Arzberg Montanlehrpfad

 

 

Distanz

Höhenmeter

Dauer

Rundweg

5 km

170 HM

1:30 h

       

Diesmal stelle ich eine Wanderung vor, die man auch an einem heißen Sommertag gut bewältigen kann: den Montanlehrpfad von Arzberg.

Arzberg ist ein kleiner, beschaulicher Ort am „oberen Ende“ der einzigartigen Raabklamm. Diese ist die längste Klamm Österreichs und als Ausflugsziel weithin bekannt. Wir wollten uns jedoch einen weniger prominenten Wanderweg ansehen – den Montanlehrpfad. Schon vorweg: Wir waren begeistert.

Das Dörfchen Arzberg besteht aus Kirche, Gasthaus, Fußballplatz, einem aufgelassenen Gasthaus, Gemeinde, Schule und Kindergarten, einem Friedhof und einigen Wohnhäusern. Ich glaube, damit habe ich alles aufgezählt. Früher sah es hier wohl etwas anders aus.

Im Bergwerk arbeiteten zu dessen Blütezeit im 18. Jahrhundert rund 130 Knappen. In den Stollen fand man silberhaltige Bleierze und Zinn. Doch nicht nur der Bergbau beschäftigte gut spezialisierte Arbeiter – im 19. Jahrhundert gab es hier etwa 40 Sensenschmiede. Die Arzberger Klingen sollen so hervorragend gewesen sein, dass sie sogar bis ins ferne Russland verkauft wurden.

Die jahrhundertealte Bergbautradition endete schließlich in den 1920er-Jahren. Bei der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1242 wurde der Ort „Aerzeperch“ genannt – schon damals wusste man, welche Schätze im Berg schlummerten.
Es gibt Annahmen, dass bereits Römer oder Slawen von den regionalen Bodenschätzen Kenntnis hatten. Gesichert ist, dass unter den Herren von Stubenberg seit dem Ende des 15. Jahrhunderts geschürft wurde.

Die Stubenberger waren es auch, die in der Nähe des Ortes die Burg Stubegg errichten ließen (erstmals erwähnt 1383 als „vest Stubekk“). Sie wurde zur Sicherung der Raabklamm erbaut. Ich vermute jedoch, dass auch das Erzvorkommen dazu motivierte, an dieser Stelle eine Festung zu errichten.

Zur Wanderung

Vom Wanderparkplatz aus querten wir eine blumengeschmückte Brücke. Rechts marschierten wir entlang eines hübschen Bachs mit kristallklarem Wasser. Gut – streng genommen war es kein Bach, sondern die junge Raab. Tafeln zeigten an, wo sich früher Stollen befanden. Die nächste Station war das alte Knappenhaus. Hier findet man heute einen wahren Goldschatz: den Stollenkäse aus dem Almenland, der regelmäßig Medaillen beim World Championship Cheese Contest abräumt. Führungen und Verkostungen sind möglich.
Nähere Infos: office@stollenkaese.at

Wir folgten der schmalen Asphaltstraße entlang der Raab weiter. Gregi hatte nur noch Augen für die hübschen weiß-orangefarbenen Apollofalter und übersah dabei den geschichtsträchtigen Pulverturm. Ein wunderbarer „Lost Place“ erwartete uns anschließend: die ehemalige Erzaufbereitungsanlage. Sie ist beeindruckend groß, und auf dem Turm sind noch die Initialen „HB“ (Haufenreither Bergbau) zu erkennen. Hier wurde das Gestein sortiert; das taube Material brachte man mit einer Feldbahn zu den Halden.

Beim Grillwirt macht der Wanderweg einen spitzen Haken, und es geht hinter den Knappenhäusern in den Wald und den Berg hinauf. Hier erfuhren wir, dass das Erz im Grün- oder Schwarzschiefer zu finden ist – jedoch nicht im Schöckelkalk. Wir suchten nicht nach Erzen, sondern bewunderten die Pflanzenvielfalt am Weg: Wald-Geißbart, Mandelblättrige Wolfsmilch, Himbeeren, Akelei, Teufelskralle und eine gelbe Distel, die Gregi später als „Klebkratzdistel“ identifizierte.

Jetzt muss ich ehrlich gestehen: Gregi ist derjenige von uns, der Pflanzen benennen kann. Wenn ich auf eine Blüte zeige und sage: „Schau, was für eine schöne Blume“, merkt man sofort, dass ich keine ernst zu nehmende Botanikerin bin.

Zwischendurch durchschritten wir grüne, schattige Tunnel, die traumhaft nach Holunder dufteten. Dass wir auf einem „alten Weg“ unterwegs waren, den schon die Bergmänner benutzt hatten, erkannten wir an den Spurrinnen, die sich tief in den Schöckelkalk eingegraben haben.

Bei einem heimeligen alten Bauernhaus verließen wir den Waldweg, gingen bis zur Asphaltstraße und bogen dort im spitzen Winkel in eine Wiese ab, um bald wieder in den Wald einzutauchen. Zwischendurch bot sich ein schöner Blick auf Fladnitz und die Teichalpe.

Über uns müssten eigentlich die Gösser-Wände liegen, in denen sich nach alter Sage die „Silbernen Buben“ aufgehalten haben sollen. Ob es sich dabei um Zwerge oder Kobolde handelt, kann ich nicht sagen – vermutlich könnte das nur „Jakob“ beantworten. Er war ein armer Knabe, der diese Sagengestalten nachts bei Mondschein beobachtet haben soll.
Auf einer Lichtung hätten sie Erz gefördert und dabei trotz harter Arbeit noch genug Energie gehabt, um herumzutänzeln und sich gegenseitig mit Steinen zu bewerfen. Jakob suchte daraufhin an dieser Stelle nach Erz und wurde so reich, dass er – fromm wie er war – die Kirche von Arzberg bauen ließ.

Die Kirche von Arzberg ist dem heiligen Jakob dem Älteren geweiht, dem Schutzpatron der Pilger. Wie es sich für ein Gotteshaus eines Bergwerksortes gehört, ist sie in Grau gehalten. Erbaut wurde sie 1789; eine ältere, baufällige Kirche war zuvor abgetragen worden. Noch jünger ist ein wunderbarer Platz oberhalb des Friedhofs: eine hübsche Wiese mit einem schlanken, modernen Kreuz und einem Altar aus Metall – ein guter Ort zum Innehalten.

Zurück im Ort kann man unter der Friedhofsmauer verschiedene Gesteinsbrocken aus steirischen Steinbrüchen betrachten. Hier befindet sich auch der Kirchenwirt, bei dem wir gerne einkehrten. Beim Reingehen sah ich es sofort: ein Backblech mit einem riesigen, herrlich duftenden Apfelstrudel.
Er sei gerade frisch aus dem Ofen gekommen, erklärte uns die nette Seniorchefin. Der Strudel stamme aus ihrer eigenen Küche. Das war der Moment, in dem ich beschloss, keine Speisekarte mehr zu studieren – ich wusste genau, was ich essen wollte.

Das Gasthaus verfügt über einen Balkon mit Blick auf den Fußballplatz. Dort genoss ich meinen Apfelstrudel mit Kaffee. Besänftigt von dieser Köstlichkeit beobachtete ich sogar ohne Murren ein Fußballmatch, das auf dem angrenzenden Sportplatz ausgetragen wurde. Spielenden Kindern zuzusehen ist ja auch fein – ganz anders als lärmende Fernsehübertragungen.
Endergebnis: 2 : 2

Arzberg kann außerdem mit einem Schaubergwerk und einem Heimatmuseum aufwarten.
Infos: www.arzberg.at
(Abenteuerführungen und Schatzsuchen für Kinder sind ebenfalls möglich.)

Arzberg – so klein es auch scheinen mag – hat unglaublich viel zu bieten: preisgekrönten Stollenkäse, Schaubergwerk, Museum, Gastronomie, eine sportbegeisterte Jugend, das Naturjuwel Raabklamm sowie den wirklich interessanten Montanlehrpfad. Wir haben Blumen entdeckt, die wir zuvor noch nie gesehen hatten, und der Apollofalter ist ebenfalls keine alltägliche Erscheinung.
Diese Wanderung kann ich mit allerbestem Gewissen weiterempfehlen.

 

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