Raab-Ursprung Rundweg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

 

3 km

205 HM

1 h

       

Die Wanderung zum Raab-Ursprung haben wir im Juli unternommen. Die Raab begleitet mich schon ein Leben lang. Bereits in meiner Jugend wollte ich wissen, wo sie entspringt. In der Volksschule lernten wir: „am Osser“. Also war ich als Jugendliche am Osser unterwegs – und hatte den Ursprung nicht gefunden.

Heute bin ich klüger. Will man die Quelle eines Flusses finden, dann geht man am besten flussaufwärts. Und heutzutage gibt es auch diesen hübschen Rundweg zum Raab-Ursprung, der bei der Waldmühle (nördlich von Passail) beginnt.

Dieser Rundweg ist ein Lehrpfad. Die Tafeln sind ganz liebevoll für Kinder gestaltet. In einer Unterhaltung des Hirschen Pozilo (ich schätze, dass dieser Name vom nahe gelegenen Passail kommt, welches in alten Urkunden auch Pozile bezeichnet wurde) mit dem Tropfen Sprungingerl wird Interessantes über die Raab erzählt.

Bei der Jausenstation Waldmühle gibt es einige Parkplätze. An einem alten – teilweise leider schon verfallenen – Haus vorbei geht es gleich einmal steil bergauf. Wir waren bei unserer Wanderung sehr früh aufgebrochen. Der Trampelpfad war gesäumt von großen Pestwurzblättern. Großen Pestwurzblättern, die sehr viel Wasser fassen konnten. Wir waren binnen kürzester Zeit bis zu den Knien klatschnass … noch bevor wir den Waldpfad erreichten.

Links unter uns hüpfte die Raab (als Bächlein) ganz munter über die Steine. Rechts am Waldhang wuchsen unglaublich viele wunderbare Glockenblumen. Diese Blumen sollten uns während der ganzen Wanderung begleiten.

Die Raab wird als mystischer Fluss bezeichnet. Das will und kann ich nicht bewerten. Was ich jedoch sagen kann: Sie ist ein herrlicher Fluss. Hier, als Bächlein, hat sie glasklares Wasser. Einige Kilometer weiter ist dieses Bächlein zum Fluss herangereift und hat mit ihrer Kraft eine der schönsten Klammen Österreichs geformt – die Große Raabklamm.

Doch auch die darauffolgende Kleine Raabklamm darf als Naturjuwel nicht unterschätzt werden. Ab Mitterdorf verlässt die Raab das gebirgige Gelände, und sie fließt nun neben und zwischen fruchtbaren Feldern.

Wir müssen auf unsere Raab sehr gut aufpassen: Was wird ihr entnommen, was wird in sie eingeleitet? 471 Flusskilometer dauert ihre Reise. In Győr in Ungarn fließt sie in die Donau. Dieser Fluss ist Allgemeingut, das wir nicht für unsere eigenen Zwecke ausbeuten dürfen. Wir alle müssen Rücksicht nehmen, damit die Raab durchgehend ein intaktes Gewässer bleibt.

Bedingt durch die Braunerdeböden, welche die Raab durchfließt, ändert das Flusswasser seine Farbe. Besonders schön ist die Raab in der Nähe von Fehring, wo es eine tolle Mühle gibt, wo sich der Biber wieder angesiedelt hat und viele Vögel in und rund um den Fluss leben.

Gleich nach Neumarkt im Südburgenland verlässt die Raab das österreichische Bundesgebiet und hat bis hierhin sage und schreibe 1313 Höhenmeter überwunden. 497 Höhenmeter davon hüpft sie sozusagen gleich am Anfang hinab – zwischen ihrer Quelle und Passail. Ganz munter und flink wirkt sie, während wir den steilen Pfad bergauf keuchen.

Wie ein Kind purzelt und kullert das Wasser den Hang hinunter – Spielkameraden gesellen sich zu ihr. Der Walmtalbach und der Bärntalbach leisten ihr schnell einmal Gesellschaft. Viele Bächlein gibt es in diesem Gebiet. Zur Zeit unserer Wanderung war sogar ein Teil des Wanderpfades eines davon.

Der Raabursprung ist umzäunt, man kann das Areal jedoch betreten. Eine Steinmauer – ein Loch im Berg – eingesäumt mit großen Pestwurzblättern. Und daraus kommt das Wasser – unaufhörlich. Es ist schon eine wunderbare Einrichtung der Natur, wenn aus Quellen immerzu Wasser sprudelt. Wie gut es Mutter Erde doch mit uns meint.

Zwei Inschrifttafeln sind neben der Quelle angebracht: eine österreichische und eine ungarische. Auf der österreichischen kommen mir zu viele Worte wie Jüngling, Manne, Flur, Hain und Held vor. Damit kann ich, um ganz ehrlich zu sein, wenig anfangen. Sehr gefallen hat mir jedoch die Übersetzung der ungarischen Tafel:

„Jeden Tag seit Jahrtausenden werde ich hier im Schatten der Wälder geboren. Keine Glocken melden diese Geburt. Kein Kurier verkündet sie mit Trompeten. Dennoch verbinde ich Völker und bringe Früchte den Steirern und Ungarn. Entstanden aus manchem Gewitter und Donnergrollen führt mein sanfter Weg zu Mutter Donau und vereint ins Schwarze Meer.“

Und nochmals mein Appell: Wir alle müssen sehr respektvoll und achtsam mit diesem wertvollen Fluss umgehen.

Die Raab ist noch keine „20 Meter alt“, und sie betreibt schon ein kleines hölzernes Wasserrad. Wie tüchtig sie doch ist. Wir verweilen noch etwas an diesem Ort und leisten Sprungingerl – dem Wassertropfen und Wächter der Quelle – noch ein bisschen Gesellschaft.

Gleich hinter dem Zaun mussten wir links abbiegen, und ein schmaler Pfad führte uns quer über einen Hang, bevor wir auf einem Forstweg landeten. Nun begann der Teil der Wanderung, bei dem man immer wieder eine richtig tolle Aussicht genießen konnte – sofern man nicht durch die unzähligen Schmetterlinge abgelenkt wurde.

Vor einer Weide ging es dann etwas bergauf. Außerhalb des Zaunes gab es einen kleinen Pfad durch ein blühendes Paradies. Selten habe ich eine derart große Vielzahl verschiedener Pflanzen auf engstem Raum gesehen. Nicht nur Glockenblumen, auch Johanniskraut, Arnika, Schafgarbe, Thymian, violette Kratzdisteln, gelbe Klebkratzdisteln, diverse Doldenblüten und, und, und.

Ein Fest für Schmetterlinge und andere Tierchen, die gerne Nektar naschen. Nach dieser Blütenpracht tauchten wir wieder in den Wald ein. Steil war der Hang, ein Holzgeländer sicherte den Weg – auch über dem Bach, den wir über Steine zu queren hatten.

Wieder auf der Forststraße ging es gemächlich bergab. Wir kamen an einem hübschen Bauernhof vorbei. Kühe weideten weit oben auf einer Almwiese, die Wiese neben unserem Wanderweg hatte eine enorme Biodiversität. So gefallen mir die Almen.

Bald hatten wir den Ausgangspunkt wieder erreicht – die Waldmühle, eine Jausenstation. Eine urige Holztreppe führt in das heimelige, kleine Gastzimmer. Kalte Speisen und Getränke, aber auch Kaffee und Nussschnecken findet man auf der Speisekarte. Gut hat es uns geschmeckt.

 

 

Mühlental-Rundweg Schmied in der Weiz nach St. Kathrein am Offenegg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Schmied in der Weiz

Karlwirt

10 km

475 HM

3,5 h

       

Ich muss gestehen – ich habe eine Schwäche für Mühlen. Zum Teil liegt das daran, dass mein Lieblingsjugendbuch „Krabat“ von Ottfried Preußler von einer Mühle handelt. Doch auch in Märchen sind Mühlen, Müller (und auch deren Töchter) immer wieder sehr präsent. Nicht nur wegen der Geschichten mag ich diese Gebäude – ich bin auch eine begeisterte Getreidevertilgerin: egal ob Brot, Nudeln oder die veredelte Form (nein, nicht Whisky), sondern Mehlspeisen aller Art.

Also beschlossen wir an einem heißen Sommertag, sehr früh nach Schmied in der Weiz zu fahren, um den Mühlental-Wanderweg zu begehen. Vom Karlwirt aus startet die Wanderung (wir wären gerne dort eingekehrt – leider hatte dieses Gasthaus Betriebsurlaub). Eine Tafel zeigt den Wanderweg, und wir konnten lesen, dass es früher in St. Kathrein 99 Bauern und 101 Mühlen gegeben hatte.

Mühle ist nicht gleich Mühle. Im Weinviertler Freilichtmuseum „Niedersulz“ kann man eine wunderbare, herrschaftlich wirkende, gemauerte Mühle besuchen. Sie wurde früher bewohnt. Die Mühlen im Lambachtal waren aus Holz und wurden (glaube ich) nie bewohnt. So wie die „Lambacher Mühle“, die unterhalb eines Bauernhauses am Bach steht. Der Weg zwischen Bauernhaus und Mühle ist nicht weit. Und auf diesem Weg saßen an dem Julitag drei gelangweilte Katzen und beobachteten uns. (Da fällt mir ein Spruch von Marie Ebner-Eschenbach ein: „Die Katzen halten keinen für eloquent, der nicht miauen kann.“ Wie wahr.)

Bei der Lambacher Mühle steht ein riesiger Feuersalamander aus Hufeisen, der sich mühsam aus dem Bach zu schleppen scheint. Etwas miesepetrig sah er aus – wahrscheinlich, weil er auch nicht miauen kann und sich deshalb nicht mit den Katzen unterhalten kann.

Weiter ging es am Bach entlang, wir querten die Asphaltstraße und kamen zu einer Brücke. Dort standen wir dann eine Zeit lang und betrachteten den Wasserfall. Im kühlen Wald bummelten wir weiter und hörten Zaunkönige, Wintergoldhähnchen und Mönchsgrasmücken zwitschern … dann kam die erste Kuhweide. Junge Tiere … männliche junge Tiere. Ein halbwüchsiger Stier stampfte kurz mit dem Vorderfuß, als wir des Weges kamen, und schon hatte er uns so weit, dass wir den bequemen Wanderweg verließen und einen steilen Hang bergauf kletterten. Weiträumig umrundeten wir die Wiederkäuer und kamen dann heil (und mit sehr schmutzigen Schuhen) bei einer Raststätte vor einem Bauernhaus an.

Der Landwirt, mit dem wir ein nettes Gespräch führten, hatte einen ganz besonderen Rastplatz für müde Wanderer erschaffen. Hier mussten wir einfach verweilen und schauen: plätschernde Brunnen, prachtvolle Blumen, Hufeisenskulpturen … und dann gab es da noch einen Kühlschrank mit erfrischenden Getränken (freiwillige Spende) sowie ein WC.

Auf dem Weiterweg sahen wir dann Kälbern beim Kneippen zu – diese beobachteten ihrerseits meinen Mann Gregi, der in der Wiese lag, um besonders tolle Bilder zu knipsen (wohlbemerkt: Die Wiese war in der Früh noch ganz taunass). Die Grabenflorl-Mühle ist noch intakt, und das Mühlrad drehte sich – etwas später kamen wir zur Winkelbauermühle, die vor einigen Jahren restauriert wurde. Dafür wurden 2.000 ehrenamtliche Stunden geleistet – es hat sich ausgezahlt. Nun steht sie märchenhaft im Wald und wird von einem Drachen bewacht. Ein weiteres Kunstwerk aus Hufeisen vom Künstler Sascha Exenberger. Dieser Drache ist mein absoluter Favorit – mit seinen roten Flügeln und seinen grün leuchtenden Augen.

Steil ging es nun den Wald bergauf, dann erreichten wir eine Forststraße. Da diese auch eine Teilstrecke anderer Wanderrouten war, trafen wir hier auch andere Outdoorfreaks.

Die Erkenntnis des Tages: Dank E-Bikes können Radfahrer selbst dann noch miteinander zanken, wenn der Weg steil bergauf führt. Ihnen geht einfach nicht die Puste aus. Wie doch die Technik unser Leben bereichert!

Vom Ortsteil Zeil hatten wir eine ganz besondere Aussicht – von der Weizklamm über den Schöckel, das Passailer Becken … traumhaft. Die nächste Hufeisenskulptur hätten wir fast versäumt – so sehr waren wir vom Panorama gefesselt. Etwas versteckt oberhalb des Weges war sie, die Schnecke. Genauer gesagt bei der Abzweigung zum „Vogelbeer-Panoramaweg“. (Diese Wanderung ist auch sehr empfehlenswert. Mit 4,63 km und 158 HM ist sie in eineinhalb Stunden gut zu schaffen. Sehr schöne Aussicht.)

Wir blieben auf unserem Mühlental-Rundweg, nun ging es bergab. Neben der Straße wuchsen prächtige, alte Lindenbäume und dann – wie paradiesisch – das Hotel Spreitzhofer mit einer ganz tollen Terrasse und für die Kinder einem noch tolleren Kinderspielplatz. Da konnten wir natürlich nicht vorbei (zum Glück). Meine Kartoffel-Steinpilz-Roulade auf Ratatouille war ein Gedicht!!! Nach einer sehr großen Tasse Cappuccino hatten wir dann wieder Kraft genug, um weiterzugehen.

Wir kamen an den „hängenden Gärten der Sulamith“ vorbei (die würden wir ein andermal besuchen), an der Edelbrennerei Graf (wieder ein Lindenbaum der Extraklasse) und an der Kathreiner Alpakafarm. Von hier hatten wir schon einen tollen Blick auf die Kirche. Kurz ein Stückchen bergab zum „Steirischen Panther aus Hufeisen“.

Die Kirche von St. Kathrein gefällt mir. Sie ist nicht schmal und lang, sondern irgendwie wohlproportioniert und bodenständig. Ein massiver Turm, daneben runde Bauteile, ein gotisches Portal. Innen ist sie hell und freundlich und hat eine sehr angenehme Atmosphäre. Sieht man nach vorne, dann gibt es den Hochaltar, geht man nach rechts, sieht man den ehemaligen Hochaltar. Zweimal wurde die Kirche umgebaut – einmal in der Hochgotik und einmal im Hochbarock. Und dort hat man dann die Kirchachse geändert.

Ein Bild zeigt auch die heilige Katharina – zu ihren Füßen ein kaputtes Rad. „Barbara mit dem Turm, Margareta mit dem Wurm und Katharina mit dem Radl – das sind die drei heiligen Madln.“ Würde man die drei Initialen nehmen: K + M + B – die gleichen wie die Jungs mit ihrem Weihrauch, Gold und Myrrhe. Nur dass diese drei Frauen zu den 14 Nothelfern gehören und im Leben fürchterliche Grauslichkeiten erlebt hatten. (Die Frauenquote bei den Nothelfern: 3 von 14.)

Ein neuer Pilgerort hat sich unterhalb der Kirche entwickelt. Ich hatte ja schon von der Veredelung von Mühlenprodukten gesprochen – und Eveline Wild als Konditor-Weltmeisterin beherrscht diese Kunst besonders gut. Da wir jedoch noch satt und zufrieden waren (und dunkle Wolken über den Bergen aufzogen), zogen wir es vor, über den Kirchsteig zum Ausgangspunkt unserer Wanderung zu gelangen.

An einem Dammhirschgehege vorbei, über eine Kuhweide und dann den Serpentinenpfad den steilen Wald hinunter. Inzwischen hörten wir auch schon Donnergrollen – also beeilte ich mich. Gregi blieb stoisch ruhig und wollte sich partout nicht sputen.

Auf den letzten Metern zum Auto fielen die ersten Regentropfen – ich war heilfroh, rechtzeitig ins Trockene zu kommen. Kaum saßen wir in unserem fahrbaren Untersatz, hörte es zu regnen auf. Gut, die Weizklamm bei einem schlimmen Gewitter zu durchfahren wäre auch keine beruhigende Vorstellung für mich.

Übrigens: Weizklamm. Ich weiß nicht, ob es anderen Personen genauso geht. Aber bei jeder Kurve stelle ich mir immer vor, dass ein Drache uns entgegenfliegen könnte – ein hübscher Drache – aus Hufeisen und mit roten Flügeln und grünen, wunderbaren Augen.

 

 

Anger – Erlebnisweg Honigbiene

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

3,8 km

76 HM

1:20 h

       

Start: Schwimmbad Anger

Diese Rundwanderung ist leicht und auch kurz und führt in eine märchenhaft anmutende Gegend mit wunderbarer Aussicht. Optimal also für einen kurzen Wintertag, besonders wenn man durch kulinarisch üppige Feiertage etwas träge geworden ist. So wie wir es waren an einem warmen, wunderbaren Stephanitag. Wir parkten also unter der Brücke beim Schwimmbad und steuerten gleich der Infotafel zu (hier gibt es auch tolle Wanderkarten von Anger).

Anger hat eine ausgezeichnete Infrastruktur für Wanderer und man hat langjährige Erfahrung mit Freizeitangeboten. Anger warb schon Ende des 19. Jahrhunderts mit der „Sommerfrische“ – damit gehörte man in der Steiermark zu den Pionieren des Tourismus.

Marktauswärts gibt es ein Biotop, wo sich Enten tummeln, etwas weiter quert man die Schmalspurbahn, dann geht es einen Hang rauf und man kommt zu einer Buschenschank. Bald sieht man die Polstermöbelfabrik ADA und dahinter den Turm der „Vierzehn-Nothelfer-Kirche“. Dieser spätgotische Bau war früher einmal eine Wallfahrtskirche. Einfache Leute waren es, die hierherzogen, um um Hilfe bei diversen Leiden zu beten. Ärzte gab es nicht viele und leisten konnte man sich eine Behandlung auch nicht. Die ganz großen Heiligen wollte man auch nicht immer belästigen, also zog man zu den „Vierzehn Nothelfern“. Die meisten davon waren Märtyrer und hatten so ihre Spezialgebiete. Die Zuordnung ihrer Fachkompetenz scheint uns heute eigenartig. Da gibt es zum Beispiel Dionysius, der mit einem abgeschlagenen Kopf dargestellt wird. Ausgerechnet er sollte gegen Kopfschmerzen helfen.

Doch zurück zur Wanderung: Unaufhörlich nähert man sich dem „Märchenwald“. Und tatsächlich! Mehrere muntere Wildbächlein durchziehen den Wald. Darin liegen riesige, moosbewachsene Steinblöcke, ein Steg, dahinter eine Mühle wie aus dem Bilderbuch. Kleine Fenster, hölzerne Regenrinnen, die Schindeln des Daches sind auch mit Moos überzogen. Ein idealer Spielplatz im Sommer.

Verlässt man den Wald, hat man einen umwerfenden Ausblick auf den Höhenrücken des Zetz. Die Ruine Waxenegg kann man gut sehen, ebenso den Ort Anger. Anger – so nennt man eine kleinere Grasfläche oder einen Grasplatz in einem Dorf. Und so eine Grasfläche gab es in der Flussschlinge, die die Feistritz hier bildete. Danach wurde der Ort benannt, der im 12. Jahrhundert besiedelt wurde. Mitte des 14. Jahrhunderts bekam Anger das Marktrecht.

Der Bienenlehrpfad wäre kein Bienenlehrpfad, wenn es nicht auch einen Bienenstock zu betrachten gäbe. Ein Bienenstock im Wildbau könnte besichtigt werden – wir verzichteten drauf. Wir wollten die Tierchen nicht unnötig stören.

Stattdessen gingen wir in Richtung Fresen weiter und mussten unzählig frischen Pferdeäpfeln ausweichen. Immerhin – es war ja Stephanitag – gab es in Anger sicherlich auch eine Pferdeweihe. Und in Fresen gibt es einen riesigen Reiterhof. Stattliche Pferde (warm eingewickelt in Pferdedecken) standen auf der Weide. Und in Fresen sahen wir weitere nette Tiere. Da waren die dicken Schafe mit ihrer warmen Winterwolle, die friedlich zwischen uralten Bäumen weideten. Eine schöne Weide, die im Sommer genügend Schatten bot. Eine gelassene, riesige rote Katze … und da war noch die Hundebesitzerin, die ihren tierischen Begleiter  „Gassi führte“.

Irgendwie mussten wir bei all dieser Beschaulichkeit einen Wegweiser übersehen haben, denn wir kamen wieder zum Märchenwald zurück. „Auch gut“, beschlossen wir und wanderten noch eine kleine Runde über etliche Stege entlang des Wildbachs und Jungwalds. So, den Märchenwald hatten wir nun genug erkundet. Zurück zum Ort!

Am Nachhauseweg schmiedeten wir Pläne. Es gäbe ja noch so einige interessante Wanderungen in Anger: den Erlebnisweg Rauchstubenhaus – über die Ruine Waxenegg und Florianiwasserfall. Die Schloss-Külml-Runde – über den Töchterlehof zum Schloss (unbedingt einen Abstecher zur St.-Ulrichs-Kapelle machen) und unter dem Viadukt retour. Den Grubbründlweg würde es noch geben, den Genussrundweg und den Schichtweg … gut, den vielleicht doch nicht. Schwierigkeitsgrad: schwer.

Der Waldromantikweg ist allerdings sehr reizvoll und gut zu wandern. So sinnierten wir … und dann gäbe es da ja auch noch die mystischen Unter- und Oberwelten von Anger. Eine geführte „Lost-Places-Tour“ vielleicht? Hört sich ja richtig verlockend an. 

 

„Kleine Raabklamm“ – Oberdorf bei Mitterdorf an der Raab

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

7 km

160 HM

2:30 h 

Start:

Oberdorf

Wanderparkplatz  

Route: Oberdorf- Kleine Raabklamm – Stoffmühle – Hohenkogel – Oberdorf

Am Ostersonntag, nach einer richtig netten Familienfeier, wollten Gregi und ich noch wandern gehen. Weit wollten wir nicht mehr fahren, immerhin war es nicht mehr ganz früh. Also erkor Gregi die Kleine Raabklamm als unser Ziel aus. „Ich will was Neues entdecken“, beschwerte ich mich. „Die Kleine Raabklamm kenn ich in- und auswendig.“ Als gebürtige Ruprechterin war ich als Teenager sehr oft mit dem Rad dort gewesen. Bis zum Franz-Ludwig-Steig war man dazumal mit dem Drahtesel gekommen. Aber auch ins Bärental sind wir geradelt. Und sogar den tollen steilen Weg rechts hinter der Könighanslwiese neben dem munteren Bach mit seinen Kaskaden hinauf nach Hafning hatte ich als Schülerin mein Radl schon raufgeschoben.

„Wasseramseln sind in der Klamm … und Bachstelzen auch“, argumentierte Gregi und ich war überredet. Das Auto parkten wir auf dem Wanderparkplatz in Oberdorf. Wir marschierten an hübschen alten Bauernhäusern vorbei in die Klamm. Sobald man zum Fluss vorkonnte, war Gregi auch schon dort. Ich fotografierte das hübsche grüngelbe Milzkraut, das hier üppig wucherte, Gregi hatte eine Wasseramsel entdeckt. Wasseramseln sind mir sympathisch, sind sie mir doch sehr ähnlich. Sie werden so beschrieben: „Sehr kompakt – oft dick wirkend. Sie lieben saubere, schnell fließende Bäche und Flüsse.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Das Wasser der Raab ist im Bereich der Kleinen Raabklamm wirklich noch klar und sauber. Die braune Färbung des Wassers kommt erst später. Laut dem tollen Buch „Die Raab“ von Andreas Stiermeier fließt der Fluss ab Gleisdorf bis zu ihrer Mündung in Györ durch Braunerdeböden. Ihr Name sollte vom keltischen Wort „Arrabo“ stammen, was die „Braune“ bedeutet. Diesem Buch habe ich auch entnommen, dass die Raab 427 km lang ist – 4 wunderbare Kilometer davon würden wir bei der Wanderung erleben.

Wir waren nur einige Meter weitergekommen und konnten schon Stockenten beobachten … und auch Wanderer (mit und ohne Kinder oder Hunde), Radfahrer und auch verliebte junge Paare. Ein breiter Weg führt den Fluss entlang, da kann man toll Händchen haltend nebeneinandergehen. Zumindest wenn man keine Kamera dabeihat. Denn in diesem Flussabschnitt gibt es so viele tolle Fotomotive: Leberblümchen, Pestwurz, Frühlingsplatterbse, Lerchensporn, Buschwindröschen, Sumpfdotterblume etc. Und dann immer wieder die tollen Vögel im Fluss. Die schon beschriebene Wasseramsel, die schwarz-weiße Bachstelze und die Gebirgsbachstelze mit dem gelben Bäuchlein.

Die Kleine Raabklamm zählt nicht umsonst zu den längsten naturnah erhaltenen Flussstrecken in Österreich. Mal ist das Wasser seicht … Steine, Schotter- und Sandbänke sind zu sehen … dann gibt es wieder tiefe Tumpfe. Und auch das Tal selbst ändert sich ständig. Steile Schluchtwälder wechseln sich mit Auwäldern und Wiesen ab. Auf der Könighanslwiese sollte es in früheren Zeiten sogar einmal einen Imbissstand gegeben haben. Jetzt ist auf diesem wunderbaren Ort zum Glück wieder Ruhe eingekehrt.

Musste man früher über den Franz-Ludwig-Steig kraxeln, um weiter in Richtung Kleinsemmering zu gelangen, kann man jetzt bequem und eben neben der Raab diesem Steig ausweichen. Langsam näherten wir uns dem Parkplatz Stoffmühle, als wir voller Freude auf den Felsen über der Raab die Ruine der Burg Raabeck entdeckten. Viel ist nicht mehr übrig von diesem alten Wehrbau. Doch wenn man bedenkt, dass diese Burg schon Ende des Mittelalters aufgegeben worden war – na, dann wundert man sich doch, dass da überhaupt noch Mauern stehen.

Auf der anderen Flussseite ging unsere Wanderung weiter, ein kurzes Stück die Asphaltstraße entlang, dann durften wir wieder links in den Wald einbiegen. Der Weg führte bergauf. Statt die gelben Blüten der Sumpfdotterblumen sahen wir jetzt die lilafarbigen der Erika. Fünf Rehe liefen vor mir über den Waldweg und den steilen Hang hinab. Dann sah ich den Grund der Flucht. Eine Wanderin, die mit ihrem Hund unterwegs war. Zum Glück hatte sie ihren vierbeinigen Freund an der Leine, so hatten die Rehe nichts zu befürchten. Drehte man sich um, konnte man den Schöckl und das Almenland sehen.

Schnaufend kamen wir in Hohenkogl heraus. Zuvor entdeckte ich noch einen Eichelhäher sowie eine Drossel. Alte Obstbäume standen in vollster Blüte, der Saharasand färbte den Himmel. Vor einem Kellerstöckel stand ein Heuwender, Hühner waren hier im wahrsten Sinne des Wortes Freilandhendln. Begeistert gingen wir weiter, die Aussicht war einfach genial. Wie auf einem Balkon sahen wir auf das Raabtal, das sich vor uns weitete. Vorne rechts war Mitterdorf, Schloss Stadl war zu sehen, Ruprecht – weit unten Gleisdorf. Sogar die Gleichenberger Kögel konnte ich entdecken.

„Zwei Knaben gingen auf den Ötscher und wurden matt und immer mätscher, dann sagt der Mätschere zum Matschen, jetzt können wir wieder obihatschen!“, war ein Spruch, den wir in der Kindheit liebten. Uns ging es ähnlich. Kaum hatten wir den anstrengenden Aufstieg hinter uns, ging es den Berg wieder steil hinunter. Wieder durch einen Wald, diesmal gab es mehr Laubbäume.

In Oberdorf leben meines Erachtens sehr gastfreundliche und aufgeschlossene Leute. „Getränke könnte man aus dem Keller holen“, stand bei einem Haus. Davor stand ein richtig hübsches blaues Marterl und nun kam ein Ehepaar daher, das offensichtlich eine Kerze bei diesem Bildstock anzünden wollte. Wir plauderten eine Zeit lang recht nett mit den beiden, die uns vom Brutplatz der Wasseramsel erzählten.

Jetzt war es nicht mehr weit zum Auto. Auch nicht weit weg vom Parkplatz war das Restaurant „Mittelpunkt“. Wir kennen es noch nicht. Ostersonntag war es leider geschlossen. Was uns am besagten Tag auch ziemlich egal war, da wir zuvor ohnehin eine üppige Osterjause hatten. Also das nächste Mal, wenn wir wieder die Wasseramseln besuchen, dann könnten wir vielleicht auch dieses Gasthaus erforschen.