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Distanz |
Höhenmeter |
Dauer |
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3 km |
205 HM |
1 h |







Die Wanderung zum Raab-Ursprung haben wir im Juli unternommen. Die Raab begleitet mich schon ein Leben lang. Bereits in meiner Jugend wollte ich wissen, wo sie entspringt. In der Volksschule lernten wir: „am Osser“. Also war ich als Jugendliche am Osser unterwegs – und hatte den Ursprung nicht gefunden.
Heute bin ich klüger. Will man die Quelle eines Flusses finden, dann geht man am besten flussaufwärts. Und heutzutage gibt es auch diesen hübschen Rundweg zum Raab-Ursprung, der bei der Waldmühle (nördlich von Passail) beginnt.
Dieser Rundweg ist ein Lehrpfad. Die Tafeln sind ganz liebevoll für Kinder gestaltet. In einer Unterhaltung des Hirschen Pozilo (ich schätze, dass dieser Name vom nahe gelegenen Passail kommt, welches in alten Urkunden auch Pozile bezeichnet wurde) mit dem Tropfen Sprungingerl wird Interessantes über die Raab erzählt.
Bei der Jausenstation Waldmühle gibt es einige Parkplätze. An einem alten – teilweise leider schon verfallenen – Haus vorbei geht es gleich einmal steil bergauf. Wir waren bei unserer Wanderung sehr früh aufgebrochen. Der Trampelpfad war gesäumt von großen Pestwurzblättern. Großen Pestwurzblättern, die sehr viel Wasser fassen konnten. Wir waren binnen kürzester Zeit bis zu den Knien klatschnass … noch bevor wir den Waldpfad erreichten.
Links unter uns hüpfte die Raab (als Bächlein) ganz munter über die Steine. Rechts am Waldhang wuchsen unglaublich viele wunderbare Glockenblumen. Diese Blumen sollten uns während der ganzen Wanderung begleiten.
Die Raab wird als mystischer Fluss bezeichnet. Das will und kann ich nicht bewerten. Was ich jedoch sagen kann: Sie ist ein herrlicher Fluss. Hier, als Bächlein, hat sie glasklares Wasser. Einige Kilometer weiter ist dieses Bächlein zum Fluss herangereift und hat mit ihrer Kraft eine der schönsten Klammen Österreichs geformt – die Große Raabklamm.
Doch auch die darauffolgende Kleine Raabklamm darf als Naturjuwel nicht unterschätzt werden. Ab Mitterdorf verlässt die Raab das gebirgige Gelände, und sie fließt nun neben und zwischen fruchtbaren Feldern.
Wir müssen auf unsere Raab sehr gut aufpassen: Was wird ihr entnommen, was wird in sie eingeleitet? 471 Flusskilometer dauert ihre Reise. In Győr in Ungarn fließt sie in die Donau. Dieser Fluss ist Allgemeingut, das wir nicht für unsere eigenen Zwecke ausbeuten dürfen. Wir alle müssen Rücksicht nehmen, damit die Raab durchgehend ein intaktes Gewässer bleibt.
Bedingt durch die Braunerdeböden, welche die Raab durchfließt, ändert das Flusswasser seine Farbe. Besonders schön ist die Raab in der Nähe von Fehring, wo es eine tolle Mühle gibt, wo sich der Biber wieder angesiedelt hat und viele Vögel in und rund um den Fluss leben.
Gleich nach Neumarkt im Südburgenland verlässt die Raab das österreichische Bundesgebiet und hat bis hierhin sage und schreibe 1313 Höhenmeter überwunden. 497 Höhenmeter davon hüpft sie sozusagen gleich am Anfang hinab – zwischen ihrer Quelle und Passail. Ganz munter und flink wirkt sie, während wir den steilen Pfad bergauf keuchen.
Wie ein Kind purzelt und kullert das Wasser den Hang hinunter – Spielkameraden gesellen sich zu ihr. Der Walmtalbach und der Bärntalbach leisten ihr schnell einmal Gesellschaft. Viele Bächlein gibt es in diesem Gebiet. Zur Zeit unserer Wanderung war sogar ein Teil des Wanderpfades eines davon.
Der Raabursprung ist umzäunt, man kann das Areal jedoch betreten. Eine Steinmauer – ein Loch im Berg – eingesäumt mit großen Pestwurzblättern. Und daraus kommt das Wasser – unaufhörlich. Es ist schon eine wunderbare Einrichtung der Natur, wenn aus Quellen immerzu Wasser sprudelt. Wie gut es Mutter Erde doch mit uns meint.
Zwei Inschrifttafeln sind neben der Quelle angebracht: eine österreichische und eine ungarische. Auf der österreichischen kommen mir zu viele Worte wie Jüngling, Manne, Flur, Hain und Held vor. Damit kann ich, um ganz ehrlich zu sein, wenig anfangen. Sehr gefallen hat mir jedoch die Übersetzung der ungarischen Tafel:
„Jeden Tag seit Jahrtausenden werde ich hier im Schatten der Wälder geboren. Keine Glocken melden diese Geburt. Kein Kurier verkündet sie mit Trompeten. Dennoch verbinde ich Völker und bringe Früchte den Steirern und Ungarn. Entstanden aus manchem Gewitter und Donnergrollen führt mein sanfter Weg zu Mutter Donau und vereint ins Schwarze Meer.“
Und nochmals mein Appell: Wir alle müssen sehr respektvoll und achtsam mit diesem wertvollen Fluss umgehen.
Die Raab ist noch keine „20 Meter alt“, und sie betreibt schon ein kleines hölzernes Wasserrad. Wie tüchtig sie doch ist. Wir verweilen noch etwas an diesem Ort und leisten Sprungingerl – dem Wassertropfen und Wächter der Quelle – noch ein bisschen Gesellschaft.
Gleich hinter dem Zaun mussten wir links abbiegen, und ein schmaler Pfad führte uns quer über einen Hang, bevor wir auf einem Forstweg landeten. Nun begann der Teil der Wanderung, bei dem man immer wieder eine richtig tolle Aussicht genießen konnte – sofern man nicht durch die unzähligen Schmetterlinge abgelenkt wurde.
Vor einer Weide ging es dann etwas bergauf. Außerhalb des Zaunes gab es einen kleinen Pfad durch ein blühendes Paradies. Selten habe ich eine derart große Vielzahl verschiedener Pflanzen auf engstem Raum gesehen. Nicht nur Glockenblumen, auch Johanniskraut, Arnika, Schafgarbe, Thymian, violette Kratzdisteln, gelbe Klebkratzdisteln, diverse Doldenblüten und, und, und.
Ein Fest für Schmetterlinge und andere Tierchen, die gerne Nektar naschen. Nach dieser Blütenpracht tauchten wir wieder in den Wald ein. Steil war der Hang, ein Holzgeländer sicherte den Weg – auch über dem Bach, den wir über Steine zu queren hatten.
Wieder auf der Forststraße ging es gemächlich bergab. Wir kamen an einem hübschen Bauernhof vorbei. Kühe weideten weit oben auf einer Almwiese, die Wiese neben unserem Wanderweg hatte eine enorme Biodiversität. So gefallen mir die Almen.
Bald hatten wir den Ausgangspunkt wieder erreicht – die Waldmühle, eine Jausenstation. Eine urige Holztreppe führt in das heimelige, kleine Gastzimmer. Kalte Speisen und Getränke, aber auch Kaffee und Nussschnecken findet man auf der Speisekarte. Gut hat es uns geschmeckt.






























































































































