Friedberg: Rundweg 1 – Erlebnisberg-Runde mit Bärengraben

 

 

Distanz

Dauer 
 3,41 km1,52 h 
    

In acht oststeirischen Städten kann man mit dem 8-Städte-Gutschein bezahlen. Bad Radkersburg, Fehring, Feldbach, Fürstenfeld, Gleisdorf, Hartberg und Weiz dürften allen sehr bekannt sein. Und dann gibt es da noch die im Norden des Hartberger Bezirkes liegende uralte Stadt Friedberg, die auf der „Sonnseite des Wechselgebirges“ liegt. Eine Stadt mit einer ganz ungewöhnlichen Geschichte und offensichtlich sehr innovativen Bewohnern.

Der Bau der Stadt Friedberg wurde sozusagen von den Engländern finanziert … womit wir bei Richard Löwenherz angelangt wären. Über Richard Löwenherz gibt es ganz viele Erzählungen. Er war von 1189 bis 1199 König von England (dazu gehörten damals auch die Normandie sowie Teile von Westfrankreich). Als König zog er in den dritten Kreuzzug und nahm erfolgreich an der Eroberung von Akkon teil. Möglich, dass Richard kein besonderer Gentleman war: Jedenfalls kam es bei diesem Kreuzzug zu einem Zerwürfnis mit einem ehemaligen Verbündeten, dem französischen König Philipp II. Ebenso muss er den österreichischen Herzog Leopold V. ziemlich beleidigt haben. Das hätte er besser nicht tun sollen.

Auf der Heimreise erlitt Richard nahe Venedig Schiffbruch und machte sich daraufhin über den Landweg auf den Heimweg. Er passierte die Kärntner Stadt Friesach, kam über Bruck und über den Semmering beinahe nach Wien … kurz davor wurde er in Erdberg aufgegriffen. Für den Babenberger Herzog Leopold musste das wie Ostern und Weihnachten zugleich gewesen sein. Scheinbar war auch Kaiser Heinrich VI. kein großer Freund von Richard, also beschloss man in mafiöser Manier, Lösegeld für den englischen König zu fordern. Und das englische Volk zahlte – für Richard, der sich während seiner zehnjährigen Regentschaft nur ganze sechs Monate in England aufgehalten hatte.

Das Lösegeld entsprach einem zwei- bis dreijährigen Jahresbudget Englands. Die englische Bevölkerung hatte unter der enormen Steuerlast zu leiden (Geschichten um Robin Hood), während Kaiser Heinrich VI. und der Babenberger Herzog Leopold V. sich die enormen Silbermengen teilten. Und auch der französische König Philipp II., der mit Richard Krieg führte, freute sich sicherlich darüber, dass Richards Kriegskasse nicht allzu gut gefüllt war.

Während der Kaiser mit seinem Anteil an Silber einen Feldzug nach Sizilien finanzierte, hatte Leopold wesentlich nachhaltigere Ideen. Unter anderem baute er damit 1194 Wiener Neustadt und eben auch Friedberg. Friedberg lag an einer bedeutenden Stelle: Schon eine Römerstraße führte daran vorbei, und der Hartberg-Pfad, der Graz mit Wien verband, verlief nun durch die nigelnagelneue Stadt.

Doch nun zu unserer Wanderung. Wir starteten am wunderbaren, quadratischen Hauptplatz mit seinen einladenden Gastgärten und besahen uns zuerst die Kirche. Ganze 24 Heiligenfiguren befinden sich in diesem Gotteshaus. Vor der Kirche gibt es eine hübsche Laube, in der man etwas über die Geschichte der Kirche erfahren kann.

Über die Schießstätte stiegen wir dann zum Erlebnisberg hinauf. Hier gab es einst eine mittelalterliche Burg, später ein wehrhaftes Doppelschloss. Es hatte drei Roßställe, drei Teiche mit Fischen und Krebsen sowie verschiedene Gärten (Gewürzgarten, Küchengarten und Baumgarten), außerdem einen Maierhof, einen Dörrofen und eine Wagenhütte. Um 1700 wurde das untere Schloss abgetragen – die Steine dienten nach einem Stadtbrand als Baumaterial für die Häuser der Stadt Friedberg.

Friedberg wurde leider mehrmals von Bränden zerstört. Auch durch die Lage an der Grenze zu Ungarn kam es immer wieder zu Feindeseinfällen. Die Häuser mussten also immer wieder neu aufgebaut werden – Baumaterial von den alten Schlössern war dabei sehr beliebt.

Irgendwann wurde aus dem Schloss ein kleines Schlössl, das schließlich ebenfalls abgerissen wurde. Übrig blieben nur noch die Keller. 2012 wurden diese Keller dann endlich aufgeräumt – nach der jahrhundertelangen Nutzung war das längst überfällig. Dabei kamen so interessante Dinge zum Vorschein, dass man sich dazu entschloss, das Areal wissenschaftlich zu untersuchen. Es war ein Glücksfall, dass sich Archäologen für diese ehemalige Burg interessierten und ihre Erkenntnisse in hervorragend gestalteten Schautafeln weitergaben.

Voller Freude lasen wir über unterirdische Versorgungsgänge, betrachteten die Rekonstruktion des Schlosses, die in ein Foto eingefügt wurde, und kletterten auf den FRIED:BERG:FRIED, um die wunderbare Aussicht zu genießen.

Kurz war ich auch versucht, auf die hölzerne Kletterburg zu steigen. Den Friedberger Kindern wird hier wirklich etwas ganz Besonderes geboten. Nebenbei können sie auch noch viel über das Mittelalter lernen – liebevoll gestaltete Lehrtafeln wurden an der Kletterburg montiert. Der Erlebnisberg verdient seinen Namen.

Weiter ging es bergauf, immer entlang einer Hecke voller Artenvielfalt: Brombeerbüsche, Kirschbäume, Ahorn, Walnussbäume, Eschen, Wildrosen … darüber am Himmel konnten wir fünf Flugzeuge zählen.

Aussichtsbänke luden zum Verweilen ein, das Panorama war herrlich. Von hier aus konnte man viele wichtige Kreidfeuerstellen sehen – sogar jene der Riegersburg soll noch in Sichtweite gewesen sein. Türken, Heiducken, Kuruzzen – dieses rasche und effektive Warnsystem hat sicherlich so manches Menschenleben gerettet.

Nun führte der Weg bergab in das Naturschutzgebiet Bärengraben. Hatte zuvor auf der Anhöhe noch eine belastende Hitze geherrscht, genossen wir hier die kühlere und feuchtere Luft. Ein reizender Steg mit vielen kleinen Brücken, dunkle Felsen und riesige Farne, kleine Wasserfälle und mehrere Spaziergänger – mit oder ohne Hunde. Und dann die beiden Bären: Gut, der große Bär wirkt etwas unbeholfen … doch der kleine Bär mit seinen neugierigen, großen Augen – diese Holzskulptur ist wirklich gelungen.

An der Wunderquelle und dem Hochwasserbehälter vorbei gingen wir dann retour nach Friedberg. Apropos Wasserversorgung: Friedberg war hier ein absoluter Vorreiter. Bereits 1822 gab es eine Wasserleitung hinab in die Stadt durch den Bärengraben. Wir marschierten auf dem hübschen Wanderweg, unter dem wahrscheinlich diese Wasserleitung verläuft.

Und da wir nun so viel vom Trinkwasser gelesen hatten und es ein richtig heißer Tag war, freuten wir uns schon auf die Einkehr in eines der vielen Lokale rund um den Hauptplatz. Unter einem ausladenden Kastanienbaum saßen wir schließlich und genossen Kaffee und Eis.

Die Wanderroute war zwar nicht besonders lang – aber sehr, sehr lehrreich. Besonders loben möchte ich die interessant gestalteten Schautafeln, die einen wunderbaren Einblick in die bemerkenswerte Geschichte des Ortes geben.

Für Freunde der Geschichte: Es gibt einen Historischen Weitwanderweg Wechselland, der vom Historischen Verein Wechselland gestaltet wurde – eine ganz tolle Initiative.
Als Leseempfehlung: „Von der Steinzeit bis zur Gegenwart – Die Geschichte des Wechsellandes“.

 

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