. Ein Teil des Pfades war wohl fortgeschwemmt worden. Dank Wurzeln konnten wir uns hochziehen, um wieder auf einen Wandersteig zu gelangen. Schließlich kamen wir auf eine Weide, die sehr abschüssig war. Doch auch diese Anstrengung schafften wir ohne zu murren, sahen wir doch eine Einkehrmöglichkeit – den Baumgartnerhof.

Unsere Zungen hingen schon fast bis zum Kinn; wir freuten uns richtig auf ein gutes Essen und noch mehr auf ein tolles Erfrischungsgetränk … „Dienstags geschlossen“.

Von der Baumgartenhöhe führen viele Wanderwege weg. Ein Weitwanderweg sollte (laut Beschreibungen ab März) über die Berge nach Slowenien führen. Wir sind keine Berggeher, und auf den Karawanken lag zu diesem Zeitpunkt eine Schneehöhe von 1,5 Metern. Also wieder hinunter – diesmal über eine Skipiste. Von oben hatten wir wenigstens eine herrliche Aussicht auf die Burgruine (welche wir vorhin nicht erkunden konnten) und den See dahinter. Nach dem Wildgehege kamen wir wieder auf die Asphaltstraße und marschierten den bekannten Weg retour.

Schön und beeindruckend war der Kanzianiberg … toll wären auch die Burgruine und der Baumgartnerhof gewesen, wären sie nicht geschlossen gewesen. Nächstes Mal machen wir diesen Ausflug ab Mai und ab mittwochs – wenn möglich. Dann könnte man die Wanderung durchgehend genießen.

 

 

Mureck – Burg Obermureck – Auwald und Schiffmühle

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Wanderung beliebig erweiterbar

5 – 6 km

kein nennenswerter Höhenunterschied, nur beim Burgberg

mindestens 2 Stunden

       

Bei dieser Wanderung den Reisepass nicht vergessen!

Der erste Sonntag im März 2025 war ein ganz famoser Tag. Kalt war es in den vergangenen Tagen gewesen, feucht und nebelig … und dann dieser prächtige Frühlingstag.

Im Vorfrühling zieht es uns immer magisch in den Süden der Steiermark. Die Murauen sind nun mal zu dieser Jahreszeit besonders herrlich. Wir beschlossen also, nach Mureck zu fahren. Unsere Wanderung startete bei der Murecker Pfarrkirche zum „heiligen Bartholomäus“.

Wer war dieser Heilige, der Namensgeber für Bartholomew Simpson (besser bekannt als Bart Simpson) ist? Laut Wikipedia war er ein Jünger Christi, der ein ganz scheußliches Martyrium erlebte. Ihm soll bei lebendigem Leib die Haut abgezogen worden sein. Düster war auch die Bartholomäusnacht (23.–24. August 1572), in der ein Massenmord an französischen Protestanten stattgefunden hat.

Die Kirche selbst hat nichts Düsteres an sich. Hell und freundlich wirkt die Fassade, die durch den Turm geteilt wird. Hinein konnten wir leider nicht, da das Gotteshaus verschlossen war. Über den Kirchdamm gingen wir weiter, zweigten in eine Allee ein, wo wir einige emsige Kleiber beobachten konnten. Danach folgten wir einem schmalen Weg, der entlang einer alten Mauer führte. Auf der Mauer leuchtete das grüne Moos. Nach kurzer Zeit erreichten wir den Murecker Hauptplatz.

Dieser Hauptplatz hat es auch in sich. Lang ist er – ganze 350 Meter. Und direkt vor uns stand das Rathaus mit seinem besonders hübschen, sechsstöckigen Uhrturm. Lange besahen wir diesen Turm, der im 17. Jahrhundert erbaut worden war. Eine Büste des Grafen von Stubenberg, ein Porträt von Kaiser Leopold I., eine Madonna mit Mondsichel konnten wir erblicken. Doch besonders angetan war ich vom Erzengel Michael. Auf ihm thronte ein wunderhübscher Falke. Über dem Turm flogen heiser krächzend die Krähen. Ja, Mureck ist wirklich eine ganz besondere Stadt.

1187 wurde Mureck erstmals urkundlich erwähnt. Der Ort liegt nördlich der Mur, wo die Gegend brettleben ist. Die Burg Obermureck wurde südlich der Mur errichtet, auf dem Trattenberg, der sehr steil zum Fluss abfällt und daher ein richtig toller Burgstandort ist. Doch Mureck selbst hatte keinen natürlichen Geländeschutz. Der Marktrichter Bartlme Lorber wusste um diese Schwachstelle und setzte sich dafür ein, dass der Ort befestigt wurde. Ab 1664 wurden Gräben gezogen, Palisaden aufgestellt und Toranlagen errichtet. Diese wurden auch gebraucht, denn sowohl 1683 als auch 1704 war Mureck Stützpunkt im Verteidigungskampf gegen Türken und Kuruzzen.

Wir marschierten durch das Tor des Rathauses und kamen zum Lorberplatz. Hier gibt es einen Laden für regionale Produkte sowie ein öffentliches WC. Wir folgten der Straße weiter zum Campingplatz und von dort einem Pfad zum Auwald. Der Wegrand war violett gesäumt – so viele Krokusse wuchsen dort. Und hier tummelten sich bereits die ersten Bienen.

Im Wald angekommen, bogen wir vor der Brücke links ab und folgten dem Mühlbach. Weiße Teppiche von Schneeglöckchen – wunderbar anzusehen. Leider ist es mir bis jetzt noch nicht gelungen, diese Pracht naturgetreu auf ein Foto zu bringen. Dazu kamen noch die unzähligen Krokusse und einige Exemplare der Grünen Nieswurz. Rund um uns gab es das allerschönste Vogelkonzert. Auch die kleinen Piepmatze begrüßten den Frühling voller Enthusiasmus.

Über eine kleine Brücke führte uns der Weg, danach weiter flussabwärts. Unter der Murbrücke hindurch, zwischen Mur und Mühlbach, kamen wir dann auf den Radweg. Hier könnten wir den Weg weiter der Mur entlanggehen – zum Röcksee und weiter zum Murturm. Eine herrliche Wanderung!

Wir wollten diesmal jedoch das Schloss Obermureck besuchen. Also marschierten wir auf dem Radweg in Richtung Mureck zurück bis zum Haus der Grenzpolizei, danach über die Brücke nach Trate. Direkt gegenüber der Brücke geht neben einem Haus eine Treppe den Hang hinauf – an einem Backofen vorbei, und über einen urigen Weg schlängelt sich ein Pfad durch den Wald zum Schloss hoch. Das wussten wir leider zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Also gingen wir rechts die Straße entlang und bogen vor einer Ruine in einen Weg ein – und kamen auf diese Weise zum richtigen Waldpfad. Schneeglöckchen wuchsen auf dem ganzen steilen Hang, und es roch sehr intensiv nach Bärlauch, der hier üppig wucherte. Wir entdeckten einen besonderen Farn. Gregi behauptete, dass es sich dabei um den seltenen Hirschzungenfarn handelt. Dieser wurde im Mittelalter auch Hexenkraut genannt. Hexenkraut auf einem Burgberg – wie unheimlich.

Unheimlich dürfte es auf dem Schloss Obermureck (Grad Cmurek) im 20. Jahrhundert zugegangen sein. Dort war eine geschlossene psychiatrische Anstalt untergebracht. Heute gibt es auf dem Schloss ein Museum (Museum des Wahnsinns). Als wir den Tratenberg erklommen hatten, mussten wir leider feststellen, dass sowohl das Museum als auch das Schloss geschlossen waren. Da hätten wir besser vorher etwas recherchiert … aber egal. Wieder bergab und über die Brücke.

Von der Brücke aus sahen wir unser nächstes Ziel: die Schiffsmühle und das dazugehörende Restaurant. Diesmal folgten wir der Straße in Richtung Stadt, ein gelber Wegweiser ließ uns dann links abbiegen, und über einen schmalen Pfad kamen wir wieder in den Auwald. Diesmal gingen wir direkt an der Mur entlang flussaufwärts.

Opatija hat den Lungomare … die Steiermark hat den Wanderweg neben der Mur. Und ehrlich: Dieser Wanderweg steht dem weltberühmten kroatischen Panoramapfad um nichts nach. Blaues Wasser, helle Steine, kleine Wellen, die das Licht auf wunderbare Weise spiegeln. Dazu Gänsesäger, Stockenten und Schwäne, die hier nach Herzenslust badeten. Und über uns in den Baumkronen tummelten sich Scharen von kleineren Vögelchen.

Dass es auf diesem Weg besonders schön ist, wissen viele Leute. Und so kam es, dass an diesem ersten etwas wärmeren Sonntag im Vorfrühling sehr viele Spaziergänger unterwegs waren. Vor uns sahen wir verheißungsvolle rote Sonnenschirme … das Restaurant Mühlenhof hatte geöffnet.

Man hatte hier wohl nicht mit diesem enormen Ansturm gerechnet – ein Kellner und ganz, ganz viele Gäste, die bedient werden wollten. So beschlossen wir, uns nur die Schiffsmühle anzusehen, die 1997 nach dem Vorbild alter Schiffsmühlen errichtet wurde.

Wir hätten dem Fluss noch weiter in Richtung Weitersfeld folgen können, doch nun plagte uns der Hunger … also zurück nach Mureck, zum Café Mureckstüberl.

Das Café Mureckstüberl befindet sich in der Grazer Straße 2 (beim Rathaus die Straße überqueren, links den Hauptplatz hinuntergehen, beim letzten Haus um die Kurve … dort befindet sich das Kaffeehaus). Wir hatten Glück, noch einen Platz zu ergattern. So gut gefüllt war das Lokal. Und die meisten Besucher naschten Eis – was man sich nur zwei Tage davor sicherlich nicht hätte vorstellen können.

Zu Mureck muss ich noch etwas sagen. Jedes Mal, wenn ich in diesem Ort bin, komme ich total zur Ruhe. Ich weiß nicht, woran das liegt. Aber nach einer Wanderung an der Mur bin ich immer ganz tiefenentspannt. Und offenbar geht es nicht nur mir so. Die Bewohner dieser besonderen Stadt scheinen mir auch sehr gelassen und freundlich. Man grüßt und redet … und ist sofort per Du. Wir fühlten uns hier so wohl, dass wir beschlossen, schon bald wieder hierher zu kommen. Vielleicht im Sommer. Sehen, wie dann dieser Auendschungel aussieht.

 

Grafendorf Beisteinrunde

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

6,1 km

270 HM

2 h

       

Diese Wanderung haben wir in der Broschüre „Wandern – Unsere Wälder & Hügel im Garten Österreichs“ entdeckt. Diese Broschüre ist gratis und wurde vom Tourismusverband Oststeiermark herausgegeben.

Startpunkt der Wanderung ist das Hotel Wiesenhof. Laut Wanderführer würde man links neben dem Hotel vorbei der Asphaltstraße folgen … wir hatten jedoch zuvor die Hinweistafel „Beistein“ gesehen und marschierten daher gleich hinter dem Hotel den Feldweg bergauf. Die Aussicht war grandios – Grafendorf mit dem Schloss Kirchberg im Walde. Dahinter das steirische und burgenländische Hügelland.

Obwohl es Ende Jänner war, hatten wir ein angenehmes Wanderwetter: Sonnenschein und blauer Himmel. Immer wieder gab es Rastbänke auf Glücks- und Kraftplätzen. Einladend wirkten sie, besonders in Anbetracht des Panoramas … doch wir wollten weiter, zum Beistein.

Auch dieser Hügel war im Sommer nicht ganz vom Sturm verschont geblieben. Einige Bäume waren gefallen und wurden bereits aufgearbeitet. Trotzdem war es hier sehr schön … Rotföhren und Buchen wuchsen in diesem Wald. Der Boden war sehr trocken, hatte es doch schon lange nicht mehr geregnet, und Schnee gab es auch keinen. Eine Buche umklammerte ihren Nachbarn, kreisrunde Formen in der Rinde verliehen dem Baum ein Gesicht … und dieses sah äußerst erschrocken oder gar entsetzt aus. Gut, im Sommer waren hier einige ihrer Kollegen gefallen. Ich verstand den Baum.

Über uns in den Baumkronen waren die Vögel recht munter unterwegs. Sie genossen die beinahe frühlingshaften Temperaturen und sangen daher besonders schön. Der steile Anstieg und das erstaunlich warme Wetter sorgten dafür, dass ich zu schwitzen begann – also zog ich kurzerhand die Wanderjacke aus – wohlgemerkt, es war Ende Jänner.

Ein Wegweiser wies uns an, rechts abzubiegen, und plötzlich türmten sich vor uns große Felsen auf. Wir hatten den Beistein erreicht. Hier hätten die Kelten in Vollmondnächten gebetet und gefeiert.

Die Mondfeste der Kelten waren Samhain (Anfang November), Imbolc (Anfang Februar), Beltaine (Anfang Mai) und Lughnasadh (Anfang August). Wie sich die Kelten fühlten, wenn sie auf dem Beistein ihre Mondfeste feierten, kann ich mir heute nicht mehr vorstellen. Wenn man täglich mindestens sechs Stunden vor dem Computer sitzt, dann hat man die ganz starken Wurzeln zur Natur, welche unsere Urahnen noch hatten, verloren. Und wenn man die Lebensmittel bequem im Geschäft kaufen kann, kann man wohl auch nicht mehr von sich behaupten, sich in die kargen Verhältnisse der Vergangenheit hineinversetzen zu können.

Die Termine der keltischen Mondfeste hat die Kirche übernommen: Allerheiligen, Maria Lichtmess, die Walpurgisnacht und Erntedank. Apropos Walpurgisnacht – ich könnte mir vorstellen, dass sich die „Kleine Hexe“ mit ihren sieben Röcken und ihrem klugen Raben Abraxas auf dem Beistein richtig wohl gefühlt hätte. Die Gesteinsblöcke hätten eine gute Abflugrampe in Richtung Wechsel abgegeben. „Heissa, Walpurgisnacht!“

Eine Gesteinsplatte hat eine besondere Form – halbkreisförmig fehlt ein Stück. Ich glaube kaum, dass Mutter Natur diesen Halbkreis in den Gesteinsblock geschürft hat.

Auf dem Beistein gibt es gemütliche Bänke, und man kann diesen besonderen Platz auf 813 Höhenmetern richtig genießen.

Weiter führte der Weg über den Jägersteig. Heidelbeerbüsche wuchsen links und rechts des Wanderwegs, der über eine Kuppe führte. Weich marschierten wir über die Baumnadeln, es roch herrlich nach Harz. Wir hatten eine Stelle erreicht, an der noch Forstarbeiten stattfanden. Hier verließen wir den Wanderweg und marschierten am Waldrand weiter. Wieder hatten wir eine wunderbare Aussicht.

An der Wanderwegkreuzung ging es links im Wald bergab. Eine große Föhre war gefällt worden – besser gesagt, gefallen war sie nicht. Sie hatte sich in den Kronen der anderen Bäume festgekrallt. Die armen Forstarbeiter – hier weiterzuarbeiten war mehr als gefährlich.

Steil ging es nun den Weg bergab, und auf der Asphaltstraße war nicht ganz klar, wie es weiterging. Wir entschieden uns (zum Glück) richtig und zweigten wieder links ab. Die Bauernhöfe, die nun kamen, hatten eine wunderbare Lage mit traumhafter Aussicht.

Und hier entdeckte ich zu meiner Freude ein munteres, blaues Bällchen: eine Blaumeise. Blaumeisen sind ganz clevere Vögel. In den 1920er-Jahren wurden in England Milchflaschen mit Folienabdeckung bei den Häusern zugestellt – besser gesagt, sie wurden vor den Häusern abgestellt. Dort standen die Flaschen dann, bis die Konsumenten die Milch in die Wohnungen holten. Vögel sind keine Säugetiere, und trotzdem gab es da offensichtlich eine Meise, die auf den Geschmack gekommen war. Und nicht nur das, sie schaffte es auch, die dünne Folie zu öffnen. Das gewiefte Vögelchen teilte ihre Entdeckung ihren Kollegen mit, und bald schon rätselten die Leute, wieso die Folien auf den Milchflaschen durchlöchert waren. In den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts wussten wohl bereits alle Blaumeisen auf den Britischen Inseln, was man so alles mit Milchflaschen anstellen konnte.

Ich glaube, wir hätten die Asphaltstraße weitergehen können, doch ein Wegweiser wies links bergauf. Wir gingen recht unsicher durch den Hof eines Bauern, und schon entdeckten wir die Wandermarkierung G3, die uns durch eine Birkenallee und den Wald zu einem Aussichtsbankerl führte, welches wir beim Anstieg auf den Beistein schon einmal gesehen hatten.

Also gingen wir den bekannten Weg wieder zurück und konnten dabei ein herrliches Panorama genießen.