„Kuruzzenwanderweg“ – Burgau nach Burgauberg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

7,82 km

98 HM

2:15 h

Start:

Burgau

Zentrum  

Wir starten die Wanderung beim Schloss. Die „Burg in der Au“ war wohl namensgebend für den lieblichen Ort, der wunderschöne Drei- sowie Vierkanthöfe hat. Heute wird diese Burg als Schloss bezeichnet – ein wehrhaftes Schloss. Der mächtige Rundturm und der breite Wassergraben zeugen von der Wasserburg, die hier an dieser Stelle zum Schutz der Bevölkerung so wichtig war. Unzählige Tauben belagern das etwas buckelig-wellige Dach und spähen neugierig auf den großzügigen Badesee gegenüber dem Schloss.

Wir trennen uns nur ungern von diesem beschaulichen Ort, verlassen ihn in Richtung Burgauberg, queren das breite Lafnitztal, bis wir zum Fluss selbst kommen. Lafnitz, die Weißglänzende, nannten früher schon die Slawen diesen Fluss. Geht man über die Brücke, verlässt man die Steiermark und betritt das Burgenland. Ein harmloser, friedlicher Grenzübertritt. Doch das war leider nicht immer so.

Früher war die Lafnitz die Grenze zwischen Österreich und Ungarn. Burgau lag nahe dieser gefährlichen Grenze und hatte auch sehr darunter zu leiden. 1418 fielen die Ungarn in Burgau ein, 1605 die Heiducken und 1704 die Kuruzzen. Doch davon später.

Zuerst wandern wir den Berg hinauf, auf einem Hochwasserbehälter wurde eine Aussichtswarte errichtet. Man sieht an klaren Tagen vom Geschriebenstein über den Hochwechsel bis zu den Karawanken. Und vor allem sieht man die Therme Stegersbach und freut sich, dass wir es uns heutzutage gut gehen lassen können.

Ein kurzes Stückchen gehen wir retour. Laut Wanderführer müssten wir links abbiegen, wir jedoch gehen zurück bis zur Lafnitzbrücke. Wir queren die Brücke zur steirischen Seite, direkt danach biegen wir links ab und wandern den mäandernden Fluss entlang. Hier ist das Reich des Bibers, eindeutig. Biberrutschen, gefällte Bäume … ein natürlicher Bereich mit einem emsigen Baumeister.

Schön ist es hier, neben dem Fluss. Vögel kann man beobachten, nur der Biber versteckt sich gut. So gehen wir dahin und kommen zu einer Tschartake, einem hölzernen Wehrturm, aus massivem Holz gebaut, allerdings nicht unbedingt ein sicheres Bollwerk. Wir können hinaufklettern und in die Landschaft sehen. Vier Bauern und zwei Soldaten waren als Besatzung auf dem Turm. Die Bauern kamen von weit her, von Miesenbach, Wenigzell, Strallegg … Es waren keine kampferfahrenen Männer, sie waren (für die Zeit dazumal) sehr weit von zu Hause weg und ich nehme an, dass sie auch große Angst haben mussten vor den rebellierenden Ungarn, den wilden Kuruzzen. „Kruzitürken“ – dieser Fluch ist ein Andenken an diese fürchterliche Zeit.

Lieblicher ist die andere Seite der Lafnitz. Ein Steg führt hinüber und bunte segelförmige Kunstwerke mit Gesichtern begrüßen uns freundlich.

Nach diesem erneuten kurzen Abstecher ins Burgenland kehren wir wieder über den Steg in die Steiermark zurück. Vor uns liegt noch ein interessanter Feldweg – zurück nach Burgau. Unterwegs dürfen wir die Freilandschweinderln der Firma Labonca bewundern. Sie suhlen sich genüsslich im Schlamm, die dicke Lehmkruste auf dem Buckel schützt die zarte Schweinehaut vor Sonnenbrand. Die Äcker sind belebt. Sitzt da nicht ein Kiebitz? Und dann die ganz große Überraschung! Mitten am Weg sitzt ein Wiedehopf, ein wunderschöner noch dazu. Wir getrauen uns gar nicht, weiterzugehen, wir wollen ihn nicht vertreiben. Diesen seltenen Gesellen wollen wir so lange wie möglich betrachten.

Irgendwann wird es ihm dann doch zu bunt und er fliegt von dannen. Schade! An ehemaligen Tabakhütten vorbei gehen wir nun wieder in den Ort zurück und ich wundere mich über die vielen Wasserläufe in diesem Dorf. Es ist halt doch eine Au, eine Burg-Au. Schön war sie, die Wanderung. Eingekehrt wird beim Gasthof Janits. Die Burgauer sind aufgeschlossene Leute und bald haben wir eine anregende Unterhaltung mit den anderen Gästen.

Mein Tipp: Zu Ostern und zu Weihnachten gibt es im Schloss eine Ausstellung. Eine Möglichkeit, dieses alte Gemäuer auch von innen zu besichtigen.

 

„Entenwaldweg“ – Burgau

 

 

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

7,2 km

kaum

1:45 h

Start:

Burgau

Schwimmbad  

Der Juli 2024 war reich an Insekten. Nach einer Wanderung, die in einem Gemetzel an Gelsen und Bremsen endete, hatten wir recherchiert und uns einen hervorragenden Insektenspray organisiert. „Organic“ stand auf dem Produkt und „wirkt und riecht gut“. Wir wunderten uns, wieso die Apothekerin uns unbedingt ein anderes Mittel einreden wollte – wir wollten den ökologischen Wunderspray.

Wir sprühten uns also großzügig mit diesem „gut riechenden“ Schutzmittel ein, stiegen ins Auto und hielten den Atem an. Also das Versprechen mit „gut riechen“ war gelogen. Egal ob wir stanken oder nicht… Wir würden wandern gehen – und zwar in Burgau. Den Fischbachteichweg waren wir schon öfters gegangen, ein angenehmer Weg durch den Wald zu einem herrlichen Teich … mit Libellen, Schmetterlingen und fröhlichen Vögeln.

In Burgau parkten wir unter schattenspendenden Bäumen und betrachteten das Freibad wohlwollend. Das Burgauer Schwimmbad mögen wir sehr gerne. Erstens ist es nicht überfüllt, zweitens gibt es darin riesige, schattenspendende Platanen, drittens ist es wirklich toll ausgebaut (viele Attraktionen für Kinder und Junggebliebene) und viertens schwimmt man im ehemaligen Wassergraben der Burg. Also in einem geschichtlich höchst interessanten Bauwerk … das hat schon was. Weiters muss ich jetzt den netten Bademeister lobend erwähnen, der seinen Badesee und seine Arbeit wirklich liebt und alles über seine Geschichte und über die Geschichte des Ortes weiß und auch gerne davon erzählt. Unter anderem erfuhren wir von ihm, dass durch den Lehmabbau für die Ziegel des Schlosses ein Teich entstanden ist, der treffenderweise Ziegelteich genannt wird.

Kurzerhand planten wir um. Diesen Ziegelteich wollten wir sehen. Also doch nicht die „Fischbachteichrunde“, sondern die Entendammrunde (mit ihrer gelb-weißen Markierung). Ausgestattet mit Wanderkarten, die wir vom Bademeister bekommen hatten, marschierten wir über den Hauptplatz, durch die Herrengasse (danach rechts abbiegend) in den Forsthausweg, dann nochmals rechts hinauf zum „Müllner-Kreuz“. Hier hielten wir uns wieder rechts und kamen an Freilandrindern vorbei. Die Weizen- oder Gerstenfelder (so genau weiß ich das nicht) waren bereits abgeerntet, ein gigantischer Strohballen lag noch auf dem Feld. Der größte, den ich je in meinem Leben gesehen hatte.

Neben dem Feldweg wuchsen mächtige Eichen, eine Reihe mit alten Streuobstbäumen war zu sehen und eine ganze Schar Gelsen war hinter mir her und versuchte mich (teilweise erfolgreich) zu stechen. „Wahrscheinlich hätten wir uns mit dem Insektenschutz nicht einsprühen sollen, sondern darin baden“, ätzte ich.

Im Wald war es dann wieder kühler und schattig. Die Stechmücken machten nach wie vor ihre „Treibjagd“ auf uns, während die Schmetterlinge (wahrscheinlich wegen des Geruchs) vor uns Reißaus nahmen. „Irgendwie ergibt es nun mächtig Sinn, wieso die Apothekerin dir einen anderen Spray verkaufen wollte“, meinte ich an Gregi gewandt. Einige Gelsen nützten seine Abgelenktheit (er fotografierte gerade ein hübsches Blümchen). Wäre ich eine Lehrerin in der Gelsenschule, ich würde den Jungen beibringen: „Wartet, bis die Zweibeiner die Kameras vors Gesicht halten – dann könnt ihr attackieren!“ Doch diesen Unterricht brauchten unsere Gelsen nicht … die wussten das bereits.

Die Burgauer Bevölkerung hat eine lange Geschichte im Umgang mit Plagegeistern und Blutsaugern. Und damit meine ich jetzt keine Insekten. Geplagt wurden die Bauern der Grenzregion von den einfallenden Ungarn, Haiducken, Kuruzzen und Türken … und leider auch von der eigenen Herrschaft. Im 16. Jahrundert stand Burgau im Besitz der Familie Trauttmannsdorff. Und diese verlangten enorm viele Robotleistungen. Die Bauern legten Beschwerde ein … und bekamen nicht Recht.

Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass die Bauern (wenn sie schon so viele Leistungen für die Herrschaft erbringen mussten) von dieser wenigstens beschützt wurden, so ein Feind einfiel. Dem war leider nicht so. Bei den Ungarnzügen blieb das Schloss mit seinen festen Mauern und seinem Wassergraben unbeschädigt. Das Dorf wurde geplündert, und die Kirche in Brand gesetzt. 1529 kamen die Türken. Die Festung hielt stand – die Bevölkerung wurde von den Feinden getötet oder als Sklaven verschleppt. Danach war die Gegend beinahe menschenleer.

Nach den ungeliebten Trauttmannsdorffs kamen die Batthyánys, und wie mir scheint, war das ein Glück für die Bewohner von Burgau. Die erste Baumwollspinnerei der k. und k. Monarchie wurde gegründet. Der letzte private Besitzer des Schlosses war Ludwig Graf Batthyány, der wegen Hochverrats 1849 hingerichtet wurde (er war Premier im ersten Ministerium der ungarischen Revolution).

Doch zurück in die Gegenwart zu unserer Wanderung. Eben gingen wir durch den Wald. Orange Dickkopffalter konnten wir sehen und andere wunderbare Schmetterlinge, wie den Kaisermantel. Neben dem Weg im Straßengraben gab es Wasser. Die Frösche ließen sich eilig ins Nass plumpsen, sobald wir uns näherten. Und direkt am Straßenrand wuchsen Wegwarten, Johanniskraut, Disteln und Seifenkraut.

Ein kurzes Stückchen mussten wir auf Asphalt marschieren, dann konnten wir wieder in den nächsten Waldweg einbiegen. Entweder war der „gute Geruch“ des Insektensprays verflogen, oder es gab in diesem Waldabschnitt weniger Plagegeister. Jedenfalls hatte ich jetzt mehr Ruhe vor den Insekten. Der Waldweg führte bergab, und wir erreichten ein beeindruckendes Überschwemmungsgebiet. Scharen von Frösche flohen panisch über das Wasser, als sie uns bemerkten. Wir waren von diesem Fleckchen Natur so angetan, dass wir hier wahrscheinlich den vorgesehenen Wanderweg verloren. Über die Asphaltstraße kehrten wir in den Ort retour, ohne den Ziegelteich (das eigentliche Ziel unserer Wanderung) entdeckt zu haben. Egal – die Wanderrunde war trotzdem richtig toll und bot uns viele schöne Eindrücke.

Wir kamen bei der Kirche von Burgau an. Ein Kirchfest fand am Vorplatz statt, die Leute hatten es sich schon auf den Bierbänken gemütlich gemacht und studierten gerade die Speisekarten, während der Priester mit seinem Auto davonfuhr.

Über Treppen erreichten wir wieder das Schloss sowie das Bad und bedauerten aufrichtig, dass wir keine Schwimmkleidung eingepackt hatten. Das Bedauern war nur kurz … denn ein weiterer Höhepunkt des Ausflugs wartete noch auf uns: die wunderbare Erdäpfellasagne im „Hirschen“ (ein weiterer Grund für mich, immer wieder gerne nach Burgau zu fahren).

Im Innenhof des Gasthauses saßen wir im Schatten, genossen das Essen und nahmen uns vor, einen neuen Gelsenspray zu kaufen. Damit wir bei unserer nächsten Wanderung besser gerüstet wären.

 

 

Klimazukunftsweg Pöllau

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

9,7 km

200 HM

3 h

       

Die Wanderung beginnt im sehenswerten Schlosspark Pöllau. Wir gehen beim Parkcafé vorbei und verlassen die grüne Oase am oberen Ende (rechte Seite) in Richtung Rabenwald. Kurz geht es eine Asphaltstraße entlang (von hier gibt es eine wunderschöne Aussicht auf das Schloss Pöllau sowie auf die Pöllaubergkirche), dann folgen wir dem Wegweiser in Richtung Hinterbrühl.

Wir haben diese Wanderung schon drei Mal gemacht und jedes Mal hatten wir hier wunderbare Erlebnisse. Wir durften Rebhühner beobachten, wie sie Futter suchten, ich hatte einmal eine Tannenmeise vor der Kameralinse (leider unscharf) und Linda fotografierte ein keckes Eichhörnchen, das uns ganz interessiert beobachtete (aufgeregt naschte es dabei eine Nuss).

Hier gibt es einen Schaubienenstock, einen riesigen Wespenkrug (unter Glas), ein Labyrinth und einen erstklassigen Wald-Kinderspielplatz.

Wir wandern zwischen einem steinigen Bachlauf und einem künstlichen Wasserlauf (für eine Mühle) auf einem richtig idyllischen Wegerl zum Ort zurück, wo wir bei der Mühle die Straße erreichen. So. Jetzt sind wir am Punkt der Wanderung angelangt, wo wir bei der ersten Wanderung nicht recht wussten, wie weiter.

Am besten zuerst links abbiegen (nur ein ganz kurzes Stück der Straße), dann gleich auf der gegenüberliegenden Straßenseite in Richtung Schwimmbad einbiegen. Endlich gelangen wir zum Aupark, wo „Wegelagerer-Enten“ nur darauf warten, Wanderern zu begegnen. Hocherfreut läuft uns eine Junggesellenbande zu – offensichtlich erhoffen sie sich Futter. Da muss ich sie wohl enttäuschen. (Bitte kein Brot füttern, das ist für Enten schädlich!)

Nach dem Park kommen wir an einem Haus vorbei, das eine ganz tolle Filmkulisse für einen Gruselfilm abgeben würde. Überhaupt gibt es in Pöllau interessante Gebäude, ist es ja auch ein sehr alter Ort. Um 1140 erfolgte die Marktgründung durch die Herren von Stubenberg. Es gab hier auch eine Talburg, die durch Wassergräben gesichert war. Anfang des 16. Jahrhunderts zogen Mönche aus Vorau in die alte Wasserburg ein. Allerdings dürften sie befunden haben, dass eine Burg nicht unbedingt standesgemäß sei, daher wurde sie abgerissen. Heute bestaunen wir den wunderbaren barocken Stiftsbau, der nun allerdings Schloss genannt wird (das Stift wurde 1785 unter Kaiser Joseph II. aufgelassen).

Wir haben das Glück, am Tag des Denkmals 2023 einige Führungen im Schloss Pöllau mitzuerleben. Eine etwas gruselige Führung durch Kellerräume und Krypta, eine äußerst informative Führung durch die Schlossräume und eine durch das Museum Echophysics. (Es gibt hier faszinierende Geräte zu bestaunen. Fragt mich nur nicht, wozu genau diese dienten!)

Mein Tipp: Wenn 2024 das Schloss Pöllau wieder beim Tag des Denkmals teilnimmt, unbedingt besuchen!

Leider bin ich jetzt etwas abgeschweift. Also wieder zurück zu unserer Wanderung: Wir verlassen den Ort in Richtung Masenberg, überqueren den Kreisverkehr und streben dem Wald entgegen. Ein lieblicher Pfad leitet uns über den Hang eines Bergwaldes. Gregi und ich überlegen uns, ob wir eine Rast bei einem exponierten Bankerl, hoch über der Straße, einlegen sollen. Die Blätter rund um uns sind sehr üppig, doch erhaschen wir einen schönen Blick auf den Ort und das Stift.

Das Wegerl führt uns wieder runter zur Straße, diese müssen wir überqueren, ebenso die Saifen. Nach der Brücke geht es links weiter. Wir gehen vorbei an seltenen Baumarten, an einem uralten Bildstock und erreichen endlich wieder einen Wald.

Im Haidenwald steht ein Aussichtsturm, der einen tollen Blick auf die benachbarten Baumkronen bietet. Und jedes Mal hoffe ich, dass ich von diesem Turm aus ein tolles Foto von einem Piepmatz aufnehmen kann. Bis jetzt ist mir das noch nicht gelungen.

Auf der weiteren Strecke gibt es allerdings, so man im Spätsommer unterwegs ist, links und rechts des Weges verschiedene wunderbare Pilze und Schwammerl. Ob einige davon auch zu essen sind? Egal, die pittoresken Fliegenpilze halten wenigstens still, wenn ich mit der Kamera anrücke, im Gegensatz zu den gefiederten Genossen, die sich partout nicht fotografieren lassen wollten.

Nun geht der Pfad steil zum Bach runter, über ein Brückerl, dann kommt noch eine schweißtreibende Steigung. Im Obstgarten grast ein Esel und dann kommt die – meines Erachtens – schönste Aussicht der Wanderung. Der Ort Pöllau mit Stift und dahinter die Pöllaubergkirche. Wunderbar!

Nun sind wir nicht mehr zu halten, Gregi und ich. Nur mehr ein kurzes Stückchen, dann haben wir die Konditorei Ebner erreicht. Cappuccino und Torte für Gregi, Kaffee und Vanillekipferl für mich, und für zu Hause einen Lebkuchen. 

„Festungsweg“ – Fürstenfeld

 

 

Distanz

Stationen

Schwierigkeit

Rundweg

3,5 km

13

leicht

Start:

Fürstenfeld

Pfeilburg  

Von einer Fürstenfelder Wanderung habe ich schon einmal berichtet: „Sagenpfad und Motorikpark in Fürstenfeld“. Dazumal habe ich angekündigt, dass wir auch den Festungsweg beschreiben werden. Und dieses Versprechen löse ich jetzt ein.

Wir waren wieder einmal in der „Advent(markt)zeit“ unterwegs. Geparkt hatten wir wieder in der Nähe des Freibads, und über die steile Treppe und durch den Friedhof sind wir dann zur Altstadt marschiert. Der Festungsweg beginnt bei der Pfeilburg. Dort liegt auch ein Folder mit Informationen über diesen Stadtspaziergang auf. Auf dem Folder ist der Plan abgedruckt und eine zarte schwarze, strichlierte, sehr unscheinbare Linie zeigt, wie man gehen sollte. Ich bin leider manchmal etwas begriffsstutzig… Bei unserem Ausflug bin ich erst auf Höhe der Ungarbastei draufgekommen, dass es diese tolle schwarzstrichlierte Linie gibt, die den Weg anzeigt. Als ich das endlich begriffen hatte, fanden wir die restlichen Stationen des Lehrpfades wesentlich leichter. Denn mit meinen geliebten, gelben Wanderwegweisern kann diese Wanderung nicht aufwarten. Hin und wieder sieht man auf dem Weg das achtspitzige Kreuz des Johanniterordens, doch mit diesen Markierungen allein hätten wir die Route nie und nimmer gefunden.

Aber zurück zur Pfeilburg. Fürstenfeld hatte früher mehrere Burgen. Die älteste war das Schloss am Stein, das wir später noch sehen würden. Doch auch die Pfeilburg hat sehr alte Bauteile zu bieten. In ihr soll noch ein Wohnturm, welcher Bestandteil der mittelalterlichen Stadtmauer war, stecken. Schwarzturm heißt dieser mittelalterliche Wohnturm und hat seinen Namen entweder davon, dass er ausgebrannt und daher schwarz war, oder weil man in ihm einmal Schwarzpulver lagerte. Die Pfeilburg ist wunderbar renoviert, präsentiert sich im dunklen Anthrazit und beherbergt Museumsräumlichkeiten. Das Tabakmuseum (in der Pfeilburg war im 17. Jahrhundert eine Tabakfabrik) sowie das Kruzitürkenmuseum. Und da wir nun schon bei den Kuruzzen und den Türken sind … wir wollten ja dem Festungsweg folgen.

Wir durchquerten den Durchgang der Pfeilburg mit seinen Schaustücken und stiegen die Treppen hinauf zum „Kavalier“. Der Kavalier ist ein hoch aufgeschütteter Erdhaufen hinter der Pfeilburg, alte Obstbäume wuchsen auf ihm, und hier leben die mit Abstand fettesten Spatzen, die ich je gesehen habe. Von hier aus sieht man in den Festungsgraben, der heute sinnvoll als Spielplatz benutzt wird. Eine lange und tolle Rutsche schlängelt sich über den Hang des Kavaliers in den Graben.

Wir studierten die Schautafeln des Lehrweges und wurden – ehrlich gesagt – auch nicht unbedingt schlau daraus. Sie waren gespickt mit militärischen Begriffen, mit denen zumindest ich wenig anfangen konnte. Wir lasen, dass der Bereich, in dem uns gerade aufhielten, „Kavalier“ genannt wurde. Von einer „Katze“ las ich auch … und ich nahm schwer an, dass damit wahrscheinlich nicht die schwarze Katze gemeint war, die sich in meiner Nähe auf die Lauer gelegt hatte (wie gesagt, hier leben feiste Spatzen im Gebüsch).

Wollte ich nicht dumm sterben, müsste ich wohl mein Handy zu Rate ziehen. Dank Google weiß ich nun, dass eine „Katze“ eine erhöhte Schussstellung und der „Kavalier“ eine Geschützstellung ist, welcher alle umliegenden Festungsbauten deutlich überragt. Wieder was gelernt! Ob ich dieses Wissen je in meinem Leben nochmals brauchen werde, sei dahingestellt.

Wir gingen die Schleife zur Pfeilburg zurück und freuten uns am buckeligen Mauerwerk. Diesmal marschierten wir an der Treppe vorbei und folgten dem Asphaltweg, wobei wir (laut Schautafeln) zur „Kurtine“ gelangen sollten. (Kurtine ist laut Internet ein gerade geführter Wallabschnitt zwischen zwei Bastionen.) Womit die nächste Abfrage fällig wurde. Bastion würde auch Bastei heißen und wäre ein pfeilförmig vortretender Bauteil (gleich des Turmes einer Wehrmauer). Das war vor allem deswegen praktisch, weil man auf diese Weise sicher auf Angreifer schießen konnte, die versuchten, die Wehrmauer zu erklimmen. Dank meines klugen Handys kann ich mir jetzt ein bisschen vorstellen, wozu welcher Bauteil gut war. Gut, im Alltag braucht man dieses Wissen zum Glück nicht. Unser Haus kommt auch recht gut ohne Bastion, Wehrmauer und Wallgraben aus. Und ich bin auch recht froh darüber, dass unsere Nachbarn keinen Kavalier aufgeschüttet haben – obwohl sich unsere Katze darüber sicherlich gefreut hätte.

Die mittelalterliche Stadt, welche um 1215 ausgebaut wurde, war von einer Stadtmauer umgeben. Im 16. Jahrhundert war diese Wehranlage nicht mehr sicher genug. Vom Osten drohte immer wieder Gefahr, also wurde wieder „in die Hände gespukt“, und man zog eine Festung nach den Plänen des Tessiner Baumeisters Domenico dell’Allio auf. Oder zumindest eine Sparversion davon – denn das Geld war knapp. Wir erreichten die Ungarbastei mit Bunker und staunten nicht schlecht. So mächtig, wie sie vor uns stand, war ich überzeugt, dass an dieser Stelle sicherlich nicht gespart wurde.

Zwei Tore gab es in Fürstenfeld. Das noch bestehende Grazer Tor sowie das leider nicht mehr existierende Ungarntor. Hier befindet sich jetzt der Türkenbrunnen. Man schöpfte aus dem 26 Meter tiefen Brunnen nicht nur Wasser sondern man versteckte darin in Krisenzeiten auch Wertgegenstände. Nein, es zahlt sich heutzutage sicherlich nicht mehr aus, diesen Bereich mit dem Metalldetektor zu untersuchen – es sei denn, man hat auch einen Preßlufthammer im Gepäck, um den Asphalt aufzustemmen.

Über die Burgenlandstraße kamen wir zur Jugendherberge, marschierten ins Areal (links halten) und kamen auf eine Eisenbrücke. Die ATW-Brücke spannt sich sehr hoch über den Stadtgraben, ist 65 Meter lang und wurde in den 1880er-Jahren gebaut.

Nun lag die zweite Burg von Fürstenfeld vor uns: die Burg am Stein. Die landesfürstliche Burg wurde um 1170 zum Schutz vor den Magyaren gebaut. Man hatte einen geeigneten Platz ausgesucht, auf einer Geländestufe: 20 Meter über der Feistritz. Diese Burg sollte die Täler der Feistritz, Lafnitz (Grenzfluss), Rittschein, Safen und der Ilz schützen. Die Fürstenfelder haben nicht nur zwei Burgen – in beiden war (zuerst in der Pfeilburg, dann in der Burg am Stein) auch die Zigarettenfabrik untergebracht.

Wir marschierten runter zur Feistritz und durchschritten ein Eisentor (nicht auf die andere Uferseite wechseln). Dies war nun der meines Erachtens schönste und urtümlichste Wegabschnitt entlang des Flusses. Über eine Eisentreppe erreichten wir wieder die Altstadt und besuchten den stimmungsvollen Weihnachtsmarkt.

Über die Theatergasse und Santnergasse erreichten wir die Mühlbastei. Hätten wir an einer geführten Tour teilgenommen, hätten wir hier wahrscheinlich die Bunker besichtigen können. Der Grazer Platz (früher Grazer Vorstadt) war unser nächstes Ziel. 26 Häuser und das Schloss Falbenhaupt wurden im 17. Jahrhundert abgerissen, um die Stadt Fürstenfeld besser vor den Türken schützen zu können. Die Besitzer bekamen nur kärgliche Ablösen.

Durch das alte Grazer Tor schieben sich heute die Autos – besonders wenn in Fürstenfeld der Adventmarkt stattfindet. Wir gingen nicht durchs Tor. Der Weg führte wieder in den Graben, wo sich ein hübsches Biotop befindet. Über die Augustinerbastei erreichten wir wieder die Pfeilburg.

Zum Abschluss unseres Ausflugs besuchten wir „The Italian“. Da gab es einen Orangenkuchen, von dem Gregi noch wochenlang schwärmte.

„Sankt Johann – Hl. Grab – Kranzl – Geierwand“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

6 – 7 km

300 HM

2:45 h

Start:

St. Johann

Gemeindeamt  

Diese Wanderung ist ein Klassiker für uns Gleisdorfer. Wir müssen nicht weit fahren, es gibt tolle Gaststätten und Buschenschenken in der Nähe, wir durchwandern ein historisch interessantes Gebiet und die Aussicht ist einfach herrlich. So kam es, dass wir an einem sonnigen Jännertag wieder einmal die Idee hatten, die Geierwand zu besuchen.

Der erste Erlebnispunkt in Sankt Johann ist die Feistritzinsel nahe dem Gasthaus Pretterhofer. Bei der Mühle gibt es einen Steg auf die Insel. Von hier aus hat man einen tollen Blick auf unser erstes Wanderziel, die Pfarrkirche zum Heiligen Johannes dem Täufer.

Das gelbe Wanderschild würde uns eigentlich über die Straße bergauf leiten, wir entschlossen uns aber, der Feistritz auf dem Radweg ein Stückchen flussaufwärts zu folgen. Lose Eisstücke führte der Fluss mit, es gab viel Wasser – trotzdem schwammen hier zwei mutige Enten. Der Biber war auch hier aktiv, angenagte Bäume wurden vom Wasser umspült, irgendjemand hatte einen Draht über den Fluss gespannt, um ihn wie mit einem Lift überqueren zu können. Kurz vor der nächsten Brücke bogen wir ab, ein recht steiler Weg führte uns hoch zur Kirche und zum ehemaligen Kloster.

Alles sah sehr wehrhaft aus, die dicken Mauern mit den ungleich aussehenden, massiven Stützen. In früherer Zeit hatte es auf diesem Felssporn über der Feistritz einmal eine Burg gegeben – und noch viel, viel früher war das Feistritztal von Römern besiedelt worden. Von ihnen stammen die Römersteine, die nun in der Kirchenmauer eingemauert sind. Besonders beeindruckend fanden wir den Kampf zwischen Löwen und Kentauren. Weshalb das mythische Mischwesen das Löwenjunge verschleppt hatte, wussten wir nicht. Dass die Löwen ihr Junges nicht kampflos aufgeben würden, war mehr als verständlich, und wir hielten den großen Katzen die Daumen, dass sie ihr Kind wieder zurückbekämen.

Schon früh war in Sankt Johann eine romanische Kirche gebaut worden (um 1150). Längere Zeit hatte hier der Deutsche Ritterorden ein Kloster, das im 16. Jahrhundert durch die einfallenden Türken stark beschädigt wurde. 1652 erwarb Johann Maximilian von Herberstein die Liegenschaft. Er war Landeshauptmann der Steiermark und gründete im Ort das Augustiner Barfußkloster. Natürlich musste jetzt eine neuere und schönere Kirche gebaut werden – 1672 wurde sie eingeweiht. Die Predigt der Kirchweihe hielt Abraham a Sancta Clara, der zwischen 1670 und 1676 in St. Johann wohnte. Der wohl berühmteste Prediger der Barockzeit war für seine wortgewaltigen Auftritte bekannt, wobei er äußerst gerne gegen Hexen und Juden hetzte. 1820 war das Kloster aufgehoben worden. Seit 1982 ist das „Haus der Frauen“ in den Räumlichkeiten untergebracht.

Wir wanderten weiter hinauf durch das Dorf, ein Haus wirkte idyllischer als das andere, alle richtig liebevoll gepflegt. Bei der Rosalienkapelle mussten wir rechts abzweigen. Die heilige Rosalia ist eine Pestheilige. Die Kapelle wurde 1714 errichtet, als die letzte Pestepidemie überstanden war. Wir erreichten den Wald. Im Sommer würden hier der rote sowie der gelbe Fingerhut blühen – eine wunderbare und sehr giftige Pflanze. Endlich erreichten wir das Heilige Grab. Es sollte ein Nachbau vom sogenannten Heiligen Grabe von Jerusalem sein und wurde von Johann Maximilian von Herberstein in Auftrag gegeben. Die beiden Kapellen wurden erst im 18. Jahrhundert errichtet. Dazwischen steht eine Kreuzigungsgruppe. Dramatisch blicken die Figuren in den Himmel. Würden sie geradeaus blicken, könnten sie den Kulm sehen, der schon in prähistorischer Zeit besiedelt war. Vor diesem Ensemble gibt es eine Wiese mit mehreren Bankerln und seit Neuestem auch einen Getränkeautomaten.

Wir folgten dem Weg weiter bergauf und nun hatten wir einen besonders schönen Blick auf einen Weingarten, auf die oststeirischen Hügel – und mittendrin der markante Felsen mit der Riegersburg. Kurze Zeit gingen wir am Waldrand entlang und bogen dann rechts zum Kranzl ab. Das Kranzl ist meines Erachtens der spektakulärste Punkt der Wanderung und auch die Stelle, wo ich mich nur sehr vorsichtig weiterbewege (wenn Sie mit Kindern diesen Platz besuchen wollen, bitte sehr auf die Kleinen aufpassen). In Vogelperspektive sieht man auf das Schloss Herberstein, den wunderbaren Rosengarten, den neuen Aussichtsturm des Tierparks, wir betrachteten die Kirche von Sankt Johann von oben, ich entdeckte sogar das Schloss Schielleiten.

Wieder hinauf zum Waldrand, diesen entlang bis zu einer Hecke, dieser folgten wir und kamen bei der Ausfahrt eines Einfamilienhauses an. Die Gemeindestraße ging es dann kurz bergan (an Schafen vorbei und an wunderbaren Freilandhenderln), hinter einem Bauernhaus mussten wir wieder rechts abbiegen. Ein hübscher Weg führte uns um eine Kuppe, dann erreichten wir ein Hirschgehege. Jetzt folgte ein richtiger „Wadenbeißeranstieg“. Hat man diesen jedoch geschafft und die Geierwand erreicht, wird man durch einen tollen Ausblick belohnt. Die wieder aufgebaute Burg Neuhaus, der Rabenwald mit dem Talkumbergwerk, Stubenberg mit Schloss und See. Einfach herrlich! Da ich nicht gerade davon begeistert war, einen steinhart gefrorenen, halsbrecherisch steilen Wanderpfad nach unten zu gehen, wanderten wir ein Stückchen weiter, umrundeten quasi das Hirschgehege und kamen auf einer Asphaltstraße raus. Dieser folgten wir und kamen wieder heil bei den Henderln und Schafen raus. Diesmal waren auch unzählige Drosseln unterwegs und Gregi musste unbedingt einen Fotostopp einlegen. Bei der Einfahrt des Einfamilienhauses bogen wir wieder ein und gingen den bekannten Weg zurück.

Beim Landgut Riegerbauer verließen wir die Straße und marschierten über einen Wiesenweg bergab zum Gemeindeamt zurück. Nun hatten wir nur noch ein Problem zu lösen: Gasthaus Pretterhofer, in einen Buschenschank oder bei der Heimfahrt in das Café Morcherl?

PS: Eine kurze, aber sehr schöne und informative Wanderung ist der Weinlehrpfad Hoferberg von Siegersdorf aus zum Heiligen Grab. Er ist 2,9 km lang, es sind 117 Höhenmeter zu überwinden und man ist circa eine Stunde unterwegs. Ausgangspunkt ist der Buschenschank Eitljörg in Siegersdorf.

„Sagenpfad und Motorikpark“ – Fürstenfeld

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg:

6,3 km

32 HM

3 h

Start:

Fürstenfeld

Schwimmbad 

Normalerweise startet der Sagenpfad bei der Pfeilburg. Schön ist sie, diese Burg. Sie wurde um einen mittelalterlichen Wohnturm aus dem 13. Jh. errichtet, den Schwarzturm, der Teil der Ringmauer war. Die Form der Pfeilburg, wie sie jetzt vor uns steht, erhielt sie im 16. und 17. Jahrhundert. Im Laufe der Jahrhunderte hatte die Burg viele Funktionen. 1690 wurde sie eine Tabakfabrik, später war sie einmal eine Schule, dann eine Kaserne und noch später ein Kriegsgefangenenlager. Und in den 1970er-Jahren hätte sie abgerissen werden sollen. Zum Glück gab es da kluge und weitsichtige Personen in Fürstenfeld, die das verhinderten. Ein Museumsverein sowie die Stadt Fürstenfeld entschlossen sich, das alte geschichtsträchtige Gemäuer zu revitalisieren. Und darin wurde 1999 das Stadtmuseum von Fürstenfeld eingerichtet („Kruzitürken-Museum“, „Tabakmuseum“).

Der Wanderweg leitet weiter zur Augustinerkirche, durch das Stadttor – links runter zum Wallgraben, auf den Dreikreuzberg zum Campingplatz und in den Buchenwald.

Da es in Fürstenfeld eine zweite ganz tolle Wanderung gibt (den Festungsweg), der die Innenstadt auch beinhaltet (von dieser Wanderung werden wir ein andermal berichten), starteten wir die Wanderung zum Sagenpfad beim Parkplatz des Freizeitbades. Wir stiegen aus dem Auto und ein Schneesturm empfing uns. Binnen kürzester Zeit war ich klatschnass (trotz Schirm). Gut, den hatte ich hie und da weggelegt, gab es doch so tolle Fotomotive bei der Freizeitanlage (und ich habe eben nur zwei Hände). Gregi, der partout nicht verstehen wollte, was an diesem Schwimmbad so interessant wäre, belächelte mich nur. Klar auch – er war trocken geblieben. Trotz Schneegestöbers und inzwischen eiskalten Händen marschierten wir zu zweit heldenhaft in Richtung einer gespenstisch einsam wirkenden Campinganlage. Schnell an diesem saisonbedingten „Lost Place“ vorbei und hinein in den Buchenwald. Hier beginnt der Motorikpark mit seinen abenteuerlichen Stationen, hier findet sich auch eine Station des Sagenpfades (Wasserspielplatz).

Doch viel, viel interessanter fanden wir das Getümmel, das sich über unseren Köpfen in den Wipfeln der Bäume abspielte. Ein Buntspecht hämmerte voller Energie – der hohle Baumstamm war ein wunderbarer Klangkörper. Auf den hohen Fichten ernteten winzige Meisen irgendwelche Samen. Kopfüber hing da ein Federbällchen auf einem Ästchen und futterte etwas. Was für eine akrobatische Leistung! Wir sind zwar auch recht geübte Esser, doch kopfüber auf einem Ast hängend würden wir wohl kaum etwas runterkriegen.

Wir gingen die Feistritz entlang, links von uns erhob sich ein Hügel nach dem anderen. Hinter den sieben Bergen der Sagenpfad. Ob wir den Zwergen begegnen würden? Kurzer Abstieg in einen Graben, dann rauf auf den nächsten Hügel zur Energiepyramide. „Jetzt haben wir den Rilkeweg von Fürstenfeld erreicht“, bemerkte ich und hielt einen ordentlichen Respektabstand zur Abbruchlinie, unter der sich die Feistritz schlängelte. „War denn der Rilke mal in Fürstenfeld?“, wollte Gregi wissen. „Glaub nicht. Doch irgendwie erinnert mich das an Duino. Nur dass das Gewässer da unten nicht das Meer ist, sondern die Feistritz, und dass das hier keine Felsen sind, sondern … äh … Erde“, erklärte ich. „Schaut ganz anders aus“, stellte Gregi lapidar fest und betrachtete interessiert das „Graue Männlein am Kogel“, das mutig auf einer Wurzel thronte. Darunter nichts – mindestens 20 Meter bis zur Feistritz.

Wir gingen weiter und fühlten uns etwas beobachtet. Hatte sich bei diesem unwirtlichen Wetter noch jemand hinausgetraut? Riesige, giftig grüne Augen lugten über kleine Fichten zu uns rüber. Ein Waldtroll, weit ist sein Maul aufgerissen. Dieses mussten wir passieren, da wir den Klinserlpfad runterklettern wollten.

„Der Kerl hat bestimmt Mundgeruch. Ich werde da nicht durchgehen“, bemerkte ich. „Folgen wir weiter den Erlebnisstationen des Motorikparks.“ „Du traust dich da nicht runter“, entgegnete Gregi grinsend und beäugte den steilen Waldpfad (schneebedeckter Boden, dazu eine dicke Laubschicht). „Das auch“, gab ich zu, „und schau, da vorne gibt es zwei tolle Trichter!“

Wusste ich es doch! Gregi hatte auch keine Lust, diesen halsbrecherischen Pfad hinunterzuwandern. Schon war er bei den Holztrichtern. Begeistert kniete er auf der Bank zwischen den beiden Holzkunstwerken (auf der Bank lag Schnee!!) und sagte begeistert: „Jetzt sehe ich aus wie Shrek mit seinen Ohren. Mach ein Foto!“ Und ich machte ein Foto. Aber nicht von Gregi, der glaubte, wie ein Filmmonster auszusehen, sondern von einem hübschen Rehlein im Teenageralter. Dieser junge und sichtlich unerfahrene Waldbewohner beobachtete mich und überlegte angestrengt, wie er jetzt angemessen reagieren sollte. Sich hinter einem Baum verstecken (blöderweise ragte jedoch immer das Hinterteil hinter dem Stamm hervor) oder vielleicht doch weglaufen? Letztendlich trollte er sich – jedoch nicht allzu hastig. Bei dieser Wanderung kehrten wir nach Fürstenfeld zurück, um den wahrlich interessanten Adventmarkt zu besuchen.

Bei einer früheren Wanderung waren wir den Klinserlpfad nach unten gegangen und hatten auf dem weiteren Sagenpfad noch ganz bezaubernde Sagenwesen entdeckt. Nicht entdeckt hatten wir jedoch die kupferzeitliche Siedlung, die sich im Buchenwald befunden haben soll. Aber egal, die Wegführung hier – so hoch über der Feistritz – ist einfach prächtig. (Und egal, was Gregi auch sagt, sie sieht doch ein klein bisschen aus wie der „Rilkeweg“).

Altenmarkt (die Endstation des Sagenpfades) trägt seinen Namen nicht umsonst, immerhin war es früher eine Römersiedlung. Die vom Johanniterorden gegründete Pfarrkirche zum Hl. Donatus hat es auch in sich. 1986 war die Kirche renoviert worden und man hatte (unter zwölf Farb- und Putzschichten) alte Fresken aus dem 13. Jahrhundert gefunden.

Die Fresken konnten wir nicht besichtigen, hatten wir es doch eilig. Bald würde es dunkel werden und wir mussten nach Fürstenfeld zurück. Wir hatten Glück, über den Feldweg kamen wir rasch vorwärts, denn unsere Umgebung war jetzt nicht mehr ganz so lieblich wie im Buchenwald. Einen kurzen Fotostopp gab es trotzdem noch (bei einer Teichanlage).

Es war bereits finster, als wir in Fürstenfeld ankamen. Das Auto stand noch immer beim Badparkplatz und wir wollten die Konditorei Ulreich am Hauptplatz besuchen. Sollten wir das Auto starten? Oder sollten wir noch die steile Stufe hinaufsteigen und direkt durch den nächtlichen Friedhof in die Stadt gehen? Aber das ist eine ganz andere Geschichte …

www.sagenpfad.at.

„Heilbründl-Runde“ – Grafendorf bei Hartberg

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

13,82 km

173 HM

4 h

Start:

Grafendorf

Kirche  

Im Freien war es heiß, so um die 30 Grad Celsius, und vernünftigerweise würde man sich bei diesen Temperaturen ins kühle Haus zurückziehen oder ins Schwimmbad gehen. Gut, die Berge gäbe es auch noch … doch wir hatten da andere Ideen. Wir wollten das „Formbacherland“ entdecken und hatten uns im Internet schon mal klug gemacht. Da gäbe es die 3-Schlösser-Wanderung, die sich zwar total interessant anhörte, aber uns mit ihren 21,7 km doch zu anstrengend vorkam. Den Weg von der idyllischen St. Prankraz Kapelle auf den Masenberg kannten wir bereits (eine tolle Wanderung). Wir googelten weiter und kamen schließlich zur „Heilbründl-Rundwanderung“, welche mit 13,82 Kilometern machbar wäre.

Voller Erwartungen stiegen wir ins Auto, fuhren nach Grafendorf (wo wir im Zentrum parkten) und sahen dort sehr, sehr viele Oldtimer herumflitzen. Alte Mopeds, alte Traktoren, alte Autos … Nostalgie pur. Das Oldtimertreffen wäre bestimmt sehr interessant – aber wir wollten noch Älteres sehen. Römersteine zum Beispiel oder Hügelgräber oder ein hübsches altes Schloss.

Also marschierten wir fest entschlossen am Festgelände vorbei, nicht jedoch, ohne uns vorher ein leckeres Tüteneis zu gönnen. Noch im Seibersdorfer Wohngebiet sahen wir dann das erste „Bründl“ der Heilbründl-Rundwanderung: das Hammerwaldbründl. Ein Auto parkte daneben, ein Mann stand mit zwei Kisten und ganz vielen leeren Wasserflaschen beim Brunnen und befüllte geduldig eine Flasche nach der anderen. „Das beste Wasser für die Kaffeemaschine. Da schmeckt der Kaffee besonders gut“, erklärte er uns, während aus dem benachbarten Haus eine Frau auf den Platz zusteuerte. Auch sie war mit vier leeren Wasserflaschen ausgerüstet. Das Wasser dieses Bründls hat einen sehr niedrigen Härtegrad. Hoffentlich erfährt meine geliebte Filterkaffeemaschine nicht, wie andere Leute ihre Kaffeezubereitungsgeräte verwöhnen.

Weiter ging es neben dem Bach, und dann sahen wir es: das echte Heilbründl mit seinem schön geschnitzten Brunnenaufbau. (Das Gesicht eines Wassergeistes grinste uns an.) Und obwohl dieses Gesicht sehr freundlich aussah, gab es hier keine Leute, die Wasser aus dieser Quelle holten. Das Nass floss ungehindert in den Bach ab. Wir folgten dem Wanderweg weiter und kamen zum ersten Brücklein. Hier in der Schlucht war es noch schattig und angenehm, doch hoch über uns in den Baumkronen brannte bereits die Sonne auf die Blätter. Schlanke Schatten konnten wir hinter dem hell erleuchteten Laub erkennen, kleine Köpfchen lugten über den Blatträndern zu uns herunter. Die Prachtlibellen fühlten sich da oben in der Sonne ausgesprochen wohl. Sobald sie losflogen, schillerten ihre Flügel in metallischem Blau.

Besonders interessant sind die vielen Informationstafeln, die von Geschichten und der Geschichte dieser Gegend berichten. Zum Beispiel auch über ein schlimmes Ereignis: dem Fememord. Zur Kurruzzenzeit wurden die Bauern zum Grenzdienst eingeteilt, während die herrschaftlichen Familien nach Graz flohen. Als Wolf Dietrich von Wurmbrand den Kurruzzen „Brandgeld“ zahlte, um von weiteren Zerstörungen verschont zu werden, interpretierten die Bauern das leider falsch und glaubten an eine Verschwörung. So kam es, dass man ihn am 7. August 1704 ermordete.

Aber auch weitaus angenehmere Geschichten kann man auf diesen Tafeln lesen: Zum Beispiel die Sage vom Masenberg, der angeblich hohl und mit Wasser gefüllt sein sollte. Im Grunde geht die Sage so: Einige (meines Erachtens sehr hinterhältige) Bauern fingen einen Zwerg (ein kleines, hilfloses Wesen). Von Gier getrieben, forderten sie in Mafiamanier von ihm Lösegeld. Der Zwerg war jedoch listiger (klüger) als die Wegelagerer und konnte entkommen – drohend, die Gegend überschwemmen zu lassen. Hohl ist der Masenberg wohl nicht. Aber wenn man bedenkt, wie viele Erdställe es im nicht allzu weit entfernten Vorau gibt – vielleicht ist da doch etwas Wahres dran, an der Zwergengeschichte?

Wer in Grafendorf bei Hartberg in die Erde gräbt, kann interessante Entdeckungen machen. Diese Gegend ist schon sehr, sehr lange besiedelt (auch wenn zwischendurch die Bevölkerungsdichte sehr schwankte). Daher stößt man immer wieder auf Überreste vergangener Epochen.

Wie zum Beispiel der Römerstein, der entdeckt wurde, als 1995 im Innenhof eines privaten Anwesens gegraben wurde. Ein weißer Pflasterstein wurde angehoben … und siehe da, auf dessen Unterseite befanden sich römische Inschriften. (Dieser Stein steht jetzt vor der Kirche in Grafendorf.)

Ein Jahr später machte man den nächsten sensationellen Fund. Im Lebenfeld wollte eine Familie ein Eigenheim errichten. Bei den Aushubarbeiten stieß man auf Mauern. Uralte Mauern, die zu einer römerzeitlichen Villa Rustica gehörten. Ein weiterer römerzeitlicher Gutshof wurde mittels geophysikalischer Prospektion entdeckt.

Doch schon vor den Römern war die Gegend besiedelt, eine Axt aus der Kupferzeit, ein Dolch und Keramik aus der Bronzezeit wurden gefunden. Der Ringkogel mit seiner ehemaligen keltischen Festung ist ja auch nicht allzu weit weg.

Wir gingen am Waldhof Mara vorbei, überquerten die Straße, marschierten auf einem Wiesenweg (wunderbare Aussicht auf den Masenberg und die Sankt Pankraz Kapelle), dann erreichten wir eine weitere Asphaltstraße, von welcher aus wir rechts abbogen. Nach einer Brücke führte der Wanderweg den Bach entlang.

Wir waren ins Reich der Schmetterlinge gelangt. Sogar einen Schwalbenschwanz konnten wir entdecken. Es reichen schon ein natürlicher Bachlauf mit Bäumen am Ufer, eine ungemähte Naturwiese sowie einige alte Obstbäume, und schon hat man eine enorme Artenvielfalt. Eine Treppe ging es dann bergauf, an einem Rain entlang, und dann erreichten wir die römerzeitlichen Hügelgräber. Wieder ging es durch einen Wald, dann am Waldrand entlang, bis wir zu den ersten Häusern kamen. An dieser Stelle verirrten wir uns und mussten umkehren. Bitte rechts abbiegen in Richtung Dorf. Wir mussten nicht lange auf der Asphaltstraße gehen, dann kam die Abzweigung nach links zum Fischteich. Hier hoppelten niedliche Kaninchen frei herum. Zwei Pfaue hockten auf einem Holzstoß im Wald. Wieder kamen wir zu einer Brücke. Auf ihr lag noch das Geröll des letzten Hochwassers.

Zwischendurch trafen wir dann eine ganz seltene Spezies: andere Wanderer. Eigentlich waren wir es schon gewohnt, bei dieser Hitze niemandem zu begegnen. Doch an diesem Tag trafen wir ein nettes Paar, welches sich den 60er-Roas-Wanderweg ansehen wollte.

Bald schon lag das Schloss Kirchberg vor uns. Seit 1925 ist im Schloss eine Landwirtschaftsschule untergebracht, anfangs wurden hier ganze neun Schüler unterrichtet. Das Schloss Kirchberg war früher einmal eine Ritterburg, die 1130 durch Graf Ekbert II. von Formbach-Pitten errichtet wurde.

Grafendorf und Kirchberg am Walde liegen im Lafnitztal – und die Lafnitz war seit 1043 eine Grenze. Eine gefährliche noch dazu. Die Siedler (u. a. Awaren, Slawen) hielten sich hier nicht lange, und im 12. Jahrhundert versuchte man wieder, Menschen in der Gegend anzusiedeln. Diesmal waren es deutsche Siedler. Die Grafen von Formbach-Pitten stammten ursprünglich aus Bayern. Graf Ekbert II. von Formbach-Pitten zog 1158 mit Friedrich Barbarossa in den Krieg. Er fiel beim Sturm auf Mailand. Doch zuvor hatte er ein Testament gemacht, und so kam das Gebiet von Grafendorf in den Besitz des deutschen Klosters Formbach.

Das Schloss Kirchberg kann man von außen besichtigen. Es gibt einen Schaugarten, der terrassenartig über dem Lafnitztal liegt und eine wunderbare Aussicht bietet. Den ehemaligen Burggraben kann man heute begehen. Wir umrundeten das Schloss und das Internatsgebäude, bewunderten die neue gläserne Brücke über den Burggraben (was für ein besonderer Schulweg!) und marschierten schließlich an den Ställen vorbei in Richtung Allee, welche wir nun durchschritten, um nach Grafendorf zurückzugelangen.

Wir hatten an diesem heißen Tag die Wanderung abgekürzt. Laut Schrittzähler hatte ich ohnehin schon 19.000 Schritte gemacht. Über das Kirchberger Kreuz kamen wir nach Grafendorf zurück, wo wir uns noch den Kirchvorplatz mit seinen Römersteinen ansahen. In die Kreuzkapelle gingen wir nicht, da uns eine Aufbahrung daran hinderte. In ihr sollte es Fresken von Johann Cyriak Hackhofer geben, den originellen Stiftsmaler von Vorau, der auch die Festenburg so beeindruckend ausgeschmückt hat. Stattdessen bewunderten wir den artesischen Brunnen, der 1894 errichtet worden war. Hier holten einst die Schulkinder ihr Trinkwasser. Plastikflaschen gab es dazumal noch keine, kein Cola, keinen Almdudler und auch kein Dreh und Trink.

Der Brunnen plätscherte ruhig vor sich hin, und wir waren auch durstig geworden. Also beschlossen wir, das Kaffee MeLounge zu besuchen. (Eine sehr gute Wahl, der Kaffee schmeckte ausgezeichnet.)

Eine Woche später wollten wir die Runde dann vollenden … bei sehr, sehr heißem Wetter. Am Nachmittag sollte irgendwann Regen kommen – am späten Nachmittag gegen Abend, nahmen wir an. Wir waren optimistisch. Außerdem wussten wir inzwischen, wo wir das Auto am Parkplatz hinstellen mussten, um nachmittags optimalen Schatten zu haben. Vom Grafendorfer Zentrum aus steuerten wir Schloss Kirchberg zu. Wieder durch diese wunderbare Allee. Es wäre nicht schlecht, wenn wir wieder damit beginnen würden, links und rechts der Straßen Bäume zu setzen. Wir kamen erneut bei den glücklichen Hühnern und dem mobilen Hühnerstall vorbei. Das Federvieh war richtig tiefenentspannt. Tiefe, langgezogene Töne gaben sie von sich – richtig meditativ.

Zielstrebig marschierten wir am Schloss vorbei. Gut, bei einem blühenden Sommerflieder hielten wir und bewunderten die Schmetterlinge. Ein Admiral dinierte vorzüglich und ließ sich dabei fotografieren. Dieses Mal waren wir es, die zuerst die Geduld verloren und das Fotoshooting aufgaben. Wenn die Sonne auf einen herunterbrennt, hat man keine Nerven, lange auf dem Asphalt zu stehen und Fotos zu schießen. Also gingen wir weiter und sahen ein hübsches Häuschen – eine Kombination von Mauern und Holz. Davor surrte es gewaltig. Dann sahen wir die Ausflugschlitze im Holz: ein Bienenhaus der Extraklasse.

Gleich nach dem Bienenhaus führte uns der Wanderweg rechts hinab in eine Schlucht. Wie angenehm doch ein Wald ist. Ein reizender Wasserfall, dann steile Stufen bergauf und dann eine Bank für eine Trinkpause. Wir mussten die „Himmelsleiter“ erklimmen, und dann kamen wir zu den richtig großartigen Tafeln, welche uns den Bauernhimmel mit seinen nützlichen Heiligen auf recht bodenständiger Art erklären. Herrlich.

Das nächste Ziel war der Ort „Reibersdorf“. Hier hatten wir uns leider beim Weg geirrt und waren vorerst mal durch das hübsche Dorf marschiert. „Reibersdorf“ und „Seibersdorf“ liegen beide direkt neben Grafendorf. Wir sinnierten, ob es hier auch noch ein Leibersdorf oder ein Kleibersdorf oder ähnliche Ortsnamen geben könnte. Nebenbei betrachten wir die hübschen alten Kellerstöckl, die nun teils als Garagen dienen. Am Ende des Dorfes stand ein Marterl. Dort zogen wir die Wanderkarte zurate und kehrten wieder um. Also den ganzen Ort wieder zurück, bis zum Wiesenweg, wo wir von der Himmelsstiege rausgekommen waren. Dann die Asphaltstraße bergab, die zum Glück durch den Wald führte. Bei der Kreuzung stand ein Schild, welches uns darauf hinwies, dass man nur bis zu einem bestimmten Anwesen kommen konnte.  Doch wir waren ja zu Fuß unterwegs, und dieser Hinweis würde ja nur die Autofahrer betreffen … dachten wir.

Der Wanderweg führte uns den Bach entlang. Hier musste es vor nicht allzu langer Zeit ein richtig arges Hochwasser gegeben haben. Riesige Sandhaufen waren neben dem Bach aufgetürmt, und wir wunderten uns, wo das Material hergekommen sein konnte. Und dann kam das erste Problem. „An dieser Stelle müsste es eigentlich eine Brücke geben“, bemerkte ich. „Der Bach ist seicht, es hat 30 Grad Celsius … wir waten durch den Bach“, beschlossen wir und entledigten uns der Wanderschuhe.

Auf der anderen Bachseite wieder Socken und Schuhe an und weiter. Doch nicht allzu weit, die nächste nicht vorhandene Brücke. Vorhanden war sie schon – jedoch spannte sie sich nicht über das Gewässer sondern lag am Rand der Wiese. Ich setzte mich auf die Brücke und konnte somit ganz bequem die Schuhe wieder ausziehen – wieder durch den Bach – Schuhe an und weiter durch den Wald. Bis zur nächsten nicht mehr vorhandenen Brücke. Nur da war die Böschung leider zu steil, um runterzuklettern. Wieder einmal kehrten wir um, suchten eine Stelle, an der wir in den Bach gelangen konnten, und dann marschierten wir längere Zeit im Wasser. Es war fast wie ein Badetag.

Endlich waren wir wieder auf dem regulären Wanderweg bei einer kleinen Siedlung. Asphaltstraße. Also keine Bachwanderungen mehr. Ein Blick zurück mahnte uns dafür zu Eile. Dunkle Wolken bauten sich bedrohlich auf. Auch diesmal würden wir den Heilbründlweg nicht fertig erkunden können. Unter der Bahnbrücke hindurch stiegen wir rasch den Hügel bergauf, an der Backhendlstation Heschl vorbei bis zum Hügelgrat. Beim Abstieg nach Grafendorf schüttete es wie aus Eimern. Auf der Asphaltstraße war eigentlich nicht weniger Wasser als im Bach. Platschnass kamen wir in Grafendorf an. Blitz und Donner ließen unser Tempo gewaltig beschleunigen. Wenigstens war es nun nicht mehr heiß.

Bei der Heimfahrt mussten wir die Heizung einschalten. Mit einer durchschnittlichen Fahrtgeschwindigkeit von zirka 50 km/h fuhren wir bei einem fürchterlichen Unwetter nach Hause.

„Erzherzog-Johann-Weg Rundweg Nr. 8“ – Vorau

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

7,34 km

156 HM

2:30 h

Start:

Vorau Stift  

Nach Vorau zieht es uns immer wieder. In Vorau gibt es ein beeindruckendes Stift (das als das turmreichste Kloster in Österreich gilt), und auch das liebevoll gestaltete Freilichtmuseum möchte ich erwähnen. Aber am geheimnisvollsten sind die vielen mystischen Erdställe, deren Errichtung und Zweck nach wie vor im Dunkeln liegen. Mögen die Wissenschaftler weiter rätseln, für mich steht fest, dass sich in Vorau eine Berufsschule für Zwerge befunden haben muss.
Wenn man von den Erdställen berichtet, darf man natürlich die tollen Lochsteine nicht vergessen (den Lochsteinwanderweg kann ich auch wärmstens empfehlen). Doch selbst wenn all diese interessanten Highlights (die ich gerade erwähnt habe) nicht wären, würde die idyllische Gegend zwischen Wechselmassiv und Masenberg immer noch genug Reize haben, um sie immer wieder gerne zu besuchen.
Der Wanderweg Nr. 8 startet beim Stiftsparkplatz. Mächtige alte Bäume sorgen für ein angenehmes Klima und sehen dazu noch herrlich aus. Wir gingen links an der klösterlichen Anlage vorbei. Die alte Wehrmauer rund um das Augustiner-Chorherrenstift bietet den Vögeln so manche Bruthöhle. Die alten Obstbäume, die davor wachsen, gefallen den Piepmatzen auch besonders gut, und so herrschte reges Treiben neben den geweihten Gemäuern. Wir wanderten stets bergab und blickten immer wieder gerne zurück. Schön ist sie, diese turmreiche Klosteranlage.
Plötzlich hörten wir in der Hecke neben uns hektische Kampfgeräusche. Zwei Goldammermännchen rauften im Flug. Goldammern sind seltene Vögel (sie sind Wiesenbrüter und haben nur selten ein geeignetes Habitat). Sie einmal zu sehen, ist schon eine Freude. Sie jedoch dabei zu beobachten, wie sie sich in der Luft gegenseitig mit ihren Flügeln verhauen, war schon ein ganz seltenes Erlebnis. Zum Glück gab es bei dieser Auseinandersetzung keine Verletzten.
Einige Meter weiter weideten Lamas. Diese Tiere gab es in Vorau sicherlich noch nicht, als man dieses Augustiner-Chorherrenstift im 12. Jahrhundert gründete. Stifter war der Traungauer Markgraf Otakar III. Das Mutterkloster war Seckau. Ursprünglich waren sicher Rodungsarbeiten wichtig, doch schon bald wurde ein Skriptorium (Schreibschule) eingerichtet. Die Bibliothek von Vorau ist riesig und kann mit ganz außergewöhnlichen Schriften aufwarten. Zu den größten Schätzen gehören die Schriften von „Frau Ava“ (lebte wahrscheinlich von 1060 bis 1127 in Melk oder Göttweig). Sie ist die erste namentlich bekannte Dichterin im deutschsprachigen Raum. Als Frau im 11. bzw. 12. Jahrhundert des Schreibens mächtig zu sein, war schon sehr außergewöhnlich. Noch dazu, wo sie nicht einmal eine Nonne war. Ihre religiösen Texte verfasste sie nicht in Latein, sondern in Frühmittelhochdeutsch. Ihr wurde in Vorau zu Recht ein Literaturpfad gewidmet.
Im 15. Jahrhundert drängten Türken in die Grenzregion, und das Stift wurde zu einer wahren Klosterburg ausgebaut. Im 16. Jahrhundert wäre es dann fast mit dem klösterlichen Leben vorbei gewesen. 1542 gab es im Vorauer Stift nur einen einzigen Personaleintrag. Wie sich das Stift danach wieder erholen konnte, weiß ich nicht. Zu Höchstform kam es allerdings im 17. Jahrhundert. Da erhielt es mehr oder weniger das Aussehen, wie wir es heute noch bewundern dürfen: Hochbarock der allerfeinsten Art. Eine Führung ist sehr zu empfehlen. Ich kann mich noch erinnern, als wir in der Volksschule mit den ehrwürdigen Dominikaner-Schwestern das Stift besichtigten. Wir Kinder standen in der Sakristei und besahen das berühmte Bild „Höllensturz“ von Cyriak Hackhofer. Es war richtig gruselig. Der Frosch, der ein Herz (welches in der Geldtruhe lag) verspeiste, blieb mir bestens in Erinnerung.
Weniger gruselig war der nächste Teil der Wanderung … der Brühl. Ob am Hartberger Ringkogel, in Pöllau oder eben in Vorau – sobald ein Ortsteil „Brühl“ heißt, handelt es sich um einen künstlich angelegten, besonders idyllischen Bachlauf mit einem Gehweg daneben. In Vorau geht man zwischen dem seichten, beschaulichen Bächlein, welches wohl mal eine Mühle zur Energiegewinnung diente, und dem steinigen Voraubach. Wir genossen die herrliche Frische an dem heißen Sommertag.
Schließlich überquerten wir den Voraubach und stiegen einen Wald bergan (hier führt auch der Waldlehrpfad entlang). Wir waren im Reich der Pilze und Schwammerln gelandet. Hoch aufgewachsen stand ein Prachtexemplar eines Parasols vor mir, viele kleine gelbe Eierschwammerl lugten vorsichtig ins Freie. Und dann der Höhepunkt: Gregor fand einen richtig schönen Steinpilz. Ich nehme mal an, dass er beim Weitergehen schon von einer guten Steinpilzsuppe mit Einbrenn geträumt hat … und ja, am nächsten Tag hat er dann auch eine bekommen (leider mit kleinen Mehlklumpen – da muss ich wohl noch ein bisschen üben). Doch seit meinem letzten Pilzgericht mit selbst gesammelten Schwammerln habe ich schon sehr viel gelernt … zum Beispiel, dass man keine Gallenröhrlinge ins Gericht geben sollte.
Wir erreichten eine große Wiese mit hohem Gras und einen Trampelpfad, der uns zur Erzherzog-Johann-Höhe führte. Von der Aussichtsplattform mit Fernrohr konnten wir in Richtung Wechsel gucken, davor der Ort Vorau, zwischen Berg und Dorf verschiedene Felder. Ein herrlicher Fleckerlteppich. Das Gedenkkreuz auf der Erzherzog-Johann-Höhe erinnerte an die schreckliche Kriegszeit und an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. 1940 wurde das Stift enteignet, in der „Burg Vorau“ wurde eine Parteischule eingerichtet. Vorau wurde heftig umkämpft. 1945 musste ein ganz schlimmes Jahr gewesen sein. Am 16. April eroberten die Russen den Ort, am 23. April wurde er von den Deutschen zurückerobert, am 8. Mai war er wieder von Russen besetzt. Ich möchte mir nicht vorstellen, was die Bevölkerung da alles durchgemacht hat.
Tiere sind nicht so grausam wie Menschen, besonders Schmetterlinge nicht. Beim Weitergehen entdeckten wir einen besonders hübschen Zitronenfalter. Wir gingen an einer Weide vorbei und kamen zu einer Asphaltstraße. Achtung: Auch wenn das Schild in Richtung Wiesenweg zeigt – der Weg Nr. 8 geht die Asphaltstraße bergab. Und auch beim Gehen auf dem asphaltierten Gemeindeweg konnten wir vieles entdecken: einen Neuntöter in der Hecke, einen Lochstein am Wegrand und eine hübsche Kapelle. Ein Schotterweg führte in den Wald. Weg Nr. 8 zweigte von diesem Schotterweg ab. Wir kamen auf einen Hohlweg, der links und rechts mit Heidelbeerbüschen (samt Beeren) gesäumt war. Und immer wieder wuchsen Eierschwammerln direkt auf dem Weg. Leider endete dieser Wanderweg an einer kaputten Brücke, die durch das Hochwasser im Juni 2024 zerstört worden war. Wir waren gezwungen, umzudrehen. Daher unser Tipp: Den Schotterweg (Augustinerweg) weiter folgen – so kommt man sicher wieder zum Stift zurück.
Im Stiftshof kann man bequem unter alten Bäumen sitzen und sich kulinarisch verwöhnen lassen. Wir haben jedenfalls sehr gut gespeist.
An Führungen nahmen wir nach dieser Wanderung leider nicht mehr teil (es war ein extrem heißer Tag und wir waren müde und verschwitzt). Daher entschlossen wir uns, die Sakristei sowie die Bibliothek ein andermal zu besichtigen.
Infos zur Stiftsführung: www.stift-vorau.at
Infos zu Exkursionen in die mysteriöse Tunnelwelt von Vorau vom Verein „Sub Terra Vorau“: www.subterravorau.at
Das Heimatmuseum Vorau hat täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet (Stand 2024).

„Vogelthemenweg“ – Pöllauer Tal

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

13 km

310 HM

3:30

       

Zwischen den Winzendorfer Teichen und Pöllau, direkt beim Reisebüro Retter, links abbiegen – beim Platzl am Bach beginnt die Wanderung.

Der Vogelthemenweg im Pöllauer Tal wurde 2021 neugestaltet, und ich muss gleich ein ganz großes Lob aussprechen: Den Pöllauern ist da wirklich etwas Tolles gelungen. Wir waren sowohl von der Wegführung als auch von den Schautafeln sehr begeistert.

Das Pöllauer Tal ist ein Naturpark – und ein sehr interessanter noch dazu, mit einer enormen Artenvielfalt. Im Jahr 2005 wollte man es genauer wissen, was so alles in diesem idyllischen Tal kreucht und fleucht. Sorgsam zählte man und stellte fest, dass 925 Pflanzenarten und 453 Tierarten in dieser Gegend heimisch waren.

Begünstigt wird diese unglaubliche Vielfalt sicherlich von den 16 km Baum- und Strauchhecken des Naturparks. Sie sehen nicht nur wunderbar aus, sondern bieten den Tieren auch ein behagliches Zuhause. Dazu kommt, dass in diesem Tal das warme illyrisch-pannonische Klima auf das Mittelgebirgsklima trifft. Ja, und dann gibt es noch diese wertvollen alten Streuobstwiesen, die von vielen Tieren sehr geschätzt werden.

Auch an der Pöllauer Safen gibt es Büsche und Bäume, und die erste Wegstrecke der Wanderung führt entlang diesem naturbelassenen Gewässer. Wir waren im Juli unterwegs, es war ein heißer Tag, und wir freuten uns, dass uns die Büsche Schatten spendeten.

Immer wieder konnte man zum Fluss gelangen – sauberes Wasser, Steine… Ich hoffte aufrichtig, eine Bachstelze zu entdecken. Über unseren Köpfen im Dickicht aus Laub und Zweigen hörten wir unzählige Vögel zwitschern. Hin und wieder flog ein Piepmatz über unsere Köpfe hinweg. Doch Vögel können sich im Laub sehr gut verstecken, daher konzentrierten wir uns mehr auf die Insekten und Schmetterlinge, die sich bei den unzähligen Blüten tummelten.

Einige Insekten wiederum konzentrierten sich hauptsächlich auf uns, was wir weniger toll fanden. „Elf zu zwei“, hörte ich neben mir Gregi murmeln, als wir gerade direkt neben dem Fluss auf den Kieselsteinen standen und ins Wasser sahen. „Was ist elf zu zwei?“, erkundigte ich mich interessiert. Interessiert daher, weil wir unterwegs waren und ich mir sicher sein konnte, dass es sich nicht um die von mir so ungeliebte Europameisterschaft handeln konnte. „Elf erlegte Bremsen gegen zwei erlegte Gelsen“, erklärte Gregi und kratzte sich am Unterarm.

Wieder eine Brücke, alte Obstbäume, dann gingen wir an einem Freiland-Geflügelhof und einer sehr belebten Hecke vorbei. Ein Schild klärte uns darüber auf, wie sehr Vögel Hecken liebten. Das muntere Treiben der gefiederten Kerlchen rund um das Buschwerk bewies den Wahrheitsgehalt. Schließlich querten wir die Asphaltstraße und kamen wieder in den Wald. Diesmal ging es neben einer Pferdeweide vorbei… „Achzehn zu vier“.

Wir schnauften im schattigen Wald den Weg bergauf und hörten nur noch wildes Summen neben unseren Ohren. „Lass mich nicht vergessen, einen Insektenspray auf dem Einkaufszettel zu notieren“, forderte ich Gregi auf, der neben mir eine neue Version des ursteirischen Schuhplattelns aufführte.

Wir hatten die obere Kuppe des Hügels erreicht und wurden mit einem wunderbaren Blick auf Pöllauberg belohnt. Der Wanderweg führte neben der Volksschule vorbei, hinein in den nächsten Wald und steil bergab, bis zu einem Bach… „21:3“.

Ein weiterer Anstieg stand uns bevor, an einem Bauernhaus vorbei. Alte, schöne, hochstämmige Obstbäume wuchsen hier. Wiesen mit Blumen, und die Aussicht war noch schöner als von der Volksschule aus. Nachdem wir einen weiteren Wald durchquert hatten, kamen wir zum nächsten Bauernhaus. Ein gigantisch großer Mostbirnenbaum wuchs hier. Verblüffend, wie groß Obstbäume werden können. Die hier lebende Bäuerin muss über einen grünen Daumen verfügen – überall auf dem Grundstück wuchsen wunderbar duftende Rosen.

Wir kamen wieder auf eine schmale Asphaltstraße. Ein Bankerl mit einem gigantischen Panoramablick lud zum Verweilen ein. Gegenüber – auf der anderen Talseite – lag die idyllische Kirche Sankt Anna, weiter links davon war Pöllauberg mit dem riesigen gotischen Gotteshaus, dahinter der Masenberg… noch weiter links im Tal der Ort Pöllau mit den mächtigen Kuppen der Klosterkirche. Und dahinter konnten wir die „Wildwiese“ mit der „Wildwiesenwarte“ ausmachen. Auf der Wildwiese gibt es den „Kultwanderweg“, der an alten, mystischen Lochsteinen vorbeiführt und vom heidnisch-keltischen Brauchtum erzählt. „Sankt Anna Kirche“… „Pöllaubergkirche“… „Kloster Pöllau“… einen Hügel weiter das „Kloster Vorau“… eine erstaunliche Kirchen- und Klosterdichte.

Wir folgten der Asphaltstraße nach oben und kamen schließlich in Lehen an. Hungrig kehrten wir im Gasthaus Schrank ein – ein familiär geführtes, gutbürgerliches Gasthaus mit wunderbarer Aussichtsterrasse. Hier wird noch selbst gekocht. Es gibt eine ehrliche, gute Küche (ein bisschen wie in den Achtzigerjahren) mit riesigen Portionen.

Gestärkt konnten wir die Wanderung weiter fortsetzen. Die Asphaltstraße führte bequem bergab, sodass man nicht auf den Weg achten musste, was auch gut war, denn die Aussicht auf dieser Wegstrecke ist wirklich toll. Hinter einem Buschenschank wuchs ein Hollunderbusch, der bereits schwarze Beeren trug, und doch hatte er auch noch eine blühende Dolde… wie schön. Ein steiler Weingarten, wieder ein Wald und dann ein noch steilerer Steig hinunter zur Schönauklamm. Der Fluss mit seinen vielen kleinen Kaskaden hat schon was… und dann noch die Ruine einer Mühle. „33:9“.

Und immer wieder die informativen Schilder über Vögel. Der Kleiber ist ein „Nachnister“. Damit das Einflugsloch nicht zu groß ist, klebt er es mit Lehm zu. Interessant. Und der Grünspecht ist grün, damit er nicht so rasch entdeckt wird, wenn er in der Wiese sitzt und Ameisen nascht. Während wir ein Schild mit den Informationen über Spechte studierten, saß in den Zweigen über uns eine Kohlmeise und beobachtete uns aufmerksam. Ihre Art, Informationen zu sammeln. Wahrscheinlich wunderte sie sich ein bisschen, warum wir immer wieder wie wild um uns schlugen. „39:10“.

Nach der Klamm trafen wir auf die einzige Person, die sich an diesem Tag in dieser Gegend ebenfalls zu einem Spaziergang entschlossen hatte. Ich nahm an, dass ihr schwanzwedelnder und bestens gelaunter Hund sie zu diesem „Gassigehen“ überredet hatte.

Das letzte Stück der Wanderung kannten wir schon. Wir gingen wieder entlang der Safen zurück… „45 erlegte Bremsen zu 12 erlegten Gelsen“.

Wir stiegen ins Auto und fuhren in Richtung Kaindorf. „Da ist ja die nächste alte Kirche“, meinte ich und zeigte auf die alte gotische Filialkirche von Sankt Stefan ob Hofkirchen. Sie ist auch ein absolutes Schmuckstück, mit dem unverputzten Bruchsteinmauerwerk, den riesigen Bodenplatten im Kircheninneren, den Gerüstlöchern… und besonders interessant ist der Erdstall „Die Frauenhöhle“, der sich in ihrer Nachbarschaft befindet.

 

„Romai-Rundwanderweg“

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

7,2 km

327 HM

2,5 h

Start:

Waldbach-Mönichwald

Arzberghütte  

Wir haben diese Wanderung in einer Wanderbroschüre „Einfach wandervoll“ der Region Joglland-Waldheimat entdeckt. Im Internet findet man diese Wanderung ebenfalls.

Startpunkt: Arzberghütte (über eine Forststraße von Waldbach oder Sankt Jakob im Walde erreichbar).

Ihr werdet schon mitbekommen haben, dass wir im Normalfall nicht unbedingt in den Bergen unterwegs sind. Doch an richtig heißen Sommertagen zieht es selbst uns in höhere Lagen, um der Hitze ein wenig zu entkommen – und der Romai-Rundwanderweg ist selbst bei hohen Temperaturen recht angenehm.

Von der Arzberghütte aus erreichten wir in 3 Minuten das Gipfelkreuz (1.111 m Seehöhe) und konnten eine herrliche Aussicht genießen – vom Hochwechselpanorama bis ins Burgenland. Markante Felsen, Bäume mit Flechtenbärten und Heidelbeerbüsche boten ein hübsches, alpines Ambiente. Wenn man mit Kindern unterwegs ist, sollte man sie hier allerdings nicht aus den Augen lassen.

Die nächste Wegstrecke ging bergab. Zuweilen war die Route steil, und wir mussten auf die losen Steine aufpassen. Langsam und achtsam zu gehen, zahlte sich jedoch aus. Hier gab es eine Kombination von verwitterten Steinen, an denen sich alte Wurzelstöcke krallten, einige Moospölster, dahinter Heidelbeerstauden und junge Tannen.

Die Wegführung verläuft ausschließlich im Wald. Heidelbeeren und Schwammerln gäbe es zu ernten. Doch auch andere hübsche Pflanzen konnten wir entdecken. Gregi sah einen Hirschzungenfarn und war hingerissen. Immerhin befindet sich dieses Gewächs auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Auch andere pflanzliche Raritäten wuchsen hier. Die weiße Waldhyazinthe sowie das gefleckte Knabenkraut bekamen wir vor die Linse. Nur die gefiederten Genossen auf den Baumkronen wollten sich nicht ablichten lassen. Während der Wanderung hörten wir das schönste Vogelkonzert – nur die klugen kleinen Federbällchen verstanden es zu gut, sich hinter Ästen und Laub zu verstecken.

Der Wanderweg führte weiter bergab, wir näherten uns der Schlucht. Rechts ragten hohe Felsen empor, links des Weges war ein steiler Hang zum Bach hinunter. Doch so steil wie der Gegenhang auf der anderen Bachseite war er dann zum Glück auch wieder nicht. Dort gab es offensichtlich in jüngerer Vergangenheit Muren, und Bäume lagen quer im Tal.

Wir erreichten den Rastplatz des Romai-Wasserfalls. Ich besah mir das Kreuz mit dem geschnitzten Herrgott. Seine Proportionen stimmten nicht ganz, und gerade das gefiel mir an ihm besonders. Ein Sprüchlein war zu lesen und auch, wie der Romai-Wasserfall zu seinem Namen kam. Das Gebiet im Waldbach war schon in der Römerzeit besiedelt – schwach zwar, aber doch. Und von eben diesen Römern sollte der Name stammen. Einige Bänke luden zum Rasten ein, das Bächlein war seicht, und man könnte toll darin die Füße abkühlen. Kleine Kaskaden waren bachaufwärts zu sehen.

Geht man jedoch bachabwärts, kommt man zu einem massiven Holzgelände, das den Aussichtspunkt auf dem Felsen direkt über dem Wasserfall absichert. Kluge Menschen nutzen die Rastbänke, um dort ihre Augengläser abzulegen, bevor sie sich zum Aussichtsfelsen begeben und hinab in die Gischt sehen. Ich gehöre leider nicht zu dieser Kategorie.

Begeistert stand ich über dem Wasserfall, der immerhin eine Fallhöhe von 8,10 Metern hat, und wollte ein Foto machen. Meine Sonnenbrille hatte scheinbar ihre eigenen Pläne – Pungee-Jumping ohne Seil oder so. Okay, der Einwand, dass die Brille ein Gegenstand ist, der sich keine Pläne machen kann, hat schon was. Aber egal. Ich stand da so und sah in die Tiefe – rumps – schon hing meine Sehhilfe einige Meter unter mir auf einem Farn, mitten auf dem steilen Felsen. Razepaduff!

Schnell blickte ich um. Gregi war noch mit den kleinen Kaskaden am oberen Bachlauf beschäftigt und widmete mir zum Glück keine Aufmerksamkeit. Jetzt muss ich leider etwas ausholen. Wir waren schon einmal bei diesem Wasserfall, und Gregi war damals hinter die Absperrung geklettert, um ein „sensationelles“ Foto zu machen. Ich hatte damals natürlich eine Heidenangst, daher musste er mir hoch und heilig versprechen, auf Kletterausflüge zu verzichten.

Etwas abseits des Wasserfalls gab es einen abschüssigen, steilen Pfad nach unten. Und diesen Steig musste ich nun hinunterkraxeln. Ich hoffte aus ganzem Herzen, meine geliebte Brille wieder irgendwie zu erhaschen.

Als Gregi schließlich selbst zum Aussichtsplatz kam und mich 8 Meter unterhalb im Bachbeet waten sah, staunte er nicht schlecht. „Warum um alles in der Welt bist du da runtergeklettert? Ausgerechnet du, die sogar schon in der Raabklamm umgekehrt ist, weil der Weg ‚zu gefährlich‘ war“, schien er mich zu fragen. Hören konnte ich es leider nicht – zu laut toste das Wasser. Also kletterte ich auf allen Vieren wieder zu ihm rauf, um ihm die Sachlage zu erklären.

Ich glaube, ich habe noch nie erwähnt, dass ich einen cleveren Mann habe. Wer intelligent ist, verwendet Werkzeug. Also suchte er sich eine dürre, 3 Meter lange Fichte, entfernte alle Seitenästchen und versuchte damit, meine Brille zu erhaschen, während ich wieder im Allradmodus nach unten kletterte, um die Brille aus dem Bachbett zu fischen, falls sie nach unten fallen würde. Immerhin wollte ich sie wieder haben, nicht, dass sie über den Winkelbach, den Weißenbach, die Lafnitz, die Raab, die Donau ins Schwarze Meer käme. Sie fiel auch etwas weiter nach unten, verhing sich allerdings wieder in Farn und war von oben mit der Stange nicht mehr zu erreichen. Also kletterte Gregi mit meinem Segen auch nach unten. Den Sehbehelf habe ich nun glücklicherweise wieder, und Gregi durfte offiziell nochmals (mit Kamera diesmal) nach unten klettern, um „sensationelle“ Fotos zu machen.

Eines muss ich jetzt allerdings ganz schnell klären. Man kann bei dieser Wanderung auch ganz hervorragende Fotomotive entdecken, ohne auch nur einen Schritt den bequemen Wanderweg zu verlassen: die tollen Wegweiser zum Beispiel in Form eines Holzschuhs, interessante Tiere wie einen C-Falter, einige Moorenfalter oder mehrere zweigestreifte Quelljungfern. Besonders gut gefielen mir die Glockenblumen, die ihr Habitat mit einem Fingerhut teilten.

Doch besonders schön war dann der Panoramablick vor der Arzberghütte. Der Gastgarten ist ein richtiges Genussplatzerl. Nicht nur der tollen Aussicht wegen, sondern auch wegen der Köstlichkeiten, die hier angeboten werden. Den Kaiserschmarrn mit Kompott kann ich wärmstens empfehlen.